Indiana Tribüne, Volume 19, Number 121, Indianapolis, Marion County, 19 January 1896 — Page 3

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Im Sf5ui)jiicpcßps von HrorgtS Hynet. 11. Fortschung.) Er legte seinen hastigen Arm um sie: Schlicken Sie die Augen... es ist ein wenig Schwindel.... Sie haben sich für den Anfang zu viel zugemuthet. Wenn es Ihnen wieder etwas besser ist, wollen wir die hundert Schritt bis zu jenem Schlitten dort versuchen.... ich fahre Sie dann zurück... Glauben Sie. daß Sie noch bis dahin kommen körnen?" Sie antwortete nicht, und er fühlte, wie sie sich fester an ihn klammerte. Die Augen hielt sie noch immer geschlossen, aber ihre Wangen hatten sich wieder rosig gefärbt. Sie stieß einen tiefen Seufzer aus und stammelte: Ich glaube, ich kann keinen einzigen Schritt mehr machen." Dann warten Sie!" Er reckte sich in die Höhe und mit einem sicheren Griff nahm er sie in seine Arme und trug sie über das Eis. Sie schrie leicht auf. und ihre Augen, von denen sie die schweren Lider gehoben hatte, funkelten. Er sah ihr in die schönen, sinnlichen Züge, über die ein wehmüthig schmachtendes Lächeln flog. Fern von den Menschen, auf der eisigen Fläche, von den Schatten der hereinbrechenden Nacht umgeben, hatte er die Angebetete allein, ganz allein für sich. Er hielt sie gegen seine Brust gedrückt und es schien ihm. als ob sich ihr Herzschlag mit dem seinen vereine. Plötzlich, ohne in seinem Laufe innezuhalten, neigte er seinen Kopf auf den bezaubernden Mund herab, der seinen Lippen so verführerisch nahe war, und 'drückte einen glühenden Kuß darauf. Ihre schönen Äugen schlössen sich, und er fühlte ihren Körper, den er wie eine Beute davontrug, zusammenschauern. Wie todt lag Lydia; regungslos und stumm. Er gelangte zu dem Schlitten, setzte seine kostbare Last hinein und fuhr mit rasender Schnelle dem Haupttheile des Teiches zu, wo Bernheimer sie erwartete. Als er Lydia im Schlitten sah, rief er ihr entgegen: Mein Gott, was ist denn gefchehen?" Die junge Frau antwortete selbst: Es schwindelte mir ein wenig... aber es ist schon besser." Sie wollte sich erheben. Ich bin wie zerschlagen." Und sich an Roquiere wendend, sagte sie: Ich hatte unrecht, mich Ihnen anzuvertrauen." Ihre Lippen umspielte ein so eigentümliches Lächeln, daß der junge Mann nicht wußte, ob sie auf die Fahrt, die sie zusammen gemacht hatten, oder auf den Kuß. den er ihr gegeben, anspielte. Sie löste die Schliitschuhe von ihren Füßen und nahm Bernheimers Arm. Ich will jetzt nichts genießen... Meinen Wagen.... ich will nach Hause." Sehen Sie, ich habe es Ihnen gleich gesagt.... wenn Sie mir gefolgt hätten, wäre Ihnen nichts passirt." Gewiß nicht..... aber vielleicht sollte es passiren." Am Ausgang des Sees drehte sie sich noch einmal nach Roquiere um, und mit demselben Ausdruck in den Augen, wie in dem Moment, wo er sie in seinen Armen getragen hatte, sagte sie: Auf baldiges Wiedersehen, nicht wahr?" Er verneigte sich sehr tief, ohne zu .antworten, und sie entfernte sich. . Ploerne war sehr verstimmt, als er am folgenden Tag beim Durchblättern der Zeitung folgende Notiz las: Aus der Bahn des Eislaufverins herrschte gestern ein bewegtes Leben. Unter den hervorragenden Mitgliedern dieses Klubs bemerkte man...." Von den angeführten Namen stach ihm vor allem einer in die Augen, der Name seiner Frau: der Gräfin Ploerne. Wo war er denn zu jener Stunde gewesen? Entweder hatte er sich mit Geldangelegenheiten beschäftigt, oder sich im Klub gelangweilt, oder sonst irgend etwas mit irgend jemand gethan, anstatt mit Lydia zu sein, die ganz gut ohne ihn fertig geworden und unter lauter Fremden fchlittschuhgelausen war. Bernheimer und Roquiere und Clairefont und Bligny waren zwar da gewesen, aber es erschien ihm in ihrer Gesellschaft nicht passender, sich solchen Einfällen hinzugeben, ohne zuvor mit ihm darüber gesprochen zu haben. Er saß in trübe Gedanken versunken in einem kleinen Salon, wo ihn Lydia zum Frühstück abholen wollte. Sie trat denn auch bald herein, frisch und rosig, in einer entzückenden Morgentoilette aus weißer, mit Spitzen garnirter Seide. Auf den ersten Blick hatte 6 es heraus, daß er schlechter Laune war, und ohne Zögern und mit selbstbewußter Ueberlegenheit fragte sie: Was gibt es? Warum ziehst Du denn solch ein Gesicht?" Er antwortete mit einer Frage: Warum hast Du mir nicht erzählt, daß Du gestern fchlittschuhgelausen bist?" So, das beschäftigt Dich!" Es geht doch wohl kaum anders, Tvenn sogar die Zeitungen davon erzählen." O sie haben eben, wie es scheint.

