Indiana Tribüne, Volume 19, Number 32, Indianapolis, Marion County, 20 October 1895 — Page 2
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Zlmgangsformen in alter Zeit. Eezen Ende des 17. Jahrhunderts, im Zeitalter der Perrücken, trat auch in Deutschland unter dem Einfluß der neuen von Frankreich herübergekommenen gesellschaftlichen Bildung das weibliche Geschlecht in ganz andercr Weise hervor, als es im 14., 15. und 16. Jahrhundert der Fall geweseit war. Bis jetzt abgeschlossen und auf das Haus beschränkt, war es nun mehr der Mittelpunkt der Gesellschaft geworden. Was gehen nun für Galanterien vor!" eiferte damals Thomasius. Wie zertrampelt man sich vor dem Fenster, ob man die Ehre haben könne, , die Jungfrau oder an deren Statt die Magd oder die Katze zu grüßen." In seinen Hof- und bürgerlichen Reden" gab in jener Zeit ein ungenannter 21. P. v. A. Musterbeispiele für die gesellschaftliche UnterHaltung. Als einer eine Jungfer zum Tantze aufforderte: Derselben wohlbekandte Bescheidenheit und rühmliche Demuth haben mich bewogen, Sie zu einem öffentlich: Tantz von ihren angenehmen Gespräch-iHal-iungen aufzufordern und bin gewiß versichert, Sie werde an meinem Berlangen kein Mißfallen tragen, sondern der gefaßten Kühnheit mich freundlich entschuldiget halten. Bitte dahero Sie wolle mir diesen Tantz nicht versagen, sondern durch Verwilligung desselben mir Anlaß geben, ihr bey vller zufälligen Gelegenheit mit gebührender Aufwartung zu begegnen." Antwort einer Jungfer, als sie umb erneu Tantz war angesprochen worden: Es ist eine löbliche und wohlziemende Sache, die er verlanget und deßwegen unvonnöthen, daß er einiger Verwegenheit halber sich entschuldigt, und mit höflichen Anmuthungen lange von mir dasjenige erbittet, welches ihm zu verweigern, die Beyforge einer Bäurischen Grobheit schlechter Dinges verbeut. Und wie ich einer Zedweden Ehrliebenden Person aufzuwarten mich willfährig erzeiget, also werde gegen meinen liebwerthenFreund t Hierinn nicht ermangeln lassen. Gehorsame demselben gantz gerne und bedancke mich vor angethane Ehre, nur das bitte ich. weil ich eine schlechte 'Täntzerin, daß er, wo seinem Verlanyen lein sattsames Genüge geschehe, er vorlieb nehmen und mir freundlich verzeihen wolle." Uebrigens waren auch damals solche Albernheiten nicht 7lach dem Geschmack Aller, und Weise z. B. empfiehlt für die Aufforderung zum Tanz eine ganz kurze höfliche Anrede. Ein anderes gewöhnliches Gespräch kommt in Menantes Manier höflich und wohl zu Reden" vor. Es lautet: A. Nun. das ist mir lieb, daß ich einmal das Glück babe, sie wieder zu sehen. B. Gehorsamer Diener, das Glück ist auf meiner Seiten. A. Wo seind sie denn so lange gewesen, daß man das Glück nicht bat gehabt, sie zu sehen? V. Unterthäniger Diener, das Glück würde auf meinerSeite gewesen sein, ich bin ein wenig verreist gewesen. A. Haben sie Ihre Reise glücklich zurückgelegt, so soll es mir von Herzen lieb sein. B. Gehorsanur Diener; so ziemlich, ich bin glücksich, sie bei gutem Wohlergehen anzutreffen. A. Ihr Diener, mir ist von Herzen lieb, daß ich sie wohl sehe; sie werden mir einmal die Ehre geben und mich in meinem Hause besuchen. 29. Gehorsamer Diener, ich danke, die Ehre wird die meine sein. A. Nun. wenn wollen sie mir einmal die Ehre geben? B. Schuldiger Diener, die Ehre wird mein sein: "ich will sie nicht incommodiren. A. O Ihr Diener; sie incommodiren mich nicht; es wird mir lieb sein, wenn sie mir die Ebre geben. B. Ich erwarte die Ehre gleichfalls in meinem Hause. A. Weil ich aber erst darum gebeten habe, werden sie mir auch zuerst die Ehre geEcn; allsdann will mir solche auch nehmen und sie besuchen. V. Gehörsamer Diener; Morgen Nachmittage, wenn es ihnen geleaen. will mir die Ehre aeben. A. Ihr Diener, es wird mir lieb sein, wenn ick das Glück habe, sie zu sehen. B. Schuldiger Diener, das Glück wird auf meiner Seiten sein. A. Ihr Diener. V. Schuldiae? Diener." Sotöc tbörickten Unterhaltungen lind natürlich nicht immer geführt. Aber ähnliche waren sicherlick nach dem Herzen der Zeit. Etwas Leeres und Abaesckmacktes bat fa noch die heutige esellsckiastliche Unterhaltunq bewahrt. Man denke z. B. an die vielen Erkun1:aungen nach dem Wohleraehen der Gesraaten und ihrer nächsten Verwandten, die der gute Ton" nur dann fordern sollte, wenn er zugleich den ehrlichen Ton der wirklichen Antbeilnähme da?ür sckaffen könnte. Man Zzenke.daft hxntx sreirich nicht immer die esellscbaftlrche Vorschrift, sondern oster die Verlegenheit die Sckuld .fragt. Freier und natürlicher sind wir beute wohl, als die geselli'chastlien Mustermessen jener Zeit, aber sie als unsere Ahnen x verleugnen, jhaben wir doch noch kein Recht. DurcbdieBlume. Junger Ehemann: Hier, mein Schatz, cin -!c-ganter Sommerhut! Frau: Danke herzlichst, mein guter Mann! Aber woher wußtest Du denn, daß ich mir einen Hut wünschte? Mann: Ich habe es Dir in. den Augen abgelesen. Frau: Du bist doch der beste Mann von der Welt! Aber sag' mal, stand ?i!cht auch etwas von einem Spitzenkleid drin?! Hyperbel. Der Zunge Gruber ist von einer ganz unbegreiflichen Bescheidenheit. Ich glaub:, wenn der QN Stelle seiner Ahnen gewesen wäre, er wäre aus reiner Bescheidenheit Affe geblieben - '
Zlnschuldiqvcrurtyeilt. Novelette von W. von Schicrdrand.
