Indiana Tribüne, Volume 19, Number 60, Indianapolis, Marion County, 17 November 1895 — Page 6

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In Harmonie

So C5c5fin Hedwig Rittberg. . , - Ich bav'.ein kleines W geVrt, Das ich noch nie 'vernommen; Das fcil mir Hnz und Sinn beihört, WciK ich!, wie es gekommen. So ungesucht und schlicht das Wort, Die Weise auch, die süße Doch klang's in meinem Herzen forl Als ob. ein. Freund mich grüße. Mir schien, es wäre aufgewacht. Was längst verträumt, entschwunden Der einst das kleine Lied erdacht. Hat auch wie ich empfunden. Die ZNnsiK. Musik mit Talent, zur rechten Zeit und mit Ernst betrieben, ist ein angenehm belebendes Element für die Familic, auch ein bescheidene Talent, eine mittelmäßige Technik vermögen im Familienkveise erfreulich zu wirkn, wenn sie kn weiser Selbstbeschränkung sich nicht höher versteigen, als ihnen zu beherrschen möglich ist, sei es nun die menschliche Stimme od:r das veliebte. fast nirgends fehlende Piano, die als Organ der Kunstübung dienen und gern ein Lied oder Tänzchen zum Besten geben, woran Alt und Jung sich erfreuen. .Die Musik ist in der Gegenwar! fast zu einem Gemeingut Aller geworden. Nur in seltenen Ausnahmefällen, wo jede Naturanlage in dieser Beziehung fehlt, sind Ohr und Stimrne nicht biidungsfähig. Durch Uebung und Aufmerksamkeit lernt das Ohr die Töne und den Rhythmus unterfcheiden. die Stimme den richtigen Ton treffen, wenn es auch ohne regelrechte musikalische Uebung nicht gelingt, sie festzuhalten und wiederzugeben. Immer ist der Versuch, selbst bei fehlenden Stimmmitteln, die Empfänglichkeit des Ohres zu wecken und zu steigern, zu empfehlen, denn eine Vernachläfsigung nach dieser Seit: in der Jugend läßt sich durch spätere Vemühungen nicht wieder gut machen. Aber auch ein von Natur musikalisches Gehör bedarf der Ausbildung durch das Hören und U?ben klassischer Werke, auf daß der Geschmack nicht eine falsche Richtung nehme und über dem Wohlgefallen an den leichten, nur den Sinnen schmeichelnden Melodien nicht den Zug und das Verständniß für die tief in die Seele dringenden Harmonien verliere. mit welchen die Heroen der Musik die herrttchsten menschlichen Empfindunzea in idealer Weise auszudrücken verstehen. Das Elavierspiel der Solisten erfordert nicht nur eine bedeutende. Fingerfertigkeit diese ist nur die Grundlage, wie das Lautiren beim Lefen' sondern vor Allem eine richtige Auslassung des geistigen Inhalts eines Musikstückes, wenn es nicht zu einem ungenießbaren Gewirr von Töneu herabsinken soll. Die einfachste Melodie, mit richtiger Empfindung vorgetragen, dringt tiefer zum Herzen, als die tiefsinnigste Composition, die falsch iuterpretirt wird. Größere Instrumentalwerke sind vielfach für das Piano arrangir! worden, um sie dem musikalischen Publikum näher zu bringen, und wenn die Vortragenden gut eingespielt sind, finden sie selbst und anbei eine innige Befriedigung, in dem Studium und der Wiedergabe der herrlichen Symphonien und andere Tonschöpfungen unserer gottbegabten Meister, die vielleicht manchem unbekann! bleiben müßten, wenn sie nicht auf diese Weise, zwar unvollkommen, aber doch einigermaßen effektvoll dem Dilettantismus zugänglich wären. Die Elavierbegleitung des Gesanges wird in ihrer Bedeutung oft unterschätzt, und doch ist sie immer eine wichtige Unterstützung des Eindrucks. Freilich gehört dazu neben einer genauen Kenntniß des vorzutragenden GesangstückeZ ein williges Eingehen auf die Art des Vortrages und ein vollständiges Zurücktreten der eigenen Persönlichkeit. Nur unter diesen Voraussetzungen leisten die begleitenden Hände dankbar anzuerkennende Dienste, und es ist zu bedauern, daß sie nur selten vereinigt zu finden, die Sängerinnen vielmehr häufig gezwungen sind, sich selbst zu begleiten, was meistens dem Vollklang der Stimme und der Sick-er-heit des Vortrages Eintrag thut. Das zarte und doch feste Einsetzen, das allmälige Anschwellen, das klare, vom Tremoliren freie Ausströmen und das leise Vcrklingenlassen des Tones unter richtvgem Athemholen sind bei entsprechenden Stimmmitteln die Grundbedingungen eines guten Gesanges. Daneben muß vor Übeln Angewohnheiken Gesichterschnerden, Hüstenschütieln und allen dramatischen Bewegungen gewarnt werden. Man hört oft die Bemerkung über eine Sängerin, daß sie recht gut anzuhören, aber durchaus nicht anzusehen sei. Je ruhiger und anspruchsloser dagegen die Haltung einer Solosängerrn ist, um so lieber hört man ihr zu. GutesGefchäft. A.: .Na. wie geht es Ihnen denn?" V.: Ach, ich danke, ganz gut. ich bin jetzt Gefängmßwärter und habe einen kleinen Nebenverdienst, indem ich den Gesang:nen Eßwaaren verkaufe." A.: Sie stird ja wohl auch verheirathet, hat Ih7.en Ihre Frau Vermögen mitgebracht?" V.: .Das nicht, aber all: ihre Verwandten gehören zu meinen Kunden!" Kindliche Auffassung. So? Von der Erschaffung der Welt hat Euch der Lehrer erzählt? Nun. wer war Adam?" Aber Großmutter, das weiß ich; Adam war der Vräutiaam von der Evi?!"

