Indiana Tribüne, Volume 19, Number 95, Indianapolis, Marion County, 22 December 1895 — Page 7
Dir: Von Glife Kastner.Michalitschke. Mr wollen znsaMnen wände Den gleichen Lebenspfad, " Der eine stets des andern , ' . Getreu'ster Kamerad., - ; Und wo 3u stehst, da stehe Ich fest mit gleichem Sinn, Und wo Du gehst, da gehe Ich mit fcurch dick und dünn. Ob sonnig Deine Wege, Ob steil, an Abgrunds Rand, Auf ungebahntem Stege Wir bleiben Hand in Hand. Gut oder scklecht! Zs scheide Uns nie des Glückes Rad: In Freuden, wie im Leide Bin ich Dein Kamerad!
Eltcrnpflickten in der KinderZtube. Von Maria zur Megede. Der Säugling wächst heran, nicht aus den Kinderschuhen heraus, sonderen recht eigentlich in sie hinein, und immer complicirter wird die Aufgab der Eltern, zu erziehen", d. h. Zu leiten" und zwischen ,zu viel" und 311 wenig" den rechten Weg zu finden. Sicher ist, ,daß es keiner Mühe gelingen kann Wunder" zu thun. Aus der tleinen Krähe ist so wenig eine Taube zu machen, wie aus dem unscheinbaren Kiesel ein blitzender Diamant. Doch nicht umsonst wurde das Wort ßin dergarten" erfunden. Denn dafür zu sorgen und zu streben, daß die kleine Menschentflanze körperlich und geistig blüht und gedeiht, daß Sonnenschein und Regen ihr Wachsthum fördern, daß wilde Ranken gestutzt und schwache Knospen zur Ausbildung gebracht werden, das ist und bleibt eine erfüllbare Aufgabe der Erziehungskunst und die edelste Pflicht aller derer denen vom Schicksal ein eignes oder fremdes Kind in die Hand gegeben wurde. Kmder sind eben in gewissem Sinne Tlicht für ihrer Eltern da, sondern für 'sich selbst, für ein kommendes Geschlecht. Und mag es auch in manchen Ohren wie Blasphemie klingen, gesagt muß es doch sein: die Eltern .haben bei Weitem größere und ernstere VerPachtungen ihren Kindern gegenüber als umgekehrt! Wenn einst ein Gebot gegeben werden mußte, das die kindliche Ehrfurcht mit langem Leben und guten Tagen zu lohnen versprach, so war 'das ein schlechtes Zeichen, aber schlechter noch für Vit Alten als für die Jungen. Denn zu Moses' Zeiten ist es nicht ander gewesen als heute: nur wahrhast gute, d, h. verständige Eltern können wahrhaft gute Kinder erziehen, die sie hochhalten im Leben und deren Liebe und Dankbarkeit weit über Trennung und Tod hinausreicht. Unsere Kinder sollen nicht nur fort und fort verlangen", sie sollen auch, und zwar bei Zeiten, an leisten" gcwohnt werden, daß sie etwas ertragen können und gehorsam und consequent ihre kleinen Pflichten erfüllen, muß zu den ersten Resultaten einer bewußten Erziehung gehören. Wir ersparen ihnen so, wenn schon nichts anderes, so doch mindestens die Hälfte jener neröenerschütternden Haupt- und Staatsacrionen, durch die selbst sehr schwache Ottern zuweilen den Versuch machen, den allzu kräftig gewordenen Willen ihrer so mühsam gezüchteten Rangen gu brechen. Ich sage absichtlich die Hälfte, denn alle Strafen von der Liste der Erziehungsmittel zu streichen, würde schwer möglich sein. Selbst die -bestgeleiteten Kinder bedürfen ihrer in Ausnahmefällen, und die Heilkraft ist kann über jeden Zweifel erhaben. Die unausstehlichsten Patienten sinbet man unter den Sprößlingen allzu Zärtliche? und besorgter Mütter und Täter. Ihr Brüllen und Strampeln, ihr Wünschen und Verweigern bringt das Muzesühl des Arztes wie der pflegenden Umgebung oft stark in's Schwanken. Gern aber nimmt sich jeder eines geduldigen, kleinen Wesens an. das still liegt, Medizin nimmt und sich Umschläge und dergleichen gefall läßt, weil es von jung auf die Ersah?ung gemacht hat, daß Auflehnungen doch keinen Erfolg haben. Ueberhaupt lernt ein Kind, auf da; icht die ganze Verwandtschaft mit theilnehmenden Worten und Liebkosungen zustürzt, wenn es einmal hinfällt, das man vielmehr auslacht oder ihm seinen Schmerz und Schreck wegredet, sehr bald einen ganz gehörigen