Indiana Tribüne, Volume 18, Number 345, Indianapolis, Marion County, 1 September 1895 — Page 7
nliagung,
W einst ein Mägdelein fein und' zart, Das sündigte gern nach bekannter Art In umfangreichen Poemen Und schickte manch' schweres Dutzend 'davon? Von Redaction zu Redaction, Doch keine wollte sie nehmen. Da nahte ein Jüngling, eh' man's gedacht. Dem ihrer Reize bestrickend: Macht Das Herz überwunden hatte; War onsi ein netter, charmanter Herr, Im Uebrigen aber Redacteur Bei einem gelesenen Blatte. - Und als er ihr seine Liebe gestand. Da reichte sie ihm einen dicken Band Von ihren gesammelten Liedern; D'rauf sprach zu ihm die liebliche Fee: Nur wenn diese Verse gedruckt iich seh'. Kann ich Ihre Liebe erwidern!" Mit Bangen las er das Manuskript, Dann stand er auf, zu Tode betrübt, Und sprach mit bebendem Munde: Fahr' wohl, mein Lieb! Wenn mein Herz auch bricht. Doch drucken kann ich das Zeug hier nicht!" Und verließ sie zur selbigen Stund. Der Krösus des Vrazoö". Reifende, die in den sechziger Jahren die alte San Augustine Heerstraße be nutzten, ließen es sich nie nehmen, bei einer ! Innen Blockhütte, die in der Nähe des Brazos FlusieS stand, einen Halt, wenn auch nur auf kurze Zeit zu machen. Allerdings war dortselbst nur ein Trunk kalten WanerS erhältlich, aber dieses Naß war das schönste seiner Art, das auf viele Meilen in der Runde gefunden werden konnte. John Buz zard war der Eigenthümer dieser Hütte, in der er glücklich und in aller Weltab aeschiedenhcit mit seinem Weib und sei ncn beiden Kindern wohnte. Der Mann lebte in sehr bescheidenen Verhältnissen und nährte sich und seine Familie recht und schlecht von dem ge ringen Ertrage, den er von den . zu sei ner Heimstätte gehörigen sechs Acres Land und seiner 6 Kopf zählenden Vichhccrde gewann. Sein ganzer Stolz war der das herrliche Naß spen dcnde Brunnen, den er Jedermann zeigte; er hatte denselben bereits fertig gegraben und gefüllt bis zum Rande bei seiner Ansiedlung vorgesunden, obwohl die ganze Gegend noch vollständig unbewohnt war. Vor ungefähr zwanzig Jahren kehrte ein Reisender der häufig dieses WegeS zog, wieder gewohnter ' Weise bei der alten Blockhütte vor, um sich daselbst durch einen Trunk zu erfrischen. John Buzzard hauste noch immer in vollster Einsamkeit, aber merkwürdigerweise hatt: er diesmal einen riesigen Rausch, der jedenfalls nicht vom Inhalte des berühmten Brunnens herrührte. Der Reisende wurde von dem in der aufge räumtesten Stimmung befindlichen Ansiedler in die Hütte hineingeführt, mit der von einem Pfiffigen Lächeln be gleiteten Bemerkung, daß er drinnen etwas Gutes anfinden werde. Der Reisende nahm die Einladung an, hauptsächlich wohl aus Neugierde, was solche Aenderung in den äußeren Verhültnissen des allgemein als arm gelten den Mannes hervorgebracht habe. Hier ist guter alter Bourbon Whiskey, soll 10 Jahre alt sein und kostet $9 die Gallone" sagte Buzzard, indem er einen weitbauchigen Krug, eine Zuckerschaale und mehrere seingeschlifjene Gläser auf den Tisch stellte. Das Innere der Hütte, über die der Reisende sein Auge gleiten ließ, hatte sich sehr zu ihrem Vortheile verändert, 'die Möbeln waren neu und verhältnißmäßig geschmackvoll, ein hübscher Teppich bedeckte den Boden. Frau und Kinder prangten in guten, beinahe eleanten Kleidern und vertrieben ihre Aeit mit der Vertilgung ungezählten Candy's. Der Reisende vermochte sich dies alles nicht zu erklären, und seine Verwunderung erreichte ihren höchsten Grad, als Frau Buzzard plötzlich ein bislang nicht von ihm bemerktes Piano 'öffnete und ihre Finger über die Tasten des Instrumentes gleiten ließ. Ihre musikalischen Kenntnisse und Talente standen allerdings nicht höher als die einer Indianer-Squaw, aber sie dachte jedenfalls, dem Fremden durch ihr Klimpern und ihren heiseren Gesana Zmponiren zu können. Mehr und mehr Luxusartikel kamen mit der 3ei! zum Vorschein. o eine Equipage, die mindestens $500 gekostet hatte, ferner ein Paar . hochedler Kentuckyer Traber. Auch bei dem nun folgenden Mittagsessen, .ging. es hoch her, und Wein floß . in Strömen.' Endlich dermochte der Reisende seine Neugierde nicht mehr zu bezwingen und er bat den Besiker all dieser Kostbarkeiten bescheiden darum, ihm doch Aufschluß darüber zu geben, wie er es fertig gebracht hätte, hier in dieser armseligen Gegend sich solche Reichthümer zu erwerben. , -Diese ' Frage versetzte Buz zard in 'die größte Wuth: mit seiner staust donnernd auf den Tisch nieder schlagend, daß Gläser und Geschirr klirrten, brüllte er: Das geht Niemanden etwas an." Einige Tage hierauf kam Buzzard mit seiner Imilie in der neuen Equi paae nach der Stadt Houston hinein aefabren und' erregte nicht sowohl durch sein herrliches Gespann, als vielmehr durch seine merkwürdige Kleidung, allgemeines Aufsehen. Eine große seidene Cylinderröhre krönte sein mächtiges Haupt, die Beine steckten in hohen Stieseln, und ein langer grüner Rock umschloß seinen Leib. In jeder Westentasche prangte eine Uhr. die mit einer dicken goldenen Kette, die sich Buzzard um den Hals geschlungen hatte, verbunden waren. In ähnlicher Weise, war die Frau auf-
