Indiana Tribüne, Volume 19, Number 135, Indianapolis, Marion County, 2 February 1896 — Page 2

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Pange Ssrgcn. -- ' Wer nicht iseifc, was eS heißt. n -langer Sorge um dieses oder jenes theure Wesen, die unserem Herzen nahe stehen, zu zittern, ob nun die Bande des Blutes oder jene der Freundschaft uns mit denselben derbinden, der allein ist arm in des Wortes vollster Deutung, denn er steht allein, selbst wenn ihn vielleicht ein großer Kreis Angehöriger umringt. Wer wüßte nicht, daß es der Sorgen gar vielerlei im Leben gibt, und es l'df sich nicht in Abrede stellen, daß mit zunehmender Civilisation und mit erweiterten Lebensanschauungen sich dieselben mehren! In der guten, alten Zeit, welche, wenn wir sie auch jetzt im verklärenden Lichte des Gewesenen" betrachten, doch ihre Cchattenseiten gehabt hat, lebte man ruhiger und sorgenloser, weil der Kampf um das tägliche Dasein lange nicht so entWickelt war, wie heute; speciell die Frau wurde von diesem wenig oder gar nicht berührt. In der stillenHäuslichkeit spielte sich ihr Leben ab, sie war die Priesterin derselben und das Hasten und Ringen um die tägliche Existenz lag ihr fern, ihre Sorge war es nur, mit dem hauszuhalten, was man ihr bot, nicht, es selbst zu erwerben. Der pekuniären Sorge, dieser häßlichsten unter ihren Schwestern, weil sie kein von der Natur auferlegtes Uebel ist, sondern eines, das sich die Menschen selbst schaffen, läßt sich mit ' Thatkraft und ernstem Willen, bis zü einer gewissen Grenze, abhelfen. Die Mutter, diese hehre und bedeutsamste - aller Gestalten im Leben der Familie, ist es, welcher die Aufgabe anheim fällt, den Kampf mit der Sorge aufzunehmen und so den Grundstein zu legen für das Glück zukünftiger Geschlechter. Fast nie kommt es vor, daß ein Kind, nach keinerlei Richtung, ein geistiges, oder manuelles Talent besitzt; macht sich dasselbe von frühester Jugend an auch noch so unauffällig bemerkbar, so ist es doch die Aufgabe der Mutter, dieses Talent an das Tageslicht zu ziehen, es nach besten Kräften zu entwickeln und zu fördern, jedes Opfer für dessen Ausbildung zu bringen. Ich spreche nicht nur von jenen Äindern, welche nach aller menschlichen Voraussicht von Jugend auf dazu veranlagt sind, sich ihren eigenen Weg zu bahnen, sondern von dem Kinde im Allgemeinen. Ein wenig Klavier spielen, ein wenig Sprache sprechen, ein wenig Handarbeiten anfertigen, das hat keinen Sinn, man bleibt dabei halb gebildet, ist zu nichts Tüchtigem zu brauchen und kann sich im Falle der Noth auch nicht fein Brot verdienen; wurde man aber in irgend einem Berufszweig, zu dem man Lust und Liebe hat, was immer es auch sei, tüchtig herangebildet, dann braucht man der Zukunft nicht mit Sorge entgegen zu blicken. Wie sich auch die pekuniären Verhältnisse der Familie gestalten mögen, man wird sich seinen eigenen Weg bahnen können, was man lernt, das soll man gründlich lernen, man soll auch den Ehrgeiz besitzen, die höchste Stufenleiter der Vollkommenheit in dem Fache erreichen zu wollen, welches man sich einmal vorgesteckt hat. Abgesehen davon, daß das Bewußtsein der eigenen Erwerbsfähigkeit dem Mädchen eine gewisse Sicherheit und Befriedigung gewähren muß. abgesehen davon, daß dieses Bewußtsein im schlimmsten Falle die nagende Sorge von ihrer Schwelle bannt, hat dasselbe auch noch eine andere Lichtseite, es reist und stählt den Charakter, lenkt ihn ab von jenen hirnlosen Tändeleien, welche das Leben so mancher Frau ausfüllen, die keinen anderen Beruf kennt, als das Putzen und Schmücken tos lieben Ichs". Ist das Mädchen zum Weibe herangereift, gestalten sich dieLerhältnisse so günstig, daß es einem wohlsituirten Manne-als Lebensgefährtin angehören kann, braucht es seine Erwerbsfähigkeit nicht zu dokumentiren, so ist es ein Glück für sie. und es fällt mir nicht ein, zn fordern, daß sie für schnöden Lohn arbeite, wenn sie eS nicht muß, aber das Bewußtsein, es zu können im Falle der Noth, ist eine segenbringende Sorgenbannerin, und eine Frau, welche in dieser rationellen Weise herangebildet wurde, wird ihrerseits bedacht sein, auch die Kinder, denen sie das Leben schenkt, zu wappnen und zu stählen, tüchtig und leistungsfähig zu machen zum eigenen Glücke und zum Wohle der Gesammtheit. . -