viel Platz übrig., sonst könnten sie ihre Spalten nicht mit so etwas llnin eressantem füllen Nun ja! Ich bin gestern mit Bernheimer und Roquiere schlittschuhgelaufen. Hast Du etwas 'dagegen?" Ich bedaure, daß Du mir nichts 'davon gesagt hast, ich hätte Dich begleitet." Wußte ich denn, daß ich laufen 'würde? Ich war nur hingegangen, um zuzusehen. Der Zufall, die Gelegenheit, ein plötzlicher Einfall verleiteten mich, tl auch einmal zu versuchen... Ist das .ein solches Verbrechen?" Wenn Dir etwas zugestoßen 'XoaxtV

Wie soll mir denn etwas zusto W . . Ich weiß nicht. Du hättest hinfallen und Dich verletzen können." Sie lachte und verzog spöttisch den Mund. Was wäre denn gewesen! Wie es im Liede heißt: .S.-USr'.U iH'I aas d?m i'u, W aus E l uZ,zlk'.'.?,. Sie drehte sich lustig auf dem Ab satz herum und nahm ihren Gatten beim Arme. Komm, wir wollen frühstücken. Schneide kein solches Gesicht; es steht Dir gar nicht. Innerlich bist Du wüthend, weil Dir die Gelegenheit 'entging, mich mit Deinen Talenten zu blenden.. Du läufst jedenfalls großartig." Nein, durchaus nicht.... nicht besser als die meisten." Jedenfalls besser als Bernheimer." O, Bernheimer, der zählt nicht." Das müßtest Du ihm einmal sagen! Er ist sehr von sich eingenommen und würde es Dir nie verzeihen." Macht Dir Bernheimer etwa auch

den Hof?" Sie machen mir alle den Hof, aber er mehr als jeder andre." Armer Bernheimer... Ich kann Dich versichern, Lydia, daß ich nicht die Spur eifersüchtig bin." Aus ihn?" Weder auf ihn, noch auf sonst jemand." Da thust Du nicht recht daran." Sie hatte diese Worte so trocken und herausfordernd gesagt, daß Raimond den Blick zu ihr aufschlug. Warum? fragte er ruhig. Weil ein Mann, der wirklich verliebt ist, immer eifersüchtig sein muß, wenn er nicht für anmaßend gelten in. Du weißt, daß ich nichts weniger als anmaßend bin. Wenn ich aber wenig Vertrauen in meine Verdienste habe, so setze ich um so größeres m Deine Ehrlichkeit." Sie sah ihm gerade ins Gesicht und fragte in einem festen Tone: Und wenn ich dies Vertrauen mißbrauch te?" Er erblaßt: ein wenig, verlor jedoch seine Ruhe nicht. Scherze nicht über solche Dmae, Lydia; es ist zu peinlich für mich." Sie beharrte mit eigensinniger Er regung auf der Frage: Das war keine Antwort.... Was "würdest Du dann thun?" Raimond runzelte die Brauen und antwortete mit gedämpfter Stimme: Du weißt nur zu gut, was ich schon einmal gethan habe, und damals war ich im Zweifel Wenn es sich aber um Dich handelt: und ich wäre sicher . wehe dem, der Dich mir zu nehmen versuchte und wehe Dir!" Er strich sich mit der Hand über die Stirne und zwang sich zu einem Lachen. Du treibst mich dazu, Unsinn zu sprechen. Lassen wir dieses Thema, das in mir die traurigsten Erinnerungen werkt." Er schwicq eine Weile still, dann sagte er plötzlich: Solche Qualen aus- I stehen.... Gütiger Gott! Daran hat k man mit einem Mal gerade genug! Ihre Blicke ruhten prüfend auf ihm. während er sprach, und sie sah, wie schmerzlich erregt er war. Ihr Haß hatte sie den richtigen Fleck treffen gelehrt, hatte ihr den wunden Punkt seines Herzens gezeigt. Ja, sie wußte es nur zu wohl, was er schon einmal gethan hatte, und es war mehr als kühn von ihm, es ihr ins Gedächtniß zu rufen. Ohne zu wissen, ob sie oder Therese die Schuldige war, hatte er einen Menschen gemordet, und eben hatte er es ja zu verstehen gegeben, daß er wieder einen, ja selbst sie umbringen würde, wenn er in seiner Liebe beleidigt würde. Sie empfand eine, unheimliche Freude bei der Gewißheit, daß sie Angst vor ihm haben mußte. Sie hatte ihn für harmlos, für gezähmt gehalten und war nahe daran gewesen, ihn zu verachten, und die Nothwendigkeit, ihn fürchten zu müssen. bereitete ihr Vergnügen. Bei dem Kampfe, der ernst zu werden drohte,, setzte sie ihr Leben ein, deshalb hatte ihr Plan nichts Gemeines mehr an sich, und die Gefahr des Spiels, das sie spielte, erhob sie in ihren eigenen Augen über sich selbst. Für ihre stolze Seele war dies eine Genugthuung, denn es widerstrebte ihr, ein Opfer ohne Gegenwehr zu vernichten. Sie wuchs mit dem Gedanken, daß sie einem Manne, der zu tödten im stände war, die Stirne bot. Er fuhr aus seinem Sinnen auf und sagte: Nicht weil ich irgend etwas von Deiner Seite fürchte, habe ich Dein gestriges Benehmen getadelt. Aber Du bist noch so jung und unerfahren und denkst nicht daran, wie schnell ein schlimmes Gerede entsteht. Nichts wird mehr verübelt, als scheinbarer Leichtsinn; da nimmt sich schließlich wirklicher Leichtsinn unter einer ernsten Maske wohl besser aus. Nicht als ob ich dies bei Dir wünschte! Aber das Dekorum ist so viel- in der Welt, und dem, der öffentlich den Anstand wahrt, ist im Geheimen gär manches gestattet. Kleide also Deine Bravheit nicht in ein frivoles Gewand. Wenn Dich irgend eine Laune ankommt, so sprich mit mir erst darüber, damit ich den kleinen Erzentrizitäten, denen Du Dich hinzugeben Lust haben solltest, durch meine Gegenwart den schlimmen Stachel nehmen kann." Dieser vorsichtige und weise Rath mißfiel Lydia bei weitem mehr als seine Heftigkeit. Er bewies ihr, daß Raimond fehr rasch seine gewohnte Ruhe wiederzugewinnen imstande war, und daß sie die Macht nicht hatte, ihn in eine dauernde und tiefe Erregung zu versetzen. Sie mußte, wie es schien, sehr weit gehen, um ihren Gatten ernstlick aus dem. Glelcbaewiüt m brinaen.

