Indiana Tribüne, Volume 19, Number 74, Indianapolis, Marion County, 1 December 1895 — Page 6

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Der rusflsch-türkische Krieg war be endet und Literaten wie Künstler Nußlnds begannen aus dem unzeheurcn Reservoir von dramatischen B:z:öenSeiten aller Art. als welches ein Krieg sich darstellt, die Stoffe für ihre Schöpfunzen herauszugreifen. Manche dieser Darstellungen haben Weltruhm erreicht, wie beispielsweise die ge.-r.al-ten Schlachtfeldgreuel Wereschagin's; andere auf schlechtem Papier zur Massenverbreitung im Volke bestimmt sind nur im Innern des ungeheurcn Russenreiches bekannt geworren. Zu diesen be'che dn:r:n Kunstwerken gehörte zu jcn:r Zeit auch oie V'gette einer Broschüre über den Krieg: da sah man einen schwerverletzten Soldaten und üö:r ihn beugt sich liebevoll eine Frau, die seine Wunden verb?nbet... Gewiß, ein sehr abz:ö?auch!es Motiv, aber es scheint, daß gerade solche einfache, leicht verständliche Symbole der Kunst die größte Wir Jung erzielen; &:i dieser Vignette wir dies wenigstens der Fll und oi: Saat, welche der Zeichner jenes Bildchens, dielleicht sich selbst unbttDußi, gestreut, wird jetzt nach so vielen Jahren cmporsprießen als eine schöne Fruckt ter Nächstenliebe, und dazu in einem Lande, dem das Schicksal seit JahrHunderten und bis in diese letzien Taze arg genug mitgespielt. Wie dies gekommen, klingt wie ein Märchen fest: einem achtjährigen Prinzeßchen fiel das Bild in die Sande und dieses Fl:rstenklnd eines unglücklichen Volke beschloß, eine Samariterin zu werden, gleich jener Frau, die aus dem'Stlzlachtfelde den russischen Krieger verband. Wenig mehr als anderthalb Jahrzehnte sind verflossen und das tUüt Pri'nzeßchen von dazumal schickt sich an, das erste armenische Spital in ihrer Hkirath zu gründen. Diese Dame ist Fräulein Dr. M. Melik Beglarion und sie entstammt cirer Fürstenfamilie Armeniens. Ein uralter armenischer Fürstentitcl, si.ro ßes Vermögen und persönlicher Lieb reiz schienen ihr nicht genug, um das Leben einer Frau ganz auszufüllen, ihr gelüstete es nach Vollführung von Männerwer!". In ihrem Helmathsdorfe Talisch, in dem Khanthum Karaöach am Süoabhange des Kaukasus, sah die kliine Fürstentcchter oas eben beschriebene Bildchen aus dem Kriege. Die Elt:rn legten dem Dränge d:r Tochter nach höherer Bildung nichts in den Weg. und nachdem sie, wi: es bei reichen Armeniern Sitte, gründlichste Vorbildung durch armenise und französische Hofmeister erhalten, wurde sie, vierzehn Jahre alt, in das Mädchengymnasium in 2;f;3 geschieh. Nach Ablegung