I. Staatsanwalt Mills hatte seine Rede beendigt, und der ganze Gerichtssaal war noch unter dem Einvruck der beredten, klaren, überzeugenden Worte. Der Angeklagte saß da mit keuchender Brust, thränenlosen, furchtsamen Augen und gebeugt unter einer schweren Last. War es seine Schuld over waren es nur die Keulenschläge ccr Logik, mit denen. der Staatsanmalt eben seine letzte Hoffnung auf Zreisprechung zerschmettert hatte? Denn tij$ es mit seiner Hoffnung nun vorbei sei, daß er schon so gut wie verurtheilt war, darüber gab sich der Angeklagte jetzt keiner Illusion mehr hin. Hätte er auf der Bank der Geschworenen gesessen, er hätte auch keinen anderen Wahrspruch fällen können, als: Schulbig. Dieses gräßliche Wort! Schul dig! Es schauerte ihn. Und doch! Wie konnte man ihn, einen Unschuld!gen. verurtheilen? Wie :oar das möglich? Aber glaubte denn Jemand an seine Unschuld? Kaum konnte er selbst noch daran glauben, nachdem er mehrere Stunden lang der vollen Wucht der Worte gelauscht. ie jene unzerreißbare Kette von Umstandöbeweisen um ihn zog, womit seine angebliche Schuld m erdrückender Weise dargethan worden war. Noch immer saß er so da brütend und in sich gekehrt mit dem oumpfen Bewußtsein, daß nun bald sein Schicksal entschieden sein werde. Welches Schicksal? Der Angeklagte war eine kraft'.ae, etwas stämmige Figur, das Gesicht von Luft und Sonne gebräunt, die Hände an der Kehle, als ob er zu ersticken drohe. Mittlerweile war die Jury polternd und geräuschvoll unter Beobachtung der üblichen Formalitäten in das Berathungszimmer abgeführt worden. Indem sie, Mann für Mann, an der Stelle vorbeischritten, wo der Angeklagte in sich zusammengesunken verharrte, warf ihm Jeder einen durchdringenden Blick zu. Und dann trat jene lange Stille ein im Gerichtssaal, wie sie während der Berathung der Jury in schweren Fällen üblich ist. Denn es war wirklich ein schwerer Fall. Es handelte sich um Mord. Lautlos saß der Angeklagte noch immer da. Welche Bilder mochten wohl in seiner Seele vorüberziehen? Das Publikum im Saale zischelte leise, und hie und da kehrten sich neugierige Blicke dem düsteren Manne zu. Er aber regte sich nicht. So verging eine halbe, dreiviertel Stunde. Da öffnete sich wieder die Thür des Juryzimmers, und heraus schritten die zwölf Männer, in deren Hand die Entscheidung über Leben und Tod, Freiheit oder Knechtschaft des Angeklagten ruhte. Einen scheuen, verstörten Blick nur warf der Angeklagt: auf sie. um dann schnell wieder in sich gekehrt zu sitzen. Keine Hoffnung!" murmelte er vor sich hin. Und in der That: Da klang schon die feste, eherne Stimme des Obmanns: Schuldig des Mordes im zweiten Grade!" Und gleich darauf hieß es: Aufstehen! Und mechanisch erhob er sich und trat vor den Richter, dessen strenges Antlitz ihm nun zugekehrt war. Der Urtheils spruch! Auf Lebenszeit!" Etwas einzuwenden? Nein, der Berurtheilte schüttelte trübe das Haupt. Was hätte es auch genützt? Niemand glaubte ihm ja, Niemand. Und doch: Unschuldig, völlig unschuldig. Die Jury wurde mit anerkennenden Worten für ihr schnelles, gerechtes Urtheil entlassen. Der Saal leerte sich. Der Richter wandte sich ab. Der Staatsanwalt, mit einem heiteren Lächeln auf den Lippen, nahm die Glückwünsche seiner Freunde und Bewunderer entgegen. Und der Berurtheilte wurde nun auch gefesselt und abgeführt. Willenlos folgte er. Er murmelte nur im Gehen, wie geistesabwesend: Wie ist es möglich? Unschuldig, und nun doch verurtheilt!" Einige Tage später war er nach dem Zuchthaus abgeführt, hinter dessen dicken Mauern 'sich nun der Rest des Lebens für den Veruriheilten freudlos, einförmig, bei harter Arbeit und rauher Kost, abspinnen sollte. Und Niemand glaubte an seine U nschuld. TI Und doch war Jacob Kästner völlig unschuldig. Allerdings waren die Ereignisse, die ihn vor Gericht und nun auf Lebenszeit in's Zuchthaus geführt hatten, so verwickelte? und eigenthümlicher Natur, daß mehr als menschlicher Scharfsinn dazu gehört hätte, um die Wahrheit zu erkennen. Eine Reihe von Jahren hatte sich Jacob Kästner auf seiner Farm, die einige Meilen von Peoria lag, mitten im fetten Lande der Mississippi-Niede-rung. gut ernährt, seine Familie herangezogen, und es zu mäßigem Wohlstand gebracht. Da schrieb ein früherer Nachbar von ihm. der nach dem schönen, fruchtbaren Staate Washington gezogen war. ihm von dem Reichthum der jungfräulichen Erde' dort, von dem herrlichen, milden Klima, von dem saftigen Obst und dem schönen Weizen, was man Alles dort ziehe, erzählend, und mit der Zufriedenheit Jacob's war's vorbei. Die Lust ergriff ihn übermächtig, auch nach jenem gesegneten Lande zu ziehen, wo der Boden hunderfältig trug. Und trotz aller Ermahnungen, trotz allen Zuredens seiner Frau und seines einzigen, schon erwachsenen Sohnes, schickte ci
