Indiana Tribüne, Volume 19, Number 142, Indianapolis, Marion County, 9 February 1896 — Page 3
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Im MlilR;W5W5 Von Hcorgcs QtjttetV (1. Fortsetzung.) Es war keine Uebertreibung, was er da sagte. Die reizende Gräfin zeigtt sich ihm in 'jenem Momente in einem Lichte, das ihm zu denken gab. Cöen noch war sie kalt, spöttisch geToefen und ihr Zynismus hatte ihn in Bestürzung versetzt. Plötzlich verlor sie die Herrschaft über sich selbst, und jetzt hielt er sie der größten Schandthaten für fähig. Er wollte sie so weit als möglich treiben, wollte ihre Fassungslosigkeit ausnützen, um hinter ihre Schliche zu kommen, und verharrte daher erst recht auf dem wunden Punkt: Sie sind gegen Ploerne gewiß sehr ungerecht, denn er ist ein so anständiger Charakter, daß nichts an ihm Ihren Zorn rechtfertigen kann." Er fiel aber mit seiner List herein. Lydia hatte sich wieder beruhigt und lächelte nur bitter auf seine Bemerkung. Sagen Sie mal, liebes Kind," begann er von neuem, sprechen Sie mir denn nicht ein wenig das Recht zu, Ihnen Moral zu predigen?" Sind Sie vielleicht zu diesem Zweck hierhergekommen?" Nur deshalb." Ich dachte. Sie hätten weniger selbstlose Absichten dabei im Auge. Spielen Sie also nur im Namen der Tugend den Spion?" Spion! Welch häßlicbes Wort. Warum nehmen Sie denn nicht lieber an. daß ich es gut mit Ihnen meine? Ich wollte Ihnen eine weise Lehre zu theil werden lassen. Bedenken Sie einmal. was gewesen wäre; wenn Sie anstatt meiner, derjenige überrascht hätte, von dem wir soeben sprachen... Ermessen Sie die Folgen davon!" Lydias Augen blickten schrecklich, als sie mit übereinandergepreßten Zähnen halblaut hervorstieß: Nun, dann hätte er sich eben mit Roquiere auseinandergesetzt." 1 Diese furchtbare Antwort, die der jungen Frau entschlüpfte, klärte Bernheimer auf. In einer Sekunde verstand er jetzt, wovon sie zuvor behauptet hatte, daß er es nicht versteden könne. Sie hatte Roquiere als den Banditen gedungen, den sie gegen Ploerne gebrauchen wollte. Dies unterlag keinem Zweifel mehr für Bernheimer. Sie hatte die entsetzliche EntWicklung der Dinge vorbereitet, um ihren Gatten durch ihren Geliebten umbringen zu lassen. Bernheimer hatte sich unter dem Panzer der SinnlichZeit in einem Winkel seines Gewissens ein Restchen menschlichen Gefühls bewahrt. Noch am Abend zuvor hatte er sich Hoffnung gemacht, daß wenn Roquiere Naimond zufällig beiseite schaffen sollte, er ganz wohl der glückliche Besitzer der scbönen Lydia werden konnte. Jetzt, wo diese MögIichkeit zur Thatsach? zu werden drohte. sah er zu seinem Erstaunen, daß ihm der Gedanke keine Freude mehr zu. machen imstande war. Er betrachtete die Gräfin weit mehr neugierig als zärtlich, und sie erschien ihm plötzlich als das. was sie in Wirklichkeit war: ein reizendes, aber gefährliches Ungeheuer. Er sagte sich innerlich: Madame Lafarge war keine größere Verbrecherin, als dieser kleine Engel da. Und wenn ich sie eines Tages hei rathete, wer steht mir dafür, daß sie, meiner müde, mir nicht in aller Seelenruhe ein vergiftetes Tränkchen durch ihre vermaledeite Mulattin kredenzen läßt. Man muß in möglichst weitem Bogen um das entzückende Persönchcn herumgehen, und so lange man sich schon für sie interessirt, ist es angebrachter, die Vertheidigung des unschuldigen Gatten zu führen, den sie sonst wie ein Huhn durcb diesen verliebten Raufbold von Roquiere wird abschlachten lassen." Als er bemerkte, daß sein Schweigen etwas wie Unruhe auf Lydias Zügen hervorrief, sagte er: Wir haben beide ein gewagtes Spiel getrieben, nicht wahr? Lassen wir es jetzt dabei bewenden und ziehen wir die Konsequenzen daraus. Es ist ganz gut. daß es zwischen uns zu einer Aussprache gekommen ist; rechnen Sie mit dem, was ich Ihnen sagte. Was mich anbetrifft, so werde ich vergenen, was Sie mir darauf erwiderten. Ich schreibe das meiste der großen Erregung zu, in die Sie mein plötzliches Auftauchen nothgedrungen versetzen mußte, und nehme nichts davon für Ernst. Ich halte an der Hoffnung fest.daß Sie mit einem Manne, der Ihrer unwürdig ist, brechen werden." Das geht niemand etwas an, außer mich." Heute werden 'Sie ihn jedenfalls
nicht sehen. Es ist jetzt halb vier Uhr... Sie müßten ihm erst eine lange Erklärung über ihr Ausbleiben geben: da sagen Sie lieber gleich. Sie seien am Kommen verymdert gewesen." Das stimmt ja auch." .,Und jetzt, gnädige Frau, lassen Sie uns zusammen fortgehen. Mein Wagen wartet cm andern Ende der Straße... ich fetze Sie ab, wo Sie loollen. Fürchten Sie nicht, mich zu kom promittiren?" Ein alter Mann wie ich!" W. Sie gutes Väterchen, Sie!" Sie hieli es für gerathen, den früoeren vimiluß über Bernheimer zu rück?ugewinnen. da sie ihn erschreckt zu haben fürchtete. "Sie schlua daher wieder einen liebenswürdig neckischen Ton gegen ihn an. Und was soll aus dem armen Kerl da drüben werden?" fragte sie la chend. Der Esel! Der hat ohnehin schon znchr Glück, als er verdient.... Hören Sie nur.... ich glaube, er geyt eben. Man vernahm das G'läusch eine?
