Indiana Tribüne, Volume 18, Number 345, Indianapolis, Marion County, 1 September 1895 — Page 6

Mutter und Kind.

Von Moritz BlankartZ. .'Sprich' Mutter. WZ ist doch der 33a ter mein? Ich hab' ihn lang' nicht gesehen!er Eibfeind wollte erobern dm (Rhein Da mußt' er zum Kampfe gehen UM Mein Vater gehört nicht zum Kriegerstand. Was hat er im Felde zu schaffen?" Nicht Söldner kämpfen für's Vater. land. Es streitet ein Volk in Waffen!' tun Wann kehrt denn der Vater zurück aus dem Krieg, Daß Kränze zum Willkomm ich -mache?" Sein Vater bezahlte mit Blut den Sieg; Er starb der heiligen Sache!"" Mein Vater gefallen? O Jammer und Noth! Und du kannst so ruhig erscheinen?" .Ihm wurde alZ Held der herrlichste Tod. Und Gott wird uns wieder vereinen."" So komm', laZ uns schmücken den Leicheitstein Mit frischen Blumengewinden." Sie scharrten mit seinen Genossen ihn ein. Die Stelle ist nicht mehr zu finden!"" Kein Grab in geweihtem Boden er fand?" Und 'doch ist er selig gestorben: Denn wer gefallen für's Vaterland, Der hat sich den Himmel erworben!"" Zlissa. Von Albert Tclpit. Gaston zündete sich eine Cigarette an und sprach: Die Geschichte ist nicht lang, aber sie ist dramatisch. Teufel! wenn ich daran denke, überfällt, mich ein leises Zittern. Du erinnerst Dich, daß mir das Ministerium der schönen Künste vor zwei Jahren eine Misston nach Persien anvertraute. Es handelte sich darum, die Provinz IrakAdZemi zu studiren und zu beschreiben. Ich ließ mich zunächst in Js vahan nieder. Nach drei Monaten war ich fertig. Wäre ich aber sofort zurückgekommen, niemals hätte man mich im Ministerium ernst genommen. Ich langweilte mich also zum Sterben, als die Negierung wechselte. Der Schah schickte an Stelle des alten Gouverneurs seinen Veiter Malkom Khan." Derselbe, der Frankreich bereist hat?" Ja. Und Du hast auch einen von meinen Helden gekannt. Mehmed Aga, der Ordonnanzofficier des Prinzen war. Er hatte den Rang eines Generals, oder wie man in Persien sagt, eines SertipV Ich weiß. Ein Mann von etwa 30 Jahren, elegant und fein, der manchmal mit uns soupirte?" Du kannst Dir meine Freude denken. als ich ihn dort unten wiederfand. Nach acht Tagen waren der Sertip" und ich unzertrennliche Freunde." Und das Drama?" Du hast es aber eilig. Ich bin erst bei der Exposition. Eines Tages reite ich durch die Stadt und weide mich wohl zum hundertsten Male an ihrem feenhaften Anblick. Denke Dir ungeheuere Avenuen. die zur Rechten und Linken mit seltsamen Sträuchern bepflanzt sind. Denke Dir " Ach, nur keine Beschreibung, mein Lieber. Du arbeitest jetzt nicht für das Ministerium, Du hast mir eine dramatiscke Geschichte versprochen.also erzähle. Und vor allen Dingen keine Beschreibungen!" Gaston stieß einen Seufzer aus und fuhr fort: Ich kam an den Kiosk von Tsche-chel-Sutun. als ich auf der Straße eine Frau in einer Sänfte erblickte. Gewöhnlich gleichen die Perserinnen auf der Straße Packeten. Sie sind natürlich verschleiert oder tragen, richtiger gesagt, eine Art Vorhang auf dem Kopf.der ihr Gesit bedeckt. Ausnahmsweife zeigte die Perserin, der ich begegnete.' eine feine, anmuthigc Ge stalt. Mein Werd ging im Schritt und folgte ganz langsam der Sänfte. Es war mir. als drehte sich die Unbekannte zwei- bis dreimal um. Aber da solche Abenteuer im Orient ziemlk& unwahrscheinlich sind, so achtete ich nicht besonders darauf. Ich hatte die Begegnung beinahe vergessen, als ich zwei Tage darauf wieder der Sänfte begegnete. Diesmal war ich nicht allein. Mehmed Aga begleitete mich. Auf den ersten Blick erkannte ich die Verschleierte. Wie vor zwei Tagen wandte sie sich um. diesmal aber länger. Ich sah den Sertip" an. er that, als habe er nichts gesehen. So ritten wir etwa zehn Minuten neben einander ber, als die Sänfte sich plölich der DZulffabrücke zuwandte. Diese Brücke ist eine der schönsten auf der Welt. Sie hat drciunddreißig riesige Bögen. Im Sommer kann man den unter der Brücke dahin?!ßcnden Zend-Dherud trockenen Fußes durchschreiten; im November, den wir damals hatten, sind seine Gewässer beftiq und reiszend wie ein entfesselter Alpenstrom. Da die Brücke am Abend ziemlich beleb! ist, so zögerte ich. meincr Unbekannten zu folgen, denn ich fürchtete, sie zu compromittiren; sie aber zögerte nicht. Plötzlich beugte sie sich halb aus der Sänfte und ließ ihr Taschentuch fallen." Ah! ah! .... Und der Seriip feite nichts?"

