Indiana Tribüne, Volume 19, Number 128, Indianapolis, Marion County, 26 January 1896 — Page 2
Mutter und Kind.
Von Hossmanil von Fallerslcbea. ' , Was ein ÄtrOeifeelc Aus jedem Blick verspnchk, So reich ist 'doch an Hoffnung - Em ganzer Frühltn-g licht. , Wie uns den. Frühling kündet Em Veilchen. schcn im März, 'So ward bein Eicö cito Frühlwc; Für d!ch. o Muiterhcrz. i 5s wind zu? Nose we?den In, Zucht un'd SÄsc?mkert, Und dir erneu'i? auf Erden Wie e;arte Frühlingszeit. Japanische Voldfädcn. Von den japanischen Goldfäden wissen unsere Dirnen noch viel zu wenig, um sich dieses vorzüglichen Stickmaterials zu bedienen. Wer die japanischen Stickereien mustert, findet, daß neben den in Plattstich aufgetragenen, mild leuchtenden Seidenfäden auch von Goldfäden reicher Gebrauch gemacht ist. Und diese Goldfäden zeichnen sich dadurch aus, da& sie einen ungemein bescheidenen Glanz besitzen und sich harmonisch der farbigen Composition einfügen. Besonders umfangreicher Gebrauch ist von diesen Goldfäden bei den großen, mehrteiligen Wandschirmen gemacht worden, die schon seit geraumer Zeit in Meng? nach allen Ländern exportirt werden und überall willkommene Aufnahme finden, weil sie sich in hohem Maße zur Zimmerdecoration eignen. Flott und breit sind idiese Stickereien ausgeführt, und zwar ganz in 'der ungemein ansprechenden naturalistischen Auffassung,' welche die japanische Kunst auZzeichnet. Bunt schimmernde Hähne, die in der Nähe einer Bambus staude im Kampfe begriffen sind, blühende Pfirsich-, Aepfel- oder Kirschbäume mit langbeinigen Wasservögeln und in den Wolseit mit eilig dahinziehenden Wildgänsen, das sind die gewöhnlichen, mit feinstem Reiz vorgetragenen Motive, welche die Sticker nach den getuschten Vorlagen der Maler mit emsigem Fleiß auf den im Stickrahmen ausgespannten Seidengrund hinzaubern. Die zur Verwendung kommenden Goldfäden sind nun keine solchen, wie sie meist unsere Damen zu benutzen pflegen. Diese Fäden bestehen aus einem dünnen Metalldrath, der um 'die Seele spiralförmig gewickelt ist, der japanische Faden hingegen aus einer Seele von Seide oder Baumwolle, um welche spiralförmig ein auf der Oberfläche vergoldeter Papierstreifen, dessen Breite etwa- den vierzigsten Theil eines Zolles beträgt, gewickelt ist. Dieses Papier, gefertigt aus der Rinde des Maulbeerbaumes, ist ungemein zähe, weich und schmiegsam. Die echte Vergoldung haftet an dem Papi:r derrt fest, daß sie nicht mehr zu cntfernen ist. Wird unser Metallfaden mit der Zeit , schwarz und unansehnlich, während er zuvor einen stechenden Glanz befaß, so bleibt der japanische rnildleuchiende Goldfaden immer unträndert. Große Flächen lassen sich ?Nit ihm vortrefflich decken, da ihm das Harte und Bretternc unseres MetallGoldfadens abgeht. Durch Ueberfangstiche in rothen ode? grünen Fäitn, mit denen er auf dem Grunde festgehalten wird, verleihen die japanischen Nadelkünstler einer solchen Goldstickerei noch erhöhten malerischen Reiz. Wenn xuch in größeren Stickerei-Ateliers der japanische Goldfaden bei Fahnen und 'Paramenten hin und nn&:r bereits Verwendung gefunden hat, so ist er in der häuslichen Stickerei doch n?ch wenig in Aufnahme gekommen. Und doch verdient dieses leicht zu bchandelnde, ungemein geeignete Material die weitgehendste Beachtung. Daß die Fäden in verschiedenen Äoldtönungen und Stärken zu haben sind, bedarf wohlkaum eines HinweiseZ. Wie Lähe übrigens das Papier ist, nrag daraus hervorgehen, daß es in japanischen Vrokatgeweben vielfach als Einschlag verwendet wird. Einen ausge zeichneten Goldfaden besän ubngenZ auch, wie -noch hervorgehoben werden mag, dk rnittelalterliche Bildstickerei. Alte Paramenten die sich wie zum Beispiel jene in der Marienkirche zu Danzig bis auf unsere Tage erhalten haben. weisen -noch solche Goldfäden aus. Anscheinend sind die dünnen Fäden, mt wie leder Seidenfaden rni der Na'del in das Gewebe des Grunoes r)ineingeführt werden tonnen, aus den Ivarmhäutchen "der Schlachtthiere ge'schnitten und ulsdann.mtt Vergoldung versehen worinn. Der Triu mvch der Zelt. "Dame: Ich bin mit Ihrer Arbert lehr unzufnerirn. Äor sechs Monater 1ä ich meinen Papagei e:st ausstopsen lassen, nd i?kt gehen ihm schou die federn aus Äogelstopfrr: Ja. gnade Frau, d2s tu eben ! er 'Triumph unserer Kunst; ich babe im 'Ausswofen von Vögeln eine ss große Fertiget, daß diefelö.'n mausern, als venn 'fc lebendig wären!" Blick in die Zukunft. Arme Wittwe: Ich bin eine arme Wittwe mit acht kleinen AtYc::::, ttnen Sie mir nicht ein paar ac.eg!e Kleider gebe:: Dame: DasEwzige, was ich Jbn:n geb könnte, itäxe ein Paar al''? Hosen n:?:ne Mannt s Wittwe: Geben Sie. geben Siel Ich möchte mich wieder oerheirathcn, ich kenne ein paar Gentlemen, die hinier mir her sind." Vorsicht ist die Mutter der Weisheit. Wenn ich nur mühte, was ich meinem Manne zum Geburtsrag bescheere?" Schenken Sie ihm doch einen Kanarienhahn Nicht wahr, daß er sich von dem auch noch's SchisH svöZnt?l
