Indiana Tribüne, Volume 19, Number 114, Indianapolis, Marion County, 12 January 1896 — Page 3

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MjMSWl'ZAjD von Hcorges Hynet. (10. Fortsetzung.) Naimond betrachtete sie mit Staunen. Sich einschränken! Sie nannte Un Verzicht auf ihre tollsten Einfälle sich einschränken!" In jenem Moment zeigte sich ihm Lydias Charakter in einem Lichte, das ihn entsetzte. Er mußte sie als frivol, falsch, egoistisch, böse erkennen. Der Verdacht ihrer Herzlosigkeit stieg in ihm auf, und sogar etwas wie eine Ahnung ihrer heimtückischen, feindseligen Gesinnung gegen ihn. Ein paar Sekunden lang war tt der Wahrheit furchtbar nahe. Wenn er bis zum Schlüsse der Unterredung, die sich nun zwischen ihnen entspann, seine Frau mit klarem Blick beobachtet hätte, wurde er viel Unheil vermieden und das, was er sein Glück nannte, gerettet haben. Aber er liebte zu heiß, um seine Kaltblütigkeit bewahren zu können, und war von seiner Leidenschaft zu verblendet, um hellsehend zu sein. Er schrieb ihrer Unerfahrenheit und der unangenehmen Ueberraschung zu, was er als Verderbtheit hätte durchschauen müssen, und entschuldigte Lydia, anstatt den Versuch zu machen. sie zu veistehen. Er erwiderte mit großer Milde: Liebes Kind, wir sind auch noch reich; nur werden wir es bald nicht mehr sein, wenn wir" auf einmal so viel Geld ausgeben. Unsre Hilfsmittel, .so groß sie sind, baben dennoch ihre Grenze, und mit dieser Grenze müssen wir rechnen." Willst Du mir dies nicht etwas klarer auseinandersetzen," sagte die junge Frau, während sie sich mit schmollender Miene auf einer Chaiselongue ausstreckte. Nun, wenn Du zum Beispiel fünf solcher Mäntel kaufst, wie die ZobelPelerine von neulich, dann hast Du gerade unser Jahreseinkommen ausgegeben. Mißverstehe mich nicht. Ich schelte Dich nicht ob Deiner Neigungen für schöne Dinge. Im Gegentheil, nichts ist mir für Dich schön genug. Das Pech will nur, daß dies alles so theuer ist und ich die Kasten nicht wie ein Prinz aus Tausend und Eine Nacht mit Gold gefüllt habe.... o, ich wollte, dem wäre so! Denn alles gehörte dann Dir, und ich würde nie glücklicher sein, als wenn Du mir die Gunst erzeigen wolltest, mit Deinen zarten Händen in meinen Schätzen zu wühlen." Er wollte nach ihrer Hand greifen und sie küssen. Aber sie entzog sich ihm ziemlich heftig, und mit trockener Stimme, die in nichts den weichen Lauten seiner Liebe glich, sagte' sie: Wenn Du nicht Geld genug hast, so sieh zu, wo Du Dir welches verschaffen kannst." Das ist nicht so leicht, als DU es Dir vorstellst, und die Leute, die ihr Brot verdienen, verdienen alle Anerkennung, noch mehr aber diejenigen, die sich ein Vermögen zu erhalten wissen. Ich glaube, ich wäre vollständig unfähig, auf irgend eine Weise Geld zu machen, und wäre bald zu Grunde gerichtet, wenn ich es versuchte." Ja. Bester, was kannst Du denn cara?" Nicht viel." erwiderte er fast wehmüthig. Mich für mein Vaterland schlagen, was eine alltägliche Tugend ist, die jedes Jahr drei- bis viermalhunderttausend Franzosen mit mir gemein haben und die sich deshalb noch lange keine Helden dünken. Ein Schiff mit Gottes Hilfe ungefährdet von einem Welttheil zum andern lenken.... sonst kann ich nichts." Lydia versank in Nachdenken. Sie schien gar nicht auf die letzten Worte ihres Gatten gehört zu haben. Ein bitteres Lächeln verzog ihren Mund. An was dachte sie? Bestimmt nicht daran, daß sie auf dem Wege einhalten wollte, der diesen braven, ehrlichen, liebevollen Menschen zu seinem Ruine führte. Vielleicht sah sie im Geiste eine kleine, zwischen Bäumen versteckte Terrasse, wo ihr der italienische Marquis so heiße Schwüre, so berauschende ZärtlichZeiten zugeflüstert hatte, und vielleicht schwur sie sich von neuem zu, ihn zu rächen. Sie seufzte auf, und während sie einen siechenden Blick auf Naimond warf, sagte sie: Warum bittest Du Samuel Vernheimer nicht, daß er Dich an der Börse Geld verdienen läßt?" LiebesKind, weil es mir nicht paßt, mich in zweifelhafte Unternehmungen einzulassen." Mit Bernheimer sind sie nicht zweifelhaft." Das paßt mir noch weniger. Die einzige Entschuldigung beim Spiel ist, daß man dabei auch zu verlieren Gefahr lauft. Aber ein sicheres Spiel.... das käme mir wie Diebstahl vor." Und Du kommst mir wie ein naives Kind vor! Wie machen es denn die Bankiers, die Börsenleute, überhaupt alle, die sich mit Geldgeschäften abgeben? Sie zieh-n ihren Vortheil aus der menschlichen Dummheit. Wenn Geld in eine