Indiana Tribüne, Volume 19, Number 163, Indianapolis, Marion County, 1 March 1896 — Page 2
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Per Schein trugt. Das lachende Auge, das muntere Dort, die heitere Miene, ach. wie oft täuschen sie doch! Weißt Du, ob nicht In der Einsamkeit dieses strahlende Untlitz den Stempel tiefster Betrübniß trägt, dieser scherzende Mund seufzt.an diesem sonnigen Auge Thränen zittern? Ueber Heiterkeit werden so oft im Leben Fehlschlüsse gezogen, besonders über die des Weibes. Es giebt Frauen, die in den schwersten Verhältnissen guten Muthes ausharren, die ihren Kummer erhobenen Hauptes, mit heiterer Stirn tragen. Weißt Du, wie ihre Kniee wanken wie oft sie dem Zusammenbrechen nahe sind, welche inbrünstigen Gebete aus ihrer geängsteten Seele, ihrem belasteten Herzen zu Gott emporstei gen? Niemand denkt das. wer kann in's Herz sehen! .Ebensowenig der mag man bei dem Gegensatz ein sicheres Urtheil zu fällen. Man begegnet in seinem Bekanntenkreise einer Dame, !ühl. reservirt im Wesen, einen wehr.iüthig ernsten Zug um die fest geschlossenen Lippen, die so selten latheln. die niemals scherzen. Wie schnell ist da das Urtheil zur Hand, daß in dieser Hülle ein kaltes, hartes Herz schlage. Wie kühl! seufzt muthlos der Mann, der vergebens um das geliebte Mädchen wirbt. Und obgleich er sich nach wie vor auf die zarteste Weise um sie bemüht, bleibt sie theilnamlos. Sie hat kein Herz; so urtheilt die Welt. Niemand sragt aber danach, was dieses Herz so hart werden ließ, welche bittere Erfahrungen dieses Mädchen gemacht, was ihr den Glauben an die Menschheit genommen hat! Keiner giebt aber auch dem Gedanken Raum, daß vielleicht doch tief in ihrer Brust warme Regungen schlummern. Einst verschönten auch wohl diese Lippen ein holdes Lächeln, auch sie verstanden in sprudelndem Uebermuth zu scherzen diese Stirn war einst heiter und diese Augen blickten lebenslustig in die Welt, die schonungslos Alles vernichiet, welche die schönsten Illusionen zerstört. Es bildet der Charakter sich im Strom der Welt. Es giebt selbst, ständige Naturen, die nicht, demEpheu, gleich, einer Mauer bedürfen, um sich anzulehnen, sie wollen keinen Schutz, sie glauben, sich selber genug zu sein. Aber nicht selten überschätzen sie dennoch ihre Kraft. Der Strudel des Lebens reißt sie mit sich fort, sie machen Erfahrungen, enttäuscht wenden sie der Welt den Rücken und ihr Herz wird hart. Oft geht noch später ein solcher Mensch die Ehe ein, eö ist keine Herzensverbindung, irgend einer der vielen Beweggründe, die außer dem Bereich der Liebe liegen, haben den Bund für's Lebm geschlossen. AS, wie ist er so kalt, seufzt dann wohl die Frau. Und dabei bleibt -es. Sie denkt nicht daran, daß die Eiskruste doch vielleicht zu schmelzen sei, die sein Herz zu umgeben scheint. So gehen sie weiter, nebeneinander, nicht miteinander. Jeder seinen eigenen Weg, die Entfremdung wird immer größer, sie wird immer abstoßender, er immer kälter und doch schlägt Beiden ein warmes Herz in der Brust. Manche stille Thräne vergießt sie, ihre zart empfindende Frauenseele sühlt das Bedürfniß, sich nnig anzuschließen. Aber er sragt nichts danach, sein kaltes, hartes Herz bedarf ja der Liebe nicht, klagt ste. O, daß sie sich die Mühe nähme, einen Blick in die Tiefen seines Herzens zu thun, sie würde eint Schatz an edlen, warmen Empfindungen heben, von denen die kühle Außenseite nichts ahnen läßt. Wenn die Gattin mit Klugheit und hingebender Liebe das verkannte Herz des Gatten zu verstehen suchte, sein Vertrauen erstreben, sich unabläßlich bemühen, ihn die Täuschung und das Leid, das er im Leden und Treiben der Welt erfahren, in der Häuslichkeit vergessen zu ma chen, dann würde sich auch die Ehe glücklich gestalten. Meistens sind es ja die Wunden, die das Herz dem Herzen geschlagen, die ihre Spuren zurücklassen, die oft auf's Neue bluten, die selten vernarben. O. rühre nicht mit rauher Hand baren! Mit zarter Schonung suche zu ergründen, ob du: Wunde heilbar. Der Andere.
