Indiana Tribüne, Volume 19, Number 4, Indianapolis, Marion County, 22 September 1895 — Page 3

CriMlttMlgcn einer Schwiegermutter. 2?cu George Kims. (8. Frrtjehuna..) . , ' 11. Erinnerung. Die Leute gegenüber. ' Niemals hätte ich geglaubt, daß ein netter, ruhiger, liebe.-'Zwürdiger Mann, wie mein deutscher Schwiegersohn Karl (Zutzeit einer war, in Hinsicht auf g wisse Dinge so verrannt sein könnte, als -es sich nachher herausstellte. Vor kurzem habe ich einen Aufsatz gelesen, worin der Verfasser zu beweisen sucht, daß jeder Mensch in Beziehung auf eiren Gegenstand mehr oder weniger verjriiett sei. Der Aufsatz interessirte mich in hohem Grade, denn ich bin nicht mit geschlossenen Augen durch' Leben gegangen, un'd ich muß zugeben, ich habe selbst beobachtet, daß die meisten Leute in einem besonderen Punkte ihren Vogel" haben. Gern lese ich nicht über solche Dinge, denn ich bin der Ansicht, daß wir nachgerade etwas zu viel über uns selbst lernen. Durch die Bacillen, Bakterien zurrd Mikroben und wie das greuliche Zeug alles heißt, das die Gelehrten jeden Tag entdecken, wird das Leben für jemand, der nur ein bischen nervös ist, zu ungemüthlich. Daß viele Menschen, um es gelinde auszudrücken, in einer Hinsicht überspannt sind,' ist zweifellos richtig. Ein Verwandter von mir, ein Onkel, der liebenswürdigste, freundlichste Mann von der Welt, sagte mir seiest einmal, er gehe sehr ungern aOein in den StraHen, weil er nur schwer der Versu-' chung widerstehen kö.ine, an allen Klingelzügen zu reißen und dann wegzulaufen. Wenn er an einem Hause vorü5:rkäme und den Klingelgrisf erblicke, dann hätte er das Gefühl, als ob er daran ziehen müsse, und weil er wisse, daß es schmählich wäre, wenn ein alter Herr, Familienvater und Kirchenältester, bei einer solchen Handlung erwischt werde, nehme er stets eine Droschke oder den Omnibus, wenn er allein ausgehen müsse. Habe er jemand bei sich, dann bäte er seinen Begleiter immer, ihn festzuhalten und unter keir.en Umständen an einen Klingelgriff kommen zu lassen. Ferner kannte ich eine Dame, d'e das Opfer einer ähnlichen Schwäche war, nur bestand ihre Leidenschaft dasin, die Nothbremse in Den Eisenbabnwagen zu ziehen. Zwar hat sie es nie wirtlich gethan, aber sie sagte mir, sie sei nie allein in einem Koupe, wo ihr ir.; solche Bremse in's Gesicht starre, ohne die größte Versuchung zu fühlen, die Schwur zu zerschneiden, den Griff Zu ziehen und zu schen, ioci weiter geschehen weide. Sie r.!eth dann in eine solche Angst, sie Vl.:-i-: ?s wirtlich ihun, daß ihr der Schweiß in dicken Tropfen auf die Stirn trat und sie sehr dankbar war, wer. - -och jemand in den Wagen lam ode: .t ihr Rciseziel erreichte. Ich jir der Anficht, daß auch die sogenannte lcpmanic hierher gehört. !Ganz achtbar? Menschen werden r'jtz lich vom Verlangen ergijfen. heimlich twas in die Toset, zu stecken, und dieses Verengen tzxti stärker und stärker, bis sie ibm nicht r-'-r widerstehen können und unterliegen. Ich sprach einmal mit meinem Manne darüber, und er versicherte mir, ein sehr bekannter Herr ginge zu keinem Diner, ohne sil-

berne Löffel u:'.d Gabeln in die Tasche zu stecken, und das sei so wohlbekannt, daß niemand mehr darauf chtc, da seine Frau stets seine Taschen untersuche und sie das heißt die Löffel und Gabeln, nicht die Taschen am nächsten Tage zurückschicke. Kurz nach unsrer Verheiratung wohnten wir eine Zeitlang dicht neben tinemälten Herrn, der ein brüh'nter Profeor irgend einer ologie war, ich habe vergeben, welcher. Er war ohne Zweifel geistig vollkommen in Ordnung, denn er war Mitzlied vieler gelehrter Gesellschaften, sqrieb für die Times n.s.w., aber er war der Schreken aller Kindermädchen der Nachbarschaft. denn wenn er auf der Straße ginz, dann blieb er plötzlich stehen, rang die Hände und stöhnt: in der jammervollsten Weise, als ob er die gräßlichsten Schmerzen ausstände. Er tonnte nicht anders, er wußte ganz gut. daß es sehr aldern war, aber er konnte es nicht lassen. Ich erwähne diese Fälle nur, um zu klaren, weshalb ich weniger erstaunt war. als ich sonst wohl durch die Entdeckung gewesen sein würde, daß itarl Gutzeit, mein Schwiegersohn und Zahnarzt (d. h. nicht mein Zahnnzt), in einer gewissen Hinsicht verdreht war. Ei hatte die verrückte Vorstellung, daß seine Nachbarn beständig etwas thäten, dem ein Ende zu machen seine Pflicht sei, und gerieth infolge denen in einen recht netten Ruf. Meiner Tochter Jane fiel zunächst nichts auf. als er sich zu beklagen begann, daß die Leute gegenüber ihre Rouleaux nicht gleichmäßig aufzögen. Er machte sie darauf aufmerksam, daß ins halb, ein andres ein viertel und eins drei viertel in die Höh: gezogen war, was doch gar nicht gut aussähe, und sie stimmte ihm bei. Als er sich aber im Eßzimmer in seinen Lehnstuhl .setzte, die Rouleaux gegenüber unverwandt anstarrte und erllärte, sie ärgert?n ihn und er werde hinüberaeben und die Leute ersuchen, sie zu ändern, da lachte sie rhn aus. Lieber Mann," sagte sie, wie thö richt, sich von einer solch:n Kleinigkeit crqern zu lallen. Sieh doch nicht hin. Darauf behauptete er jedoch, er könne es nicht lassen, und nun wurde sie besorgt, namentlich weil sie bemerkte, dafc er nervös mit den Fußen umher trippelte und daß seine Mundwinkel zuckten. Als er aber eines Tages plotz

