Indiana Tribüne, Volume 19, Number 4, Indianapolis, Marion County, 22 September 1895 — Page 6

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Im Herbst. Von Heinrich Seidel. Was rauscht zu meinen Füßen so? Es ist das falb: Laub vom Baum! Wie stand er jüngst so blüthensroh Am Waldessaum! Was ruft zu meinen Häupten so? Der Vogel ist's im Wanderflug. Der noch vor Kurzem sangesfroh Zu Neste trug. Mein ahnend Herz, was pochst Du so? Du fühlst den Pulsschlaz der Natur, Und daß verwehen wird also Auch deine Spur. hoffnungslos. ?lr.Z Tagebuch eines Arztes von W. v. Schicrbrand. - I. Doctor!" löiii: eintreten aber leise er schult!" Fra Walter öffnete mir vorsichtig d:e Thür, damit sie nicht knarre, u.iö führte mich dann auf den Fußspitzen an das Lager ihres kranken Goftrt. Der Patient schlief, aber iv'.zl Keuchend, pfeifend, radelnd ging der Athem, so schwach, daß die ausgehöhlt: Brust sich kaum merklich hob unter dem Laken. Sei: zwei Stunden schläft er ruhiz." flüsterte .mir die Mutter zu. Ich fühlte den Puls und legte dann meine Zühle Hand auf die feuchte Stirn des Leidenden. Der Husten?" frug ich. . j .,- , Wie immer." Hm. hm!" Nin," sagte die Mutter, der man die Angst aus den Zügen las, wie... wie finden Sie ihn?" Mich dauerte die Aermste. Hie: lag. auf jenem Pfuhl, das von seinem Schweiß ganz feucht war, ihre einzige Hoffnung, ihr Sohn, ihr Stolz, um den sie sich gemüht und gesorgt, dem sie mit Aufopferung aller ihrer Kräfte eine bessere Erziehung hatte zu Theil werden lassen, als ihre Verhältnisse ei gentlich gestatteten. Aber ihr verstor. bener Mann war ein gebildeter Mani Liesen, ein Arzt aus Deutschland, und ihr Streben war gewesen, auch ihren einzigen Sohn zu demselben Berufe heranzubilden. Ich besuchte die Familie seit Langem, noch aus der Zeit, als der Vater lebte, der mir ein. lieber College gewesen war, und es bereitete mir Schmerz, den Zustand des jungen Mannes als hoffnungslos erkannt zu haben. Mit ihm riß auch der letzte Faden, der die blasse, traurig: Frau an das Leben knüpfte. Was sollte ich thun, was sagen? Da athmete der Knabe wieder mit jenem pfeifenden Ton, der das letzte Stadium der Schwindsucht so unerSittlich verkündet. Ich hob meinen Zeigefinger, um zum Schweigen, zu mahnen, und bat Frau Walter flüsiernd. mir in's Nebenzimmer zu fol gen. Die Aermste gehorchte. Sie schraubte die Flamme der Lampe etwas tiefer und folgte mir dann auf den Zehen, jede- Geräusch vermeidend. II. In tiefer Stille lag nun das Krankenzimmer da. nur das röchelnde Keuchen des Patienten war zu hören. Während dessen suchte ich Frau Walter auf die furchtbare Wahrheit vorzubereiten im Nebenzimmer, deren Thür angelehnt blieb, um gleich beim Erwachen des Kranken an seine Seite eilen zu können. , Sie machte mit meine Aufgabe recht schwer. Sie sah mich mit ihren dunklen, tieftraurigen Augen so bange und doch jo sehnend an, als ob sie von mir unbedingt die Rettung ihres Sohnes erwarte. War ich nicht der alte, treue Freund der Fa milie. und mußte ich deshalb nicht meine ganze Kunst einsehen, um die ses junge, noch nicht voll erblühte Leben zu retten? Vorwurfsvoll beinah blickten mich dieseAugen an, als