Indiana Tribüne, Volume 19, Number 11, Indianapolis, Marion County, 29 September 1895 — Page 2

Sprüche. Vou Otto Engclhradt. : Nur selten kann die Eigenart ' ' Im Leben die richtige Taktik finden. Bald ist sie zu herbe, bald ist sie zu zart Vor allem: sie kann sich nicht überwinden. Ein jeder Tag läßt uns Neues ersahren, Lehrmeister ist er uns Jungen, uns Alten: ' Er siehet. nimmer nur nach den Iahi ren Wir werden im Lernen die Jugend behalten. 'Hab' mit deinem Kind Geduld! Frage dich bei jedem Fehle: Mischte wohl von meiner Schuld Etwas sichern Kindesseele?" Mitleid! Lieblich ist deine Blüthe. Die entsteiget dem HerzenZschacht. Holder aber schaut's sich, wenn Güte fremdes Glück zu dem eigenen macht. Das ist der Segen einer guten That, Daß sie fortzeugend Gutes kann gebären: Sieh an das kleine Korn, das Keimkraft hat. And fuch' es wieder in dem Meer der Aehren. ZNodeblumen.

Plauderei ro.l Richard March. Die Kinder Floras sind uns wohl alle an3 Herz gewachsen, wir haben ber gewöhnlich unter den Blumen eine, die wir allen andern vorziehen. Solch ein Liebling ist indeß nicht immer der Inbegriff alles Duftigen und Schönen Im Gegentheil, auch auf dem Gebiete der Lieblings- und Mode blumen herrscht eine oft unerklärlich-e Liebhaberei. So hat z. B. die Konijin Luise von Preußen, gleich Goethe, die Hortensia. Kaiser Wilhelm I. hinHegen die bescheidene Kornblume allen ndern vorgezogen. Dasselbe that Richard Wagner. Kaiser Friedrich III. hatte seine Neigung dem Veilchen geschenkt, das bekanntlich auch die Lieblingsblume Napoleons I. war. Als Napoleon Verlassen auf St. Helena starb, fand man- itt einem Medaillon, 'das er als Amulett auf der Brust trug, getrocknete Veilchen. Seine Soldaten nannim ihn deshalb auch Papa la Violeite" und erhoben 1815 das Veilchen zum Abzeichen der Bonapartisten. Als . solche war es unter Ludwig XVIII. und Karl X. allen Nichtbonapartisten juibequem. die sich nicht gern mit Beilchen schmücken wollten. DieSchauspielerin Mars machte den Versuch, das Weilchen seines politischen Charakters zu entkleiden, indem sie einmal auf der Äühne mit einem Veilchenstrauß in der Hand erschien. Auf einen Kampf gefaßt, trat sie, als die das Parterre füllenden Gardeofficiere zu zifchen begannen, ruhig bis an die Rampe heran und hielt eine Rede für volle Blumenfreiheit. DaS Publikum gab 'durch donnernden Applaus zu erken7ien, daß es mit der Künstlerin einverstanden war, gleichwohl aber ist das Weilchen weder damals noch später 3'iin Range einer ausgesprochenen Modeblume emporgestiegen. Selbst in Oesterreich nicht, wo es zur Zeit der Babenberger die allbeliebte Nationalblume war, der zu Ehren im FrühInge das .Veilchenfest" gefeiert wurtot, wobei das erste Veilchen, von dem schönsten und sittsamsten Mädchen gepflückt und dieses dann mit Veilchen bekränzt wurde. Die vornehmste aller Lieblings- und Modeblumen ist die Rose, und ganz abgesehen davon, daß die rothe und die weiße Rose im vierzehnten Jahrhunfceri das Abzeichen der Häuser Jork und Lancaster war. haben ihr die größten und Mächtigsten dieser Wclt gehuldigt. Kaiserin Elisabeth von Oesterreich z. B. nennt die Rose ihre Lieblingsblume. Die Kaiserin Friedrich hingegen liebt die aus China eingeführte Garixnia, eine kostbare trichterförmig: Blüthe von. elfenbeinfarbenem Weiß und eigenthümlichem starkem Wohlge--ruche. der an eine Mischung von Orangenblüthen und persischem Jasvr'm erinnert. Die Gardenia ist durch fcen Bruder der Kaiserin Friedrich, den Prinzen von Wales, der sie zurKnopflochzierde wählte, auch zur Modeblume der vornehmen Herrenwelt geworden. Der im sechzehnten Jahrhundert durch den kaiserlichen Gesandten Ghislain von Vusbecke aus der Türkei zuerst nach Wien und dann nach Flandern verpflanzte Lilac" oder Flieder war langeZeit die erklärte Modeblume in Europa. Zur Zeit seiner Blüthe schmückte sich alle Welt damit. Kleinere ??liederzweige .nickten aus allen Knopflöchern und die größeren bildeJen den auslließlichen Putz der Strohhüte der Damenwelt. Flieder wurde an der Kreuzung der MüsseZinhalstücher getragen und Flieder in den Gürtel' gesteckt. Ueberhaupt war die Vorliebe für diese herrlich d,:f'5nde Blüthe so groß, daß die Mädchen nur im Frühlinge heiraten , wollten, um sich mit Flieder schmücken und sich, im !Flieder vermählen" zu können. Frühfing und Flieder waren -ein Begriff geworden; kein Wunder daher, daß das Lila Modefarbe wurde und daßFrankZch heute noch das gelobte Land des Flieders ist. Heute vielleicht mehr denn je, seitdem es den Gartenkünstlern gelungen ist, verschiedene fast das 'ganze Jahr blühende Spielarten - des Flieders zu erzielen. Auf die weiße, blaugetupfte umal bilden sich die Franzosen nicht

