Indiana Tribüne, Volume 19, Number 135, Indianapolis, Marion County, 2 February 1896 — Page 6
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Armctticn tutö die Armenier. Unheil verheißende Wetterwolken Find über dem Mocaenlande zusammengeballt. Wie schon häufig, sind wieder einmal in jenen von der Culiur noch wenig berührten Gegenden religiöse und nationale Gegensätze auf einander gestoßen und Tausende von Menschenleben sind dem blinden Fanatismus zum Opfer gefallen. Das Bedrohliche dieser Ereignisse liegt daim, daß die züngelnden Flammen einen Brand entfachen könnten, an wel-. chem da es sich in erster Linie um das christliche Volk der Armenier handelt das civilisirte Abendland in hohem Grade interessirt ist. VornehmerArmenier. Lassen wir die politischen Dinge bei Seite und schauen wir uns das Land und seine Leute näher an. Armenien gehört unstreitig zu den classischsten Ländern Vorderasiens. Auf den ungeheuren Hochländern im Süden und Cüdwesten von.Kaukasien hat sich ein eigenartiger Culturkreis entwickelt, der zwar in seinen Grundelementen auf das älteste Semitenthum hinweist, in seinen Formen aber als örtlich begrenzt erscheint und auch in seinem geschichtlichen Ausreifen von vorwiegend örtlicher Bedeutung ist. Das armenische Culturleben ist kein selbstständiges, aber es hat die Keime, aus welchen es hervorging, fast unberührt von äußeren Einflüssen fortentwickelt. In der Geschichte freilich Hai Armenien keine epochale Rolle gespielt. Ehrwürdig sind die Ueberlieferungen vom Ausgange des armenischen Volkes. mmm rSätfÄI vlll :7i-K' i.4 $tim Sv55-& 'J Vornehme Armenierin. Sein Stammvater ist der Japhet-En-kel Haik. Nach ihm nannten die Armeiner ihr Land Haiasdan", die Nachkommen Haiks aber Haigasan". Haik war zuvörderst nach Babylon gewandert und hatte daselbst den König Belus (Baal) erschlagen. Alsdann zog er mit seinem Geschlechte drei hundert gigantischen Männern wieder heimwärts und nahm seinen Sitz diesseits des Ararat, im Gaue Daron. den die Forschung auf mannigfachen Umwegen in der heutigen Euphratlandschaft imBereich der Stadt Musch erkannt hat. Erst Akmenac, der Enkel Haik's, griff zum Wanderstabe und stieg mit seinem ganzen Geschlechte über das vorliegende Gebirge" in eine Ebene hinab, welche auf allen Seiten von hohen Gebirgen umgeben war; im (Süden aber grüßte ihn (Armenac) mit schneeweißem Scheitel ein Altvater zwischen Jünglingen. ! Armenischer Bauer. Unverkennbar hnd:lt es sich hier um die Araxesebenf und den Ararat. Armenac selber gründete am Fuße eines mehr nördlich gelegenen Berges eine Niederlassung, die er nach seinem Sohne Araghas" nannte. Diesen Namen trägt noch htm ein erlösche ner Vulkan zwisci?n Eriwan und Alexandropol in Rassisch - Armenien. Auch die anderen Söhne des Armenac gaben Städten, Flüssen und Landstrichen ihren Namrn. die sich allenthalben bis auf den heutigen Tag erhalten haben. In tt Folge begründeten einheimische Prinzen das assylisch - armenische 5)ttrschergeschlecht der Sossunier" und Arzdrimier", aus welch' letzterem die Königsdynastie von Wan hervorging. Zur Zeit der assyrisch - hebräischen Kriege wurden viele jüdische Gefangene als Colonisten in Armenien angesiedelt. Ein Nachkomme derselben war jener Schambad, der als Hcmpt des Stammes der Bazradunier (oder Bagradunier) der Ahn des altberllhmten Königsgeschlechtes der Bagratiden" ist. Da die letzten Sprossen desselben (als grusinischerZweig) noch heute in Rußland ezistiren, zählen die Vagratiden (jetzt Bagratien genannt) zu den ältesten Adelsgeschlechtern der Welt. Es würde zu weit führen, die hochinteressante Geschichte Armeniens auch
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nur auszuasweise aufzurollen. Wer
