Indiana Tribüne, Volume 19, Number 53, Indianapolis, Marion County, 10 November 1895 — Page 2

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Hetvsilied. Voii Älexis Aar.

Eh' der Heibstwind heult um'S Dach, Sind die Vögel aufgebrochen. Vlatt und Blüthen, die verwehen, Mögen sie nicht fallen fehen. Wange Wochen Folgen nach. Lieder schweigen, Spiel und Scherz, Die wir pflegten froh gemeinsam. Wie gewonnen sind zerronnen Auch der holden Liebe Wonnen. Ernst und einsam Ward das Herz. Lebenslust und Kraft verloht. Nebelhauch umhüllt die Sterne, Und die Hoffnung geht zur Neige. Durch die raschentlaubten Zweige Grüßt von ferne Schon der Tod. Verkrachle Eiistenzen. Plauderei von W. v. Schicrbrand. Zu den Eigenthümlichkeiten der amerikanischen Einwanderung gehören auch die sogenannten verkrachten Existenzen", Leute, die in ihrer Heimath ihre Rolle zu Ende gespielt haben und nun jenseits des Oceans ein neues Dasein führen wollen. Meistens .gelingt ihnen dies nicht, denn für Leute solchen Schlages ist die kräftige, rauhe Republik, Äie ganze Männer fordert, eben nicht der richtige Boden. Gewohnlich versumpfet sie noch mehr und gehen entweder elendiglich zu Grunde, der aber sie passen sich nothgedrungen den neuen Verhältnissen einigermaßen an und sind dann wenigstens im Stande, ein kümmerliches Auskommen zu finden. Weiter bringen sie's nur selten. Für en Schriftsteller dagegen, und namentlich für den deutsch-ameri-ramschen, gehören diese verkrachten Existenzen zu den interessantesten Erscheinungen, denn es ist nicht zu leugen.daß das größte Eontingent zu denselben aus Deutschland stammt. Im Laufe einer langen journalistischen Thätigkeit habe ich auch eine ganze Reihe solcher Persönlichkeiten mit einer mehr vder minder sliady past" kennen gelernt. Ich will nachstehend eiziige der menschlich interesssntesten Leute von diesem Typus wahrheitsgeireu schildern, mit dem einzigen Vorbehalt, in einzelne Fällen den wahren durch einen fingirten Namen zu ersetzen, und zwar for obvious rea sons". Da lernte ich z. B. Anfang der 70er Jahre in New Iork einen sächsischen Edelmann kennen, dessen FamilienGenealogie bis zu den Kreuzzügen zulückreichte und dessen Name von Einsiedel mit zu den berühmtesten 'des Meißner Ländchens gehört. Dieser Mann hatte seine Habe in wüsten IGelagen und mit hohem Spiel derpraßt, hatte dann riesige Schulden gemacht und war schließlich nach Amerika verduftet. Was sollte er hier ansangen? Zu keiner nützlichen Thätigkeit erzogen, noch fähig, schon über die erste Jugend hinaus, wurde es ihm äußerst schwer, überhaupt etwas zu finden, wodurch er sein Leben nothdürftig fristen konnte. Dazu war er träge und körperlich nicht stark. So waiterte" er denn, wie er's nannte, im Atlantic Garden, für $1 pro Tag und Freibier. Lange hielt er das aber nie aus. höchstens eine Woche, dann privatisirte" er wieder bis ihn die Noth und der Hunger von Neuem zwangen. Als ich ihn zum ersten Male traf, in einer Kneipe, und ich erfuhr, wer er sei, sah ich mir den Mann etwas genauer an. Seine verlebten, von Leidenschaften durchfurchtenZüge. seine sonderbare Kleidung prägten -sich rneimm Gedächtniß ein. Er trug, wohl weil er sonst keine Kleider hatte, stets seine Waiterjacke", glänzend fettige schwarze Hosen, und ein Paar Schuhe, bei dem die Sohle, weil sie mit den iippers" auf gespannten Fuße lebte, mit Bindfaden befestigt war. Bei Cucz Verkommenheit jedoch gab es gewisse beaux restes" noch an ihm, und sein Erzählertalent war großartig. Er hatte eine stehende Redensart namentlich, die im Laufe der Unterhaltung immer wieder kehrte: Zwischen mir und dem Rittergut stehennur die zwei Augen meiner Tante!" Sie war offenbar oder eigentlich ihr Tod der einzige Leitstern, den er noch im Leben hatte. Wir hatten indeß alle die Redensart schon so oft gehört, daß wir nicht mehr daran glaubten. Eines Tages indeß trat ein elegant gekleideter Mann in die. betreffende Kneipe, die Lorgnette in's Auge geklemmt, mit einem goldknöpfigen Spazrerstock bewehrt, den Rauch einer feien Havannah-Eigarre lässig vor sich hin blasend. Man hatte wirklich Mühe, in der neuen Erscheinung unseren alten Bekannten, den Herrn von Einsiedel, wieder zu erkennen. Tante todt endlich?" frug der . Kneipwirth, halb im Scherz. Ja, endlich,, erwiderte der Ge-. Vfrazte, indem sein ganzes Gesicht leuchit, und übermorgen geht's fort, zu lud nach Sachsen, und da will ich den Leuten mal zeigen, was 'ne Harke ist. Ah, das Hundsleben hat nun aufgehört, und ich kann wieder das sein, was ich früher war. Wie das wohl ihut!" Ein breites Lächeln glitt über seine faden, ausgemergelten Zügen, und im Gedanken an bie Genüsse, die seiner nun wieder harrten, schmalzte er schon mit der Zunge. Auf unsere MahnWorte, dort diesmal wenigsten. seinen Reichthum besser zu benützen als früher, hatte er nur die Bemerkung: Das versteht Ihr nicht!" Darauf aber lud er uns Alle ein, mit ihm seine Rehabilitirung in der guten Gelellschaft" zu