Puff vertragen, ohne eine Miene zu verziehen. Während das andere derhätschelte Geschöpschen bei der geringsten ranlassung sein oh renzerreißendes Zetermordio erhebt oder, bereits etwas klüger, geworden, durch drei Stuben kriecht, um sich von seiner gefühlvollen Mama aufheben und am liebsten ntft Chokolade trösten zu lassen. Höchst verkehrt ist es ferner. Kinder dadurch beruhigen zu wollen, daß man im Scherz ten dummen Stuhl" oder 2isch", M häßliche Kinderluiseoder as löse Schwesterchen" schilt oder züchtigt, weil sie vielleicht die un schuldige Ursache irgend eines Stoßes vder Falles gewesen sind. Wie soll ohl der größere Mensch zwischen Urfachen und Wirkungen unterscheiden können, wenn man sich schon von früh an bemüht, seine nicht immer allzu starke Urtheils kraft zu verwirren, wenn man ihm muthwÄig den Weg weist, den wir alle nur zu leicht von selbst finden, nämlich persönliches Ungeschick, unbequeme Verantwortung und lästige Schuld auf Menschen. Dinge und Verhaltnisse abzuschieben! Nichts ist natürlicher, als ba ein tf'rod die Gesellschaft seiner Mutter
sucht, bei ihr am glücklichsten ist und sich kleine Dienste am liebsten von ihr leisten läßt. Dennoch wird schwerlich Jemand finden, daß dieselbe Mutter Ursache hat, stolz auf die Anhänglichkeit ihres Sprößlings zu sein, der sich allemal schreiend an ihren Rock hängt, wenn er einer andern Obhut anvertraut werden soll. Die Zuneigung spielt dabei nur eine sehr kleine Rolle, eine sehr große aber die Schlauheit des kleinen Tyrannen, der die nachsichtige Mama und Alles, was sich bei ihr durch Bitten oder Thränen erreichen läßt, gar wohl schätzen weiß. Und ebensowenig wird einem vernünftigen Menschen die andere aufopfernde Mutter imponiren, die, eine Stunde zu spät zu einer großen Abendgesellschaft kommt und sich 'damit entschuldigt, daß ihr Junge sich so ungern von einem andem ausziehen lasse! Wenn der Fünfjährige schon solche. Ansprüche erhebt, was wird dann der Fünfzehnjährige und gar erst der Fünfundzwanzigjährige verlangen und durchsetzen! Zu den kleinen Pflichten gehört in erster -Linie die Pflege der Zähne, der Mund- und Halsschleimhäute! Ehedem überließ man die Milchzähne ihrem Schicksal. Heute werden sie geputzt, gespült und im Nothsall plambirt. Fäulnißstoffe im Mund sind nicht nur der neuen Zahnreihe gefährlich, sie bringen auch andere Krankheiten hervor. Deshalb müssen sie, so bald mehrere Zähne da sind, mit einer ganz weichen Bürste gereinigt werden. Gleichzeitig? ist mit dem Gurgeln zu beginnen. Die Kinder lernen es sehr schnell und sind bei HalskranZhciten weit sicherer zu curiren als andere, denen man eine so beschwerliche Kunst
sllr ein verständigeres Alter aufsparen wollte! Ein eigenes Kapitel ließe sich über Essen, Schlafengehen und Aufstehen der Kinder schreiben. Auch hier sollte pedantische Pünktlichkeit die Reael 5x1 den, eine Regel, die vorläufia keiner Bestätigung durch Ausnahmen bedarf. Schon fruhzenrg sollten die Kinder am Tische der Großen sitzen. Man braucht nicht abzuwarten, bis sie etwa mit Messer und Gabel umzugehen verstehen. Kinder lernen durch'S Auge und werden ganz von selbst anständig essen, wenn sie eine Zeitlang anständig essen gesehen haben. Daß sie deshalb mcht von Allem bekommen, sondern bei ihrer Kiirderkost Milch, Hülsenfrüchte, Mehlspeisen, viel Gemüse, noch mehr Obst und wenig, ja' nach Lahmann überhaupt lern Fleisch bleiben, ist wohl selbstverständlich. Vielleicht wendet Jemand ein. daß es etwas grausam sei, ein Kind täglich an Genüssen theilnehmen zu lassen, die es doch thatsächlich nicht mrtgenießen darf. Darauf ist zu antworten, daß es in seinem spätern Leben so tausendfach mit Dingen in Berührung kom men muß, die sehr angenehm zu, haben sind und mit denen es doch niemals eine nähere Bekanntschaft machen wird. Abhärtung von Jugend an ist wohl deshalb