wenig ein. Vor wenigen Jahren erst waren Fliederbouquets aus mehreren fast meterlangen, zwanglos vereinten und nur von einem weißen Papierbogen umwundenen Zweigen das Modernste auf dem Gebiete der duftigen Ueberraschungen. Vor dem Flieder galt die im dreizehnten Jahrhundert von Ludwig IX. aus Afrika nach Frankreich eingeführte Nelke als Modeblume. Die Ersten, die sie zur Lieblingsblume erkoren, waren Ren6 von Anjou, Herzog von Lothringen, Graf von Provence und König von Neapel, ein gefeierterTroubadour, und der groß- Feldherr Ludwig Eond. Im Jahre 1653 von Mazarin in Vinccnnes gefangen gesetzt, warf er sich mit wahrer Leidenschaft auf die Nelkenkultur und war auf die in seinem kleinen Garten errungenen Erfolge ebenso stolz wie auf seine Siege über die spanischen Heere. Aus diesem Grunde wurde die rothe Nelke von seinen .Anhängern entweder an der Kopfbedeckung oder rar Knopfloche getragen. Selbst die Vourbons, denen Cond6 durch seine Geburt angehörte, machten diese Mode mit, und gerade in ihrem Hause erbte sich neben der weißen Lilie, die bekanntlich auch Schillers LieblingZblume war, die roth: Nelke in dieser Eigenschaft fort. Es erregte daher nicht geringes Aufsehen, als Ludwig XVI. einmal bei einem Hoffeste anstatt der traditionellen rothen Nelke eine Kartoffelblüthe im Knopfloch trug. Die Nelke blieb -die erklärte Modeblume, und wurde während der großen Revolution zum Symbol der Köniastreue; die dem Tode geweiht ten Royalisten trugen die oeillets d'liorreur, Nelken des Schreckens in der Hand. Die Nelke hatte selbst in den Augen Napoleons eine so große Bedeutung, daß er ihr die rothe Farbe Äes Bandes der Ehrenlegion entlehnte. Diese Modeblumen waren infolge ihrer Beliebtheit ziemlich theuer. Köstlicher denn Edelsteine sind dermal die Nelken, alles schmückt sich damit. und es gibt nicht wenige Damen der Aristokratie, die zu ihrem Putz Nelken aus Flandern herbeischaffen lassen," schreibt ein englischer Chronist des siebzehnten Jahrhunderts, der da mittheilt, daß ein Nelkenkranz, den die Herzogin von Devonshire getragen, hundert Pfund Sterling gekostet habe. Derartige Kränze kamen indeß bald wieder aus der Mode, und auch die weiße Riesennelke, die der Prinz von Wales eine Zeitlang bevorzugte, wich schon nach Jahresfrist der gelblich und lachsfarben gesprenkelten Nelke und diese wiederum der neuesten Modeblume: dem Chrysanthemum. Seit Jahren bereits war diese japanische Nationalblume ihrer Geruchlosigkeit wegen alsSalcn- und Boudoirschmuck in Mode und wurde seit 1892 auf Bällen und Soireen immer häufiger im Knopfloche der fashionablen Herrenwelt gesehen. Das Chrysanthemum ober Kito" wird in Japan seit alter Zeit cultivrt; es sind dort zahllose Varietäten erzielt worden. Die Chrysanthemen werden nicht blos in allen öffentlichen, sondern, auch in jedem Privatgarten gezogen. Das kaiserliche Wappen Japans ist dieser Blume nachgebildet und besteht aus eine? runden Scheibe mit sechzehn Strahlen. Die Maler verwenden dort rcit Vorliebe die Kikublume. zahl-