von außen zugeschlagenen Thüre und eines langsam, wie mit Widerstreben die Treppe hinabsteigenden Schrittes. Lydia und Bernheimer traten ans Fenster und sahen, hinter einer Gardine verborgen, Maurice mit finsterer Miene und gesenktem Kopfe, den Stock unter dem Arm, das Trottoir entlang schleichen. Lydia drehte sich nach Samuel um und sagte in scherzendem Tone: Armer Junge, er wird nie wissen, welche Enttäuschung er Jhnen verdankt." Hol ihn der Kuckuck!... Jetzt kön nen wir uns auch auf den Weg machen." Er führte die reizende junge Frau an seine Equipage, mußte sich aber eines anderen besonnen haben, denn er stieg nicht mit ein. Während er den Wagenschlag schloß, fragte er: Wohin befehlen Sie?" Nach Hause. Kommen Sie denn aber nicht mit?" Nein. Es ist besser nichts Der Wagen rollte davon und Bernheimer entfernte sich nach der Richtung der Champs Elysees. Unausgesetzt grübelte er über die Szene, die er zwischen Lydia und sich herbeigeführt hatte, nach, und nicht die geringste Einzelheit war feinem Gedächtniß entfallen. Er prüfte sich neugierig und fand, daß sein Interesse für die schöne Gräfin eine bedenkliche Abkühlung erfahren hatte. Er sah sie nichtmehr mit denselben Augen, wie noch den Tg zuvor; sie hcdtte sich verwandelt, und anstatt der koketten, verschwenderischen, sorglosen Frau hatte sich vor ihm ein gehässiges, wuthentstelltes und gefährliches Weib enthüllt, das ihn abstieß. Während seine Gedanken arbeiteten, fiel ihm auch das feindselige Schweigen ein. mit dem Lydia früher all seine Fragen über Therese aufgenommen hatte. Die alten Zweifel über die Ausrichtigkeit der Klosterneigungen seines Pathenlindes kamen ihm wieder, und von neuem gewann er die Ueberzeugung, daß zwischen den beiden Frauen ein Geheimniß bestand, in das zweifellos
Ploerne mitverwickelt war. Daß Ralmond irgend eine unredliche oder schlechte Handlung begangen haben sollte, daran konnte Bernheimer ebensowenig glauben, als er es bei Therese für möglich gehalten hätte. Dieser gerade, offene Acann und das brave, liebe Madchen waren für ihn über jeden Verdacht erhaben. So konnte also nur die. andre die Minethäterin sein? Denn wenn Lydia ihren Mann so über alle Maßen Laßte, so mußte er sich über sie ode? sie sich über ihn zu beklagen gehabt haben. und immer mehr drängte sich Samuel die Gewißheit aus. daß Lydia irgend eine scheußliche Handlung auf dem Gewissen habe. ' In seine Grübeleien versunken, war er bis zur Ecke der Rue Boissy d'Anglas und der Avenue Gabriel gelangt; er, der sonst nie zu Fuß ging, hatte in der Erregung einen weiten Spazlergang gemacht. Vln der Treppe seines Klubs blieb er einen Augenblick nachdenklich stehen, dann murmelet er. entschlossen vor sich hin: Rem. ich muß Therese sprechen! Er nahm eines der Koupees, die das Trottoir entlang aufgestellt waren, und befahl dem Kutscher: Rue Samt Jacques! Als er sich vor dem Thore des Klosters absetzen ließ. schlug es eben funs Uhr. Therese, die ins Sprechzimmer gerufen worden war, begrüßte ihren Pathen wie immer mit ernster, aber freundlicher Miene. Sie kam aus dem Garten, und die Luft hatte ihre sonst so blassen Wangen mit einem rosigen Hauch gefärbt. Sie sah reizend unter ihrer weißen Flügelhaube aus und bewegte sich mit altgewohnter Grazie, auch in dem groben Wollkleide. Ich komme, liebes Kind." begann Bernheimer, um mich nach Deinem Befinden zu erkundigen und um zu fragen, ob Du nicht irgend einen Wunsch hast. Du bist ja noch nicht ganz von der Welt abgeschieden; solltest Du irgend etwas bedürfen " Besten Dank, lieber Pathe; ich brauche nichts und bin mit allem zufrieden." So willst Du also in der That für immer hier bleiben?" Gewiß, lieber Pathe." Genau genommen, hast Du eiaentlich auch recht, denn in der Welt brau ßen geht es nicht immer schön zu. Die fürchterlichsten Dinge geschehen, und Leute, deren Glück einem noch so gesichert erschien, sind kreuzunglücklich. Hier im Kloster bist Du wenigstens in Sicherheit und sern von allen Kum mernissen.... hängst nur von Dir selbst ab und wirst nicht von einem, der Dir Zärtlichkeit und Hingebung schuldig wäre, getäuscht und gequält. Ach, das Leben il voll Lug und Trug!" Therese beobachtete Samuel erstaunt und beunruhigt. Nie zuvor hatte sie aus ser.m Munde einen sol chen Ausbruch von pessimistischer Weltanschauung vernommen. Im Gegentheil, jedesmal, wenn er sie besucht hatte, war er eifrig bestrebt aeWesen, sie von dem Schritt, ins Kloster zu gehen, abzubringen. Und jetzt gab er ihr plötzlich recht und behauptete so gor. daß sie einen weisen Entschluß gefaßt habe! Welcher Grund konnte ihn zu diesem Umschlaa veranlassen? Auf was wollte er sie vorbereiten? Bei emem so überlegten Manne, wie Bernheimer es war, hatte jedes Wort seine Bedeutung. Sie erwiderte fast wehmüthig: Muß ich heute von den Bortyeuen eines freien Lebens sprechen? Muß ich Sie mit der Welt auszusöhnen versuchen? Was konnte bei Ihnen eine solche Mißstimmung hervorrufen! Er warf ihr einen sorgenschweren Blick zu, dann sagte er ausweichend: Ach was! Es war unrecht von mir, mich so gehen zu lassen. Warum soll ich Dich beunruhigen? Beschäftigen 1 wir uns lieber mit Deiner Person."
