Indiana Tribüne, Volume 19, Number 170, Indianapolis, Marion County, 8 March 1896 — Page 7
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Clttf Nacht im Glühofen. Furchtbares Erlebniß eines jungen Hand verkers, ron W. v. Schierbrand. Auf der Pferdebahn lernten wir uns kennen. Schon oft hatte ich mit dem Manne, dessen graues Haar merkwürdig gegen seine rosige Gesichtsfarbe abstach, auf der hinteren Platform der Car gestanden, denn sein Weg führte ihn Morgens nach derselben Straße der unteren Geschäftsstadt, nach der ich täglich zu pilgern hatte. Aber außer einigen gelegentlichenWorten, die wir gewechselt, war die BeZanntschaft mit ihm noch nicht eingefädelt worden in dieser ganzen Zeit. Und doch interessirte mich der Mann. Er hatte etwas an sich, das mir, da ich die Gewohnheit habe, 'die verschlungenen Lebensschicksale meiner Mitmenschen aus ihrer Physiognomie und ihrem Wesen herauszulesen, deutlich der Zündete, er habe Ungewöhnliches erfahren. Und was meiner, Phantasie immer wieder Spielraum gab bei ihm, das war seine verkrüppelte linke Hand. Ich rieth und rieth ein Feuerwehrmann war er nicht, daß er sich die Hand bei einem Brande so zugerichtet hätte, und doch sah dieselbe so aus. als b die Gluth einer Flamme dasFleisch und die Knochen so gezehrt habe. Der Unbekannte aber, dem man den soliden. behäbigen Wohlstand anmerkte, schien nicht die geringste Neigung zu verspüren, meine Neugierde, die er wohl bemerkt hatte zu befriedigen. Er schien das Bewußtsein verloren p haben. daß eine so grausig verkrüppelte Hand wie die seinige ihn nothwendi zerweise zum Gegenstand der Aufmerksamkeit stemple. Indeß eines Abends, als er unten in der Stadt die gedrängt gefüllte Car besteigen wollte, stieß ihm der Unfall zu. mit der gesunden, kräftigenRechten die eiserneRampe zu verfehlen, sodaß er nothgedrungen schnell die verstümmelte Hand zu Hülfe nahm um mit den verkrümmten, kurzen Gelenken derselben sich an den ihm zunächst Befindlichen, der zufälligerweise da war, anzuklammern, um nicht zu Fall zu kommen. Ich packte diese verkümmerte Like und half ihm auf die Platform, wofür er mir gleich darauf höflich dankte, und so war ein Gespräch eingeleitet, das noch im besten Flusse war, als wir Beide an derselben Straßenecke abstiegen. So vtttogieiT wir uns denn nach einem in der Nähe befindlichen altmodischen Weinstübchen. dessen Besitzer, ein geborener Pfälzer, seit vielen Jahren auf der Nordseite in Chicago den Ruf der heimischenTraube hochzuhalten bestrebt war. Bald standen die grünen Römer vor uns. und nachdem die Gläser in melodischem Zweiklang erklunzm, tbaute mein Mann auf und wurde mittheilsam , . Ja daö ist eine eigenthümlicheGeschichte bem;r!te er bedächtig, eine Geschichte, die mir immer noch nicht leicht von den Lippen fließt, trotzdem sie schon vor nahezu 30 Jahren passirt ist. denn ich war damals ein blutjun5er Mensch vos 22: Die Erinnerung daran aber ist mir heute noch so lebhaft, ols ob es gestern gewesen wäre. Ich habe nämlich damals eine Nacht eine ganze Nachi im Glühofen zugebracht." Na. na warf ich lächelnd ein, das ist doch nicht gut möglich, denn sonst würden Sie nicht gesund und munter hier sitzen." Ist aber doch so", lachte er, und daes Sie augenscheinlich interessirt. so will ich die Sache erzählen. Sehen Sie. mem Vater, der alte Jacob Löffler, war seiner Zeit der erste Kesselmacher im Westen, und er lehrte mich das Handwerk so gründlich und tüchtig, daß ich mit 20 Jahren schon ausgelernt hatte und auf eigenen Füßen stand. Nun war ich aber schon seit einiger Zeit verliebt in ein Mädchen unserer Nachbarschaft, mit deren Eltern sie waren Jrländer mein Vater sich nicht gut stand, und er opponirte. als ich von Neuem auf eine Verbindung mit Norah anspielte. Na, Sie wissen wohl, wie es mit jungen Leuten bestellt ist sie hören ja doch niemals auf den Rath der Eltern, und ich war eben keine Ausnahme in dieser Hinsicht, umsomehr als meine Neigung von dem Mädchen voll und ganz erwidert ward. Nun hatte mir freilich mein Vater Aussicht darauf gemacht, in sein Geschäft als Theilnehmer und nächster Nachfolger einzutreten, aber ich wutzit. daß ich in solcher Abhängigkeit von ihm nicht gut meinen Willen in betreff meiner projectirten Heirath durchsetzen konnte, und außerdem wollte ich das Handwerk auch in anderenStädten kennen zu lernen, und so ging ich denn nach Buffalo. wo ich bald eine sehr, einträgliche Stelle in dem