Indiana Tribüne, Volume 19, Number 74, Indianapolis, Marion County, 1 December 1895 — Page 2

Zu festes Schnüren. " ,Die Jugend schmücket besser. aXi tia Gewand von Seide. Und Unschuld mehr, als lawj'fcer Eitelkeit," (Scnrnc). Die Vallfaifon sieht vor der Thüre nd da dürfte ein mahnende! Wort cm die tanzlustigen jungen Schönem Zvohl am Platze sein. Zwar wäre es höchst wahrscheinlich ein undankbares Beginnen, zu den Vackfischchen direkt sprechen zu wollen, denn nicht ein einziger dieser Schmetterlinge würde auf die Mahnung einer Fremden hin die Corsettschnüre um einen einzigen Zoll lockern. Aber die Müller sollten darauf sehen, daß das Töchterlein in Zugendlicher Geschmacksverirrung sich nicht bis Lur Gesundheitsschädlichkeit einschnüre. Es ist ein unglückliche Zusammentreffen, daß selbst Mädchen, die sonst mit dem Schnüren keinen Mißbrauch treiben, sich aber, um auf den Ball zu gehen, ein bis drei Zoll enger einzuzwängen suchen gerade da, wo es eher nöthig wäre, das Gegentheil zu thun. Man nennt das. seine Figur verbessern", bis heute hat ber noch Niemand ergründen können, wer eigentlich diese Liebesmüh' gebüh ?end anerkennt. Die Mädchen und Frauen aus dem Balle wissen sämmt lieb, daß die sogenannte Wespenjaille" ihrer Eiqenthümerin den ganzen Genuß vergällt, weil sie auf Kosten don bereu Behaglichkeit hergestellt wurde, und die Männer sind von den allzu ätherischen Wesen durchaus nicht ntzückt. Die besten Freundinnen, die man "bezüglich der 5wappheit der Taille übertrumpfen möchte, beneiden hochtens im Stillen diejenige, die den Muth hatte, in ihrer natürlichen KLrperform auf den Vall zu kommen und

lieber dafür tief und frei ahmen und den Tanz voll und ganz zu genießen. Und die Männer fühlen sich auch mehr zu einem Mädchen hingezogen, das sich natürlich giot, denn sie schließen, und mit Recht, von diesem einen Zuj auf viele andere. Ein Madchen, das es derschmäht, in Bezug auf seine Figur die Kunst zur Hülfe zu nehmen, wird uch :n anderen Dingen, wie Charaktereigenschaften u. s. w., keine Maske vornehmen. Vom künstlerischen Standpunkt aus ist eine enge Toilette unschön, vom sanitären aus ist sie geradezu verwerflich. Ein fest angezogenes Corsett üb! einen starken Druck auf die untersten kurzen Rippen aus. Diese werden zusammengepreßt und können sich nicht so ausdehnen, wie es für ein aus giebiges Athmen nöthig wäre. Gleich zeitig wird die. untere Oeffnung des Arustkoroes verengt und dadurch die Lage und Funktion der wichtigsten Organe gestört. Das Tanzen nun erfordert tiefe, volle Athemzüge, und da müssen denn die oberen Rippen die mangelhafte Leistungsfähigkeit der im ieren ausgleichen, das ist daZ schnelle und gewaltsame Athmen, das wir nach einer plazen Anstrengung wayrneymen. Dieses Athmen ist unnatürlich. unbequem und gefährlich, es stört die Vlutbildung und Ernährung und überanstrengt das Herz. Deshalb kommt es oft vor, daß nach lebhaftem und andauerndem Tanzen Unbehagen, Schwindel, ja Ohnmachten vorkom men. Man braucht das Corsett nicht aänz. lich zu verdammen. Zwischen der modeinen Kleiderreform und diesem gibt tS, wie bei allen Dingen, einen goldetfcn Mittelweg, den man wandeln kann, ohne einerseits der Gesundheit zu schaden oder andererseits an Eleganz einzubüßen. Viele einsichtige Damen sind der Meinung, daß daS .Korsett, wenn mit Vernunft angelegt, die Behaglichkeit eher erhöbt als ttrstört und schädlich wird es nimmermehr, sobald man nach erfolatem Schluß die flache Hand gerade von oben herab in die Magengegend zwischen Corsett und Körper einführen Zann. Die Mode begünstigt das Tragen ines losen Corsetts und mackt das Einschnüren zu einem sinn- und zweckHosen Beginnen. Jede gewissenhafte Mutter sollte also wohl darauf sehen, Dak das Tochterchen dem Coriettriemen nicht noch einen einzigen" letzten Ruck gebe. Es hat das nicht nöthig, ine jugendliche Figur ist immer schön. Und die Jugend soll die Freuden, die lich ihr bieten, unbeeinträchtigt durch Modethorheiten, auskosten, ehe es zu spät wird und das Tanzen sich von r ii i 1 leiou oeroieier. SchwabeundMärkerim Manöver. Leutle. sagts.a moal, wer sührt Euch? Wir führen uns böchsteegenbeenig von janz alleene! Ei nu: Hoabt's denn ka Rottenführer? Narottensuhrer? Aber. Männeken! Wir sind doch keen Jemüse nich! Äle Aermste. Köchin (im Selbstgespräch): Wabrbaftia alle Tag' werden s' kleiner, die Stückerln Fleisch, die ich krieg' natürlich . an mir muß nun die tbeure Vadereis' nach und nach wieder herunter gerissen werden: Eine Autorität. Hungerford: Glauben Sie auch, Doktor, daß der Gebrauch des Tabaks das Le ben eines Mannes verkürzt?" Dr. Powell: .Ich weiß es ganz bestimmt. Ich versuchte einmal das Rauchen aufzugeben und die Tage erschienen mir DU stunden lang. Ehemännlicher Stoß s e u f z e r. .Die Ehe ist doch 'ne recyt unvollkommene Einrichtung. Mei ne Frau sagt, ich soll Donnerstaa fab; ren. meine Tochter saat Mittwock. ich selbst Will Sonntag. Fahr ich nun Mittwoch oder Donnerstag? Erklärung Arzt: .?kbr Magen ist total verdorben! Sie ha ien wohl sehr unmäßig gelebt?" Patient: I bewahre ; aber im letzten Jahre haben drei von meinen Töchtzzxt lochen gelernt!"

