Indiana Tribüne, Volume 19, Number 4, Indianapolis, Marion County, 22 September 1895 — Page 4
Jndiana Tribüne.
Erscheint Täglich und SonntagV. Die tägliche Tribüne- kostet durch den Träger 22 GcntS per Woche, die onntagS..Tribüne'I Cent per Woche. Beide uf anraten IS Cents de es Cents per IJtonat. Per Post außerhalb bei tdt zugeschickt tu oraube,ahlng V per ÖU. Ospni 18 Süd Maiatna trage Indianapolis, Ind., 22. September '95 ÄnlilM piitai. Auch dem geistvollsten Menschen kann eö Passiren der wie Onkel Bräsig sagt, ezistiren daß er sich zur Einleitung eineö Gespräches des nicht mehr gänzlich neuen Themas vom Wetter bedienen muß und das wäre bei dem augenblicklichen Wetter zumal recht begreiflich. Mir geht'S wie seiner Zeit dem König Philipp : Der Cäpt'n Don Carl fängt an mir fürchterlich zu werden." Damit ist Charles Wappenhans ESq. gemeint, welcher nach der Anschauung deS überwiegend großen Theiles unserer Mitmenschen und Bürger damit beaustragt ist, daö alö nöthig erkannte Wetter zu machen. Nach den Produkten dieser Saison aber zu urtheilen, scheint er seine von Gott ihm verliehenen Fähigkeiten und sein Amt auf daS übelste zu mißbrauchen. Früher nannte manMänner seineS AmteS Wetterpropheten. Diese BeZeichnung hat sich aber in Folge deS stetigen Fortschrittes auf dem Gebiete der Naturwissenschast alS fälschlich erwiesen, denn eS kam meistens das Gegentheil von dem gestellten Prognoftikum heraus. Hauptsächlich deShalb konftruirte man die neue Bezeichnung Wettermacher." Zufriedenstellend ist aber diese Einrichtung keineswegs, wie man an den augenblicklichen Thermometerverhältnissen ohne Mühe erkennen kann. Ich bezweifle zwar nicht, daß sich Capt. WappenhanS alle mögliche Mühe giebt, verschiedene Sorten von Wetter herzustellen. aber eö gelingt ihm vergeblich," denn eS wird immer daSselbe: Uir weather" wie er eS zu nennen beliebt. ES geht ihm eben dabei, wie der jungen Hausfrau, die KalbSragout, Roastbeef und Schweinebraten herrichten wollte, zum Schluß aber darüber klagt, daß sie thun könne, was sie wolle, eS würden immer Beefsteaks daraus. Während der vergangenen Tage war der Ausdruck "fair weather" zu begreifen, denn eS war ja die Fairwoche und von der Fair selbst mochte wohl ein großer Theil der latenten Hihe herrühren, welche die Stadt überfluthete. Keep cool and be happy ist ein alter Weisheitsspruch, fast so alt, als die Damen underheiratheten Standes der W. C. T. U, obgleich diese ihn am wenigsten beherzigen. Die würdigen Damen hatten glücklicherweise einen Punkt gesunden an dessen Bekämpfung sie ihren christlichen Eifer zeigen konnten Dieser Punkt waren die "Slde-show" und daher die Hitze, die selbst dadurch, daß der Gezenftand in der TageSpresse ventilirt wurde, nicht abnehmen wollte. So kann eS nicht ausbleiben, daß lt Menschen gar unfreundlich und unwirsch werden, zumal da bei der Höllentemperatur weder ein gesunder Appetit noch ein Schlaf auskommen kann. Sonst legte man sich still zu Bett und schlief sanft ein. DaS ist nun anders ! DaS nichtsnutzigste Gesindel der gesammten Naturgeschichte, Fliegen und MoSquitoS, wetteifern in verzweiflungsvoller Konsequenz den Genuß deö Schlummers zu beeinträch tigen. Mit einem Eifer, der einer besseren Sache würdig wäre, spazieren sie über Antlitz und Glatze. Weder heftige Bewegungen noch dito Grunzen verscheuchten sie dauernd; sie kehren als bald wieder um ihr schändliches Gewerbe aufzunehmen. Mit gräßlichen Flüchen werden die Unholden bedacht, aber unempfindlich find sie der Einwirkung der stärksten Worte. Die heftigen Körperaktionen, dazu die hochge steigerte Gemüthsbewegung haben die Thätigkeit der Schweißorgane zwar angeregt, dem Allgemeinbefinden aber gerade nicht vortheilhaft geholfen. DaS' Schlafzimmer ist wahrlich die reine Schwitzbude. ES giebt in der That Schlummerstätten, die ganz sel tene Eigenschaften haben. 