Zolo siir Tromba in 15". Hi:m?rcöke ton Franz Kurz-Elsheiu
Ich kann keine Trompeten hören, ja. ich könnte aus der Haut fahren, wenn oft auf dem Dorfe die reisenden Musikanten Schnurranten bezeichnet sie der Volksmund ihre lustig sein sollenden Weisen aufspielen. Gar nicht begreifen kann ich, wie andere Leute das schön finden, wie dieselben sogar aus ihren Häusern herauskommen und danach auf offener Straße tanzen können. Da höre ich lieber von einer Drehorgel Im Grunewald ist Holzauktion" oder Tararabumdiä" spielen; da sitzt doch noch Klang und Musik drin. Aber eine Trompete? Ich weiß nicht, woher meine Antipatbie kam. Es kann sein, daß meine Mutter keine Lust hatte, Trompete zu erlernen und ich diesen Haß mit der Muttermilch eingefogen. Es kann sein, daß na, wie gesagt, ich weiß es nicht. Und es thut auch nichts zur Sache, das überhaupt nicht zu wissen. Aber einmal hat mir meine Antipathie einen Streich gespielt, den ich mein ganzes Leben nicht vergessen werde, zumal mich meine Frau immer daran erinnert. Denn diese Doch ich will nicht vorgreifen. Ich war vor mehreren Jahren als Redacteur einer Zeitung in D. angestellt, hatte mein gutes Auskommen, lebte dabei in der Hoffnung einen reichen Onkel beerben zu können, (was merkwürdiger Weise auch geschah), stand im sechsundzwanzlgsten Jahre und war bis über die Ohren verliebt in die Tochter des reichen Kaufmanns Hähnel. Kurz und gut, als ich eines Morgens mein Ebenbild im Spieael tesah, reifte in mir der Entschluß: Diese Tochter des reichen Kaufmanns Hähnel, die gewöhnliche Menschen Rosa zu nennen wagen, wird Deine Frau. Du hältst noch heute um ihre Hand an, denn ihrer Gegenliebe bist Du mehr als genuq versichert worden iu. s. w." Nun, ich setze voraus, daß . j tt r c - r oic oereyrnazen ejer uno ezerinnen auch schon verliebt waren. Und drei Monate später war Ros mein liebes Weib und wir lebten zusammen wie Adam und Eva im Paradiese, bevor sie den bewußten Apfel gegessen hatten. Aber im Paradiese gab es auch noch keine Trompeten. Und da es heute solche Marterwerkzeuge giebt, war mein Glück von nicht allzulange? Dauer. - Die Familie meiner Frau ist sehr Musikalisch. Jedes Kind spiel ein Instrument. Auch Röschen hatte sich mir oft als tüchtige Künstlerin auf dem Piano gezeigt. Ich hatte ihr gleich von Anfang unserer Bekanntschaft an erklärt, daß ich keine Trompete hören könne. Run hing im Musikzimmer meines Schwiegervaters ein solches Ding. Auf meine Frage, wer das spielte, erhielt ich von meiner damattgFn Braut die Antwort: Eine Freundin von mir." Na, ich war verliebt. Und Berliebte glauben eben Alles. In der Stadt rüstete sich die Musitallsche Welt zu einem großen Concert U war wohl etwa ein Bierteljährchen jiafr meiner Hochzeit. Der Erlös Lollte einem wohlthätigen Zwecke dienen. In unserer Zeitung war schon .'großartige Reclame gemacht worden irnd ich hatte überhaupt das Möglichste gethan, was eben bei solchen Anlässen von einem verantwortlichen Redacteur verlangt werden kann. ! Meine Frau hatte man sogar in's .Comite gewählt. So kam es, daß dieselbe häüsig des Abends hinaus mußte und mich allein ließ, was mir als junpen Ehemann gar nicht so besonders 'behagen wollte. Man 'denke sich aber .einmal selbst in meine Situation hin.ein. Da komme ich Abends müde und -hungrig nach Haus, in der Erwartung von einem liebeglühenden Weibchen empfangen zu werden. Bor Allem ist 'die Thür verschlossen und endlich öffnet mix auf mein Klingeln unser DienstMädchen, welches über und übn roth ist. Die Farbe war mir schon verdächiig. Auf die Frage, wo sich meine Frau befindet, erhalte ich zur Antwort: In der Wvhlthätigkeitscomitesitzung.Dem folgt ein gedehntes: A so?" meinerseits. Nun trete ich in's Wohnzimmer. Der Ofen ist aus und draußm fünf Grad unter Null. Mißmurhig .werfe ich mich auf's Sopha, zünde mine Pfeife an und befehle dem Mädjchm Feuer anzumachen. Sie läuft schnell zus Küche und ich vermeine, durch die Stille des Hauses ein lautes Schmatzen