lich aufsprang, über die Straße lief und an dem Hause gegenüber anklopfte, bekam sie einen gewaltigen Schreck. Er kehrte in großem Zorn zurück und sagte, die Leute seien Biester"; sie hätten ihn schwer beleidigt und ihm gesagt, er solle sich . um seine eigenen Angelegenheiten kümmern, und von dem Augenblick an faßte er eine tiefe Llbneigung gegen die Leute gegenüber und bildete sich ein, sie ärgerten ihn absichtlich. Eines Tages sah er zum Fenster hinaus und bemerkte, daß die Frau eiues Kutschers in dem vom Overationszimmer aus sichtbaren Stallhase Wäsche zum Trocknen aufgehängt hatte. Sofort rannte er über die Straße und verlangte von dem ihn empfangenden Kutscher, er solle die Wäsche abnehmen und die Waschleine entfernen, da sie häßlich sei. Der Kutscher wurde grob und empfahl ihm, sich an einen Ort zu begeben, den man auf der Karte von Europa vergeblich suchen wird, und das erzürnte Karl so. daß er sporns!reichs zu seinemRechtsanwalt lief und den Kutscher wegen Beleidigung verklagen ließ. Dadurch entstand eine große Erbitterung gegen ihn, und die Leute in dem Hofe gingen sogar so weit, daß sie im Schutze der Nacht häßlieh: Anspielungen auf seine Herkunft und seinen Beruf an seineThür schmierten. wie z. B. deutscher Schmutzfink" und alter Zahnreißer", welche BeZeichnung an ihm hängen blieb. Die arme Jane erzählte mir, Karl werde ganz grau vor Wuth, wenn sie elter Zahnreißer" hinter ihm herriefen, und manchmal, wenn sie in einer Droschke säßen, müsse sie ihn mit aller Kraft festhalten, sonst würde er hinausspringen und seine Quälgeister anfallen, und dann gäbe es sicher Blutvergießen. Als Jane mir diese Dinge mittheilte, hielt ich es für meine Pflicht, ein ernstes Wort mit Karl zu reden, und that das auch, aber ich erntete schlechten Dank für meine Güte. Karl wurde ganz aufgeregt und behauptete, es bestünde eine Verschwörung gegen ihn

in der Nachbarschaft, um ihm in seinem Geschäft zu schaden, weil er ein Auslander sn. Natürlich entgegnete ich ihm, das sei abgeschmackt und er sei zu empfindlich, wie da so viele Deutsche sind. Si: sind nicht -an unsre etwas derbe englische Art gewöhnt, steifen sich auf ihre Würde und sehen Geringschätzung und Kränkungen wo keine beabsichtigt sind. KarlZ verdrehte Idee betreffs des B:nehmens seiner Nachabrn gegen ibn beunruhigte mich ernstlich; denn ich fürchtete, daß sie zu wirklichen Unannehmlichkeiten führen werd:, ich bat daUi Jane, zu versuchen, ihn dahin zu bringen, daß er solche Kleinigkeiten nicht mehr beachte, aber anstatt besser, wurde es schlimmer, denn er fmy jetzt auch an. sich mit den Leuten nebenan zu streiten und Briefe zu schreiben. Ü'.'iefe schreiben ist stets ein Fehler, !.'.jonders wenn man sie in der Hitze schreibt und sich nicht die Zeit dazu nimmt. Die 2tjit gegenüber, deren Noukaux Karl so geärgert hatten, besaßen zw:i Söhne, und diesen war es ein Hauvtspaß, ihn zu necken. Kam er an's Fenster, dann traten sie auf iyren Bai!on und thaten so, als ob sie Zahnweh hätten. Sie hielten sich die Backen und stöhnten ganz erbärmlich. Natürlich hatten sie das volle Recht, auf ihrem Balkon zu thun, was si: mochten, aber Karl war wüthend, schrieb einen Brief an ihren diäter und sandte ihn hinüber. Nun war der Vater auch entrüstet und schrieb zurück, daß. wenn es Karl schon ärgere, Leute zu sehen, die nur so thäfcn. als od sie Zahnweh hätten, dann könne er sich vorstellen, wie unangenehm es für sie sei. beständig Menschen mit wirklichem Zahnweh aus und eingehen zu sehen, und manchmal kämen welch: aus dem Hause, die ihre Kinnladen in einer Weise festhielten, als ob sie ihnen zerbrochen seien. Er hatte die Unverschämtheit, ziemlich .unverblümt anzudeuten, Karl sei ein öffentliches Uebel und es. gereiche der Gegend zum Schaden, daß jemand da, wo sonst nur Privathäuser seien, einen Laden" für künstliche Zahne eröffnet habe. Das trug auch nicht gerade dazu bei, das nachbarliche Verhältniß zu besf:rn, und unglücklicherweise traf es mit der Zeit zusammen, wo Karl sich plotzlich in den Kopf setzte, daß auch die Leute nebenan ihn zu belästigen begännen. Er behauptete, der Kamm im Operationszimmer rauche, wenn das Eßzimmer im nächsten Hause geheizt werde. Sofort schickte er hin und beschwerte sich, und der alte Herr, ein sehr geachteter Börsenmakler, kam herüber und verlangte mit Karl zu sprechen. Er fragte ihn, wie er dazu komme, ihm eine so unverschämte Anfrage w6gen seines Eßzimmers zu schicken, und es kam zu heftigen Worten. Ich will Ihnen was sagen," sprach der alteHerr zuletzt, Sie sind eine verwünschte Plage für die ganze Gegend, und wenn Sie nicht bald machen, daß Sie von hier fortkommen, dann werden wir alle ausziehen. Kümmern .Sie sich um Ihr eigenes Geschäft und lassen Sie Ihre Nachbarn im Frieden." Die arme Jane, die sich im nächsten Zimmer befand und alles mit anhörte, ging hierauf wie zufällig hinein, weil sie fürchtete, es werde zu Thätlichkeiten kommen, worauf der alt: Herr seinen Hut ergriff und eilig das Haus verlies, aber Karl hatte einen Feind m:hr, und Jane sagte, es sei wirklich furchtbar. sie wage aar nicht mehr auszug:h:n. denn die Leute starrten sie so an. . Liebes Kind." sprach ich. wenn er mein Mann wäre, dann würde ich mit aller Entschiedenheit auftreten und ihn zur Vernunft bringen." Und ich hatt: das auch gethan, aber Jane war zu ängstlich, um offen zu sprechen; sie fürchtete, seine Gefühle zu verletzen. Sie hing mit großer Hingebung an ihm und vertheidigte ihn, so gut sie konnte.

