Indiana Tribüne, Volume 19, Number 163, Indianapolis, Marion County, 1 March 1896 — Page 6

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Winterabend. Von Richard Zoozmann. Draußen Flockentanz, und lärmend Braust der Wmtersturm durchs Land; Drin im Stäbchen traut und wärmend Knistert Heller Funkenbrand. Auf dem Herde braut ein Tränklein, Und der Kessel summt und surrt; Kätzchen auf dem Ofenbänklein Blinzelt in die Gluth und schnurrt. Ihre gleichbemessne Weise Tickt die große Wanduhr drein. Und zum Enkelkinde leise Spricht das alte Mütterlein. Lieblich von den Lippen quellen Bunte Märchen und geschwind Fluthen sie mit goldnen Wellen Tief ins Herz dem Enkelkind. Schöne Märchen, halbverschollen, Wie das lockt und singt und rauscht Und mit großen neugiervollen Augen stumm das Mädchen lauscht . . . Es wohnte einmal ein Fischer An einem wilden Meer, Der Tochter des alten Fischers War es ums Herz so schwer. Sie wollte gern erlösen Den Königssohn der war In einen Drachen verwandelt Schon manches, manches Jahr. Und wie sie mit keuschem Kusse Das Maul des Drachen berührt, Da war der Zauber gebrochen Und die Entwandlung vollführt. Nun zog mit dem Königssohne Als Gattin sie hinfort, Sie lebten auf marmornemSchlosse An einem Wunderort. In ihren Gärten blühten Gläserne Bäume viel, Die sangen und klangen so lieblich Im lustigen Windesspiel. Die schwirrenden Vögel sprachen Wie Menschenkinder so klug, Und wußten der schönsten Märchen Und tollsten Schwanke genug. Und wenn es Nacht geworden, So glänzten am Himmelsrand Die Sterne so sarbenfunkelnd Wie Perlen und Demant. Die Quellen aber sprangen Glitzernd im Sonnenschein, Drin schwammen güldeneFischlein; Die Wellen waren Wein. Und jeder ihrer Tage Brach ihnen sorglos an Ach! wer es wie die beiden Doch auch so haben kann! Sie haben lange Jahre Sich all der Schönheit erfreut. Und wenn sie nicht gestorben. So leben die beiden noch heut..." Schöne Märchen, leicht wie Flocken Zieht ihr bunt und träumerisch hin, Klingt so süß wie Silberglocken Und verwirret Herz und Sinn. Und des Mägdleins Augen blinken Schläfrig, die erst hell und groß. Und das Köpfchen läßt sie sinken Müde in der Alten Schoß. Auf dem Herde knisterts traulich Und der Kessel summt und surrt; Märchen flüstert er erbaulich. Und das Kätzchen schläft und schnurrt. Die Tiamauten derffrauRoblllard. Was können die Diamanten einer schönen Frau nicht Alles verschulden? Das ist eine Preisfrage für Phantasievolle Geister, die sicherlich viele Bände damit volldichten könnten, wie Thränen, Kämpfe. Verbrechen- durch die glitzernden Kleinigkeiten hervorgerufen werden und wie sich diese manchmal zu ebenso vielen Grabsteinen menschlicher Existenzen gestalten. Aber keiner der phantasiereichen Schriftsteller wird darauf kommen, daß die Diamoniert einer schönen Frau die Beranlassung zu wirtschaftlichen Reformen sein können, und doch haben sie thatsächlich auch diese Rollen gespielt. Sie sind es nämlich, welche die Einführung des ersten Tabakmonopols in Europa herbeigeführt haben. Es war im Winter des Jahres 1810, als auf einem Balle in den Tuilerien eine Dame das größte Aufsehen erregte, nicht allein durch ihre Schönheit, sondern auch durch die Menge herrlicher Brillanten, mit welchen sie bedeckt' war. Wer ist die Frau?" fragte Napoleon, als er die Reihen der Ballschönen durchschritt. Es ist Madame RobilTat, die Frau eines Tabakhändters.war die Antwort. Der gr,ße Korse wurde nachdenklich und hatte kaum ein Auge mehr für die Pariser SchönheZten. Und am 29. December desselben Jahres erschien ein kaiserliches Dekret, das die Verarbeitung und den Verkauf der Tabake, die bis dahin in Frankreich unter dem Namen Kraut des Nicot" verbreitet waren, ausschließlich dem Staate vorbehielt. Dieses Dekret hat Frankreich, wie einmal einer seiner Wirthschaftspolitiker berechnete, feit dem Jahre 1811 mindestens 10 Milliarden eingetragen. Dem Thema entfp'rech e n d. Müller (der mit seiner Frau bei Schulze zu Besuch ist, leise zu Schulze): Nu hör' blos, wie unsere Frauen schnattern, über was sprechen die eigentlich? Schulze: Sie sprechen darüber, wie die Gänse augenblicklich hn Preis stehen.