Sie hätte ihn. den sie haßte, so gern bei einer Schwäche ertappt, und irgend ein Charakterfehler an ihm hätte sie entzückt. Ohne. daß sie-es sich ringe stand, imponirte er ihr durch seine Großmuth, seine Festigkeit und Güte. Er war zu vollkommen; das störte sie in ihrem Grolle gegen ihn. Nur durch den Tisch von ihm getrennt, saß sie ihm gegenüber und beobachtete ihn; und wie sie ihn so ruhig und harmlos sah, erfaßte sie namenlose Wuth. Er war ein schöner Mann, wenn auch von etwas kaltem Aeußern. Welch Feuer loderte aber in seiner Seele, welch hingebende Zärtlichkeit! Jede Frau hätte sich glücklich geschätzt, von ihm geliebt zu werden. Er stand

uder all den andern Mannern, und das gerade rechnete sie ihm als Verbrechen an. Wäre er abstoßend, unedel und feige gewesen, sie würde ihn weniger verabscheut haben. Sie fühlte, daß ihre Empfindungen gegen ihn eine Ungerechtigkeit waren, und dies reizte sie um so mehr. Sie war ihm über ihre eigne Infamie gram. Was Raimond anbetraf, so fand er sein Leben nicht so, wie er es sich geträumt hatte. Im Grunde seines Herzens schlummerte eine Traurigkeit, die er. um Lydia nicht zu mißfallen, zu unterdrücken bestrebt war, die ihn aber, wenn er allein war, um so häufiger heimsuchte. Alles seit seiner Verheirathung war Enttäuschung gewesen, alles Bitterkeit und Unruhe. Er fühlte sich von seiner Frau nicht geliebt; er hatte sich in Geldspekulationen gestürzt, die, so sehr sie von Erfolg gekrönt waren, ihm doch Sorgen bereiteten. Und dann vor allem war er von Therese getrennt. Seit sie den Entschluß gefaßt hatte, sich in ein Kloster zurückzuziehen, hatte Raimond es versucht, seine Jugendsreundin zu vergessen. Er hatte sich die besten Gründe für die Nothwendigkeit zurechtgelegt, sie aus seinem Leben zu bannen, und doch hatte er sich nicht zu überzeugen vermocht. Wenn er sich sagte. fca$ Therese seiner Achtung unwürdig sei, erhob sich eine Stimme in ihm. die sie vertheidigte. Wenn er sich vor sich selbst entschuldigte. weil er nie den Versuch machte, sie zu sehen, indem er als Motiv anführte, daß er ja doch nur trübe Erinnerungen in ihr wecken würde, klagte ihn trotzdem sein Gewissen der Härte an. Seine Logik lautete: Ich gehe nicht zu ihr, weil ich ihr wehe zu thun fürchte." Die innere Stimme entgegnete: Du gehst nicht, weil Dir in ihrer Gegenwart unbehaglich ist." Wohl rvar sie die Schuldige, und doch war er es, der eine Begegnung mit ihr fürchtete. Er hatte den Wunsch, sie aufzusuchen, und scheute zu gleicher Zeit davor zurück. Er kannte den Eingang des Hauses und die hohe Mauer, die den Garten umgibt, gar wohl. Zwanzigmal schon hatte er vor dem Portal gestanden und nicht den Muth gehabt, zu klingeln. Oft war er halbe Stunden lang vor dem Gebäude auf und ab gegangen und hate das Läuten der Glocke gehört, die drin die Andachtsübungen regelte. Dann war er fortgegangen, ohne seinen Entschluß, sie zu besuchen, ausgeführt zu- haben, und war mit geheimer Bitterkeit im Herzen, die, er Lydias halber vcrbergen mußte, nach Hause zurückgekehrt. Einmal hatte er Bernheimer gefragt, ob er etwas von Therese wisse, und der Bankier hatte ihm geantwortet: Selbstverständlich. Ich war diese Woche bei ihr. Es geht ihr gut. Sie fühlt sich ganz glücklich." Diese Versicherung hatte Raimond noch trauriger gestimmt. Glücklich? Wie war dies möglich? Hatte sie denn kein Herz, da sie nach so viel Unglück und Elend schon getröstet war? Oder hatte sie Bernheimer nicht die Wahrheit gesagt, der ja keine Ahnung davon haben konnte, wie es in der gequ'älten Seele der Novize aussay. Sollte sie ihm am Ende doch den wirklichen Grund ihres Entschlusses, ins Kloster zu gehen, anvertraut haben? Raimond mußte sich darüber Klarheit verschaffen und fragte deshalb den Bankier aus. Bernheimer setzte ihm mit erkünstelter Ruhe auseinander, daß sie ja immer schon diese Neigungen gehabt habe und ihnen schließlich nicht mehr habe widerstehen können. Samuel nützte sogar die Gelegenheit mit viel Geschick aus. ohne daß Ploerne etwas davon merkte, um den jungen Mann auszuholen und zu erfahren, welche Ursache sein Pathenkind gehabt haben konnte, um sich in einem Kloster einzuschließen. Raimond ließ durchblicken, daß Fräulein Letourneur bittere Erfahrungen in ihrer Liebe gemacht habcn müsse. Da dies schon zuvor Bernheimers Vermuthung gewesen war, befestigte sich in ihm die Ueberzeugung, daß Therese eine Neigung zu Ploerne im Herzen getragen habe, als dieser sich in Lydia verliebte. Zu was sollte ihm aber diese kluge Auslegung der Thatsachen dienen, wenn er seinem Pathenkind doch nicht helfen konnte? Ploerne war nun einmal Lydias Gatte, und Lydia beherrschte ihn vollständig. Er drängte also das, was er wußte, in einen Winkel seines Gehirns zurück, um es bei gegebener Gelegenheit wieder hervorzuholen. Er konnte nicht umhin, aufs tiefste zu bedauern, daß Raimonds Wahl auf Fräulein de Saint-Maurice gefallen war und daß er Thereses Liebe zurückgestoßen oder verkannt hatte Therese war wie für Ploerne geschah fen; die andre dagegen, die schöne und alles besiegende Lydia, paßte nicht zu dem ruhigen, ernsten Mann, und in die gerade mußte er sich verlieben, wahrend die andre abseits trauerte. Be:nheimers Gedankengang war: Damit alles m Ordnung käme, muß te ich Raimond die Augen offnen und Lydia ihre Freiheit wiedergeben kon nen. Was wären doch Therese und Raimond glücklich miteinander, und wie könnte ich ganz Paris mit Lydia blenden.... der kleinen Frau fehlen nur