Zu viel verlangt. Ach. lieber Mann, laß doch den Doktor Grärle holen, ich möchte, bevor ich sterbe, noch meinen letzten Willen aufsetzen lassen! Das fehlte mir gerade noch! Du hast Deinen Willen Dein Leben lang gehabt und jetzt willst Du ihn auch noch im Tode haben! Geographie schwach. Bankier Rosenbaum: Was haben Sie gesagt? Die Vase soll nicht sein echt? Hat se doch mein Moritzche selbst mitgebracht aus Majolika!" Zweideutig. Assessor: Neulich war ich m der Stadt, wo ich als Student ein flottes Leben geführt habe. Die Stadt erschien nnr sehr be& ändert." Zuhörer: Das kann, ich mir denken, Sie sind eben lnzw:schen nüchtern geworden! l (51 n Kenner. Theaterdireciox (zu ein Schauspielerin): Also eine Lösung des Contractes wünschen Sie, weil Sie sich mit dem Herrn X. verheirathen wollen. Nun, äch rathe Ihnen, vorläufig blos Urlaub zu nehinen." Offenherzig. Nun, Männchen, was hat Dir denn bei dem k'cutigen Mittagessen, das ich Dir gekocht 'habe, am öestm geschmeckt?" Der Senf!" " -

Selbststcht. .

Eine Noanstudte von Jerome K. Jerome. Saate Brown eines Abends. .Es gibt nur c i n Laster, und das ist Selbstsucht." Jepyson stand vor dem Stamm und steckte seine Vfeife an. Er sektc den Tabak in Brand, warf das Schwefel holz in die Asche und sagte dann: ..Und auch der &amt aller Tugend. ..Sek' dick bin und mach' dich an deine Arbeit," sagte MacShaughnassy vom Sofa aus, wo er seiner ganzen Länge nach ausgestreckt lag mit den Füßen auf einem Stuhl; wir sprechen jett über den Roman. Paradoxien sind während der Geschäftsstunden im terfagt." ephson dagegen war in doktrinärer Stimmung. ..Selbstsucht " Mr er fort, ist nur ein anderer Name für den Willen. Jede That, die wir begehen gute oder böse ist durch Selbstsucht ver. anlaßt. Wir sind barmherzig, um uns einen guten Plaj) in der anderen Welt zu sichern, und in dieser in gutem Rufe zu stehen, um unsere eigene Mißstim mung über Leiden, von denen wir Kören, zu stillen. Ter Eine ist freund lich. weil eö ihm Vergnügen macht, freundlich zu sein, ebenso wie ein An dcrcr grausam ist, weil ihm Grausam Wit Spaß macht. Ein großer Mann K;ut seine Pflicht, weil ihm da? Ve wutsein erfüllter Pflicht innigeres Be httc.cn verursacht vls das dolce far niente ohne Pflichterfüllung. Ter religiöse Mensch ist religiös, weil ihm die 'Religion Spaß macht, der mora lischc Mensch moralisch, weil ihm bei seiner - ausgeprägtkn Selbstgefälligkeit Ausschweifung Uebelbcsinden bedeuten würde. Sogar die Selbstaufopferung ist nichts als verschiMter Egoismus: wir ziehen die seelische Exaltation der sinnlichen Befriedigung vor, die der entgegengesetzte Lohn wäre. Ter Mensch kann gar nicht andertz als selbst süchtig sein. Tie Selbstsucht ist das Gesetz allen Lebens. Jedes Ding von dem entferntesten Fixstern bis zum kleinsten Insekt, das auf der Erde kriecht und seinen öträsten entsprechend den Kampf ums Tasein führt; und über dem All brütend schasst der Ewige Seinetwegen: so sieht das Um versum aus." Gieße dir ein Glas Whiskey ein," meinte MacShaughnassy; und sei nicht so fürchterlich metaphysisch. Ich kriege Kopsweh davon." Wenn jede böse oder gute Handlung aus der Selbstsucht entspringt," er widerte Brown. dann muß es böse und gute Selbstsucht geben: und ist deine Selbstsucht eine böse Selbstsucht, so schlechthin ohne irgend ein Adjectiv. Und so sind wir wieder da angelangt, von wo wir ausgegangen. Ich sage, Selbstsucht böse Selbstsucht ist die Wurzel alles Uebels, und das mußt Du mir zugeben." Nicht immer," behauptete Jephson hartnäckig; ich habe Selbstsucht kennen gelernt Selbstsucht in dem gewöhn lichen Sinne deS Wortes die gute Handlungen hervorbrachte. Ich kann euch ein Beispiel geben, wenn ihr wollt." Hat es eine Moral?" fragte Mac. Sbaughnassy ' schläfrig. Jephson überlegte einen Moment.. Ja." sagte er schließlich; eine höchst praktische Moral eine, die jungen Leuten sehr nützlich sein kann." Solche Geschichte thut uns noth," sagte Mac-Shanghnassy und brachte sich in eine sitzende Stellung. Ta mußt Tu zuhören. Brown." Jephson setzte sich auf einen Stuhl in seiner Lieblingsstellunz, die Ellbogen auf die Lehne gestützt, und rauchte schweigend eine Weile vor sich hin. Tret Menschen," sagte er, spielen in dieser Geschichte ir.it; die Frau, der Mann von der Frau und der andere Mann. In den meisten Tramen dieses Genres ist die Frau der Haupt cbarakter. Hier aber ist der andere Mann die interessante Figur. Tie Frau ich bin ihr einmal be gegnct war das schönste Weib, das ich je gesehen habe und zugleich hatte sie den bösesten Blick. Tas will in beiden Beziehungen viel sagen. Ich erinnere mich, daß ich einst, auf einer Wanderschast, zu einem allerliebsten kleinen Landhaus kam. Es war. der denkbar netteste Platz. Ich brauche es nicht zu beschreiben. Es war ein Landhäuschcn, wie man es auf Bildern sieht, wie man sie aus sentimentalin Gedichten kennt. Ich lehnte mich über die sorgsam ge stutzte Hecke und genoß die Schönheit des Anblicks, als ich auf einmal unter dem niederen Tache ein Gesicht auftau chcn sah, das nach mir ausschaute. Es blieb nur einen Augenblick sichtbar, aber in demselben Augenblick war die Hütte häßlich geworden, und ich machte, daß ich fortkam. .Tas Gesicht dieser Frau erinnerte mich an den Vorfall. Es war ein En gelsantlitz so lange, bis die Frau selbst daraus hervorfah; dann war man von der seltsamen Mißstimmung . zwischen Behausung und Bewohner betroffen. .. Taß sie irgendwann einmal ihren Mann geliebt hatte, bezweifle ich nicht. Lasterhafte Frauen . haben gewöhnlich wenige Laster, und Spekulation gehört meist "nicht darunter. Sie hatte . ihn wahrscheinlich gehcirathet, weil eine jene? Leidcnschasts - Wogen, auf denen die. Seele animalischer sJla turcn immerwährend steigen und fallen, sie zu ihm geschleudert hatte. Tcm .Le sitz war indestcn schnell ueberdruß gefolgt und aus dem Ueberdruö war der Wunsch nach neuen Reizen erstanden.' Sie lebten damals in Eairo; ihr Gatte bekleidete , dort ein einflußreiches Amt, und vermöge dieses Amtes und ihrer eigenen Schönheit und gesellschaftlichen Vorzüge wurde ihr Haus der Sammelvla' der angelsächsischen Gescüschastdie fortwährend in der Stadt wechselte. Tie Frauen konnten sie Nicht leiden und kcpirten sie deshalb.

