Indiana Tribüne, Volume 19, Number 67, Indianapolis, Marion County, 24 November 1895 — Page 7
ninon unb Rantttu
Won M. Vandewind. jSSterra wollen wir eigentNch weiter, CnM?" .Schs weiter? Aber, lieber Junge, gefällt'S Dir denn nicht? Es ist ja herrlich hier. Was kann man Zich denn besseres wünschend Und dabei warf Herr v. Bonin. der in Nawrschwärmer war, einen zärttt chen Blick auf das blaue Wasser, das er von seinem Lehnstuhl aus so bequem betrachten konnte. Er hatte ausge zeichnet gespeist, und die Cigarre, die er init dem bewußten Genusse eines KennerZ rauchte, war vortrefflich. Mit der Französin, die bei Tische neben ihm saß, unterhielt cc sich ausgezeichnet und die kleinen Bonmots, die sie sich Leide in, ihrem Alter und als Leute von Welt schon gestatten dursten, hiel ten itnan angenehmer Erregung. And nun wollte dieser unruhige Neffe schon wieder weiter! Herr von Spiegel hat mir von ein paar Ausflügen gesprochen, die wir durchaus nicht versäumen dürfen, aber Ende der Woche können wir meinetwegen Weiterreisen. Ich will doch gleich mal mit dem Herrn über die Tour nach Rocca bruna reden. Du bist lioch auch Von der Partie, Hans?" Ich weiß noch nicht." Als der Dnkel ihn verlassen, irat ei Qllf den Balkon, von wo er die Landspitze, auf der sich das alte Mentone in's Meer streckt, einigermaßen, mißniuthlg betrachtete. Er hatte dies jetzt seit mehr als einem Monat gesehen, hatte von hier aus Touren in die Seealpen unternommen, hatte wöchentlich Monte Carlo besucht und hier und da verloren, oder gewonnen. Aber das Spiel hatte gar keinen Reiz für ihn. Und die Frauen. Ja. deren gab es genug und für jeden Geschmack. Er war auch wahrhaftig garnicht unempfindlich gegen Frauenschöheit. Im Gegentheil! in seinen Selbstbetrachtun gen stellte er sich oft vor, wie hübsch es sein müßte, wenn man Zeit für dergleichen hätte. Aber die hatte er freilich nicht. Schon in K., der größeren Provinzialstadt, die seine Heimath war, hatte man sich alle erdenkliche Mühe gegeben, ihn in die gesellschaft. lichen Kreise hineinzuziehen. Lieber Gott! er hatte den Leuten ja auch gerne den Gefallen gethan, aber er hatte wirklich keine Zeit. Und dann die Mütter! Welche Noth hatten die gehabt, ihre Töchter an den Mann zu bringen, es war ihm geradezu widerlich. Besonders war da eine gewesen, eine Frau Kommerzienrath Braun, die hatte es erst recht fein verstanden, ihre Netze nach ihm auszuwerfen, seine Kameraden hatten ihm das auch oft gesagt. Aber er hatte sich gehütet. Die Tochter, Agnes hatte sie ja wohl geheißen, war wirklich ein ganz allerliebstes Ding gewesen, aber viel zu im bedeutend für ihn. Er hatte ihr auch etwas stark den Hof gemacht, aber dann hatte er K. verlassen. ' Seitdem hatte er nun schon vier Jahre in Berlin und auf Reisen gelebt und war jetzt grade mit einer historischen Arbeit über die Cimbern und Teutonen beschäftigt. Und seine Arbeit drängte. Es war hohe Zeit, daß er jetzt gleich weiter ging nach Mailand; und dann nach Rom. Ungeduldig trommelte er mit den Fingern auf dem Balkongeländer; doch beschloß er, noch einen Spaziergang nach den rothen Felsen zu machen, waser des Abends gerne that. Er war dort um die Zeit meist allein, und der gleichmäßige-Schlag der Wellen an die Steine schien sein Denken zu schär sen. Er ging daher in sein eigenes Zimmer, um seinen Hut zu holen. An der Treppe angelangt, sah er zwei Damen, eine ältere und eine jüngere, die Stusen zum zweiten Stock in Begleitung des Wirthes hinaufgehen. .Nächste Woche kann ich Ihnen, wie ich Ihnen schrieb, zwei Zimmer im ersien Stock geben, gnädige Frau", sagte Monsieur Ferrand, der ein Schweizer war, eben auf deutsch. ' Ein Herr und sein Neffe, die sie jetzt bewohnen, geheiv dann fort." .Aha. das sind wir," dachte Hans. Zugleich war es ihm unangenehm, daß noch mehr Deutsche kamen. Bis jetzt war Herr von Spiegel außer ihnen der einzige; Hans nahm sich vor, daß er sich um diese Deutschen garnicht kümmern wolle, denn er hatte die Absicht, sich im Französischen und Englischen zu vervollkommen, so viel es seine Zeit erlaubte. Inzwischen war er bei den. rothen Felsen angelangt und ging am Stronde hin und her. Und mit einem Male, als er mit seinen Gedanken mitten im Feldlager der Eimbern war, schien die schlanke Gestalt des Mädchens, das eben die Treppe hinaufgegangen war, mitten drin zu stehen. Und das in ihrer modernen, eleganten Kleidung. Wie kam denn die zu den alten Hrt den? .Unsinn! Unsinn wieder! WaS ging ihn dies Frauenzimmer an. Er war hierbergekommen, um sich einen Punkt in' seiner Arbeit klarzumachen. Und das sollte ihm gelingen." Und mit der Kraft, mit der er sich von jung auf zu beherrschen gewöhnt war, vertiefte er sich bald in das Alterthum. Heimgekehrt, ging er sogleich auf sein Zimmer und setzte sich an seine Arbeit. Lange Zeit hatte er schon geschrieben, als er sich erhob, um frische Luft zu schöpfen. Wieder trat er auf den Balkon hinaus und überlegte eben bei sich, ob er nicht lieber morgen Weiterreisen solle, Onkel Karl könne ihm ja nachkommen. als sein Fuß etwas Weiches berührte. Es war inzwischen ganz dunkel geworden, und als er sich bückte, um nach dem Gegen.