Tasche wandern loll, muß es aus einer andern heraus.... Und wenn Du willst, daß ich etwas für meine Ausgaben haben soll, mußt Du es schon jemand wegnehmen. Deshalb richte Dich so e:n, daß Du es aus korrekte. anständige Weise nimmst, indem Du Gechäfte machst; die ganze Weisheit besteht darin, daß man e3 nur mit guten wagt... Einfaltspinsel fallen auf die schlechten herein... Willst Du zu den Elnfaltsplnseln gehören?" Sie hatte sich aufgerichtet und ihr schönes Gesicht kokett dem seinen genähert. Er küßte sie aus die Lippen, cbcr noch nicht überzeugt, erwiderte er: Ich möchte nichts mit Dingen zu thun baven. die mir so häßlich scheinen Weil Du sie reicht kennst; wie alle die Leute aus Deiner Sphäre, die mit

Vorurtheilen vollgepfropft sind.... Aber

wir werden noch darüber sprechen. denn Du mußt zu einem Entschlüsse kommen, wenn wir nicht, um zu sparen, aus dem Lande leben sollen." O. wenn Du das wolltest!" rief er voll Enthusiasmus aus. In Ploerne, inmitten unsrer Untergebenen, die Dich wie eine Königin verehren würden!" Ja, aber bei Deinen Untergebenen, mit sammt ihrer Verehrung, würde die Königin vor Langeweile sterben.... Es wird sazon be)er sein, in Paris zu bleiben, wo ich auch ein wenig Königin bin. und die Mittel aufzutreiben, damit meine Krone ihre Vergoldung nicht zu entbehren braucht." Sie wußte, wo die Mittel zu suchen waren, und schon am folgenden Tag nach dieser Unterhaltung nahm sie das Thema wieder auf, indem sie sich bemühte, Raimond an den Gedanken, Geldgeschäfte zu machen, zu gewöhnen. Aber zum erstenmal fand sie ihn ihren Wünschen gegenüber widerspenstig. Er wies ihre Anforderungen mit Milde, aber mit jener unerschütterlichen Ruhe zurück, die besonders den Bretagnern eigen ist. Sie schalt ihn eigensinmg, ward zornig, drohte ihm mit allen möglichen Strafen, worunter ihn hre Kalte am tiefsten traf. Bernheimer jedoch, der von Lydia zur Hilfe beigezogen und über all ihre Wunsche gut unterrichtet wurde, nahm Raimond vor. Der kluge Mann war nicht für allzu rasches Eingreifen, und wenn er einer festen Ueberzeugung begegnete, so umging er, anstatt sie umzustoßen oder gegen sie ankämpfen zu wollen, und gelangte so meist unfehlbar an das ersehnte Ziel. Um Graf Ploerne für Lydias Plane zu gewinnen, schlug er einen Weg ein, der dem gerade entgegengeseht war, den die junge Frau gewählt hatte. Sie wollen sich nicht mit Spekulationen abgeben?" sagte er zu ihm. Sie haben vollständig recht. Es ist ein trauriges Geschäft, und wenn man es nicht im Großen betreibt, indem man Unternehmungen ins Leben ruft, welche die ganze Welt in Aufregung versetzen, ist es nichts weniger als beneidenswerth. Dann glaube ich auch nicht, daß Sie sich die Routine aneig nen könnten, die dazu nöthig ist. Es gehört eine ganz besondere Geistesveranlagung und Geistesruhe zu der Sache, wenn man Erfolg haben will. Ich kenne sehr intelligente Menschen, die sich nicht darauf verstehen, und Dummköpfe, die darin Hervorragendes lelften. Spekuliren Sie also lieber nicht. Aber versuchen Sie doch Ihr Kapital einträglicher anzulegen. Es gibt Papiere, die in kürzester Zeit um das Doppelte und Dreifache ihres Werthes steigen. Dies wäre das Richtige für Sie; dabei konnten Sie dem Wunsche Ihrer Frau willfahren und zugleich Ihren Skrupeln Rechnung tragen. Eine vortheilhafte Kapitalverwerthung kann doch Nichts Abstoßendes für Sie haben? Nach dem strebt jeder vernllnftige Mensch. Halten Sie die Augen auf, und wenn die Gelegenheit sich bietet, greifen Sie zu." Was Samuel ihm da sagte, leuchtete Ploerne ein. Seine Prinzipien nicht preisgeben müssen und doch dabei thun, was Lydia von ihm verlangte, was konnte er sich Besseres wünschen? Er willigte also in den Borschlag des Bankiers ein und begann den größten Theil seines Vermögens flüssig zu machen. Die Gelegenheit, von der Bernheimer sprach, ließ nicht lange auf sich warten. Seit Monaten schon wurde die Gründung des Comptoir Franais in der Stille betrieben, und die Ausgabe der Aktien mußte einen bedeutenden Umschwung auf dem Geldmarkt hervorrufen. Dabei wollte sich Samuel der schönen Kreolin in seinem wahren Lichte zeigen, denn da er, sie nicht durch die Reize seiner Persönlichkeit bestechen konnte, mußte er sie mit seiner finanziellen Macht blenden. Er hatte die junge Frau gebeten, ihm ein? Summe Geldes anzuvertrauen, mit der er für sie spekuliren wollte. Lydia, die von ihrer Mutter am Hochzeitstage zweimalhunderttausendFranken erhalten hatte, bewahrte die Paplere ihrer