3m Winter kann man an ihnen die klimatischen Verhältnisse des Nordpols fiudiren und im, Sommer glaubt man der .Aequator liefe durch sie. Die Hitze steckfeft darin und flht nicht heraus. Bei Eintritt der Dämmerung hat ma Thüren, Fenster und selbst die Fliege feaster geöffnet um etwaö Luft einzu lassen; diese jedoch ist draußen geblieöen; an ihrerStatt aber habenMücken,
MoSquitoS, Nachtfalter und sonstige unmuthige Wesen auS der Naturgeschichte ihren Einzug gehalten. Da schlafe, wer kann. Ich kann'S nicht, auch nicht ohne die nächtlichen musikalischen Leistungen einer Amiteur Brass Band", welche natürlich keineswegs azu angethan find, daS Leben zu verschönern oder im besonderen Falle die Aktien deS Gottes Morpheus steigen zu lassen. Von drei biS fünf läßt sich allenfalls schlafen, dann beginnen aber wieder Mosquito und Co. und mit dem Schlafe ist's vorbei. Wen wundert eö da, wenn sich die M:I der frommen DenkungSart in gährend Drachengift verwandelt? Wen wundert eS, daß da selbst von dem Mildherzigen Flüche ersonnen werden, die an Gräßlichkeit Einigeö bieten"! Wenn eS schon gar so heiß wird, daß die Leute in daS türkische Bad gehen, um im Kühlen zu sitzen dann - erscheint
mir der nicht mehr gänzlich neue, aber darum um so unvergängliche Ausspruch eineS Zeitgenossen am Platz : Lieber gar kein Wetter als solche. DerPlauderer. Die Drehorgel. Won Ernst Lenbach. Meine Frau hat einen gewissen Hang zur Statistik und Volkswirthschaft. Meist wählt sie für 'diese zeitgemäße Neigung die Gegenstände aus ihrem eigensten Reiche. Es macht ihr Vergnügen, ab und zu ein paar Jahrgänge ihres Wirthschaftsbuches miteinander zu vergleichen und auf Grund sehr ver wickelte? Tabellen festzustellen, daß z. B. der Verbrauch von Mineralwasser in unserm Haushalte regelmäßig im Sommer stärker ist als im Winter, während umgekehrt die Verbrauchs summe für Petroleum sich gegen den Winter zu heben pflegt. Warum soll ich ihr dies Vergnügen trüben, zumal es nichts kostet? Ich habe mir sagen lassen, daß moderne Staaten ganze, kostspielige Bureaus unterhalten, um ähnliche Thatsachen im großen Stil wissenschaftlich feststellen zu lassen. Und meine Frau besorgt es, wie gesagt, in ihrem Kleinstaat ganz umsonst. Vorigen Sommer trat sie eines Nach mittags in mein Arbeitsznnmer, in der Hand einen mit Zahlen bedeckten Zet tel. Ich dichtete, das heißt, ich hatte eben den Anfang eines Gedichtes zum zwölften Male aufgeschrieben und dann daS Blatt zu seinen Borgängern in den Papierkorb geworfen, weil sich mir von der Straße her die Jammertöne einer unsäglich verstimmten Drehorgel in daö holde Geflüster der Muse drängten. . Nun denke dir mal, was ich da auS gerechnet habe, begann meine Frau, mit dem befriedigten Blick eines G? lehrten, der sich und die Welt um eine große Erfindung reicher weiß. Ich fürchte, Liebchen, die Laune un serer Fleischerinnung wirft dir keine ganze Berechnung nächste Woche doch wieder über den Haufen, erwiderte ich nach einem flüchtigen Blick auf daS Zahlengewimmel. Tenn ich glaubte, es handle sich wieder einmal um einen Versuch meiner Frau, daS Auf und Nieder der Fleischpreise auf eine Art von Jahrescurve, wie die Gelehrten da? ja wohl nennen, zurückzuführen. Mit diesem Problem beschäftigte sie