yedvnnerl. Bon ihren Eltern stäche die Kinder seltsam ab. denn sie, ein Knabe und ein Mädchen, saßen barfuß und zerlumpt gekleidet in dem Gefährt. Aber ein jedes derselben wa, bereits in denBesitz einer goldenen Uhr nebst Kette. Als Buzzard dqi Wagen verließ, band er sich noch ein riesiges, alterthümliches Schwert um die Hüften. und dann stolzirte das Ehepaar mit den Sprößlingen durch die Straßen der Stadt, gefolgt von der ganzen Einwohnerschaft. Als die Familie auf ihrem Spaziergange in die Nähe des Stromes kam, erblickte man dort ein größeresDampsboot. das die Neugier und das In teresse der Frau und der Kinder im höchsten Maße erregte. Die Folge davon war. daß man das Schiff miethete und eine kleine T'ur nach Galveston unternahm. Bei der Ankunft in Galveston sprach Buzzard dem Capitän und der Mannschaft seine volle Zufriedenheit über die Fahrt aus, und ließ dabei die Bemerkung fallen, daß er wohl Luft hätte, sich ein solches Dampfboot käuflich zu erwerben, um mit ihm auf dem Brazos-Flusse bis nach seiner Heimath zu fahren. Kau fen Sie doch meins, Sie haben ja gesehen, welch ausgezeichnetes Schiff es ist." entgegnete ihm der Capitän. Was wollen Sie denn für den Kasten haben?" Ich denke, $25,000 werden nicht zu viel sein." All right, morgen Mittag werde ich mit dem Gelde hier sein." Der Capitän hielt die ganze Geschichte für einen Spaß und dachte nicht weiter an dieselbe. Doch wie erstaunte er, als richtig zur festgesetzten Stunde unser Freund über die Laufbrücke angeschritten kam, in jeder Hand einen ledernen Beutel tragend. Der Cavitän erhielt die ganze Summe in Gold ausbezahlt. Buzzard war ganz außer sich vor Freude, nun Besitzer dieses schönen, Silver Spray" getauften Schiffes zu sein; er stieg sofort auf die Coimandobrücke und machte seinem überschwellenden Herzen in einem regelrechten Jndianergebrüll Luft. In aller Eile wurden Mannschaften und Lootsen angeworben, und stolz flog die Silver Spray" den Brazos-??luß hinauf, üderall von den an den Ufern Wohnenden angestaunt und warm bearllßt. Endlich erreichte man Buzzardsville, und um sich täglich und Mündlich an dem Anblick des herrlicben SchiffeZ weiden zu können, .ward die Siwer Spray" unmittelbar hinter der BlockHütte festgebunden. Die Bootsmannsckaft. die noch weiter im Dienste des Krösus blieb, bemerkte häufig,. wie die ganze Familie zu Zeiten in das nahegelegene Gebirge zog und mit mehreren stramm gefüllten Säcken nach Hause zurückkehrte. Man kümmerte sich aber nicht weiter um die Geschäfte, die Bunard hatte. Eines Abends, als Buzzard wieder belad: aus den Bergen zurückkam, war er in Folge des allzu reichlich genossenen Whisky besonders auter Laune. Er wanderte mitsammt seiner Familie an Bord seiner Privatyacht, und ergab sich hier mit seinen Leuten einem endlosen Trinkgelage. Als alles schon so betrunken war. daß Niemand mehr auf den Beinen gerade zu stehen vermochte, gab Buzzard den Befehl, die Kessel zu heizen. Als genügend Dampf entwickelt war. wurde die Glocke in Bewegung gesetzt, die Schiffspfeife ertönte, die Flagge wurde gehißt, die Ankertaue gekappt und fort ging es, den Bros stromabwärts. Trotzdem das Fahrzeug ganz willkürlich gesteuert ward, hatte man doch das Glück, die verschiedenen Flußschnellen und Fälle ohne jeden Zwischenfall zu Passiren. Der Whisky.der in ungeheuren Quantitäten genossen, ließ bald' einen Jeden an Bord in den tiefsten Schlaf fällen, und das Schiff mußte sich seinen Weg allein suchen. So merkte es denn auch keiner, daß dasselbe plötzlich auffuhr und sich immer höher am Ufer emporarbeitete. Endlich blieb die Maschine auch stehen. Die Sonne stand schon ziemlich hoch am Himmel, als einer nach dem anderen der Bootsinsassen von dem todesähnlichen Schlummer aufwachte, und sich seufzend die brennende Stirn und Augen rieb. Verwundert sah Alles um sich. ' Wohin war man denn gerathen! Das Fahrzeug war auf allen Seiten von sich leise im Winde schaukelnden Maisrohr umgeben. Endlich erschien auch der Besitzer des Bootes müde und verschlafen auf der Bildfläche. Als er die merkwürdige Umgebung sah. rieb er sich ein Mal nach dem andern di: Aeuqlein. aber das Maisfeld wollte nicht weichen. Verwundert schüttelte er sein Haupt, sah sich noch einmal das Feld an und sagte dann im Tone der tiefsten Ueberzeugung: Wir sind ja mitten in Colonel Chesters Maisfeld!" Allmälia wurde es Licht in seinem Hirn, er erinnerte sich, daß es tags vorher schwer geregnet hatte, in Folge dessen der Fluß hoch anschwoll und weit über sein Bett austrat. Jetzt fiel das Wasser wieder zusehends, und jede Minute vergrößerte die Entfernung zwischen dem Boote und dem wieder träge dahinfließenden Strome. Den Schiffsmannschaften, denen diese Art von Schifffahrt nicht gefiel, verließen das Boot, das aussichtslos festsaß, und fubren von der nächsten Eisenbahnstation nach Galveston zurück. Buzzard wollte jedoch nicht so schnell seine über " AlleZ . geliebte Silver Spray" aufgeben, und blieb deshalb in seinem neuen Landhause" ruhig wohnen, 51 In allen Seiten kamen die Menschen.eb:igeströmt, um sich das merkwürdige Ereigniß anzusehen. Doch endlich wurde Buzzard die Geschichte doch zu langweilig, er kaufte sich in der Nachbarschaft ein Gespann und fuhr nach seiner Ssütlt wieder zurück.