Nein, lieber Pathe; ich möchte so
ger.: an Ihren Sorgen Theil nehmen." Es ist unnütz, Dich mit Dingen zu belästigen, die Du nicht ändern cnnst." Ich- kann zu dem beten, der für alles Hilfe hat, daß er sie auch in diesem Falle nicht versage. Ja, das ist wahr. Nun denn, neb: Kleine, bete für Raimond, der nicht so glucklich ist, als er es verdient. Wenn in Bernheimer. noch Zweifel vorhanden gewesen wären, daß Therese an allem, was Ploerne betraf, das regste Interesse nahm, indiesem Momcnt würden sie geschwunden sein. Das junge Mädchen erblaßte bis auf den Tod, ihre Hände begannen zu zitern und Thränen traten ihr rn die Augen. Trotzdem hatte sie die Wilenskrast, sich aufrecht zu erhalten; licht einmal ein Seufzer entrang sich ihrer Brust, kerzengerade stand sie vor Bernheimer, und nur ihre Lippen bewegten sich: sie betete. Samuel betrachtete sie voll Rührung. Er hätte sie so gern in seine Arme gezogen und sie mit einem väterlichen Kusse getröstet, anstatt sie zu quälen, wie er es that. Aber er wollte ihr die Wahrheit entreißen, ohne ih:e keusche Seele zu erchrccken, und um den Stolz des jungen Mädchens zu schonen, mußte er eZ bei seiner Verstellung lczssen. Ja. siehst Du. das ist eine Ehe.' in der es jammerwürdig zugeht. Die Gatten verstehen sich gegenseitig nicht. Raimond ist viel zu ernst für Lydia und trotzdem er sich alle Mühe gibt. hr zu gefallen, ist sie doch nie zusrieden und benimmt sich nicht so gegen hn, wie man es erwarten konnte. In der That, die Zukunft verspricht nichts Gutes für die beiden.... Wie kommt es nur, daß sie den braven Jungen nicht liebt? Mir ist cs unbegreiflich. Er gewahrt ihr alles, was sie verlangt, und war nahe daran, sich für sie zu ruiniren, nur, um die Lebensweise, die sie anspricht, zu führen, denn er selbst hat nicht die geringste Neigung zum Lurus, ist die Einfachheit selber. Bei ihr dagegen ist die einzige Beschäftigung ihr Vergnügen; sie denkt an nichts welter. als wie sie sich amüsiren kann. Und darin wird sie keine Grenzen kennen nichtswird sie vom Aeußersien zurückschrecken, denn ich glaube nicht, daß sie irgend ein religiöses Prinzip hat, und ihren Mann liebt sie nicht. Was soll daraus werden?" Therese hatte alles, was ihr Bernheimer mittheilte, ' wie im Traum mitangehört. Die Vergangenheit lebte wieder in ihr auf und mit ihr das Bild Lydias mit den falschen, egoistischen, sinnlichen Zügen, wie sie auslachend ihr Flehen um Schonung für sich und Raimond zurückgewiesen hatte. All das Unheil, das Lydia anzurichten imstande war, hatte sie' auch vollbracht. Der Sieg ihres Ehrgeizes, die Befriedigung ihrer weltlichen Begierden hatte sie nicht milder gestimmt, und selbst in ihrem Triumphe war sie unerbittlich geblieben, Therese murmelte mit kaum vernehmbarer Stimme: Sie hat nie ein .fierz gehabt.... und überdies haßt sie ihn. Sie haßt ihn! Ja. das weiß ich." rief Bernheimer lebhaft aus. Sie hatte ja die Kühnheit, es mir selbst zu sagen. Aber warum nur, warum nur haßt sie ihn!" Er verstummte, erschreckt darüber, daß er sich zu weit hatte hinreißen lassen. Seine Augen ruhten mit verzehrender Neugier auf Therese, und alles in ihm vlbrlrte, denn er suhlte, daß er den entscheidenden Punkt getroffen hatte und daß, wenn das junge Mädchen sich nicht von der Erregung des Moments zum Gesiändniß verleiten ließ, sie nie gestehen würde. Therese war ein verschlossener Charakter. Sie rang verzweifelt die Hände und brach in herzbrechendes Schluchzen aus. Mein Gott, mein Gott!" stöhnte sie. aber sie gab kein Wort der Erklärung. Bernheimer machte noch einen äußersten Versuch, in den Besitz des Geheimnisses zu gelangen; er konnte unmöglich darauf verzichten, jetzt, wo er so nahe vor der Lösung stand. - . Du weißt alles; warum sagst Du mir esdenn nicht? Ist es d;nn etwas so Schreckliches?"' Ich kann es ja nicht sagen, ich darf es nicht!" klagte das junge Mädchen, indem es die Hände faltete und abwechslungsweise betete und weinte, die Augen nach dem großen, an der Wand hängenden Christusbild gewandt. Hast Du Raimond nicht lieb? Weißt Du, daß ein Wort von Dir ihn retten kann?' O. Sie quälen mich zu Tode! Haben Sie doch Erbarmen mit