Indiana Tribüne, Volume 19, Number 121, Indianapolis, Marion County, 19 January 1896 — Page 7

Der Neberfall bet Pueblo.

Erzählung aus Neu.Mexico von W. v. Schierbrand. Als die Postkutsche auS dem Camp ter Star und Crescent Compagnie herausrollte, befand sich nur Mose Danville auf dem Kutscherbock und der Manager, Al Hackett, drinnen. Aber als sie das Half Way-House, die berüchtigte Spielhölle gerade jenseits der Corporationsgrenze, erreicht hatten, stiegen noch sechs andere Passagiere ein, die sämmtlich nach "Tucson wollten, wo sie ihre Monatsgage auf angenehme Manier los zu werden beabsichtigten. DieS war Hackett unangenehm, denn er hatte gehofft, die lange Fahrt unter etwas angenehmeren Bedingungen zurücklegen zu können und nun diese Gesellschaft von rohen, lärmenden, halbbetrunkenen Raufbolden! Indessen, es war nichts zu machen. Eine Zeitlang ertrug er die äußerst handgreiflichen Späße und die sich nur um Spiel- und Liebesabenteuer, sowie Trinkgelage drehende Unterhaltung der .sechs Gesellen, aber als Baidy" Wicks und Monk" Leahy in Streit geriethen. weil einer den anderen des Betrugs beim Kartenspiel beschuldigte und thatsächlich schon einige Handgreiflichkeiten ausgetauscht worden, waren, 'da wurde es dem Manager der Str und Crescent doch zu viel. Am nächsten Halteplatz stieg er aus und begab sich auf den leeren Sitz neben dem Kutscher. Zu seinem Glück, denn hier stieg noch Bella Watts gewöhnlich Goon Bell- genannt, weil sie aus Illinois, dem Coonstaate, stammte ein und deren Gegenwart trug noch dazu -bei, die wü stenKerle ganz und gar aus dem Haus chen zu bringen. Außerdem war Bella auf Herrn, Hackett durchaus nicht gut zu sprechen, da er mehrmals energische Schritte ergriffen hatte.um sie aus dem Camp zu treiben, wo sie die hartarbeitenden Miners ausplünderte. Bella lief; sich's denn auch nicht nehmen, ihrem Zorn auf den moralischen" Manager, wie se ihn höhnisch nannte, freien Lauf zu lassen, und einige ihrer frechen Bemerkungen mußte er hören, obwohl er nicht darauf zu achten vorgab. (Joon Bell" indeß fand bald Besseres zu thun, denn die Thatsache, daß ihre Reisegefährten nach Tucson mit vollen Taschen reisten, veranlaßte sie, sich ihnen gegenüber von ihrer liebenswürdigsten Seite zu zeigen. Und so ließen sie alle M Hackett ungestört mit dem grauköpfigen Kutscher vlaudern. Mose Danville, der seit einer Reihe von Jahren seitdem überhaupt eine Postroute nach Tucson ezistirte regelmäßig Onkel Sams Geschäfte dort-hin-besorgte, war ein merkwürdiger Bursche. Er fluchte nie und trank auch nie einen Schluck Forty Rod" dafür aber war er um so griesgrämiger. Als ihm jedoch Al Hackett erzählte, daß er nach Tucson gehe, um seine Familie dort abzuholen und nach dem Camp zu bringen, da thaute er auf und freute sich kindlich, daß doch endlich ein paar wirkliche, leibhafte Kids" denn die paar Indianerkinder, die man dort gelegentlich zu sehen bekam, zählten nicht in's Camp kämen. Und darauf erzählte er einige Varns" aus den Zeiten, da die ganze Gegend noch neu" war, von dem verrückten Engländer, der sich mit dem Rasirmesser die Kehle durchschnitUn, weil die Rothhäute seine Familie aus dem Wege skalpirt hatten; von Mike Underwood, dem geizigen Barhier, dem die Boys" einst aus Spafc seine ganzen Ersparnisse geraubt hatitn und der deshalb die ganze Regierung in Washington um Hilfe angerufen hatte, und von seinem verstorbeTien Bruder Billy, der auch einmal ein Kid" im Lager gehabt, das aber an 'den Chills" gestorben sei. Plötzlich unterbrach Mose Danville seinen RedestroRi. Großer Gott, sahst Du das, Al Hackett?" schrie er. Was?" Dort," und er deutete mit dem Zeigefinger auf ein blitzartiges Leuchien, das auf dem einige Meilen entfern--ten Berggipfel sichtbar ward und einige Sekunden später durch ein ähnliches Aufflackern auf dem gegenüberliegen'den Felsvorsprung erwidert wurde. Nun?" fragte Al Hackett. Indianer, so wahr ich sehe." Dummes Zeug." Sage 'dos nicht zu mir, Al Hackett, Her ich die blutdürstigen Hallunken nun seit vielen Jahren gründlich kenne. Wir müssen uns auf einen Ueberfall gefaßt machen, und das bald. Wenn ich nur wi?ßte, wie stark die Kerle sind. Halt eins, zwei, drei sechs sind's auf alle Falle, niahrscheinlich iber mehr. Nun, eine Weile können wir's ja aushaken, haben gute Schieß--effen und hinlänglich Munition bei uns." Mxse beugte sich und sMlch in das Innere der Kutsche hinein. Nur wenige Worte, aber diese genügt:n. Cocn Äell wurde erst kreidebliiÄ. sar.n fing sie zu Kammern und zu ttagen an. Die rei Miners. die ihren Rausch eben friedlich ausschliefen, wurden geweckt und einer derselben, Rocky" Booch, iscr unvorsichtig genug, sich m der Kutsche hoch auszurichten und mu seinem einrohr räch den jetzt deutlia sichiöaren Gegenständen" hinzulugen, die luf bem vou der Sonncngluth beschie- . nenn: Felsen sich im Chappclrelgejtrupp hin und her bewegten. Eine Kugel pfiff dicht an ihm vorbei und veranlaßte ihn, sich schnell zu ducken. Mose sandte aber im selben Moment dem einen der kriechenden Gegenstände" ein: gutgezielte Bohne nach, denn man ah denselben platt .hinfallen. ' Es wird Ernst,. Boys bzmerkie hierauf. Mose- Danville..sehr .ruhig. Und wir müssen unsern Kriegsplan schleunigst treffen, Halt ich schlage

Folgende's vor: Hie?; Du, AI Hacket!.