Im Herbste desselben Jahres stattete Buzzard der Stadt Houston wieder einen Besuch ab. Der Zufall wollte es. daß gerade an diesem Tage das Inventar eines Circus und einer Menagerie öffentlich versteigert wurde. Das war etwas für unsern Buzzard. Voll des edlen Whiskys begann er sofort mitzubieten, ohne zu wissen,, um was es sich handelte. Mit 5500 erhielt er den Zuschlag für den feilgebotenen Artikel, und er war Besitzer einer 17 Fuß lanaen Schlange geworden. Für $2000 wurde ihm .als Nächstes ein bengalischer Tiger zugesprochen, hierauf für $5000 ein Riesenelephant. So bot er weiter in ganz verrückter Weise, zum größten Gaudium des Publikums. Mit der Zeit hatte Buzzard sich so ziemlich alle wilden Thiere aufgehalst, und hoch erfreut über seinen Einkauf, lud er nun zunächst die ganze Circusgesellschast &!m Trinken und hierauf das umstehende Publikum zu gleichem Zwecke ein. Die Schankhäuser machten an diesem Tage glänzende Geschäfte. Plötzlich schlug der Held des Tages vor. heute Abend eine Vorstellung zu geben und sofort einen Umzug abzuhalten. Gesagt, gethan. Man schirrte die Pferde vor die Wagen, der große Elephant ward herausgeführt und gesattelt. Buzzard war noch im Zweisei, in welcher Weise er am meisten bei diesem Schauspiel glänzen könne, als die Circusgesellschaft, die noch weiter ihren Spaß mit ihm haben wollte, ihn aufforderte, sammt seiner Familie den Elephant zu besteigen. Nachdenklich sah er sich das hohe Thier an, ließ sich aber doch schließlich von den Leuten überreden, den luftigen Sitz einzunehmen, nicht ohne aber vorher mitsammt seinem Weibe von den Spaßvögeln in lange Beduinengewänder gekleidet zu sein. So nahm denn der Umzug, unter Vorantritt einer Musikkapelle, seinen Anfang durch die Straßen von Houston. Natürlich zog die Beduinenfamilie . auf ihrem Throne eines jeden Blick auf sich, und umjubelt von der Bevölkerung zog der Scheik stolz seines Weges daher. Als man an die Küste des Bayou gelangte, ward das Rüsselthier unruhig und suchte sich den Thron der Beduinen abzuschütteln. Dann setzte es sich in Trab und eilte dem Wasser zu und stürzte sich in dasselbe hinein. Bergebens brüllte Buzzard seinem Reitthier alle möglichen Schmeicheleien in die großen Öhren, vergebens kreischte sein Weib und ebenso vergeblich jammerten die Kinder, alles dies rührte den Elephanten nicht im Geringsten. Tiefer und tiefer ging er in's Wasser, daß sich der Thron mit Wasser füllte. Zum Uebersluß sog er sich noch seinen Rüssel voll und spritzte den Inhalt desselben über die unglücklichen Buzzards, die bei dieser Douche beinahe erstickten. Doch sein Bad war noch nicht vollkommen. Langsam ließ sich das Thier auf die Vorderkniee nieder und begann sich, ohne Rücksicht auf die Beduinenfamilie zu nehmen, gemüthlich in dem schlammigen Wasser zu rollen. Glücklicherweise gelang es Buzzard, sich mit seiner Familie wieder auf's Trockene an das gegenüberliegendeUser zu bringen. Hier saßen nun die Unglückli chen. ein Bild des Jammers, in StrLmen lief das schmutzige Wasser von Gesicht und Kleidern. Aber der Anblick war zu komisch, um nicht ein' unLUslöschliches Gelächter bei dem schabenfroben Publikum hervorzurufen. Bis zum Dunkelwerden sah man die traurigen Gestalten am Ufer sitzen, endlich sank die Sonne und mit ihr verschwanden die Buzzards für immer. Niemand hörte feitdem in Houston je etwas von ihnen; es schien, als ob der Erdboden oder das Wasser sie verschlungen habe. Unaufhaltbar rollte die Zeit dahin. Das Dampfboot brach mehr und mehr zusammen und gab den Negern die gewünschte Feuerung. Die alte Hütte fiel in Trümmer und bald waren deren einstmalige Insassen der Bergesscnheit anheimgefallen. Vor ungefähr einem Jahre lief durch viele Zeitungen die Kunde, daß von dem Gouverneur Hogg auf einer Jagdpartie eine Höhle bei Houston entdeckt Tvorden sei, deren Inhalt, der nach den vorhandenen Trümmern zu urtheilen, aus vielen eisenbeschlagenen Kisten bestanden hatte, bereits von Jemand anders vorher gehoben worden war. Das brachte das Gespräch wieder auf die Buzzard's und man nahm allgemein an.