Indiana Tribüne, Volume 19, Number 156, Indianapolis, Marion County, 23 February 1896 — Page 7
Die Heimkehr.
De!ZchAmerikanische Erzählug fcoa 23. v. Schierbrand. I. Auf dem Dock in Hoboken stand eine dichte, erregte Menge; die Frauen und Mädchen wehten mit ihren weißen Taschentüchern den scheidenden VerwandUn oder Freunden die letzten Abschiedsgrüße zu, die Männer schwenkten ihre Hüte und riefen, wild durcheinander: Lebt wohl! Glückliche Reise! Auf Wiedersehen!" Ueber lll das Getöse und das Summen und Schwirren der Stimmen aber erhob sich jetzt der gellende Pfiff des mächtigen Dampfers, Alles üoertönend. An den Brustwehren des stolzen Schiffes sah man, bunt durcheinander, die Passagte, die ernsten oder .thränenden Auges den Blick aus die Menge gerichtet hatten. Jetzt schwang sich der Dampfer herum in die Mitte des breiten Stromes und zischend durchquirlte die Schraube das Wasser, daß es hoch aufschäumte. Die Abfahrt eines großen Oceandampfers mit seiner heute oft Tausend übersteigenden menschlichen Fracht hat immer etwas Tragisches an sich. Welche Summe von menschlichem Glück und Unglück wird da mit fortgetragen hinaus auf die unermeßlichen Fluthen des Meeres! Wie werden die verschlungenen Schicksale dieser vielen Menschen durch die Reise, die Ueberfahrt nach einem andern Erdtheil beeinflußt werden! Wer von allen Diesen wird einst wiederkehren? Und dann allerdings ist eine Oceanfahrt heute unvergleichlich sicherer geworden als früher, und diese prächtigen Colosse, die jetzt das Meer durchfurchen, sehen aus, alZ ob ihnen nichts Schlimmes zustoßen könne. Und doch bei aller gerühmten Sicherheit dieser schnellen GreyhemneU of the Ocoan", so sicher sind sie denn doch noch nicht, daß die Fahrt von 8 bis 9 Tagen bis nach Deutschlands Gestaden hin nicht ein Risiko wäre. Dafür bringt ja die See, dieses gefrässige Ungeheuer, selbst von Zeit zu Zeit schreckliche Kunde, wenn wieder einmal eines dieser Prachifahrzeuge untergegangen ist. Ob wohl Gedanken dieser Art das Gehirn jenes einsam dastehenden Mannes durchzogen, der dort noch immer umflorte Auges lehnte und nach dem Ufer spähte, das jetzt in undeutlichen Umrissen nach dem Osten zu den Horizont umsäumte? Er wandte sich nun aber um und ging schnellen Schrittes auf eine Gruppe zu, die in lebhaftem Gespräch begriffen war. Nun, Herr Hotz, ist Ihnen der Abschied doch etwas schwer geworden?" .rief ihn eine fröhliche Stimme an. Allerdings kaum hatte ich's geglaubt, daß so viel Anhänglichkeit an das Adoptiv-Vaterland in mir steckt," erwiderte er. Und darauf betheiligte er sich an dem zwanglosen Geplauder seiner Freunde, die mit ihm aus derselben Stadt im Westen stammten und mit ihm zugleich die alte Heimath und die dort verbliebenen Lieben besuchen wollten H. Adolph Hotz war ein Mann in den besten Jahren Anfang der Dreißiger, von starkem Körperbau und energisch geschnittenen Zügen, dem man es auf den ersten Blick schon anmerkte, daß er für den frischen, fröhlichen Kampf, des Lebens taugte und sich nicht leicht unterbringen ließ. Seine von Sftrnd und Wetter gebräunte Wange, fowie der nicht ganz städtische Zuschnitt seiner Kleidung zeigten, daß er mehr im Freien zu fein gewöhnt war. Und in der That, obwohl seine Adresse Denver, Colorado lautete, war er doch nur selten in der lebhaften Metropole des Gold- und Silberlandes zu finden, denn sein Beruf zwang ihn. die meiste Zeit der Besichtigung und Veaufsichtigung verschiedener ertragsreicher Bergwke zu widmen. War er doch Manager und zweiter Direktor der Vounty Mines Co., deren monatliche Dividende den Neid eines Dutzend anderer Gesellschaften bildeten. Als 17jähriger Bursche war er einst im Zwischendeck herübergefahren, den Sinn beschwert mit den gewagtesten Hoffnungen, aber sonst nur kärglich mit Gepäck versehen. Denn als Sohn einer armen Beamtenwittwe war es nicht möglich gewesen, ihm viel mehr auf den Weg nach Amerika mitzugeden als eine recht gute Schulbildung, richtige Grundsätze, einen gesunden, wohlentwickelten Korper. und die besten Wünsche für sein Gedeihen. Aber rnit dem letzteren hatte es Anfangs etwas gehapert. Der junge Mensch fand, daß sein stümperhaftes Schulenglisch doch nicht für praktischen Gebrauch genüge, daß d?r 2öeg des Grünhorns" ein recht dichmit Dornen umsäumte? war und daß sich Niemand sonderlich