Indiana Tribüne, Volume 19, Number 81, Indianapolis, Marion County, 8 December 1895 — Page 6

Die ZZiMlieritis.

V ' Cin Würgengel der schlimmsten Art ist die Diphtheritis. Diese Krankheit entsteht niemals infolge individueller Veranlagung, sondern ist in allen Fällen von außen her in den Körper eingedrungen. Eine Jnfection örtlicher Art soll seltener sein, als eine solche persönlicher, d. h. also, tatz es seltne: vorkomme, -daß eine gewisse Localität für ein starkes Umsichgreifen der Kiankheit verantwortlich gemacht werbtn könne, als daß vielmehr die Uebertragung von einer Person aus die andere stattfinde. Die Zeit, welche der in den Körper gedrungene Krankheitskeim gebraucht, um sich an Ort und Stelle festzusetzen, dort zu wuchern und durch sein Gedeihen die Funktioinen aus ihrem normalen Getriebe zu drängen, ist eine kürzere, wie bei anderen Krankheiten. Sie beträgt 2 bis 5 Tage, während man dem Scharlach 4 bis 7, den Masern 10, dem Keuchhusten gar 11 Tage zugesteht. Es ist daher geboten, bei 'dem kleinsten Anzeichen den Arzt zu benachrichtigen und in Zeiten, da die Krankheit gerade wüthet, muß für uns der Wahlspruch gelten: lieber zu ängstlich, als zu sorglos! Es schadet nicht, in solchen Zeiten die Kinder etwas davon zurückzuhalten, mit allen Anderen auf dem ersten besten Spielplatze zu spielen, denn man kann ja nicht wissen, ob sie da nicht mit Kindern in Berührung kommen, die bereits inficirt sind und bei denen die Krankheit morgen früh zum Ausbruch kommt. Tritt sie bei einem unserer eiz:nen Kinder auf, oder ist nur der leise Verdacht vorhanden, so halte man auch die noch gesunden von jedem Umgang fern, um fremder Leute Kleinen zu schützen, denn was Du nicht willst, daS man Dir thu', das füg' auch keinem Andern zu." Wer weiß, ob die Krankheit so um sich gegriffen hätte, wenn alle Eltern hierin etwas gewissenhafter gewesen wären! Man hänge ferner den Kindern, wo diese die noch offene Schule eines so inficirten Distriktes besuchen müssen, ein Säckchen mit etwas Kampher um den Hals. Ist die Krankheit im Hause, so ist strengste Jsolirung des kranken Kindes die erste Bedingung. Zum Krankenzimmer wähle man auf keinen Fall einen in der Mitte der Wohnung belec.tv.tn Raum, sondern sehe, 'daß derselbe erstens, directen Luftzufluß habe, zweitens, daß ein Hindurchgehen und überhaupt ein Betreten desselben von einer anderen Person vermieden werden kann. Wo eben die Räumlichkeiien zu beschränkt sind, so daß man die übrigen Kinder nicht weghalten kann, da muß die Ueberführung in's Hospital stattfinden. Vor der Thüre des Zimmers stelle man in einem Gefäß eine 6procentige Carbollösung auf. Aus dem Zimmer selbst entferne man alle unnöthigen