Indiana Tribüne, Volume 19, Number 156, Indianapolis, Marion County, 23 February 1896 — Page 6

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Für (Seist und Gemüth.

Was auch als Wahrheit ode? Fabel In tausend Büchern Dir erscheint, Das alles ist ein Thurm zu Babel. Wenn eS die Liebe nicht vereint. Das Herze fröhlich. Den Muih recht ehrlich, Die Rede züchtig. Die Thaten richtig. Auf Gott betrauen Und auf ihn bauen. Das sind die Waffen, Die Nutzen schaffen. In der Seele ist der Himmel, Den du tief erschaut, In der Seele sind die Welten. Die du dir gebaut. Mußt du draußen still entsagen Innigstem Begehr. Einen Himmel in der Seele, Was begehrst du mehr?! Taufen und Zjeirathcn. . Von Eugen von Jagow. Kaum hat ein kleiner Weltbürger das Licht Frankreichs erblickt, so derursacht er seinen lieben Angehörigen, wie ja das auch in anderer Herren Länder mehr oder weniger der Fall ist. außerordentlich viel Arbeit. Die Taufe macht heute leider heute mehr Umstände, als zur Zeit Johannes des Täufers, findet auch noch viel häufiger statt, als man aus dem Ruf. den Paris als Weltstadt des Atheismus genießt, schließen könnte. Nochefort erjählt zwar in seinen Memoiren, wie seine Mutter erst zu Beginn seines zehnten Lebensjahres die Entdeckung machte, daß sie seine Taufe vergessen habe, aber man muß es bei dem Laternenmann mit der Wahrheit nicht immer zu genau nehmen. Das volksthümliche Witzwort, man könne in der Wahl seiner Eltern nicht vorsichtig genug sein, gilt in Frankreich recht eigentlich für die Taufzeugen, welche häufig, wenn die kaum ablehnbare Wahl sie getroffen hat, mit einem Stoßseufzer eine ähnliche Betrachtung anstellen. Aber um ihre Stoßseufzer kümmert man sich nicht wenn sie nur Geld haben! Die Ehre derPathenschaft, für die man auch noch schriftlich danken muß, ist ein Kreuz fürs ganze Leben. Die Taufe selbst mit Älledem. was ihr vorangeht und folgt, giebt dem unglücklichen, 'mitBorliebe unter den- alten reichen Junggesellen ausgewählten Opfer, einenBorgeschmack davon. Der pamirn" muß also zunächst mal die Bekanntschaft der rnarraiiie", der Taufzeugin, machen, mit der man ihn assortirt", wie die zwei Pelzsorten unsrer neuesten Pelzcapes. Ihr überläßt er mit ritterlicher Uneigennlltzigkeit die Wahl eines Tausnamens für den Täufling. aber leider nicht auch das Miethen des Wag:ns, in der er sie zu dessen Eltern und von da mit der Großmama und dem zenternden Kinde zur Kirche geleitet, leider nicht auch die Bertheilung der in weißes Papier gewickelten Spenden für den Glöckner und die Chorknaben, der in Zuckerdüten versteckten Trinkgelder für die Diener des Hauses, für die Hebamme, die Amme, der in eineBon-bon-Schachtel verstecktcnGoldstücke und Bankscheine für den Priester. Diese Tüten und Schachteln sind blau, wenn der Täufling ein Knabe, und rosafarben. wenn er ein Mädchen ist. Sie weisen ferner, triumphirend den Bornamen und Geburtstag des kleinenNuhestörers auf, bisweilen auch allerlei phantastische Zuthaten, wofern nämlich zu deren Erfindung die gute Lau.ne des Pathen noch ausreicht, der seinem kleinen Großinquisitor auch noch ein vollständiges Küchengeschirr, Silberzeug und ähnliches zu schenken hat. Und wenn er nun alle dieseKelche geleert hat. so wartet seiner ein letzter, der sich immer von Neuem füllt: die Mit - Taufzeugm, die Gevatterin nämlich wird er nicht wieder los. Und wenn sie eine Lästerzunge hätte, der Gesellschaftsbrauch zwingt ihn. die mit Blumensträußen und Bonbons angeknüpften Verbindungen auch fernerhin zu pflegen. Und auch fernerhin Pathengeschenke über Pathengeschenkc: am Neujahrstage, zur premtert cornraunion", zur Hochzeit, nach bestandenem Examen, nach der Beförderung zum Offizier sie sind allzeit willkommen und verpflichten überdies, da sie obligat sind, durchaus nicht zur Dankbarkeit. Letztere beschränkt sich vielmehr meist darauf, daß das heranwachsende Taufkind bei