bemühte, ihm den Pfad zu ebnen oder ihm lohnende Beschäftigung anzubieten. In Kurzem indeß hatte er's weg, was zum Erfolg 'in der rauhen Republik der neuen Welt nöthig war: Offenen Kopf, tüchtiges Zugreifen, und jener berechtigte Egoismus, der bei aller Liberalität für den Mitmenschen doch immer zuerst, an die Interessen von Number One" denkt. Und sobald er das capirt hatte, gings auch vorwärts mit ihm. Zuerst freilich etwas langsam. Als Clerk in einem Grocery-Store. dann in einer Fruchthandlung, später als Hilfsbuchhalter in einem Bankgeschäft etc. so ging es jahrelang mit ihm. immer aufwärts, aber nur bedächtigen Schrittes. Er war schon längst nach dem Wefien ausgewandert, wo der Sinn ein freierer, die Concurrenz noch keine so erbitter'?, die Chancen des Lebens noch manni.achere sind. Er hatte praktisch ßls .Miner" gearbeitet und das Fel-
sengebirge bis nach Nedada und Utah hin als Prospector" durchzogen, ohne daß es ihm noch gelungen wäre, jener erträumten Reichthümer habhaft zu werden, von deren Schein geblendet er einst die heimathliche Scholle verlassen. Da aber es war erst fünf Jahre her kam die Gelegenheit, nach der er sich fo lange gesehnt. Er selbst entdeckte mehrere reiche Silbererzlager, und da es ihm an Capital mangelte, so gelang es ihm, eine Anzahl Actionäre zusammen zu brin-
gen, oie eine ejellicyan gründeten und ihn zum Geschäftsführer und Mitglied des Directoriums erwählten. Er steckte auch seine Ersparnisse, kaum $5000, in das Unternehmen, und siehe da! es war ein gewaltiger Erfolg. Im ersten Jahre schon zog er an Dividenden das Dreifache seines kleinen Anlagecapitals, und sein Salair als Manager wurde in der ersten Jahressitzung auf die respektable Höhe von $20,000 normirt. Seitdem hatte sich der Ertrag der Bergwerke noch vermehrt, und die Anschaffung der besten Stampfmühlen und der borgeschrittensten Maschinen ermöglichte es, selbst bei fallenden Silberpreisen sehr reiche Erträgnisse aus den Tausenden von Tonnen Erz zu ziehen, die zuTage gefördert wurden. Zum ersten Male in seinem Leben hatte er sich jetzt eine längere Erholung gegönnt. Mit voller Genehmigung der Gesellschaft unternahm er eine Lmonatige Europareise, denn es drängte ihn.seine alternde Mutter und seine jüngeren Geschwister, deren Andenken nur noch in nebelhaften Umrissen in seiner Seele lebten, zu sehen und ihnen, wenn er es vermochte, etwas Gutes zu thun sie womöglich an seinem neuerworbenen Wohlstande theilnchmen zu lassen. Denn ein guter Sohn und Bruder war er selbst während der wilden Sturmjahre im fernen Westen geblieben häufig hatte er von seinem damals noch kargen Verdienst kleinere oder größere Summen in die Heimath gesandt, und nun gedachte er, den Lebensabend seiner guten Mutter freundlich und sicher zu stellen und der Zukunft seiner Brüder und Schwestern auch möglichst Vorschub zu leisten. Zugleich aber auch beabsichtigte Adolph Hotz, unter den Töchtern des Landes, mit Hilfe seiner Mutter. Umschau zu halten und eine derselben vielleicht als Weib mit zurückzubringen nach Denver. III. Die Reise näherte sich ihrem Ende. Schon war an der Anschlagstafel die Meilenzahl angeführt, die noch bis zum Ziel zurückzulegen war, und ein Pool" war gebildet worden, um auf die Nummer des Lootsenbootes zu wetten, an dem sich auch Adolph Hotz betheiligte. Sein Glück in solchen Dingen blieb ihm treu er gewann den Vool . und eme arokartiae Kneiverei, bei der schließlich auf das Woht eines Jeden in perlendem Sekt getrunken worden war. erreichte kaum ihr Ende, als das Schiff in Bremerhaven landete. Die ganze Fahrt war ohne den geringsten Unfall, ohne irgend welches bemerkenswerthes Ereigniß verlaufen, und nach der Landung verlor der Heimkehrende auch nicht viel unnöthige Zeit, sondern rüstete sich, um mit dem nächsten Zuge nach seiner thüringischen Heimath abzureisen. Vorher nur noch rasch eine Depesche an die Mutter, die sichere Ankunft meldend, und einige kleine Geschenke, die in den geschmackvollen Läden des größeren Bremens leicht zu besorgen waren. f Zufrieden stieg er dann in das Abtheil des Zuges. Wie fremd, bei alledem, ihn Alles anrnuthete in der Hei math. ganz als ob er nie hier geboren und erzogen fei. Häuser, Menschen, Luft, Himmel, alles däuchte ihm fremd. Naiv wunderte er sich sogar darüber, daß Alles um ihn herum Deutsch