Zjausumnn's Lebensversicherung.

Von Per Hallstrött. Hausmann war ein gutmüthiger. M)kö?siZer Deutscher, der untersck'dllche Jahre an der Universität zugebracht, dort drei Terzen in der Stirne, vier Quarten über die Vackmknochen und den oberen Theil des Ohres und das Zeugniß davongetragen hatte, fleißig den Mensuren bei gewohnt zu haben. Run hatte er alle diese Errungenschaft nach Philadelphia übersiedelt und genoß seine Tage, indem er in Brown und Cy's Comptor sorgsam und peinlich schrieb. Mit dem Lande war er nicht sonderlich zufrieden: das Bier zwar ziemlich trinkbar, aber der Tabak ausgesprochen schlecht.und das Essen, welche Schweinerei I Eines Tages ließ er die Bemerkung fallen, daß er die Absicht habe, sich zu verhzirathen. Die dadurch heroorgerufenm Aeußerungen des Erstaunens nahm er ziemlich ungnädig auf. . . Ob er denn ständig hierzu bleiben gedachte? Offenbar, wie sollte er denn nach Hause kommen? Gewiß, er wurde hier noch bearaben werden; darum wollte er wenigstens vorher noch ein paar Mal anständig essen. War er tenn verlobt? Ja, eigentlich, gewiß war er verlobt! Er hatte einem Mädchen geschrieben. Und :n drei Wochen sollte sie kommen. Drei Wochen nachher verschwand Hausmann für einige Tage und als er nieder sichtbar wurde, erschien er in Gesellschaft einer, großen, Büchse, die ein vollständiges Mittagessen enthielt. Er war ungemein vergnügt und glücklich. Er hatte endlich wieder Suppe gegessen, wirklich: 'teutsche Flerschsuppe nilt Klößchen darin jeden. Tag. Seine Frau kochte ausgezeichnete Suppe, große Töpfe voll. Seine Frau bereitete auch das Fleisch vortrefflich zu. sie briet es nicht zu stark und wie billig war das Alles! Es gefiel ym, derheirathet zu sein. Wenn d:e Mittagsstunde herannahte, wurde obbesagte Büchse geöffnet, und es stellte sich heraus, daß sie eine überraschende Menge Leckereien enthielt, Coteletten, kleine Wurstchen . . . Hausmann war glücklich, wie ein Gott in einer Hökerbude und aß. wie ein? enalische Romanheldin. Diese Seligkeit äußerte sich noch längere Zeit um die Mittagsstunde; doch nach und nach begannen kleine, störende Wolken aufzusteigen die Sache war doch nicht so billig, d Miethe kostete so und so viel, und die Feuerung ja, Teufel, was mußte man da nicht Alles bedenken! Er liebte es. in Weinstuben zu sitzen und, ein Glas vor sich, mit Landleutenj davon, zu plaudern, w herrl'ich es doch daheim, war, wie roh und uncultlvirt die neue Welt sei, hie und da über ein , in tiefstem Bierbaß vorgebrachtes, politisches Witzwort eines Handwerkers zu lachen und selbst Gelegenheit zu finden, mit unschuldl ger Pedanterie emen kleinen Theil jener Gelehrsamkt zum Besten geben zu können, die an die Kinder des Landes so verschwendet war. wie Musik an Taube und nun fehlten ihm die Mittel zu alledem. Seine Gattin war eme kleine gefchäfdiae Frau, die mehr Respect vor seinem Bücherschrank, als vor seinem Urtheu hatte und mit genug gesundem Menschenverstände ausgestattet war, um sehr leicht in allen häuslichen. Angelegenheiten ihrem mißmuthia und grüblerischen Gemahl die Zügel entbinden zu können, so daß nni: jci . P Hins jwiuuuii mofi cmrnai IN geicymeichelter Eitelkeit ein. Gegengewicht für alle Opfer fand. So wurde nach und nach sein Antlitz von so dunkler Düsterkeit, daß es sogar auf die Eßwaarenbüchse einzuwirken schien. Die lleinen, Würstchen sahen nicht mehr so prall aus und glitten nicht mehr so geschmeidig seine Kehle hinab, die Beefsteaks waren nicht mehr von so frischem Roth, dafür abe brüteten um so blutigere Gedanken über ihnen. Hausmann hatte seine Rechnung mit dem Leben gemacht und fand die Sache reif für den Concurs. Er besaß emnv Freund, der den ri.chtf ungewöhnlichen, Namen Meyer führte und ihn gewöhnlich vor dem Bureau zu erwarten pflegte.. An