sich auch an, diese Absicht auszuführen.' Vor Allem galt es. einen passenden Käufer für sein Besitzthum zu finden. Er fand ihn in dem alten Eolonel Sharp, dem bekannten Advokaten des Nachbarstädtchens, der sich auf seine alten Tage eine hübsche, geordnete Farm kaufen und dort seine Mußezeit verbringen wollte. Nach den üblichen Besichtigungen und der Prüfung der verschiedenen, in der Stadt registrirten Urkunden über die Farm wurde der Handel abgeschlössen und der Kaufbrief in aller Form Rechtens ausgestellt. Die Kaufsuinme war schon zum Theil erlegt, der Rest sollte binnen weniger Wochen erlegt werden, und mittlerweile verblieb Kästner mit seiner Familie noch auf der Farm, sich langsam zur fernen Reise nach dem neuen Heim rüstend. Einige Tag: nur waren seit dem Verkauf vergangen, da langte des Abends kurz nach Eintritt der Dunkelheit der alte Eol. Sharp in seinein Schlitten an auf der Farm. Er hatte, so behauptete er. einen Fehler in der Eigenthumsurkunde der Farm entdeckt, und verlangte nun Rückzahlung seines Geldes und Ungiltigmachung' des Kaufes. Es fand eine heftige Scene statt zwischen den beiden Männern, und im Laufe desselben warf der alte Herr dem Anderen vor, ihn übervortheilt und wissentlich betrogen zu haben, da ihm der mangelnde Rechtstitel des Eigenthums hätte bekannt sein müssen" Kästner, durch und durch ein ehrlicher Mann, aber etwas jähzornigen Charakters, gerieth in hellen Zorn ob dieser Behauptung, und nach einer äußerst erregten Auseinandersetzung trennten sich die beiden Männer. Eol. Sharp bestieg wieder seinen Schlitten und fuhr davon, heftige Drohungen murmelnd gegen Kästner. Gleich darauf aber that dem Letzteren seine Heftigkeit leid, und er erklärte seiner Frau, die allein mit ihm im Hause zugegen war, daß er dem Alten nachfahren und die Sache mit ihm gütlich zu ordnen versuchen wolle. Trotz der Einwendungen seiner Frau, die bei dem Jähzorn ihres Mannes eher einen neuen Streit als die Beilegung des alten fürchtete, fuhr Kästner auch gleich darauf dem alten Eol. Sharp nach, indem er einen geladenen Revolver zu sich steckte mit der Bemerkung, daß so spät Abends in dem dichten Wald, wo es häufig nicht geheuer sein sollte, etwas Vorsicht nöthig sei. Die Frau. Uebles ahnend, blieb zurück, wo sie ihr Sohn kurze Zeit darauf fand. HI. Im Walde fand Kästner bald die frische Spur des Schlittens, aus dem sein Gegner davongefahren war, und indem er sein Pferd tüchtig zur Eile antrieb, vernahm er auch schon einige Minuten später Schellengeläute und Peitschenknallen. Um Eol. Sharp seine Nähe zu melden, feuerte er einen Schuß in den Wald ab, und fuhr dann rüstig weiter. Etwa fünf Minuten später sah er den Schlitten des Alten etwas seitwärts vom Wege stehen, das Pferd noch rauchend und schnaufend von der eiligen Fahrt. Erstaunt stieg Kästner aus. und vernahm zugleich im Gebüsch dicht dabei ein leises Stöhnen und Röcheln. Er schritt darauf zu, und erblickte den alten Eol. Sharp blutend, und bewußtlos, mit einem Schuß im Hinterkopfe, im Schnee liegen. Sofort beugte sich Kästner über den Schwerverwundeten und reinigte ihm die Wunde mit Schneewasser, zugleich ihm etwas Whisky aus seiner mitgebrachten Feldflasche einflößend. Vergeblich, der Alte schlug die Augen nicht auf. und während Kästner noch auf solche Weise sich um den Mann bemühte, fuhr ein Schlitten von der Stadt her an der Stelle vorbei. In dem Schlitten saß der Sheriff und ein Deputy desselben, die eben von einer amtlichen Reise zurückkehrten. Als sie Jacob Kästner allein im Walde spät in der Nacht, mit einem blutenden. halbtodten Manne fanden, verhafteten sie ihn und führten ihn nach der Stadt in's Gefängniß, zugleich den Schwerverwundeten mit sich führend. Einige Stunden später starb dieser,