gehst mit dem Frauenzimmer, um Beistand herbeizuholen. Ich fahre Euch erst nach Canyon Mercedes, wo wir uns eine Weile gegen die Hunoe vertheidigen können. Dort nimmt Al und das Frauenzimmer jedes das schnellste Pferd von meinen sechsen. Ihr reite! dann so gut Ihr könnt, ohne Euch bloszustellen, immer nordöstlich es ist 25 Meilen bis Bad Are. Dort sin det .Ihr Hilfe, und die dringt Ihr schleunigst hierher." So geschah es ach. Cznyon Mcrcedes ist ein enger Felsenpaß, im Innern fast dunkel und fehr schwer von Oben zugänglich, da die Spalte im Gestein sich nach oben bedeutend verengt, und auf beiden Seiteneingängen für die darin Befindlichen leicht zu vertheidigen, da ihr Auge, an daö Dunkel gewöhnt, jeden Eintretenden besser erkennen kann, als des Letzteren Auge die im Canyon Befindlichen. Es war thatsächlich eine Art natürlicher Festung. diese Felsenspalte, und es sah wirklich so aus, als ob man sich dort schon längere Zeit gegen die angreifen'den Indianer, selbst wenn diese bedeutend in der Mehrzahl sein solltenMrde halten können. Al Hackett sträubte sich erst gegen den Plan des alten Danville, umsomehr, als er das ihm verhaßte Weib, Coon Bell, zur Fluchtgefahrhn erhalten sollte. Es ging ihm, wie er sagte, against the grain", die Anderen in der Patsche sitzen zu bissen. Der alte Danville machte ihm aber klar, daß seine Aufgabe erstens einmal durchaus keine gefahrlose sei, denn er laufe Gefahr, von den Indianern erblickt und eingeholt zu werden, und daß zweitens nur aus diese Weise die ganze Gesellschast gerettet werden könne. 'Was allerdings unwahrscheinlich ist," brummte der Alte halblaut in seinen langen Bart. Wohl oder übel mußte Äl Hackett sich mit Coon Bell auf den Weg machen. Sein Verstand, ebensowohl wie sein Herz, sagten ihm, daß er sich und semer Familie es schuldig sei, wenigstens den Versuch zur Rettung seines Lebens zu machen. Nur wenige Minuten nachdem die Postkutsche durch den engen Eingang des Passes gepoltert war und an einer günstig gelegenen Stelle angehalten hatte, saßen Al Hackett und Bella auf ihren Pferden, die Büchsen über der Schulter und den schweren Navnrevolder im Gürtel. Mose Danville gab ihnen nochmals genaue Verhaltungsmaßregeln, dann sagte er nur noch zu Eoon BeH: Wenn ich Dich nicht wieversehen sollte, so nimm Dich zusammen und bessere Dich." Dann klavverten die Suse der zwei Pferde auf den harten Felsenboden fort, bis das Geräusch sich in der Ferne verlor. Das Canyon war lang: mindestenS zwei Stunden waren sie sckon geritten und immer wollte es noch kein Ende nehmen. Aber schließlich fanden sie doch einen Ausweg in's Freie. Und nun geradeaus in nordöstlicher Richtung. Aber die zwei Gäule waren ermüdet und sie ließen sich selbst durch die Peitsche und die Sporen nicht mehr zu großer Eile treiben. Es schien kein Mond, aber die Sterne leuchteten hell und friedlich da oben am tiefblauen Himmelszelt, und der Nachtthau fiel stärker und stärker. Die Gegenstände auf dem Pfade waren deutlich zu erkennen, und der Meilenstein jenseits des Bergrückens, den die Compagnie vor Kurzem dort hatte aufsetzen lassen, sagte ihnen, daß sie die gute Hälfte ihres Weges fchon zurückgelegt hatten und daß, wenn das Glück sie weiter begünstigte. Bad Axe und die Sicherheit innerhalb zweier Stunden erreicht sein würden. Da plötzlich stolperte das Pferd, auf dem Coon Bell saß, und im nächsten Augenblick lag es, wild ausschlagend, auf dem Boden, das Mädchen darunter. Aus Schreck stieß sie einen gellenden Schrei aus. Es war ihr aber weiter nichts geschehen. Al Hackett half ihr nnter dem Thier hervor. Da bemerkte er. daß das Pferd, als es sich aufrichtete, stark hinkte. Es mußte sich Schaden gethan haben. Was thun? Selbst in diesem Augenblicke der höchsten Noth aber verleugnete sich nicht das Gefühl, das jedem Manne des Wilden Westens eigen ist. gleichviel was und wie das Weib sei. dem es gilt. Rasch entschlossen half er ihr aus lern eigenes, unbeschädigtes Pferd, und. sich an der Mähne desselben festhaltend, um schnell:? lausen zu tonnen. trabn er daneben her. Sie kamen indeß nur langsam so fort. Eine halbe Stunde mochten sie von 'der Stelle deS Unfalls sein, als A7s scharfes Auge auf dem schroffen Felsen, der zur Rechten sich erhob, eine dunkle Gestalt bemerkte. Im nächsten Moment erblickte er eine zweite, die lautlos aus dem Grate, der parallel mit dem Pfad lief, dahin schoß. Er wußte, was dies bedeutete. Sie waren entdeckt und emgeholt von den Apa ches. Und welche Chance hatten sie da wenn sie zusammen blieben! Reite so schnell Du kannst, Bella! nu täte er dem Madchen zu. dem mu den Gaul einen derben Scklaa auf die Breitseite versetzend. $ch bleibe hier und vertheidige mein Leben, so lange ich kann. Komme wider, so bald es möglich ist und, wen ich todt bin. so rette meine Leiche wenigstens aus den Handen der rothen Teufel. Coon Bell nickte nur. Sie war bleick aber ihre Auge zeigten den Mutb der i Verzweiflung, und so jagte sie in der Richtung aus die Anstedlung davon. Zwei Stunden später.das erste Morqenarauen machte sich gerade bemerklieh, kam die Rettungsmannschaft an ' der Stelle vorbei, wo das Madchen von ihm Abschied genommen Hatte. ; Nichts war zu sehen, und schnell jagten sie auf ihren frischen Pfezden weite?