Draperien, Kissen, Decken, Polstermöbel, Portieren, Gardinen. Man nehme aus den Schränken die Kleider, aus den Schubladen die Wäsche und sonstigen Gebrauchsaeaenstände. Ein Teppich sollte überHaupt in keinem Schlafzimmer, am allerwenigsten in einem Zimmer liegen, wo ein Patient mit einer ansteckenden Krankheit ringt. Wenn man erst einmal allgemein auf angenagelte Tep viche in den Schlafzimmern verzichtet haben wird, wird viel Gutes bewirkt sein. Dell Fußboden wird mehrmals des Tages mit einem feuchten Tuche übergewischt und dieses wird sofort in eine Schmierseifenlösung (ein gehäufter Eßlöffel wi einen Eimer Wasser) gesteckt. Am einfachsten ist es, man halte sich in der Ecke des Zimmers, in dem ausgeräumten Schranke u. s. w. drei neue Eimer mit solcher Seifenlösung. Tixi den einen kommt dieser Wischlappen. in dem andern wird alles von dem Kranken benutzte Eß- und Trinkgeschirr aewaschen und bleibt gleich im Zimmer, in den dritten steckt man die abaeleate Wasche. Hand- und ajazen tücher. Wo eine Schleimabsonderung stattfindet, da benutze man hierzu nicht Taschentücher, sondern kleine Stücke altin. aber reinen Mousselins, die man dann in eine Zeitung wickelt, in der man etwas krystallisirtes Vitriol (copperas) hält. So wird das ganze Bündel verbrannt. Am besten ist es, wenn die Pflegerin im Zimmer bleiben kann, sich so wenig wie möglich m den übrigen Räumen zu bewegen brauchte Mub sie das doch, so sollte sie Gesicht und Hände mit einer Sublimatlösung von einem Zehntel Procent abwaschen, die Kleidung wechseln und das Haar zubinden. Bezüglich der Behandlung derKrankheit selbst stehen mir zwar verschiedene Quellen zu Gebote, ich unterlasse aber absichtlich jede Erwähnung eineS noch so unschuldigen Mittels, um eine Mutter nicht dazu zu verlocken, erst einmal das zu probiren", ehe sie zum Arzte schickt. Bei dem kleinsten verdächtigen Anzeichen sehe sie dem Kinde :n den Hals und findet sie eme noch so kleine entfärbte Stelle an den Mandeln oder dem sog. Zäpfchen", so sollte sie den Arzt citiren, obwohl sich diese ersten Anzeichen" von den Symptomen einer einfachen katarrhalischen Asfektion durchaus nicht unterscheiden im Gegentheil: das Gesammtbefinden des Kindes wird oft von der letzteren schneller und heftiger afficirt, als von der trügerischen Diphtheritis in ihrem ersten Stadium. Sie zeigt sich oft biZ zur Zeit der thatsächlichen Lebensgefahr nach außen hin nicht schlimmer als ein tüchtiger Schnupfen mit geschwollenen Drüsen und Halsweh und dann packt sie ihr Opfer und wir müssen es dulden, wie unser Liebling dahin geht. In langsamen Fällen schwebt das Kind (wenn überhaupt) zwischen dem dritten und siebenten Tage in Lebensgefahr, dann hat es die Krisis überstanden. Ein aufmerksa