Die Männer sprachen ihre Frauen aegtnüber immer - geringschätzig von ihr, unter sich leichtfertig, und geberde

ten sich, wenn sie mit ihr allem zusam men waren, wie Narren. Sie lachte ihnen ins Gesicht und persiflirte sie hinter ihrem Rücken. Ihre Freunde nannten das geistreich. In einem Jahre erschien ein junger englischer Ingenieur auf der Bildfläche, der irgend welche Kanal.Anlagen zu beaufsichtigen hatte. Er brachte be achtenswerthe Empfehlungsschreiben mit und wurde von der europäischen Gesell schast sofort als willkommenes neues Glied aufgenommen. Er hatte kein be sonders glückliches Aenßere, war nicht sonderlich anziehend, besaß aber das Eine, dem wenige Frauen widerstehen können, Krast. Die Frau sah nach dem Mann, und der Mann sah nach der Frau, und das Drama nahm seinen Anfang. Skandal durchfliegt wie ein Lanf fcuer beschränkte Gesellschaftskreise. Noch ehe ein Monat um war, bildeten ihre Beziehungen den Hauptgesprächs stoff in dem ganzen Stadtviertel. In weniger als zwei Monaten kam die Sach? dem Gatten der Frau zu Ohren. Er war, je nachdem man es ansieht, entweder ein außerordentlich gemeiner, oder ein außerordentlich edler Eharakter. Er betete seine Frau an wie Männer mit großem Herzen und schwachem Kopf öfters solche Frauen anbeten mit der Ergebenheit eincS Hundes. Seine ein zige Furcht war die. daß der Skandal so anwüchse, daß er gezwungen würde, davon Notiz zu nchmcn, und so Schmach und Leiden über die Frau kämen, für die er sein Leben gelassen hatte. Taß ein Mann, der sie sah, sie liebte, schien ihm natürlich; daß sie seiner selbst über drüssig geworden, erstaunte ihn nicht. Er war ihr dankbar, daß sie ihn einst eine kurze Zeit lang geliebt hatte. Was den andern Mann anbelangt, so war er dem Stadtgeklatsch ein Räth sel. Er versuchte nicht, die Sache ge heim zu halten ; wenn er etwas ver suchte, war eS seine Niederlage oder seine Eroberung zur Schau zu tragen ; es war in der That schwer zu entschei den, wie man es nennen sollte. Er ritt und fuhr mit ihr aus, er besuchte sie öffentlich und privatim (soweit man von privatem Zusammensein in einem. Hause reden kann, das von klatschsüch tigen Bediensteten und Spionenaugen ersüllt ist). Er überschüttete sie mit kostbaren Geschenken, die sie öffentlich trug und bedeckte die Wände seines Rauchzimmers mit ihren Photographien. Aber er ließ es nie dahin kom men, selbst im Geringsten lächerlich zu erscheinen, ließ sie nie zwischen ihn und seine Arbeit treten. Einen Brief von ihr legte er unerössnet beiseite, bis er mit dem, was er offenbar als wichtige rcS Geschäft ansah, fertig war. Wenn Boudoir und Maschinenwerkstatt in Frage kamen, war eS das Boudoir, daS zu warten hatte. Die fFrau marterte diese Selbstde herrschung, die sie wie eine RuthelZver mundete, aber sie hing nur desto selbst verlorener an ihm. Sag' mir, daß du mich liebst!" schrie sie wild auf und streckte die wei ßcn Arme nach ihm aus. Ich habe es dir gesagt," antwortete er vollkommen ruhig, ohne sich zu regen. - Ich muß es aber noch einmal hö ren", flehte sie mit einer Stimme, die im Schluchzen erzitterte. Komm' dicht zu mir und sag! es mir noch ein mal !" Wenn sie dann mit halbgeschlossenen Augen dalag, stieß er eine Fluth leidenschaftlicher Worte hervor, die selbst ihre durstigen Ohren zu befriedigen vermochten und nahm dann, so bald die Thüre hinter ihm in's Schloß fiel, feine Maschinenprobleme bei eben demselben Punkte wieder aus, wo er sie vor einer halben Stunde, als sie in's Zimmer getreten war, unter brochen hatte. Eines Tages richtete ein intimer Freund frei heraus die Frage an ihn, ob er aus Liebe ode? aus Eitelkeit sein Spiel triebe. Darauf antwortete der Mann nach langem Nachsinnen: Bei meiner Ehre, Jack, ich weiß es nicht." Wenn nun ein Mann Liebe zu einer Frau hegt, die sich nicht klar darüber werden kann, ob sie ihn liebt oder nicht, so nennen wir diese Complication eine Komödie; wenn aber die Frau es ernst meint, ist der Ausgang gewöhnlich ein tragischer. Sie fuhren fort sich zu sehen und zu lieben. ,Sie plauderten wie Leute in ihrer Lage zu plaudern pfle gen von dem schönen Leben, das sie führen könnten, wenn nur das Eine nicht' wäre; von dem Paradies auf Erben besser vielleicht Höllenpara dieS", das sie sich gegenseitig bereiten würden, wenn sie- nur das eine Recht hätten, das sie nicht hatten. In solchem Spiel der Einbildungs kraft verließ sich der Mann hauptsüch lich auf seine literarischen Fähigkeiten, die wirklich bedeutend waren, die Frau auf ihre Wünsche. - Daher besaßen die Bilder, die er entrollte, eine Grazie und Vollendung, die den ihren abging, aber ihre waren lebensprühender. Sie malte sie in der That so realistisch aus, daß sie ihr selbst wie Wirklichkeit erschiene, die ihrer wartete. Tann rüstete sie sich, davon Besitz zu ergreifen, und lief doch nur mit dem Kopf gegen das Etwas, das zwischen ihr und ihnen stand. Erst haßte sie dieses Etwas nur, bald aber trat ein häßlicher Hoffnungsglänz in ihre Augen. . Tie Zeit rückte, näher, zu der der andere Mann nach England 'zurück mußte. Ter Kanal war vollendet, und der Tag, an dem das Wasser f,ineine laffen werden sollte, festgesetzt. Ter Mann beschloß, das Ereignis; auch zu einem gesellschaftlichen zu'inctcfccn. , Er lud eine große jjaljl vvn Gästen dir, die dem Borgang beiwohnen sollten. l;ii.cr ihnen auch die Frau und ihren Gatten. Danach sollte sich die Gesellschaft z"

