Indiana Tribüne, Volume 19, Number 95, Indianapolis, Marion County, 22 December 1895 — Page 15
Offener Schrelbebrief deS Philipp , Sauerampfer.
Mein liste Herr Redaitionär! Ich warn Räbbits h?nte. Ich denke, ich hen Hundertmol ge schuht, awermt e singcl Rübbit hen ich gekillt. Fonn hen ich jo gehabt, awer auch plenti Truwel. n 'Der Wcdesweiler Hot en gute Freind, wo en Farmer is. Dem sein Platz is ebaut fufzeh Meils Saut. Er Hot Wudds dort, ich denke wenigstens achtzig Ehkers un alles is eingefenzt, un Räbbits Hot's do en ganze Peil. Well, sellem Far-, nur Hot der Wedesweiler emol e großes Fehwer gedahn un er Hot sich dofor erkenntlich zeige gewollt. Wie er'S letzte Mol in die Stadt summe is. do Hot er auch an den Wedesweiler gekahlt. Er Hot en Drink oder zwei genomme, Hot eens geschmohkt un Hot den Wedesweiler inweitet. emol mit seine Freinde zu ihm in die 5dontri zu komme. ES sollt sich Jeder e Gönn mitbringe, dann konnte se Räbbits honte wie alles. In Tschenerell dehte er Niemand ellaue.in seine WuddS zu honte, awer wann der Wedesweiler mit seine Freind kumme deht, dann deht er of Kors t Eckzepschen mache. Mrecht," Hot der Wedesweiler gesagt, idj komme un bringe die Gang mit." Wenn ich von die Jagdpahrtie gehört hen, do hen ich mich gefreit, wie e Äidd for KrlKmeß. Mir hen gleich die Errenschments gemacht un de neckste Dag sollt's losgehe. Die Lizzie, was mei Aktie is. Hot die Eidie gar nit gegliche. So oft Du mit den Wedesweiler gehst," Hot se gesagt, dann heppend Dich immer eb-, bes. Du weißt nie nit, wann Du genng Drinks in Dich hast und dann duhste äckte wie e kleenes Jtind. Du 'besser bleibst heim." Wei, Lizzie." hen ich gefagt, was kann do häppene? Mir reide in die Trehn ün sin in fufzeh Minnitts dort." Gutnes Grehsches!" fagt die Lizzie, in die Trehn willst Du? Dann hen ich gar kee Ruh nit. Lest Du nit immer in das Pehper, was for viele Ecksidents häppene dachn. PHZ lippche, geh mich nor nit an die Trehn." Um fe zu beruhige, hen ich ihr gepromißt, daß ich in e Buggy enauö reite deht. Ich hen auch noch zwei Freinde gefunne, wo denselwe Weg gedenkt hen wie ich un wo willig wäre, mit mich zu fahre. ' Well, de annere Morge sin mer gestart. Der Wedesweiler un die annere sin mit die Trehn fort. Ich un mei .Zwei Freinde hen t Buggy-Reid genomme. Die. wo mit die Trehn gange sind, warn of Kohrs dort, besor mir wäre; awer so ebaut t Stund später wäre mir auch uf die Farm un 'dabei yen mer an oe !eg logar noch e Tschehns gehatt, dreimal zu stappe un en Drink zu nemme. Se hen iwerall Lohkel Opschen, awer sei Witzki un fei Bierche kann mer enihau kriege. Wie mer uf die Farm käme, do sin mer gleich in die Wudds un hen nach Räbbits ausgeguckt. Uf emol kimmt do en Mann mit große Robberschuhs un blaue Obferhalls un fragt, was mir do for Bissneß hätte. Wei. Räbbits wolle mer honte hen ich gesagt. - Is das so?" fagt der Mann mit die Robberbuhts un de blaue Ohferhalls; sell hat sich nit. Kein Deiwel derf in die Wudds; sell is preiwet Graunds Mir hen e Reit, hier zu honte, wann mer wolle un das iö all was mer duhn." hen ich gesagt. Well, derMann Hot's den Weg nit hen wolle, mer hen geknxlrrelt un schließlich Hot mich der toffe Kerl doch so verhaminatscht, daß ich hardlie e Glied riehre konnt. Jwwerdem is der Wedesweiler un die Gäng erbeikumme, bikohs se hatte die Feit gehört. For Hewwens Sehk." sagt der Wedesweiler, sell sin jo mei Frends un sell is mein Freind.- der Mister Philipp Sauerämper." Dobei Hot er uf mich gep.'dnt.- Der Farmer es war der Fa rm er, wo mich fo ferchterlich vermöbelt Hot Hot sei Kacksie Kap abgenomme un.sagt: Se misse mich ecksjuhse, Mister Saueramper; awer ich hen Jhne nit gekennt. Wisse Se. Jhne Ihr Fehs war gleich fammillje? zu mich, bikohs. .ich sehn Jhne Ihr Pickscher alle Woch in das Babierz ich hoffe, daß ich Jhnr kee Ripps gebroche hen." Ich hen de Farmer ecksjuhst un, mir warn nachher die beste Freinds. Well, dann Hot das Honte gestart. Ich warn arig efrchd zu schichte,-bi-kohs mei Gönn Hot so verdollt geknallt. Awer bei un bei sin ich doch juhst dazu geworde un ich hen qeschuht, daß en Hund jammert. Of Kors hen ich keeu Räbbits getroffe. das 'Lumpezeig is immer fortgerannt bifor daß ich e "f T.fvt. . Ur.U C... . . .r -Cu,vii57 yiyun ycu, UüjUuriCIC. Uf emol hen ich UN der Wedesweiler beisamme gestanne. Wedesweiler," hen ich gesagt, ich bette Dich Einiges, dort in Front von uns, sell is e Räbbitt." Du bist e Fühl," sagt der Wedesweiler, fell iS keen Räbbit." Well, Du werscht's ausfinne," sagt ich Widder; tackele mei Gönn, lege an un schuhte; es .dicht en ferchterliche Krisch un der Räbbit rohlt uf die annere Seit un streckt alle vier Fietz in die Luft. Siehst? wie de guckst." hen ich gerufe. es war doch en Räbbitt!" Der Wedesweiler Hot kee Wort mehr gesagt, awer. mer sin zusamme Hingelaufe for mein Rübbitt zu. hole.. Was wer' Se denke, was ich geschkehrt,wor? Es war gar keen Rabbit,' eS war dem Farmer sein Hund un als dohte Leiche Hot er dort gelege. Phil," sagt do der Wedesweiler, wann das der Farmer ausfindt, dann Hot's geschellt. Mer misse den Hund fortschaffe mitauS dak