mir!" Sage mir nur, warum sie ihai haßt." Nein, nein, ich darf nicht!" Dich haßt sie auch. Das merke ich seit lange schon. Hat dieser Haß gegen Dich denselben .Ursprung ?.... Fragen Sie nichts!" Willst Du warten, bis sie Naimond umbringen laßt? Bei diesen Worten blickte Therese fast wie eine Wahnsinnige zu Bernhei mer auf, und. ihrem Munde entfloh der Verzwelflungsschrel: Die Unglückliche! Sie will den andern rächen!" Den andern!" rief da Bernheimer aus. Welchen andern? . O. ich habe mich verrathen! Seit einer halben Stunde quälen Sie mich auch! Sie thun mir sehr weh. 5iz sehen doch, daß ich schweigen will. Frei lich!.... Nein, nein, ich darf es nicht... das Geheimniß ist nicht das meinige. und wenn Raimond es erfährt, geht er bestimmt daran zu Grunde, aus Ekel und Abscheu Sie machen mich verrückt mit Ihren Fragen... lassen Sie mich in Frieden, mein lieber Patze. Und wenn Sie mich ein wenig lieb
haben, dann wachen Sie über ihn....
Ich ahne, daß er vor einer schrecklichen Gefahr steht, und sie wird ohne Erbarmen gegen ihn vorgehen. Sie kennen sie nicht, haben sie noch nicht am Werk gesehen wie ich! Ich versichere Sie, sie ist ein Ungeheuer! Therese schwieg, während ihr die Thränen über die blaß gewordenen Wangen liefen, und auch Samuel onnte semer Erregung kaum mehr Herr werden. So saßen sie eine Weile stumm nebeneinander, bis endlich Therese sich die Augen trocknete und mit einem Blick der Verzweiflung von neuem begann: Daß Sie mich in einer Weise ausfragten, wie Sie e gethan haben, zeigt mir. daß über Raimond eine große Gefahr schwebt. Ich habe Ihnen genug verrathen, um Ihnen ein Bild davon zu geben, wie sehr Lydia zu furchten ist. Wenn Sie die ganze Wahrheit kennen wollen, wenden Sie-sich an Herrn von Ploerne selbst. Er allein hat das Recht. Jhnen mitzutheilen, was Ihnen noch unbekannt ist. Wenn Sie ihn aber ausfragen, seien Sie ja recht vorsichig und machen Sie vor allem keine Anspielung auf seine Frau.... Sprechen Sie ihm nur von mir.... hören Sie, nur von mir.... dies genügt volltandlg, um Ihnen Klarheit zu verchaffen. Jedenfalls wachen Sie über hn.... ich sehe ihn in seinem Glück und seinem Leben bedroht!" Bernheimer faßte nach Thereses Hand, zog sie an sich und bat mit einem letzten Ueberredungsversuch: Therese. cs wäre so viel einfacher. wenn Du mir alles selbst erzählen wolltest." Nein, es ist unmöglich!" wiederholte das junge Mädchen in bestimmem Tone. Rechnen Sie nicht darauf .... Wenn ich Schweigen gewahrt habe, wo es sich um mein Leben Handelte, werde ich doch nicht sprechen, nachdem das Opfer gebracht ist!" So war Dein Eintritt ins Kloster die Folge dieses geheimnißvollen Eteignisses?" Ich sage nichts welter. lieber Pathe," rief Therese verwirrt aus. Wenn Sie Mitleid mit mir haben, lassen Sie mich jetzt in Ruhe. Sie thun mir so weh. Leben Sie wohl, Gott behüte Sie.... und wachen Sie über ihn!" Sie lien sich von Samuel küssen, drückte ihm in großer Erregung die Hand und verließ das Empfangszimin er. Als Bernheimer in dem Koupe,' das auf ihn gewartet hatte, davonfuhr, schloß er die Augen und versuchte die Lücken dejjen. was er schon gewußt hatte, mit Thereses Mittheilungen auszufüllen. Die feststehende Thatsache. daß Lydia Ploerne vernichten wollte, überragte alles andre. Und warum wollte sie das? Um den' andern" zu rächen. Wer war der andre, wo und wann war er aufgetaucht? Lebte er? War er tedt? Ja, todt mußte er sein, da es sich darum handelte, ihn zu rächen. Von der Han Naimonds getödtet," wagte sich Bernheimer nicht zu sagen; durch Raimonds Schuld ums Leben gekommen," meinte er. Unter welchen Umstanden? Zu welcher Zeit, an welchem Ort ' und aus welchen Gründen? Bernheimer war nicht weit von der Wahrheit entfernt, aber die Entsteungsursachen kannte er nicht und konnte er nicht kennen. Dem Duell von Toulon war damals eine so vorsichtig gehaltene gerichtliche Untersuchung gefolgt, daß nie etwas darüber in die Öffentlichkeit hatte dringen können. Die Presse, diese Hauptverbreiterin allen Skandals, war von der Gerichtsbarkeit nicht benachrichtigt worden. Nach den von der Behörde angestellten Nachforschungen in'GU ranis Papieren war der Marinepräsektur die Mittheilung zugegangen, daß die Offiziere der Flotte gewisse Fremde mit zu viel Vertrauen in ihren Kreisen verkehren ließen. Listel. 