nach Canyon Mercedes.' Dort fanden

sie zwer der Minerö todt, einen anderen verwundet, den allen Mose Danville aber unverletzt. Auf dem Rückwege machten sie Halt dort, wo Al Hackett zuletzt lebend erblickt worden war. Unweit der Stelle, hinter einem Felsenblock, der ihm etwas Schutz gewährt haben mochte, fand man seine Leiche, durchlöchert von Kugeln. Um ihn herum lagen die Papierhülsen der Patronen, die er verschossen hatte eS mochten an die vierzig sein. ein Beweis, daß er sein Leben theuer verkauft. Er war skalpirt und bot einen gräßlichen Anblick. Eine gründliche Kur. (Frei nach dem Englischen.) CS war ein ruhiger schöner Morgen. Die Sonne schien warm und golden in das einzige Fenster der Speisekammer, in der ich schon drei lange Stunden an einer Arbeit war, die Kopf und Arme in solcher Bewegung hielt, daß alle drei recht wehe thaten. Die Luft draußen war weich und balsamisch, und daö war vielleicht mit ein Grund, daß mein Gefährte für das Leben, Josef Haller, sich in solch guter Laune befand. Die Luft war kräftig und stark wie alter Wein; mag sein, daß sie dieselbe auf heiternde Wirkung auf ihn ausübte wie der gepriesene Saft der Reben. Wie dem nun auch sei, er war den ganzen Morgen ausgeladen, förmlich ange-; heitert. Ich selbst hatte, wie ich oben sagte, so tüchtig gearbeitet, daß ich die Schönheit des jungen Tages nur durch gelegentliches Hinaussehen aus dem Fenster der Speisekammer genießen konnte. Ich war beim Buttern und hatte den Rahm eirer halben Woche zu verarbeiten, und jede Frau weiß, daß das eine schwere Arbeit ist und viel Geduld erfordert. Natürlich hätte mein Josef seiner Amanda gern beim Buttern geholfen, wenigstens behauptete er. er thue es am liebsten gern allein; aber unglücklicher Weife war das (Ute Pferdegeschirr heute wieder kaput, und er mußte beinahe den ganzen Morgen im Staue zuortnaen, um es auszubessern und zu schmieren. Uebrizens ist eS ein merkwürdiges Zusammentreffen, daß das alte Geschirr immer an Buttertagen laput ist, und eS thut ihm so leid, daß ihn das hindert, mir bei der Arbeit zu helfen, besonders beute, wo eS darauf ankam, daß alles in gutem Stande war. Hatte er doch feierlich versprochen, die Butter nach Ammendorf zu fahren, wo sie der Käufer aus der Stadt abholen wollte, der gange drei und einen halben Cent mehr zu bezahlen versprochen hatte, als die Leute in der Nachbarschaft bekamen, weil meine Butter so vorzüglich ist. Zwar bin ich weit da von entfernt, daö selbst zu behaupten oder auch nur anzudeuten, aber Jeder mann im Umkreis von fünf Meilen weiß, daß ich gute, außerordentlich gute Butter mache. Na, endlich war ich fertig, und Josef hatte das vermuthlich draußen gehört, oder er war mit seiner Flickerei fertig genug, er kam in 'S Haus, gerade als ich meine frische Butter im schneeweißen Buttergeschirr salzte, und setzte sich in der Küche auf einen Stuhl, offenbar noch besser gelaunt, als heute Morgen beim FrühstückZtisch. Wie ich nun die goldgelbe Butter mit meinem Holzlöffel bearbeitete, griff er nach einer alten Zeitung, die ich vom Boden mit herunter gebracht hatte, und fing an darin zu lesen. Und ganz plötzlich schrie er auf in jubelndem Ton: O, Amanda, hier ist was, daö Jeder lesen sollte. In diesem Artikel steckt Verstand und gesunde Vernunft. Ich fühle es, daß ich den Mann, der das schrieb, verehre und bewundere." Na, was ist eS denn?- antwortete ich aus der Speisekammer. - Es ist etwas, was viele große Män ner über die Frauen sagen, aber dies ist das Allerbeste. Höre mal zu!" Hören mußte ich, das wußte ich wohlz also ruhte ich einen Augenblick von meiner Arbeit. Und er las: War? ich eine Frau, ich würde nichts thun, das von Bedeutung ist. Ich würde es machen wie die Rose in ihrer Weisheit: ich würde bezaubern und schweigen! Wäre ich eine Frau, ich würde gerade nur eine Frau sein, und weiter nichts, denn darin eben liegt der große Zauber, den die Frau ausübt. Der Mann ist geschaffen, ' für die Frau zu arbeiten; die Frau, ihn. in seinen