Indiana Tribüne, Volume 19, Number 95, Indianapolis, Marion County, 22 December 1895 — Page 2
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Zchudcngel irnD Christkind. Ewe Weihchtsgeschichte von L. Mönitz Der Winter trieö es diesesmal mit seiner Gewaltherrschaft gar arg und Vie Menschen mußten alle Mittel anwenden, um seinen Grimm ertragen zu können. Den armen Thieren, die sich ?iicht in die Ferne geflüchtet oder in riaend eurer sicheren Kamm ZU mehrmOnatlichem Schlafe sich hingelegt batten. erging es nur zu zammerttch; benn die Barmherzigkeit der Menschen, wenn sie auch daran gedacht hätten, den nothleidenden Thieren Hilfe zu bringen, ' hätte keineswegs ausgereicht; überdies mußten diejenigen, welche sich des Ueberflusses erfreuten, doch vor allem dessen inue werden, daß oxt Menschenbrüder in ihrer Nähe nicht alle in der Lage sind, sich gegen das yarte Regiment des Winters ausre: chend zu schützen. Hunger und Frost sind gar arge Quälgeister, denen die besitzlosen? Menschen ausgesetzt sind. besonders wenn sich ihnen noch Man el an Arbeit zugesellt. Denn die Ar ttxt ist allezeit und in jedem Stande in Segen; nicht nur daß sie die Mittel zur Erhaltung und Verschonerung des Lebens herbeischafft, sie er hält auch das Gemüth frisch, froh und zufrieden. Draußen am Saume des Waldes stand eine armselige Hütte, bewohnt Don einem Arbeiter mit seiner Frau and drei Kindern. Das sind fünf Personen, die zu ernähren waren Dazu kam noch de? Großvater, der schon seit Jahren, sich nicht mehr von dem dürftigen Lager erheben konnte. So lange die schöne Jahreszeit war, gingen Mann und Weib in die Arbeit und verdienten Tag für Tag, so viel eben gebraucht wurde, aber auch nicht mehr; doch als der Winter einzog und der regelmäßige Verdienst aufhörte. kehrten alle Schrecken der Arbeitslosig keit in dieser Hütte ein. Der Mann ging täglich einige Stunden weit in die benachbarten Ortschaften, fand hie und da etwas Arbeit und armseligen Lohn; aber so wie der Winter vorrückte, wurden Beschäftigung und Lohn imwer seltener und das Elend immer schrecklicher. , Die vierte Decemberwoche war herangekommen. Trotz der grimmigen Lälte, die andauernd herrschte, schlugen unzählige Kinderherzen in freudiger Erregung dem schönen Abende entgegen, der ihnen der liebste im gan zen Jahre ist. Um diese Zeit kehrt doch immer in die Kreise der lieben Jugend eine Unruhe ein, welche den Eltern und Lehrern viel zu schaffen macht. Man denkt und spricht, ja man träumt sogar von: Christkind und seinen Gaben. Wir belauschen ein foI ches Gespräch im Hause des Dr. Grosser. Ob denn das Christkind auch wirklich selbst kommt," sagte am 23. December der achtjährige Ernst Gros ser zu seinem zehnjährigen Schwesterchen Elsa. Sie saßen beide in der Dämmerung des Abends beim Fenster und sahen dem Treiben des Windes mit den jetzt nicht gar zu reichlich fal lenden Flocken zu. Die beiden Kinder flüsterten nur; denn sie dachten, die Mutter wolle schlafen. Frau Doctor Grosser war seit einiger Zeit leidend und mußte sich öfters auf daS Ruhebett legen, was sie denn auch eben jetzt gethan hatte. Ich glaube nicht sagte Elsa. .daß es selbst kommt, aber ich weitz doch nichi, wie es die 3eschenke in jedes Haus zu den Kindern bringt." Und warum glaubst du's nicht?fragte Ernst wieder. Eigentlich", sagte Else, kann es doch kommen; nur kommt es so, daß wir es nicht sehen können; denn schau, setzte sie eifriger und darum auch lau ter fort, das ist gerade so, wie mit dem Schuengel. Ich habe ihn schon xft gebeten, das? er sichtbar zu mir komme. Gestern, Nachts labe ich zu ihm wieder gebetet und rip gesagt, daß ich ihm zu Ehren ern weißes Bett und schneeweißes Hemd habe, auch fromm sein will, und da habe ich Zange hinausgeschaut durch das Fenster auf den Mond und zum Himmel er aber ließ sich nicht blicken und ich schlief it ein. Darauf sagte Ernst: .Er ist vielleicht doch zu dir gekommen und hat Dich beschützt, aber wie Du schon geschlafen hast. Vielleicht kann er sich richt sichtbar machen, denn er ist doch ganz gewiß sehr gütig und thäte eZ fönst." Jetzt wurde zum Nachtmahl gerufen. Die Mutter erhob sich und Wng, jedes ihrer beiden Lieblinge jin