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es Jemand' nohtist." , Schuhr Ding." hen ich gesagt, awer wohin?" Ich hen erscht gedenkt, es wär das Beste, wann' mer'n uf en Baum fchlenkern dehte, awer der Wedesweiler sagt, ich wär krehsig. Feinelle hen mer unsern. Meind ufgemacht, den Hund in's Wasscr zu werfe. Sell hen mer auch gedahn; ich hen en an sein Tehl zu packe kriegt un hen en in en Pahnd geworfe. Damit war der Mißtehk gesettelt, awer mein Truwel noch nit. Ich hen noch so e paar Stund lang geschuht mitaus ebbes zu treffe un es is bei un bei fchon dunkel geworde. Ich sin als weiter geschniekt un hen gedacht, ich könnt am End en Räbbit beim Einschlafe surpreise, awer nicksie. Ich gucke mich uf eemol um ja, was is oann do die Mütter? do war ich jo ganz alleinig in den Busch! Der Wedesweiler un der Rest von die Pahrtie war'n fort. ES war so dunkel, daß ich kei zwei Steps ebett hen sehn gekonnt. Well, hen ich gedenkt, aus die Wudds mußt de unner alle Zirkumstenzes. Ich hen so en korze Hundstrapp gestart, ar?er uf rnos. bardouk. do liea icb in en Schwamp drin! Fui Deiwel, was war das Wasser so kalt un so stickie un was hot's so garstig geschmellt! Ich hen gehallert so hart wie ich gekonnt hen, un do iS die Gäng erbeigelaufe komme un Hot mich erausgefischt. Was wer'n Se denke, eS war gar keen Schwämp, wo ich eneigefalle sin, eS war dem Farmer fei Menuhrpitt un das FarmhauS war ganz klohs bei. Der Farmer Hot m,ich sei Robberbuhts un e paar Oferhalls gewe un dann sin mer in die Trehn for Heim. Die Lizzie Hot gesagt, fe hätt so ebbes eckspecktet.. Womit ich verbleiwe , Jhne Jhrn liewer Philipp Sauerampfer. . Späten oöcr Pinsel. i Eine Eilvestergeschichte von Anna Behnisch.!
Klitsch klatsch, das Blei fällt zischend in's Wasser. Mit langen Hälsen steht die Gesellschaft um die große' Schüssel herum, aus der sich das Ora-' kel offenbaren soll. Klitsch, klatsch. Was für ein riesige? Schauer durchrieselt die verständigsten Leute wenn sie sich in der Neujahrsnacht bemühen, neugierig wie die Kinder aus wunderlichen Zeichen die Zukunft zu enträthseln! Klitsch, klatsch. Wie die Augen vor Erwartung blitzen, wie der Silvesterpunsch die Wangen glühen macht! Zaudernd greifen die Hände in daS eiskalte Wasser, um das abgekühlte Metall herauszubefördern, und dann geht'S an ein Deuten, Rathen und Disputiren! Einer hat sich einen Elephanten gegossen, welchen der Andere für einen Geldbeutel und der Dritte für eine Felsengrotte erklärt, und wieder Einer streitet sich mit emem guten Freunde, ob das mysteriöse Ding, das er eben aus dem Wasser gezogen, einem Krebse oder einem Lustballon ähnlich steht. Zum Bleigießen trifft alljährlich am Silvesterabend die ganze Nachbarschast beim Gutsbesitzer Roden zusam men, und auch aus der Ferne finden sich schon zu Weihnachten muntereGaste ein. welche die schönste Festzeit des Jahres im gemüthlichen Familienkreise verleben wollen. Da sind die lustigen Neffen auS Berlin, hungrige Studenten, die Tantens weitberühmte Pfannkuchen locken, ein flotter Lieutenant,,, auf dessen ewig leere Taschen des goldenen Onkels volle Börse ungemein anziehend wirkt, und, last not least, ein fchwarzmähniger Jüngling mit feuersprühenden Blicken und dem Selbstgefühl eines jungen Gottes, der zu den Farbentöpfen des heiligen Lücas schwört und, wenn alle Menschen feiern, Studien über Farbenharmoni: an den rothgoldenen Löckchen und den unergründlich liefen, blauen Augen der reizenden Ella, einer Nichte sechsten oder siebenten Grades des Herrn Roden, anstellt. Das wunderschöne Mädchen bildet neuerdings den Mittelpunkt des winterlichen Festtreibens auf Schloß Rodenfels, obgleich sie noch vor Kurzem ein armes Ding war, das sich, elternlos und ohne nähere Verwandte, in fremden Häusern kümmerlich durch die Welt schlagen mußte, und wenn sie dann in den Weihnachtsferien' zum Onkel Roden auf Besuch kam. von. den meisten der anderen Gäste immer, ein wenig von oben herab behandelt wurde. Da ist ihr