Indiana Tribüne, Volume 19, Number 88, Indianapolis, Marion County, 15 December 1895 — Page 6

Aas ZZürstcn der Zähne.

Trotz, sorgfältiger Pflege kommt eZ vor, (daß We Zähne doch erkranken, andererseits gibt eS Leute, die verhältnißmäßig wenig kranke Zähne haben, obgleich sie nie eine Zahnbürste gebrauchen. Diese beiden Thatsachen nebeneinander, gestellt, beweisen scheinbar die Nutzlosigkeit der Zahnpflege.- Indeß rst etwas anderes. 'dabei zu berücksichtigen. Wer "trotz sorgfältiger Pflege einige hohle Zähne bekommt, würde ganz bestimmt viel schlimmer daran sein, wenn er 'die Pflege vernachlässigte. Die Zähne sind eben nicht alle gleich. Die weißen, bläulichen und grauen Zähne zerfallen leicht. Werden sie gar nicht gepflegt, so sind mit dem 20. bis 30. Jahre ganze Reihen derselben z,u Ruinen geworden. Mit Hilfe sorgsamer Pflege sind sie hingegen mit nur geringen Berlusien bis in's Alter brauchbar erhalten; denn ein Gebiß kann noch sehr gut und brauchbar sein, wenn auch in sachverständiger Weise einige Zahne davon geopfert sind. Was die gelblichen, festen Zähne betrifft, so scheinen sie unverwüstlich zu sein und doch unterliegen auch sie oft der Z?rprang, freilich halten sich solche Gebisse von selbst so gut wie man weichere Zähne nur b:i sorgsamer Pflcqe erhalten kann. Werden aber feste Zähne auch noch sauber gehalten, so werden nur ausnahmsweise Defekte daran entstehen. Ein wichtiger Einwand gegen das Bürsten der Zähne ist der, daß das Zahnfleisch Reicht blute. Wenn man täglich wenigstens einmal gehörig bürstet, so blutet es- nie. Unterläßt man diese Procedur aber nur einen Tag. so ist das Zahnfleisch am anderen Tage infolge des am Rande desselben angesammelten gährendenBelags bereits locker genug, daß eS nun -bei Berührung mit der Bürste blutet. Weiter macht man gegen das Bürsten der Zähne geltend, e5 ginge derSchmelz dadurch verloren. Dies ist ganz falsch. Der Schmelz kann wohl mit der Zeit etwas dünner geschliffen werden, aber ein MenschenÄter reicht nicht hin, bei täglich zweimal wiederholtem Bürsten den Schmelz völlig abzubürsten. Wo sich eine Abnützung des Schmelzes zeigt, liegen ganz andere Ursachen zu Grunde. Bisweilen kommt es vor,daß quere Furchen an den Zähnen entstehen. Aber diese keilförmigen Defekte entstehen nicht durch Abnützung desSchmelzes, sondern des Cementes, einer weicheren Substanz, die den Wurzeltheil des Zahnes gerade so überzieht, wie der Schmelz den Kronentheil. Der Wurzeltheil steckt in der Jugend im Kiefer, im Alter aber schrumpft der Knochenund das Zahnfleisch zieht sich zurück. Meist ist schon- vom 30. Jahre an ein geringes Zurückweichen des Zahnfleisches zu bemerken und rn diesen Fällen können durch vieles Bürsten in querer Richtung Rinnen in den Zähnen enrstehen, man soll nicht blos in querer, sondern vorzugsweise in der Richtung bürsten, wie die Zähne gewachsen sind. Ferne? soll man vom 30. Jahre an die Zahne nicht mehr zweimal, sondern nie einmal täglich bürsten. Ztte Pflege der Schönheit. Die Blume im Topfe lehrt uns taglich deutlich die Wirkung der Pflege. Begießt sie nicht, unfr gar bald werden Stamm, Zwoge und Blätter welk, dje Blummblätder fallen ab, die Knospen trocknen und nach kurzer Zeit ist die