einer Hand führend, in das freundlich erleuchtet: und behaglich erwärmte Speisezimmer, wo der Vater, von Krankenbesuchen zurückgekehrt, schon am Tische Platz genommen hatte. Nach der Mahlzeit setzte Herr Doctor Grosser seiner Frau auseinander, daß er am folgenden Nachmittage in die Hauptstadt reisen und wohl bis zum beiliaen Abend dort verweilen
würde. Ihr, liebe Kinder, sagte er, werdet gewiß sehr brav sein, damit sich dann das Christkind mit schönen, reichen Gaben einstellen kann!" Gewiß!" sagte Elsa, indem sie den Vater umarmte und ihm einen herzhaften Kuß versetzte. Ernst aber sagte, daß doch der Vater ja sicher schon am Nachmittag des heiligen Abends zurückkäme, weil das Christkind vielleicht durch seine Hände ihm und der Elsa Gaben schicken wolle. Der heilige Abend kam. Die Nacht brach herein. In allen Hänsern der Straßen waren beleuchtete Stuben, in denen Christbäume prangten, und in den meisten waren auch glückliche Kinder zu finden, die sich an den Lichtern, an der Pracht und an den schönen Geschenken freuten. Nur in dem Hause des Doctor Grosser fehlte noch der Festglanz des erleuchteten Christbaumes. Mutter und Kinder saßen in der nur von einer Lampe erhellten Stäbe und harrten in Sorge und Ungeduld des Hausvaters. Die Schlafzeit rückte immer näher; auf der Straße war es ganz still. Endlich, endlich vernahmen sie das Vorfahren eines Wagens, unter welchem der hart gefrorene Schnee knirsch te. Die Kinder rissen die Thüre auf, stürzten die Treppe hinab, und o Ju bel! der Vater kam ihnen wohlbehalten entgegen. Bist Du über mich recht böse. Ernst, daß ich das Christkindlein nicht zu Hause erwartet habe?- fragte Doccor Grosser. Er wartete aber auf die Antwort des Knaben nicht und eilte die Treppe empor, um die Mutter ZU , beruhigen. Ehe ich euch den Grund meiner Verspätung erzähle, lasset uns den Christbaum anzünden," sagte der Vater, und einen festlichen Imbiß chmen, aber zugleich den Himmel ! preisen, daß er uns mit seinen Engeln ,schützt.Warum bleibt aber der Christbaum leer, Väterchen!- sagte jetzt Frau Grosser, hat dir das Christkind in der Stadt nicht, wie wir alle gehofft, Geschenke für unsere Kinder mitgege-ben?- - Geschenke gab es mir wohl, aber ich glaubte, daß dieselben diesesmal an eine andere Adresse gerichtet waren. Ich will euch das genauer bei Tische erzählen,- sagte der Doctor und so ging man zum Essen. Als das Mahl zu Ende war, erzählte der Vater: Am wohlbepackten Wagens machte ich mta? heute nach Mittag auf den Heimweg. Ihr wißt wohl, wie sehr kalt eS draußen ist. Mir konnte der Frost nichts anhaben in dem verschlafe senen Gefährte. Desto größer mußte natürlich mein Schrecken sein, als ich auf offener Straße ein Madchen sah, das beiläufig so alt wie unsere Elsa war und in leichten Kleidern halb erstarrt sich müheselig fortschleppte. Ich ließ den Wagen halten und redete das halb erfrorene Wesen an, indem ich sie sogleich einsteigen ließ. Sie brauchte lange, ehe sie sich im Wagen erwärmt hatte und zu sprechen fähig war. Ich entnahm ihrer schluchzend vorgebrachten, unzusammenhängenden Ned? nur, daß dem Vater etwas zugestoßen, daß sie etwa eine 'halbe Stunde unterwegs sei, um Hilfe zu suchen. Der Kutscher erhielt sogleich die Weisung, nach der Richtung zu fahren, wo die Eltern des Kindes wohnen. Das Elend, das ich in der Hütte am Waldes rande draußen fand, . will ich nicht beschreiben. Ich traf den Vater, der ein Taglöhner ist, in einer schweren Ohnmacht. Der