vor anderthalb. Jahren die gesammte Hinterlassenschaft, eines plötzlich verstorbenen entfernten Verwandten, den sie kaum gekannt hat, zugefallen, und, seitdem hat sich das Blatt gewendet. Als sie, die Erbin zweser prächtigen. Rittergüter, vor einem Jahr zu Weihnachten in Begleitung ihrer Gesellschafterin auf Rodenfels, eintraf, ward sie die gefeierte und umworbene Beherrscherin des. ganzen Kreises, und von Niemand war sie mehr gefeiert und umworben, als von des Onkels nächsiem Nachbarn, Herrn Ludwig von der Borck, .der eS früher fo gut wie' kein Anderer, verstanden, die kleine, bürgerNche Gouvernante über die Achsel anzusehen. Schnell entschlossen, hat er ihr Herz und Hand zu ewigem Bunde geboten, und wenn nicht des Malers Egon Hagen Feuerblicke gewesen waren, der zu Herrn von der Borck in losen . verwandtschaftlichen . Beziehun-. gensieht. dann hätte sich Ella,' welcher es an einer männlichen Stütze zur Leitung ihrer Verhältnisse fehlt, von Ludwigs schonen. Reden beschwatzen lassen. Allein die besagten Feuerblicke hatten es ihr schon zu, einer Zeit angethan, als sie sich nimmer träumen, liest, welche Rolle sie einst zu spielen berufen war, V C V..C 1 . trjc cm ! uuu iKUfzt außcnc jiaj 01c uirlllNg je ner Feuerblicke auch eindringlicher und nachhaltiger, als des verschuldeten und bejahrten Borcks urplötzlich erwachte innige Verehrung. . Dennoch war es für das an Abhängigkeit und Mittellosia-
keit gewöhnte Mädchen ganz vergnüglich, sich in den neuen Verhältnissen, wie von aller Welt, so auch von Herrn von der Borck noch eine Weile den Hof machen zu lassen und sich bei dies?m für seine frühere Nichtachtung ein wenig zu revanchiren. Außerdem hatte sie dessen Vetter Egon auch im Geheimen recht gründlich gegrollt, weil derselbe mit einem Mal ohne jegliche ' Verabschiedung und Aufklärung fpurlos von der Bildfläche verschwunden war, als si: ihm vorm Jahre, halb im Scherz, halb im Ernst, gelegentlich versichert hatte, daß sie als Ehegatten nur einen praktischen, thatkräftigen Mann, der ihre Güter zu bewirthschaften verstehe, aber keinen in den Wolken schwebenden Schwärmer, wie zum Beispiel einen Künstler, gebrauchen könne, und sie hatte gemeint, ihn recht empfindlich ärgern und seir.e Eifersucht erregen zu können, wenn sie in seiner Abwesenheit zum Zeitvertreib mit seinem von ihm bitter gehaßten Verwandten spielte. Daß er durch gute Freunde davon UN terrichtet werden würde, hatte sie voraus fetzen dürfen. Nun sind sich die Beiden vor acht Tagen am heiligen Abend wieder begegnet; aber da der Maler ein hartnäckigeS Stillschweigen über die Gründe seiner Verschollenheit bewahrt hat. hat sie sich aus Trotz bemüht, ihm erst recht zu verbergen, wie ihr Herz seit Langem entschieden. Ein Iah? hat sich Ella am vorigen Silvester, bend bei Herrn Luowig zur ueoerle gung seines Antrages' ausbedungen, und als er sie schon zu Weihnachten beim ersten Wiedersehen in dringlichster Form um eine Entscheidung gebeten, als auch sein schöner Vetter Egon unter dem brennenden Christbaum ver-' zweifelte Anstrengungen gemacht, sich ihre Zuneigung für alle Zeiten zu erobern, da hat sie allen Beiden mit resignirtem Augenaufschlag versichert, die Neujahrsnacht solle über ihre Zukunft entscheiden, da sie selbst nicht deit Muth besitze, auf eigene Verantwortung einen Menschen unglücklich zu machen. ... Und falls ihr das Schickfal, wenn's in. geheimnißvoller Stunde feierlich befragt wird, keine deutliche Antwort gewähre, dann wolle sie, um ihr Gewissen mit keiner Schuld zu belasten, lieber allen Glücksträumen für immer entsagen und ihr Leben in Einsamkeit und füllen Betrachtungen beschließen. Und Herr von der Borck wenigstens hat ihr geglaubt. Klitsch, klatfch , mit kühnem Schwünge und tadelloser Eleganz hat Egon, an den die Reihe gekommen, die Schaufel, umgekehrt und die glühende Masse in's Wasser rollen lassen. Nun holt er ein dickes, rundliches Stück mit vielen rauhen, grauen Flecken aus der Schüssel. .So viel Moos!