den guten Rathschlägen des Pathen zu verstehen giebt: die können Sie sich schenken!" Das ist meist sein einziges Gegengeschenk! Kleinchen wächst heran, es wird Zeit, ihn, wenn er ein Knabe ist, ins Pensionat zu schicken, denn seit dem ersten Napoleon, derSoldaten verschw-n-dete. wie ein französischer Berwaliungsrath die Gelder seiner Aktionäre, ist das Schulkasernensystem vorherrschend geblieben. Auch die Töchter brachte man bisher mit Vorliebe in den vornehmen, von Nonnen geleiteten Pensionaten der Oiseauj, des SacrdCoour und wie sie sonst noch heißen, unter. Neuerdings gehört es indessen zum guten Ton, die Töchter, escortirt von der Mutter oder einer Verwandten. in die sogenannten Kurse, d. h. zu den mehr oder weniger öffentlichen Vorlesungen zu schicken. Der Grund für diesen Sittenwandel, um nicht zu sagen Modewechsel, ist bezeichnend für das französische Erziehungssystem, dessen vornehmer Grundsatz darin gipfelt, das jungeMädchen so unselbstständig wie möglich zu lassen, was natürlich die praktische Folge hat, daß es als junge Frau die ihr gestellten aU len oft nicht zu vermeiden weiß. Die

Mädcheupensionate werden . jetzt vor: Engländerinnen und Amerikanerinneu überschwemmt, deren freies Auftreten der sie staunend betrachtenden jungen Französin bald ebenso nachahmungswerth, wie den französischenEltern Khocking erscheint. Böse Beispiele verderben die von diesen gut befundenen Sitten, über deren Unnatur und bösen Einfluß auf die Entfaltung der jungen Mädchenknospe sich außerordentlich viel sagen ließe. Gehen wir indessen darüber hinweg und betrachten wir Jüngling und Jungfrau im Augenblick, wo sie das zu schließen im Begriff sind, was Goethe den Anfang und den Gipfel aller Kultur" genannt hat: die Ehe. Haben sie, um auch unserem anderen deutschen Altmeister der Dichtkunst das Wort zu geben, Schild lers Wort beherzigt: Drum prüfe, wer sich ewig bindet, Ob sich das Herz zum Herzen findet?" sGeprüft hat man allerdings von der Verlobung, aber was? in erster Li nie die Finanzlage des ' Zukünftigen oder der Zukünftigen. Von dem Herzen ist unendlich weniger dieTiede als vom Golde, die Verstandesheirath ist in den oberen Klassen der französischen Gesellschaft die Regel. Darum bildet sie auch den Hauptgegcnstand des sranzösischen Lustspiels, dessen folgerichtige Ergänzung das Ehebruchsdram ist. Der Fall ist keineswegs selten, daß die Wahl des jungen Mannes cinMädchen trifft, mit dem er vielleicht noch nicht ein einziges Wort gewechselt hat und das ihm Eltern oder nahe Verwandte bezeichneten. Selbstverständlich folgt er nicht dem Beispiel Romeos.dcr sich unmittelbar an Julia wandte, sondern er bedient sich einer Vertrauens Person, des marieiir", der zuvor genaue Erkundigungen über den Vermögensstand und die Familie der Auserwählten einzieht und dann unter MitWirkung von deren Eltern in unausfälliger Weise eine Begegnung der jungen Leute herbeiführt. Diese findet meist auf einem Ball, bei einem Diner oder bedauernswerther Dichter ! im Theater statt, wo der Brautwerber der zur Schwiegermutter Ausersehenen in ihrer Loge während des Zwischenaktes einen Besuch abstattet. Man sieht, diese Braut- und Bräutigamsschau findet bei lauter Gelegenheit sta.tt, be! denen von der Schillerschen Herzprüfung nicht die Rede sein kann. Selten verlangt das junge Mädchen, ehe es sein Jawort giebt, den ihm Zugedachten. näher kennen zu lernen. Erziehung und Ueberlieferung haben es an den Gedanken gewöhnt, eine Heirathswaare zu sein. Auch sehnt es sich aus der tyrannischen Ueberwachung heraus in den Ehestand hinein, wo der Flirt cs für die geringe Beachtung entschädigt, die man der zu einer heuchlerischenNaivität Verurteilten bis dahin geschenkt hatte. Nachdem das junge Mädchen mit züchtigem Erröthen zu verstehen gegeben hat, daß der Freier genehm ist, geht man auf den Kernpunkt des Ehegeschäftes ein und der Vater derVraut