einem Picknick an "einem hübschen be valdeten Plätzchen, daS etwa dreiviertel feilen von der ersten Schleuse entfernt war, versammeln. Die Ceremonie des Wasserhinein laffenS sollte von der Frau, die ihres Gatten Stellung zu dieser Auszeichnung berechtigte ausgeführt werden. Zwi schen d.em Fluß und dem Kanalanfang war eine große Sandbank gelassen, die durch eine Röhrenleitung durchstochen war, und diese Röhrenleitung war durch eine feste Stahlplatte geschlossen. Die Frau zog an demHebel, der diese Platte zurück zog, und das Waffer stürzte durch und sing an, sich gegen das Gitterwerk der Schleuse zu drän gen. Als es eine gewisse Tiefe erreicht hatte, wurden die Schleusenbretter ge hoben, und das Wasser ergoß sich in das tiefe Becken vor der Schleuse. Es war eine besonders tiefe Schleuse. Die Gesellschaft sammelte sich rings herum und beobachtete das langsam steigende Waffer. Tie Frau sah hinun ter-uud schauderte; der Mann stand neben ihr. Wie tief das ist", sagte sie. Ja", antwortete er, es faßt dreißig Fuß Waffer, wenn es voll ist". Das Wasser stieg zollweise höher. Warum öffnen Sie nicht die Schleusenflügel und laffen es schnell hinein?" fragte sie. Es würde nicht gut sein, wenn es zu schnell hineinschöffe", erklärte er; wir werden das Schleusenbassin zur Hälfte füllen und dann die Schleusen

