Indiana Tribüne, Volume 19, Number 95, Indianapolis, Marion County, 22 December 1895 — Page 3
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von Heorges Hynet. (7. Fortsetzung.) Erhebt sich nicht zwischen Dir und ihm der Todte?" begann Therese aufs neue. Z'd konntest mir weis machen, was Du wollt-st, als ich Dich mit jenem Unglücklichen überraschte.... Du hast Dich vertheidigt, indem Du mich versichertest. Du kennest ihn nicht und er sei Dir gegen Deinen Willen gefolgt, weil Du den Jfapf verloren gehabt habest.... heute bin ich überzeugt, daß dies nicht die erste Begegnung war.... Deine Thränen, Dein Schmerz bei der Nachricht von seinem Tode, alles beweist mir, daß Du mich belogen hast.... Du kannst also Raimonds Frau nicht werden... das mußt Du einsehen und begreifen, und deshalb verlange ich von Dir als Lohn meines Opfers, daß Du Deine Verlobung aufhebst.... natürlich mit der größten Vorsicht und Schonung, damit er nicht zu sehr darunter leidet. Und dafür, fraß Du ihn frei gibst, was Dir ja nicht schwer werden kann, da Du ihn nicht liebst, will ich Deine Schuld auf mich nchnun." Lydia holte tief Athem und erwiderte lanzsam, jedes ihrer Worte betonend: Ich begreife Deine Aufregung nicht. Du verwirrst absichtlich eine ganz klare und einfache Situation. Zwischen jenem Unglücklichen, der seine AufDringlichkeit so theuer bezahlen mußte, und mir, ist nichts vorgefallen, was ich Dir nicht erzählt hätte. Ich versieh: Deine Beweggründe, um derentwillen Du so energisch einen Bruch zwischen mir und Naimond herbeiführen willst, noch nicht recht. Nichts liegt vor, was die Lösung meiner Verlo bung verlangen könnte. Mein Bräutigam hat sich mit einem Manne geschlagen, in dem er einen Rivalen vermuthete. Er war etwas voreilig und hatte eine unglückliche Hand dabei.... er hat ihn erschossen.... das ist immer noch besser, als wenn ihm ein Unheil widerfahren wäre.... Worin alfo siehst Du die Nothwendigkeit eines Scheiterns dieser Heirath?" In Therefes Augen malte sich Er staunen und Schreck. Sie begriff Ly dias Gedankenganq nicht, verstand aber so viel, daß ihre Kousine sich weigerte, auf das einzugehen, was sie als Preis ihrer Selbstverleignung forderte. Sie streß einen halberstickten Schrei aus und fühlte sich vor diesem entsetzlichen Zynismus wie vernichtet. Wir kommen in unseren Schlußfolgerungen zu einem so entgegengesetzten Resultate, weil wir von verschiedenen Ausgangspunkten aus urtheilen. Du hältst mich für schuldig, während ich mich von jeder Schuld frei weiß. Wir können uns alfo unmöglich einigen. Immerhin stimme ich darin mit Dir überein, daß wir Licht in die Saehe bringen und die Verantwortlichkeit einer jeden von uns vermindern müssen. Ich will folgendes thun, wenn es Dir recht ist: Ich führe sofort nach seiner Ankunft eine Unterredung mit Raimond unter vier Augen herbei unid erzähle ihm die Thatsachen, wie ich sie Dir gestern auseinandergesetzt habe. Dann weiß er, daß Du allem fern gestanden hast, und wird in mir das Opser der Umstände erkennen. So kommst Du zu der Rechtfertigung, worauf Du Anspruch hast, und ich muß Raimonds Vorwürfe, die ich ja verdient habe, eben hinnehmen." Aber Raimond wird Dir nicht glauben!" rief Therese aus, indem sie verzweifelt die Hände rang. Er liebt mich!" erwiderte Lydia selbstbewußt. Baue nicht zu fest darauf. Wenn Du ihn gestern gesehen hättest.... Er schien zu jedem Verdacht und zu jeder That geneigt...." Sein Mißtrauen hat sich inzwischen gelegt, und was seinen Thatenmuth' anbelangt, so werde ich den zu dämpfen wissen." Du liebst ihn ja aber nicht!" rief Therefe aus. Seit den zwei Fahren, die er abwesend ist, beobachtete ich Dich, und nicht ein einziges Mal hast Du die Trennung von ihm aufrichtig bedauert. Du hattest nur Sinn für Zersireuungen, während Du bei dem Gedanken an-seine harte und gefährliche Existenz hättest still und zurückgezogen leben müssen. Hast Du auch nur an ihn gedacht? Bei jeder Post mußte ich Dich daran erinnern, daß es Zeit war, an ihn zu schreiben, sonst hätte er nie einen Brief von Dir bekommen. Nein, nein. Du liebst ihn nicht, und ich begreife deshalb nicht, warum Du darauf beharrst, sein Unglück zu werden. Denn wenn er nicht geliebt wird, ist es tausendmal besser, daß er sich sofort und für immer von Dir trennt: darunier wird er weniger leiden. Sieh, Lyria, überlege doch ern wenig; sei vernünftig und spiele nicht mit einem Manne wie er... er ist zu offen, zu geradezu. zu vertrauensselig, um Deiner Rücksicht nicht werth zu sein O, wenn Du die Fähigkeit in Dir fühlst, ihn so glücklich zu machen, als er es verdient, so werde seine Frau.... wenn Du aber daran zweifelst.... im Namen unsrer Freundschaft, die ich Dir mit einem so großen Opfer beweife, gib ihn frei!Damit er Dich iheirathen kann. nicht wahr.?" sagte Lydia, indem sie in schallendes Gelachter ausbrach. Mich heirathen, mich?" rief Therese aus, während sich ihr alles Blut, das ihr einen Augenblick zu Kopfe gestiegen war, zum Herzen zurückdrängte, daß sie blaß wie der Tod wurde. Ja, Dich!" erwiderte Lydia rücksichtslos. Glaubst Du denn, ich hätte Dich nicht längst durchschaut? Hältst Du mich für gar so dumm? Seit zwei Jahren hast Du nichts gethan, was ich nicht aus seine Grundursache zuruckzu