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seiern, und ein feierliches Gelage wurde rnscenirt, das erst um Mitternacht sein Ende erreichte. Bei der Abfahrt gaben wir ihm das Geleite, bis das rauchende, pustende Eoloß von Dampfer unseren Blicken entschwand. Zwei Jahre später begegnete ich Einsiedel wieder an der Bowery er sah womöglich noch verlumpter aus als früher. Das Rittergut mitfammt dem Baarvermögen der Erbtante hatte er glücklich innerhalb 14 Monaten verputzt namentlich durch thörichtes Wetten bei denPferderennen und durch Tempeln" in Leipzig. Jetzt war er wiever in New York, aber dieses Mal auch gründlich verkommen, geistig wie körperlich. Sechs Monate später wurde ich nach Dem Hospital an sein Sterbebett gerufen. Ein mattes Lächeln aus den unschönen Zügen beim Eintritt. Na, waitern brauche ich jetzt roenigstens nicht mehr," flüsterte er mit heiserer Stimme. Am Abend war er todt. Es sind erst wenige Jahre her. da tauchte in Chicago ein junger Graf Blücher von Wahlstati auf. Er brachte einige Empfehlungen mit und war au ßerlich ein ganz reputirlicher Kerl, aber auch er war eine verkrachte Existenz". Seine Familie hatte sich von ihm los gesagt, und so war er nach Amerika gekommen, in Begleitung eines ebenfalls sehr leichtfertigen Standes'ge fährten, in der Hoffnung, seinen Titel gegen eine reiche Heirath umzutauschen. Sein Stammbaum war in bester Ordnung kein Zweifel, er war ein Nachkomme des berühmten Marschall Vorwärts". Auch hatte er Officiersrang in der deutschen Armee bekleidet und hatte nur" Schulden halber den Abschied nehmen müssen. Nun. er probirte sein Glück bei den amerikanischen Damen, aber da er nicht recht lancirt worden war und auch seine Empfehlungsbriefe an Leute gelautet hatten, die selbst nicht in tlie social swirn" waren, so glückte es damit nur Mittelmäßig. Mi! dem Schuldenmachen ging es in Amerika nicht so leicht wie in Berlin, und so sah sich der htfchadlige Windbeutel eines schönen Tages vis-a-vis de rien, wie die Phrase lautet. Da gelang es ihm, durch Vermittelung eines in Chicago domicilirten früheren Kameraden (dessen Name ich verschweige) sich Zutritt in die Familie eines reichen jüdischen Schlächters in Milwaukee zu verschaffen, und in einem Wisconsiner Badeorte kam es dann auch gleichzeitig zur Verlobung m':t der mehr oder minder liebreizenden Tochter des Hauses. Von ihm und seinem Bekannten wurde darauf sofort in die Reclametrompete geblasen, und der Credit des jungen Mannes hob sich darauf wieder merklich. Er zeigte seine Verlobung auch seinen Eltern in Deutschland an, allein von dort langte bald ein geharnischtes Schreiben des Papas an, worin es hieß, er solle nicht nur enterbt werden, auch völlig aus dem Familienverbande ausgestoßen werden, wenn er aus dieser Verlobung eine Heirath werden lasse. So kam es denn nicht zu der geplanten Verbindung, und der junge Graf verschwand bald darauf unter Hinterlassung ganz bedeutender Schulden. Später tauchte er im Osten auf, in Long Vranch und Saratoga, und einige Monate darauf las man von seiner Heirath mit der Tochter eines reichen Anglo-Amerikaners. Unglücklicherweise jedoch machte der Letztere kurze Zeit darauf einen schmählichen Bankerott, und was seitdem aus dem jungen Paare geworden ist, das entzieht sich meiner Kenntniß. Viel Gutes wohl schwerlich. Ein deutsch-Lsterreichischer Graf, der seiner Zeit in Chicago und Milwaukee viel von sich reden machte, gehört auch in diese Categorie. Ich will ihn hier Pagay nennen. Dieser Mann, vornehm erzogen, von ungewöhnlicher Gestatt und einem scharfen, natürlichen Verstand, lief erst mehrere Jahre lang bettelnd und unbeschäftigt herum, da es ihm mit Nichts glücken wollte. Schließlich fand er eine Stellung als Anzeige-Agent für eine deutsch-ameri-kanische Zeitung. Merkwürdiger Weise schien er gerade für eine solche Thätigkeit wie geschaffen. Mit einer Zähigkeit und einer Unverfrorenheit, die man einem solchen altadligen Sproßling am wenigsten zugetraut hätte, mühte er sich um Anzeigen, und binnen Kurzem blieb auch der Erfolg nicht aus. Es gelang ihm. mehrere große und sehr vortheilhafte Contracte für sein: Zeitung abzuschließen, wosür sich die Eigenthümer derselben auch erkenntlich zeigten, indem sie sein Salär bedeutend erhöhten, sodaß er nach eimger Zeit ein Einkommen von ca. $3000 genoß. Nachdem er's indessen so weit gebrach! hatte, da schwoll dem Herrn Grasen wieder der Kamm, und er geberdete sich, als ob er das väterliche Stammschloß in Mähren mit den dazu gehörigen weiten Ländereien wieder sein Eigen nenne Er lebte auf einem Fuße, der mit seinem Verdienst in kein:m Verhältniß stan'i. So ging's eine Zeitlang fort, bis eines Tages der Krach kam. Schwindelhafte Contracte. im Voraus erhobene Gebühren, für die kein Aequivalent vorhanden war, und unbezahlte Rechnungen das war das Ende vom Lied, als die Sache zum Klappen kam. Der Graf verschwand darauf von: der Bildfläche, aber es war ihm während feiner kurzen Glanzperiode gelungen, sich mit dem alten Marquis" Pullman bekannt zu machen, und dieser schickte ihn Ziach Europa, um dort geschäftlich thätig für ihn zu sein. So geschah einmal das Umgekehrte eine in Amerika abermals verkrachte Er!.