sich schon lange. Ach, wer denkt denn an die Fleisch, preise? versetzte sie ungeduldig. Hast du denn nicht den Orgelmann gehört. Es ist der mit dem Stelzfuß, weißt du. Er kommt ja jeden Donnerstag Nach mittag hier durch unsere Straße, und ich habe ihn oft recht Gedauert, wenn er so in Wind und Wetter da stand und darauf los drehte. Aber jefet sieht mir die Sache ganz anders aus. Weißt du euch, daß der Mann so viel verdient wie ein Amtsrichter in den ersten Iah ren? Wenn ich mir dagegen das im gewisse Los eines Schriftstellers be. denke.. .. Ich sah meine Frau wohl etwas er schrecken an. Sollte sie aus Grnnd ihrer Berechnungen wünschen, daß ich meinen Beruf wechselte und zur Dreh, orgel griffe? Ja, sieh nur mal, docirte sie und brei. tete den Zettel vor mir aus. Ich habe den Mann diesmal auf seinem Gang durch unsere Straße genau beobachtet, vom Fenster aus, wo ich gerade an meinem Nähtisch saß. Von der Eae unttn m an unser HauS brauchte er gerade zwanzig Minuten oder eine Drittelstunde. An fünfzehn Häusern hat er etwas be kommen. MeiS wohl ein Zweipfennig, ück, Einpfennigstücke gibt es ja über. Haupt kaum, und manche, wie z. B. der Student neben uns im zweiten Stock, werfen ihm auch einen Nickel herunter. Also sagen wir: im Durch, schnitt drei Pfennig. Unsere Straße von der Ecke bis hierher hat dreißig Häuser. Also bekommt er in jedem zweiten Hause etwas und im ganzen alle zwanzig Minuten 15 mal 3, das ist 45 Pfennig, das macht auf die Stunde eme Mark und 25 Pfennig. Eine Mark und 35 Pfennig, Kind, verbesserte ich schüchtern. So? erwiderte sie und rechnet nach. Na, daö ist ja gleichgültig. Die Haupt, fache ist, wenn der Mann nur sieben Stunden jeden Tag so weiter macht, so verdient n täglich ungefähr acht Mark 42 Pfennig bitte, unterbrich mich nicht, ich habe ti ausgerechnet und das macdt im Jahr rwch ,twS mehr als unser Freund Otto jet jm zweiten Jahr als Amtsrichter hat. Und dabei hat Otto für Frau und Kind zu sorgen und muß repräsentir(n, weil er ja doa in seinem Städtchen die Hauptperson Neben'jDem Bürgermeister ist. Ich mein,, da sollte, der Staat eingreifen, und je denfalls tutite ich mich ins! aeleaentlicd
na 5 den erfcjltr.iljen tiefes Crgel spi.'!e?s erkundige!!. Tas thu nur ja. sagte ic. Und laß doch mal so !!!'.; kl d?r Hand ansragen, wie viel der tyiYrm :ci!rlick an Hirum vcrlniu! unter dr Ä.d:a;im daß er nicht mehr oiudj unjere 9tiafce orgelt. 'icÜticht bringen wir die Summe durch Subscripiion in den Tünfaeljn Häusern auf, wo er je!'.t nichts bekommt. Die Trehorgol ist ja laut Heinrich Seidel die Musik der armen Leute, und ich habe grundsählich nichts dagegen, aber hier draußen in unserer sogenannten Billenvorstadt. wo jedes Haus ein bis zwei Klaviere ausweist, könnten wir sie doch entbehren. Ich möchte woht- wis. sen, ob Verdi den Troubadour componirt hätte, wenn er vorher nur einmal im Traume gehört hätte, wie dein stelzfüßiger Zukunftsmillionär da draußen das Misere aborgelt. Tadei geben selbst einem geborenen Dichter die Üieirne aus. Tu, sagte mir meine Frau etliche Tage später beim Frühstück, ich habe mich auch nach dem Orgelmann erkundigt. Die Eemüsesrau hat mir alles ausführlich erzählt, er wohnt ja bei einer Base von ihr, draußen auf 'dem Dorf, in einem Ziegenstall. den sie ihm als Schlafstelle eingerichtet hat, für fünf Mark monatlich. Tenke dir, da haust dieser Mann nun schon fünfzehn Jahre, und mit der Orgel geht er schon zwanzig Jahre herum, seit dem Unfall, wo er den einen Fuß verloren hat. Die Frau sagt, er sei das Orgeldrehen schon längst