Mußestunden zu bezaubern! Hörst du )as, Amanda, hörst du das?" ..Ja, ich habe diese Auslassungen schon damals gelesen, als die Zeitung nkam, das war vor zwei Jahren, als du Onkel Alex besuchtest." .Deshalb hatte ich also keine Gelegen heit, das zu lesen. Aber warum hast du es me mit emem Worte erwähnt? Ich fühle es, ich habe zwei Jahre deS 'Glückes dadurch verloren, daß ich von der Enstenz eines solch trefflichen Art, lels nichts wußte." Und warm setzte er hinzu: O wie ich diesen Mann lim, wie meinen leibhaftigen Bruder! Ich stand schweigend über das schwere Geschirr gebückt, einen runden Körper ruhend. Meine Arbeit war mcht etwa zu (Sude, d Butter mußte noch ver packt werden, und der Topf lag eoch IM Keiler. Abermals fragte tx : WaS denkst du von diesem trefflichen Artikel, Amanda ?" lim bischen Wahrheit liegt gewiß darin, Josef Haller ; wäre nicht eiu Körnchen Salz darin, wie könnte eZ sich auf die Tauer halte ? Aber der Mann geht zu weit, er versteht es nicht. die goldene MlttelttraLe einzuhalten. Da bist Tu ganz und gar auf dem Holzweg", erwiderte er. Ter Mann hat Recht, und er weiß es, und. ich weiß es, und jeder vernünftige Mensch weiß es. Was thut er denn ? Er ver setzt einfach Mann und Weib ein jedes in seine richtige Sphäre. O würdest du, meine Amanda, seine Lehren be folgen, ich wäre der glücklichste Mann

tn unserem Dorfe, jä in der ganzen Welt !" ..Wohl", versetzte ich ruhig, ich bin ganz und gar willig, dich zu bezaubern, Josef Hallcr, nur weiß ich nicht recht, wie ich die Bezauberung und meine Hausarbeit zu gleicher Zeit besorgen kann. Und selbst wenn ich der Rose nachahmen wollte, so sehe ich nicht, wie das dich berühren könnte,,;. B. an Tagen, wo ich buttern muß, und dein ates Pferdegeschirr jedesmal regelmäßig kaput ist." Er verstand meine Anspielung nicht, oder wollte sie nicht verstehen, und doch waren meine Worte wahr wie die der heiligen Bücher in der Bibel. Aber daß er ärgerlich war, merkte ich wohl und wechselte deshalb mit meinem gewohnlichen Takte das Gesprächsthema. Ticse Butter muß verpackt werden, und ich möchte dich bitten, mir den schweren Topf aus dem Keller zu holen und beim Einstoßen zu helfen. Die Arbeit ist beinahe zu schwer für die Arme einer Frau, noch dazu wenn sie beinahe abgebrochen sind." Wenn ich", erwiderte er kurz und heftig, nach Ammendorf fahren soll, so muß ich den alten Marktwagen schmieren." Und er nahm das Gefäß mit der Wagenschmiere aus dem Kellerweg und lief eilends hinaus. Und ihr könnt eS mir glauben, der Mann

schlug die Thür hinter sich zu in seinem Aerger. War es nun daS, oder seine Weigerung, den Topf aus dem Keller zu holen, oder war es, weil ich so sehr müde war, oder war es der kleine Ar tikel, den er vorgelesen hatte, war es eines von diesen oder alle zusammen genug, ehe noch der Wiederhall von dem Schlagen der Thür verklungen war. warf ich meinen Holzlöffel fort und sprach zu mir selber: Ich will dich beim Wort nehmen, Josef Haller. Ich will es der Rose nachmachen, so gut iq es verstehe, und du magst die Arbeit thun, während ich dezaubere. Ich will der Rose nachahmen und schweigen. Alles ließ ich stehen und liegen, eilte in mein Schlafzimmer und zog ein reines Kattunkleid und eme weiße hohe Schürze an. Zwar weiß ich nicht ge wiß, ob das Frauenzimmer, dessen Bild ich einmal auf einer Cigarrenkiste meines Lebensgefährten gesehen habe und da5 eine Zauberm vorstellen sollte. die auf den Ramen Lorelei hörte und am Rheine zu Hause war, ob daS Frauenzimmer eine hohe Schürze oder eme niedrige Schürze oder gar keine Schürze getragen hat: doch, denke ich. macht das keinen aroßen Unterschied, und hübsch und anziehend sehe ich m memer Latzschürze aus. Dann begab ich mich in die gute Stube und richtete meine ganze Aufmerksamkeit auf die Arbeit, die ich vorhatte. Wie soll ich ihm gegenüber treten: stehend, sitzend, liegend? Die Lorelei aus dem Bilde sitzt, das weiß ich bestimmt, und du Regeln des großen Mannes sagen nichts darüber, also: sitzend. So setzte