- rufen die Zuschauer beneidend. .Damit wissen Sie ja gar nicht umzugehen, Herr Hagen." meint der Lieutenant, und aus Ellas Augen, die sich jeder lauten Meinungsäußerung enthält, sliegt versuchlen ein lächelnder, aufmunternder Blick zu dem Maler hinüber, und die rosigen Lippen flüstern leise: .Die Kugel des Glücks ist's, Herr Hagen, daS hiermit anzeigt, daß es Ihnen treu bleiben will." Herr von der Borck knipst verächtlich mit den Fingern: Lächerlicher Gedanke, daß es der ' armselige Farbenklezer je im Leben zu etwas bringen soll!.... Als nun Herr von der Borck sein Heil bei Blei und Wasser versucht.folgt Ella mit nicht geringerer Aufmerksamkeit seinen etwas weniger graziösen Bewegungen. , Seine großen, sonnenverbrannten Hände haben ihren empfindlichen Schönheitssinn schon oft verletzt, besonders wenn sie dieselben mit den weißen, wohlgepflegten seines eleganten Vetters verglich. Eins nur vermag, sich ihr interessant erscheinen zu lassen: daS wundersame Feuer des kostbaren Diamanten, der Ludwigs linken kleinen Finger schmückt. Herrn von der Borcks Brillantring, sein werthvollstes Familienstück, das er noch immer aus aller Bedrängniß seiner Verhältnisse gerettet, 'hat schon in der ganzen Umgegend von sich reden gemacht, zumal sich an denselben eine ganze Geschichte knüpft. Daß sich um die Ansprüche der verschiedenen Familienlmien auf daS Prunkstück ein langer Proceß entsponnen hat. ist bekannt, und ebenso bekannt ist es wenn's mich nur gemunkelt wird , daß Borck nur durch List und dunkle Winkelzüge in den Besitz des Ringes gelangt ist, welcher.nach gutem Fug und Recht feinem .Vetter. Laqen zukäme. Trotzdem betrachtet es Ludwig als ein Bravourstück, den betrogenen Egon bei allen geeigneten Gelegenheiten auf ' feinen Schatz neidifch zu machen, und die Kunst, denselben in allen Regenbogenfärben flimmern und schimmern zu lassen, versteht er meisterhaft. Auch jetzt, wo er das Blei in's Wasser wirft, kommt der Glanz des Steines fo linkisch des' Mannes Art sonst .ist zu seinem Recht. Mit Entzücken betrachtet Ella das wechselvolle Fünkenspiel, und der Ausdnut ihrer großen Augen wird ein gut Theil entgegenkommender, als ihr Herr von der Borck mit der ringgezierten Hand das Bleigcdilde, das er sich gegössen, zur Besichtigung reicht. ' Und sowie diese Augen nur ein ganz klein wenig entgegenko'.nmend blicken, ist es um Ludwigs Ruhe und Ueberlegung geschehen. . ' ' .Fräulein Ella, deuten Sie mir meine Zukunft aus, hängt sie doch ohnehin von Ihnen ab." Sie wiegt das Blei nachoenMch in der Hand. Das schwärmerische Pathos, mit welchem Borck in'gefühlsscligen' Momenten zu ihr reder, ist ihr immer lächerlich erschienen, ' ja sag! ihr Egons' kurzes, schneidiges und siegesbewußtes Auftreten doch besser zu. Dennoch versucht sie, den moquanten Zug. der um ihre Lippen spielen will, zu unter-, drücken, und ganz schwermüthig klingt es. als sie ztöaernd und mit aesenkten
Lidern erwltdnt: .Oh. Herr'vön der Borck. Sie können nicht glauben, wie drückend mir das Bewußtsein ist, durch meine Worte und Entschließungen auf den Lebensgang eines anderen Menschen einzuwirken." ,. ; Er ist ganz erschrocken über den tiesen Ernst, mit dem sie spricht. .Fräulein Ella." mahnt er. .ich habe Ihr Wort, daß Sie den Zeichen, die Ihnen die heutige Nacht schickt, .folgen und sich endlich nach, einer Seite hin bestimmt entscheiden wollen." v Sie lächelt verschämt. .Ich will's. Herr von der Borck; ich weiß, daß ich es Ihnen sowohl wie Ihrem Vetter schilt via bin." Für diese Worte hat der Vetter mit einem wilden, feindseligen Blick aus Borcks Augen zu büßen, der ihn trifft, wie ein meuchlerisches Geschoß. Doch Ella iiebt so traurig und ergriffen aus, drö Ludwig, in dem sich jäh die alte (Ziiersucht aeregt. ganz in Mitleid für das arme Mädchen schmilzt, das hilflos und in Zweifelsaualen vor eined grrßcn Lebensfrage steht. Die feierlicke Andacht mit der er zu ihr niedersieht, kommt dem Madchen plötzlich so komisch vor. daß sie in ein helles, schallenves Lachen ausbricht, welches Ludwig natürlich für ein erkünsteltes hält, hinter dem sich ihre wehmüthige Sttmmung ;u verbergen sucht. Ellas Heiterkeit hat Vetter Egons Aufmerksamkeit erregt, schnell tritt er hcrzu, einen herausfordernd ironischen Ton in seiner Frage: .Na. Borck. was für erfreuliche Dinge hat Ihnen das . gnädige Fräulein prophezeit?" Die aber, als sie in Ludwigs Augen von Neuem Unmuth aufblitzen fah.legt ihr noch eben strahlendes Gesicht schleunigst in die Falten sanftester Melancholie. .Ich bin wenig zum Scherzen aufgelegt, Herr Hagen, und wenn Sie in der Laune sind, sich über ernste Dinge lustig zu machen, so wird Herr von der Borck in Ihrer Gegenwart gern auf meine Auslegunaen verzichten." .Dankbarer, wie in diesem Augenblick Ludwig daS schöne Mädchen, hat er noch keinen Menschen angesehen. Liegt in ihren Worten nicht die süßeste, froheste Verheißung für ihn? . Egon zuckt mit nachlässigem Lächeln die Achseln. Der Glaube an die unfehlbare Wirkung seiner bestechenden Persönlichkeit läßt ihn kaum flüchtig zweifcln, was er von EllaS Rede zu halten hat. .Steht ganz in Vetter Ludwigs Belieben," sagt