sie mir wieder und wieder erzählte, was ich ja schon so wohl wußte daß ihr Frank ihr Alles sei. daß die Krankheit erst seit Kurzem so schlimm sei; daß er noch vor 6 Monaten ganz frisch und fröhlich auf einem Picnic gewesen sei, wo er flott getanzt habe; daß ihm bei seiner Genesung schon eine bessere Stellung und Gehaltserhöhung in des Bank, .wo er beschäftigt gewesen, dersprochen sei; daß er ein so guter, liebevoller Sohn zu ihr sei; daß ja, so ging's weiter, bU ich sie schließ lich unterbrach, denn diese verhaltene Hoffnung auf eine Wiederherstellung bei einem. Patienten ,' der schon mit einem Fuß im Grabe stand, dünkte mich gräulich.' Auf die Gefahr hin. daß ich der armen Mutter das Herz zerreiße, mußte ich hier rücksichtslos die Wahrheit sagen. Ich riskirte sonst, daß er hinüöerschlummerte, ohne daß sie von ihm Abschied -genommen. Mittlerweile war Frank erwacht. Wir wußten's nicht, denn er verhielt sich gerauschlos. Er blickte sich um erstaunt, und als er Niemand im Zimmer sah, da lauschte er angestrengt. Ja da im Nebenzimmer, da kamen die Stimmen her. Sie sprachen wohl von ihm denn nun erkannte er die weiche, klagende Stimme der Mutter, wie sie mich frug: So ist sein Zustand gefährlich?" Ich darf Sie jetzt nicht belügen, die Zeit drängt fein Zustand ist mehr als gefährlich er ist Hoffnung-los." Hoffnungslos!" Ein Schrei war's, ein plötzlicher, balbersi't:r Schrei. Dann nichts inehr' als leises, verhaltenes SchluchItn. . . er aber, der Kranke, war in sein Kissen zurückgesunken, eine

schwere Thräne perlte an seinem Auge,

und: Hofs nungs :ps! murmelten die bleichen, blutleeren Lippen. III. Nacht war's. Ding, dong! Die Pendeluhr drin im Zimmer schlägt zwei Uhr. Der Kranke lag da mit geschlossenen Augen, aber immer wach. Er konnte nicht schlafen. Das eine Wort hatte ihm alle Ruhe, alle Hoffnung, alle Zuverficht geraubt. Alles war still. Dort auf dem Sopha lag sie, die gute, alte Mutter, und die äußersteErschöpfung nur hatte sie einschlafen lassen. Der Kranke be trachtete sie liebevoll die gebeugte Gestalt, die grauen Locken, die dort unter dem Häubchen hervorquollen, die zarten, beinahe, durchsichtigen Hände, die gefaltet waren, und ach! das gram durchfurchte Antlitz. Nein, nein, sie sollte diese Bürde nicht länger tragen. Seinetwegen hatte sie seit Langem auf alle Lebensfreuden verzichtet, seinetwegen gedarbt und sich geplagt. Und nun einige Wochen noch, vielleicht nur einige Tage' oder vielleicht nur Stunden, und das letzte Körnchen Sand war verronnen. Sollte er sie aber noch länger unnöthig leiden lassen? Ob sie wohl fest schlief? Leise, vorsichtig richtete er sich auf seinem Lager auf. Im Spiegel gegenüber erschaute er seine eigene Gestalt das &q war er. dieser gebrechliche, abgemergelte Körper! Die Mutter hörte nichts. Leise schob er die Decke zurück und angstvoll wie ein Dieb, der da fürchtet, das leifeste Geräusch werde ihn verrathen, stand er auf. Vorsichtig schlich er sich bis zu der Thür hin, die in's Nebenzimmer führte. Wenn sie knarrte, wenn die Mutter erwachte, dann war's vorbei, alles vorbei, dann fand sich nie, sicherlich nie die Gelegenheit wieder. um das zu thun, was