dessen farbiger Hemdbrust schüttete er seinen Kumme? aus. Esi waren stets Rechnungen: Subtraetionenl von der geringfügigen Summe 15 Dollars wöchentlich mit unruherweckender Tendenz. ein negatives Resultat zu ergeben. So gewann nach und nach das Problem die Form, des bekannten Räthsels vom Wolfe, der Ziege und dem Kohlkopf, wobei Hausmann's Lebensansprüche die grimmige, gierige Gestalt des Wolfes annahmen, die Zrege repräsent'e die häuslichen Forderungm, und der Kohlkopf bestand aus fünfzehn dünnen Scheinen. Es war unmöglich, eine zufriedenstellende Lösung des Räthsels zu finden, ilnd Hausmann entzog sich demselben, indem er dem Wolf alle5 Recht zu leben absprach, oder, um bei dem Bilde zu bleiben, den Fährmann CharonS Nachen für seinen Transport flott machen ließ. Es geht nicht," sagte er in düstern Kehltönen. Ich kann mich nicht durchschlagen. Das Leben kostet mehr, als es werth ist. und ich sehe nicht ein. wozu ich mit ihm kämpfen soll, da es dadurch nur noch elender wird. Könnte ich nur für die Zukunft meiner Frau sorgen, ich für mein Theil wäre fertig Du hast wohl schon von der Lebens-versicherungs-Gesellschaft hier gehört?" Meyer's Vollbart drückte stille Zusiimmung aus. Du weißt auch, daß in diesen verdämmten Städten beinahe täglich Jemand von der Eisenbahn überfahren wird?" Meyer, der tixt pessimistischer Philo

soph war, unterdrückte ein düsteres Lachen unter seinem Schnurrbart. Nun, und wäre es. ein so großes Unrecht, sein Leben zu versichern und sich im Uebvigen auf so eine Locomotive zu verlassen? (Hausmann hielt heroisch ein Zittern zurück.) Die Schwierigkeit liegt blos darin, genug Geld zusammen, zu kommen, um die Prämie zu bezahlen." Meyer's Augen schassen , Blitze der Bewunderung unter seinen buschigen Brauen; er streckte Hausmann seine Hand mit einer Würde entgegen, wie sie seit Mucius Scävola's bekannter Geste nicht beobachtet wurde, und konnte ein Wort des Lobes nicht unterdrücken, daß der Freund nun anfing, klar zu sehen. Aber er sollte sich nur

vor Uebertreibung hüten und nicht in überstürzter Weise eine vielleicht zufällige Stimmung über die Entwicklung seiner Persönlichkeit entscheiden lassen. Er war jetzt auf dem rechten Wege, d-n Sinn alles Bestehenden zu erfassen. Des Lebenswillens dunkler Trieb nach Ruhe begann ihm zum Bewußtsein zu kommen, aber er mußte ihm Zeit geben, sich zu entfalten, tiefer in die Melancholie des Lebens eindringen und sich langsam und ernst von dem Verhängniß leiten lassen. Die kleine praktische Angelegenheit, die Du erwähntest." schloß Meyer, ist ja eine Lächerlichkeit, aber sie kann Dir nützlich werden. Sie soll Dir ein beständiger Stachel am Fuße sein, der Dir hilft. Dich zu erinnern, und wie könntest Du auch Deine für Dein werdendes Ich so überflüssig hinreichenden Geldmittel besser anwenden, als indem Du durch sie Dein Alltagsgewlssen vor Vorwürfen bewahrst? Du würdest ja sonst glauben können, daß Deine Frau, die natürlich weit davon entfernt ist, all dies hier zu erfassen, eine Vernachlässigung erleide, dadurch daß Du mehr und mehr außerhalb ihrer Sphäre lebst." Zum Schlüsse versprach Meyer ihn nie und nimmer aufzugeben, sondern stets darüber zu wachen, daß seine Lebensanschauung nicht irregeleitet werde, und Hausmann begann nun eifrig für die Garantiesumme zu seiner Befreiung von des Lebens KUmmernissen zu sparen Aber dies war eine saure Arbeit; und Meyer's erwähnte Stachel am Fuß wurde ihm bisweilen recht beschwerlich. Der kleine Rest der Mittagsfreude schwand vor den dünnen Butterschnitten, die nun Alles waren, was er sich gönnte, und dann fing er auch nach und nach an, sich von Meyers Theilnahme bedrückt zu fühlen. Er warf einen scheuen Blick durch das Fenster, während er aus der Thüre trat, bang: davor, die stramme Gestalt