Indiana Tribüne, Volume 19, Number 95, Indianapolis, Marion County, 22 December 1895 — Page 6
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Per Christabend beim Klein Häusler. Von Carl Wolf. O mei, o mti, wie' doch! oft mit reichen Leuten geh'n kann." Ja, ja, Mutschlechncrm." entgegnete die alte Weberin, M kann man amal sehen, wo bet Hochmuth hinVaters Dach nit zufrieden ist. der rat kein Segn, hab i gsagt. Bauen, mei sell ist schon recht. A Dach ausflicken, wenn's einem einerregnen thut, - 's Stadtlthor zammennageln, oder - in Rauchmantel in der Kuchl ausbessern, wenn der VerWurf fortfallt, alles recht! An neuen Brunnentrog, auf'n Backofen a neus Ueberdach, das sein Sachen, die sein müssen, hab i gsagt. Aber seines Vaters Haus grad gleimfort niederreißen, und die schön' Gmaleter. die drauf gwest sein, der heilige Floriani, den sie schon amal recht erzürnen mit der talgeten Feuerwehr, und in Martini, den sie a amal recht erzürnen mit der Vi?h-Assekuri Assekuranz) und übern untern DachFenster ein Äug Gottes mit an goldgelben Schein, grad alles so zammenreißen. hab i gsagt, na Leut, hab i gsagt, das nimmt kein gutes End." Aber geht's, Weberin, verstorbenen Leuten soll man nit so nachreden," suchte das alte Mutschlechner Mütterlein den Redefluß der Weberin zu unverbrechen. Verstorbenen! Leuten? Meinetwez:n red i von den Lebendigen. Die Hofrecht-Christl ist a nit besser gwesen als ihr Vater, Gott tröst ihm. A hausgwirkter Kittl ist ihr alm zu minder gwest und der Kramer weiß schun, Uiarum er vor ihr alleweil sölli a Buckerle gmacht hat beim Grüßen Daß i nit lach, a Buckerle vor an Bauerndiendl! Pfm Teufl, Gott verzeih mir die Sünd. Wer weiß, ob nit die stolze Diern den Alten so einigehetzt hat ins Bauen und Verschwenden " . Grüß Gott, Mutterle," tönte es nun von der Thüre her, in deren Rahmtn ein junger, kräftiger Bursche stand. Dann machte er einige Schritte in das Stübchen und schaute finsteren Auges auf die alte Weberin, die mit wackelnbeiü Kinn dasaß. Habrs nit bemerkt. Weberin, daß ich die Thür offen 'lassen hab?" Verwundert schaute das böse Weib, ieren liebste Beschäftigung es war, den Leuten Uebles nachzureden, zu dem Burschen auf. Die Thür hab i offen 'lassen und selb ist immerling a Zeichen, daß Jemand einer soll oder außi. Draußen ist Niemand und daherinnen sein drei Leut. Zwei, die einer gehören und für's dritte wär die Thür offen." Brummend und murrend schlürfte die Alte zur Thür und tupfte dort mit dem Zeigefinger in das Weihbrunnlrüglein. Jl schier eintrocknet, der heilige Weihbrunn," höhnte sie, um sich für die Ausweisung zu rächen. Genug ist drinnen, um so einen nichtsnutzigen Drachen zu vertreiben," sagte zornig der Bursche und schmetterte die Stubenthür zu hinter der Alten. Aber mei, Hans, wie kannst lei so arg bös sein mit der Weberin, 's ist wahr, sie ist voller Gift und voller Gall, aber 's ist ein altes Leut. mußt bedenken." Fast liebkosend strich Hans mit seiner rauhen, abgearbeiteten Hand über den Scheitel seines alten Mütterleins und setzte sich neben sie an den runden Tisch. Es war ein kleines, ganz ausgetäfeltes Stübchen mit einem gemauerten Ofen. Ringsum an der Wand lief eine Bank und in entsprechender Höhe eine Stellage, aus welche? allerlei Sachen standen: alte Zinnkannen und Teller, Flaschen mit allerlei angesetzten Heilkräutern, einige alte Legenden und Bücher. An den Wänden herum hingen kleine, bunte Heiligenbilder und in der Ecke hinter dem runden Tisch ein altes Kruzifix und von der Wand, in Gestalt einer Taube mit allerlei Flitter verziert, ein heiliger Geist. Ein Erbauungsbuch hatte das Muiterle vor sich aufgeschlagen und an der Stelle.wo sie stehen geblieben war beim Eintritt der alten Weberin, ihren Rasenquetscher gelegt. Schaut's, Mutterl, eben