Wein, den ich zur heutigen Festesfeier mit heimbringen wollte, hals mir, den Armen wieder zu Bewußtsein und Kraft zu bringen. Auch das Mägdlein, das beinahe das Opfer ihrer kindlichen Liebe geworden wäre, mußte von dem Weine trinken. Der Hausvater, das war mir klar, hatte selbst Hunger gelitten, und wäre auch Hungers gestorben, um die letzten Bissen seinem alten Vater und seinen Kindern zukommen zu lassen. Die Ver zweiflung über die Noth, aus der er keine Rettung sah, that das Uebrige, ihn aller Kraft zu berauben und sagt, Kinder, hat nicht das Christkind mich selbst zu diesen braven Leuten geführt, daß ich sie rette? Der Schin !v'N, den ich in einer Auslage der Stadt so appetitlich herauslugen gesehen hatte, der in unsere Speisekammer wandern sollte, hat ihnen nach langen Wochen wieder die ersten Bissen Flei sches dargeboten! Und damit diese bedauernswerthen Kindlein das ersteund vielleicht das einigemal in ihrem Leben auch die Freuden der Christgeschenke kosten können, ließ ich ihnen Alles dort, was für meine guten Km der bestimmt war. Ich kann Euch ja nach dem Feste anderes 'kaufen, was 5uch freut" O nein." riefen beide Kinder zugleich, wir wollen keine anderen Geschenke! Wir sind schon ganz froh, daß du nur vieder bei uns bist," setzte Ernst hinzu. Und Elsa bemerkte: Es soll gewiß nicht das letztemal sein, daß diese annen Kinder Weihnachts geschenke bekommen! Wir werden jedes. Jahr auch wieder an sie den-km!- ! Das sieht meiner kleinen Elsa ahnlich!- sagte der Vater. Dich segne der Himmel, daß Du uns ein so gu tes Englein bleibst, wie Du letzt bist."
Am folgenden Festtage, als dir Kinder ihren Eltern den Morgengruß gaben, sagte Ernst zu seinem Vater: Wir, Elsa und ich, möchten dich doch um ein Weihnachtsgeschenk bitten. Dürfen wir?" Selbstverständlich!-' versetzte Dr. Grosser, neugierig . auf das. was da kommen wird. Ich habe es doch euch
versprochen; wünschet euch nur et-was!-Wir möchten gerne selbst diese Kinder und ihre Eltern und die Freude sehen, welche sie mit den Sachen haben. Auch wollen wir ihnen von unserem Weihnachtskuchen bringen!" Der Vater erfüllte gerne diesen Wunsch und zu seiner Frau sagte er später, als die Kinder aus der Stube waren, mit Freudenthränen in den Augen: Von unseren Kindern gilt der Spruch: Selig sind die Varmherzigen und Seliger ist Geben denn Emfangen !" Zigcuner-Meihnachtcn. Die fröhlichste Winterzerstreuunz bietet dem Zigeuner das Weihnachtsfest. Schon die Woche vorher wird der Bereitung verschiedener Heil- und Zaubermittel gewidmet. Hasenfett, in dieser Zeit gesammelt, bildet ein GeHeimmittel, das namentlich in Liebesfachen von guter Wirkung fein foll. Eine Muskatnuß und etwas Kampfer werden in ein Tüchlein gebunden und an den Eingang der Erdhöhle gehängt als Schutz gegen den Mulo", ein vampirartiges, knochenloses Wesen, das aus todtgeborenen Kindern entsteht und besonders am Weihnachtsabend die Weiber verfolgt, raubt und in seine Wohnung hoch oben im Gebirge schleppt. In der Christnacht reden die Thiere mit einander, doch darf man sie nicht belauschen, sonst könnte man von den Urmen, den Feen, die um diese Zeit die Thiere segnen", getödtet werden. In der Christnacht kann man nach zigeunerischem Volksglauben auch den Allsamenbaum" sehen. Es ist dies der heilige Baum 'des alten Indiens, der Urheimath unserer Zigeuner, von dessen Zweigen Honig herabträufelt. zwischen dessen Blattern wunderbare Vögel singen und der alle Samen der Erde tragt. Dieser Allsamenlaum, dessen Ende eine riesige Schlange im Munde hält, ragt bis in den Himmel hinein, und schon sein Anblick macht jung. Um diesen Allsamenbaum sehen zu können, schlagen die Wanderzlaeuner am Nach mittag des Weihnachtsvortages auf dem ihren Winterquartieren nochstaele genen Hügel ein Weidenbäumchen in die Erde, dessen Zweige