Sie erklärte, er sei, abgesehen von dies:r Sucht, mit seinen Nachbarn zu Zweiten, der liebenswürdigste und beste !Nann, den eine Frau sich wünschen könne, und das war er auch ganz entschieden. Aber was konnt: das nützen. Das ist alles recht schön und gut," sprach ich zu meinem armen Kinde, .aber er macht sich widerwärtig und berhaßt, und wenn euch eines schönen Abends die Fenster eingeworfen werden und die Steine treffen Dich, was hast Du dann von seiner Liebeswürdigkeit und Hingebung?" Nachdem der kleine Karl geboren toar, ging's eine Zeitlang besser, und er beachtete die Dinge, womit man ihn krgern wollte, weniger. Denn daß viel:s absichtlich gethan wurde, unterliegt keinem Zweifel; indeß er war allein daran schuld, w:il er zuerst angefangen latte, Kleinigkeiten übelzunehmen und sich unnachbarlich zu verhalten. Es gibt nichts Unleidlicheres, als einen unengenehmen und streitsüchtigen Nachbarn, wie ich aus Erfahrung weiß, denn ich habe 'mal neben einer alten Dame gewohnt, die uns beständigSchercreien machte. Bald war es- unser ftund, der im Vorgarten bellte, bald latten die Kinder ihre Bälle über die Mauer geworfen, oder die Dienstboten inen Teppich ausgeklopft, der wirklich richt viel größer war als eine Thürmatte. Und wie mich das Frauenzimper wegen einer meiner Lieblingskatzen gequält hat, ist gar nicht zu sagen. Es par die harmloseste Katze in der Welt, tbtz sie gerieth manchmal in den Nachbargarton und sonnte sich auf dem Ra:n. Dann kam die Person heraus, schrie das arme Thier an und schimpfte es. und ich wußte sehr wohl, daß die Schimpfworte eigentlich mir galten. Aber ich bin auch nicht von gestern, und wenn meine Katze zurückkam, dann spielte ich dasselbe Spiel und richtete einige Bemerkungen an sie, die auch, für die Katze nebenan bestimmt waren. Zuletzt wurde die Geschichte ganz unousstehlich, indem die Frau sogar die Unverschämtheit haite, wenn meine Töchter übten, eine Grobheit herüber sagen zu lassen und zu verlangen, daß das Klavier an eine andre Wand gestellt werde. Sie wolle uns. verklagen, wenn wir es nicht thäten. Nun ging ich aber selbst hin. und als die Hausthür geöffnet wurde, trat ich gleich ein, ohne erst lange zu fragen, ob sie zu Hause sei, und dann habe ich ihr meine 5Neinung so unverblümt gesagt, daß sie uns in Ruhe ließ und bald darauf cuszog. Nachdem der liebe Kleine geboren war, hörte ich lange Zeit nichts von Karl, denn ich ging auf's Land, und Jane erwähnt: in ihren Briefen nichts von ihren Unannehmlichkeiten, weil sie mich nicht beunruhigen wollte und vielleicht auch, weil sie fürchtete, ich könne denken, Karl sei zu exzentrisch, um ein ganz zufriedenstellender Gatte und Vater zu sein. Ich hatte auch so viele andre Ding:, worüber ich mir Sorge machte, daß ich ganz froh war, in ihren Briefen nicht auch nqch schlechte Nachrichten zu finden; ich versuchte mir also einzureden, Karl habe die Thorheit seines ewigen Streitens eingesehen und verhalte sich, wie es von einem ruhigen, verständiaen englischen Bürger erwartet wird. Kurz vor Weihnachten kam ich zurück, und am Weihnachtstage aßen, wie gewöhnlich, alle meine Kinder mit ihren Familien bei uns zu Mittag. Ich hatt: es gern, wenn sich am Weih-