erklärt alsbald dem Werber, um diesem eine peinliche Frage zu ersparen, wie hoch die Mitgift ist. Die Verlobung erfolgt in engstemFamilienkreise. Der glückliche Bräutigam überbringt oleicfeitiq mit dem ersten Strauß aus weißen Blumen, der von jetzt ab bis zur Hochzeit jeden Morgen durch einen neuen zu ersetzen ist, den Verlobungsring. Bei der Wahl des Edelsteins herrscht vielleicht ein. noch größerer Aberglaube, als in Deutschland; Perlen bedeuten natürlich Thränen, der schillernde Opal die Unbeständigkeit. Aquamarin bringt Unglück, der Sma ragd ist, ich weiß nicht warum, verpönt, der hellgrüne Mrkis dagegen als eine Sinnbild der Beständigkeit und Aufrichtigkeit hochbeliebt. Indem der Bräutigam der Geliebten den Ring on den vierten Finger steckt, drückt er den ersten Kuß auf ihre weiße Hand und die Verlobung wird keine Verlobung ohne intimes Diner! feierlich beim Nachtisch verkündet oder bei einer Soirfc dansante um Mitternacht. Während der Abendstunde läßt man das. natürlich nur noch aus der Ferne überwachte Brautpaar höchst bezeichnend für die Tyrannei der französischen Sitte! zum ersten Mal ein wenig allein. DerLeser erräth schon daraus, daß es, wenn es sich etwa gar allein in der Straße blicken ließe, alle bösen Zungen.-an denen in den Pariser Salons bekanntlich kein Mangel ist, unfehlbar entfesseln würde. Die Verlobungsanzeige in den Zeitungen, wie sie in DeutschlandBrauch ist; giebt es in Frankreich nicht, sie erfolgt brieflich, und dasSavoir-virre verbietet denen, die von dem Ereigniß in aller Kürze in Kenntniß gesetzt werden, neugierige ued somit indiskrete Fragen zu thun. Die Verlobung tragt, so zu sagen, nur noch einen offiziösen Charakter. Auch währt der Brautstand für dessen eigentliche Bedeutung, nämlich die einer ernsten Prüfungszeit, in Frankreich, das Verständniß fehlt meist eine weit kürzere Zeit, als in Deutschland, und wird wenigstens für die Braut zu einer Anprobezeit herabgewürdigt, in der sie sich, statt mit ihrem lieben Herzchen, von früh bis spät mit der Schneiderin undPutzmacherin zu beschäftigen hat, sodaß Schiller auch hier wieder mit seinem Rath zu kurz kommt. Der Ehecontrakt wird acht bis zehn Tage vor der Hochzeit unterzeichnet. Der Bräutigam hat in der Frühe die sogenannte Cosbeille'1, den Brautschmuck, bestehend aus Schmucksachen, einem Pelzmantel, Ueberkleidern aller Art und einer mit neugeprägten Goldstücken reich gefüllten, der Mildthätigseit geweihten, sogenannten aurno ni&re", in einem mit weißen Seidenschleifen geschmückten Zierkorb, bisw:ilen auch in einer nach altenMustern geschnitzten Lade geschickt. DerErsatz des Corbeille" durch einige TausendFrancsscheine hat sich nicht einzubü

aern vermocht.' Der Bräutigam erscheint als erster mit einem als Koffer chen arrangirten Blumenangebinde, in dessen duftigen Tiefen, wie die Perle in der Muschel, ein Schmuck ruht. Der Notar bittet, wenn er galant ist und es giebt noch einige galante Herren unter diesen praktischen Geschäftsleuten! um Erlaubniß die leise zitternde Hand, die den Eontract soeben unterzeichnet hat.küssen zu dürfen. DieBraut muß dazu die mit einem feinem Lächeln ertheilte Erlaubniß des Bräutigams erbitten, denn die französische Etikette schreibt die geringsten Einzelheiten vor, so verlangt sie auch, daß die Unterzeichnung des Eontraktes mit ei nem großen Gepränge feierlichst begangen werde und daß die Braut in mitten glänzender Trachten möglichst einfach gekleidet sei. Tags darauf ergehen die Einladungen zur kirchlichen Traufeier, deren ausführliche Schilderung mich'zu weit führen würde. Es sei nur hervorgehoben, daß auch da mancher alte Brauch durch einen neueren, bisweilen vom Ausland übernvmmenen, ersetzt worden ist.So gebührte ehedem nur der Frau ein Trauring, heute trägt ihn auch der Mann, dagegen ist der Versuch, den Frack durch den Gehrock zu ersetzen, wohl als gescheitert zu betrachten. Man