und den derben, hocherhobenen Kopf des Freundes gegm das Gitter sich abzeichnen zu sehen; und wenn jener auch nicht dastand, so war darum die Ge fahr doch nur für eine kurze Weile aufgeschoben. Unfehlbar, wie der Metallapostel in einer mechanischen Uhr, konnte er ihn, des Abends erwarten. Dann, ließ er sich vor dem Kamin nie'der, breit und steif und die Augen stets verständnißvoll auf Hausmann gerichtet. so daß der arme Mann sich wie ein Verbrecher gegen seine Frau vorkam, deren freundliche Fllrsorglichkr.t, mit der sie ihm unaufgefordert seine Kaffeetasse nachfüllte, ihn beinahe an hei ßem Mokka und dem Gefühl der UnWürdigkeit ersticken ließ. Von Bier durfte gar nicht die Rede sein es galt ja. zu sparen! lber wenn Meyer, für dessen befestigten Charakter Disciplin nicht mehr nothwendig war. welches holen ließ, hatte man auch keine Freude daran. Denn dieser hatte eine Art. bedeutungsvoll über den Rand des Seidels zu blicken, wenn er Prost!" sagte, daß das Wort wie Grabgeläute klang und den Trank bitter machte. Aber Hausmann hielt hartnäckig an seinem Plan, zu sparen, fest, und ein paar Tage vor Thankssivins" nahm er den Wochenlohn, der feine Ersparnisse zu der erforderlichen Höhe brinaen sollte, mit einem so merkbaren Zittern entgegen, daß der Kassirer glaubte, zu liberal gerechnet zu haben, und mit einem schlauen Blick verlangte, das Bündel Scheine noch einmal durchzusehen. Thankscivin?:" ist der altehrwürdige Feiertag des Volkes, das die gestreifte Schurze der Freiheit zu seiner Fahne erwählt hat. eine Art Festdiner zu Ehren der Vorsehung, die im dergangenen Jahre Alles so trefflich gefügt hat, ein Tag. da das große fette Land die Hände über den Magen faltet und Gebete der Dankbarkeit sich auf Truthahnflügelw emporschwingen, da d Ocfen von Geflllgelfett triefen und die Zeitungen von religiösen Rhapsodien, denn an diesem Tage essen alle glücklichen Menschen Geflügel. Es ist der officielle Ehrentag des Truthahns, als nationalen Symbols. Wer keinen Truthahn erschwingen kann, tröstet sich an diesem Tage mit einem Huhn. Ja sogar die arme irlandischeArbeiterfamilie, deren Küchengarten an den HauZmanrs grenzte, hatte in mattem Selbstbewußtsein eine kleine, gelbe, magere Henne vor ihr Fenster gehängt. Für Hausmann war es ein pikanter, herber Genuß, mitten in dieser gemüthlichen Festes st immung. seinen düstern Gedanken nachzuhängen. Nichts blieb von seinen Sarkasmen verschont. Er durchbohrte die fetten Vögel, die in der Ecke des Viertels hingen, mit scharfer Verachtung rnid empfand nicht einmal Mitleid mit des Jrländers bleichem Trost, der ihm einem spottenden Gespenst eines düsteren Vogeldaseins zu gleichen dünkte und nicht einer wir!lichen Henne. Aber in seinem innersten Innern fühlte er sich unbefriedigt. Denn er hielt etwas auf ein gutes Mitäagessen und liebte Truthahn. Am Abend vor dem Feiertage ging er mit Mever spazieren, der seine 5iorJ nesausbrüche freundschaftlich ertrug

und nur bisweilen starr lächelte, wie ein gekitzeltes Medusenhaupt. Sie berathschlagten über die Placirung des Geldes und die Whl einer günstigen Anlage. Es ist ja im Grunde gleich," meinte Myer. daS Ganze ist ja nur eine Formalität. Dein Wille rcuß noch stärker werden, bis Du ganz die Nichtigkeit des Lebens einsiehst. Mache nrit dem Gelde was Du willst! Wirf es fort, verbrenn es, es ist ja nur eilt Opfer der ärmlichen Genüsse des Daseins, und Du mußt deren noch so manche bringen." Aber für Hausmann waren seine 25 Dollars die Erinnerung an eine lange Hungerkur, und er ärgerte sich ein wenig über diese nonchalante Art, sie als bloße Chimäre aufzufassen. Er machte plötzlich militärisch Halt. Nein." sagte er fest, heuie ist der Augenblick gekommen, einen Entschluß zu fassen. Nun will ich die Sache ordnen. Lebewohl!"