Zllagische Photographie. Als im Vegknn des Vorjahres die Aufsehen erregenden Entdeckungen der Engländer Ramsah und Lord Raleigh die gesammte wissenschaftliche Welt in Erstaunen versetzten, da schien es fast, als wenn unsere angelsächsischen Vettern den deutschen Forschern wieder einmal den Rang abgelaufen hätten. Mit um so berechtigterem Stolze dürfen die Deutschen jetzt auf den Würzburger Professor Röntgen hinweisen, der die Welt mit einer wissenschaftlichen That beschenkt hat, die eine weitere Vorschiebung des Marksteines wissenschaftlicher Erkenntniß in die geheimnißumwobenen Gebiete der noch unerforschten Natur bedeutet. Prof. Nöntgen hat die von ihm selbst Strahlen", auf Vorschlag des Geheim-, raths Köllicker aber Röntgen-Strah-len" benannten Lichtstrahlen entdeckt, welche starke chemische Lichtwirkungen hervorbringen, folglich auch das Photographir:n von Gegenständen, die für das Auge unsichtbar sind, ermöglichen.

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w1 Prof. Röntgen. Wenn man eine gewöhnliche Geißler'sche Röhre, d. h. eine mit eingeschmolzenen Poldrähten versehene, möglichst luftleer gepumpte Glasröhre mit einer Ruhmkorff'schen Batterie verbindet und den Jnductionsfunken durch diese Röhre hindurchgehen läßt, so sieht man den negativen Pol (Kathode) zunächst von einem schmalen hellen Saume, dann von einem relativ dunklen bläulichen Raume (Glimmlicht) umgeben. Die Umgebung des positiven Pols (Anode) hingegen und der größte Theil des Zwischenraumes ist mitSchichten hellen rothgelben Lichtes erfüllt. Diese Erscheinung ändert sich wesentlich, wenn man die Verdünnung der Luft in der Geißler'schen Röhre beständig weiter treibt. Bei ei ner gewissen Höhe der Luftverdünnung breitet sich das bläuliche Glimmlicht immer weiter aus. Unter Umständen erfüllt es das ganze Innere der Röhre. Dabei ruft das von der Kathode ausgehende Glimmlicht oder kurz die Kathodenstrahlen" da, wo es auf das Glas trifft. Fluorescenzerscheinungen hervor. Man kam zu der Erkenntniß, daß diese Kathodenstrahlen eine Reihe ganz besonderer Eigenschaften haben. Die merkwürdigste davon ist, daß die Kathodenstrahlen sich nur gradlinig ausbreiten und. nicht, wie sonst der Inductionsfunke zu thun pflegt. umEcken herumgehen und allen Krümmungen der Röhre folgen. Prof. Röntgen's Verdienst besteht darin, nacbaewiesen zu haben.daß diese durch die Geißler'sche Röhre hindurch sich fortpflanzenden Strahlen eine Lichtart sind, welche außerhalb der Geißler'schen Röhre von dem menschlichen Auge nicht wahrgenommen wird und doch wie die uns ebenfalls unsichtbaren ultravioletten Strahlen der Sonne starke chemische Lichtwirkungen hervorzubringen vermag. Die Entdeckung fand in folgender Weise statt: X Handskelett. Prof. Röntgen bemerkte, daß eine in der Nähe der Geißler'schen Röhre befindliche Baryumplatincyanürplatte jedesmal in fluorescirendem Lichte aufleuchtete, wenn er einen Jnductionsstrom durch die Geißler'sche Röhre schickte. Es zeigte sich, daß die Baryumplatincyanür - Platte noch bis zu einer Entfernung von zwei Metern von denKathodenstrahlen erregt wurde. Das Einschließen der Geißler'schen Röhre in einen Pappkarton oder in eine