meS Erbalten der Lebenskräfte ist die

Hauptsache, denn diese Krankzelt zehn trotz ihres veryaltnlßmakm schnellen Verlaufes die Kräfte in erschreckender Weise auf. Gute Ventilation und nur mäßige Temperatur sind wichtige Bedingungen eines zeden Krankenzimmers. Jene Zeiten, wo man ein krankes Kind, oder überhaupt einen Patienten in einem von aller frischen Luft hermetisch abge schlosseren, überheizten Zimmer, vis zum nie unterbrochenen Schweiß in Federdecken u. s. w. gewickelt hielt, sind hoffentlich, zu unser Aller Bestem, sur immer dahin gegangen. Pas Zjaus das ileid der Zrau. Hede Frau bat eine Mission aus Erden, ob nun ihr Stand sie auf lichte Höhen oder in bescheidene Thäler führt, ob sie ein einsames oder ein gemeinsames Leben lebt sie entzieht sich ihrer Pflicht, wenn sie mit lassiger Hand, mit leerem Herzen dasitzt und sich kalt und ablehnend verhalt gegen alle Anforderungen, welche man an sie zur Beglückung ihrer Umgebung stellt. Oder erfüllen jene Frauen '.hre hohe Aufgabe, welche nur in dem gesellschastllchen Treiben des modernen Lebens sich entfalten wollen, deren Arena der Vallsaal ist, die in ihrer Kinderstube sich gar wie in einem Gesä.igniß vorkommen? Eine gute Mutter ist mehr werth als ein ganzes Heer von sogenannten guten Bekannten", und eine warmherzige, edelsinnige Schwester ist köstlicher als hundert gute Freunde. Die Grundpfeiler aber, welche das stille Reich, in dem die Frau waltet, stützen und tragen, heißen Sorgfalt und selbstvergessende Hingebung. Das stille, freundliche Ertragen der kleinen täglichen und stündlichen Bcschwerden, der sogenannten Nadelstiche im Leben; das willige, treue Erfüllen der geringen, immer wied:rkehr:nden Obliegenheiten, die als selbstverständlich hingenommen werden, wofür Niemand dankt, ja, die von keinem bcachtet werden; das sanfte Hinnehmen und Dulden von mancherlei Dcmüthigungm und Unfreundlichkeiten, gegen die man nicht kämpfen, deren man sich nicht erwehren kann alles dies ist tausendmal schwerer, als in großen Kämpfen tapfer zu sein, wo die ganze Welt zusieht und bewundert, oder als große, in' Auge fallende Leiden und Schmerzen ohne Murren und Klagen zu erdulden. Bei diesen letzteren nimmt das Mitleid und die Fürsorzv treuer Menschen die eine Hälfte der Last ab und verklärt die andere mit der Glorie des Martyrerthums. Das Erstere aber ist mehr oder minder das Loos jeder Frau, sie sei Gattin und Mutter oder alleinstehend. Aber dies ihr Kreuz ist auch wieder ihre Größe; ihre Waffe ist die Liebe, welche nicht trennt und zerschneidet, welche eine verbindende Macht ist, die alle Familienglieder zusammenhält und ihnen das Haus zu einer Stätte des Glücks und des Friedens macht. Ist doch das Haus die Stütze des Staates. Alle jene Verbinoungen und Einrichtungen, welche unserem gesellschaftlichen Leben zum Segen et reichen, wurzeln in ihm als threm Nährboden. Diejenigen, welche unter einem Dach miteinander gelebt und sich an ein und demselben Mutterlächeln gesonnt haben, in deren Adern dasselbe Blut fließt, sind durch ein heiliges Band auch mit einander verknüpft, ein Band, welches niemals zcrrissen werden kann. Entfernung mag räumlich trennen, Zwistigkeiten mögen entstehen, aber alle die, welche eine Fähigkeit zu lieben empfangen haben, müssen zu dem Erinnerungs- undVerjüngungsquell der Liebe zurückkehren, welcher in jenen seligen, längst entschwundenen Tagen der Kindheit zum erstenmale aufsprudelte. Jm trauten Heim, im liebumwob'nen Hausj Streu', deutsche Frau, des Fri:dens i WUVUl UUSi DieLllpcnrose. Von Feodor Löwe. Hoch nif dem Berg im braunen Moose, Von Eis mnglänzt und halb verschneit, Blüht still empor die Alpenrose: Ein süß' Gedicht der Einsamkeit. Der lauer, Frühlinaslüfte Fächeln ' Küßt ihre jungen Blätter mcht; ; Sie steht wie ein verloren Lächeln j Im starren. Felsenangesicht. D kalten Gletscherwände 'steigm, AnLhürmend mächtig, Stück für Stück, Uno unoemertt xsa ew'gen Schweigen! Wächst sie, wie em verschwiegen. Glück. ! i O selig der, dem wvhlgeborgen, ! Im oft durchfrosteten, Gemüth, Hoch über allen! Leben s sorgen. So eine süße Blume blüht! m 9 m Munter. Eine Musikschülern will sich auf dem Heimwege vom, Corkservawrium ein Stückchen Käse kaufen. Sie 'betritt einen Laden und mustert die Sorten. Erstaunt bleiben ihreBlrcke 'längere Zeit an einem etwas zu reisen, Schmierkäse hängen, weshalb die Verkäuferin denkt, daß si tzerade von diesem haben möchte. Sie fragt also: Darf ich Ihnen von-diesem geben, Fräulein?" Die Musikschülerin aber wendet ihre Augen hastkg ab und meint, das Näschnr 5ndignirt emporhebend: .Nöm, danke, der ist mir doch etwas zu sehr Auegro"!" 2)U Freundschaft zweier Frauen ist meist eine Verschwörung gegen eine Dritte.