zu hören, als ob sich zwei Lippenpaare aufeinander preßten. Es ist meine Sache nicht, an Gespenster zu glauben. Und so habe ich denn über das Schmatzen .meine eigenen Gedlinten. Endlich wird das Zimme? in etwa durch die lustig aufflackernden Flammen erwärmt und ich träume und verwünsche im Stillen die garzen Eomitemitalieder. Und so dusele' ich üllmälig ein. Das soll nun cxi Horgmondlebn: sein. Aber eines Abends wurde mir die Geschichte 'doch zu bunt. Als mir' das Dienstmädchen wieder den Bescheid gab, meine Frau sei in der Comitesitzung, warf ich kurz rntschÄssen die Thüre hinter mir in's Schloß, schlug meinen Kragen auf (es schneite nämlich, daß man schwarz werden konnte vor Aerger) und machte mich auf den Weg zu 'dem Hause, in dem die Sitzunaen stattfanden. Es wir Licht in dem Saale sonst der Alle still und ich wunderte mich schon, daß es ss ruhig hergehen konnte, da doch Frauen dabei waren, machte mir jedoch weite? keine Gedanken und tvartete eine, wartete zwei Stunde vor dem Haus? in dem cölcheulichen Wetter. Endlich klw-
gelte ich und srug da mir öffnende Dienstmädchen, ob denn die Sitzung noch nicht zu Ende sei. Dieses schaute mich groß an und schien mich nicht zu verstehen. Darauf zuckte sie die Achseln. Ich kenne dergleichen Manöver zu gut, um nicht zu wissen, daß dieselben sehr leicht durch ein Markstück wirkungslos gemacht werden können. So war's auch hier und ich erfuhr, daß heute keine Sitzung gewesen, daß sie aber von meiner Frau dressirt" worden sei, zu sagen, falls einmal einer käme, die Sitzung sei abgesagt worden. Sie sei nur eben zu ihren Eltern gesprungen. Für diesen Dienst habe sie drei Mark bekommen. Ich verstand diesen Wink mit dem Lilienstengel, wie Frau Vuchholz sich ausdrückt, nd legte in ihre schön: Rechte noch ein Thalerstück. Dann aber rannte ich. wüthend über 'solche Heimlichthuerei, zu meinen Schwiegereltcrn. ... Dort war wieder nichts von meiner Frau zu sehen. Auch war dieselbe heute noch gar nicht dagewesen. Ohne Abschiedsgruß stürzte ich wieder zum Hause hinaus und rannte in den Straßen umher. Ich weiß nicht ich bin sonst nicht eifersüchtig. Aber die Sache regte mich doch auf Da ist etwas faul im Staate Dänemark Plötzlich tauchten in dem weißen Schneegewirbel zwei Schatten vor mir auf. Jetzt werden dieselben deutlicher und jetzt erkenne ich in dem einen meine Frau und in dem anderen einen jungen Musiker, der erst kürzlich in unsere Stadt gezogen war. Als sie mich erblickte, schien sie erschrocken, faßte sich aber dann doch wieder schnell und sagte zu ihrem Bealeitcr: So machen wir's also. Nicht?". Darauf reichte sie ihm flüchtig ihre Rechte und hing sich in meinen Arm. ' Ich sagte nichts, sondern führte sie ruhig nach Hause. Dort aber begann das Verhör. Sie warf sich auf's Sopha und ich setzte mich ihr gegenüber. Hat die Sitzung lange gedauert?" ' Sie mußte wohl Lunte gerochen haben, denn sie entgegnete: Dieselbe siel aus." Schön. Welchen Zweck hast Du denn, mir dasselbe zu verheimlichen?" Ich verheimliche Dir das doch nicht." So? Weshalb giest Du 'denn dem Dienstmädchen irei Mark, um mich irreführen zu lassen?" Haha, hat sie es Dir doch gesagt? Das ist ja reizend. Und wieviel bast Du ihr gegeben, damit sie den Mund aufthat?" Ich mußte lachen. Sie aber fuhr fort: Ich will Dir etwas sagen. Du bist eifersüchtig, im höchsten Grade eifersüchtig. Es ist mit Dir gar nicht auszuhalten. Ich soll keinen Schritt allein vor die Thüre setzen dürfen." Oho, wer verbietet Dir denn das?" Du Du und nochmals Du! O, was habe ich für einen abscheulichen Mann." Dabei begann sie zu schluchzen, dann kamen die Thränen. Und ich stand auf. gab ihr alle möglichen und unmöglichen Schmeichelnamen, versprach ihr sogar einen mutn Hut, und als 'das auch nichts half, ein neues Kostüm. Erst da beruhigte sie sich und sagte nichts mehr. Ich dito . . . Wenn einer verheirathet ist, wird derselbe mich nicht verdammen. Aber die Eifersucht hatte einmal Fuß gefaßi. t - r i r.r"jcis. ,
