Indiana Tribüne, Volume 19, Number 113, Indianapolis, Marion County, 11 January 1896 — Page 6

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ellage. , ZZer Zluch des Ruhmes. Lon I. S?. Potapenko. Der nicht allzu große Saal des Conservatoriums war nur halb erleuchtet. Es war Probe, zum Pretsabend hatten nur die Lernenden und die Verwandten der Mitwirkenden Zutritt. Die Vortragenden waren vorgeschrittenere Schüler oder hoffnungsvolle Kinder, und die Stücke selbst Allen schon zur Genüge bekannt. Ein erwachsener Flötenbläser mit braunem Schnurrbart hatte soeben sei?en Vortrag beendet und verließ mit vcr Anstrengung geröthetem Gesicht die Estrade. Darauf erschien auf derselben ein Knabe. Er war, dem Aussehen nach zu urtheilen, zwölf Jahre alt. Das kleine längliche Gesicht war blaß, die Haare waren zur Seite gescheitelt und sorgfältig angekämmt. In der einen Hand hielt er eine Geige, die etwas kleiner war, als eine gewöhnliche, in der anderen den Bogen. Er trug eine kurze, dunkelgraue Jacke und kurze Höschen. Mit ihm zugleich betrat ein Professor die Estrade, setzte sich an den Flügel und spielte, offenbar in der Abficht, zu begleiten, einen unbestimmten Ritornell. Das rief in den letzten Reihen einige Bewegung hervor. 23er ist der Knabe, den Onkel selbst begleitet?" fragten die Klavier spielenden jungen Damen ihren Nachbar. Das ist Spiridonow, Uz zu glänzenden Hoffnungen berechtigt!" erklärte der Gefragte. Professor Onkel meint, daß in ihm ein zweiter Paganini stecke.Ah. Spiridonow! Also er ist es!" Von Spiridonow hatten Alle gehört. Schon seit einem Jahre sprach man über ihn. Denn der Knabe machte so ungewöhnliche Fortschritte, daß er scho jetzt hätte auf einem öffentlichen Concert spielen können. Warum ist er so blaß, der Arme?fragte der rothwangige Sopran. Ein bleiches Gesicht ist die Begleiterin wahren Talents!" meinte der Bariton, der ein solches besaß und dazu noch auf dem Kopfe einen ganzen Berg von Haaren trug. Durch diese Bemerkung vollständig vernichtet, wandte der Sopran, der weder bleich, noch talent voll war, sein Gesicht zur Estraix. Auf der zweiten Reihe, wo die Ver wandten der Mitwirkenden Platz ge nommen hatten, saß auf dem letzten Stuhle nach lmks ern Herr, dessen Blicke mit unnatürlicher Aufmerksam kett auf den blassen Knaben gerichtet waren. Er war ein großer, hagerer Mann, mit glattrasirtem Gesicht und spärlichem Kopfhaar. Man konnte ihn für einen Fünfziger halten, denn sein Gesicht zeigte auf den Wangen und auf der Stirn, über dem Kinn und um die Augen herum viele tiefe Falten, die Haare waren stark mit Grau untermischt. Seine , zusammengezogenen Augenbrauen verriethen Festigkeit und Energie, während seltsamer Wise die Augen gerührt drembuckten. Der bleiche Knabe spielte. Er glitt über die schwersten Stellen äußerst gewandt hinüber, und wo ein Gefühl zum Ausdruck gebracht werden mußte, da strich er mit dem Bogen entsprechend starker über die Saiten. Onkel, der ihn auf dem Flügel be gleitete, folgte mit seinem ganzen Kör per den verschiedenen Wendungen deZ Stückes. Sein ganzes Wesen war am Spiel betheilig!. Und das trug viel dazu bei, um dre Aufmerksamkeit zu erhöhen. Als er geendigt hatte, applaudirte man lebhaft. Spiridonow scharrte Mit den kleinen Fußchen, ver beugte sich und verließ die Estrade. Ihm folgte stolz und feierlich Onkel. Die jungen Damen des