nachtstage die ganz: Familie in lhrem alten Heim vereinigte, und soweit es möglich war, haben meine Kinder diesen Wunsch auch stets erfüllt, obgleich in den letzten Jahren 'der Raum unsres Hauses dadurch oft auf's äußerste in Anspruch genommen wurde. Unfre Weihnachtsessen sind freilich manchmal durch Streitigkeiten gestört worden. aber diese waren nie ernster Art. Ich bin der Ansicht, daß ein Weihnachtsmahl nicht immer ein Förderer des Friedens ist, besonders bei einer Familie, die an Verdauunzs- und gichtischen Beschwerden leidet. Meine Mädchen bleiben auch nach Putenbraten und Plumpudding wahre Engel, aber meine Jungen werden leicht, was wir stankrisch nennen, und dann fangen sie an, sich in einer Weise aufzuziehen, die gelegentlich zu kleinen Unannehmlichleiten fuhrt. Bei dieser Gelegenheit bemühten wir uns alle, sehr liebenswürdig zu sein, und es verlief auch alles qanz glatt, bis John unglücklicherweis: anfing, Karl zu necken, indem er ihn fragte, ob er seinen Nachbarn hübsche Weihnachtskarten geschickt habe. Karl gab eine etwas brummig: Antwort, die ich auf Rechnung des Plumpuddings setzte, denn das ist eine Speise, woran Deutsche nicht gewöhnt sittd. John aber warf ich inen warnenden Blick zu und versuchte. dieUnterhaltung auf etwas andres zu lenken. Das half aber nichts, denn John, der nun einmal das Necken nicht lassen kann, obgleich er selbst außcrordentlich empfindlich ist. sagte zu Karl, er meine, da nun einmal Weihnachten sei, müsse er seiner Nachbarn Ständchen bringen und das bekannt: Lied: Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen" mit Begleitung einer Bande'böhmischer Musikanten vor rr:n. Thüren singen. Karl wurde dunU'.xcitt und rief John zu,- er möge sich um seine eigenen Angelegenheiten kümm:rn. Das ist gerade, was Dein: Nachbarn v?nDir verlangen, alter Freund," vcrs.'tzt: John, der sehr viel, kalte und irannc Paste!: geg.'sscn hatt: und noch fortwährend Roln:n und Mandeln knabbert?, obschon er wußte, daß das das reinst: Gift für ihn war. Karl wu?)e wüthend, sprang auf, zog seinen Ucb'rrock an, stülpte seinen Hut auf und rannte hinaus, und ehe wir recht wußten, was' vorgefallen war. hörten wir. wie er die Hausthür hinter sich zuschlug. D:: arme Jane warf aus thränenden

IaUn n:u vernichtenden Blick auf John. ...Warum muß! Du denn alle Mensck)en ärgern!" rief sie, lief hinaus und stürzte, ohne sich die Zeit zu nehmen, etwas auf den Kopf zu setzen, hinter Karl h:r. John, dem es leid that, daß er die Veranlassung zu einem peinlichen Auftritt gegeben hatt:, folgte ihr, und ich konnt: es nicht unterlassen, offen meine Meinung auszusprechen, daß es ganz schmählich sei und daß meine Schwiegersöhne und -töchter wirklich versuchen könnten, den Weihnachtstag ohne Zank zu verleben, denn wir wären vielleicht nicht mehr oft alle zusammen. Mein Mann war natürlich wie gewohnlich nicht da, wo er hätte sein sollen. Er hatte sich unmittelbar nach dem Essen in seine Stube zurückgezogen, um zu genießen, was er eine ruhige halbe Stunde für sich nannte. Ich ging hinunter und fand ihn mit sei ner Pfeife und der Times in der Hand, rer Times von gestern, denn am Weihnachtstage war keine erschienen. Ich muß wirklich sagen, John Tressider," sprach ich. ich sollte 'denken. Du könntest am Weihnachtstage wohl 'mal ohne die Times, die Du gestern schon einmal gelesen hast, fertig werden. Wälest Du da gewesen, wo Du hingehörst, an der Spitze der Familie, dann hättest Du einem schmachvollen Austritt vorbeugen können." He?" entgegnete er. Was ist denn schon wieder los?" Ich erzählte ihm das Voraefallene und ersuchte ihn, sei-