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stenz" 'wurde zur Rehao'ilitlrung'' zurück Tiach Europa befördert. . Man darf behaupten, daß wenn ein zu den gebildeten Ständen gehöriger Menfch. namentlich einer der zu den prioilegirten Caften gehört, ein Lump oder Gauner wird, so übertrifft er an Gesinnungslosigkeit und Schlechtigkeit in der Regel den Verbrecher von niederer Herkunft. Ein ausgesuchtes Excmplar dieser Gattung, ein Mensch, der moralisch nicht höher stand als der Wilde der SUdsceinseln. war ein gewisse? Baron von Sadigny, den ich in der Mitte der 80er Jahre in St. Louis kennen lernte. Aus hochachtbarer Familie stammend und nachdem er eine sorgfältige Erziehung genossen, trat er in den preußischen Staatsdienst, wo er sich indessen binnen Kurzem unmöglich machte, durch seinen Lebenswandel und durch seine Gaunereien. Er war Forstbeamter, und eine im Complott mit mehreren Lieferanten ausgeführte Veschwindelung des Fiscus brach ihm das Genick. Vor seiner Verurtheilung indeß glückte ihm die Flucht, und so war er nach Amerika gelangt. Hier hat er sich wechselsweise als Bauernfänger, als Kümmelblättchenspieler.alZ Schlepper für Spielhöllen, später auch als Fälscher und Einbrecher sein Brod erworben". Im Jefferson City Zuchthaus saß er mehrere Male, und schließlich wurde er bei einer Razzia, die die Polizei auf eine Spielhölle an der Chouteau Avenue in St. Louis unterahm, tödtlich verwundet. Das Geständniß einer Anzahl der schlimmsten Verbrechen, die er in seinem Leben begangen hatte, befindet sich unter den Acten der St. Louiser Polizei, allerdings nicht unter seinem richtigen Namen, sondern unter einem angenommenen, sehr plebejischen. Langsam indeß dämmert den Leuten in Europa die Ueberzeugung aus, daß für ihre , schwarzen Schafe" und verlorenen Söhne" die Vereinigten Staaitn denn doch nicht mehr das rechtige Land ist. Die Mode, solchen billigen Ausschuß einfach nach Amerika abzustoßen, geräth sowohl in England wie in Deutschland allmälig in Verfall. Und das ist gut so, denn es gibt heute doch andere Theile der Welt, wo catilinarische, verkrachte Existenzen, besser und .sicherer aufgehoben sind, als in den Ver. Staaten Centralafrika zum Beispiel. Wie der Tabak entstand. Arabische Sage. Der Prophet ging einst auf dem Felde und fand dort eine vor Kälte erstarrte Schlange. Mitleidsvoll hob er sie auf und erwärmte sie. Als die Schlange wieder zu sich gekommen war. sprach sie: Göttlicher Prophet, wisse, daß ich Dich jetzt beißen werde." Und warum?" fragde Mohamed. Weil Dein Geschlecht das meine verfolgt und es auszurotten trachtet." Aber führt nicht auch Dein Geschlecht gegen das meinige täglich Krieg?" entgegnete der Prophet. Wie kannst Du ferner so undankbar sein und so schnell vergessen, daß ich Dir das Leben gerettet habe!" Dankbarkeit gibt es auf der Welt nicht," erwiderte die Schlange, und wenn ich Dich jetzt verschonte, so würdest Du oder ein Anderer Deines Geschlechts mich später dech todten. Bei Allah, ich werde Dich beißen." Wenn Du bei Allah geschworen hast, dann will ich nicht die Ursache davon sein, daß Du Deinen Schwur brichst." sprach der Prophet, indem er seine Hand zum Munde der Schlange führte. Die Schlange biß ihn; er aber sog die Wunde mit seinen Lippen aus und spie das Gift aus die Erde hm. Und es sproß an dieser Stelle eine Pflanze empor, welche daö Gift der Schlange und die Barmherzigkeit des Propheten in sich vereinigt. Die Menschen nennen jene Pflanze Tabak. Ucbertrumpst. Der Stammtisch war vollzählig versammelt; man plauderte über den frösischen Krieg. Der Rentier Lehmann, von dem bekannt war, daß er es mit der Wahrheit nicht allzu genau nahm, ergriff plötzlich das Wort und hub an: Meine Herttn. ich habe da bei Mars la Tour eine merkwürdige Sache erlebt; ein reiterloserGaul saust mit einemMale aus unseren