sie in Knoten schlingen; daneben schläat man ein Tannenbäumchen ein und umwickelt beide Bäumchen mit einem rothen Fa den: dies nennen sie Verheirathuno der Bäume". Ist dies geschehen, so tritt die berühmteste Zaubersrau (Chovalii) des Stammes hervor, kniet vor den Bäumchen nieder und spricht das folgende Gebet, das sich im Stamme seit Menschengedenken vererbt hat: Großer Kott, in deinen sieben goldenen Himmeln, auf deinen sieben goldenen Bergen, auf deinen sieben goldenen Stühlen, blick auf uns herab! Wir sind die Steine des Weges, Jedermann tritt auf uns! Wir sind die Würmer der Auen, Jedermann zertritt uns ! Herrenlose Hunde ziehen wir Winters im Schnee und Sommers im Regen. Der Stein ist unser Polster, drauf wir schlafen allnächtlich? der Himmel ist unsere Decke und die Erde unser Lager, und Niemand hat Mitleid mit uns. Großer Herr, in deinen sieben goldenen Himmeln, auf deinen sieben goldenen Bergen, auf deinen sieben goldenen Stühlen, habe Erbarmen mit uns, laß uns Arme und Verlassene den himmlischen Allsamenbaum sehen; laß ihn sich auf diefe Bäumchen senken, da mit sie uns vor Kummer und Leid, Krankheit und Tod bewahren, damit wir dich ewig loben, du großer Gott in deinen sieben goldenen Himmeln, auf deinen sieben goldenen Bergen, auf , deinen sieben goldenen Stühlen!" Im Kreise umstehen die Stammes- ' genossen die Zauberfrau und horchen j still und ernst den erhabenen Worten, j In der Christnacht läßt sich der All5 samenbaum vom Himmel herab und berührt mit seinen Aesten die beiden Väumchen, wodurch diese heilkräftia werden. Kein Wanderziaeunerj stamm Südosteuropas unterläßt daher diese Eeremonie de? Berhelrathunz der Bäume". Wer aber in dieser Nacht den Allsamenbaum erblickt, darf bis zu feinem Verschwinden kein Wort spre-, chen, sonst wird er wahnsinnig. Am nächsten Tage werden dann diese Bäumchen verbrannt und ihre Asche ; von , den Zauberfrauen zu verschiedenen j Gehelmmltteln verwendet. Vor der Verbrennung der Väumchen versammein sich die Leute in aller Frühe auf dem betreffenden Hügel, und während einige das Feuer entzünden, bilden Manner und Frauen eine zusammenhängende lange Reihe und singen, indem sie sich drei Schritt nach vorwärts und drei Schritt nach links bewegen, in schnellem, monotonem Takte Lieder, in denen sie die Heilkraft des Allsamenbaumes feiern. Nach Schluß des Lie-
deS bleiben sie stehen und eine kurze Weile sich bald rechts, bald links beugend, bewegen sie sich mit dem Ruf: O rother, o schwarzer, o weißer Vogel. gib uns Brot!- nach vorwärts. Nach' diesem Ruf beginnen sie ihre früheren Bewegungen und den Gesang von Neuem, was sie erst nach Verbrennung der Bäumchen einstellen. Unter dem rothen, schwarzen und weißen Vogel verstehen sie die Himmelsvögel-, die auf dem Allsamenbaum sitzen und den Menschen nützen oder schaden können. Nach diesem Feste begeben sie sich in die Erdhöhlen, wo jeder Familienälteste feine Stiefel oder Bundschuhe auszieht und in dieselben etwas Asche von den verbrannten! Bäumchen streut, worauf jedes männliche Familienmitglied diese Beschuhung für einige Augenblicke anziehen muß. Es heißt, dadurch werde die Anhänglichkeit der Familienmitglieder unter einander bestärkt. . Des Schiffsjungen Melynacht. Von Alice Freiin. von Gaudy. Er wollte fort hinaus hinweg Die Welt in ihrer Schönheit sehen Nun steht er traurig oft auf Deck Und hört den Wind im Segel wehen, Und hört, wie rauschend hoch am Kiel Die wilden Meereswogen quellen . . . Und ringsum nichts als Wellen Wellen So fern die Heimath, fern das Ziel, ... Und heut' ist heil'ges festJetzt läuten sie daheim -die Glocken. Ob sich ein Christfest denken läßt Auch ohne weiße Winterflocken? Daheim jetzt der Bcscheerung Glück, Bei Tannenduft und Lichtgefunkel Und hier? Er kämpft den Schmerz zurüi Und flüchtet in der Koje Dunkel.