ganze Blume zerstört, die Pflanze todt. Genau so ist es beim weiblichen Körper, der keine oder der die sorgsamste Pflege genießt, und darum ist die Frau vor Vernachlässigung der Körperpflege auf's Eingehendste zu warnen. Wenn es sich um bestimmte Anweisungen, und Regeln für die Pflege der Schönheit haindel't, so werken imme? nur Diejenigen einiges Vertrauen in Anspruch nehmen dürfen, welche von dem Standpunkte ausgehen, daß die Pflege der Schönheit die Pflege der Gesundheit ist, tonn ohne Gesundheit gibt es lebe körperliche Schönheit. Die blendendste Schminke, sie ist kein Lebensroth des Blutes, das feinste Pu-der-und Pomadengeheimniß gibt den Lippen nicht ihre blumige Irische wieder. Und dabei ist häufig noch die Gefahr, daß diese Präparate für eine flüchtige und oft genug nicht einmal gelungene Imitation des Scheins von Schönheit meho oder weniger schnell, aber darum doch sicher die Grundelenente einer angenehmen äußeren Erscheinung zerstören, vertrauensvolle Leichtgläubigkeit., haben manche solcher Mittel einen an sich guten Teint von Grnnd aus uind für all: Zeiten verdorben. Die Pflege der Schönheit i't abhängrz von zwei Grundbedingunzen: erstens von der Vermeidung allr 'derselben schädlichen Einflüsse, uind zweitens von 'der eigentlichen Pflege, d. h. der Anwendung solcher Mittel, welche, wenn 'Nicht eine Erhöhung, so doch eine Eonservirunz derselben bewirken. Als eins der wichtigsten Momente unserer Schönheit gilt zunächst der Teint. In vollmdete? Schönheit und Gesundheit, einer immerhin sehr seltenen Naturgäbe, auf welche klimatisch: Einflüsse, elterliches Erbtheil und eine sorgsame Pflege des Körpers von wesentlicher Einwirkung sind, erfordert es die sorg samste Beachtung,' ihn dauernd zu conscroiren. Denn gerade je zarter und schöner er ist, in desto höherem Grade ist er schädlichen Einwirkungen ausgesetzt. a Aus einem Roman. Lächeln spielte um seinen linken MundWinkel, während Zorn den rechten bleich färbte. Penibel. Dame: Um Gotkeswillen, retten Sie mich, werfen Sie mir doch einen Rettungsring zu!" Herr (Confectionär, am Ufer): Sehr zeru, rxlche Taillenweite?-

JJom Münchener Dgfbräuhaus.

Die Eigenthümlichkeiten eines jeden Volkes wachsen aus dem Boden heraus, auf dem es lebt. . Da ist zum Beispiel, der weltberühmte Münchener Durst. Gespottet ist genug darüber worden, zur rechten Zeit sogar ernsthaft gescholten. Und doch ist selbiger Durst eine berechtigte Eigenthümlichkeit nach geographischer Lage, anthropo- und pathologischen Vorbedingungen und allerhand ande ren wissenschaftlichen und unwissenschastlichen Ursachen. Der Genius loci Münchenes ist feucht, und die Luft ist trocken. Wenn's einen Tag nicht geregnet hat, wirbelt ein feiner . Kalkstaub in der Luft umher, setzt sich fest in den Kehlen, kratzt und juckt und verlangt, hinuntergesplllt zu werden. Der Widerwille gegen das pure Wasser ist ein altes Erbstück der Bajuvaren. Sie mögen's nicht einmal im Stiefel, geschweige denn im Magen. Wein 4 t.7 m Ansicht des Brauhauses. wächst nicht in der Münchener Gegend; ist ja auch des öfteren probirt worden, ihn zu ziehen, er gedieh aber so bösartig, daß pures Scheidewasser wie Mandelmilch daneben schmeckte. Es geht wohl die Sage, ein