Indiana Tribüne, Volume 19, Number 114, Indianapolis, Marion County, 12 January 1896 — Page 6

Für Eetft uns (Semüty.

Mir ist, als waren wieder In tiefer Winternacht Die alten Träume unWeder Im Herzen aufgewacht. . Was ist auf Erden wirklich Dein? Nur Liebe kannst Du wirklich schenken Und allen denen, die Dich kränken. Ein volles, herzliches Verzeihen. ; Der Mensch hat nichts so eigen, So wohl steht ihm nichts an, j Als daß tt Treu' erzeigen i Und Freundschaft halten kann. Du darfst Dich nimmer selbst verzeh xtrt Im Schmerz, den Gott Dir zugetheilt; Die eigne Wunde soll Dich lehren. Wie man des Nächsten Wunde heilt. Wir, wir leben! Unser sind die Stunden, And der Lebende hat Necht. Ein Stiefkind der Eesellschaft. Von Liane Neinhold. In dem Salon, in jeder Familie pflegt man heute die schönen Äünste, gleichviel ob .mit 01 ohne Talent. Wer Hände hat und das nöthige Kleingeld spielt Klavier; wer nur ein wenig Sdimme -und oft ,noch weniger Ohr hat, singt die Weise moderner Meister; bei allen größeren und kleiineren Abendgesellschaften wird gemimt, anro man wagt sich dreist auch an schwierigere Sachen; also, wie gesagt, man pflegt die schönen Künste im Dienste der Geselligkeit, wie der Humamtät zu wohlthätigsn Zwecken." . Nur eine hohe Kunst steht verlassen, vernachlässigt draußen vor der Thür der Salons; kaum noch gedenkt Einer ihre: aus der fernen Jugendzeit, sie ist .aus der Mode gekommen." . Für jene hohe Vergessene möchte ich dine Lanze brechen, sür das Stiefkind der Gesellschaft: die Declamanon! Warum pflegt man sie heute nicht mehr? Sind denn die hohen, erHabemen Worte unserer Dichierheroen weniger werth, als die Töne unserer Mussttx, und ist die menschliche Stimme m der Sprache wenig:? modulatwnsfähig, ircniaer wirksam, als beim Gesang? Ich bin weit davon entfernt, der Musik ihre vollgültig? Berechtigung als VeHerrscherin des Salons zu schmälern, doch meine ich. dak neben ihr auch der Recitation im Kreise der Gebildeten ein Plah gebührt. Einmal wirkt für die Geselligkeit eine Abwechslung in den gebotenen geistigen Genüssen nur erfrischend; nichts ermüdet mehr als Monotonie, arnd nichts greift die Nerven mehr an, spannt mehr ab, als stun denlanges Anhören von Musik, zumal uns gesellschaftlich nicht immer Kunstleistungen. sondern oft recht Mittelmäßiges gedoten wird. 'Das belebende Element in der Natur, wie im Men.schendasein, also auch in der GeselligZeit, ist der Wechsel. Dcmn ist aber auch der erzieherische Werth der Reciäation nicht zu unterschätzen. Gar oft werden dadurch längst vergessene Geistesschätze wieder an's Tageslicht gezogen; der Geschmack am wirklich Schönen, der Sinn für Poesie iwird gebildet und erhalten, und auf das Gemüth wird oft wunderbar dadurch gewirkt. Sollte nicht beispielsweise bei einer Vorstellung weit mehr cn das Mitgefühl der Zuhörer,appellrxeir, als ein .delieöiges Musikstück? Gut declamirt! Da ist der EinWurf, den ich von Ihnen, meine lieZbenZwüvdigen Leserinnen, erwartet habe. Ja. wer kann dem: das? doch nur einige Wenige!" Und darin muß ich Ihnen nun allerdings beipflichten ein Jeder kann's nicht, und gerade die Declamation verträgt keinen mittelmäßigen Dilettantismus, schon weil ihr jedes flitterhafte, unterstützende Beiwerk fehlt. Da hilft keine noch so gewandte Zunge, wie bei der Musik große Fingerfertigkeit, wie bei der dramatischen Kunst lebhafte Mimik. Anmuth der Bewegungen, raffinirte Toilette und künstlich .unterstützte Schönheit! Da ist nichts als einfache Wahrheit, nichts als die Wirkung von Mund zu Ohr, von Herz zu Herzen! DaS ist die ganze große Kunst! Nur ein warm und wahr empfindendes Herz weiß jene Herzenstöne zu finden, welche die Seele des Vortags sind und die, weil sie von Herzen kommen, auch zum Herzen gehen. Freilich gehört dazu noch eine melodische Stimme und eine edle Sprache. Und welch eine Macht über die Menschenherzen, welch' ein Zauber: liegt in der Stimme, die aus einem warm empfindenden Menschenherzen kommt! Je einfacher, je naturwahrer die Declamation. je tiefer der Declamirende selbst den Geist der Dichtung empfinbet, desto größer, ja elementarer wird die Wirkung auf die Zuhörer sein. Da ist auch nicht Einer, der sich ihr entziehen kann! Dazu bedarf es keines Verständnisses, nicht ' einmal der Bildung; auch das einfachste Gemüth versteht die Sprache des Herzens; sie läßt Saiten erttingen, die der Hörer selbst nie gekannt, oder die er längst verstummt geglaubt; sie wird erfreuen, rühren, ja selbst den. Geist erheben können über alles Irdische! llrid diese hohe, edle, heilige Kunst laßt Ihr draußen vor Eurer Thür? Auf, öffnet die Pforten! laßt sie her- ' ein! Sie wird wahrlich nicht der gerinaste Schmuck der Geselligkeit werden! Glosse. Geben: ist seliger, denn nehinen!" Das gilt besonders von Ohrsergen und Dilettantenvor:llungen. .