ohne das Bewußtsein wieder erlangt zu haben. So geschah es, daß Jacob Kästner des Mordes angeklagt wurde, und da die Kugel, die man im Kopfe des alten Eol. Sharp fand, genau zum Revolver des Angeschuldigten paßte, und da man die ganze Reihe von Umstandsbeweisen, die gegen ihn vorlagen die Kaussache, den Versuch der Rückgängigmachung des Handels, die Aeußerungen des alten Advokaten über Kästner vor seiner Fahrt nach dessen Farm, der heftige Streit der Beiden, die scheinbare Verfolgung im Walde durch Kästner, und das Antreffen desselben bei dem Körper seines vermeintlichen Opfers geschickt zu einer einzigen Kette zu vereinigen wußte, so geschah das, was im Anfange geschildert wurde, die Verurtheilung des Angeklagten. Hinzugefügt muß noch werden, daß bis dieser Zeitpunkt eintrat. Kästner im Gefängniß schon 18 Monate verbracht hatte, sein kleines Vermögen während dieser langen Zeit nahezu aufgezehrt , wurde, daß die Frau des beklaoenswerthen Mannes über all' dem Elend und Jammer den Verstand verlor und in ein Jrrenasyl gebracht werden mußte, und der Sohn, der seinen Vater auch für schuldig hielt, Selbstmord beging. So kam es, daß Jacob Kästner, ein vereinsamter, unglücklicher Mann, an den Bettelstab gebracht durch den langen Prozeß und nun zu lebenslänglicher Kerkerhaft verurtheilt, keinen
Freund auf der Welt mehr besaß an jenem grauen Tage, als er in die gestreifte Jacke des Züchtlings steckt ward.
IV. Sechs Jahre sind seitdem vergangen für Jacob Kästner Jahre stumpfen, unaufhörlichen Schmerzes. In die Nacht seines Elends hatte kein freundlicher Stern geschienen, sondern einförmig und dumpf hatte sich ein Tag an den anderen, eine Nacht an die andere, gereiht. Sein Haar war weiß, seine St!rn aeFurcfci- und sein Gang schleppend und müde vorzeitig ein Greis. Nur in der Stille seiner Zelle, wenn er sich schlaflos auf dem harten Lager gewälzt, hätte er manchmal geseufzt: Wie lang, o Gott, wie lang! Da wurde er eines Nachmittags mitten in der Arbeit . man beschäftigte ihn. den an harte Arbeit gewöhnten Farmer mit Steinklopfen nach dem Sprechzimmer gerufen. Vor ihm stand ein junger Mann, ein Beamter aus der Staatshauptstadt, der im Austrage des Gouverneurs Jacob Kästner seine Freiheit ankündigte. Der Lebendigbegrabene starrte erst ganz verständnißlos den Mann an, der ihm diese Botschaft verkündete, dann aber stürzte er ohnmächtig zu Boden. Was war geschehen? Etwas was ziemlich häufig geschieht. Der wahre Mörder hatte auf dem Sterbebette, als er keine Angst vor dem Galgen mehr zu haben brauchte, ein reuiges Geftändniß feiner Schuld abgelegt. Im Zuchthause zu Wanpun war's gewesen, und bald darauf war der Mann verschieden. Sein Geständniß war indessen vollin haltlich durch Zeugen und Papiere bewiesen worden, und so hatte sich die gänzliche Unschuld des armen Kästner herausgestellt. Aber nun? Mit siechem, gebrochenen Leibe, mit einer Seele, der kein Hoffnungsstrahl, keine Liebe mehr winkte, sollte Kästner wieder hinaustreten in die weite, die grausame Welt, in die Welt, die ihm nicht geglaubt und ihn unschuldig verurtheilt, in der seine zwei Lieben ebenfalls zu Grunde gerich!et worden waren. War das ein Gewinn? Was sollte er jetzt thun mit der Freiheit? Flehentlich bat Jacob Kästner den. Abgesandten des Gouverneurs, ihn in der Anstalt zu lassen, wo man ihn wenigstens kenne und ihn nicht über die Achsel ansehen werde, jetzt wo sich seine Unschuld herausgestellt. Und so geschah's. Jacob Kästner, befindet sich noch immer im Zuchthaus nicht mehr als Züchtling, aber als freiwilliger Insasse. Und geduldig erwartet er die Stunde seines Todes. Aus den Erinnerungen eines Arztes. Von H. Fallenhagcn. ES war in einer kleinen Mendgesellschast. Man sprach von amerikanischen Zuständen, ein Gegenstand der umsomehr fesselte, als einige der anwesenden Männer selbst in der neuen Welt" gewesen waren. Da ciahm der alte würdige Doctor I... das Wort. Ich war noch ein junger Arzt so erzählte er , ledig.uneingeschränkt in meinen Bewegungen und dürstete nach Thaten auf wissenschaftlichem Gebiete. Der Hang zur Nawrforschung und ethnologischen Studien bestimmte meine Entschlüsse. So segelte ich eines schönen Tages von Hamburg aus über den Ocean, um Amerika zu bereisen. Ich durchzog sieben Jahre hindurch