zwegen dem. daß sie alt ist, kann i ihr nit derzeihen, daß sie so voller Gift ist; und dann sell sag' i schon glei: wer über den Hofrecht und die Christel loszieh:n thut, den kann i schon einmal gar mmmer leiden." .Ist reckt schaffen brav von Dir. Hans, daß Deinen Feinden gar Gutes nachreden thust." Ra, na, sei nur still," fuhr die alte Mutschlechnerin fort, als Hans abwehund dazwischen reden wollte, sei lei still, i sag ihm rein gar nichts nach. Aber seim eigen Kind hat er nit gut wollen, daß er Di gar so herb abgwiesen hat. Mei. wer weiß, ob die Chr
fuhrt. Schaut's, lmmcrlmg yav is g'sagt, so eine Sach geht nit, hab i tr i r i i OrrA ! 1
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einer gworden warst. Aber Mutterl, was redst denn! Zehn für ein!" . ........ Na, na, da laß i mi nix einreden. Wer Vater und Mutter ehrt, der bringt a Ausstattung mit in die Ehe, wie sie der reichste Bauer mt mitgebe kann. Der Elternsegen, Hans, der hat golden Boden, auf dem wachst a demantener Baum und der tragt Glücksäpfel und Zufriedenheitsbirnen. Das sein Edelfrücht. wie's keine bessern gibt auf der Welt. Aber sag. was hast denn erfahren in der Stadt? Erzähl amal." Mei. traurig schaut's aus. . recht traurig," sagte Hans und trommelte mit den Fingern auf dem Tisch. - Solang der alte Hofrecht glebt hat. so ist alleweil noch a Vertrauen dagwesen auf die Wirthschaft. Er hat's recht gut verstanden, zu drehen und zu wenden. daß man nie recht gwußt hat, wie er steht und wie's ihm geht. Aber jetzt hat er die Augen zugmaht, und weil a minderjährige, einzige Tochter da ist, die Christi, hat der Notar freili die Rechnung zusammenstellen müssen. Und was a Schätzung werth is? Mei, nit 's Drittel, was einem die Sach kost'. Und jetzt haben sie halt den Conkurs ansagen müssen und am zweiundzwanzigsten Dezember werd erst die Fährnis und nachher 's Anwesen versteigert." Armes Diendl." sagte das alte Mutterle und trocknete sich mit de: knochigen Hand die Augen. Ja freili! Armes Diendl. dös sag ! a. Die Ehrist! ist die unebenen, sieinigen Weg nit gwohnt, und wer von der guten, glatten Straß auf einmal in di: Bergweg einikummt, gschafft nit un is ungschickt." Vergiß nit auf'n Schutzeng:!, Hans." eiferte die Mutter. Unser iieber Herrgott verlaßt kein Menschen auf der Welt und geht's ihm noch so schlecht." Trübe schaute der Bursche vor sich nieder. Dös ist hart, Mutter, wenn man' sein Herzblut hingeben möcht für an Menschen, wenn man a Diendl gern fyit und zuschauen muß, wie sie an traurigen und schweren Leben entgegengeht. Wenn man still sein muß zu all die Reden von die Leut, still, mäuserlstill, weil man's nit ändern kann, so was zu tragen ist recht hart." Da stand das Mutterl auf und nahm den Stock, welcher hinter ihr an der Wand lehnte und humpelte zur Kammerthür. Dort war in einer Ecke eine Art Hausaltar errichtet. Das Bild der schmerzhaften Mutter Gottes mit Blumen geziert, wie sie bei Hochzeiten getragen werden. Da kniete das Mütter! nieder, so sauer es ihr wurde und faltete die Hände. Schau. Du liebe, schmerzhafte Mutter Gottes, da wäre halt wieder a Menschenkind, das sich nimmer auskennen will vor Schmerz und Kummer. Da wirst halt Du wieder helfen müssen, denn wir arme Menschen sein alleweil noch viel zu ungfügig. und wenn uns a bißl was in Quer kommt, meinen wir, es sei schon alles gar aus der Weis'. Und halt recht weh, Himmelsmutter, thut's den jungen Leutnen, wenn's Herz mit im Gspiel ist, sdhon recht weh. Und wenn a Mutter für's lieb eigne Kind bettelt, da schenkst uns schon Dein Hilf. I bitt Di recht schön." Der junge Bursch war an eines de: kleinen Fenster getreten, stützte die Stirne auf seine Fäuste und die Thrunen tropften über seine Wangen. Da kam das alte Mutterl heran und strich