Indiana Tribüne, Volume 19, Number 60, Indianapolis, Marion County, 17 November 1895 — Page 7
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DaS Glütkstclegramtn Von Hans Krieg. ' Die Lokomotive pfiff und Set Zug setzte sich in Bewegung. Sie saßen allem im Coupee, Eduard hatte den Schaffner genügend daraufhin instruirt. .Endlich sind wir allein." flüsterte Eduard zärtlich und reichte seiner jungen Frau die Hand. Sie aber schaute mit halb abgewandtem Antlitz zum Fenster hinaus und erwiderte seinen Händedruck recht leise. Mein Gott." dachte sie, nun bin ich mit dem lieben Menschen allein und habe doch nur Angst vor ihm Kaum hatte die schüchterne junge Frau dies gedacht, da stellte er etwas' Schreckliches an, denn er beugte sich urplötzlich über sie, faßte ihre Arme fest an, daß sie sich nicht rühren konnte, und drückte einen langen, innigen Kuß auf ihre Lippen. .Mein liebes Frauchen wie prächtig das klingt," sagte der Glückliche, indem er sich wieder auf seinen Platz setzte, .sage Du auch einmal: mein lieber Mann!" .Mein lieber ich kann es gar nicht sagen." stammelte sie. .Du wirst Dich schon daran gewöhnen müssen." scherzte er. Elsbeth führte das Taschentuch an die von Thränen schimmernden Augen und Eduard begann nun, um doch etwas zu sprechen,' von den Erlebnissen Itx Hochzeit zu erzählen, von der Steisbeinigkeit des Standesbeamten, von den Worten des Pfarrers, von den guten und schlechten Scherzen der Hochzeitsgesellschaft. Elsbeth ging auf diese Unterhaltung bereitwillig ein und so plauderte sie sich ihre Befangenheit hinweg. .Weißt Du. liebes Frauchen." fuhr Eduard dann fort, .daß es Sitte ist, daß junge Gatten sobald wie möglich ein Telegramm abschicken, das noch in die jubelnde Hochzeitsgesellschaft hininschneit und in seinem Glücksinhalt die Leute vor Neid bersten läßt?" Nun ging es an ein Berathen des obligaten Telegramms. In S. war 5 Minuten Aufenthalt; wenn sie von dort das Telegramm wegschickten, kam es noch rechtzeitig an. Das Telegramm wurde in Hans Sachsischer Manier abgefaßt, wobei geistreiche Beziehungen auf Planeten und Trabanten den rothen Faden bildeten. In S. sprang Eduard heraus und eilte zum Telegraphenamt, um Schwiegereltern und Hochzeitsgäste mit dem Epos zu beglücken. Bald hatte er das Formular beschrieben und ein zweites zu bekritzeln begonnen, da das erste nicht reichte. Der Beamte fragte ihn ach seinem Begehr und suchte das erste zu entziffern, während Eduard das zweite vollschrieb. Da ertönte ein Signal, der Beamte flog an seinen Apparat und nahm eine langathmige Depesche entgegen. Endlich war er ferttg, die Zeit drängte, Eduard winde ungeduldig und unwirsch, der Beamte grob und da erscholl die Glocke. Eduard ließ das Geld, das er herausbekommen sollte, liegen und stürzte heraus. Der Zug wollte sich eben in Bewegung setzen, Eduard schwang sich in ein Coupee, das noch offen stand, und der Zug sauste fort. Elsbeth hatte unterdessen mit Schmerzen auf ihren Mann gewartet. Aber er kam nicht und kam nicht. Der Zug ward auf ein anderes Geleise geschoben und hielt dann. Das dermehrte ihre Besorgniß. Sie stieg aus, blieb an ihrem Coupee stehen und schaute unverwandt nach ihm aus, aber tx ließ sich nicht blicken, der Schaffner nef: Einsteigen! und als sie sagte, sie warte noch auf Jemand die Worte .auf ihren Mann" bekam sie nicht über die Zunge nöthigte er sie doch zum Einsteigen, der Herr müsse ja doch gleich kommen, und klappte die Thüre zu; und ehe sie das Fenster ösfmn konnte, pfiff es und der Zug fuhr ab. Sie war allein, ohne ihrenMann, fast wie sie es gewünscht hatte, aber es war doch schrecklich. Und sie lehnte sich an die Kissen und weinte bitterlich. Auf der nächsten Station schaute sie eifrig heraus und verständigte den Schaffner, aber kein Eduard war da, gewiß, er hatte den Zug verfehlt; was war da zu machen? Elsbeth überlegte. Geld hatte sie nicht bei sich, die drei Hundertmarkscheine, welche der Papa -ihr als .Taschengeld" für die Reise zugedacht, waren der größeren Sicherheit halber in das Portemonnaie des