führen im stände gewesen wäre. Diese puritanische Strenge, die Du Dir angewöhntest, sollte die nicht einen vortheilhaften Kontrast zu meinem Leichtsinn bilden? Die Pünktlichkeit, mit der Du Raimond schriebst, sollte die nicht meine Nachlässigkeit noch mehr hervorstechen lassen? Sollte er dadurch nicht eines Tages zu der Erkenntniß kommen, daß Du es eigentlich warst, die ihn vermißte, während ich mich über seine Abwesenheit freute und sie zu meinemVergnügen ausnützte. Männerherzen sind ja so veränderlich! Was konnte da in zwei Jahren nicht alles passiren. War nicht in alldem ein Hoffnungsschimmer für meine süßliche, weinerliche Therese? Dann.... wie hast Du mich ausspionirt, und wie Dich gefreut, als Du mich in Deiner Falle zu haben glaubtest! Wie unklug war es aber, in Deinem Uebereifer anstatt meiner des Nachts in den Garten zu gehen. Mit einem Schalg stürzte so das geschickt aufgebaute Gebäude Deiner Intriguen über Deinem Kopfe zusammen, und jetzt bleibt Dir nichts weiter zu thun übrig, als zu jammern, falsche SentiMentalität zu heucheln und vorgeblich die Sache eines Mannes zu führen, dem Du vollständig gleichgiltig bist, anstatt offen zu bekennen, was Du meinst: Dein Bräutigam gefällt mi:, überlasse ihn mir, sonst zeige ich Dich bei ihm an." 'Therese fand nicht sogleich eine Erwiderung auf Worte, die sie halb be täubt mit anhörte. Allmählich erst faßte sie sich, während die Spannung ihrer Nerven etwas nachließ. Sie wollit, ruhig bleiben, denn sie fühlte, daß wenn sie ihrer Empörung freien Laus ließ, sie in der Erregung ihrer schlauen Gegnerin nicht gewachsen fein würde. Sie schlug die Augen nieder, denn sie
konnte Lydia nicht ins Gesicht schauen. so unerträglich war ihr so viel Verderbtheit. Endlich erwiderte sie: Wenn Du einen Blick in mein Innerstes werfen willst, so will ich Dir durchaus kein Geheimniß aus meiner tiefen Neigung für Raimond machen. Ja, Du hast recht, ich liebe ihn, und zwar seit meiner Kindheit. Aber sieh, welcher Unterschied zwischen Dir und mir ist. Trotzdem ich wußte, daß er Dich liebt. habe ich ihm nichts mitgetheilt, was ihn Dir abwendig machen könnte, und trotzdem Du weißt, daß ich ihn liebe. bist Du darauf erpicht, ihn für Dich ZU behalten, nicht um des Glückes w:llen, die Seine zu werden, nein, nur um die Befrievigung zu haben, ihn mir zu rauben. Du sagst, seit zwei Jahren durchschauest Du mich: das ist keine Kunst, denn ich habe mich nie verstellen können und verstehe es nicht, zu lügen. Das mußt Du schon daran merken, daß ich Dir auf Deine Frage mit einem Geständniß antworte. Auch Heucheln kann ich nicht; und wenn ich zurückgezogen lebte, wenn ich seit Raimonds Abwesenheit meine schwarzen Kleider nicht ablegte, so that ich dies. weil ich meine Mutter noch tief detrauerte. Daß ich daran dachte, Du könntest Naimond vergessen, und daß ich ihn über Deine Untreue trösten zu können hofste. das ist wahr. Dein frivoles Wefen gab die erste Veranlassung zu diesen schlimmen Gedanken, deren ich mich schäme. Aber wenn Du ihm eine treue Braut gewesen wärst, hätte ich nicht mit Deiner Unbeständigkeit zu rechnen gehabt, und ich hätte mir lieber das Herz aus dem Leioe gerissen, als auf eine unehrenhafte Hoffnung gebaut. Heute ist alles so geworden, wie ich es ahnte. Zwischen Dir und Deinem Verlobten steht eine andre Liebe. Du leugnest es zwar, es gelingt Dir jedoch nicht mehr, mich zu täuschen. Der Unbekannte, der vorgestern Abend hier eindrang, war nicht zum erstenmal gekommen. Du kannst Deine Hand nicht mehr frei und offen dem Manne reichen. der Dir sein: volle, unqetheilte Liebe entgegenbringt. Deine Klugheit und Deine Ehrenhaftigkeit gebieten Dir, das Band, das zwischen euch besieht, zu zerreißen. Ich verlange nicht sofort eine Antwort von Dir; Du mußt Dir erst noch alles reiflich überlegen. Bitte, glaube nicht, daß ich in meinem Interesse spreche; ich denke dabei nur an Raimonds Wohl. Ich weiß, daß er viel zu sehr in Dich verliebt ist. um mich je lieben zu können; ein Herz wie das seine vergißt nicht so leicht. Ich will ihn einfach vor einer unglücklichen Zukunft bewahren, und Dich vor einer unwürdigen Handlung. Und um dieses Resultat zu erreichen, werde ich nichts, was in meiner Macht liegt, unversucht lassen." Ich bin Dir sehr verbunden, daß Du mich deraus vorbereitest. Ich, meinerseits, werde alles thun, was in meiner Macht liegt. Deine Maßregeln zu vereiteln!" Therese nickte Reicht mit dem Kopfe und verließ ohne ein weiteres Wort das Zimmer. Die Thüre hatte sich kaum hinter ihr geschlossen, als Lydia die Portiere zu ihrem Ankleidekabinet zurückschob und Leila rief. Diese erschien sofort. Mit einer hestigen Bewegung : faßte Lydia die Mulattin am Handgelenk und zog sie mitten in das Zimmer. , Eben ging Therefe von mir!" rief sie erregt aus.-Rathe einmal, was sie mir gesagi hat." - Ich brauche nicht zu rathen, ich habe gehorcht," erwiderte die Mulattin kaltblütig. Nun, und was hältst Du von dieser kleinen, kalten Blondine?" Ich halte sie für fähig, das auszuführen, was sie droht. Sie wird wohl Ihre Mutter und Ihren Bräutigam von dem Vorgefallenen in Kenntniß setzen." Weißt Du. daß Rarmond im stände ist, mich umzubringen?" Die Mulattin breitete ihre Arme mit einer energischen Bewegung über Lydia aus. Bin ich vielleicht nicht da? Er soll Sie-mir mit. keinem Finger berühren, Gedketerin; oder wehe, ihm! , . .