Und er richtete seine Schritte nach dem Geschäftsviertel, nachdem Meyer versprochen hatte, am nächsten Tage gleich nach Mittag zu ihm zu kommen. An jeder Straßenecke standen G:uppen festlich geputzter Kerle, die mit beneidenswerther Gemüthsruhe Tabak ausspuckten. 'Kinder mausten verstohlen Beeren aus den Fässern vor den Kaufläden und schwatzten von dem morgigen Mittagessen und Ladendiener trugen schwere Körbe mit so vergnügter Miene, als ob die Leckerbissen darin ihr Elgentyum waren. Es war ern beständiges Ellbogenstoßen und Drängen, das Hausmann ärgerlich machte und ihn schließlich zwang, vor einem Schlächterladen stehen zu bleiben, um Athem zu schöpfen. Dort hing von einer Eisenstange ein Truthahn herab, so unglaublich fett, daß er sich veranlaßt sah. auf die andere Seite hinüberzugehen, um sich zu überzeugen, ob die Haut eine derartig: Spannung wirklich aushalte, und da, im Scheine der Gaslaterne. war es gerade zu blendend, Donnerwetter! Wie konnte nur ein Vogel auf solche Art anschwellen! Er glänzte golden wie Butter, und wie mußte er nicht erst gebraten aussehen!, Hausmann fiel es ein. wie erstaunt seine kleine Frau über so etwas sein würde, wie sie die Hände zusammenschlagen, und sich mit bezaubertem Blick zu ihm wenden und ihr Unvermögen, ja ihre Unwürdigkeit eingestehen würde mit einem solchen RiesenVogel zu Hantiren sein Mund zog sich zu einem feuchknGourmandlächeln zusammen das wäre nun allerliebst, sie in hausmütterlichem Stolz mit einer solchen leuchtenden Trophäe zu sehen. Ohne weiter zu reflectircn, trat er in den Laden, kaufte den Vogel, ging selbst mit, um achtzugeben, wie er nach Hause getragen wurde, und blieb dann zurück, um die erste Begegnung seiner Frau mit dem Wunderthiere zu beobachten. Das gab nun eine Aufregung, die die Erinnerung an alle früheren So:gen vertrieb. Der Vogel war auch so groß, daß man unmöglich für irgend etwas Anderes im Hause Raum finden konnte. Er konnte nichts Anderes thun, als immerfort, um ihn herumgehen, vergnügt über die verantwortungsvolle Miene der kleinen Frau lachen und ihr mit irgend einem guten Rathschlag auf die Schulter klopfen; und dann gab es auch so viel, das man kaufen mußte, damit der Truthahn sich nicht einsam fühlte. Erst am nächsten Morgen, gerade beim Aufwachen, hatte Hausmann das unbehagliche Gefühl, daß er in Meyer'Z Augen gewiß kolossal leichtsinnig gehandelt hatte und seine Ersparnisse nicht unbeträchtlich zusammengeschmolzen warm. Aber er hatte so viel zu besorgen, daß diese Gedanlen rasch m die Flucht geschlagen wurden, denn der Truthahn mußte gebraten werden. t Das Mittagessen wurde später fertig als gewöhnlich, so daß Meyer gerade anlangte, als der Truthahn bereit war, aufgetragen zu werden. Hausmann ging ihm ein wenig gezwungen lächelnd entgegn und wünschte einen Augenblick, der Vogel möchte über die Waschlcmen des Kuchengartens fort fliegen. Er forderte den Freund auf. im Vorzimmer Platz zu nehmen und suhlte sich in unbehaglicher Weise von seiner Frau fizirt, die eine Hilfe brauchte, um den Koloß hereinzutra gen. Doch er wollte ihre Blicke nicht verstehen. Meyer hatte sich unterweas etwas sehr Tiefsinniges ausgedacht und wäre mehr als ein sterbliche? Apotheker qe Wesen, wenn er das nun nicht, frisch von der Promenade, zum Besten gegeben hätte. Es ist eine eigenthümliche Ironie. sagte er, dies kam mir gerade in den Sinn, als ich all diese arobe Genuksuch betrachtete, die sich nun über Alles und edes erstreckt der Well Wille an und für sich will die Ruhe, den od; und nun treibt er rn lndwlduel ler Form diese armen Thoren an. sich zit überessen, sich Beschwerden und uediichlelten für einen imaainaren Ge nuß zuzuziehen. So wirkte diese momentane Erhöhung der Lebenskraft mittelbar im Sinn des Weltwillens; denn die Aufhebung des Lebens, das it es, was er verlangt. Hausmann hörte zerstreut zu. Seine Lage wurde beinah: unleidlich kritisch, denn er hatte scksn- zwei Mal recht deutlich vernommen, wie sich seine Gattin an ihn wendete: Komm und hilf mir den Truthahn auftragen, ich kann es nicht allein." Das Verzweifelte in der seelischen Spannung des Augenblicks ließ ihn. um derselben ein Ende zu bereiten, einen Witz wagen, von dem er nicht wußte, wie er aufgenommen werden würde. Ich glaube. Du irrst Dich." sagte er. was der Weltwi, verlangt, ist gebratener Trn&afc

Meyer war zu erstaunt, um empZrt zu sein, auch nicht rasch genug von Begriffen, um das Ganz: gleich aufzufassen und im Uebrigen zu gutherzig, um Frau Hausmann's rothwangige Freude und ihren Stolz, ihm eine solche Mhlzeit biegen zu können, zu stören er blieb also und lachte matt Über die Ueberraschung. Drinnen im Speisezimmer schien es so eng um den Truthahn, daß Hausmann fcie Thüre öffnete, bevor er ihn tranchirte. Es war kein Raum vorHanden, an irgend etwas Anderes zu denken, und Meyer aß zwei Portionen und prokstirte nur aus trivialer Artigkeit gegen eine dritte. Die Familie Hausmann berauschte sich gerade am Braten. Er. der Gatte, hatte alle Kümmernisse vergessen, sah das ganze Leben in fröhlichster Stimmung sich entgegenlächeln und sprach von seinen Ersparnissen wie von einem unerschöpflichen Vorn. Sie. die kleine