gerade hier ganz am Platze. Leider rechnen es sich ja auch so viele Mütter, Großmütter, Tanten u. s. w. keineswegs als Sünde an, wenn sie ihren Lieblingen aus jedem Teller, jeder Schüssel, jedem Glase und jeder Flasche wenigstens zu kosten geben. Es fällt ihnen wohl gar nicht ein, daß sie durch ein solches Durcheinander theilweise ganz unzweckmäßiger Rahrungsmittel nicht nur den kleinen Magen in Unordnung bringen, sondern auch mit Kunst die häßlichen und folgenschwersten Fehler des Kindesalters: Gier. Naschsucht, Unehrlichkeit und Verlogenheit großziehen. Außerdem ist es eigentlich nur ein Glllckszufall, wenn solche gedankenlose Verwöhnung nicht Lster schreckliche Unglücksfälle derursacht und namenlose Trauer über die Familien bringt. Denn das Kind, das überall Leckerbissen vermuthet und da nach sucht, würde auch Rattengift und Karbolsäure Probiren, wenn es nur dazu kommen kann. Streng ist darauf zu achten, daß Kinder niemals einen Bissen, ausgenommen höchstens ein wenig Obst, anders als zur Zeit erhalten. Und nicht weniger streng auch daraus, daß die kleine Gesellschaft ihre Mahlzeiten artig am Tische sitzend einnimmt und nicht mit den Resten in der Stube um herläuft. Butterbröte, angebissene Aepfel und schmutzige Finger bringen nicht nur elterliche Möbel, Vorhänge, Teppiche und Kleider in stete Gefahr, sondern sind auch sür Fremde eine wahre Prüfung in Geduld und Höflichkeit. Schlafonszeit ist für kleine Leirte sieben Uhr, für größere halb acht, für Nothfälle wäre allenfalls noch acht zu gestatten. Um sechs Uhr spätestens muß jedoch das leichte Abendbrot auf dem Tische stehen, völlig unabhängig von der Essensstunde der Erwachsenen. Man sage nicht, daß Sommerhitze z. B. eine spatere Bettzeit rechtfertigt. Der Morgen ist ebenso erfrischend, un Kinder stehen gern mit den Hühnern auf. Man muß sie nur aufstehen las, sen und nicht etwa gestatten, daß sie sich in den Kissen hin- und herwälzen, spielen oder gar ungewaschen und ungelammt ihr Frühstück im Bett ein--nehmen. Nun ereignet es sich doch aber, besonders auf tom Lande.' nicht selten, daß bie Kinder zu einem Besuche mitgenommen" 'werden, wie können sie da rechtzeitig daheim und in den Federn sein? Das ist wahr und unabänderlich für jeden, der sich dazu entschließt, seine Kinder überhaupt mitzunehmen". Das sollte aber niemals stattfinden. Mitgenommen" werben, nur Nebenpersonen, und Kinder müßten eigentlich überall und unter allen Verihältnissen Hauptpersonen sein, nach denen sich Ankunft jrnd Abfahrt, Verpflegung und Unterhaltung zu richten hat Wo das nicht sein kann, da ge-
hören Kinder eben nicht hin und ble!ben am besten dort, wo sie ihre Ordnung haben nämlich , zu Hause. Wenn die Arbeiterfamilie mit einer
vielkäpsigen, lebendigen Fracht im? Kinderwagen auf Vergnügungen auszieht und die armen Dinger nachher schlafend auf allen Bänken liegen oder mit überwachten Augen den Gro ßen zusehen, so ist das weder körperlich gesund, noch erziehlich richtig, aber es ist entschuldbar. Die Leute haben in den seltensten Fällen Jemanden, dem sie' ihre Kinder anvertrauen können. Daß aber gebildete Eltern freiwillig ganz Aehnlichcs thun, ist schwer verständlich. Jedenfalls wird der Kin. derfreund diese allzu jugendlichen Märtyrer des Amüsements mögen sie bei Waldsesten oder bei Wintergesellschaften in der Familie bis Mitternacht, ja manchmal sogar bis zum Morgengrauen die Zuschauer spielen voll Mitleid und mit einem Achselzucken betrachten, welches indeß nicht den Kindern gilt! Leider ist die" Zahl der wirklich und andauernd gesunden Kinder erschreckend klein. Die Eltern fangen also früh an, sich nach Stärkungsmitteln umzusehen und gerathen dabei Hauptsächlich auf Wein und Bier. Ja, Bier gilt in vielen Familien als ein vollwerthiges, die Milch übertreffendes Nahrungsmittel, und es gibt manchen sonst ganz