5)ouchard und ihre Kameraden waren froh, nachdem sie einen ernsten Verwcis von ihrem Chef erhalten hatten, .licht weiter mit der Sache beh:lligt zu werden. Bernheimer hatte daher selbstverstündlich nichts von jenen Vorgängen in Beaulieu erfahren können, sonst wäre ihm ja alles in einer Sekunde klar gewesen. Aber er hielt den Faden zum Labyrinth in Händen, und bei einem so scharfen Verstände, wie' dem seinen, hieß dies fast sicher, das Ziel erreichen. Er war überzeugt, daß sich die Dinge im Hause Ploerne zuspitztett und daß demnächst eine Katastrophe eintreten mußte; ebenso fest war er entschlossen, handelnd einzugreifen. Zwischen Raimond und Therese , auf der einen Seite, und Lydia auf.' der andern schwankte er nicht mehr. -. In Therese und Raimond verkörperte sich ihm die gute Sache, und die schlechte in der kleinen Hexe von Kreolin,' die ihn durch ihre Grazie und ihr bezauberndes Wesen so verblendet hatte, dak es in ihrer Nähe gar schlecht um seinen Scharfsinn und seine Beobachtungsgabe bestellt gewesen war, ein Talent, das lhm m l einem Leben schon so qute Dienste geleistet hatte. Er saate sich: Wenn sie ihre Heuchelei -noch ein wenig weiter getrieben und mir eine Komödie der Reue aufgespielt hatte, anstatt sich kühn zu demasn ren. wäre ich jetzt hübsch angeführt und beugte mich weiter unter ihrem Szepter. Ich hätte ihr dann ein paar Vorwürfe gemacht, ihr wohlmeinenden Rath gegeben, ihr die Hände ge streichelt, sie väterlich geküßt, um sie über ihren Kummer und ihre Schande zu trösten, und sie hätte mich zur Schlußkatastrophe geführt, ohne daß ich etwas durchschaut, oder etwas andres gesehen hätte, als was sie mir ? n..n ..fti , , r v ZU zeigen UII geyaoi gerne: iyre jcgo nen Augen, ihre reizenden Zähne und ihre so begehrenswerthe Gestalt. Da'gegen laßt sich eben nichts einwenden:
eine entzückende' Frau ist und bleibt
ie! Ab! Wenn man schlecht sein woll - . : . er. ii . 4 I te. wie man sie jetzt dank ihrer Unvor icyilgllli zuauem oracyre. a. jcyon jsL 1 ? . 1 v w -r um me:ne Neutralität, geschweige denn um meine Mithilfe zu bezahlen. wurde die schöne Gräfin sich willfäh'lg zeigen: Es überlief ihn siedendheiß. Seine ingezügelte Phantasie gaukelte ihm verführerische Bilder vor die Seele und flüsterte ihm schlimme Rathcylage ins Ohr: Was geh! Dich die Tugend an! Das gute Recht, was ist cs Dlri Erkennst Du em andres Geetz an, als den Erfolg? Die. welche Erfolg haben, behalten stets recht. Willst Du denn die Menschheit reforniren? Alle Männer sind Tölpel und alle Weiber sind nichts werth. Nur Deine Wünsche sind das Wahre; das Vergnügen ist das einzig Lohnende. Ei, ei, Bernheimer, seit wann willst Du denn aus der Moral Kapital schlagen? Das wird Dich gereuen, und Lydia wird Dich weidlich auslachen. Denke doch an das Glück ihres Bestkes. Welche Freude! Und welche Genugthuung für Deine Eitelkeit! Was schert Dich de' Mann, der es nicht verstanden hat. das herrliche Geschöpf Z'.'. slJt. ... ' -- orvvn Tx r im iu; Zu gewinneil. iüJtUI jüu jetzt auf die Seite der Ehemänner fiellen. nachdem Du stets die Sache , der grauen geführt hast? .Das wäre ia recht komisch und gäbe Stoff genug zum Lacken. Dieser Naimond ist doch genau besehen ein Einfaltspinsel, und was Therese anbelangt...." Die Erinnerung an sein Pathenkmd verscheuchte sofort die verführerischen Bilder, die Samuels Phantasie aufreizten. Sie ist noch gefährlicher, als ich dachte, diese Lydia." sagte er sich, wenn schon der Gedanke an , ihre Schönheit genügt, meine Entschlüsse ins Wanken zu bringen. Aufgepaßt, altcrKerl! Nimm Dich zusammen und mache Deine Sache gut! Meine arme kleine Therese hat es ja gesagt: Sie ist ein Ungeheuer. Lassen wir. daher keine Minute unnütz verstreichen.' und damit ich vor allem einmal weiß, woran ich bin, mun ich Ploerne auszuholen versuchen." Neuntes Kapitel. ' Seit sich Bernheimer vom Comptoir zurückgezogen hatte, waren die Aktien mehr als je in die Höhe gegangen. Man hätte glauben können, daß er allein