I reiche Beschreibungen und Gedichte nw !C , !?r?f5 i?rrV Atn. lll Hl U'Ulll Zischen Litteratur gewidmet. Die Blüthezeit der Chrysanthemen reicht in Japan von der Mitte des Herbstes bis zu dessen Ende. In dieser Zeit werden die Gärten von Tokio lebhaft befucht. Eine Specialität sind die aus verschiedenfarbigen und verschieden großen Chrysanthemen zusammengestellten lebenden Bilder", Schaustücke, die von weit und breit Bewunderer anziehen. Es werden sowohl menschliche Gestalten wie Figuren von Gegenständen aus Blumen zusammengesetzt, und man benutzt als Stosse für diese Blumenbilder Scenen aus der Geschichte, vollksthümliche Sagen, Märchen und dergl. Üebrigens verspeisen die Japaner auch die Chrysanthemen. Besonders die gelben, Blumen werden gern gekocht und dienen dann als leckerer Salat. Die getheilten Blätter werden in Weizenmehl gebacken und ebenfalls als Speise verwendet. ' Die Chrysanthemen konnten sich als Modeblumen nicht lange .behaupten, einmal sind sie als Knopflochzierde und Haarschmuck zu groß und plump und darm entbehren sie der boldesten Eigenschaft der Blume, des Duftes. Thatsächlich überließ denn auck sckon im Winter 1893 die Herrenwelt die Chrysanthemen den Damen und den Gewächshäusern und proclamirte neuerdings die Nelke als Modeblume, indeß eine ganz neue fremdartige Nelke. Man sieht, schrieb ein Pariser, nilgrüne Nelken aus ernsten Knopflöchern nicken, oder elioiropfarbig gesprenkelte, ja sogar himmelblaue. kurz Nelken in verschiedenartig gefärbter Toilette. Geaen die Herrschaft der Nelke kämpfte der kürzlich verstorbene Sanderling Lord Creve sanatisch an; ihm aesiel die Orchidee besser, und er trua. um diese theure Blume in die Mode ( ?u bringen, in jedem Knopfloch, seines i Rockes ein Exemplar vavon uno verkehrte mit Niemandem, der dieser kostspieligen Marotte nicht huldigte. Die Nelke behauptete indeß , der Orchidee gegenüber ebenso siegreich das fald wie seinerzeit gegen die Kornblume, die mit den Werken Nichard Wagner's in Nizza modern und eine Zeitlang so begehrt' wurde, daß . ST 1 C CfXii Die mariner an ocr nioiera oainais eigens Kornblumenplantagen anlegen j mußten. Nur im Jahre 1893. zur Zeit, als ' die russischen Maiineofficiere in .