das Armenicrthum richtig beurtheilen will, bat eine doppelte Ausaabe vor sich: das Studium des armenischen Geisteslebens und jenes der alten Culturstätten. Im Großen und Ganzen blühte bas armenische Gei stesleben nur iurzr Zeit, wenige Jahrbunderte. was auf die verhältnißmäßig kurzepolitische Selbständigkeit des Landes zurückzuführen it. Dem aroken aeistiaen Interesse. welches man derVerzangenheit des armenischen Volkes unbestritten zukommen lassen muß, entspricht der bedeutende Eindruck, den man vom Lande selbst Erhält. Die geographische Gestaltung des ganzen Gebietes ist lehr eiaenartia. Die an den Ararat westwärts anschließenden Gebirge bilden zunächst kein geschlossenes Gebirgssystem; die einzelnen Ketten legen stcy mit sekr steilen und kantiacn Rücken und durch Paßscharten gegliedert, zwischen Arares und Euphrat und gehen noch weiter im Westen in das mächtige Tausend - Seen - Gebirge" und in das Muschuraebuae über, welch' letzteres den ganzen Naum zwischen beiden Euphratauellarmen. ausfüllt. Das Innere dieser Vergmassen ist Armenische Bäuerin. noch völlig unbekannt. Unbotmäßige Kurdenstämme Hausen in den Schluchten und Engen und haben auf den ausgedehnten Hochweiden ihre Sommerlager. 6in anderes Bild bieten die armenischen Hochsteppen, jene Grasfluren, welche in meist beträchtlicher. Ausdehnung die Plateaus bedecken. Die bedeutendsten dieser Grasfluren finden sich zu beiden Seiten des oberen Euphrat, hauptsächlich aber auf dem weiten, von Nomadentribus wimmelnden Hochflächen östlich des Wansees. Hocharmenien hingegen ist arm an Steppen. Wohl sind auch hier die flachen Hochterrassen (bis 7500 Fuß) nicht ohne Graswuchs, aber sie haben den Typus der Alpentriften des Abendlandes. Der Mittelpunkt von Hoch-Armenicn.ist Erzerum, ein hvorragendes Verkehrscentrum, in wel chem hk Karawanenwege aus allen Dorfbarbier. Weltrichtungen zusammenlaufen. Einst von Hundertausenden bevölkert, ist es heute nur noch ein Schatten seiner früheren Größe. Die flachdachigen Häuser, welch? äußerst schmale und schmutzige Gassen einschließen, machen den Eindruck von Ruinen. Im Winter, der lang und streng ist, liegt der Schnee viele Fuß hoch, und selbst die Nachbarn sehen sich dann durch Wochen nicht. Alles Leben ist erstorden, jeder Verkehr ausgehoben. Die größte Katastrophe, welche die Stadt je traf, war der Mongolensturm im Jahre 1247, welcher sie hinwegfegte. Fast die ganze Bevölkerung wurde da mals niedergesäbeli. Das nachfolgende Türkenthum beeilte sich, das wieder zu Leben erwachte Gemeinwesen unter den Wutz seiner Roßschweife zu nehmen, das heißt langsam Armen. Vesever? äufer. in Blut und Jammer zu ersticken. Noch vor hundert Jahren toiberljattte Erzerum vom Gehämmer der Kesselschmiede, einer Musik, der das osmanische Ohr sich längst entwöhnt hat. Wie NUN steht es mit dem armenischen Volke der Gegenwart, das zur Zeit die Blicke Europas auf sich lenkt? Die jetzige Bewegung hat die Kenner des Orients sehr überrascht, denn es galt seit jeher als feststehend, daß kein unter türkischer Herrschaft stehendes christliches Volk sich seinen Herren so gut unterzuordnen verstanden hat als das Armenische. Das Auskommen zwischen beiden war immer ein leidliches. Der Türke sah bislang den Armenier als eine Art Bindeglied zwischen ihm und den übrigen christlichen Bevölkerungselementen an, eine Verkehrsart, die sich um so leichter gestaltete, als die Ansnier (vornehm-
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lich jene außerhalb ihrer Heimath) die türkische Sprache bis zum Vergessen