crstelluny des ChrlstbanmSchmuckes. Es blinkt und funkelt und glänzt in dem dunkeln Grün des Christbaumes, als ob die silbernen Sternlein vom Himmel heruntergekommen und sich den Zweigen angehängt 'hätten. Aber sehr prosaisch löst sich das für die Kleinen geheimnißvolle Räthsel von den funkelnden Kugeln und Sternen am Weihnachtsbaume auf; sie kommen nicht vom fernen Firmament, daS ewig von unS getrennt ist, sondern schlicht und recht aus dem; allbekannten Thüringerland, wo die Berge und die Tannen ragen, aus dem im Thale reizend gelegenen Lauscha.

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Ansicht von Lauscha. Die Lauschaer verdienen warmen Dank, denn der prächtige Schmuck unserer Christbäume ist vornehmlich durch chre Thätig kett möglich. Sie sind kundige Glasbläser schon seit altersher und zudem erfinderisch, flekgig und geschickt. Wer das große, zu Memingen gehörige Dorf durchwandert, merkt, daß hier ein origineller Menschenschlag wohnt, der sich noch manche Traditionen aus alter Zeit bewahrt hat. Man rühmt ihm Witz, leichtes Blut, Lebenslust und tSangeslust mach, und man rühmt noch ganz besonders, daß die Mägdlein die schönsten im ganzen Thüringerlande seien. Der klein Ort hat über 3L00 Bewohner. Blasen und Formen. Schon frühzeitig haben im Thüringer Walde Glashütten bestanden. In Lauscha, wo die alte und die faule Lauscha ineinander münden, wurde schon im Jahre 1595 eine Glashütte durch schwäbische und böhmische Glasmacher gegründet. Die beiden Glasmeister Hans Greiner, genannt Schwabenhans, aus Schwaben unid iChristoph Müller aus Böhmen, beide Protestanten, die wegen chres Glaubens ausgewandert, hatten die Henriettenthal" benannte Hütte zuerst oberhalb Lauscha im gräflich Pappenheim'schen Lande errichtet. Zwei Jahre später wurde die Hütte auf öas 2kb1tt des Herzogs Johann Kasimir zu Sachsen - Eoburg, der den Meistern am 10. Januar 1697 einen Erbbrief hatte ausstellen lassen, an die Lauscha verlegt. Man verfertigte Trinkgläser und Butzenscheiben, damals Ochsenaugen" genannt, aus Verspiegeln. Sand von Steinheid, gebranntem Tufsiesn aus Weißenbrun, sowie Pottasche, die in der Hütte selbst bereitet ward. Diese alte Lauschaer Hütte ist die Mutter fast aller thüringischen GlasHütten geworden. In 'Lauschi selbst sind gegenwärtig drei Hütten im Betrieb, und außerdem wird nock in der Form des Hausgewerbes wacker in Glas gearbeitet. Man verfertigt die verschiedensten Hohlglaswaarm, Perlen, Märbel, Kugeln, Blumen, Früchte, Spielwaaren und auch künstliche Menschenauaen. Weit und breit sind diese Leistungen geschätzt, wie denn auch tote lauschaer Glasbläser von den Glasrndusttiellen anderer Bezirke und Länder als tüchtige Kräfte sehr gesucht sind. Eintauchen in S t ä r k e f a r -ö e n. Wie der gläserne Christbaumschmuck, die silbern oder farbig flimmernden Kugeln und verwandten Gebilde gefertigt werden, zeigen deiulich unsere Bilder. Die Kugeln werden geblasen, und zwar ist zu? Speisung der Lampengebläs: sür die Glaswaarenmache? eine Gasfabrik angelegt, von der auch die .benachbarten Dörfer Crnstthal, Jzelshieb und Neuhaus am Nennsteig, wo man gleichfalls die Glasbläserei betreibt versorgt werden. So dünn