die Milllötten, und die konnte ich ihr zu Füßen legen. An meiner Seite ware sie. was sie sein möchte, mehr als Gräsin: Marquise, Herzogin. Fürstin! Man kennt ja die Mat des Geldes, und die Titel sind in Europa nicht gar zu theuer zu erkaufen. 5lber all dies ist ja außer Frage, eV nicht etwas Ungewöhnliches dazwischenkommt. Zweifellos werde ich durch die Dienste, die ich Lydia leiste, nach und nach ihre Gunst gewinnen. Was ist dies aber gegen die Befriedigung, sie offen vor der Welt die Meine nennen zu dürfen und sie mit dem Rahmen zu umgeben, der ihrer werth ist. Um dies zu erreichen, müßte es mir gelingen, das Hinderniß zu beseitigen, das sich zwischen mir und ihr erbebt, und dies Hinderniß ist ihr Gatte. In unsrem sozialen Staat gibt es nur zwei Dinge, die eine Frau von ihrem Mann befreien: den Tod oder die Scheidung. ' Raimond wird es nicht einfallen, mir zu lieb zu sterben; er erfreut sich deS besten Wohlbefindens und ist jünger als ich; höchst wahrscheinlich überlebt er mich. Bleibt also die Scheidung. Unter welchem Vorwand? Er vergöttert seine Frau. Freilich liebt sie ihn nicht. Das ist aber