der eigenen angenommen haben. Man glaubte bisher dieseFügsamkeit haupt sachlich aus Rechnung des geringen kriegerischen Smnes der Armenier Armenische Fischhändler. setzen zu sollen. In der That zeigt die Geschichte dieses Volkes, daß es höchstens in den Zeiten größten Glanzes politisches Bewußtsein zur Schau trug, imUebrigen aber selten seine nationale Kraft aufgeboten hat, um unerträgliche barbarische Zustände zu brechen. . Im Großen und Ganzen hatten die Armenier ein ähnliches Schicksal erfahren wie die Hebräer. Die Stürme der Zeit hatten sie über einen großen Theil der alten Welt zerstreut. Als die Seldschuken in Armenien eingebrochen waren, wurde der verschont gebliebene Theil der Bewohnerschaft nach dem nördlichen Persien abgeführt, um dort zwangsweise angesiedelt zu werden. Zu gleicher Zeit hatte eine freiwillige allgemeine AusWanderung in die byzantinischen Provinzen, nach der Krim, dem Don und der Wolga Platz gegriffen. Ueberall in diesen Gegenden, zumal in den rus sischen, entstanden blühende armenische Colonien, welche sich ausgiebigen Schutzes seitens der betreffenden Machthaber erfreuten. Eine zweite Auswanderung im großen Stile fand während und nach der Tatareninvasion statt. Durch ihren Besitz vormochten die Armenier rascher als durch ihre Fügsamkeit eine leidliche Verständigung mit ihren Bedrückern zu erzielen, denn armenisches Geld war zu Zeiten selbst den Sultanen niemals verabscheuenswerth. Armenische Musikanten. In einer Hinsicht unterscheiden sich die Armenier von den Hebräern: sie stehen mit der Heimath in der engsten und festesten Verbindung; sie haben dort nicht blos ihren nationalen, sondern auch ihren religiösen Mittelpunkt der Einheit das Patriarchat von Etschmiadzin welcher -eine wahrhaft magische Gewalt ausübt. Da er auf russischem Boden liegt, wird die hohe politische Bedeutung desselben nicht zu unterschätzendem. Ein ftarkes Gefühl der Zusammengehörigkeit prägt sich auch im Familienleben aus. Bei der großen Achtung und Verehrung, welche die Kinder den Eltern entgegenbringen, ist eine Verletzung der straffen Familienversassung so gut wie ausgeschlossen. Auffällig ist die freie Stellung des Weibes. Keine Spur von Töchterverkauf, wie er rings in den Ländern um Armenien im Schwange ist, keine Abgeschlossenheit der Mädchen hinter Vorhang und Gitter. Die meisten derselbe. sind Schönheiten von charakteristisch morgenländischem Typus. Dem entspricht auch die Vorliebe für Putz und Schmuck. Der- letztere besteht aus den im ganzen näheren Orient gebräuchlichen Münzenketten, die entweder durch das Haar geflochten oder an der Mütze befestigt werden; mitunter werben auch Brust und Arme mit solchen Ketten überladen. Trotz dieser Putzsucht ist die Armenierin eine vorzügliche Hausfrau. Die Betriebsamkeit steckt eben dem ganzen Volke in den Gliedern: die Männer erwerben und sparen, die Frauen arbeiten und vervollständigen den Hausbedarf. . Hinsichtlich ihres Aeußeren sind fast alle Armenier von hohem Wuchs, wohlgebaut, aber zur Beleibtheit hineigend. Die Augen ' sind groß und schwarz, die Sll!ne ist niedrig, die Ein Kurde. Nase ohne Ausnahme lang, gebogen und stark vortretend, das Gesicht-lang, oval. . Bei jungen Leuten, vornehmlich solchen des weiblichen Geschlechts, ist der Teint weiß, die Haut frisch und geschmeidig. Ueber die Tracht der Armenier ist kurz zu bemerken, daß sie,
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von der im Orient allgemein üblichen sich nur durch einen schwarzen Turban oder hohe Pelzmütze und einen dunkelfarbigen Kaftan unterscheidet. Etwas bunter ist die weibliche Tracht. Am beliebtesten sindrothe oder grelle Stoffe; sie sind häufig sehr kostbar, und nicht minder werthvoll sind die Stickereien, welche die Kleider zieren.