ich mich denn mit über der Brust gesalte ten Händen, nahläfsig zurück gebeugt in gefälliger Haltung und mit süßem Lächeln auf dem Gesicht, in meinen besten kattunüberzogenen Lehnstuhl und übte und probte, und zuletzt sah ich so gewinnend und verlockend und reizend auö. wie es der Berfaffer ienes Artikels nur wünschen konnte. In allem, was ich unternehme, liebe ich die Gründlich keit. so auch hierin. Endlich kam er wieder herein mit der Wagenschmiere. Ich hatte mich so ge setzt, daß ich ihn gleich sehen konnte. Er blickte in die Speisekammer und rief: Liebe Zeit, bist Du denn mit dem Buttern noch nicht fertig? Und der Kaffeekessel steht noch nicht auf dem Herd, und es ist schon bald zwölf? Was ist denn los?" fuhr er fort in die Thüre tretend: Was ist los, Amanda? Ich lächelte ihn an, so süß ich nur konnte, und sagte kem Wort. Wieder ric er: Beim heiligen Mo ses, warum wachst Du denn das Mit tageffen nichts Wieder lächelte ich und schwieg. Endlich sagte er, mich starr ansehend: Was soll s mit der ganzen Komödie, he?". Jetzt war meine Zeit gekommen, und ruhig, aber fest sagte ich: Josef Haller, ich mache den Versuch, Dich zu bezaubern !" Eine Närrin bist Du," war seine Antwort. DaS war das zweite Mal seit unserer Hochzeit, daß er diesen schrecklichen Ausdruck gebrauchte. Ich lächelte nur And murmelte sauft und zärtlich: Süßer Liebling!" Jetzt aber brach Josef Haller in Worte aus. die ich wirklich nicht wieder cholen kann, nein, vahrhafiia nicht. und wenn jener.Mann, der den Artikel schrieb: Was ich thun würde, wenn ich eine Frau wäre es hörte, und wenn mir einer einen Thalerschem böte. Ja, jene Worte würden dem Manne in's Gewissen reden und . daran nagen und ihm auf 's schlagendste zeigen, welche fürchterliche Folgen seine blurnenreiche Sprache hatte. Ich schwieg. Und abermals gellte er in beinahe wahnwitzigen Tönen: Die Zeit .geht hin, und ich kann die Butter nicht mehr verkaufen. Und ich bin dem Verhungern nahe. Seit vier undzwanzig Stunden keinen Mundvoll gegeneu!" Wan feine Worte stürmisch und äußerst heftig, so ertönte es wie ein sanfter ruhiger Laut nech emem rasen de Sturme von meinen Lippen mild und gewinnend: Die Männer sind erschanen, für die Frauen zu arbeiten utid dann fügte ich in noch zärt lichercm und süßerem - Tone hinzu: Du findest den Butterstößer am ytn ster in der Speisekamme? und das ge schlachtete Huhn zum Braien in der Vorrathskammer." Dann folgten drei volle Lächclsalvea und: Der Putzlap pen hängt hinter der Küchenthür, und die Ofenbürste und Schwärze findest Du im Kellerweg, und der Lappen, mit dem Tu die Lampengläser putzest, bänat über dem Küchegtisch."

WaS willst Du nun eigentlich mtt

der ganzen Geschichte?" rief er in gel lendem Tone. Ich will Dich bezaubern, Josef Haller. Die Frauen sind erschaffen, die Männer zu bezaubern. Sie sollten nichts wichtiges thun.. Ein reineZ Haus ist etwas wichtiges, daher will ich es nicht rem machen. Essen ist etwas wichtiges, deshalb will ich nicht kochen. Ich will es machen wie die Rose in ihrer Weisheit: ich will bezaubern und schwci gen." Und ich lehnte mich in noch grauoserer Haltung in meinen gepolsterten Stuhl zurück und lächelte ihn süß an. Bilt Du denn wirklich ganz verrückt und aus dem Häuschen, oder was fehlt Dir?" Und er setzte seine Brille auf, um mich genauer betrachten zu können. Ich aber salz schweigend und so graziös wie ich konnte, und versuchte immer noch krästig, ihn nach den Re geln zu bezaubern, wie sie von großen Männern aufgestellt und von minder großen gutgeheißen sind. Plötzlich sah ich einen Wechsel auf dem Gesichte meines Gefährten. - Seine ärgerliche Miene verschwand, und ein Ausdruck von Unruhe und Angst zeigte sich deutlich. Ich bemerkte, wie er nach dem Kampherfläschchen blickte und mit der Hand danach langte, indem er mich fortwährend ftxlrte: Soll ich Dich emreiben, Amanda ? Wo hast Du die größten Schmerzen ? Denkst Du, Kampher wird Dich erleich tern? Soll ich nach dem Doktor schicken? Willst Du lieber