kein Grund für ihn, sich von ihr zu trennen. Im Gegentheil, wenn sie ihn hinterginge, und er sie dabei überraschte, ist er der Mann dazu, sie umzubringen, aber Nicht, sie freizugeben. Ich mag also die Sache drehen und wenden, wie ich will, es nützt mir nichts." Dies waren die Gedanken des unter dem Banne seiner Leidenschaft stehenden Mannes. Er hatte schon manch reizende Frau geliebt, aber keine t wie diese Kreolm. Man wußte, welche Tollheiten er für Charlotte Villeroy und Mrs. Olifaunt begangen hatte. Die Schauspielerin und die Fremde hatten ihn Unsummen gekostet, und mit Selim Nuno hatte er sich der schönen Engländerin halber entzweit. Die Finanzwelt erinnerte sich noch immer des Duells, das mit der Waffe des Geldes zwischen den beiden schlauen Brüdern an der Börse ausgefochten wurde. Alles, was spekulirte. zitterte damals vor den Kursschwankungen, die der wuthende Kampf der beiden Männer verursachte, von denen einer den andern zu Grunde zu richten versuchte. Nuno war der vorsichtigere, aber Bernheimer der geschicktere gewesen. Einige Zeit hatte es den Anschein gehabt, als ob Selim den Sieg davontragen sollte, da er die Bulgarische Anleihe, die sein Rivale ins Leben gerufen hatte, vom Erdooden verwischte, als sei es ein bloßes Sandkornchen. Aber Samuel hatte wieder durch den Zusammenbruch des Benagoa die Oberhand gewonnen und schließlich waren die beiden Athleten unversehrt und mit gleichen Kräften aus dem Kampf hervorgegangen, während um sie herum zwanzigKoulisslers, fünfzig Winkelmaller und zweitausend Spekulanten, die aus den verschiedenen Stadien der Schlacht ihren Gewinn hatten ziehen wollen und die den Muth gehabt hatten, sich an den Operatlonen zu bethemgen, rmmrt und von der durch die beiden Finanzplaneten erzeugten Ebbe und Fluth verschlungen worden waren. Kurz, alles, was Bernheimer für diese Frauen empfunden hatte, war nichts im Vergleich zu dem Gefühle, das ihm Lydia einflößte. Wenn er die Möglichkeiten, sie zu der Seinen zu machen, bei sich erwog, ging er nicht bis zu dem Gedanken eines Verbrechens; es hätte jedoch keines großen Anstoßes bedurft, um ihm ein Verbrechen, das ein andrer auf sich geladen und woraus er den Vortheil gezogen hätte, annehmbar erscheinen zu lassen. Wer aber sollte der andre sein? Der Unbekannte, der Zufall, irgend ein Roquiere, gegen den der Gatte ausfällig wurde und der dann, beleidigt, den Ehemann ins Jenseits beförderte. Eine solche Lösung hatte aber etwas von einem Theatereffekt an sich, erinnerte an die Katastrophe im fünften Akt eines Dramas, oder die sensationellen Berichte der Tagesblätter, die nicht auf dem Boden des wirklichen Lebens stehen, und der praktische und nüchterne Bernheimer lachte sich selbst ob dieser Phantasien aus. Und trotzdem tauchten sie immer wieder in ihm auf. Sollte dies alles nicht dennoch möglich fein bei einer koketten Frau, einem kühnen Verehrer und einem eifersüchtigen Manne? Wie herrlich es wäre! Denn Lydia mußte dann einen Mann zurückweisen, der sich mit dem Blute ihres Gatten befleckt hatte, und hernach war es Bernheimers Aufgabe, die für einen Moment kompromittirte junge Frau wieder zu Ehren zu bringen. In diesem Zukunfts bilde war allerdings ein dunkler Fleck: der Verehrer, Roquiere, der bestimmt war, mit seinem Schwerte den gordischen Knoten zu durchhauen. : Es brauchte ja aber zwischen ihm und der Gräfin nichts weiter als der Schein vorzuliegen. Eine kleine belanglose Koketterie von ihrer Seite, gerade genug. um den Gatten aufzureizen und um Bernheimer von Nutzen zu sein. So malte sich der gute Mann die Dinge aus, wenn er nach einem opulenten Diner im Klub am Kamine faß und nur mit halbem Ohr dem Geklatsche der Anwesenden lauschte. Er fühlte sich glücklich bei diesen er träumten Chimären, denen er kaum Gestalt zu geben wagte, und begnügte sich einstweilen mit der Rolle eines platonischen Anbeters. Er traf Ma dame de Ploerne täglich, entweder in Gesellschaft oder im Bois, oder er suchte sie bei sich zu Hause auf. Sie behandelte ihn theils wie einen alten Onkel, theils wie einen Untergebenen, indem sie ihrer Herzlichkeit eine beträchtliche Dosis Grobheit beimengte. Wenn er zu ihr ins Zimmer trat, war ih? erstes Wort: Wie stehen unsre Papiere?" und wenn er eine ' immer

befriedigend ausfallende Auskunft gab, belohnte sie ihn mit ein paar liebenswürdigen Phrasen, die ihn in den siebenten Himmel erhoben. Er beobachtete dann scharf, was um ihn her vorging, und prüfte die Fortschritte, welche die ständigen Gäste des Hauses in der Intimität der Gräfin allenfalls gemacht hatten, und voll Freude bemerkte er, aß keiner seinem Ziele näher gerückt jEr und allen mit derselben Freundliehst.'1 begegnet wurde. Ein einziger Roqllk're schien ihm kurze Zeit hindurch ernste Chancen gehabt zu haben, und gerade ihn sah man seit etwa vierzebn Tsen viel seltener in der