großen Kesselschmied - Geschäft von Needhaven & Co. einnahm, die mir gestattete, bald an meine Hochzeit zu denken. Später, wenn mein Vater sich beruhigt haben würde, gedachte ich nach Chicago zurückzukehren und, wenn mein Vater Willens war, in dessen Geschäft einzutreten. Es war nur wenige Wochen vor dem Tage, auf welchen unsere Hochzeit angesetzt war. Wir hatten seit Monaten alle Hände voll zu thun, denn wir richteten gerade eine große Fabrik ein mit allenKessel- undHeizvorrichtungen. benöthigt waren, ein. Ich arbeitete oft 5 Stunden Ueberzeit, um meine Ersparnisse, die ich als junger Ehemann gebrauchen würde, zu vergrößern. und solche Ueberzeit wurde ja doppelt hoch bezahlt. Meine Arbeitgeber waren außerordentlich mit mir zufrieden, denn alle ihre Kunden rühmten meine Geschicklichkeit, Zuverlässigkeit und die Qualität meiner Arbeit. Ich war groß, stark, ohne irgendwelchen körperlichen Fehler, und der Himmel hing mir voller Geigen. Da passirte denn die Geschichte, auf die. ich
vorhin anspielte, und sie hätte mir beinahe mein Leben gekostet und machte mich in einer einzigen Nacht zum alten Mann wenigstens ist mein Haar seitdem so grau wie es heute noch ist." Der Erzähler seufzte. Doch nach einem herzhaften Schlucke fuhr er fort: Es war zwei Stunden nach Feierabend, als eine dringende Bestellung einlief und der alieHerr Needhaven. der mit dem Hülfsbuchhalter noch im Geschäfte -war, selbst auf mich zutrat und mich bat. den Auftrag sofort und nach besten Kräften zu erfüllen. Abschlagen konnte ich nicht gut. Denn der Auftrag war eine besondere Ehre für mich, weil man Niemand für gut genug dafür hielt als mich, und nur ein ganz besonders erfahrener und tüchtiger Mann die schwierige Reparatur, um die es sich handelte, ausführen konnte. Zugleich versprach mir Herr Needhaven auch noch eine Extravergütung von $5. Trotzdem ich also sehr müde war, sagte ich sofort zu, nahm -neinen Sack mit Werkzeugen unter den Arm und begab mich an Ort und Stelle. Es war in einer Zuckerfabrik, wo der eine Dampfkessel und die Röhrenleitung. die zu demselben führte.
schadhaft geworden war. Die Anlage I dort war noch die altmodische der Kessel hatte zwei Schornsteine, und die geborstene Rath war am äußersten Ende des einen dieser Schornsteine. Es war ein heikles Stück Arbeit, und ich mußte in dem engen Raum mehrere Stunden lang, auf de Bauche liegend, mich tüchtig abquälen. Natürlich hatte der Heizer das Feuer völlig erkalten lassen, und der Maschinist war während meiner Arbeit zugegen, um mir Winke zu ertheilen und hie und da eine Handreichung zu übernehmen. Als die Arbeit nahezu vollendet war und ich der beiden Männer nicht mehr benöthigte, rief ich ihnen zu, sie möchten nach Hause gehen um sich noch ein paar Stunden aufs Ohr zu legen, denn die unterbrochene Thätigkeit der Fabrik sollte am nächsten Morgen bei Zeiten wieder aufgenommen werden, und die Zwei waren nahezu so erschöpft wie ich es war. Sie ließen sich das auch nicht zweimal sagen und gingen, mich allein zurücklassend. Darauf vcllendete ich meine Arbeit und hatte nur mein im Inneren des Kessels verstreutes Handwerkzeug zufammen zu suchen, um mich. entfernen zu können. Genau wie es zuging, daö weiß ich nicht mehr zu fagen. Genug, in diesem Moment übermannte mich die Müdigkeit, und in dem Rauchfang, platt auf dem Leibe liegend schlief ich ein. Nichts störte mich. Alles herum war still. Wie lange ich so gelegen hatte. weiß ich nicht, jedenfalls mehrere Stunden. Da säumte ich schon. Ich war auf hoherSee, auf einem scheiternden Schiffe, und die wüthenden Wogen schlugen auf dem Verdecke zusammen, auf dem ich gefesselt lag. Mit .einem Schrei wachte ich auf. Alles um mich herum war dunkle Nacht kein Lichtschein, aber eiskaltes Wasser floß um mich und von oben herab. Blitzschnell kam ich zum Bewußtsein meiner schrecklichen Lage. Der Maschinist ließ den Kessel voll Wasser laufen und der Heizer mußte unten das Feuer wieder angezündet haben. Es war jedenfalls Morgen geworden da draußen, und die Beiden nahmen mit Bestimmtheit an, daß ich mich längst entfernt habe. Verzweiflung packte mich. Wie konnte ich sie da draußen benachrichtigen? Ich kroch herab aus meiner engen Lage und schlug mit dem Hammer gegen dieMetallwand, daß mir's dröhnend in die Ohren schlug. Umsonst die Doppelwand dämpfte den Schall für die da draußen, und das Rauschen und Riesein des Wassers vernichtete den Ton. Deutlich spürte