Die Hauptkleidungsstücke sind: rothe Pluderhosen, Jacke und talarartiger Ueberrock, der häufig 'in eme lange Schleppe endet. Meist wird die untere Hälfte, des 'Ueberwurfes bis zur Hüfte emporgezogen und dann leicht um dieselbe in Form eines Shawlgürtels geschlungen, was der Gestalt em originelles, dabei aber groteskes Aussehen verleiht. Den Kopf mit seinem prachtvollen tiefdunklen Haar bedeckt em goldgesticktes Kappchen, um welches der Schleier geschlungen wird. All dieses gilt indeß nur von den besseren Familien. Das Landvolk befindet sich meist in dürftigen Verhältnissen. Die Behausungen sind vielfach elende Erdlöcher, mehr Stall als Wohnung. Dazu kommen die Bedrückungen der herrschenden Rasse und die nie endenden Gewaltthätigkeiten der streitlustigen Kurden. Eisbootpost. Zur Winterzeit wird die gewohnte Schiffverbindung zwischen den dänischen Inseln nicht selten auf längere Zeit unmöglich. Um nun die Bewohner der betroffenen Landestheile nicht ganz von der Außenwelt abzuschließen, hat die dänische Regierung eine wohlorganisirte Eisbootpost, die irtj ihrer Art Wohl einzig dasteht.in Dienst gestellt. Da das Eis infolge der starken Strömung zwischen den Inseln oft. trotz bedeutender Dichtigkeit, bricht und offenen Stellen Raum gibt, so hat man von Schlitten- und Pferdetransport abgesehen; fest gezimmerte, lange, speciell zu ihrem Zweck gebaute Bsote, die bis zu zehn Personen AufderFahrt. zu fassen vermögen, jedoch leicht genug sind, um unschwer in's Wasser verbracht zu werden, sind an deren Stelle getreten und an denEndpunkten wohlversorgte Stationen errichtet worden. Jedes Boot ist mit vier Männern bemannt, welche dasselbe in der durch unser Bild veranschaulichten Weise weiter befördern. Dem weiblichen Theil der Passagiere ist erlaubt im Boot bei den Poststücken und dem übrigen Gepäck zu verbleiben, während die Männer längs der Fahrzeuge zu marschiren haben, um im Fall der Roth sofort Mithilfe leisten zu können. So Nebt man. jeweilen. vier bis zwanzig solcher Postboote über die vereisten Bette" ziehen im Gänsemarsch eine bunte, eigenartige Karawane. ' ' , ', , Ein Opfer seines Berufes. Aber, Herr Professor, wie sehen denn Sie aus! Ist Ihnen ein Unglück zugestoßen?" Das gerade nicht! Ich studire nämlich für ein demnächst erscheinendes Werk die verschiedenen Volksgebräuche, und da bin ich kürzlich in eine Rauferei hinemgerathen, wo sie mich so zugerichtet haben!" Aus d?r Praxis. Sag' einem Mädchen: Du bist schort!" Sie schmollt vielleicht, !doch nur zum Schein; Doch ist sie's. und toi sagst ihr's nicht, Da.M wird sie wirklich böse sein! Immer geistreich. Dame (auf einem Ball): Ach. Herr Lieutenant, Sie haben: sich lbei mir an einer Nadel gerissen!" Lieutenant: Gnädages Fräulein, keine Rose ohne Darnen!" Pechvogel. Arzt (einem ehemaligen Patienten, ider in einen Brunnen fiel und 'den er heilte, begegnend): Nun. wie geht'S?- Schlecht! Ich bin inzwischen wieder hineingefallen.Wieder in 'den Brunnen?" Nein, ich habe geheirathet!" O o h ! Hausherr (zu einem Vagabunden, ver mit Behag?- einen Teller Essen verspeist und sich herzlich dafüv bedankt): Danken, Sie mir nicht, ich danke Ihnen, öaß Sie edelmüthiz da von meiner Frau zubereitete Gtn wirklich gegessen haben! Nur immer zimperlich. Feuerwehrmann (in einem brennenden Hause): Kommen Sie schnell her. ich nehme Sie auf !den Arm und trage ,Ve die Leiter hinunter. Junge Frau: Da mufe ich doch erst meinen Mmn fragen, ob 's erlaubt.