Fräulein Lieschen IHahrig, Zopf, Notenmappe wird auf der Straße von einem Herrn angesprochen. Em Anderer bemerkt es und tritt auf Beide zu mit den erregteneWorten: Mein Herr, ich bemerke, daß Sie die Dame durch Zudringlichkeiten belastigen, was ich nicht dulden werde. Bitte, mein Fräulein, vertrauen Sie sich meinem Schutze an." Darauf Lieschen, nachdem sie Beide gemustert, mit munterer Entschiedenheit: Ach nein! der andere Herr gefällt mir besser!" Aus dem Stammbuch ein es Junggesellen. Das Seidenkleid, Es wird zum Futter. . Die süße Maid Zur Schwiegermutter. Spruch. Starker Arm braucht nicht zu zagen. Recht erfaßt, ist halb getragen. Der boshafte Gatte Sie (schluchzend): Du mußt mir den Schmuck kaufen!" Er: Weinst Du aber heut' wieder zum : Edelsteine? weichen!"'. Verblümt. Frau . (eineZ Schauspielers): Haben Sie memerc Mann schon als Don Juan" gese len?- Bekannter: ,Jm SQtfte roÄ nickt!" , :j ; ' '
Durch Nacht und Zchnee. Von C. Weßner.
Du Du liebst mich nicht? Das ist nicht wahr. Therese!" Es ist wahr!" Die Stimme des Mannes klang leidenschaftlich, gepreßt; diejenige des Mädchens ärgerlich, herausfordernd. Sie stand vor dem Kamin. Die helle Gluth beleuchtete die schlanke Gestalt. Den Kopf hatte sie trotzig in den Nacken geworfen; die großen braunen Augen blitzten ; die rothen Lippen bebten. Der junge Mann, ihr Verlobter, stand wenige Schritte von ihr entfernt. Die Rechte umklammerte krampfhaft die Reitpeitsche man konnte deutlich die geschwollenen Adern auf der dunklen Hand fehen. Ein anderes Weib würde vielleicht nicht gewagt haben, diesen Ausbruch heraufzubeschwören; aber Therese Halden besaß ein heftiges Temperament und war eifersüchtig. Sie hatte es sich eingeredet, daß ihr Verlobter zu der Tochter des Oberst Werder viel zu liebenswürdig sei. Erich Wilbrand war stolz und empfindlich, darum verschmähte er es. den reuigen Sünder da zu spielen, wo er sich keines Unrechtes bewußt war. Als ihn Therese nun heute so schwer beleidigte, indem sie ihn der Untreue zieh, hielt er es für unter seiner Würde, auch nur ein einziges Wort zu seiner Vertheidigung zu sagen. Du wirst morgen hoffentlich anderen Sinnes sein".sagte er ernst. Heute scheinst Du wirklich nicht zu wissen, was Du sprichst." Ich weiß ganz genau, was ich spreche", rief sie aus. Anderen Sinnes werde ich nie werden. Du kannst Deine Freiheit zurück haben. Ich ich liebe Dich nicht!" Diese grausamen Worte schnitten tief in des jungen Mannes Seele. Sein Stolz gab ein wenig nach. Du liebst mich nicht! Ich glaube das nicht, Therese!" Ein spöttischer, trotziger Blick war ihre Antwort. Eine Weile lang blickte Erich Wilbrandt seine Braut tiefernst an, dann wandte er sich zur Thür. Nun", sagte er mit erzwungener Ruhe, dann habe ich allerdings nichts mehr zu erwidern." Nein. Nur etwas zu nehmen. Dieses hier ". Sie streifte den Verlobungsring von ihrem Finger und hielt ihn Erich hin. Er stutzte. Dann färbte sich sein Gesicht dunkelroth und ein unendlich schmerzlicher Ausdruck legte sich auf seine Züge. Doch sofort ermannte er sich, nahm den Ring aus ihrer Hand entgegen und sah ihr fest und tiefernst in djetrotzig blickenden Augen. Wenn Du ihn jemals,urück haben möchtest, dann wirst Du erst darum zu bitten haben," sagte er mit kalter Ruhe. Er öffnete die Thür und verließ das Zimmer. Ein zorniges Lachen Theresens tönte an sein Ohr. Erichs Besitzung lag etwa eine Meile von dem Hause der Familie Halden entfernt. Der junge Mann, dessen Inneres von den wildesten Stürmen durchwühlt waritt in toller Hast nach Hause. ' Sein Hirn brannte, das Herz zuckte in wehem Schmerz. Doch fest preßte er die Zähne zusammen, um sich zu beherrschen. Wenn Therese ihn wieder zu ihren Füßen sehen wollte, dann dann mußte sie erst vor ihm knieen! Er hatte in der That bisher zu viel von ihrer Eifersucht erduldet! Jetzt war das Maß voll. Und dennoch hätte er um Alles in der Welt nicht sagen mögen, daß es besser sei, wenn sie sich trennten. Er liebte Therese mit der ganzen Gluth seines Herzens und er vermochte nicht zu glauben, daß sie wirklich ihre Verlobung im Ernst lösen wolle. . Aber Therese war es wirklich Ernst, das Verlöbniß aufzulösen, oder sie glaubte wenigstens, daß es ihr