Münchener Weinwirth habe ein paar Flaschen Wein im Keller, aus Münchener Spa. liertrauben gepreßt! Kann aber nicht sein! Der Tropfen hätte die Flaschen lange durchgefressen. Es mußte also von altersher für ein anderes Getränk gesorgt werden für die Münchener Kehlen. Auf den Hügeln im Jsarland wächst Gerste genug und feinduftiger Hopfen. Die liebe Natur hat den Bayern ihren Mundtrank selber bestimmt. Und sie gab ihnen dazu eine durstige Leber, wofür sie so wenig kön nen, wie die Tiroler für ihre Kröpfe, die Juden für ihre Rasen, die Franzosen für ihr großes Maul. Also nichts Böses über den Münchener Durst! Hof des Hofbräuhause S. Bier ward von arm und reich seit Jahrhunderten getrunken, und auch am Herzogshose zu München war's der übliche Haustrunk. Das aber, was sie in den heimathlichen Bräupfannen sotten, das tranken die auf die Dauer nicht gern, die nicht mußten. Um die Mitte des XVI. Jahrhunderts ließ sich der Herzog Albrecht V. sein Bier aus Eimbeck in Hannover kommen. Her zog Wilhelm V., der Fromme zubenannt, ließ sich daS Bier für sich und seinen Hofhalt ebenfalls aus Eimbeck oder aus Zschoppau in Sachsen kommen. Der Hofhalt des Herzogs war aber teuer, und Transport und Zölle schraubten die Kosten sür daS Bier gewaltig in die Höhe. Das Personenreiche Hofgesinde erhielt Trunk und Atzung vom Hofe selbst, und der Durst war damals auch nicht kleiner als heut' im Lande Bayern, sondern eher größer. Selbst die zarten Hosftaulem vertrugen ihren Stiefel". Und eines schönen Tages war dem Herzog, der sein Geld lieber für Prachtbauten, und Alchymisten ausgab, die Bierrechnung zu hoch. Der Hofkammer ward anheimgegeben, dem Unwesen zu steuern, und am 27. September 1589 antwortete selbige dem Herzog, daß es fuer desselben hofhaltung gar nutzlich vnd wohl thuenlich wer, ain aigen Preuhaus zu erpauen und ain Preuberch anzestellen." In der Schankstube. Das geschah denn auch mit des Herzogs EinVerständniß. Dicht neben seiner Hofburg ward das Preuhaus" errichtet. Es steht noch, wenn es auch dem alten Zwecke nicht mehr dient. Heute wird es als königliches Zerwirk-. gewölbe, oder, wie der Müncher mit Aufwand von viel Eonsonanten sagt, als Zwürchgwölb" .verwendet, das auf den Hofjagden erbeutete Wild wird dort zerwirkt und verkauft. Also, anno 1589 wurde das Bräuhaus eingerichtet und da wurde nun gebraut nach der Art der bisher aus der Fremde bezogenen Biere. Anno 1614 ward anerkannt, daß das in München gesottene ainpockisch" Bier dem echten Eimbecker" an Güte nicht nachstehe, und von da ab war der Ruf der Münchener Brauerkunst wohl begründet. Der erste Hosbräumeister hie Haimeram Prongraz und war auö Gersenfeld. Der Name des ain pockisch" Bzhat' sich bis heute er-

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hallen rmWorte Bock", das eine malzi ic r jt .1 cv v rn:; reiazere sorie oeznunei. oen wuchern des Hofbräuhauses ward noch vor kurzem oder wird gar noch jetzt das Bockbier als . Ernbock" verzeichnet, i Ein fideler Kunde. Aber erst 1830 wurde das ringe führt, was den Namen des HofbräuhauseS als einesQrtes urwüchsiger Gemüthlichkeit in der ganzen Welt bekannt gemacht hat. Im besagten Jahre führte man den Bierausschank und Gastung" im Hofbräuhause