uno III) vlieo 1,0 lange elserulig, ois O unglückseliges Trompetenspiel!" könnte ich, meinen College Schiller parodirend, ausrufen. Es war 14 Tage später. Der Sor.ntag, das großartige Wohlthätig-keits.-oncert war herangekommen. Ich saß Nachmittags mißmuthig in meincm Lehnstuhl und schaute den wieder bunt durcheinander wirbelnderkSchneeflocken zu. Mein Frauchen war schon Weg. Wie gewöhnlich. Denn die Vorbereitungen die zum heutigen Abend noch nöthig waren, hatten sie wieder von meiner Seite gerissen und mich für einen halben Tag zum Strohwittwer gemacht. Sie hatte mich eingeladen, doch ja nicht den Besuch des Concerts zu versäumen, um dann morgen eine großartige Kritik in der Zeitung loszulassen. Welche Vorstellung doch die Frauen von einem Redacteur haben? , Sie , hatte mir mindestens hundertmal das Programm vorgelesen, ohne daß ich ein einziges Mal darauf geachtet hätte. Noch war ich unschlüssig und gerade zeht dachte ich darüber nach: Soll ich oder soll ich nicht? Ich sah schon vor meinen Augen 'das Podium. Was das oben für ein Toilettengewühl werden wird? Dann sah ich das Publikum. Die Oberhäupter der Stadt mit ihren Frauen und Töchtern paradirten in erste? Reihe. Dort bemerkte ich tlz kokettes Lächeln, das schelmisch i,urch den Fächer wieder verdeckt werden soll. Dort liebäugelt ein Lieutenant mit 'einer Bankierstochter. Ach, dorj sitzt auch der Professor der edlen Musika und wiegt bedenklich sein Haupt und neben ihm sitzt mein Redactionsmitglicd, das die musikalischen Kritiken schreibt, ein Leines, lebhaftes Männchen, tas eben wieder im Bezriffe ist, dem Herrn Professor zu beweifen, daß das und das Lied von dem und dem Komponisten nur so und nicht anders componirt werden konnte. Ich muß doch einmal das Programm duichlesen. Zuerst die Jubelouverture, dann Gesangsvorträge, dann Ich schaudere Tolle Streiche. Solo für Tromba in II" von E. Waldteufel. Das gab den Ausschlag. Ich gehe nich! hin. trotzdem meine 'Frau im Comite ist und jedenfalls heute Abend ei.ie Hauptrolle spielen wird, da sie so.
. gar unter den Solisten und Solistinnen qenannt war. Jedenfalls spielt sie km Faustwalzer von Lißt, der auch auf dem Programm stand. . . .Und ich versinke wieder in meine Träumereien. Hinter . 'den beiden Streitenden sitzt mein Schwiegervater und unterhält sich gnädig mit seinem Procuristen. Ich sehe noch andere. manche mir wohlbekannte Gewalten. Doch steige ich jetzt auf d?e Gallerie. Lebhaftes Gemurmel auch da oben. Dort schimpft ingrimmig einer, dem der Dränger auf die Füße getreten. Jedenfalls hatte er Hühneraugen und noch nicht Wasmuth's Hühneraugenringe in der Uhr angewandt, die ja, der Ncclame nach wenigstens zu urtheilen, so vortrefflich sein sollen. Dort bekundete einer sein musikalisches Verständinß. indem er leise vor sich hin die .Holzauktion" pfiff. So dachle ich mir den Zuschauerräum. Hatte ich ihn doch unzählige Male schon selbst so gesehen Herein!" rief ich halb unwillig, denn ein starkes Klopfen hatte mich aus meinen Träumereien aufgeschreckt. Die Dämmerung sank schon hernieder. Es war so wohlig warm und ich ärgerte mich thatsächlich, daß ich so plötzlich qestört wurde. Äh, guten Abend, Franz," ertönte nun vom Eingange her eine Stimme. Guten Abend," echoten noch drei andere. Ich schaute mich nach den Störenfrieden um. Es waren vier meiner Bekannten und muß ich nun wohl dieselben meinen Lesern vorstellen, da dieselben nämlich fernerhin keine unwichtige Rolle spielen werden. Da ist zuerst der Herr Bruno Blonden, ein Junggeselle von 40 Jahren, WeiberHasser en gros mit rundem Bäuchlein und großer Glatze, dann folgt Fritz Broichs, junger Ehemann von 23 Jahren, der aber stets nach dem Ausspruch handelt: Wer seine Frau liebt, läßt sie zu Hause. Nach ihm kommt Karl Busch, ein Musiker, wie man sie selten findet, ver nur das Pech hatte, stets verkannt zu werden, und endlich, Kurt Wienand. ein zukünftiger Rentier und Beschützer der edlen Kunst, insofern dieselbe von Künstlerinnen ausgeübt wird. Diese vier also hatten mich aus meinen Träumen aufgerüttelt und zwangen mich, mein Heim zu verlassen und ihnen in eine fröhliche Kneipgesellschaft zu folgen, ho ich eine Menge Ehemänner antraf, die sonst nicht leicht auszugehen pflegen. Wie ich bald vernahm, 'waren alle ihre Frauen im Wohlthätigkeitsroncert ... So hatte dasselbe also eine doppelt gute Seite. Die Stimmung war eine sehr animirte. eine Rede folgte der andern. ein Geistesblitz entzündete einen Zweiten, der Wein war ausgezeichnet; kurz und gut, als ich Aegen 7 Uhr mit den Obengenannten Las Local verließ, konnte ich mit eigenen Augen die Entdeckung machen, daß die Erde sich drehte. Plötzlich tönte uns aus einem großen Hause ein volles Chorlied cntgegen. Wir blieben wie auf Commando stehen und schauten nach den hellerleuchteten Fenstern. Wir standen vor dem Concerthause. Du Bruno," rief Karl, hier gehen wir hinein." Karl, Du hast Recht." entgegnete ihm Kurt, und sich an mich