herzlich satt und thue es ordent lich mit Widerwillen, und ich meine, das sieht man ihm auch an. Er will es aber weiter treiben, bis er soviel zu sammengespart hat, daß er sich ein Häuschen draußen im Torf kaufen und da von seinen Zinsen leben kann. Und dann will er Rosen ziehen. Tas ist so sein Ideal, wie es scheint: und die Frau meint, so in dir, vier Jahren wär er soweit. Schade, daß es so lange dauert, sagte ich. Ach. ja, seufzte meine Frau. Tenk mal, wenn wir erst soweit wären. Wenn wir von unsern Nenten leben könnten. Wir sind ja so glücklich aber wenn du dich nicht mehr abplagen müßtest und brauchtest gar nicht mehr darauf zu sehen, was dir die Arbeit einbringt, und könntest dichten, wann und wie es dir paßte. Und wir hätten dann so ein Häuschen, weißt du, in dem Städtchen oben im Rheingau, wo es dir so gut gefiel. Oder vielleicht gingen wir auch nach Italien, nach fiapri vielleicht, oder, an den ComerSee. In Italien soll es ja jetzt so un gemein billig sein, wenn man deutsches Geld mitnimmt. Ader ich fürchte, wir werden es wohl zeitlebens nöthig haben. Na, tröstete ich die Bekümmerte, weißt du, vielleicht finden wir einmal einen Schatz.. Du hast ja auch ein Prämienloos zum Dombau genommen, und in drei Tagen ist Ziehung, wer weiß, ob du nicht den Hauptgewinn machst. Ich wollte, ich hätte das lieber nicht
gesagt; denn während der nächsten Tage befand sich meine Frau in einer wach senden Unruhe, die sie vergebens vor mir zu verbergen suchte. Am Donners, tag erreichte die Aufregung ihren Höhe. Punkt. Von zwei Uhr Mittags an wich meine Frau nicht mehr vom Fenster. Wo nur der Orgelmann heute bleibt? seufzte sie verlegen. I5r kommt doch sonst um diese Zeit. In Wahrheit aber lauerte sie auf die Zeitung, welcher heute die Gewinnliste beilieg'en sollte. Als der Zeitungsjunge in Sicht kam. stürzte sie an den Brieskasten. Da ist die Zeitung, rief sie gleich darauf und reichte mir das Blatt durch die Thürspalte ins Zimmer, die Gewinnliste aber hatte sie- bereits für sich hcrausgenommcn. Bald darauf kam sie wieder ins Zimmer, trällerte ein Liedchen und scherzte geflissentlich mit unserm Dackel. Denk' ojr 'mal, was da in den Lokalnachrichten steht, sage ich vergnügt. Der zweite Gewinn in der Tomlotterie ist an bei nen stelzfüßigen Orgelmann gefallen. Nun sind wir doch hoffentlich von unferem Donnerstagsconcert befreit. Ja wohl, antwortete meine Frau und ließ sich von dem Hunde Pfötchen geden. Tann fügte sie nach einer Weile in nachlässigem Tone bei: Auf mein Loos ist natürlich nichts gekommen. Ein Glück, daß ich mir das immer gedacht hatte. Seitdem erschien der stelzsüßige Orgeldreher so wenig mehr in unseren Gesprächen wie in unserer Straße. Meine Frau erlangte im Verlauf einiger Tage das Gleichmaß ihrer Seele wieder und schien ihre Zukunftsträume von einem arbeitlosen Rentnerleben im Rheingau pder auf Capri ein für alle Mal verabschiedet zu haben. Ungefähr um die Zeit der Weinlese besuchte uns ein lieber Freund, ein Studiengenosse von mir, der seit eint gen Wochen als juristischer Beigeordrvfcr auf dem Bürgermeisteramt wirkte. - Denken Gie sich, erzählte er meiner Frau am Kaffeetjsch, was für einen wunderlichen Fall ich dieser Tage zu er ledigen hatte. Da ist ein alter Jnva lide, ein früherer Drehorgelspieler, Sje haben ihn vielleicht vordem schon mit seinem Instrument auf der Straße ge, sehen, der Kerl hat da vor einiger Zeit unversehens in der Lotterie gewon nen, hat sich dann draußen im Dorf ein schmuckes Häuschen und Garten ge kaust und lebt als Rentier. Und nun kommt der bei uns ein, schriftlich und mündlich, fleht und jammert, wir möch ten ihm doch um Gottcswillen die Con cesston wiedergeben, er halte es nicht mehr aus, wenn er nicht wieder mit seiner Orgel umherziehen und betteln dürfe. Merkwürdiges Beispiel von der Mcht der Gewohnheit, nicht wahr? Wir haben ihn natürlich abweisen müs sen dex Mensch lebt ja jetzt in gerade zu glänzenden Verhältnissen, und selbst titm wir ihm aus Mitleid den Willen thun wollten, dürfen wir es schon seiner