verständigen Vater, der mit großer Genugthuung von der Vorliebe seines noch nicht zweijährigen Sohnes für Bier spricht, und daß dieser junge Mann sich bereits verschiedentlich einen kleinen Spitz ' angetrunken haben soll. Der Arzt wird ja selten gefragt, wenn es sich um die Diät anscheinend gesunder Kinder handelt. Sonst würde der sonst ganz verständige"Vater wohl belehrt worden sein, daß weder Wein nochBier auf den Speisezettel des Kindes gehören, daß sie seine Nerven angreifen, seinen Verstand schwächen, mit einem Wort Gift für den kindlichen Körper sind. ' Ueber Kaffee und Thee brauche ich nicht viele Worte zu verlieren. Was dem Erwachsenen zum wenigsten mchts nutzt, wird dem Krnde schwerlich unschädlich sein. Denn was es ißt und trinkt, soll ja dazu dienen, einen gefunden, kraftvollen, widerstandsfähigen Körper, fcie Wohnstätte eines eben so gesunden Geistes, aufzubauen und nicht den bereits fertigen nothdurstig zu erhalten. Das wahre Getränk des Kmdesalters und weit darüber hinaus ist und bleibt die Milch. Das Erröthen. Das Wesen des Erröthens besteht m einer Erweiterung der Schlagadern, vermöge des Einflusses der sogenannten gefakerwelternden Nerven. Das Erröthen erstreckt sich nicht allein auf das Gesicht, wie man es gewöhnlich nur wahrnimmt, sondern dehnt sich mehr und minder über den ganzen Körper aus. Die Schlagadern des menschlichen Organismus werden bezüglich, ihrer Weite von zweierlei Ner. ven beeinslußt, den gefäßerweiternden und den gefäßverengenden. Sind die gefäßverengenden Nerven aus irgend einer Ursache gelahmt oder gewinnt die Wirkung der gefäßerweiternden über die gefäßverengenden die Oberhand, so tritt eineErweiterung ein. und in die so erweiterten Gefäße sließt mehr Blut als zuvor. Die Ursachen dieses nervösen Vorganges kömen verschieden sein. Allgemein bekannt ist es, daß derselbe durch psychische Einflüsse bedingt sein kann. Man spricht von der Röche der Scham, der Verlegenheit, des Zornes etc., während Schreck, Wuth, Angst die gegentheilige Wirfang, das Erblassen, hervorzubringen pflegen. Früher nahm man an, daß Erröthen durch kein physikalisches Mittel, d. h. durch keine Einwirkung auf den Körper, verursacht werden könne. Man 'hat aber jetzt gefunden, daß ein Mcdicament, das gegen Migräne und Asthma mit Erfolg angewandte Amyl. nrtrit, Erweiterung der' Blutgefäße und Röthunz der Haut hervorruft. Hat man wenige Minuten am AmylNitrit gerochen, so ist das ganze Geficht wie von Purpurröthe Übergossen, die nach kurzer Zeit wieder verschwindet. Leute mit Herzfehlern, deren Herzthätigkeit infolge dessen eine gesteigerte ist, ferner nervöse, leicht erregbare Personen neigen viel mehr zum Erröthen als kräftige Menschen, deren Nerversystem weniger schnell errcgbar ist. Jüngere Menschen erröthen leichter als alte, doch trifft dies nicht auf die erste' Kindheit zu. Es scheint, als wären die geistigen Kräfte kleiner Kinder noch nicht hinreichend entwickelt, um ein Erröthen bei ihnen zu gestatten. Frauen neigen mehr zum Erröthen als Männer, selten erröthet ein alter Mann, nicht ganz so selten eine alte Frau. Auch die Blin den entgehen dem Erröthen nicht. Anfangs sind sich die Blinden nicht bewußt., daß sie beobachtet werden, es ist aber einer der wichtigsten Punkte ihrer Erziehung, dies Empfinden dem Geiste aufzuprägen. Die Neigung zum Erröthen ist erblich. Bei fast allen Menschenrassen findet sich das Erröthen. natürlich mit dem Unterschiede, daß man bei. Rassen, deren Hautfarbe nicht weiß ist, von einem Erröthen hn Farbensinne nicht sprechen kann. Recht schmeichelhaft. Sie: Ich kann Sie nicht heirathen.und Sie quälen mich durch Ihr fortwäh rcndes Fragen, bitten Sie doch ein andereS Mädchen um ihre Hand! Er: Das habe ich ja schon gethan, aber keine will mich haben.da bin ich schließlich so verzweifelt, daß ich zu Ihnen gekommen bin!