Holzkassette änderte nichts an dem merkwürdigen Vorgang. Prof. Röntgen kam jetzt auf die Idee, an die Stelle der Baryumplatincyanürplatte im finsteren Zimmer eine gewöhnliche photographische Platte zu exponiren, und die Platte reagirte ebenso, als wenn sie dem Tageslichte exponirt worden wäre. Noch mehr. Es genügte ein Stück photographisch empfindlich gemachten Film oder eine Glasplatte lichtdicht in eineHolzschachtel einzuschließen und den zu photogra phirenden Gegenstand vor die Schachtel zu stellen, um seine Wiedergabe auf der in . der bloßen Holzschachtel steckenden Platte zu bewirken. Es lag nahe, diese Ausströmungen für ultraviolette Lichtstrahlen zu halten, aber ein weiterer Versuch bewies das Gegentheil. Während die ultravioletten Strahlen den Brechungsgesetzen des Liftes gehorchen, thun es diese Strahlen nicht. Sie lassen sich weder durch Spiegel zurückwerfen, noch durch Prismen zerstreuen u. s. w. Sie werden auch nicht, wie die von der Kathode ausgehenden Strahlen, durch einen Magne! abgelenkt. Hierdurch unterscheiden sie sich von der Kathodenstrahlung, von welcher sie, wie Röntgen fand, ausgeben. und durch den Mangel der Reflerion und Refraction von den an-

deren Strahlungen, namentlich vom ultravioletten Licht, das eine starke Arechbarkeit besitzt. Es bedarf ein derartiger Apparat also nicht einmal einer Linse. Diese Strahlen nun, von deren solcher gestaltigen Wirkung man bisher keine Ahnung hatte, und die für das Auge vollständig unsichtbar sind.durchdringen, im Gegensatz zu gewöhnlichen Lichtstrahlen. Holz. Kautschuk, Metalle. kurz je nach ihrer Dichte mehr oder weniger alle sonst undurchsichtrgen Körper. Man kann bei hellem Tageslicht mit geschlossener Kassette" photographiren; das heißt, t Lichtstrahlen gehen den gewöhnlichen Weg und durchdringen auch den Holzdeckel, der vor die lichtempfindlichen Platten geschoben ist und sonst vor dem Ph'otographiren entfernt werden muß. Sie durchdringen auch eine Holzhülle vor dem zu photographirenden Object. Bringt man zwischen die Geißlersche Röhre und den leuchtfähigen Schirm irgend welche Gegenstände, so beobachtet man zunächst, daß fast alle Körper mehr oder weniger für die Wirkung durchlässig sind; so hemmen zwei bis drei Eentimeter dicke Bretter aus Tannenholz die Wirkung nur sehr wenig, ebenso lassen mehrere Centimeter dicke Hartgummiplatten noch Strahlen hindurch, während Metalle schon in dünnen Schichten eine merkliehe Schwächung der Wirkung hervorrufen. Die eingeschalteten Gegenstände werfen .infolge dessen je nach ihrer Natur und der Dicke der durchstrahltet Schicht mehr oder weniger dunkle Schichten auf die Photograph!sche Platte. Prof. Röntgen photographirte z. V. die Gewichtstücke eines GeWichtsatzes, ohne das Holzetui zu öffnen, in welchem die Gewichte aufbewahrt waren. Ferner photographirte er bei geschlossener Thür von einem Zimmer in das andere, indem er dort die Geißler'sche Röhre, hier die lichtempfindliche Platte hinstellte, und erhielt ein deutliches Reliefbild von der der Platte zugewandten Thürseite. Wie die gewöhnlichen Lichtstrahlen durch Glas gehen, so gehen diese Kathodenstrahlen auch durch Weichtheil: des menschlichen Körpers.