mit ihrer zitternden Hand leise über die Schulter ihres Sohnes. Ja, Hans, die zwei Quellen, die den Augen entspringen, wenn die offen sein, sell ist heilsam. DLZ Wasser! löscht in Weh und Gram und wenn er noch so brennt." ' Der alte Hofrecht, im Herbste hatten sie ihn begraben, war ein stolzerBauer. Auf dem Goldegghofe saßen schon sein Vater. Groß- und Urgroßvater und noch viel mehr. Ober dem Thore des alten Hauses war ein Schild gemalt, ein weißes Feld mit einem rothen Querbalken. Mitten in diesemSchilde war eine Gemse, wie sie auf der Wacke steht. Zur Zeit Friedeis mit der leeren Tasche war dieses Wappen den Hofrechtern auf dem Goldegghofe verliehen worden, weil der damalige Bauer besonders wachsam war zum Schutze des Landesherrn, der mit dem Papste Johann zum Konzil nach Konstanz gezogen war, und welcher durch die Umtriebe des Adelsbundes vom König Heinrich semer Herrschaft entsetzt und in Acht gethan wurde. Die treuen Tiroler Bauern a&r hielten fest zu ihrem geliebten Herzog Friedl. und ihnen verdankte er es, das; er wieder der Herrscher des Landes wurde. Die Besitzer des Goldegge? Hofes litten alle an großem Eigenollnkel. am meisten aber der letzte Bauer. Das Anwesen hatte durch die vielen 'chlechten Weinjahre sehr gelitten und der Bauer verstand nicht zu wirthschaften. Neue Anlagen an Feloern, der Umbau seines Hauses, sowie auch sein protzenHaftes Auftreten verschlangen Unsummen Geldes. Und je mehr der stolze Bauer merlte, daß man schon da und dort über seine Verhältnisse zu munkeln begann, dcjio freigebiger war er mit dem Gelee so lange er noch solches hatte. Im Sommer erkrankte er plötzlich, und in seiner Krankenstube ging nicht nur der Arzt ein und aus, sondern auch der Gerichtsdiener mit allerlei Schriften, welche der Bauer immer sorgfältig im Wandkästlein am Kopfend: seines Bettes einschloß. .
An seinem Bette saß sein? einzige Tochter Christl, eine liebevolle Pflegerin, aber auch die Sorge, und wenn in bangen Nächten, die Augen sich schließen wollten zu kurzem Schlummer.da stupfte die Sorge den Kranken: He Bauer, Goldegger,' die Fuchsen spann noch amal ein, bevor man sie versteigert und fahr um im Dorf, daß Di zeigen kannst, abgehauster Bauer!" Eines Tages war im Feiertagsgewände der Mutschlechner Hans vor dem Bauer erschienen. Es ist eine selbsteigene Sa$, in der i heut kumm und thu 'der Bauer nur nit bös werden. I weiß ja, daß 's Mutschlechner Anwesen nit zu rechnen ist gegen den Goldegger Hof. Wir sein halt lei Kleinhäusler, drei Küh und zwei Schweinlen und fyalt a Hennen haben wir schon. Wein machen wir fünfzig Jhrn in guten Jahren Erdäpfel und Fisolen brauchen wir nit zu kaufen und Holz haben wir aus der Au genug. Und 's Gütl ist ausgezahlt, kein Kreuzer sein wir drauf schuldig!" Nachher?" So sagte der Bauer kurz, als Hans in seiner Rede stockte. Die Christ! und halt i hätten uns gern." Da stand der Bauer auf und ging langsam zu einem Fenster der Stuöe zu und schaute die Straße hinunter. Ja, richtig, die Karrner (heramziehende Leute mit einem zweirädrin Karren, in dem sie schlafen) sein noch drunt unterm Nußbaum. Schau.schau, die Karrner Tochter heißt a Chr,,tl, wie mei Diendl? Und die willst als Väurin aufführn auf'n Hof? Recht schön von Dir, Mutschlechner Hans. So a armes Wesen, das sei Lebzeit alleweil auf der Straße herumgelegen ist, werd recht dankbar sein. Ja, ja, gleich und gleich gsellt sich." Da war der Bursche bleich geworden bis in die Lippen und ohne ein Wort der Entgegnung auf die Schmach, die man ihm angethan, hinausgeg.ingea. In der Kammer daneben aber lag Christl, die reiche Vauerntochter, auf den Knieen, hüllte ihr Gesicht in die Schürze und weinte bitterlich. O mei lieber, mei armer Hans, auf den Knieen möcht i Dir die Schmach und die Schand