thüren am anderen Ende öffnen und so das Waffer durchfließen lassen." Tie Frau sah sich die blanken Steinwände und die mit Eisen beschla genen Schleusenthore an. Ich möchte wiffen, was ein Mensch thun würde." sagte sie, der da hinein fiele, wenn Niemand in der Nähe wäre, ihm zu helfen." Ter Mann lachte.' Ich glaube, er würde da unten bleiben," sagte er. Komm, die Anderen warten auf UNS." Er zögerte noch einen Augenblick, um den Arbeitern die letzten Anweifun gen zu geben. Ihr könnt nachkom men, wenn Alles in Ordnung ist," sagte er, und könnt Euch etwa zu es sen holen. Mehr als Einer braucht nicht hier zu bleiben." Tann holten ie die übrige Gesellschaft ein und chlenderten lachend und schwatzend wei er, dem Picnicplatz zu. Nach dem Frühstück brach die Ge sellschast, wie es bei PicnicParteien üblich, auf; man wanderte gruppen weise und zu Zweien. Ter Mann, den seine Pflichten als Wirth bisher ganz in Anspruch genommen hatten, sah sich nach der Frau um, aber sie war fort. Ein Freund schlenderte vorbei, der nämliche, der die Frage bezüglich Liebe und Eitelkeit an ihn gerichtet hatte. Hast Du Dich mit ihr gezankt?" fragte der Freund. Nein." erwiderte der Mann. Ich dachte," sagte der Andere. Ich bin ihr eben begegnet; sie ging mit ihrem Mann, von allen Männern auf der Welt mit ihm ganz allein, und sie that höchst liebenswürdig mit ihm." Ter Freund schlenderte langsam weiter, und der Mann setzte sich auf einen Baumstumpf und zündete sich eine Cigarre an. Er rauchte und sann nach, und die Cigarre war zu Ende und er saß noch immer da. Nach einer Weile hörte er ein leises Rascheln in den Zweigen hinter sich, und als er durch die Blätter sah, sah er die geduckte Gestalt der Frau durch den Wald kriechen. Seine Lippen öffneten sich, ihren Namen zu rufen, als sie den horchenden Kopf zu ihm hinwandte und sein Blick ihr voll in's Gesicht fiel. Irgend et was an ihr, er hätlenicht sagen können, was, machte ihn verstummen, und die Frau kroch weiter. Nach und nach nahmen die sein Hirn durchkreuzenden nebelhaft unkla ren Gedanken die Gestalt einer greif baren Idee an, und der Mann schritt, ohne daß er es merkte, vorwärts. Nach' dem 'er ein paar Schritte gegangen war, begann er plötzlich zu lausen, denn die Idee hatte Klarheit gewonnen. Sie wurde von Minute zu Minute kla rer, und der Mann rannte schneller und schneller, bis er zuletzt wie ein Toller auf die Schleuse zustürzte. Als er dicht davor war, sah er sich nach dem Arbeiter um, der dazusein hatte, aber der Mann hatte seinen Posten, im Stich gelassen. Er rief, aber wenn auch eine Antwort gegeben worden wäre, sie wäre in dem Rauschen des überstürzen den Wassers verklungen. Er erreichte den Rand und sah hin unter. Fünfzehn Fuß unter ihm spielte sich in Wirklichkeit die furchtbare Bision ab, die er eine Meile entfernt in den Wäldern gehabt hatte; der Mann der Frau schwamm rund herum wie eine Ratte in einem Regenfaß. Ter Fluß strömte gleich stark in das Schleusenbassin hinein und heraus, so daß die Oberfläche des Wassers gleich hoch blieb. TaS Erste, was der Mann that, war, die untere Schleuse zu schließen und dann die obere soweit es ging, zu öffnen. Tas Wasser sing an zu steigen. Können Sie sich noch halten?" rief er hinunter. Ter ertrinkende Mann wandte ihm ein Gesicht zu. dos von dem Todes kämpf und der Erschöpfung verzerrt war, und antwortete hauchend Nein." Er sah sich nach etwas um, was er ihm zuwerfen könnte. Am Morgen hatte ein Stück Holz dagelegen, er erinnertc sich, daß er darüber gestolpert war und sich beschwert hatte, daß es dort liegen geblieben wäre; jetzt ver fluchte er seinen Ordnungssinn. Etwa zweihundert Meter entfernt stand eine Hütte zum Gebrauch der Schiffslcute, die ihr Werkzeug dort aufbewahrten vielleicht war es dorthin getragen worden, vielleicht war da sogar ein Strick zu finden. ,,Nur einen Augenblick, alter Junge!"