Die Mlttlir-Reitschule tn Hannover.
Weit ab vom Mittelpunkt der alten Welsenstadt, an dem äußersten Weichbilde, vom Volke Vahrenwald genannt, liegt der in langweiligstem Kasernenstil gehaltene Backsteinbau der Reitschule, der mit seinen Nebengebäuden und Hösen einen umfangreichen Geländetheil in Anspruch nimmt, und von dessen Nordflüzel aus das Auge in .dämmeriger Ferne die Ausläufer der vielgeschmähten LLneburger' Heide gewahrt. Die nach der Vahrenwalder Straße weisende Front des Grundstückes birgt die Bureauräume, die Casernements der commandirten Mannschaften, Ordonnanzen und PferdePfleger, der Unterofficiere wie auch einige Officiersbehausungen; die einen gewaltigen Hof umschließenden Sei-ten-und Querflügel enthalten die zahlreichen Ställe und gedeckten Reitbahnen. Fast über den ganzen Umsang des großen Hofes dehnen sich die behufs besserer Trockenlegung erhöht hergerichteten offenen Bahnen sowie der Sprunggarten aus. Schulreiten. Während der reanerischen H:rbstund : kalten Wintermonate findet der Reitdienst vorwiegend in den geschlos senen Bahnen statt. Schon bei Ueberschreiten des Hofes wird uns Der mm-tär-sportliche Charakter des Getriebes 'klar: hier tummelt ein gerade dienstfreier Officier sein feuriges Roß. das in jugendlicher Kraft sich hinwegsetzen möchte über die lästige Vorschriftsmäßigkeit schulgerechter Gangart, dort svornt ein anderer ein weniger muthiaes Vferd. es wieder und wieder zum Nehmen des zwei Aards breiten Wassergrabens, zum gewagten Sprung über die gefürchtete Steinmauer zwingend. Voltigiren. Treten wir nun einen Rundgang durch die Stallungen an! Von der Zahl der einzelnen Pferdestände und dem Umfang eines jeden Stalles wird man sich einen Begriff machen können, wenn man bedenkt, daß yerschiedentliches Reitmaterial für mehr denn zweihundert Zöglinge vorhanden sein muß. Stellt doch jedes preußische, sächsische und württembergische Cadallerie- und Feldartillerieregiment je einen Lieutenant, jedes preußische, sächsische und württembergische Reiterregiment je einen Unterofficier oder Gefreiten als Schüler. Von der Anzahl der Ställe wird man sich ein Bild machen können, wenn man erwägt, daß jede Eategorie der wiehernden Vierfüßler, als da sind junge und alte Remonten, Unterofficierspferde, Chargen- und eigenePserde der Officiere. etatsmäßige Instituts-. Jagd- und Schulrosse, für sich gesondert untergebracht ist. Daß die durchweg gewölbt ausgebauten Ställe ein Bild peinlichster Sauberkeit darbieten. Ein grobes Hinderniß. wird den nicht Wunder nehmen, der jemals einen Blick in einen deutschen Eavallerie- oder Artilleriestall gethan hat, wenn auch nicht zu verkennen ist, daß die vor nunmehr etwa zwei Jahrzehnten hergerichteten. Pferdewohnungen des hannover'schen Instituts, sosern namentlich Licht und Luft in Betracht kommen, nicht den Comfort modernster Dienststallungen zeigen. Sämmtliche Ställe sind so angelegt, daß die Pferde während der kalten Jahreszeit nach erhitzender-Thätigkeit aus den geschlossenen Reitbahnen in ihre Stände zurückgeführt werden können. ohne den Hof zu betreten; des iedesmaligen' Dienstbeginuens harren die aufgezäumten Rosse in sogen. Kuhsiällen, alias Wartesälen. Der Zweck des auf zwei Jahre bemessenen ReitschulcursuS ist,'einen fortdauernden Stamm von fertig ausgebildeten Stallmeistern innerhalb der Armee zu schaffen. Nicht bloß ein firmer, in allen Satteln gerechter Reitersmann soll auö dem Schüler-Lieutenant