er thun mußte. Ja, mußte, um sich, seiner Mutter, um Allen seinen langsamen, qualvollen, schrecklichen Tod zu ersparen. Jetzt stand er an der Thür kaum merkbar drückte er daran. Krr! machte sie, und wie ein! köstlicher Schreck durchrieselte es seine fröstelnden Glieder, denn die Mutter schien zu erwachen. Nein, sie erwachte nicht. Sie murmelte nur einige Worte, wälzte sich un ruhig auf ihrem Lager, dann schlief sie weiter. Wieder knarrte die Thür, er aber schlüpfte hindurch, dann hielt er inne und preßte die Hand auf sein Herz, das mächtig schlug wie ein Hammer. Der Lichtstrahl einer Straßenlaterne scheint in das Zimmer. Er weiß nicht warum, aber dieser Lichtschimmer lockt ihn, wie die Motte die Flamme. IV So das wäre gethan," seufzte Frank, als er die beschriebenen Zettel, die seine Abschiedsgrüße von der Mutter und vom Leben enthielten, sorgfältig auf die Mitte des Tisches legte und einen Briefbeschwerer da-, rüber. Er tritt an's Fenster und blickt, die Stirn an die Scheiben gelehnt, hinaus. Sein junges Leben fliegt an ihm vorbei die glückliche Kindheit, als sein Vater noch lebte und hier, in der zroßeni Stadt des Westens, trotzdem er ein Fremder war. so viele Freunde traf, die ihm wohl wollten. An seine Mutter denkt er, damals noch eine hohe, schlanke, schöne Frau mit rosigen Wangen und fröhlichem Herzen. Wie ah damals die Welt so schon, so riedlich, so verheißungsvoll aus! Und etzt!! Dort auf dem Seitenweg, quer über die Straße im Mondenschein, wandeln zwei Gestalten ein junger Mann und ein Mädchen. Zutraulich hat sie ihn am Arm gefaßt. Jetzt kommen sie vorbei Schön ist das Leben so singt der junge Mann mit leiser, summender Stimme die Worte eines Liedes, das auch er, der hier steh! mit klappernden Gliedern, einst gesungen. Schön ist das Leben..." flüstert auch Frank, und dabei rasselt es wieder in der Kehle und er muß husten jenen trockenen, heiseren Husten, der ihn nun schon seit Monaten Tag und Nacht plagt. Sinnend steht er noch am Fenster und sieht dem in der Ferne verschwindenden LiebeZpärchen nach. Dann tritt er vom Fenster zurück und tastend nähert er sich dem Schreibtische an der Wand, öffnet einen der Schubkasten und nimmt vorsichtig etwas heraus. Er hält's in die Höhe, sodaß ein Strahl des blassen Mondlichts sich in 'dem glänzenden, polirten Lauf der Waffe spiegelt. Ein Knacks, und die Waffe ist gespannt. Er legt sie an die Stirn sie ist kühl wie das Grab. Nochmals sinkt die Hand. Muß es denn sein? Muß es?" Da klingt's noch einmal leise p ihm herauf: Schön ist das Leben..." und ' dann ein Ruck, ein Krach... Ein dünnes, blauesRauchWölkchen zerflattert in die Lüfte und ein Körper, jugendlich noch aber hoffnungslos dem Tode geweiht, schlägt mit dumpfem Fall zu Boden. Im Nebenzimmer aber ein Schrei und mit schreckensbleichem, entsetztem Gesicht steht sie. sieht des Todten Mut. ter an der Thür. Und dann wirft fit sich über die noch warme Leiche, aus deren Schläfe das dunkle Blut hervorquillt. Und von der Straße herauf schallt tl nochmals: Schön ist das Leben . . Kindermund. Karlchen: Bitt', Mama, fall' ein bischen in Ohnmacht! Ich möcht: vom Papa ein neues Schaukelpferd haben!"