früheren (5oneurrenten wegen nichk. Die haben sogleich eine Gegeneingade an uns gerichtet, worin sie darauf hin. weisen, daß sie es nöthig haben und er nicht. Nun ist der alte Knabe ganz verzweifelt. Einstweilen sitzt er drau ßen in seinem Häuschen und orgelt den lieben langen Tag drauf los. Ich kam gestern zusällig vorbei, als er grade das Miserere aus dem Troubadour im Tempo eines Husarcngalopp herleiert:. (5s klang gradezu scheußlich. Meine Frau hatte aufmerksam, mit gesenkten Augen zugehört. Nun stand sie auf und legte mir sanft ihre liebe Hand auf die Schulter. Ich bin doch
froh, daß wir es noch nöthig haben, r i f T lag ne letje. Die rothe Blouse. Wenn ich Jemanden mahnen will, denn kann ich es doch nicht auf der Straße thun, sondern muß in seine Wohnung gehen. Wie ich mich dadurch eines Hausfriedensbruchs schuldig machen konnte, ist mir nicht klar. Vors.: Sie sind auch nicht angeklagt, weil Sie hineingegangen sind, sondern weil Sie nicht' hinausgingen, als Sie dazu aufgefordert wurden. Angekl.: Ich mutz doch auf das Berechtigte meiner Forderung hinweisen können. Vors.: Wenn der Inhaber der Wohnung Sie zum Hinausgehen auffordert, müssen Sie gehen, Sie können ihre Forderung vor dem Civilgericht geltend machen. Der Angeklagte, der diese Belehrung des Vorsitzenden des Berliner Schöffengerichts entgegennahm, war der Po-samentir-und Schnittwaarenhändler Miericke. ein kleines Männchen, welchek aussah, als wenn es einen Hausfriedensbruch überhaupt nicht begehen könnte. Da der Angeklagte behauptete, daß er sich nicht schneller habe entfernen können, als er gethan, so mußte die Zeugin vernommen werden. Eine aroße, starke Frau in den vierziger Jahren trat in den Saal, sie war in übertriebener Weise aufgeputzt. Vorsitzender: Sind Sie die Wittwe König? Zeugin: Jawohl, Herr Präsident.' Ick weeß Bescheed, ick soll den da rinlejen, un det werde ick ooch jründlich besorgen. Vorsitzender: Nein, Sie sollen Nie. mnden hineinlegen, Sie sollen nur die reine Wahrheit sagen, dazu sind Sie $ie Zeugin: Det werde ick dhun, &Ui denn liegt er ooch in't Es sen; wenn er sich uft Streiten legt, denn mache ick ihn meineidig. Vors.: Unsinn! Sie beschwören, der Angeklagte nicht. Erzählen Sie den Sachverhalt. Zeugin: Mein Mann is in'n April vorigtes Jahr jestorbm. Ick habe ihn mit Musik bejraben lassen, un eenen Steen habe ick ihm setzen lassen, wovon die Anschrift alleene jeder dreißig Mark kostet, un ick könnte schon wieder verheirath' sind, wenn dieser Mensch da mir nicht mich mit die rothe Blouse ringelegt hätte. Ick Vors.: 'Nein, hören Sie mal, so geht es nicht. Sie erzählen uns hier Geschichten, die uns nichts angehen, kommen Sie gefälligst zur Sache und vor Allem hüten Sie sich, den Angeklagten zu beleidigen. Ich werde ihn ganz energisch in Schutz nehmen. Zeugin: Uf die Landpartie is et aber passirt, det jehört mit zu. Sehen Sie, ick stehe den 22. Mai in meine Kiche un will jerade die Kartoffeln abjießen, als det klingelt. Ick mache offen, un die Siewertm kommt rin, wat eene Freundin von mir un ooch eene ansehnliche Wittwe is. Sie stürzt.rin in det beste Zeich un ruft: Karline, meent sie, mach fix. Du mußt eene Landpartie mit Krebseessen mitmachen, nach Schildhorn, ick soll Dir von die Herren inladen, lauter Bekennte, un et is sehr Plötzlich bestimmt worden, un der Kremser kommt in eene halbe Stunde un holt Dir.