abbitten, welche Dir mei Vater angethan hat." Weihnachten war in's Land gekommen. Die Berge waren tief herab mit Schnee bedeckt und blau schimmerte daö Eis von den Firnen. In der bene aber hatte die südliche Sonne den Schnee fortgeküßt und die dielen, immergrünen Gesträuche und der an allen Felsen und Mauern wuchernde Eph.'u gab der Landschaft fast das Zlniehcn, als nahe der Frühling. Nicht selten findet man in de? Umgebung von Meran noch im Dezember Rosen, die im Freien blühen, Osterblumen und Veilchen an den Mauern der nach Süden gelegenen Weingelände. Auf dem Friedhofe von St. Peter, weit schaut man von demselben hinunter in das gesegnete Etschthal, lagen zwei Gräber dicht neben einander. Jedes Grab zierte ein schmiedeeiser.i:Z Kreuz. Auf dem einfachen, schlichten Kreuze stand: Hier ruht der ehrsame Bauer Georg Mutschlechner, gestorben am..." und auf dem zweiten, dessen Laubwerk reich vergoldet war und wo an einem Halter ein kunstvoll gearbeiteter.kupferner Weihbrunnkessel hizz, stand: Hier ruht in Gott die vielgeachtete, ehr- und tugendreiche Anna Hoftechtin, Großbäuerin auf dem Goldegzhofe, ncftor ben " Ihr folgte Josef Hofrecht,' Goldegzbauer, gestorben am...." Der Zufall hatte den stolzen Goldegger neben den schlichten Mutschlechner Bauer gebettet. Nun waren sie alle zwei Kleinhäusler. Am Grabe des Goldegger kniete Christl und war emsig beschäftig;, dasselbe mit einigen frischen Blumen und mit Epheulaub zu schmücken- auch auf dem Grabe daneben, auf dem Grabe des armen Kleinbauern lag ein frisches Sträußchen.
Da kam Hans, dm Hut in derHand. geschritten, bückte sich am Grabe seines Vaters, um mit einem Rosmarinzweig lein, welches in dem Weihbrunn kessel lag, das Grab zu besprengen. ' Wie zögernd stand er einige Sekunden, dann besprengte er auch das Grab des Goldegger. Mit thränengesllllten Augen sah das Mädchen auf und sagte: Schön ocrgelt's Gott, sag i Hans, tausendmal." Ist nicht zu danken." entgegnete der Bursche, ist ja christlicher Brauch." Brauch, sell hast schon rechf, Hans, aber mein Vater ist nit gut gegen Di gwest, und so mein i halt " Geh, Christi," entgegnete der Vursche, laß die altvergangenen Sachen, ' Grab ebnet alles aus. Ist's denn richtig wahr, daß Du fortgehn willst von da?" Hast recht, Hans, i will und muß fort. Schau, die drei Wochen, seitdem sie gerichtlicherweis' das Haus versperrt haben und i außi hab müssen und lei um Gottes willen a Unterkunft giunden hab bei Bekannte, ist mir a jede Minuten a Ewigkeit der Demüthigung gwest. Geschenktes Brot, i hab's nie verkostet in meinem Leben, bis jetzt, aber das ist bitter und i bin jung und kraftig. i werd das. Arbeiten schon lernen und aushalten und zfreu mi schon aus's verdiente Brot." Und an mi, Christl. an mi und an meine treue Lieb hast nie denkt? Jede Minute, Hans. Aber nach dem, was mein Vater Dir damals an than hat, wie Du die Anfrag um m: gmacht hast, hab i a jedes FünkeieRech! aus Dich und Dem Lieb verloren. Da fchlang der Bursche seinen Arm um die Hüften des Mädchens und j sagte in seiner einfachen, schlichten I W?;s,' 6551, sYfvT?ns frr tpM if'm ff? SikZzJ I
thut's mir, daß sie Dir Alles gnom men haben." Mein Unglück ist Dir recht?" sagte
unter .Thränen lächelnd das Madchen verwundert. . Freili," entgegnete munter Han?. Schau, 's ist aar kein Grund mehr da, der uns im Weg umlieget, daß wir, uns nit aern kaben können, s arme Diendl darf an Kleinhäusler, wie i einer bin, schon nehmen." - ', Da senkte Christel :hren Kops aus die Schulter des braven Burschen, die Thränen flössen aus ihren Augen, aus Rührung über so viele Lrebe und Treue. Mei. was wär denn das?" sagte Hans. Die Aeugerln dürfn jetzern nit trüb werden, die müssen abi schauen m's Thal. Schau, dort, wo die großen Nußbäume stehn, da ist a Häuser! mit an Feigenbaum vor der Thür. Auf dem Hauserl raucht der Kannn. und wenn man da abi gucket, so sehet man a altes Mutterl beim Herd stehn und dös bacht Krapfen. Und im Stüberl drein, da hat's den Tisch deckt, a neues Tischtuch ist ausbreitet und gar 's Bsteck mit die Hirschhornenen Griff ist aufdeckt. Und weißt, warum dös alles? Weil i gsagt hab, Mutterl hab i gsagt. heut bring i an Gast mit. thu lei. was Du kannst.leicht bleibt der Gast bei uns. Und jetzt kumm. daß i Wort halt.