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Kette und Münzen. Die beigefügten Abbildungen deranschaulichen ein Handskelett eines lebenden Menschen, eine in einer Schatulle verschlossen gewesene Kette und Münzen, die sich in einem Portemonnaie befanden; alle diese Gegenstände sind mittels der Röntgen'schen Strahlen photographirt worden, ohne dem Auge sichtbar gewesen zu sein. An dem Ringfinger des Handskeletts ist deutlich ein Ring zu sehen. Prof. Röntgen's Entdeckung hat bereits in der Chirurgie Verwendung gefunden, auch wird dieselbe voraussichtlich der Industrie wichtige Dienste leisten. Der energische Verkäufer. Prinzipal: Ich denke, ich muß dem Kleinstüber sein Gehalt erhöhen. Der Mensch entwickelt eine Energie bei dem Anpreisen meiner Waare, als ob er gerad' der jungen Dame eine Liebeserklärung machen wollte. So 'was gefällt mir. Kleinstüber (sotto voce): Frl. Golding! Maud!! Geliebte!!! Seitdem Dein Vater mir das Haus verboten, war es der einzige Wunsch meines schmerzgefolterten Herzens, nur ernmal noch zu Deinen Füßen zu liegen; und jetzt, Maud, in diesem prosaischsten aller Plätze, biete ich Dir mein Herz mein Leben mein ganzes Sein!Unbillig. Advokatenfrau (zu ihrem Gatten, der mit ihr wegen des verunglückten Mittagessens zankt): Muß! Du mir denn immer Vorwürfe machen... Du hast doch sonst für jeden Raubmörder eine Entschuldigung!" Ein Finanzgenie. Frau Commerzienrath: Weiß Gott, Julius, wie zieht's mer im Rücken und auf dem Magen, übel und elend bin ich und werd' immer kränker. Herr Commerzienrath: Wle haißt, Sarah, da wollen mer doch dem jungen Dok tor. der . um unsere Rebekka anhielt und den wir nur dem Jawort hmhiel ten. gleich zusagen. Dann behan oeit er Dlch. und's kostet nlx. .

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ZZilöhauerinnen der Gegenwart. Die Zahl der Bildhauerinnen ist ungemein gering. Sie erscheint derschwindend, wenn man vergleicht,, wie viele Frauen sich seit Jahrzehnten der Schwesterkunst der Malerei widmen. Das liegt Wohl zum Theil daran, daß die plastische unst das Dilettiren fast ausschließt, daß sie eine so systematische und energische Schulung verlangt, daß man sich ihr ganz und ohne Vorbehalt widmen muß. Davor schrecken natürlich schwächere Naturen von vornherein zurück. Aber noch andre Dinge kommen in Betracht, die vielleicht noch stärker wirken. Die bildhauerische Arbeit erfordert einen großen materiellen Aufwand und bietet geringe Erwerbsaussichten. Selbst eine wohlhabende Familie wird sich schwer entschließen, für eine nicht durchaus sichere Begabung so große Opfer zu bringen. Und wie soll sich eine solche Begabung zeigen? Ueberdies ist die Bildhauerin von vornherein auf sich selbst angewiesen: es giebt keine Schulen für sie. Ein Sonnenbündel von günstigen Zufällen gehört dazu", schreibt Henny Geiger, wenn man sich unter den gegebenen Verhältnissen entwickeln kann." An der Spitze der heutigen Bildhauerinnen steht die Französin Charlotte Besnard. die Frau des beruhmten Pariser Malers. Sie ist die einzige bisher, die sich ebenbürtig neben die s..ten Meister ihres Faches gestellt bat. Sie arbeitet in Steingut, das sie in ähnlicher Weise wie die Familie der Robbia ihre Terrakotten mit einer farbigen Glasur überziert. Mit dieser Glasur weiß sie so raffiniert umzugehen, daß sie dem Stein wahres Leben verleiht, die Weichheit des Fleisches. Unzweifelhaft hat sie starke Anregunyen und viele