-' Na, ick denn so schvell wie möglich, lasse meine Kartoffeln stehen un ziehe mir an, wobei die Sicherten mir hilft. Alö sie mir .mein Schwarzseidenej aus 't Spinde nimmt, meent sie: Karline, Dein Mann is nn doch schon über Jahr un Dag dodt, un Du könntest Dir wohl mal wat Lebhasteret anziehen, det sieht ja auö, als wenn Du vollständig uf't Leben verzagt hättest." Ja-, sage ick, darin haste Rechts un bitte ihr, det sie schnell nebenan bei den da läuft, da stände so 'ne schöne rothe Blouse in't Fenster un die sollte sie holen, un wenn sie mir paßte.wollte ick sie behalten un sie morgen bezahlen. Is jut, sie bringt die Blouse, un ick drängle mir da rm. un det sieht ooch sehre forsch auS. Nach 'n biSken hören wir den Wagen schon ankommen un vor die Dhüre halten. Un die Siewerten treibt immer, det ick fertig werde, un als ick mir die Handschuhe anziehe, sage ick zu ihr, sie sollte aus'n Spinde m die Nebenstube jleich oben rechter Hand een Packet mit rothe Krebsservietten nehmen, det sähe so anständig aus für detKrebseessen.Mein Mann war ooch so'n jroßer Fremd von Krebse. Also ick sehe noch, wie die Siewerten aus die Stube rauskommt un hat wat Rothet in die Hand un wickelt det in eene Zeitung. Sy, nu komm", sage ick uif schließe zu, un wir jehen runter. Vors.: Ich vermahne Sie nun zum letzten Male, zur Sache zu kommen. Zeugin: Also richtig, Ui Abends jiebt et Krebse. Als sie nu Alle in 'ne bunte Reihe um den Disch sitzen, krieje ick meine Tasche her un sage so 'n bisken laut: Det is doch nett, wenn man bei sowat rothe Serfietten hat", un öffne det Packet. Un da kiekt een Endeken Band heraus, un mein Nachbar Wird det sehen un jreift schnell danach un reißt det an sich un schwenkt damit über'n Disch hin un her un ruft: Wer will eene Serfiette haben?" Un det wurde furchtbares Jelächter, denn wo er mit schwenken dhat, det war meinen seliaen Mann seine ver
siorbene rothe Badehose! Ick lachie nich un die Siewerten ooch nich. Wczt meenen Sie woll, wat ick for Witze hören mußte! Na, nach'n Essen wur dk jetanzt, UN ick blieb keenen Danz sitzen. Mit eenem Male sehe ick, det een Deel Herren in eener Ecke stehen un kieken an sich herunter, un um sie rum stehen ville Damen, un alle lachen, det sie sich krümmen. Ick denn nu ooch neujierig, nehme die Siewerten unnern Arm un schliddere hin. Wat sehe ick? Alle die Herren, die mit mir jedanzt hatten und weiße We sten anhatten, konnten uf die rechte Seite eemN fcheenen rothen Fleck ufzeijen, wie sone Hand jroß. Denken Sie blos an, die unjlückselige Blouse war jeforben. Nu bei det Danzen un det Schwitzen, da war et denn leen Wunder. Ich denke, ick soll die Krepanze kriejen vor Scham un Wuth. Un nu die anienehmen Sticheleien von die anderen Damen, die neidisch waren, det sie nich so ville jedanzt hatten wie ick. Erst mit de Krebs-Salfietten un nu mit die Blouse! Ick habe den janzen Abend jeweent. Den anderen Morjen sietze ick noch bei'n Kaffee un botze mir noch, da klingelt det, un hier dieser brave Koof- un Handelsherr kommt rin. Mit so'n recht süßes Lächeln fragt er mir, wo ick mir amüsirt habe un jiebt mir die Rechnung über 1 Mark 50 Fennije. Ick sage keenen Ton, nehme die Blouse, wickele ihr in een Stück Zeitung, drücke ihm det Packet mit die Rechnung in die Hand, mache die Dhier offen un zeije uf'n Flur. Mein Jott!" sagt er. Raus!" rufe ick. Sie sollten sich schämen, det Sie so roth werden wie Ihre je-, forbene Blouse!" Er will immer noch Redensarten machen, als ick ihn aber