wendend, frug er: Franz. gehst Du mit?" Mir tönten schon die Trompeten im Ohr und so sagte ich denn, daß ich lieber auf sie wart: wolle. Du bist ein Musikfeind," predigte nun Karl, weißt Du denn nicht, daß der überhaupt kein guter Mensch ist, der die Musik scheut?" Ach. höre auf. Ich scheue die Muslk gar nicht. Ich vermag nur nicht dem Schalle einer Trompete zu widerstehen Na. bleib hier, wir gehen hinein." Ich erwarte Euch in der Restauration hinten an der Ecke." Gut. Bis nachher." ' Und Arm m Arm schob das vierblättrige Kleeblatt hinein, während ich mich in der Restauration an einer Flasche Selters erlabte. Ich mag wohl eine Viertelstunde so gesessen, haben und ahnte nichts Schlimmes, als plötzlich die Thür aufging und meine Freunde hereinstürzten. Aber wie sahen sie aus! Dem Einen war der Cylinder eingetrieben, dem Andern hing der Rockzipfel herunter, dem Dritten blutete die Nase Nur der Vierte konnte mir auf meine bestürzten Fragen Bescheid thun. Sie waren etwas unruhia eingetreten, gerade als eine Dame ein Trompetensolo blies, (Gott sei Dank, daß ich nicht dabei war. Eine Dame und ein Trompetensolo?) und hatten sich schon deshalb verschiedene Zwischenruse zugezogen. Dadurch erbntert, zischten sie die Solistin aus. In Folge dessen gab es einen Aufruhr einige Erhitzte versuchten, sie hinaus zubesordern, ein Wort gab das andere, ein allgemeiner Tumult brach los und meine vier Freunde flogen auf die Straße ... Die verwünschte Trompetenbläserin," rief einer. Sie kc;m mir so öekannt vor. Ich meine, ich hätte sie schon mit Dir gesehen Mit mir?" Ich zuckte die Achseln. Das kann nicht dabei bleiben," wüthete Karl. Ich habe sowieso einen Zorn auf das Comite, das meine Festcantate als unausführbar zurückgewiesen!" Dabei machte er Miene, sich an das in der Wirthsstube stehende Klavier zu setzen und uns dieselbe vorzuspielen. Franz, strenge Dein ersindungsreiches Gehirn an und entwerfe einen Racheplan." Jeder stürmte auf mich ein, und um sie los zu werden, schlug ich ihnen vor, am Ende des Concertes der Solistin den Wagen auszuspannen, ihn im
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'Hurrah kurch den Schnee zu ziehen, wie es schon begeisterte Verehrer gethan haben und dann denselben mit der Solistin vor den Stadtthoren stehen zu lassen, um selbst schleunigst zu verduften. Was' die Männer abscheulich sein können. Weshalb mußte dieselbe crber auch gerade Trompete blasen. Ich wette, kochen kann sie nicht. Mein Vorschlag fand begeisterte Annähme. Franz. Du bist auch dabei. Ich hole noch einige, die uns helfen." Und nach einer halben Stunde karteten mindestens ein Dutzend Glühende Musikenthusiasten" auf die Dame. Das Concert war zu Ende. Die Leute strömten heraus. Jetzt flüsterte Kurt: Da kommt sie." Eine Dame wurde in den Wagen gehoben; ich konnte sie nicht erkennen. Meine Freunde hatten den Kutscher verständigt, sie spannten die Pferde aus und sich selbst ein, die Zuschauer riefen: Bravo!" über solchen Enthusiasmus für die Kunst und vorwärts rollte der Wagen in das Dunkel der Nacht, um endlich vor der Stadt Halt zu machen. Ich war willenlos mitgelaufen, um zu sehen, wie es ausginge. Der Wagen hielt also. Im Nu verschwanden alle, um sich nicht mehr sehen zu lassen, indem sie noch höhnisch riefen: Ade, Fräulein Trompeterin!" Eine angsterfüllte Stimme ertönte aus dem Wagen, die mir schrecklich bekannt vorkam. Jetzt flog die Thüre auf und Meine Frau rief, mich erblickend, aus: Du selbst, Franz?" Cäsar's: Et tu Brüte?" in moderner Verfassung. Himmel, da hatte ich waS Nettes angerichtet. Ich hatte meinen Freunden gegen meine Frau geholfen. Warum mußte sie mir auch verheimlichen, daß sie selbst Trompete blies? Weshalb mußte sie mich hintergehen?" Jetzt begriff ich auch die heimlichen Ausginge. Sie wollte üben, ozne mich zu stören, da sie meine Antipathie kannte. Auch Du, Franz?" Ich wollte Dich nur abholen," hatte ich noch die Frechheit zu entgegnen. Ich will über das andere schweigen, ich will nicht erzählen, wie wir nach Haus kamen. Ich will, nicht erwähnen, daß seit dem Tage meine Antipathie gegen die Trompete noch größer wurde. Seit zener Munde übt meine Frau zu Hause, da sie noch oft von gewissen oder gewissenlosen Dirigenten aufgefordert resp, gebeten wird, als Solistin aufzutreten. Und konnte ich einmal spät nach Hause, so schimpft sie nicht. Sie sagt überhaupt kein Wort, sondern nimmt die Trompete und bläst mir ein Solo vor. Und das ist etwas Schreckliches.