Dort sucht er lang im Kasten nach, Bis er den kleinen Zweig gefunden, Den er vom letzten Christbaum brach, Daheim, in frohen Weihnachtstunden. Braundurre Nadeln knistern ms Er starrt und starrt und Thränen blinken. Dann neigt er tief sich auf das Reis Den trauten Waldgeruch zu trinken . . . Eintönig, unablässig rauscht Das Weltmeer an, des Schiffes Plan kcn. Der Knabe hört es nicht. Er lauscht Auf andere Klänge m Gedanken. Er hört in klarer Winterluft Das Stille Nacht" die Seinen singen: Ihn trug des Tannenreifes Duft Zur Heimath, auf der Sehnsucht Schwingen. Der Weihnachtöklotz in Dalmatle Die Dalmatiner, deren uralte Sit ten und Bräuche, deren tiefempfundene ottspoejle, deren Gastlichkeit und Ehrlichkeit, deren ??amilienlcben uns Deutsche so anheimelt, feiern das Weihnachtsfest ebenso schön und innig wie wir. nur in etwas anderer Weise. Einige Tage vor dem Weihnachtsabeno werden in jedem Hause Mastschweine und Frischlinge geschlachtet. Die Hausfrau zerleat das Fleisch zum Tbeil in Bratenstücke, zum Theil bereitet sie Würste daraus; die. Kinder helfen ihr der oer Arbeit; lyr Hauptgeschast das Schmücken der u Geschenken be stimmten Würste. Diese bekränzen sie zierlich mit oroeerzweigen und Ros marin und sinaen dazu ein altes Weib nachtslied zu Ehren der heil. Jungfrau und ihres gottlichen Kindes. , Am Weihnachtsabend selbst muß die ganze Familie zu Hause sein; wer von diesem heiligen Familienfeste obne triftigen Grund wegbleibt, gilt als yerzws, als bösartig. In der Dam merstunde brinaen die iunaen Leute et nen Weihnachtsbaum in die Stube. den Badnjak , der freilich nicht so herrlich ist wie unser Tannenbaum mit seinem Lichterschmuck. Der Badnjak" ist ein Eichenstamm, je größer, desto besser, oft weit hergeholt. Die Kinder schmücken ihn an einem Ende mit Gewinden aus Lorbeer-, Oliven- und Rosmarinzweigen. während die Eltern ähnlichen Schmuck um die Heiligenbilder und auf den Thürpfosten befestZgen. Dann betet die ganze Familie den Rosenkranz. Wenn das geschehen ist, hebt der Hausvater den Badnjak" auf den Herd, schiebt das ungeschmückte Ende in's Feuer, besprengt dann den Stamm mit Weihwasser, streut Weizen darauf, beräuchert ihn mit Weihrauch, erhebt ein volles Weinglas und spricht die Worte: Im Namen Gottes! Zu guter Zeit! Immer möge uns dieser Abend zum Glücke gereichen, und morgen bei der Geburt Christi mögen wir gesund sein! Lieber Gott, gib, daß wir noch viele Jahre und nach guten Ernten uns freuen, daß wir in hauslichem Frieden und in Liebe leben, ge. schmückt, mit Oelzweigen und Lorbeer wie dieser Stamm hier,! vor allem aber in deiner Gnade! Gutey Gott, beschützt in diesem Hause die Jungen,, erhalte die Alten, damit sie lange das Haus verwalten und folche Sterke thun die l
dich, o Gott, loben, und die ihre Seelt nicht mit Stünden beflecken! Alle rufen feierlich Amen", der Hausherr trinkt aus seinem Glase jedem Gefundheit zu, und alle thun der Reihe nach darauf Bescheid. Dann schieß! der Sohn des Hauses vor dem Fenster eine Flinte ab, und von allen Seiten fallen Schüsse als Antwort, und jauchzende Rufe erschallen, mit denen man sich von Haus zu Haus grüßt. Hierauf setzt man sich zum reichbestellten Tisch, zwei und zwei stimmen ein fröhliches Lied an, während die andern schmaufen und trinken. Wenn alles satt ist, wird abgeräumt, der dunkelfarbige Wein aber bleibt auf dem Tisch, und allerlei Scherz und Spiel werden getrieben bis Mitternacht, wo die Glocken zum feierlichen Hochamt rufen. RedevzUthen.