staude zu fassen, fühlte tu daß eö etwas Seidnes war. Er brachte eö m sein Zimmer und sah, daß es eine rosa. Bandschleise war. von der ein Duft ausging, der ihn durchaus nicht an die alten Eimbern erinnerte. . .Wo war denn die Schleife hergetonraun? Die mußte von dem Bai kon über ihm herabgefallen sein, der nicht so weit vorsprang als der seine. Aber wie sollte der alte Engländer mit dem steifen Bein, der das Zimmer über ihn bewohnt, zu der rosa Schleife gekommen sein?" Unwillkürlich brachte er das Band in Verbindung zu dem schlanken Mäd chen. das er nur so flüchtig gesehen. Sollte die übe? ihm eingezogen sein? Er legte das Band aus den Schreib tisch und begann wieder zu arbeiten. Aber der Anblick störte ihn, und er steckte es in die Brieftasche. Da aber begann es ihn erst recht zu beunruhlgen und mißmuthig stand er auf und deaab sich zur Ruhe. Önkel Karl war ungewöhnlich auf g-cäumt beim Frühstück. Er hatte Abends vorher den rubber gewonnen, vtte ctni aescklafen. und nun stand ein Frühstück vor ihm. to'it es sich die ot ter in Frankreich nicht besser wünschen konnten. Dazu war auf morgen die geplante Tour nach Rocca brnna festgesetzt, zu der alle Gesunden im Haus ausgesordert werden sollten. Die beiden fremden Damen saßen an einem anderen Tische und dos a dos mit HanS. Herr von Spiegel der ihr Nachbar war, schien sich vortrefflich mit ihnen zu unterhalten. Nach beendigtem Frühstück kam der kleine dicke Herr eilfertig auf ihn zuge schössen. Ich muß Sie durchaus mit zwei reizenden Landsmänninnen bekannt machen," pustete er ihm zu, die gestern Abend erst angekommen sind Und damit schleppte er ihn nach dem Frühstückstische, wo die beiden Damen eben ihre Servietten bei Seite legten. Frau v. Felden, Fräulein Braun, ertauben Siie. daß ich Ihnen Herrn Sturm vorstelle. Den Historiker Sturm, von dem Sie ja gehört haben." Frau von Felden, eine kleine Dame, mit zaghaftem Ausdruck, begrüßte Hans mit einer gewissen Hülflosigkeit, zu der ihr schweres seidenes Morgengewand wenig zu passen schien. Das schlanke Mädchen aber, mit der stolzen Haltung des Kopfes, daS sich nun erhob, wahrhaftig, das war sie ja, Agnes Braun aus seiner Heimathstadt. Auch sie erkannte Hans sofort. Sie verneigte sich jedoch viel steifer gegen ihn, wie es nach seiner Meinung nöthig war und sagte gleichgiltig: Ich habe bereits das Vergnügen gehabt, Herrn Sturm zu treffen. In K. glaubt man Sie jetzt in Rom," fügte sie hinzu." Er stellte seinen inzwischen hinzuge tretenen Onkel vor. Mein Onkel und ich kamen durch die Provence hierher," saate er, und beabsichtigen. später nach Mailand und Rom zu gehen," Daß sin Koffer oben bereits halb gepackt stand, sagte er nicht. Onkel Karl war im Arrangement der Tour für morgen ganz in seinem Elemente. .Ich höre, Frau v. Felden will sich zu dem Ausfluge für morgen entschließen, wenn Sie, mein gnädiges Fräulein, mitkommen wollen. Ich bitte Sie, sagen Sie ja." Die Damen sagten zu. Hans erkundigte .sich nun nach verschiedenen Bekannten seiner Heimathstodt. Seine Eltern waren lange todt und Verwandle hatte er nicht mehr dort; so hatte er seit Jahren nichts mehr gehört. Und K. gefällt Ihnen noch immtiV Seit zwei Jahren wohne ich nicht mehr dort. Ich lebe jetzt in Danzig bei meiner Tante." Da sie schwieg, mochte er nicht weZter nachfragen. Doch erfuhr er durch die Tante später am Tage, daß die Mutter gestorben sei. Warum hatte ihm denn Agnes das selber nicht gesagt. Ueberhaupt, warum that sie so, als wenn sie sich nur oberflächlich kannten?" Ein herrlicher Morgen strahlte auf die aus sechzehn Personen bestehende Gesellschaft herab, die sich am nächsten Tage, in vier Wagen vertheilt,früh auf den Weg machten. Herr von Spiegel saß mit strahZendem Gesichte Agnes gegenüber auf dem Rücksitze und machte sie auf die bemerkenswerthen Punkte der Gegend aufmerksam. Ueberhaupt hatte er viel zu thun, die kleine, ängstliche Tante zu be-