er, .doch haben wir bald Mitternacht,' da wird es jedenfalls höchste Zeit, mein gnädiges Fräulein, daß Sie das Schicksal für sich selbst befragen, und diesem wichtigen Akte beizuwohnen, haben Ludwig und ich das gleiche Recht." Sie seufzt ttef auf. .Muß eS denn fein?" .Hilft nichts. Gnädigste; sein Wort muß man einlösen. Uebrigens." er neigt sich an ihr Ohr, .steht Ihnen die Duldermiene ausgezeichnet." EllaS Zaghaftigkeit hat Borck Courage gemacht. .Muth, Fräulein Ella flüstert er ihr aufmunternd zu, .vertrauen Sie, daß das Schicksal sprechen wird, wie Sie es ersehnen!" Sekundenlang spricht es wie Schadenfreude in ihren Augen; schnell aber senken sich die Augenwimpern wieder, .Oh, Herr von der Borck. wenn es nun doch gegen meine Wünsche entscheidet!" haucht sie mit vibrirender Stimme. .So grausam kann es nicht sein!'' ruft er erregt und überzeugt. . Nie ist ihm Ella so reizend erschienen, wie jetzt in ihrem scheuen Bangen, in welchem sie ihm unbewußt gesteht, was er, seit er von ihrer Erbschaft erfahren, zu horen begehrt. Egon reicht ihr die Schaufel mit dem geschmolzenen Ble5. .Nun. Fräulein Ella. machen Sie's geschickt!" In diesem Augenblick thut Ludwig, dem in seiner Freude eine Anwandlung von Gutmllthigkeit kommt, der arme Maler ordentlich leid, der' stolz und selbstbewußt, wie immer, dem kritischen Moment entgegensieht und. nicht glauben kann, daß Ellas Herz ein ander. Bild erfüllt. Klitsch, klatsch. da liegt das Blei im Waffer. Die ganze Gesellschaft drängt heran. Jeder will doch wissen, was Herrn Rodens vielbewunderte Nichte von der Zukunft zu erwarten hat. Die sieht sich ein paar Minuten mit entzückender Beklommenheit im Kreise um, ehe sie es wagt, , die seine kleine Hand in die Schüssel zu tauchen, und wie die Fingerspitzen schon das Wasser-berühren, zuckt sie noch einmal zurück,' als könne sie die Furch! vor x ner möglichen ungünstigen SchicksalsVerkündigung nicht überwinden. Endlich macht sie eine heroische Anstrengung. schiebt den Aermel empor und läßt die schlanke Hand bis an's Gelenk vom kalten Wasser 'bespülen., 'Dann reicht-sie das Blei, das sie ergriffen, mit zugedrückten Augen voll holder Schüchternheit, auf deren Echtheit Herr von der Borck schwören möchte, an Tante Roden, indem sie lieblich erröthet. Die Tante beguckt das Ding von allen Seiten und . halt es hoch in die Luft: .Meine Herrschaften, rathen Sie!" . ? .Eine Sjrimu!"; ruft der Lieutenant. .Eine Glücksspinne," : denken der Gutsbesitzer und der Maler befric-
digt. .Da kann sie entscheiden, wie sie' will..Bewahre." meint Tante Roden. .Das ist ein Schiff mit - vollgeschwellten Segeln. . Der. Wind geht gut, nun halte den richtigen Kurs ein. Ella." .Den will ich nicht verfehlen, Tantchen," bemerkt. Ella lächelnd und. schaut den Malet flüchtig an. der, ihr mit einem lustigen, bedeutsamen. Blick, antwortet. ' . ... . Unsinn!" mischt sich Onkel Roden ein. .Geht doch mit Euren gekünstelten Deutungen. Ihr scheint mir alle blind zu sein. Was Ella da gegossen hat. ist unverkennbar ein Mann." .Ricktia. ein Mann." boten die
' - Alle zusneden. .Aber Onkelchen!" macht Ella verle-: gen und nimmt der Tante' den Bleimann aus der Hand. ; Natürlich, Kind.' ein' Mann, im neuen Jahr gibt's Hochzeit!" . .Onkelchen!" Ella huscht verlegen aus dem Zimmer, nicht ohne ' indessen vorsichtig zurückzuspähen, ob Herr von der Borck ihr folgt, der natürlich nichts Eiligeres zu thun hat, als. die erste Gelegenheit zu ungestörter Aussprache zu erHaschen, während Egon sich begnügt, ihr einen triumphirenden Blick nachzusenden. Er versteht sich auf Mädchenherzen. ; Ella hat sich im Erker des anstoßenden Raumes, wie erschöpft vor Aufregung, auf einen Sessel fallen lassen. Mit glücklichem Gesicht tritt Ludwig zu ihr. .Fräulein Ella, das Schicksal hat gesprochen, wie es nicht deutlicher kann, und laßt Ihnen freie Wahl. Nun sprechen Sie!" Sie neigt den blonden Kopf auf die Brust. .Die' Verantwortung der Wahl ist's ja eben, die ich fcheute." Er ist fchon wieder ganz gerührt. .Ich ehre Ihr Zartgefühl. Ihre Theilnähme für den Unglücklichen, den Sie verstoßen. Dennoch dürfen Sie aus Zartgefühl für Andere unmöglich auf eigenes Glück verzichten. Und auf. welche Seite Sie die Sehnsucht nach eigenem Glück zieht, glaube ich zu ahnen. Fräulein Ella." fügte er leise hinzu und ergreift ihre Hand. Sie entzieht ihm mit anmuthig. spröder Bewegung ihre Finger und betrachtet die Figur, die in ihrem Schooß' liegt, von Neuem. .Vielleicht gibt mir das Schicksal doch wenigstens einen Fingerzeig, Herr von der Borck. Er