Mitgift rn einer Kassette auf; denn Raimond war nie zu bewegen gewesen, dies Geld an sich zu nehmen, dessen Zinsen er der jungen Frau zur alleinigen Verfügung überließ. Und in einem recht eigenthümlichen Instinkt von Selbstsucht hatte die Verschwenderin me angegriffen, was ihr persönlich gehörte. Mit ihrem Eigenthum war sie geizig. Sie , verstand es nur, das Geld ihres Manes gut auszugeben. Die zweimalhunderttausend Franken' wurden also Bernheimer eingehändigt, der sie nicht ohne innere Erregung in Empfang nahm. Ihm war, während ihm Lydia die Summe übergab, als bringe die junge Frau den zarten Finger ihrer weißen Hand zwischen das Räderwerk der finanziellen Maschine und als müsse gar bald ihr ganzer Körper nachfolgen. Zur selben Zeit unterschrieb Naimond, von Samuel dazu aufgefordert, bei Ausgabe der Aktien des Comptoir Fran?ais dreitausend Stück zu fünfhundert Franken. Er glaubte, da er die ersten Namen von Frankreich mit auf der Liste sah, einerseits zu einem Werke der sozialen Verbesserung beizusteuern, andrerseits ein gutes Geschäft dabei zu machen. Der eine der Zwecke, den er dabei verfolgte, verwirklichte sich sofort. Die Papiere stiegen mit rasender Schnelligkeit und ließen es sicher erscheinen, daß die Aktionäre das hineingestcckteKapital verdreifachten. Raimond war so von all seinen Sorgen befreit, und ohne mehr seinen Ruin befürchten zu müssen, konnte er das Geld, das er nicht in die neue Gründung gesteckt hatte, nach Herzenslust ausgeben. An all diese Dinge dachte er auf dem Valle. mit dem Bernheimer den finaniellen .Sieg feierte. Während er ge-

gen die Salonthüre lehnte und Lydia zusah, wie sie mit Maurice de Roquiere tanzte. Er war ebenso glücklich über die Sorgenlast, die von ihm genommen war, wie über den Umstand, seine Frau strahlend und heiter zu wissen. Er folgte ihr mit den Augen und war entzückt von der Grazie, mit der sie sich am Arme ihres Tänzers im Walzer drehte, ja er fand sie so bezaubernd schön, daß er nicht darüber erstaunte, wenn man ihr den Hof machte und sie bewunderte, und die Blicke, die auf ihre weißen Schultern und ihre vollenbeten Formen fielen, erweckten keine Eifersucht in ihm. Nicht der leiseste Verdacht trübte seinen Sinn. Er war in der frohsten Laune, als ihn jemand am Aermel zupfte und er, sich umwendend, Vernheimer bemerkte, der ebenfalls lächelnd, aber mit einem Anflug von Unruhe im Gesicht vor ihm stand. Die Gräfin scheint sich ja vorzüglich zu unterhalten," sagte er, indem er auf Lydia zeigte, die gerade in ihrer nächsten Nähe vorüberging. O, wie beneidenswerth sind doch diese jungen Leute, daß sie mit ihr tanzen dürfen Mit uns ist es nichts mehr... Wenn ich wir" sage, habe ich eigentlich unrecht, denn wenn Sie nur wollten...." Ich käme mir lächerlich vor, wenn ich mir einfallen ließe, noch nach der Musik zu springen," unterbrach ihn Raimond lachend. Diese liebenswürdigen Dummheiten habe ich längst hinter mir." Ein famoser Tänzer, diese? Roquiere," sagte Bernheimer, gleichsam eine Warnung anbringend. Seine Gewandtheit und Geschmeidigkeit werden allgemein bewundert Und dann stellt es eine Frau immer in VortheilHaftes Licht, wenn er mit ihr tanzt, denn er fordert nicht jede auf." Die Gräfin hat ihn sehr gern; sie tanzt auch nicht mit dem ersten besten." Bernheimer schnitt heimlich eine Grimasse, während er bei sich dachte: Wie doch alle Ehemänner gleich sind! Man zeigt ihnen die Gefahr, da machen sie noch extra die Augen zu, um ja recht blind zu sein.... Du willst Deinen Verdruß haben, lieber Freund.... er wird Dir nicht ausbleiben.... das heißt, wenn ich nicht dazwischen fahre!" Lydia und Roquiere kamen jetzt näher, da der Tanz zu Ende war. Samuel, der an Raimond vorbeirannte, stürzte auf Lydia zu. Er hatte es entschieden eilig, sie von Roquiere zu trennen. Sie schien jedoch Bernheimer gar nicht zu bemerken und wandte sich an ihren Mann: Wenn es Dir recht ist, gehen wir jetzt," sagte sie zu ihm. Wie. Sie denken schon daran, uns zu verlassen," rief Bernheimer aus. Es ist doch noch gar nicht spät." Wir wollten uns nur bei Ihnen zeigen und müßten eigentlich noch zu den de Layracs gehen; aber ich bin müde und möchte mich für morgen schonen." Was gibt es denn morgen?" Morgen gibt es, was es gestern und was es heute Abend gab und was es den ganzen Winter geben wird," seufzte Naimond mit einem resignirten Lächeln auf. Gesellschaften, die man mitmachen muß, wenn es so schön wäre, zu Hause zu bleiben." WaZ wollen Sie denn dann anfangen, wenn Sie alt sind?" meinte Roquiere lachend. Ich werde versuchen, mich über den Umstand zu trösten, daß ich nicht mehr jung bin, und diese Beschäftigung wird mir genügen Vernheimer haite Lydia seinen Arm gereicht und Roquiere folgte mit Raimond den beiden. Sie gelangten in den großen Speisesaal, wo ein großes Büffett aufgestellt war. Hier wurde drauf los gegessen und getrunken, wahrscheinlich auf das Gedeihen des neuen Unternehmens, und wenn es