Tilcttanten'ttlagc. Die Stunden versinken imZeitenstrom, Sie kommen nur, um zu gehen; Nicht einen sonnigen Lebenstag Wirst je Du wiedersehen! . . Die Wolken tauchen am Himmel auf, Zerslattern und entfliehen; Nie wieder t gewahrt Dein Blick Dieselben Wolken ziehen! Flußwogen eilen unentwegt, Bis sie zum Meer gedrungen. Und keine Welle kehrt je zurück Zur Quelle, der sie entsprungen. Die Blätter, die Du rauschen hörst, Bald welk zu Boden fallen! Viel Sterne zerstieben, Weltcn vergehn. Selbst Sphärensänge verhallen. Nichts Unvergängliches weit und breit. Als meine Romane und Lieder; Versend' ich die auch noch so oft, Sie kommen immer wieder. Den richtigen Moment erfatzt. Lieutenant (erzählend): Wie's kam, daß mich so schnelle und reich verheiratete, wollen Sie wissen? Jehe da jüngst mit Kameraden aus Heimathsstadt die Hauptstraße entlang; Kamerad macht faule Witze. Einer, besonders faul, erzeugt bei mir, als Ausdruck 'des Schauders, langjezogenes Brrr!" Im selben Moment kommt feine Equipage Damm entlang gejgat. Jäule scheu, hören mein Bm!", bleiben anjewurzelt stehn. Damen springen aus dem Wagen, anjesammeltes Civil weicht aus, Damen stürzen auf mich und Kameraden zu, wollen wissen, wer Lebensretter war. Kamerad zeigt auf mich. Damen sind Liebenswürdigkeit selbst. Ich erfasse richtigen Moment, halte bei der Aelteren, der Mama, um Hand der lrbreizenden Tochter an. mir jleich zujefagt; vierzehn Tage nachher Hochzeit, Mitjift 600.000 Mark. Prost, meine Herren! Empsehle Nachahmung! Inserat. A.: Du. guck amal, was dia Gebrüder Schwmoelhuiber für große A'zerga in alle Blätter habet. Und da heißt's, wttn ma bei ehne a B'stcllunz macht, so soll ma sich auf's Inserat in dear und dear Zeitung bezieha. Zu was soll denn eigentlich idees au sei'? B.: Ha. dees ischt eöa darom: wenn se ci'm na d' Reckriung über dA B'stellung gebet, daß se d' Kosta von dem Inserat in dear und dear Jsitung mit nei'schlupfa laa könnet! Der Weinkenner. Bauer (dem seine Frau eine Flasche. Wein von der Stadt mitbringt, die in rosa Seidenpapier eingewickelt ist): Sacra, der muß aber fein sei'!