Lydia lächelte, während sie sich be täglich in ihrem Fauteuil zurücklehnte. Wirst Du mich schützen können?" Vor einem Manne? Das wäre noch schöner! Aber auch vor einem Weibe. Sie soll sich vor mir ir. acht nehmen, Ihre fromme Kousine! Wenn ihr die Zunge gar zu spitz wird, soll ihr dafür gethan werden!" Lcilas Stimm: klang bei diesen Worten so drohend, daß Lydia davor zurückschauderte. Nichts Unüberlegtes, Leila! Nicht wahr?" entgegnete daS junge Mädchen. Wir befinden uns nicht in den Kolonien, wo gewisse Blumen so gefährlich sind, daß ihr Duft allein schon tödtet.
Wir haben hier keine Brillenschlange, deren surchtbarer Biß den Korper mit Flecken übersät, so daß wenn man einer absichtlich vergifteten Person am Bein einen kleinen Riß beibringt, der aussieht, als sei er durch die Zahne dieser Schlange erzeugt, man nicht unterscheiden kann, ob die Betresfende durch Gift oder einen Schlangenbiß ums Leden gekommen ist. Wir sind in Frankreich, wo alles nach der Schnur geht, korrekt und methodisch; wo man weder mit zu viel Leidenschaft lieben, noch mit zu viel Heftigkeit hassen darf. Spare Dir Deine Mittel für den äußersten Nothfall; ich werde mir schon allein heraushelfen, und zwar auf eine Wrfje, die auch nicht zu verachten ist." Wenn es zu bezaubern gilt, werden Sie Ihren Zweck erreichen." Und alle Theresen der Welt sollen mich nicht daran verhindern." Sie hatte sich bei den letzten Worten erhoben. Durch ihr halb geösfnetes Morgenkleid ward ihr schneeweißer Hals sichtbar. Ihre runden, feiten, wie aus polirtem Marmor geformten Arme waren nur leicht von den weiten Aermein bedeckt und das schwarze, wellige Haar fiel ihr in losen Strähnen über den Rücken hinab. In ihren Augen leuchtete es siegesoewußt auf und um ihre rosigen Lippen zuckte ein herausforderndes Lächeln. Sie war von solch hinreißender und sinnberückender Schönheit, wie sie so dastand, daß die Mulattin vor ihr wie vor einem Jdsl in die Kniee sank und das bronzefarbene Haupt zu Boden neigend, einen langen Kuß auf den nackten Fuß der engebeteten Herrin drückte.- . Viertes Kapitel. :" 'Gegen zwei Uhr betrat Raimond die Villa in Veaulieu, nachdem er sich zuvor durch ein paar Zeilen angemeldet hatte. Seine Tante erwartete ihn im Salon, wo sie trotz der hellen Sonne, die durch die Fenster hereinstrahlte, am Kamine saß und fror. Als sie ihren Neffen erblickte, stieß sie einen Freudenschrei aus. Sie umarmte ihn mit mütterlicher Zärtlichkeit, während sie ausrief: Ach, mein liebes Kind, das ist einmal eine Ueberraschung! Sie kehren ebenso unvermuthet zurück, als Sie fortgingen. Diesmal haben wir aber keine Urfache, über das Unvorhergefehene zu weinen: wir dürfen uns im Gegentheil von Herzen darüber freuen.... Nun, und wie befinden Sie sich?... Sie sehen ja ganz vortrefflich aus.... Und wie steht es mit Ihrer Wunde?" Die ist ganz geheilt, liebe Tante.... Ich war schon wiederhergestellt, als ich Tonkin verließ, und die sechs Wochen aus dem Meere haben mich wieder vollständig gekräftigt.... Hier geht doch hoffentlich auch alles nach Wunsche. Hat sich seit meiner Abreise nichts verändert?" Er beobachtete Madame de SaintMaurice aufs schärfste, um zu entdecken, ob sie nicht durch irgend einen Verdacht der von ihm entdeckten Thatsachen aus ihrer Ruhe aufgestört worden sei, aber die gute Frau zuckte mit keiner Wimper. Sie war stets zu sehr mit sich selbst beschäftigt, um neben ihrer Trägheit und ihrem Gejammer noch für etwas andres Sinn zu haben. Die jungen Mädchen hatten an ihrer Seite hinaelebt, ohne daß sie in deren Haltung auch nur die geringste Veränderung bemerkt hätte. Weder war ihr die stille Traue? der einen, noch das leidenschaftliche Hinträumen der andern aufgefallen. Sie hatte sich um nichts, als um ihre eigene Behaglichkeit gekümmert. Während Naimond den Wortschwall seiner Tante über sich ergehen ließ, während seine Gedanken zu den ihn so hart betreffenden Ereignissen abschweiften, wurde die Thür geöffnet und Therese erschien auf der Schwelle. Raimond, der plötzlich aufgesprungen war, betrachtete sie und fand sie zu seinem großen Erstaunen so ganz, wie er sie verlassen hatte, daß er acht Tage und nicht zwei Jahre lang fort gewesen zu sein glaubte. Es war noch dieselbe zarte, kindliche Gestalt, dasselbe ernste