Ter Revisor im Stenoaraphenbureau des österreichischen Reichsraths, Herr Karl Weizmann, hat jüngst in einem vortrug eine Reihe von Nedeblüthen mitgetheilt, welche den Parlamentariern in der Hitze der Debatten bisweilen zu entschlüpfen pflegen, die der zartfühlende Stenograph jedoch nur für sich aufzeichnet. Aus Weizmann 's Mittheilungen seien folgende Sprüche wie dergegeben: Diesen schweren Stein, der uns schon seit Jahren am Herzen liegt. müssen wir uns endlich vom Halse wäl zen. Mit der größten Anstrengung können wir auS der Regierung lem Kilo Viehsalz herausbringen. Ich kann dem Antrag des Vorredners nicht durchaus widersprechen, denn ich war bei seiner Verhandlung nicht vollständig anwesend. Es kam bei einer Seefahrt vor, daß alle Offiziere krank wur den ohne Arzt ich bitte! Unser landwirtschaftliches Schulwesen geht heute noch in den Windeln. Da mein geehrter Vorredner für den Antrag bereits eine warme Lanze eingelegt hat.... Behandeln Sie, meine Herren, die Sache nicht blos vom Standpunkte d.r Gegenwart, sondern auch im Lichte einer dunklen Zukunft. Centnerschwer lastet auf unserer Presse das Auge des Gesetzes. Unsere Wäh ler haben uns hierher gesendet, damit wir hier ihr Wohl und Wehe fördern. In den Vororten bekommen die Arbeiter unter 90 fl. keine Wohnung, und die hat nur ein Fenster. Mit dem alten verrosteten Zopfe muß endlich gebrechen werden. Ein Mann, der hier seit zehn Jahren Sitz und Stimme ausgeübt hat. Diese Aufgabe darf nicht gelöst werden an der Hand des alten Schimmels. Höchste Gemüthlichkeit. Nach zweistündiger Fahrt erreichte der Sekundärbahnzug die durch eine renommnte Bierbrauerei bekannte Station Waldwinkel. Der in der Bahn restauration kredenzte Stoff war denn auch vorzüglich und erst nach dreiviertel stündiger Abfahrtsverspätung trennten sich Fahrgäste und Zugspersona! von der köstlichen Labe mit schweren Herzen. die um so schwerer wurden, als von Station zu Station die Hitze stieg und d Gute des Bieres abnahm. Ach", riefen endlich gegen Mittag mehrere ermattete Passamere dem Zuas führer zu, was war doch das Bier in Waldwinkel gegen das Zeug unterwegs für ein Gottertrank ! Wenn man letzt noch ein Paar Glas davon hätte! Das wär' freilich gut!" murmelte der Beamte mit feuchtschimmernden Augen. Aber es geht leider nicht !" hieß es von allen Seiten resiqnirt. Warum denn nicht?" rief er da. von eigener Sehnsucht überwältigt, mit Feuer. Wir fahren einfach noch em mal retour!" Und unter den brausenden Hochrufen der Fahrgäste kehrte der schon seinem Endziel nahe Zug nach Waldwinkel zurück. Sein letztes Wort. Der alte Geizhals Faulhaber ist ein rechthaberischer Mann allzeit gewesen. Als er krank lag und fühlte, daß seine letzte Stunde herankomme, rief er den Arzt. Ter tröstete ihn und' meinte. eS fei nicht so schlimm. . In der nächsten Nacht starb der Kranke. Als der Arzt am nächsten Morgen wiederkam, fand er in der Hand deS Todten noch ein Blatt Papier ruhen und darauf stand: Ich habe doch Recht!" I' woib et, waS i' hau. (Schwäbisch.) Mir ischt so g'schpäjsig alleS heut' I' ka'des et verstau; Bald isa) nur's kalt, bald isch mir' j warm. 3 woiß et, was l' h.u? Der Vater schimpft, die Muater schimpft; ' Auf mi' isch koi Verlau." I' mach' halt alles hinterefür, -I' woiß et, was i' hau? ' Und nächtig hat der Hans mi' kußt Und i', i' bleib, no'stau!.... Warum i' net vert'laufa bi'? I' woiß et, was i' hau!
