Indiana Tribüne, Volume 19, Number 170, Indianapolis, Marion County, 8 March 1896 — Page 3

Im WMW5W5 Von Heorges Hynet. . (18. Fortsetzung und Schluß.) Er erwiderte nichts mehr, nickte zweimal zustimmend mit dem Kopfe, und schon nach wenigen Minuten ließ sein etwas regelmäßigerer Athem erkennen, daß er eingeschlafen war. Als am folgenden Morgen Rameau und sein junger Kollege Pelicier in die Rue Rembrandt kamen, fanden sie den Zustand des Kranken recht zufriedcnstellend. DasFieber war verschwunden und die Wunden boten einen günstigen Anblick. Die Wunde in der Brust ist schließ, lich doch nicht so gefährlich, als es erst ien Anschein hatte," meinte Rameau. Die gebrochene Rippe wird uns am meisten zu schaffen machen. Aber bei einem gesunden Mann, wie Herr de Ploerne, ist die Natur eine wunderbare Hilfskraft. Im Grunde genommen, steht Alles gut. Ich werde heute Abend noch einmal nachsehen; von morgen an jedoch glaube ich, daß Sie mich entbehren können." Mit Therese schien in der That, wie Raimond es ausgesprochen hatte, das Glück wieder eingezogen zu sein. Jede Gefahr war schon nach einer Woche der sorgfältigsten Pflege vorüber, und der Verwundete begann wieder Kräfte zu sammeln. Aber mit dem neu erwachenden Leben kehrte auch der Kummer in verdoppelter Stärke zurück und die Erinnerung an sein Unglück und die Sorge um seine finanzielle Lage quälten ihn schrecklich. Er wollte darüber weder mit Madame de Saint-Miurice noch mit Therese sprechen. Bernheimer hätte ihm Aufklärung geben können, schien es aber dalauf anzulegen, nie mit ihm im Zimmer zu sein, ohne daß eine der beiden Frauen anwesend war. Endlich konnte es Raimond nicht mehr langer aushalten und theilte Therese seine Besorgnisse mit. Ich sollte nothwendig mit Deinem Pathen sprechen. Er hatte die Güte, sich mit der Ordnung meiner Angelegenheiten zu beschäftigen. Ich muß wissen, woran ich bin. Das begreifst Du, nicht wahr? Er scheint einer Aussprache ausweichen zu wollen, ohne Zweifel aus Furcht, mich zu ermüden. Aber Du weißt, daß ich jetzt im Stande bin. iön anzuhören und ihm Rede zu stehen. Da ich diesen Gegenstand nur schwer "vor der Tante berühren kann, die sich darüber aufregen würde, fo bitte ich Dich, sie unter irgend einem Vorwande aus dem Zimmer zu rufen, wenn Vernhi'imer da ist. Sobald ich diese Sache hinter mir habe, werde ich auch wieder ruhiger sein." Therese, die Raimond nichts ver"weigern konnte, versprach, seinem Wunsche nachzukommen, und noch am selben Tage führte sie das kleine Manöver aus. Samuel war so gezwunge nerweise mit Ploerne allein, und es blieb ihm nichts übrig, als auf dessen dringliche Fragen ohne Umschweife zu antworten. Ich wollte diese Unterredung bis zu Ihrer vollständigen Genesung hinausschieben, lieber Freund, aber da Sie es so eilig damit zu haben scheinen. so sprechen wir in Gottes Namen schon jetzt darüber." Wie steht es mit der Liquidation?" Sie ist beendet." Und wie?" Es ist alles bezahlt, und Ihnen bleibt noch eine Rente von zwanzigtausend Franken." Wie kann mir noch etwas übrig bleiben? Ich hatte mich über meinBermögen hinaus eingelassen, und man hatte ja nur die Halste des Kapitals einberufen." . Das habe ich eben so arrangirt." ' . Erklären Sie mir..." Sie wollen Alle.'' wissen? Wozu? Begnügen Sie sich r U dem. was ich Ihnen sage. Sie kennen sich in Gesckiäften nicht aus, das haben Sie ja clänzend bewiesen. Man hat Ihnen v ?r Millionen so gut wie aus der 5 'schs gestohlen; ich habe Ihnen vier ärgere zurückgewonnen, ohne die man Sie ganz einfach an der Börse exekutivt hätte, wäre ich nicht dazwischengetreten. Sie gehen aus dem Comptoir so nackt wie ein kleiner Amor hervor, afar stehen, wenn dies überhaupt möglich ist, noch ehrenhafter da, als vorher, denn Sie haben die eingegangenen Verbindlichkeiten sogar über das gewohnte Maß hinaus erfüllt. Wollen Sie noch etwas von mir wissen?" Was ist aus dem verantwortlichen Verwaltungsrath geworden?" Er ist nicht mit hineinverwickelt worden. Nur die Direktoren und dieser Schurke von Herzog. Aber um die brauchen Sie sich nicht zu sorgen; die sind so abgeschlagen, daß sie sich schon auZ der Affaire ziehen werden." Und wem gehört das Haus, in dem irir sind?"