FrankreichTriumphe feierten, sank die Nelke zeitweise im Preise. Die bekannte Madame Adam hatte kaum daran erinnert, daß das Bergißmein-' nicht keineswegs eine deutsche, sondern vielmehr die. russische Nationalblume sei. als dieses auf dem französischen Blumenmarkte am niedrigsten notirte Kind Flora auch schon in die erste Reihe gestellt wurde. Die Himmelblauen Sternlein guckten alsbald aus den Schaufenstern der tonangebenden Blumcnhandlungen, sie lachten ' von den Hüten der Pariser Modedamen und fehlten in keinem Bouquet, das ausSchönhcit und Geschmack Anspruch machen wollte. Allein noch hatten die russischen Gäste ihre Heimath nicht erreicht, da war es um dit Herrlichkeit des Vergißmeinnicht schon vied er geschehen. In, England gibt es eine Blume, die n?ch kürzere Zeit, jährlich nur an ein?m einzigen Tage, und zwar am 19. April, in Mode ist. An diesem Tage des Jahres 1881 starb der bekannte Staatsmann und Schriftsteller Dis-raeli-Beaconsfield. und da es von ihm hieß, er habe die Primel oder Schlüsselblume bevorzugt, so bildete sich aus seinen Verehrern sofort eine Liga zu dem Zweck:, seinen Todestag, fortan in Vrimeln" zu bethen. Der 19. April heißt demnach Primrofe-Tag, und an ihm steht in England alles im Zeichen der Schlüsselblume. Frauen tragen sie an der Brust, Männer im Knopfloch, die Kutscher am Peitschenstiel, die Pferde an den Ohrlappen. Und obwoal boshafte Menschen bebiupten, Disneli habe die Schlüsselblumen nur für fönen Salat bevorzugt, nehmen die Dimensionen des Primrose-Kultus alljährlich größeren Umfang an. Vielleicht wird die Primel in England noch Modeblume. Hat doch vor ein paar Jahren eine Lady dte rosenrothen Radieschen, eine Pariser Modistin den stacheligen Cactus zur Damenhutmodeblume, allerdings in klei nerem Kreise, gemacht, und in Amerika wurden, als einmal die Anregung zur Wahl einer Nationalblume erfolgte, der Hagedorn und die Butterblume stärker gewählt als der Lorbeer. Die Nationalblumen brauchen eben nicht schön zu sein, sonst hätten die Jrländer schwerlxh die Distel und den Klee erwählt. Auch bei Wappenblumen spielt, wie das die Wegwarte und Nessel aufweisende Bismarcksche Wappen lehrt, die Schönheit keine große Rolle. Dasselbe gilt von den Parteiblumen; in Belgien hat man bei spielsweise dazu die wilde Mohnblume, die Kornblume und die rothe Immortelle gewählt. Das irdische Paradies. Von Ludwig Habicht. Seitdem durch den Engel mit dem feurigen Schwert das erste Menschenpaar aus dem Paradiese vertrieben worden, ist von den nachfolgenden Geschlechtem viel darüber gegrübelt worden, wo wir eigentlich das Paradies zu suchen haben, dessen Pforten für die armen..Sterbl':chen für immer verschollen geblieben. Augustin Chrysamenses war der Ueberzeugung, daß damals das Paradies völlig zerstört worden, und alles Suchen, selbst nach den geringsten Spuren desselben, vergeblich sei. Trotzdem ist immer wieder nach dem verlorenen Paradiese eifrig geforscht, und die widerstreitendsten Behauptengen, wo es eigentlich zu' suchen sei, sind aufgestellt worden. Man hat hin unid her gerathen und die verschiedensten Winkel und Erdstriche als jenen Garten bezeichnet, der unserem ersten Elternpaa? als Wohnsitz angewiesen wzrden, der nur zu rasch verloren gehen sollte. Die Einen verlegten das Paradies auf den Berg Ararat, die Anderen auf die Insel Ceylon, weil dort eine Bergspitze nach dem ersten Menschen genannt wird. In Sumatra, auf den Kanarischen Inseln, in Syrien. Persien, Aethiopien hat d Phantasie des Menschen das Paradies gesucht und zu finden gemeint; , Andere haben es sogar dorthin verlegt, wo jetzt das Kaspische Meer sich ausdehnt. Einige konnten sich den Garten Gottes nicht groß genug denken, und 'sie behaupteten, daß ein guter Theil von Asien und Afrika das Paradies gebildet habe, und sie nennen als die vier Flüsse desselbm den Ganges. Tigris, Euphrai und.Ril. Ein amerikanischer Schriftsteller ist kühn genug gewesen, mit der Ansicht hervorzutreten, daß Adam und Eva auf der westlichen Hemisphäre zuerst das Licht der Welt erblickt haben, während ein Engländer boshaft genug seine Meinung dahin abgegeben hat, daß der Adam der Amerikaner dem ZuchtHause entsprungen sei. Gewöhnlich wird Eden" und Pa radies" für gleichbedeutend gehalten; aber es besteht zwischen Beiden noch ein Unterschied. Eden", das im Hebräischen Vergnügen" bezeichnen würde, war ein ausgewählter und aus gezeichneter Theil der Welt, und mitten in diesem Eden lag nun der schönste und herrlichste Theil der Garten Edens das Paradies, als lieblichster

Aufenthalt des Vergnügens und des T1" : Gorogius Becaunus verlegt das Paradies nach Indien, während ein anderer alter Schriftsteller steif und fest behauptet, daß das Paradies dort war, wo wir. es am allerwenigsten suchen würden am Nordpol. So wunderlich es auch, jetzt für uns klingt, es gab doch, eine Zeit, wo gerade der fernste Norden vielleicht, weil er durch seine Unerreichbarkit. für,.die.. Menschen ein I Mysterium blieb, . für das Zauber- ! land voll entzückende? Schönheit gehal-

ien wurde. In jenen frühesten Zeiten, die uns heute auch nur wie ein seltsames Märchen klingen, glaubte man. daß im fernen Norden die Sonne gehört würde, wie sie tönend aus dem Meere entstieg und bersank. und daß die alten Götter an den einsamen Ufern des Endes der Welt in erhabenerGröße auf und nieder wanderten. Vielleicht, daß diese jetzt wieder Mode gewordenen Fahrten nach dem Nordpol aus der dunklen Sehnsucht nach jenen Paradiesen entstanden sind, die bisher vergeb lich gesucht worden. Dachte sich doch schon Virgil das glückliche Land der immer fröhlichen Hyperboräer am Nordpol, und in früherer Zeit war es immer der Traum unferer Nodpolfahrer. daß hinter den riesigen Eisfeldern ein Land von überraschender Schönheit und Milde zu finden sei, wenigstens eine Art Paradies. Der Gedanke von einem irdischen Paradiese, das in fernen, unbekannten, Regionen des Weltalls liegt und nur von wenigen, vom Glück begünstigten Menschen gefunden worden ist' beinahe! bei allen Völkern vertreten Lucian erzählt in seinen wahren Geschichten", wie er auf dem Eiland der Seligen mit seinem Gefährten landete, sei er mit Rosengewinden. gebunden worden den stärkstem Fesseln, die man- dort kannte. Und sind das nicht immer in Wahrheit die stärksten Fesseln gewesen? während die Völker wie die einzel-