den ganzen Erdtheil und war so ziemlich überall, an den großen Strömen, in den Prairien und Pampas, auf den Niesenbergen der Anden. Pflanzen und Thiere beschäftigten, Sitten und Cultur der Völker reizten mich, nicht minder ihre Geschichte. Daß ich Dabei in manche außerordentliche Lagen gerieth. darf nicht wunder nehmen. Auch Gefahren bestand ich. Die ungebändigte Natur führt sie mehr mit sich, als die befestigte Ordnung des alten Europas. Dies gilt nicht allein vom Lande und Klima, sondern vielmehr noch von den Menschen da draußen; denn ihre Gesellschaft war damals man schrieb 1849 noch viel weniger consolidirt, als es heute der Fall ist. Wilde Leidenschaften. Trotz, Haß, Gewaltthätigkeit, rücksichtslofesBegehren und roheste Selbstsucht bestimmten oft genug das Thun des Ebenbildes Gottes in jenen Län-der-, des Werdens. Wer könnte ge w' ';' - Dinge vergessen, die unser Le ben kreuzten? Manchmal trug das, was mir begegnete, ein hochromantisches Gewan,d, dem man in den Salons des abgeschliffenen Europas ungläubig gegenübersteht. Begreiflich. Gift, Revolver und Messer sind glücklicberwcise nicht heimisch in unserm stillern Dasein, das sich in parfürmirter Luft und ästhetischen Thees behag, lich abspielt. Eine Begebenheit dieser Gattung will ich erzählen. Hören Sie: Gespräche mit Freunden in Rio de Janeiro gaben mir den Gedanken ein, einige Zeit in Cachueira in de.r Provinz Bahia zuzubringen. Nach drei-, tägige? Dampfschifffahrt längs der Küste erreichte ich mein Reiseziel. Cachueira war damals eine Stadt von ungefähr sechstausend Einwohnern. Sie liegt unfern der Küste malerisch am Ufer des schiffbaren Flusses Paraquassu. landwärts von einemKranze grüner Hügel eingefaßt. Cocuspalmen und Bananenwälder verleiben dem
Bttoe ven rropizcyen yarakter. Es war im Monat Januar, der Zeit des südlichen Hochsommers, als ich in Cachueira eintraf. Umstände brachten il mit sich, daß ich neben meinen bota- ! i
nischen und zoologischen Studien auch ärztliche Praxis trieb, die stets an Umfang zunahm. Eingeborene und Fremde nabmen meine Hilfe in Anspruch. Und da ich von den Armen, besonders von den Farbigen, kein Honorar forderte, ward ich sehr bald nicht allein ein sehr gesuchter, sondern auch ein beliebter Arzt, wie man das nennt. Nach einigen Monaten brach in der Stadt das gelbe Fieber aus, die Geißel der tropischen amerikanischen Küste. Ich selbst erlitt einen Anfall, der indeß glücklicherweise leicht war und 'vorüberging. Das q-lbe Fieber ist eine schreckliche Krankheit. In 24 Stunden, oft in noch viel kürzerer Zeit, ist man dahin. Fünfzig Procent der Kranken, manchmal noch mehr, sterben. Das Fieber beginnt mit einem Druck in der Ma gengegend. Kopfschmerz und Müdigkeit stellen sich ein, Krämpfe des Zwerchfells, in Unterleib und Rücken folgen. Bwterbrechen tritt hinzu, bis der Tod der Qual ein Ende macht. Eines Abends bereits sehr spät, saß ich in meiner Easa, einem leichtgebau'ten Fachwerkhause von Bananengebüsch umgeben, als draußen Pferdegetrampel hörbar ward. Es hielt vor dem Hause an, und gleich darauf trat ein Mulatte in mein Zimmer, der mir höflich einen Brief überreichte. In dem Briefe bat mich ein College, ein italienischer Arzt Dr. F., für ihn so. fort nach der Facenda der Donna Er melindra Eustodia zu reiten, um einen Fall gelben Fiebers zu behandeln. h sei dort Hausarzt, fühle sich aber selbst unwohl und bäte um Vertretung. Na .türlich war ich sofort bereit, denn det Arzt gehörte zu meinen nähern Bekannten. Ich verfah mich mit Opiumtinctur, Tannin und einigen andern Mitteln und trat vor das Haus. Drei Reiter warteten hier auf mich, ich bestieg ein bereit gehaltenes Pferd und so setzte srch die Cavalcade sofort in schneller Gangart in Bewegung. Bon Zeit zu Zeit waren längs des Wegs Sklaven mit 'brennenden Fackeln ausgestellt, die den Weg erhellten. Zweimal wechselte ich unterwegs meinPserd auf bereitgehaltenen Relais. Ich erhielt durch alles das den Eindruck, daß es sich um einen sehr vornehmen Kranken handeln müsse. Endlich nach zweistündigem Ritte trafen wir auf de Facenda ein. Sie bildete ein langgestrecktes einstöckiges Haus mit Hochparterre, von geräumigen Verandas umgeben. Zahlreiche Fackeln brannten auf dem Vorplatze, die innern Räume waren hell erleuchtet. Eine Anzahl festlich gekleideter Herren und Damen bewegte sich im Empfangssaale und auf den Verandas am Hause. Es wunderte mich nicht, 'denn ich glaubte an ein Fest, das durch einen Krankheitsfall eine gewisse Störung erleide. Eine prächtig aber etwas überla den gekleidete .