Rue Rembrand. als ob er, nachdem er alles aufgebsir.'n hatte, um ihr zu gefallen, der Sache plötzlich müde geworden sei Für dses Fortbleiben Roquieres. das dem &inher solches Vergnügen bereitete, sollte Samuel indeß bald eine Erklärung Werden, die ihn wie ein Blitzstrahl traf. Siebentes Kapikes. Eines Nachmittags,' gegen vier Uhr, als es schon dunkelte, kehrte Bernheimer von Passy zurück, wo er die Besitzung eines Freundes besucht ' hatte. Der Wagen des Bankiers fuhr des Glatteises halber nur langsam durch eme zwischen der Avsnue Klebn und der Avenus Jena neu angelegte Straße, als er an der Ecke der Rue Lübeck aus einem fünfstöckigen Hause eine sorgfaltig verschleierte und mit emsacher Eleganz gekleidete Dame heraustreten sah. Sie eilte etwa zehn Schritte auf dem Trottoir hin und stieg dann in eine Droschke, die sofort abfuhr. Bernheimer hatte sich alles Blut zum Herzen gedrangt, denn er war überzeugt, da die Dame keine andre als Lydia sei. Schon ließ er das Koupefenster herab, um dem Kutscher zuzuusen: Folgen Sie der Droschke dort! als ihm noch zur rechten Zeit einfiel, der Mann möchte sich seine Gedanken darüber machen. ' Gleich kam er auf eme bessere Idee. Anstatt der Droschke nachzufahren, in der er Lydia vermuthete, war es am Ende kluger, der Grafm zuvorzukommen und sie in ihrem eigenen Hause zu erwarten. So konnte er sich denn überzeugen, ob sie in der That aus war, und konnte bei ihrer Rückkehr zugegen sein und ihre Toilette mit . der jener Dame aus der Rue Lübeck vergleichen. Auf jeden Fall konnte er beobachten und fragen und Lydias Ahnungslosigkeit ausnützen, um sich Gewißheit zu verschaffen. Dies war seiner Ansicht nach das beste, was er thun konnte, 'ind er befahl daher dem Kutscher, nach der Rue Rembrandt zu fahren. Die Droschke holperte noch immer vor ihnen her. in der Richtung nach den Champs-Elysees, und erst beim Arc de Triomphe verlor Bernheimer sie aus den Augen. : , Nun hatte er Zeit, darüber nachzudenken, was ihn eigentlich so Plötzlich veranlaßt hatte, der Dame, die er für Lydia hielt, folgen zu wollen. Was ging denn in ihm vor und woher rührte . die plötzliche Aufregung, die ihm beim Anblick der eleganten Erscheinung und des leichten Ganges der Unbekannten so ohne Weiteres mit Bestimmtheit hatte annehmen lassen: Es ist Lydia! Sie war bei ihrem Geliebten!" Die Entdeckung war niederschmetternd für ihn. Kaum daß er sie hatte sehen können, und doch zweifelte er keinen Augenblick daran, daß' es Lydia war und daß sie nur ein Liebesabenteuer in das fünfstöckige Haus geführt haben konnte. Warum er dessen so sicher war, er hätte sich selbst keine Antwort darauf gewußt. Nichts bewies ihm. daß es sich um die Gräfin handel te, und selbst wenn sie es war, hatte er kein Recht, der Sache eine solche Ausleaunq zu aeben. Alles war un sicher, alles ungerecht, wiederholte 'sich Samuel hundertmal, und doch blieb er überzeuat. daß er Lydia vor Augen gehabt hatte, und er hätte geschworen. daß sie nicht in dieses Haus ging, um Almosen, zu spenden, es sei denn emem nach Liebe Durstenden. Bei diesem Gedanken bäumte sich alles in Bernheimer auf und er warf sich rastlos von einer Ecke semes Wagens in die andre. Welche Entdeckung, und gerade in einem Moment, wo er geglaubt hatte, so ruhig sein zu dürfen! Und doch wieder, welch glücklicher Zufall, der gerade ihm dieses Geheim niß in die Hände spielte! Ei, wie schlau und geschickt sie war, die entzu ckende Gräfin, denn nichts in ihrem Auftreten hatte ihn dies vermuthen lassen. Er hätte seinen Kopf gewettet. daß sie brav ser; em wenlq kokett, werter nichts. Sie würde ja auch nicht die reizende Frau sein, die sie war, wenn sie sich nur immer ernst und zurückhaltend gezeigt hätte. Das allerdings aber hatte er nicht von ihr erwartet. Mit wem?" fraate er sich. Er rieth nicht lange herum und steuerte gerade auf die Wahrheit los. Wenn em Verhaltniß zwiscben Lydia und einem unter denen, die sie mit ihren Aufmerksamleiten verfolgten, bestand, so deutete alles auf Roquiere, vor allem fern aus fallendes Wegbleiben in der letzten Zeit. Wenn er die junge Frau rncht mehr besuchte, so erklärte sich dies daraus. daß er sie anderswo heimlich traf. Und wie lange mochte dies schon sein? Seit jenem Nachmittage auf dem Eis. Es mußte stimmen, denn seither war Maurice nicht mehr in der Rue Rembrandt erschienen. Der Gedanke, die. Rolle des geprellten Alten zu spielen, brachte Bernhei mer in helle Wuth, und er ließ sich in seinem Wagen zu lauten Schimpfwor ten und Drohunaen hinreißen. Welche Heuchelei und welche Ruchlosigkeit steckte hinter dieser Lydia! Nach all den Beweisen von Hingebung und Aufopferunq felnerfeits ihm das anzu tbun! Wie konnte er sich nur an ihr rächen? Denn eine solche Kränkung still hinnehmen, das fiel ihm denn doch nicht ein; im Segentheil, tl wollte ihr

seine Meinung recht deutlich sagen und ein für allemal mit ihr brechen. Dann 1 konnte sie , sich ja einen andern Bernheimer -suchen, der ihr Geld in solcher Weise anlegte und es ihr mit vierzig Prozent verzinste! Doch plötzlich beruhigte er sich, denn der Gedanke fuhr ihm durch den Kopf, daß wenn sie schon einmal einen Geliebten hatte, es nicht unmöglich wäre, daß sie auch diesen, und zwar mit ihm, betröge. Das Schwerste war stets der erste Sieg über den Gatten; war diese Grenze einmal überschritten, dann war alles viel leichter. Ja." schloß Bernheimer, erst einen Geliebten aus Leidenschaft, dann einen zweiten'aus Eigennutz, und dieser zweite werde ich sein. Die Leidenschaft verraucht, der Eigennutz besteht fort, und bei diesem Punkte werde ich sie fassen. Genau besehen, bin ich recht albern, mich so aufzuregen, als ob sie mich Hintergangen hätte. Sie hat im Grunde genommen doch nur meinen Hoffnungen einen Stoß versetzt und meine Lage ist