An Bord cmcs SllilalZilsMes. Wer die ausgedehnte Navy Jard" ht Lrvoklyn betritt, dem fallen sofort die gewaltigen Massen des im dortigen Trockendock befindlichen Panzerschiffes .Texas" in die Augen. Man könnte diese Docks gleichsam die Ruhe- und Krankenstätten der Schiffe nennen, wo diesen nach den Strapazen einer langen Kreuzerfahrt die wohlverdiente Ruhe zu Theil wird, und wo die kundige Hand des Ingenieurs die durch Sturm, Wellen und Wetter 'geschlagenen Wunden am Leibe des Leviathans wieder zuslickt und heilt. Mißmuthig und unbeholfen liegt dort der gepanzerte Gesell,' seinem Elemente entrissen und auf dem Lande in Ketten geschlagen. Er, der gewohnt, von den Wogen umplätschert und ge tragen ZU werden, er, der durch das schwerste Unwetter Dank der ihm innewohnenden gewaltigen Kraft pfeilschnell dahinzufliegen vermag, muß nun hier auf dem Trockenen gebettet liegen, gestützt durch Hunderte von Balken, die ihn, gleichwie den Jnvaliden die Krücken, vor dem Umfallen bewahren. , Welch' gewaltiger Unterschied besteht zwischen solch' einem modernen Schlatschiffe und einer alten Kriegsfregatte. Wo sind die schlanken biegsamen Masten mit ihren schwellenden, schneeigen Segelflächen geblieben? Was wir hier heute an ihrer Stelle vor Augen haben, sind hohen Thürmen ähnelnde eiserne Rohre, die dort, wo bei den Seglern die Mars war, jetzt ge panzerte Plattformen tragen. Hier finden die kleinkalibrigen HotchkißKanonen Aufstellung, mit Venen die

auf dem Deck des feindlichen SchiffeS kämpfenden Mannschaften von - oben herab mit Geschossen überschüttet werden. Texa s". Wie lustig sah es aus, wenn in dergangenen Zeiten das Commando Alle Mann aufentern" erscholl und in einem Hui die Raaen von flinken Gestalten wimmelten. Heute führt eine prosaische Wendeltreppe in dem hohlen Mast hinauf, dessen Wände die Aufenternden vor dem feindlichen Feuer fchützen. Dicht unter der untersten Plattform des Mastes steht auf der sogenannten Commandobrücke, alles übersehend und einen weiten Aus- und Rundblick gestattend, das Kartenhaus, das den Friedenssteuerapparat in sich birgt. Außer diesem besitzt die Texas" noch 5 andere Steuervorrichtungen. Wie das im Kartenhaus befindliche Steuer lediglich für Friedenszeiten und außerhalb des feindlichen Feuers gebraucht wird, so tritt daö im Gefechtsthurm stehende, auf den wir noch zu sprechen kommen, in Thätigkeit, sobald Klar zum Gefecht" gemacht worden ist. Der dritte Steuerapparat liegt im Batte-rie-Achterdeck, der vierte im Steuerräum. Alle diese werden mit Dampf gesteuert; außerdem sind noch znt Nothsteuer vorhanden, die mit derHand gelenkt werden. Selbstverständlich ist nur ein Steuer zur Zeit in Thätigkeit, und nur für den Fall, daß der eine oder andere Theil des Schiffes außer Gefecht Hesetzt werden sollte, sind vorsichtshalber mehrere Steuerapparate an verschiedenen Stellen angebracht. Wir betreten nun den Gefechtsthurm. Mehr denn je hängt heutzutage die Kampfkraft' des Schlachtschiffcs von einer einheitlichen Leitung ab. Das moderne Kriegsschiff ist ja eigrntuch nur eme große Maschine mit einem ziemlich verzwickitt? R'titatottt", das nur dann richtig funktioniren wird, wenn der Führer stets dafür sorgt, daß tTi Rad in das andere richtig' eingreift. Um dem Falle möglichst vorzubeugen, daß der erprobte Commandant, -in dessen Hand das Schicksal des Schifses und seiner Besatzung ruht, von dem feindlichen Blei getrosfen wild, hat man ihm einen festgepanzerten Thurm els Commandostelle im Gesecht angewiesen. Am Torpe dogeschütz. Einst, da der allmächtige Dampf sich noch nicht der Schisffahrt bemächtigt hatte, stand der Capitän im Gefechte hoch oben aus der Commandobrücke, in vollem Aegesichte seiner ihm zujubelnden blauen Jungens". Klar und deutlich ertönten seine Befehle über das Deck hm, einem Jeden ver ständlich. Wie ganz anders heute. Ungehöit, ungesehen, flieat von dem Gefechtsthurme. in dem der Commandant eingeschlossen ist. das Befehlswort mit Windeseile bis in die entferntesten und tiefsten Winkel des riesigen Baues. Der Commandant legt nur seine Llp pen an das in dem Thurme angebrachte Sprachrohr, entsendet seinen Veseh I und in wenigen Augenblicken geht in 1 derselben geheimnlßvollenz Wel.se ui

ihm die Meldung ein, daß Alles richtig ausgeführt - ist. ' ' " ' Daö Sprachroh? vom Gefechtsthurm läuft nur bis zur sogen. Centralstation, die sich auf dem Citadellendeck befindet und unter Commando eines Seekadetten steht. Hier laufen alle Sprachrohre aus den verschiedenen Theilen des Schiffes zusammen und können je nach Befehl mit einander oder mit dem Gefechtsthurm in Verbindung gebracht werden.

m)- Witf !