sprach, die Lädenschilder deutsche Worte trugen. Dann aber lächelte er über seine eigene Thorheit und zündete sich, behaglich sich zurücklehnend an die weichen Kissen des Wagens, eine noch verbliebene amerikanische Cigarre an. Der Zug dampfte langsam und gemächlich durch die trostlose, von Torfduft erfüllte norddeutsche Ebene dahin. Dann kam die hannöversche Heidegegend auch nicht gerade in teressant. Welcher Contrast mit der gewaltigen Wildheit, der menschenleeren Oede der Felsengebirge! Dann kam der Zug durch belebtere, fruchtbarere Gegenden, durch volkreiche, schöne Städte, und in einer derselben mußte er aussteigen, um eine Zweigbahn zu benutzen, die nach seinem Heimathstädtchen führte. Nur noch wenige Stunden und er würde in den Armm seiner lieben Mutter liegen, nach der die Sehnsucht jetzt, wo er sich den heimischen Fluren mehr und mehr näherte, sich in fast beängstigender Weise steigerte. Plötzlich ein Krach, eine furchtbare Erschütterung, ein Zischen und Heulen, und über Allem das markerschütternde Geschrei sterbender oder verwundeter oder erschreckter Menschen. Der Zug war auf das falsche Geleise gerathen und mit einem and:ren, einem Frachtzug. zusammengestoßen. Es war eine fürchterliche Scene. Draußen herrschte schon Nacht, und wie eine unförmliche Masse war nur undeutlich der Haufe übereinander gethürmter und zertrümmerter Wagen zu bemerken. Es kam Hilfe, sowohl von der nahen Station als auch aus dem dabei licaenden Städtchen, und mit Feuereifer ging man an's Werk die Todten zu bergen und die Verletzten zu retten. Schließlich wurde auch ein schwerer, ächzender, blutender Körper mit Mühe durch das geborstene Fenster eines Abtheils zweiter Classe gezogen es war . Adolph Hotz. '
Und gegen Mitternacyt krug man den Sterbenden in das Haus der Mutter es war sein letzter Wunsch geWesen. Brechenden Auges schlössen sich seine Hände krampfhaft noch einmal um die der Mutter, und es waren die Mutterhände, die ihm das Sterbelager weich machten. Dies war die Heimkehr.
Oticntattsche TSnzcrlnne. Von Ludwig F. Herz. MR. PEEROO MA.II0MED Prescnts bis best Coniplirnenla to Doctor Herz And requests the Favour of your Company to the "NAU1CH PARTY" OnWednesday the lltl January at9 P.M., at his Residence, at Chukla, Furniture Bazar, in Celebration of the MARRIAGE OF HIS GRAND. SON. Dr. Dawood Fazal. Bombay. Diese höchst corrett aus weißem Karton gedruckte Einladung erhielt ich kurz nach meiner Ankunft in Bombay durch Vermittelung eines Bekannten und leistete ihr mit Vergnügen Folge. Die ganze Straße schon, welche nach dem Festhause führte, war hell erleuchtet; der Festplatz selbst war mit Prachtvollen Teppichen bedeckt und geradezu feenhaft rings herum mit langen Sstel hen farbiger Lampions umgeben. Frauen - nahmen selbstverständlich an dem Feste nicht Theil und auch die Braut blieb natürlich unsichtbar; aber das bunte Bild, das in unseren Salons die hellen Kleider der Damen abgeben, wurde reichlich durch die färbenprächtigen Gewänder der Jndier ersetzt, und wir wären uns als Europäer in unseren schwarzen Eostümen recht unfeiertagsmaßig vorgekommen, wenn man uns nicht, der Sitte gemäß, beim Eintritt mit Guirlanden bunter, duftender Blumen bekränzt hatte. An der Thür empfing uns der Gastgeber, der Großvater des Bräutigams, ein kleines, dickes, untersetztes Männchen mit weißem Barte und einem mächtigen Turban, der die ganze über eine Woche dauernde Hochzeit eingerichtet und sie sich an 100.000 Mark soll haben kosten lassen, sowie der jugendliche, höchstens 12jährige Bräutigam in einem rothen, reich mit Gold gestickten Sammetgewände, um den Hals eine prächtige Riviere von Saphiren und Perlen Sorbets und allerhand Limonaden wurden herumgereicht, mit verständnißvollem Lächeln führte uns jedoch der alte Peeroo Mahomed nach einiger Zeit in ein Gemach im ersten Stock, wo neben allerhand orientalischen Sußigkeiten auch veritabler Champagner kredenzt wurde, dem der alte Sünder trotz aller Koran-Gebote bereits stark zugesprochen zu haben schien. Das Interessanteste für mich war die Nautch" (Tanz). Drei Mal drei Tänzerinnen producirten sich,, je eme Gesellschaft auf dem Hof und in jeder der Etagen des zweistöckigen Hauses. Das Costüm der Bajaderen bestand aus seidenen Hosen und einer Partie langer, weiter, balletartig geschnittener