selbst ein und stellte Tische und Bänke auf für die Durstigen. König Ludwig I. erschien bei dieser bedeutsamen Gelegenheit selbst in seines Volkes Mitte und schrieb seimn Namen eigenhändig über die Thür der großen Gaststube. Es war da ein großer Jubel in den geheiligten Hallen. Der frühere Kronenwirth. Seit dem Jahre 1830 also besteht das Hofbräuhaus so, wie es alle Welt kennt, nur daß es natürlich bis zu seinem jetzigen Aussehen allerhand EntWickelungsphasen durchmachte. Ursprünglich war es nur eine sehr primitive Halle, in der es Niemand auf der Welt heimisch gefunden hätte, als ein richtiger Münchener; dann kam eine etwas bessere Raumeintheilung, im Hofe wurden die Arkaden" erbaut zum Schutz gegen Regen und Sonnenschein. 1883 wurde das alte Hofbräuhaus der Neuzeit entsprechender hergerichtet; der Turniersaal", das Billardzimmer" tl hat nie ein Billard in dem Raum gestanden, der auch Kapelle und Apollossaal" genannt wurde verschwanden, und statt der schmutzigen und veräucherten Räume ward ein behagliches, von Säulen getragenes Gewölbe stilvoll hergerichtet. Ohne arges Kopfschütteln von manchen Selten gmg das nicht ab. , Besuchaus Dachau. Das Münchener HofbräuhauS beherbergt zu jeder Seit eine ziemlich bunt zusammengewürfelte Gesellschaft in seinen Hallen. Früher hat mancher Hochgestellte es nicht verschmäht, hier zwischen irgend einem hemdärmeligen Arbeitsmann und einem Dachauer Schrannenbauern aus grauem Steinkrug seinen Durst zu löschen. Auch heute nimmt im Sommer noch so mancher da seinen Trunk. der sich eines achtunggebietenden Titels freut und sonst Begegnungen mit der misera contribuens plebs säuberlich aus dem Wege geht. Aber die richtigen Zeiten patriarchalischer Gemüthlichkeit sind doch vobei. und für die höhergestellten Verehrer des Hofbräuhausbieres bis hinauf zu komthurkreuzinhabenden Excellenzen existirt ein besonderer Clubraum. Gebechert wird da oben nicht minder wacker wie unten in der Halle oder im Garten, wie euphemistisch der gepflasterte Hof mit den Arkaden genannt wird. Der taaliche Consum im Hosbrauhause selbst mag jetzt 70 oder 75 &U tollter betragen. Im ganzen Jahre produzirt die Brauerei etwa 70.000 Hektoliter. Neben den harm- und bedeuwngslosen Tagesgästen, die mit Maß und Ordnung ihren Durst bekämpfen, trieben sich von jeher gern auch viele ttun derliche Gesellen zwischen den bierfeuchten Tischen des Hosbräuhauses umher, schiffbrüchige Existenzen fanden und finden hier, durch die Gutmüthigkeit der Zecher ein letztes Fortkommen. Manche Existenz freilich hat Der Herr Registrator. auch hier im Banne des brauneu Wundertranks Schiffbruch gelitten. Aber auch amüsantere Originale gab's von jeher im Hofbräuhaus, und das älteste, von dem die feuchte Chronik er-zählt,-war der Prangerl", eine Art von Hofnarr des ersten Bayernkönigs Max I Dann war hochberühmt der

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Sulzbeck". ein tüchtiger Musikus, aber