ich. wie das Wasser unter mir im Kessel sich zu erhitzen begann. Furchtbar! Sollte ich hier wie eine Ratte ertrinken oder in siedendem Wasser gebrüht werden wie ein Stück Vieh? Nochmals schlug ich Lärm mit voller Macht. Abermals umsonst. Und jetzt sühlte ich schon en heißen Vrodem der Flamme unter mir und das Wasser brannte mir schon die Haut wund. Da, Zm letzten Augenbick, besinne ich mich auf den Rettungsweg. Noch einmal kroch ich in das enge Behältniß, wo mein Werkzeug lag, und daraus suchte ich nur einen stämmigen Meißel und Hammer, und mit fliegendem Athem, und rasender Eile pochte ich darauf los. um in das Wasserrohr ein Loch zu schlagen um das flüssige Element auf die glühenden Kohlen laufen zu lassen. Mit Riesenstärke schlug ich und siehe da! schon war ein langer Bruch in demRohrarm entstanden, den ich jetzt erweiterte und ve?länaerte. bis der Meißel' durchdrang. Während der letzten wüthendenSchläge aber drangen schon die Flammen bis u meinen Füßen, und als ich eine Oeffnung schimmern sah, und vor derselben die weitgeöffneten Augen des Maschinisten und Heizers, da brach ich ohnmächtig zusammen. Was weiter geschah. das bekam ich erst später ZU erfahren. Aus meinem Schmerzenslager, auf dem ich schon mehrere Wochen lang in Fieberphantasien gel-gen, erwachte ich wieder. Die kühlende, pflegende Hand meiner Braut lag auf meinen schmerzenden Schläfen. Als ich genesen, war diese linke Hand so verkrüppelt wie jetzt, und derSchreck jener Nacht hatte mir das Haar gebleicht. Aber es ist noch Alles gut geworden. Ich erholte mich völlig, und als an unserem Hochzeitstage mein Vater sich gänzlich mit uns aussöhnte und ich bald darauf in ein großes Geschäft eintrat als jllngeres Mitglied, da habe ich. Gott sei Dank, für den Rest meines Lebens ohne linke Hand auch auskommen lernen. Aber manchmal fehlt sie mir doch
das haben Sie heute Abend geseben!" Ich drückte d'em Mann die kräftige, biedere Rechte, und wir sind später gute Freunde geworden.
Warum nicht gleich so I Humoreske von Reinhold Gehlhar. 85 94 102 " Väterchen, hast Du einen Augenblick Zeit?" In Dreiteufels Namen nein, tausendmal nein!" Väterchen" übrigens mit seinem runden Spitzbäuchlein ein recht bedeutendes chen", warf 'wüthend den Federhalter hin, fprang auf und rannte mit auseinander klappenden, flatternden Schlafrockflügeln erregt durch das Zimmer. . Nein, tausendmal nein! In zehn Minuten die dritte Störung! Da soll einer rechnen können! Es ist zum Verrücktwerden! Scher' Dich an Deine Arbeit und " Da war Klärchen auch schon hinaus aus dem Comptoir des gestrengen Väterchens. Jetzt stand sie verlegen und ängstlich, bald roth, bald blaß da, und jetzt sogar ein tiefes Seufzerchen wie aus beklommenem Herzen. Es war aber auch zu schlimm. Heute wollte Er", der Herrlichste von allen, kommen, wollte seinen ersten Besuch machen, wollte, wenn's gut ging, um ihre Hand anhalten aber nun wird's wohl nicht gut gehen, da der Vater in solcher Stimmung nicht allzu große Lust zu einer Verlobungsfeier haben dürfte.. Sie waren längst mit einander einig. In Berlin, wo Klärchen das letzte Jahr gewesen, hatten sie sich aus einem Kaufmannskränzchen kennen gelernt, und dann hatte es nicht lange gedauert, da schwuren sie sich ewige Liebe und Treue. Dann, als Klär chen wieder in ihre Provinzialstadt zurückkehrte, schrieben sie sich postlagernd" Briefe, voll von lauter Süßigkeiten. ' Und beute wollte er kommen da war solch ein tiefe? Angstseufzer ganz am Platze. Eiaentlich bätte sich Klärchen gar nicht so große Sorge zu machen brauchen er der jugendliche Inhaber einer bedeutenden Firma, sie ein wohlhabendes Kaufmannstöchterlein, und lieben thaten sie sich unbeschreiblichaber, aber, der Vater! Immer war er schon hitzig, und wenn er gar noch schlechter Laune war ? Wenn sie ihn nur ein wenig hätte vorbereiten können! 