nen Menschen die schwersten Ketten , . V . . - ff- ? . ' zeroroen yaoen, oie man lynen angelegt! Bei den Griechen und Römern wurden vorwiegend die Kanarischen Inseln als die Wohnung der Seligen betrachtet. Während uns heutzutage dort Sandwüsten entgegenstarren. wo Herodot und Strabo die überschwängliche Fruchtbarkeit und Paradiesesschönheit nicht lebhaft genug ' schildern können, haben die Kanarischen Inseln ihren landschaftlichen Zauber und ihre klima tischen Vorzüge, die Plutarch schon, rühmt, bis heutigen Tages bewahrt, und Tausende vonKranken flüchten sich noch gern zu jenen Jnfeln de? Seligen in der Hoffnung, dort das kostbarste Gut, das sie verloren haben, wiederzuerlangen die Gesundheit. Die Araber haben eine Legende von einer großen paradiesischen SteM, die von einem Zauberer im Süden ihrer Halbinsel erbaut worden und in der Wüste Aden einsam und geheimnißvoll liegt. Auch, die Perser träumn von herrlichen Städten, und paradiesischen Gärten, und die Skandinavier sangen von der heiligen Stadt Asgard, die in der Mitte der Welt lag, und deren Glanz alle Blicke blendete. Die Hindus verlegen ihr irdisches Paradies an die Grenzen von Kaschmir und Thibet, und in den ersten Jahrhunderten des Christenthums glaubte man an ein .Land im Osten, wo das irdische Paradies zu finden sein würde, und dieser Glaube hat immer wieder die Menschen hinausgetrieben, es zu suchen, bis man Amerika entdeckte. Am meisten neigte man sich der Ansit zu, daß' zwischen dem Zusammenfluß .des Euphrat und des Tigris unser irdisches Paradies gelegen haben müsse; wurde doch bis zum Mittelalter ein gewisser Landstrich in Mesopotamien Eden" genannt, wie man rwch im Jahre 1552 dem Papste berichtete. In der alten Faustdichtung zeigt Mephisto in weiter Ferne dem Doctor das Paradies: Und als er hinunterblnkte gegen Osten, sah er einen mächtigen hellen Feuerstrom, der vom Himmel auf die Erde herabsank; er sah aus der Fluth vier mächtige Gewässer hervorspringen, das eine nahm seinen Lauf gegen Indien, das zweite gegen Egypten und das dritte und vierte gegen Armenien. Nun wollte Faust von Mephisto ersahren, welche Flüsse dies wären, und von wo sie kämen, und der Letztere gab ihm die ruhige Antwort: Es ist das Paradies. das dort fern im Osten liegt. der Garten, den Gott selbst gepflanzt hat, und der feurige Strom, den Du siehst, ist der Wall, der den Garten einschließt, und das helle Licht, das Du in der Ferne erblickst, ist der Engel, der mit dem feurigen Schwerte am Eingange Wache hält. Und obgleich Du denkst, daß Du jetzt ganz nahe am Paradiese bist, bist Du doch ferner davon, als Du es je warst - Ach. sind wir vielleicht niemals ferner dem verlorenenParadiese, als, wenn es trügerisch vor unseren Augen gaukelt?! Das ist das Tragische in allem Menschenschicksal! Alle Paradiese haben das Trügensche. daß sie wie mit einem Zauberschlage verschwinden, sobald einfirdischer Fuß sie betritt. Jean Paul behauptet:. Die Erinnerung sei das einzigeParadies, aus dem wir nicht vertrieben werden können Vielleicht gibt es noch ein anderes Paradies, das unter allen Himmelsstrichen zu finden ist, em srill befriedigtes Heim. ein glücklich' Leben im tiefsten Innern. ja. der Besitz eines einzigen liebenden Herzens bleibt ein Paradies, das uns nur mit dem Leben stlbst verloren geht! Sein Standpunkt. Du, Hans, jetzt sag' uns no au emol. was doas ist. von doam der Herr Pfarrer ällerweil vorschwätzt!" Des an oi'fache Sach', liaber Friede! Guck, Luxus ist z. B., wenn oiner zwoi Mistgcbla hat und no oi' Kuh!" Sonderbare Ansicht. Denken Sie. der Munde ist an der Zuckerkrankheit gestorben!" So ein Leckermaul!" Das verkannte s chach. Lehrer: Wie nennt man also in Persien den Herrfcher? Nun .aber ihr braucht doch nur an ein bekanntesSpiel zu denken!"'. Fritzchen (Sobn eines eifrigen Skatspielers): Wenzel!"