England und Venezuela. Sehr alt ist der Streit zwischen England und Venezuela, brennend ist derselbe aber erst geworden, als die Goldsucher in größerer Anzahl irr'S Land kamen. tozuela m frühe: eine spanische Kolonie und hat sich, nachdem es im Jahre 1810 das spanische Joch abgeschüttelt, mit den beiden angrenzenden spanischen. Provinzen Neu-Granada und Ecuador als Freistaaten von Eolumbia" constituirt. 1831 trennten sie sich wieder und Venezuela wurde selbstständig. Im Jahre 1845 erkannte Spanien Venezuela als Nachfolgerin der ehemaligen spanischen Statthalterschaft Venezuela an, doch wurden die Grenzen nicht genau festge-. setzt. An Venezuela grenzten im Osten Holländisch Guyana, das 1814 von den Niederlanden an England abgetreten wurde, doch wurden auch in die fern Vertrage die Grenzen nicht genau bestimmt, auch galt sowohl nach dem Vertrage von Aranjuez (1791), sowie anderen Vereinbarungen zwischen Spanien und Holland der Fluß Essequibo als Grenze zwischen den hollän dischen und spanischen Besitzungen im

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Präsident Crespo. Mündungsgebiete des Orinoco. Darnach wäre also auch England als Rechtsnachfolgerin der Niederlande verpflichtet gewesen, jene Grenze zu respektiren. Dagegen wird nun von englischer Seite geltend gemacht, daß Gebietstheile westlich vom Ejsequibo von holländischen Ansiedlern in Besitz genommen und deshalb auch im Vertrag von 1814 an England abgetreten worden, seien. Außerdem habe England das Eigenthumsrecht an weitläuftigen Minenländern im Innern auf Grund von Verträgen mit Jndianerstämmen erhalten, auch habe Venezuela nach der Revolution von 1810 von diesen Gebietstheilen nicht thatsächlich Besitz ergriffen. Noch während Venezuela um seine Unabhängigkeit gegen Spanien kämpfte, überschritten britische Eolonisten von Demarara aus den EssequiboFluß und errichteten 'Handelsfaktoreien an der atlantischen Küste, westlich vom Essequibo. Im Jahre 1827 waren die britischen Ansiedelungen bereits bis zum Morocco-Jluß vorgedrungen. Venezuela hatte in der nächsten Zeit mit sich selbst genug zu thun, als aber die englische Regierung (unter Lord Palmerston) Ende 1840 den Ingenieur Sir R. H. Schomburgk beauftragte, die Grenze Britisch-Guyana's durch Vermessungen festzustellen, erhob Venezuela Protest, jedoch erst, nachdem Schomburgk an den Mündungen des Barima- und Amacura-Flusses im Orinocco Delta angelangt war, SchilMinister P. E. Rojas. derhäuschen errichtet und die englische Flagge aufgepflanzt hatte. So entstand die sogenannte SchomburgkLinie. welche Anfangs nur die Ansprüche Englands markiren sollte, später aber von London aus als Rechtstitel bcnutzt wurde. Die Regierung von Venezuela sandte einen diplomatischen Agenten, Fortique, nach London, und dieser bewog denn auch den damaligen Premier, Lord Aberdeen, die Oberhoheit Venezuela's über den Küstenstrich zwischen dem Orinoco und MoroccoFluß anzuerkennen. Der englische Minister schlug dann eine Gren.linie vor, welche an der Küste beträchtlich hinter der Schomburgk'schen zurückbleibt. Im Jahre 1857 gestattete Venezuela, das durch beständige Unruhen im Innern geschwächt war, den Eng ländern eine wissenschaftliche Expedttion" zur Erforschung etwaiger Goldlager zu entsenden und das Ergebniß dieser Forschung war eine Anzahl Verträge mit den unabhängigen Jndianerstämmen". Erst im Jahre 1876 wurden die Grenzverhandlungen wieder aufgenommen