Förderung von ihrem Manne erfahren, mit dem sie mitunter auch die Modelle theilt. Hknny Eeiger-Zpiegkl. ' ' Helrne Quinnann. Fast iedes Volk hat einige Vildhauerinnen hervorgebracht. Die Engländerin Mary Thornycroft. die Holländerinnen Minca Bosch-Reitz, eine vollgiltige Künstlerin, und Georgine Schwartze, die Schwester der großen Malerin, die Däninnen I. A. Vetzonich und Nielsing Peterson sind fast ständige Gäste auf allen Ausstellungen in Europa. Eine eigenthümliche Stellung nimmt die Belgierin Helene Corneti ein. die mit, den männlichen Genossen dem herbsten Naturalismus huldigt. .Unier , den amerikanischen Bildhauerinnen ist-, Edmonia Lewis interessant, die Tochter eines Jndianers und einer Negerin, die ihre'Jugend auf den Prair'en verlebte und ohne Lehrer Bildha'.ierin wurde, als sie die erste Statue zu sehen bekam. Auch Elisabeth Ney lebt jetzt in Amerika. Aber sie ist eine Deutsche vonGeburt. und ihre künstlerische Thätigkeit hat sich besonders in München abgespielt. Auch in Deutschland giebt es eine Anzahl von Künstlerinnen, die allen Schwierigkeiten zum Trotz ihr Ziel erreicht haben. Sie haben mit Ausnahme von Henry Geiger, die sich auch an Aufgaben höheren Stils versucht hat, alle sich dem leichteren Gtnre zugewandt. ,. Auch hier wirken die Wirthschaftlichen Verhältnisse mit, aber noch mehr der echt weibliche Zug zum Zierlichen und Anmuthigen. Das echt Weibliche in der Kunst zur Geltung zu bringen, ist aber natürlich ein ebenso berechtigtes Ziel, wie dem Starken und Machtvollen nachzugehen. Wir stellen unsern Lesern die bc kanntesten deutschen Bildhauerinnen im Bilde vor und fügen einige Notiztn über ihren Lebensgang hinzu, nachdem wir hervorgehoben haben, was allen gemeinsam ist. Lilll Fiazelberg. Marie Schlafhorst, nnav. ad! Anna'von Kahle, geboren 1853 in Berlin bei Bärwalde in der Neumark, begann früh aus dem Thon der väterlichen Ziegelei Porträts und Thiere vx kneten. Ein Aufenthalt in Berlin führte sie in das Atelier Schapers, der aerade an seinem Goethemonument arbeitete. Sie ward seine Schülerin für drei Jahre und hat nachher für sich aearbeitet. Am meisten Erfolg hatten ihre Kinderfiguren. Ein Amor, der einen Kranz mit Glühlichtrosen trägt, ist weit verbreitet. Die Künstlerin hat viele Arbeiten selbst in Stein übertragen. t Henny Geiger Spiegel kam mit einundzwanzig Jahren zum erstenmal m das Atelier emeö Bildhauers, nachdem sie vorher nur heimlich in Wachs modelliert hatte. Im nächsten Jahre schon konnte sie öffentlich ausstellen. Sie hat eigentlich sich selbst nnterrich ikt, nur zeitweise haben Nikolaus Gei

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er, ihr jetziger Gatte, Max Klein und

der Franzose Learos ihre Studien geleitet. Eine Figur Gestrandet". Bildnisse Berliner Künstler und Kinderbüsten sind ihre hauptsächlichen Arbeiten, die letzte eine liebliche Maria mit der Lilie." ..Marie Schlafhorst ist Rheinländer!n. Sie kam berhältnismäig spät ZU? Kunst, in der sie Trost suchte und fand für den Verlust, den sie durch den jäben Tod ihres Verlobten erlitten hatte. Sie hatte schnell Erfolg. Namentlich gelingen ihre heitere Figuren sehr gut. Bemerkenswerth ist, daß sie als erste Vildhauerin in Deutschlai d auch ein öffentliches Monument, das Liebesdenkmal bei Gera. gearbeitet hat. Helene Quttmann widmete sich erst der Kunst, als sie 1883 aus ihrer. Geburtsstadt Altena nach Berlin übersiedelte. Sie besuchte die