ein Fußbad nehmen?" Josef Haller, ich brauche weder Kampher noch Fußbad, was ich brauche Von meinem Manne, ist Verstand und gesunde Vernunft. Ich habe so gewis senhast, wie je ein Weib es that, die Regeln zu befolgen versucht, hie du mir heute Morgen vorgelesen hast. Du sagtest, dan du den Mann verehrtest. der den Artikel schrieb, und wenn ich seine Lehren befolgte, du der glücklichste Mann in unserem Dorfe, ja in der ganzen Welt wärest. Zwanzig Mlnu ten lang habe ich sie befolgt, und das hat dich dahin gebracht, daß du dich wie ein Verrückter anstellst. Wenn zwanzig Minuten genügten, dich in einen solchen Zustand zu versetzen, waS würden Stunden, Tage und Jahre vermögen? Und habe ich jetzt lange genug jene Re geln befolgt, dann sage es mir und ich höre au !" Zu Gras mit dem Artikel, zu Gras mit dem Kerl, der ihn schrieb!" Ich wandte Mich ihm voll zu und zeigte wieder das süße und gewinnende Lächeln und faltete meine Hände wieder bezaubernd über der Taille. Er aber stampfte mit den Füßen auf den Boden, ja er stampfte. Ich blieb fest und 'ächelte ihn an und nannte ihn wieder: Süßer Herzensliebling!" Seine Antwort: Der Stiefelknecht flog über den Fußboden, und er schlu die Thür zu, daß die etne Füllung Ml auf den heutigen Tag loS ist. Ich will den Vorhang über die Scene fallen las sen. Es genüge zu sagen, daß um zwölf (er erklärte, er, habe m achtund vierzig Stunden keinen Blnen zu essen gehabt) die Festung bedingungslos kapitulirte. Er fagte: Liebe Amanda, mache em Ende dem grausamen Spiel! Ich habe genug, übergenug von allem Reizen und Locken und Bezaubern; jetzt will ich was Or dentliches zu essen haben, und zwar möglichst rasch!" So kam der Rosenakt" zu emem Ende, und ich stand auf und machte ein Mittagessen, so gut und schnell ich konnte. Das junge zarte Huhn war bald fertig. Kartoffelmuß gab es und einen ÄpfelsinenPudding, der köstlich war, zart wie Butter. Und eine Tasse Kaffee, die der Seele gut that und das ist viel. Und währenddem hatte ich noch Zeit, , meine Butter zu ver packen, ein schneeweißes Tuch darüber zu decken, reichlich mit Salz bestreut. Josef konnte noch zu rechter Zeit absah ren. Aus sein Bitten zog ich mein braunes gutes Kleid an und fuhr mit. Auf dem Wege sagte er: Das' süße blumenreiche Stückchen liest sich gut und liest sich gut vor, aber praktisch ist eS nutzlos und keinen rothen Cent werth." Nein," erwiderte ich, und ich kam mir wie eine Thörin vor, als ich dasaß und versuchte die Bezaubernde zu spie len und zu lächeln, während ich doch wußte, wie die Arbeit in der Küche drängte. Am glücklichsten und wohl' sien fühle ich mich, wenn ich mein Haus so recht anziehend und bequem machen kann oder. ein gutes warmes Essen be reite, wenn ich weiß, du kommst am Abend müde und hungrig von der Ar beit nach Hause. Meine Küche ist nett und rein, ich bereite ein gutes Stück Fleisch, das Gemüse, ein wenig zum Nachtisch und eine Tasse Kaffee, die daS Herz stärkt. Der Tisch ist gedeckt und alles bereit für den Mann, den ich liebe. Das ist meine Sphäre, das ist die Sphäre des Weibes. Frauen, die sich keine Dienstboten ' halten können, ein Häufchen Kinder groß ziehen müssen, nebenbei alle Hausarbeit thun, nähen, Milch abrahmen. Butter machen, Hühner füttern, Hennen setzen, Teppiche nähen. Decken 'machen, Strümpfe stricken, Gänse rupfen, Aepfel' trocknen, Seife sieden, tapcziren, im Garten jäten, Kinder lehren müssen u. f. w., u. f. die haben Arbeit genug und keine Zeit sich in den Lehnstuhl zu setzen und zu lächeln und zu bezaubern wahrhaftig nicht l" Und mein Josef wiederholt: Nein, sie haben keine Zeit zu all dem Unsinn", und fügte hi:izu: Denkst du nicht, liebe Amanda, wir sollten einmal zur Abwechslung morgen ein' bischen Lammfleisch zum Mittagessen haben?" Ja, Josef Haller. ick denke, daS wird das Beste sein." Gefährlicher Platz. Dame (besannt wegen ihrer schneidigen Zunge) Gott, wie heißt sie nur? ihr Name liegt mir auf der Zunge! Herr (senkend): Ter arme Name!!

Humor auf der Kanzel.