des Diplomexamens" dieses genügt, um Lehrerin an einem Madchengymnasium in Tiflis zu werden , wandte sich Fräulein Melik Veglarion, von ihrer Mutter begleitet, nach Bern und Zürich, um Medicin zu studiren, und sie war die erste Armenierin, welche den medicinischen Doctorgrad erlangte. In Astrachan vrakticirt zwar bereits ein Fräulein Dr. Kalantarjans, aber sie stammt nicht auö Armenien, sondern aus einer der vielen in Rußland versprengten armcnischen Colonien. Schon während ihrer Studien, in den Ferien ccs Jahres 1892. war die junge Medicinerin als Coleraarzt in ihrer Heirnath thätig und sie zeigte dabei jene Aufopferung und Unerschrockenhe'.t, welche das russische Ministerium des Innern in einem amtlichen Berichte den Cyoleraärztinnen nachgerühmt hat. Sie war die einzige, mesicinisch gebildete Person jener Gegend und ihre Thätigkeit erstreckte sich weit über den Umkreis der 36 Dörfer" so frißt im benachbarten Persien der Lesitz der Melik (Fürsten) Beglarion; und dieses Territorium hat mehr als 10.000 Einwohner. Einer gleich gcofern Praxis erfreute sich die Prinzessin mit dem Doctorhut. als sie nach ihrer Promotion Heuer sieben Monate lang in der Heimath weilte: 24 Wegstunden weit kamen b:e Kranken, es gab Tage mit 70. keinen Tag unter 13 Patienten. Die letzten drei Monate verbrachte sie als Assistentin von Frau Dr. Rosa Kerschbaumer, welche eine Heilanstalt für Augenkranke in Salzbürg leitet. Und nunmehr kehrt die junge Aerztin nach Armenien zurück, um dort aus eigenen Mitteln ein crmenisches Spital, das erste In ihrer Heimath, zu errichten. In Tiflis cU hm prakticiren zur Zeit übrigens neun russische Aerztinnen, die auch Mitglieder der kaiserlichen Gesellschaft der Aerzte-Abtheilung Kaukasus sind. Aus der Schule. .Lehrer: Wer weiß noch die Geschichte von Daniel in der Löwengrube? Pepi, paß' auf! Wonach habe ich gefragt? Pepi: Nach dem Daniel in der Löwenbrauerei! Vor Gericht. Nichter: Zeuge, was sind Sie für ein Lands-, mann? Zeuge: Ich bin Berliner. Richter: Und Ihre Beschäftigung? Zeuge: Ich bin französischer Koch! A ch s o! Ich habe heute mal meine Garderobe aufgeräumt, alle meine alten Sachen habe ich verkauft. Du glücklicher Mensch! Nun, so thue Du es doch auch! Das kann ia) nur mcht. Warum denn nicht? Ich habe keine! Gewohnheitsfrage. Freier (Stammgast): ...Herr Wirth, ich mochte Sie um die Hand einer Ih -rer Töchter bitten!" Gastwirth: Hell oder dunkel?" Genau. Bräutigam (dem die Mitaist seinerBraut ausbezahlt wird): Bitte, es fehlen noch 10 Mark!" Schwreaervater: Wie tjarnt! X:t 10 Mark hat meine Tochter schon! Die