und zwar durch Venezuela, welches Herrn Rojas nach London sandte. Noch während der Verhandlungen. Ende 1880, erschienen 2 englische Schiffe an der Mündung des Orinocco, um Materialien zur Errichtung eines Telegraphen in dem streitigen Gebiete auszuschiffen. Damals mischten sich die Ver. Staaten offen in den Streit ein, doch begnügte sich der Staatssecretär Frelinghuysen noch im November 1882 damit, ein Schiedsgericht zu empfehlen. Aus Nojas folgte als Unterhändler Venezuelas Guzman Blanco und dieser verein-

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harte mit Lord Granville die Berufung eines Schiedsgerichts, allein Lord Salisbury, der bald darauf zur Regie-

Schiff auf dem Orinoko, rung kam, desavouirte in einer Note vom 27. Juli 1885 seinen Vorgänger im Amte. Lord Rosebery, der Nachfolger Salisburys.war zu einem Eompromisse bereit, allein während noch verhandelt wurde, erschien wieder eine aus Marineofficieren und Civilisten bestehende englische Expedition am Orinocco, welche an Punkten, die niemals vorher von England als Gebietstheile Vritisch-Guayanas beansprucht waren, Plakate mit der Unterschrift des britischen Gouverneurs von Demarara anbrachten, des Inhalts, daß dort die britischen Gesetze in Kraft seien, auch wurden englische Beamte an Stelle der venezuelischen ernannt. Guzman Blanco protestirte und verlangte die Wiederherstellung des Zustandes von 1850, es wurden eine Anzahl Noten gewechselt, jedoch ohne Ei folg, so daß Venezuela am 20. Februar '1887 die diplomatischen Beziehungen zu England abbrach. Darauf erließ de: Gouverneur von Guyana eine Proclamation, in welcher er das ganze Ge. biet bis zum Garoni-Fluß für britisches Eigenthum erklärte. Nun mischte sich auch die Regierung in Washington wieder ein, allein Lord Nosebery gab Jndianeraus Vri t.-G u i a n a. nicht einmal Erklärungen ab. Alle späteren Versuche der offiziösen Agenten Venezuelas in London und der Washingtoner Regierung, das Londoner Eabinet zur Annahme eines Schiedsgerichts zu bewegen.sind an der Bedingung Englands gescheitert, daß nur das Gebiet westlich von derSchomburgklinie dabei in Betracht kommen dürfe. Wie aus der vorstehenden Darstellung der bisherigen Entwicklung . des Grenzstreites zu ersehen ist. sind die Ansprüche Englands sehr zweifelhafte und da andererseits auch Venezuela nicht in der Lage ist, seine Behauptung, daß der Essequibo dk Grenze bilde, zu begründen, so liegt hier sicher ein Fall vor, wo ein Schiedsgericht an. besten wirken könnte. Vermuthlich befürchten aber die Engländer felbst, daß das Urtheil eines folchen ungün stig für England ausfallen werde und so versucht Lord Salisbury den schwächeren Staat einzuschüchtern. Zoologisches. 2ta sehen Sie den jungen Remvelmaier mit seiner Braut. . . er kaum die Universität bezogen und sie eine alte Jungser und hat nicht 'mal 'was können Sie solche Handlungsweise logisch finden." O, sogar interessant zoo-logisch!" Wieso?" Nun, es haben sich da ein junger Fuchs und eine alte Gans zu einem Paare zusammengefunden!" Hinausgegeben. Kunde: 'Naus nichts wie 'naus! Ich kauf' Ihnen nickts ab!" Reisender: Sie edler Mensch! Wollen meinem Hause ohl unnütze Advocatenkosten ersparen?!" Nach den Flitterwochen. Sie: Albert, was sinnst Du eben? Du bist :a so nachdenklich!" Er: Liebes Kind, das interesstrt Dich nicht, woran ich gerade dachte!" Sie (schmollend): Aber. Albert, wie kannst Du an etwas denken, was mich