Frau, fühlte, daß eine icywere. geyeimnißvoll düstere Wolke vorbeigezogen und lie wieder Herr der Situation geworden war es gab ihr ein wahres Turteltaubenduett der Freude. Mever sab ein. daß er sich in HausI mann getäuscht hatte, daß fcfc SchwerI V . - ' w vi . V muth dieses 'Mannes nrazi von. rct richtigen, echten Art gewesen und nur in der Stimmung de& Augenblicks be gründet war. Aber Meyer verziey ihm und konnte es iia? nur niazr Visagen, auf das Mißverhältniß hinzuwessen, als sie nach dem Speisen im Vorziimmer saßen und ihre Pfeifen rauchten. . u Ich habe mich in Dir geirrt." sagte er. Ich glaubte, Du setest größer." Hausmann, der in sehr gehobener Stimmung und weit von aller Em.pfindlichkeit entfernt war. verstieg sich zu noch einem Witze im gleichen Genre wie der frühere. Aber hast Du je geglaubt, daH ein Truthahn so groß sein, könnte?" wendete er ein. Und Meyer lehnte sich zurück und lachte, daß es aussah, als wollte ihm der Bart vom Kinn springen. Er schlug Hausmann in den Rücken und vertraute ihm an, daß er nie aufhören könnte, ihm gut zu sein, wenn auch. . . Und da kam eben Frau Hausmann mit dem Kaffee .... Der Wilödieb. Von Reinhold Gelhaar. Daß Förstertöchter hübsch sind, weiß Zeder Leser, denn in oll?n Romanen stehts geschrieben, in dener.. eines Försters Kind etwas zu thun bekommt. Die Väter aber der Försterstöchter sind, wie wiederum jeder weiß, allesammt grob. Es scheint, als ob die Grobheit der Väter einen dornigen Heckenzaun bilden soll um den Garten, in dem das Töchterchen blüht. Aber Gott Amor hat ja Flügel, so daß ihm keine Hecke zu hoch ist. Und hat dieser kleine Racker erst einmal den Weg über die Hecke gefunden, so wird es nun auch einem Menschenkind nicht mehr gar so schwer, ihm nachzusteigen besonders wenn er ein so schmucker, flotter junger Mann ist wie Arthur Hevdenreich. Da war denn dem Alten nichts übria geblieben, als beizu stecken. ja er sah mit geheimem Woblaefallen. wie die beiden Menschen kinder aneinander ein weniger geheim gehaltenes Wohlgefallen fanden kurz und gut, Giete und Arthur waren so gut wie Braut und Bräutigam. Freilich nur so gut wie Eines Tages waren Arthur und der Förster auf der Hühnerjagd und suchten die Felder des jungen Heydenreich ab. dessen hübsches Gut mit dem Re vier des Försters grenzte. Rimrod, des Försters Favorit, verlangsamte jetzt sein Tempo, vorsia tig. Schritt vor Schritt nur, ging er vorwärts, nun duckte er sich, fast kroch er auf derErde vorwärts. Jetzt stand er vor den Hühnern wie ein Bild aus Bronce, den Kopf weit vorgestreckt, jeder Nerv gespannt. Die Jäger kamen schußbereit naher. Vorwärts!" commandirte der För ster; Nimrod sprang ein, schwirrend stand der Zug auf, noch einmal sprang der Hund vor zwei gleich zeitige Scküsse und gleichzeitig ein Wimmern und Winseln Nimrod lag mit zappelnden Gliedmaßen auf dem Boden. Wie es gekommen keiner hätte es zu sagen gewußt. Ich bin's unmöglich gewesen!" alaubte Arthur versichern zu müssen. Glarben Sie etwa ich Sie Naseweis!" schnauzte der Förster, in welchem nach dem ersten Schreck ein mächtiger Zorn aufschwoll. Glauben Sie etwa ich? Ich habe meine Hühner geschossen, als Sie noch im Teich bei den Fröschen quakten! Na komm, gutes Thier wo fehlt's denn? Na, na, sitzt nur im Fleisch, wird schon werden! Ja, armes Thier, das kommt davon, wenn man mit solchem Sonntagsjäger sich einläßt! Herr Förster", wagte Arthur zu bemerken, ganz egal, wer's gewesen ist der Hund ist jedenfalls selbst dran schuld, er hat noch keine Dressur!" Das war aber des Forjters empfindlichste Stelle; er richtete sich auf und maß mit zornfunkelnden Augen und zornrothem Gesicht seinen Jagdgenossen. Wa s?" wetterte er, keine Dres. sur? Sie Grünschnabel werden mich gar wohl lehren, Hunde dressiren! So einer, der noch nicht trocken ist hinter den Ohren! Da hört mir doch verschiedenes auf. Sie selber haben keine Dressur. Herr Förster. !" Auch Arthur schlug die Zornwelle in das Gesicht. Noch ein erregtes Hin und Her zorniger Worte dann wandten sie sich den Rücken und waren geschieden, be-

vor sie durch die bewußte Heirath ver bunden waren. Aber wenn der Alte nur gesehen hätte, wie Grctchen, während er sich zu seinem abendlichen Rundgang anschickte, ein Licht an das Giebelfenster setzte, wenn er gewußt hätte, wie Arthur nach diesem Signallicht ausspähte, wenn er geahnt hätte, wie dann der eine von hier, der andere von dort sich auf den Weg machte, um sich in der Waldccke zu treffen eine Waldparzelle, die zu Arthur's Vesch gehörte, also vor den Streifzügen des Alten sicher war der Alte würde we Niger eifrig hinter den Wilddieben her gewesen sein, die ihm seine Rehööcke wegputzten.