Zn der ZZai von Santiago Se Cuba An der Ostküste einer prächtigen, von Waldesbergen der Sierra Mästra umschlossenen Bai erhebt sich die alte, ehrwürdige Hauptstadt ir Perle der Antillen", Santiago de Cuba oder gemeinhin Cuba genannt. Nur schwer zugänglich ist die Einfahrt zu jener Bucht; eng und voll von heimtückischen Klippen hat sie schon vielen Schiffen den Untergang bereitet, und mancher brave Seemann fand hier, bereits im Angesichte des langersehnten Zieles, sein nasses Grab in der wildschäumenden Brandung. Wem es jedoch gelingt, die Einfahrt ohne Unfall zu gewinnen, der wird für die Stunden der Sorge und Gefahr hinreichend durch das wahrhaft zauberhafte Panorama entschädigt, das die innere Bai. mit der malerisch gelegenen Stadt im Hintergrunde, und die großartigeGebirg-'scenerie dem entzückten Auge bietet. Hat die Natur den Zutritt zu Santiago von der See aus so ungemein schwierig gestaltet, so ist in dieser Hinsicht von Menschenhand nur wenig geschuhen. Zwar erblickt man schon vom hohen Meere aus zwei gewaltige, drohende Kastelle, die in dominirender Höh: vor dem Eingänge errichtet sind; aber je näher man denselben kommt, desto mehr erkennt man. wie vernackläsngt und militärisch werthlos sie sind. Dem Besucher jedoch, der ihren Werth nicht nach dieser Seite hin abschätzt, sondern der sein Auge an der Scenerie und der Schönheit der Natur erfreuen will, gewähren sie einen desto malerischeren und romantischeren An-blick.

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,4 K-ri wrm ,fl!v2aÖ .sl Kastell M 010. Zur rechten hoch oben auf dem Berge Moro thront das gleichbenannte Festungswerk, daran anschließend das Fort Estrella. Die mit Moos und Epheu dicht 'bewachsenen Wälle, die grauen Thürme, die durch zweieinhalb Jahrhunderte den Sturmwinden , und der Gluthhitze siegreich widerstanden, die langen Reihen von Treppen, die sich vom Strande hinauf zu den mächtigen Thorg:wö!ben der Festung einporschlängeln, die jetzt trockenen Gräben mit den eingerosteten Zugbrücken, dies alles erinnert an eine längst entschwundene Zeit, da hier die spanischen Eroberer' ein freies, zügelloses, nur den Vergnügungen und dem Kampfe gewidmetes Leben führten. Zur linken Seite, den Forts gegenüber, gewahrt man auf der Höhe einer kleinen Insel das Dörfchen Cayo Smith, dessen eigenthümlich gebaute Kapelle freundlich durch das dunkle Grün lugt. Einstöckige, mit Ziegeln gedeckte Häufer liegen zerstreut am Abhange, während unten am Strand: sich eine Anzahl aus Palmstroh hergestellte 'Badehütten erheben, in denen Morgens und Abends die Senora und Senorita, durch Schutzdächer vor profanen Blicken geschützt, sich dem Genusse eines erfrischenden Bades in d:n klaren Fluthen hingibt. Welter zurück an der Küste der Insel entlang sieht man, auf Pfahlwerk im Wasser gebaut. eigenthümlicheHütten, in enen die Fischer ihre Fahrzeuge unterbringen und die Aermeren unter ihnen ihre Wohnung aufgeschlagen haben. Fischerhütte. Von beiden Seiten treten jetzt die Bere näher an das Wasser heran un bilden die etwa eine Meile lange für die Schiffer so schwer zu passirende Barre. Hat man dieselbe passirt, so befindet man sich in der eigentlichen inneren Bucht von Santiago, die etwa 6 Meilen lang und 2 Meten breit ist, und die von der See aus durch die Barre, von der Landseite aus durch die Gebirge gegen jedweden Sturm geschützt, den denkbar besten Ankerplatz bildet. Würde man sich dazu entschließen, 'durch Baggern den innern Theil zu vertiefen, so würden die größtwi Handelsschiffe unmittelbar an der Stadt vor Anker gehen können, wo sie jetzt in der Mitte der Rhede liegen bleiben und von da aus mittelst Boote ihre Ladung löschen müssen. Gleich zur linken Seite fährt man an Punta de Sal vorüber, ein Wahrzeichen einstigen Reichthums. Von hier wurden