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werden die Kugeln geblasen daß ihre Wandung kaum stärker als Papier ist. Soll da5 Gebilde nicht die Kugelsorm behalten, so verleiht man ihm durch vorsichtiges Einziehen der Wandung an vier symmetrisch gewählten Stellen oder durch irgend welche andere Manipulationen eine veränderte, meist laternenartige Gestalt. Nach 'dem Blasen ud Formen folgt das Berspiegeln. das. den aufgespießten Kugeln einen schönen silberartigen Glanz gibt. Sollen sie einen einheitlichen Farbenwn. etwa Blau oder Roth, erhalten, so werden sie in Stärke und alsdann in die betreffende Farbe getaucht, um getrocknet schier märchenhaft schön wie Nubin, Saphir und Topas zu strahlen und zu sunkeln. Eine mehrfarbige Behandlung der Kugeln

V ema len. und der verwandten Gebilde fällt den W t tM calermnen" zu, die diese Kunstarbeit mit wenigen Pinseltupscn vollbringen. Den Beschluß bild? das Befestigen von Oesen. das Sortiren und das Einpacken. Alle diese Arbeiten müssen ungemein sorgsam und mit leickter iSaitd ausgeführt werden, da die Waare feDerieuyt uiß sehr zerbrechlich ist. Mit Ausnahme des Blasens, Formens uud Verspiegelns werden denn auch ,zu den übrigen Manipulationen fast aus. arahmslos weibliche Kräfte heranaezom. ...... . - WfZf7...rr i f. fö? r'i WMfrt Anbringen der Oesen. In Tausenden von Schachteln zieht der ftimmernde, reizvolle Tand, den die fleißigenBläser und die emsigen Frauen und Mädcken von Äauscha gefertigt, in das deutsche Land und in die Fremde. Die Gestalten und Formen dieses Flittertands sind Legion. Es gibt da prächtige Kugeln, Kranzperlen in Ver. spiegelung, Vergoldung oder farbigen Reflexen, farbige verspiegelie Tannenzapfen und niedliche Glasvögelchen mit i Die Ablieferung. schillernden Flügeln; serner bunte Falter in herrlichen Farben, zierlicheKörbchen mit Blumen und Früchten, krystallene EiS- und Tannenzapfen, Sterne alle? Art und vor Allem Lametta in Gold, Silber, Kupfer, Roth und Smaragdgrün. PichelmeierimDust. tlFSi Höchste Schwärmerei. Ich sage Dir. Emma, der ueue Zahnarzt ist ein so reizender Mensch, daß ich mich schon auf daS erste Zahnweh freue!" 3 m Gifet. Richter (zum Angeklagten): Warum rahmen Sie nur das vorhanden: Baargelid und ließen den Korb mit dem Silberzeug stehen? Weil er Ihnen zu schwer war! (wüthend) Schämen Sie sich. Sie arbeitscheues Subjekt!" Erklärlich. A: .Schau' nur. was für komische Gesichter der Metzgermeister da schaeidet!" B: 3a weißt Du, seit er privatisirt ist er einem wissenschaftlichen Verein beigetreten; mnt möchte er recht gescheidt ausschauen und da thut er sich, halt noch ein wenig hart!"