Manes gewandert; was blieb ihr übrig, als in R. in dem Hotel abzusteigen, das ihr Eduard vorhin bezeichnet und in dem ein Zimmer für sie bestellt war? Sie nahm all' ihren Muth zusammen und beschloß recht sicher im Hotel aufzutreten, als sei sie daran gewöhnt, allein zu reisen und als kenne sie sich im Hotelleben völlig aus. Sie nahm den herrlichen, Blumenstrauß, den Eduards bester Freund ihr beim Abschied in den Wagen gzreicht, und sog den Duft begierig ein, um all' ihre Angst zu betäuben. In R. sah sie einen Hausknecht vom .Hotel zum Stern". Sie winkte ihn heran. Er nahm ihr sehr höflich das Gepäck ab, betrachtete mit Ehrfurcht den Blumenstrauß und sagte in ganz gebildetem Deutsch: .Der Wagen wartet, meine Gnädige." Am Portal des Gasthofs empfing sie der Portier mit tausend Bücklingen, der Wirth erschien selber in würdigem Gehrock und versicherte, er wolle sich selbst die Ehre geben, die Gnädige in ihre Gemächer zu fuhren. Elsbeth wagte vor Angst gar nichts zu sagen und sah mit ihrem fest geschlossenen Munde und den in ihrer Verlegenheit streng gezogenen Mienen gar stolz und unnahbar aus. sie, oben angelangt, den Hotelbesitzer mit einem leisen Kopfnicken veraöschiedet hatte, kam eine Kammerzofe die sich bereit erklärte, der Gnädigen bei
jer Äoikette zu helfen, da ihre Dienerschast nicht mitgekommen, und ehe Elsbeth es sich versah, hatte sie ihr einfaches Reisekleid mit einem seidenen vertauscht, das die geschwätzige Zofe in Entzücken versetzte. Die Lästige war endlich verschwunden und Elsbeth überlegte, wie sie dem freundlichen Hotelbesitzer - ihre eigenartige Lage klai machen sollte, da ertönte draußen lang, sam und feierlich ein herrlicher Gesing. vierstimmig' erscholl ein Männerchor und Elsbeth lauschte den schönenKlän. gen. .Die bringen Jemand ein Ständchen," dachte sie und trat, als der Gesang beendet, an das Fenster. Da empfing sie lebhaftes Händeklztschen und lautes Bravorufen. ..Mein Gott, der Gesang gilt mir, vielleicht sind es Freunde meines Mannes, der hier ja einmal als Bauführer gearbeitet hat. Oh wie schrecklich, wie schrecklich!" Es klopfte und der unvermeidliche Hotelbesitzer meldete sich, eine Deputation bäte um die Ehre, von der Gnädigen empfangen zu werden. Elsbeth stammelte einige Worte, da stand ii schon ein älterer Herr gegenüber, der erklärte, er als' Präsident des hiesigen Männergesangvereins habe nicht die Gelegenheit ihrerAnwesenheit Hierselbst versäumen wollen aber seine wohlgesetzte Rede erlitt eine jähe Unterbrechung, da die Gefeierte in Ohnmacht fiel. .Interessant machen müssen sich diese Sängerinnen von Gottes Gnaden immer," knirschte der Hotelwirth in sich hinein, und sei es durch eine Ohnmacht; indessen werden meine Weine warm und der Braten kalt." Die Abordnung war kopfschüttelnd weggegangen, die Zose bespritzte die unglückliche Elsbeth mit Kölnisch Wasser und endlich schlug diese wieder die Augen auf. Mit dem Erwachen kam aber auch die Erinnerung an ihre peinliche Lage, an das sonderbareMißverständniß und an ihre Verlassenheit. )h, t wenn doch Eduard käme!" war ihr einzige? Gedanke, und sie stürzte an's Fenster, um frische Luft zu schöpfen und um nach ihm, dem Verlorenen, auszuschauen. Vor ihr breitete sich ein freier Platz aus, den einige köstlich duftende Linden beschatteten. Plötzlich zuckte Elsbeth wie vom elektrischen Schlage getroffen zusammen. Was war das? Sie traute ihren Augen nicht. Da kam ja Eduard, er selber, wie er leibte und lebte, aber nicht allein. An seinem Arm führte er eine Dame ist es möglich! er führte eine Dame und sah dabei ziemlich roth und aufgeregt aus. Was hatte das zu bedeuten? Eine schreckliche Ahnung durchzuckte das Herz Elsbeths, sie wankte vom Fenster weg.ihr wurde wieder schwarz vor den Augen. Oh diese Schande und Schmach! Sie sank auf das Sopha und bedeckte ihr thränenllberströmtes Gesicht mit beiden Händen. Draußen aber ertönte die ctelglocke. Der Portier stürzte heraus und empfing das eintretende Paar mit Kennermiene. Er rief Nr. 24, der Zimmerkellner eilte herbei und selbst