dieselbe geblieben. Was sage ich? Sie at sich eher verbessert!" Der Wagen hielt jetzt vor der Thür der Villa; Bernheimer sprang rasch aufs Trottoir und trat ein. Im Vestibül kam ihm ein Diener entgegen. Ist die Frau Gräfin zu Hause?" fragte der Bankier. Er erhielt die Antwort, dan rne Frau Gräfin ausgegangen sei, gegen suns Uhr aber zurück sem wollte. Ob der Herr nicht warten wolle? Samues hätte sich gern danach erkundigt, um wieviel Uhr Lydia das Haus verlassen, ob sie den Wagen benutzr und was für eine Toilette sie angehabt habe. Er brachte es jedoch nicht über sich, den Diener auszufragen. Wenn es wenigstens eine der Kammerjungfern gewesen Ware. Frauen sind mittheilsamer, leichter zu bestechen und doch wieder verschwiegener als Männer. So. mußte sich der Bankier mit der Mittheilung genügen lassen, daß Lydia aus war. Er ging in den Salon. Hier in dem eleganten Rahmen, wo er sie zu seben gewohnt war, wo alles von ihr sprach, wo ihr Lieblingsparfüm den Möbelstoffen entströmte und an ihre Geoenwart gemahnte, wollte sein Optimismus Nicht mehr Stich halten und er litt unsäglich unter dem Gedanken, daß ein andrer sie besaß. Rastlos schritt er ,m Zimmer au: und nieder und wüthete gegen die Schlechtigkeit dieser Welt im allgemeinen und insbesondere gegen den Dummkopf von Gatten, der seine Frau ruhig in ihr Verderben rennen ließ. In dem Augenblick, wo er Ploerne zu allen Teufeln wünschte, wurde die Thüre geöffnet, und Raimond trat ahnungslos und liebenswürdig auf den Bankier zu: Man theilt mir soeben mit, daß Sie die Gräfin erwarten.... Ich war in meinem Arbeitszimmer und komme, um Ihnen Gesellschaft zu leisten. Erst freute sich Bernheimer, als sich Raimond neben ihn setzte, denn was er den Diener mcht zu fragen gewagt hatte, konnte er aus Raimond herauslocken. Er steuerte auch sofort auf fein Thema los. mußte sich aber bald klar machen, daß wenn man über eine Frau Aufschluß haben will, man sich nicht an ihren Gatten wenden darf. Raimond antwortete auf die in geschickter Weise gestellten Fragen des Bankiers so unbefriedigend wie möglich. Lydia sei nach dem Lunch ausgegangen, in die Sitzung eines Wohlthätigkeitsverems, der m dem Saale Albert-le-Grand einen Bazar zum Besten der Armen vorbereite. Den Wagen habe sie wahrscheinlich benutzt, behaupten könne er es ledoch mcht. Uno anstatt zu erzählen, was Samuel vor allem zu wissen verlangte, zog ihn Raimond in ein Gespräch über das Comptoir Francais. Die Gesellschaft, die nun vounanoig im iange roar, gauc in v n " t T , f- -11- 1 ihrem Verwaltunasraty Veranoerun gen vorgenommen und an Stelle der professionellen Financiers Leute aus der vornehmen Welt gesetzt. Welche Traaweite :eser Schritt für tue Zu kunft der Bank haben konnte, fragte Raimond. Und der Bankier, der seinen Aeraer in sich hineinfraß, mußte nun dem Grasen aussuyrtla) oie runoe m -r"- ff - T C erklaren, die zu dieser neuen isrnnöj tuna veranlaßt hatten. Nach dem Er fola. mit dem das, Comptoir Fran cais seine Existenz begonnen hatte. hielt man es für nothig. durch eine ausschließlich anftokretl che Zu ammensetzung des Verwaltungsrathes die Richtuna des Unternehmens ganz ve sonders zu betonen. Diese Vereinigung von carquis, zürnen unu 3jzx$v$zii - svn rv " r i v r ' an der Spike des Comptoirs verleihe der Sache erst ihren eigentlichen Charakter. ' Samuel sprach, ohne an das zu denken, was er sagte; er hatte es darin zu . n- i r t : i . erner wayren ZUirmoniar ' georacvi', itod während er die Sätze aneinanderreihte Mausefallen für Aktionäre dachte er: Warum kommt ne venn nicht? Wohin kann sie noch gegangen sein? Was treibt sie? Selbst wenn ich annehme, daß mein Pferd ihren Droschkengaul mn eine Viertelstunde . L . . t r

überholt yar, mußte t ieZi oa ,ein. Ueberdies ist es die Stunde, wo sie taglich Besuche empfängt." Ploerne verbiß sich immer mehr irr das Thema der Vankangelegenheiten und es war' das 'reine Wunder, daß. Bernheimer nicht mit dem Thema Lydiä antwortete.' Endlich um halb sechs Uhr vernahm er einen leichten Schritt, und die Gräfin erschien. Bernheimer der sie fast mit den Augen verschlang und den Athem vor Erregung anhielt, empfand eine furchtbare Enttäuschung bei ihrem Anblick. Lydia hatte ihre Straßentoilette mit einem reizenden Hauskleid vertauscht. Die Fassung?losigkeit Bernheimers war so auffallend, daß Lydia sie unmöglich nicht bemerken konnte. Nachdem sie Raimond zugenickt hatte, begrüßte sie den Bankier. (Fortsetzung folat.). ; .

- Zur ine Biidjc. '1 Legirte W e i n f u p p e. Mark, kocht eine Flasche weißen Wein, je nachdem die Suppe stärker oder schwächer sein soll, mit mehr oder weniger Was ser, Citronenschale. Zimmt und Zucker auf, quirlt ihn mit Eidottern, die man, mit in wenig Kartoffelmehl und Wein, klargerührt, ab und giebt kleine Bisruits und geröstete Zwiebackschalerr dazu. Gebratene Hammel-Co-telettes. -Man verwendet dazu daö Rippenstück, löst das Fleisch mit dem Messer von dem Rückgratknocherr und haut diesen mit einem Hackmesser, da wo die Rippen an demselben besestigt sind, recht glatt ab. Hierauf schneidet man das Rippenstück, je nachdem die Eotelettes größer oder kleiner ausfallen fallen, zwischen jeder oder zwischen je zwei Rippen durch, macht an jeder Cotelette etwa einen halben Zoll breit über dem Fleisch einen Einschnitt rings um den Knochen, schabt, das Fett und die Haut von demselben! und haut ihn etwa einen Zoll über dem