Von Carola Bclmonte. - In seinen Lebenserinnerungen" erzählt Georg Ebers von seinem Lehrer, einem Geistlichen, dessen freilich un freiwilliger Humor die Mgen Horer stets auf das Köstlichste amüsirte: Leider ist mir ganz entfallen, was der Eichhorner Geistliche uns lehrte. Er hieß Meyer und war ein Junggeselle mit kohlschwarzen Haaren und einem runden Gesicht, dem die dichten Bartstoppeln, auch wenn er frisch rasirt war, ein graublaues Ansehen verliehen. Und doch hatten wir nnmal von den Lippen dieses hyperbrünetten Herrn den Satz vernommen: Als ich selbsten noch ein blonder Jüngling war." Das selbsten , das darin vorkommt, war eine sprachliche Angewohnheit, die der Ehrfurcht, die wir ihm schuldeten, starken Abbruch that: denn Pfarrer Meyer bediente sich seine? so häusig, daß wir einmal mit der Uhr in der Hand zahlten, wie oft er es m einer Stunde gebrauchen werde. Ich habe die Summe vergessen, doch war sie jedenfalls groß und hatte zwei .Nullen. Ich könnte Seiten füllen mit Anekdoten, die sich auf ihn bezogen. Nur der einen will ich noch als Ohrenzeuge gedenken: In einer feiner Predigten kam der Satz vor: Wie traurig wurde es felbsten sur uns Menschen sein, wenn es selbsten keine Menschen mehr gäbe. Wie wurde ein wildes Thier selbsten das andere verschlingen u. s. w. Es versteht sich von selbsten, daß der Unterricht dieses Herren keine ernste Wirkung auf uns ausüben konnte." Allein diesem unfreiwilligen Humo ttfien läßt sich eine große Anzahl guter Kanzelredner an die Seite stellen.welche die Gabe der Rede mit jener schlagfertlgen Witzes ganz ausgezeichnet vereilten. Jedermann kennt die launigen Predigten des berühmten Kanzelredners P. Ulrich Megerle, bekannter -unter dem Namen Abraham a Santa Clara, der die Sitten und Unsitten der Wiener zumeist mit derben Worten, des Oesteren aber auch mit kaustischem Witze geißelte; manch launiges Wort aus seinem Munde hat sich bis heute erhalten und lebt im Volke fort. Aber nicht blos tn der fröhlichen Kaiserstadt gab es witzige Redner auch am Hofe der allerchristlichsten Könige von Frankreich lebte fo mancher Abbe, der sich in seinen Predigten ost einen guten Spaß erlaubte, ohne daß ihm dies jemals die königliche Ungnade zugezogen hätte. Eines Tages hatte sich Ludwig XIV. in die Kirche begeden, um der Predigt eines AugustinermöncheZ beizuwohnen, jedoch der König wünschte in höchsteigener Person das Thema anzugeben, über welches gesprochen werden sollte und das gewählte Thema war wohl sehr schwer durchzuführen denn es handelte davon, wie man den Königen die Wahrheit beibringen könne, ohne deren geheiligte Person zu verletzen. Der Redner begann, die Zuhörer verharrten in gespannter Erwartung. Plötzlich aber stockte seiner Rede Fluß. das Haupt sank ihm auf die Brust, die Augen fielen ihm zu er war einge schlafen! Eine Weile überließ man ihn seinem sanften Schläfchen, dann aber, fürchtend, daß die Geduld des Königs reißen könnte, zupfte einer der Höflinge den Eingeschlafenen am Talar. Slre, sagte der Prediger zu dem König, ver gebt, daß ich eingeschlafen, aber ich hatte einen Traum, der ganz zu meiner heutigen Predigt paßt: Ich sah eme herrliche Frauengestalt, die ohne zeg lichcn Schleier aus die Erde hinabschwebte. Hinweg!" rief ich, hinweg Versucherin!" Laß mich bleiben, sprach die bezaubernde Erscheinung. denn ich bin die Wahrheit!" Hin weg!" rief ich ihr noch energischer zu. der König ist hier, und man zeigt den Königen nie die nackte Wahrheit!" Der König lachte. Auf etwas drastische Weise verkündete ein biederer Landpfarrer seinerGe-, meinde die Wahrheit; derselbe wir wollen ihn Machat scheck nennen ar aerte sich zu wiederholte.'!. Malen über die Unreinlichkeit im Aussehen und Kleidung seiner bauerlichen Zuhörer, aber alle seine Mahnungen halfen nichts. Einmal, an einem hohen Fest tage, hatten sich die Dorfbewohner in qroker Anzahl und in gewohntem Schmutze eingefunden. Der Geistliche donnerte von de? Kanzel herab, und auf'S Tiefste . zerknirscht horchte die Menge und wenn ich emes Tages von dieser Erde scheide," rief er aus, und Sankt Petrus wird mich fragen: Machatscheck, Machatscheck. wie hast .Du Deine Schafe gehütet?" da werde ich.-antworten: O! helliger Petrus! . Ich habe ja gar keine Schafe gehütet nein! Ich habe Schweine gehütet!" Wie. ein guter Kanzelredner auch lächerllchen Modethorheiten heilsam ent gegenwirken kann, das bewies ein Pre diqer am Hofe Ludwigs XV. Zu je ner Zeit verlangte die Thörin Mode, daß jede Dame ihr Gesicht mit einem oder auch mehreren Schonheitspslaster chen bedecke. Der König verlangte von seinem klugen Hofkaplan in dieser Sache einen Rath zu hören, und dieser versprach auch Abyllse. Be: der nachsten Vrcdiat, in welcher die schöne, mi! Schönpflästerche'n" geschmückte Welt zahlreich vertreten war, sprach der Gelkillche unier anderem über die Lä ckerlichleit mancher Mode. , Von der Mode der Gesichtspfläsierchen," rief er, will ich gar nicht sprechen, die ist gar unschön, und außerdem," setzte er mit Betonung hinzu, ist es ja doch allgemein bekannt, daß nur Frauen über fünfzig Jahre ihr Antlitz mit denselben bedecken." Und das half! Denn von diesem Tage an waren alle schwarzen Pflasterchen von den Gesichtern der Da mcn verschwunden. - '.