105 116 124 " Habe die Ehre, Ihnen meine AufWartung zu machen. Vertreter der Weinhandlung Panscher und Co. Großartiges Lager der vorzüglichsten Mosel-, Rhein- und Bordeaux-Weine. Desgleichen französische und deutsche Schaumweine, spanische, italienische " Herr !" . . . Dabei die enorm billigsten Preise, koulante Zahlungsbedinguncen, hoher Rabatt bei " .Herr !" Der alte Herr schnappte nach Luft, mit galligen Blicken fizirte er über seine Brille hinweg den Weinreisenden. Ich erlaube mir. Ihnen das PreisVerzeichniß vorzulegen. Meine Proben habe ich im Hotel :" Herr! Ich brauche keine Weine!" So werden Sie gewiß die Gelegenheit, die sich Ihnen selten so günstig wieder bietet, wahrnehmen und mich mit Ihren geschätzten Aufträgen beehren, die ich mich in der tadellosesten Weise zu effektuiren verbürge!" Sie hören " Wir sind in der Lage, ebenso wie den weitgehendsten Ansprüchen in Bezug auf Qualität zu genügen, so auch was den quantitativen Bedarf angeht. . ." Herr wollen Sie mich verrückt machen?" Ich versichere es Jhnen. unsere Weine sind frei von jedem Verschnitt und Spritzusatz..." Zum letzten Male, ich brauche keine Weine!" Oh, Sie erlauben gütigst, Weine braucht man immer. Zum Beispiel des Morgens so ein Schnittchen Madeira, das ist. doch etwas Herrliches. Oder Ihr Fräulein Tochter könnte sich verloben, das kommt doch vor, da erlaube ich mir, von unserem besten Sekt " Das ist zu toll! . Machen Sie gefälligst, daß Sie in Ihr Hotel kommen, und kommen Sie mir mit Ihren Proben . . ." Ach, sehr liebenswürdig! Gewiß, ich werde mir sofort erlauben, mit meinen Proben wiederzukommen. Ich versichere. Sie werden zufrieden sein. Auf Wiedersehen also!" Die innere Wuth, die bei diesem Redeguß gar keine Gelegenheit hatte sich zu entladen, schnürte dem alten, cholerischen Herrn die Kehle zu. Es dauerte eine Weile, bis er sich soweit erholt hatte, sich wieder seinen Rechnungsbüchern zu widmen. Zum fünften Male dieselbe Zahlenreihe! 154 168 173 189 " Ich erlaube mir ergebenst, Ihnen meine Aufwartung zu machen . . ." Ein junger, hübscher Mann in tadellosem Visitenanzuge. In einiger Verlegenheit suchte er nach einer Karte und überreichte sie. Wüthenden Blickes las der Kaufmann dieselbe, um sofort in aufloderndem Zorn in die Höhe zu fahren. . Aus der Karte stand: Roderich Rederich. Vertreter der Weinhandlung Panscher und Co. Also der zweite! Hält heute die Welt ihn zum Narren?! Und Ihre Kosfer haben Sie nicht gleich mitgebracht?" fragte er giftig mit mühsam
verhaltener Wuth. Wunderbarer Empfang, dachte der junge Mann. Ich wußte nicht, ob stotterte er. Ich weiß aber und gebe Ihnen den guten Rath, Ihre Koffer zu packen und zum Teufe! zu gehen." Sie wissen? Und Sie weisen mich ab? Darf ich um Aufschluß' bitten, welche Gründe Sie veranlassen ? Herr, werden Sie nicht dreist. Sie könnten sonst die Erfahrung machen, daß ich einen Hausknecht mit festen Fäusten habe!" Gut, mein Herr, ich gehe. Was Sie auch für Gründe haben mögen, mich zurückzuweisen dazu haben Sie aber gewiß keine Veranlassung, mich so schimpflich zu beleidigen. Ich verzeihe es Ihnen aus Liebe zu dem Mädchen, das ich liebe. Mögen Sie es vor sich selbst verantworten können, daß Sie dem Glück Ihrer Tochter im Wege stehen." Herr, sind Sie verrückt, oder bin ich's?" Eine maßlose Wuth kochte in dem alten Herrn auf. Ich lehne diesen Vorzug für meine Person ab." Der junge Mann wendete sich mit einem steifen Diener zur Thüre. Das ist zu toll! Der Unverschämte!" Blau und roth im Gesicht vor Wuth, kaum wußte er. was er that, hebt er die Hand gegen den jungen Mann, da Die Thür fliegt auf. und Klärchen, die neugierige Lauscherin. fliegt dem Vater schluchzend um den Hals Väterchen, er ist ja mein heimlicher Bräutigam!" Der Kaufmann macht ein hervorragend dummes Gesicht und blickt von einem zum andern. Des Töchterchens halb verschämt halb ängstlich geflüsterte Worte, des jungen Mannes Erklärungen bringen allmählich Licht in seinen Verstandskästen. Ja, ich liebe Ihre Tochter und bin als Inhaber der Firma Reims und Geldern in der Lage, Ihrer Tochter ein. sorgenfreies Leben zu verbürgen." Ja wer sind Sie denn? Sie heißen doch ?" Erich Wolter. wie meine Karte sagt." Ihre Karte? Da sehen Sie Er hält dem jungen Mann die abgegebene Visitenkarte hin. Oh, da gab ich Ihnen aus Versehen die eines Weinreisenden, der sie mir im Hotel aufdrang . . ." Da stand der Alte ziemlich verblüfft und verlegen. Diese Gelegenheit benutzte natürlich das Liebespaar, um sich flink in die Arme zu sinken! Dazu mußte der Alte doch nun etwas saoen und was half's er mußte sich schon darin finden! Ja Ihr seid also einig?" Wir lieben uns unsäglich!" Ja. na dann was soll ich dabei thun? Aber warum denn nicht gleich so?!" Da gaben sich Erich und Klara den ersten öffentlichen" Kuß . Hier bin ich. darf ich mir erlauben " Da war auch der wirkliche Roderich Rederich schon wieder! Sie haben recht," rief ihm der Kaufmann entgegen, ich brauche Sekt zur Verlobung und Hochzeit!" 9c ja : warum nicht gleich so!"