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die Unterofficier-Reitschule ist vollständig von der der Officiere getrennt
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I m Sprunggarten. gemacht werden, er soll auch thcoretisch zum tüchtigen Pferdekenner, zum zuverlässigen Lehrer und Dresseur erzogen ' werden. Daß demgemäß der Dienst ein äußerst vielseitiger und anstrengender sein, die Anstalt über ein zahlreiches Eollegium von auserlesenen Lehrern in Gestalt erfahrener Rittmeister und Stabsofficiere verfügen muß, leuchtet ein. Die im ersten Schuljahr desindlichenOfficiere reiten dieStammPferde der Anstalt sowie die vom Regiment mitgebrachten Dienstchargenund eigenen Pferde. Die StammPferde sind völlig zugeritten; auf ihnen soll der Schüler, wieder als Neuling betrachtet, den vorschriftsmäßigen Sitz, eine richtige Einwirkung auf , das Pferd und sämmtliche Lectionen der Reitlnstruction erlernen. Die zumeist noch jungen Chargenpferde werden als Remonten behandelt und bilden sozusagen Lehrobjecte für den Schüler in der Remonte-Erziehung. Die bereits weiter vorgeschrittenen Zöglinge des zweiten Jahrgangs reiten junge und alte Remonten ihre Ehargen- und eigenen Pferde sowie die dem Institut gehörigen Schulpferde. Der Eursus des zweiten Jahres bezweckt demnach die richtige Behandlung und das Anreiten junger Remonten, das Bekanntmachen mit dem systematischen Gang der Bearbeitung eines Remontepferdes, Piaffiren. das Heranbilden der älteren Remonten zu dienstbrauchbaren ' Stammpferden und die AuZbildung dienstbrauchbarer Pferde in den Grenzen der Reitinstruction; der Umgang mit dem Schulpferd soll der reiterischen Ausbildung, der theoretischen wie der praktischen, dit Krone aufsetzen. Daß die Zeiteintheilung des gesammten Dienstbetriebes eine nach Fortschritten von Reiter und Roß streng systematisch geregelte ist. bedarf wohl kaum der Erwähnung, eder der beiden Schüleriahrgänae in sich ist. um den Unterricht für den Ein-; zelnen möglichst fruchtbringend zu ge- j ftnltfn. in zaklreicke kleine, nie über 12 l Schüler starke Reitabtheilungen geglie- j dert; sämmtliche Reitbahnen bieten von der neunten Stunde Morgens an bis Nachmittags 5 Uhr ein Bild regsamster Thätigkeit. Wenn nun btx. Laie wähnt, es werden sich ihm bei seinemRundgang durch die Bahnen fortlaufende Tableaus circensischer Trics entrollen, so hat er die Rechnung ohne die Reitinstruction" gemacht. Wohl kann es dem Besucher begegnen, daß er in der Longirbahn eine Officiersabtheilung gerade beim Einüben der schwierigsten Circusvoltigen überrascht, wohl mag er vielleicht hier und da Reiter und Roj in muthvollem Ueberwindcn einer schulterhohen Barriere bewundern können; aber das A und O, wonach sich der praktische Reitdienst regelt, ist und bleibt die Reitinstruction", und die Reitinstruction ist ein Unterrichtsbuch, und jedes Unterrichtsbuch athmet Pedanterie und Eintönigkeit, die sich beide naturgemäß auf den Unterricht selbst zu übertragen pflegen. Von einem der innerhalb der Wände angebrachten Balkon: können wir ungehindert das Treiben in der Bahn beobachten. Nach kurzer Weile schon überkommt uns das , Gefühl, daß hier nicht viel Kurzweil zu holen ist. Ruhig, kein Auge von den um ihn kreisenden Gestalten verwendend, steht inmitten der Bahn der gestrenge Lehrer. Nichts entgeht