Reihen hervor direkt auf die Feinde los. Dort packt er einen französischen Offizier am Kragen und schleppt ihn im Galopp zu uns herüber. Ehe noch die Franzosen sich von ihrem Schrecken erholt hatten, war dir Mann unser Gefangener." Die Stammtischmitglieder wußten nicht, was sie zu dieser Geschichte sagen sollten, nur der Apotheker, ein Sachse, fand schnell dieSprache wieder und sagte: Das ist allerdings sehr merkwürdig; ich kann , Ihnen aber eine noch erstaunlichere Begebenheit berichten. Denken Sie sich, meine Herren, während der Schlacht bei Sedan hat sich das 12. französische Chas-seur-Regiment urplötzlich in das 2. Chasseur-Regiment verwandelt." Wie ist denn das möglich?" erscholl es am Stammtisch. Sehr einfach." entgegnete der Apotheker, wir hatten den Kerls die Zähne (Zehne) wegqeschössen." Lehmann schlich geknickt nach Hause. Optimistisch. Frau:Marie, Sie haöen sich gestern Abend aber wenig Mühe beim Souper gegeben!" Marie: Seien Sie froh, gnadige Frau, sonst ladet sich diese Gesellschaft noch öfter M uns ein!"

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Geschwisterliche. Won Heinr. CrusluS. Die Liebe ist gleich einem edlen Baume, voll der herrlichsten Blüthen, die alle verschieden an Schönheit und Gestalt, an Duft und Farbe sind.dclher auch das Hohelied der Liebe niemals ausgesungen wird! Alle diese edlen Blüthen sind von ihrem Schöpfer bestimmt, die herrlichsten Früchte zu tragen; von einer derselben will ich heute reden: von der Geschwisterliebe. Es ist eine Freude zu sehen, wie die Geschwister sich herzlich lieb haben und dies mit Wort und That im täglichen Umgange beweisen; aber leider ist dies nicht immer sichtbar: in meinem langjährigen Berufe als Erzieherin habe ich Gelegenheit gehabt, darin vielfache Er. fahrungen zu sammeln. Eine merkwürdigeThatsache ist es, daß unter Geschwistern, so lange sie klein sind, eigentlich beständig Zank und Streit herrscht; und dennoch ist dies selten ein Beweis mangelnder Liebe. Sobald ei nem der Geschwister ein Unfall begegnet, oder eins vielleicht schwer krank ist, tritt die Liebe klar zu Tage; sie zeigt sich in den heißen Thränen, in der Angst und Sorge um Bruder oder Schwester. Auch wenn einem von ihnen eine Beleidigung, eine Unbill widerfahren ist, oder wenn gar ein anderer sich thätlich an ihm vergriffen hat: wie energisch treten dann die Geschwister für einander aus. wie muthig vertheidigen sie den Bedrängten, wie betrachten sie seine Sache ganz als die ihrige. Das zu beobachten, ist eine wahre Freude, besonders für eine Erzieherin, die sich täglich über die kleinen Zänkereien är gern muß und sich darüber betrübt, daß weder Vorstellungen noch ErMahnungen, ob liebreich oder strenge, etwas fruchten. Erst später, bei den herangewachsenen Geschwistern zeigt sich die Liebe, welche sie innerlich verbindet, auch äußerlich im täglichen Leben. Da werden die ziemlich gleichalterigen Schwestern zugleich Freundinnen, die ihre kleinen Freuden und Leiden zusammen theilen, und wenngleich ihre Charaktere und Neigungen verschieden sind, doch fest und treu zu einander halten. Sehr lobenswerth ist meistens das Benehmen der Brüder gegen die Schwestern, besonders wenn sie älter sind als diese. Sie betrachten sich gleichsam als die natürlichen Beschützer ihrer Schwestern. begleiten sie als solche auf Bälle, in Concerte und in's Theater, holen sie aus Gesellschaften ab, kurz sie sind stets zu ihrem Dienste bereit und legen dabei eine Zartheit und Ritterliche keit an den Tag, die ihnen alle Ehre macht. Die Schwestern dagegen beweisen sich auch dankbar, thun ihren Brüdern alles zuliebe, helfen ihnen aus mancher Verlegenheit und hegen einen berechtige ten Stolz auf sie im Herzen. Solche Geschwisterliebe ist eine köstliche Blüthe, die sicher edle Früchte trägt und wohl werth ist, besungen zu werden. Da