j schwichtigen, der Onkel Karl. Sie ! mochte etwa Mitte der Vierziger sein, , war aber so rathlos wie ein Kind, j Hans hatte unterdessen genug 1 Chance, sich im Französischen zu üben, denn die pikante Tischnachbarin seines Onkels saß mit einem wohlbeleibten Rentiers-EhkPaare aus Marseilles bei ihm im Wagen. Aber er benutzte diese prächtige Gelegenheit zur Ausbildung seines Sprachtalents sehr schlecht. I Er war überhaupt übler Laune. I Jetzt war man an dem Punkte angelangt, wo dte Esel ihrer Last warteten. Man stieg ab und begann, sich Esel auszusuchen. . Zwei Eseltreiberinnen, die kleinen, flachen Mentoneser Hüte auf dem dunklen Haar und die Gerte in der Hand, hielten die Thiere zusam men. Angelique, die jüngste, mit den dunklen Augen, die Granatenblüthe hinter's Ohr gesteckt, musterte die Ge sellschaft. Ihr Blick fiel auf Hans, wie er so finster dreinschaute. Und als sie bemerkte, nach welcher Richtung sein Auge ging, spielte ein Lächeln un? ihren kirschrothen. Mund. während sie
dächte: Warte,' Dir will Zch'helfeic" Sie trat auf AgneS zu, für welche Her? vor, Spiegel grade ein nettes bräunliches Thier, ausgesucht hatte. Dies ist das beste Thier für. Ma demoifelle," sagte sie. ihr einen hübschen. grauen Esel zuführend. AI lons, Nanette,. mach' dich gut!" Und sie gab dem Thier mit der flachen Hand einen leichten Schlag auf. den Schenkel. Währertd Herr von Spiegel AgneS hinaufhalf, um dann das braune Thier selber zu besteigen, wandte Angelique sich um und sührte ihrem Günstling, der ziemlich theilnahmlos abseits stand, ein schwarzliches Thier zu. Hfer, Monsieur, die Ninon nehmen Sie, die wählt immer den besten Weg." HanS bemerkte nicht, wie sie ihm lächelnd nachschaute und sich dann am Ende der Cavalcade selbst mit in Trab setzte. Der enge Pfad führte einen ziemlich steilen Felsen hinan und immer am Abgrunde hin. Onkel Karl, mit ritterlichem-Muthe beschützte die zaghafte Tante. Hans beschloß, sich so wenig als es die Höflichkeit zulassen wollte, um Ag nes zu bekümmern, die ihn so kühl be handelt hatte. Mochte sie denn! WaS that es überhaupt, daß sie aus derselben Stadt kamen? Das waren doch nur Zufälligkeiten! So trieb er, da Agnes und Herr von Spiegel die letzten im Zuge waren, seinen Esel an. Das Grauthier jedoch war anderer Meinung. Es drängte sich an den Abhang hin und wollte keinen Schritt thun, zum Schrecken der Tante, die nun vorbei mußte und beinahe an den Fels geklemmt wurde. Da stand es und gehorchte nicht. Hans war wüthend. Kein Zureden, kein Peitschen half. Es stand. Nun kam ' zum Ueberfluß auch noch Agnes auf . ihrer Nanette daher. Das fehlte noch, daß die ihn in dieser lächerlichen Situation sähe. Eben wollte er absteigen, als sich zu semer Verwunderung daö Thier in Bewegung setzte. Aber so langsam, daß Herr von Spiegel, der neben Ag. nes ritt, zurückgedrängt wurde. , Vergebens versuchte Hans, sich zu entschul. vigen, der beleidigte Herr wollte von Tvcbt? kören. Ninon und - Nanette aber liefen in freundschaftlichem Trabe neben einander her. Dann und wann entschlossen sie sich zu einem langsamem Gange, zuweilen auch blieben sie stehen, um sich an einer Staude gütlich zu thun. Bei einer dieser Mahlzeiten gelang es Herrn von Spiegels Braunem, sich vorbeizudrängen, und in schnellem Trabe setzte er der übrigen Gesellschaf! nach, Ninon und Nanette mit ihren Rettern allein zurücklassend. Auch Angelique war den Anderen nachgeeilt. Wissen Sie noch, wie wir damals die Partie nach dem Habichtswald machten, und wir Beiden uns fast verirrt hätten?" O ja. aber dann fand uns Vetter Otto bald, dersn der war auf Suche nach mir gegangen." J-a, richtig, den, hatte er ganz ver-
gessen. Und wo lebt ihr Veiter jetzt?" Im Königsberg; nächsten Winter wird er aber auch nach Danzig kommen." Das ist eine hübsche Aussicht für Sie Beide!" Nicht wahr? Und Otto besteht durchaus darauf, daß ich dann wieder etwas mitmachen soll." Ja. die Geselligkeit! Und die glücklichen Beamten, die sich so etwas gestatten können! Unsereins! hat so gar keine Zeit dozu. Wir können nur der ernsten. Arbeit leben, und wie oft werden wir noch deswegen verkannt!" Er kam sich auf einmal vor, als hätte ihm die Welt immer sehr unrecht gethan. Sie aber erinnerte sich noch sehr wohl einiger arroganter Bemerkungen, die man ihm damals nachgesagt hatte, und sie schwur es bei ihrem Mädckenstolze, daß sie kein weichliches Miilei den haben wollte. Auf dem Rückwege wollte sie gewiß nicht neben ihm reiten! Denn jetzt langten sie als die letzten auch oben an. Man 