lacht. .Sie suchen besondere Kennzeichen?" . Ella nickt. .Sehen Sie. dieser söge-' nannte Mann hier hält zum Beispiel etwas in der Hand. daS sich deuten ließe. Es sieht fast aus wie ein Besen." .Ein Spaten ist's, Fräulein Ella ein Spaten!" Sie droht . ihm mit dem Finger. .Oder ein Pinsel, Herr von der Borck." .Sie wollen mich foltern!" .Ich untersuche nur ehrlich." Dabei mißt sie ihn von unten herauf mit einem langen, fragenden Blick. .Ella, hören Sie auf, zu fpielen, lassen Sie's noch in dieser Stunde klar werden zwischen uns!" Sie steht langsam auf und schickt sich an, in den Salon zurückzukehren. .Nein, Herr von der Borck, gemogelt wird nicht. Ich gelobe Ihnen, ehrlich zu prüfen, doch wenn Sie so stürmisch sind, habe ich keine Sammlung dazu." Das Geständniß, daß sie sein Flehen außer Fassung bringt, berauscht ihn fast. Gewaltsam hält er sie zurück, und eh' sie MS versieht, hat er den Ring von seiner Hand gezogen und aus den Goldfinger ihrer Linken geschoben. Dann neigt er sich zu heißem Kusse auf ihre Hand. .Nein, Ella, so laß ich Sie nicht gehen, ohne ein sichtbares Zeichen, daß Sie mein sind, mein sein müssen. Ich will Gewißheit haben." Und wieder lächelt sie ihr kindliches, verführerisches, schalkhaftes Lächeln. .Aber erst muß ich doch untersuchen, fchon in Rücksicht auf ihren Vetter, für den's doch milder klingt.wenn es heißt: daS Schicksal hat es so gewollt, als wenn ich sage: ich habe aus freier Wahl so entschieden." . Er versteht die feine Theilnahme, die sie beseelt, und achtet dieselbe. Der seltsam forschende Blick, mit dem sich ihre Augen in die seinen bohren, , sagt ihm ja doch genug. .Und wann wird Ihre Untersuchung beendet sein?Die Stutzuhr im Saal schlägt eben zwölf, vom Kirchthurm beginnen die Glocken zu läuten. Ella überlegt eine kleine Weile. .Morgen früh um zehn Uhr werde ich Ihnen das Ergebniß derselben mittheilen im Wintergarten." Dabei reicht sie ihm flüchtig die Hand, und' im stummen Druck sagt er ihr noch einmal, was er an dieser Wende des Jahres und des Schicksals empfindet. Dann mischen sie sich unauffällig in die lebbaft gewordene Ge.fellschaft, die den Anbruch des . neuen Jahres mit Gläserklingen und frohen Wünschen , begrüßt. Als man endlich auseinandergeht, hat man schon eine beträchtliche Strecke des jungen Jahres zurückgelegt. .Also morgen um zehn, Spaten oder Pjnsel," raunt Ludwig dem jungen Mädchen noch heimlich in's Ohr, wie sie sich Abschied nehmend die Hände schütteln. .Lassen wir's !n Rücksicht aus Egon pro forrna bei der Verabredung. Im Grunde , müssen Sie mir ja doch heute schon zügeben, daß das mysteriöse Etwas nichts Anderes als ein Spaten ist." ' ' .Spaten oder Pinsel, um zehn Uhr,'. Morgens, bestätigt sie gezwungen lachelnd und nickt ihm, ein wenig ausgeregt davoneilend, zu. , Bei der Bestimmtheit, mit welcher Borck zu ihr gesprochen, der sie und ihr Geld schon sicher in Händen zu halten glaubt, hat sie's plötzlich heiß überlaufen. Sollte sie doch zu viel riskirt haben? , ; Herr Roden hat seine Gäste ein- für allemal eingeladen, die Heimfahrt nach der fröhlichen Silvesterfeier erst am Neujahrsnachmittag zu unternehmen und vorher tüchtig bei ihm auszuschlafen. Trotzdem bemüht sich' Ludwig nicht erst, während der kurzen Nachtstunden Ruhe zu finden, weiß er doch, daß diese Müfje vergeblich wäre. Ein Mensch, dem das neue. .Jahr so viel Glück bescheert wie ihm, kann nicht wie der Erste, Beste in dumpfem Schläfe vegetiren. ' Was hat er nicht Alles zu planen und zu rechnen! Eins nur stört ihn. in seinem Wohl'gefühl: hat seine Ella -mit Vetter Eaön schon eine Jenem alle Hoffnung abschneidende Unterredung gehabt, öder' wird sie ihm erst heute die traurige Eröffnung machen? Schon im Fortgehen begriffen, hat er gestern bemerkt, wie Ella, nachdem -sie sich von ihm getrennt, noch ein '
Umstehenden. Mit dieser Lösung sind
paar hastige Worte mit Egon gewechselt hat. Was gäbe . er darum, deren Inhalt zu kennen! Für ihn ist die Sache zwar eigentlich von keinem Be? lang, denn das Orakel hat so deutlich gesprochen, daß Ella, wenn sie einigermaßen ehrlich sein will, ja unmöglich eine andere Auffassung davon haben kann als er selbst. Dennoch quält ihn der Gedanke, er weiß nicht warum. Vielleicht ist's nur ein schönes, edles Mitleid des Bevorzugten mit dem Verschmähten. Bei Mvrgengrauen verläßt, er sein Zimmer und heißt seinen Kutscher anspannen. Er will noch in aller Frühe in die Stadt fahren und für seme liebliche Braut eine Neujahrsübcrraschung besorgen. Die Blumen, die er schon vorher beim Gärtner bestellt hat, schernen