Conservato riums sahen Spiridonow theilnehmend nach und seufzten über seine Magerkeit und sein bleiches Aussehen. Es ging Professor Brendel vonxi, ebenfalls em Geigenspieler, der sich aber von Onkel dadurch unterschied, daß er von hohem Wuchs und hager, während Onkel nicht groß und dick und ferner noch da durch, daß er aus Leipzig und nicht. wie Onkel, aus München hervorgeaan gen war. Er haßte Onkel, weil bei die- . sem und nicht bei ihm in der Klasse das kleine Wunder Spiridonow zum Vor schein gekommen war. Brendel blieb vor Spiridonow stehen und klopfte ihm aus die Schulter. Gar nicht übel," sagte er mit Leipzige? Dialekt, eine große Technik für Deine Jahre! Aber warum machtest Du nur so oft Fehler?" Er hat ebenso richtig gespielt, wie letzt Professor Brendel unwahr redet! meinte Onkel mit Münchener Ton. Den kleinen Spiridonow umkreiste man von allen Seiten, man blickte ihm ln die Augen, klopfte ihm aus dieSul ter, glättete ihm das Haar, streichelte ihm die Wangen und das Kinn, ermunterte ihn und prophezeite ihm Nudm. Und er, er blickte so eigenthümlich traurig drein, nahm die Lobsprüche gleichgiltlg hin und schien sich nur un gemüthlich zu fühlen. Seine Augen irrten ängstlich suchend umher, bis sie endlich auf dem faltigen Gesicht des . hohen Mannes haften blieben, der vor . zwei Minuten auf der Ecke der zweiten Reihe seinen Platz gehabt und ihm so aufmerksam gelauscht hatte. Beinahe gierig horte er die Lobeserhebungen an. die man dem Knaben darbrachte. Er näherte sich demselben, nahm ihm die Geige auS der Hand, zog ihm den Mantel an. schlang rhm em weißes seidenes Tuch um den Hals, nahm ihn

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bei der Hand und führte ihn die Treppe hinab. Das ist sein Vater!" sagte Jemand. Ein glücklicher Vater!" rief Onkel aus. Am finsteren Wintermorgen, wenn die übrigen Einwohner noch in süßem Schlummer laaen. zündete man in der düsteren und engen Wohnung deS Beamten Spiridonow t)on Licht an.' Der alte Spiridonow ging durch den Corridor bis zur Küche und rief: Arina, haben wir Brennholz?" .Brennbolz?" antwortete eine Grabesstimme, vielleicht genügt es für einen Ofen!" .Sebr aut. Steh' sogleich auf und heize Mitenjkas Zimmer. Sogleich, hörst Du?" .5ln Miten kas Staunet? Bei ihm t doch erst gestern geheizt! Im Schlafzimmer schon seit zwei Tagen nicht." Nein, nein! In Mitenjkas Zimmer!" Daß sie der Teufel hol'!" brummte sie. indem sie aufstand. Und d nennen sich Herrschaften, halten eineKöchin, haben aber kein Geld, ein Scheit Holz zu kaufen!" Unterdessen war Spiridonow rn's Schlafzimmer getreten. Der alte, bis auf's Aeußerste abgetragene Hasenpelz, den er anhatte, konnte nur noch den hauslichen Anforderungen genügen. Und nun setzte er sich an den Tisch, nahm die Feder in die Hand und führte sie mit den erstarrten Fingern über das Papier. Nachdem erniae Zeit vergangen war, trat Arina in's Zimmer und meldete. daß die Milch aufgekocht sei. Ah. sehr gut!" Der Alte betrat ein schon warmeö Miniaturzimmer, in dem sich im Ganzen drei Gegenstande befanden: em Kinderbett, ein Stuhl und ein Notenpult. In dem Bett lag der Virtuose von gestern, Mitja Spiridonow. Er hatte die Decke bis zum Kinn emporgezogen und schlief suß. Spiridonow setzte sich vorsichtig aus die Bettkante. Mitia! Mitia!" rief er zärtlich mit gedämpfter Stimme. Mitja öffnete mit großer Anstrengung