Ernst damit fei. Sie war im höchsten Grade aufgebracht und zum Unglück für sie nahm ihre Mutter auch noch ihre-Partei in dem Streit des jungen Paakes. Frau Halden war eine thörichte, schwache Mutter, welche ihr Kind schon von frühester Jugend an verwöhnt ittd verzogen hatte. Nur eins ärgerte die gute Frau; daß ihrer Tochter nun die beste Partie weit und breit entging. Denn Erich Wilbrandt war der reichste unverheirathete Rittergutsbesitzer jn der ganzen Umgebung und Therese besaß nur ein kleines Vermögen. Die Nachbarschaft wußte in merkwürdig kurzer Zeit, daß Erich Wilbrandt nicht mehr zu Haldens ging. Fräulein Lucie von Werder freute sich hierüber ungemein. Sie verdoppelte und verdreifachte ihre Liebenswürdigkeit gegen, den reichen, stattlichen Gutsbesitzer, denn sie war im Stillen schon längst neidisch auf Therese gewesen, trotzdem sie ihr dem Anschein nach in inniger Freundschaft zugethan schien. . Therese hatte eine Einladung zu einem kleinen Feste bei der Familie von Werder, angenommen. Es war ein wilder, .stürmischer .Wintertag.' In dichten Flocken, wirbelte der Schnee vom Himmel herunter und hüllte die Erde in sein, welches Tuch. . Dichter und Dichter wurde die Schneeschicht auf dem Boden, bis sie fast meterhoch lag.. Am Morgen war das Wetter noch ganz leidlich und der Weg zum Werderschen Hause, frei gewesen. Therese hatte sich, denn auo) frühzeitig aufgemacht, .um Lucie bei diesen und jenen kleinen Vorbereitungen .zum Feste behilflich zu sein. ' Und sie war üern lehr gern gegangen! Trug jie
öoch im Herzen die Hoffnung, Erich viederzusehen! Der Abend kam und der Schneefturm war immer heftiger geworden Weg und Steg war verschneit. 2n liens Vater duldete es nicht, daß Therese in solchem Wetter nach Hause zurückkehrte. Man hatte also rechtzeitig zu ihrer Mutter geschickt und diee benachrichtigt, daß Therese bei Werders übernachten werde. Erich Wilbrandt war nicht gekomwen. ' Gegen zehn Uhr verließ das junge Mädchen das Gesellschafts-Zimmer. um sich zurückzuziehen. Die Luft dort erschien ihr so dick, so schwül. Leise trat sie m's Freie, um noch ein wenig frische Luft zu schöpfen. Es war ihr so bang zu Muthe. Die Kälte that ihr wohl. Im Grunde besaß sie auch eine so gesunde Natur, daß sie dieser schon etwas bieten durfte. Die Nacht war dunkel, siernenlos. Gespenstisch leuchteten die weißbeschneiten Bäume und Sträucher aus der Finsterniß hervor. Jetzt war Therese an eine kleine Anhöhe gelangt, welche dicht neben der Gartenmauer lag und nicht besonders hoch war. Neben dieser befand sich die Parkthür. Therese blieb stehen und blickte nach denklich in die düstere Umgebung hinein. Plötzlich zuckte sie erschreckt zusammen. Der Name Wilbrand" war an ihr Ohr gedrungen. Im Flüsterton hatten man ihn gesprochen. Mit bang klopfendem Herzen, das ihr die Brust zu sprengen drohte, lauschte sie angestrengt. Da draußen standen zwei Männer, welche irgend einen Plan besprachen. Sie konnte fast jedes Wort hören Eine bessere Zeit giebt es nicht." fagte der Eine von ihnen, die Küchenfee hat mir Alles treuherzig erzählt... Es befindet sich eine Menge daares Geld im Hause. . . er will das T.sche Gut drübn damit ankaufen. . . Die Dienerschaft im Seitengebäude. . . Störung brauchen wir also nicht zu fürchten. . . Sein Arbeitszimmer, dort liegt nämlich das Geld, befindet sich im Erdgeschoß rechts. . . Seine Tante, eine alte Dame.die halb taub ist.wohnt im ersten Stock... Wir steigen durch das Fenster in sein Zimmer... Ist er zu Hause, so wird er sofort geknebelt. . . Schießt er etwa auf uns, nun dann geht es eben auf Leben und Tod. . ." Also Punkt zwölf Uhr." erwiderte die andere Stimme. Ein Wetter, für uns wie geschaffen.... Der Schnee fällt... also wird man Fußspuren nicht fehen... Doch nun komm, wir wollen noch ems trinken, ehe wir an die Arbeit gehen " Therese kauerte sich schnell nieder, als die beiden Männer draußen vorbeigingen und die Richtung nach der Dorfschänke einschlugen. Ihre Schläfen hämmerten, der Kopf drohte ihr in wahnsinniger Angst zu springen. . Barmherziger Himmel", stöhnte sie leise, hilf mir, steh mir bei " Jetzt, da sie das Gespräch der Verbreche? mit angehört, war ihr die Binde von den Augen gefallen