Auch heute machte der Förster seine abendliche Runde durch das Revier. Er war schlechtester Laune, was bei ihm in letzter Zelt der Normal-Baro meteritand war. Und noch um ein Paar Grade tiefer war heute seine Stimmuna mederaedruat waren ihm doch em Paar Rehbocke weggeschössen worden! Und darüber hatte er ganz eigene Gedanken Heute früh war Arthur Heydenreich an ihm vorbei zur Stadt gefahren, wie ihm schien. mit boshaftem Lächeln und hinten auf dem Wagen lagen zwei Reh böcke. Er konnte sie ja auf eigenem Gebiet geschossen haben aber wer kann wissen? Und die Leute haben ihm erzählt, daß der Heydenreich des Abends auch in des Försters Revier herumschleiche. Und solange bohrte der knurrige Alte mit dem Bohrer seines geheimen . Grolls an diesem Ge danken herum, bis das Guckloch fertig war, durch das er als unanfechtbare Wahrheit zu sehen meinte: Der Heydenreich ist es! Weiter kam er nicht in seinem Gedanken ein Schuß krachte plötzlich durch die Stille des Waldes.' ein weit hinrollendes Echo aus dem Abendschlaf weckend, daß es vor Schreck ausMem Nest fiel und kopfüber durch 'ien.Äald purzelte. Beide Waidgenossen, .der Förster und Nimrod, standen einen Moment wie gebannt und sahen sich verdutzt an Nimrod faßte sich zuerst, indem et mit leisem Bellen an seinem Herrn em porsprang. Ja, Nimrod", antwortete der För ster mit arimmiaen Lächeln, das war er! Dort an der Lichtung ist es gewe sen kenn' ich doch den Wechsel genau in meinem Revier! Wer hat in meinem Revier zu schießen, was, Nimrod? Komm, den holen wir uns, den !" 'Eno.iQ da laa der Mir. an einem Erlengebüsch zusammengebro chen. Ah-, keuchte der Förster, nach Luft schnappend, wenigstens den Bock haben wir ihm abgejagt! Nicht wahr, Nimrod, wir kriegen ihn noch selbst. was?" Damit kniete er nieder und machte sich an dem Wilde zu schaffen, um es aufzunehmen. Jetzt lud er es auf die Schultern. Ei der Tausend, der wiegt ein Capitalbock! Werden ihm den Dank nicht schuldig bleiben, was, Nimrod? Zum Teufel, was hat das HundeVieh dort hinter dem Busch zu thun! Er springt und bellt und winselt vor Freude, als habe er Wunde? was für einen Braten gefunden! Komm her, Nimrod! Was, Du willst nicht? Ei, der Teufel, da wollen wir doch mal selber zusehen " Und während solchen Selbstgespräches näherte er sich dem geheimnißvollen Busch, hinter welchem Nimrod ganz etwas Besonderes ausgeschnüffelt haben mußte. Nur wenige Schritte war er noch entfernt da trat ein junger Mann aus dem Versteck Guten Abend, Herr Förster!" Es war natürlich Arthur Heydenreich, der durch den Hund sein Teten Tte mit reichen verrathen sah und schnell vortrat, um den Busch vor wei tcren Nachsuchungen zu sichern. Der Jägersmann starrte den jungen Mann an, als wäre er ein Gespenst. Ei, schau einer an," beantwortete er den Gruß mit grimmigstem Hohn, dk haben wir ja zum Wild auch gleich den Wilddieb !" Ich nehme an, Herr Förster," unterbrach ihn der andere, mit leichtem Spott sich verneigend, daß Sie im Begriff sind, den Bock selbst in meine Küche abzuliefern. Ich danke ja für Ihre Mühe und erlaube mir, Sie zum Braten einzuladen!" Das ist stark! Die Unverschämtheit!" brauste der Förster auf. Herr, ich verlange ihr Gewehr!" Wie Sie sehen, habe ich keins." So haben Sie's versteckt! Einerlei die Strafe für Ihre Wilddieberei wird Sie treffen! Ich fordere Sie auf, mir zu folgen!" Nicht gar so eilig, verehrter Herr Förster! Zuerst gestatten Sie mir, daß ich Ihnen das Gewehr abnehme!" Wa as! Sie mir !" schnaubte der Förster, durch des andern sichern, leichten Ton zum Aeußersten gereizt. Ganz recht, Herr Förster ich Ihnen! Ihr Eifer läßt Sie vergessen, daß Sie sich auf meinem Grund und Boden befinden! Der Bock gehört also mir, und da ichSie in meinem Nevier mit geladenem Gewehr finde, so darf ich Sie wohl von der Last desselben befreien." Damit faßte er nach des Försters Gewehr. Es w'ar doch zu toll! Statt das Wild und den Wilddieb dazu zu erbeuten, saß er selber in die Patsche! Eine rasende Wuth kochte in ihm auf. Herr," schrie er, lassen Sie mein Gewehr los, oder ichs chieße Sie nieder wie einen tollen Hund!"