noch tüchtiger durch seine Musikantenkehle. Er soll es aus einen Record oiS zu einem Eimer im Tag aebracht haben das sind sechzig - Naß! Leistunaen 'bis zu 20. 30. 40 Liter sind nichts allzu Rares. ' Der Sulzbeck war berühmt durch seine Darstellungen der großenSchlachten,wobei er die hauptsächlichsten Stellungen der Truppen durch die Maßkrüae der Umsikenden markirte. Natürlich trank er die Krllge der Reihe nach leer, wenn er die betreffenden Truppen außer Gefecht setzen wollte. Man könnte noch lange so forterzählen von den Hofbräuhausoriginalen. Sie sterben aus, je mehr die weltberühmte Kneipe den Charakter eines abgeschlossenen Kreises verliert. Jm Sommer geht es ohnehin schon sehr international hier zu. Da rauschen auch wohl feine Damenkleider über das Pflaster des Hofes, und in allen Zungen wird der edle Trunk gepriesen und über die primitiven Einrichtungen der Schenke gescherzt. Der Norden Deutschlands sendet besonders viele Zugvögel hierher, und es wird behauptet, daß diese es an Durst den Eingeborenen mindestens gleickthun, wenn sie einmal Blut geleckt haben. Seit dem Beginn der achtziger Jahre ist auf dem rechten Jsarufer hoch oben ein geräumiger Keller erbaut, als Lagerkeller und Mälzerei. Aber auch ausgedehnte Kneipräume sind dort und ein großer Garten, in dem an schönen Sommerabenden kein Stuhl unbesetzt ist. Nicht nur um des Stoffes" willen ist der Keller berühmt es spielt auch keine Musik dort, ein nicht hoch genug zu schätzender Vorzug. Denn Ruhe und ungetrübter Verstand gehören zu einem gedeihlichen Trunk. Hausirertypen. Neben dem Hofbräuhaus kelle? stergen jetzt mächtige Neubauten in die Höhe das neue Hofbräuhaus. Ueber kurz oder lang wird der Betruö aus der Stadt hierher verlegt, und die historifchen Räume drunten am Platzl", oder wie man's. ja auch zu Vorschriftverdeutschen suchte,am Plätzchen",werden gründlichen Umbauten unterzogen. Elegante Lokale werden erstehen, ein Wirklicher Garten mit grünen Bäumen wird den alten Garten verdrän gen, in dem es außer dem Rettigkraut und den Uniformen der Gendarmerie nie etwaS Grünes gegeben. DaS wird alles sehr hübsch, sehr zweckmäßig, hygiernlsch und rentabel werden aber das alte Hofbräuhaus und sein Hausgeist, die grobe, ehrliche Gemüthlichkeit, werden aufgehört haben zu existiren. Und dann wird es ein paar Dutzend bitterböse, vergrämte Gesichter geben in München. - Unbewußter Humor. KI Karlchen: Warum weinst Du drcn?" Fritz: Ich bin unangeklopft zu Papa hineingegangen und ausgeklopft herausgekommen!" Sächsische Gedankensplitter. Wer 's weeche B nich gud ausschbrechen kann, hat gewehnlich a hardes Gemldh. In Sachsen sin sogar de Schwiegermidder gemidhlich. De A m b r o s i a war 's K äfe keilchen der griechischen und remischen Gcdder. In der Zerstreutheit. Sie haben sich wohl erkältet, Herr Professor, daß Sie so nießen müssen?" Ach nein, habe ich denn genießt? Ich wollte eigentlich gähnen." Richtig bezeichnet. Studiosus Süffel: Ich habe jetzt eine Wohnung, von der aus ich meinem Onkel direct in die Fenster sehe!" Studiosus Torkel: Da hast Du ja eine pumpöse Aussicht." Heimgeschickt. Der Redacteur, Tinterich hat die Erfindung eines Technikers in seinem Blatte bemangelt. Der betreffende Ingenieur erläßt eine geharnischte Gegenerklärung, welche mit dem Satze schließt: Kein Wunder, daß sich Herr Tinterich für neue' Ideen nicht mehr zu erwärmen vermag, nachdem für ihn die größte Frage auf technischem Gebiete mit. der Erfindung, der Scheere längst IUJt: .