$at sie als lleineZ Kind verschluckt!"

Die l)0l!Men ZZerren vom jlljein Sie zählen von Alters her zur hochsten Aristokratie, die hochedlen Herren vom Rhein. Es ist in. uraltes Geschlecht vom Stamme derer von Riesling; wie lange sie schon am sonnigen Nheinufer sitzen, das weiß man nicht genau, denn auch die gelehrtesten Chronisten sind sich darüber nicht recht einig. Wie das so mit uralten Geschlechtern geht, ist die Sippe im Laufe der JahrHunderte schier riesengroß geworden; wenn sie ab und zu an einem Familientage zusammenkommen man sagt, im altehrwürdigen Rathskeller zu Bremen fänden dann und wann solche Tagungen statt stellen sich Vettern und Basen ein vom ganzen Rheinlauf, von

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.,-5-5 IKm. Schloß Johannisberg. Basel bis zum Siebengebirge. Sie alle sind ungemein 11013 aus oie Zugehörigkeit zur alten Sippschast und sie beanspruchen alle ihren Theil von dem jährlichen Segen Kaiser Karl's Bei Rüdesheim, da funkelt der Mond in's Wasser hinein Und baut eine goldene Brücke wohl über'n grünen Rhein; Der Kaiser geht hinüber und schreitet langsam fort Und segnet längst dem Strome die Reden an jedem Ort." Das bat ihnen Emanuel Geibel ausdrückl'.y listätigt, und es ist ganz unleugbar, daß er einiges von der Genealogie dieser Sippe verstand. Bei allem schuldigen Respect vor den edlen Herren muß man aber doch zugeben, daß sie nur zum kleinen Theil wirklich zum hohen Adel gehören; es gibt in dem Geschlecht fürstliche Häuser. erlauchte gräfliche Zweige, freiherrliche Zweiglein und einfache Herren von von"; es gibt leider sogar C a p i t e l s a a l von Erbach. auch wer wollte es leugnen? eine gar nicht so kleine Anzahl abgefallener Glieder, bitterböser Gesellen. Das Volk am Rhein kennt diese schlimmen Ritter von der traurigen Gestalt sehr wohl. Rambaß" oder Flöhpeter, Saurach oder Rachenputzer, auch Flickschneide? nennt es sie, und, wenn sie gar zu arg sich mausig machen, ingrimmig gar: Garibaldi. Wir haben es hier nur mit dem wirklichen hohen Adel zu thun: mit den edelsten Gewächsen, den Hochgewächsen des Rheingaues selbst. Groß ist das Areal nicht, auf dem sie gedeihen. Die ganze Weinbaufläche des Rheingaues des kleinen Gebiets am rechten Rheinufer von Viebrich etwa bis Caub sie umfaßt nur 1783 Hektar, etwa 4297 Acres. Aber auf diesem Areal liegt Schloß Johannisberg, liegt der Sternberg, liegt Schloß Vollrads, liegen, um nur die ersten Namen zu nnenen, die Gemarkungen von Eroach mit dem Markobrunn, von Rauenthal, von RUdesheim. von Geisenheim, von Aßmannshausen! Gesegnet sei der Rhein! JnderKeltereivonErbach. Hoch ragt über den Rheingau das Schloß Johannisberg auf seinem mit Reben bedeckten Vorbera. in uner knavpen halben Stunde von Geisenheim zu erreichen. Unschön ist der mächtige Bau. aber wunderbar ist seine Lage; nicht nur wegen des freien weiten Blickes über die grünen Rebengelände und den ichimmernden Strom, sondern aerade auch als Weingut. Hier vereinizt sich alles das. was das Rbeinland zum ersten Weinland Europas gemacht hat. Der eisenhaltige Thonboden, der Schuk durch die rückwärtigen QöbenZüge des Taunus, die Feuchtigkeit der Atmosphäre und jene eigenthümliche, die Sonnenstrahlen reslectirende Kraft, die man sicher nicht mit Unrecht dem breiten ispiegel des Nheinstromes zu mißt. Ein kluger Kirchenfürst war es, Herr Rutharo, Erzbischof von Main,, der 1106 dort oben auf der damals öden kahlen Höhe Benediktiner ansiedelte. Als sich dann sein Schwager, der 'tyeingraf vtlcyois, von einer Kreuz fahrt beimaekebrt. einiae kleine antiie mitische Scherze im goldenen Mainz zu Schulden kommen ließ, und als sich die Juden, als des Kaisers allzeit getreue Kammerknechte, über den losen Grafen besserten, schenkte er zur Buße den

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Mönchen auf dem Bischafsberge so hieß bisher der Klosterhügel große Ländereien; und weil die Greuelthaten an den kaiserlichen Schutzjuden gerade am Johannistag geschehen waren, so wurde auf sein Begehr der Name des Klosters in Johannisberg umgetauft. Die Mönche aber wurden bald die trefflichsten Winzer und Kellermeister