Auch be! den jüdischen Geistlichen

finden wir viele, die es lieben, ihre Predigten mit harmlosem Humor zu würzen, und durch eine kurze, aber scharfe Bemerkung gelingt es ihnen stets, ein Geschehniß oder einen Menfchen treffend zu charakterisiren, gleich jenem Rabbiner einer kleinen Gemeinde Mährens, in welcher der Uebertritt eines Gemeindemitgliedes zu einer anderen Religion unliebsames Aufsehen machie. Laßt ihn doch." sagte der Raböiner, als ihn die Gemeinde aufforderte, dem Renegaten in's Gewissen zu reden, die Christen .werden an ihm keinen guten Christen gewinnen, ebenso wie wir keinen guten Juden an ihm verlieren." In einer kleinen ungarischen Gemeinde wirkt' ein Rabbiner, dessen gute, treffende Bemerkungen fast ebenso bekannt sind, wie seine langen, oft zu langen Predigten. Eines Tages hatte er denn auch wieder von der Kanzel herab gesprochen und hätte bald das Aufhören vergessen; em Theil der ZuHörer unterhielt sich ganz ungenirt unter einander, die Anderen aber waren eingeschlafen! Die Unterhaltung wurde immer lauter und ungenirter, da unterbrach sich plötzlich der Prediger. Aber Kinder," rief er, wenn Ihr Euch schon so gut unterhaltet, so schreit doch wenigstens nicht so laut und weckt mir nicht die Leute auf, die so gut schlafen!" In manchen indischen Gemeinden besteht der Brauch, durchreisende Rabbiner einzuladen, am Sabbath in der Synagoge eine Predigt ' abzuhalten. und ein solcher Gast wird stets mit Ehren empfangen und bei den angese hensten Gemeindemitglledern zu Tische geladen. So kam auch ein solcher Wanderprediger in das kleine Städtchen Loschitz. Nachdem er lange und im ärgsten Jargon gesprochen hatte, näherte sich ihm der Ortsrabbiner, selbst em ausgezeichnete? Kanzelredner, und ermähnte zur Kürze, und," sagte er, die Gemeinde ist an deutsche Predigten gewöhnt." No und. ich! Hab' ich vielleicht nicht deutsch gesprichen?" Des Oefteren begegnen wir auch echtem. herzerfrischendem Humor bei den Protestanten, wenn auch in geringerem Maße als bei den Katholiken und Juden, aber es gibt auch da ewige Aus nahmen, und zu denen gehört sicherlich jener Pastor, der vor seiner Antrittsn St.VAii ftht tntl VT fl!T5 sfil t,Wfc 4wT. Utt 11 1 Mit j 0 zirten Predigt in einem Buche auf die Kanzel lege!? ließ; wohlegmuth betritt er einmal die Kanzel, fchlägt vor allem das Buch auf und findet 0 Schrecken! statt des beschriebenen ein ganz leeres Blatt Papier, schnell gefaßt nimmt er dasselbe, wendet es v -w , . r n ' nacy auen seilen uno ipricyi: Vier nichts und da nichts aber aus nichts hat Gott die Welt geschaffen." und an der Hand dieses Bibelspruches entwickelte er dann eine so geistvolle Rede, daß Diejenigen,' die ihm den Streich gespielt, beschämt und zerknirscht abzoM. Nicht übel ist auch das Extempore jenes Pastors, der gerade in erbaulicher Rede seinen Zuhörern die Wonnen schilderte, welche die Frommen dieser Erde im Paradiese erwarten: Ich rief er aus, mochte gleich dies irdische Jammerthal verlassen und in den Himmel gehen, aber ich kann ja nicht fort, wenn der verdammte Schlingel da unten nicht aufhört, meiner Tochter solche Liebesblicke zuzuwersen!" Die Zuhörer lachten, jener .verdammte Schlingel aber schlich beschämt von bannen. Zum Schlüsse sei noch zenes berühmten württembergischen Kanzelredners gedacht, des 'Prälaten Osiander, der. als ihn die herzogliche Maitresse aufforderte, auch ihren Namen in das Kirchengebet einzufchließen erwiderte: ,Sagt ihr, sie sei ohnedies schon darin, denn ich bete: Herr, erlöse uns von dem Uebel." In der Gegenwart ist der herbe Ernst unserer Zeit ein gar wirksamer Hemmschuh für die Entfaltung gesunden. kernigen Frohsinns und eines frischen, herzerquickenden Humors. Sprüchlein. Thu' jedem, nur. nicht Dir zu Willen Und reichlich wird Dein Lob wnn quillen. Enfant terrible. Haussrau: .Geh', Else, hol' 'mal vom Kaufmann ein Pfund Zucker!" Gast: Ei. ei, die Kleine geht einkaufen sag' Else, ver lierst Du nie das Geld, welches Du mitbekommst?" Elschen: Ach. Mama hat gar kein Geld, wir lassen alles aufschreiben!" Die leichteste Kavalle rie, mmy: oustn Aisred vesmdet sich jetzt auch bei der Cavallerie. erzählte letzthin Onkel Rittmeister. Trude: So! Bei welcher' Schwadron dient er denn? Emmy: Er ist Peaasusreiter geworden! ' Berbrecher-Httmor. Frau (zu -ihrem us dem Gcfängnig zurückgekehrten. Mann): Aber. WilHelm, Du hast ja, kein Haar mehr! Mann (alter Verbrecher): Das war auch das einzige, was bei uns ausgeh? durfte. ' Ununterbrochene Ar beit. Husfran (von ewem Aus--gang zurück, in die Küche tetai')): Aber Kathi, Sie haben ja gar nichts gabeltet! Kochin: Oho, seit Sie fort sind, hol' ich dem gnädigen Herrn Bier." Echt. Kundin: Sie versicherten doch, die Farben an diesen Strümvfen gehen nicht aus. ' Zwei Tage habe ich sie'getragen und seit vierzehn Tagen bekomme ich die Farbe nicht mehr von den Füßen herunter!". Sch.: Nun, hatte ich nicht recht?"