. . . ... da." Aber der Andere hörte ihn nicht mehr. Sein schwaches Ringen hörte auf. Das Gesicht fiel auf das Wasser T": n w iw . rwtfr zurua, oie Augen waren oaio geicmoi sen in müder Apathie. ES blieb Jenem nichts übrig, als seine Reitstiefeln ab zuwerfeu, hineinzuspringen und den bewußtlosen Körper im Sinken zu fassen. Tort unten, in der vermauerten Falle, kämpste er einen langen Kampf mit dem Tode um das Leben, das zwi ichen ihm und der Frau stand. Er war kein besonders gewandter Schwimmer, seine Kleider hinderten ihn, er war von dem langen Laufen bereits ermattet, die Last in seinen Armen zog ihn hin unter, das Wasser stieg so langsam, daß seine Qualen Dante's Hölle wür dig erschienen. Zunächst konnte er nicht verstehen, wie es zuging, aber als er hinunter blickte, sah er zu seinem Entsetzen, daß er die unteren Schleusen nicht vollstän dig geschlossen hatte. Jede einzelne stand etwa acht oder zehn Zoll offen, so daß der Strom sast halb so schnell hin ausdrang als er hineinströmte. Es mußten noch einmal fünfundzwanzig Minuten vergehen bis das Wasser die nöthige Höhe erreicht hätte, daß er den Rand fassen könnte. Er betrachtete die Wasserlinie, die sich auf der blanken Steinmauer mar kirte, sah dann nach etwa zehn P?inu ten seiner Schätzung wieder hin und fand, daß eS um einen halben Zoll, wenn ja so viel gestiegen war. Ein oder zweimal rief er um Hilfe, aber die Anstrengung war zu groß für seinen bereits sehr schwachen Athem nnd seine Stimme tönte nur in hundertfältigem Echo von seinen Gefängnißmauern zurück. Zoll für Zoll schlich der feuchte Strich an der Mauer höher, aber mit seiner Kraft ging eS schneller abwärts. ES kam ihm vor, als ob sein Inneres zerrissen und langsam herausgezerrt würde; sein ganzer Körper lehnte sich gegen ihn auf und schrie: laß mich sinten und still auf dem Grunde ruhen. Schließlich that seine bewußtlose Bürde die Augen auf und starrte ihn verdutzt an und schloß sie dann wieder mit einem Seufzer; eine Minute später öffneten sie sich noch einmal und blickten ihn lange und scharf an. Lassen Sie mich los," sagte er, wir gehen sonst Beide unter. Sorgen Sie für sich selber." Er machte einen schwachen Versuch, sich loszumachen, aber der Andere hielt ihn fest. Halten Sie sich ruhig, Sie Narr!" zischte er ihm zu; entweder werden Sie mit mir gerettet, oder ich gehe mit Ihnen unter." So setzte sich der grimme Kampf schweigend fort, bis der Mann, als er aufblickte, den Stein ganz dicht über seinem Kops aufragen sah. Er machte einen waghalsigen Sprung, berührte ihn mit seinen Fingerspitzen, hielt sich einen Augenblick in der Schwebe und fiel dann mit einem PlumS zurück und sank. Kam zum zweiten Mal hoch und kraft des heftigen Schuffes beim Auf steigen faßte er den vorspringenden Stein diesmal mit allen Fingern und blieb hängen, bis seine Augen den Ra sen erblicken konnten, bis sie beide im Stande waren, das Ufer zu erklettern und dort zu liegen, die Brust auf der Erde, die Hände in den Sand ge lrampft, während das übertretende Was ser sie leise umspülte. Nach einer Weile standen sie auf und sahen sich an. Ein tüchtiges Stück Arbeit", sagte der andere Mann mit einer Wendung nach der Schleuse. Ja", erwiderte der Gatte, eine schauderhast dumme Geschichte, wenn man kein guter Schwimmer ist. Wie haben Sie eS erfahren, daß ich hinein gefallen war? Sie haben wohl meine Frau getroffen?" Ja", sagte der andere Mann. Ter Gatte saß da und starrte eine Weile auf einen Punkt am Horizont. Wissen Sie, was mich morgen be fchäftigt?" sagte er. Nein," sagte der andere Mann. Ob ich Sie umbringen sollte oder nicht?" Mir ist," fuhr er nach einer Weile fort, eine Menge albernes -Geschwätz zu Ohren gekommen, und ich war ein fältig genug, dem Glauben zu schenken. Ich weiß nun, daß eS nicht wahr war, weil na, wenn es sich so verhielte, hätten Sie nicht so gehandelt, wie Sie gehandelt haben." Er stand auf und trat auf ihn zu. Ich bitte Sie um Verzeihung," sagte er und reichte ihm die Hand hin. Ich bitte Sie um Verzeihung," sagte der andere Mann, stand auf und ergriff sie: wollen Sie so gut sein, mir bei den Schleusen behilflich zu sein?" Sie machten sich daran, die Echleufe wieder zu reguliren. Wie kam es denn, daß Sie hineinfielen?" fragte der andere Mann und zog das untere Schleusengitter in die Höhe, ohne aufzusehen. Ter Gatte zögerte, als ob ihm die Erklärung schwer würde. ' Ach," sagte er olcnhin, meine Frau und ich scherzten und sie sagte, sie hätte Sie ost drüberfort springen sehen und". er lächle mit einem ziemlich gezwungenen Lachen sie versprach mir einen -na, einen Kuß, wenn ich es fertig brächte. ES war thöricht von mir." Ja, das war eS," sagte der andere Mann. Einige Tage danach trafen sich der Mann und die Frau in einer Gesellschast. Er fand sie in einem schattigen Winkel des Gartens, wo sie mit ein paar Freunden plauderte. Sie ging ihm entgegen und reichte ihm ihre Hand. .Was kann ich mehr sagen, als Ihnen danken?" sagte sie mit leiser Stimme. Die Andern entfernten sich und sie blieben allein. Ich habe gehört, daß

rief er hinunter, ich bin gleich wieder I

Tu Dein Leben auf'S Spiel gesetzt hast, um ihn zu retten?" sagte sie.