- daß hier die Quelle ihres ungewohnlichen Reichthums zu suchen sei. In vergangener Zeit war die San Augustine Heerstraße der Hauptverkehrsweg zwischen New Orleans und der Stadt Mexico gewesen und auf ihr wurde fast de: ganze Handel und Verkehr seitens der spanischen Eroberer vermittelt. Eine ihrer mit Schätzen beladenen Karawanen mußte hier gescheitert sein und in dieser Höhle die Kostbarkeiten' verborgen haben. Von Neuem wuchs wieder Gras über die Vuzzard'sche Geschichte, bis ganz vor Kurzem wieder das Gespräch allgemein aus dieselbe kam. Vor ungefähr zwei Monaten' heirathete der Sohn eines ehemaligen Kaufmannes von Houston eine vornehme junge Dame in Paris, die er auf einer Rundreise durch die europäicten Länder in einer Gesellschaft von Amerikanern kennen gelernt hatte. Die betreffende Dame stammte aus Virginien. war Waise und befand sich in dem Besitze eines großen Landcomplexes in jenem Staate. Mi! offenen Armen wurde die junge Frau von ihren Schwiegereltern in Houston begrüßt; vor Allem konnte sich der Schwiegervater nicht satt sehen an seiner liebreizenden Tochter. Es war am ersten Abend; man nahm gemeinsarn das Abendessen ein.
als die junge Frau bemerkte: Es ist stets mein Wunsch gewesen, Texas zu
i besuchen. Ist es doch meine Heimath, meine Geburtsstätte. Wo bist Du denn' geboren?" fragte der alte Kaufmann. Genau weiß ich es gerade nicht erwiderte die junge Frau, ich alaube. in der Nähe des Vrazos-Flus-ses, nicht weit von Houston. Ich erinnere mich, einmal hier gewesen zu sein. Eines Tages fuhren meine Eltern mit meinem Bruder und mir zur Stadt, wo gerade ein Circus seine Vorstellungen gab. Wir ritten alle auf einem Elephanten. Zuerst war es dort oben auf dem Rücken des großen Thieres sehr schön, aber plötzlich lief es mit uns allen in's Wasser, wälzte sich in demselben, und wir wären beinahe ertrunken. Das ist alles, was mir noch über unsern hiesigen Aufenthalt in dem Gedächtniß geblieben ist." De? alte Kaufmann starrte mit offenem Munde seine Schwiegertochter an. als ob er etwas in ihrem Gesichte zu entdecken suchte. Wie hieß denn Dein Vater?- stieß er dann hervor. Bu-zard." erwiderte sie, indem sie mit fremdem Accent die letzte Silbe scharf betonte. Wieder fixirte der alte Herr seine Schwiegertochter. legte dann Messer und Gabel auf den Tisch und verließ stillschweigend die Tafel. Er ging hinaus in die frische kühle Nachtluft, und nach langem Grübeln und Sinnen murmelte er leise vor sich hin: Kein Zweifel, Bu-zard ist dasselbe wie Buzzard. so hat nach langen Jahren das Geschick die Tochter dorthin wieder zurückgeführt, wo einst die Hütte ihres Vaters stand." Schlpsel'S Tod. In einen türkischen Shawl gehüllt, auf dem Kopfe einen schwarzen StrohHut mit einem Riesenbouquet aus Klatschrosen, das weiße Taschentuch vor die Augen gedrückt, trat heftig schluchzend! die Schneidermeisterszattin Frau Marie Leineweber vor den Richter des Rudolphsheimer Bezirks, gerichtes. Bei Abgabe ihrer Generalien verfiel sie in einen Weinkrampf und der Schriftführer mußte einige Minuten warten, bis sich die Frau beruhigt hatte. Enidlich hatte sie sich soweit gefaßt, daß .sie mit Unterbrechungen, die mit lauten Schmerzens rufen ausgefüllt waren, Folgendes er zählen konnte: Wissen S', Herr Richter begann sie der Sultan" von Herrn von Hinterhoser hat schon lang' an Zurn auf mein' Schipsel g'h-abt. Allweil hat er nach dem armen Viecherl, das keiner Flieg'n was z' Leid 'than hat. g'schnappt. Na, am 23. Juli war's, i maß ganz g'nau, i führ' g'rad mein Hunderl nunter'. fahrt dös große Vieh auf ihn los und. . . mir bricht's Herz ... ganz z'samm'bissen hat er ihn, grad daß i ihm no d' Augen hab' zudrucken kinna. Nachher bin i zum Thierdoctor g'rennt und hab' mir dös Parer' ausstell'n lassen... Das is!... Ja, Herr Richter i b'.n a kinderlose Frau... mei Schipsel war mei anzige Freud', mei all's... Angeklagter Hinterhofer (die Zeugin unterbrechend): I bitt' Jhna, machen S' kane solche Tanz z'wegen so a Verreckerl! Zeugin (laut weinend): Dös is a Beleidigung (resolut): mei Freud' lass' i mir von Jhna nit verbittern, mei guat's arm's Thierl, mei arm's Schipsel. Herr kaiserlicher Rath, i verlang' 50 sl. Schadenersatz und 8 fl. für die Gang' und das Po rere. denn er war mir liab und werth. Angekl.: Der Hund ist dös gar nit werth, für so a Zaunraunkerl 50 fl. zu verlangen! Dös war no nöt da. Ja, wenn der Mann g'strurbXi war, da möchten S' kane fufzig Gulden und acht Guld'n für 'n Doctor und das Parere verlangen, gelten's! Sö san ja a priviligirte Hundsmuatta!. . . Zeugin: Ah. ah. i bitt' dö