Röcke über denselben; ein kleiner Latz bedeckte die Brust, so daß die Taille frei blieb; ebenso waren die auffallend kleinen und wohlgeformten Füße nackt, aber von einem Reifen mit Schellen umgeben; von der einen Schulter abwärts umwand ein mit Gold und Silber durchwirkter, aber dabei wie - ein Spinngewebe dünner Schleier die ganze Gestalt. Natürlich waren die Stoffe der Gewänder äußerst Prachtvoll und strotzten von Gold und Edelsteinen, ebenso waren Beine, Arme, Ohren,, selbst die Nase mit Perlen und Smaragden bedeckt. Die .berühmteste der Tänzerinnen, für meinen Geschmack die wenigst hübsche, im Gegensatz zu den sonst zierlichen Figürchen eine etwas corpulente. untersetzte Gestalt mit dickem Gesicht soll für nicht weniger wie 300.000 Rupeen Schmuck auf sich getragen haben und dürfte vielleicht damit selbst den Record unserer berühmten Diamantenkoniginnen Nina Otero oder Jennie Groß schlagen. Allerdings weiß ich nicht, ob einer dieser Damen zu Liebe bereits ein Anbeter wie für jene indische Schönheit Unterschlagungen in Höhe von 8 Lakh Rupees (Lakh, indisches Zahlenmaß, gleich 100.000, also nach dem Nennwerthe der Rupee über 1.500.000 Mark) begangen hat. Das Orchester bestand aus zwei unseien Violinen ähnlichen Instrumenten und einer Trommel; ganz komisch wirkte es, daß die Musiker nicht stehen blieben, fondern dem Vor- und Rück wärtsgehen der Tänzerinnen folgten. Ich habe die Bauteil von Europa ern als langweilig und unschön be zeichnen hören, möchte mich jedoch die sem Urtheile nicht anschließen. Ich ge siehe aern zu. daß die aus dem Kehlköpf hervorgequetschten Töne, die den Indiern wie der Gesang der Patti klingen und dementsprechend honorirt werden, unserem musikalischen Em pfinden widersprechen; aber .obgleich man den Text der Lieder nicht versteht, so laßt doch die ganze Mimik keinen Zweifel darüber, daß das 'dem ganzen Tanz zu Grunde liegende Motiv in Llebeswerben und Gewahren besteht. Darin ähnelt er den Fantasias des egyptischen Ghawasi. und wohl mehr oder minder den Tanzen aller. Volker. aber während die Ghazicö, unterstützt von dem nervenumsausenden Zu sammenklang scharf accentuirter. dum pfer Trommel- und kreischender Fideltöne, unter dem hellen Geklapper der von ihr geschwungenen Castagnetten und den Rufen ihrer Genossinnen, sich zum Wollufttaumel steigert, liegt in den schmachtend trägen Drehunqen der Bajaderen, in ihrem leicht zurückgeleg-
ten'Haupt mit den halbgeöffneten Lip pen und beinahe geschlossenen Augen, in den graziösen Windungen ihrer nach vorn gestreckten Arme und in dem ausdrucksvollen Spiel ihrer schlanken Finger der Inbegriff hingebend anschmiegenden, sich in stiller Sinnlichkeit unlöslich festklammernden Liebesglllckes. Ich habe dann Almeen (Almee, Plural richtiger Avalim, arabisch gleich in den Künsten Gelehrte: Bajadere stammt aus dem Portugiesischen) noch häufig gesehen, öffentliche Tänzerinnen. an Höfen eingeborener Fürsten, in Theatern und Hotels, habe mir wohl auch selbst ein oder das andere Mal eine Nautch arrangiren lassen, und kann es nicht leugnen, immer denselben weltentfremdenden, traumhaften, erschlaffenden Reiz in ihnen gefunden zu haben. Uebrigens gehören Tänzerinnen, Dewadeshie, in Ceylon Arambhe genannt, zu allen Tempeln. Dieselben müssen von ausgesuchter, fleckenloser Schönheit des Leibes sein; sie werden dann unter besonderen Ceremonien in die Zahl der dem Gott geweibten Bajaderen aufgenommen und müssen innerbalb des ummauerten Bezirkes des Heiligthums wohnen. Der westfälische Schinken.
Zwar hat der westfälische Schinken noch nicht seinen Sänger gefunden, wie die schwäbische Metzelsuppe, in der kein Geringerer als Uhland in seiner gastronomischen Begeisterung einBild wie Venus unter Rosen" schaut (nur der liebenswürdige Wortzauberer Vlctor Scheffel gedenkt seiner in dem grandiosen Liede von der Hermannsschlacht), aber dennoch ist er ein viel Gepriesener, allgemein Geschätzter im Lande der Rothen Erde von Alters her. In der Kirche St. Maria zur Wiese in Soest, die als ein Meisterwerk der Gothik weithin berühmt ist, befindet sich ein aus dem 16. oder 16. Jahrhundert stammendes Gemälde, das heilige Abendmahl darstellend. Darauf hat nun der Meister, der für seine Zeit wirklich Rühmliches geschaffen hat, an Stelle des Osterlammes, ganz imSinne des Heiland und