so'n Stuckener zehn Mal ufzesordert habe, verliere ick die Jeduld, krieje ihn bei'n Kragen un habe ihn mit sammt seine feine Waare rausgeschmissen. Denn hat er mir in der Jüdenstratze bei't Civil verklagt un ick habe ihn wejen Hausfriedensbruch verklagt. Der Angeklagte mußte verurtheilt werden; der Gerichtshof erkannte mit Rücksicht auf die ganze Sachlage aber nur auf 3 Mark Geldstrafe V e r s ch n a p p t. Er: Und was sagst Du zu dem Berlobungsringe. den ich Dir geschickt habe. Anna?" Sie (entzückt): Herrlich, lieber Otto; es lst der schönste von allen, die tch bis jetzt bekommen habe!" Feiner Unterschied. Erna: Magst Tu die Herren ohne Schnurrbart?" Wera: Ohne rothen ja, ohne schwarzen mcht!" Doch etwas. Junge Dame: Herr Maier, haben Sie schon ein Duell gehabt? Nein, aber eine Ohrfeige hab' ich einmal bekommen!" Zukunftsbild. Was sagst Tu Ella, mem Mann will kochen!" So emancipirt?" K a s e r n e n h o f b l ü t h e. Sergeant (zum Einjährigen): Will der Mensch erster Liebhaber sein und bnngt keine Kniebeuge fertig!" Taubbeit kann nicht gebeilt werden durch locale Appllcationen, weil sie den kranken Theil des Ohres nicht erreichen können. ES giebt nur einen Weg, die Taubheit zu kuriren. und der st durch constituNonelle Heilmittel. Taubheit wird durch einen ent zündeten Zustand der schleimigen Au5 kleidung der Eustachischen Röhre der ursacht. Wenn diese Röhre sich entzündet, habt ihr einen rumpelnden Ton oder unvollkommenes Gehör ; und wenn sie ganz geschlossen ist, erfolgt Taub heit, und wenn die Entzündung nicht gehoben und dieseRöhre wieder in ihren gehörigen Zustand versetzt werden kann, wird daS Gehör für immer zerstört werden ; neun Fälle unter zehn werden durch Katarrh verursacht, welcher nichts als ein entzündeter Zustand der schlei migen Oberflächen ist. Wir wollen einhundert Dollars für leden (durch Katarrh verursachten) Fall von Taubheit geben, den wir nicht durch Einnehmen von Hall'S Katarrh -Kur heilen können. Laßt Euch umsonst Clrculare kommen. F. 3. Ehene Y k Co., Toledo O. Verkauft von allen Apothe kern, 75. in Verlangt Mucho'S Best Haranna CigarS." Sie kommen. Die schönste Partie von ezclusiven Kleidermuftern, welche wir noch je daS Vergnügen hat ten zu zeigen. Sie erinnern sich gewiß unserer früherer Triumphe und dann wissen S,e, waS dieses heißt. Jede Erpreß vergrößert die Quan tität, jede Sendung vergrößert unsere Zufriedenheit. Vergessen Sie nicht nur- ein Muster von jedem Stoss und jedes ein Triumph der Kunstwebem. DaS Lufter von Kammgarn, die Eleganz von Seide, die Wärme und der Glanz von im Garn gefärbter Wolle find alle dienstbar ein wunderschönes Fabrikat zu erzeugen. Sie kommen ! Sie sind hier! Unser Rleidermacher'Departm't wurde am 16. September eröffnet und steht unter der Leitung von Madame Vhelps. P. S. Wollen Sie Muster von irgend etwaS ?
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jTCfa f Daö Trinken lernt der Mensch zuerst, Viel später dann daS Essen ; Drum soll er dankbar einst alö SreiS, DaS Trinken nicht vergessen. Wo der Storch einkehrt, herrscht große Freude und der Hausherr beeilt sich seine Freunde zu einem fröhlichen Trunk einzuladen. Aber auch die Mutter bedarf einer eztra Stärkung und dazu eignen sich ganz besonders die Biere der
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