Arthurs überlegene Krast bog der:

Lauf zur Seite, ein Druck auf den Hahn, das Gewehr entlud sich, ver krachende Schuß erschütterte den Wald. Da alles in wenig. en Sekunden stürzte retchen aus ihrem Versteck hervor. Sie hatte des Vaters wuthende Worte geHort, die Bedeutung des Schusses falsch ausgelegt blind vor Aufregung und Angst stürzte sie vor, dem mm zu FuM, umklam merte seine Kniee: Vater. . . um Gott. . . was hast Du gethan! Den Arthur hast Du erschossen, mernen Arthur! Des Försters Gesicht sah in diesem Augenblick der Ueberrumpelung hervorragend dunun aus. Er schaute von. einem zum andern, während reichen, noch immer fassungslos ihm zu Fü--ßen knrete, bis Arthur sich zu ihr her-, abbeugte. Beruhige Dich, Gretchen !" Da sprang sie auf. Du lebst? Ganz und gar lebendig? Vom Kopf bis zu den Füben?" Dabei fiel sie ihm um den Hals, Arthur umschlang das geliebte Mädchen mit seinen Armen, und sie küßten sich ab, daß es eine Art hatte. Und das alles vor des grimmigen Vaters Augen. Da wurde 'Hundegeöell in nächster Nähe laut, dazu das Knacken der dürren Aeste, die unter Männertritten brachen. Gestalten tauchten auf, voran eine große stattliche in Uniform. Der Herr Oberförster!" Er war es. Guten Abend, Förster haben Sie ihn schon, selbst, den Bock? Ich schoß ihn vom Wagen aus krank, bin dann zu Ihnen gefahren, um mir einen Ihrer Hunde zu holen, um den Bock zu kriegen. Ah", wandte er sich zu dem jungen Paare, Gretchen hatte in ihrer Verwirrung noch immer ihren Arm auf des Geliebten Schulter ah, Herr Heydenreich, auch Sie hier? Und was seh ich, Fräulein Gretchen ? Ja, Herr Oberförster," meinte Arthur keck über den Kops des Försters weg. Grete ist seit heute meine Braut!" Ei ei! Da gratulire ich allsei'tig!" Ein Räuspern und Knurren war des Försters Antwort. Und ich lade mich zu Ihnen zum Verlobungspunsch ein. Halali! Auf zur Strecke. AI sei!" Sind Sie mir noch b?se?" redete Arthur unterwegs leise auf den Förster ein. Der Alte knurrte etwas vor sich hin. ' Uebrigens, Herr Förster, der Nim rod ist doch ein ganz vorzügliches Thier!" Na. sehen Sie", das war des För--siers erstes verständliches Wort, das habe ich ja immer gesagt! Er hat Sie hübsch aus dem Busch herausge--holt!" Und mir eine Braut apportirt!" ' Und ein Wilddieb sind Sie also doch!" Der zur Strafe sein Leben lang in dem Zuchthaus bleiben wird, in welchem meine Grete als Hausfrau wal--tet." Schubkarrenidylle. (Pfälzisch.) Do liegt im kühle Grunne Ae' altes Karrerad, Der Karre ischt verschwunne An dem's gestocke hat. Und mit dem selle Karre, Do Hot ä' Bauer Mischt Muf's Aeckerle 'naus g'fahre. Bis er gefchtorbe ischt. Splilter. Hast es herrlich weit gebracht, Menschliches Geschlecht! Wer das Geld hat. hat die Macht Wer die Macht das Recht. Es gibt Menschen, deren Verstand gerade hinreicht, ihre Dummheit zu bemänteln. Jeder hat was, das er gerne zeigt. Jeder etwas, das er gern verschweigt. Das Feuer der dichterischen Vegeisterung kann nur mit Tinte gelöscht werden. Es gibt liebenswürdige Fehler und unausstehliche Tugenden. Mancher schimpft über des Lebens Vitterniß, nachdem er sich an seiner Süßigkeit den Magen verdorben. Du wirst, was häßlich und was schön. Nicht den Beschränkten lehren können; Es wird kein Esel dich versteh'n, Willst du die Distel Unkraut nennen. Unmöglich. Fräulein A.r Sie sind wohl jetzt derheirathet? Fräulein B.: Nein! Fräulein A.: Aber doch verlobt? Fräulein B.: Auch nicht! Fräulein A.: Aber warum denn nicht? Sie hatten doch so viele Verehrerl Fräulein B.: Ja, sehen Sie, Papa sagt, mein Mann müsse ein gesetzter Mann sein und bedeutendes Vermögen haben. Mama meint, er müsse be scheiden, anspruchslos und moralisch sein, und ich verlange, deß hübsch, geistreich und reich sei. Sehen Sie, bis jetzt haben wrr aber einen solch' vollkommenen Menschen noch nicht ge funden! Mißgünstig. 'n schöner Fang aber ein's ärgert mich doch!" Was denn?" Du Reclame. die wir dem Menschen verschaffen, wcnn's bekannt wird, daß sein Laden ausgeraubt worden ist!"