sucht die Pagen, welche die Revolution zugleich mit anderen realistischen Bräuchen ausgewiesen hatte, durch eine republikanische Hinterthür wieder einschlüpfen zu lassen, indem, man die den beiden Familien des Brautpaars angehören'oen jüngeren Söhne fantastisch aufputzt, sie das Meßbuch und den Blumenstrauß der Braut traa:s und ihr allerlei andre kleinere Hagendienste leisten läßt. Bisweilen fehlt es derEtikette übrigens nicht an unfreiwilliger Komik, so in folgenden: Falle: Bekanntlich bietet man in 7rankrcich der Dame den linken Ans, den der Herzensfeite. doch muß sie sich mit der rechten Seite der Qfficiers begnügen, weil der Degen beide belästigen würde! Will es nun der Zufall, daß der Vater der Braut, der sie zum Altar führt, dem Militärstande angehört, so müssen auch die übrigen Herren, so befrackt sie auch sein mögen, ihrer Dame gleichfalls den rechten Arm bieten. Heißt das die Liebe zur Symmötrie nicht doch etwas zu weit treiben?

Pflege der Ghrcn bei Kindern. Eine sorgsame Ohrenpflege bei Kindern ist für Eltern und Erzieher ein überaus wichtiger Gegenstand, da sich erfahrungsgemäß infolge von Außerachtlassung einer folchen, zahlreiche tiefgreifende Ohren - Erkrankungen entwickeln. Die Pslege des Ohres hat schon in den ersten Lebenstagen zu beginnen, da das Gehörorgan der Neugeborenen infolge feiner e?genthümlichen anatomischen Verhältnij durch äußere Einflüsse sehr leicht erkrankt. Bei der üblichen Methode des Badens der Säuglinge kann durch das öftere Eindringen von Wasser in den äußeren Gehörgang eine Entzündung hervorgerufen werden; desgleich? kann während, des Badens durch dcS Einschlürfen von Wasser in die Astnöffnungen die Flüssigkeit durch die bei jungen Kindern noch kurze uld weite Ohrtrompete eindringen und eine mit Zerstörung des Trommelfells verbundene eiterige Entzündung Mittelohrs verursachen. Daraus ergibt sich, daß beim Baden der Säuglinge der Kopf derselben derart in erhöhter Lage zu halten ist, daß das Wasser weder in das Ohr. noch in die Nasenhöhle ein dringen kann. Da angeborene oder nach der Geburt entstandene SchwerHörigkeit oder Taubheit im ersten Lebensjahre häufig übersehen wird, so empfiehlt es sich in einiger Entfernung hinter dem Rücken des Kindes zu pfeifen und zu singen; ein Kind mit normal entwickeltem Hörvermögen wird den Kopf nach der Stelle, von wo das Geräusch kommt, hinzuwenden trachten. Wird nach öfterer Wiederholung dieses so einfachen Versuches das Fehlen jeder Bewegung des Kopfes constatirt, so müssen sorgsame Eltern sofort einen Arzt consultiren. weil die Gehörstörungen bei einer möglichst frühen ärztlichen Behandlung nicht selten recht gute Heilresultate geben; bei Nichtbeachtung der Hörstörungen können sich bleibende Veränderungen entwickeln, welche später eine Heilung der Schwerhörigkeit ausschließen. Die Eltern müssen fernerhin beherzigen, daß in normalem Zustand die Äthmung bei Kindern stets durch die Nase geschieht, und daß daher das anhaltcnde Athmen durch den geöffneten Mund auf eine krankhafte Verhinderung der Nasenathmung hinweist. Es empfiehl! sich bei längerer Dauer der verhinderten Nasenathmung durch genzut ärztliche Untersuchung das Hinderniß feststelleie und beseitigen zu lassen; letzteres wird meist in chronischen Nasenkatarrhen bestehen, und ihre Heilung ist insofern von großer Bedeutuna.. als die mit jener Erkrankung Behafteten nach den Ergebnissen neuerer Forschung denkfaul sind und eine große Unlust zum Lernen an den Tag legen und diese Anzeichen nach Heilung des Katarrhs schwinden. Die schönste Sprache Die schönste Sprache in der Welt Ist niemals doch zu hören. Und wem sie einmal nur gefällt, Der mag sie nie entbehren. Sie ist, wenn's Herz zum Herzen spricht. Und Augen hell es zeigen; Doch öffnet sich der Mund da nicht. Denn er muß küssend schweigen. Früherhat die Kunst Leidenschaften dargestellt, jetzt stellt sie Laster dar.