Lächeln, derselbe offene Blick der blauen Augen. Ihr ganzes Wesen bot ein Bild thaufrischer Jungfräulichkeit. Er war von ihrer Erscheinung so überrascht, daß er unbeweglich auf seinem Platze verharrte und ibm ein seltsamer Zweifel im Herzen aufstieg. Madame de Saint-Maurice, der sein Schweigen und seine Zurückhaltung eigenthümlich vorkamen, mußte ihn erst mahnen: Nun, Naimond, früher habt ihr euch doch wohl geküßt?" Da fühlte er, wie ungeschickt er sich benahm und wie sein Gebahren Fräulein Letourneur kompromittiren konnte. Indem er sich zu beherrschen suchte, streckte er ihr die Hand hin und drückte ihr einen Kuß auf die blasse, von feidenweichen blonden Haaren umrahmte Stirn. Sie sprach zu ihm, und ihre zarte, etwas verschleierte Stimme schien ihm wenig dazu angethan, die Schwüre einer verbotenen Liebe auszufprechen. Es waren dieselben Laute, mit denen er sie, als sie noch klein war. ihre Gebete hatte hersagen hören. Sie kamen ihm mit solcher Lebendigkeit ins Gedächtniß. daß er ihr kindliches Stammeln wieder zu vernehmen meinte. Sei mir gegrüßt, Gebenedeite...." Er sah sie im Gerste neben ihrer Mutter
mit gefalteten Händen und in Andacht
versunken knieen, und noch einmal hatte er die Empfindung, daß Therese dieselbe gsbueben sei: D:e Reme und lln befleckte. Er schaute sie forschend an; da trübten sich ihre Blicke, ihre Augen füllten sich mit Thränen, und das Blut stieg ihr in die Wangen. Aber weder die Thränen noch das Erröthen entspranqen der Scham. Ihm war, als präge. sich eine Art von liebevollen Mitleids ruf des jungen Mädchens Zügen aus; sie benahm sich gegen ihn, wie er sich eigentlich hätte gegen sie benehmen sollen; sie schien ihn zu bedauern, so daß es rhm unmöglich war, ihr durch Worte oder Mienenfpiel sein Mitleid auszudrücken, da er das Gefühl hatte, daß es falsch angebracht gewesen wäre. Er empfand in diesem Zustand neuer Zweifel einen solchen Zwang, eine solche Qual, daß er nahe daran war, Thexese in eine Fensternische zu ziehen und ihr mit einigen befehlenden Worten die Wahrheit zu entreißen. Wenn er es gethan hatte, wurde Thereze vielleicht in der Erregung des ersten Moments ihr Geheimniß preisgegeben haben. Er hatte schon den Arm erhoben, um nach ihr zu greifen; er hatte schon die Fracit auf den Lrppen. deren Antwort sie ihm nicht verweigern konnte, als sein Arm zurückfiel, seine Lippen, sich wieder schlössen, denn sein ganzes Herz, sein ganzes Wesen hatte nur 5och für einen Gedanken Raum: Lydia war ins Zimmer getreten. ' Mit ihr hatte sich eine vollständige Umwandlung vollzogen. Als ein halbes Kind hatte er sie verlassen, und als ein herangereiftes Weib fand er sie wieder. Anbetungswürdig in der vollen Entfaltung ihrer Schönheit, blickte sie ihn lächelnd an. Sie hatte in kluger Berechnung für rhre erste Beqegnung ein einfaches Kleid gewählt. Die schon allzu reife Fülle ihrer Gestalt wurde durch ihre bescheidene Toilette wieder gut gemacht. Sie streckte Rai mond die Hand hin, und er sank fast vor ihr in die Kniee, als er seine Stirn gegen ihre schlanken weißen Finger preßte. In der Erregung, die ihre Erschelirung in ihm wachrief, hatte er weder die durchsichtige Blässe ihres Gesichtes, die noch durch das tiefe Schwarz der feuchten Augen gehoben ward, noch den sinnlichen Aufdruck um den mit einem zarten Flaum umgedenen Mund bemerkt. Der ernste, ein wenig rauhe Klang ihrer Stimme befremdete ihn nicht. Er war bethört, behezt, geblendet. Er schaute sie voll Bewunderung an und begehrte sie mit allen Fasern seines Herzens. Seien Sie willkommen, Raimond," sagte sie. Ich sreue mich über Ihre Rückkchr." ' Wie bescheiden war er doch, der arme Seemann, da cr sich mit dem kalten Empfang zufrieden gab, er, der während der langen, bangen Stunden seiner Ueberfahrt davon geträumt hatte, daß sie sich ihm an die Brust weifen und vor Freude weinen würde. Die, welche Thränen vergossen hatte, war Therese gewesen. Aber er sah sie nicht mehr, er wußte nicht einmal mehr, daß sie anwesend war. Lydia überstrahlte und verdunkelte alles. Madame de Saint-Maurice brach den Zauber, unter dem er sich befand.. Lieber Raimond, erklären Sie mir einmal, woher Sie so auf einmal hereingeschneit kommen. In ihrem letzten Brief sprechen Sie zwar von Ihrer Rückkehr, aber ohne daß man