Geschoßaufzug für 12 Zoll Granaten. Um die Sprachrohre vor einer Verletzung durch Geschosse zu sichern, haben sie einen 12zölligen panzernen Schutz mantel erhalten. Wir durchschreiten den Maschinenräum, der sich im Wesentlichen nicht von einem jedem anderen auf gewöhnlichen Dampfern unterscheidet, und gelangen zu dem sogen. Compressionsräum, in dem die Lust für die Torpedos zusammengepreßt wird. Der für eine Torpedoladung in Anwendung ge brachte Atmospharendruck betragt für aewohnlich 1,390 Pfund auf den Qua dratzoll, doch läßt sich derselbe aus 2000 Pfund steigern. Die erstere Ladüng gibt dem Torpedo eine Flugweite von 800 Yards bei einer Geschwindigkeit von 32 Meilen in der Stunde. Weiter aelanaen wir in den Laderäum für unterseeische Minen; hier münden aus der Tiefe die Luken der Kammern, in denen Schießbaumwolle und Torpedozünde: lagern. Tiefer geht es hinab in den Bauch des Leviathan's. 20 Fuß unter dem Wasserspiegel liegt der Geschoßraum, in dem 8 Mann beschäftigt smd. Derselbe ist ein 6 Fuß breiter, 6z Fuß boher und 20Fuß langer stählerner Tunnel, dessen Wände, ebenso wie die daranstoßenden Magazine zur Vermeidung einer Explosion mit Holz vekieldet sind. Ein aroßer quadratlicher Schacht läuft von hier aus direkt nach den Panzerthürmen, in denen die 12 Zoll Geschütze stehen. In demselben bewegt sich ein Auszug, auf dem die Granate mittels einer Gleitbahn vom Magazw befördert wird. Geschoßaufzug für 6 Zoll Granaten. Das aanze Geschoß mit der inneren Sprengladung, seiner Länge von 34 Zoll und 11.96 Zoll Durchmesser wiegt nicht weniger als 850 Pfund. Rund um drn Geschoßraum liegen die Kessel, die, wenn in Thätigkeit, eine Temperatur von 130 Grad in dem Narnn verursachen. Doch die hier Beschäftigten sind an diese H'öllengluih gewöhnt und gehen unverdrossen, wenn auch im Schweiße ihres Angesichts, ihrer harten Arbeit nach. Nur matt fallt der elektrische . Schein durch die dichten Oberlichter und dumpf schlägt das Geräusch aus den anderen Räumen hier an's Ohr; wenn das Schiff im untersinken wäre, wurde man hiervon nichts eher wahrnehmen, als bis die Fluthen durch den Schacht eindrängen. . Wir steigen jetzt wieder an's Oberlicht, und sehen uns noch die verschieUv.tn Winden an, die die Geschosse aus der Tiefe hinaufbefördern. Diese liegen direkt über den Geschoßmagazinen; die größeren derselben werden mit Wasser oder Dampfkraft getrieben, die kleineren mit Handwinden m Bewegung gesetzt. Kühnes Lob. Herr Forsier, ist es wahr, daß Ihre Tochter so gut schießt?- O, die schießt beinahe so gut wie ich die reinste Wilhel m 'i n e Tell!" Kathederblüthe. Ein Professor kommt kauend in die Klasse. Diese erhebt sich pflichtschuldigst. .Bleiben Sie sitzen!" ruft er den Schu lern zu, ich bin noch nicht da ich frühstücke noch! Das Einfachste. Trink ! Bier, is mei Tod, meint der Arzt. Trink i kei Bier, is mei Tod, sell weiß i gewiß. Probir'n mer halt amal, ob der Doktor Recht hat." Erkannt. Herr (der ein Pferd leihen will): Wie rechnen Sie? Den ganzen Nachmittag, oder nur die Zeit, die ich ausbleibe?" Pferdeverleiher: Die Zeit, welche daS Pferd ausbleibt!" Nützliche Lehren. Tante: Nun gehst Du schon ein Vierteljahr zur Schule. -Da hast Du gewiß auch schon 'viel Nützliches gelernt." Willy: O gewiß. Fritz Borthe'rm hat mir schon gezeigt, wie man Vogelnestn auSnimmt!"