Der elte Oberst. Lklzze aus der österreichischen Armee von Josef Radu. Unser Oberst war ein wahres Pracht exemplar eines sogenannten Commiß knopfeS. Er war von Pike auf vom gemeinen Grenzer Offizier, Stabsoffi cier und schließlich Regimentscomman dant geworden. Dies Alles verdankte er außer seiner Tapferkeit auf dem Schlachtfeld?, welche er in verschiedenen Feldzügen bewiesen hatte, seiner rief! gen Gestalt und seinem schwarzen mar tialischen Schnurrbart, welcher nicht allein seinen Untergebenen, sondern auch seinen Vorgesetzten jederzeit imponirt hat. Im Grunde war er ein gu ter Kerl, aber er gab sich das Ansehen eines Wütherichs und zeichnete sich durch jene göttliche Grobheit aus, wie man sie wohl in dieser Vollendung nur in der österreichischen Armee vor der Februar-Verfasiung sand. Das Regle ment war sein Evangelium, der Dienst etwas Heiliges, jeder Verstoß dagegen ein schweres Verbrechen in seinen Au gen. Wie pedantisch er an allen Vorschrift ten hing, mag der folgende humoristische Vorfall aus seiner Lieutenantszeit beweisen. Ter damals noch jugendliche, aber thatkräftige und soldatenliebende Kaiser erschien eineS TageS unerwartet in einer kleinen Provinzialhauptstadt, um die Garnison zu inspiziren. Das Regiment, in dem unser Oberst damals als Lieutenant stand, stellte sich im Ka sernenhose auf und der Kaiser musterte dasselbe mit einer Genauigkeit, wie sie damals bei den Monarchen noch nicht üblich war. PlöIich fiel sein Blick auf unseren späteren Obersten. Aber sagen Sie mir doch, Herr Lieutenant." begann der junge KriegsHerr, was haben Sie denn für einen Waffenrock an ? Derselbe ist ja viel zu lang !" Zu Besehl, Majestät," erwiderte unser Oberst in strammer Haltung. Ter Waffenrock ist vorschriftsmäßig." Ter Kaiser befahl einen ollstab herbeizubringen und wirklich bei der vor genommenen Meffung crw!cZ sich der Waffenrock des zur Rede Gestellten als der einzige, welcher die richtige Länge hatte, während alle anderen, selbst jmer Seiner Majestät, viel zu kurz waren. Ter Kaiser lachte, gab dem gemaßregel' ten Lieutenant die Hand und lud ihn zum Tiner ein. Als Dessert erhielt unser Oberst an jenem Tage sein Patent als Oberlieutenant. Als Major kam derselbe mit seinem
Regimente nach Wien und wurde zu einem Hofball befohlen. Unser Oberst hatte selbstverständlich keine Ahnung davon, daß man auf einem Hosball von den hohen und allerhöchsten Damen zum Tanze, entboten wird. Er stand mitten in einer Gruppe von Offizieren und verschlang mit seinen Blicken die Kaiserin, damals zu gleicher Zeit das Ideal eines schonen Weibes und einer durch Würde und Anmuth imponiren den Monarchin. Es bedrückte sein loyales Unterthansherz, daß er die Kaiserin unausgesetzt auf ihrem Platze weilen und nicht tanzen sah und hielt es für seine Officierspflicht, den Fehler der Andern endlich durch eine entschlossene That gut zu machen. Energisch schnallte er seinen Säbel ab, trat auf die Kaiserin zu und machte sein Com pliment, nannte seinen Namen und bat um eine Tour. Im nächsten Augenblick ging ein Flüstern und Murmeln durch den Saal, Hundert reizende Ge sichter verbargen sich hinter Fächern und der Kaiser biß sich auf die Lippen, um nicht laut auflachen zu müssen, altx Alle zusammen hatten ihre Rechnung ohne das gütige Herz der Kaiserin ge macht. Ehe sie zugab, daß ein tapferer Officier öffentlich zum Gespötte werde, that sie das Unerhörte; sie erhob sich lächelnd, stieg die Stufen der Estrade, auf de? sie geseffen hatte, hinab und tanzte eine Tour mit dem Glücklichen, der jetzt von der ganzen Herrenwelt beneidet wurde. Vielleicht war eö dieser Neid, der sich in Gestalt eines Spitznamens an seine Fersen hef tete, denn unser Oberst hieß seither in der Armee nur noch der Tänzer der Kaiserin. Als er unser Regiment commandirte, besaß er neben seinen anderen guten Eigenschaften noch eine Tochter, welche