die Augen, um sie sogleich wieder zu schließen. Mitenjka, wirst Du nicht ausstehen? Willst Du nicht warme Milch trinken?" Mitia schlug wieder die Augen auf. Kaum hatte er den Vater erkannt, als der traurige Ausdruck, den sein Gesicht annahm, verrieth, wie sehr es ihm leid that, sich vom süßen Schlummer zu trennen. Willst Du nicht? Du willst noch schlafen? Nun, schlaf, schlaf! Mit der Milch kann man ja warten " Mitia wandte sich auf die andere Seite und entzog sein Gesicht den Blicken des Alten. Doch dieser verließ ihn nicht, sondern legte, nachdem er vielleicht eine Minute still gesessen, seine Hand auf den Rücken des Knaben und strich zärtlich über die Decke. Vielleicht stehst Du aber doch auf? Mitja! Es ist gleich sieben Uhr. und um zehn mußt Du in der Klasse sein. Du wirst zum Ueben keine Zeit mehr haben!" - Mitja reckte sich, erhob die Hände, zeigte nochmals ein saures Gesicht und richtete sich endlich im Bett empor. Sieh, wie klug Du bist, wie klug, Mitenjka! Ich werde Dich anziehen und waschen, dann kannst Du beten, die Milch trinken und spielen. Herr Onkel sagte. Du möchtest Dich nur ja sorgfältig zum öffentlichen Abend vorbereiten. Der Fürst wird auch da sein, Du hast also Gelegenheit, Dich zu zeigen! Sieh, da sind die Höschen, steck' hinein. So so. Da ist die Jacke. Was ist Dir, mein Täubchen, Mitja, ist Dir nicht wohl?" Mitja begann plötzlich zu weinen. Ich möchte schlafen, Väterchen!" stieß er kläglich mit dem dünnen Stimmchen hervor. Nachdem er gestern nach Hause zurllckgekehrt war, hatte er noch ein und eine halbe Stunde auf der Geige gespielt. Und in der Nacht war ibm im Traume eine riesige Geige erschienen. Jede ihrer Saiten war dicker, als sein Bogen, und der Vater hatte zu ihm gesagk: Wenn Du auf dieser Geige spielen kannst, dann bfft Du ein Künstler!" Jetzt, wollte er so gern noch schlafen, und wieder störte ihn dasselbe Jnstrument. Doch der Alte trocknete ihm mit seinem eigenen Taschentuch die Augen, und Mitja begann, sich anzuziehen. Darauf trank er Milch und stand schon nach zehn Minuten vor dem niedrigen Notenpult und spielte. Um neun Uhr erwachten die HauSfrau, Anna Nikitifchna, eine Frau von großer Körperfülle, und ihre Töchter; letztere eilten, vor Kälte bebend, in Mitjas kleines Zimmer. Was thu! Ihr? Mitenjka spielt doch!" Aber, Anton Jegorytsch, waS soll man thun, wenn es so kalt ist? Die Mädchen sind ja schon ganz erstarrt! Wodurch stören wir ihn denn? Erlaubst Du. Mitenjka?" " Ja, Mütterchen!" antwortete kurz Mitja und lächelte den kleinen Schwestern zu, die sich über die Wärm: freuten und zu spielen begannen. Er aber fuhr fort zu üben. Um zehn Uhr brachte ihm Anton Jegorytsch selbst gekochte Eier. Mitja aß eilig, während sein Vater der ihn beinahe fütterte, unterdessen, seine abgetragene Vice-Uniform anzog. Denn er mußte sogleich in die Kanzlei, wo er den allerkleinsten und bescheidensten Posten eineö Schreibers bekleidete. Dort wollte er die zu Hause vollendete Arbeit abgeben, für die er eine besondere Be lohnung zu erhalten hoffte. Dann sollte auch das Schlafzimmer warm sein, und dann sollten auch die Mädchen Frühstück erhalten. Mußten sie sich doch jetzt mit einem Stück Brot und wässeriaem Thee beanüaen. wobei sie freilich

mit thierischer Gier nach Mitjas Eier schielten. Dieser hätte oewiß so gern