ältere Dame empfing mich überaus artig. Cavallero. sprach sie, Sie kennen Ihre Jnstruction. EU len Sie! Auf einen Wink ihrer Hand führte mich ein schwarzer Diener durch einen langen Corridor an ein Zimmer, das ich öffnete. Im Zimmer lag ein Mann von mittlern Jahren auf dem Lager ausgestreckt. Er wand sich und krümmte srch in schweren Schmerzen. Er hatte das gelbe Fieber. Ich gab die nöthigen Mittel und tröstete den Kranken, denn er jammerte und fühlte sich dem Tode nahe. Ich bin Dom Justino von der Kaffeeplantage Santa Clara. Helfen Sie mir, ich lohne es Ihnen mit Gold. So klagte und flehte er ein über das andere Mal und immer von neuem. Ich that, was ein Arzt thun kann. Besonders schwierig war es, den Kran ken in sitzender Lage im Bette zu erhalten, denn das entsetzliche Glucksen aus dem Magen herauf ein charak teristisches Symptom beim gelben Fie ber ließ keine andere Stellung zu. Ich mußte den Patienten ununterbrochen in den Armen halten und stützen. Dabei ließ man uns ganz allein. Keine Seele erschien, um sich zu erkundigen oder nach dem Kranken oder meinen Bedürfnissen zu fragen. Draußen in den Sälen weilte die geputzte Menge, um sich zu amüsiren, hier rang ein sterbender Mensch unter Schmerzen mit dem Tode. Der Gegensatz war grausig. Doch .ich nahm es nicht so schwer, weil mir der Charakter der Leute bekannt war. Man ist in jenen heißen Ländern ost ebenso genußfüchtig und leichtlebig als furchtsam und herzlos. Nebenmenschen? Sie dienen nur als Folium zum Ich. Unterdessen schritt das Fieber bei Dom Justins rasch vor. Der Fall war schwer, meine Kunst umsonst. Ich war eg'5n zwölf Uhr angekommen, um em Uhr in der Nacht verschied der Kranke. Ms ich das Zimmer verließ, stieß .ich draußen dicht vor der Thüre auf einen dort stehenden Mann. Ein breitkrämpiger Hut war tief in die Stirne gezogen und hüllte das Gesicht in Schatten; gleichwohl und trotz der unsicbern Corridorbeleuchtung sah ich finstere Züge und stechende Augen, die starr aus mich gerichtet waren. Cavallero, wie steht es drinnen? fragte er gedämpft. Todt. Soeben gestorben. Lassen Sie mich sehen, sprach der
Mann weiter, jchod mich rurzweg beiseite und trat in das Zimmer, die Thüre offen lassend. Er hob das weiße Tuch, das ich dem Todten über das Gesicht gezogen, empor, blickte einen Augenblick aus die Leiche nieder, deckte diese wieder zu und schritt langsam zu mir heraus. Ruhig und kalt sprach er: Es ist so. Er ist todt. Melden Sie das .im Salon dort. Man erwartet Sie. Gemessen sich verbeugend, verschwand er unhörbar über eine nahe Treppe. . . , . -
Das alles kam mir etwas sonderbar vor; doch was ging es mich an? Ich durchschritt den Corridor und trat in den Salon, wo die Gesellschaft noch völlig beisammen war, in Gruppen saß, Kaffee irank und rauchte. Mein Erscheinen unterbrach jede Veschäftigung; erwartungsvoll schauten aller Augen auf mich hin. Die prächtig gekleidete alte Dame, die mich früher empfangen, kam hastig auf mich zu. Nun, Doctor? fragte sie fast athemlos. Dom Justino ist soeben gestorben, erklärte ich feierlich. Die Wirkung meiner Worte war ganz anders, als ich nur immer erwarten konnte. Das Gesicht der Don na vor mir verzerrte sich zu einer haß erfüllten Fratze, die Augen blitzten Gift. Pfeilschnell sprang sie auf mich zu und griff mit den gekrümmten zehn Fingern ihrer Hände nach meinem Gesicht, dabei mit gellende? 