Der Charakter unsrer Hand stzrist. D!e Sprache als das Haupterzeugniß des Triebes nach Mittheilung wird gemeinhin als die vornchmste Be!hätigung unserer Intelligenz angesehen, die allein den Menschen weit über das Thier erhebe. Trotzdem hat Jeder täglich Gelegenheit, sich vom G:genthe:l zu überzeugen. Es gibt Gedanken und Empfindungen, die ein Laut, eine Gebärde viel bezeichnender ausdrückt als ein Wort, und namentlich bei Kindern und bei Thieren kann man häufig die Wahrnehmung machen, baß der Ton des Lautes die Sehnsucht, das Verlangen, die Empfindung, den Schmerz ganz deutlich erkennen und unterscheiden läßt. Fast alle Säugcthiere haben stimmbildende Apparate wie die Menschen, und schon Aristoteles wußte, daß nicht einmal alle Fische stumm sind, sondern zum Theil brummende, singende Töne zu erzeugen im Stande sind. Um die Wahrnehmung zu machen, daß die meisten Thiere ihre Sprache haben, daß ihnen verschiedene Laute zu Gebote stehen, durch die sie sich gegenseitig vor drohenden Gefahren warnen, ihre Jungen an sich locken, sich den Fund eines leckeren Mahles zurufen und ihre Freude und ihren Zorn ausdrücken braucht man noch lange nicht mit einem Phonographen ausgerüstet in den Urwald zu gehen, um dort die Sprache der Affen zu studiren. Nicht die Sprache, sondern die Schrift ist es, die den Menschen so hoch über das intelligenteste Thier stellt durch die Schrift vermag der Mensch seine Gedanken und Empfindüngen in eine dem Auge wahrnehmbare Form zu kleiden, die Schrift ist die wichtigste Verkörperung vergangener und gegenwärtiger Kultur. Sie ist der Schlüssel zu den Forschungen über das Geistesleben der Völker, die vor Jahrtausenden gelebt haben und von derenDasein und Schaffen oft nur noch wenige Steine erhalten sind, von deren einstiger hoher Cultur uns aber der todte Buchstabe beredtes Zeugniß gibt: Körper und Stimme leiht die Schrift dem stummen Gedanken, Durch der Jahrhunden'e Strom trägt ihn das redende Blatts Nicht nur, daß die Schrift in ihrer Entwickelung für den Sprachforscher ein interessantes Studium und für den Archäologen das wichtigste Hilfsmittel zu seinen gelehrten Forschungen geworden ist auch dem modernen Denker bieten sich fesselnde Probleme in der Schrift, in ihrem Charakter und ihrer Psychologie, die zu erkennen die Aufgäbe der Graphologie ist. Für die Handschriftendeutung, mit der sich schon im siebzehnten Jahrhundert Prof. Baldos in Bologna, später Lavater und Goethe viel beschäftigten, interessirte sich in neuerer Zeit namentlich Eugen Schwiedland, der es für zweifellos erklärte, daß die Sinnesund Denkweise des Menschen, überHaupt sein ganzes geistiges Wesen, in der Handschrift denseloen charakteristischen Ausdruck finde, wie in allen spontanen natürlichen Bewegungsimpulsen und deren Ergebnissen, also im Gang, in der Stimme, im Ausdruck der Äugen u. s. w. Die Handschrift des Menschen bietet in der That eine Fülle psychologischphysiologischer Probleme dar. Der Zusammenhang zwischen seelischen und körperlichen Vorgängen tritt beim Schreiben sichtbarer, faßlicher zu Tage als bei irgendeiner anderen Willkür lichen Bewegung. Denn keine hinterläßt so deutliche, unmittelbare Spuren, die während langer Zeiträume unoerändert bleiben und fern von ihrem Urheber diesen mit Sicherheit zu bezeichnen gestatten. Je nach dem Beruf des Schreibers weichen die Hand schriften voneinander ab; die kaufmännische, die Gelehrten-, die Arbei-.r-Handschrisd sind untereinander und von der des gewerbsmäßigen Schreibers verschieden. Standesierschied. Bildungsgrad, Lebensalt:? bewirken Verschiedenartigkert der Handschrift. Diefe Thatsache zu beobachten hat jeder unzähligemal Gelegenheit. Erhalten wir gleichzeitig zwanzig Briefe, deren Adressen immer nur die gleichen Worte, den Namen und Wohnort, aufweisen, so erkennen wir dennoch aus den wenigen Schristzeichcn häufig sofort den Absender. Denn so wenig es zwei Menschen gibt, die einander vollständig gleich sind, so wenig gibt es auch zwei Handschriften, die einander zum Verwechseln ähnlich waren. Nicht selten ist uns auch die Handschrift eines Menschen vertraut, den wir noch nie gesehen haben, den wir nur der Schrift nach kennen, wie nach einer Photographie. Wenn man uns aber die Frage vorlegen würde, an welchen verschiedenen charakteristischen Merkmalen wir die vielen Handschriften unterscheiden, so dürfte uns das sehr schwer fallen, mitunter wohl unmöglich sein. Trotzdem steht die Thatsache fest, daß selbst der Laie aus einigen bedeuwngslosenWorten, die uns gar keinen Einblick in das Gefühls- und Geistesleben des Schreibenden gewähren, auf seine Bethätigung. sein Geschlecht oder sein Alter erfolgreich schließen kann. Eine ausgeschriebene Handschrift pslegt darauf hinzudeuten, daß der Schreiber mit cincr gewissen Leichtigkeit die Feder handhabt, daß fein Beruf ihm oft zum Schreib: Veranlassung gibt, daß er also entweder Schriftsteller, Gelehrter, Kaufmann, Beamter oder dergl. ist, wohingegen die Handschrift eines Feldoder Handarbeiters ungelenk und plump wirkt. Ganz anders sehen die unausgeschrieöenen Buchstaben eines Kindes aus, als die von zitternde?