ebenso glaubensinnig, ' einen westfälischen Schinken treten lassen, dem ebenfalls auf einer Schüssel liegend zur Seite ein ansehnlicher Schweinskopf'prangt. Daß diese Darstellung den biederen Landsleuten gar nicht übel gefallen hat. beweist der Umstand, daß sich unter den spärlichen Resten von älteren westfälischen Freskomalereien noch ein anderes erst kürzlich in einer Dorfkirche aufgedecktes Wandgemälde befindet, welches dem westfälischenSchinken eine gleiche Ehre widerfahren läßt. Auck in alten westfälischen Urkunden spielt dieses Nationalgericht, das schon im 4. Jahrhundert bei den Römern als Delikatesse galt, seine Rolle, und die Zeit ist noch nicht lange dahin, wo der besser gestellte Bauer am Hellwege am alten Brauche zu sündigen wähnte, wenn er nicht am ersten Östertage mit seinem Ingesinde einem mächtigen, $e kochten Schinken derb zusetzte. Und in der That, der Schinken, wie er früher auö dem westfälischen Bauernhause hervorging, verdiente seine weitgehende Werthschätzung, und zwar verdankte er seinen trefflichen Ruf zwei Dingen, nämlich erstlich der Schweine-Rasse, welche vordem in Westfalen gezlchtet wurde, und zweitens der Art der Räucherüng der Schinken. Das westfälische oder münsterländische Schwein bildete eine besondere Rasse von verhältnißmäßig langem Körperbau und erreichte durch Mast ein bedeutendes Gewicht. Dabei war das Muskelfleisch überall mit Fett durchwachsen, aber die Mast erforderte eine verhältnißmäßig lange Zeit und viel Futter. Auch die Art der Fütterung war in früherer Zeit viel mehr dazu angethan, ein wohlschmeckendes Fleisch zu erzielen, indem man damals in Westfalen jene weißzahnigen RUsselträger nicht mit Getreide. Kartoffeln und Milch mästete, fondern sie bis in den Winter hinein in den Wald trieb, wo sie sich nach Gefallen Eicheln, Buchennüsse und Gewürm suchen konnten, gewiß nicht zum Schaden des Waldes. Im Spätherbst oder Winter ergänzte man die Mast mit Getreide und Hülsenfrüchten, geschroten, oder unzertheilt. Daher hörte man in abgelegener? Gegenden Westfalens die Jungen am lüttken Fastowend" (kleine Fastnacht) ihren Dank für gespendete Wurst oder Schinken, die ..sie auf. einem Spieße sammeln, noch nach alter Väter Weise also äußern: ..Mit Eukeln, Bucheln, Böunen, fallt jiu de Hiärgut löunen. (Mit Eicheln, Bucheln,' Bohnen, sulls euch der Herrgott lohnen.)" War das Schwein geschlachtet, so wurde es zertheilt und die Schinken in einer nur in Westfalen gebräuchlichen Weise ausgeschnitten, ste wurden sodann eingesalzen und später in den Rauch gehängt. Die Art der Räucherung war nun eine ganz eigenartige, bedingt durch die eigenthümliche Bauart des westfälischen Bauernhauses. Schornsteine und Rauchfänge kannte der west fälische Bauer bis in die Mitte unseres Jahrhunderts hinein kaum, oder gar nicht. Im Hintergründe der geraumlgen Tenne (Diehle. Dehl) brannte' das offene Herdfeuer, über welchem die Kochtöpfe an einem drehbaren, galgenähnlichen Gerüst aus Holz (Langbäum) "und einem in dasselbe eingelassenen, einem großen Sägenblatte ähnlichen, eisernen, herabhängenden Halter (Hahl) aufgehängt wurden; dabei wurde auch am Spieß gebraten. Der Rauch, des Herdfeuers fand nun keinen anderen Weg in's Freie, all über die Tenne hinweg, entweder durch die etwa geöffneten Theile deö großen Einfahrthores, oder durch zwei oder drei über demselben 5 befindliche, meist m.Kmm 11 T js j V " CCm 14 Iuctyiucnc, quuuiLLUuyc c uuutu. Bei dieser .Einrichtung erfüllte der
Rauch des Herdfeuers oft das ganze Haus, fodaß die Bewohner nicht selten
mit thranenden, geratheten Augen.ohne daß ihnen ern Leid widerfahren wäre, umhergingen; vor allem aber hingen die oben unter der Balkenlage der Tenne aufbewahrten Schinken fast beständig im Rauch. Ebenso bekamen die Huhner wahrend der Wmterzelt, wo sie in einem offenen, an den Balken der Tenne hangenden Schlage (Hühnerwieme) untergebracht waren, nicht selten den Rauch zu kosten, woher sich auch wohl der in westfälischen Verträgen und Urkunden so häufig wiederkehrende Name Rauchhuhn" für em erwachsenes, durch den Winter gekom menes" Huhn erklärt. Bei dieser vortrefflichen Raucherung waren dre Schinken unter der Decke der Tenne so luftig untergebracht, daß sie in einem gewissen, jedoch nicht in einem allzu hohen Grade ausdörrten, und wurden auch die Fliegen