-" Ohne Widerstreben ließ sich das Mädchen den gewundenen Weg hinunterführen zum Mutschlechner Häuschen und unter der Hausthüre wartete schon das Mütterchen. Grüaß Gott, tritt ein. Bring Glück herein!" So grüßte sie das Mädchen an der Thüre. Dann führte sie ihren Gast in das Stübchen und nahm ihm das Bünde! ab, welches das Mädchen trug. A schau, schau," scherzte sie, auswandern, das wär eine schöne Sach. Na, na, sell lassen wir nit zu, daß d' Leut auswandern, die braven Leut. Wir haben nit so diel überflüssig da. Und daß die Flüchtling lieber bleiben, hat mein Hans a Nestl baut, grad wie die Vögerln im Wald, wenn sie sich paaren wollen. Grad so a Nesterl." Sie führte das Mädchen in die Nebenkammer und Hans folgte ihnen. Sprachlos stand Christl da. Dann sank sie laut aufweinend in die Knie und lehnte ihr Haupt an einen Stuhl. Da stand ihr Schrein aus dem Vaterhause und ihr Kleiderkasten. In der Ecke ihr Bett, das Nähtischchen am Fenster, die Bilder und das Crucifix aus derStube des Goldegghofes. Ober dem Bette die Bilder von Vater und Mutter, das Erinnerungsbild des ersten Empfanges der heiligen Communion. die Decke über Tisch und Bett, die sie selbst gehäkelt. Das Mütterchen zog ihren Sohn am Joppenärmel leise aus der Kammer und im Stübchen saßen sie neben einander lange, lange Zeit. Das junge, verlassene Menschenherz da drinnen mußte sich ja erst ausweinen. . ' ; Endlich öffnete sich die Thür der Kammer. Langsam, fast feierlich schritt Christl auf das Mütterchen zu und sank vor ihr in die Knie. Da stand auch Hans auf und kniete neben das Mädchen, seinen Arm um ihre Schulter schlingend, sie fest an sich drückend. Die Mutter legte ihre Hände leise auf die Scheitel ihrer Kinder und segnete: Im Namen Gottes des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geistes." Da hatten die Leute auch ihren Christbaum. Da leuchteten wunderbar sechs Kerzen, die Augen der drei glücklichen Menschen. Da flammten gar herrlich drei Lichter: die Mutterliebe, die Liebe der Braut und die Herrliche Flamme eises treuen. MännerHerzens. Oanmenreis. Ich sah dich schaukln im Morgenhauch Im freien Walde droben; Die Nebel hatten um Baum und Strauch Flatternde Schleier gewoben. Ich sah dich schaukeln im Lichtermeer Am grünen Weihnachtsbaume... Gott in der Höhe sei die Ehr'!" Ich sang es wie im Traume. Nun seh' ich dich liegen welk im Buch Und denke vergangener Zeiten... Da flattert im Walde daS Nebeltuch, Die Weihnachtsglocken sie läuten! Klein, Sratulanten. . i i
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VVf Gedicht von Frida Schanz. Knecht Ruprecht stieg nieder vom Hunmelszelt, ! Der erste von allen Weihnachtsgästen, Von den Lieblingsonkeln der ganzen Welt Einer der, liebsten und allerbesten. :. i- ' ' Ein bescheidener, uralter Mann, Trotz feiner Jahre ein Knecht noch im- ' t , mer; ' Und doch haft'et ihm etwas an Vom hoheitstrahlenden Jenseitsschimmer. An die Kinder im Lande allesammt Muß er des Christkinds Grüße bestellen. Es ist schwer und mühsam, das holde Amt Des kinderfreundlichen Junggesellen. 