ihm, dem baldigen Besitzer ungeheurer Reichthümer, jetzt noch nicht erlesen genug. Er, ist schon vorbereitet.den immer groben, aber unvergleichlich brauchbaren Kutscher höchst ungehalten zu finden, wenn er ihn so zeitig an die Arbeit schickt. Der jedoch ist. bereits wach und meint, es seien schon mehr Herrfchaften so früh weagefahren. .Aha." durchfährt's Ludwig, .follte der Vetter, verzweifelt über den Korb, den er sich geholt, und auf's Tiefste in seinem Selbstgefühl verletzt. denSchauplatz bei Nacht und Nebel verlassen haben?" Diese Idee wird ihm schnell zur Ueberzeugung, und mit völlig leichtem Herzen begibt er sich in die Stadt, läßt den Gärtner ein paar Goldstücke verdienen und faßt, zurückgekehrt, schon um halb Zehn mit seinen rothen Rosen im Wintergarten Posto. Auf jeden Schritt, den er von draußen hört, lauscht er in glückseliger Erwartung, und als Punkt Zehn die Thür aufgeht, breitet er die Arme aus, um dem Mädchen, das ihm die Erfüllung seiner Wünsche zu künden naht, entgegen zu fliegen. . Da steht ein Diener vor ihm und überbringt ein zierliches Billet. .Herrn von der Borck auf Schloß Rodenfels im Wintergarten Punkt zehn Uhr selbst abzugeben." - Sprachlos vor Staunen reißt Ludwig das Couvert auf und durchjagt die wenigen Zeilen. .Werther Herr von der Borck! Die ganze Nacht habe ich in gewissenhafter Prüfung verbracht und bin endlich zu dem Ergebniß gelangt, daß es allerdings ein Spaten ist. Daß es mir dennoch nicht schwer wurde, mich endgiltig zu entscheiden, werden .Sie begreifen, wenn ich Ihnen mittheile, daß Ihr Vetter Egon mir, als wir in dieser Nacht auseinandev gingen, gestanden hat. wozu er die Zeit seiner geheimnißvollen Abwesenheit benützt hat. ' Mir zu Gefallen hd er im Laufe des letzten Jahres die Landwirthschaft erlernt, um 'als mein künstiger Gatte die Bewirthschaftung meiner Güter - übernehmen zu können. Doch wollte er mich mit dieser Neuigkeit nicht eher überraschen, als bis ich ihm sür eine ihm früher zugefügte Kränkung Genugthuung geleistet. Diese Genugthuung bestand darin, daß ich Egon, nachdem Sie fort waren, in meiner Ratlosigkeit bat, mit seinem Künstlerauge das .mysteriöse Etwas" zu bestimmen. Er 'hat es gleich Ihnen für einen Spaten erkannt. Kann ich dafür. daß der Spaten nun auch auf Egon paßt? Um uns die Peinlichkeit eines WieVersehens zu ersparen, habe ich mich entschlossen, schon bei Morgengrauen abzureisen. Damit Sie überzeugt sind, daß ich Ihnen für die aufrichtigen, nur, meiner Person entgegengebrachten Sympathien von Herzen dankbar bin, will ich den Ring, den Sie mir gestern schenkten, als ein freundliches Andenken an die in Ihre: Gesellschaft verlebten Stunden bewahren; ist es mir doch dadurch vergönnt, gewisse Ungerechtigkeiten, durch welche mein Verlobter um ein ihm zukommendes Besttzthum gebracht worden, auszugleichen. Mit den besten Neujahrswünschen für Sie Ella.". Die erste Viertelstunde lang ist Ludwig von der Borck überhaupt nicht im Stande, etwas zu denken, dann erheben sich Wuth und Schmerz in seiner Brust zu grausem Kampf, und schließlich ringt sich aus diesem wilden Gähren siegreich die abgeklärte Einsicht durch: .Mag, mir das neue Jahr noch bringen oder versagen, was es will, eins habe ich sicher: die Erkenntniß, daß ich auf Gottes weiter Welt selbst der allergrößte Pinsel bin." 1 Monte Carlo. ;
Eine interessante Studie über Men-te-Earlo ist soeben im .Pall Mall Magazine" aus der Feder von I. & Waller veröffentlicht worden. Der Verfasser 'hat durch wiederholten langen Aufenthalt . auf dem paradiesischen Fleck. Erde einen Einblick in die VerHältnisse der Bank bekommen und er-' zählt uns. unter. Anderem, daß der Gewinn der Roulette während des Winters durchschnittlich täglich 10.000 Fr., während des Sommers 8750 Fr. beträgt. . Mit trente-et-qu.iimte wird nicht ganz so, viel gewonnen. Natürlich gibt es Ta, wo die Bank Geld zufetzt, das ist, wenn irgend ein Glücklicher die Bank sprengt, aber der alte Blanc,' der eine Erfahrung hatte, pflegte in .solchen Fällen ruh:g zu sagen: .Wer heute die Bank sprengt, den wird morgen die Bank sprengen." Das war das Geschick aller glücklichen Spieler. -die Waller beobachtete. . Es ist vielleicht nicht allgemein bekannt, daß zwischen Spielbank und Kirche insofern, eine fehr enge Verbindung besteht, als die letztere für ihre Bedürfisse fast allein oder ausschließlich.' auf die Beträge angewiesen ist, die ihr. von der Spielbank zufließen. Das geschieht auf Anordnung des Fürsten Charles, und die Zuweisung an die Kirche, beträgt 300,000 Fr. .jährlich.
