Indiana Tribüne, Volume 19, Number 84, Indianapolis, Marion County, 11 December 1895 — Page 1
0 I W O dr Ysr rr x i r i m ? ' r 4 1 ? -i G M HG w Office : No. 18 Sud Alabama Straße. Jahrganq 19. Indianapolis, Indiana Alittwoch, öen U. Dezember 1895. No. 81
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' Die Amerikaner müssen immer mit grcßtn Phrasen um sich werfen. Herr MeBride. bn Präsident der
American Labor Föderation, sagte in seiner tLrössnungerede, daß daS Abkommen des Präsidenten mit dem Goldsyndikate daS größte Verbrechen deö Jahrhunderts gewesen sei. Ganz abgesehen davon, daß ein Arbeiterführer bei solcher Gelegenheit sich doch wahrlich nicht nm Dinge zu kümmeru braucht, welche seine Klasse kaum berühren, ist es lächerlich, eine solche Maßregel ein Verbrechen und noch dazu daS größte Verbrechen deS JahrHunderts zu nennen. Unter allen Umständen aber, venn man von Verbrechen reden will, ist eS eine gar nicht schwer zu entscheidende Frage, ob die Ausgabe der BondS oder die Abhal tanz der Alb?iter von selbststandigkr
politischer Aktion und Ftstyaltung an der veralteten Gcwkrkschastkpolltik von Seiten der Führer daS größere Verbrechen ist.
2n NewIork hat die Justiz einen eigenthümlichen Fall erzeugt. Ein
Mädchen, NamenS Barbara Aub, daS Bücher kolportirte, beschuldigte einen gewissen Langermann, der in solchen
Dingen einen bösen Ruf besiht. ein
Verbrechen an ihr begangen zu baben. Langermann wurde schuldig befunden
Die Verkündunz deö Urtheils sollte
einige Tage später stattfinden, in der
Zwischenzeit aber denunzirte Barbara sich selbst alS Meineidige, wird der-
haftet und Langermann wird entlassen. Derselbe hat reiche Verwandte. Eine
Prüfung der Sache von Seiten weh-
rerer Leute, die sich für das Mädchen
interesfirten, ergab, daß der Nichter
(Soff) sich persönlich um daö Gestand-
niß bemüht hatte und man hegt die
Vermuthung, daß daS Geständniß durch allerhand Drohungen und Versprechun-
qen erpreßt wurde. Im Gefängniß
weigerte sich Barbara mit irgend Je-
mandem über die Sache zu sprechen Ihr Anwalt brachte ihre Sache vor einen anderen Richter. Sie bekannte
sich wiederum für schuldig, der Richter lehnte jedoch daS Bekenntniß ab und bestellte ihr einen Anwalt von Gerichts-
wegen. Richter Goss aber hat auf
einige Zeit Urlaub genommen nnd ist
verreist. Man ist auf den AuSgang der Sache sehr gespannt.
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Inland.
ihre Vertreter im Congreß sich zu der ' Erklärung vereinigen, daß sie einig j find in dem Festhalten an eer ameri- ! kanischen Doktrin Jameö Monroe'S ! m
ES ist immerhin sehr erfreulich,
daß die Presse so ziemlich einstimmig or r r r . c i n
in oer Deruriyettuna nyikvar'.ls iu
Deshalb aber ist eS nicht nöthig, daß
sich Amerika so sehr in die Brust
wirft und so thut alS ob eine Bewegung wie die antisemitische in Ame-
rika gar nicht möglich wäre, und alS
ob so etwas nur in Rußland oder Deutschland vorkommen könne. Kann eine antisemitische Bewegung in Amerika nicht Vlatz greifen, so trägt weder die Verfassung, wie die anglo-ameri-kanischen Zeitungen meinen, noch der Umstand, daß hierzulande angeblich keine religiösen Vorurtheile herrschen, die Schuld daran. Die Existenz der A. P. A- beweist zur Genüge, daß derartige Bewegungen auch in Amerika
möglich find. Die A P. A. ist um
kein Haar besser, als der Antisemit!?
muS. Ob eine Bewegung gegen die
Katholiken oder gegen die Juden ge-
richtet ist, bleibt fich ganz gleich. ES
st wohl richtig, daß die Juden nur als
Individuen zählen, währen hinter den
Ka'.holiken eine fest gegliederte über
die ganze Welt sich erstreckende Orga
nisation und eine Hierarchie steht, aber
daS entschuldigt die Slistenz der A. P
A. um so weniger a!S für Amerika
wenigstens verschiedene der protestan-
tischen Sekten ebenfalls ihre großen
Organisationen hiben.
So verwerflich die antisemitische
Bewegung ist, so erscheint sie unS doch
noch lange nicht so widerwärtig wie die
amerikanische A. P. A. Denn die
Antisemiten haben doch wenigstens den Muth sich offen zu ihrer Ansicht zu bekennen und kämpfen mit offenem Vifir, während die A. P. A. eine geheime Gesellschaft ist, ihre Gegner im Rücken angreift und sie heimlich zu erdolchen sucht. Wetteraussichten.