mit ihnen seine Mahlzeit getheilt, doch das ließ Ant,n Jegorytsch auf keinen Fall zu. Geduld, Kinderchen, Geduld! Mitja muß sich stärken, denn er wird uns spater ernähren und berühmt machen! Anna Nikitischna, die es nicht gewohnt war, ihrem Manne zu widersprechen, blickte traurig auf den Sohn. Beim Anblick dieses mageren Korperchenö, dieses blassen Gesichtchens mit den eingefallenen Wangen that ihr das Herz weh?. Und doch zweifelte auch sie nicht an Mitjaö zukünftigem Ruhme. Im Gegentheil, ihr Herz klammerte sich leidenschaftlich an diesen Gedanken, wenn sie Anton Jegorytsch erzählen horte, wie an dem Abend das Publikum in Verwunderung und Entzücken gerathen, wie Alle auf Mitja wie auf ein Wunder geblickt. Nachdem Mitja die Eier verspeist hatte, wurde er vom Vater eingehüllt und auf's Conservatorium geführt. Hier lernte Mitja nicht nur die Geige spielen, sondern wurde noch in verschiedenen Wissenschaften unterrichtet. An diesem Tage war die erste Stunde die der russischen Sprache. In der Klasse befanden sich ungefähr dreißig Knaben. Da der Lehrer noch nicht erschienen war, so gerieth Mitja sogleich mitten in eine wilde Jagd hinein. Er mischte sich unter die Knaben, sprang und spielte mit ungewöhnlicher Lebhaftigkeit. Ihm war leicht und froh zu Muthe. Die trübe Stimmung, die infolge der ununterbrochenen ermüdenden Uebungen ii&tr ihn gekommen war, hatte ihn sogleich verlassen. Als der Lehrer eintrat, athmete er rascher und fühlte, wie seinen kleinen, mageren Körper, infolge der gesunden Bewegung der Muskeln, ein angenehmes Wärmegefühl durchströmte. . Diese Stunden waren seine Erholung. Trotzdem konnte man nicht sagen, daß er das Geigenspiel nicht liebe, war er doch einst überglücklich gewesen, als ihm der Vater die Geige gekauft, und ein alter Musikant ihn gelehrt, wie man den Bogen handhaben müsse. Aber hier erinnerte ihn Niemand daran, daß er zu großen Hoffnungen berechtige, hier drückte ihm nicht sein Vater in jeder Stunde die Geige in die Hand und bat: Mein Täubchen, spiele etwas!" Zu Hause verfügte dieser den ganzen Tag über jeden seiner Schritte. Und immer hieß es: Nun, Mitenjka, spiel' die zweiundzwanzigste Nummer. Es ist doch keine Zeit zu verlieren!" Mitja weigerte sich niemals, weil ihn Anton Jegorytsch nie zwang oder ihm etwas befahl, sondern ihn immer freundlich, fast scherzend bat und ihm dabei zärtlich in die Augen blickte. Und eben durch diese ununterbrochene Für sorge beherrschte er den Knaben. Auf dem Conservatorium wunderte man sich über seine Fortschritte. Doch daß Mitja Spiridonow in der Zeit von sieben Uhr Morgens bis zwölf Uhr Nachts nur die Geige aus der Hand legte, um aus s Conservatorium zu ae hen, zu frühstücken. Mittag zu essen und zu schlafen, das vermuthete Niemand. Keiner kam aus den Gedan ken, daß diese ungewöhnlichen Erfolge das Leben des Knan vernichten und ihm sein Instrument, für daö er doch bestimmt war. verhaßt machen mußten. Am wenigsten jedoch vermuthete das Anton Jegorytsch selbst. Fanatisch am künftigen Ruhme der Spindonows ar beitend, bemerkte er nichts. Er sah nicht, welche Apathie und Langeweile auf dem Gesicht des Knaben lagerten, wenn er die Geige in die Hand nahm und sich vor das kleine Notenpult stellte. Es entging ihm. wie Mitja. irgend eine zweiundzwanzigste Uebung spielend, sehnsuchtsvoll durch die geoff nete Thür in das andere Zimmer blickte. wo sich 'die kleinen Schwesterchen munter