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Die Kaiser Wilhelm-Akademie.

, Die - militärärztlichen Bildungsansialten haben jüngst die Feier ihres 100jährigen Bestehens begangen. Ihre Errichtung ist auf den Vorschlag des Generalstabs--Ehirurgus Goercke zurückzuführen, welcher den König Friedrich Wilhelm II. bewog, im Jahre 1795 eine chirurgische Pepiniöre" in'S Leben zu rufen. Der Zweck der Anstalt war, 50 der fähigsten jungen Lazarethchirurgen, die nach Beendigung des RheinfeldzugeZ. zur Entlassung kamen, unter der besonderen Leitung oou drei Stabs- und vier Oberchirurgen in der Medicin und Chirurgie ausStaatskosten so auszubilden, daß sie im Kriegsfall sofort daS wohlgeschulte Personal eines Feldlazareths liefern konnten. Die Veranlassung zur Gründung der Anstalt bot die Thatsache, daß die Militärärzte der unteren Chargen sich fast durchweg auf einer sehr niedrigen Stuse der Fachbildung befanden. Die für den Feldarzt so unentbehrliche Chirurgie wurde damals in deutschen Landen noch als Stiefkind behandelt. Sie war von der weit höher stehenden Medicin streng geschieden und fand nur an wenigen Orten des Reiches' wissenschaftliche Pflege. Die Pepiniöre war die erste wissenschaftliche Anstalt, in der diese beiden, bisher getrennten Zweige von Goercke zielbewußt vereinigt wurden. Durch diese Errichtung hat sich Goercke daher nicht bloß für das preußische Militävsanitätswesen, sondern auch für die Entwickelung der esammten Medicin in Deutschland .ein unvergängliches Verdienst gesichert. DaS Institut. Als Predigersohn im Jahre 1750 in dem ostpreußischen Dörfchen Sorquitten geboren, hat sich Goercke schon mit 39 Jahren die Anwartschaft auf d höchste ärztliche Stelle in 'der Armee, im Jahre 1797 endgiltig den Rang eines ersten Generalstabs-Chi-rurgus erhalten. Während des Rheinfeldzuges von 1792 bis 1795 that er außerordentlich viel zur Hebung deS noch sehr darniederliegenden Feldlazarethwesens und fand dabei Gelegenheit, den König, den Kronprinzen und hervorragende Generäle für die immer dringender werdende Reform des chirurgischen Unterpersonols zu interessiren. Auf der einmal'ewonnenen Grundläge der Pepiniöre weiter bauend, hat er. bei hervorragender organisatorischer Befähigung und einem weitausschauenden praktischen Blick, die Hebung des militärärztlichen Standes in Preußen zu seiner Lebensaufgabe gemacht. Schon im Jahre 1797 erfuhr die von ihm geleitete Anstalt eine eingehende Umgestaltung und die erweiterte Bestimmung, tüchtige Aerzte für das Heer zu liefern; nach Errichtung der Berliner Universität wurde die Pepinire im Jahre 1811 durch die medicinischchirurgische Akademie für das Militär vermehrt. Bis zu seinem Tode im Jahre 1822 war Goercke unablässig bemüht, die von ihm geschaffenen Anstalten zu vervollkommnen. So danken ihm diese auch ihr jetziges' Mohngebäude in der Friedrichstraße 139 bis 141. Es wurde mit Genehmigung Friedrich Wilhelms III. im Jahre 1822 angekauft und zwei Jahre darauf bezogen. Bei der unmittelbaren Nähe der Universität besitzt daS Friedrich-WilhelmS-Jnsritut (seit 1818 durch Friedrich Wilhelm III. so genannt) eine für das Studium außerordentlich günstige Lage. Ein wohlgepflegter alter Park bietet bis heute seinen Bewohnern im Mittelpunkt des Verkehrs der Reichshauptstadt Ruhe und Erholung. Dr. Goercke. Goercke'S Nachfolger als General siabsärzte der Armee und Directoren der Anstalten sind auf dem von ihm vorgezeichneten Wege rüstig fortgeschritten. Besonders unter, dem jetzigen Leiter der Anstalt, dem Generalstabsarzt der Armee Prof. Dr. v. Coler, haben diese eine bedeutende Vervollkommnung erfahren. v. Coler, geboren am 15. März 1831 zu Groningen, genoß seine FachauZbildung aus der Anstalt. Infolge seiner Auszeichnung im Kriege 1836 wurde er bereits im Jahre darauf in den preußischen Medicinalstab berufen und trat bei Gründung der Medicinal abtheilung des KriegsministcriumS in diese über, worin er seitdem verblieb. Am 12. Februar 1889 wurde er als Nachfolger v. Lauer's Chef des MedicinalwesenS, das er seitdem in allen Zweigen, persönlichen wie sachlichen.