danach ging, mußte allerdings der Erfolg verblüffend sein. Samuel drängte mit einem liebenswürdigen Lächeln und mehreren Ellenbogenstößen die jungen Leute, die seinem Champagner so ergiebig zusprachen, auseinander und rief mit einem Wink einen der Diener herbei, durch den er der Gräfin auf einem kleinen Tischchen seiviren ließ. Inmitten einer Menge von Neugierigen, die sie umstanden, aß sie eine . Weintraube, gleichgiltig mit Bernheimer weiterplaudernd. Sie bemerkte je-. doch sehr wohl, wie sie von allen Sei- j ten betrachtet wurde, und gerade unter ! diesem Kreuzfeuer von bewundernden : Blicken war sie in ihrem Element. . cm:ijc -"j' t"tfi. f r- y i irillcq giuaua? jugne iz ia) nur in den Momenten, wo ihrem Stolze und ihrer Eitelkeit durch solche Ehrendezeigungen gehuldigt wurde. Sie schaute nach Naimond hin, der sich, in ruhiger Unterhaltung mit Roquiere befand, und ein Zug von Verachtung flog um ihren Mund. Armer Mann! Verlohnte es sich denn, ihn so zu hassen, wie sie ihn haßte? Wie war es nur möglich gewesen, daß sie einmal Angst vor ihm und seinen leidenschaftlichen Wuthausbrüchen hatte haben können? Jetzt fürchtete sie ihn kaum mehr, und bald würde sie ihn gar nicht mehr fürchten! Sie erhob ihr Glas, und während sie es an ihre Lippen setzte, hörte sie Samuel flüstern: Auf unsern gemeinschaftlichen Erfolg!" Sie lächelte und erwiderte in herbem Tone: Ja, auf unsern gemeinschaftlichen Erfolg und auf alles, was er verspricht!" Der Bankier machte eine Bewegung freudig??. Dankes. Die Andeutung der VerknüpZng ihrer Interessen, die von Lydia nicht zurückgewiesen worden war, erschien ihm als ein gutes Omen für die Zukunft. Hätte er geahnt, was die junge Frau ihrer Antwort für einen Sinn unterlegte, er würde davor zurückgeschreckt sein. Das geleerte Glas beiseite setzend, wandte sie sich an ihren Mann. Wenn es Dir jetzt gefällig ist." sagte sie kurz.

Sie schüttelte Samuel noch die Hand und winkte dem Marquis mit I

ihrem Fächer ein sreundschastliches Lebewohl zu; dann verließ sie den Saal. Die Blicke des Bankiers verfolgten sie. solange sie noch zu fehen war, und als die Fcdergarnitur, die ihr Haar schmückte, auf der großen Treppe verschwand, seufzte er tief auf. Das ist eine Frau!" sagte Roquiere neben ihm. Ja. eine entzückende Frau!" erwiderte Vernheimer. Er schwieg eine Weile still, während er dem jungen Mann mit einem iroNischen Lächeln ins Gesicht schaute. Dann sagte er: Aber sie ist weder für Sie noch für mich!" Ja, wer kann das wissen!" meinte Roquiere gelassen. Die Zufälle im Leben sind so unberechenbar! Sie kann Wittwe werden, ich kann sie heirathen und kann sie mit mir betrügen!" Und Vernheimer verblüfft stehen lassend, entfernte sich der Marquis. Noch immer ließ das Orchester von den vergoldeten Estraden des Kuppelsaals herab seine einschmeichelnden Weisen erklingen, noch immer tanzten die fröhlichen Paare in den festlich erleuchteten Räumen; aber für Samuel war alles öde. trüb und leer, seit die, welche für ihn eine Stunde lang alles in einem Zauberglanz hatte erscheinen lassen, nicht mehr zugegen war. Sechstes Kapitel. Als Lydia in ihrem Paroxismus von Wuth und Schmerz nach Giranis Tod den Entschluß gefaßt hatte, sich an Naimond zu rächen, würde sie ihn. den sie aus voller Seele haßte, gern auf einen Schlag vernichtet haben, wenn es in ihrer Macht gewesen wäre. Mit der Zeit und der Ueberlegung kamen ihr indeß andre Pläne. Er sollte durch sie leiden. Sie fand ihre Freude an seinen Qualen, und die in ihr schlummernde Neigung zur Grausamkeit entwillelte sich naturgemäß. Während der Stunden, wo sie ihren Gatten durch ihre stumme Verdrießlichkeit so unglücklich machte, dachte sie nach, und Raimond wäre vor ihren Gedanken zurückgeschreckt, hätte er sie ahnen können. Das entzückende Weib, das in ihrer graziösen Schönheit auf einem Sofa mit halb geschlossenen Augen ausgestreckt lag, brütete über Verderben und Mord, und wenn dann ein leises Lächeln über ihre Lippen huschte, das Raimond, der sich den ganzen Abeni) gefragt hatte: Was hat sie nur? Warum ist sie so still und verstimmt?", beruhigte, dann bedeutete dieses Lächeln die Befriedigung über irgend eine neue Falle, in die sie den Unglück!!chen geschickt und ihres Erfolges sicher gelockt hatte. Ihre Lieblingsidee war, Raimond in eine schreckliche Situation zu verwickeln, in der er nur noch die Wabl zwischen Entehrung und Tod hätte. Selbstverständlich würde er den Tod wählen; er war zu' tapfer, um sie darüber einen Augenblick im Zweifel zu lassen. Dann wollte sie ihn noch im Todeskapf beschimpfen und quälen und so bis an den Rand des Grabes Rächerin sein! Als geborene Komödiantin arbeitete sie schon im voraus jede Szene dieses Dramas aus und klatschte sich und ihrer Rolle mit wilder Freude Beifall zu. Sie hatte die verschiedenen Zufälle wohl erwogen und war immer wieder zu der Ueberzeugung gekommen, daß nur ein Umstand ihn zu dem tragischen Schlüsse treiben konnte: seine befleckte Ehre. Vor dieser Thatsache würde es für ihn kein Zögern mehr geben. Uni wie konnte man seine Ehre leichter gefährden als durch Geldspekulationen? Deshalb hatte sie ihn mit schurkischer Schlauheit in die finanziellen Unternehmungen verwickelt und ihn durch die maßlosen Ansprüche auf den Punkt gebracht, wo die Nothwendigkeit des Gewinns seineSkrupel übertäuben und ihn rückhaltslos der Börse ausliefern mußte. Dann wollte sie ihre Minen springen lassen, auf Bernheimer gestützt, aus dem sie, sie zweifelte keinen Moment daran, auf einen einfachen Wink hin, einen Verbündeten, ja selbst einen Mitschuldigen zu machen im stände war. Sie kannte Samuels Gefühle für sie und wußte, welche Vortheile sie aus der Leidenschaft dieses Lebemannes ziehen konnte, denn er war vernarrt in sie, vollständig vernarrt, und um sie zu besitzen, würde er vor keiner Infamie zurückschrecken. So wenigstens beurtheilte sie ihn. Und weiter, spann sie' ihre Träume aus; sie dachte: Warum soll ich nicht seine Frau werden? Der ist in der That reich, und dank seinen Millionen würde ich wirklich Königin der Parisei Gesellschaft sein. Wenn es mir beliebt, würde er mich heirathen und sich glücklich schätzen, mir diesen Beweis seiner Liebe geben zu können." Sie sah den Bankier mit seiner gedrungenen Gestalt, seinen grauen Haaren und der blühenden, etwas apoplektischen Gesichtsfarbe vor sich. Ein Girani. der zwischen duftenden Blumen unter dem Sternenhimmel Liebesschwüre stammelte, war er freilich nicht. Ein andres Bild aber tauchte' in ihrem Innern auf; das Maurice de Noquieres. Er war jung und frisch und voll glühender Leidenschaft; ebenso blond, als der Italiener brünett gewesen war, ge furchtet als Pistolenschütze, im Fechten geübt und im stände, seinen Gegner im Duell zu todten. Durch ihn kam Lydia noch aus eine andre Lösung der Dinge; eine Lösung, die noch rasfinirter war und ihrer Nache für den Mond Giranis noch besser entsprach. Sie wollte Roquiere in seiner Liebe zu ihr zum Aeußcrsten treiben und ihm Raimond als das einI zige Hinderniß darstellen, das sie trennte. Sie wollte ihn reizen, mit I Zärtlichleiten betäuben und schließlich

zu ihrem Sklaven machen, so daß er keinen eignen Willen mehr hätte, und ihn dann gegen den verhaßten Mann

aushetzen. Und er wurde ihn todten. Das hieße mit derselben Münze bezahlen; es war berechnend und brutal, aber doch minder furchtbar, als die erste Losung, durch die sie Rannond der Verzweiflung anheimgegeben und ihm die Waffe selbst in die Hand drücken wollte. Um ihre grausamen Gelüste vollsiändig zu befriedigen, hätte sie gern beides gehabt: dre geschickte Veremigung der Katastrophe Bernheimer mit der Lösung Roquiere: den durch die Frau herbeigeführten entehrendenRuin und den durch ihren Geliebten verursachten Tod. Und warum sollte es ihr nicht gelingen? Sollte es eine unüberwindliche Schwierigkeit für sie sein, für sie, die sie die unbestrittene Macht ihrer Schönheit besaß? Nein. Sie würde erreichen, was sie wollte und wie 1 und wann sie es wollte! Ploerne war kein Hinderniß auf ihrem Wege zum Ziel; im Gegentheil, er förderte sie eher noch und erleichterte ihr den Erfolg; uebte er sich doch über alle Maßen! Das waren ihre Träume, dies das tragische Ende, das sie dem zudachte, Mit dem sie lebte, zu dem sie Mit einem ruhigen, harmlosen Lächeln sprach, während Gedanken der Vernichtung in lhr tobten. Sie hatte jedoch auch schon beaonnen, ihre Träume in die Wirklichkeit zu übersetzen. Seit ungefähr einer Woche war Noquieres Annäherung, die er mit kluger Vorsicht betrieb, m