Ihrer Schwiegermutter, die es auf meine Veranlassung hin gekauft hat. Sie können also beruhiqt Ihre Gene sung abwarten, man wird Sie nicht hinauswerfen. Wie kann ich mich je für all' das. .was Sie an mir gethan haben, erkenntlich zeigen?" Samuels Miene verfinsterte sich, als er erwiderte: Sie sind mir keinen Dank schuldig. Im Gegentheil, ich fcrn in Ihrer Schuld.... Ich habe mir viel vorzuwerfen, denn ich habe nicht im nur in Ihrem Interesse gehandelt und befand mich unter dem Banne einer Person, deren Ränke ich damals noch nicht durchschaut und deren wahren Eharakte? ich damals noch nicht erkannt hatte. Ich hab: dazu beigetragen. Ihnen zu schaden, o! ohne es zu wol len. aber das Resultat ist dasselbe und bat namenloses Unglück angerichtet Ich muß mich deshalb vor Ihnen axu

klagen und mache mir die bittersten Vorwürfe Das ist sehr traurig in meinem Alter und put meiner Ersah rung, aber ich war gefangen, behext, hatte alle Willenskraft eingebüßt und jede Klugheit verloren... und sehr böse Gedanken fuhren mir damals durch den Kopf. Ich bitte Sie, lieber Raimond, sie mir zu verzeihen." Der Verwundete hatte ihm, ohne ihn zu unterbrechen, traumverloren und mit geschlossenen Augen zugehört. Jetzt fuhr er sich mit der Hand über die Stirn, wie um ein ihm sich aufdrängendes Bild zu verscheuchen, und mit unsicherer Stimme erwiderte er: Was hätte ich Ihnen zu verzeihen? Bin ich nicht ebenso schuldig, war ich nicht eben so schwach wie Sie? Ich weiß, welchen Zauber sie auf Herz und Geist ausübte. War ich doch ihr Opfer, wie so viele andere auch. Aber Sie wenigstens haben das Verdienst, im gegebenen Moment klar gesehen zu haben.... Ich dagegen war blind bis zur letzten Minute." Er schwieg eine Weile, dann sagte er leiser, als schäme er sich der Frage: Wissen Sie, was aus ihr geworden ist?" Ja," antwortete Vernheimer. ver-

legen zögernd. O, reden Sie osfen mit mir: ick gehe mit eben solchem Widerwillen an dies Thema wie Sie: es ist das erste und letzte Mal.... sagen wir daher heute Alles, was darüber zu sagen ist." Gut! Sie ging von hier nach Nrn. von dort nach Florenz, und jetzt ist sie in Neapel." Allein?" Die Mulattin begleitete sie schon von hier aus." Sie thun, als verstünden Sie mich nicht. Ich fragte, ob sie allein ist." Ja. lUeber welche Mittel verfllat sie? Bei unserer schrecklichen Auseinandersetzung hat sie mir erklärt, daß sie mit Glück spekulirt habe. Ist das wahr? Ich darf sie nicht ohne Geld lassen, denn dies hieße, ihr eine Entschuldigung für eine schlechte Lebensführung geben!" Beruhigen Sie sick!" rief Bernbeimer lebhaft aus. Sie ist reicher als Sie!" Das entspricht meinen Wünschen. Noch eins: Trägt sie meinen Namen noch?" Nein; sie nennt sich Gräfin de Saint-Maurice." Das ist gut so." Er streckte Bernheimer die Sand hin, und mit einem herzlichen Händedruck besiegelten die beiden Männer die aufrichtigste Freundschaft. Einige Tage spater durfte Raimond aufstehen und mehrere Stunden im Lehnstuhl sitzend verbringen. Für Therese war es eine großelZreude, ihn, zwar mit dem Arm in der Binde und noch bleich und schwach, aber doch auf zu sehen. Sie ließ nichts unversucht, um ihn von semen trüben Gedanken abzuziehen, und oft gelang es ihr auch. Nach Lydias Verschwinden fanden sie sich wie in den alten Zeiten zusammen. Er hatte vom ersten Augenbllck an das liebe Du" wieder auf den Lippen gehabt, und sie verstand es, durch ihr zärtliches und taktvolles Benehmen jeden schlimmen Eindruck von ihm fern zu halten. Madame de Saint-Maurice, die sich durch die Aufregung erst in einer überreizten Stimmung befunden hatte, war dann in die tiefste Niedergeschlagenheit verfallen. Sie erwähnte ihre Tochter niemals, verließ ihre Zimmer nicht mehr und fand nur in Thereses Gesellschaft einige Zerstreuung. Das junge Mädchen theilte ihre Zeit zwischen ihrem Verwundeten und ihrer Kranken, ging von einem zum animmer lächelndem Gleichmuth und erregte so Bernheimers Bewunderung. Du warst nie mehr barmherzige Schwester, als seit deinem Austritt aus dem Kloster," sagte er zu ihr. Und da sie ihre graue Kutte abgelegt hatte und ihre frühere Kleidung wieder trug, fügte er lachend hinzu: Jetzt bist du ein Laien-Engel." Therese hatte trotzdem ihren Klostergedanken nicht entsagt, und als Raimond nach sechs Wochen vollständig genesen war. äußerte sie sehr bestimmt die Absicht, in's Kloster zulückzukebren. Ich habe ietzt hier nichts mehr zu thun," sagte sie zu Vernheimer. Solange Raimond meiner Pflege bedurfte, hatte meine Anwesenheit einen Sinn; von heute an wäre. sie unvcrständlich." Und deine arme Tante, die so schwach ist...." Ihr Leben ist nicht in Gefahr." Du bist ihr eine unschätzbare moralische Stütze." Aber ihr Patbe mochte ihr noch so' viele Vorstellungen machen und sie waren in diesem Falle nicht weit berzuholen Therese blieb unerschüttlich. Sie hatte sich entschlossen, das Haus in der Rue Rembrandt zu verlassen; folglich würde sie es auch thun. Samuel widersetzte sich ihren Wünschen nicht mehr, denn er fühlte sich nicht im stände, über diesen sanften, aber festen Eigensinn Herr zu werden. Er wandte sich daher an Raimond und theilte ihm Thereses Absicht mit. Sie setzen mich mit dieser Nachricht durchaus nicht in Erstaunen," sagte Ploerne; ich habe nichts andres erwartet. Sie können den Entschluß Ihres Mündels nicht begreifen? Sie handelt, wie sie muß. Aber verlassen Sie sich auf mich, ich werde Therese von ihrem Plane abbringen." Wie sollte Ihnen dies gelingen?" Indem ich ihr beweise, daß sie eine Pflicht erfüllt, wenn sie bleibt." Noch am selben Abend, nach dem Essen, als Madame de Saint-Maurice sich zurückgezogen hatte, sagte Rai' mond zu Therese. mit der er allein im Salon geblieben war: Es ist so schön draußen; willst du nicht noch ein wei nig mit mir in den Garten gehen."