Vornholm. Schroff zum Meer abfallende Fels
lüften, bizarre Formen von Klippen, welche die unermüdliche, gemeinsame Thätigkeit von Frost. Wind und Wogen gemodelt haben, eine See, welche bei ruhigem Wetter durch die Schonheit ihrer Farbenspiele und in stürmisch bewegtem Zustande durch die Erhabenheit ihrer Kraftaußerungen Schiffertypus. bezaubert, die in das graue Alterthum hineinreichenden Runensteine, Bautasteine, Steinkistengräber, eine Anzahl mehr oder minder großartiger Burgruinen, endlich ein Bolksthum, das des Originalen genug zeigt diese ungewöhnliche Fülle interessanter Attractionen findet der Tourist auf der Insel Bornholm. Bornholm ist ein kleines, birnförmiges Eiland, das mit seinen zehn Geviertmeilen an Größe noch wesentlich hinter Rügen zurückbleibt; es ist von der südschwedischen Halbinsel Schonen nur fünf Meilen in südöstlicher Richtung entfernt, d. h. gerade so weit, daß es von dort bei klarem Wetter mit bloßem Auge sichtbar ist. Bis auf den heutigen Tag nennen denn auch die Bewohner Schönens die Insel kurzweg den Holm". Auch die beiderseitigen Bodensormen entsprechen einander, das Urgestein, das am Aufbau Bornholms in erster Linie betheiligt ist, stimmt mit dem der südschwedischen Landschaft Blekinge liberein. Hammershuus -Ruine. Das Klima der nsel ist ein gemäßigtes Seeklima; überall athmet man frische, kräftige Seetust. vora weickt von der norddeutschen wenig ab; Eichen- und Buchenwaldungen finden sich namentlich im Herzen 'der Jnei, wo freilick auch recht öde Kiefernwälder anzutreffen sind. Die' Bewohner sind gutmüthiger, frischer Art; von ibren altväterlichen Gewohnheiten ist unter einer dünnen Decke modernen Nivellements noch genug stehen geblieben; die Nationaltracht freilich findet man außer an hohen Festtagen nur noch im Museum vertreten. Politisch ist der Bornholmer ein guter Däne, der gelegentkch auch wohl Einmal cyauvinistiscbe Anwandlunaen haben kann. doch sprechen heute schon viele Leute deutsch, namentlich die Besitzer und vie Hammershuus-Leucht-t h u r m. Kellner in den Hotels. Die Beschäftigung ist in erster Linie Ackerbau, dann Fischfang, verbunden Mit Raucherei, und Pferdezucht, die treffliches Material liefert. Die einst so rege Uhrenindustrie ist sast ganz verschwunden. Endlich ernähren die Ausbeutung der reichen Kaolinlager sür die Terracottenfabrikation sowie der Abbau des Granits für bauliche Zweck einen Theil der Bevölkerung. Was dem Besucher der Insel bei t ner Fahrt, in das Innere zuerst ausfällt, ist der Mangel an Dörfern, nur Rundkirche von St. Oks. einzelne Gehöfte. Gaarde", beleben die Gegend; hier sitzt also der Germane noch wie in Westfalen auf seiner Scholle. Selbst die alten Kirchen liegen, allein, darunter die altehrwürdige Oleskirke. Eines der sehenswerthesten alten Baudentmäkr der Insel ist die Ruine ' Hammershuus, ..n Befesti gung, die in gleicher Weise durch die Großartigkeit ihrer Lage wie ihrer Werke impomrt und, seit dem 13. Jahrhundert bestehend, ein: große Rolle in der nordischen Geschichte
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spielt hat. Unter den wirkungsvollen