der Wirth kam heran und zog sein Gesicht in die süßesten Falten. Er kalkulirte so: Noble Hochzeitsre:sende, die ihre Appartements vorher d'estzllt haben, lassen immer etwas springen. Aber das Paar war in einer merkwürdigen Aufregung. Ich habe mich ominös verspätet, sprudelte die Dame hastig heraus. .Ich leider auch!" sagte der Herr. Der Portier kniff listig die Augen zusammen. .Man hat mich schon lange erwartet," rief die Dame. Und mich erst," fuhr der Herr verzweifelt dazwischen. Ich bin die Sängerin" .Herr Gott, gnädiges Fräulein,unterbrach sie der Wirth bestürzt, ich wußte nicht, daß sie verheirathet sind!" .Ist meine Frau angekommen? Ich habe meine Frau verloren!" fragt ihn der Herr. Nun begann der Wirth zu verstehen. .Bitte, Herr Baumeister.- sagte er, komme'l Sie nach oben. Ihre gnädige Frau Gemahlin sitzt in ihrem Z:m mer ganz heil und gesund, sie ist vor Schreck und Aufregung nur ein bischen in Ohnmacht gefallen." , Eduard flog die Treppe herauf, obne weiter auf seine Begleiterin zu achten. Er klopfte an, ein l:iser Stirei ontwartete, er trat herein und sah ElZ beth, wie sie, eben halb aufgejtanocn, sich wieder unter lautem Schluchzen aus das Sopha zurückführen ließ. .Elsbeth!" rief er. Sie antwortete nicht. Bist Du böfe, Elsbeth. weil ich den Zug versäumt? Aber ich kann nichts dafür. Ich stieg in einen falschen Zug ein und konnte von Glück sagen, daß ich trotzdem so schnell fyn'cxx gelang,::.' .Ja. Du hast Glück gehabt'." kam es bitter hinterm Taschentuch hervor. .Natürlich habe ich Glück gehabt, Elsb:th, denn ich habe Dich ja wieder!" und er eilte auf sie zu, sie zu umarmen. Rühre mich nicht an!" .Elsbeth. Elsbeth! Aber Du bast mich wohl mit jener Dame über den Platz schreiten sehen! Ja? Richtig. Nun, meinst Du nicht auch, wenn ich freiwillig von ihr zu sprechen anfange, so hast Du doch keinen Grund zur Eifersucht?" .Wer ist sie denn?" Ihre Stimme klarig schon etiras sanfter. .Es ist die hier erwartete Säng:rin, Elsbeth, allerdings... meine emstige Jugendliebe." .Und das wagst Du mir zu sagen?" .Ja. Es ist das Vee. ich sage es Dir offen, aber sei versichert, es war längst aus zwischen uns, ganz aus." .Eduard, dieser Ton!" Ich gestehe es ein, es ist unpas? send," fuhr er ernt'r ?rdnv- ' .aber mein liebes Frauchen muß auch vernünftiaer sein und mit sich reden
lassen!" W ich glücklich in den Zug gestiegen war, der mich endlich wirklich nach R. bringen sollte, hatte ich die getroffen, der ich einst in jugenolicher Verblendung meineVerehrung . geweiht. Sie halte mich lebhaft begrüßt, mich nach Diesem und Jenem gefragt und mir offenbart, daß sie sich verspätet habe und nach R. wolle. Da hatte ich wohl oder übel den Ritter spielen müssen,' obgleich sich mein Herz , nach Dir sehnte.. - Von meiner inneren Sorge wollte ich der Sängerin nichts mittheilen und so schwatzte sie harmlos in mich hinein, ohne sich sonderlich an meiner .Einsilbigkeit zu stören. Wie schrecklich war mir diese Begegnung! Jetzt erst wurde es mir völlig klar, was ich an meinem lieben Weibchen babe, dem gegenüber mir selbst eine bloße Gedankenschuld peinlich war. So war ich denn hierher gekommen mit der Fremden, sie hatte dasselbe Hotel genannt wie ich. ich hatte sie begleitet, nun bin ich mit ihr fertig. Jetzt hob sie ihre thränenverschleierten Augen zu ihm auf und sagte langsam und freundlich: .Verzeih mir. Ich hatte immer so große Angst vor Dir, nun Du mein Mann bist; und so wie ich ohne Dich lieben Mann war, verging ich doch wieder vor Angst und verfiel sogar in einen Anfall sinnloser Eifersucht." Unser Unglllckstelegramm hat sein Gutes gewirkt. Elsbeth. Mir hat es meine Vergangenheit ganz ausgelöscht, und daß ich es fertig bringe, .nit Dir darüber zu sprechen, das ist eben mein Glück." .Und so plaudern wir noch einWeilchen über vergangene Zeiten, Du lieber. lieber Mann?" Lange genug, um eine Flasche Sekt allmälig 'herunterzuschlllrfen." Der Kellner brachte Flasche ' und Gläser und ein Antwortstelegramm. das soeben eingelaufen: Euch Glücklichen schlägt keine Stunde!