Tlierese warf sich ein leichtes Spihentrch über den Kopf und ein Man telchen um die Schultern und folgte Raimond in's Freie. Der Frühling hatte gleich eine große Hitze mitgebracht; es war erst Ende April, und doch schon so warm, wie im Sommer. Sie spazierten eine Weile um den Rasenplatz herum, der sich, von Fliederbäumen umgeben, längs der Mauern der benachbarten Besitzung hinzog. Das Firmament war mit Sternen übersät und herrlicher Blumenduft erfüllte die Luft. Möchtest du dich nicht lieber setzen? fragte Raimond. Sie sind immer noch nicht ganz auf dem Posten." erwiderte Therese lächelnd, und wollen gleich zu viel auf einmal leisten." O nein, ich fühle mich ganz wohl. Aber ich habe ernste Dinge mit dir zu besprechen, und das läßt sich besser sitzend erledigen. Ruft dir unsre Un terhaltung im Garten heute Abend nichts in's Gedächtniß zurück?" Doch. Es erinnert mich an das

Gespräch, das wir hatten, als ich vor der Ankunft meiner Tante in's Kloster wollte." Du hast ein gutes Gedächtniß. Nun. liebes Kind, die Situation ist jetzt dieselbe; du willst wieder in's Kloster, und ich will dich wieder davon abbringen." Dies wird Ihnen mcht gelingen. Und warum?" Ich habe schon meinem Pathen erklärt, daß ich bei meinem Entschlüsse verharre." Dein Pathe kannte meine Absichten für die Zukunft noch nicht, die ich dir aber mittheilen muß. Ich werde reisen. Therese. Das Leben in Paris ist mir zur Last und zur Unmöglichkeit geworden; ich habe die Mittel mcht mthx. um so wie früher aufzutreten. und brauche überdies eine Abwechsluna: ich bin hier zu unglücklich geWesen! Wenn du aus dem Hause gehst, ist unsre arme Tante ganz verla en. und du weißt, wie noth ihr liebreiche Fürsorge thut. Du allein kannst über J . C - t it wachen und ne iieoen, oa Diejenige, deren Pflicht es gewesen wäre, sich diesr entzoaen hat. Willst du das noch für mich thun. Tberese? Ich wß. ich fordere ein neues Opfer von dir. nach den vielen, die du mit wahrem Heldenmuth gebracht hast. Man verlanat eben immer viel von den wahrhaft Guten; ist. es doch ihre Tugend, nie widerstehen zu können, wenn mcrn an ihren Edelsinn appellirt. Therese schaute zu Boden, ohne zu antworten. Sie war in schmerzliche Gedanken versunken. Bei den Worten Raimonds tauchte die ganze Bergangenheit wieder vor ihr aus Mit ihrer Verzweiflvnq, ihrer Eifersucht und ihrem. Zorne, mit allem, was sie um dessentwiilen erduldet yalle. ver vei ihr saß und der über ihr Leben verfügen konnte. Nie. seitdem das ränkevolle Weib ihr in den Weg getreten war. hatte sie sich so ruhigen, heiteren Gemüths gefühlt, so glücklich wie .jetzt. Sie hatte einst Raimond gerettet, indem sie für Lydia die Schmach auf sich nahm. Sie hatte ihn von Neuem gerettet, indem sie ihn an Lydias Stelle i n uC x . er:i Mir ueoeoouer zgingeouiig uut den Mann, den sie im geheimsten Innern voll heißer Gluth liebte, hatte sie alles gethan, was nur menschenmöglich war. und jetzt ward ihr die große Freude zu Theil, seinen Dank dafür zu empfangen. Das war für ihre edle Seele der fchönste Triumph, und Thränen des Glückes rannen ihr über die Wangen herab. Therese. Du weinst?" fragte Rai mond, indem er nach ihrer Hand faßte. Lassen Sie mich weinen," bat sie. es thut mir gut." Er sah zu ihr hin, und Lydias Worte, die sie während seines schrecklichen letzten Zusammenseins mit ihr gesprochen hatte, kamen ihm in den Sinn: Therese hat nie aufgehört. Dich zu lieben." Er bewunderte das fein geschnittene Profil des edlen Mädchens und dachte voll Schmerz: Du bist ahnungslos an Deinem Glücke vorübergeqangen. Dies Mädchen hättest du wählen, ihr hättest du deine Hand reichen sollen! Aber ich hatte ja nur Augen für die Andre, ich träumte ja nur von der Andren und ihrem Besitz... und jetzt ist es zu spät. Ich bin an jene Schändliche gebunden, und Therese ist auf immer für mich verloren." Die Stimme des jungen Mädchens unterbrach seinen Gedankengang. Ich werde Ihren Wunsch erfüllen, werde meinen Entschluß, in's Kloster zu gehen, aufgeben und bei meiner Tante bleiben. Aber wenn... die... die fort ist. wiederkäme, dann lassen Sie mich ziehen. Es