GreZseitand geschriebenen. Wir sprcchen auch von männlichen" und weib lichen" Handschriften, ein Beweis, daß beide Geschlechter ihre anerkannten unterscheideuen Merkmale haben. Durch slrfcLeobachtung und Studium der verschiedenen Hanöschriften kann man das Unterscheioungsvermögen sicherlich sehr verschärfen und aus den Buchstaben mit Recht häufig weitgehende Schlüsse ziehen. Professor Preyer sagt in semer interessanten Psychologie des Schreibens", daß die Schritt harmonisch gebildeter, den höheren Berufsarten angehörender Leute sich meist durch Einfachheit auszeichnet, während die Ungebildeten es lieben, ihre Schrift mit zahlreichen Schnörkeln zu versehen. Ganz gleiche Handschristen findet man niemals; jede Schrift hat etwas Charakteristlschcs das sich bei einigem Studium herausfinden läßt. Oft liegt es nur in der Gestaltung eines einzigen Buchstabens einer einzigen Curve. Bei genauer und scharfer Beobachtung sieht man auch wohl, ob die graphischen Untersuchungsmerkmale auf erworbenen oder auf ursprünglichen, Eigenschaften bestehen. So ist die Handschrift, die alle Schülerinnen des Pariser Erziehungsinstituts Sacr6Coeur schreiben, sehr reich an Ecken, aber diese Buchstaben der Zöglinge gehören nicht zu den natürlichen Symptomen, sondern sind durch Dressur erworden. Preyer behauptet sogar, daß es Nationalhandschriften gibt, in ähnlicher Weise . wie Nationalcharaktere und Gesten. Wenn wir diese Behauptung auch dahingestellt sein lassen, so müssen wir doch zugeben, daß selbst dem Laien bei einer Schriftvergleichung ein Unterschied auffällt. 'zumal bei den verschiedenen Temperamenten der Schreiber. Menschen mit sanfter, friedliHerGemüthsart. die im Leben bestrebt sind.
Gegensätze auszugleichen, Härten zu beseitigen, Feinde zu versöhnen u. dergl., zeigen sich auch in der Schrift als Freunde des Ausgleichs: sie runden ungehörige Kanten ab, verbinden das Getrennte u. s. w. SchrvffeMenschen dagegen, die es . lieben. Gegensätze zu verstärken, Feindseligkeiten zu stiften, einen Streit vom Zaune zu brechen, lassen auch in der Schrift gern das Spitze, Eckige, runde unvermittelt nebeneinander stehen. Ist auch die Annahme der Graphologen arg übertrieben, daß man allein schon aus der Handschrift den Charakter eines Menschen klipp und klar erkennen könne, so dürften die charakteristischen Merkmale der Schrift doch häufig genug zu richtigen Schlußfolgerungen führen. Daher wird auch jetzt im Gerichtsverfahren der Schriftoergleichung eine wichtige Rolle zugewiesen. Seit einiger Zeit besteht irr Deutschland die Verordnung, daß jeder Verbrecher seinen Lebenslauf zu schreiben hat: das Schriftstück wird den Akten beigefügt, und mit Hilfe dieser Schriftvergleichung ist bereits so mancher Attest- und Wechselfälscher, so mancher Verfasser von Erpressungsand Drohbriefen gefaßt worden. Daß es mit der Hilfe der wissenschaftlichen Schriftkunde und Graphologie den Psychologen, Pathologen und Juristen vergönnt sein wird, in Zukunft noch viele Räthsel zu lösen, dürsen wir wohl als Thatsache annehmen. Eine merkwürdige Uhr. Wohl die seltsamste Uhr, die jemals hergestellt wurde, befindet sich in dem Besitze eines indischen Fürsten. Nahe kni Zifferblatte einer von gewöhn!!chen nicht abweichenden Uhr befindet sich ein auf Metallstäben aufgestellter Gong, unter dem sich eineAnzahl durcheinander geworfener menschlicher Eebeine dem Auge darbietet. Es sind Knochen und Schädel für zwölf vollkommene Skelette vorhanden. Wenn der Zeiger die erste Stunde zeigt, schnappen die zur Bildung eines Skeletts nothwendigen Knochen zuiamwen: das Skelett, durch kunstvolle mechanisch Vorrichtungen bethätigt, springt auf, ergreift tinenHammer und schlägt mit diesem einmal auf den Gong. Wenn dies geschehen ist, schreitet es zur Schädelstätte zurück und fällt auseinander. Um 2 Uhr erheben sich zwei Skelette und schlagen an den Gong, während um 12 Uhr die gesammten Gebeine sich zu zwölf Skeleiten zusammfügen und mit ihren Hämmern auf den Gong schlagen, um nachher wieder sofort auseinanderzufallen. Sächsischer Trost. Wenn's draußen dobt und weddert Und wenn, vom Sturm umdost, De Bliemchen stehn entblädder Gedrost, mei Herz, gedrost: Es blinkt in manchem Fäßchen Noch Moselblümchen-Wein, Es blinkt in manchen Däßchen Noch Bliemchen" hell und rein. Der S ch l a u k o p f. Der ehrgeizige Marschbauer Schulze ist zum Aufseher der Deiche ernannt wor den; als solchen führt er den Titel Deichgraf." Als ihm nun eines Tages in der Stadt ein ihm bekannter Wirth mit seinem Titel anredet, sagt er: Wozu denn so viele Umstände, lieber Müller? Nein, Herr Deichgraf; Ehre, dem Ehre gebühret! Nun gut; 'dann lassen Sie wenigstens das Deich" lug! Ob sie wohl. Dame (zum neuen Dienstmädchen): Warum siehst Du mich denn so an, Auguste? Auguste: Gnädige Frau haben so große Augen; bekommen gnädige Frau, die denn auch beim Schlafen zu? Der Galante. Gnädige Frau sehen ja so frisch und blühend aus wie Rose von 20 Jahren..