Die Jagd nach dem Schuldner. Von FortunZ de BoiSgoben, Ich war eben zum Lieutenant ernannt worden und hatte 20,000 Francs Schulden. Ach, das war doch eine schöne Zeit! 20.000 Francs Schulden sind ja etwas viel. Ab?r was fragt ein junger Lieutenant dan?ch, dem die Welt noch offen steht! Zudem hatte ich einen Erbonkel, und der war Millionär. Er war allerdings noch stark wie ein Riese, und ich sorglojer Jüngling gönnte ihm das von Herzen, Meine Schulden wureu mir der doch sehr unangenehm, und er machte keine Miene, sie zu bezahlen. Aus allen diesen Gründen un? um meine Gläubiger in gebührender Entfernung zu halten, ließ ich mich nach dem ersten Chasseur - Regiment in Afrika versetzen und befand mich dort gar nicht übel. In Algier amüsirte man sich damals königlich. Die Välle beim Gouverneur waren berühmt, urid dann brauchte man auch gar nicht allzu weit zu gehen, um mit den Arabern in Berührung zu kommen. Schon zwei Meilen von der Stadt begann der Staub zu reden", wie die Eingeborenen in ihrer bilderreichen Sprache zu sagen Pflegen. ,' : Ich lebte im Mustafaviertel und war glücklich wie ein König. Aber noch hatte ich mich keine sechs Wochen erngewohnt, als ein algerischer Exccutor mir schrieb, er hätte in wichtigen Angelegenheiten mit mir zu sprechen. Ich kannte diesen Stil bereits, roch den Braten, ging aber trotzdem zu ihm. Er wohnte in der Rue des Lothophages, dieser Executor, und hieß Marcasse. Ich weiß nicht, warum ich ihn die ganze Zeit hindurch Herr Marcassin (Frischling) nannte, und ich ; glaubte zu bemeiten, dak ihn das gegen mich ausbrachte. Der alte Schurke i hatte wirklich meine Wechsel in Händen, und hatte den Auftrag, mich zu verfolgen. Außerdem hatte er emen Haftbefehl gegen mich erwirkt. Na, mit kurzen Worten, die Unterhaltung wurde etwas erregt. Ich begnügte mich klugerweise ihm zu erklären, ich würde ihm bei der nächsten Gelegenheit . die Ohren abschneiden, während er mir von der Treppe aus zurief, er wurde sich bei meinem Obersten beschweren. Er that es auch wirklich, der Halunke. Zum Glück war mein Oberst ein braver Mann, antwortete ihm, -der-hasten Sie ihn, wenn Sie können," und schickte mich noch denselben Abend mit einem Detachement zur dritten! Escadron, die im Mitidjathal am Ufer des Qued el fuloq lagerte. Am Qued el fuloq lachte ich über das Stempelpapier, den Verhaftsbefehl und den ganzen Execuior. Die' Hadjuten hielten uns in Athem, und um mich zu fassen, hätten die lxecutoren erst in Person mit den Beduine.? sprechen müssen, und diese Leute sind durchaus nicht zart. Ich verlebte einen reizenden Monat. Die Eantine der Mutter Chapeaureaux war ziemlich gut verproviantirt. Wir feuerten jedesmal, wenn wir zum Fouragiren auszogen, einige Schüsse ab, unb manchmal kam es auch zu Handfl:fcch!en. Ich kümmerte mich' den Teuf.'l um meinen Marcassin und hätte mein Leben nicht um das eines Pairs von Frankreich vertauscht. Damals gab es nämlich noch welche. Eines Morgens hatten wir gerade unser Frühstück unter dem Zelt, das uns als Spelsesaal diente, beendet, als ein Ansiedler wie ei.ie Granate hereinstürzte und erklärte, die Hadjuten hätten den Weg abgeschnitten und einen Mann entführt. Einen Mann," sagte mein Capitä'n, ..Lieutenant, lassen Sie zum Aufbruch blasen. In fünf Minuten' muß die erste Escadron zu Pferde sitzen." Der Befehl war schon halb ausgesührt, als de? Caprtän den Ansiedler 9 haait:
"Was ist denn das für nn Mann, den sie entführt haben?" Capitän. es ist ein Ezecutor aus MFin." Ein Exnutor? Was kümmert mich ein Ezecuwr? Glauben Sie, ich werde meine Leute der Gefahr aussetzen, sich für einen Ekecutor den Kopf abschneiden zu lassen?" Absitzen, Kinder, für einen Executor steigen wir nicht zu Pferde." Unsere Chasseurs stiegen ab und lachten dabei herzlich über die Worte des Capitäns. Auch ich lachte, aber ich hatte die dunkle Empfindung, daß ich bei - der Sache irgendwie betheiligt war. Ich sagte mir: Sollte es Marcassin sein,? Nein, 'das ist unmöglich. Marcassin würde es nicht wagen, mich am Qued el fuloq verhaften, ztf wollen. Am nächsten Tage, dächte ich schon nicht mehr an die dumme Geschichte. Vierzehn Tage darauf hatte ich sie überhaupt vollständig' vergessenl Außerdem traf gegen Ende April ein Regiment ein, um einen Streifzug gegen die Hadjuten zu unternehmen, und wir schlössen uns ihm an. Alles ging wie am Schnürchen. Wir überraschten den Volksstamm in seinem Duar (Hüttendorf) und schössen, ihm etwa zwanzig Reiter todt. Die Feinde trieben ihre 3000 Hammel, ihre 50 Kameele und eine große Anzahl von Eselinnen zusammen und ergriffen! die Flucht. Ich hatte nie eine derartige Razzia mitgemacht, und dieses Durcheinander von Menschen und Thieren machte mir einen heidenmäßigen Spaß. Plötzlich nähert sich mir ein kleiner, dicker Äraber. in einem zerfetzten Burnus eingehüllt und streckt mir mit flehender Miene die Hände entgegen. Ich glaubte erst, er wollte mich um Pardon bitten.