Kunstschule, spater die Fachklassen am Kunstgewerbemuseum. Seit drei Jahren arbeitet sie selbstständig, besonders Bildnisse und Reliefs. Lillie Finzelberg ist die jüngste UNter ihren Genossinnen. Sie ist im November 1872 in Andernach am Rhein geboren. Schon als Kind zeichnete und knetete sie mit Vorliebe Scenen aus dem Kinderleben. Im Verein Berliner Künstlerinnen" wurde sie imZeichnen ausgebildet, daneben gingen plastlsche Arbeiten. Schon 1890, achtzehnjährig, stellte sie zum ersten Mal aus. Ihre sehr anmuthigen, naiven Genrestatuetten haben großen Erfolg ge-. habt, den größten bisher vor zwei Iahren das Gänseliesl". Die Führer der BoerS . Außer dem Präsidenten Paul Krueger hat sich bei den jüngstenEreignissen m der Sudafrikanischen Republik der Ober - Commandant General Joubert. der Moltke von Transvaal", in General Joubert. besonders hervorragender Weise hervorgethan. General Joubert. der früher 'ein simpler Wagnermeister war, hat die Engländer bereits im Jahre 1881 geschlagen und General Joubert haben es die Voers zumeist zu verdankcn. daß der Freibeuter Dr. Jameson trotz seiner bedeutenden Uebermacht eine vernichtende Niederlage erlitt. D r. L e Y d s. Der Diplomat der Südafrikanischen Republik ist der Staatssecretär Dr. Levds. welcher von dem Präsidenten Krüger nach Berlin gesandt, die Interessen seines Vaterlandes am deutschen Kaiserhofe in ebenso erfolgreicher wie geschickter Weise wahrgenommen hat. Hübscher Ersatz. Können Sie vierhändig spielen, Herr Lieutenant?" - Nein, aber vielleicht gestatten gnädiges Fräulein, daß ich Pedal trete!?" Schwacher Trost. Erste alte Jungfer: Es scheint, wir müssen wirklich ledig durchs Leben wandern!" Zweite alte Jungfer: Nun, ich war wenigstens einmal einen Tag derlobt!" S chlimmeAusrede. Mann (der von seiner Frau unversehens von hinten geküßt wird): Mein Gott.Frau, bin ich erschrocken. Daß Du das nicht wieder thust! 5lch mag solche Ueberraschung nicht leiden. Frau: Ach, liebcs Männchen, verzeih! Ich ich wußte ja gar nicht, daß daß Du es warst! Auch ein Beispiel. Bäckermeister (entrüstet): Wenn das Mehl halbwegs im Preise sinkt, heißt's gleich: Die Semmeln konnten nun auch 'was größer sein; hingegen kann daö Leder noch so billig sein und ich habe nie bemerkt, daß die Schuster deswegen die Stiefel größer machen thäten. ...

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Ehinellsche ZZechtspflcge. Die Zopfträger des 'Reiches der Mitte" suchen nur in seltenen Fällen Schutz und Recht bei ihren Mandarinen. Nicht daß die mit geringen Veränderungen seit vielen Jahrhunderten bestehenden Gesetze etwa ungerecht oder unklar wären; im Gegentheile, Kenner nennen dieselben vortrefflich. Es ist nur die Handhabung der Gesetze seitens der Mandarinen,die Bestechlichkeit und Nachlässigkeit derBeamten, die Grausamkeit der Foltern und Strafen, welche den Chinesen bewegen, nur in Fällen der äußersten Nothwendigkeit zu den Gerichten seine Zuflucht zu nehmen. Thatsächlich werden im ganzen Reiche kleinere Streitfälle 'immer zuerst den Häuptern der Familie vorgelegt, welche ihr Urtheil nach uralten Traditionen und Gebräuchen fällen. Ist doch das Familienleben wie das ganze Staatswesen Chinas nach patriarchalischen Grundsätzen Gerichtssitzung. geregelt, der Ortsvorsteher ist der Vater aller Einwohner, derProvinz-Gou-verneur der Vater aller sewer Untergebenen, der Kaiser aber der Vater aller Chinesen. Derselbe Geist erfüllt auch