diese als so nahe bevorstehend hätte vermuthen dürfen...." Und Naimond mußte der alten Dame von den verschiedenen Phasen seiner Krankheit und von dem günstigen Zusammentresfen der Umstände berichten, die einen Offizier seines Ranges schon in die Umgebung des Admirals führten und ihm dann die Möglichkeit zu seinem Urlaub boten. Er wurde ganz warm bei der Schilderung seiner jüngsten Erlebnisse, wie des Kampfs in den Engpässen von Min und des Bombardements von Fou-Tscheou; dann des so harten Winters in Kelung und der zahllosen Gefechte dort. Er bemerkte nicht, wie Lydia ein Gähnen unterdrückte; er sah nur ihre dunkeln Augen, die sie in geheucheltem Interesse auf ihn geheftet hielt. Die aufrichtige Theilnahme, die athemlofe Spannung, womit Therefe seiner Erzählung lauschte, entging ihm. Das arme Aschenbrödel wurde wieder einmal von ihrer Rivalin in Schaiten gestellt. Als das, was Lydia scherzhasterweise des Seemanns Tagebuch" nannte, beendet war, erhoben sich die Brautleute, und als ob sie es nicht erwarten könnten, bis sie endlich allein waren, begaben sie sich zusammen in den Garten. Therese folgte ihnen mit den Blicken, machte aber keine Miene, sie zu begleiten. Wozu auch? Sie erhoffte von Lydia nicht mehr, daß sie auf Raiinond verzichten würde, und glaubte nicht mehr an die Möglichkeit, daß sie Raimond würde überzeugen können. Der Hartnäckigkeit ihrer Kousine und der Verblendung ihres Vetters gegenüber fühlte sie sich machtlos. Sie mußte den Mann, der ihr über alles theuer war, die Gefahr eineö gemeinsamen Lebens mit diesem bezaubernden Ungeheuer lausen lassen, oder sie mußte schließlich zum Aeußersten, zur Anklage schreiten, und davor schreckte. sie zurück. Wer weiß, ob er ihr nur glauben würde? Wie furchtbar, wenn sie dann als Verleumderin oder Eifersüchtige vor Raimond dastände. Aber durfte sie, die sie um das schmachvolle Geheimniß wußte, eine von vornherein besudelte Verbindung zwischen den beiden zugeben? Sie saß neben Madame de Saint Maurice. die in einem Buche las. und quälte srch mit diesen Gedanken, bis sie der müde Kopf schmerzte, und in zwischen sah sie draußen im Garten Rainwttd und Lydia um deir Rasen'.platz, unter den Bäumen, die Zeugen
des Liebesgeflüsters mit dem Fremden gewesen waren, in langsamen Schritten Arm in Arm umhergehen. Was sollte sie thun? Welche Lösung, die nicht schrecklich gewesen wäre, konnte sie herbeiführen? Einerseits die Heirath sich vollziehen lassen und dadurch die Verantwortlichkeit des Ureglücks, das daraus entspringen mußte, auf sich ziehen, oder Lydia der Verachtung preisgeben, Raimond daS Herz brechen und ihn womöglich in seiner verzweifelten Leidenschaft antworten zu hören: Ich will sie lieber entehrt besitzen, als verlieren." Und dazu war. er im stände, um sie dann in einem Moment des ErWachens seines Gewissens in seinen Armen zu erdrosseln. Therefe machte sich die Schwierigkeit der Lage vollständig klar und suchte eifrig nach einer Lösung, die niemand Schaden brächte; denn selbst in dieser Stunde der Verzweiflung war das Gemütk des jungen Mädchens nur von Nachsicht und Geduld erfüllt. Aber sie sah in dem Unheil, das sie anrichten konnte, verschiedene Abstufungen. So kostete es sie keinen Augenblick der Ueberlegung, wo sie die Wahl hatte, ob sie Raimond oder Lydia Schmerz zufügen sollte; da wollte sie zwanzigmal eher Lydia weh thun. Am liebsten hätte sie sich seUbst geopfert, aber bei Lydias Eigenisinn und Raimonds Verölendung gab es nur eine mögliche Lösung: Raimond die Augen öffnen. Wie jedoch sollte sie dies bewerkstelligen, und wo, und wann? Und auf welche Weise sollte sie den Folgen ihrer Enthüllungen vorbeugen? Sie mußte eine nochmalige und zwar eine entscheidende Unterredung mit ihrem Vetter herbeiführen. Den Abend zuvor hatte er gesagt: Morgen wirst Du ruhiger sein und mich milder beurtheilen." Dies deutete wohl darauf hin, daß er erwartete, sie würde auf die trostlose Angelegenheit zurückkommen. Er 'hatte freilich auch gesagt: Ich werde Dir gegenüber diese Dinge nie mehr erwähnen." Aber wenn er aus Zartgefühl und Mitleid schwieg, so durfte sie doch sprechen. Und diesen Entschluß faßte sie denn auch, während sie sich vornahm, die nächste passende Gelegenheit dazu zu ergreifen. Der Rest des Tages verlief ruhig