und war schon ganz stolz darauf, seine Unterwerfung entgegenzunehmen, als er plötzlich in gutem Französisch zu mir sagte: Herr Lieutenant, Sie erkennen mich wohl nicht?" Rein, der Teufel soll mich holen, aber . . ." Sie erinnern sich also richt mehr, daß Sie mich in Algier besucht haben, in der Rue des Lotophages?" Marcassin!" rief ich außer mir vor Erstaunen. Ja. es war in der That Marcassin in Fleisch und Knochen und im Bur-' nus. Ich war verdutzt wie ein Rekru , aber das verhinderte mich nicht, zu ihm zu sagen: Sind Sie hierher gekommen, um mich zu verhaften?" Ach, Herr Lieutenant, sie haben mich ja verhaftet." .Wer sie?" Die Hadjuten. ' ' Wann, wo?" Vor drei Wochen, auf der Landstraße." Ach. dannl sind Sie wohl auch der entführte Mann, von dem uns ein Ansiedle? berichtete?" Ach. feien Sie mir nicht böse, Herr Lieutenant. Ihre Gläubiqer hatten miT- eine lofrnnu von 1000 Kranes versprochen, wenn es ml? gelange, Sie . . Wenn es Ihnen gelänge, mich zu verhaften. Run ja, das sagte ich Jhnen ja. Na, ich verzeihe Ihnen, Marcassin, aber machen Sie jetzt kerne Dummheiten mehr." Ach. Herr Lieutenant, wenn ich selbst etwas gegen Sie unternehmen wollte, ich könnt: es gar nicht. Diese Halunken von Beduinen haben mir alle meine Papiere genommen und ihre Pfeifen damit angesteckt." Also meine Wechsel . . . Bis auf den letzten verbrannt. Sie hab mich vollständig: ausgeplündert, sehen Sie nur, wie sie mich zugerichtet haben." Dabei öffnete der arme Teufel seinen Burnus und zeigte sich im Adamscostüm. Dafür hatten ihn die Hadjuten tätiowirt; er hatte eine Sonne auf dem Rücken und einen Vers des Koran auf 'der Brust. Seit jenem Ereign: j$ sind dreißig Jahre verflossen, und wenn ich daran denke, lache ich noch immer. . Meine Wechsel waren verbrannt; aber selbstverständlich habe ich alle meine Schulden mit Zinsen bezahlt, als ich meinen Onkel beerbte. Meine Gläubiger waren schon überrascht! Noch jetzt spricht man davon. Auch Marcassin habe ich ein Ta.usendfrancsbillet geschicktum ihn für seine Tättowirunq zu entschädigen. Jetzt habe ich fünfundzwanzig Schlachten mitaemacht, vier Wunden empfangen und mir schließlich die 'beiden Sterne des Vrigadegenerals und derCommandeurkreuz erobert. Aber trotzdem giebt es Momente, wo ich mich nach Marcassin und dem Qued el fuloq zurücksehne, und ich würde vieles hingeben, könnte ich noch einmal jenen Streifzug mitmachen. U m den Verdienst aebracht. Warum ist denn Ihre ??'rau auf einmal so -ornig geworden?" Sie haben einen Papierstehkragen an.' Und so oft die einen solchen sieht, kr'eat sie 'n heillosen Zorn! Sie ist Wäscherin!Gewohnheitsthier. Sie sehen so vergrämt aus, Herr Müller!" Ja. mir geht auch gerade Alles quer. Todtärgern könnte man sich!" Nun. was ist Ihnen Ungeheueres widerfahren?" Ja, denken Sie sich. Dreißig Jahre steht mm mein Lehnstuhl links vom Ofen. Und wissen Sie, was nun meir ftnu that, eh: sie ausging? Ha! ihn rcchks vom Ofen hingestellt!" Durchschaut. Bewerber. ich kaun wirklich ohne Ihre Tochter nicht leben!" Vater der Braut: Herrgott, als ich noch so ein junger Mensch war, wie Sie, da hatte ich Credit in Hülle und Fülle!"
Farben in künstlichem Licht. Wie die Sonne, die Lichi- und Wär. mespenderin, die ganze Farbenpracht um uns her entzündet, so ist sie es auch, die den Glanz und die Gluth der Farben beeinträchtigt und bald ganz zerstören würd, wenn, ihre Wirkung nicht eingeschränkt wäre. In ihrem reflectirenden Licht läßt sie einzelne Farben anderes erscheinen, als sie wirklich sind; deshalb bedarf der Maler zur Herstellung seiner Gemälde des sonnenlosen, nicht reflectirten Lichtes, da er nur in diesem die Harmonie oder Gegensätzlichkeit der Farben genau zu erkennen vermag. in Bruchtheil jener Kraft des ewigen Lichtes liegt auch in unserer, künstlichen Beleuchtung, welcher Quelle sie auch entstammen, möge. Wenn ias künstliche Licht die Farbe auch nicht wirklich tödtet, so wird es diese doch oft wenigstens stören und scheinbar verändern. Diese Störung ist je nach de: Lichtquelle verschieden. Wir wissen, wie wichtig die Farbe der Kleidung für die Erscheinung des Einzelnen ist, was wir mit ihr auszudrücken vermogen; wir haben daher bei Verwendung bestimmter Farben in künstlicher Beleuchtung auf ihre Veränderung zu achten, doch müssen wir auch die Aen'derung in Betracht ziehen, die das Licht auf die persönliche Erscheinung ausübt. Ein, Jeder weiß, wie schon ein durch einen Schleier verhülltes Licht die Gesichtszüge scheinbar verändert, wie ihnen rothes Licht einen warmen, lebensfrischen Hauch verleiht, während grünes das Gegentheil hervorbringtund blaues das Anilin kalt und leblos