em ernstes Stadium getreten. Er war nicht zurückgewiesen worden. Dies war ein wichtiger Punkt. Er. der sogar ihrer Kälte gegenüber den Muth nicht hatte sinken lassen, mußte auf einen wohlwollenden Empfang die größten Hoffnungen bauen. Er zog jedoch keinen Vortheil daraus, und zeigte sich, je besser er behandelt wurde, um so unterwurfiger. Dies verhinderte nicht, daß er gar manches Mal kuqn wurde, aber nie in gewöhnlicher Weise, nur wo er seme Kraft oder Geschicklichkeit zu zeigen im stände war. Das Wetter war sehr kalt geworden. und das festgefrorene Eis im Vois de Boulogne lud zum Schlittschuhlaufen ein. Lydia, die m den Tropen geboren war, fand besonderes Vergnügen daran, diesem Sport inmitten ihres Kreises von Freunden und Bekannten zuzusehen. Sie konnte da Bernheimer bewundern, der sich vorsichtig auf seinen Schlittschuhen weiterbewegte und mit vor Frost purpurnem Gesicht und vom Winde schmerzenden Augen der Mode opferte und dem öhic zulieb einen Herzschlag risklrte. Vor allem folgten ihre Blicke Roquiere. der, ein Meister in dieser Kunst, leicht und elegant dahinglitt, auf einem Fuße Bogen rückwärts und vorwärts beschrieb, ihren Namen ms Eis ritzte und durch seine Fertigkeit eine Menge Zuschauer anlockte. Gut in ihre Pelze eingehüllt, mit einer Wärmflasche unter den Füßen, ine herrliche Winterluft, die ihr die Wan' gen rosig färbte und da? Blut durch die Adern jagte, in vollen Zügen einathmend, saß Lydia da und beobachtete den hübschen jungen Mann, dem alle Welt Beifall zunickte und der nur für sie seine Kunststucke zum besten gab. Bernheimer hatte ihr mit einer siegessichern Miene angeboten, sie tm Schlitten über das Eis zu fahren, aber sie hatte gedankt. Dann war Roquiere darauf zurückgekommen, und sie hatte Nicht widerstehen können, einmal über die wie Stahl polirte Fläche dahinzufliegen. Samuel hatte sich dagegen aufgelehnt und war ärgerlich geworden, aber sie hatte ihm ins Gesicht gelacht und ihn aufgefordert, ihr Gefolge zu bilden. Behaglich zurückgelehnt, mit einem Bärenfell über den Füßen, gab sie das Signal zur Abfahrt, und leicht, als ob sie durch die Luft dahinflöge, stieß Roquiere den Schloten über das Eis. Wenn sie nicht gewußt hatte, daß er hinter ihr war, hätte sie glauben können, der Wind wehe sie durch den Raum, so sanft und gleichmäßig war die Bewegung. Vor ihr streckten die Bäume der Äkazienallee ihre entblätterten Kronen m den grauen Nebel hinein; ein Schneeteppich bedeckte die Erde und aus dem Weiß der Natur hoben sich nur die grünen Tannen ab. Eine Wintersonne ohne Wärme und ohne Strahlen- färbte die Aeste roth und verwandelte die Eiszapfen in Rubine. Von Zeit zu Zeit flog ein Zug wilder Enten an dem trüben Himmel hin. Samuel versuchte erst muthig auszuhalten und neben Lydia zu bleiben. Aber er. hatte es mit einem zu flinken Läufer zu thun und konnte bald nicht mehr mit. Auf seine-Rufe achtete weder Lydia noch Roquiere. Da machte er ärgerlich kehrt und fuhr, um die lächerliche Rolle nicht weiter zu spielen, langsam den mit Reif überdeckten Rasen entlang, während er einen mißvergnügten Blick auf den Schlitten warf, der am Rande des Sees, 'wo sich nur noch wenige Schlittschuhläufer befanden, verschwand. Lydia hörte Roquiere weder athmen, noch auf dem Eise gleiten; es war. als ob ein Phantom sie in seinem rasenden Lauf dahintrage. So schön es war. die junge Frau begann doch Mitleid mit ihrem Führer zu empsinden. Sie wandte ihm lachend ihr rosigcs Gesichtchen zu und sagte: Ich bitte Sie, bringen Sie mich zu den andern zurück; ich schäme mich ja. wie ich Ihre Güte mißbrauche." Seine Antwort wa: nur, daß er mit doppelter Schnelligkeit fuhr, allerdings indem er ihr gehorchte und umdrehte. Die Schlittschuhläufer in der Ferne erschienen ihr Item und schwarz wie ein Schwärm Ameisen; dann sah sie. während sie sich mit zunehmender Eile näherten, die Gestalten wachsen und

eineSckund: darauf war sie mitten unter ihnen. O, da sind Sie endlich," rief Bern-, heimer, ohne seinen Aerger zu verbergen, aus. Sie hätten mir wohl vorher sagen können, daß Sie bis ans Ende des Sees fahren. ich wäre dann nachgekommen." Die junge Frau wechselte einen boshasten Blick mit dem wie ein Rennpferd schnauben'den Roquiere und zeigte dabei auf den Bankier, der im Stehen nur mühsam auf seinen Schlittschuhen balancirte. . Ich glaube, Sie haben ohnehin Ihr Möglichstes geleistet," sagte Lydia. Aber den Wind holt man nicht ein, und wir flogen so schnell wie der Wind." Steigen Sie aus dem Schlitten... Sie müssen ja wie Eis sein." Nein, ich bin ganz warm! Aber ich