wäre für mich zu peinlich, mit ihr zusammen sein zu müssen." Ja . gewiß, wenn sie wiederkehrt, darfst Du thun, was Du willst. Aber sie wird niemals wiederkehren." Therese schüttelte in bangem Zweifel den Kopf; dann erhob sie sich mit den Worten: Es ist spät, lassen Sie uns hineingehen." Und durch die kleine Allee, wo die Fliederbäume in der frischen Abendluft ihren betäubenden Duft ausström ten, schritten sie dem Hause zu. Seit zwei Jahren befand sich Raimond auf Reifen. Er, der Seemann, der alle Meere befahren, alle fernen Länder besucht hatte, kannte Europa nur schlecht. Er war während seiner Kreuzfahrten die Küste entlang gekommen, hatte in den Häfen vor Anker gelegen, aber das Innere war ihm verschlossen geblieben. Er begann seine Reise mit Spanien, passirte Marokko und ging dann nach Algier. Von da, nach einem Ausflug bis Figuig, begab er sich nach Constantine und Tunis. Italien ließ er beiseite, da er Lydia

zu begegnen fürchtete, durchquerteGriechenland und fuhr dann durch daö Schwarze Meer nach Rußland.Der Reihe nach nahm er feinen Aufenthalt in Schweden und Deutschland und setzte sich dann in England fest, wo er einflußreiche Verbindungen hatte. Er lebte äußerst einfach in einer Pension und wies jede Gastfreundschaft, die ihm geboten wurde, zurück, da er die Einsamkeit nicht entbehren konnte. Stunden und Stunden verbrachte er in tiefster Melancholie, und nur die Briefe Bernheimers. der ihm regelmaßig über Alles, was in Paris vorging, schrieb, vermochten ihn ein wenig auszuheitern. Jedesmal fand Samuel Mittel und Wege, um in unauffälliger Weise über Thereses Thun und Treiben zu berichten. Das junge Mädchen hatte nie selbst an Raimond geschrieben. und doch war dieser von Allem, was sie betraf, auf's Beste unterrichtet. Das Leben des jungen Mädchens verfloß in gleichförmiger Regelmäßigkeit an de? Seite ihrer ewig klagenden Tante. Eine tägliche Ausfahrt von zwei Stunden mit der alten Dame war Thereses einzige Zerstreuung. Sie fuhren gewöhnlich in's Bois, in die Allee de la Reine-Marguerite,' um nicht in das Treiben der großen Welt in der Akazienallee mit hineingezogen zu werden, gingen ein wenig zu Fuß spazieren, wenn dasWetter es erlaubte, bestiegen ihren Wagen wieder und kehrten dann nach Hause zurück. Wenn Bernheimer sie besuchte, sprach Therese mit ihm über Raimond. Das war ihre einzige Freude. So diente denn Samuel als Bindeglied zwischen diesen beiden Wesen, die das Verhängniß des Lebens auseinandergerissen hatte. Er war sich vollkommen bewußt, was in Raimonds Innern vorgehen mußte. Für den edlen Bretagne? konnte es keine Liebe ohne Achtung geben, und wie eine faule Frucht vom Baume fällt, so mußte auch die Liebe für sein Weib aus seinem Herzen schwinden. Was die Gefühle seines Mündels anbetraf, so kannte Bernheimer diese zur Genüge. Es war ihm tief schmerzlich, die beiden jungen Leute unter der gegenseitigen Trennung leiden zu sehen, und er suchte nach einem Mittel, sie zu vereinen. Aber er stieß auf unüberwindliche Schwierigkeiten. Eines Tages hatte er zu Therese gesagt: Ich beqrei-

.fe nicht, warum Raimond seine Freihelt nicht wieder zu erringen sucht. Therese sah auf, erwiderte jedoch nichts darauf. Was ist er eigentlich dieser Elenden noch schuldig? Könnte er sich nicht von ihr scheiden lassen?" Wozu sollte das dienen?" meinte Therese ruhig. Die Freiheit, die er dadurch erreichte, wäre nur scheinbar. Er wäre vor dem Gesetze frei, aber moralisch bliebe er gebunden. Wer an die Heiligkeit der durch die Ehe geschlossenen Bande glaubt. für den hat die Scheidung keinen Werth." Deiner Ansicht nach kann er also nur durch den Tod seiner Frau befreit werden?" seufzte Bernheimer auf. Da ist freilich anzunehmen, daß er die Ketten bis an sein Lebensende weiterschleppen muß. Alle diese Weiber haben eine eiserne Gesundheit. Allerdings ist es in Italien sehr windig... und schlecht gebaut wird auch... wenn da einmal ein Schornstein vom Dache fiele..." Ich bete täglich zu Gott, daß er sie am Leben erhalte, damit sie Buße thun kann," erwiderte Therese in ihrer einfachen Art. Bravo! rief Bernheimer vrelsagend