von den Augen, welche allein durch Trotz und Eifersucht verblendet waren. Sie dachte jetzt nur noch an das Eine: daß der Geliebte in höchster Gefahr schwebe! So eilte sie hinaus. Sofort versank sie bis an die Knöchel in den Schnee. Jeder Schritt war eine Arbeit, eine Anstrengung. Doch muthig strebte sie vorwärts. Dann und wann gerieth sie sogar bis an die Knie in den Schnee. Mehr als einmal fühlte sie sich einer Ohnmacht nahe. Schon, fürchtete sie, umzusinken und im Schnee sterben zu müssen. Aber der Gedanke, daß Erich in Lebensgefahr schwebe, gab ihr neuen Muth. Immer und immer wieder raffte sie sich auf. Sie glaubte den Weg verkvren zu haben. Unaufhörlich spähte sie durch die Dunkelheit, um diese oder jene bekannte Baumgruppe zu erspähen. Nein. Gott sei Dank, sie hatte sich nicht verirrt! Hier war die kleine Anhöhe, die sie schon so oft erklommen. Mühsam bahnte sie sich den Weg hinauf. J?tzt jetzt war sie oben angelangt. v '. Zitternd an allen Gliedern, fiebernd stand sie da! Sie hätte nach all der Qual aufjauchzen mögen, als sie das Haus erblickte. Dort in seinem Arbeitszimmer brannte Licht. Sie mußte vorsichtig vorwärts gehen, damit die Verbrecher sie nicht bemerkten, wenn sie etwa schon in der Nähe waren. Endlich stand sie vor der Thür. Ihr schwindelte. Schnell und heftig zog sie an der Glocke. Doch in demselben Moment brach sie auch kraftlos auf den Steinstufen zusammen. Nur noch das Klingeln hatte sie vernommen. Auch das Zurückschieben des Riegels tönte an ihr Ohr. Ein Lichtschein fiel jetzt über die zusammengesunkencGestalt und Erichs Stimme, zitternd in seiner Herzensangst, rief: . Barmherziger Gott Du Therese!" . ' Dann wurde sie von zwei starken Armen umfaßt und fortgetragen, während heiße Lippen sich auf die ihren preßten. . Er bettete sie auf ein Sopha in einem warmen Zimmer und schlang die Arme um den Nacken des noch immer qellebten Mädchens.
1 " ilTrnnTi.i frtmm ms h? kinn? an 0 rück. In fieberhafter Hast erzählte sie Ihm abgebrochene, unzusammenhängende Worte. Sie flehte ihn au, er möge 'ja Thüren und Fenster, fest schließen. . Wachen solle er' aufstellen . und Waffen holen, denn sie" würden ' gleich hier sein, sie" wollten ihn bestehlen und morden.
Wilbrandt ahnte den Zusammenhang. Er sprang an's Fenster und ließ die schweren Jalousien herab. Dann holte er eine Flasche Kognak, mischte ein Glas dieses Getränkes mit Wasser und, den Kopf Thereses auf seinem Arm bettend, flößte er ihr den Inhalt ein. Trotz all seiner Herzensangst hatte er auch nicht einen Augenblick seine Geistesgegenwart verloren. Bist Du sicher" hauchte sie matt ganz sicher?" Ja, mein Lieb, ganz sicher," flüsterte er bewegt, indem er abermals feine Lippen auf ihren Mund preßte. Dann stand er auf und ging schnell durch eine Svtenthür nach dem anderen Flügel, um die Dienerschaft zu wecken und ihr die nöthigen Befehle zu geben. Als er zurückkehrte, war Therese von Neuem in eine Ohnmacht gesunken. Er trug sie auf den Armen hinauf in dasZimmer seiner Tante. Diese brachte das juge Mädchen sofort zu Bett, nachdem sie ihr mit Hilfe einer Magd die völlig durchnäßten Kleider ausgezogen. Jn den wilden Phantasien Theresens offenbarte sich dann mit aller Klarheit, wie sie hinter den Anschlag
gekommen und welche Qual sie erlit-. ten, um nur noch zur rechten Zelt zu ihm gelangen zu können. Durch die Umsicht und Geisiesgegenwart Grichs, welcher die Einbrecher erst ruhig arbeiten" ließ, sie dann bei dieser Beschäftigung überrumpelte und ohne viele Mühe packte und knebette, war die Gefahr glücklich beseitigt worden. . . Matt, kraftlos von den körperlichen und seelischen Anstrengungen, lag Therese auf einem Divan, als am folgenden Tage Erich Wilbrandt zu ihr in das Zimmer trat. Trotz desVerbots seiner Tante hatte er sich nicht abweisen lassen. Leidenschaftlich bewegt neigte er sich über sie und bedeckte ihr Gesicht mit heißen Küssen. Er hatte Mühe, die gewaltige Erregung, welche ihn zu übermannen drohte, zu unterbrücken. Therese schlang die Arme um seinen Nacken. - Zwei Wochen später wurde die Verlobung gefeiert und schon nach weiteren ier Wochen fand die Hochzeit statt. Weder Therese noch Erich haben die Begebenheiten jener entsetzlichen