Beleidigung! Angekl. (fortfahrend): Uebrigens, Herr Rath, i muß d' Frau von Leine Weber a verklagen, sie hat g'sagt, mei Sultan sollt' g'rad so aufg'hängt totu d'n weg'n Schipsel, wie der Wondraschek. So was! Das Urtheil lautete auf 2 fl. Geld, strafe. Die untröstliche Klägerin wurde mit ihren Forderungen aus den Civilrechtsweg verwiesen. I recurrir'!" rief sie, i geh' bis zur höchsten Instanz. Der Tod von mein' Schipsel muß g'sühnt und b'zahlt werd'n." Mit diesen Worten verließ . sie. von Neuem ihren Thiänen freien Lauf lassend, den Saal. Jagdglück. Studiosus Lehmann ist vom Onkel Rittergutsbesitzer zur Jagd nach Wal denthal eingeladen worden. Böller Spannung warten Abends die Kommilitonen in der Kneife quf Lehmann, er soll ihnen von seiner Beute erzählen. Endlich tritt der Erwartete über die Schwelle. Du strahlst ja förmlich ! Hast wohl gar etwas geschossen?" wird er gefragt. Das nenn' ich eine Jagd!" jubelte dieser. Eine solche Sau' hab' ich in meinem Leben noch nicht gehabt !" Was hast Tu denn geschossen? Einen Rehbcck?" I bewahre!" Tann vielleicht einen Hirsch?- Nicht doch!" Halt, ich hab's, eine Wildsau hat er geschaffen !" Unsinn! Wildsauen giebt 's ja im Waldenthaler Revier gar nicht!" Na, zum Teusel, was hast Du denn eigentlich geschossen?" Geschossen hab ich gar nicht?, aber Rentier Säwcrt hat einen Hasen getroffen und war darüber so erfreut, daß er mir sofort fünfzig Mark pumpte." Unter Freundinnen. Frau A.: Nachbar Schulzcs Tochter hat ja morgen Hochzeit, sie soll 15 Mark Mitgift bekommen. Frau B.: Ja man spricht sogar von 155 Mark!
Ein Zlliszverständnisz. Skizze aus delt Loisiana Tramps von 23. v. Schicrbrar.d.
Nein, es war nicht mehr auszuhalten, sage ich Dir, und so bin ich davon. Sie, mag thun, was sie will, und meinetwegen den Kerl heirathen. Ich bin aber nobel g:wesen. und habe ihr das Haus gelassen, und ich selbst 'bin für's Erste versorgt never say die!" Damit trank er feinen WhiskySour aus und zog eine ansehnliche Rolle Greenbacks aus der Brusttasche heraus, sie etwas prahlerisch schüttelnd. Der Wirth, ein Deutscher, wiegte 'bedächtig das Haupt. Deine Geschichte kommt mir merkwürdig vor, Marion, ich an Deiner Stelle hätte mich doch wenigstens erst davon überzeugt, ob sie auch wirklich untreu ist, und dann hätte ich sie und ihn nicht so leichten Kaufes davonkommen lassen." Bist Du Deiner Frau schon einmal davongelaufen, John? Nicht dann Zannst Du auch nicht über den Fall urtheilen. Sie hat mich betrogen tos steht bombenfest und ich wäre ein Narr, wenn ich mir unter den Umständen noch mehr Scherereien machte. Daß ich Muth für Zwei ?abe, mußt Du ja " John Raum, der Wirth, beeilte sich, dies zu bestätigen. Und Mancher würde erst mit dem Nebenbuhler Krakehl anfangen aber das ist nicht mein Geschmack. Wenn mich mein Weib nicht mehr haben will, so gehe ich einfach. Der Andere sieht mir groß und kräftig genug aus, um sie auch zu ernähren. Das ist ganz einfach, und ich schlagt mich wieder allein durch die Welt, wie 'ich's noch vor einem Jahr gethan." John sagte nichts mehr, sondern krat wieder an das Fenster desSchankzimmers, welches- nach dem Golfe zu lag, und blickte .stumm hinaus. Der 'Sturm hatte soeben angefangen. Es pfiff und 'heulte in der Luft, als ob eine Legion Teufel losgelassen seien. Am Han peitschten die schweren Wo gen graugelben Wassers, welche die 'Gewzlt des Sturmes landeinwärts 4ri?b, Alles vor sich her. Aus der meteorologischen Station wurde eben die 'blutrothe Flagge aufgezogen, und die Bai sah schon recht bedrohlich aus. Die Wellen klatschten an die dickbäuchigen 'Schiffe an und schaukelten sie. Die Möven. grell abstechend in der blendenden Weiße ihrer Gefieder gegen eine tiefdunkle Wolkenwand, die allmälig aus dem Golf heraufgestiegen war, hatten schaarenweise das offene Meer verlassen, und schwärmten nun angsttich um die Mastspitzen. Das Unwetter wurde schlimmer und schlimmer. Die vier Halbkugeln auf der Wetterstation, die durch die Schnelligkeit ih'rer Umdrehungen die Geschwindigkeit des Windes bezeichnen, begannen in rasender Eile zu kreisen es sauste, zuckte, brüllte in der Luft, und von den Schiffen im Hafen herauf ertönte das Gerassel und Geknarr der Taue nnd Ketten und der sich beugenden Masten,' während sie gegen das Pfahltrieb derWerfte gepreßt wurden; aus der dunklen Wolkenwand stürzte, jetzt eine