nen Hut aufzusetzen. Karl und John schleunigst zu folgen und sie zuruckzubringen. Ich zweifelte nicht daran, daß sie ihren Zank irgendwo auf der Straße fortsetzten, und die. Vorstellung, daß meine arme Jane ohne Hut dabei stehe, ihnen händeringend zuhöre und noch dazu am Weihnachtstage, war zu viel für mein mütterliches H:rz. Ey: ich jedoch Mr. Tressider zu gerügender Erkenntniß seiner Pflicht und aus seinem Sorgenstuhle aufgerüttelt fcatte, klingelte es, und als die Thüre aufging, hörte ich Karls Stimme im Hausflur. Ich lief hin und fand, daß er sich mit John ausgesöhnt hatte und zurückgekommen war. aber meine arme Jane zitterte vor Kälte, denn es wehte ein scharfer Ostwind. Daß ich Karl sagte, er solle sich was schämen, sich so von seinem Aerger fortreißen zu lassen und seine arme Frau an einem so bitter kalten Namittag aus ihrem warmen und glücklichen Heim zu treiben, versteht sich von selbst; allein er runzelte die Stirn, grunzte etwas, was ich nicht verstand, und ging dann in's Wohnzimmer. Glücklicherweise haite der Zank keine weiteren Folgen, und wir verbrachten den Rest des Tages ganz vergnügt zusammen, abgesehen von einer kleinen Störung, die durch Augustus Walkinshaw junior veranlaßt wurde. Dieser war unbemerkt über einen großen Topf mit chinesischen, in Syrup eingemachten Früchten gerathen und . hatte beinahe den ganzen Inhalt ausgegessen. Dabei war sein schöner, neuer Matrosenanug eine einzige klebrige Masse geworden, und. als ich ihm ein paar wohlverdiente Klapse gab, fing er an zu heulen und wurde dann plötzlich todten blaß und so krank, daß er hinaus und l'i Bett gebracht werden mußte. Ich hatte Karl versprochen, am Neujahrstage bei ihnen zu frühstücken, und ging ziemlich früh hin.' da ich gern vorher eine ruhige Aussprache 'mit Jane haben wollte. Während wir redeten, kam der Bediente mit einem Päckchen, das mit einer Neujahrskarte an der Hausthür abgegeben worden war. Schicke hinunter, liebes Kind, und laß Deinen Mann heraufkommen." sagte ich, da es an Karl überschrieben war. Wir wollen es zusammen auspacken, vielleicht ist es ein Neujahrsgeschenk von einem seiner Kunden." Höchst wahrscheinlich," entgegnete Jane, er hatchon mehrere, worunter einige sehr schöne, erhalten." Der Bediente bat Herrn Gutzeit, nach dem Zimmer seiner Frau zu kommen, wo wir saßen, und als Karl eintrat, sagte ich: Karl, hier ist wieder ein .Neujahrsgeschenk für. Dich; wir sind furchtbar neugierig." Er lachte und meinte, er sei ein Glückspilz, denn er hab: eine Menge freundlicher Andenken erhalten, ein Beweis, daß er. wenn er auch bei den gräßlichen Leuten gegenüber nicht beliebt sei, doch anderswo eine Meng: Freunde habe. Er fing an, das Päckchen zu öffnen, und als er das braun: Papier entfernt hatte, kam ein kleines Kistchen zum Vorschein, das zugenagelt war. Er zog sein Messer hervor und hob mit der großen Klinge den Deckel ab. Sowie dieser nachgab, sprangen zwei ungeheure, scheußliche Kanalratten in's Zimmer. Ich stieß einen entsetzten Schrei aus und sprang, so gut ich konnte, auf eiI nen Stuhl, und Jane schrie ebensalls I am 0ff?2f Trtfln itnVi fsllrt nur ? UU WlVlWUllU UHU Itiibiib UU VI' nen andern Stuhl, während die gräßlichen. geängsteten Ratten aus einer Ecke des Zimmers in die andre schössen. Karl rief einige furchtbare deutsch: Worte aus, und als ihm eine der Ratten zwischen dieBeine rannte, jagte ihm die Furcbt. sie könne ihm im Hosenbein s'.'N,'s?ssp?1N ?rtr fns.n GZ -rsri n I. ....4. ..v V 41. lllllll VkUVll VVX4.y4l.Clv ein. da 5 er in die 9uH snran.1. Dabei siel er ud riß die Tischdecke, woran er sich halten wollte, mit allem, was daraus war, mit sich. Eine große Vase voll Blumen versuchte er zwar zu retten, aber si: entglitt ihm, fiel mit großem Glpolter zu Boden und ging in tausend Stücke. Darüber schrieen wir noch lauter als zuvor, so daß die Dienstboten in's Zimmer gestürzt kamen. Als sie aber die Ratten sahen, rafften sie ihr: Röcke zusammen und nahmen Reißaus. Furchtbar fluchend erhob sick Karl wieder. Glücklicherweise fluchte er deutsch, was ich richt verstand, aber meine Tochter, die es verstand, muß ganz entsetzt gewesen sein. So schreit doch nicht so!" rief er

lanz ärgerlich. Die Ratten fürchten .d) ja mehr vor euch, als ihr vor ihlien." Hierauf ergriff er die Feuerzange l'.nd fing an, nach den Ratten zu schlaen, traf aber meist nur den Fußbo den oder sonst etwas, und die Ratten, die sich hinter einem Vorhange versteckt hatten, kamen wieder hervor und rasten lr der Stube umher, Karl immer hint:r ihnen. Endlich gelang es ihm, sie todtzukchsagen, aber ach! In welchem Zustande befand sich Janes reizendes Zimknerchen! Karl hatte in seiner Wuth mit der Feuerzange um sich geschlagen, ohne. Rücksicht, wo er hintraf, und hat- !: eine Menge hübscher Sachen zerstört, ehe es ihm gelungen war, die Ratten zu todten. Als wir etwas ruhiger geworden und ich von meinem Stuhle wieder -(erabgeklettert war und mein Zittern i'.berwunden, und Jane ihre Thränen z:trocknet, die ihr der Anblick ihres zu Grunde gerichteten Zimmers abgepreßt hatte, sah ich mir das Kistchen :twas näher an und fand auf dessen Lc'den eine Karte, worauf in einer ungebildeten Handschrift geschrieben war: Prost Neujahr, alter Zahnreißer!" 5carl riß mir die Karte aus der Hand. Das wußte ich gleich," rief er, els er sie angesehen hatte. .Das hab:n die Halunken da drüben gethan! O, wenn ich sie nur in Deutschland hätU, ich schösse sie todt, wie tolle Hunde, Knt toll: Hunde schösse ich sie todt."