das Ideal aller jungen Lieutenants war. Die schöne Stefanie, wie man sie von der Adria bis an die Ufer der Moldau und von der russischen Grenze bis in die Salzburger Berge hinein nannte, verdiente es auch in der That, umworben und angebetet zu werden. Sie war eine reizende, schlanke Brünette von südlichem Typus, lebhaft, stets guter Laune, herzensgut, verständig und liebenswürdig. Wenn sie einen Fehler hatte, so war eS der, daß sie mit Jedermann kokettirte und Niemandem ihre Gunst ernstlich schenkte. So Man cher, der einen Korb von ihr heimge tragen hatte, rächte sich durch die Bemerkung, daß sie ohne Zweifel auf einen Prinzen warte. Aber die Folge gab allen diesen durchgefallenen Ve Werbern Unrecht. Eines Morgen?, als der Oberst eben die Zeitung las und weidlich über alle Civilisten im Allgemeinen und die Journalisten im Besonderen loSzog, kam die schöne Stefanie ganz gegen ihre Art sanft und leise wie ein Kätzchen hereingeschlichen, saß plötzlich auf den Knien ihres gestrengen Herrn- Papas schlang die weichen Arme um dessen stocksteifen Nacken und küßte ihn wieder, holt auf den grimmigen, schwarzen Schnauzbart. Nun, was willst Du denn eigent lich?" begann der Oberst, nachdem eS ihm endlich gelungen war, sich der Schmeicheleien seines Lieblings zu er wehren. Soll ich Dir vielleicht wiederum ein neues Kleid kaufen?" Nein, Papa. Es ist etwas ganz Anderes, waS ich von Dir haben möchte." WaS also?" Rathe einmal.Du weißt, daß ich noch niemals Räthsel oder einen RebuS aufgelöst habe." Also, Papa aber Du wirst gemiß nicht böse sein?" Nein, sag' nur endlich, waS Du willst? Die schöne Stefanie neigte sich zu dem Ohr des Vaters und flüsterte: Ich möchte heirathen, Hapa!" Heirathen? Weiter nichts? und wer ist denn allenfalls der Glückliche?" Stefanie nannte zögernd den Namen des Adjutanten, eines jungen ritterli chen Polen, der ihr Herz auf dem Gar nisonsball vollständig bezwungen hatte. Teremttete!" fluchte der Oberst. Ta wird nichts daraus, fchlage Tir die Geschichte aus dem Kopf und mit dem Herrn Lieutenant will ich ein ern steS Wort reden." Das wirst Tu nicht," entgegnete Stefanie energisch, denn ihn trifft nicht die mindeste Schuld. Ich habe mit ihm kokettirt, ich war es, die ihm dentlich zu verstehen gab, daß ich ihn lüde und ibn aeradezu berausforderte. mir ein Geständnis zu machen. Du wirst wohl zugeben, Papa, daß eS ge radezu ein Bergehen gegen die Subor dination gewesen wäre, wenn er unter diesen Umständen der Tochter seines Obersten und Regimentskommandan ten keinen Heirathsantrag gemacht hätte!" Wer gibt Euch denn die Caution?" brummte der Oberst etwas besänftigt. Seine Eltern," erklärte Stefanie immer siegesgewisser. Sein Vater ist ein reicher Gutsbesitzer in Galizien and hat ihm bereits Alles zugesagt." ; Ter Oberst erhob sich in seiner vol!en Höhe von sechs Fuß und berief durch die im Vorzimmer anwesende Ordonnanz den Adjutanten vor sich. Als dieser eintvat und in militärischer Haltung in der Nähe der Thüre stehen blieb, gab eö erst ein heilloses Tonner vetter, ein ganzes Lexikon deutscher, ngarischer, kroatischer, italienischer Klüche prasselte auf den unglücklichen Lieutenant nieder, dann folgte eine säterliche Ermahnung und schließlich rrschien der friedenverbeißende Regenbogen über den Häuptern der Lieben )en. Also es ist Ihr Ernst, meine Toch ler zu heirathen?" Zu Befehl. Herr Oberst." Der Gewaltige trat einen Schritt zurück, warf einen schrecklichen Vlick zuerst auf den Adjutanten, sodann auf die
lchöne Stefanie und kommandirte:
.Habt Sicht !
Aber Papa!" rief Stefanie. Ruhig im Glied Marsch" und als die Liebenden einander gegenüber standen: Halt zur Generaldecharge fertig Feuer!" Dieses Commando brauchte der Oberst nicht zu wiederholen. Schon hing die schöne Stefanie am Halse des Geliebten und küßte ihn herzhaft, bis der Oberst hinzutrat und Beide um armte.