'S wär' nicht nach eines Jeden Geschmack : Die Pfade alle im Schnee verloren. Der volle Schlitten, -der schwere Sack Und das Warten vor den verschlossenen Thoren! Dafür hat er es gut. Den süßesten . Thau Von den rotheften Rosen darf er nippen. So viel Meilen hernieder vom Himmelsblau. So viel warme Küsse von pen!Drum steigt er schmunzelnd vom Himmelszelt Herunter im frühen Abendrothe. Er tauschte mit Keinem auf der Welt, Der alte, rührende Weihnachtsbote. Des Oberförsters Weihnacht stolle. Eine Weihnachtsgeschichte aus dem Walde von C.Crome-Schttiening. Das war ein Weihnachtswetter! Klarer Frost, nicht zu hart, und ein Fuß tief Schnee im Walde. Majestatisch reckten die Eichen ihre grauen blätterlosen Aeste mit dem schmalen Schneesaume in die klare Winterluft hinein und die Tannen sahen schöner aus in ihrem natürlichen Winterschmucke wie in dem unnatürlichen Schmucke in den Stuben, den die Conditoren und Zuckerbäcker liefern. Drei Tage nur noch uano dasChrnU fest aus, aber der Wald war schon in seiner Weihnachtsstimmung. Und Weihnachtsstimmung gab's auch in dem schmucken Oberförsterhause am Eingänge des Königlichen Forstes, das mit feinen zurückgeschlagenen grünen Fensterläden, den blitzsauberen Gardinen hinter den blanken Fenstern: und seinem leuchtenden, rothen Ziegeldach einen fröhlichen Eindruck machte. Das Haus lag mit seinem Hmtergründe von mächtig aufstrebend alten Buchen und Eichen wie ein Slnnbild des Friedens da. Und Frieden gab's auch innerhalb der Wände des Oberförsterhauses. Der alte Bertram war noch ein Oberförster von altem Schrot und Korn, der von der Pike an in der Forstcarriere gedient hatte und von forjtacademiickikr Bildung" immer mit einem bedenklichen Zucken um die Mundwinkel sprach. Und deshalb hatte der junge Unterförster der srischweg von der Academie zu ihm gekommen war in den praktischen Dienst, gar nicht so leichte Arbeit. Freilich, in Allem, was den echten Waidmann und den praktischen Förster anlangte, gabOberförster Bertram auch seinen studirten" College zu rathen auf! Der wackere Mann hatte eine wackere Frau gefunden, eine Frau, gesund an Körper, an Herz und Verstand, deren arbeitsfreudige Hände Alles unfriedsame aus dem Hause mit hinauskehrten, wie den Schmutz und den Unräch. Und die Natur hatte sich selbst belügen müssen, hätte nicht Aennchen, die achtzehnjährige, einzige Tochter de: Beiden, vom Vater den geraden Sinn, von der Mutter die Arbeitslust, von Beiden aber die Gesundheit und Lebensfreude geerbt. Als Martin Fließ, der dem Oberförster zugewiesene Unterförster in all' seiner tzracademischen Weisheit in das Oberförstcrhaus einrückte und der alte Bertram den 25jährigen hübschen jungen Mann, der ob der prüfenden Blicke des Alten verlegen das blonde Schnurrbärtchen drehte, von oben bis unten musterte, da mochte ihm wohl seine Aenne einsallen, denn als er in seiner rauhen, geraden Art den jungen Mann willkommen geheißen hatte und ihn hinausführte in sein sauberes Stübchen, da legte er ihm die gewichtigen, hartgearberteten Hände auf die Schultern und sagte: Kamt mir's zwar nicht denken, daß Ihr Gestcht von Milch und Blut meiner Aenne besonders gefällt, aber ich will's auch nicht,
verstanden. Herr Unterförster! Liebe-'
leren gibt's im Hause des alten Obersorsters Bertram nicht! Gemerkt? Gut! Dann kein Wort mehr darüber!" Ja. wenn Amor sich von einem alten Oberförster so leicht in die Flucht schlagen ließe, er , verdiente gar nicht, auch Schußwaffen in Gestalt seines Bogens und seiner Pfeüe zu fuhren. Im Juli war der junge Förster gekommen und als der erste Schnee fiel, da hatten zwei junge Herzen sich schon so fest aneinandergeschlossen. daß alle Oberförster de Welt nicht im Stände gewesen wären, sie von einander zu reißen. . ' So kam also die Weihnachtswoche heran. Im Oberförsterhause duftete alles schon nach Weihnachten. Meister Bertram hatte eine herrliche Tanne sällen und im guten Zimmer ausstellen lassen. Die trug ihren würzigen Waldesduft durch