weit und breit. Sie erfreuten sich ihrer Herrschaft bis zum Jahre 1716, in welchem das Kloster aufgelöst wurde, Nachdem die Gebäude schon im dreißigjährigen Kriege zerstört waren. Der Berg mit fernen: Wunderreben' ging dann in den Besitz des Fürstabtes von Fulda über und hat seitdem den Herren wiederholt gewechselt; der heutige lr.genthumer von Schloß Johannis berg ist der Fürst v. Metternich. Für die Pflege der Reben und der Kellereien hat die Mettermchsche Verwaltung mustergiltig gesorgt, ja sie ist dadurch, daß sie ihre Edelweine zuerst in Originalfüllungen abgab, bahnbrechend für den Betrieb aus den anderen großen Weingütern des Rheingaues geworden. Es sind kostbare Tropflern, jene Cabl nettsmeine aus den Metternich'schc Kellereien. Gährkeller in Hattenheim. Schloß Johannisberg verfügt über etwa 23.93 Hektar Weinberge und es producirte im Durchschnitt von vierzig Jahren jährlich ungefähr fünfunddreißig Stuck Wein. Davon geht zunächst der Zehnte an den kaiserlichen Hos ab; das alleredelste Gewächs reservirt der Fürst für den flaschenweisen Verkauf als Cabinettswein. Der größte Theil wird in öffentlicher Auctwn verkauft. Uebngens ist Fürst Metternich denn doch nicht der Alleinherrscher von Johannisberg. Im ziemlich weiten Umkreis um den Schloßberg finden sich auch andere Rebenhänge, die gar vorzllgliche Tropfen liefern. Reben dem .Dors Johannisberg", dessen Wemberge sich rn verschiedenen Handen befinden, :ft da vor Allem auch der Wein von der Klause", ein flachlieaender Weingarten zwischer? (öeisenheim und dem Schloß, zu nennen, von dem der lobesame Klaus - Johannisberger herstammt. Ist der Schloßwein der Kömg, so sind die übrigen Johannisberger mindestens nicht gering: Vasallen. Oberhalb Htenheim 'dehnt sich der Steinberq. Es ilt ein mauerumschlos senes Gebiet von etwa 25,9 Hektaren, gleich dem Johannisberg am sanften Hange gelagert. Auch hier waren es Mönche, welche mit fernem Verständniß die ausgezeichnete Lage des Sternberges herausfanden und auf ihm zuerst Villa Schönborn. Reben bauten. Dem Laien scheint's fast wie ein Wunder: rechts und links vom Steinberg und unmittelbar an ihn grenzend liegen andere Rebengelände, deren Lage scheinbar ganz die gleich günstige ist und doch ist die Crescenz eine grundverschiedene. Wie eine gebenedeite Insel ist der Stelnberg :n seine Umgebung eingesprengt, aber auch innerhalb seiner Umfriedung selbst gibt es verscheedene Lagen; als die besten gelten der goldene Becher", der Rosengarten und das Zehntstuck . - Drüben tn Johanmsbera waren die fleißigen Benedictl'ütr, hier die klugen Cisterzienser die ersten Winzer. Ganz nahe dem Stelnberg hatten sie sich angesiedelt und das prachtige Kloster Eberbach erbaut. Der heilige Bernhard von Clairvaur gründete 1123 die Abtei, wobei ihm der Sage trnch ein Eber daher der Name den Grundriß des Baus mit dem Rüssel im Waldboden vorgezeichnet haben soll. Die Abtei Ebersbach gedieh, vielleicht nicht zuletzt durch den ausgedehnten Weinhandel, welchen die Cisterzienser schon im Mittelalter trieben. Hatten sie doch ihre eigenen, Scvlsfe. die, mit din Erzeugnissen ihrer Kellereien befrachtet, den Rhein abwärts bis in die Niederlande gingen und von denen das mächtigste als die Ebersbacher Sau weit und breit bekannt war. Siebenhundert Jahre hindurch, durch gute und bose Zelten, bestand d:e Abtei, bis sie 1802 säcularisirt wurde und dem nassauischen FiskuS anheimfiel, von dem sie 1866 an Preußen übericrKÄ - . K -n? r;"! trnwfiz Q fcs fi- . Mim-t. r?- tf W . 555M5.i?55 sii " V.IClSil Schloß Vollrads. ging. f?in aroker des 5ifrrTtsfin Baus dient heute als (öefänaniß: die schönsten Räume aber sind der könig1 1 rt "T"rtm t M shftVw. Ytlt X C m l 1 iluCU yuuiuuivuivuuuii UUCliUlt: sen worden, die hier ihre Weine lagert

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T, Innirtlim TVimnn h,nt 4.iynv vinuiiv uut( lUlt ?.rär- -.1 . v V v?' VU3 heißt, sie bentzt m fast allen Gemarkungen vorzugliche Lagen. Die Krone

räc r 7 ;" n 'T.' I ,v " I"". uui viiuauj oas ÄZa -man orn Rhein sagt, die unstreitig beste s, für Hattenheim den Wein! mrnfrtrf rtrn rinnim WfitnArtit Z I c . ri et ... cm