'begrüßte sich wieder, ruhte, bewunderte die Landschaft, aß ein vortreffliches Luncheon und rüstete sich dann zum Heimweg. Die Tante war sehr besorgt, daß sie beim steilen Niederritt über den Hals des Thieres hinabrutschen möchte, aber Onkel Karl versprach ihr. er wolle an den steilsten Stellen absteigen und ihr Thier am Zügel führen. Agnes hatte ihren Schwur nicht vergessen und beeilte sich, g'eich, mit den ersten wegzureiten. Zu ihrem Schaden sollte sie jedoch , bald gewahr werden, daß die Halsstarrigkeit eines Esels sich ebensowenig an Mädchenstolz kehrt, wie der kalte Mond die Seufzer eines Liebenden erhört. Denn, alle Viere von sich gespreizt, stand Nanette, taub gegen alle Bitten, unempfindlich sogar, kaltherziges Thier, gegen das Streicheln der weichen Hand. Umsonst rief Agnes nach Angelique. Die schien auch taub geworden zu sein. Onkel Karl, der mit der Tante dahergeritten .kam, stieg ab und bemühte sich. Nanette stand. Endlich rief er seinem eben herzutrabenden Neffen zu, abzusteigen und Fräulein Braun zu helfen. Das war aber garnicht nöthig. Denn nicht sobald kam Ninon heran, als auch Nanette sich in Bewegung setzte. Doch da es den beiden Thieren sehr unangenehm zu sein schien. 5ke- ' manden hinter sich zu hören, so schaben sie sich herum, bis sie glücklich wieder die letzten waren. Wie freundlich von Ihnen, auf mich zu warten," sagte Hans,' sobald die Esel wieder gemüthlich genug neben einander hingingen, um eine Unterhalj tung zu gestatten.
: Das war denn doch zu toll. Agnes war außer sich. Ich wartete nicht; ich wäre gern bei den Ersten gewesen." Das ist wenig schmeichelhaft für mich." Kann sein." Eine Weile ritten sie schweigend neben einander hin. Auch ringsum war es still. Jetzt kamen sie an eine Stelle des Weges, die wirklich sehr steil war. Er stieg ab und wollte ihr Thier führen; aber sie litt es nicht. Dann und warm versuchte HanS, eine Unterhaltung zu beginnen, seine Gefährtin aber antwortete nur durch einsilbige Wörter. Schon begann es leicht zu dunkeln. NachSüden, in der Tiefe, blitzte das Meer auf. Da aber, bei der Biegung, schoß der Weg rechts so jäh ab, daß ei schnell nach ihrer Hand griff, die den Zügel hielt. Ihre zornigen Blicke erwiederte er ebenso. War sie nicht un. verständig zum Tollwerden? So sahen sie einander mit funkelnden Augen an, er den Zügel haltend, sie aber ihn nach links ziehend. Nanette jedoch, die mehr Verstand besaß als die beiden ihr' zuzutrauen schienen, und befürchten mochte, daß sie von dem Hin- und Herziehen alle drei in den Abgrund gerathen könnten, ließ sich auf den Vorderbeinen nieder. Es geschah so unerwartet, daß Agnes ebensoschnell vornüber stürzte und grade in die Arme von Hans, der sie auffing. Auch ließ er sie. nicht wieder los, zog sie an sich, bedeckte ihr Gesicht mit wahnsinnigen Küssen, stammelte ihr zu, wie er sie liebe, und wie es über ihn gekommen, als er sie wiedergesehen. Ehrgeiz und Wissenschaft waren versunken und verschlungen von der Brandung, es lebte für ihn nur das warmblütige Geschöpf, das er in den Armen hielt. ! Und sie, die ihn eben noch gehaßt, die ihm hätte ein Leid anthun mögen, sie preßte sich jetzt an ihn, daß ihre Brust an der seinen wogte. Da schlang Hans den Arm um die Geliebte und führte sie behutsam den felsigsten Pfad hinab. Auf dem näch sten Felsblock aber ließen sie sich nieder, und er zog auS seiner Brusttasche die rosa Schleife und steckte sie fcherzend bald an die Brust des geliebten Mädchens, bald an seinen eigenen, Hut. Endlich aber, da sie ihn ernstlich an den Aufbruch gemahnte, barg er sie wieder an ihrem ersten Platz. Die alten Cimbern kamen ihm garnicht in den Sinn. Unter sich im Thale sahen sie bereits die übrige Gesellschaft auf ihren Eseln oem' Städtchen, zutraben. Angelique aber saß wartend und lächelnd auf einem Stein. Nach der Heimkehr, als sie die bet den unzertrennlichen Grauthiere in den qemeinfamen Stall trieb, streichelte sie sie ganz besonders und sprach: Ninon und Nanette, das habt ihr gut gemacht! ..;