Klein Hütchen. Von Otto Schmelzer. Er hieß eigentlich Heinrich Hut und die Jungen in der Schule begnügten sich nicht damit, ihn Hütchen zu nennen, weil er klein war, sondern sie riefen ihn Klein-Hütchen, weil er kleine? als sie alle und obcnein verwachsen war. Tas Häuschen, das seinem Vater ge hörte, lag einsam hinter der Stadt mauer. Es war aus Fachwerk gebaut und schon so alt, daß man Spruch und Jahreszahl, die in den Balken über der Hausthür eingebrannt war. nicht mehr zu erkennen vermochte. Sturm und Regen hatten ihm arg zugesetzt und von keinem Nachbarhause geschützt, standen seine Wände windschief da und drohten immer zusammenzufallen. Ter Vater war Seiler, ein stiller, fleißiger Mann, der vom Morgen bis zum Abend arbeitete. Wenn Klein Hütchen aus der Schule kam, dann mußte eS sich hinsetzen an das Seilerrad und es unaufhörlich-drehen. und der Vater ging langsam die Stadtmauer entlang und spulte die Fäden. So war es im Sommer und im Win ter. bei Hitze und Kälte, bei Sturm und Regen. Es war sonst Niemand da, der bei der Arbeit helfen konnte, denn die Mutter saß oben im Zimmer, im Lchnstuhl dicht am Fenster und wartete, daß der Tod sie von ihrem Husten erlösen sollte. Von Zeit zu Zeit nickte sie mit ihrem müden Gesicht ihrem Sorgenkinde zu und von Zeit zu Zeit strich auch der Alte dem Kleinen über das Haar, als wollte er ihm sagen: das ist nun einmal so, das ist dein Loos. Wenn sie dann nach voll brachte? Arbeit hinaufkamen und ihr kärgliches Abendbrot verzehrt hatten, zündete der Alte die Pfeife an und setzte sich schweigend in die Sophaecke und Heinrich legte den Kopf in den Schooß der kranken Mutter, und diese Stunden schienen ihm die glücklichsten des Daseins. Und als sie eines Abends wieder hinaufkamen in die Stube, wa? vor ihnen leise der Tod eingetreten und die Mutter saß mit gebrochenem Auge da und der Kleine weinte heiße Thränen. Nach vier Wochen begruben sie auch den Vater. Klein Hütchen wurde auch in die Pflege gebracht. Das HauS wollte Niemand kaufen, die wenigen Sachen gingen hierhin und dorthin, aber der Kleine kannte Jeden, der ein Stück er standen hatte. Der Schuster, bei dem er Aufnahme fand, sollte ihn, wenn er mit der Schule fertig war, in die Lehre nehmen, aber wie die Zeit kam nach einem Jahre wies ers zurück, weil der Junge zu schwächlich zum Hand werk war. So wurde er Schreiber bei der Stadt. Aber er blieb nach wie vor bei seinem Pfleger. Man achtete wenig auf ihn und er selbst ging den Leuten scheu aus dem Wege. Sein geringer Verdienst reichte aus. um Kost, Wohnung und dürftige Kleidung zu decken. Und Klein Hütchen schrieb vom Mor gen bis zum Abend. Ter Schadtschrei der, unter dem er lernte, war ein mür rischer Mann; aber Heinrich war fleißig und gewissenhaft, und gab keinen Anlaß zum Tadel. Ein Tag verstrich wie der andere. Es war niemand freundlich, aber auch niemand unfreundlich gegen ibn. Wenn er am Abend von der Arbcit heimkam, so ging er auf seine Bo dcnkammer und blickte durchs kleine Fenster nach der Gegend, wo sein vereinsamtes Vaterhaus stand. Eine kurze Weile war es bewohnt gewesen; cin Schneider, der nichts zu brechen und zu beißen hatte, war gegen niederen ins eingezogen, hatte es aber bald wi:der verlassen und öde stand eS nun da und kein Mensch kümmerte sich darum. Aber Heinrichs Herz hing mit unsagbarer Liebe an dem alten Hause. Wenn er am Sonntag frei hatte und am Nachmittag die Leute in der Kirche waren, so schlich er hinter die Stadt mauer. Ten Schlüssel zum HauS verwahrte sein Vorgesetzter, der Stadt schreiber; tc wagte es nie, ihn darum anzusprechen. Aber er fand auch so hin cin. Hinten schlüpfte er durch den Stacketenzaun in den kleinen Hof, von dem eine Thür in den Keller führte, die seit Gedenken kein Schloß gehabt hatte. So kam er ins Haus und hin ans in die Stube. Und dort setzte er sich auf die Thürschwelle und sah weh muthvoll nach dem Platz, auf dem sein Vater nachdenklich die Abende verbracht, und nach dem Fenster, an dem die kranke Mutter seinen Kopf im Schooße gehalten hatte. Stundenlang konnte er dort kauern und träumen. Er war mutterseelenallein; es gab Niemand auf der Welt, mit dem ihn ein Band der Freundschaft oder der Liebe ver knüpft hätte, und er glaubte nicht, daß das je anders kommen könnte. So lebte er in der Vergangenheit und das alte zerfallene Haus war ihm eine Wahrstätte der Liede, wo ihn Alles freundlich anscbaute und wo' ihm seine trostlose Kindheit im reinsten Glücke erschien. Jahre gingen dahin und es hatte sich nickts im weckselloien Lcbcn Klein füt chens geändert. Nach wie vor ging er menschenscheu von der Arbeit in die Bodenkammer, nach' wie vor schlich er zum Vaterhaus, wenn er die Zeit er übrigte. Sein kleines Gehalt war etwas gestiegen, aber seine Ansprüche waren die gleichen geblieben und sorg sam legte er in die Schublade, was er zu svaren vermochte.