'Stimme Verwürgschungen über mich ausfwßend. Sie haben mich betrogen und belogen. Elender! Ich Arme ! Fluch Ihnen! kreischte sie, wie außer sich. Dabei accompagnirte ein Theil der Gesellschaft der Wüthenden mit lautem Drohen gegen mich, während ein anderer Theil beschwichtigende Gebürden machte. Es war eine wildbewegte Scene. Ich weiß nicht, was schließlich geworden wäre, da sprang zur rechten Zeit ein Capuzmerpater erzu, riß das rasende Weib zurück und rief mir .zu. mich schleunig zu ent fernen. Ein Diener nahm mich bei der Hand und in wenigen Augenblicken war ich aus dem Hause gezogen und gerissen, ich weiß nicht wie. Eine dunkle Gestalt, ich glaube, es war der Mann auf dem Corridor vor der Thüre des Todten, slüsterte mir zu: Hier ist Ihr Pferd. Cavallero. Eilen Sie fort, so schnell Sie können! Sausend ritt ich davon, denn der Fremde hatte meinem Pferde noch einen heftigen Schlag mit einem Stocke versetzt. Zwei Reiter begleiteten mich mit bren nenden Fackeln. Ich wußte nicht, wie mir geschehen war. Ich hatte alles über mich ergehen lassen müssen, denn Schlag auf Schlag wechselten die Scenen, ohne daß ich zur Besinnung kam. Erst jetzt, während des Rittes, athmete ich auf. Was bedeutete das alles? Welchen Räthseln stand ich gegenüber? Waren die Menschen dort draußen verrückt geworden? Oder was sonst ? Grübelnd ritt ich dahin. Die Nacht war still und traumhaft, die Luft klar, und wunderbar hell schimmerten die Sterne vom tropischen Himmel 'hernieder, vor allem das südliche Kreuz, dad geheimnißvoll den Aether durchleuchtete. Allmälig beruhigten sich meine aufgeregten Nerven. Ich hatte das Gefühl, einer großen Gefahr entronnen zu fern, und fast fröhlich sah ich meine Casa vor mir auftauchen. Gern hätte ich noch die mich begleitenden Reiter befragt, doch sie waren Sklaven. Was wußten sie von den Geheimnissen jener Facenda? So übergab ich ihnen stillschweigend mein Pferd und schaute ' ihnen nach, wie sie pleilschnell im Nachtdunkel verschwanden. Dann trat ich in meine Cafa es war beinahe vier Uhr morgens , um nach traumbewegtem Schlummer am hellen Tage zu erwachen. Sonne und Licht verscheuchen die Gespenster, frischer zieht unter ihrem Einfluß der Lebensstrom durch die Adern. So war es mir. Niemals behandelte ich meine Patienten freundlicher und liebevoller als an jenem Tage. Gegen Abend trieb es mich hinaus; ich wollte mein Stamm-Caf6 besuchen, wo ich Freunde und Bekannte wußte. Unterwegs trat mir ein unbekannter, doch augenscheinlich vornehmer Brasilianer entgegen. Er grüßte überaus höflich, fixirte mich einen Augenblick scharf und sprach: Cavallero, Sie sind der Arzt, der gestern Abend auf der Facenda der Donna Ermelinidra Custodia zu thun hatte. Ich freue mich, Sie wohl und munter zu sehen. Danke sehr für die Theilnahme, erwiderte ich mehr erstaunt als neugierig. Der Fremde aber fuhr fort: Hätten Sie anders gehandelt, als geschehen, lägen Sie heute neben dem armenDom Justino todt unter dem Rasen. Em Dolchstoß wartete Ihrer. Cavallero! rief ich und fuhr erschrocken zurück. Ruhigen Tones sprach der andere weiter: Es ist so. Sie haben der Familie des Dom Justino einen großen Dienst geleistet. Sie werden ein entsprechendes Honorar in Ihrer Casa finden, wenn Sie dorthin zurückkehren. Addio! Mit vornehmer Verbeugung entfevnte er sich. Das wird ja immer interessanter, aber auch schrecklicher, dachte ich und trat in das Caf6. Es war noch leer; nur an einem Seitentische saßen zwei Herren, zugleich 'Schwäger, ein deut-
scher und em brasilianischer Kaufmann. Beide waren tüchtige, charakterfeste Männer und mir sehr zugethan. Der Brasilia kannte nebenbei Land und Leute und wußte alle Familienverhältnisse von Stadt und Umgegend. Mit Wärme und Freude reichte er mir die Hand und sprach: Sie sind gestern Nacht einer großen Gefahr entgangen. Ich gratulire herzlich. Wissen Sie das auch schon? fragte ich staunend. Der Kaufmann lächelte überlegen, wie einer, der die Verwunderung seines Gegenübers naiv findet. Und nun erfuhr ich folgendes: Donna , Ermelindra Custodia war Wittwe und Besitzerin einer großen 'Kaffeeplantage, die indeß bis zum letzten verschuldet war. Jeden Augenblick konnte der Ruin hereinbrechen. Daher galt es, dem vorzubeugen. Das
Mittel dazu bot ihre nicht unschöne Tochter Elvira. Es gelang, einer: ebenso reichen als etwas einfältigen Plantagenbesitzer Tom Justino in ihr? Netze gu ziehen und gestern Nachmit tag sollte die Trauung in der Facenda der Donna Custodia vor sich gehen. Alles war bereit. Priester und Gäste fanden sich ein. Da erkrankte der be 'reits anwesende Bräutigam plötzlich am gelben Fieber. Man war außer sich, einigte sich aber dahin, daß die Trauung am Bette des Erkrankten geschehen sollte, sobald der Hausarzt einen Zustand genügend klaren Bewußtseins feststelle. Darauf kam es toegen der rechtlichen Folgen der Trauung an. Der jungen Frau fiel mit vollzogener Trauung