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Der kranke Mann. EhaoS herrscht am aoldenm Horn. Die Krebsschäden, an denen .das türkische Reich seit Jahren leidet, sind neuerdrngs m so acuter Weise zu Tage getreten, daß die .Mächte sich veranlagt sahen auf dem diplomatischem Wege und 'durch gen?alnge Mottendeinonstrationen zum Schutze der bedrängten ar 'menischen Christen ernzutretM. Der Sultan Abd-ul-Hamid scheint wohl den Willen 'zu Habens die verlangten NesoTmen emzufuhrew, allern? dreMacht, seinen Willen durchzuführen, hat er nicht. Seltsame Dinge dringen aus dem Innern der Sultansgemächer in die Welt; bald 'handlet es sich um Verschworungen, bald um Bestrasung der Verschwörer, ja 'der Telegraph meldet sogar die Vergiftung des Sultans, welche Kunde sich freilich nicht bestätrat?. Man wird aut thun, alle Nachrichten nicht durchweg als baare Münze zu nehmen. Die Lage des Sultans ist äußerst schwierig, denn umfangrerche Reformen führt man nirgendwo schwerer ein, als in der Türker, wo es zur Ueberlieferung, wenn nicht zur Religion gehört, daß der Muselmann zum Herrscher über die Rajah eingesetzt ist. die Alles von ihm em pfängt, so lange sie ihm gehorsam ist. An diese? Ueberlieferung rütteln, indem man die Rajah auf eigene Füße .stellt, ih? neben 'den Pflichten auch Rechte verleiht, schließt immer einen Angriff auf die Gefühle der .streitbaren muselmannrschen Welt rn sich. Als Abd-ul-Hamid n., welcher am 2L September 1842 als der zweite Sohn des Sult-ans Abd-ulMerschid qeboren ist, am 31. August 1876 als 34. Sultan der Osmanrden seinem Bruder Murad V. m der Regierung folgte, war d Laige des Reiches überaus mlßlch, denn d Credit war ver Abd-nl-Ham-id II. nich!et, in Bulgarien und 'der Herzego wrna tobte ein Aufstand, Serbien sowie Montenegro hatten, den Kneg begon nen und Rußland stand im Begriff, einen vernichtendnen Schlag gegen die Pforte zu führen. Der Sultan versuchte vergeblich, Rußland vom Kriege abzuhalten,. indem er durch Ertheilung der Berfassungn der unterdruckten Ra jah gleiche Rechte mit den Mohammedauern verlieh. Rußland überzog das otw manische Reich mit Krieg, .der vom 24. April 1877 bis 3. März 1873 währte und mit der Niederlage der Türken endete. Durch 'den Frieden von San Stefano machte sich Rußland zum Herrn auf der Balkan-Halbinfel und der Pforte wurde nur eine Schattenexistenz gelassen, allein dieser Friede erregte die Besorgniß der Mächte, besonders Englands. Der Friedensdertraa wurde dem Berliner Con greß,- lder am 13. Juni 1878 usammentrat, vorgelegt. Nach langen Ver handlungen kamen die Vertreter der Mächte dahin überein, daß Rumänien, Serbien? und Montenegro für unab hängig, Bulgarien zu einem autonomen 'tributpflichtigen Fürstentum erklärt und die von einem christlichen StattWalter zu rrgierende Provinz Ost-Ru-melien geschaffen wurde. Oesterreich erhielt den Auftrag, Bosnien und die Herzegowina zu befetzen und zu ver walten; England wurde mit der Be schunq und Verwaltuna Eyperns. be traut und Rußland bekam die Äebiete von Kars, Ardahan sowie Baium. Dies waren nicht alle Heimsuchungen, welche daS ottoinanische Reich unter Abd-ul-Hamid II. befielen. Die Finanznoth und zahlreiche Aufstände in verschredenen Landestheilsn führte wiederholt zu heftigen! Krisen, doch zeigte seine Regierung stets eine fortschrittliche Tendenz, die namentlich in der Gründung von Schulen, dem Bau von Eisenbahnen, 'der Hebung des Verkehrs mit 'dem Westen und der Erschließung der alten EultuLländer Klein-Asiens zu Tage trat. s Immer Fachmann. Karlchen (Sohn eines Gymnasiallehrers): Papa, darf ich noch eine zweite Birne essen?" Vater: Neii mernZ Sohn; Obst ist stets. Singular." Unvollständ'Zg. Eine Empfehlung vom Herm Sergeant' und er könnt' den Liebesbriefstellei nicht gebrauchen!- Warum denn nicht?" .Weil i? d'rin steht von Würst' und Schinkens -