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bedeutend gehoben hat. Den militärarztlichen , Bildungsanstalten, der Pflanzschule des Nachwuchses für das Sanitätsofficiercorps, wandte er seine besondere Fürsorge zu und hat sie,' unterstützt von dem Entgegenkommen der jeweiligen Kriegsminister, in jeder Weise thatkräftig gefördert.

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Dr. v. Coler. Der Studiengang wurde unter, ihm verbessert und vertieft, ohne idabei dem studentischen Geiste Zwang anzuthun. In dem seit 1884 errichteten besonderen Lehrgebäude fanden zweckmäßige Unterrichts- und Arbeitsräume, Laboratorien zu hygienischen, chemischen und bakteriologischen Untersuchungen Auf-, nähme. Diese sind mit den neuesten Hilfsmitteln der Technik ausgestattet und dienen nicht blos zur Ausbildung, fondern ständig auch zur Wissenschaftlichen Lösung der -zahlreichen Aufgaden auf dem großen Gebiet der ArmeeHygiene und Heeresernährung. Die gleichfalls im Lehrgebäude untergebrachten umfangreichen Sammlungen der Anstalten, worunter namentlich die Sammlungen - der kriegschirurgischen Präparate, Jnstrumente und Modelle, sowie die großartige, fast 60,000 Bände umfassende Bibliothek hervorzuheben sind, wurden durch v. Coler's Initiative in umstergiltiger Weise geordnet und auf die zweckmäßigste Art dem Studium zugänglich gemacht. Daneben förderte v. Coler die Pflege der Kameradschaft unter den Studirenden durch die seit fünf Jahren, in'S Leben gerufene Einrichtung behaglich ausgestatteter Erholungsräume (Casino), die ihnen zur unbeschränkten Benutzung freistehen. In der Oberleitung der Anstalten wird v. Coler durch den Subdirector, Generalarzt 1. Klasse Dr. Grasnick, unterstützt. Letzterer- überwacht die wissenschaftliche Ausbildung und die Verwaltung der Sammlungen. D r. G r a S n r ck. V)n den 264 Studirenden der Anstalten sind 207 im Institut untergebracht; 57, die sogenannten Akademiker. wohnen außerhalb deä Hauses. Die Ausbildung in allen Zweigen der medicinischen Wissenschaft erfolgt in gleicher Weise wie die der Studirenden der Universität, nur mit dem Unterschied, daß, um der Zersplitterung vorzubeugen, ein bestimmter Studienplan eingehalten wird imd, mit Ausnahme der Staatsprüfungen die seit dem Jchre 1825 für Militär- wie Civilärzte völlig die gleichen stnd, der Staat sämmtliche Kosten streitet. Außerdem gewährt die Anstalt ihren Studirenden nach Beendigung der Studien ein volles Jahr lang praktische UnterWeisung am Krankenbett in dem Charitekrankenhause. Jährlich treten etwa 60 Studirende als Unterärzte in die Armee. Aber nicht bloß dem Heere, sondern auch der deutschen Wissenschaft haben die Anstalten seit ihrem Bestehen bis in die Gegenwart eine stattliche Reihe hervorragender Jünger geliefert. Unter diesen seien, aus älterer Zeit stammend. nur die Namen Reichert, v. Helmbolß, Virchow, v. Winckel, Leyden und Rvthnagel, der neueren Zeit angehörig die von Gaffky, Löffler und Behring hervorgehoben. Die beiden militärärztlichen Vikdunasanstalten wurden an ihrem 100jährigen Ehrentage laut königl. Cab!netsordre einer Anstalt unter dem Titel KaiW Wilhelm-Akademie für militärärztlich? Virdungsanstaltenvereinigt. Unbedacht. Onkel (mit seinem Neffen die Stadt ansehend): Aha, daS städtische Leihhaus . . . hast Du auch schon etwas hierhergebracht?Wo denkst Du hin, Onkel . . . hochsiens etwas zurückgeholt!" Tipp für Topp. Mr. B.: Du gibst Dir auaenscheinlich große Mühe, wie ein Ä?ann aufzutreten, fcheint es mir!" Mrs. V.: Nun, glaubst Du nicht, daß wir einen in der Familie nöthig hätten?" ' Grob. Jmlge Dame: Ich möchte nur wissen, warum Hymen immer'm:t einer Fackel abgebildet wird?" Herr: 'Sahrsche'Iich. weil er den Leuten, die sich verheirathen wollen, immer warm macht !" ', Eine u u n o b l e Wohnung. A: Warum haN Ihr die Wohnung nicht genommen. d!e ich Euch empfohlen?" Protz: Meine Frau hat nicht gewollt! Die Wohnung ist neben der- Oper und da könnte sie nicht hwsahren in der Equipage!"