Die italienischen Colonial' Truppen. Unter Benutzung des in ihren afrikanischenVesitzungen' vorhandenen vorzüglichen Soldatenmaterials haben die Italiener es verstanden, sich in ihrer Eolonialarmee eine Mustertruppe heranzuziehen, die. obgleich sie sie jetzt nur noch wenig italienische Elemente enthält, doch unter schwierigen Verhältnissen, in den' fortgesetzten Kämpfen gegen stammes- und glaubensverwandte Völkerschaften, niemals versagt, dabei aber eine Kriegstüchtigkeit und vor allen Dingen Marschtüchtigkeit bewiesen hat, der allein die Italicner ihre Erfolge den Derwischen und Abessiniern gegenüber zu verdanken haben. Nur dadurch ist es möglich geWesen in dieser Truppe, die noch vor zehn Jahren, bei der Beseung Massauas, ausschließlich aus Italienern bestand, dieses letztere Element nach und nach auf 27.8 Procent herabzumindern, von denen die große Mehrg?.M lediglich alsGarnisontruppe Verwer dung' findet.

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Festungsartillerie. Zu unterscheiden sind nach diesen Gesichtspunkten: europäische Truppen, gemischte Truppen, eingeborene Trup pen. Eoloniallandwehr (Mobilmiliz). irreguläre Truppen (Bande armate) und freiwillige Milizcompagnien. Von den europäischen Truppen besteht nur noch ein 600 Mann starkes Jägerbataillon zu vier Compagnien, das die Operationsbasen Massaua, Keren und Asmara besetzt hält und die dortigen Depots bewacht, ferner zwei Abtheilungen Artilleriehandwerker und Lazarethgehilfen. GemischteTruppen sind vorhanden eine Compagnie Festungs' artillerie, eine Compagnie Pionniere. eine Compagnie Train, eine Compagnie Carabinieri (Gensdarmen). bei denen, mit alleiniger Ausnahme der Carabinieri, alle Öfficiere, Unterofficiere. Corporale, Trompeter und zwei Drittel bis ein Viertel der Mannschaften Italiener, der Rest Eingeborene sind. Die letztgenannte Compagnie zählt nur einen eingeborenen Ossicier und dier Unterofficiere. Die eingebo nen Truppen, sechs Bataillone Jnfanterie zu je fünf Compagnien, eine Schwadron Cavallerie, zwei Gebirgsbatterien zu je6 Geschützen.bestehen bis auf die Mehrzahl der Öfficiere und wenige Unterofficiere. bezw. Corporale für das Rechnungs- und SchreibWesen aus Eingeborenen. Dementi Corpora! der GebirgsartillerieundJäger. sprechend besitzt, jede der 200 Köpfe zählenden Compagnien nur vier italinische Öfficiere und italienische Unterofficiere, die dienstlich beritten sind; alle übrigen Chargen sind mit Einge borenen besetzt. Für Expeditionszwecke und andere kriegerische Operationen finden nur die gemischten und vorzugsweise die eingeborenen Truppen Verwendung, weil sie den Beschwerden des Klimas, dem Hunger und Durst, gegenüber wldcrstandsfähiger sind. Von den .italienischen Elementen werden die Öfficiere auf eigenen Antrag aus dem stehenden Heere abcommandirt, und ähnlich werden die Mannschaften dem stehendenHeere entnommen. Das eingeborene Element ergänzt sich dagegen durch freiwilligen Eintritt unter der Voraussetzung, daß die Aspiranten nicht unter 16 und nicht über 30 Jahre alt. von guter Führung sind und eine Leistungsprüsung bestehen, bei der sie in Zeit von 10 Stunden eine Entfernung von 60 Kilometer (ca. 37 engl. Meilen) zu-' rückzulegen haben. Zudem ist man in der glücklichen Lage, wählerisch sein zu können, weil der Zudrang . von Freiwilligen ein sehr großer ist. Den religiösen Rücksichten hat man insofern Rechnung getragen, als Christen und Mohammedaner gesondert je einer Halbcompagnie zugetheilt werden und mit ihren Frauen und Kindern in dem von jeder Compagnie bewohnten, mit der üblichen Dornenhecke (Zeriba) umgebenen , Dorfe familienweise, die er' stern die auf der einen, die letztern. die auf der andern Seite der Dorfstraße gelegenen, ebenfalls von einer Umzäunung umgebenen Strohhütten bewohnen. Der Verkehr in diesen Dörfern ist nach streng militärischen Grundsätzen geregelt; so erweisen z. B. die Frauen