ungeheure Massen Kupfererzes im Werthe vieler Millionen Dollars, nach den Vereinigten Staaten verschifft, wo es Onkel Sam zur Schlagung jener großen, der jetzigen Generation nicht mehr bekannten Pennie-Stücke verwandte. Dicht am Gestade steh: noch ein großer offener Schuppen mit langen Reihen von Eisenbahnwagen, die. einst von Eseln gezogen, das Erz aus den Minen von El Cobr: an den Verladungsplatz brachten. Vor dem Schuppen gewahrt man eine Locomotive mit mehreren Pässagierwagen, di: 1884 von Philadelphia hierher g:bracht wurden, aber nie Verwendung fanden, da der Betrieb. der Minen bereits eingestellt war. Zwei Flüsse, oder richtiger genannt Bäche, ergießen hier ihr klares Wasser in di: Bai; die feuchten Niederungen an ihrem Ausflusse sind mit einem dichten, un-

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durchdringlichen Gebüsch bestanden, das ein wahres Eldorado für die buntbefiederte Vogeelt bildet, di: sicher

m fiMfflm Wttäwh lUföä In Cayo S m i i h. und ungestört von Menschenhand' sich hier ihres Lebens freut. Zur Rechten, Punta de Sal schräg gegenüber, befindet sich die Kohlenstation Cinco Reales. Zwischen derselben und dem unteren Theile der Stadt liegen die prachtvollen Besitzungen reicher Kaufleute, unter deuen vor allem der inmitten eines prachtvollen Parkes gelegene Landsitz La Cruz" des Herrn Ziegenfuß, eines m Pennsylvania-Deutschen und Leiters der berühmten Jurugua Jron Company und der Sabanillo y Maroto Eisenbahn, genannt zu werden verdient. Dicht bei dem Boothause der Villa läuft weit in die Bai die Verladungbrücke der Jurugua Jron Cy hinaus. Dieselbe ist mit einem Kostenaufwands von mehreren Hunderttausend Dollars erbaut, vollständig aus Eisen construirt, und setzt die Gesellschaft in die Lage, mit Leichtigkeit zwei 3000 Tonnen große Dampfer in dem Zeitraume von 10 Stunden zu laden. Der größte Theil des von hier verschifften Erzes wandert in die Werke von B:tlehem, Steelton und Sparrow Point, und fast alle Platten an unseren neuen Kreuzern! sind aus diesem Material gemacht. rCidbJP -Cj2$. Brücke der Jurugua Jron Company. Zwischen La Cruz" und der Stadtgrenze erhebt sich das kleine, aber wohl bewaffnete Fort Punta Blanca, sobenannt von dir Bank weißen Sandes, auf der es steht. Hier weht das orange-rothe Banner Spaniens, zum Zeichen, daß sich daselbst die Salutsstation befindet. Wir gelangen, jetzt zur Stadt. Hauptsächlich wenn von den röthlichen Strahlen der Morgensonne übergössen, macht sie einen vollständig orientalischen Eindruck. Amphitheatralisch bau: sie sich an der Bucht auf, im Hintergrunde begrenzt von den höher und höher zu dem azurblauen Himmel strebenden Bergketten. Die leichtabfallenden Hügelabhänge, die von Natur aus die Entwässerung der Stadt sehr erleichtern, sind dicht b:deckt mit unregelmäßig sich hinziehenden. blau und gelb angestrichenen Häuserreihen, unterbrochen von zahlreichen, alterthümlichen Thürmen und Thürmchen. Fast alle Wohnungen sind im Stile der Haciendas erbaut, mit Säulengängen umgeben, und inmitten schattiger Gartenanlagen und bunter Tropenblumen gelegen. . Von der Grenze des südlichen Stadttheiles aus, der hauptsächlich von d:r Fischerbevölkerunz bewohnt wird, zieht sich die etwa eine halbe Meile lange Alameda" hin, die erst kürzlich unter der Leitung des BankHauses Schumann & Co. wieder hergestellt ist. Breite Fußwege, ein Boulevard, Gartenanlagen mit sprudelnden Fontainen, dazu eine geradezu üppige Tropenvegetation machen diesen Platz zu dem besuchtesten in der näheren Umgebung der Stadt, wo Reich und Arm, Jung und Alt zusammentrifft, um sich bei Unterhaltung und Spiel an der frischen Seebrise zu ergötzen. Vor. der Alameda liegt weit in die Bai hinaus gebaut das neue und mit dem größten Comfort eingerichtete Gebäude des Club