erscheinen läkt. Am reinsten werden alle Farbentöne durch das milde Licht von Wachskerzen erhalten, doch ist ott Beleuchtung im Großen, von der allem doch die ganze Wirkung abhängt, längst außer Kurs gekommen. Wir haben heut zumeist mit dem blauweißeni elektrischen Vogenlicht und dem goldig schimmernden Glühlicht zu rechnen. Jedes von ihnen wirkt in seiner besondern Weise ebenso auf die Haut wie aus die Farbe. In allen großen Kaufhäusern hat man daher neuerdings ein Lichtzimmer" eingerichtet, um jede Farbe auf ihre Wirkung bei künstlicher Beleuchtung prüfen zu können; doch wird dabei zumeist nur auf die Veränderung der Farbe, nicht auch auf die der Gesichtszüge geachtet. Die darstellenden Künstler wissen es sehr genau, wie die künstliche Beleuchtung die Person beeinträchtigen kann, sie zaubern deshalb durch entsprechendes Schminken vollblühmdes Leben auf Wangen und Lippen, leuchtenden Glanz in die Augen. Selbstverständlich liegt es durchaus nicht in unserer Absicht, hier dem Schminken das Wort zu reden; was für die Bühne unerlätz lich ist, gehört darum noch nicht in das häusliche Leben, wir wollen nur darthun, daß man bei der Wahl der Farben für künstliche Beleuchtung anders verfahren muß als bei solcher für die Tagestoilette. Am wenigsten wird Roth vom künstlichen Licht beeinträchtigt, weil die Lichtstrahlen diese Farben durchdringen. Roth erscheint für manche Personen in künstlichem Licht noch kleidsamer als sonst, da dies aus die menschiiche Haut stets eine etwas erbleichende Wirkung übt. Roth bewährt sich eben so gut im elektrischen Bogen- wie im Glühlicht, wenn es in ersterem auch ernen -kleinen Stich in's Violette erhält. Blau .nimmt im Glühlicht leicht einen grünlichen, im bläulichen Bogenlicht dagegen einen kalten, etwas unreinen Ton an. Bei rosiger Frische der Trägerin ist beides nicht allzu bedenklich, es ist sogar möglich, daß eine solche junge Dame interessanter, sozusagen nixenhafter erscheint, als dies bei einem reinen Blau der Fall gewesen wäre. Ist das Gesicht aber an sich schon matt und kränklich, dann geht in beiden Fällen alle Anmuth und Kleid. samkeit verloren. Gelb ändert sich ebenfalls wenig, nur das sehr helle nimmt eine schmutzig weiße Färbung an. Scharf ausgeprägtes Gelb spiegelt sich bei künstlicher Beleuchtung immer in leuchtenden, goldigen Reflexen wieder und erscheint namentlich im Glühlicht prächtig. Roth und Gelb sind also in allen Schattirungen, bis auf das matte Gelb, die besten und reinsten Licht färben. Violett erscheint bei künstlicher BeZeuchrung fast schwarz, ebenso wird von ihr dunkles Blau und Grün völlig aufgezehrt. Lila erscheint je nach der Farbenmischung anders; ist Roth darin vgrberrsckend. so ist die ??arbe klarer und reiner; herrscht jedoch der blaur Ton vor, so tont stch die ttjchung zu einem unreinen Grau. Im Allaemeinw dürsten alle hellen Farben bei künstlicher Beleuchtung neidsamer ersckeinen als dunkle! diese müssen durch helle Farben, Spitzen, Perlen u. dergl. belebt werden. Von mitteltönigen Farben verändern sich Rehbraun. Mode. Pfaublau. Erdbeerfarbe, Silbergrau und Stahlblau im künstlichen Licht am wenigsten, aber auch bei ihnen muß man die eigene Person berüisichtigen. da diese selbst sich unfehlbar verändert. In dem blauen Bogenlicht erscheint die Haut kalt, marmorartig und wenig belebt, deshalb müssen für die Toiletten möglichst contrastirende Farben ge.wählt oder solche wenigstens hinzugefügt werden. Für dunkle Schönheiten eianet ssck Granatrotb. Purvur. Weinroth. Nelkenroth. Fuchsinroth u. s. w., für lichte Fua)stnroty, Flamingoroth. Korallenroth und die verschiedenen rosa Schattirungen. von denen freilich die gelbrosa getönten bei Licht immer hübscher und frischer erscheinen als die blaurosa getönten. Für junge blühende Gestalten empfiehlt sich auch Helles Grün, das besonders im Glühlicht von
einem leichten Goldton überhaucht und dadurch sehr kleidsam wird. Man wird für künstliche Beleuchtung immer markante, ausgesprochene Farben am kleidsamsten und passendsten finden. Dieses Farbenstudium treibt jede bedeutende Schauspielerin mit Erfolg. Charlotte Walter. Eleonore Duse und Sarah Bernhard verstehen es ganz besonders, sich Vortheilhaft zu kleiden. Sie componiren ihre Toiletten selbst und berechnen ganz genau die Wirkung auf ihre Erscheinung bei künstlichem Licht. Tolstoi behauptet, die Männer verfangen sich nicht in die Person, sondern in den Stoss und die Art und Weise, wie er das Weib umhüllt. Wir möchten uns bei aller Hochachtung für den Autor doch nicht zu dieser Ansicht bekennen, können auch nichts Verwersliches in der geschickten Wahl einer harmonisch wirkenden Toilette erblicken. Wir finden es vielmehr ganz in der Ordnung, 'daß ein fein orgamsirter Mensch mit vollentwickeltem Schönheitssinn recht sorglich dabei zu Werke geht. Richt um andere zu verblüffen, sondern um den eigenen ästthetischen Empfindungen Rechnung zu tragen, wird sich die gebildete, kunstsinnige Dame so vollkommen wie möglich kleiden, sowohl bezüglich der Form wie der Farben. Das Bewußtsein, gut auszusehen, gibt der ganzen Person etwas Positives. Bestimmtes, während das Gegentheil unsicher und deshalb ungraziös macht. Der Geschmack zeigt unsere Bildung", sagt Ambert, und in der äußern Erscheinung prägt sich