den Officieren durch Anlegen der ausgestreckten Hand an die Stirn, die Kinder durch -Frontmachen den vorge-

CarabinieriundGeniesoldat. schriebenen Gruß. Auf Märschen folgen die Frauen und Kinder der Truppe, wobei erstere die Nahrungsmittel (nur auf Märschen werden Nationen an Mehl und Brot verausgabt) nachführen, die Kinder im Lager für Heranschaffung von Wasser und Brennholz sorgen. Die eingeborene Caballerle ist seit dem Vorjahr nur noch eine Schwadron mit 14 italienischen Officieren und andern Chargen stark. Die Mannschaften' sind sämmtlich Eingeborene, mit denen auch ein Theil der Chargen besetzt ist. Dasselbe Verhältniß besteht bei der Gebirgsartillerie. Zu diesen regulären Formationen kommen noch Eoloniallandwehr oder Mobilmiliz, von der die beiden Zonen Kercn und Asmara je drei, das Ufergebiet zwei Compagnien mit insgesammt 1700 Mann aufzustellen haben. Sie nimmt alle waffenfähigen Männer auf, die in den eingeborenen Truppen ehrenvoll gedient haben und in deren Listen geführt werden. Dorfweise werden sie mit ihren Unteroffideren und Corporalen in Corporalschaften (Vuluk) eingetheilt und zu Compagnien von 200 Mann unter activen italienischen Officieren zusam mengestellt, haben sich auch schon bei dem Zuge gegen Adua und in dem Kampfe gegen Ras Mangascha beWährt. Eingeborener Cavallerist. Die irregulären Formationen (Iiande armate). sind Localtruppen, die von eingeborenen Häuptlingen aufgestellt und befehligt werden, bedingungsweise aber den örtlichen italienischen Residenten unterstellt sind und gewissermaßen die Vortruppen gegen Abessinier und Mahdisten bilden. Für gewöhnlich befindet sich nur ein Stamm unter den. Waffen, der im Bedarfsfall schnell auf drei- und vierfache Stärke gebracht wird. Es bestehen zwei derartige Formationen in den Zonen von Keren und Asmara. von denen die erstere (mohammedanische) 396,die letztere (christliehe) 863 Köpfe zählt. Dieser letztern gehörte der Häuptling Bath Agos an, dessen Empörung den Italienern gegen Schluß des Vorjahres Verlegenheiten bereitete. ' Die freiwilligen Milizcompagnien sind auf Veranlassung des Gouverneurs in Massaua, Asmara. Adi Ugra und Keren in einer Gesammtstärke von etwa 450 Mann aus den dort ansässigen Europäern aller Nationen zusammengestellt, um erforderlichenfalls den Garnisondienst versehen zu können. Ihre militärische Ausbildung wird durch Öfficiere und Unterofficiere der activen Armee geleitet. Eingeborener Infanterist und Artillerist. Als Waffe führen die italienischen und die eingeborenen Truppen das Repetirgewehr Vetterli-Vitali. Modell 1870s78. mit kurzem Bajonett, die Mobilmiliz und die irregulären Formationen das -ältere Modell 1L70. Die Cavallerie ist mit Carabiner. Säbel und Jagdmesser, die Artillerie mit einem kurzen Gewehr bewaffnet. Alles in Allem verfügt Italien im Durchschnitt über mehr als 15.000 Mann in Erythrea, doch erhält diese Macht im Nothfalle von der Heimath aus die nöthige Verstärkungen. , 'Manche Menschen fühlen sich nur deshalb überall zurückgesetzt, weil sie überall die ersten sein wollen. Berechtigte Frage. Ehefrou: Hör 'mal, Samuel, unser Rebekche muß sich jetzt verheiraten, es ist die höchste Zeit 'dazu! Samuel, 'hilf! Ehemann: Wie haißt Samiel hilf! Bin ich der Deibel?