der großartigen Hausse ' im Wege gestanden habe. Samuel be trachtete sich als frei, seitdem er durch Herzog, einen luxemburgischen Finanzier, ersetzt worden war, und folgte neugierig den verschiedenen Phasen des Kampfes zwischen der Hautc-Fi-nance und den großen aristiokratischen. Vermögen;, doch betheiligte er sich aus Taktgefühl nicht an dem Kampfe. Den Krach setzte er übrigens als unausblclbllch voraus, und mit dem 1 ihm besonders eignen Spürsinn, det ihn noch nie im Stiche gelassen hatte,, fühlte er das Herannahen der Baisse. Die Regierung begann sich ernstlich über den Niedergang der Rente und der Eisenbahnobligationen zu ängstigen und m den Besitzern der siegrelchen Werthpapiere Feinde zu sehen weshalb auch sie sich an dem Kampfe betheiligte. Sie wollte mit einem Schlag ihre Gegner vernichten, indem sie die neue Gründung ruinirte. Die Situation wurde daher recht kritisch. Was jedoch Bernheimer beunruhigte. flößte ick Gegentheil den Aktionaren erst recht Vertrauen ein. Je länger die Hausse anhielt, desto mehr steigerte sich ihr leichtgläubiger Enthusiasmus. In den Klubs, in den Salons sprach man von nichts andrem mehr, als vom Comptoir, und in-einer Woche wurden Vermögen gemacht und verloren, je nachdem sich die Spekukanten auf Hausse oder Baisse eingerichtet hatten. Sogar die Vorsichtigsten ergriff ein wahrer Taumel, und die Aktien, die um das Fünffache ihres Werthes gestiegen waren, schienen einen Gewinn ohne Grenzen abwerfen zu wollen. Diejenigen, die ihr ganzes Kapital in das Unternehmen gesteckt hatten und von den glänzenden Resultaten berauscht worden, waren, spielten gierig weiter und wiesen die schüchternen Warnungen, die gute Freunde zuweilen wagten, mit Hohn zurück.-' Die Aufregung ging durch alle Schichten der Gesellschaft, und die so mächtige Haute-Finance kam ins Wanken. Man erzählte sich von den Verlusten des Syndikats, das gegen das Comptoir zusammengetreten war und schon dreimal sein Kapital hatte erneuern müssen. Verluste, die sich auf Millionen beliefen. Endlich brach an der Börse eine Panik aus. Die Vernünftigsten und Erfahrensten. die durch dieses unaufhörliche Steigen des Comptoir, das dem Ansturm einer Ucberschwemmung glich, in Angst aerietben. verloren den Kopf, veränderten ihr Spiel und spekulirten auf Baisse, um sich für den Fall emes Un olücks sicher zu stellen. Nur Bernheimer, der täglich an der Börse zu sehen war, blieb von all dem unberührt. Seinen Freunden, die ihn UM Rath fragten, gab er stets. dieselbe Antwort: Seid vorsichtig, macht euren Gewinn, wenn ihr einen habt, zu Geld und rührt keine 5)and mehr m der Sache." Lydias Aktien hatte er -. i rnr 'rt'. -i s verkauft uno eine Mimon zivclmuibunderttausend Franken dafür erlöst Er band die Banknoten in ein Paket zusammen, kaufte eine hübsche Kassel te. verschloß darin das enorme Bündel Papiere und suyr nachher wv.t nem brandt. Er hatte die Gräfin seit jenem ver unalückten Rendezvous mit Roqmere. und Ploerne seit einer Woche nicht ' - - l . " rfi. . mehr gejeyen. uno wun,o)le oayer sehr, sie und vor allem Raimond zu 5aufc anzutreffen. Lydia empfing ibn. balb ausgestreckt auf der Chaiselongue , liegend, in ihrem kleinen Salon. Während sie ihm die Hand hin-
hielt, auf die er' sonst einen Mfitti
Kuß zu drücken pflegte, fiel ihr halb u..:t.. Os r .: j v -i-c weiter Aermel zurück und zeigte ihren runden, frischen, marmorweißen, verführerisch schönen Arm. Aber ermatte einen festen Entschluß gefaßt und drückte ihr nur leicht die Hand, die sie ihm zum Kusse bot. Sie sah ihn spöttisch an und fragte in kindlichem Tone: Ist es aus mit unserer Freundschaft? Fühlt Ihr Herz nichts mehr für mich?" Ach. welche Macht sie noch über ihn hatte! Wie er noch unter dem Wohllaut ihrer Stimme und unter der Zärtlichkeit ihres Blickes erbebte. Er mußte sich innerlich einen Ruck geben, um nicht wieder ihrem gefährlichen Zauber zu unterliegen. Trotzdem erwiderte er mit erkünstelter Gutmllthlglen: Wieso kommen Sie aus tu nen solchen Verbacht? Womit habe ich ihn verdient? Sie lind heute so kalt geaen mich. Sam. O, versuchen Sie nicht erst zu leugnen. Ich lasse Mich mcht tauschen und weiß