durch den beständig dort herrschenden scharfen Rauchgeruch abgehalten, ihre Brüt (Maden) in die Schinken hineinzulegen. Heute nun ist die alte westfälische Schweine-Rasse wenigstens vielfach ausgestorben und durch die englische Jorkshire-, Berkshire- und SuffolkRasse verdrängt, die sich zwar viel vortheilhafter mästen, aber em bei Weitem nicht so wohlschmeckendes, weißeres und weniger durchwachsenesFleisch liefern. Auch die alten Bauernhäuser mit Strohdach und ohne Schornstein sind vielfach von der Bildfläche verschwunden und damit auch der gute westfälische Schinken Tief im Sauerlande und auch sonst auf dem platten Lande in Westfalen trifft man noch hier und da Häuser an, in denen die Räucherung noch nach alter Väter Weise gehandhabt wird. Es ist daher sehr begreiflich, daß so manche Hausfrau außerhalb Westfalens den von hier bezogenen Schinken um nicht viel besser findet, als den anderswo gekauften; denn die meisten Händler und Metzger, die von Westfalen aus dieses Rauchfleisch in den Markt bringen, uefern nur ganz gewöhnliche, auf modernem Wege hergestellte Waare. Es ist aber nicht möglich, einen Schinken in einer Räucherkammer oder einem sögenannten Räucherthurme, vielleicht gar mit Zuhilfenahme von Essig'ather und anderen Erzeugnissen der Holzdestillation. über glimmendem Reisig in mehr oder minder kurzer Zeit so vortrefflich zu räuchern, wie über dem fast andauernde Rauche des Herdfeuers in vielen Monaten, schon weil das Herdfeuer bei seiner durchaus verschiedenen UnterHaltung viel mannigfaltigere Verbrennungsproducte liefert, deren Geruch und Geschmack sich dem Schinken mittheilt. So wird denn wohl unter dem Einflüsse unseres alles nivellirenden Zeitalters das Land der Rothen Erde in absehbarer Zeit um eine seiner hervorragendsten Specialitäten in gastronomischer Beziehung ärmer werden. Pcrgolcseö Stadat m&ter Von A. Tennef. Pergolese kam im Jahre 1746, nach dem er auf feiner Reise nach Italien die bedeutendsten Städte dieses Landes besucht hatte, nach Neapel, wo man damals allgemein von der VerHaftung eines gefürchteten Banditen fprach, dem es durch feine merkwürdige Gewandtheit und wunderbare Stärke lange Zeit hindurch geglückt war, sich den eifrigsten Nachstellungen der neapolitanischen Polizei zu entziehen. Veranlaßt vielleicht durch das allgemeine Gespräch, kam der Künstler auf den sonderbaren und mit seinem sonstigen Charakter im Widerspruch stehenden Einfall, Zeuge der Hinrichtung dieses Menschen zu sein; sei es indessen, daß er die Zeit versäumte, sei es, daß sein mitleidiges Herz ihn verhinderte, dem schrecklichen Schauspiel beizuwohnen, genug, als er auf dem Richtplatz ankam, hatte der Unglückliche bereits vollendet. Die noch immer zahlreicheMenschenmenge hatte schon abgenommen, cr konnte sich daher dem Galgen, an welchem der Leichnam hing, nahen. Am Fuße desselben lag eine Frau auf den Knieen. Ihr Schluchzen, und Seufzen zeugten von ihrer Verzweiflung. Pergolese sah mitErstaunen ihre gewählte, obgleich bizarre Kleidung und die Unordnung. in der sich dieselbe befand. Plötzlich, konvulsivisch zuckend, erhob sie die. Augen gen Himmel mit einem vorwurfsvollen und zugleich Erbarmen erflehenden Blick. Pergolese gerieth in Extase. Es war eine Jungfrau Raphaels! Eine Madonna mit langem Haar, das über die Schultern, die an Weiße dem Alabaster glichen, dahinfloß und zugleich die feinste Taille, die schönsten, entzückendsten Formen umwallte. Lebhaft bewegt, fragte er: Wer ist diese Frau?" Wer sind Sie denn, oder woher kommen Sie. daß Sie die schöne Martha nicht kennen, die Frau des Banditen Stenio?" wurde ihm entgegnet. Wie? Es wäreIhr Mann) den man diesen Morgen gehängt hat. Sie liebte ihn, das arme Weib, und seitdem er sich im Gefängnisse befand, hat sich ihreVernunft verwirrt, sie läuft durch die Straßen der Stadt und singt Hymnen?eligiöse Lieder. Horch! Still! Sie beginnt zu singen." . In der That ließen sich einige schwache und unverständliche Töne hören, bald aber wurden sie heller, deutlickier ; die Menschenmenge, kurz zuvor Pürmisch und lärmend, ward auf , einmal ruhig, stumm und unbeweglich bei diefer ergreifenden Scene, sie beugt das Knie und hört in dumpfen Schweigen den Litaneien an die Madonna zu, welche die arme Martha singt, und bald stimmt sie mit ihr in das Ora pro nobis ein. ' . .