es nicht zu leugnen ist, daß der Umgang mit dem zarten Geschlecht veredelnd auf ben Mann wirkt, so ist es auch eine anerkannte Thatsache, daß die Brüder, welche Schwestern besitzen, durch den täglichen Umgang mit ihnen formgewandter.zartfühlender und rücksichtsvoller werden, als sie es von Natur sind, während so oft junge Leute, die keine Schwestern haben, durchEckigkeit, Formlosigkeit und linkisches Wesen Anstoß erregen. Eine rührende Liebe hegen meistens auch die älteren Schwestern zu ihren jüngeren Geschwistern; sie sorgen wahr hast mütterlich sur die Kleinen und ! sind dadurch eine gute Stütze für die vielleicht kränkliche oder vielbeschäftigte Mutter. Doch nun kommen die Schattenbilder. Leider sucht man die schöne Blume der Geschwisterliebe oft vergebens! Es gibt Brüder, die kalt und lieblos jeder seinen eigenen Weg neben einander hergehen, unbekümmert um des an dern Wohl oder Wehe; Schwestern, die, wenngleich im Alter wenig verschieden, sich Freundinnen unter Fremden suchen, statt an die natürlichste Freundin, die Schwester, sich anzuschlieken: ia es gibt Schwestern, die mißgünstig und neidisch aus einander sind, doch bilden sie hoffentlich nur seltene Ausnahmen. Es gibt Geschwister, die, wenn sie.ver.heirathet sind, engherzig nur ihrem tU genen Glücke leben und Jahre lang rndjt das Bedürfniß haben, einander zu sehen oder auch nur zu schreiben, obgleich doch die engsten Bande sie verknüpfen und unzählige Erinnerungen an die gemeinsam verlebte, oft so schöne Jugendzeit sie daran mahnen sollten. Doch genug des Schattens, der oft noch viel dunkler erscheint! Sehr schöne Beispiele von Geschwisierliebe finden wir in der Weltge. schichte. Da ist z. B. Karl XII. von Schweden, der die Frauen im Allgemeinen nicht hoch stellte (daher auch unverheirathet war), aber eine innige Liebe zu seiner Schwester hegte. Nach der für ihn so verhängnißvollen Schlacht bei Pultawa. im Lager bei Bender, traf ihn die Nachricht von dem Tode seiner älternSchwester. der Wiit we des Herzogs von Holstein. Man hatte es ihm einige Tage verheimlicht, als er es dann doch erfuhr, war er tieftraurig. Tagelang gab er sich seinem Sch.merze hin. und an seine einzige, nun noch lebende Schwester schrieb er: Meine einzige Hoffnung ist. daß m:Ine Herzensschwester sich bei fester Gesundheit befinden möge. Unser Herr erhalte sie ferner und mache mich einst so glücklich, sie noch einmal zu sehen. Diese Hoffnung macht mir das Leben noch einigermaßen werth, seit ich die Betrübniß erduldet habe, die ich nicht zu überleben glaubte ; denn mit frohem Muthe würde ich alles ertragen haben.

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wenn ich nur so glücklich gewesen wäre, von uns drei Geschwistern der erste zu sein, der sein ihm abgestecktes Ziel er, reicht hätte. Nun hoffe ia) wenigstens, nicht so unglücklich zu sem, der letzt: von uns zu werden!" So war auch Friedrich der Große durch eine innige Liebe mit seiner Schwester Friederike verbunden, welche schwer darunter litt, daß ihr Bruder in Ungnade gefallen war, und die sich vergeöens schon oft für ihn verwandt hatte. Bei Gelegenheit der Vermählung der Prinzessin mit dem Erbprinzen von Batzreuth hatte der König, um ihr eine ffreude zu machen, Friedrich aus der Hast entlassen und nach VerIm zurückgerufen. Die Prinzessin hat dies selbst in ihren hinterlassenen Denkwürdigkeiten ausführlich erzählt; wie sie mitten im Tanze darauf aufmerksam gemacht worden.daß ihr Bm der da sei, wie sie ihn nicht gleich erkannt, weil er sich so sehr verändert habe, und wie sie ihm dann um den Hals gefallen sei, unter Lachen und Weinen und vor Freude kein Wort habe hervorbringen können. In meinem Leben habe ich keine so lebhafte Freude empfunden!" sagt sie. Mit ihremBruder an der Hand geht sie nun zum Könige, wirft sich ihm zu Füßen und bittet ihn. doch