Fleisch ab. Dann schneidet man bt das Fleisch umhüllender Sehnen und! das Fett rein ab, schlägt die Cotelette? mit dem Hackmesser em wenig breit. schneidet sie rund, bestreut sie mit Pfeffer und Salz und bratet sie, inEi unl' geriebener Semmel panirt, oder auch unpanirt, in zerlassener Butter, von beiden Seiten rasch gelbbraun. Die sa; bereiteten Cotelettes kann man mit klarer Jus und gebratenen Kartoffeln als ein selbstständiges Gericht geben, oder jie als Zemüse-Veilage verwenden: doch muß man sie im ersten Falle großer. rm letzteren aber so klein wie mög lich schneiden. Hasenpfeffer. Vorderbeine und Bauchtheil in Stücke theilen, den Kopf spalten; dies mit Herz, Leber und Lunge tüchtig mehrmals waschen. Halb Butter, halb Rindsfett oder Bratenfett heiß werden lassen, einige Zwiebeln darin dünsien, Mehl dazu und bräunlich rösten, dann mit Wasser: nachfüllen. Hierzu: Salz, Pfeffer einige Nelken, zwei Lorbeerblatter, noch ein Stückchen Butter und etwas Essig. Hat marr d:e obigen Hasentheüe in Essig liegen gehabt, so nimmt man von, diesem. Verwendet man sie frisch, sa muß man anderen Essig nehmen.! (Selbstverständlich findet in ersterem: Falle das. exakte Reinigen statt, ehe man sie in Essig legt.) Die Sauce muß pikant säuerlich schmecken und' recht dicklich fein, indessen ist es eigentlich blos Ragout und dient als Ersatz' des echten Hasenpfeffers, zu welchem von rechtswegen Blut gehört, welches man mit Essig vermischt und zuletzt mit durchkochen läßt. In diesem Falle braucht man vorher die Sauce nicht dick zu haben, das Blut verdickt sie. Königs-berger Klopps: lj Pfund Schweinefleisch, 1 Pfund Rindfleisch, sein gehackt; hierzu eia Viertel Laib einen Tag altes Weißbrov gegeben, ebenso eine große Zwiebel. Dann fügt man hinzu: je eine Messer spitze voll Muskatblüthe, Nelken, All. fpice, Pfeffer, Salz nach Bedarf, zwei Eier. Das Alles gut vermischt, giebd ungefähr 20 Klopps, die m einen Tops mit Wasser 15 Minuten gekocht werden. Dann schwitzt man Mehl in zwer Eßlöffel Butter hellbraun, füllt mid der Brühe nach, giebt dann das fein gehackte Fleisch von zwei Häringen, welche am Abend vorher geputzt und in Wasser gelegt wurden, hinzu, auch eine feingeriebene Zwiebel. Die Sauce muß schön sämig sein. Man würzt sie nach Geschmack mit Essig, und giebt eine halbe Flasche Kapern dazu. Nachdem sie durchgekocht und der richtige Ge schmack erprobt ist, werden die Klopp hinein gelegt und der Topf wird auf einen Üntersatz bei mäßigem Feuer eine Stunde- lang so stehen gelassen. Sie werden '.mt Citronenscheibeu servirt. Gulyas. Drei. Pfund Rindfleisch (man kann auch Rind- unii Schweinefleisch halb und halb nehmen) .wird in eigroße Stücke geschnitten, eS sollte Lende oder Wade sein. Fett oder Speck heiß machen, 3 4 große Zwiebeln hineingegeben, dann eine Prise Kümmel. Zwiebel gelblich dünsten, das Fleisch hinzu, zudecken, unter , öfterem Umrühren eine Stunde dämpfen lassen. Drei große rothe Tomatoes, oder: die entsprechende Menge Kannentomatoes hinzu, wieder eine Stunde dünsten. Dann eine halbe rohe Kartoffel hinzureiben, nach Geschmack salzen, eine Messerspitze Paprika hin ein, wieder eine halbe Stund: kochen. Von einem flachen Eßlöffel Mehl in. Jett eine braune Röste machen, mit kaltem Wasser anrühren, eine halbe Minute- ungerührt stehen lassen, dann zu dem Fleisch geben, noch einigemal aufwallen lassen und die Dicke oder Steife der Brühe reguliren. A p fe l t o ? t e. iz Pfund Aepfek werden- fein geschnitzelt, Saft und Sckale einer Citrone, ein Achtel Vfund Butter, ein Viertel Pfund Zucker und sechs Eigelb werden zusammen tüchtig verrührt. Dann gebe man die Aepfel mit hinein und schließlich den Schnee der sechs Eier. Die Masse muß etwa eine Stunde bei Mittelhitze in einer iSringsorm (Vlechform mit losem Bo den) backen. GuterKuchen zum Kaffee. 4$ Unzen feingestoßenen Zucker rührt, man mit vier Eidottern- eine halbe Stunde lang und fugt nach und nach? 3 Unzen zerlassene Butter, zwei Eier--becher voll lauwarmen, süßen Rahms 7 Unzen, feines Mehl und den Schneeder vier Eierklar dazu. - Ist Alles gub verrührt, so gibt man das Backpulver darunter, Mllt den Teig in eine mit Bröseln ausgestreute Form und bäckt 'den Kuchen langsam. In dem Augenblicke, w dem ein Weib zu einem Mrnne Du saA vird er zur zweiten Person -