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Ein Ausflug in Paraguay. Von allen südamerikaVischen Staa-
ten hat Paraguay durch die Fülle der dicht nebeneinander stehenden schroffsten Gegensätze von. Cultur und Civllisation einerseits und noch, unberührter Natur in dem Leben und Treiben der Eingeborenen andererseits, für den öZeisenden einen eigenartigen Reiz. Schon in der Hauptstadt Asuncion ist dieser Eindruck der auffallendste. Prächtige monumentale Bauten, theiltverse unvollendet und rn Trummern, überragen die meist niedrigen, in typischem südamerikamschem Stil gebauten Häuser der Stadt, an welche sich wieder unmittelbar die noch Kleineren Häuschen und Ranchos, Hütten, der Eingeborenen anschließen. Dieselbe Stufenfolge zeigen, dementsprechend auch die Bewohner, vom hochmoderne Europäer bis herab zum eingeborenen Indianer mit Pfeil und Bogen. Als landwirtschaftlich schönster Punkt Paraguays, gilt die Staatscolonie für Deutsche, San Bernardino. Die Colonie, welche ungefähr 25 engl. Meilen östlich von Asuncion an der Laguna Jpacaray .liegt, wurde 1881 von dem damaligen Präsidenten der Republik, dem General Bernardino Caballero gegründet und auf seinen Namen getauft. Der Colonie am nachst?n liegen die Stationen Aregur und Tacuaral; von der ersteren aus vermittelt ein kleiner Dampfer den Verkehr mit dem auf der anderen Seite des Sees liegenden San Bernardino, während man von der Station Tacuaral ous zu Pferde, an der südöstlichen Spitze der Lagune vorüber, auf theilweise recht schlechtem Wege durch Sümpfe, welche bei anhaltendem Regenwetter sogar für die landesübliche Ochsenkarre mit den über mannshohen Rädern nnpassirbar sind, die Colonie erreicht. Ansiedelung in San Bei n a r d i n o. Die Bevölkerung von San Bernardino beste!)t ' zumeist aus Deutschen und Schweizern, deren Ansiedlungen zum größten Theil weit auseinander liegen; zwischen ihnen zerstreut die Ranchos der Eingeborenen. Den Hauptpunkt der Colonie bildet der sogenannte Stadtplatz, an der Lagune gelegen, wo sich die Amtslokalitäten des Coloniedirektors. der Poststation u. s. w. befinden. Ein gutes Gasthaus, einige nette Häuschen von Handwerkcrn und anderen Colonisten, ein paar Botichcn (Kramläden mit Auskschank)'und einige hochgelegene reizende Villen begüterter Kaufleute von Asuncion vereinigen siÄ zu einem lieblichen Gesammtbild. Die Laguna Jpacaray liegt langgestreckt vor uns im Thal in einer ungefähren Länge von 12 und einer Breite von 3 Meilen. Die theilweife bewaldeten, mit hohen Baumgruppen und Palmen bestandenen Ufer steigen allmälig an und bilden ein hügliges Vorterrain, welches schließlich in einen Höhenzug, die Cordillera von Altos, verläuft. Den Hauptanziehungspunkt in der Colonie bildet für alle dortigen Deutschen die durch ganz Paraguay wohlbekannte Bierschlucht". Umgeben von Bergen mit der üppigsten Vegetation liegt weltvergessen und idyllisch an dem Ausgangspunkt einer wildromantischen, waldigen Schlucht eine kleine deutsche Brauerei, Peter Herken, einem Rheinländer, gehörig. Aus den kleinsten primitiven Anfängen entstanden Don Pedro war einer der ersten Colonisten in San Bernardino , erhebt sich jetzt eine nette, echt deutsche Brauerei in der früheren Wildniß, der Cerveceria