Der Züolkenkmrort Eals. Vom freundlichen St. Gallen führt

eine Straßenbahn an den industriereichen Orten Teufen und Wühler vorbei in das schöne Appenzeller Bergländchen. Namentlich zur Zeit der Mol kenkur, wenn die Fremden aus allen Gegenden hier zusammenströmen, herrscht ein lebhafter Verkehr. Ein freundlicher Empfang ist jedem Besucher sicher, nur glaube man ja nicht, daß hier befrackte Kellner und uniformirte Qedienstete aufwarten, denn fashionable ist's hier nicht. Ein fach wie das Land und seine Bewohner sind auch die Sitten. Selbst die Kureinrichtungen bleiben bescheiden, wenn auch für ein gemüthliches und dabei behagliches Unterkommen gesorgt ist. Obschon die Molkenanstalten in Hel den. Gontenbad und Weißbad bei Appenzell ebenfalls fleißig benutzt werden, so gebührt doch Gais der Vorrang als ältester Kurort, da derselbe schon seit dem Jahre 1749 besteht. iMll Ansicht von Gais. Bevor wir uns im Kurgarten" die ausZiegenmilch entstandene Mölke vor setzen lassen, wollen wir uns ein wenig n der Sennhütte umsehen, :n der die ser Trunk bereitet wird. Der von den munteren Ziegen abgegebene Tribut wird in den Mllchkessel gebracht und hier gekocht, dann durch Labmagen", welcher rn ein Leinensackchen eingebun den ist, zum Gerinnen gebracht. Durch Umrühren der Milch während des Kochens entkäset sich dieselbe,man kocht sie dann nochmals und füllt dann den Zieger durch Abschrecken mit kaltem Wasser heraus. Jener .Labmagen besteht aus Vormagen der Ziegen, des sen Pepsin enthaltende Schleimhaut die Eigenthümlichkeit besitzt, den Kase Kochen und Entkäsen der Milch. sioff gerinnen zu machen. Man hat auch eine andere Methode zur Herstel lung der Molken, indem man z. B. die Milch langsam gerinnen läßt, nachdem ' zuvor ein Theil bei Seite gesetzt wurde; de$ geronnene Käse wird dann vom Senne herausgeschöpft und geknetet; zu der übrig bleibenden Flüssigkeit (Käsemilch) wird die vorhin bei Seite gesetzte Milchportion wieder zugegeben und fällt dann den noch vorhandenen Käfestoff (Zieger) mit vorräthiger, sauer gewordener Mölke (Snur). Die noch warmen Molken Transport der warmen Molle. werden in der Nacht oder am frühen Morgen vor Sonnenaufgang in fest verschlossenen .Tansen" (auch .Bränten" genannt) von den Sennen auf dem Rücken in die verschiedenen Kurorte getragen. Da die Mölke warm genossen wird, so stellt man die Gesäße in heißes Wasser. Die Kurgäste stellen sich dann zahlreich ein; unter zwanglosem Plaudern nimmt man sein Glas Mölke entgegen, das eine schöne, junge Appenzellerin' ' in Landestracht credenzt. Zumeist wird die Mölke gegen Reizzustände der AthmungZJmKurgarten. schleimhäute, gegen HalS-, Kehl- und Bronchialkatarrhe, Keuchhusten und Asthma angewendet, auch btx Flechten dystrasie und chronischen Hluiaus