die innerste Empfindung des MenUUl UU3. ZZie reifere Zrau als Gattin und Mutter. Wie am sonnigen Morgen eine Gegend. in duftigem Nebel gehüllt, uns fern, ja unerreichbar scheint und doch am Abend, sobald die Schatten sich verlängern, so klar und deutlich vor uns ruht, als wäre sie meilenweit näher gerückt, so dehnt die Zukunft vor der jugendlichen Erwartung sich bis in's Unendliche aus. während dem durch Erfahrung geklärten Alter das Zukünftige gar zu schnell näher zu rücken scheint. Auf dieser Thatsache basiren die widersprechenden Urtheile Über alt und jung. Das Backfischchen hält eine dreißigjährige Dame für eine Matrone, kommt es aber selbst an dieser gefürchteten Zeitstation an. so wundert es sich höchlich bei der Wahrnehmung. daß die Jugend vorüber sein und nicht wenigstens in diesem specieilen Falle eine Ausnahme stattfinden solle. Die bekannte Schwäche der Frauen ist, ihr Alter zu verheimlichen. Die meisten Personen ihres Umganges können es ihnen doch nachrechnen und thun es bei denen am genauesten, welchen es ein empfindlicher Punkt ist. Welchen Ruken bringt es, wenn man ihnen ein Jahr weniger gibt, als sie wirklich haben? Werden sie dadurch nur um einen Tag zunger? Nur ganz besonders glücklich angelegte Naturen trennen sich leichten Herzens von ihrer Jugend, den meisten kostet es einen Kampf, den Uebergangs schritt in das Alter mit Resignation zu thun. Ach. nichts im Leben gewinnen wir ohne Kampf! Aber warum wird uns gerade dieser vorzugsweise schwer? Liegt es nicht hauptsächlich darin, daß wir uns gern so lange als möglich mit den Illusionen der Jugend schmucken, die unser eigenes l:eb:s Ich zum Mittel Punkt unserer kleinen Welt machten? Würden wir uns den Kampf n:cht wesentlich erleich!c:n, wenn wir schon zeitig mit der Selbstliebe brachen, die all:s aus sich bezieht? Manche Frauen, die in de: Jugend schön waren, ver w:chseln die Gegenwart mit der Verganzenheit und glauben es noch zu sdn, wenn längst der Schmelz derFarben verblaßt und die Elasticität der Gestalt erscklasft ist. Sie vergessen. diß kein auß:rer Ren den Zauber ver leihen und ersetzen kann, welches ein schönes Jnn:n!eben auch über unregelmäßige und alternde Züge breitet, des sen mächtige Anziehungskraft sich am höchsten im Familienkreise entfaltet, aber auch in der Gesellschaft oft noch größer: Aberkennung fmdet als Jugend und Schönheit. Hat die Frau. wenn letztere sie verlassen, keine .besseren und unvergänglichen Mittel, ihren Ma7.n zu sess:ln. dann ist sie zu bedauern. Sie greift oft nach allen Mit teln der Toikttenkunst, um den schö nen Schein für das Wesen zu retten. ohn: den gewünschten Erfolg zu errangen, so verbittert sich oft ihr Ge müth und damit auch ihr Leben. Aber glücklich die Frau, welche vor dieser Verirrung bewahrt bleibt und in der Vertiefung ihrer Gefühle, m der Aus bildung ihres Geistes den einzig richtigen Weg erkannt und gefunden hat, um sich für alle Zeiten den ersten Platz im Herzen ihres Mannes zu sichern. Sie kann es ruhig ansehen, wenn er sich an de? Schönheit anderer offen erfreut, und t weniger sie ihn darin stört, um so ungefährlicher und harmlose? bleibt dies Wohlgefallen Die reisir: Frau muß freiwillig auf man ches verzichten, will sie , ihrer Würde nichts vergeben. S:e darf sich nicht mit auffälligen Blumen und Farben schmücken, wie ihre eben erwachsen: Tochter und sich nicht an deren Veranügunaen anders als zuschauend bethe'lizcn. Durch Erscheinung und Auftreten muß eine Frau in vorgerückten Jahren die ihr in Haus und Ge'ellschaft gebührende Stellung selbst so richtig bezeichnen, daß ihr jeder darin entgegenkommt. Wenn sich das Verhältniß der Frau zu dem Manne allmälig verwandelt und doch an Innig-
leit und gegenseitigem Vertrauen erstärkt, so liegt daö zum großen Theil an dem feinen Taktgefühl 'der Frau, welche es versteht, sein Interessen zu