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Die Zkukne Zlechbcrg. Quer durch Südwestdeutfchland zieht sich in nordöstlicher Richtung vomRhein bis zur Altmühl in Bayern einKalksteingebirge,in seinem mittleren und wichtigsten Theile als die SchwabischeAlb bezeichnet. Die stolzesten Namen der deutsche Fürstengeschlechter haften an diesen prächtigen Felsenkronen: Staufen,' Zollern. Zähringer, Hohenberg. Teck. Achalm, Urach, Fürstenberg, Oettingen u. s. w. Aber bis in die Urzeit alles menschlichen Lebens gehen die Spuren zurück: in den zahlreichen, von zarten, milchweißenTropfsteingebildcn phantastisch durchwachsenen Höhlen findet man bei Feuersteingeräthen und urweltlichen Thierkochen älteste Menschenreste; ähnlich wieder auf einzelnen quellenberieselten, unzugänglichen Felshöhen. Mit dem letzten Jahrtausend vor Christi Geburt ragt dann die Schwäbische Alb in die erste Dämmerung der Geschichte herein, gewaltige Hünenringe (Ringwälle) und zahlreiche Hünengräber (Grabhügel), zum Theil wie kleine Berge, bedecken heute noch die Felsklötze und die hohen Heiden und Wälder des mageren, rauhen, wasserwarmen Mittelgebirges; sie geben Kunde von der verhältnißmäßig reich entwickelten Cultur des großen Keltenvolkes, das, wir wissen nicht wann, aus den Hochflächen Innerasiens vordringend, als erste Welle der arisch germanischen Fluth SüdWesteuropa und England überschwemmt hat und auch in den Funden aus den Grabhügeln der Schwä bischen Alb Bronzewaffen, Gold- und Bronzeschmuck und verzierte Gefäße von staunenswerthem Geschmack uns wieder zurückgibt; ferner hohlrunde Silber- und besonders Goldmünzen,

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tT-Jy-r'y zmm ' V lTTs J"S Ansicht der Ruine, sogenannte Regenbogenschüsselchen.mit den Köpfen der Fürsten, die hier oben gehaust, auf den uneinnehmbaren Felsenfestungen des sonnigen Hochlandes. Sueven, Römer. Alemannen besetze ten im Lauf der Weltgeschichte die uneinnehmbaren Felsenburgen, und das Ritterthum des Mittelalters hat hier seine ' glänzendste Zeit gehabt, angestrahlt von der Kaiserherrlichkcit, die von einem der schönsten Albberge, dem Hohenstaufen. ausging, und widerstrahlte an den machtvollen Fürstenund Grafenburgen der übrigen Albberge. Jetzt ist alles in Trümmer gefunken. Nun steht der schlanke Gipsel des Hohenstaufen so kahl und leer, kein Stein blieb übrig von der mächtigen Burg, und die Schafe weiden jetzt über dem kurzen Rasen. Aber von der lichten Höhe des Berges, einst auch eine Stätte heiligen Sonnendienstes, schaut man bis an die Schweizer Alpen, Schwarzwald, Odenwald und Bögesen und rief unter sich das grüne, lachende schwäbische Land, in das der einsam stehende Berg seine Wurzeln weit hinein ausstreckt, einst der Angelund Richtpunkt der beiden langen Limeslinien der Römer, mit ihren Mauern. Wällen, Thürmen. Kastellen und Erdschanzen. Der Staufen liegt kahl, doch vor seinem nördlichen Fuße steht noch, viel niedriger und im Walde versteckt, die Wiege des Geschlechtes, das sogenannte Wäscherschloß, ein kleiner, aber kühner, sturmtrotzender Burgbau aus braunen, gebuckelten Sandsteinquadern, und an dem nahen Zwillingsberge des Hohenstaufen, an dem auch einsam stehenden, mit einer Kirche bekrönten Hohenrechberg, steigt auf einem felsigen FZorberg die große Burgruine Rcchberg mit ihrem hohen fast unverwüstlichen Quadergemäuer aus Baumwuchs und Schlinggewächs noch gebieterisch empor, eine Ahnung gebend von der Schönheit und Stärke der einstigen Kaiserburg. die nun verschwunden für alle Zeit. Couiagirt. A SJäto, fö25) Ji&ü A N MMm 1 1I. . . .Sagen Sie, Louise. soll ich mit Papa sprechen?- Nein, nein! Mit dem sprech' ich schon selber!" Jenachdem. ' Commis: Ich habe alle Rechnungen nachgerechnet und zwei Fehler gefunden; die Firma Cohn & Co. hat sich in einer Faktura vom 23. September 1895. um 31 Mark zu unserem Nachtheile geirrt. Chef: Schreiben Sie ihm sofort, er soll uns die Differenz einsenden. Commis: Dann hat die Firma Silberstein in einer Faktura vom 26. August sich zu unserem Vortheile geirrt. Chef: So, so, so werd' ich ihm selbst schreiben.