Bewölkt, vielleicht Regen. Kälter und schön am Donnerstag. Gestrige Temperatur: Marimum 30 Grad,
Minimum 29 Grad.
Ein
räth selhafteö Tnrn-
spiel. P ittS bürg, Pa .10. Dez. All-
gemeines Aufsehen hat hier in deut-
schen Vereinökreisen ein angeblich von Einbrechern in dem Hause von Jsidor
Huber, dem Schatzmeister deS Colvm
bia-Turnvereins, verübter Diebstahl verursacht. Detektive Bropby begab sich gestern Morgen gegen 1 Uhr nach
Huber'S Wohnung und weckte letzteren,
um in seiner Gegenwart eine Besichtigung deö ZimmerS und KassenschrankeS, auS dem, wie Huber sagt eine dem
Turnverein gehörige Summe von !660
von den Einbrechern gestohlen wurde, vorzunehmen.
Huber erzählte dem Detektive, daß
daS Dienstmädchen schon am Freitag Morgen beim Betreten deS Zimmers
den Kassenschrank offen und eine Anzahl Papiere auS demselben auf dem Boden verstreut gefunden habe, und eine von ihm. Huber. vorgenommene Untersuchung habe soda?.n ergeben, daß die besagten $G60 auS dem Schranke gestohlen worden seien. Auf
die Frage, weShalb er den Diebstahl
nicht der Polizei gemeldet habe, erwi-
derte Huber, daß er gestern Morgen
nach der Stadthalle telephonirt habe,
doch stellte fich später heraus, daß dort keine derartige Meldung eingelaufen war. Detective Brophy fand ferner,
daß weder der Kassenschrank noch die Fenster, noch die Thüre auch nur die
geringsten Spuren eineS Einbruches zeigten und ist der Ansicht, das'es ibm
nicht schwer fallen wird, daSden Dieb-
stahl umgebende Dunkel zu lichten.
Eine waghalsige Luftschif-
ferin. SanFraneiSeo, Cal,10 Dee.
Fräulein Millie Viola, eine frühere
Schauspielerin aber jetzige Luftschif-
erin, sagt, daß sie von Australien nach
den Ver. Staaten kam, um in einem
Fasse über die Niagara Fälle zu fahren.
Um die Sache noch schwieriger zu
machen, will sie mit dem Fasse aus einem Ballon nieder fallen. Fräulein Viola traf mit dem letzten Dampfer hier ein.
Ausland. Eugen Richter schlägt Alarm. Berlin, 10. Dez. In der heutigen ReichStagöfitzung hielt Eugen Richter, der Führer der Freisinnigen VolksPartei, eine Rede, worin er die Bud-get-Forderungen der Regierung für
Colonialzwecke heftig bekämpfte. Er diesen Tagen zu Ende gehe und daß er
berurtherlte ganz entschieden die vielen ruhig aus seinen Posten zurückkehren Colonial-Erpeditionen; dann kam er werde. Dann werden andere Mini.
Was die Nachfolgesrage anbetrifft, so find vor der Hand alle Meldungen oder gar Gerüchte mit größter Vorsicht aufzunehmen. Die Entscheidung wird nicht lange auf sich warten lassen. Der Kaiser hat auf den beabsichtigten Jagdausenthalt in Springe verzichtet und kehrt direkt hierher zurück, so daß die Entscheidung stündlich zu erwarten ist. Eine Meldung mindesten? eigener Art bringt die Post". DaS freieonservative Blatt erklärt nämlich, daß der Urlaub", we'chen der Minister deS Innern v. Köller erhalten haben, in
Der Congreh. H a u S. Washington, 10. Dezbr. Im
Unterhause erregte der Repräsentant McCall, Rep. Mass., heute einiges Aufsehen durch die Einbringung einer
Resolution, worin der Präsident auf-
gefordert wird, dem Hause zu berich-
en, ob Sch itte gethan seien, um fest-
zustellen, ob die Berichte über die vom
Botschafter Bayard in England und
Schottland gehaltenen Reden wahr-
heitögemäß seien, und wenn sie wahr seien, ob Schritte gethan seien, um
Bayard abzuberufen oder zu maß-
regeln. H rr McCreary, Ky , erhob
Widersoruch, während Herr Barrett, Rep. Mass, vom Elerk eine Resolution verlesen ließ, welche beantragt ge-
gen Herrn Bayard daS Jmpeachment-
Versahren einzuleiten. Beide Resolutionen stützen sich dar-
aus, doß Herr Bayard in seiner Rede
daS amerikanische Schud;ollsvstem alS
LtaatSsozialiSmuS bezeichnet und ge-
sagt hat, die Ver. Staaten bedürften eineS wirklichen ManneS." wie Clevk-
land, um ein starkes, setbstoertrauendeS
und oft gewaltthätigeS Volk- zu regie ren.
Der Antrag deS Herrn Crisp, die Resolution an daS Justizcomite zu
verweisen, wurde m t 206 gegen 80
Stimmen abgelehnt. Die Republikaner beabsichtigten, die Stelle bezüglich des
Jmpeachments auszumerzen, und die
Resolution dann dem Comite für AuS-
wärtigeS zu überweisen, und dieser Plan. wurde denn auch zur Ausführung
gebracht.