ist der Steinöerg; aber neben ihm müssen die Domänenweine von Nero-

ber bei Wiesbaden, von Hochheim, von Hattenhem, Manoorunn, (Ärafenberg, von Rudsheim und ÄßmannsHaufen rühmend genannt werden. Es sind im Ganzen 76,5 Hektare, die zur Domäne gehören. Johannisberger Sieinberger! Weib Hochedler Herr ist 'diesen beiden Herrschern m Rang und Wurden an zureihen? Theil vom altn Rüdesheim. Die ??raae ist äußerst schwer, vielleicht mit Bestimmtheit gar nicht zu beantworten. Hier entscheidet persönlicher Geschmack, ein wenig zudem wohl die Mode des.Tages. Auch sind die Jahrgänge maßgebend, -denn selbst in den . rm . i;n gelegneren Weiniaoren reisi oie Traube keineswegs an allen Rebenhänqen des Rheingaues gleich gut. 0 schoß, um nur ein Beispiel anzuführen. im Jahre 1833 Rudesheim weitaus oie Krone ab. Man pflegt heute im Allgemeinen den Rauenthaler als das drittedelste Hochgewächs zu klassificiren. Mag er darum auch hier, diese Stellung einnehmen, die besonders einzelne Lagen: Gehren. Wieshell, Rothenberg. Langenstück, Hühnerberg. Pfasfenberg, Nonnenberg, Alzern etc. zukommt. Der Rauenthaler hat sich erst allmaZig zu dem Ehrenplatze, emporgerungen, den er heute einnimmt. Vor einem halben Jahrhundert noch rangirte er unter Alte Burg (Eltville). den Weinen dritter Klasse, aber sorgsame Pflege und verständnißvolle BeHandlung haben ihm mehr und mehr zur Würdigung verholfen. Daß dem so ist. verdankt Rauenthal nicht zuletzt dem alten Procurator , 'der die schonsten Lagen :n der ziemlich weit vom Rhein, an der Straße von Walluf nach Schwalbach gelegenen, 85 Hektar großen Gemarkung besitzt. Man kann heute nicht über dieWeine des Rheingaus schreiben, ohne des alten Procurators", wie der Dr. jur. August Wilhelmj im Rheingau allgemein genannt w:rd, zu gedenken. Etwa vom Jahre 1857 an hat er neben seinem iuristischen Berufe, dem er den nassauischen Titel Procurator verdankt, mit unermüdlichem Eifer und vor Allem mit dem feinsten Verständniß für den Weinbau de5 Rheingaus gewirkt. Zunächst legte er seine berühmte Sammlung edelster Hochgewüchse nur aus Liebe zur Sache an: dann kaufte er bei sich damals noch leichter als heute bietender günstiger Gelegenheit ein Stück Weingut nach dem anderen an und wußte durch seine vortreffliche Kellerbehandlung ausgezeichnete, oft ganz ungeahnte Erfolge zu erzielen. Aus dem, Liebhaber und feinen Kenner wurde allmälig ein vortrefflicher Geschäftsmann, der schon Anfangs der siebziger Jahre über eine der besten Weinkarten des ganzen Rheingaus verfügte und nicht seltener der Weinkönig genannt wurde, denn sein Sohn, der berühmte Violinsvieler. der Gergerkönig. Brentano'sches Haus. Markoörunn ist eine Weinbergslage zwischen Erbach und Hattenheim uno trägt seinen Namen von einem Brunnen. der gerade an der Grenze beider Feldmarken steht, aber noch zu Erbach gehört. Die Erbacher haben ihn einst, stolz darauf, daß Markobrunn damit gewissermaßen ihnen zugesprochen ist, mit der Inschrift versehen: Markobrunn Gemeinde Erbach." Das nahmen jedoch die Hattenheimer krumm und flugs rächten sie sich durch die von echt rheinländischem Humor zeugende bissige Inschrift: So ist es recht und r- r,rr m?. r.: . :: rccjc. -o cm.r I -yic vilcn, agen .von carroorunn sind im Besitz der königlichen Domäne nd des Grafen Schonfant; eines der