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ZZcrUhmte Todte. Im Alter von 71 Jahren ist der französische Roman- und Bühnendichter Alexandre Dumas der Jüngere in PariS gestorben.- Schon' als Siebzehn- -jähriger begann der Verstorbene seine litterarische Lausbahn mit einem Bande Gedichte und sein zweites 'Werk war ein in der Manier seines Vaters gebaltener Roman, der jedoch wenig Beachwng fand. Hierauf warf Dumas sich auf die Darstellung der zweifelhaften. Sitten und Charaktere des Pariser Lebens und schilderte mit scharfe? Beobachtungsgabe in leichtem, gefälligem Stile diese Welt in zahlreichen Romanen sowie Dramen. Als draMtischer Dichter hat Dumas einen eigenthümlichen Entwicklungsgang durchgemacht und Werke von sehr verschiedener Veschasfenheit hervorgebracht. Die Stücke aus seiner ersten Zeit bewirkten eine rasche und entscheidende Umwandlung der französischen Bühne und erzeugten den seitdem darauf herrschend geblieibcnen Realismus, der Stosse der Gegenwart behandelt und ihre Sprache redet. In seinen späteren Werken tritt die tendenziöse Färbung schon schärfer

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" Alex. Dumas. hervor, aber auf eine Art, die man sich gefallen lassen kann, weil dieselbe in einer lebendigen und natürlichen Handlung vorgeführt wird. Den Tendenzstücken seiner dritten Periode fehlt es dagegen an wirklichem Leben; Alles darin ist falsch oder schief: Siwationen, Charaktere, Sprache und Leidenschaftm. Dumas wurde im Jahre 1875 in die Französische Akademie aufgenommen. Auf seinem Landsitze zu Ellischau in Böhmen hat der einstmals allmächtige österreichische Ministerpräsident Eduard Graf Taaffe de? Natur den letzten Tribut bezahlt. Graf Taaffe war am 24. Februar 1833 zu Wien aus einem irisch5n Geschlecht geboren. Er war ein Spielzenosse des späteren Kaisers Franz Joseph, studierte in Wien die Rechte und trat 1832 in den Staatsdienst. Er wurde nach anderen Aemtern Statthaltereisecretär in Ungarn, dann in Böhmen, 1861 Statthaltereirath in Prag, war 186367 Landeschef des Herzzgthums Salzburg, dann Statthalte? in Oberösterrerch. Am 7. März 1867 wurde Taaffe an Stelle Belcredi's' Ministe? deS Innern, und als Fürst Carlos Auersperg am 30. December 1867 an die Spitze des Cabinets trat, Minister für Landesvertheidigung und Polizei. Nach Aucrsperg's Rücktritt (26. September 1863) Eduard Graf Taaffe. wurde Taasfe Präsident deS 'Cabinets biZ 15. Januar 1870, wo er nach dem Memorandenstreit als Mitglied der Minorität ausschied. Jedoch schon drei Monate später trat er wieder in das Cabinet Potocki als Minister deS Innern ein und bekleidete dies Amt bis zum Rücktritt deS Ministeriums: am 7. Februar , 1871, worauf er Statthalter von Tirol und Vorarlberg wurde. 1871 erfolgte seine Berufung al5 lebenslängiiches Mitglied des Herrenhaufes. Als im Februar 1879 das Ministerium Auersperg seine Demission genommen hatte, wurde Taaffe in dem unter Stremayr's Präsidentschaft theilweise neu gebildeten Cabinet Ministe?' des Innern und feit 12. August 1873 Ministerpräsident. Am ö. December 1879 hielt er im Abgeordnetenhause seine Plogrammrede in der er die Bersöhnung der Nationalitäten als sein Ziel bezeichnete. Indessen stützte er sich auf eine auö Polen, E zechen, Slowenen und den deutschen Clerikalen besichende Majorität und wurde von 'den durch die Sprachenverordnungen und die fortschreitende Slawistrung der bohmischen Kronländer erbitterten Deutschen heftig bekämpft. Trotzdem konnte er seine Stellung langer als irgend einer seiner Vorgänger behaupten, da er das unbedingte Vertrauen der Krone genoß. Erst seine Wahlresormplane, die den entschiedensten Widerstand bei allen Parteien des Abgeordnetenhauses fanden, veranlaßten ihn, am 12. November 1893 nebst seinem Cabinet seinen Rücktritt zu nehmen. FachmännlicheS Urtheil. Was sagen Sie zu dem Gesänge von Fräulein Clara, Herr Hauptmann?- .Famose Commandoftimmel" L . :.