Ja," war feme Antwort. Sie sah zu ihm auf und schlug ihn dann mit der bloßen Hand in's Gesicht. Wahnwitziger Narr, Sie!" zischelte sie. Er hielt ihre weisen Arme fest und zwang sie hinter die Orangenbäume zurück. Wissen Sie warum?" sagte er und sprach langsam und deutlich; weil ich fürchtete, da(j, wenn er todt wäre. Sie verlangten, daß ich Sie heirathcte und weil in Anbetracht des Geschwätzes, das über uns umgeht, ich es schwer hätte vermeiden können; weil ich fürch tete, daß, wenn er nicht mehr zwischen uns stände, Sie mir lästig werden könnten vielleicht zwischen mich und das Weib treten würden, das ich liebe, sie, zu der ich jetzt zurückkehre. Ver stehen Sie mich nun?" Ja," sagte die Frau, und er ging. Aber eS gibt nur zwei Menschen auf der Welt,- so schloß Jephson, die eS nicht für außerordentlich edel' und selbstlos halten, daß er dem Gatten das Leben gerettet hat, uxd die sind er selbst und die Frau." Wörtlich genommen Er war Bäckermeister und zwar einer von der allerbesten Art. Er vertheuerte das Brod wahrhaftig nicht! So große Schrippen, wie bei ihm, gab es im gesummten Stadtviertel nicht wieder und seine Brezeln waren wegen ihrer Fettleibigkeit geradezu berühmt. Das hatte aber alles seinen natürlichen Grund. Er bezahlte nämlich weder seine Butter, noch auch sein Mehl, und wenn die Lieferanten dann zuletzt wirklich einmal klagbar wurden, 'so war er fchon stets anderswohin verzogen. hatte seine Bäckerei günstig verkauft, das Geld eingesteckt und war unvfändbar geworden. . Was Mehlodrama fand somit immer einen guten Abschluß, für ihn selbst wenigstens, und die Butterhändler waren eben einfach angeschmiert, wie das der Beruf mit einem so fettigen Artikel ja eben mit sich bringt. In großen Städten sind derartige Vorkommnissebekanntlich nickts Ungewöhnliches. Leider, sagen, die ehrlichen Leute, kaufen die großenSchrippen aber doch gerne. Indessen, er hätte die Schrippen am liebsten noch viel, viel größer gemacht, denn auf desto mehr Absatz konnte er ja rechnen, wenn nur das Holz, das verflixte Holz nicht so theuer gewesen wäre. Auf diesen Artikel gibt es nämlich keinen Kredit. Lange sann und grübelte er, wie diesem Uebel wohl abzuhelfen fei und schließlich war sein Entschluß gefaßt: Als er nämlich mal wieder seine Bäckerei verkauft hatte, da miethete er sich eine neue in dem Hause eines Holzhändlers selbst, der einen kolossalen Vorrath von diesem unentbehrlichen Artikel auf seinem Hofe aufgestapelt hatte. - Nachdem also der Mietkontrakt mit Postnumerando-Miethe fein säu berlich aufgesetzt und von beiden Seiten unterschrieben war, sprach der liebenswürdige Hauswirth zu ihm: Nicht wahr, mein Lieber, und dann nehmen Sie doch auch immer Ihr Holz von mir?" Selbstverständlich, selbst verständlich, können ganz sicher darauf rechnen!" erwiderte er mit biederem Handschlag. Und so that er denn auch. All nächtlich, wenn schon alles im süßesten Schlummer lag und der Brave allein wachte, um seinem schweren Backberufe nachzugehen, begab er sich immer erst zuvor auf den Hof hinaus und packte von den schönen, großen Holzkloben so viel er nur immer fassen konnte, um seinen Kunden damit die riesigen Schrippen herzustellen, ein Wohlthäter der Menschheit, bis na, bis er endlich dabei gefaßt wurde. Aber, was machen Sie denn da? Sie nehmen ja von meinem Holz!" Na gewiß, das haben wir ja verabredet!" Hm! Allerdings! Aber ohne jede Bezahlung?" Haben wir davon vielleicht etwas abgemacht?" nphoriömcn. Von A. Stier. Aus neuem Stoff für die neue Zeit Wirket der Kunst ein neues Kleid. Nach neuem Schnitt, auf neue Art! Doch Echtheit ihm und Schönheit wahrt; Bedenkt, daß jedem Volk und Land Das Kleid der Kunst ein Festgewand! Ein Licht, das mächtig strahlt und hell. Es blendet schwache Augen schnell; Weshalb auch großer Meister Sünden Anbeter und Nachahmer finden. Aha ! Köchin: Gnädige Fr2u, ich mußte wioderkommen. um Ihren zu sagen, daß ich die Welle bei Ihnen, doch nichi annehmen ten " Gnädige: So! Und wamm nicht?" Köchin: Ach, in, der Stadt, wohin Sie versetzt sind, würde ich mich zu Tode fürchten! die ist ja nicht 'mal militärisch bescht!" Ja dann! Kläger,-Sie sinld von dem Angeklagten Q.N der Ehre gekräuikt sick Sie gewillt, einen Vergleich einzugehen-?" Nicht arm die Welt!" Er ist aber erbötig, ein Opfer zu bringen!" No wenn er an Schaiaps zahlt " Passend. Der Nazi ist soeben vom Haustnechä des Erzengel Michael" an die frische Luft befördert wovden. ' Als er aus 'der Straße im Schnee liegt, 'hält er folgenden Monolog: Die Wirthschaft Hot an rechten passenden Namen! Der Wirth und sei Hausknecht sind a poar recht erzzrobe M'el und seine Gäst' lehrt cr's Fliag' wia V EnalT ;