im Todesfalle ihres Galten das ganze große Vermögen des Dom Justino zu. Dann konnte die Ehe von feiten der Verwandten des letztern rechtlich nicht angegriffen werden. Ter Hausarzt warDr. F. . ., ein Italiener. Eilig jagte ein Vertrauter der Doana Custodia nach der Stadt, um den Hausarzt zu holen und ihn in die Sache einzuweihen. Aber die Familie des Dom Justino war noch eiliger ge. Wesen. Mit Hilfe bestochener Dieser der Donna erfuhr sie jeden Schritt der Gegenpartei. Mehrere Verwandte des Bräutigams waren als Gäste ebenfalls anwesend, und diese leiteten die Intrigue. Einig: Minuten vor dem E'.n treffen 'des Vertrauten . der Donna verließ schon der Abgesandte der andern Partei .das Haus des D?ctors F... mit der Todesdrohunz für ren Fall, daß dieser auf der Facenda er'scheine. Der Doctor kannte de? Ernst der Lage und wußte sich in seiner Angst nicht anders zu helfen, als sich krank zu stellen und mich mit seinerSiellvertretung zu beauftragen. Wie es zuging, daß ich von dem einzig wichtigen Umstände bei der ganzen Sache, nämlich dem Heirathsplane und der Trauung auf dem Krankenbette die geschehen konnte, denn oe? Kranke war lange völlig klar im Geiste und dispositionsfähig daß ich, wie gesagt, davon keine Kenntniß erhielt, Ist mir unbegreiflich geblieben. Wahrscheinlich glaubte man, ich sei vollstän. dig belehrt, oder die überstürzte Hast ließ es vergessen. So erschien ich 2hnungslos auf der Facenda der Donna Ermelindra Custodia, um die gefährliche Rolle eines vom Tode umlauerten stellvertretenden Hausarztes zu spiele. 'Eine kleine Wendung und ich wäre verloren gewesen. Aber, mein Gott, rief ich entsetzt, was für Geschichten sind das? Woher wissen Sie das alles? Von meinem Bruder Rodrigo, der es erlauschte, flüsterte der Kaufmann mehr als er sprach. Er ist Seeretär 5:1 einem erbbetheiligten Verwal,)tenDom Justmos. Wäre iibrigens das gelb? Fieber flicht gekommen, so erwartn den Verstorbenen ein Dolchstoß vor der Trauung. Von den eigenen Verwandten. Cavalleros? fragte ich. Von den eigenen Verwandten, nickte der Erzähler. Mir ward bei diesen Enthüllung? sehr ungemüthlich. Welche Leidenschaften entfesseln Geld und Habsucht! sprach ich erschüttert. Da muß man sich auch wohl noch vor der Rachsucht der Donna Custodia, 'deren Pläne mein Verhalten vereitelte, hüten? Ja, wenn sie hier wohnen geblieben: wäre, bestätigte der Brasilianer. Sie übergab aber heute Nachmittag ihre Plantage den Gläubigern, um morgen früh mit dem Dampfschiff nach Rio de Janeiro, wo Verwandte wohnen, überzusiedeln. Trotz dieser beruhigenden Erklärung war mir der fernere Aufenthalt in Cachueira verleidet worden. Um eine ernste Erfahrung reicher, verließ ich bah baxatf den Ort und schiffte mich nach Buenos Aires ein. Der gute Nath.
Zu dem reichen Abdullah in Konstantinopel kam sein guter Freund Omar und sprach: O Abdullah, leihe mir hundert Piaster! Allah wird es Dir tausendfach vergelten!" Fern sei es von mir", erwiderte der Reiche, daß ich tausendfachen Zins verlangen sollte. Ich würde schon zufrieden sein, wenn ich das Geld einfach zurückerhielte." Die Pumpenden reden in der Türkei nicht anders, als wie im übrigen Europa, und alfo sprach Omar: Darauf kannst Du Dich verlassen. Ein Mann, ein Wort." Leider bin ich heute nicht bei. Kasse " Kleiner Spaßvogel! Ein Check von Dir ist sicher wie Gold. Deinen Bankier kenne ich." Abdullah zögerte. Höre, Freund," rief Omar, wenn Du mir die hundert Piaftr leihst, gebe ich Dir einen guten Rath, der das zehnfache werth ist." Bei uns pflegt man für einen guten Rath keinen Cent zu geben, (außer ber Aerzten und Rechtsanwalten), aber m der Türkei sind die Leute so auf guten Rath erpicht, daß sie Geld dafür ausgeben, besonders, wenn der Rath wieder Geld einbringen soll. Also, Freund Omar, hier ist ein Check auf hundert Piaster, gieb mir nun Deinen guten Rath." Mein Rath heißt: ,Leihe niemals einem Freunde Geld,, sonst dauert Vit Freundschaft nicht lange." O wie danke ich Dir! Ich werdesofort meinem Bankier telephonieren, daß er Dir den Check nicht auszahlt."' Geübter Blick. Nachtwäch. te: A.: Du, dort kommt ein berauschter Student! Ist es der Meier oder der Müller?" Nachtwächter B.: Dem Rausch nach ist's der Müller!
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