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Daö Papstschlok ZU Avignon. Das Project, das großartige Restdenzschloß der Päpste zu Avignon in umfassender Weise zu restauriren, ge-

winnt neuerdings Aussicht auf Erfolg. Der Plan dazu war schon einmal gefaßt, nämlich von Napoleon III. Dieser besuchte 1859 Avignon und das Papstschloß, das seit 1815 theils als Kaserne, theils als Gefängnis benutzt wird, bei welcher Verwendung der Bau natürlich nicht geschont wird; die innere Einrichtung, architektonische Verzierung, Fresken, Mobiliar u, s. w. Ansicht des Schlosses. sind natürlich bis auf wenige Reste längst verschwunden. Napoleon: nahm sich vor, das Schloß in seinem früheren Zustande wieder herzustellen, wozu Sachverständige eine Summe von 4 bis 5 Millionen für nöthig erachteten. Er beabsichtigte zugleich, das Schloß dem Papste zu schenken; Pius IX. dagegen war von dieser Ansicht nicht er'baut, da er vermuthete, man wolle ihm Adignon schenken und Rom dasür nehmen. Neuerdings haben die Stadtbehörden die Angelegenheit in die Hand genommen, da sie hoffen, daß Avignon nach Restaurirung des Schlosses von vielen Touristen besucht werden wird Viehtranöport zur See. Der Transport von Vieh zur See geschieht für größere Reisen meist auf besonders dazu eingerichteten Schiffen, welche unter Deck befindliche Stallungen, haben. Für kleinere Reisen jedoch bedient man sich, um Kosten zu sparen, oft der gewöhnlichen Frachtdampfer, auf deren Deck die Heerde untergebracht wird. Meist laufen diese. Transporte ganz gut ab, die Heerde verhält sich ruhig und läßt sich von dem Schaukeln des Dampfers nicht viel 'beunruhigen. Tritt jedoch bei einem so Geladenen Schiffe unterwegs plötzlich eine Sturmböe ein, so kann die Fahrt eine sehr unangenehme Wendung nehmen. Wird der Dampfer mit seiner Ninderheerde von eine? Sturmwelle getroffen, kommt er bedenklich in's Schwanken und ergießen sich Sturzwellen übe? Bord, dann ist es mit der Macht der Aufseher über die Heerde vorbei. Die geängstigten und vor Furcht ganz sinnlos gewordenen Thiere drängen sich flach der Leeseite des Schiffes zusammen, wodurch sie die schiefe Lage des Fahrzeuges vermehren, sie pressen sich gegeneinander und suchen den Sturzseen zu entaeben. indem sie immer weiter gegen die vor ihnen steheden Genossen sich stemmen und anstürmen, daSchwere- Verluste durch werden die vorderen am' Vörd befindlichen Thiere: gezwungen, sich zu erheben, sie wollen dem Andrang, entfluhen und stürzen, auf diese Welse ins Wasser. Veraeblich sind alle- Versuche der Treiber, das geängstigte Vieh von diesem aefahrlichen Punkt zurückzuscheuchen. Die Hinteren hören nicht auf zu drangen, und die vorderen springen schließlich in ihrer Angst, welche jetzt das Zusammenpressen ihnen verursacht, von selM in's Wasser. SÄch' eme verzweifelte Lage eines Viehtransportdampfers zeigt unser Bild. An ein Rett: der im Wasser treibenden Thiere ist. nicht zu denken. Was über Bord ist, muß verloren: gegeben werden. Oft: geht auf solche Weise mehr als ein Drittel des TransPortes zu Grunde, und die offenen Viehtransporte, welche ihrer Billigkeit wegen noch vielfach unternommen werden; bringen den Eigenthümern, dann schwere Verluste, zumal die Versicherunqsaesellschaften keine Versicherung auf solche Beförderimg annehmar. Es ist wahrhaftig grausig anzuschauen. wi? eme derartig duich em plötzlich emLrechendes Unwetter wild gewordene Heerde in das Waffer sich drängt, und den .vergeblichen Kampf zu beobachten, ben Schiffer und Treiber urit den wahnsinnig -vor Schrecken sich geberdenden Thieren führ. Da richtet keine Mcnschenklugheit und MenMenkraft etwas aus. Bauerrezärtlichkeit. Bauer: Na, Scppel, warum ißt' denn net?" Seppel: Vaita, i kann nimmer!" Bauer: Du Kerl, warum frißt' denn so viel, daß D' nimmer kannst!" Neuer Verband. Na, Frau Waberl.Jhna Bua hat si' neuli so verletzt? Wie geht's eahm denn?" .Dank äß'l Ganz guat. Zum Glück war glei' a Dokta da und der hat cxi antisemitischen Verband enle