Das elektrische Beefsteak. Nachdem man auf dem Oeoieie des Verkehrs längst begonnen hat, die Pferde durch Elektricität zu ersetzen, ist es endlich eiiem genialen Berliner Hotelier gelungen, in seiner Speisewirthschaft den elektrischen BeefsteakBetrieb einzuführen. Aus geriebener Semmel. Zwiebeln und einer bräunlich-röthlichen Sauce wird eine in Form und Farbe dem Beefsteak völlig gleiche Masse hergestellt. Unter der Tischplatte befindet sich eine Elektrisirmaschine, deren Elek troden dem Tischgast in Gestalt von Messer und Gabel in die Hand gedrückt werden. Durch die Berührung der Gabelzinken und der Messerklinge mit dem angeblichen Beefsteak wird diesem ein elektrischer Strom zugeführt. Letzterer repräsentirt ein der größeren oder geringeren Kleinheit des Beefsteaks genau entsprechendes Quantum Pserdekraft und wird durch den Kellner regulirt. Da der Gast, wenn er die Pferdekraft im Munde spürt, nach dem Gesetz der Jdeenassociation natürlich sofort an Beefsteaks denkt, wird er so auf suggestivem Wege zu der Vorstellung hingeleitet, ein wirkliches Beefsteak vor sich zu haben. Die angestellten Proben sollen die Richtigkeit dieser Theorien in überraschender Weise bestätigt haben. ' ' In Steierdorf beiLugoS wurde der katholische Pfarrer Moser von Räubern überfallen und geknebelt, welche sodann Kirche und Pfarrhof plünderten.' Die 'Thäter sind entwischt. ' . ' I m' i E x. a m e n. Professor: WaS wissen Sie aus dem Leben Fried, cich des Großen, Herr Kandidat. Erzählen Sie, Alles ,so kurz 'wie möglich. Ein Talent. Theaterdire!tor (zum Vater, der seinen Sohn zur Bühne bringen will). Rufen Sie mir Ihren Sohn herein! Warum übnt ens glauben Sie, daß er qerade ein olch bedeutendes Talent zum Komiker hat?" Vater: Er hat halt so a saudumm's G'sicht, daß a jed's lacha muaß." Malitiös. Alte Kokette: Nicht wahr, meine Dogge gefällt Jhnen?" Herr: Sie ist wohl auch auf den Mann dressurt?" Boshaft. Gast: Zu Jhnen komm' icd immer gern hin. Herr Wirth: Weshalb? Gast: Weil'S hier 'n gutes Glas Bier in der, Nähe gibt!'. : ... V erd ächt i g. Also. Ihre arme Frau - haben Sie ins Irrenhaus bringen müssen; wie hat sich die Krankheit .denn .eigentlich zuerst geäußert? Sie gab mir gestern Morgen einen Kuß und nannte mich. .lieber Arthur", das ist mir gleich aufgefallen!"
ßÜt ZNanner. Von O Tann-Bergllr. Man kann gegen das Frauengeschlecht keinen unhaltbareren und ungerechteren Vorwurf erheben, als den, daß es die Eitelkeit gepachtet habe. Vor Allem sollte man kein Geschöpf wegen Erfüllung einer , Naturpslicht zur Rechenschaft ziehen. Die Frau hat kraft der Mission ihres Geschlechtes schön zu sein. Der Durchschnittsmann verzeiht der Frau, sehr Vieles, nur nicht die Häßlichkeit. ES fehle ihr das Herz und es fehle ihr das Hirn eine anatomische Curiositä't, die vorkommen soll! nun wohl, wenn die gütige Natur dafür nur durch angenehme Äußerlichkeiten Ersatz geschaffen hat. Man bescheidet sich. Eine Andere hat neben all' den Vor zügen eines goldenen Herzens und durchdringenden Verstandes blos einen winzigen Schnurrbart, blos einen unwesentlichen Höcker oder eine sonstige nicht vorschriftsmäßige Zuthat. Sie ist, bis auf diese Kleinigkeit, ein completes Bijou. Sie hat alle Eigenschaften, einen Mann recht glücklich zu machen, und man verehrt sie auch aufrichtig. Aber heirathcn soll sie ein An derer. Nachdem nun aber das Heirathen. als die bequemste Form der Altersver.. sorgung. den zeitgenössischen Mädchen noch immer als ein Ziel, auf's Innig, sie zu wünschen, vorschwebt, so darf es eigentlich nicht befremden, daß sie der Pflege des Geistes und Gemüthes nicht die nämliche Sorgfalt zuwenden, wie
.beispielsweise jener einer glatten Epiocrmls, uno ixife it die Malerei, die Plastik, alle sonstigen schönen Künste, sowie die zahlreichen Hilfsmittel der modernen Technik aufbieten, um jene äußerlichen Eigenschaften zu erlangen oder doch vorzutäuschen, welche bei den unter den Männern herrschenden Anschauungen die sicherste Gewähr für lebhafte Nachfrage bilden. Das ist die Philosophie der weiblichen Eitelkeit. Wozu cultiviren die Männer dieses Laster? Sie könnten, ganz abgesehen von der geltenden Gesellschaftsordliung, auf dasselbe verzichten, so lange Jahr für Jahr, wie die Statistik nach, weist, mehr Mädchen als Buben geboren werden. Da muß natürlich eine Hausse in dem Artikel eintreten. und wir hätten es wahrhaftig nicht nöthig, uns .auf künstliche