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Sie ElcktrZcikals-Mrke am " Zliagara. - Von allen Kraftübertragungen auf größere Entfernungen ist die auf elelirischem Wege die billigste und jeder anderen Uebertragung insofern weit überlegen, als sie ohne nennenswerthe Verluste ganz bedeutende Entfernungen bewältigt und zwar mit 5)ilfe einfacher Kupferdrähte; durch die elekirische Kraftübertragung ist es möglich. die Arbeit, welche von der Natur geleistet wird, die Energie der Wasserfälle, auszunutzen, während man dieselbe bisher, wo sie nicht ganz dicht an der Verwendungsstelle lag. brach liegen lassen mußte. Das großartigste Werk in dieser Hinsicht ist die Verwerthung der Energie der Niagara-fälle.

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Canal und Äebäude. Um die zum Betriebe nöthige Wassermenge herbeizuführen, hat man inmitten des Niagaraflusses von einem etwa 8 Meilen oberhalb der Fälle gelegenen Punkte einen oberirdischen Canal angelegt, an dessen unterem Ende ein rechtwinkeliger Schacht 140 Fuß tief in die Erde getrieben ist. Auf der Sohle dieses Schachtes be finden sich drei Turbinen, auf die die Wassermassen durch gewaltige Stahlröhren, herabfallen und sie so in rotirende Bewegung setzen. Das gebrauchte Wasser wird durch einen 200 Fuß unter der Erdoberfläche laufenden Tunnel unter den Fällen hindurch in das Strombett zurückgeleitet'. Direct oberhalb des - Turbinenschachtes liegt das die drei Stromerzcuger (je einer für jede Turbine) enthaltende Gebäude. Die zur Verwendung gekommenen Stromerzeuger (Dynamos) sind sogenannte MehrPhasen (Drehstrom) - Maschinen mit Jnnenpolen und nach dem Tesla'schen vertikalen System erbaut. Sie bestehen im Wesentlichen aus einem mit Draht unwickelten Eisenring, welcher mittelst Bolzen mit einem sternförmigen Gestell verschraubt ist. Letzteres ist mittelst Keile auf der Turbinenwelle beDie Dynamos. festigt. Im Innere des Ringes befindet sich ein Eisenklotz, welcher in der Mitte soweit ausgebohrt ist, daß die den Ring tragende Welle frei rotiren kann. Derselbe trägt die Elektromagnete, die derartig mit einander verbunden sind, daß man abwechselnd Nord- und Südpole erhält. Sobald sich nun die Welle mit dem ai? ihr befestigten Ring in Bewegung setzt, wird in den Windungen des Ringes der elektrische Strom erzeugt. der mittelst Kabel dann seinem Bestimmungsort, d. h. dorthin, wo man die elektrische Kraft wünscht, zugeleitet wird. Die höchste Geschwindigkeit, mit der der Ring sich drehen darf, ist auf 400 Umdrehungen festgesetzt; eine weitere Erhöhung derselben könnte leicht ein Bersten des Ringes herbeiführen. Auf dem oberen Theil der Dynamos ist eine Art Kuppel angebracht, die den durch die gewaltige Rotation hervorgerufenen Luftstrom auf die Dynamos zurückwirft und so die Eisentheile derselben beständig abkühlt. o s Innenansicht der Kabel brücke. Zur linken Seite des Canals erhebt sich das Transformations-G'.bäude, in dem dh Transformatoren Aufstellung gesunden haben, mittelst deren die ökonomischö Bertheilung der Elektricität auf weitere Entfernungen bewerkstel-. ligt wird. Ein überdeckte Brück: ver-. mittelt den Verkehr zwischen den beiden Gebäuden und trägt zugleich die Kraftübertragungskabel. Zunächst werden 155.000 Pferde kräfte verwerthet, von denen man 55,000 nach Buffalo elektrisch zu überführen gedenkt; der Rest wird' an die in der Nähe errichteten Jndustriebezir ke abgegeben. Schrecklich. A.: Warum läßt Du Deinen Sohn nicht Arzt werden, wenn er soviel Kenntniß und Vorliebe für diesen Stand Hat?-B.: Er ist zu rabiat; er ist im Stande, wenn ihm ein Kranker stirbt, prügelt er itzn durch!

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