aus. Seitdem suchte Samuel nach keiner Lösung der traurigen Lage mehr, aber in seinen geheimsten Gedanken wandte er sich gar manches Mal flehend an die Vorsehung, die über Schiffbrüche. Brände und Eisenbahnunfälle zu bestimmen hat. Das dritte Jahr seiner Verbannung begann schon, als Raimond eines Tages von einem Jagdausflug bei Lord Fitz-Gerald in der Umgegend von Inverneß nach London zurückkehrte und Briefe vorfand, die seiner schon über eine Woche warteten. Ein großes Kouvert mit Bernheimers Aufschrift, das vor Allem seine Aufmerksamkeit erregte, enthielt einen Brief und einen Zeitungsausschnitt. Er las den Brief zuerst, aber schon bei den ersten Worten erblaßte er, und sein Blick trübte sich. Mehrmals fuhr er sich über die Augen, und laut, als wolle er sich überzeugen, daß es kein Traum sei, las er: Mein lieber Raimond, ich hab: Ihnen eine traurige Mittheilung zu machen, die Ihre Frau betrifft. Vor vier Wochen legte sich Lydia an einem Nervenfieber, dem sie vor acht Tagen erlegen ist. Der Corrir di Napoli", von dem ich Ihnen einen Auszug schicke, wird Sie über die Einzelheiten unterrichten." Das Blatt entfiel Raimond. und mit zitternder Hand faltete er die Zeitung auseinander, in der er unter den Kleinen Mittheilungen" eine überschwengliche Notiz über den Tod der reizenden Französin" fand, die seit zwei Jahren die Augenweide der Neapolitaner gewesen war.... Der unerbittliche Tod hatte das anbetungSwürdige Geschöpf, trotz der liebevollsten Pflege des Prinzen D., dahingerafft.... Rührendes Detail: Eine Mulattin. die sie erzogen hatte, und die nie von ihr gewichen war, hatte den schmerzlichen Verlust nicht überleben können und war den Tag darauf todt neben dem Sarge gefunden worden. Raimond saß bis zum Abend in tiefe Träume verloren. Sein Diener, der unruhig wurde, als er nicht einmal zum Essen erschien, ging zu ihm hinein und fand ihn, den Kopf in die Hand gestützt, in dumpfes Brüten versunken. Aus seinen Gedanken aufgestört, griff er endlich wieder nach Bernheimers Brief, den er nickt zu Ende at lesen hatte:

Ich kenne Sie genau genug," schrieb Samuel, um zu wissen, daß Sie bei dieser Nachricht aufrichtigen Schmerz empfinden werden. .Sie haben sie zu heiß geliebt, und so groß und mannigfach auch ihre Fehler waren, so ist sie doch ein herrliches Geschöpf gewesen, gegen das man seiner Grazie und Schönheit halber, ach! nur zu leicht Nachsicht übte. Sie hat Ihnen viel Leid zugefügt, aber ich bin überzeugt, daß bei Ihnen das Mitleid den Zorn überwiegt. Beim Lesen dieser Zeilen werden Sie weinen; auch ich habe bei der traurigen Nachricht Thränen vergössen. Madame de Saint-Maurice hat diesen Schlag besser ertragen, als ich erwartet hatte. Freilich war auch Therese in diesen Tagen bewunderungswürdig und wußte ihrer Tante, der sie seit zwei Jahren eine wirkliche Tochter ist, Resignation zu lehren. Und nun, mein theurer Freund, meinen Sie nicht auch, daß Ihr Exil lange genug gewährt hat; weist Ihnen das Schicksal nicht klar und deutlich genug das Endziel? Glauben Sie nicht, daß Sie Therese eine Entschädigung schulden für Alles, was sie um uns gelitten hat? Wenn es eine Gerechtigkeit auf Eiden gibt, wer hätte mehr Anspruch auf eine Belohnung als dieses edle Mädchen! Sie wissen, daß sie tapfer genug ist, ihr hartes Loos noch weiter zu ertragen und uns zu beweisen, daß es sicher Engel im Himmel gibt, da man schon solche auf Erden findet. Ein einziges Wort von Ihnen genügt, um sie reichlich für alles das zu entschädigen, was sie bisher gelitten hat. Wollen Sie noch länger schweigen? Sie sind, wie Sie mir selbst einmal sagten, blind an Ihrem Glücke vorübergegangen. Aber Sie sind besser daran, als Andre, denn das Glück hat auf Sie gewartet, wartet noch immer. Sie brauchen nur die Hand danach auszustrecken, und es gehört Ihnen. Wollen Sie dies thun, so antworten Sie nur wenige Worte, und ich werde wissen, was ich Therese zu sagen habe. Wenn nicht, so leben Sie wohl und kehren S nie zurück!" Raimond blieb regungslos sitzen und versank in ernstes Nachdenken, während ihn die hereinbrechende Dämmerung in ihre Schatten