Eine MKMlIzkrin. Das ostpreußische Dörfchen Wersmenittgken, unweit von der russischen Grenze belegen, ist die Heimath der Volksdichterin Johanna Ambrosius, welche dem deutschen Volke ein Buch mit herrlichen. vöm.Herzen kommenden und deutsche Herzen rührenden Gedichten bescheert hat. Als Tochter eines armen Handwerkers am 3. August 1854 geboren, reichte sie einem Bauern

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Johanna AmbrosiuL. die Hand zum Bunde für's Leben und trotz der fchweren Arbeiten, die Haus und Feld erheischen, findet sie noch immer ein Stündchen zum geistigen Schaffen. Ohne jede Ermunterung von außen hat Johanna Ambrosius sich zu dem machen müssen, was sie geworden ist; erst vor Kurzem hat sie in Professor Schrattcnthal den Freund gefunden, der die Gedichte der von Arbeit und Krankheit Gebeugten zusammengestellt und in die Oeffentlichkeit gebracht hat. Und welchen durchschlagenden Erfolg diese Gedichte erzielten, das geht aus der Thatsache hrvor, daß in ganz kurzer Zeit sechs Auflagen davon erschienen sind und auch die sechste Aufläge bereits vollständig vergriffen ist. Von allen Seiten ist der Dichterin nach dem Erscheinen ihres Buches die wohlverdiente Beachtung und Bewunderung zu Theil geworden, und auch ihre VerHältnisse haben sich jetzt etwas günstiger gestaltet. Ein Muh'wohwa. Nicht nur bei der Aristokratie der alten Welt (mit Ausnahme Englands) und jenen Kreisen, welche dieser nacheifern, ist der Zweikampf eine altbegründete und geheiligte Einrichtung, fondern auch bei vielen wilden Stämmen Asiens, Afrikas und Amerikas, kurz überall da, wo die Werthschätzung brutalen Muthes oder der Zwang des Vorurtheils höher steht, als die Achtung vor Recht, Gesetz und Menschlichkeit. Es wird uns daher nicht Wunder nehmen, wenn wir bei den Rothhäuten vielfach die Einrichtung des Duells ftst begründet finden. Es wird als ein Gottesurtheil" betrachtet, tritt nach Beschluß des Ehrengerichts" ein. wenn zwei edle Krieger einander gegenseitiger Unbill bezichtigen, ohne daß die Schuld des Einen oder Anderen objectiv festzustellen wäre. Es wird dann von den Im Kampfe. Häuptlingen und den ältesten Kriegern vorgeschlagen, die Sache durch Gottesurtheil zu entscheiden, und je nach 'der Schwere des Falles auf leichtere oder schärfere Bedingungen erkannt. Ein solches Duell, das stets mit dem Tode eines der beiden Gegner, wohl gar beider, endigt, ist das Muh-wohwa, welches bei den Utah - Indianern im Gebrauch ist. Muh-wohwa heißt in der Utahsprache wörtlich: Hand am Baum. Die Duellanten werden durch starke Riemen mit einer Hand so an einen Baumstamm befestigt, daß sie sich im Kreise um denselben herumbewegen können. Da Beide einander die Gesichter zuwenden müssen, so ist der Eine mit der rechten, der Andere mit der linken Hand angebunden. Das Loos entscheidet, wer den Vortheil haben soll, die rechte Hand frei zu behalten. Beide legen die Oberkleider ab und erhalten dann die verabredete Waffe: Messer oder Tomahawk. Der Kampf findet im Beisein aller Krieger des Stammes statt, die in ernster Haltung zuschauen, wie die Gegner einander zerfleischen, und sorgfältig darüber wachen, daß die Kämpfer sich auch genau dem indianischen Ehrencodex gemäß benehmen. Der Erbonkel. Erster Student: Na, wie geht's Dir, Oskar?" Zweiter Student: Ich danke, gut. Ich lebe von meinen verwandtschaftlichen Gefühlen." Mißverständnis. Nichter: Also der Angeklagte hat Sie Lump", Betrüger" geschimpft und Sie sind ihm wahrscheinlich nichts schuldig g'.blieben?"' 'Klager (kleinlaut): Doch 'hundert' Ä!ark ' kriegt - er noch von mir!"