und friedlich. Raimond befand sich in einem beständigen Taumel, Madame de Saint-Maurice sah zufrieden aus und Lydia lächelte. O, welche Heuchelei steckte hinter dem Anschein von Sorglosigkeit, mit dem das junge Mädchen, dercn Herz von Zorn und Gewissensbissen zerwühlt sein mußte, ihre Umgebung zu täuschen verstand. Nach dem Ausbruch von Verzweiflung, in den sie die Todcsnachricht ihres Geliebten gestürzt hatte, zeigte ihr unerschütterlicher Gleichmuth und ihre natürliche Anmuth, daß sie über eine ganz außergewohnliche Selbstbeherrschung gebot. Therese beobachtete sie, und nichts in ihrenWorten, nichts in ihrem Aussehen verrieth, daß sie sich Zwang auferlegte. Lug und Trug schien ihr zur zweiten Natur geworden, denn sie mußte Raimond hassen, wenn sie den andern geliebt hatte, und wenn sie den andern nicht liebte, welch medrige,' verabscheuungswürdigeKreatur war sie dann gewesen, ihn zu erhören.' In beiden Fällen war sie eine Gesahr für RaiMONO. Und während Therefe die - schöne Sünderin all ihre Verführungskünste aufwenden sah, um den jungen Mann vollends verrückt zu machen, fragte sie sich, welchen Zweck Lydia wohl damit verfolge. Einmal fuhr es ihr durch den Sinn: Die Schreckliche will Raimond heirathen, um sich besser an ihm rächen zu können!" Aber sie wies diesen Gedanken wieder von sich, denn sie war zu gut und einfach, um sich in die ganze Verderbtheit eines solchen Planes versenken zu können. Schließlich dachte sie, ob Lydia nicht doch am Ende die Wahrheit gesagt hatte, als sie behauptete. der Fremde habe ihre Angst ausgenützt, und sie habe ihn nie vor jenem Abend hereingelassen. In diesem Chaos ihres Denkens und Empfindens verlor Therefe doch keinen Moment das, was ihr die Hauptsache war, aus den Augen: eine Unterredung mit Raimond herbeizuführen, sich genau über seine Gefühle zu orientiren und danach zu handeln. Es bot sich ihr bald eine Gelegenheit, . einige Worte mit dem Offizier zu wechseln, als sich Lydia zu ihrer Mutter begeben hatte. Wollen Sie mir morgen früh ein paar Minuten Gehör schenken?" fragte sie. Eine Rücksprache mit Ihnen würde für mich von größtem Werthe sein." Der Kapitän warf einen prüfenden Blick auf das junge Mädchen, unter dem es vor Kummer und Pein erbebte. Du beflehst darauf, Therefe?" Ich bestehe darauf." Schön. Also morgen um zehn Uhr im Garten." -Danket Lydia erschien jetzt wieder, und sie mußten schweigen. Sie hatten schon länger, als gut war, miteinander geredet, denn ihr EinVerständniß war der immer wachsamen Kreolin nicht entgangen, und der Verdacht stieg sofort in ibr auf, daß Therefe Anstalten treffe, Raimond aufzuklären. Sie war daher -doppelt auf ihrer Hut, um dies zu verhindern. Bis zu dem Augenblick, wo er ging, ließ sie ihren Verlobten keine Sekunde lang mehr allein, und aks er sich endlich entfernte, athmete sis mit einer wahren Erleichterung auf. In ihrem Zimmer machte sie. während ihr Leila beim Auskleiden behilflich war, ihrem von Groll uzrd 'Haß gefoltertem Herzen Luft. Wie lang war ihr dieser Tag der Lüge aind der Verstellung geworden. Sie verstand sich ja auf Trug und Tauschung. aber was
hatte es sie gekostet! Daä unschuldige und sanfte Lächeln, hinter dem sie die überelrnndergepreßten Zahne verbarg. hatte sie nur mit Anspannung all ihrer Nerven zustande gebracht. Während sich ihr Verwünschunzen, auf die Lippm
drängten, hatte sie ihre Stimme zu schmeichelnden Lauten der Liebe gezwiungen. indem sie den Ton steigen und fallen ließ, wie eine Schauspielerin, die eine Rolle spielt. Die Ruhe, die sie an den Tag gelegt hatte, während sie viel lieber getobt und um sich geschlagen hätte, war nur das Ergebniß schrgfältigster Berechnung und äußerster Selbstbeherrschung. Alles an dem Mädchen, in dessen Anblick Raimond stundenlang versunken stand, war erkünstelt und erzwungen und fast ein Vorbote ihrer ganzen zukünftigen Lasterhaftigkeit gewesen. Vor ihrer schwarzen Dienerin, deren sündhafte Beihilfe sie zu allem ermuthigte,' warf sie endlich jeden Zwang ab, wie eine Schauspielerin ihr Kostüm ablegt. Haben Sie ibn wieder recht behext?" fragte die' Mulattin. Bis zur Uebermüdung!" erwiderte Lydia, indem sie ihre schönen Arme reckte. Es war Zeit, daß er ging. Ich konnte bald nicht mehr. Aber er ist verliebter als je, und