einhüllte. Vor seinem geistigen Auge erschien ein blasses Antlitz mit strahlenden schwarzen Augen, dessen reizende Lippen ihm traurig lächelnd zuflüsterten: Wie, auch Du wirst untreu sein?... Ich soll nicht die Einzige sein, die Deinen Treuschwur empfing? Warum hast Du mir Wankelmuth vorgeworfen, wenn Du selbst vergessen kannst? Fürchtest Du nicht, daß ich zwischen Dich und Deine neue Lebensgefährtin treten werde? Wirst Du Dir nicht immer wieder meine wonnigen Küsse, meine liebesfeuchten Blicke in's Gedächtniß zurückrufen, und bin ich Dir nicht auf ewig in Fleisch und Blut eingedrungen?" Und die anziehende Erscheinung kam näher und ward fast greifbar. Er athmete ihren berauschenden Duft ein, berührte fast ihre üppige Gestalt. Mit einer Bewegung, die den Zauber löste, verscheuchte er die gefährliche Vision, und anstatt des schönen Gesichtes erblickte er nur noch eine vu zerrte Larve vor sich, das getreue Eben-

bild Lydias, wie er sie zuletzt gesehen hatte. Er schauderte davor zurück, und vor ihm tauchte danck das' süße, engel-gleiche-Gesichtchen Thereses auf. Jetzt schwankte er nicht mehr, und ruhigen Gewissens, seines Herzens sicher, schrieb er an Bernheimer nur die wenigen Worte: Ich komme zurück." (Ende.) i Damvfbeivoote. Der Unfall, der zu Anfang i. I. der Gascogne auf der Reise nach New York zustieß, und die kritische Lage, in welcher sich Reisende und Besatzung an Bord derselben längere Zeit befanden, hat erneut das Augenmerk aus die Mittel gerichtet. Ozeandampfer vor vollständiger Hilflosigkeit durch Versagen der Maschine oder tergleichen zu sichern. Zwei vollständig getrennte Maschinen bieten zwar in dieser Hinsicht eine gewisse Sicherheit, geben auch dem Schiff leichtere Manövrirfähigkeit, sogar die Möglichkeit, ohne Steuer zu fahren. Der KostenPunkt gestattet die Anwendung nur bei den größten Schiffen, bei denen die unablässige Steigerung der Geschwindigkeit ohnedies zu diesem Hilfsmittel drangt. Aber volle Sicherheit gewährt auch das nicht. So ist das englische Vassaaiersckiff Citn of Baris trotz doppelter Maschine 1890 mehrere Wo-' t .. -ci i. . rrn.ff r azen lang em topmoau oer uuzuzn gewesen. Eine Schranbenwelle war gebrochen; die zugehörige Maschine zertrümmerie sich infolgedessen; Bruchstücke flogen in die zweite Maschine und setzten auch diese außer Betrieb. In solchen Fällen, wo allein Hilfe von Außen Rettung bringen kann, ist diese auf gut Glück an der Unfallstelle zu erwarten oder an Land bezw. in einem unerreichbaren Umkreise zu suchen. Die Compagnie des Messageries Maritimes" versieht, um den zweiten sicheren Weg zu erschließen, neuerdings ihre großen Personendampfer mit einem Dampfbeiboot (canot de seeours), das auch gegen den Wind Land in einer Entfernung von etwa 120 Meilen in 20 Stunden zu erreichen vermag. Auf hoher See wird es in diesem Umkreise nach anderen Schlfsen auslugen. Bis auf diese Entfer nung wird das havarirte Schiff, wenn möglich' unter Segelwind, die nächste Küste aufsuchen und dann sein Beiboot als Depeschentrager aussetzen. Nach "den bisherigen Ausführungen sind die Beiboote 32 Fuß lang und wiegen nicht mehr als 4000 Kilogramm bei 600 Kilogramm Kohlenlavung, so daß sie leicht in Davids"

aufgehängt und hantir't werden kön nen. Um die Schwimmfähigkeit selbst bei hineinschlagender See zu gewährleisten, sind Luftkammern angebracht. Die Boote haben Kessel mit künstlichem Zuge, beim Anfeuern an Bord wird Dampf aus den Hauptkesseln in den Beibootschornstein geleitet. Nach der Revue Jndultrielle" ist die Werft von Monraille & Cie. auf der Ausstellung für das Rettungswesen in Toulon für eines dieserBoote preisgekrönt worden. Die leicht erregte öffentliche Meinung in Frankreich knüpft große Erwartungen an diese Maßnahmen der Messageries Maritimes", die übrigens auch in ruhiger denkenden Kreisen als nachahmenswerth empfohlen werden. Vier neue große Schiffe (Postpacketboote) für die Fahrt nach Australien: Polynesien, Australien, Armand Vehic und Ville de la Cirtat, sowie zwei Schiffe für die Fahrt nach China: Ernest Simons und Chili, werden demnächst mit den beschriebenen