Da zog ein Rcchtsanwalt in'ö Städtchen, der einen Schreiber nöthig hatte, einen Bureauchef, wie es stolz hieß. Klein Hütchen wurde blaß und roth, als der junge Anwalt eines Tages ihm ohne Umschweife die Stelle anbot, weil er ihm als klug und fleißig und zurer lässig bezeichnet war. Ter Kopf schwirrte ihm. als er die Summe hörte, die er nun als monatliches Gehalt beziehen sollte. Tie Leute grüßten ihn auf der Straße und sagten, das hättm sie immer gedacht; seine einstigen Schulkameraden wünschten ihm Glück und nannten ihn noch immer Klein Hütchen; denn gewachsen war er nur wenig. Am Abend des Tages, als er zum neuen Ehef übergesiedelt war, trieb es ihn in's Vaterhaus. Es war ihm, als könnte er den todten Eltern erzählen, wie weit er '8 gebracht, und als er nach den beiden Plätzen blickte, kam's ihm vor, als ob sein Vater ihm zunickte und seine Mutter ihm unter Thränen lächelte. Da stieg ihm der Entschluß auf, selbst wieder in das liebe Haus zu zie hen, möge es kosten, was es wolle. Tie Stadt hatte es angenommen als düriti gcS Entgelt für die Pflcgekostcn, die' sie für ihn gezahlt hatte. Er wollte es wieder erwerben. Der Plan gab ihm fröhlichen Muth: er arbeitete rastlos und achtete eS nicht, daß sich im Winter ein böser Husten einstellte, da ß er Stiche in der Brust fühlte, und daß der Anwalt ihm Scho nung empfahl. Er arbeitete und sparte und wie nach dem Sommer der Herbst einkehrte, meinte er zu besitzen, was zur Einlösung des Hauses ausreichen würde. Es war die höchste Zeit. Eines Morgens rief der Ausrufer aus: Tas HauS des verstorbenen Sei lermeisterö Hut Hierselbst an der, Stadtmauer soll wegen Gefahr deS Einsturzes am Sonnabend auf Ab bruch öffentlich meistbietend verkauft werden." Klein Hütchen zitterte, als er die Worte unter dem Fenster vernahm. Zum Abbruch! Niederreißen wollten sie das Einzige, an dem sein Herz hing. Es war ihm, als wollten sie sein ganzes Leben mit niederreißen. Ein fürch terlicher Hustenansall faßte ihn. Man mußte ihn auf sein Zimmer bringen. Der Anwalt kam hinauf und sagte: Ich habe Sie immer gewarnt, lieber Hut, Sie haben sich überarbeitet. Jetzt gebe ich Ihnen Urlaub; Sie müssen sich erholen." Am Sonnabend erstand Klein Hütchen das HauS. Innerhalb vierzehn Tagen müssen Sie es abbrechen lassen. Vielleicht ist eö bis dahin schon von selbst eingefallen." So sagte der Bürgermeister und übergab ihm den Schlüssel. Klein Hütchen erwiderte nichts. Aber als er hustend mit dem Schlüssel heimging, pochte ihm da Herz freudig in der gemarterten Brust; ihm gehörte daö Vaterhaus und vierzehn Tage waren eine lange Frist. Am folgenden Morgen ließ er die wenigen Möbel, die er wie dererstanden hatte, das Sopha, den Lehnstuhl und einen Tisch in das HauS schaffen. Die Leute sahen ihm ver wundert zu. Dann nahm er selbst Be sitz von dem Hause. Es war ihm so leicht und froh um'S Gemüth; es war der größte Freudentag seines Lebens. In der Frühe deS nächsten TageS meldeten Arbeiter dem Bürgermeister, daß das HauS des Hut über Nacht zusammengestürzt sei. Ein mächtiger Sturm war vom Gebirge herniederge braust und in die Spalten deS Thales gedrungen, in dem das Städtlein !ag. Das Haus gehört dem Sohn," sagte der Bürgermeister, meldet e ihm." Man ging hin zu dem Rechtsanwalt, iber Klein Hütchen war nicht zu sin den. Er hat gestern die Möbel hinschassen fassen." sagten die Nachbarn entsetzt, er wird die Nacht im Hause zugebracht haben." Alles eilte zu dem zerfallenen Hause. Man räumte die Trümmer fort und stieg auf Leitern über die zerbrochene Treppe in 'S Zimmer. Dort saß rn Lehnstuhl der Mutter Klein Hütchen, bleich und todt. Kein Balken hatte ihn berührt. Auf seinem Antlitz aber lag ein Schimmer milder Verklärung 1 "Fln de siede"
Entrüstet ruft Ihr: Fin de stecle!' Wenn eine Dummheit Euch emvört. Dies, ist das neu'ste Mene Tekel, Das bis zum Ueberdruß man hört. Jedoch 's ist leichter zu verzeihen, Wenn's alte endet möglichst dumm. Als wenn mit neuen Efeleien Beginnt das neue Säkulum. Gedankensplitter. Die Fehler großer Geister zeigen sich am ausgeprägtesten bei ihren Nachahmern. ' Es giebt Lügen, denen man nicht gram, Wahrheiten, denen man nicht hold sein kann. Mancher nennt etwas äußerlich, weil er es nur äußerlich betrachtet hat. Verlorene Zeit ist eine Schuld, die uns oft Wucherzinsen kostet. Sei stille und bescheiden. Glaub' mir, man ignorirt Dich! Sei frech und arrogant Ich wett', man respeetirt Drchl Wer nie im Gefecht war. hat es leicht, einen blanken Schild zu haben, Die Schule seines Kindes wird heutzutage manchem Vater schwerer.
als seine eigene ihm war.
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