wenn ich ihn dann so blöde sehe, weiß ich nicht, ob ich ihn mehr verachte oder hasse. Er hat mir sie erhoffte Zukunft zerstört, und das soll er mir theuer genug bezahlen!" Er ist reich." Auch Girani war reich und von noch besserem Adel.... er würde mich geheirathet haben, und ich wäre Marquise geworden. So schön, so tapfer und brav, und von dem Elenden hingemordet worden!" Sie müssen nicht mehr daran denken, Gebieterin!" Urfd mit gedämpfter, schleppende Stimme begann sie in ihrer Sprache ein Negerlied zu singen: ,TU Vögel zwitschern sorglo auf Iwn ErSbern, Uirt Blume ipriffon bunt daraui bervor; Die Todte ruhe in der kalten Erde, S volien schlasea vergeffc sein. 53 jJ nützet unser Wem, unser Klage? Labt unt d Thräne für dai Lebe jparen." Da hast Du gestern anders gesprochen! Du gabst mir nicht den Rath, zu vergessen!" Gestern waren Sie niedergeschlagen und. fassungslos. Ich versuchte, Ihnen wieder Muth zu machen.... Aber die Todten sind nun einmal todt; wir miif sen sie, wie es in unsrem Liede heißt, schlafen lassen." Aber ich gehöre zu den Lebenden! Ich bin gedemiithigt und gekränkt worden und werde Demüthigung mit Demüthigung und Kränkung mit Kränkung bezahlen!" Schlafen Sie. Gebieterin. Die Nacht wird sie beruhigen; aus Ihnen spricht das Fieber." Schweig!" sagte Lydia barfch. Hältst Du mich für verrückt unö glaubst Du, daß sich meine Ansichten so leicht ändern? Ich habe seit vierundzwanzig Stunden viel und reiflich nachgedacht, und der Plan, den ich ins Auge gefaßt habe, ist keinem gestörten Gemüthe entsprungen.... Nie war ich meiner selbst sicherer.... und gerade dies macht die Sache so ernst! Anstatt daß ich ans Liebe heirathe, thue ich es nun aus Haß!.... Begreifst Du mich?" Die Mulattin verzog die Lippen zu einem unmerklichen Lächeln. Ihr Eatte wird diese Grillen schon zu verscheuchen wissen. Sie werden mit finstern Gedanken die Seine werden, und mit heitern aus seinen Armen hervorgehen.... Graf Ploerne ist ein schöner Mann. Er sieht kalt und zurückhaltend aus, aber man muß dem Schein nicht trauen.... Diese Art Menschen sind oft die reinen Tiger. Wenn Sie einmal seine Tatze gefühlt haben werden, wird sich in Ihnen manches verändert haben." Die Tatze soll er zu fühlen bekommen! Mitten ins Herz hinein soll sie ihm greifen!" Schlafen Sie, Gebieterin, und regen Sie sich nicht unnöthig auf. Ich will Sie noch zudecken.. So, und nun gute Nacht!" Die Mulattin beschäftigte sich noch kurze Zeit um das Bett ihrer Herrin, die blaß und mit funkelnden Augen in ihren Kissen lag, und ging dann ins Nebenzimmer. Lydia schlief allmählich ein, während Traumbilder ihre Phantasie umgaukelten. Sie befand sich in Paris, als Herrscherin in jener Welt, in die sie bisher nur einen Blick gethan. Sie sah die Stadt wie durch einen Nebelschleier, der da und dort von einem glänzenden Lichtschein durchbrochen wurde. Musik umrauschte sie. und all. dies galt ihr die Illumination und die Serenade. Und sie lächelte huldvoll, und ließ sich bewundern. Sie war eine'
Fürstin, und ein jeder neigte sich vor threr Macht, ud keiner dachte daran,, sich ihr zu entziehen. Sie herrschte unumschrankt, und immer hoher stieg sie;, immer einsamer stand sie auf dem Gipfel ihres weltlichen Königthums, losgelost von allem, was. nicht ihre. Eitelkeit betraf. Ihre Blicke fielen plötzlich in, einen verlassenen Winkt.! der. Welt, m der sie ihre Triumphe feierte, auf ein Paar, das sich traurig von den andern abgesondert hielt, und sie erkanniz Rai mond und Therese. Mit einer gebiete? rifchen Handbeweg,llnz winkte sie d beiden zu sich heran,, aber sie wandten sich hinweg und weigerten sidfc ihr die geforderteBewunderung zu zcAen. Zornig erneuerte sie ihren Befehl., und wieder ward er nicht befolgt. Therese betete mit gefalteten. Händen Da übermannte schäurrende Wulf) die schöne Frau, und indem sie sich aus die beiden stürzte, wollte sie ihnen drohen, sie zur Unterwerfung zwingen., sie -für ihre Auflehnung bestrafen. Aber sie verschwämme vor ihren zornsprühenden Augen wie Schatten und wie von einer überirdischen Mach! getragen. Immer blieben sie vereint, er leidend, sie betend, u-nd nichts vermochte sie zu tren nen. weder Lydias List noch ihre Wuth. V (Fortsetzung, folgt.) "
Zur die Vüche. Einlaufsuppe. Man verrühr.