tummelten. Nach dem wissenschaftlichen Unter richt hatte Mitja noch eine Stunde bei Onkel. Dieser lobte sein gestriges Spiel, fugte aber hinzu: ES kommt der öffentliche Abend! Gib Dir Mühe, ernstliche Mühe!" Als Anton Jegorytsch. nachdem er eine kleine Gratifikation erhalten, die Kanzlei verließ und Mitia vom Con servatorium abholte, da waren auch seine Worte: Du mußt Dir viel Mühe geben, . ri!jc. cm.".i mti erniincye 'jjiuqzi Und Anton Jegorytsch verdoppelte seine Wachsamkeit. An diesem Tage hatte Mitja kaum Zeit, um Mittag zu essen, als ihm schon die Geige in die Hand gedrückt wurde. Und er spielte. wahrend ihn Anton Jegorytsch mit Pfefferkuchen und Confect fütterte, die er von Zeit zu Zeit aus der Tasche holte. Dank diesen schlauen Kunstgnf fen spielte Mitja bis ein Uhr Nachts. Am Abend drückte Mitja im Bett daS Gesicht in die Kissen und weinte vor Ermüdung und Langeweile. Der selbe öffentliche Abend, der sich Anton Jegorytsch in so rosigen Farben zeigte, erschien! semer kindlichen Borstellung . rm il m . aus erwas xuioeruqes, eryatztes. Der öffentliche Abend war aus Sonnabend festgesetzt. Am Freitag um em Viertel aus sieben stand Mltza schon vor dem Notenpult. Sein Ge sicht trug nicht den gewohnten sanften Ausdruck, sondern er blickte finster und ärgerlich drein. Es kostete ihm schwere Anstrengung, aus die Noten zu blicken, da sich seine Augen immer wieder schließen wollten.' Noch niemals hatte eZ ihn so mächtig, so unwiderstehlich zurückgezogen in'S Bett, unter die warme Decke, wie an diesem Morgen. Und doch spielte er. Er wußte selbst nicht, warum, doch wenn das zärtliche und liebevolle: Mttemka, mein Taub chen!" an sein Ohr schlug, so begann er am ganzen Körper zu beben, und tvr. Herz pochte wie vor tturat.

Er spielte schlecht, machte Fehkr, ja

er gerieth sogar auS dem Takte, doch er spielte, ohne aufzuhören, nur um den Lauten zu entgehen: Mltenika, me:n Täubchen, mein Liebling, Herr Onkel hat gesagt " Heute widerte ihn Alle an, was ihn des Schlafes, der Erholung, der kindllchen, Spiele, der Klndersrelhelt, der frischen Luft und der schönen sonnigen Welt beraubte. Anton Jegorytsch hüllte ihn warm ein und fühzte ihn auf's Conservatonum, zedoch um dieses Mal Nicht von seiner Seite zu weichen. Er bat Herrn Onkel um die Erlaubniß, der Probe persönlich in der Klasse beiwohnen zu dürfen. Obgleich ich :m Princip dagegen bin, daß die Eltern dem Unterricht beiwohnen, so kann ich doch einem Spindonow diese Bitte nicht abschlagen!" sagte der Professor. Doch bis zur Probe, die um elf Uhr angesagt war, hatte man noch eine ganze Stunde zu warten. Wahrend sich nun Anton Jegorytsch mit Onm darüber unterhielt, in welcher Form denn eigentlich durch Mitja in der allernächsten Zukuft der Ruhm über sie kommen werde, war Mitia leue hinausgetreten, hatte die Treppe zum nächsten Stockwerk erstiegen und befand sich nun auf einem großen Flur, auf dem seine Mitschüler hin und her liefen, lärmten, tollten und sich tummelten. Doch dieses Mal erschien ihm auch das Spiel nicht anziehend. Er lehnte sich an eine Wand deS Bogengewölbes. denn er fühlte sich unendlich hinfällig und schwach. Ein netter, reinlich angezogener Knabe lief auf ihn zu, es war sein stiller Freund. Sie liebten es, in der Klasse neben einander zu sitzen und während der Zwischenpausen Arm in Arm umherzuwandern, wie sie sich überhaupt