intersport

Verschneite Wälder und Felder, blinkende Eisflächen auf Flüssen und Seen, starrende? Frost und dazu- die liebe Sonne, die kühl vom Himmel herabschemt ein Winterbild ist es, wie es schöner kaum gedacht werden kann. Also frifch die Schlittschuhe, die Schneeschuhe und di: Schlitten hervorgeholt. Den Schlittschuhen sind als MitbeWerber um die allgemeine Gunst die Schneeschuhe erwachsen. Ein prächtiges Vergnügen ist es, auf diesen Schuhen dahinzufliegen mit einer Sprungkraft, daß sich bei einiger Uebung Sprünge bis zu 20 und, 25 Yards maSegelschlitten. ' "! chen lass Im Norden Amerikas und' Europas steht :das Schneeschuhlaufen dei Alt und Jung, Männern und Frauen, hoch ün Gunst. Wer aber auf Schlitt- und Schneeschuhe verzichtet, der mag. wenn er an großen! Eisflächen wohnt, dem Sport mit Segelschlitten huldigen. Mit rasender Eile fliegen die originell gebauten Boote vor dem Winde dahin. Sie ruhen vom, wo sie breit sind, auf zwei Kufen, hmtm jedoch, wo sie .schmal sind, nur auf einer einzigen Kufe, die drehbar ist und als Steuer dient. Kaltblütigkeit und Erfahrung gehört dazu, daS Boot durch das Stellen deS Segels und deS Steuers richtig und ordniungsgemäß zu 'lenken. Nur auf großen Eisflächen, wo nicht die Gefahr vorliegt, in offenes Wasser zu gerathen, kann dieser Sport betrieben werden. Wer ihn geübt hat, weiß, ihn zu schätzen, zumal 'da die Geschwindigkeit der Fortbewegung bei günstigem Winde und schönem Eise awch jene eines Blitz zuges übertrifft. Seelöwen in efangenschaft. Der Zoologische Garten der Stadt Köln erfreut sich einer seltenen Reichhaltizkeit; eine sonderbare Attraktion auf die Besucher übt -das Seelöwenbassin, mit fünf Seelöwen und einigen Seehunden aus. Das Bassin ist 90 Fuß lang und 20 Fuß breit. Seine Entleerung nimmt 3z Stunden in Anspruch und erfolgt "im Sommer jede Woche .einmal, im Winter nach längeren Zeiträumen. An seiner Rückseite erhebt sich ein aus Dolomitgestein errichtete? 30 Fuß hoher Felsen, in dem unten einige Stallungen eingerichtet sind, worin die Insassen des Beckens in kalten Winternächten oder beim Ablassen des Wassers Unterkunft finden. Die tägliche Fütterung der Thiere, die dann jedesmal ein. weithin schallendes, dem Ohr nicht gerade wohlthuendes Fütterung der Thiere. Gebrüll ertönen lassen, lockt regelmäßig eine große Anzahl von Zuschauern herbei. Es ist aber auch wirklich äußerst interessant, wie behende und gewandt die so plump und schwerfällig aussehenden Seelöwen sich zuerst unter schlängelnden oder hllpsenden Bewegungen den steilen Felsenpfad hinaufwinden, um oben angelangt, die vom Wärter alsdanu in das Wasser geworfenen Fische durch einen mächtigen Sprung vom Felsen m das Bassin, worin sie alsbald untertauchen, zu erhaschen. Wie der Blitz schießen die Thiere durch die Fluth, mitunter kerzengerade aus dieser emportauchend, um sich mit erstaunlicher Leichtigkeit auf den Rand des Bassins zu schwingen und die Fische aufzufangen, die der Wärter dann dorthin schleudert. Im Nu ist so ein Fisch in ihrem Maule verschwunden; erwachsene Seelöwen brauchen täglich gegen 30 Pfund Fische zu ihrer Ernährung. Flußfische verschmähen sie gänzlich; von Se:f:scken werden iönen gegeben: Schollen. Butten und Schellfische, dann ,Hc:in5e und Stinte, welche die Th'cre am liebsten fressen. WU die Alten sungeTr." Du, Marie, spielen wir Vater und Mutter!" Jd fang' Du an!" Ach, hätt' ich doch nie geheirathet!" Kindermund. Der kleine Karl (welcher im Herbst eine Reihe von Bäumen steht): Nicht wahr, MamoästXL ium Winter werden die I Bäume verkehrt in die Erde gesteckt?