das ganze Haus. Und von der Küche her ja, da wurde auch heute mit allen Kräften und aller sorgenden Liebe an den Weihnachtsstollen gearbeitet. Aenne stand am Backtrog hart an der Küchenthür und ihre runden weißen Arme waren tief in die Teigmasse vergraben, die sie knetete, daß es eine Art hatte. Mama Bertram war für einen Augenblick in die Speisekammer verschwunden und Dörte, die Magd, war in den Holzstall gegangen, um frische Feuerung herein zu holen. Da schob sich ein Kopf scheu und sacht in die Küchenthllr herein, bei dessen Anblick Aenne's von der Knetarbeit stark erhitztes Gesicht noch tiefer erglühte. Und dem Kopfe folgte eme Hand. Und diese Hand, trug ein schmak zusammengefaltetes Blättchen. Der Blick der Augen aber, die sich zärtlich auf das junge Mädchen richteten, sagte so deutlich: Bitte, nimm!" daß Aenne aar nicht hätte widerstehen können, und im Nu hielt sie in ihren teigbedeckten Fingern das Briefchcn. Der Kopf de? Unterförsters war verschwunden. Ein kurzer Blick nach der offenen Thür der Speisekammer, ein langer auf den Brief, der die folgenden Worte enthielt: Süßes Lieb! Ich fahre nicht zum Feste fort. Ich habe meiner alten Mutter Alles geschrieben. Sie selbst will kommen und unser Fürsprecher sein. Ich küsse Dich mit tausend Küssen. Dein Martin." Nun aber ging die Thür der Speisekammer und jeht erst besann sich Aenne: Wohin mit dem Zettel? Und über dem Besinnen verflog die kostbare Secunde. Die Mutter kam geradeaus sie zu kein Entrinnen mehr möglich, unwillkürlich glitten die Hände in den Teig zurück, den Papierstreifcn mit sich nehmend n'.it wogender Brust und glühendem Gesicht stand Aenne da, als ihre Mutter an den Backtrog trat. Du glühst ja, Aenne! Laß mich den Teig zu Ende kneten!" O, ich kairn noch!" rief das Töchterchen. heftig erschrocken. Nein mach', daß Du fortkommst! Das fehlte noch, daß Du krank würdest Du fieberst ja iörmlich?" schalt in gutmüthiger Besorgniß Mutter Bertram und drängte Aenne vom Backtrog zurück', um mit eigenen arbeitsgewohnten Handen die schon steife T'eigmasse noch einmal gründlich zu bearbeiten. Mi! gewaltigem Herzklopsen trat Aennchen zurück. Aber Minute auf Minute verrann, ohne daß diese erfolgte. Die Mutter theilte den Teig ab, formte die Stollen und bearbeitete sie für den Backofen vor. Der Himmel hatte ein Wunder bewirk die Entdeckung war nicht erfolgt. Ach. diese schönen, bezuckerten WeihnachSstollen wie appetitlich ruhten sie anderen Tages auf dem Kuchenbrett'e. voran die große Staats-Stolle, die altem Gebrauch gemäß am Nachmittage des Christtages angeschnitken wuröe. Und dann in schöner Folge alle die anderen. Sonst hatte Aennchen sich immer königlich über diese Stollen gefreut und heute stand sie mit kummervollem Blick davor: Welche von ihnen barg Martins Brief? Der Christtag kam. Am Kaffeetisch, da trug Mutter Bertram die Staatsstolle herein und über desOherförsiers Antlitz zog ein vergnügtes Schmunzeln, als er sie sah. Und nun stand er auf, um mit gewichtigem Schnitt die Stolle in der Mitte zu theilen, um ihre Güte prüftnden Blikkes zu mustern. ' Ja was war das? Äus'eier erHälften mait ein Endchen Papier hervor. Bertram sah ers?aunt darauf. Mutter Bertram konnie einen Ruf des Schreckens nicht unterdrücken und Aenne und Martin ach, der bleiche Mund, gibt schnell die schuldbewußte Kund' nun war's am Tag und der Moment der Entdcckung war da! Die Hand des Oberförsters hatte schon das Zettelchen ergriffen. Ein wenig Nachhilfe mit dem Messer und der Streifen, etwas zusammengebogen und zerknittert, befand sich zwischen seinen Fingern. Und jetzt las er: , Süßes Lieb . . ." Martin war bleich geworden, Aenne saß mit glühendem Antlitz, die Augen auf die Tischdecke gesenkt, da. Reise zum Feste nicht fort ölte Mutter iürsprechen.