Mägen bringt sie aroßen Nutzen, in-

foem die mit der Mölke verbundene Diät als Entziehungskur wirkt. F!e!ßiges. Spazierengehen und Touren in der herrlichen Umgebuna machen es möglich, daß auch der griesgrämige. ubergelaunte Gast wieder rt bessere Stimmung kommt und nach Beend:aunq der Kur wird ihm der Aufenthalt im Appenzeller Land eine liebe Erinierung gcwayren Die Karola.Vrücke in Treöde. Äu . den reizvollsten Brücken Deutschlands gehört seit einiger Zeit die 'neue 5Idoruae Dresdens, dre Karola - Brücke, die vierte, weläe das breite Bett is Elbstromes überspannt; eine sünfte, die Eisenbahnzwecken dienen soll, erbebt sich schon allmälia vom Veite des Stromes empor. Die neue 'Karola - Brücke, welche nur mit drei Boaen von ErsenconstructwN! den Stromlauf übersetzt, während z. A. die alte. soaenannte Auaustus Brücke, 'deren vierzehn ausweist, ist an sich schon em stattliches Werk moderner Technik. Schlank und schmal stehen die Sandsteinpfeiler im Wasser, granitene Widerlager sind in den Sandstein bau eingelegt, auf welchen die Ersenconstruction der drei Bogen ruht, über die granitene Fußsteige und die asphaltirte Fahrstraße laufen. Sehr origiinell sind die Zufahrten zur Brücke, elegante Sandsteinwölbungen, die aber nicht in einer geraden Linie zur Wasserspannung heranlaufen, sondern ein leichtes Zickzack bilden, indem sie vor der Vrühl'schen Terrasse auf Altstädte? Seite vor dem neuen Finanzpalast ewe Ansicht der Brücke. Ecke mit dem Brückenkopf bilden. In ihrer constructiven Anordnung und Ausführung ist dicfe Brücke ein Werk des königl. sächs. Bauraths Vilette, das Verdienst der reizvollen Gliederung im Einzelnen und deZ ganzen architekto-nisch-östhetischen Aufbaues aber gebührt dem jungen Architekten BastrrickCorreno, einem Baukünstler der Wiener Schule und Schüler Hafenauers. Von ganz außerordentlicher Schönheit aber ist der Blick, den man von der Höhe dieser Brücke selbst auf das umgebende Dresden mit seinen monumentalen Bauwerken genießt. Die Verkürzungen und Perspektiven, in denen man von hier die Terrasse mit der Kunstakademie, die katholische Hoskirche sowie, die gewaltige Kuppel der Frauenkirche. die Sempersche Galerie und das Hofopernhaus sieht, ergeben das schönsie, architektonische interessanteste Städtebild, das Deutschland zur Zeit aufweist und mit dem landschaftlichen Hintergrund dazu eines der schönsten Städtcbilder der Welt überhaupt. Amüsante Wissenschaft. Rücke einen Schemel gegen die Wand, stelle dich davor,, so daß deine Entfernung von der Wand doppelt so groß ist als der' Schemel breit, bücke dich und fasse den Schemel zu beiden Seiten und stemme dann den Kopf gegen die Wand. Hierauf hebe den Schemel empor und versuche dich aufzurichten. Den Kopf an die Wand. Hast du gewettet, das Stück fertig zu bringen, so wird es ein Gelächter geben, denn trotz aller Anstrengung wird es dir nicht gelingen. Warum? Weil jetzt der Schwerpunkt deines Körpers so weit nach vorn verlegt ist daß die Kraft deines Rückens und dei. ner Beine nicht hinreicht, die Last zu überwinden. Ja manche werden nicht im Stande sein, sich aufzurichten, wenn sie den Schemel niedersel5en. Einst und jetzt. Was weint Ihr an ihrem Sarge? Sie schläft so selig wie nie; Es lächelt aus ihren Zügen Des Friedens Harmonie. Wie doch die Zeiten sich ändern! Wer hätte das gedacht? Einst weinte sie viel Thränen Ihr habt dazu gelacht. AusdemLeben. . Ich habe die Menschen studirt. Ihr fragt, wie ich sie fand? Die Meisten interessirt, Die Wenigsten interessant. -r- Glück beim Unglück. Madame: JD, Vridget. Du hast diese prachtvolle japanische Vase zerbrochzn.Vridget: .Ja. Madame, es ist, mi gut, daß sie leer war.-

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