Weise noch begehrenswerther zu machen, als wir durch die Gunst der Verhältnisse sind. Die meisten Männer sind eitel wie die Kätzchen, nur daß sie der Verschönerungssucht in aller Heimlichkeit fröh. nen und das Vorhandensein derselben mit erheuchelter Entrüstung in Abrrtt stellen. Es liegt etwas hinterlistig Raffinirtes in der Art, wie wir die Sache betreiben. Man braucht nur einmal auf öffentlicher Straße zu beobachten, wie eine Frau und wie ein Mann sich mit der Pflege und Con. trole des äußeren Menschen beschästigen wird. Eine Frau wird, wenn , sie eine Verbesserung an der Toilette vor. nehmen will, welche Zeugenschaft gestattet.weiter keineUmstände machen ;ein Mann wird sich nicht einmal die Man schetten direkt zurechtzupfen.sondern die Arme von sich strecken, als verspüre er eine nicht..zu bändigende Sehnsucht nach gymnastischen Uebungen und was dergleichen Schwindeleien mehr sind. Wenn eine Frau während der Prome nade oder auch während des dringend sten Ganges das Malheur hat. in den Bereich eines Spiegels zu gerathen, so wird sie vor demselben, und sei sie gleich in jedem Auzenblick in Gefahr, deshalb mit Verbalinjurien überhäuft. auf denFahrweg gestoben und schmerz haft zu Tode gerädert ZU werden, mit umständlicher Gelassenheit die Schneckerln" zurechtlegen, dem Hut eine seschere Lage ertheilen, nötigenfalls so gar Wangen. Lippen und Augenbrauen mit einem frischen Anstrich versehen. Einen Mann wird man hinge gen niemals vor einem Spiegel auf der Straße antreffen. Er geht hohnlä chelnd und das Gesicht geflissentlich abwendend daran vorüber. Aber oie Schauläden haben es ihm angethan. Er kann eine halbe Stunde vor einem Puppen- oder Grünzeugladen stehen bleiben und sich als der ergriffenste und aufmerksamste Bewunderer der ausgestellten .Wursteln- oder Kürbisse geberden. Oder er wird, wenn er sich einem Kaffeehause nähert, schon aus einiger Entfernung mit der Hand win. ken, als habe er hinter den Spi'gelscheiben einen Busenfreund erblickt, dann im Vorüberdefiliren gemessen und langsam den Hut ziehen und noch im Weiterschreiten mit herzlicher Liebeswürdigkeit zurücknicken. Das ist aber selbstverständlich Alles nur Humbug und zur Irreführung der leichtgläubigen Mitmenschen berechnet, von denen angenommen wird, daß sie mit Blindheit geschlagen seien und nicht bemerken, wie der unbefangene Herr in einige? Entfernung seinen Backenbart, seinen Rock, seine ganze Miene faonirt".. Der Charakter der Physiognomie, das ist nämlich bei den meisten Männern auch etwas Willkürliches. Eonstru.rtes und nach reiflicher Ueberlegung - Angezogenes. Das ermüdet übrigens nicht so sehr, als man annehmen sollte. Man trägt seine charak!e, ristische Physiognomie nur für die G? sellschaft, und sobald man allein ist. legt man sie wieder ab wie den Frack oder . die . Verrücke. Besser situirte Männer besitzen mehrere Gesichtsaus' drücke, aber ' selbst der -Unbemittelte wird' es zu vermeiden wissen, sich sozusagen im Naturzustand seines Gesichte? in der Öffentlichkeit zu zeigen; im Neglig6e läßt sich eben kein Menfch , ron Geschmack von Leuten erblicken, die
nicht zu feinem intimsten Kreise geh? ren.'
Die Maske wird natürlich den vorhandenen Mitteln und Bedürfnissen angepaßt. Einer, der mcht ordentlich tanzen kann, wird tm Ballsaal immer blasirr fein und die , weltverachtende Stirnfalte tragen ; der Mann mit den bereits sehr stark nach dem Scheitel zu reichenden Ehestands-Wtnkeln an den Schläfen verhöhnt mit einer Satire. die vollkommen ehrlich ist. die Schmachtlocke, die sich ein gedankenarmer. aber haarreicher Jüngling mit heißem Bemühen immer wieder zur Nasenwurzel hinterstreichelt; der Besitzer guterZähne spielt um jeden Preis den Lebenslustigen, um möglichst häu fig lachen zu können, und wenn Einer bwue Augen hat, so glaubt er, verpflichtet zu sein, stets einen Gegenstand zu fixiren, der ihn nöthigt, unter einem Winkel von mindestens fünfundvierzig Graden nach auswärts zu blicken. Um zu erfahren, wie Charakterköpfe" entstehen, braucht man sich blos in einem Frisurladen einige Zeit aufzuhalten. Ich begreife nicht, daß es überhaupt ' noch Leute giebt, die sich dem Frisurgeschäfte widmen. Man stellt an diese Märtyrer einer verfehlten