den eigenen zu machen, sich chm willig unterzuordnen und ihm die Vürde sei ncs Berufes tragen zu helfen. Hat sie dies von Anbeginn versäumt, läßt es sich schwer ncuHolen.' Au den Kindern gegenüber' schlägt die reifere Frau allmälig einen anderen Ton n, indem sie nicht in übertriebener Zärtlichkeit verharrt. Erwachsene Söhne verehren t ter Mutter, welche ihre Wurde Nicht durch thörichte JuZendansprüche verscherzt, das Ideal der Weibchkeit und sind stolz, wenn sie m die Lage kommen, ihr als ritterlicher Velchätzer zur Seite stehen zu dürfen. Und mit den Töchtern entspinnt sich ein so inniges Freundschaftsverhältniß, daß sie sich gegenseitig die Gedanken aus den Augen lesen. Das sind Freuden der reiseren Frau und Mutter, welche wohl reichlich Ersatz bieten für manche glänzendere Vergnügungen und fluchtige Freuden früherer Tage. Zur das Vaby des Zarenpaarcs. In Paris sind, vor Kurzem zwei Layetten, Ausstattungen für Neugeborene. fertiggestellt und nach Vetersburz an den Zarenhof abgesandt worden. Ob nun das Kind des Zarenpaares ein Vroßfürst-Thronfolger oder ineGroßfürstin werden wird Dank den in Paris gemachten Bestellungen wird die kaiserliche Mutter nicht eimn Moment lang in Verlegenheit sem, wie sie den Säugling anziehen soll. Denn die eine der Kinderausstatwngen ist für einen Knaben, die andere für einMädchen bestimmt und je nach Bedarf wird die eine oder die andere in Verwendung genommen werden. Am Zarenhofe be-. sitzen, wie bekannt, die englische Mode und die englische. Sprache die VorHerrschaft und so ist es auch nicht zu verwundern, wenn die momentan wichtigste Toilettefragc von der Zarin im englischen Sinne entschiede wurde und die in Paris bestellten Ausstattungs stücke alle nach englischem Musier gearbeitet wurden. Die Bändchen sind sämmtlich aus englischem Battist mit Valenciennesspitzen gezievt, die Jäckchen aus Flanell mit Spitzenüberzügen, Blümchen und Sterne darstel--lend. Sie erscheinen in dreierlei Großen. von jeder Gattung zwols Dutzend. Die Wäsche für den Knabe ist mit purpurrothm Bändern, jene tes Mäd chens mit blauen Bändern gebnnden. Die Windeln wurden aus in holläMschen Fabriken bestellter Leinwand her gestellt; sie sind fo zart, daß man jede in einer Nußschale unterbringen könnte. Während alle anderen, Wäschestücke eine überaus zierlich eingestickte Kaiserkrone tragen, sind die Windeln ohne jedes Merkzeichen. Die .Bavettes" sind klein, rund, aus gesticktem Battist, gefüttert mit einer gesteppten Unterlage aus Piqu6. Einige Dutzend derselben zeigen Volants aus fetnen Guipure-Spitzen. Die Vcrdemäntel aus weißem Flanell werden doppelt genommen, mit Capuchons und seidenen Schnüren, mit der gleichen Unterscheidung der Farben wie, oben erwähnt für den Prinzen oder die Prinzessin. Weiters gibt es eine Reihe weißer Lederschuhe mit Atlas gefüttert, mit Spitzen verziert und mit Schwanenflaumen verbrämt. Die für den Prinzen bestimmten haben die Form kleiner niedlicher Reiterstiefel. Die Tragmäntel sind Prachtstücke in ihrer Art. Da sieht man solche aus weißer Ottomane mit Eiderdauen gefüllt, dar über große Pelerinen aus Tibetziegenfell. Weiße Cachemirmäntel mit großen Maiglöckchenguirlanden bringen einen reizenden Effect hervor, sie ruhen auf einem Grund von ValenciennesSpitzen. Weiße Atlasmäntel mit Hermelin verbrämt und gefüttert, wieder auf speziellen Wunsch der Kaiserin verfertigt, dazu kleine Capotehütchen mit Straußfedern geschmückt. Schließlich bekommt das Zarenkind auch kurze Mäntelchen mit Kutscherkragen aus Tibetziegenfell mit Verbrämung von Chinchilla, Zzbel und Sealskin.' Eine Unzahl langev Kleidchen aus weißem Sammt, vorne osfen wie die russischen Bauernblousen, mit Pelz verbrämt und bauschigen Unterhemdchen, zeugen von echt französischem Chic. Tragkleide? aus .battist mit Valenciennes, viele K' .r aus Piqu6 mit irischen Spitz ,Suipurespitzen-Kleidchen mit Atlas' gefüttert vervollständizen den Trousseau. Entzückend sind die taillenlosen amerikanischen Kleider aus englischen Webstoffen, leicht wie Flaumenfedern mit Satteleinsätzen und Krägelchen aus Stickereien. Die beiden Layetten ruhen in ..drei großen Spiegelschränken, die m-it weißem Atlas austapezirt sind. Obenaus liegen viele Dutzende von Miniatur-Hand-schuhen aus weißem Sammt, mit Etderdunen gefüttert. Da man vermuthet. daß Königin Victoria für ihr Urenkelkind eine englische nrn-se" schicken dürste, die statt der Wickelbänder Sicherheitsnadeln verwendet, hat man in einer Cassette viele Dutzende goldener Sicherheitsnadeln beigefügt. Zum Festhalten der Bartchen wurden vier Dutzend Brachen angefertigt, die in Perlen das Wort Uabv" zeigen. Die Perlen wurden vom russischen Hofe geliefert. In einem eigenen Kasten, der in zwei Abtheilungen gesondert, ruhen die Taufgewänder für den Großfürsten oder d Großfürstin. Vergleiche. In ihre? Kindheit gleichen die Frauen dem Wasser, von 12 15 Jahren der Limonade, die jungen Damen von 13 23 dem Champagner, Frauen von 2540 dem Liqueur, Frauen von 40 50 dem Portwein. Nach dem 60sten Jahre werden sie Essig.