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Zveinlese. Mit leichter Hand erhebt der Zecher den Römer mit flüggem Nheingold UNd singt aus froh -stimmte? Kehle ein Lied zum Preise bt Weines; allem des wackeren, Wmzers gedenkt er nicht, ver in einem Dasein voll Mühen, ton Wem bereitet hat. Gar viele Schweiß tropsen stecken in dem Rebenblute. Sehen wir ab von all' den besonderen Umständen, welche die Neuanlage eines Weinberges, die Veredelung und VttMehrung der Rebstöcke erfordert, überschauen wir nur die nothwendigen regelmäßigen Verrichtungen, die der Weinberg von seinem Pfleger verlangt, so kommt schon ein vollgerllttelr' Arbeitsmaß zu Stande, das um so schwerer wiegt, als diese Arbeit meist gethan werden muß in einem abschüssigen Gelände, in stetem Auf- und Absteigen über oft geradezu halsbrecherische Staffelpfade. Da kommt im Frühjahr das Aufräumen, der erste Schnitt der Reben, dann das Einschlagen der Pfähle, das Aufbinden der Ranken. Mindestens zwei-, womöglich dreimal wird im Sommer der Boden umgehackt, das Unkraut ausgejätet, dazwischen hinein will der Sommerschnitt, das Ausbrechen, das Gipfeln besorgt und leider aucy der Kampf gegen allerhand Ungeziefer und Feinde des Rebstocks geführt sein. Nach der Lese geht es an das Ausziehen der Pfähle, das Verlegen" (Eingraben) oder an das Anhäufeln der Stöcke und

( an die beschwerliche Düngung. Einmärschen. Am höchsten steigert sich natürlich die Thätigkeit zur Zeit der Ernte, und ist der Jahrgang gut gerathen, dann wird ja auch alle Last und Mühsal von Herrschaft und Gesinde willig ertragen, dann wird die Weinlese zu einer im schönsten Sinne des Wortes festlichen Arbeit. Einige Wochen vor der Lese werden die Weinberge am Rhein geschlössen und von besonderen Hütern mit Rätsche, Pistole und Knotenstock bewacht, eine Maßregel, die sich gegen allerhand gefräßige Traubendiebe, zweifüßige, vierfüßige und geflügelte, richtet. De? Beginn der allgemeinen Weinlefe wird alsdann in der Regel durch eine örtliche Commission, durch einen Vertrauensmänner - Ausschuß, bestimmt, was seine Begründung darin findet, daß man einerseits die Weindauern, auch die unerfahrenm und ungeduldigen, zu einem möglichst ratwnellen Zeitpunkt der Lese und damit zu ihrem eigenen Vortheil zwingen, andererseits Grenzverletzungen der zuerst Erntenden auf Kosten der später Nachfolgenden vermeiden will. Glockengeläute und Böllerschüsse verkünden, daß der Bann gelöst, die Ernte freigegeben ist, und hinaus strömt es in der würzigen Frische des Herbstmorgens mit Wagen und Eimern und Büttm und Körben, und wenn die Octobersonne mit ihrem Strahl die Gipfel der Hügel grüßt, lebt und webt es schon an den Hängen von emsigen Gestalten. Und nun begleiten wir einmal die strotzenden Früchte auf ihrem weiteren Gange. Das erste Schicksal, das ihnen widerfährt, ist das Einmaischen. ein Verfahren, welches die Aufgabe hat, die Traubenbeeren zunächst einmal leicht zu zerdrücken. Es geschieht dies, je nach Lage de? Verhältnisse, entweder Rebbeln. gleich draußen im Weinberg oder erst daheim in der Kelter.' Unser technisch so strebsames Zeitalter .hat natürlich auch für diese Verrichtung Maschinen erfunden, fogar sehr diele und vielgestaltige, die indessen wesentlich alle auf demselben Princip beruhen, die Beeren zwischen Walzen zu zerquetschen. Früher und diesem Gebrauch ist der Rheinländer heute noch nicht ganz untreu geworden, der Süden sogar noch sehr ergeben nahm man dazu allgemein ein Werkzeug, das Mutter Natur selbst dem Menschen mit auf fernen Lebensweg gegeben hat, nämlich die Füße, und zwar mit oder ohne Stiefelbekleidung. Das Letztere wird vielleicht von zarten Seelen mit Nasenrümpfen vernommen, gewiß ist, daß der berühmteste Jahrgang unseres Jahrhunderts, der Elfer, zweifellos in seiner Hauptmasse,, wie die Blümlein unter den Füßen der Geliebten, unter den natürlichen Sohlen wackerer Rheinlands söhne hervorgesproßt ist. und er hat twjjdem Kaiser und Könige. Dichter und e meine Menschen entzückt. . Wichtig ist, da beim Einmaischen die b'ärteren unreifen Beeren, serner, die Kämme und die in den Beeren vorhandenen Kern-