Wir beruhigten und überredeten ihn, sich keine weiteren Unannehmlichkeiten zu machen, da es unmöglich sei, den llrheber zu entdecken, und um Janes willen willigte er endlich ein. die Sache nicht weiter zu verfolgen, aber ich bin ranz gewiß, Daß es die Leute gegenüber waren, die ihm den häßlichen Streich gespielt hatten, denn als ich in's Eßzimmer ging und dort an's Fenster trat, sah ich, wie gegenüber zwei boshafte Jungmgesichter unser :)aus beobachteten und dabei grinsten wie Teufel. Allein ich bin der Ansicht, daß selbst ttatten ihre guten Seiten haben, denn seit jener Ze'.t läßt Karl seine Nachlarn und diese ihn in Ruhe. Leute, die versuchen, ein glückliches Heim mit 5kaninüen zu zerstören, schrecken vor -..ichts zurück, und Karl scheint zum Entschlüsse gekommen zu sein, nichts i iehr zu thun, was ihre höchst unangev.ü:nz Aufmerksamkeit auf ihn lenken lönni:. Zwölfte Erinnerung. 3wei meiner Enkelkinder. Ein: Schwiegermutter erwartet ftlbstoerständlich im natürlichen Verlaus d:r Ding:, Großmutter zu werden, ieirohl manche Schwiegermütter gar nicht begierig nach dieser Ehre sind. Im ?ort: Großmutter liegt allerdings etwas, was auf hohes Alter hinweist, und es ist ganz 'begreiflich,' daß die grauen die Zeit, wo die Welt sie als alt ansieht, möglichst lang: hinauszuschieben suchen. Wenn ein Mädchen jung heirathet, dann kann es sehr wohl -.ommen, daß es mit vierzig Jahren eine erwachsene Tochter hat, und wenn diese ebenfalls jung heirathet. kann ihr: Mutter mit zweiundvierzig Großmuiter sein, wenn si: sich auch noch so gut gehalten hat, und ihr niemand ihr Ulter ansieht. Hat sie dann die EitelZeit der Jugend noch nicht überwunden, so ist es allerdings etwas verdrießlich, mit Großmutter angeredet zu werden. Ich sr:ue mich, aussvrechen zu tönnen, daß mir das Wort nichts als Freude gemacht hat, obgleich ich keineswegs alt war, als mir der kleine Auguztus Walkinshaw durch sein Erschei:;en in dieser Welt zu diesem Titel verhalf. Jetzt bin ich ganz Großmama, denn ich hab: zehn Enkel, wovon einige rasch zu jungen Männern und Mädchen heranwachsen, und ich habe mich längst in meine Rolle gefunden. Mr. Tressider hörte sich, glaube ich, zum erstenmal nicht gern Großpapa nennen. Männer sind trotz der allgemein verbreiteten gegentheiligen Ansicht viel eitler als die Frauen. Bald nach des kleinen Augustus Geburt hatte ich Gelegenheit, mit Mr. Tressider einige ernste Worte über seine alberne Gewohnheit, in Gegenwart Fremder Witze über mich zu machen, zu sprechen. Es war bei einer kleinen Gartengesellschaft, wo er mich dadurch verletzte, daß er einer Dame, der ich ihn eben erst vorgestellt hatte, eine lächerliche Geschichte über mein Zanken mit ihm erzählte. Wir wären einmal in einer Droschke aus dem Theater nach Hause gefahren, und ich hätte ihn ersucht, auszusteigen und nachzusehen, ob der Kutscher nicht betrunken sei. Er hätte sich geweigert, und darauf wäre, wie er behauptete, meine Antwort geWesen Wenn Du nicht aussteiost, dann thue ich's." Darauf hätte ich meinen Kopf zum Fenster hinausgestreckt. um 1 dem Kutscher zuzurufen, daß er halten solle, hätte aber dabei vergessen, es niederzulassen. und mein Kopf wäre durch die Scheibe gefahren, so daß er- dem Kutscher hätte zwei Schilling: bezahlen müssen, und ich wäre nach mciner ZZach-l-ausekunft zw:i Stunden damit beschäftigt gewesen, die Glasscherben aus meinem Hut: zu lesen. Was in-ver-anlaßt hatte, die Geschichte zu erzählen, war eine Bemerkung der Dom: übe? di: Droschke, die sie nach unserem Hause gebracht und deren Kutscher so b:trunten gewesen war, daß er nach, denz Aussteigen der Dame gleich davon ge- ? vmi f tut ftr i'fAiTK UklCll ivui, vtiit uu viu uuiij; qu wart:!:. So, wie John Tressider die Geschichte erzählt hatte, war sie UNwahr, obgleich ihr etwas Thatsächliches zu Grunde lag. Aber er erzählte sie so, daß ich in einem ganz lächerlichen Licht: erschien, worin manche Männer ein ganz besonderes Vergnügen zu finden scheinen. Im Augenblick erwiderte ich nichts, sondern warf ihm nr einen dielsagenden Blick zu, aber als die Gäsie alle gegangen waren und er allein