möchte einmal den Versuch machen und schlittschuhlaufen." Kommen Sie mit mir!" rief Samuel eifrig aus. Ich werde es Ihnen zeigen und siehe dafür, daß Ihnen nichts passirt." )," erwiderte Madame de Ploerne, in Sie habe ich nicht viel Vertrauen, und dann habe ich ja auch schon den Lehrer, dessen ich bedarf." Ich gebe zu, daß Roquiere mit mehr Leichtigkeit läuft, jedoch gewiß nicht mit mehr Sicherheit. Sie nehmen eine Holzstange, von der ich das eine Ende halte und der Marquis das andre; so brauchen Sie sich nur ziehen zu lassen." Nein, nein! Von zwei Rittern wäre mir gerade einer zu viel. Herr de Roquiere genügt mir vollkommen." Damit stieg sie aus dem Schlitten, und ohne aus das trostlose Gesicht Vernheimers zu achten, fügte sie hinzr: Man müßte mir nur Schlittschuhe verschaffen.... ich habe keine." Darum sorgen Sie sich nicht," sagte Maurice de Roquiere. In einer Sekunde bringe ich Ihnen ein Paar." Er hatte sich noch nicht zehn Schritte entfernt, als Vernheimer auf Lydia zutrat und ihr mit besorgter Miene sagte: Wirklich, Gräfin, ich begreife nicht, wie Sie sich so mit Roquiere bloßstellen können! Ich habe Ihnen eben nahe gelegt, auf welche Weise Sie Ihr Vergnügen mit Ihrem guten Ruf vereinen können, und Sie haben mich höhnisch zurückgewiesen. Sie betrüben mich, denn ich sann Sie versichern, daß Sie sich schaden. Die Welt ist so böse, unÄ man beneidet Sie schrecklich! Sie müssen vernünftiger sein. Ihr Gatte..." O, lassen Sie den aus dem Spiel!" rief Lydia lachend aus. Der ist bequemer als Sie., was, nebenbei bemerkt, recht drollig ist Er hat Vertrauen in mich und kann es auch habcn." Freilich kann er es haben!" entsegnete Bernheimer. sehr erregt. Gott bewahre mich davor, Sie verdächtigen zu wollen... nichts liegt mir ferner.... Nur bedenken Sie, daß sich die Meinungen nach dem Scheine bilden. Roquiere ist das Kompromittirendste, was es gibt.... Wissen Sie, diesen jungen Leuten, öenen nichts über ihre Eitelkeit geht, ist der Ruf einer Frau ganz gleichgiltig. mag daraus entsiehen, was da will... ich sage dies ja. nur alles m worein Untere e. als em Freund..." Als ein Vater," unterbrach ihn Lydia mit spöttischer Miene. Bernheimer verzog das Gesicht und ließ seiner Erregung freien Lauf: Ich sehe, Sie sind nicht gut auf mich zu sprechen, und meine ttlugyelt patzt JY nen nicht... es ist besser, ich verlasse Sie.Bernheimer, ich verbiete Ihnen, zu gehen!" besahl die junge Frau. .Sie befinden sich hier, um sich mir angenehm zu machen, nicht um mich zu ärgern! Da kommt Herr de Roquiere zurück. Ich versuche es eme Weile Mit ihm, verabschiede ihn dann, und ehe ich nach Hause fahre, dürfen Sie mich ans Büffet führen und mir etwas zu essen geben. Schön, ich bin es zufrieden!" rief Samuel, durch diese Gunst aufgehe!tert, aus. Aber seine Eifersucht zwang ihn doch, hinzuzufügen: Bleiben Sie nicht zu lange aus; ich werde inzwischen das Frühstück bestellen. Der Marauis brachte ein Paar klei ne amerikanische Schlittschuhe, kniete nieder und befestigte sie selbst an Lydias ftüfcen. Samuel sah ihm mit nicht zu verbergender Erregung zu, und als sich die junge Frau erhob, meinte er: Seien Sie vorsichtig.. Roquiere, nehmen Sie sich m chU.. Maurice lachte und erwiderte scher zend: Ja, Papa." , ' Sie begannen zu lausere. Sie, muthia die beiden Fersen, anernanderge preßt, ohne sich zu rühren, liefe sich von Roquiere ziehen, und. er hielt sie mit solcher Sicherheit am. Ame fest, 'daß ein wallen nicht zu befürchten war. Erst machte ei ihr Vergnügen, so ohne. Anstrengung weiter zu. ton'en. vtaäf einer Weile aber wollte sie es selbst ver suchen. Er erklärte ihr. wie sie sich da bei zu verhalten hatte, und sie befolgte aeborsam seinem Rath. Sie war mit einer besondern Grazie und Geschick lichkeit für solche Dinge ausgestattet und erfaßte sofort die Art, wie sie die Füße zu setzen hatte. Von Roquiere unterstützt, kam sie einige hundert Meter ganz ordentlich vorwärts, doch plötzlich bat s ihn, innezuhalten, da sie sich von Schwindel und Müdigkeit ! überwältigt fühlte. Sie befanden sich vor dem mit Epheu umwachsenen Thurm und waren alkin. Die Gräfin j stand unbeweglich und ranz nach ; Athem. Dann saßte sie nach Noquieres Schulter, und wahrend sie ncj erblaß te. aale ie le: e: Ich cm ganz schwindelig; alles dreht sich mit mir im Kreise. Ich fürchte, mir wird nicht wohl." .(Fortsetzung folgt.)

Zur die Küche. Szekely-Gulyas. Ein Vsi.