zwei Eier mit ebensoviel Löffel Mehl recht glatt, zettelt es mit einem Löffel in die kochende Fleischbrühe und reibt beim Anrichten nach Belieben auch Muskatnuß daran. . - Gedünstete Gansleber. Man nimmt mehrere kleine Leber, wascht und spickt sie mit aesalzenem Speck,' macht dann Butter in einem Tiegel heiß, röstet Zwiebel, Petersilie und ein wenig gelbe Rübe, alles 'sehr fein gewiegt, darin ein wenig, gibt die Leber hinein und dämpft sie auf starkem Feuer in zehn Minuten weich, .in dem .man vor dem Weichwerden ein wenig Wein oder auch Essig, ein wenige fern gewiegte Eltronenschale, Pfeffer un) zuletzt Salz hinzugibt.. Man richtet sie rasch mit der Sauce an und gibt geröstete Kartoffeln dazu.' P a v r r ka s ch n l tz e l. Man schneidet aus einem Kalbs fchleael fingerdicke und dreifingerbrerte Schnitzel, r 1 lr - r r- r. . iwpji oieieioen, laiZl lie, venreu: ue mit mehr oder weniger Paprika, je nach Geschmack, und läßt sie eine halbe Stunde stehen. Dann macht man in. einer Pfanne Butter heiß, leat die Schnitzel hinein, und bratet sie bei starkem Feuer auf beiden Seiten ras goldbraun, gibt zwei Eßlöffel sauren. Rahm und ein wenig gute Fleischbrühe daran, läßt sie darin bei öfterem Umwenden noch etwas dampfen und richtet die Schnitzel mit der Sauce zufammen an, indem man Eitronensaft auf dieselben träufelt und nach Belieben ein wenig fein gewiegte Citronenfchale darauf streut. Falls man keinen sauern Rahm anwenden will, bestreut man die Schnitzel vor dem Braten mit ein wenig Mehl. Hierzu passen geröstete Kartofseln. Fischsulze. Die Fische,' wie Forellen, Hechte. Aale und so weiter werden blau gesotten und in Stücke getheilt. Nun nimmt man die Köpfe und Abfalle, kocht dieselben unter Zugäbe von Esstg, je nach Geschmack, in dem gleichen Fischsud, dem man später etwas Wein beifügt, so lange, bis die Kopse verfallen, stellt es eine Viertelstunde am Herd auf dieSeite und schüttet es warm durch eine Serviette. Sodann gießt man von dieser Brühe so . r vr ii A. viel aus eine Piaile, vafr ver Boden bedeckt ist, läßt sie erkalten, vertheilt die Fischstücke darauf, gießt das übrige darauf, so daß dieselben bedeckt sind. und laßt es an nem kühlen Ort sulzen. Ehvkolwde ni -. B rot. Em halbes Pfund Zucker wird mit vier ganzen Eiern und sechs Eidottern über sehr' schwacher Kohlengluth mit eine? Drahtruthe zu einer dickfchaumigen Masse geschlagen; wenn diese warm ist, mmmt man sie vom Feuer, schlagt die Masse kalt vermischt sie mit feinem Mehl und etwas Anis, backt sie rn langen, schmalen Papierkapseln zu schöner Farbe; nach demErkalten schneidet man den Kuchen in schräge Scheiben, legt diese auf ein Blech und röstet sie im heißen Ofen schön gelbbraun und servirt sie zur Chokolade. Weiße Nürnberger Pfefferkuchen. Man rührt ein Pfund Zucker mit acht ganzen Eiern eineStunde, mischt ein Pfund feingehackte, getrocknete Mandeln, ein Pfund Mehl, etwas feingestoßenen und gesiebte Ams. Nelken, Eardamom und Zlmmt, fein würfelig geschnittene, candirte Orangenschale und Citronat darunter, rollt 'den Teig etwa thalerdick aus, schneidet ihn in beliebig große Stücke, oder sticht ihn zu runden Platten aus, legt diese auf mit Mehl bestäubtes PaPier und bäckt sie in mäßiger Hitze. Nach Belieben kann man den Teig auch auf Oblate streichen. Schin ken k loß e. Fünf Unzen gekochten mageren Schinken fchneidet man in kleine Würfel, ebenso schneidet man zwei Unzen Speck, den man hellgelb brät, diesen zu 'dem Schinken gibt und die Masse mit drei in Fleischbrühe geweichten, ausgedruckten und fein gewiegten Semmeln mifcht. Zuletzt mengt man unter daS Ganze drei Eier, würzt mit Pfeffer und gewiegter Petersilie; mengt noch drei bis vier Löffel Mehl dazu, sodaß ein guter Kloßteiz wird. Man stellt ihn einige Stunden in den Keller, dann' formt man Klöße, wendet sie leicht ?n etwas Mchl um und kocht sie in- Salzwasser weich. Diese Klöße schmecken zu Sanerkraut vorzüglich. lLab'skcrus. Gekochter Schinken oder Schwei'nepöleffleisch wird fein gewiegt und mit Kartoffelpüree vermischt. Man richtet es an und gießt in Butter hellgelb geröstete;, gehackte Zwiebeln da rüber. Meinchaderu. Ein Viertel Pint Weißwein, ein Löffel Zucker, Va nille, zwei' Eigelb und ein ganzes Er gibt" man auf mäßiges Feuer und schlägt die Crer mit dem Schneebesen. Diese Sauce wird zu Mehlspeisen aufgetragen. Die Hitze darf nicht zu groß sein, so daß fot Sauce nie- zum Sieden kdmmt,. wer? sonst die E5er gerinnen. Wetz das He-rz voll ist. Mineralo? (im Eranen): Und wie, Herr- Candidat, kommt das Zinn vor in der Natur? Student (recht versoffen aussehend): Gediegen! Mineralog: Soo gediegen, z. B. auf den MaßkrügeZn im Bierhaus, gelt? Die Hauptsache. Backfischchen A.:Ella, also von morgen ab gibt Dir der neue, junge Lehrer Klaviersiunde? Backfischchen B.: Ja ach Du glaubst gar nicht, wie ich mich auf die Pausen sreue! Im Zoologischen Gar-, ren. Bater (erklärend): DaS istj also das Kameel, das sogenannt Schiff der Wüste. Sohn: Vater' das eine Kameel will dos andere bei ßen' Vater: So. dann ist rifc wahrscheinlich ein Kriegsschiff .Wüste.- : . n