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ZoxZzt&Uutx. In .die Zeit der Sonnenwende fallen seit uralten Tagen in Deutschland die Lichtfestc. Zur Wintersonnenwende feiern wir Weihnachten, zur Sommerfonnenwende Johann!. Im Flachlande ist vielen Leuten die Erinnerung daran, daß dies altgermanische Fest einst mit Freudenfeuern auf den Bergen zu Ehren Wotan's gefeiert wurde, ganz verloren gegangen, aber in den Bergen, da hat man den alten Namen und den alten Brauch noch bewahrt, und im Harz, wie in Thüringen, im bayerischen Oberland, in Salzburg. Steiermark. Tirol flammen überall zu Johann! die Sonnwendfeuer auf. in klaren Nächten ein herrliches Schauspiel gewährend. Die verwegenen Bursche in den Thälern der Älpea wetteifern miteinander, ihre Feuer an besonders schwer ersteigbaren Fels-, wänden und Vorsprüngen anzubrinAnzünden des Feuers. gen, und es ist kein geringer Stolz, die Anderen darin zu übertrumpfen. Wer dies fertig bringt, ist der Held des Tages. Im Thal folgt man mit Spannung dem Aufleuchten der Feuer und begrüßt ein besonders gelungenes mit freudigem Jauchzen. In Innsbruck ist alljährlich Alles gespannt, ob heuer wieder an der durch die Legende vom Kaiser Max bekannten, senkrecht zum Jnn .abstürzenden Martinswand ein Sonnwendfeuer brennen wird. Na freilich," heißt es. Irgend einer von den verwegenen Buben, der Turtschenthaler Franz oder der Wildner Karl oder sonst Einer wird's ja wohl auch diesmal wagen." Und richtig! Bei Anbruch der Dunkelheit flammt es hoch droben an scheinbar unerreichbarer Stelle an der Martinswand auf, zur größten Genugthuung der harrenden Menge, und drüben von jenseits des Jnn leuchten ebenfalls Feuer wie Gegengrüße zurück. Layeock's Yacht. Die Freunde des Segelsportsin unserem Lande sind an die mit sehr wenig Takelage versehenen Vergnügungsboote in so hohem Grade gewöhnt, daß die aus England importirten Fachten Mary" und Laliant" mit ihren hoch ragenden Masten nicht geringes Aufsehen erregten. Wirkliche Bewunderung fand die Yacht Valhalla". Eigenthum des Herrn Joseph F. Laycock, ein aus Valhalla. Stahl construirtes Vollschiff. Das Fahrzeug mißt 239.6 Fuß in der Länge, 37.2 in der Breite und ist 20.7 Fuß tief; ihre Bemannung zählt 128 Köpfe und herrscht an Bord die stramme Disciplin eines Kriegs schiffes. Valhalla" ist nicht nur ein vorzllglicber Segler.sie ist auch mit Triple-Expansions-Maschinen versehen, deren Cylinder Durchmesser von 18z, 27 bezw. 47 Zoll haben; zwei Kessel, die einen Druck von 160 Pfund aushalten, liefern den erforderlichen Dampf. Zur Mode. Herbstcostiima. la Kürbis. In d erRedaktion. Dichterlina: Darf ich Ihnen nicht mein letztes Gedicht vorlesen, Herr Redakteur? Redakteur: Ra, wenn's das letzte ist. denn in Gottes Namen! M a j e st ä t s b e l e i d i g u ng. Kritiker: Ihr Gedicht auf den Fürsten kann ich bloß dem Papierkorbe übergeben. Dichter: Ich-bitte . Sie. das wäre ja Majestätsbeleidigung! Moderne Ehen.' Bewerber: Also, verehrter Herr, kann Ich Ihre Tochter heirathen?" Brautvater: Ja, das kann ich Ihnen Nicht sagen, das müssen Sie mit meiner Töchter ah machen, sie sagte ' mir vor ' einiger Zeit, sie würde Sie heirathen!"

Wi. Ijik Jsy' fis.' is! !DMMS' U i &Sxs.

Der Mcher.