chen nicht mit zerquetscht werden, denn das verschlechtert den Most. Maschinen sind aber nicht so zartfühlend, wie ein Menschen fuß. ...

'f AnderPresse. ' ' Wir baben nun also die Massen der aufgedrückten Beeren vor uns. Noch aber sind diese nicht fertig für die Presse, denn sie hängen an den Kämmen, und diese mitzupressen wäre abermals, bei guten Sorten wenigstens, auf das Ergebniß von schädlichem Einfluß. Es gilt also, die Kämme von den Beeren' zu scheiden, wobei wir bemerken, daß das hier und da auch schon vor dem Maischen geschieht, wie es andererseits bei geringen Lagen wohl auch ganz un terlassin wird. Die Trauben kommen auf ein Sieb, das von einem viereckigen Kasten umschlossen ist; es ruht auf zwei über einen Bottich gelegten Balken. Ist die Maische aufgeschüttet, so wird das Sieb so lange hin und her geschüttelt und gerüttelt, bis die Beeren durch die Maschen gefallen sind und die leeren Kämme abgehoben werden können. Man benennt dieses Verfabren mit dem Wort Rebbeln" oder auch Rappsen". Jetzt erst ist der feierliche Augenblick gekommen, wo die Beerennasse als preßreif" oder druckfertig" betrachtet werden kann. Nun also hinein mit der Maische in den Preßkorb", die Deckbreiter darüber, den Hebel an die Spindelmutter, das Seil von des Hebels Spitze zum Wellbaum gezogen, angefaßt an den vier weitausgreifenden Speichen! Und jetzt geht es in lustigem, bald aber schwer und schwerer werdendem Marsche rund um den Baum. Unter der vereinten Kraft der zwei Hebel und des Schraubensystems senkt sich die Preßdecke tiefer und tiefer, unten aber entströmt der köstliche Saft, der sich, zu? Fernhaltung von unreinen Bestandtheilen, noch einmal durch einen Bastkorb filtrirt. Der Weinmost ist gewonnen. Noch ist es ein weiter, kaum weniger mühe- und sorgenvoller Weg, bis der trübbraune Most als goldene Fluth im Glase funkelt. Mit der Verfüllung des Mostes in die Gärbütte oder in das Faß ist aber die Arbeit der Weinlese vorüber, die Kellerwirthschast beginnt. Schlecht belohnte Gtttmüthigktit. Originalhumoreske von F. Jüttncr. WK S e i n e M c i n u n g. Betrun !ener: Wenn die Erde doch eineSchelbe wär, so leicht würde man dann dvch nicht umfallen, wie auf einer Kugel. Tiefsinnige Betrachtung. Meine Frau ist die Tochter eines Schnapsbrcnncrs!" Ja, ja; durch den Schnaps ist schon manches Unheil in die Welt gekommen!" Berechtigter Anspruch. Gräfin: Weshalb grüßtDu denn Deinen Papa nicht?" Sohn: Was wollen Sie, Mama, er hat 16, ?ch habe 17 Ahnen; also hat er zuerst zu grü:n!" Scherzfrage. Welcher Unterschied ist zwischen einem Briefschreiber und einem Weintrink:??" Antwort: Der Erstere feuchtet seineMarke mit der Zunge an, der Letztere die Zunge mit der Marke" Verblümt. Elise: Liebste Stell, vier Monate habe ich Dich nicht gesehen! Wie geht es Deinem Karl?" Stella: O. mein Karlchat sich seitdem sehr verändert er heißt jetzt Robert!"