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Eine kleine Verwechselung.

Herr Lieutenant von Tappenbort Schickt Hansen mit zwei Schachteln fort. Die erste hier, merk' Dir's genau, Wringst Du sofort der gnädigen Frau Von Dippelsbach und dann die zweite Dem Schneidermeister Gabelweite. Nun mach' mir keine Confusion, Sonst holt der Teufel Dich, mein Sohn." Der wackere Bursche salutirt: Befehlt, Herr Lieut'nant!" Und marschirt Zur gnädigen Frau von Dippelsbach Sagt zu der Jungfer Guten Tag," Und weil es gar ein schmuckes Kind, Poussirt ein bischen er geschwind, Giebt dann die eine Schachtel ab U,ud setzt zum Schneider sich rn Trab. Bald ist auch hier er angelangt. Der brave Schneidermeister dankt, Giebt Hansen . einen Schnaps zum Lohn, Mein Compliment dem Herrn Ba ron! Fort eilt der Hans. Der Schneider macht Die Schachtel auf. Ha, wie er lacht! Ein wundervoller Blumenstrauß Quillt aus dem Innern ihm heraus. Doch anders ging es leider, ach! ' ' ' ' Bald bei der Frau von Dippelsbach. : Ö, Hans, was für ein 'böser Streich! In Ohnmacht fällt die Dame gleich. Denn in !ver Schachtel dort, welch' Hohn! Liegt schwarz und schwer. Du Erzkujon. ' Die gute Frau ist zornentbrannt, Die Hose des Herrn Lieutenant. O Hans, was bist Du für ein Strick! Die Jungfer selbst verhüllt den Blick. Unbegreiflich. Herr Maier: Wie, mein Fräulein, Sie weisen meinen Heirathsantrag zurück?" Ja reizt Sie denn das Madame Maier" nicht?" Gute Antwort. Wenn Du erst in meinem Alte? bist, so ist es immer noch Zeit, an ei nen Mann zu denken, mein Kind!" Ja, an einen zweite!" ? Genialität geht oft mU Charakterlosigkeit Sand in Hand.