Regenfluth, die der rasende Wind auf Meer und Land herabgoß. Ein Moment der Ruhe kam. und darauf wieder wuchtige Stöße des Or?ans ein unbeschreibliches, wahnsinniges Durcheinander der Elemente im Aufruhr der Cyclon. Der Wirth hatte das Alles ruhig mitangesehen. denn sein Haus stand sest und sicher auf einer hohen Bank. Aber Marion's Seemannsblut war bei dem Wüthen da draußen in Wal'lung gekommen. Die Hosen hatte er in die hohen Stiefelschäste gesteckt, sei nen Matrosenhut mit einer Schnur fe.st unter dem Kinn zugebunden, die Vanda eine Leibbinde von grell'rother Farbe fest um die Hüfte ge Ivunden, und dann die Treppe hinabgestUrzt. auf dem Wege noch eme Axt 'von der Wand reißend, die im Hafen on Nutzen sein konnte. So eilte er nach dem nächsten Quai. Im Hafen sah es wild aus dort trieb Alles durcheinander, selbst HolzDäuser, !die fortgeschwemmt worden waren vom Lande. Die Werste stand nnter fußhohem Wasser, und die holzernen Seitenwege und die aufgestavelten Baumwollenballen schwammen In Gemeinschaft daher. . In die Straßen sogar wurden Schiffe getrieben; leichte Cottages auf ihrem Wege von den Pfeilern, auf denen sie ruhten, stoßend, wurden diese Fahrzeuge erst 'durch die größten und .massiveren Häuser aufgehalten, so daß die Mannschaft über den Bugsprit in die Fenster schauen konnten. Ueberall e-in Graus der Verwüstung, wie wenn Niesen hande achtlos das Menschenwerk durcheinander geworfen hätten in dem Jubel überwitziger Zerstörungslust. Dutzende der kleinerenSegelschiffe waren gekentert, und ihre Mannschaften hatten sich mit knapper Noth aus den trüben Fluthen gerettet. Marion Nandall. soeben noch traurig und unschlüssig dareinsehend. war )'ti in seinem Elemente. Als einer 'der Ersten und Tüchi'.gsien war er da. 'dem Zerstörungswerke Einhalt zu be--reiten. Seine mächtig? Stimme übertönte das Heulen des Sturmes und seine Axt zischte durch die Luft, um 'die Taue, welche die Schiffe in Gefahr brachten, zu kappen. Da schütlelte ihn jemand am Aermel, und sich umwendend, gewahrte er den Mann, der ihm das Glück seiner jungen Ehe zerstört hatte und den er nie hatte wie-' versehen wollen. Leichenblaß und mit schlotternden Beinen schrie der ihm zu: , Der Sturm schwemmt die Häuser um Strande weg Eure Frau ist in Gefahr!- ,
Er hielt einen Augenblick inne vtnl t Axt zitterte in seiner Hand. Wie wenn er dem Elenden jetzt den Schädel zerschmetterte? Doch nein! Mann," stieß er keuchend hervor. geht doch Ihr hin und rettet sie; Was Zümmert's mich jetzt? Und geht mir aus den Augen, sonst Der Andere wich vor dem Zornigen zurück, und er sank auf einem nassen Vaumwollballen hin. Und einen solchen Feigling konnte seine Frau ihm vorziehen? Unbegreiflich. . Dann wandte sich Marion Randall wieder dem Rettungswerk zu doch nicht für lange, denn, der Gedanke an seine nun ganz verlassene Frau ließ ihm keine Ruhe. Nach einigen Augenblicken des Nachdenkens warf er die Axt hin und verließ die Werft. Er war sehr bleich geworden. Auch der Andere war verschwunden. Zuerst ging er langsam, zögernd, wie mit sich uneinig. Das tiefe Was ser in den Straßen ließ ihn auch nur langsam vorwärts kommen. In einem Leihstall, wo man ihn kannte, miethete er ein Pferd und platsch! platsch! das Pferd trug ihn weiter, und er klopfte den Gaul liebkosend auf die nasse Mähne. Jetzt gelangte er in die Vorstadt am Strande, wo die Häuser vereinzelt standen. Wenn es klar gewesen wäre, so hätte er schon sein Haus sehen kön nen, aber der dichte Regen verhinderte die Fernsicht. Ein von seinen Pfeilern emporgehobenes und von den Bewohnern verlassenes Haus trieb jetzt in seiner Nähe in den Golf .hinaus. Er machte einen Umweg auf trockenem Lande und orientirte sich. Dort ja dort stand sein Haus! Er erkannte es an den Fensterläden. Aber zwischen ihm und dem Hause tobte jetzt die See über einer Vertiefung, die der StuM noch mehr ausgehöhlt hatte. Doch er besann sich nicht. Das ermüdete Pferd antreibend, suchte er seinen Willen durchzusetzen. Wieder versank das Pferd und er glitt herunter, um schwimmend das Haus zu erreichen. Eine mächtige Woge riß ihn zurück; er versank, tauchte wieder auf und zog sich, einen Oleanderzwaig erfassend, auf die Verandah empor. Das Haus war zwar von den Pfosten emporgehoben, aber das dichte Buschwerk der niedrigen Düne, hinter welcher es gebaut war. hatte es davor