gegenseitig anzogen. Ernst Klaider war der Sohn des Organisten an der katholischen Kirche und bildete sich zum Beruf des Vaters aus. Er war ein guter, sanfter Knabe, mit freundlichen blauen Augen und rothen Lippen, der sich an den allzu ausgelassenen Spielen nicht betheiligte. Spiridonow!" wandte sich der zukünftige Organist an Mitja, bist Du heute frei?" Mitja sah ihn fragend an. WaZ hieß frei sein? War er doch niemals frei! Ich weiß nicht!" antwortete er unbestimmt. Thue mir einen Gefallen. Heute ist der Namenstag meiner kleinen Schwester, es werden Freunde bei mir sein, Pikolow wird da sein, Kapustin, Kirik, Rapidow, komm Du auch! Wir werden tanzen!" Tanzen?" fragte Mitja in demselben unbestimmten Tone, denn er konnte sich daS nicht recht vorstellen. Nein, man wird ihm auf keinen Fall erlauben, zu tanzen. Man wird ihn den ganzen Tag über mit der Geige quälen. Gerade in dem Augenblick, als. er daS dachte, kam sein Vater. Plötzlich trat Klaider an denselben heran. Herr Spiridonow, führen Sie Ihren Sohn heute Abend zu uns! Es werden Freunde bei mir sein, es wird lustig sein!" Anton Jegorytsch lächelte höflich und zugleich herablassend. Nein, lieber Junge. Mitenjka kann nicht. Er spielt morgen!" Klaider entfernte sich, und die Beiden stiegen die Treppe hinunter. Ah, ah! Paganini!" wurde Mitja von Onkel, der ihm gern diesen Namen ?ab, empfangen. Warum siehst Du so blaß aus?" Ihm war in der Nacht nicht ganz .ohl, Herr Professor!" beeilte sich An!o? Jegorytsch zu erklären. Mitja spielte sein Stück. Er faßte Muth, nahm sich zusammen und spielte cher und selbstbewußt. Freilich, wenn er nicht eben ein zwölfjähriger Knabe wesen wäre, so hätte ein Jeder behauptet, daß sein Spiel geistlos, ohne icben, angelernt und hervorgezwungen ,ki. Doch hier war alle Aufmerksamkeil darauf gerichtet, wie schnell sich diese kleinen Fingerchen bewegten, wie sicher der von schwacher Kindeshand geihrte Bogen über die Saiten glitt. Welch? Technik, welche riesige Technii für einen Knaben!" rief Onkel entzückt aus. Alle diese Lobsprüche gingen an Mitsas Ohr vorbei, ohne Eindruck zu machen. Doch desto größer war ihre Wir kung auf Anton Jegorytsch. Vater und Sohn zogen sich an. Mitja wurde von Anton Jegorytsch eingehüllt wie eine zarte Blume, die an einem frostigen Tage über die Straß, gebracht werden soll. Klaider trat nochmals an sie heran. .Herr Spiridonow! Schicken Sie doch, bitte. Ihren Sohn heute Abend zu uns," sagte der rothwangige ttnabe. Anton Jegorytschs Antlitz röthete sich. Dieses Mal hatte er sich geärgert und wollte nicht einmal antworten. Er führte Mitja. dessen Geige er im Kasten trug, auf die Straße hinaus, und sie setzten sich in den Schlitten . eines Jswostschik. Klaider blickte ihnen nach und dachte: Der Spiridonow hat einen strengen Vater!" Als sie zu Hause angelangt waren, bereitete Mitja Anton Jegorytsch eine solche Freude wie noch nie. Denn kaum hatte er sich erwärmt und schnell zu Mittag gespeist, so öffnete er selbst den Kasten, entnahm demselben die Geige und begann zu spielen. Was ihn dazu bewog, wußte er selbst nicht. Nur fühlte er, daß ihm die Hand zu zittern begann und die Geige zu Boden zu fallen drohte, wenn wieder die gewöhnten Worte an sein Ohr klingen sollten: Mitja. mein Täubchen. Du mußt Dick (Fortsetzung auf der Rückseite.)

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