In allen Augen glänzen Thränen. Pergolefes Herz will zerspringen. Die Hymne ist beendet, die einige Augenblicke herrschende Todtenstille läßt die Schritte der nahenden Soldaten deutlich unterscheiden, sie kommen, gefolgt von den Polizeibeamten, um den Leichnam des Gerichteten hinWeg zu bringen. Ohne Zweifel ahnte Martha ihre Absicht; sie umklammerte mit ihren schwachen Armen den Unglllcksbalken, drückte ihn konvulsivisch an ihre Brust, als wolle sie ihn der traurigen Ueberbleibsel berauben; man wollte sie zwingen, sich zu entfernen, sie gab einen herzzerreißenden Schrei von sich, da stieß man sie roh zurück. Der Leichnam des Banditen wird auf den Karren geworfen, der fortfährt. Martha, mit einer verzweifelten Anstrengung sich losmachend, eilte herbei, fchon ist sie nahe daran, unter die Räder desFuhrWerks zu kommen, da ergreift sie Pergolese. der allen ihren Bewegungen gefolgt war, und hält sie an, ohnmächtig sinkt sie in seine Arme. Wir versuchen es nicht, den Eindruck zu schildern, den er empfand, als er die bleichen und verzerrten Gesichtszüge anblickte. Kaum hielt der junge Künstler sich aufrecht, und dennoch durfte er die Unglückliche nicht verlassen. So zog er denn aus seiner Tasche ein Goldstück und bot es dem zur Belohnung, der die arme Martha in ein naheliegendes Haus bringen würde, damit ihr dort die nöthigen Hilfsleistungen zu Theil werden könnten. Aber Schande über die Menschen! Kaum glänzt des Goldes Schimmer vor den gierigen Augen der ihn umgebenden Lazzaroni, als sie herbeispringen, das Gold wird ihm entrissen und fällt klingend auf die Steine. Ein schändlicher, verabscheuenswerther Kampf entspinnt sich unter den Elenden, deren einziges Augenmerk der Besitz des Metallstückes ist. je-
des Gefühl der Menschlichkeit ist ihnen fern, niedrige, schmutzige Habsucht ist ihr einziger Gedanke, und so machen sie die. Beute einander streitig. Pergolese sah mit. Staunen diesem Schauspiel zu; Martha indessen kam wieder zu sich, sie legte die Hand an die schöne Stirn, als wolle sie ein schreckliches Traumgemäldc verscheuchen. dann veränderte sich ihre Miene, sie stieß ein lautes Lachen auö, dem ein tiefer Seufzer folgte; endlich ergriff sie den Arm ihres Beschützers, entzog ihn der umstehenden Menge, eilte mit ihm durch die Straßen der Stadt, mit fliegendem Haar und ohne darauf zu achten, wie sie die zarten Füße an den spitzigen Steinen verwundete, von Z:it zu Zeit ihr schönes Anlitz. das durch eine Eingebung des Himmels begeistert schien, zu ihm erhebend und mit dem Finger das Ziel des Weges andeutend. So eilte sie fort bis an eine der Vorstädte der Hauptstadt, hier bog sie in ein schmutziges Gäßchen ein, trat in ein dunkles Haus, stieg drei Treppen hoch und zeigte, nachdem sie eine morsche Thür mit dem Fuße bei Seite gestoßen hatte, ihrem erschreckten Begleiter ein Zimmer, aus dem zwei mit Lumpen bedeckte Kinder hervorsprangen, welche sich der Mutter m die Arme warfen und um Brot baten. Jetzt hatte die eben beschriebene Scene den höchsten Gipfel erreicht; die arme Mutter, welche nur noch an die Leiden ihrer Kinder dachte, eilte schnell in einenWinkel ihrer traurigen Behausung, öffnete nen kleinen Schrank, m dem an verschiedenen Stellen zerbrochene Teller und Gesäße lagen, sie nahm dieselben nach einander in die Hand und setzte sie voll Verzweiflung wieder hin. Plötzlich erhellte einStrahl der Freude ihr bleiches Gesicht. Sie nahm ihre Kinder, ließ sie vor dem Künstler sich auf die Kniee werfen und begann, selbst tmeend, von Neuem ih ren ergreifenden Gesang. Sie singt, und ihre Stimme nimmt dies Mal einen noch rührenden Ton an. Es war eine Mutter, die für ihre Kinder bat. für ihre Kinder, welche ungers sterben wollten! Pergolese .betrachtete, mit Thränen m den Augen, das ergreifende Gemalde unbeweglich; endlich kam er zu sich selbst durch den Gedanken an die Leiden dieser Unglücklichen, er eilte aus dem Hause dieses Elends. li?f zum nächsten Speisewirth und ließ der Fa milie Das zukommen, was ihren dringendsten Bedürfnissen Abhilfe ver 'schaffte, dann entfernte er sich mit er schüttertem Gemüthe. Nicht sich damit genügend, diese erste Pflicht der Barmherzigkeit erfüllt zu haben, wendete er den Nest des Tages dazu an, ihnen einen mächtigenSchutz in der Person des Grafen Spinessa zu verschaffen, der ihm sehr gewogen war und daher gern auf- feine Fürsprache solchen Leiden ein Ende machte. Einige Tage darauf verließ Pergolese Neapel, indem seinen Blicken noch immer der am Galgen hangende Ban dit vorschwebte und er noch immer die herzzerreißenden Tone der armenMar tha und ihrer Kinder zu vernehmen glaubte. Um sich zu zerstreuen und seinen Gedanken eine andere Richtung zu geben, beschloß er. den Krater des Vesuvs zu besuchen, und begab sich nach Torre del Greco. emem kleinen, am Fuße des Berges gelegenen Flecken. Aber die zu Neapel empfangenen Eindrucke wollten seinem Gedächtnisse nicht entschwinden. Hier nun, in der Einsamkeit und umgeben von seiner erhabenen Natur, dachte er über das Geschick nach, welches das Leben einer interessanten und schönen Frau, tmti ihren unwürdigen Gatten zärtlich labenden Gattin, einer für das Wohl ihrer Kinder sich aufopfernden Mutter verfolgt hatte: So keimte in seinem Innern der Plan auf, das Stabat mater in Musik zu setzen, den er auch alsbald ausführte. In einem bescheidenen Stübchen ei nes der Häuser des Fleckens, noch ganz hingegeben der Erinnerungen enes