Berufswahl die waghalsigsten Anforderungen, und es ist ihnen verwehrt, die psychiatrische Abtheilung des Krankenhauses in Anspruch zu nehmen, weil sie sonst alsbald in Folge Beschäftigungslosigkeit verhungern würden. Sie sollen den einzelnen weißen Haaren die ursprüngliche Farbe wiedergeben oder sie schmerzlos auLrupsen, sie sollen Glatzen ausforsten und Schnurbärre kräuseln, die noch eine Frage der Zukunft sind, sie sollen einem Sauerkraut-Exporteur einen Henry-Quatre-Kopf aufsetzen und seinen Freund, den Schweinehändler, der eine zu seinem Gewerbe tresflich passende borstige Figur hat, derart appretiren, daß man ihn für einen italienifchen Tenoristen hält, weil dies, nach seiner Meinung, bei Frauen begehrenswerth macht. Es giebt Männer, welche die Hälfte ihres Daseins hinter einer Schnurrbartbinde vertrauern, die sie zum Schweigen und zu einem gleichmäßkgen, unerschütterlichen Ernst verurtheilt, nur damit der Schnurrbart in natürlichen Wellenlinien" sich schwinge. Der Schnurrbart gehört nämlich zu den wichtigsten männlichen Vorzügen. er und die Cravatte. Man bringe vor den eingefleischtesten Weiberhasser eine hübsche Dame, und er wird unfehlbar sich sofort mit Bart und Hals" binde beschäftigen, weil er gewiß ist. mit diesen beiden Zierrathen ohnewerters das sprödeste Frauenherz knicken zu können. Die Cocetterie in der Kleidung war niemals Monopol der Frauen. Wir sprechen da gar nicht von den Gigerln, die es zuwegen bringen, zum Behufe der Schaustellung seidener Strümpfe stundenlang mit übergeschlagenen Beinen zu sitzen, welches besonders für wohlgenährte Leute auf die Dauer eine sehr schmerzhafte Attitüde ist. Auch ernsthaste Leute machen solche Modethorheiten mit. Es dürsten die Männer zwar, jetzt sehr selten sein, die sich, wie es im X VI. Jahrhundert unter Franz ll. geschah, durch falsche Bäuche ein größeres Ansehen verschaffen wollen, und kein Kanzelredner hat es mehr nöthig, ioie in den Landsknechtszeiten. gegen ellenlange Schnabelschuhe und den vludrichten Hosenteufel" der Soldateska zu zetern. Aber gänzlich unangetastet ist auch heute der eiserne Wehrstand nicht. Wenn man den Miedermachern Glauben schenken darf, dann ist die Rettung ihres Gewerbes. das darniederliegt. seit die Gunst der Frauen von dem FischbeinPanzer sich immer mehr abwendet, in erster Linie von den Armeekreisen zu erhoffen. ' Diese gewerbefreundliche Haltung unseres jüngsten Officierscorps erscheint im gewissen Sinne hocherfreulich, aber schließlich und endlich: man kann sich auch einen tüchtigenTaktiker und Strategen vorstellen, der keine Taille hat. Das sagen wir jedoch keineswegs in der Absicht, die Civilisten hochmüthig und ausgeblasen zu machen. Zeder Schaukasten eines jeden Photographen hält ihnen ihre Eitelkeitssünden vor. Cs soll nicht behauptet werden, daß sich Männer häusig mit einer Taube auf der entblößten Schulter und in ähnlichen Situationen abconterfeien lassen, die den Frauen, selbst zenen der ältesten Jahrgänge, so ein unsägliches Vcranüqen bereiten. . Aber die Männer leisten schon-auch das Ihre auf diesem Gebiete.' Der kühn über eine Achsel geworfene Pelzrock (den der Photograph ebenso beistellt, wie den wildromatischen Hintergrund) . erfreut sich auch im Hochsommer allgemeiner Beliebtheit, und in der gewissen Pose: die eine Hand stützt' das sinnende Haupt, während die andere griffelbewehrt auf eine ausgeschlagenen Mappe ruht, haben , sich schon unzählige Analphabeten monumental verewigen lassen. Man wird also vielleicht gut daran thun, die Eitelkeit nicht als ein Femtninum zu behandeln. Nicht nur die Frau, auch der Mann. .Alles ist eite!"! Die Frau betreibt die Eitelkeit zum Vergnügen des Mannes, der Mann zu seinem eigenen Vergnügen; sie thut es qewisscrmaßen! aus Gefchäfisrücksichten, er hat das Gott sei Dank nicht ' nöthig". Schopenhauer, der Weiber? hasse?, der Philosoph, der so ungemein eitel darauf war. nicht ,nt zu sein, aberkannte, daß die EitelIt sein eigenes Geschlecht ebenso heftig plage, wie das von- ihm systematisch verkleinerte. .dickbäuchige, schmalschulterige, kurzbeinige"; er erblickte in ihr die unzerstörbarste, thätigste und thorichteste von allen Neigungen des Menschen, die am letzten stirbt.