seinem kundigen Blick; überall greift er ein mit kurzem verbesserndem Wort, hier auf falschen Sitz und mangelhaften Schluß aufmerksam machend.dort den Abstand regelnd, hier die Handbalwng tadelnd und da wieder die Gangart eines Pferdes kritisirend. In dieser Weise verläuft gemeinhin der Unterricht, in der That die in's praktische übersetzte Reitinstruction". Diese gewissenhaste, trockene Handhabung des Bahndienstes ist für den Schüler bei Weitem anstrengender als ein meilenweiter flotter Ritt durch die freie Nawr; Körper und Nerven der Zöglinge, meist ältere SecondeLieutenants und jüngere Premiers, die schon so manches Dienstiahr hinter sich haben, werden in höchstem Grade in Anspruch genommen. Das wird begreifen können, wer da weiß, was es heißt, täalich mehrmals stundenlang auf dem Rücken des Pferdes zuzubrinaen und obendrein unausaesetzt den Mahnungen und Weisungen des Leh-! - . . .- ... " rr rrl.r. rers tfoigc georn zu munen. juizi streng pedantische Unterrichtsmethode aber trägt andererseits die reichsten ffrllchte. sie zeitigt seit Jahrzehnten Erfolge, die das hannover'sche Jnstitut zu einer Berühmtheit in aller Well gemacht h:b:n.
Der Neugler des Laien mehr Befrledigendes bieten wohl die Schulbahnen. Die Dressur der Schulpferde, unterm
JndenPZlaren. Reiter sowohl wie an der Longe und in Freiheit, gewährt einen lehrreichen Einblick in die Schwierigkeiten, mit denen der angehende Dresseur zu kämpfen hat. Inmitten der Schulbahnen befinden sich die Pilaren, das sind zwei etwa anderthalb Aards weit von einander stehende Pfähle, zwischen die das Schulpfcrd mittels der Stallhalfter festgebunden wird. Die Dressur in den Pilaren ist, abgesehen von dem erzieherischen Zweck für den Schüler-Officier, schlechthin nichts weiter als ein thcoretischer Unterricht für den vierbeinigen Zögling, dem hier, an die Stelle gebannt, schulgerechte Haltung und Zusammenstellung, sowie richtiges Setzen der Beine, kurz Takt und Anstand eines nach jeder Richtung hin vollkommenen Reitpferdes beigebracht werden soll. Die Kaiser Friedrich Gedächtniß Kirche. Mit ihrer zufälligen, originellen Baumasse überragt die dem Andenken an den Kaiser Friedrich gewidmete neue Kirche wirkungsvoll die Baumkrönen des Berliner Thiergartens, die Hauptsront mit dem dreiteiligen vornehmen Portalbau an der Händelstraße der gegenüberliegenden Lessingstraße zuwendend. Sie hat den gerade geschlossenen Chor nicht, wie üblich, an der Ostseite, sondern an der Südseite und wendet die Westseite den (Lartenanlagen von Charlottenhof zu. Der Architekt Prof. Bollmer hatte insofern keine leichte Aufgabe, als die geringe Zahl der Sitzplätze (etwa 800) keine besondere Raumentwicklung gestattete Uvd anderseits auf einem ziemlich knappen Gelände in Berbindu.-ig mit öer Kirche noch eine große Sacr'.stei und zwei Confirmandenzimmer verlangt wurden. Gleichwohl ist es dem erfahrenen Künstler gelungen, einen Ansicht der Kirche. ' stimmungsvollen würdigen Raum zu schassen, während die aus der Bielseitigkeit der Anforderungen sich ergebenden Schwierigkeiten zu reizvollen Lö sungen in der Gruppirung der cinzelnen Theile den Anlaß gaben. Das einschiffige, breit durchgehende Langhaus trennt sich mit dem Querschiff deutlich als Haupttheil ab, !)