Dem Fächer wollen wir eine kurze Betrachtung widmen. Aber man erwarte hier keine kritische Unterweisung über den Gebrauch der Fächer ebensogut könnte eine Encyklopädie über den Gebrauch des Auges geschrieben werden und eine Dame, der man die Handhabung des Fächers lehren müßte, thäte wohl, dies gefährliche Rüstzeug nie in die Hand zu nehmen! Was uns hier kurz beschäftigen soll, ist das Stückchen Kunst, das sich von Alters her an den Fächer geknüpft hat. . Ja, von Alters her, denn ziemlich so alt wie die Menschheit selbst, wird auch dies Geräth sein; wenn auch das Palmenblatt. mit welchem die Göttinnen von Sem, Ham und Japhet sich Kühlung zugeweht haben, von dm modernen Klappfächer kaum minder verschieden ist, als die Bestimmung dieses letztcren von seinen Vorfahren in der alten Welt. Die moderns Frau, die noch einen letzten Blick in den Spiegel wirft, der ihre Balltoilette zurückwirft, und dann als Letztes nach dem Maraboutfächer greift: sie denkt wohl kaum daran. daß der Urahne dieses graziösen Geräthes ein Vorrecht von Königen, und hohen geistlichen Würdenträgern war. Die Egypter und Mesopotamier. die so freundlich waren, uns in ebenso deutlich wie solid ausgeführten Wandbildern genaue Kunde von den intimsien Kleinigkeiten ihres Eulturlebens zu geben, weifen prachtvolle Exemplare von Federfächern auf. Meist einen festen Halbkreis bildend, werden dieselben an langen Stielen in der Umgebung der Fürsten bei Aufzügen einhergetragen und dienen ebenso dem praktischen Bedürfniß, diese distinguirten Personen vor dem tropischen Sonnenbrand zu schützen, wie sie zur Großartigkeit und dem Pomp der Auszüge wirkungsvoll beitragen. Die griechischen Vasenbilder zeigen uns die Damen des alten Athen und Korinth in graciösen Bewegungen mit dem Fächerbeschäftigt, der, meist die Form des Palmblattes nachahmend, ein ebenso wichtiges und kunstreich behandeltes Toilettenstück gewesen zu sein scheint, wie der Handspiegel. Daß die Römerinnen auch hierin nicht hinter ihren Geschmacksmustern in Hellas zurückstanden, ist uns aus zahlreichen Citaten der römischen Dichter und Historikcr bekannt. Das Mittelalter berichtet nicht weniger von Fächern, die durch den Reichthum ihrer Ausstattung imponirten. Alle diese Fächer scheinen die ursprüngliche Form des Palmblattes beibehalten zu haben, welche meist durch bunte, an einem Stiel befestigte Federn gebildet wurde. Erst die Renaissancezeit bringt uns eine abweichende Form. Es sind kleine Fahnen viereckig oder rund geschnitten, aus Pergament und Seide, mit Malerei und Stickereien, oft auch mit einem Federrand versehen, die mit einer Seite lose an einen Stab befestigt sind, um welchen sie sich schwingen lassen. Aber auch diese Form wird bald verdrängt durch den Klappfächer, der im 16. Jahrhundert bis zur Gegenwart im ganzen Abendlande die Alleinherrschaft führt. Auch er ist ein zuerst in Jtalien nachgeahmtesGeschenk der Ostasiaten Der ursprüngliche Klappfächer war für unsere Vorstellung enorm groß. Erst im 17. Jahrhundert sehen wir ihn bescheidene Maße annehmen. Immer bietet die ausgebreitete Fläche willkommene Gelegenheit zu künstlerischem Schmuck durch Malerei, Stickerei und die verschiedenen Techniken der Spitzenbereitung. Wie groß der Luxus dieses Schmuckgeräths war, ersehea wir aus der Notiz, daß ein Fächer, den die Königin Margarethe von Navarra der Margarethe von Lothringen schenkte, den für das Ende des 16. Jahrhunderts hohen Preis von 1200 Thalern kostete. Derselbe war von Perlmutter mit Perlen und Edelsteinen besetzte Reben dem materiellen, sehen wir den künstlerischen Werth des Fächers im 18. Jahrhundert enorm gesteigert. Neben einer Unzahl namenloser Maler, deren Grazie und Geschmack heute ihnen einen respectirten Platz in der Künstlerwelt sichern würden, sehen wir bedeutende Künstler sich angelegentlich mit dem Malen von Fächern beschäftigen. Kein Wunder, daß die Hand dieser Männer den für die Mode geschaffenen Werken einen dauernden Werth verlieh und sie auch heute noch zu gesuchten Gegenständen der Sammlungen macht. Eine andere Form des Fächers, welche noch mehr als der durch seine Faltungen der Zerstörung ausgesetzte Klappfächer zu künstlerischer Ausbildung einladet, ist der namentlich in Frankreich ausgebildete Ecran", der Kaminfächer, eine in einen leichten Rahmen gespannte Fläche zartesten' Stoffes, die beim Plauderi am Kamin das Gesicht vor den directen Strahlen des Feuers zu schützen bestimmt ist. Der moderne Fächer nimmt, wie das im Zuge unse rer Zeit liegt, seine Decorationsmotive mit freier Willkür aus Allem, was die Vergangenheit uns hinterlassen hat, und schafft damit auch für Diejenigen Nutzen, die sich keine echte Watteau oder Voncher gestatten können. Unterschied. Fast eine Viertelstunde klappere ich mit dem Deckcl und die Rest beachtet mich gar nicht. Dort, dem jungen Lassen, der kaum herein ist, hat sie gleich 'nen Halben hingesetzt.- Ja, der klappert auch mit den Augen!" . Besondere K r a n k h e i't. A. (Arzt): Was ist nur mit dem As-' sessorKlingner? Er schaut auffallend bleich aus und spricht kaum ein Wort." B.: .Er hat in Erfahrung gebracht, daß seine Braut die er, wirklich 'liebt und für' reich hielt, fast gar kein Vermogerr mehr besitzt." A.: '.Also ist er Herz-Beutel-krank!" ,

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