Senat. .
Senator Cullom, Rep. JllS. hielt
seine angekündigte Rede' über die Monroe-Doktrin. Er erklärte darin, unsere Regierung neige nicht zu Eroberungen und Usurpationen. Wenn wir aber den Vormarsch der Republik in dieser Welt der-Konkurrenz, unsere nationale Ehre und unsere territoriale Einigkeit und Integrität erhalten wollten, so müßten wir den Regierungen der alten Welt kundthun, daß 75 Millionen amerikanischer Bürger durch
aus die Zuckersteueevorlage der Regierung zu sprechen und betonte, daß eS dabei nur wieder darauf abgesehen sei, der deutschen Nation jährlich L0 Mill. Mark mehr Steuern aufzuerlegen. Er
sei überzeugt, daß die Zackerst.uervorläge nicht geaen Amerika gerichtet,
sondern eö handele sich der Regierung,
wie bereits gesagt, citiz'g und allem
darum, dem ohnehin mit Steuern so
schwer belasteten deutschen Volke noch
neue Steuerlasten aufzubürden. Zum
Schlüsse sagte Herr Richter :
Ich kann nicht mit einstimmen in
das Lied von dem großen deutschen
Reich, daß 26 Jahre nach seiner Grün-
dung in allen Tonarten erschallt, denn
ch sehe daö Reich nicht besser und nicht
größer alö eS vor 25 Jahren war. Bis
jetzt hat daö Reich nur zur Verarmung deS deutschen Volkes beigetragen."
, Nachrufe für Herrn von Köller. Berlin, 10. Dez. Die Nachrufe,
welche dem Minister a. D. v. Köller gewidmet sind, betonen, daß er in seiner Unfähigkeit der Stellung nicht ge-
wachsen war. Die ,)Minister-Ruine"
hat Dauerurlaub erhalten. Ein sonderbarer Taktiker, welcher seine Kollegen von seinem geplanten Vorgehen
gegen die Sozialdemokratie nicht in Kenntniß setzte, weil er glaubte, denselben eine angenehme Ueberraschung"
bereiten zu können. Die Ueber-
raschung" war nun allerdings ganz auf
einer Seite. Wer den Schaden hat, darf für den
Spott nicht sorgen, und wahrhast
grausame Witze werden über den Ge-
allenen gerissen. Er wäre in Un-
gnade gefallen, weil er die Sozialistenkasse nicht hatte finden können, heißt eö. Die Parteikasse der sozialdemokratischen Partei ist bekanntlich inö
Ausland in Sicherheit gebracht. Wei-
er wird die bikannte Redensart :
Herr v. Köller, er wird immer lölla" in ..Herr v. Köller. uns wird immer
wöller (wöhler) vriirt u. s. w. Am giftigsten ist die vom Volk", dem frü-
heren Organ Stöcker'S veröffentlichte
Leichenrede". ES fehlt aber auch nicht en Ausdrücken deS Bedauerns
So nennt die Staatsbürger Zeitung" den gestürzten Minister ein Opfer der
Wilhelmstraße", und die agrarische
Deutsche Tageszeitung" erklärt, daß
v. Koller als deutscher Mann nicht mebr die falsche Politik, natürlich die nach Anficht der Agrarier falsche agrarische Politik, der Regierung hätte
mitmachen können.
Stet
New York Store.
(ötaMirt 1853.)
Eine
ster gehen," antwortet die Vosfische". Schließlich ist Tante Voß" aber auch nicht mit besonderer Propbetengabe begnadigt und unter den obwaltenden Verhältnissen : DaS Unbegreifliche hier wird vielleicht Ereigniß". Ein Abendblatt schreibt geradezu: Die j.tzige Minist'rkrisis ist noch
chlimmer als die vo'jährige. Der
Kaiser zögert offenbar immr noch.
Herrn v. Kö ler zu entlassen. Bleibt
dieser, dann geht daß ganz übrige Ministerium, mit alleiniger Auknahme
Miquel'S."
Der Kanzler erklärt. Berlin, 10. Dez. 3m Reichstage
stellte der Kanzler Fürst Hoherlohe
heute in Abrede, daß die Resignation deS BaronS von Köller als Mitglied deS Innern mit dersozialdemokrati-
chen Agitation in Verbindung stand.
Der Kanzler erklärte ferner, daß die
Regierung nicht beabsichtigte, besondere Tnti - So,ialistenaeseke in unter
breiten, sie würde aber die bestehenden Gesetze so durchführen, daß der Staat
und die Gesellschaft geschützt werde.
Zum Schluß sagte Fürst Hohenlohe,
daß die Sozialdemokraten, wenn sie sich über die Handlungen der Regie-
rungen beklagten, nur fich selbst zu ta-
deln haben würden.
Berlin. 10. Dezbr. ES fanden
mehrere große Sozialisten-Versamm-
ungen statt. Die Herren Liebknecht,
Bebel und Singer hielten in denselben Reden und in allen Versammlungen wurden Resolutionen angenommen, in
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