Beibooten ausgestattet. Es hätte hier nahegelegen, Aluminium zur Bootshaut zu verwenden: doch hat man wohl schon die Nutzanwendung aus den schlechten Erfahrungen gezogen, die mit solchen Aluminium-Bcibooten in den Marinen verschiedener Länder gemacht worden sind. Zwar sollen sich Aluminiumboote bei der Nordpolfahrt Wellmanns durch Widerstandsfähigkeit gegen Eis bewährt haben; aber bei den DampfYachten, Torpedobooten u. f. w., die man neuerdings mit Aluminiumkup-fer-Legirung beplattet hat (reines Aluminium ist nicht genügend widerstandsfähig), wurde die Außenhaut sehr schnell vom Seewasser korodirt; so bei einem Torpedoboot von Jarrow bereits nach drei Monaten. Die Messageries Maritimes" sind übrigens die größte französische Dampfergesellschaft, soweit der Tonnengehalt ihrer Schiffe in Frage kommt; er beträgt 174.900; die nächstgrößte Generale Transatlantique" verfügt über 173.800 Tonnen, wogegen der Norddeutsche Lloyd als das größte Schiffahrtsuniernehmen der Erde 242.367 Tonnengehalt aufweist; wenig kleiner ist die Peninsular- und Qriental - Gesellschaft mit 227.060 Tonnen. Frauenbeschäftigungen. Man hat berechnet, daß in den Ver. Staaten 1.027.525 Frauen in den verschiedenen Fabrikationszweigen thätig sind, daß 679.509 Personen weiblichen Geschlechts sich mit landwirthschaftlichen Arbeiten, Fischerei und Bergbau (es gibt 219 Kohlengräberinnen) beschäftigen, und daß 268.726 in den gelehrten Berufen thätig sind. Zu diesen letzteren sind die 245.230 Lehrerinnen, deren sich unser Land erfreut, zu zählen. Nach wie vor finden auch hierzulande die meisten weiblichen Personen (1,205.876) im häuslichen Dienst ihren Erwerb. Mit Kleidermachen beschäftigen sich 283.155 Frauen und Mädchen, und 145,716 werden als Näherinnen aufgeführt. An Verkäuferinnen besitzen wir 53.449. eine Zahl, die angesichts der Allgewärtigkeit der "saleslady", gering erscheinen will, während die Zahl von 3949 für die Schauspielerinnen schon recht stattlich ist. Nun aber zu den neueren Berufen der Frau und zu den Berufen der neuen Frau"! Da finden wir, daß 21,185 Mädchen und Frauen als Maschinenschreiberinnen thätig sind, das heißt etwa noch einmal so viele, als es Männer in diesem Geschäfte gibt. Zu den professionell" beschäftigten Frauen gehören 4555 weiblche Aerzte und Wundärzte. 1235 Predigerinnen (auch die oben schon aufgezählten Schauspielerinnen sind unter dieser Rubrik zu nennen), ferner 203 Advokatinnen, 337 weibliche Zahnärzte, 24 weibliche Architekten, 6714 literarisch und wissenschaftlich thätige Frauen, 883 Zeitungsschreiberinnen, 2 weibliche Thierärzte und 10,810 Künstlerinnen". Nennt man nun noch die 129 weiblichen Butcher", die 191 weiblichen Bauschreiner, die 83 Leichenbesorgerinnen, die 24 weiblichen Pferdeknechte, die 4 Lokomotivenführerinnen, die 59 weiblichen Grobschmiede, die zwei weiblichen Auktionatoren, den einen weiblichen Lootsen und die 237 Droschkenkutscherinnen klingt das schön! so hat man wohl das Neueste der neuen Frau". Noch eine Klasse ist bei dieser Aufzählung vergessen, die der Kosthauswirthinnen. die in der Zahl von 32,593 das leibliche Wohl von so vielen Taufen den Junggesellen in den Händen hat. Aus der Zusammenstellung geht

hervor, daß der Handwerker in seinen Berufen wenig von der Frau zu fürchten hat, daß aber die Frau immer mehr eindringt in die mehr geistigen Beschäftigungen, und daß auf den Gebieten der Kunst und Wissenschaft mit ihr jetzt schon als mitschaffendem Faktor zu rechnen ist. Schnell verbessert. Bureau-Vor-sieher: Die Rechnung, die Sie hier ausgerechnet haben, stimmt nicht." Schreiber: Sollte ich wirklich beim Rechnen so ein Kameel gewesen sein, oder sind Sie vielleicht im Irrthum." Immer praktisch! Hausirer: Kaufen Se mir ab 'n Schleifstein!" Frau: Brauch' ich nicht, mein? Messer sind alle scharf." Hausirer: Kaufen Se mir ab auch 'n Messer, werden Se gleich was haben zu schleifen!" Sein Geschenk. A.: Was hast du deiner Braut zu Weihnachten geschenkt?" V.: Ein silbernes Armband!" A.: Und sie dir?" B.: Ich hatte sie schon acht Tage vorher um zwanzigMark angepumpt!"

Zur öle zmaze.