bewahrt, weggeschwemmt zu werden. Die Vorderseite' lag trocken auf der Düne,' während der andere Theil tief im Wasser und Sand gebettet war. Mit Aufbietung aller Kräfte denn der Orkan blies noch machtig, kletterte er auf der Verandah weiter. Da prallte er zurück. Auf 'der Verandah. das Gesicht mit einem Tuch verdeckt, lag sein Weib, leblos, wie todt. Marion riß ihr die Verhüllung vom Kopf zwei rothgewelnte Augen und kin bleiches Gesicht kamen darunter zum Vorschein. Warum rettetest Du Dich nicht bei Zeiten, Nancy?" frug er. Weil ich nicht wollte." lautete die trostlose Antwort. Marion sagte nichts, sondern überzeugte sich erst einmal von dem Zustände des Hauses. .Im Inneren lag Alles wild durcheinander Möbel zerbrochen. Decken durchnäßt. Abu keine Wand wa? geborsten, und wenn erst der Sturm vorüber, würde es leicht sein. Alles wieder herzustellen, denn das Haus war solide zusammen-, gefügt. So kam Marion endlich wieder zu der noch immer dahingestreckten Gestalt seines Weibes zurück. Still setzte er sich neben sie hin und eS vergingen einige Stunden. Keines von Beiden sprach ein Wort. Das Wasser raste um das Haus, und der Salzschaum flog gegen das bärtige, gebräunte Geficht des Mannes. Doch das Schlimm--sie war offenbar überstanden; die Wuth der Elemente hatte ihren Höhe Punkt überschritten, und der grause Wirbelsturm war weiter nach dein Osten zu gerast, hinter sich alle Gräuel der Verwüstung lassend. Er erhob sich. Nancy, was ist Dir?" frug er. DaS junge Weib hob ihr bübsches, aber noch immer leichenblasses Gesicht, das von 'dunklem, krausem Haar eingerahmt war. und sah ihren Mann mit trüben Blicken an. Du willst mich auch verlassen hast mjch vielleicht schon für inuner verlassen?" sagte sie. , Marion kratzte sich hinter den Ohren. Die Frage schien ihm merkwürdig. Sieh her. Nancy". bemerkte er zuletzt, ist es nicht das Beste für Dich und mich, wenn ich ruhig und gutwil liz gehe und dem Andern das Feld klar lasse? Und damit Du siehst, daß ich Dir nicht zürne, will ich mein Geld redlich mit Dir theilen. Du wirst's jetzt vielleicht brauchen können." Dar'übcr zog er seine Rolle durchwässerter Banknoten hervor und sing an. dieselben zu theilen. Nancy schnellte auf und legte ihm die Hand auf den Mund. Du thörichter Mann was hast Du eigentlich geglaubt?" sagte sie schluchzend. Was ich geglaubt habe nun, das was' Jeder geglaubt hätte, der die Heimlichkeiten zwischen Dir und dem Fremden b?obachtet hätte daß er Dein Liebhaber ist und daß Du lieber ihm angehören willst als mir. Verweigertest Du mir nicht jede Auskunft, und hast Du nicht noch gestern Abend, rifepgert; meinen? Befehl, das Haus verlassen, um diesen Anderen, diesen muthigen Gentleman, der Dich in der Gesahr so tapfer beschützt hat. aufzu.suchen? Sag' selbst, gibt es da eine 'andere Erklärung?" Ja es gibt eine und jetzt, da
dem Änderen von Dir wenigstens ke'.n Gefahr mehr droht, und da er die Stadt verlassen will ich Dir auch
die Wahrheit sagen. Jener Anderes mein Bruder mein unglücklicher, beweinter Bruder den ich und meine Mutter seit Jahren flehentlich gebeten haben, sein wüstes, verbrecherischeS Leben aufzugeben und ein anständiger Mensch zu werden." Dein Bruder? Nicht möglich warum denn alle diese Heimlichkeit, warum sagtest Du mir die Wahrheit nicht gleich?" Mit guten Gründen weil mein Bruder ein gefürchteter Desperado ist,' auf dessen Tödtung oder Ergreifung von-, Gouverneur des Staates $5000 Belohnung gesetzt sind. Er befürcht tete. Du möchtest ihn verrathen, wisftnil'ch oder unwissentlich, und deshalb war ich gezwungen, die Wahrheit vor Dir geheim zu halten. Ich suchte ihn davon abzuhalten, wieder in die Wildniß, in ein Leben des Verbrc chcns und der Schande und stündlichem Todesgefahr zu gehen, und mehrere Tage lang habe ich ihn mit Bitten und Drohungen bestürmt, um seinen Entschluß. abermals an die Bayou Malsaine, wo seine Genossen auf ihn warten, zu gehen. Aber vergebens und tas war det Schmerz, der mich seit mehreren Tagen verzehrte, bis ich bemerkte, daß auch Du mir Kummer bereiten wolltest, verursacht durch eine ganz grundlose Eifersucht." Marion schloß seine Nancy jubelnd in die Arme, und während draußen noch immer das Unwetter tobte und die grauen, schmutzigen Wellen noch immer platschend gegen die Ufer schlugen, wurde hier eine Wiedervereinigung gefeiert.