Nacht vergessen. Doch Beide sind einig in dem Gedanken, daß eine höhere Macht sie, die schon geschieden gewesen, auf diese Weise wieder zusammenführen wollte. Ein unheimlicher Mensch. Kennen Sie islackman? . Sie kennen ihn? Gut.! Dann -kennen Sie vielleicht auch Slackmans Freund Winkles? Wie, Sie kennen ihn nicht? Schade, und es thut mir eigentlich leid, daß ich die Geschichte angefangen habe, ohne daß Sie ihn kennen. Es gab übrigens eine Zeit, wo ich ihn auch nicht kannte, aber eines schönen Tages, an 'einem jeer Tage, an denen man sich so recht , ausnehmend wohl fühlt, fo heiter, so zufrieden, so erhaben, wie, selten,! sah ich von weitem Slackman mit Winkles kommen. Halloh" näher kam. rikf Slackman, als ich Halloh," rief tuch ich meinerseits mit einer so fröhlichen Miene als hätte ich alle vier Aß w Poker. Kennen dieHerren einander schon?" fragte Slackman und zeigte auf mich und von mir auf Winkles. Habe nicht das Vergnügen," sagte ich, und Slackman stellte uns gegenseitig vor. Mister Winkles," Mister Spouf." Freut mich fehr", sagte ich und streckte Winkles die Hand entgegen. Der ergriff sie und ich. . . - Ich knickte buchstäblich zusammen, mein Hut rutschte mir in den Nacken zurück und fiel zur Erde. Die Thranen stürzten mir aus den Augen, meine Brust verlor vollständig den Athem und ich führte vor Schmerz einen förmlichen ; Kriegstanz auf der Straße aus. , Winkles ist nämlich, und das hatte der verdammte Kerl, der Slackman, mir verschwiegen, der Champion-Händedrücker von ! Amerika, und meine Hand, die ich für vollständig gebrochen hielt, hatte dreimal ihre natürliche Größe, als er mir aufgehört hatte zu sagen, , wie es ihn freue, meine Bckanntschaft gemacht zu haben. Einige Tage später bummelte ich mit meinem Freund'Jorgan durch die Straßen, als ich von weitem Winkles des Weges kommen .sah. Natürlich fragte ich gleich: He. Jorgan, kennen Sie Winkles? Ein famoser Kerl, der Winkles." ! Nein," antwortete Jorgan, und natürlich stellte ich die Beide einander vor. . Zu . meiner unbändigen Freude streckte Jorgan Winkles die Hand entgegen. ... - , Ich brach, als Winkles dieselbe ergriff, in ein wahnsinniges Gelächter aus, aber hols der Teufel, als ich hinsah und mir die Lachthränen aus den Augen wischte, stand Jorgan ruhig da und ließ Winkles drücken und drücken und. verzog keine Miene. Winkles aber schwollen die Muskel im Arme zu Stricken, die Adern am Halse und an der Schläfe zu Schnüren an und er drückte und drückte, daß ich glaubte, er müsse platzen.Jorgan aber stand da und lächelte, und plötzlich, verdamm michGott. plötzlich hielt Winkles-Jorgcms, Hand in dir seinen,' vollständig abgedrückt, vollständig vom Rumpfe getrennt, und Jorgan lächelte, streckte seinen Arm-
stumpf vor und fagte: Ach bitte, schrauben Sie sie mir wieder an." ' WinkleS stand notorisch da ganz bleich und fassungslos; dann plötzlich warf er Jorgan wüthend die Hand vor bie Füße,' stürzte auf mich zu und schrie mich an: Wissen Sie, was Sie sind? Ein ganz gemeiner Mensch sind Sie, denn nur gemeine Menschen haben Freunde mit Korkhänden" Und damit ging er und ließ mich stehen, während Jorgan ganz phlegmatisch seine Hand anschraubte. Mein Freund Jorgan aber war, wie ich später erkannte, noch viel gemeiner" als Winkles je ahnen konnte, und er entblödte sich nicht, es mir selber bei einem Glase Brandy zu erzählen, das er mir zahlte, damit ich mich von meinem Schrecken erhole. Ja." sagte er. das ist das Geringsie was Sie von mir erwarten können. Da hatte ich eines' Tages in Calisvrnien ein ganz anderes Erlebniß. Ich ritt auf meinem Pferde dahin durch die herrlichste Landschaft, die BrettHarte selber nicht besser geschaffen hätte, als plötzlich ein wilder Mustang auf mich zu sprengte. Ich, das Pferd sehen und von der Lust erfaßt werden, es zu stoppen, ist eins. Ich gebe meinemPferde die Sporen.jage dem gallopirenden Thiere entgegen, jage ihm nach, mache meinen Lasso, parat und scht! saust die Schlinge durch die Lust und mein Mustang fällt vornüber auf die Kniee und wälzt sich im Staube. Im felben Augenblicke aber scht! fliegt ein anderer Lasso durch die Luft, fliegt mir um den Kopf und ich fühle mich rücklings vom Pferde ge-rissen."