Vierschlucht". Eine Expedition in das Innere bietet des Interessanten sehr viel. ,;rTrr& S t r a ß e i n Paraguari. Von Tacuaral aus. fährt der Zug durch das langgestreckte Thal des Pirayuflusses. welches zu beiden Seiten von Höhenzgen grenzt wird, an dem Oertchen Pirayu vorüber bis nach Paraguay, wo sich das ,hal verengt und von den beioen grosk aufsteigenden Bergen Cerro Hu und Cerro Santo Tomis eingeschlossen wird. Paraguari ist eine der bedeutendsten und verkehrsreichsten Ortschaften ldeK Landes, geigt aber ebenfalls die charakteristische Bauart der paraguayischen StäÄte: kleine, niedrige, mit vergitterten Fenstern versehene )äuser, dazwischen auch RanchoS mit der offenen Vorhalle und ungepflasterte Straßen, welche theilweife von kurzem Gras überwuchert sind. Die Hauptstraßen münden aus zwei große, ebenfalls mit Gras bewachsene Plätze, .mit der Markthalle und einer schönen Kirche in der Mitte und verschiedenen recht ansehnlichen Häusern an den Seiten. Die weitere Eisenbahnfahrt bringt den Reisenden nach Jbitimi und von dort geht es zu Pferde über den Tebi cuary nach dem Oertchen Jtape. Vom Üebicuary an steigt das Land bedeutend und läuft in einen hügeligen ctamp aus,. welche? vor Villa Rica imme? hügeliger und öder wird. Villa Rica, die zweitgrößte Stadt
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Paraguays, ist der Haupiplatz für'Tabak, von welchem hier sehr gute Sorten zu Cigarren und Cigarettn verarbeitet werden. Der eingeborene Paraguayer freilich, welcher 'meistens Tabak für
t P ö VMVH 5 ( UUMMHW .,i f IWJMMt' 'v fnSi V: VML Eingeborene. seinen eigenen Bedarf baut, fabricirt seine Cigarre auf die einfachste Weise. Won Villa Rica aus bis in das nch wenig bekannte Cerra Tatuy Gebiet sülrt der Weg so weit von einem solchen überhaupt die Rede sein kann durch schwer passirbare Urwälder und Sümpfe. Die Paraguayner wissen allerlei unheimliche Geschichten über die sagenhaften Guayaqui-Jndianer zu erzählen, welche angeblich Kenntniß bon vergrabenen Schätzen haben. Nur selten gelingt es einem Reisenden, eines Guayaqui ansichtig zu werden, irotzdem sich im Innern des Landes überall Spuren von ' ihnen fanden; die Jndianer scheinen sich vor den Weißen in das undurchdringliche Waldinnere zurückzuziehen. Volkstänze im Salzkammergut. Am Vorabend des Festes der heiligen drei Könige findet alljährlich in einigen Orten des Salzkammergutes, vornehmlich aber in Cbensee, ein seltsamer Mummenschanz statt. Auf dem Marktplatz zeigt sich plötzlich eine kleine Zahl verkleideter Männer, und der Ruf: Die Glockler!" schallt durch die Straßen. Die Männer tragen ein weißes Hemd und Leinenhosen, beides durch einen Ledergllrtel zusammengehalten; in der Hand haben sie einen langen Stock, den sie auch als Spring--stock gebrauchen, über die Schultern hängen ihnen an Lederriemen Almglocken. Das Merkwürdigste aber sind an ihrer Verkleidung die großen LichtGlöckZertanz. kappen aus farbigem, transparentem Papier, welche sie auf dem Kopfe tragen: da stellt die eine den Stern dar. dem die drei Weisen aus dem Morgenlande folgten, die andere den Palast des Herodes, an dessen Thur sie poch ten, eine dritte eine Kirche etc. So ziehen die Glöckler" von einer Straße zu der anderen und führen, vor- den