ganz wohl. ob man mich liebt odes nicht." Er that beleidigt. Es würde inir ja doch nichts nützen. wenn ich Sie liebte!" Das kann man Tncht wissen. Sie haben nicht genug Geduld, liebe: Sam. Dazu hat man auch in meinem Alter keine Zeit mehr." In Ihrem Alter? Was für ein unglaublicher Heuchler Sie sind! Ich bin aber doch wenigstens noch jung?" Aus den letzten Worten suhlte er eine gegen sich gerichtete Spitze durch. di: ihn m seinem wundesten Punkt: traf, und mit gerunzelten Brauen en!gegnete er: Ja, noch sehr jung, in der That!" Sie macht sich noch obendrein über mich lustig!" dachte er. Auf mein? Kosten bin ich bei ihr Nicht gekommen. Spielen wir wenigstens den Tugendsamen!" Damit griff er nach der Kassette und legte sie der jungen Frau. in den Schoß. Jetzt, wo ich Ihnen nicht einmal mehr werde dienlich sein können," sagte er, werde ich in Ihren Augen gar kein Verdienst mehr haben. Hier überreiche ich Ihnen das Ergebniß der Spekulationen, die Sie durch mich unternommen haben. Sie vertrauten mir zweimalhunderttausend Franken an; ich bringe Ihnen das Sechsfache, eine Million Gewinn. Von letzt ab werden Sie von ' Niemand mehr abhängen, und wenn Ihre Launen Sie in eine schiefe Lage versetzen sollten, so haben Sie wenigstens immer etwas, wovon Sie leben können. - Er wartete auf , ein Dankeswort; sie erwiderte. aber .sehr trocken: Ich bin Ihnen außerordentlich verbunden. lieber Freund, aber vielleicht haben Sie die. Papiere doch ein wenig vorschnell zu Geld gemacht. Seitdem Sie verkauften, sind die Aktien immerfort gestiegen: ich verliere dadurch eine betrachtliche Summe. . Sie schaute ihn prüfend an, und er sah, daß sie sich fragte, ob er in der That so scharfsinnig sei, wie man ihn schilderte, und wie sie bisher. geglaubt hatte. Jetzt hält sie mich auch noch für einen Dummkopf!" dachte er. Das ist' ja recht nett!" Laut sagte, er: Seien Sie nicht zu vertrauensselig. Nichts komckt einem schönen Gewinn gleich, den man sicher in seiner Kasse eingeschlossen hatt. Sie erfreuen sich eines, solchen Gewinnes; setzen Sie ihn nicht mehr auf's Spiel." Er hatte sich erhoben,, um sich zu verabschieden. Da überkam sie die Furcht, er möchte beleidigt fortgehen, stand von ihrer Chaiselongue auf. trat aus ihn zu und sagte mit em schmeichelnder Stimme: Wir wollen lieber nicht mehr von Geschäften sprechen. nicht wahr? Diese abscheulichen Zahlen weisen ihre Schatten über alles. Seien Sie doch ein weni licbcnswürdig und zeigen Sie mir nicht nur Ihr Börsengesicht, das ich nicht leiden Y' rrt , r. V Cm."fc. kann, icoen ie lieg ein wenig nluyc, mir zu aefallen." Ich habe alles aufgeboten, was in meinen Kräften steht, und verzweifle vollständia am Erfolgs Sie haben Ihren mutylosen Tag heute. ' Nein, meinen klugen Tag." Und was rief diese Klugheit in's Leben?" . Die Tollheiten der. andern." Lydia runzelte die Brauen, denn sie war nicht an Widerstand gewöhnt, wie ihn ih? -Bernheimer zu bieten wagte. Sie war innerlich empört über ihn und wurde wieder so abweisend und kalt, wie in. dem Augenblick, wo sie ihm als Dank für ihr Vermögen vorgeworfen . hatte daß sie durch seine Scbuld eme Elnoune erleioe. ist fühlte sich gekränkt, während sie unge halten über ihn war, und so schieden Tic mit fast feindseligen Gefühlen voneinander. Kaum aber, hatte der Vankier die Thüre hinter sich geschlossen. als Lvdia sich keinen Zwang mehr an that und in ein höhnisches Lachen ausbrach. .Alter Dummkopf!" murmelte sie. Wenn ich nur wollte, mit einer einzien Sandbeweaung hätte ich dich wieder zu meinen Füßen.' Aber ich habe " . . . . Y . Yt a aus dir kerausaeyott, was icy roow te.fllr den Moment wenigstens...Ein Vermöaen..das ist es in der That. und jetzt brauche ich für die Zukunft keme Angst mehr zu haben. Sie öffnete die Kassette,' zählte die Banknoten und verschloß alles in ih: rem Schreibtisch. Als Bernheimer aus Lydias Salon trat, fragte er. ob Ploerne zu ause sei. und auf die bnahende Ant--Wort des Dieners begab er sich zu dem Grafen, der schreibend an einem Tische mm W 9 W 9 I F sah. x eryov q levyasl. ais er iv nes Besuches ansichtig wurde, und be grüßte ihn freudig. (Förtsetzung folgt.).