Haben wir Dich, Hallunke", brüllt' mir's ln's Ohr. Werden Dich lehren Pferde stehle?, Schuft Du", und ich fühle mich gepackt, auf die Füße gestellt und mit Kolknstößen einem Baume zugetrieben. War ein famoser Ast dort an dem Baume um gehängt zu werden und diesem so verlockenden Aeste konnten die Männer, die mich gepackt hatten, offenbar nicht widerstehen, denn sie knüpften mich auf, warfen den Strick über den Ast, zogen an und ließen mich baumeln. So baumelte ich" und mein Freund Jorgan füllte sein Glas auf's Neue so baumelte ich ein paar Stunden. Da plötzlich kamen die Reiter zurück. Sie kamen um mich um Entschuld!gung zu bitten und zu begraben. Der Mustang war nämlich thatsächlich mit anderen Pferden gestohlen worden, aber nicht von mir. Er war dem Diebe durchgegangen und ein anderer Trupp hatte ihn gepackt und gehangen, nachdem er Alles bekannt hatte. Meine Unschuld also war glänzend erwiesen und das Wenigste was sie mir thun konnten, war, unter Gentlmen'S, daß sie sich entschuldigten und mich anstandig begruben Sie schnitten mich auch ab und Gott sei Dank" war mein erstes Wort, aber jetzt könntet Ihr mir auch einen Schluck Brandy geben." Die Folge war entsetzlich, die tterle liefen davon wie verrückt und an jenem Tage gab es nnJrrenhause von Frisco fünfzehn vollständig frische Narren mehr." Ja aber?" fragte ich meinen Freund Jorgan. . . Oh, das ist sehr einfach", entgegnete er, und die Lösung des Räthsels ist einfach die: ich hatte mich drei Monate vorher verschluckt." Verschluckt?" -fragte ich. immer verblüffter. Ja wohl, verschluckt," erwiderte er mit der ruhigsten Miene der Welt. An einem Knochen; und da ich zu ersticken drohte, schnitt man mir den Kehlköpf auf und ersetzte ihn später, wie das so oft geschieht, durch einen silbernen. Das wußten die Kerle nicht, und statt, daß der Strick mir die Kehle zuschnürte, hielt er mir den Hals warm und bewahrte mich vor einem Schnupfen, der sonst ganz unausbleiblich gewesen wäre." Ich sah ihn ganz verstört an ' Oh", sagte er, das ist immer nicht Alles." Eines Tages, es war in Jamestown oder Philippstown, ich weiß nicht mehr recht, kam ich mit einem Kerl in Streit. Er behauptete nämlich, die Hennen kämen aus den Eiern, während ich behauptete, die Eier kämen aus den Hennen. Kurzum, wie dem auch sei, unser Streit artete nahezu in Thätlichkeiten aus. Ich .holte aus und was war's? War es der Schwung oder war es sonst etwas, kurz, meine Hand, meine falsche Hand fliegt ihm in's Gesicht und schlägt ihm ein Auge aus. während mir seine Faust einen Vorderzahn einschlägt. Die Folge war natürlich ein Duell. Der Kerl stellte sich mir gegenüber und den ersten Schuß hat er. Aug' um Auge," knirscht er, zielt und giebt den Schuß ab. Sie werden es nicht glauben, aber er traf, traf in mein rechtes Auge und klirr, gings in Stücke. Ich nahm die übrigen Scherben heraus, denn es war mein Glasauge, sagte nur Zahn um Zahn" und schoß ihm eine Kugel durch den Mund. Zwei Zähne und die Kugel flogen ihm rückwärts wieder hinaus. Todt glauben Sie? Gar keine Idee. Er ist mir jetzt eigentlich sehr dankbar, denn er kann seine Cigarre sehr bequem im Munde halten. Die beste Geschichte kommt aber jetzt. ' Eines schönen Tages, es war m Billystown oder Charlestown, ich weiß es nicht mehr wo, da lief ich nämlich ernstliche Gefahr, .... mein Leben zu verlieren? Nein, viel ärger, mich sogar zu heirathen. Ich führte nämlich eine junge Dame aus dem Ballsaal in den Garten. Es war tm herrliche Mondnacht, und da wir vom Wetter schon gesprochen hatten, wollte ich mit ihr von Astronomie reden. Ich