Partien, welche die Nordwestküste metet, sind besonders eigenartig 'die sögenannten nassen Oesen", in welche man bn ruhiger See hineinfahren kann. Nur an einer Stelle, bei der Sacne Bucht, ist der Fels unterbrochen, zur Anlage deS Hammerhafens Gelegenheit bietend; nördlich davon aber steigt man wieder hinan zu dem höchsten Punkte der Insel, der ein Leuchtfeuer erster Klasse trägt. Hafen von Christi ans ö. Südwärts, zunächst durch bewaldete Felsthäler (Paradiesdalen) hinter steiiler Küste, die viele prächtige Durchbrechungen ausweist, führt der Weg über Wang nach Ions Kapell, einer besonders bizarren Zerklüftungsstelle, der der man auf einer leidlichen ZTreppe zur See hinabsteigen kann. Der wichtigste Fischerort der Insel ist Gudhjem, dessen Hafen in Den Fels gesprengt ist, und dessen Häuser auf nacktem Felsboden stehen, so daß es des Pflasters nicht bedarf. Weiter südwärts sieht man mehrere Rundkirchen erreicht das malerische Randkleveskaar und die Stadt Svanike, von wo das Runenstein. Postschiff nach den sogenannten ErdHolmen führt, kleinen Jnselchen, von denen Christiansö das größteö.ist. Eine kurze Fahrt rings um die Eilande genügt, um diese romantischen Fleckchen Erde kennen u lernen, die als starke Seesestung ihre Geschichte haben und als Nothhafen fortwährend segensreich Wirken. Bon Svanike westwärts fuhrt der Weg nach Rönne und weiter nach Almindingen, dem fchön bewaldeten Centrum der nsel. Dort finden sich mehrere Burgruinen, welche eines Besuches wohl werth sind. - DaS AugustaDenkmal. Au? dem VlaK Zwischen dem Opernbans und der könialichen Bibliothek in Berlin erhebt sich seit Kurzem das Denkmal der verewigten Kaisern 'ugusta. eine Schöpfung des Bildhauers Prof. H. Schaper. die ein würdiges Seitenstück zu dem im Thiergarten aufgestellten Denkmal der Königin Luise desselben Künstlers bildet. Ein Sockel von graugrünem Marmor in dem Baustil des Bibliotheksgebäudes angepaßten Barockstil trägt die sitzende Kolossalfigur der Kaiserin, in karrarischem Marmor gemeißelt. Ein Hermelinpelz schmiegt sich um die Füße der Kaiserin, von deren diademzeschmückten Haupt ein Schleier niederAuqusta - Denkmal. wallt. Die Rechte der Kaiserin hält den Schleier über der Brust zusammen, die Linke die Stiftungsurkuide des rothen Kreuzes. An dem Sockel lcsen wir vorn die Inschrift: Der Kaiserin Königin Augusta in Liebe und Ehrfurcht das dankbare deutsche Volk." Die Seitenflächen des Sockels zeigen zwei Reliefs in karrarischem Marinor, in denen die Thätigkeit der Frau als Pflegerm der verwundeten und als Erzieherin der Kinder veranschaulicht wird. Vornehme Ruhe der Auffassung und lebensvolle Porträtähnlichkeit . sind der Schöpfung Professor Schapers eigen. In der Sonnt ägsschule. Lehrer: Was sind die beiden Dinge, die zur Taufe nöthig sind?" Klein-Elsie: Wasser und ein Baby." Nicht seine Sorge. Percy: Na, hör' mal. Du schuldest ja Deinem Schneider eine hübsch große Summe. Quält Dich denn das gar nicht?" Harold: Nein, ich habe genug eigene Sorgen!" Das Schaf. Ein Iungzeselle spricht verächtlich von den Frauen und meint, sie besäßen weder Vernunft noch Logik. Einer einzigen nur bin ich im Leben begegnet, die Geist und Urtheilskraft zeigte..- Run, warum baben Sie vie nicht geheirathet? Das Schaf wollte mich nicht."