Gebundene deutsche Huhn e r s u p p e. Die Bouillon wird von zwei alten Huhnern und einem Pfund frischen Rinderkncchen bereitet. Sobald die Huhner gar sind, nimmt man sie heraus und schneidet das Brustfleisch in feine Streifchen. Weiter kocht man eine bis zwei Mandeln Krebse, bricht die Schwänze aus, reinigt die Krebsnasen und füllt sie mit Semmelkloßmasse, bestehend aus fünf Unzen geweichtem, ausgedrücktem, auf dem Feuer mit zwei Unzen Butter abgerührtem Weißbrod, das man noch heiß, wenn es sich eben von der Kasserole löst, mit zwei ganzen Eiern und crkaltet mit weiteren zwei Eigelben, Salz und ein wenig geriebener Muskatnuß Verbindet. Die Krebse können auch fortbleiben und werden die Klöße dann nur mit dem Löffel abgestochen. in Wasser gar gekocht in die Suppe gethan. Weiter kocht man Blumenkohl zu klemen Roschen gebrochen, quillt eme Hand voll getrockneter Morcheln und erwärmt dem Inhalt einer Büchse Bruchspargel von einem Pfund. Nun rührt man ein glattes Weißmehl von zwei Löffel Butter und eben soviel Mehl, verkocht dieses mit der allmählich zugegossenen Brühe und bindet sie zuletzt mit einigen in Sahne gequirlten Eigelben, Fleisch, Klöße und Gemüse der Suppe beifügend. Hecht auf bürgerliche Art gekocht. Einen Eßlöffel voll feingehackter Petersilie, etwas feingehackten Estragon und Schalotte oder schnittlauch fchwitzt man in Butter. DenHecht schneidet man, nachdem derselbe sauber geschuppt, ausgenommen und gewaschen ist, in hübsche Stücke, legt dieselben in guter Ordnung in ein passendes Kochgeschirr, giebt die geschwitzten Kräuter, Salz, etwas gesto ßene Nelken. Pfeffer, geriebene Muskatnuß, einige Scheiben Citrone, ein Glas weißen Wem und soviel Fleischbrühe oder Wasser hinzu, daß derFisch mit der Flüssigkeit reichlich bedeckt ist. Nachdem derselbe auf nicht zu starkem Feuer 20 bis 25 Minuten gekocht hat. fügt man ein wenig geriebeneremmel. und noch einen Eßlöffel voll Butter hinzu, läßt unter fleißigem Begießen den Fisch noch kurze Zeit kochen. Die Brühe muß dünnseimig sein. Man kann auch die Sauce mit einigen Eidotiern und Sardellenbutter vermischen. Die Eidotter quirlt man mit'ein wenig Wein oder Wasser recht klar, thut die Sardellenbutter und etwas Fischbrühe hinzu, quirlt Alles gut unineinander, gießt die Sauce über den Fisch und läßt ihn unter beständigem Umschwingen und Schütteln noch einmal aufkochen, dann nimmt man ihn sofort vom Feuer, sonst verliert die Sauce an Geschmack. Austernberg. Eine große, runde, etwas vertiefte, feuerfeste Backschüssel aus Porzellan wird mit Butter überall ausgestrichen, mit Reibbrot be-' streut und nun die Vertiefung mit einer trefflich abgefchmeckten Kalbfleischfarce völlig ausgefüllt, sodaß sie mit dem Rand der Schüssel eine gleiche Fläche bildet. Auch einen guten, ungesüßten Butterteig hat man bereitet, den man zu einem breiten Streifen, ausrollt und dann als hohen Rand mit Eigelb auf der Farce befestigt, worauf man die Schüssel mit ButterPapier bedeckt, auf eine Platte mit Sand in die heiße Ofenröhre stellt und dort etwa vierzig Minuten bäckt. In dieser.Zeit öffnet man fechzig Austern, löst sie aus den Schalen, wendet sie in Ei. dann in geriebener Semmel, die man mit etwas Salz und geriebener Muskatnuß mischt, und bäckt sie, wenn der Pastetenrand fertig ist, rasch einige Minuten in brauner Butter, beträufelt sie mit Citronensaft und richtet sie kranzförmig, allmählich zur Bergform sie zuspitzend, auf der Farce an. Rindsbrustroulade in Burgunder.' Eine schöne Pökelrinderbrust wird entsalzen, worauf man die Knochen behutsam herauslöst und die Brust von der dicken nach der dünnen Seite hin rollenförmig zusammenrollt und sie mit Bindfäden fest umschnürt. Man legt sie mit Sellerie-, Mohrrüben- und Zwiebelscheiben. mit Gewürzen, einem Lorbeerblatt und einer halben Citrone in einen passenden Kochtopf, giebt zwei Flaschen Burgunder und ein Quart fette Bouillon darauf, deckt den Topf fest zu und dünstet im Bratofen unter mehrmaligem Wenden die Rinderbrüst langsam weich. Die Brühe wird alsdann entfettet, mit braunem Buttermehl fämig gekocht und die Rinderbrüst zierlich zurecht geschnitten, mit einigen Löffeln der Sauce glaciert und mit 'kleinen Röstkartoffeln garniert. Sauerkraut mit saurer Sahne. Man wäscht den Kohl einen Augenblick in kaltem Wasser, thut ihn mit emem Stück Schinken in eine irdene Kasserolle, gießt leichte Fleischbrühe darauf, daß das Kraut dapon bedeckt ist, giebt eine in Scheibchen gefchnittene Zwiebel, zwei zertheilt Aepfel, etwas Gänsefett und eine Prise Pfeffer dazu, belegt es mit Speckplatten und kocht es auf starkem Feuer an, um es danach bei gelinder Wärme, gut zugedeckt, drei bis vier Stunden zu dünsten. Dann wird das Sauertraut auf einen Durchschlag gethan, damit alle Flüssigkeit abtropft. Man dünstet Mehl in Butter hellgelb, verkocht dies mit guter, saurer Sahne zu einer dicken Sauce, zieht sie mit zwei Eigelb ab und vermischt den PrH mit der 5)älfte davon. Man richtet ihn hügelförmig auf der Auftragschüfsel an, bestreicht ihn mit dem Ren der Sauce, bestreut ihn mit Reibbrot. beträufelt ihn mit Butter und backt ibn noch dreißig Minuten in mittelheißem Ofen, worauf man ihn mit gebratenen Würstchen garniert und iu jewer Backschüssel zur Taltf au&Lu.