nannte ihr auf gu: Glück einige Sterne. Washington, Abraham Lincoln, Cleveland und McKinley. Dann wollte sie den Namen noch eines Sternes wissen, der ihr ganz besonders gefiel und ich sagte ihr, der heiße Alfred. Und dann fragte ich sie, ob ihr der Name Alfred gefalle und ob ihr nicht der Namc Jorgan noch besser gefalle und sie nicht ihren Namen mit diesem vertauschen möchte? Und wie ich so fragte, sie aber nur seufzte, da kamen wir an einem Gartenstuhle vorbei, an einem ganz einsamen Gartenstuhle, wie geschaffen, um sich in so einer Nacht darauf zu setzen. Sie aber sagte Verschämt: es ist ja nur Platz für Einen." Setzen Sie sich", sagte ich. Nein, Sie." Nein, Sie." Wenn Sie mich lieb haben, sitzen Sie", bestand sie darauf. Und ich, ich setzte mich wirklich, und zog sie nieder auf meine Knie. Sie wog aber, und das hatte ich vergessen, fünfundachtzig Kilogramm! Und im selben Moment gabs seinen Krach. Sie hatte. . . den Stuhl durchbrechen glauben Sie? Oh nein: meine Beine, dieselben Beine, die. mir beim Eisenbahnunglück von Minetoba abgefahren worden waren unddie ich durch Korkbeine ersetzt hatte. Die Stahlschienen erwiesen sich als zu schwach, obwohl der Mechaniker hundert Kilogramm Tragfähigkeit garantirt hatte. Und diesem Umstände allein verdanke ich, daß ich noch ledig bin. Der Mann verdient eine Rettungsmedaille." . Und mein Freund Jorgan hanl s?mm Brandy aus, ich aber ging, ehe
tt et." ut Geschichte erzählte. .rsiim und Allste. Tr. Fr. Tornblüth. .-. II cnM Regen treibt mich in ."..-" .irs.mbahnwagen. Dichter ur.L nachdringender Moschusgeruch :.V:t wir entgegen; nicht von dem ' " uld teuren Erzeugniß des ..:schus'!','ele2, das man trotz seines r, Uixfsfä vor Zeiten Wohl als lc tn V:n dräuenden T f. , de i! de; V; der ' früher p r NUr.Ltt kostbare UM ihm rui . und pri'tb'.. ; drängt f . i : einem rc'.. it. sondern von ' :n Erzeugnis r lnd erfinden- :; . Und Wenn 'liehen Düften .t1., Ahnung des gesetzt wurde, XKen vornehmen ''. mitzutheilen, so f. Moschus gleich ccirmling massenhaft vor. '.iü..H;rien mit einem weiten Eim.'.uif: umgebend. Gern wäre ich cur senplatz geblieben, ab : ; vr jrt trieb mich in die Mos. vi, .Uf u';0 noch dazu in unmittelbare .chvschaft der Duftfpenderin. ;cic jedes Leid ein Ende hadi so: 'o fand auch dies eins. I'! ' us Theater, ließ meinen t:':a V;i Nachbarin parfürmirten itelc: . Garderobe und eilte auf vrxlrxA Ansitz. Doch mit des GeschZcs Vux ist kein ew'ger Bund zu ntJtn meinem Sitz hatte br c.Kt Gliche Stinkquelle, bitte um lii:r, na Duftquelle, diesmal sogc . h Gestalt, Platz genomm, !'. laichen ist nicht möglich, also i?ciM -s ertragen, leider nicht lh., l tti Theaterstunden lang, sondern uj., bereit Tages saß mir der fata Dus- ;n der Nase, erinnerte mich fl- i- i;r.D .an die ekelhafte Quelle r :n 'lochen Moschus und plagte l . .', eigenthümlich drückendem KC' ! j "HCl4. Mit l'lgerüchen steht es in gewisse: i.nc irc mit dem SBohlgc schmeck. s iur -.x: lieben Knoblauch und 3x;r :! ;ar den Stinkasant. der in. ' '!-' . Teufelsdreck genannt , . )e:en ist alter Käse, noch n ; '.uigout des Wildes, für de - ' i einmal einen deutschen l. tt höchster Genuß. Ueber) -ir xd ist eben bekanntlich nia?' ; '. n j aber an diesen Zungen- :v 7lengenllssen braucht Niemand tf..: 'hmen. der sie nicht mag und ici;. C'ner Hausgenossin, die nicht vj-ajnt.vj zu kennen meinte als alten Käse. . , jätete ich solchen gern unter der ?t ingung, daß sie ihn am Ende kuiuö Lzrtens verzehrte und wohloerschloslc,. hi- und zurückbrächte. D e ?..'-mS sind mittheilsam und crJMiv .ich: sic erfüllen sogar unsere x wenn in nicht abweisbare c . :. r ; hineingebracht hat. Mit Irnne . Vr ' Cigarre bei Fremden ewzv.trc!?.. .-erbietet der gute Ton; sollte n:d:t andere starkriechende Stoffe 'MdfsA gelten? Mit den XjrjfT? die unseren Geschmackssinn rc!,i: 5en die Riechstoffe noch txm cn.?:r. Eigenschaft gemein: von l?ld?n rirf 1 icht zu viel gegeben werden. vm c weniger, je stärkere Emps!ndln erregen. Etwas Salz ist ufc E isen nothwendig, ein wenig ?u und wir verschmähen sie als fttc :i. Jucker ist so allgemein belieb. mit seiner Eigenschaft ssz qU( u; möglichen anderen angeebv 'Dir. bezeichnet werden, und-ü." . . ;lti Süße auch eine 2vv ' r; verderben. Sogar der f irr ,. nach dem großen Gesc.r-. BrillatSavarm gewiss s -f-vfcn einen besonderen Wo verleihen, wenn nur ganz lj- Cn vor der Bereitung über U y. - iA d:r Schüssel gestrichen wird:. ia mehr davon und ftnand -irde die Speise , genießen roliUv. ele Blumen duften herrli i:,: .??eien und ?iech?.r scharf und !--ri:"r.'enn man die Nase daran haU !r.vT zu viele in's Zimmer stellt, :r starke Duft foga? Kopsschmcr. nestanfälle.