Alte Vomödienzetlel. ) Einen interessanten Beitrag zu, Ee

schichte des deutschen Schauspisls im achtzehnten Jahrhundert bildet eine in der Vraunschwciger Stadtbibliothek be nndliche Sammlung alter Komö dienzettel, von denen viele ol$ als einzig noch erhaltene bezeichnet wer den können. Theils gehören sie der Zeit des Stegreifspiels an, wo der spä ter durch Lessing im Verein mit der Schauspielerpnnzipalin Karoltne Neu ber vertriebene Hanswurst die Bühne noch beherrschte. Ter älteste Zettel der Sammlung stammt aus dem Jahre 1710. blautet: Heute Mittwoch den 12. August Werden mit hoher Genehmigung deChurfürstlich Braunschweig - Lünebur gischen Hof-Comödianten (Hannover) denen hohen Liebhabern von Theater aktioncn mit einer admirabeln Haupt comödie unterthanigst aufwarten, und. wird dieselbe von uns betietelt , Die vorsichtige Tollheit" ; oder ' Arlequin der übel informierte Briefträger." Nach geendigter Hauptaktion soll jedesmal eine lustige Nachcomödie den Beschluß machen, genannt: Arlequin das lächerliche und possirliche Frauen zimmer". Ter Schauplatz ist auf dem Neuen StadtRathhause, und wird präcis um 3 Uhr angefangen." Der Zweitälteste Zettel ist vom 18. September 1722. Er kündigt die Vorstellung wie folgt an: Stama", oder die in einen Marmor verliebte Prinzessin Adamira". nebst einem Prolog, wurde in einer Komödie den Hoch, und Wohledeln, Besten, Hochwohlwerthen Herren Bürgermeistern und Rah der berübmten Kauf und Handelsstadt Vraunschweig, unsern hochgebietenden. Großgünstigen Herrett, vor alle empfangene Gunst und Ena denbezeugunä von den allhier anwesen den Hochfürstlich Sächsisch Hildburg hausenschen Hof-Comödianten zu schul digster Danksagung in Untertänigkeit deoicirt und präsentirt und wird heute zum letzten Male wiederholt." Am 26. August 1739 kündigten die Königlich Pohlnischen und (Churfürst, lich Sächsischen Hofcomödianten die Hauptcomödie Tie durch Scapin als einen listigen Heirathsstifter betrogene Alte", nebst einer lustigen Nachkomodie an. Ter Schauplatz war das im Weg nerschen Kaffeehause befindliche Theater. Der Eintrittspreis betrug für Parterre 4 iÄgr. Einen bedeutenden Fortschritt in der Entwicklung des regelmäßigen Dramas zeigen die Zettel des Schauspieldirektors Schuch, der mit seiner Gesellschaft 1769 nach Braunschweig kam. Ter am 9. Januar ausgegebene Zettel kündigt die Aufführung eineS von dem berühmten Herrn Weiße in Leipzig verfertigten und in allen Orten mit dem größten Beifall aufgenommen nen Trauerspiels Crispus" in Versen und fünf Auszügen an. Ten Beschluß macht die Operette Fräulein Ueberklug und Herr Gleich zu". Musik von Herrn Frisch." Am 4. Februar folgt die Aufführung von. Holbergs Politischem Kannengießer" aus dem Dänischen übersetzt von Del hardy. Interessant ist der Zettel vom 20. März 1769, an welchem Tage Les sings Minna von Barnhelm" von der Ackermann'schen Gesellschaft zum ersten Male in Braunschweig aufgeführt wurde. Eckhof spielte den Tellhcim. ! Charlotte Ackermann die Minna, Acker mann den Wachtmeister. Borchers den, Wirth und der große Schröder, Acker mann's Stiefsohn, den Just. Aus den Jahren 177073, wo Karl. Theophilus Többelin in Vraunschweig. spielte und bekanntlich am 13. März. 1772 Leffings Emilia Galotti" zum ersten Male in Szene ging, liegt auch ' ein Zettel vor, der die Ausführung von Weißes Romeo und Juiia" mit fol gender Bemerkung ankündigt: TiefesTrauerspiel ist ohne Zweifel eines der rührendsten, die auf der Bühne erschie nen sind, und übertrifft an Rcgelmä ßigkeit alle einzelnen Theile des ähnli chen Trauerspiels des englischen Dich ters Shakespeare bei weitem." Man sieht, wie wenig Shakespeare den Teut schen damals noch bekannt war, daß man sein Drama mit dem des 1804 in Leipzig als OberSteuersekretär gestorbenen fruchtbaren Vcrfaffer? der ersten deutschen Oper Die Jagd" und des Kinderfreundes" vergleichen konnte. Auf Umwegen. Mann: Weißt Du, was ich -neulich gelesen habe, liebe Frau? Die Kraft, -die ein gewöhnlichcr Mensch lira einem Jahre aufwendet um die Gebrauchsgegenstände des Lebens mit den Händen aufzuheben, würde zusammengenommen hinreichen, um tmat Eisenbahnzug mit. sechs Waggons 1000 Kilometer wei) zu ziehen welche Kraftvergeudung ist es also von Dir, wenn. Du jeden Abend, sobald ich heimkomme, fcen Stiefelknecht nach mir schleuderst?" Gipfel der Trägheit. Weißt Du. Florian." fagt der Tischlermeister zu seinem Gesellen, mit. Dir bin ich sehr unzufrieden. Du bist ja die Trägheit selbst." Ach. Meister," meint Florian, nichts kann ich Ihnen recht machen, ich wollte, ich wäre todt." Ja. das glaub' ich Dir," versetzt der Meiste, das könnte Dir so passen! In dem bequemen Sarge liegen und nichts thun!" Der Ochsenwirth. Meine. Herren, Sie nennen mich immer Herr Hauptwann, weil ich Hauptmann derhiesigen Schützengilde bin. Meine Herren, wenn ich vor meiner Compagnie stehe, bin ich der Herr Hauptmann, aber wenn ich Sie bediene, bin ich nur der Ochsenwirth. Ein vcrlässiges Mädchen. H.iusfru: Sie müssen, aber auch die Kin.dcr licb:n." Diestm'ädchen: O, in d:r Liebe kann man sich auf mich verlasse.-" ... ... .

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