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Die Qucllenhöyle inNelchenha?. ' Die Salzquellen von Reichenhall zwischen Salzburg und Berchtesgaden waren bereits den Römern bekannt, und im 7. Jahrhundert gab es dort schon ein Hai", wo Salzwasser gesotten wurde. Im Jahre 1846 gründete hier der sächsische Steuerinspector E. Rink das Bad Ächselmannsjem, und seitdem 'hat sich die reizend gelegene Stadt zum besuchtesten Badeorte Äayerns nach Kissingen aufgeschwungen. Aus dem Schooße der Erde strömt das Heilige Aerzt". die Soole, in 16 Quellen herauf. Unter dem Hauptbrunnenbau der königlichen Saline befindet sich, 72 Stufen unter der Erde, der sogenannte Quellenbau, zu dem man unter Führung eines fackeltragenden Führers mit dem Grubenlichte in

der Hand hinabsteigen kann. De? Quellenbau umfaßt eine Anzahl gemauerte? Stollen, mehrere gefaßte und einige zurückgestaute Quellen, theils mehr oder weniger salzhaltige (Soolen), theils Süßwasserquellen, die hier alle einzeln, gesaßt sind, un sie so etrennt ihre? weiteren Benutzung zusühren zu können Von den Süßwasserquellen dient nur ein Theil zum Betrieb der Pumpwerke; die übrigen werden durch ocn Grabenbach, einen unterirdischen Canal, der sogar mit Schiffen befahren werden kann, zur Saalach abgeleitet. Außer der 2rocentigen Edelquelle und de? Kar TheodorQuelle bildet eine besondere SehensWürdigkeit im Qucllenbau die QuellenIn Ker Quellenho'hke. , höhle, in der eine größere Anzahl von Quellen aus dem Erdinnern hervortritt. Es ist eine von der Natur geschaffene, majestätische Grotte, die vorsichtshalber' durch Säulen aus Marmorziegeln gestutzt wird. Vordem war sie völlig von der Soole angefüllt, und das Felsgesiein der Wände zeigt sich daher stark zerfresse. In dem Mittel-' sien Bassin sind sieb: 'Minderwttthige Quellen, zusammengeleitet; vorne linkä ist eine gefaßte und zurückgestaute Quelle sichtbar. Die Höhle ist etwa 100 Fuß lang und 70 Fuß breit. Da von der Decke viel Wasser abtropft, fu werden die Besucher vorher mit Leinen Mänteln und breitkrämpigen Filzhüten versehen; beim Gehen aus dem glatten, feuchten Steinfußboden ist Vorsicht geboten. Vier von iden Salzquellen Reichenhalls sind von, so starkem Salzgehalt, 'daß ihre Soole, gleich de? vonVerchtesgaden hergeleiteten, sogleich versotten werden kann, was in den dien Sudhäusern von Reichenhall, sowie in Traunstein und Rosenheim, bis wohüs Leitungen führen, geschieht. Die wemger reichhaltigen Salzquellen dagegeiv werden auf das zu Kurzwecken dienend Gradirwerk geführt. Im Ganzen lie fern die Salinen von Reichenhall und Berchtesgaden jährlich 500.000 Centner Salz. Mausiß's Abenteuer. Herr Mausig (frühe? Proviantmeisier bei der Schsitztruppe, seine Abenteuer erzählend):. Also, meine Herren, stellen Sie sich meine Situation vor: Ich' auf dem Paünbaum, Son oben züngelt eine Klapperschlange nach mir, unten lauern drec Löwen und zwei Panther. ' rCl.' LV In solchen Momenten, meine Herren, zeigt sich der wahre Mann! Kurz entschlossen, nehme ich meinen Satagan zwischen die Zähne springe von oben herunter zwischen die Bestien und brülle mit Donnerstimme: Guten Abend, meine Herren!" Der Sohn seines Vat e r s. .Oberlehrer: Wie einfach und erhaben klingt die schone und ausführliche Beschreibung, welche Plinius der Jüngere von seinem Hause gemacht hat!" Salomon, H. (leise zu seinen, Nachbar): Wahrscheinlich hat u e5 r erkaufen fcollü"

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