ihrem Bruder seine Liebe wieder zu schenken; und die Prinzessin schließt mit den Worten: Diese Scene war so rührend, daß die ganze Versammlung bis zu Thränen bewegt war." Auch von zwei edlen Fürstensöhnen wird ein Beispiel solcher Liebe berichiet: Kaiser Albrecht I., jener strenge und finstere Monarch, der später durch die Hand seines Neffen fiel, hatte einen treuen Hund, der zugleich so klug war, daß er es verstand, wenn sein Herr zu ihm sagte: Laß. niemand zu mir herein!" Dann hielt er vor der Thüre Wache und jagte jeden, auch wenn er sonst zu seinen Freunden zählte, mit Knurren und Zähnefletschen in die Flucht. Eines Tages kam auch der Sohn des Kaisers, Herzog Leopold, und begehrte Einlaß bei seinem Vater. Der Hund aber, seiner Pflicht sich bewußt, ließ auch ihn nicht zur Thür. Nachdem der Herzog lange gebeten und geschmeichelt, doch ohne Erfolg, ward er zornig und versetzte dem Hunde einen so heftigen Schlag, daß er leblos zu seinen Füßen niedersank. Entsetzt ob seiner That und deren Folgen, entfloh dei Herzog so schnell er konnte. Der Kaiser aber, als er den Tod seines treuen Hundes erfuhr, war über die Maßen zornig, er setzte eine Belohnung auf die Entdeckung des Thäters aus und schwur, daß derselbe die ruchlose That mit seinem Leben büßen sollte, und wenn es sein eigener Sohn wäre. Es war in einer Versammlung seiner Minister und Großen, daß er diesen Ausspruch that, und seine Söhne Leopold und Friedrich waren auch zugegen. Als nun Friedrich seinen Bruder erschrecken und erbleichen sah bei den strengen Worten des Kaisers, da wurde ihm zur Gewißheit, was er schon dunlel geahnt, nämlich, daß Leopold und kein anderer der Thäter war. Schnell wie der Gedanke warf sich der edle Jüngling dem Kaiser zu Füßen, klagte sich selbst als Thäter an und bat um Verzeihung, da der Hund ihn so wüthend angefallen habe und die That nur aus Nothwehr geschehen sei. Kaum hatte er ausgeredet, als auch Leopold vorstürzte, sich neben seinem Bruder dem Kaiser zu Füßen warf und rief: Glaub' ihm nicht, Vater; er will mich nur retten, denn ich bin der Thäter." ' Und nun erhob sich ein edler Wettstreit zwischen 'den beiden Brüdern, die sich gegenseitig die That streitig machten. bis der strenge Kaiser, tief bewegt von so viel Edelsinn und Bruderliebe, sich zu ihnen neigte und dem Schuldigen vergab, um des Bruders willen. Wahrlich", sagte er, so lange solch Liebe die Brüder des Hauses Habsbürg verbindet, kann dasselbe nicht untergehen." Die Weltgeschichte würde noch mehr Beispiele von Geschwisterliebe liesern, doch sei es genug an diesen dreien, und ich füge hinzu: Wohl den Familien, wo diese schöne Blume blüht und mit ihrem milden Scheine die Herzen erwärmt, denn dort wohnen gewiß auch Freude, Frieden und Glück. Ein sonderbarer Mensch. Was is denn heut' mit Dir, Girgl? Du red'st und deut'st niz! Was is denn los?" I' muß alleweil d'rüber nachdenken, was für sonderbare Leut' es auf dcr Welt gibt. Sitz' i' heut' Nachmittag bei der Mordshitz' auf der Bank vor'm Wirthshaus und denk' an gar nix. Auf oamalhör' i', wie drin' an'zapft werd. Da gehi g'rad so a' Sommerfrischling, a' ganz a' noblichter Herr, vorbei und fragt mi', was denn dös für a' Lärm da drin' is. No'," sag i da werd do' an'zapft!!" So, so!" sagt er und is weiterganga!! I' woaß net, was dös für a' Mensch g'wes'n is!" Loyalität. Frau (zum Dienstmädchen): Was muß ich hören? Du hast Dich von einem Schutzmanne umarmen und küssen lassen! Und das in meiner Wohnung!" Dienstmädchen: Ich werde mich doch Ihretwegen keines Widerstandes gegen die Staatsgewalt schuldig machen!" Im Rausch. Sie:' Papa war wohl sehr ärgerlich, als' Du um meine Hand anhieltst?" Er: O ?ein, durchaus nicht, im Gegentheil, er fragte mich, ob ich nicht noch einige anständige Leute wüßte, die geneigt wären. Deine fünf Schwestern zu hei-rathen!"