Nautica". inii -.l M H AA At JÜ---rffc - "st Qai Gebäude des Club Nau.tica". Zur Linken dieses Parkes schließen sich die Werften an, wo die kleineren Dampfschiffe ihre Ladung einnehmen oder löschen. Hier herrscht ein buntbewegtes Leben, ähnlich demjenigen anderer Hafenstädte, Daselbst befindet sich auch die Eisenbahnstation, stets umlagert von einer Bande fauler, ewigschwaj,ender Neger. Richtet man den Blick nach dem Centrum der Stadt, so erblickt man durch das Gewirr enger Straßen hindurch das seine Umgebung weitüberragende Consulatsgebäude der Ver. Staaten mit dem lustig in der leichten Brise flatternden, sterngestreiftenBanner. Gegenüber von demselben liegt ein altes, graues Gebäude, das einst als Kloster diente, jetzt aber zur Markthalle eingerichtet ist. woselbst von Morgen bis zum Abend ein lebhaftes Getreibe herrscht, und wo man fast alle Sprachen der Welt hören kann. Mehr dem Gebirge zu gelegen sieht man die goldenen Kuppeln der alten, ehrwürdigen Kathedrale, die zugleich die Wohnung für den Erzbischof, den höchsten Geistlichen der Insel, enthält. Schon von Weitem vernimmt der zu Wasser -sich Nahende die tiefen Töne des prachtvollen Glockenspiels. Vor der Kathedrale dehnt sich der öffent-

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Klangen der Mllitarmusik die cubanischen Schönheiten sich treffen, um zu sehen und gesehen zu werden. An der Nordseite des Parks fällt einem sofort das riesige Regierungsgebaude auf, und wenige Scyritte nach der See zu das Theater, in dem Adeline Patti, damals 14 Jahre alt, zum erstenmale die weltbedeutenden Bretter betrat. Zur großen Armee. In Seattle, Wash.. ist der pensioTritte Brigade-General August Valentin Kautz im Alter von 66 Jahren 8 Monaten aus dem Leben geschieden. Der Verstorbene gehörte zu den wemgen Deutsch-Amerikanerrr, welche sich zu einem höheren Commando in der regulären Armee emporgeschwungen haben. Am 5. Januar 1828 zu Jspringen in Baden geboren, kam Kautz im Jahre 1832 mit seinen Eltern, die sich in Brown County. O., niederließen, nach Amerika. Nachdem er den mexikanischen Krieg als Freiwilliger mitgemacht, hatte, wurde Gen. A. V. Kautz. er in die Militär-Akademie zu West Point aufgenommen, wo er im Jahre 1852 graduirte. In zahlreichen Kämpfen mit den Indianern focht er tapfer, auch diente er mit Auszeichnung während des Bürgerkrieges, in welchem er zuletzt ein: Division farbiger Truppen befehligte. Nach dem Kriege bekleidete er verschiedene höhere Commandostellen und zuletzt war er Brigade-General in Seattle, bis er mit Erreichung der gesetzmäßigen Altersgrenze pensionirt würd:. Auch als Militärschriftsteller hat General Kautz sich einen Namen gemacht. Der chaperni claque" als Retter in d e ? N o t h. Wie es der jung verheirathetsAssessor anzufangen wußte, um den Küssen seiner Schwiegermutter für immer zu entgehen. Unsere'Dien st boten. Also merken Sie sich, Auguste, vor allen Dingen: ich kann' es nicht leiden. wenn man mir widerspricht! Sehen Sie, Madame, janz wie ick: wir werden famos mit 'nander auskommen!" Malitios. Schriftsteller A.: Haben Sie schon gehört. College Flachmann hat geheirathet? - Schriftsteller B.: Ja. er hat seinen Leserkreis verdoppelt!" Modern. Du. sag' 'mal aufrichtig. Du kennst doch den kleinen Meyer. Ob ich den wirklich Heirath:? Ich höre eben, er hat schon fünfm! Pleite gemacht." Der Bankier Meyer? Wenn er Pleite macht fortwährend, muß er da r.icht ein tüchtiger Geschäftsmann sein und eine gute Partie?!" Wasser allein t.hut's freilich eben halt nit! Was haben die Herren da nur Alles an einem Tage getrunke! Hier steht: Im Durchschnitt pro Mann zwei Flaschen Portwein.. zehn Tucherbräu. eine Flasche Half und Half", zwölf Eiercognacs und so weiter. Heiliger Nordostseecanal! Und so was nennt man eine Wasserpartie?"