Sauerkraut wird mit einem halben Pfund fettem Fleisch und Wasser angesetzt und beinahe gar gekocht. Mittlerweue setzt man em Pfund Fleisch verschiedener Sorten, welches vorher mürbe geklopft, leicht gesalzen und in, Würfel geschnitten wurde, in einer anderen Kasserolle an. Man rostet zwei große Zwiebeln gelb, gibt einen flachen. Theelöffel Paprika, die Zwiebeln und ein halbes Pmt Wasser zum Fleisch und läßt das Mes weich sieden. Auch hier muß Wasser nachgegossen werden. Nun macht man eine Röste von Butter und Mehl, grbt einen 'halben Theelöffel Paprika hinein, gibt das zu dem Kraut, verrührt es und läßt es noch eine weitere halbe Stunde kochen. Beim Serviren kommt das Fleisch in die Mitte, der Saft darüber und daS Kraut ringsum. Ferner Rothkohl. Der gut gewaschene, fadenfein geschnittene. Rothkohl wird mit gutem Essig, Salz, etwas gestoßenem Zucker, fein geschnittenen Aepseln, etwus Pfeffer und einer kleinen Prise Nelkenpulver gut vermischt und am besten in einem Emailgeschirr in genügend heißes Fett gegeben, gut zugedeckt .und darin auf schwachem Feuer weich geschmort. Mit geschmorten Maronen oder kleinen Bratkartoffeln umlegt, ist das Gericht im Winter sehr 'beliebt. Vrrgrniert örtchen. Em leichter, guter Blätterteig' wied etwcr einen Viertel Zoll dick ausgerollt und Mit mern runden, einfachen Ausstecher zu kleinen, runden Platten ausgestl chen, auf deren Mitte zwei bis drei völlig trocken abgetropfte eingemachte Kirschen gelegt werden. Die untere Hälfte der Teiaplatten wird leicht mit Wasser Gestrichen, über die Kirschen hinweg nach der anderen Seite der Platten eingebogen, doch nicht so weit. daß die Tergkanten aneinander stoßen, und dann der Teig dort leicht neinander gedrückt. Man bestreicht die Kuchen mit Ei, backt sie beinahe gar. bepudert sie darauf mit feinem Zucker und backt sie völlig fertig. Wenn sie erkaltet sind, wird die Kerbe, die durch das Aufgehen des TeigeS zwischen den beiden Teigkanten! entstanden ist, mit Gelee ausgefüllt. Russischer Salat. Em Pfund Kalbsbraten-, ein halbes Pfund weichgekochtes Ochsenmaul,, ein Pfund gekochten, enthäuteten und entgrateten Fisch, zwei gut gewässerte Haiinge, zwei saure Gurken, vier. Löffel Perlzwiebeln, vier Lossel Eapern. Daä Alles wird schön gleichmäßig geschnib ten, entweder tn Würfeln oder Strei chen. Die Dottern' von vier hartge kochten Eiern werden fein geriebeu. dann kommen zwei rohe Eigelb dazu. sodann em halbes Pmt' feinstes Oel, Pfeffer, zwei Theelöffel Senf, etwas Citronensaft, eme Prise Zucker und Essig. Das Alles' wird fein gerührt. dann mit geschnittenen Dingen verMischt und ewige Stunden- stehen, ge lassen. Man verziert ihn. dann mit zerschnittenen Rothruben,. Eiern, Kavern, kleinen Gurken u. s w. Pudding von Fleischrest en. Man wiegt Rester von Suppenfleisch oder übrigem Braten, auch verschiedene Sorten zusammen, recht' fein. Dann rührt man- einen Lofsel' Fett' mit einem Löffel Mehl auf dem Feuer, thut dann das Mehl in eine Schüssel und rührt 4 bis 6 Eidotter dazu. Auf 12 bis 14 Löffel gewiegtes Fleisch nimmt man 6 Löffel geriebene und fein durchsiebte Semmel; soviel, Semmel man dazu genommen at, ebensoviel muß man, Bouillon, Bratensauce oder Wasser- dazu nehmen. Eme kleine geriebene Zwiebel,, einige' Sardellen, wenn man sie liebt, oder- einige gewiegte Pilze und zuletzt' den Schnee der 6 Eier rührt man? darunter, thut die Masse in eine mit Butter-oder Fett ausgestrichene- und mit Semmel ausgestreute Puddingsorm und laßt sie ein und eine- halbe Stund: kochen. Dieser Pudding wird mit Senf oder Sardellensauce oder übriger- Bratensauce gegeben. Kcllt Mt. emer Remouladensauce. Kartoffeltorte. Mehlige . große Kartoffeln werden Tags vorher abgekocht' und warm geschält. Am an deren Tage werden sie gerieben, man darf aber nur benutzen, waS hmter das Reibeisen fällt, sonst möchten Klümpchen hineinkommen. Von- dem Gene denen also wird tm halbes' Pfund abgewogen. Nun verrührt man sieben Eierdotter, em Vierter Pfund Zucker. 2 Unzen feine- geriebene- Mandeln gut zusammen, gibt dann d Kartoffeln hinzu, rührt wieder, (aber immer nach timrSeitch schlägt die sieben Eiweiß xn steifem Schnee- und flaut .dreien dazu; füllt die Masse nx eine gebutterte und fern mit Zwieoackkrummen ausge siebte Form, und laßr tut Tor.e tixt Stunde lang faden. ' Punsch L la 3 a a t r h o s. Zwei Flaschen Wassev werden mit 1$ Pfund Zucker gekocht, zwe: Flaschen kochender Rothwein -hinzugefügt, eine Gewürznelke und eine- kleine Gabe Zimmet hmzugethan. In - die Punschtcrrine kommt eine Flasche brauner Rum. eine halbe Citrone in Stücke oder Scheiben Qeschmtten; aber ohne Kerne. Man ießt nrnt die vier Flaschen Wein und Wasser kochend hmzu und laßt den Punsch noch eine kleine Wale auf schwachem Flämmchen ziehen bis er getrunken wird. Für deroFall. Erster Herr: Wollt Ihr heute Abend einen Scat mit mir machen?" Zweiter Herr: Ja, wo denn?" Erster Herr: Auf dem Markte unier de? großen. Laterne. Dahin hat mich 'eine Azs zu?r Stelldichein bestellt Zarter Herr: Da kannst Du be? doch nHt Scai fielen!- Erster Herr: .Na, für. Hall, daß sie. mcht koMnt '