im Gartcnzelte saß und daS übrig au

hliebene Eis aufaß, nahm ich mir ihn bor. John Tressider," sagte ich, ich pieine, es wäre Zeit, daß Du Dich be-r-ehmen lerntest, jetzt, wo Du Großvater bist." Du meine Güte, Jane, laß doch das!" rief er, wie kann ein Mensch vur auf den Gedanken kommen, einen daran zu erinnern, daß man Großvater ist, während man den sechsten Teller Erdbeereis in Arbeit hat!" Er behandelte es als Scherz, allein etwas später erwischte ich ihn inr Schlafzimmer, vie er vor dem Spiegel stand und fern Haar untersuchte, das noch jetzt sehr stark und nur wenig ergraut ist, und ich weiß ganz besUmmt, daß er bei sich dachte, er sehe nicht vx mindesten wie ein Großvater aus. Doch er wollte ferne Rache haben. Lange Zeit rannte er muh zu meiner großen Entrüstung nicht anders, als Großmutter, und wenn ich irgend etwas sgate, was ibm nicht gefiel, dann sprach er häufig in Gegenwart anderer: Nur ruhig. meine Liebe, rege Dich nicht aus; vergiß nicht, daß Du Großmutter bist." Allein wir gewöhnten uns bald an fch: neue Lage, und meine lieben Enkelkinder brachten mir eine ganz neue Freude in mein Leben, obgleich es nanchmal zu Zwistigkeiten über die ttamen kam, die sie erhalten sollten. Wenn ich einen Namen auswählte, den ich für eins von meinen Enkelkindern für passend hielt, dann hatte sein Vater stets entschiedene Wünsche in andrer ttichtung, und ich mußte natürlich nachgeben. Der kleine Augustus Walkinshaw war anfangs ein sehr zartes Kind, aber seine Mutter. machte viel zu viel Wesen von ihm, und ich mußte ihr ossen meine Meinung sagen und sie daran erinnern, daß ich neun Kinder aufgezogen hätte und doch wohl etwas davon verstehen müßte. Sie verhätschelte das Kinid zu sehr und machte sich Sorge über den. geringsten Luftzugs der es traf, und dann quälte sie sich immer wegen der Form seiner Nase. Eines Tages, traf ich das- Kindermädchen mit. dem kleinen Augustus, wie es rückwärts ging und mit großer Heftigkeit gegen einen Metzgerjungen gerannt wäre, der einen aus einem Kirchthurme arbeitenden 'Dachdecker mit ti lier Mulde Fleisch auf der Schulter der MetzgeHunge hatte die Muld Fleisch auf der Schulter, nicht der Dachdecker bewunderte, wenn ich es icht noch rechtzeitig angerufen und vor der Gefahr gewarnt hätte. Und als ich dem Mädchen fagte, es solle sich was schämen, auf öffentlicher Straße mit einem Kinde auf dem Arme so herumzulaufen, entgegnete es mir, es gehe auf Befehl ihrer Herrin so, da ein kalter Wind wehe und das 5ttnd so davor geschützt werde. Ich sprach sofort mit Sabine darüber und sagte ihr, ein solches Verhalten fei ganz lächerlich, da so verzärtelte Kinder immer kränklich blieben. Allein es half nichts, sie war gleich hinterher gerade so übermäßig ängstlich, und als die kleine Sabine geboren war, fing die Geschichte von vorne an. Mir war dieses Benehmen eine Quelle großen Verdrusses, weil meine älteste Tochter sich vollständig zur Sklavin ihrer Kinder machte und sie kaum jemals außer Sehweite ließ, und wenn sie 'mal von Hause weg war, dann befand sie sich fortwährend in einem Zustande der Aufregung, der für ihre Umgebung geradezu peinlich war. Beständig bildete sie sich ein, es werde während ihrer Abwesenheit ihren Kindern etwas Furchtbares zustoßen, und sie wechselte die Kindermädchen so häufig wegen irgend einer eingebildeten Pflichtversäumniß, daß ihr Name nieinals aus dem Buch: der Gesindevermiethungsanstalt verschwand, woher sie ihre Leute bezog. Endlich fand sie ein Mädchen, das ihr und denKindern gefiel; dieses wurde indeß bald Herrin im Hause. Sowohl Sabine als auch Augustus fügten sich ihr sie hieß Anna in al lern, aus Angst, sie zu beleidigen, und Anna brauchte nur mit Kündigung zu drohen, um alles zu erreichen, was sie wollte. Als sie entdeckte, wie groß ihre Macht im Haufe war, wurde sie übermüthig, und 'das war nur natürlich. Die Kinder waren damals etwa vier oder fünf Jahre alt und hatten große Anhänglichkeit an Anna, denn diese war die einzige, 'die sie verstand und richtig behandelte. Als sie dahinter kam, für wie unentbehrlich meine Tochter sie für das Wohlergehen der Kind:r hielt, sagte sie alle Augenblicke, sie müsse gehen, oder sie erzählte den Kindern, ihre Nanna müsse sie verlassen, und dann weinten die Kleinen und klammerten sich an sie. Der Gedanke an ein neues Kindermädchen war Sabine indeß so schrecklich, daß sie Anna in allem nachgab, und um sie am Ausgehen zu verhindern, erlaubte sie ihr, ihre Bekannten und Freunde im Hause zu empfangen. Als ich eines Abends hinllberging, um meine Tochter zu besuchen, hörte ich viel Lachen und lautes Sprechen in der Küche, während ich durch denHaus flur schritt. . Allmächtiger Himmel, was ist denn los?" fragte ich, haben denn die Mäd. chen ein ganzes Regiment Soldaten unten?" , j O nein, Mama," entgegnete meine Tochter, es sind nur Annas Verwandte und einige Freunde: ihr Vater und ihre. Mutter, ihre Schwestern und Brüder, die Köchin von nebenan und das Hausmädchen von gegenüber." (Fortsetzung folgt.)

Beim Armenarzt. Arzt: Si: nehmen also diee Medizin drei Mal des Tages nach jeder Mahlzeit." Pa-' tient: Ja, Herr Doktor, da::n kann ich die Medizin überhaupt nicht nehmen." Arzt: Aber warum denn nicht?" Patient: Ja. wer gibt mir denn die drei Mahlzeiten?" . ..- - .