Ohnmachten und vielleicht sogar den Tod verursachen kann. Auch des Guten kann es zu viel werden, oder wie das alte Mahnwort sagt: ne quid niniis! Gerüche haben die Eigenthümlichkeit. daß sie das Gefühl des Angenehmen oder Unangenehmen besonders lebhaft erregen, uns anziehen oder abstoßen, und in letzterem Falle dadurch bewußte und unbewußte AbWehrbestrebungen erzielen. So halten wir unwillkürlich den Athem an. um einen unangenehmen Geruch zu mt den. und stoßen die Luft mit 5eftigkeit aus, um ihn schleunigst zu entfernen. Ueble Gerüche machen sogar leicht Ekej und Uebelkeit und nehmen empfindlichtz Personen mehr in Anspruch als die meisten anderen Sinneseindrücke. die nicht gerade durch ihre 5eftigkeit Schrecken oder Schmerz hervorrufen. Andererseits saugen wir angenehme Gerüche mit weitgeöffneten Nasenlöchern behaglich oder gierig ein; sie rufen leicht eine angenehme und behagliche Stimmung hervor und erwecken gern Erinnerungen an längst vergangene Stunden. Es ist deshalb durchaus natürlich und nichts weniger als tadelnswerth, daß man sich mit angenehmen Gerüchen zu umgeben liebt, aber es ist damit Maß zu halten. Denn unsere Nase hat nicht die Hauptaufgabe, Sinnenlust zu bereiten, sondern steht als Wächter vor unseren Athemorganen, um Schädliches nach Möglichkeit von ihnen fern zu halten. Unser Athem verlangt reine Luft; Düfte täuschen aber und können Schädliches unbemerkt eindringen lassen. Deshalb ist allgemeine Gesundheitsregel, daß unangenehme Gerüche, besonders in unseren Wohnungen, nicht durch Düfte verdeckt, sondern durch Reinlichkeit' verhütet und beseitigt werden sollen, und wo ein sehr aufdringlicher Wohlgeruch sich bemerklich macht, muß er immer den Verdacht erwecken, daß durch ihn etwas verborgen werden soll, was nicht in Ordnung ist. Wer seinen Leib durch Waschen und Baden rein hält, seine Kleider gehörig lüftet und reinigt u. f. w., der braucht weder Moschus, noch andere starkduftende Parfüms, um seine Anwesenheit angenehm oder wenigstens nicht unangenehm zu machen. Kann man das Wort vom Dufte edler Weiblichkeit verstehen, wenn diese. Weiblichkeit sich mit Moschus parfümirt? Auch die Wohlgerüche sind der gemeinen Thatsache der Gewöhnung nicht entzogen. Im Gegentheil, die meisten nehmen wir binnen kurzem nicht mehr wahr, wenn wir in ihnen verweilen. Die Riechnerven werden unempfindlich und stumpf gegen anhaltende, mit der Zeit auch wohl gegen andere Gerüche, wenn ihnen nicht Zeit gewährt wird, von heftigen oder langdauernden Einwirkungen sich zu erholen. Daher kommt es, daß Leute, die sich beständig mit Wohlgerüchen umgeben, ihre Person, ihre Kleider und ihre Wohnung rrfümiren, immer stärkere Riechstoffe benutzen. Ob absichtlich oder unabsichtlich durch ein--zelne Düfte besondere Gefühlsregung gen oder Leidenschaften erweckt werden, wie vielfach behauptet wird, wage ich nicht zu entscheiden ;jedenfalls sollte, schon der bloße Verdacht sie von der guten Gesellschaft ausschließen. Wichtig ist auch die unbestrittene Thatsache, daß die Gewöhnung an starke Parfüms weichlich und weibisch macht, und daß die durch sie hervorgerufene Erregung der Nerven und des Gehirns zur Erzeugung und Verschlimmerung, jener Nervosität beiträgt, die ehemals als Hysterie mehr verspottet als bemitleidet wurde, neuerdings sich aber als Zeitkrankheit eine hervorragende Stellung errungen hat.
Zwei Räusche. . Am zweiten Juli. Morgens vier Uhr, nach einer durchschwärmtenNacht, kehrte Arnold Rubler nach dem v'äterlichen Hause zurück und wollte eben den Hausschlüssel in's Schlüsselloch stecken, als er einen betrunkenen Menschen gewahrte, der gegen ihn zuschwankte. Jn ihm erkannte er seinen Freund Max Rettig. Mensch, wo kommst Du denn her? rief er dem Taumelnden zu. Du hast ja einen Mordsrausch! Wie bist Du zu dem gekommen?" 3ich stammelte der Angeredete, zich ha habe mi mich hcu heute äh, woll wollte sa sagen, ge gestern ver lobt! Es ist ein Ver Verlobungsrausch!" So?!" meinte Rubler. öffnete die Hausthür und seinem Freunde: Guten Morgen. Max. schlafe wohl!" zurufend, schlüpfte er in den Flur hinein und warf die Thür hinter sich zu. 5 Am zehnten Juli rannte Rubler, als er um eine Ecke bog. wieder, an feinen Freund Max, der heute abermals. diesmal jedoch zur Abwechslung am lichten Tage, stechkanonenvoll war. Mensch. Du hast ja schon wieder einen ganz fürchterlichen Rausch!- rief ' Rubler. Wie kamst Du zu dem?" Hi, hi!- lachte der Betrunkene, habe mich , Heu heute glü glücklich lüic wieder ent entlobt! Entlobungsrau rausch!Aha. Herr: Nun, Fräulein Mimi, nun sagen Sie mir einmal ausrichtig, mögen Sie denn all' diese Liebesge'schichten da so gern lesen? Junge Dame: Ach. lieber noch erlebte jch sie! 1 f wbaunenerreaeno. jQeti (zu seinem Freund): Du, was hh ben denn die Nachtwächter mit desu Mann dort vor. daß sie ihn so anstad nen?- Das lst der'Studiosus Mu u ler, den sehen sie zum erstenmale nuch tern!- -.
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