MrdieMche.' Kartoffelschmarn. SeH5
gekochte Kartoffeln werden gerieben und durchgeseiht. .Nun rührt man tl nen gehäuften Kochlöffel voll Mehl mit ein wenig Milch an, gibt drei Eier, em Stuck abgerührte Butter und ein wenig Salz daran, mengt es unter einander, gibt es zu dem Kartoffelmehl, mit welchem man es gut mischt und backt die Masse wie die übrigen Schwärn. Gibt man zu verschiedenen Braten. Kalbsschnitzel. Aus dem Kalbsschlegel schneidet man fingerdicke und dreifingerbreite Schnitzel, klopft dieselben, salzt und pfeffert sie auf beiden Seiten, taucht sie in zerlassene Butter oder verrührtes Ei und dann rn Semmelmehl em und bratet sie in einer Pfanne mit heißem Schmalz auf beiden Seiten goldbraun. Man richtet sie mit dem gebratenen Fett an, drückt nach Geschmack Citronensaft darauf und streut nach Belieben fein gewiegte Citronen schale auf dieselben. Will man ein kurzes Saucechen dazu haben, so gibt man ein wenig Fleischbrühe mit Citronensast daran, läßt es aufkochen und richtet mit der Sauce an. Werden mit Salat zu Tische getragen. Austern-Frittzers. . Drei Unzen Mehl werden in eine Schüssel gesiebt und dazu wird eine Prise Salz gegebrn. Dann gibt man em Eigelb und einen halben Eßlöffel feines Oel hinein, mischt dies so viel als thunlich und fügt dann so viel lauwarmes Wasser dazu, daß das Ganze eine crömea.rtige Masse giebt, welche man eine volle Stunde bis zum Gebrauch stehen laßt, worauf das Weiße des Eies zu steifem Schnee geschlagen und dazu gemischt wird. Die Austern werden von den Bärten befreit, auf einem Tuch trocken ablaufen lassen, und auf einer Platte mit Pfeffer und Salz bestreut. Dann träufelt man etwas Citronensaft über sie hin. In die obige Cröme-Masse wird etwas gehackte Petersilie gemischt, jede Auster wird darin gewälzt und dann in Schmalz golhbraun gebraten. Beim Anrichten werden Citronenviertel und gehackte Petersilie nebenher gereicht und die Schüssel ebenso verziert. Kraftbrühe (Jus.) Rindsund Kalbsknochen werden klein zusammengehackt, Leber und etwas saftiges Rindfleisch in kleine Stückchen geschnitten und das ganze m emem Tiegel mit einigen Lösfeln Schmalz oder Fett nebst Zwiebeln, gelben Ruben, Sellerie- und Petersilienwurzeln gelb geröstet. Auch gibt man mehrmals einen Löffel Fleischbrühe daran und läßt es wieder dünsten, um die Kraft aus den Knochen völlig herauszuziehen. Wenn 'es braun geworden ist, füllt man mit guter Fleischbrühe auf und läßt es noch eine bis zwei Stunden kochen. Mit dieser Brühe kann jede Fleischbrühe und Sauce verbessert werden. SaureSuppe (Aspik). Man nimmt zwei Kälberfüße, reinigt. wascht dieselben gut und überbrüht sie mit kochendem Wasser, setzt dieselben am besten in einem irdenen Siegel mit kaltem Wasser an, so daß es gut darüber geht,und Salz zu. kocht sie, indem man die Brühe unter osterm Umruhren gehörig abschäumt, so lange, bis die Knochen aus einander fallen, schüttet das Ganze über em Haarsieb und läßt die Brühe über Nacht an einem kühlen. Orte stehen. Hierauf nimmt man mit einem Löffel das Fett völlig ab, setzt den Stand mit Petersilie- und Selleriewurzel, Lauch (Porree), gelber Rübe, einer kleineren Zwiebel mit zwei Nelken besteckt, mit der Schale und dem Safte von einer Citrone, einem Lorbeerblatt, etlichen Pfefferkörnern, etwas Fleischbrühe, mehr oder wenigr Essig je nach Geschmack und später nach Belieben auch ein halbes Pint Wein auf das Feuer, kocht alles gut durch, schüttet es durch ein Haarsieb und läßt es abkühlen. Sodann verkleppert man ein bis zwei Eier recht gut und rührt sie nebst den verkleinerten Eierschalen hinein, stellt das Ganze abermals auf das Feuer und rührt es bis zum Kochen, stellt es eine Viertelstunde am Herd auf die Seite und gibt es warm durch eine aufgespannte Serviette, welche man auch über einen umgekehrten Stuhl festbinden kann, schüttet das zuerst Durchgelaufene, wenn es nicht ganz klar ist nochmals hindurch, indem man eine andere Schüssel unterstellt, und läßt es nun völlig durchlaufen. Ist ' die Sülze nicht ganz hell, so mußnan noch einmal mit Eiern klären und dann filtriren. Man verwendet die saure Sülze nicht allein zu Verzierungen bei Platten mit kaltem Aufschnitt, italienischem Salat und so weiter, indem man sie in Formen gießt, erkalten läßt und stürzt, sondern sie bildet auch die Grundlage zu verschiedenen gesulzten Fleischspeisen und Fischen. Sollte die Sülze beim Stürzen sich nicht von der Form losen, so taucht man diese einen Augenblick in heißes Wasser. Ochsenschwanz. Der Ochsenschwänz wird rein gewaschen und an den einzelnen Gliedern durchgeschnitten. Die Stücke werden mit einer Zwiebel, in welche zwei Nelkn gesteckt sind, einer gelben Rübe, Petersilie, einem Lorbeerblatt, mehreren Pfefferkörnern und Salz, nebst Wassc? in einem Tiegel zugesetzt, zugedeckt und indem man noch Wasser, wenn nothig, zugießt, weich gedämpft. Nun macht man ein braunes Einbrenn, füllt mit ver Brühe, in welcher der Ochs.'".schwänz gekocht wurde, auf. gibt.etwaä Essig daran, läßt es aufkochen und' rührt es in die Sauce, gibt noch ein Gläschen Wein dazu, kocht alles zu fammen noch eine Viertelstunde unL richtet mit Semmelklößen oder Kar? toffeln an.. u;i. .L.i ..!: .xA