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großen Weinfursten' des Rheingaus, der von Lorch bis Hochheim begütert ist. Der üblichen Klassificirung nach müßte jetzt wohl Rlldesheim genannt werden. Aber der vielbesungen: Rüdesheimer wird verzeihen, wenn vor ihm zwei weniger bekannte Größen eingeschoben werden: der Gräfenberger nämlich zuerst, der bei Kiedrich auf einem ganz kleinen Gebiete wächst, von dem der größte Theil der königlichen Domäne gehört; vielleicht bekommen die Leser Achtung vor diesem Wein, wenn sie erfahren, daß z. B. am 29. Mai 1888 auf öffentlicher Versteigerung in Kloster Eberbach für rund 575 Liter 1868er Gräftnberger der Betrag von 12.510 Mark erlöst wurde! Zu zweit ist zu nennen Schloß Vollradser von jenen köstlichen Nebenhängen, die sich um das schöne Schloß des Grafen Matuschka scharen, das in einer Senkung unweit von Schloß Johannisberg e:ngebettet liegt. Nun aber zu Rüdesheim. Der alte Fischart sang: Dort unlen an dem Rheine, da ist ein Berg bekannt. Der trägt ein gute Weine, Rüdesheimer genannt Der hat ein geistlich Art an sich, macht äußerlich und innerlich!" und wie -vor Fahrhunderten ist heute noch das feurige Gold von Rüdesheim berühmt und allbeliebt. Rüdesheim ist die größte Gemarkung im Rheingau und wohl auch die ertragreichste; über 200 Hektare sind hier mit Reben bepflanzt, von denen fast die Hälfte auf die Terrassen des Berges", des südlichsten 'Hanges des denkmalgekrönten Niederwaldes entfällt. Außer dem Berge sind Hinterhaus, Rattland, Brunnen. Burgweg, Roseneck, Stumpfenort, Pares, Bischofsberg als beste Lagen zu nennen. Vielverzweigt ist der Besitz: die königliche Domäne, die Weinfürsten" Graf Jngelheim und Freiherr von Zwierlein, Wilhelms und nicht zuletzt der große Rüdesheimer Weinhändler Baptist Sturm, dessen Kellereien nach 'denen der Actiengesellschaft Wilhelmj wohl dn bedeutendsten des Rheingaus sind, haben an der Gemarkung hervorragenden Antheil.

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Am N;?sberge. Welch' ein gesegnetes Fleckchen Erde dort von dem langgestreckten Dorfe Winkel, in dem einst Altmeister Goethe im gastlichen BrentäNlschen Hause schöne Tage verlebte, über' Geisenheim, dem wie in einem einzigen -Garten gebetteten, bis nach Rüdesheim hinab! Sind es auch nicht Hochgewächse im allerengsten Sinne, die Winkler und Geisenheimer, so zählen sie doch zu den edelsten 'Weinen des Rheingaus; wer den Geisenheimer Rothenberg und Kapellengarten, wer den Winkler Hasensprung und Dachsberg nicht zu schätzen weiß, der sollte lieber seine Zunge ganz vom Rheinweinrömer fern lassen. Man thut überhaupt gut, sich zu gewöhnen, von Eabinettsweinen abgesehen, nicht allzu ausschließlich nach den berühmten Namen zu schätzen und zu kaufen? es gibt im Rheingau so mancherlei Gewächse. die höhere Ehren verdienen, als ihnen heute noch nach der landläufigen Werthmessung des großen Publikums zu Theil werden. Da ist, um nur einiges einzuschalten, der Hallgartner Schönhelle, da ist der Hattenheimer Nußbrunnen, da ist der Erbacher Siegelsberg und der Eltviller Taubenberg, da ist endlich, freilich nicht mehr streng genommen zum Rheingau gehörig, Hochheim mit seinen wundervollen Lagen: der Domdechaney, dem Kirchenstück. dem Nauchloch, dem Stielwez unö dem Victoriaberg Du duftest Balfam, wie mit der Abendluft Der Würze Blume an dem Gestade dampft, Du bist es würdig, daß du den deutschen Geist Nachahmst, bist glühend, nicht aufflammend " sang schon Klopstock von 'dem Hochheimer Gold. Da ist endlich auch, ein Schooßkind der preußischen Domänenverwaltung, der Neroberger aus der unmittelbarsten Umgebung des Weltbades Wresbaden. Und nun noch einmal rheinabwärts, um den letzten der wirklichen Hochedlen Herren an Ort und Stelle kennen zu lernen, den köstlichen Rothen von Aßmannshausen, den edelsten Nothwein, der überhaupt in deutschen Gauen wächst. Aus einem Rebsatz von blauen Vurgundertrauben gezogen Klebroth sagt der Rheinländer vereint der Aßmannshauser den Rhernweincharakter in ganz merkwürdige: Weise mit dem des Ehamöertin: er ist voll und kräftig, von einem leichten Mandelgeschmack. Auf den Hängen des Höllenberges wächst er am Niederwald, und die best?n Lagen wetten als Hinterkirch, Eckersiein. Aulhauserberg. Steil und Frankenthal bezeichnet. Die ganze Gemarkung ist nicht groß, und ihr Erzeugniß ist in der Güte keineswegs gleich so ko:nmt es. daß so Mancher, der sonst eine feine Zunge sein nennt. Aßmannshauser getrunken hat und doch wenig gut auf das Gewächs zu sprechen ist. Der kleinste und beste Theil der Gemarkung ist im Besitz der königlichen Domäne. Das sind die Hochedlen Herren vom Rhein!