Hausern reicher Leute ihren phantasti schen Reigen auf. Cin anderes, in Ebensee, aber auch in Berchtesgaden und auf dem Dürenberge bei Hallein übliches Volksspiel.das am Fastnachts dienstag abgehalten wird, heißt der Schwerttanz. Hier ist das Costllm ein ganz anderes, als bei den Glocklern: die Männer tragen eine weiße Hose mit rothem Streifen, rothe Weste, auf Schwerttanz, dem Haupt ein rothes Käppi mit grü ner Quaste, in der Hand ein blankes Schwert. Zu dem Reigen gehört stets em Schalksnarr mit der Pritsche m der Hand.. Der Tanz ist zuerst ein Rundtanz, dann folgt ein Fechten, das damit endet, daß der eine der Kämpfer als todt niederfällt, worauf ihn der Hanswurst wieder zum Leben erweckt. Die Tänzer führen zum Theil recht schwierige Mgunn und allerlei Balancekunststllcke mit ihren Schwertern aus.' .Ueber den Ursprung der beiden ori ginellen Tänze soll bis jetzt nichts zu ermitteln gen-'en sein. Em p find lich. Redacteur: Kwder, hört rus! Vato, leih' mir die Sch-er" .dürft Ihr nicht spielen.!" F ü r d e n Gläubigen smd Hinmel und Erde gleich, er hofft in den Himmel zu kommen, wenn er in die Erde kommt. E r kennt sie. M5dium: .Der Geist Ihrer Frau wünscht mit Ihnen zu sprechen:." Wittwer:, Sagen Sie ihm, ich würde ihr auch nicht einen Cent geben." Na, die Freude! Sie: 'Heie ist der Jahrestaz unserer Hoch- ! zeit. Denjst Du nichd auch, daß wir : itenselben seiern, sollten?" Sr: Ge- ! wiß; hast Du genügend, -schwarzen Krepp? . . ... ..... ' . .
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Ich will, lieber Lele. daß Du für die Sommer meines Lebensabends in Europa drüben eine Besitzung ankaufst, wo ich in Gottes schöner Natur in gesunder Luft, in Nuhe und Frieden und unter guten, braven Menschen den Rest meines armen Lebens verbringen kann." So schrieb im Gejängnisse zu Honolulu, Liliuokalani von Hawan an ihren Verwandten, Kailua, einen jungen Gentleman, der erst kurz vorher Mrs. Guy Howard, die fünfte Tochter des Lord und der Lady Ernest St. Maur, in einer kleinen Dorfkirche an den oberitalienischen Seen zum Aliare geführt hatte. Und Kailua's Gattin wußte Rath; sie dachte an ihre Zwillingsschwester Edith, welche in den Gebirgen der Provinz Udine, im Alpenneste Magnianins am Waldstrome Degano, an der Seite ihres GattenDon Egidio di Pianell, glückliche Tage des Friedens verlebte. Und sie dachte ferner an das alte Castello di Pianell. das, seit einem halben Jahrhunderte unbewohnt, den beiden uralten, unvermählten Großtanten Don Egidios gehörte, Donna Maria Carmela und Donna Maria Maddalena. Das Castell, in dem. wie die Sage geht, die prachtliebende Caterina Cornaro, Königin von Cypern. als junges Mädchen gehaust haben soll, wenn in Venedig zur heißen Sommerszeit die Luft für das verwöhnte Dogenkind zu ungesund schien, ein einfach vornehmer Bau aus rohen, außen verwitterten Steinen, mit großen, hohen Fenstern, wurde also für Liliuokalani gekauft. Im regelmäßigen Rechteck erhebt sich das alterthümliche Gebäude, zwei Stockwerke hoch, ' auf einem weiten, fruchtbaren Plateau, das sich wie eine gewaltige Terrasse auf der steilen Böschung aufbaut, unterhalb welcher im engen Thalgrunde der weißschäuwende Degano über grünliche Por))hyrfelsen dem Tagliamento