die Rechtspflege. Das chinesische Gericht kennt keine Rechtsgelehrten, keine Advokaten und Staatsanwälte. Der Mandarin des Ortes, des Di striktes oder der Provinz ist der alleinige Richter, nur das Recht über Leben und Tod liegt in den Händen des Kaisers. Bei den vielen Obliegenheiten des Mandarins gebricht es ihm selbstverständlich an Zeit, den verschiedenen Streitfällen besondere Aufmerksamkeit zuzuwenden. Das Verfahren ist summarisch. Der Fall wird vorgetragen, und ist die Zeugenvernehmung vorüber, so erfolgen Urtheilsspruch und Strafe aus der Stelle. , Dann kommt der nächste Fall an die Reihe, UNd so geht es fort, bis der Mandarin die Sitzung abbricht. . Dabei ist das ganze Rechtsverfahren öffentlich. Es spielt sich sozusagen auf der Straße ab, und der Besucher chinesischer Städte hat auf seinen Wanderungen fast täglich Gelegenheit, Strafe für Kupplerinnen. etwas davon zu sehen, seien es Gesangnlsse oder Bestrafungen, Gerichts sitzungen oder Foltern. Je größer die Stadt, desto häufiger sind diese, keineswegs immer vollkommenen, Gelegenheiten. Die Prügelstrafe spielt rn der chinesischen Rechtspflege eine große Rolle, will aber der Schuldige dieser entehrendenStrafe entgehen, und kann er Richter und Schergen nicht bestechen, sö wird er an seiner Statt einen Prügelknaben anwerben, der für ihn die Strafe empfängt. Aber nicht nur diesen Bastonnaden, auch Gefängnißstra--fen, ja sogar der Erdrosselung oder Enthauptung kann der Verurtheilte sich dadurch entziehen, daß er StellVertreter anwirbt. Es giebt in China viele Tausende armer Teufel, deren trauriger Lebenslauf und Erwerb es ist, sich für andere prügeln und einsperren zu lassen. Mit der Zeit werden die in Mitleidenschaft gezogenen Körpertheile derart hart und unempfindlich. daß die Sache für di; berufsmäßigen Prügelknaben gar nicht fo schlimm ist. Häufig kommt es aber, wie gesagt, auch, vor, daß sich sogar Menschen finden, die sich ausNoth und Verzweiflung köpfen lassen, um mit dem Lösegelde, das sie mit ihrem Verbrecher im Kang. Leben bezahlen, ihre Familien, ihre Kinder vor Elend und Verhungern zu erretten! Diese Stellvertretung ist in China allgemein gebräuchlich und gesetzlich erlaubt. So werden beispielsweise Frauen selten wirklich bestraft, denn ihre Männer und Kinder' geben sich zur Erduldung der Strafe her. Häufiger noch als die Bastonnade kommt in China die Strafe des KangTragens zur Anwendung. Der Kang besteht aus zwei Brettern, welche an den Innenseiten mit Ausschnitten für den Hals versehen, dem Verurtheilten als eine Art Halskrause angelegt und durch Ketten oder Riegel mit einander

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verbunden werden. Diese 'Halsbretter. etwa 24 bis 30 Zoll im Geviert und bis zu zwei Finger Dicke, bleiben Während der ganzen Strasdauer von ein bis drei Monaten. Tag und Nacht auf dem Nacken des Unglücklichen, der sich also niemals niederlegen kann. sondern stehend oder sitzend schlafen muß. Ebensowenig kann er seine Hände zum Kopse suhrenoder Rahrung zu sich nehmen, und muß also durch mitleidige Passanten oder Frcunde gefüttert werden. Papierstreifen, aus. die Bretter aufgeklebt. enthalten seinen Namen, das Verbrechen und die Dauer der Strafe. Diese Strafe haben auch Frauen zu erdulden. Die chinesischen Gefängnisse sind von Schmutz starrende Höhlen und das Entspringen der Sträflinge wird dadurch verhindert, daß gewöhnlich eine Hand und ein Fuß