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Die Zahnradbahn auf den Zchaf-Verg. Der Riai des schönen Salzkamm:?-

gutes ist der Schafberg, irotz sein. 3 wenig poetischen Namens einer de: herrlichsten Auslichtsberae, die es g:bt. Auf der Grenze zwischen dem Hochgebirge und dem Flachland gelegen, am Nordfuße vom Mondsee, am Südfuße vom Ober- oder Wolfgangsee bespült, gewährt er sowohl einen w:iten Blick aus die Vorder der AIp:n, die lachenden grünen Fluren und das sanfte Hügelland mit seinen Dorfern und Städten im Norden, als auf die gewaltige Kette beeister Bergeshäupsir.'liM i1iit Vt tTrtrn ICl liil JUUjU Vlt jjuinwujw Seen, die wie Stahlspiegel heraufblicken an hellen Tagen sieht man deren über ein Dutzend , die wohlgerichtete Gaststätte auf dem Gipfel, Dietelbach V i a d u c t. die Leichtigkeit der Ersteigung kurz. Alles dies machte schon seit längeren Jahren den Schasberg zu dem Hauptaussichtsgipfel des Salzkammergutes, der von fast allen Touristen zu Fuß, zu Pferd oder im Tragsessel bestiegen" wurde. Der immer wachsende Fremdenstrom führte zum Bau einer Zahnradbahn auf ven 1780 Meter hohen Gipfel, auf der wir unsere Leser mit Hilfe von Jllustrationen heute im Geiste eine Fahrt machen lassen wollen. Die nach dem System Abt erbaute Zahnradbahn beginnt bei dem kleinen, reizend gelegenen und uralten Marktflecken St. Wolfgang an dem oben genannten See und hat eine Gesammtlänge von 5,8 Kilometer. Die kleine, auf ebener Strecke schief stehende Lokomotive Vor dem Tunnel. schiebt stets nur einen Wagen vor sich her und arbeitet sich vermittelst der Zwilchen den beiden Schienen anae brachten Zahnstange empor. Der ganze Oberbau der Bahn besteht aus Flußstahl, beide Schienen, sowie die Zahnstange ruhen auf eisernen Querschwellen. Geaen Unaluckssalle durch etwaigen Bruch des Zabnrades ist durch besondere, zum Theil seivsttbatme emmvornchtungen ausrei chend gesorgt. Der Bahnhof befindet sich m unmittelbarer Nahe des an dungssteges der Dampfschiffe, so daß ton' Strobl oder St. Gilaen komwende Reisende ohne Aufenthalt vom Scklfse in Ven Zug übersteigen kon nen. Letzterer bewegt sich anfangs Stativ n.Schafbergalpe. fast auf ebener Strecke fort; auch bei dem Viaduct über die Dietelbachschlucht ist die Steigung noch gering. Wenige hundert Meter weiter jedoch ändert sich das; es geht jetzt mit einer Steigung von 23 Procent aufwärts, bald an der freien Flanke des Berges, von wo man dann reizvolle N:derblicke auf den Wolfgangsee hat, bald durch Wälder hochragender. Tannen. Wildbäche werden vermittelst kleiner Ueberführungen mehrmals überschritten. Reiner und würziger werden die Lüfte, weiter wird der Rundblick; fchon kommt der Mondsee in Sicht und bald erreichen wir die grünen Matten der Schafbergalpe, die einzige Auf dem Gipfel. Station auf der Strecke, wo man den von oben kommenden Zug an sich vorbeifahren läßt. Nun gelangen wir auf steinigen, felsigen Boden und tauchen in den einzigen Tunnel, den diese Bergbahn besitzt, ein. Kurz vorher trifft unser Auge den dritten See, den Attersee, - und beim Herauskammen sind wir unmittelbar vor. der

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Gipfelstation, in Hohe von 1730 Me