Der Fürst war nach seinen Charaktereigenschaften durchaus würdig, der Protektor einer Spielbank zu sein. Nachdem er der Bank die Unterhaltungskosten für den Bischof, den Ölerus und die geistlichen Anstalten auferlegt hatte, zwang er den Ersteren, Msgr. Flugi. zur Resignation. h!elt den Sitz viele Jahre lang vakant und steckte unterdessen selbst das bischöfliche Gehalt ein. Aehnlich machte es der Fürst gelegentlich des' Neubaus der Kathedrale. Auch das Gotteshaus mußte von dem Sündengeld gebaut werden, und zwar ordnete der, Fürst an, daß die Bank während 'der ganzen Dauer des Baues jährlich eine bestimmte Summe zu erlegen habe. In landesdäterlicher Fürsorge schloß e? aber gleichzeitig mit dem Bauuniernehmer einen Vertrag, wonach der Bau im denkbar langsamsten Tempo ausgeführt werden sollte. Die Differenz zwischen dem von der Bank erlegten Betrage und den Kosten des Baues wanderte natürlich gleichfalls in die Taschen des Landesvaters. Daß Theater. Orchester und alle sonstigen. Vergnügungen von der Bank getragen werden, ist allgemein bekannt. Für diese Zwecke werden jährlich 750.000 Fr. gespendet, weikere große Beträge wurden für .andere Zwecke" verwandte Was unter .anderen Zwecken" zu verstehen ist, erläutert uns Herr Waller eingehend. Es werden jährlich 1$ Millionen Francs für die Bestechung der Presse verwandt. Drei Viertel dieser Summe erhalten Zeitungen in Form fester .Subventionen", das letzte Viertel dient dazu, Leuten den Mund zu stopfen, die Broschüren gegen das Spiel schreiben oder, in dem benachbarten Nizza auf Maueranschlägen vor dem Besuch Monte Carw's durch bildlicheDarstellung der Folgen des Spiels warnem . Neueö aus Altegyptcn. '
Zu den großen und wichtigen: Funden vonl Gold- und Schmucksachen, die der Generaldirecwr der Ausgrabungen: im letzten Februar als Krone seimi: Winterarbeit verzeichnen konnte, ist inzwischen . viel Neues hinzugekommen ured bald- werden die Räume des Schlosses von Gisch zu klein für die Untterbringung lder Schätze aus der Pharaonenizeit. Das .neue Gebäude soll eine englische Meile näher an der Stadt, unweit der großen englischen Kaseme, errichtet werdew. Von den neuen Funden ist besonders zu erwähmn eine schöne Nachlese von hellenschmelz un'd Goldgegenständen die den Prinzessinnen: Jtaurt 'arrid Sithatbormerit gehört haben. Diese Damm scheinen ebenso entwickelte Toilettenkünste, besessen, zu haben, wie ihre derselben zwölften Dynastie angehö'rigen Collegimen Jta unft Kusumit, deren Salbenbüchsen, den modernen Forschern selbst ihre chemischen Geheimnisse geoffenbart haben. Zehn über Lebensgröße messende sitzende Statuen eines Königs Ousertes? III. aus Lischt, aus zartem gelblichem Kalkstein, sind frisch:r und vollständiger erhalten, als irgend ein? anitike römisch - griechische Stawe. Diese Statuen, -die dreieinhalb Jahrtausende unter dem Schutt und Schutz der Pyramiden und Mastaben, gelegen haben, gehören zu den schönsten Erzeugnissen egyptischer Sculptur. So vollkommen, und schön anatomisch sie aber rn ihrer Art sind, so stehen sie doch hinter den abendländrsch: Antiken weit zurück. Dem Künstler, der diese Kwar schönen und edlen Gesichter und Oberleiber, zugleich aber solch' steise Füße und Halwng UN) die bretterhasten Hände geschaffen, wäre doch niemals eine le-bMZ-und bewegungZvolle, warmen Hauch athmende Göüerfigur abendländischen Stils gelungen. Flus Dachschur vrb neue Waudfresken. Alabafiersärge und. Kanopenkrüge mit bemalten Gesichtern vorhanden, außerdem eine Menge kleinerer Gegenstände, z. B. eine lebensgroße Gans auS Holz mit Glasauaen und Lider aus Bronze, sowie zwölf kleine Statuetten aus Holz und Stein im Stil der 'Leibgarde und der Hofbäckerei deS Pharao, die letztes Iah? in Gräbern der zwölften Dynastie gefunden wurden. Wähixttd de Morgan. Naville, Gautier und Andere im Auftrage der Regierung den Boden Ober - Egyptens dunchstöbern', wurde von dem Italiener Botti in Alexandrien das alte Scrapeum und die Akropolis der Alezanderstdt ausgefunden. Dort, wo die Pharaonen eine Militärstation und später die Priester der geheimen Culte ihr HeDigthum des SerapiS gehabt haben, auf dem Hügel Phakotis, 'besand sich die Burg der Stadt. Die streitigen Punkt: würd? durch den Vergleich der neuesten Ausgrabungen mit einer alten Erzählung des syrischen Reisenden Aphthonius (315 n. Chr.) gelöst. Noch befinden sich' an der betreffenden Stelle die colossalen Neste der Pompejus"(D:okletians-)'SäuI?, die in 'ihrer ganzen Höhe noch 90 Fuß mißt und von den, Schriftstellern der griechischen, arabischen wie von demJngenieur St. Genis der napoleonischen Zeit als Merkzeichen für Seefahrer angeführt wird. , Auf der Schweizerreise. Herr Schulze (aus Berlin, sich den Schweiß abtrocknend): Jetzt weiß ich doch weniqstens, warum der Ort hier Schwyz heißt. Vorschlag z :t r Güte. WaS, jetzt wollt Ihr Euch scbeiden lassen und habt erst gestern Eure silbcrne Hochzeit gefeiert?!" Ja, Herr Richter, wir sind halt arm, und haben nur so lang''g'wart, weil wir g'wußt hab'n, daß zur silbernen Hochzeit uns a' Jeda imDorf 'was schenkt!" Dann vertragt Euch doch noch bis zur goldenen Hochzeit da giebt es ja noch mehr Geschenke!" No, was meinst D'.'Alte?!"