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Der Sieg der Antisemiten in Wien

Nach eine? Daue? von 35 Jahren ist das Regiment der Liberalen 'in Wien zu Ende gegangen und 'der Antisemit ten-FÜHrer Dr. Lueger ist zum Bür. germerster'der Kaiserstadt an der Dünau gewählt worden. Bei der Wahl i-rmm)l ' Dr. Lueger. ! ! wurden 33 Stimmen für Dr. Lueger abgegeben, während 44 Zettel unbeschrieben blieben. Wien ist damit die erste unter den europäischen Hauptistädten geworden, in deren Verwaltung der ausgesprochene Antisemitismus, der principielle Widerwille gegen das Judenthum zur Herrschaft gelangt. Würg Kochem Die Moselufer sind nicht nur berühmt durch die Crescenzen ihrer Weinberge.unter denen sich der Braunberger, Pisporter, Zeltinger, Josephshöfer und der Vernkastler Doktor des bedeutendsten Namens erfreuen, sondern die Berge auf beiden Seitm sind auch von zahlreichen Burgen gekrönt, unter denen die meisten freilich Ruinen und trümmerhafte Gemäuer sind. Doch gibt es auch Ausnahmen, besonders das noch wohlerhaltene, echt feudale Stammschloß der Edlen v. Eltz bei Mosettern und die prächtige Burg Kochem, die, neuerdings mit großem Kostenaufwand und hervorragendem Kunstverständniß restaurirt, dem Besucher das getreue Bild einer mittels alterlichen Burg mit allen Einzelheiten in der inneren Ausstattung wie der äußeren Erscheinung vor Augen stellt. v " ' f l.i, -nritfTZt. . $rxru KV,''irA Ansicht der Burg. Wir bringen eine Ansicht des prächtigen Bauwerkes, das sich über der gleichnamigen Kreisstadt im Regierungsbezirk Coblenz erhebt. Das Städtchen, welches als das Schöppenstedt der Mosel gilt, und die Burg liegen unmittelbar an der Mosel und an der Linie Perl-Eoblenz der preußischen Staatsbahn, die hier durch einen 4100 Meter langen Tunnel geführt ist. Kochem war zunächst als Reichslehen im Besitz der Pfalzgrafen von Aachen und wurde nach deren Aussterben von König Konrad III. eingezogen. Bis zum Ende des 13. Jahrhunderts saßen dort Burggrafen, dann aber verpfändete König Adolph 1294 diesen Besitz an Kurtrier, und Albrecht I. überließ Kochem im Jahre 1298 dem Kurstift vollständiq. Die Franzosen verbrannten 1689 einen großen Theil der Stadt und die Burg. Der verstorbene Eommerzienrath RavenS in Berlin kaufte die Ruinen an und ließ die Restauration ausführen, welche die Burg Kochem zu einer Sehenswürdigkeit ersten Ranges im Rheinland gemacht Hit. Sie werk Bescheide Du, Frau, ich habe mein Portemonnaie verloren, ich kann es nirgends finden!" Ach. Gott bewahre, dasPortemonnaie liegt da. wo Du es im--mer hinlegst, aber Du brauchst nichd erst nachzusehen, es ist doch nichts, drin!" Nur nicht iiberha st en.