ter. Man bat dann noch 30 bis 4 Meter zu steigen bis zum Gasthause, das unmittelbar an dem nach der Nordwestseite schroff abstürzenden Gipselfelsen liegt. Die Aussicht nacy dem Flachlande zu ist gleichsam unbeschränkt, sich im blauen Nebel des Horizontes vexierend. Nach dem Gebirge zu gewahrt man besonders den Dachstein.' den Hochkönig, d Uebergossene Alp. den Hocheiser, die Hohe Göll. den Watzmann. den Wilden Kaiser und weiter in der Ferne die Firnspitzen der Tiroler Alpen; dazu eine Unzahl niedrigerer Gipsel und bei klarem Wetter vierzehn Seen. Eine neue Flugmaschine. Der Trieb des Menschen, den Raum mit seinen Schwierigkeiten und Hindernissen zu überwinden, bringt uns nach Enmduna irgend eines Vehikels, das die Beförderung zu Wasser oder zu Lande bezchleunigt, immer wieder aus den Gedanken, auch die Mittel zu? Durcheilung des, Luftraumes zu finden. zu fliegen. So ingeniös nun auch die bisher bekannten Flugmechanismen erdacht und ausgeführt sind. über das Theoretische hinaus sind die praktischen Erfolg: und Erfahrungen, leioer noch nicht weit gelangt. Flug bei ruhigern Wetter. Das Geheimniß des Fluges der Vögel, die als eigentliche Beherrscher der Lüfte mit dem vollkommensten Flugapparate ausgestattet sind, dient als Basis, auf der sich alle Experiment: aufbauen Richtsdestowenigev ist jedoch in der wissenschaftlichen Beobachtung der Flugfähigkeit gewisser Thierklaffen das letzte Wort noch lange nicht gesprochen und die Hoffnung ist noch immer fest begründet, daß wir endlich außer an den Vögeln etc. noch andere Hilfsmit'cl zum Fluge finden und nach richtiger Erkennung auch richtig anzuwenden lernen werden. Von diesem Standpunkte aus sind alle diesbezüglichen Versuche und Constructionen von Flugvorrichtungen stets mit Interesse zu verfolgen, da nach Ueberwindung der den jetzigen Apparaten noch anhaftenden Mängel und Unvollständigkeiten doch ein Mittel gefunden werden wird, das uns dem Ideale nähe? bringt, bis dasselbe endlich 'erreicht seirz wird. Flug bei starkem Winde. Einen neuen Flugapparat hat nun ein Ingenieur Namens Pablo Suarez in Argentinien gebaut und damit Versuche angestellt, und zugleich Vorsorge für deren. Aufnahme mittelst eines photograph'ischen Momentapparates getroffen. Aus den betreffenden Bildern sind die jeweiligen Stellungen des Mechanismus wählend der. einzelnen Phafen des Fluges genau ersichtlich. Reproductionen von zwei solcher Ausnahmen stellen die beigegebenen Abbildungen dar. Zum Auffluge begab sich Suarez auf einen Hügel und bestieg seinen Apparat, den er sodann rn Bewegung setzte. Bei sanftem Winde gelang der Aufflug bis zu einer kleinen Höhe, wobei der Apparat die Stellung in Figur 1 zeigte. Während eines starken Windes aber mißlangen die Versuche, indem die; Vorrichtung sich überschlug und auf den Boden zurückfiel, wie Figur 2 veranschaulicht. Stoßseufzer. .O Amalia, sagen Sie doch a'mal i" Vorausschauend. Heinrich, morgen um diese Zeit sind )ir Mann und Frau." Er: Ja. Schatz laß uns noch recht glucklich sein die paar Stunden!" Ein autes Weib. Gattin: Allmächtiger Gott. Karl, Du blutest ja:" Gatte: Ach. das ist nicht so schlimm, ich habe mich nur ein bi-chen in den Finger geschnitten, darum brauchst Du keine Angst zu haben." Gattin: Ach. das thue ich ja auch nicht, aber Du ruinirst mir ein gutes Taschentuch,. und ich kann. mich wied hinstellen -und es. waschen!-

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