Der Tichtcr der Nationalhymne America.

Während er auf dem New England Depot in Boston die Ankunft eines Zuges erwartete, wurde der hochbetagte Dr. Samuel Francis Smith, der Dichter unserer Nationalhymne Ame rica" vom Schlage getroffen und wenige Minuten später war er eine Leiche. Der Verstorbene wurde am 21. October 1803 zu Boston geboren. Er graduirte 1832 auf dem theologischen Seminar zu Andover und war dann Geistlicher an verschiedenen Kirchen in Waterville, Me., und Newton, Mass. In ersterem Orte bekleidete er auch eine Zeit lang die Professur für moderne Sprachen an dem dortigen College, das ihm den Doctorgrad ira?. YCsft rjm Ji. ?V 2?r :;si il. .Xi' TK-f. ! .4 v'i' Dr. S. F. Smith. ertheilte. Von 187576 und 1880 82 besuchte er die wichtigsten Missionsstationen in Europa und Asien. Pastor Smith ist der Verfasser zahlreicher Missionsschriften und Hymnen. Von den letzteren ist die NationalHymne America" mit dem Anfang My coiintrj', ,rTis of Thee" am bekanntesten. Smith dichtete dieselbe als Student der Theologie und sie wurde zum ersten Mal am 4. Juli 1832 bei einer Kinderfeier in der Park Str. Kirche zu Boston gesungen. Dr. Smith beherrschte fünfzehn Sprachen und war auch der deutschen Sprache mächtig. Er übersetzte viele deutsche Gedichte für die Juvenile Lyre" und zahlreiche Artikel aus dem Eonversationslexikon für die ' Encyclopädia Americana". Die Unglückszahl. A. : Gestern ist mein dreizehntes Töchterchen angekommen!" B. : Dreizehn, das bedeutet Unglück... Gieb acht, da kommen noch mehr!" Sah nicht blos doppelt. Frau Kaudel: Wenn Du Dich so sehen könntest, wie ich Dich sehe. Du wurdest Augen machen, Du Saufaus! Herr Kaudel (stark angeraucht): Und ro wenn Du D Dich so sehen k könntest. N n natalchen, wie ich D Dich seh'. Du w würd'st noch mehr Augen machen. Anpreisung. Heirathsvermittler: Oder nehmen Sie lieber die kleine Bertha. die ist um 10.000 Mark mehr Engel als die Ella." Hyperbel. Hat Ihre Tochter denn eine kräftige Stimme?" Na, ich sag Ihnen, neulich hat sie sich drei Zahne wackelig gesungen." Kommt darauf an. A.: Sie sagen, das Pferd scheut vor Nichts. Kann meine Frau es reiten? B.: Das weiß ich nicht, ich habe Ihre Frau noch nicht gesehen!" Ueberraschender Schluß! Lehrer: Wenn eine senkrechte und eint wagerechte Linie in einem Punkt zusammenfließen, was bilden sie dann. Karlchen? Schüler: Einen Klex! EinneuerJammer. Jedesmal, wenn ich mit meiner Frau ausgehe, habe ich am andern Morgen Katzenjammer." O, das ist noch gar nichts, wenn ich mit meiner Frau aus gehe, so habe ich nachher einen ganzen Monat Kassenjammer! Fein unterschieden. Eine Hauswirthin überrascht ihren Miether, wie er gerade ihrer Tochter einen Kuß raubt. Nein, aber." sagt sie entrüstet zu dem scheinbar ohne Reue dastehenden Thät-r. ist das ein Benehmen! Wenn Sie sich nicht schämen, dann geniren Sie sich doch wenigstcns!" Gemüthlich. Sommerfrischler: Wenn es eine Rauferei gibt, dann wird bei Euch wohl gleich mit dem Messer zugestochen?" Bauer: Dös gibt's bei uns net! Wenn ma' mit Oan' Streit kriagt, nacha haut ma' eahm halt a' Tachtl aufi, oder a' Watsch'n abi, oder a' Maulschell'n eini, oder an' Steck'n , umi und nacha is's fcti!" ..