ährend von Osten her der Thurm mit geringem Vorsprung heranrückt. Mächtige hohe Fenster mit kräftigem Maßwerk liegen in den großen Äbschlußmauern, zwischen denen die Eingänge eine einfächere Ausbildung im frühgZthischen Sinne gefunden haben. Bei aller Wucht gibt die Einfassung der rothen Ziegelflachen mit Hellem Werkstein, der auch mehrfach in Streifen durchg'.legt ist, der Erscheinung der Kirche e:was anmuthiges, das der parkähnlichen Umgebung wohl entsprechend ist. E-in -Unterschied. May: Ud sagte er nicht, daß er sich meiner noch erinnere, als ich noch ein Mädchen war?" Maud: Nein, er sagte, er erinnere sich Deiner noch aus der Zeit, als er noch ein Knabe war." ' VorGericht. Richter: Was veranlaßte Sie, in dieses Bankhaus einzubrechen? Aegeklagter:: Das Geld natürlich, das darin wr, oder glauben Sie vielleicht, ich habe es für den Ruhm gethan?. Er weiß Bescheid. Gatte (zu seiner Frau, welche ganz unerwartet zärtlich zu ihm wird): Na, wie viel willst Du denn haben. Bist Du mit einem Zwanzigdollarstück zufrieden? Bedenklich. A.: Unterstützt Ihre Schwiegermutter. Sie bei Ihrer Arbeit. Ich sehe sie öfter an Ihrem Schreibtisch? B. (humoristischer Schriftsteller): Ja. sie sieht Alles durch, was ich schreibe und verbrennt alle meine Scherze über die Schwicgermütter! Die gute Seele. Mrs. Witherby: Ich sah heute einen Prachtvollen Armstuhl, der nur dreißig Dollars kosten sollte. Ich war nahe , daran, ihn für Dich zu kaufen. ' Er: .Um Gotteswillen. Du hast es doch nicht gethan?" Sie: .Nein, ich bezwang mich und kaufte mir für daö Geld einen neuen Hut!"
Daö neue Mitglied deö Lbcr.Vun-'desgerichtö.
.Präsident Cleveland hat Herrn Ru fus Peckham als Nachfolger des durch den Tod abberufenen Richters Jackson zum Mitglied des Ober-Bun desgerichts ernannt.' Der neue Bun des-Richter ist in Albany. N. Y.. im Jahre 1838 geboren. Sein Vater. Rüfus W. Peckham, war einer der Richter ides Appellhofs. Er selbst wurde im Alter von 20 Jahren zu? Rechtsprazis zugelassen und wurde bald nachher Mitgliev der AdvokatenFirma Peckham und Tremain. Diese Firma bestand bis zu Tremain's Tod? ihre Nachfolgerin war Peckham & Nosendale". Im Jahre 1869 wurde .' Rusus W. Peckham. R. W. Peckham zum Distriktsanwalt von Albany County erwählt. Er war mehrere Jahre lang Präsident des demokratischen Comites von Wany County. Im Jahre 1883 wurde er für einen Termin von 14 Jahren zum Oberrichter und im Jahre 1886 zum Richter am Appellhof erwählt, als Nachfolger des Richters Miller, welch letzterer- der Nachfolger des älteren Peckham in diesem Richteramte gewesen war. Peckham hat während seiner achtjährigen Thätigkeit als Appellhofrichte? in Albany viele wichtige Rechts entscheidungen abgegeben. Ursache und Wirkung. Was Fräulein Eulalia doch für merkwürdig vorstehende Augen lut! Ja, das arme Kind hat sich die Augen nach einem Mann schon ganz rausgesehen!" JllustrirteS ltat. 'Ein and'res Antlitz, eh' sie geschehen. Ein anderes zeigt die vollbrachte That. Schiller. Braut vorv Messina". Unmöglich. Weißt Du noch. Karl, als wir derlobt waren, sagtest Du immer. Du würdest mich auf den Handen tragen, und jetzt " Leider hatte ich meine Kräfte über schätzt. Du warst damals etwaS schlanker!" Strolchlogik. Erster Strolch: Du, Ede, wollen wir uns ein ! paar Aeppel vom Baum holen? ' Zweiter Strolch: Meinetwegen, aber ich mach' mir nicht viel d'raus, die i Aeppel auf den Bäumen sind alle sauer die in Korben wachsen, sind viel besser!
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