derselben gekettet werden. Außerdem sind alle Straßen in der Umgebung der Gefängnisse scharf bewacht. Am entsetzlichsten sind die Gefängnisse der zum Tode Verurtheilten. Niemals werde ich," schreibt em Reisender, welcher em solches Gefängniß besucht hat, den entsetzlichen Anblick dieser Leute vergessen, welche in dem dunklen, modrigen, von scheußlichen Gerüchen erfüllten Raume ihrem Tode entgegensahen Piraten, Vatermörder. Straßenräuber, wahre Bestien nicht nur in ihren Verbrechen, sondern ihrem Aussehen und Venehmen nach: Hyänen in Menschengestalt, ihre schmutzstarrenden, mit Aussatz bedeckten Körper nothdürftig in faulende Hinrichtung. Kleiderfetzen gehüllt; mit entsetzlichem Geheul erhoben sich diese Elenden bei unserem Eintritt von dem feuchten, unflätigen Boden und stürzten mit wirrem Haar und stierem Blick auf uns zu, um ein paar Kupfermünzen zu erhäschen! Erleichtert athmeten wir auf, als , wieder die geschlossene Thüre uns von ihnen trennte." Monatelang müssen die Verurtheilten hier Warten, bis die Bestätigung ihres Todesurtheils von Peking herabkommt, denn nur bei Aufständen, im Kriegsfalle oder bei außergewöhnlichen Verbrechen hat der Provinz-Gouverneur das Recht über Leben und Tod. Sonst gelangen alle Todesurtheile, und es sind deren Tausende in jedem Jahre, vor den Kaiser, der sie gewöhnlich im Herbst ZU prüfen pflegt. Um die Namen derjenigen, denen er das Leben schenkt, 'zieht er mit seinem rothen Bleistift einen Kreis; die anderen verfallen dem Henker. Sind die Dokumente von Peking eingetroffen, so witd mit der Vollstreckung des Urtheils nicht länger gezögert. Der Weg der Unglücklichen zum Richtplatz' ist nicht lang. Sie werden in neue Kleider geEnthauptung von Seeräubern. steckt und ohne Weiteres geköpft oder erdrosselt. Für Elternmörder besteht die gesetzliche Todesart darin, daß der Verurtheilte, wie die Vorschrift lautet, vor der Enthauptung in tausend Stücke zerhackt wird! EigeneöiichtPlätze gibt es nicht; alle Hinrichtungen werden öffentlich vollzogen, z. B. in Peking in der Nähe des Gemüsemarktes, in .Can.'on auf dem Töpfermarkt. Im Uebrigen darf in Ehina kein Verbrecher verurtheilt werden, ohne daß er sein Verbrechen selbst eingestanden hätte, selbst wenn die Beweise erdrückend wären. Um nun ein Geständniß zu erlangen, wird die Folter angewendet. Erst wenn er sein Ge ständniß selbst unterschrieben hat, und häufig genug unterschreibt auch . der Unschuldige ein solches, um der Tor tur zu entgehen, wird ihm die Strafe zugemessen. Die gebräuchlichsten Fol tern sind eine Art von Hand- und Fußschrauben. Knien auf Ketten, auf Glassplittern gemischt mit Salz u. s.j w. Das Entsenlicke der Sacke lieat' , - i - - j baiibifnrfiTisfi hnrin Kifc rnrfit rrnr j r i 7 " 7 -'--, j - 7 " - - Angeklagte, sondern auch Kläger und Zeugen häufig der Folter unterworfen werden, um weitere Geständnisse von ihnen zu erpressen. Aus dem Gerichtssaal. Richter: Äus den Akten ist ersichtlich, daß Sie bereits zweimal wegen Diebstahls bestraft wurden." Angeklagter: Ab Herr Richter, wo bleibt denn da das Amtsgeheimniß?Vorausschauend. Eine. Dame erzählt während ihreS Besuches bei Frau Müller von einem Damen schneide?, welcher in Brautkleidern, ganz Ausgezeichnetes leiste. Nach Fortgang des Gastes wendet sich die fünfjährige Paula leuchtenden AugeZ an die Mutter: .Mami haft Du Dlr seine Adresse gernertt ' ,

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