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Z-ischerstechen auf der Seine In Paris. In Frankreich liebt man die unter dem Namen Fischerstechen bekannte Ari von Volksbelustigungen besonders in Lyon, und von dort ist sie auch nach Paris verpflanzt worden, als man bei der Einführung der kleinen, Mouches (Fliegen) genannten Dampfboote für den Personenverkehr auf der Seine in nerhalb Paris gelegentlich der Ausstellung von 1867 beinahe das ganze Personal dafür von dort kommmen ließ. Seitdem hat auch Paris in jedem Sommer sein Fischerstechen. In der Nähe des Viadukts am Point-du-

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7&-A5Z: Kampfstechen. Jour werden oberhalb und unterhalb zwei eiyen der erwähnten BateaaxMouches in der Seine verankert, so daß eine Art Basin gebildet wird, in dem nun diese eigenartigen Kampfspiele vor sich gehen. Bei dem eigens lichen Kampfstechen stehen Theilnehmer auf einer Plattform im Hintertheile des Bootes, das von acht Matrosen mit einer Art von geraden Holzschaufeln sehr gewandt gerudert wird. Immer zwei Boote gehen aufeinander los; die Insassen des einen sind roth, die des anderen blau gekleidet. Jeder Kämpfer hat auf der Brust ein vier eckiges Holzschild, das in verschiedenfarbige Quadrate getheilt ist. Da5 Entenschwim en. Quadrat in der Mitte ist roth und muß im Vorbeifahren von dem Gegner mit der langen hölzernen Lanze getroffen werden, wenn er den Anderen in's, Wasser werfen will. Jeder andere Stoß kann leicht parirt werden, so daß die Lanze, ohne die gewünschte Wirkung zu erzielen, abgleitet. Nicht selten kommt es aber vor, daß beide Kämpfer, welche natürlich alle gewandte Schwimmer sein müssen, in's Wasser fallen. In diesem Falle geben sie sich in dem feuchten Element zum Zeichen der Versöhnung einen Kuß. Großen Jubel entfesselt jedesmal das Entenschwimmen. An ein?r langen Stange hängt über dem Wasser ein mit Enten gefüllter Käfig, an dem Feuer Werkskörper angebracht sind. Sobald sie entzündet werden, brennt der Faden durch, der den unteren Deckel des Vugsprietklettern. Käsigs festhält. Dieser klappt daher herunter, die Enten fallen in's Wasser und schwimmen nach allen Seiten davon. In diesem Augenblicke springen die Theilnehmer an dem Entenschwimmen in's Wasser und suchen die Thiere zu erHaschen. Bei dem Vugsprietklettern ist dieser in schrägerRichtung über das Vordertheil des Schiffes hinausragende Mast mit schwarzer Seise öestrichen und daher sehr schlüpfrig; an seinem Endpunkte ist eine kleine Fahne befestigt, die es herunterzuholen gilt. Für die verschiedenen Sieger sind prächtige Preise bestimmt, und nach Beendigung des Fischerstechens entwickelt sich am Ufer ein lustiges Volks. fest. .Seufzer. 1 i -," rs .VA P d Alte Jungfer (am Sticktisch; vor ihr ein Kalender): Wie doch die Zeit vergeht; vor vierzig Jahren war ich noch ein Mädchen und bin es noch! . Äu! A.: Das Zeichen auf Jh. rem Gesicht ist wohl ein Muttermal? B.: Nee aber ein Schwiegermutter mal. Selbstbewußt. Eommer zienräthin: ... Lieber. Felix, wir sollten uns eigentlich, statt unseres Alkenids. silbernes Besteck anschaffen!" Gatte: Aber. mein. Kind, wir sind doch so wohlhabend, .daß Niemand' zweifelt, daß mer hab'n silberneLl

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