Zur die Küche. Speckklöße. Ein S!ück gkVäucherter Speck von der Größe cineZ Eies wird in kleine Würfel geshnitten und gelb gebraten (man kann auch Zwiebel mit durchbraten) und in ztvz Fett brät man eine kleine Obertasse Weißbrotwürfel durch. Die Speck.Würfel, zwei Eier, Salz und e'ne kleine Tasse ungebratenes gewürfeltes Weißbrot mengt man zusammen, dann eine Tasse Milch, das gebraiene Brot und etwa zwei Tassen Mehl, daß es ein fester Teig wird, den man gut durchschlägt. Diese Klöße werd:n gerne zu Sauerbraten und gedörrtem Obst gegessen. Gebackene Spätzele. Für sechs Personen nehme man ia Pfuid Weizenmehl, rühre sechs Eier, eine halbe Tasse Wasser und etwas Salz dazu. Der Teig darf nicht fest, sondern muß dickflüssig sein. Uni'r das Weizenmehl kann man ein?n Eßlöffel gutes Backpulver mischen, davon werden die Spätzele sehr locker. Ist d?e Masse gut durchgerührt, nimmt :::an etwas davon auf ein klein? Holzbrett, welches vorher in kaltes Wa,,er getaucht wurde. Von der Masse auf dem Brett stoße man mit einem großen Messer schmale, kurze Stücken in kochendes Salzwasser in einem croßen, breiten Topf, der drei Quart Wasser enthält, und lasse sie fünf Mi--nuten kochen. Darauf werden sie mit einem Schaumlöffel auf ein Sb gelegt und man kocht auf diese Weise nach und nach den ganzen Teig. Dann werden die Spätzele auf ein Holzbrctt breit gelegt, damit sie etwas trocknen. Dann thut man sie mit :':was Butter in eine Bratpfanne und laß! sie schön hellbraun auf dem Herd backen. Sie werden mit Schi.iken und Salat servirt. iFkerfchfalar. Man verwendet zu diesem wohlschmeckenden Salat Ueberreste von gebratenem Fleisch, selbst gekochtes Rindfleisch eignet sich dazu. Das sorgsam von Fett. Haut, Knorpeln und dergleichen befreite Fleifch schneidet man in nicht zu kleine Würfel, mischt nach Verhältniß der Fleischmenge gewässerte, ausgegrätete und in kleine Streifchen geschnittene Sardellen oder Hering, einige Eßlöffel voll Kapern, etliche ebenfalls würflig geschnittene saure Gurk:n und einige feingehackte Chalotten hinzu. fügt reichlich feines Speiseö', Weinessig oder Estragonessig hinzu, außerdem einige Messerspitzen voll g: -stoßenen Pfeffer, mengt den Sab sehr gut und garnirt ihn mit kleine in Essig eingemachten Champignons, Scheiben von hartgekochten Eiern, kleinen - Pfeffergurken oder Streifen von geräucherter Zunge. Samba von Gurken. G?oße Gurken werden geschält, durchgeschnitten und rein vom 5:nbaus befreit. Dann schneidet man l'c in feine Streifen, legt sie drei Stuncen in Salz und laßt sie ai'" einem ausgehängten Tuche ablaufen. Sind sie ganz trocken, schichtet man sie mit ganzer Muskatblüthe. Pfeffttkörnern: und kleinen Chalotten in ein GlaS und 'gießt gekochten, wieder erkalteten Weinessig darauf. Man kocht den Essig nach drei Tagen noch einmal auf. schüttet ihn abermals kalt aus die Gurkenschnitzel. (Vortreffliche Beigabe zu Fleisch und gut zur Mischung unt:r Heringssalat.) Sauerbraten: In einen irdenen oder steinernen Topf legt mare Awiebelscheiben, Lorbeerblätter, linige Nelken und Pfefferkörner, kocht dann Essig mit etwas Wasser und läßt es abkühlen, deckt ein: weitere Lage obengenannter Dinge über den Braten und gießt den Essig dazu. Der Braten wird täglich gewendet. nach Größe und Jahreszeit läßt man ihn von drei bis fünf Tagen in de? Marinade, spickt ihn dann mit Speckstreifen und stellt ihn auf wie anderen Schmorbraten: in heißem Fett erst etwas anbraten, gibt dann Wasser und Salz hinzu, eine gelbe Rübe, kleingeschnittene Zwiebel und eine Schwarzbrotrinde. So läßt man ihn zugedeckt schmoren. Die Sauce muß sehr pikant sein, wird sie das vorn Fleisch selbst nicht, so gießt man den Marinadeessig hinzu. Eine halbe Tasse Rahm kurz vor dem Anrichten mit durchgekocht, schmeckt sehr gut. Die Sauce wird dann entfettet und verdickt. . . Gehirn in Gelee. Schweins oder Kalbsgehirne werden mit kaltem Wasser ' zugesetzt,, langsam erwärmt

und sauoer geputzl, oann in cnict Marinade von verdünntem Weinessig. Salz. Zwiebeln, Wurzelwerk und' Gewürzen .weich gekocht und dann erkalten lassen. Hierauf läßt man sie abtropfen, bestreut sie mit etwas Salz und weißem Pfeffer, legt sie eme Stunde in Essig . und Oel und stellt inzwischen eine Form auf Eis. in die man eine drei Viertel Zoll hohe Schicht gut geklärtes- Aspic gießt, nach deren Erstarren man den Boden mit einer Verzierung aus Trüffelscheiden, Petersilienblä'ttchen, harten Ei:m. Rotherübenscheiben, Kapern und dergleichen belegt und mit Aspic begießt. Nun schneidet man die GeHirne in Sckeiben oder Hälften und ordnet si: schichtweise mit dazwischengegossenem Aspic in der - Form, bis dieselbe genügend gefüllt ist: beim Ausstürzen kann man eine Mayon-naisen-Sauce dazu geben oder ringZ um das Gelee auf die Schüssel füllen. Unter Kindern. ErsteZ Kind: Alle Herren behaupten, meine Schl ,ester besäße sehr sprechendeAugen. Zwistes Kind: Das ist gar nichts Besonderes! Mein , Bruder spricht sogar mit seinen Beinen. Erstes Kind: Wie, Du scherzest! Zweites Kind: DurchffuS. tsfifl Ctn Vftn frtrtn fftHn

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