Küsse Dich taufend Küsse Mariin" ,Himmelkreuzschockschwerenoth,
was soll den das heißen? WSSWM WWiiiiuv Martin Fließ war aufgesprungen. Mit vor innerlicher Bewegung zitternder Stimme begann er: Die Wahrheit, Herr Oberförster! Nicht so sollten Sie sie erfahren! D!eine alte Mutter weiß sie bereits und durch ihren Mund sollte sie Ihnen tund werden. Ich liebe Aenne so heiß und so mnig, wie sie geliebt zu werden verdient. Ich weiß, ich verdiene Tadel, daß ich ihr meine Liebe gestand. ohne Ihre Genehmigung dazu zu haben. Aber Ihr rauhes Wort, das Sie mir zuriefen, als ich hier eintraf, wirkte in mir nach. Deshalb vcr schrieb ich mir meine alte Mutter als Bundesgenossin. Heut' Abend wollte sie hier eintreffen und Sie überraschen, doppelt verzeihen Sie mir, Herr Oberförster; aber was Sie auch beschließen mögen, ich kann Aenne nicht lassen!" Der Oberförster saß grollend da. Die Frau Oberförster sah sehr überraschi aus und hatte die Hände gefaltet, aber böse schien sie eben nicht zu sein. Gehen Sie hinaus. Herr Fließ ich bitte darum!" Der junge Mann ging. - Der Oberförster ging mit schweren Tritten im Zimmer herum. Aenne, komm' her!" Gehorsam, aber mit überfließenden Augen trat Aenne zum Vater an's Fenster. Dieser sah sie an, lange und aufmerksam. . Du liebst den Fließ?" .Ja. Vater!" Das klang offen und frei heraus. Du kannst nicht von ihm lassen?" Nein, Vater!" Und wenn ich Euch trenne?" So muß ich Euch folgen. Vater, aber das Herz bricht mir dabei!" Geh' 'naus!" Ob der alte Oberförster Bertram in diesem Augenblicke daran dachte, daß die Beiden draußen sich in den Armen, lagen und sich auf's Neue ihrer Liebe zu einander versicherten, die nichts trennen sollte! Der Abend kam. Und mit ihm der Lichtergla:r5. Aenne trat als sie an den Baum gerufen wurde, verschüchtert: näher. Fließ fehlte. Ihn: hatte Niemand gerufen, er saß allein auf seinem Zimmer und ihm war's so' weh um's Herz. WaS? Hörte er da nichit unten rufen, rufen mit so heller jubelnder Stimme: Martin, mein Martin!"' Er riß die' Thür auf. DZahrhaftig,, Aenne rief's unten: und nun flog er die Stufen herab und in Aennchens ausgebreitete- Arme. Der gute, der gute Vater."' lachte sie unter- Thränen, Dich hat er mir bescheert komm' komm' zu den Eltern." War das ein glückliches Weihnachtsfest! Ein Spatz, der auf einem Fensterladen- saß und neugierig in die Helle hineinsah, konnte seine? Genossen nicht genug davon erzählen:. Plötzlich stob dis schwatzende Spatzenschaar auseinander. Ein Posthorn- ertönteund ein Wagen rollte vor das Försterhaus. Und nun hatten die Spatzen noch eine Extrafreude: Eine alteDame stieg) heraus., der Martin in die Arme siel und der er seine glückstrahlende Aenae zuführte. Dann fiel dieThür hinter ihnen in's Schloßhund die: Spatzen sahen nichts mehr. Aber wir wissen daß drinMCHrist--abend war ein Christabend glückli cher Hern!" Ckriflaum. Hörst auch du die leisen Stimmen Aus dea bunten Kerzlein dringen? Die vergessenen Gebete Aus den Tannenzweiglein singen? Hörst auch du das schüchtemfrohe, Helle Kinderlachen klingend Schaust auch du den stillen Engel Mit den reinen, weißen Schwingen?. Schaust auch du dich selber wieder Feru und srercd nur wie im Traume? Grüßt auch dich mit Märchenaug?n Deine Kindbett aus dem Baume?...
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