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'pxiSiXSu Wenn es wahr ist, daß die Seide zu denjenigen Dingen gehört, die über die knappste Nothwendigkeit des Lebens hinausgehen," und auch nicht gerade nöthig sind zur Erhaltung des Lebens und der Gesundheit oder zur Erringung der menschlichen Glückseligkeit," so ist es doch eine unbestrittene Thatsache, daß kaum irgend eine Manufactur eine ähnliche culturhistorische Bedeutung, eine nur annähernd so große, nationalökonomische Stellung erlangt hat, wie die Seide. Es ist nicht uninteressant, zu verfolen, mit welchem Eifer, man könnte fast sagen, mit welcher Begier dieser Luxusgegenstand gesucht und gepflegt wurde, welchen Reiz er auf den Menschen zu jeder Zeit ausübte. TCie er alle Hindernisse, die ihm entgegengestellt wurden, überwand ja sogar die, welche die Religion ihm bereitete. Schon die alten Phönizier waren eifrig bemüht, den Seidenbau an sich zu reißen; die Griechen und Römer folgten ihrem Beispiels Was nutzten die Satircn der Dichter und Philosophen, und was die Anordnungen der Kaiser des alten Rom! Alexander ' der Große ward durch ein medisches Seidengewand besiegt, Julius Cäsar durch Seide von seiner Modestia abgelenkt, der- römische Kaiser Heliogabalus durch sie hingerissen, den Satiren zu trotzen. Nur Aurelian, einer seiner Nachfolger, schlug seiner Gemahlin die Bitte ab, ihr ein seidenes Kleid zu kausen, weil der Stoff zu theuer war. Karl der Große hatte seinen Kaisermantel mit Seidenstreifen verbrämen lassen, und ein schottischer König lieh sich ein Paar seidene Strümpfe, als er den englischen Gesandten empfangen wollte, weil er aus eigenen Mitteln sich keine anschaffen konnte! Bei Beginn des Christenthums konnten die schärfsten Mahnungen der Kirchenväter das seidene Kleid nicht verbannen, ja die Priester selbst wurden dadurch besiegt und führten dasselbe schließlich als Priesterkleidung und als Kirchenschmuck ein. Die Seide ward zum Vorwand und Grund mehrerer Kriegszüge der oströmischen Kaiser gegen die Araber und Perser und war dieHauptVeranlassung jenes für Griechenland so verhängnißvollen Krieges gegen Roger II. von Süilien; sie ward die Haupterrungenschast aus der Crobcrung Mailands durch Franz I. von Frankreich und Gegenstand der wärmsten Fürsorge der französischen KLnige; sie nahm endlich später die geweibliche Thätigkeit fast aller Länder Europas in Anspruch; Friedrich der Große hob ihre Cultur, Catharina die Große war ihre Vasallin sie war und ist das Triebwerk der größten Luxusbestrebungen aller Völker. Ihre Culturgeschichte beginnt mit einem Zeitalter, das weit über die Zeit der alten hellenischen Heldensagen, den trojanischen Krieg, rückwärts hinausragt, in China. . . . heute hat sie ihren Siegeslauf über die ganze Welt gehalten. Charakteristisch aber ist, daß alle Länder, welche dieser Siegeslauf berührte, in höherem oder geringerem Grade im Besitze der Seidenzucht blieben, von China an bis auf unsere Reiche, die an der Spitze der Civilisation stehen. In allen Ländern der Welt war es nur die Macht des Luxus, welche die Verbreitung und Benutzung der Seide beförderte, und bewundern wir heute die Größe der Seidenindustrien in Frankreich, Deutschland.England, in der Schweiz, in Belgien, Jtalien, Kleinasien und in anderen Reichen, so müssen wir den Vertheidigern des Luxus, von den Epikuräern herab bis auf die Neuzeit, beitreten. .Die reichsten Frauen. Oft ist von den reichsten Männern die Rede, sehr selten nur von den Frauen, welche sich im Besitze fabelhafter Reichthümer befinden. Die reichsten Frauen der Welt sind Senora Cousino, Mrs. Hettie Green, die Va ronin Bourdett-Coutts, Madame de Barrios (Marquise de Roda) Miß Mary Garrett von Baltimore und die große russische Grundbesitzen Madame Wöleska. Senora Cousino, eine südamerikanische Wittwe, soll 40,000.000 Psd. Sterl. besitzen. Außer großen Gütercomplexen gehören ihr Eisenbahnen, Silber-., Kupfer- und Kohlengruben und unschätzbare Juwelen. Allein die Kohlengruben bringen ihr 17,000 Pfd. Sterl. monatlich ein. Aus den Silber- und Kupferminen bezieht sie 20,000 Pfd. Sterl. monatlich. Mrs. Hettie Green ist die reichste Dame unseres Landes: ihr Vermögen wird auf über 60,000,000 geschätzt. Die Marquise de Roda ist die Gattin eines spanischen Granden. Sie ist in Guatemala geboren. Der damalige Präsident des Landes, Senor de Varrios, heirathete sie, als die Vierzehnjährige sich noch im Kloster zu ihrer Erziehung befand. Die Einwände der Oberin überwand er sehr einfach, indem er dieselbe in's Gesänge niß warf. Der Dictator wußte sich gehörig zu bereichern, ehe er xn deHauptstadt erschossen wurde. Bei sei nem Tode hinterließ er seiner Wittw 5,000,000 Pfd. Sterl. Miß Mar Garrett von Baltimore, die Tochter des früheren' Präsidenten der Baltimore und Ohio Eisenbahn, besitzt ca. $10, 000,000, welche sehr lohnend angelegt sind. Madame Woleska nennt fast ebenso viel ihr Eigen. Beachtenswerth ist, daß alle sechs Damen ihr ungeheures Vermögen selbst, und das ganz geschäftsmäßig, verwalten. Wo die Gedanken ma ger, sind die Worte fett.