raurige Erlebnitz. componirte er die
berühmte Hymne, welche sein Schwanengesang war; kurz darauf starb cr. m kaum erreichten dreißigsten Jahre. Land und Leute von Sumatra. Auf der von der Natur reich gesegneten Insel Sumatra liegen die Verkehrsverhältnisse noch ziemlich im Argen. Die Wege müssen von den Eingeborenen im Herrendienst in Ordnung gehalten werden, und Jedem ist eine durch numerirte Pfähle bezeichnete Strecke von den holländischen Behörden zugewiesen. Zuwelken reißen allerdings die Elephanten' über weite Strecken hin die Pfähle aus. auch den Telegraphenstangen sind diese Thiere sehr gefährlich, weshalb die Drähte meist an hohen Bäumen befestigt sind. Das politisch kluge System der holländischen Regierung ermöglicht, mit ttner klemcn Truppcmacht den ausgedehnten Colonialbesitz zu besorgen. Die Gerichtsbarkeit wird nur nach inländischem Recht und Gesetz ausgeübt, in den unteren Instanzen nur von inländischen Richtern, denen in den höheren Instanzen Europäer mit Einspruchrecht beigegeben sind. Stets vird hierbei, wie im ganzen Verkehr, tt malayische Sprache, das Volapük.der dortigen Gegenden" in dem Gemisch von Völkern und Sprachen, gebraucht. Sie ist klang- und vocal-reich.-mit "vielen portugiesischen Worten durchsetzt. Der Bewohner von Sumatra ist ein geborener Redner. Er liebt es. sich gewählt auszudrücken jnd seine Ansicht ausführlich zu begründen. Die Beschaffung des Lebensunterhaltes macht ihm keine großen Sorgen. Den nöthigen Reis, sein Hauptnahrungsmittel, gibt ihm das fruchtbare Klima und der jungfräuliche Boden ohne viele Mühe, vorausgesetzt, daß keine Affenheerde in die Pflanzungen einbricht. Der Eingeborene ist klein, von gelbbrauner Farbe, fast bartlos und nach unseren Begriffen sehr unschön. Die Heirathcn erfolgen fehr früh. Eö ist keine Seltenheit, daß 14jährige Männer" 11- bis 12jährige Mädchen heirathen. Alte Jungfern und Junggesellen gibt es dort nicht. Die Stellung der Frau ist sehr untergeordnet. Sie wird gekauft, und ihr Preis schwankt je nach der Mitgift zwischen 80 und 1000 holl. Gulden. Die Braut wird bei der Hochzeit auf die eine Seite einer Waage gesetzt, und es ist ihr größter Stolz, wenn die von ihr eingebrachte Mitgift, die auf der anderen Seite liegt, schwerer ist, als sie selbst. Die Häuser sind auf Pfählen gebaut und fehr einfach eingerichtet. Ein Baumstamm, mit Kerben für die Füße versehen, dient den sehr gewandt kletternden Bewohnern als Treppe. Die Jugenderziehung ist sehr vernachlässigt. Inländer, die des Schreibens und Lesens kundig sind, gelten als Koryphäen der Wissenschaft und gelangen leicht zu höheren Aemtern. Die Bewohner der Niederungen sind meist Mohamedaner. die Bergbewohner dagegen Heiden. Dem Gesundheiiszu-' stände kommt sehr zu Statten, daß die Gebote des Koran vielfach wohldurchdachte Gesundheitsrcgeln sind. Eine musikalische Geschichte. Einst raubte sie ihm Herz und Sinn. Dann wurde sie sein eigen, Da hing dem guten Fridolin Der Himmel voller Geigen. Doch währte kurz die Harmonie Mit seiner Wilhelmine. Denn ach! zu Hause spielte sie Die erste Violine; Auch wußte sie in Wort und That Ihn tüchtig zu karanzen Und ließ den Aermstcn früh und spat Nach ihrer Pfeife tanzen. Und wenn er ungehorsam war Und that, was sie 'verboten, Da nahm sie ihn ich glaube gar Und haute ihn nach Noten! 's gibt Frauen, die die Männer kalt Um Gut und Ehre bringcn, Auch unser Fridolin wußt' bald Ein Lied davon zu siegen; i Denn eines schönen Tages ging. Nebst sämmtlichen Moneten, Das falsche, ungetreue Ding Mit einem Hausfreund flöten! Sie schifften nach New Fork sich ein. Wo sie im Trock'ncn saßen, Und ließen Fridolin allein. Der mußte Trübsal blasen! Nächtliche Heimkehr. Schau, Weiberl. so aeht's halt; um neune hab ich heim wollen, da is' der Pfarrer kommen, da kab ich natürlich net grad fortgehen können, also trink ich noch a Maß. Wie die aus war, will ich wieder heim um halb zehne; grad wie ich gute Nacht sagen will, kommt der Doktor zur Thür rein, da kann i wieder net fort, des wär' ja unhöflich g'wcsen. Um zehne mein' Maß is grad aus g'wesen, da kommt der Vezirksamtmann und sagt: Gehn's bleiben's doch noch a bisserl da. Nachher bin i halt noch blieben und nachher ist der Durst kommen " Ten ruhelosen Fischern. Ich' kenn'' ein Netz, versenkt ihr's mit Geschick Und mit Geduld tief in den Strom . der Zeit. Habt reiche Beute ihr damit: Das . Glück. Kennt ihr das Netz? Es heißt: Zu- - - - jriedeneit,