Vas Zdealweid. Die eueste Nummer der .North American Review- enthält eine inter
essante Studie über die Frau , in der die Vertreter von vier Nationen den Versuch machen, das Jdealweib ihres Volkes zu zeichnen. In ebenso inter essanter wie bissiger Weise entledigt sich Grant Allen der Aufgabe, sich über die englische Frau zu äußern. E gibt kern alleiniges Ideal des englischen Weibes", beginnt Allen seine Si!:erung. weil es in England überhaupt kein allerNl?es Ideal von irgend etwas gibt. Denn wie schon v?r lanze Zeit Matthew Arnold ausführte, besteht. England aus drei verschiedenen un) unter einander feindlichen Elementen, der Aristokratie, den Mittelklassen, den Handwerkern und Aibe-.tcrn . . . Das Jdealwerb der arzi.mven Zilassen ist eine Hausfrau und Mutter nach 2ltem teutonischen Vorbild. Sie beherrscht die Küche und heic'.het ihren ?ann, nachdem sie ihm vom Id. b'.s ii4. Jahre Gesellschaft geleistet". Zt ist Mut ter von zehn lebenden Kindern und hat fünf auf dem Kirchhzf. Letzteren Umstand betrachtet sie als ein natürliches Ereignlß ihrer Mu:?scha:t. Ihren Mann betrachtet sie mit vollstem Vertrauen und sie forit gut für ihn. J'N Uebrigen vergeht ihr Leben in harter Hausarbeit, sie wajcht und kocht und näht und macht die Betten für den Mann und für sich und die zehn Kinder, deren Gesichter zast so weiß sind. wie ihre Schurzen. t: hat einen blinden Gottesglauben und legt religiösen Ceremonien große Bedeuti.ng bei. Aber sie hat keine Seele; wie konnte sie auch Zeit finden, dergleichen in sich zu entwickeln! 'ie ist das materielle Ideal eines mat;rialisitt:n. 'brutalisirten, seelenlosenBauernthurns, sie thut ihre Pflicht in den Verhältnissen. in die es Gott gefiel, sie zu verfetzen, mit einem Heroismus, der Achtung und Mitgefühl erregt." Der Frau der Mittelklassen widmet Grant Allen nur wenige Zeilen. ie steht auf einer höheren Stufe als die Acbeiterfrau, denn sie spielt Kla?i'.r". Sonst fchildert er sie als das einfache und unanziehend tugendhaste Iocal einer soliden, einfältigen, phantasielosen Bourgeoisie". Noch schlimmer kommt die Aristokratie in der Schilderung Allen's fort. Ihr streitet er überHaupt die Existenz eines Jdealweibes ab. Der britische Aristokrat hat keine Ideale, er ist e'm geborener Crzniter von einem gutmüthigen, positiven weitmännischen Cynismus und er trägt diesen ohne Scham zur Schau. Er heirathet gewöhnlich, um sich zu rangiren. Sein Weib ist reich oder schön oder beides und lebt in der Gesellschaft. Leide gehen ihren eigenen Weg. der gewöhnlich einen oder den anderen vor das Ehescheidungstnbunal führt. Gelegentlich gelangen sie beide dahin.Das deutsche Jdealweib charakterisirt Herr Karl Blind dahin, nicht Plalform - Mütler", sondern gute Hausfrauen zu sein und zugleich ein tiefes Interesse zu nehmen an Allem, was gut und edel ist in Literatur und Kunst, ein glückliches Heim zu schaffen, Kinder zu erziehen mit zärtlicherSorg fält, zu denken und. soweit es die Verschiedenheit des Geschlechts erlaubt, auch zu handeln für das öffentliche Wohl ihres Lanves und für den intkllektucllen. moralischen und sozialen Fortschritt der Menschheit überhaupt." Von dem skandinavischen Jdealmeiö erzählt der unlängst verstorbene Boye sen Folgendes: Eine junge Norwegerin aus guter Familie, die vor ein! gen Jahren Gast meines Hauses war, konnte nichts Unschickliches darin sinden. zur Nachtzeit in Gesellscha','1 eines jungen Freundes und einer Freundin die Bowery- und die Hesterstraße zu durchstreifen, um das Nachtleben zu studiren, und als ich einst Einwendun gen dag:g:n erhob, daß sie Sonntags im Ccntralpark mit einem Herrn Bekanntschaft anknüpfte, lachte sie mir in's Gesicht und sagte mir ans q(t6 rnonk, daß ich ein altn-.cdischer alter Herr wäre. Meine Ansichten über Schicklichkeit nannte sie moosbewachsen und anted'.luvianisch. Während eines neulichen Besuches in Norwegen stellte ich fest, daß dieses Typus Weib keines, wegs vereinzelt, sondern außerordentlich häufig vorkommt." Für die französische Frau hat Herr Maz Q'Rell nur Worte des LobeS und der Anerkennung. Ihr einziges Bestreben ist. ihren Mann zu interessire und sie reröielfältigt sich zu diesem Zweck. Bald ist sie seine Freundin, bald Vertraute. Gefährtin im Geschäft oder Stubenbursche" und dasWort in seinem besten und feinsten Sinne gebraucht seine Maitresse. Stets ändert sie ihre äußere Erscheinung. So wird man z. B. selten eine französische Frau ihre Haartracht länger als drei bis vier Wochen unverändert tragen sehen. Sie weiß, da die Liebe sich von Jllusionrn und Suggestionen nährt, sie weiß, daß eine Rose in ihrem Haar, ein neues K!e:o. ein anders arrangirter Hut h einem Manne, der sein Weib liebt, die tiefe Erregung wieder erwachsen läßt, die er empfand, als er sie zuerst in seinen Armen hielt. Sie weiß auch, daß die besten G:richte Widerwillen erregen. w?nn sie stets mit derselben Saue: servirt werden." An diese Schilderung des französischzn Wribes knüvfi O'Nell einen Verglich zisck'kn dieser u-d der Eglanm, re: wrseinlich. libhifte Protest: in England hervorrufen wird. Ihr Ideal. Naturgeschichtslehrer (welche? auf das Kapitel Schmetterlinge" übergehen will): Ich komme nun auf jene beweglichen glaziösen Geschöpfe zu sprechen, welche mit ihrer Farbenpracht unser Auge entzückin. Was meine ich wohl. Fräulein Frieda? Backfisch (strahlend): Die Husaren!