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Frühreife der Kinder. Von Tr. H. Gutzmann. Goldammer warnt: Thorheit der Mütter und Wärterinnen versieht es sehr oft darin, daß sie das von Natur schon lebhafte und nach Belehrung begierige Kind noch künstlich aufstacheln, um mit Leistungen, die weit über die naturgemäße Fähigkeit des Kindes ge hen. im Kreise der Familie und der Freunde prahlen zu können. Aus so! chen Wunderkindern werden mchtens Schwachköpfe, immer aber Menschen. Vit zu Eitelkeit und Ueberhebung geaieigt sind." Gerade die letzten Worte können den Müttern nicht dringend genug vor Augen gehalten werden. Bloße Wortbildung geschieht wohl stets auf Kosten der eigentlichen Geistesbildung. Ein Ueberreizen des Gehirns durch eine übermäßige Zufuhr von geistiger Nah. rung in all zu frühem Alter bringt fast stets ein frühes Siechthum mit sich. Meistens ist die Ausbildung des Gehirns dabei auch une einseitige. Solche Kinder sehen wir noch oft genug als Wunderkinder öffentlich auftreten, sich als Rechenkünstler zeigen u. a. mehr. Recht lesenswerth ist das. was der alte Kinderarzt Dr. I. Storch, im Jahre 1750 in seinem 'Lehrbuch der Kinderheilkunde von Klugheit und Dummheit der Kinder" schrieb. Er warnt vor dem übermäßigen Antreiöen er gei.stigen:' Entwickelung des Kindes durch zu frühe Vorführung von Sprachstoffen und erzählt ein Beifpiel von einem dreijährigen Kinde Christian Heinecke, welches in Lübeck geboren und durch die Diskurse eines Zchlesischen Herrn von Adel v. Schönetche soweit gebracht worden, daß es nicht allein die biblischen Historien von Anbeginn der Welt bis auf die Zerstörung Jerusalems fertig im Gedächtniß gehabt, sondern auch in studiis elegantioribus und sonderlich in histo ricis solche profectus gemacht, daß es im dritten Jahre, nämlich 1724 den 9. Sevtecnber. bei Jhro Königlicher Majestät von Dänemark zwei Stunden Audienz gehabt und ihnen ein Buch übreichet, welches aus dessen Munde geflossen und die ganze Historie der dänischen Könige enthalten." Das Kind blieb schwächlich und starb, wie man vorhergesagt hatte, früh, nämlich noch vor Beendigung des fünften Iah-, res. Storch erwähnt dann noch ein zweites Beispiel, ein Kind von fünf Iahren, Johann Philipp. Baratier aus Schwabach. welches im dritten Jahre vollkommen gut Lefen gelernt und im vierten deutsch.lateinisch und französisch hat reden können." Dr. Storch fährt dann fort: Ueber dergleichen fähige und fertige Ingenia pflegen zwar die Eltern eines Kindes und auch andere, welche nicht etwa den Neid besitzen, sich große Freude zu machen in der Meinung, daß es noch in dem kindlichen Alter zur Doktorwürde gelangen und alle hiernach an Gelehrsamkeit übertreffen müßte; allein die mehrsten sinden sich in solcher Hoffnung betrogen: denn läuft es nicht damit da hinaus, daß dem Leibe die nöthigen Lebenskräfte entzogen werden und derselbe schwach und kränklich werden muß, und also dergleichen Kinder vor der Zeit sterben, so werden doch, durch die vielen nach dem Haupte gelockten Congestionen, die Organe übertrieben, dab hernach Sinne und Gedächtniß vor der Zeit verschwinden. We? außerordentlichen Verstand und Klugheit an einem Kinde merkt, der thut besser, er hält es vom Memvriren und Studiren zurück, als daß er es dazu ansporne" Wer Kinder zur Klugheit und Studiren führen will, der fahre mit ihnen behutsam und wünsche oder suche nicht, sie vor der Zeit und in der Kindheit noch aus den Gipfel der Gelehrsamkeit zu bringen: ein Obst, so vor der Zeit reif wird, hat entweder der Worm gestochen, oder es ist durch übrige Hitze soweit gebracht; welches beides aber keine Dauer hat. Es sei ein Kind so gelehrt, als es wolle, so wird es keinen anderen Vortheil davon haben, als daß es bewundert und in seiner Gelehrsamkeit zu Stolz, Einbindung und Eige7.liebe geleitet wird." AuÄ diesen Citaten', die ich aus den Schriften von Pestalozzi, Dr. Storch und Goldammer angeführt habe, geht hervor, daß die Kinderärzte und Erzieher schon seit langen Zeiten über die geistige Entwickelung der Kinder und die Pflege der Sprechlust der Kinder einer Meinung gewesen sind: sie warnen vor dem Zuviel. T r ö st l i ch. Patient: Denken Sie, daß Sie mir wirklich helfen können, Herr Doctor?" Arzt: Kein Zweifel, mein Lieber! Gerade mit dieser Krankheits - Erscheinung bin ich ganz vertraut. Ich behandle nämlich einen Patienten, der genau dasselbe Leiden hat wie Sie, schon seit zwanzig Jahren!" Nichtzu verblüffen. Junger Mann (die Tochter des Hauses beim Abschied küssend): Hier ist also ein Kuß für Ihre liebe Mama und hier ein Kuß für Ihre kleine allerliebste Schwester." Das Fräulein (entrüstet): Aber, Herr Schmidt, Sie vergessen sich!" Junger Mann: Sie haben recht. Fräulein Anna. Also .hier ist noch einer für mich selbst !" Der aerstreiche Gesellschafter. Fräulein A. (zu ihrem Nachbarn an der Table d'hote): WaS sehen Sie mich immer so forschend von der Seite an, Herr Schmidt?" Schmidt: Ach, Verzeihung, gnädiges Fräulem erinnern mich so lebhaft a meine Großmutter!" Fräulein A.: Sie werden beleidigend, mein Herr!" Wbmidt (rasch): Ich meine natZ!?lich, als sie noch jung V&im