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Chef: Allons, fix, fix, die ache sehr eilig, jetzt müßten Sie schon wieder bier sein! Laufdiener (ge

müthlich): Na nu, ick kann doch nich jleich niesen, wenn Sie Prost sagen! Der nervöse Zuhörer. Fräulein Ärähhahn (am GesellschastsAbend singend): .Ich möcht' am liebsten sterben, Da wär's auf einmal still." Herr (für sich): Wenn ste's nur thätT EhelicheScene. Sie: Ich sage Dir, Du betrügst mich, und noch dazu mit meinen Freundinnen!" Sxz Ack. Unsrnn-. mit welcher glaubst Du denn?- Sie: Na, z. B. mit meiner Freundin Agathe Er: Agathe? Das ist die einzige, an d ich nicht ge dacht habe!" . .

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Die russischen Bauern sind' arm. brauchen wenig, wohnen schlecht in elenden Hütten und verbringen ihr Dasein, in harter Arbeit und bei . karglicher Nabruna. Dennoch lebt eine Qf wisse Poesie in dem russischen BauernstuNöe: t sind Mllslknebtnd, tanzn gern, singen viel, wenn uch ihre Lie der meist mclanchorsch sind wie das einförmige Land. da5 sie bewohnen; auch viele eigenartige hübsche Gebrauche hat das russische Bauernvoir Nch bewahrt. Einen solchen veran schaulicht unser Bild. Er gehört zu? Feier einer Hochzeit und hat den Namen Riaischennyje. Die Hochzeit fct einem russischen Dorse. ist immer ein Fest, das mehrere Tage andauert und fai welchem viel gegessen und noch mehr Schnaps von Mann und Weib gctrunten wird. Eine große Lustigkeit bemächtigt sich hittbei der ganzen Ge meinde, und schon am Vorabende der Ein Hochzeitszug. - eigentlichen Hochzeit geht es in dem ht treffenden Dorfe lustig zu. Am Vormittage der Hochzeit wird gewöhnlich eine sonderbare Prozession veranstaltet. Die jungen Leute des Dorfes verkleiden sich, besonders die Mädchen legen Männerkleider an, weite Hemden, Hosen, Männerstiefel; sie stellen. Greise mit langen Bärten und Sandalen, Zigeuner, Araber mit rußgeschwärztr Gesichtern nud Aehnliches mehr vor. in der Mitte dieses Trupps reitet die Braut umringt von ihren Bekannten und Freundinnen in den seltsamsten Trachten. So läuft und tanzt der Zug lustig durch das Dorf, begleitet vom Klänge der Balalajken und den Tönen der Harmonikas, zu denen das junge Volk Lieder singt. Durch das Dorf und um das Dorf geht dieser Zug, bis er endlich wieder zum Hause der Braut heimkehrt, wo ein ordentliches Frühstück eingenommen wird. Ein Morgen und ?lbend in Lone somehurst. (10 Uhr Vormittags.) Herr Suburban (aus Lonesomehurst, zu seinem Freund Flat aus New Aork): Sehen Sie. lieber Flat, so 'was von famoser Herbstlandschaft gibt'S m New York doch nicht! Was? Ist daS nicht großartig?! Ich verdenk' eS den Stadtern wirklich nicht, wenn sie un3 Landbewohner manchmal beneiden. Dort drüben das blaue Haus mit dem grünen Dach ist meine Villa! Elegant was?! (10 Uhr Abends.) Herr Suburban: Es schneit! Weiß Gott, es fchneit! Ach, wie mir das leid thut, lieber Flat. daß ich Sie nicht zur Bahnstation begleiten kann; aber Sie wissen ja meine Frau furchtet sich immer vor Tramps, wenn ich sie Abends allein lasse. Gehen Sie nur immer der Nase nach! In einem halben Stündchen können Sie an derStation fein. Apropos, die Laterne lassen Sie wohl beim Ticket-Agenten zurück. Au revoir! P r i t i k'. Nun. wie fanden Sie die Stimm: de? Primadonna?" Je nun: früher hatte sie eine Herr liche Alt-Stimme, jetzt aber hat sie eine alte Herr'n-Stimme!" Zweideutige Replik. Herr Professor, wäre es denn nicht möglich, daß doch einmal ein Patient, mit dieser Krankheit, fortkäme?" Nach meiner Theorie nicht an der stirbt Jeder!" Ein gute? Mensch. Arzt: Also der Dr. Neuntödter hat Ihnen hundert Mark für die Amputation Ihres rechten Armes gerechnet? Herr: Jawohl! Arzt: Na. wissen Sie. für das Geld hatte , ich Ihnen beide Arme und beide Bewe amputirt

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