zurauscht.. Das Plateau grenzt im Osten an. einen hohen, mit NadelHolzauen und Wiesen bestandenen Berg, ähnlich den Bergen, welche auf dem gegenüberliegenden Ufer das Thal des Degano abschließen. Ueber diesen Bergen, deren höchster der Col Maggiore mit der Quelle Bas ist, grüßen die bizarren, kahlen Häupter der Dolomiten zwischen Lienz und Sillian. Im Castello di Pianell oder Ka lialla o ka Waikea (Haus ans weißen Strom), wie das Schloß nun heißt, wird Liliuokalani in Kurzem ihren Aufenthalt nehmen, nachdem dasselbe zahlreiche UmgestaltunLen er-, fahren hat. Von den Wänden des großen Speisesaales im ersten Stockwerke, von den dunklen, eichengetäfelten, fast wurmstichig scheinenden Wänden blicken nun die Bilder der hawaiischen Könige und Fürsten, von denselben Plätzen aus, hernieder, wo vor wenigen Monaten noch seltsame Ritter in metallenen Rüstungen, venezianische Damen mit üppigen rothen Haaren, ernste Priester und Donnen im Reifrocke und mit gepuderter Perrücke im Bilde, hingen. Denn Donne Carmela und Donne Maddalena haben ihre Ahnenbilder mit sich genommen, und Kailua, seine Mutter und Geschwister, die nun das Schloß bewohnen, haben ihre Ahnengalerie an deren Stelle gesetzt. Da lächelt selbstbewußt, einen alten grauen Cylinder auf dem weißen Haupte, in einer rothen Weste und Hemdärmeln, von einem nach Hawaii verschlagenen Matrosen und Maler in rohen Strichen hingeworfen, der große König Kamehameha 'I. (auch Hawaii hat seine Größen) auf die merkwürdig zusammengewürfelte Gesellschaft herab, die sich zu Diner versammelt. Neben ihm, ebenso kindisch gezeichnet und gemalt, die Bilder seiner Gemahlinnen, darunter das jener üppigen Königin Nomahanna, welche den Dichter Chamisso auf seiner Weltumsegelung mit ihrer Liebe beglückt. Dann eine früh verstorbene, wunderschöne Prinzessin Naheinaheina in einem Federkragen, mit einer Mütze aus Federn, einem Fächer aus Federn in der kleinen braunen Hand; das Bild ist auf dem Deckel einer Cigarrenkiste, mit kecken, nicht untalentvollen Strichen hingeworfen. Dann wieder ein nettes Aquarell, Königin Emma, mit blondem Haar, in strahlender Jugendschöne. Zwei verblaßte Daguerrotypien stellen zwei Oesterreicher. dar, die am Hofe Kamehameha's IV. und Emma's in hohem Ansehen , standen, mit der Erzieherin und späteren Gesellschafterin der jungen Königin, Frl. Karoline v. Pfister. und mit dem Leibarzte Dr. Steigenwald. Und zum Schlüsse bleiben die Blicke an Gemälden haften, von Hubert Herkomer's Hand meisterhaft auf die Leinwand gezaubert, an den Porträts der Königinnen Kapiolanind Liliuokalani. erstere in rother, lehtere m elfenbeinfarbiger, decolletirter Toilette, beide mit Diamanten reich gechmuckt. Endlich ein Gouachebild von Sir Frederick Leighton's MeisterPinsel, Prinzessin Kaiulani, als 12jährige Pensionatsschülerin, auf den wallenden Nabenlocken ein weißes Girardihütchen, die zarte Gestalt in weiße Spitzen gehüllt. Weihnachtsgedanken. Ehre Vater und Mutter nm Weihnachden, wei?n Du etwas zu bekommen erwartest. Der Mam? mit einem Geschenk ist den Mädchen lieber, als bez Mann mit einer Vergangenheit. Ser Geist des Weihnchtsfestes liebt weder volle Köpfe noch velle Porte zno!?nlies. ' . '-
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