VlaucS Dlur. Vor der ersten Revolution gab es in Frankreich an 50,000 - adelige Fami-lien,-von denen heute kaum die Hälfte sich in entsprechender wirthschaftlicher Stellung befinden dürste. Zahlreiche Nachkommen altberühmter Geschlechter leben in sehr bescheidenen Verhältnissen. In Guerande (Bretagne) ist ein Nachkomme des Ritter Beaumanoir, Wafsengefährten Duguesclins, einfacher Zollbeamter; in Carnac (Bretagne) führt die Marquise de Torccyd'Etallonde eine bescheidene Schankwirthschaft; in Epernay ist ein Graf de la Marche einfacher Stubenmaler; ein Baron d'Hauteroche ist Gendarm in .Gramat ; ein Graf de Saint-Meg-rin ist Droschkenkutscher zu Paris; ein de Grailly, Nachkomme der souveranen Grafkn v. Foix. ist Chorist in der Großen Oper; ein Baron de Rosgrand Müller; ein Graf Jean de Retz, Großneffe des 'berühmten EardinalS de Netz, Dorfmusiker unÄ Todtengrä ber in der Normandie; ein MarquiZ de Follign5 Omnibusschaffner in Paris; Louis de Crequi. Nachkomme deZ berühmten Marschalls. Ackerwirth in ßaint.Omer,; ein Graf d'AubenaZ Grenzwächter im Departement RhoneMündungen ; ein Graf de Saint-Jean handelt mit Mausefallen ; ein Nachkomme der Valois ist Briefträger in Saint-Ehamas. Aehnliche Beispiele ließen sich zu Hunderten, ja Tausenden anführen. Hm Beamten- und Offic '.erstände befinden sich jetzt noch mehrere Tausende altadeliger Familien, die meist wenig oder gar kein Vermögen besitzen. Unter den Schauspielern, selbst unte? dem fahrenden Volk, gibr es manche Adelige; unter den Pariser Schriftstcllern zählt man sie nach Hunderten. Der bekannteste davon ist Rochesort. eigentlich Marquis de Rochefort-Lucay und in seiner Jugend kleiner Beamter in der Stadtverwaltung. Unter den Gelehrten. Künstlern, Handwerkern, überall finden sich Adelige ohne Vermögen, die ganz auf persönlichen Erwerb angewiesen sind. Dabei gibt es einige Tausend neugebackene oder selbstgemachte Adelige, die freilich alle reich sind, und denen eZ oft gelingt, sich mit Altadeligen, zu verheirathen, die kein Vermögen haben. Mehrere Tausende adelige Familien sind durch reiche Heirathen wiederum zu Vermögen gekommen. Ein Pariser Wechselmatter will mindestens einen Grafen zum Schwiegersohn. Alle Bankierfamilien haben daher, adelige Verwandte. Dieses Jahr sind in Paris wiederum eine Anzahl derartiger Heirathen, zu verzeichnen. So die des Grafen de Bejarry mit einer Tochter des Bankiers Hellmann (der durch das in seinem Hause eingerichtete Wagner-Thea ter einen Namen in der Kunstwelt erlangte). Der reichste Adelige dürfte der Herzog von Lhuynes sein, der 2 Millionen Einkommen haben soll,dann der Herzog d'Uzds (1 Min.), de? Herzog Larochefoucauld-Bisaccia (1. 200.000). der Herzog d'Etampes (1 Mill.). Graf de BourgeS (1. Mill.) u. s. w. Sicheres Zeichen. Arzt: Haben Sie je in Ihrer Familie Symptome von Geistesstörung bemerkt?" Herr: Ja. meine Schwester hat. mal einem Millionär einen Korb gegeben!" Die beste Empfehlung. Hausherr: Und weshalb haben Sie Ihre letzte Stell: verlassen?" Stellunqsuchendes Mädchen lzögcrnd): Ich habe mich vom Herrn... küssen lassen." Hausherr: Gut. Sie können morgen antreter'.." Gute Referenz. Ich gestatte mir. um die Hand Ihres Fräulein Tochter anzuhalten, Herr Zinsmann." Wucherer: Was, junger Mann! Sie kenne ich ja gar nicht! Hier haben Sie meine Tochter!" Höchste Empfindlichkeit. Herr: .Sie haben also noch einen Bruder?" Fräulein: Ja!" Herr: Sind Sie jünger, oder ist Ihr Herr Bruder jünger?" Fräulein: Aber werden Sie d?ch nicht beletdigend!" '