Für den Augenblick, nein. Die ganze Zeit blieb er in tiefes Sinnen verloren und biß sich mit zerstreuter Miene auf den Schnurrbart., Als wir vor dem Palast angelangt waren.saate er zu mir: Kommen Sie doch ein wenig herein!" Wir saßen in seinem Cabinet und er fuhr fort: Mein Lieber, ich habe Ihnen eben nichts gesagt. Aber Sie sollten dieses feine Taschentuch sofort in's Feuer werfen, anstatt es inbrünstig an Ihr Herz zu drücken." Sie meinen?" Ich meine, Sie sollten sich nicht erwüraen oder erstechen oder in den Aend-Dherud werfen lassen. Ich stehe an der Spitze der Stadtpolizei und ich bin der französischen Gefandtlchaft für Ihre Sicherheit verantwortlich." Aber..." Kein Wort! Ihr Pariser seid wirklich wunderbar! Ihr glaubt Euch überall auf dem Boulevard des Capueines! Wir sind im Orient, mein Bester, und im Orient spaßen die Ehemänner nicht. Ihre Unbekannte ist für mich keine Unbekannte. Sie heit Nissa." Nifa!" Wenn dieser Name auch reizend ist. so ist es doch der Gaite keinesWegs. Er ist ein sehr reicher Kaufmann aus dem alten Viertel, wegen seiner Heftigkeit und seiner Eifersucht berühmt. Seine Mutter war englischer Herkunft; aber er hat die orien talischen Sitten angenommen und würde Sie wie einen Hund tödten." Und wie helfet dieser Blaubart von Jspahan?" Aftulla. Ich wünsche Ihnen nickit, da Sie seine Bekanntschaft machen. Aber Sie wissen ja. wo er wohnt. Er bewohnt jenes Haus am Ufer des Flusses gerade am Ende der Brücke. Und was erzählt man von Nissa?" O mein Himmel! man bekümmert sich hier nicht um die Frauen, oder wenn man sich um sie bekümmert, so näht man sie in einen Sack und wirft sie in's Meer!" Gräflich!" Oh! wir sind jetzt cioilisirt," fuhr der Sertip kaltblütig fort. Früher hätte man noch eine lebende Katze in den Sack gesteckt. Durch das Wasser wüthend qemacht. zerrih die Katze der Frau das Gesicht. Das wird jetzt nicht mehr gemacht, wenigstens nicht so läufig. Der Einfluß Europas! Diese kleine Unterhaltung dämpfte meine Leidenschaft ein wenig. Uebrigens war Mehmed Aga so ge,schmackvoll, das Thema zu wechseln. ?ch speiste mit ihm und Abends ließ er Musikanten kommen. Aber ich blieb zerstreut. Noch immer sah ich die anmuthiqe junge Frau, wie sie sich aus der Sänfte lehnte, noch immer sah ich die kleine Hand, die das Taschentuch fallen lieft. 'Wie ein Name aus einer alten Ballade klang mir's in's Ohr: Nissa! .... Nissa!" Die ganze Nacht träumte ich von ihr! Ich träumte, man präsentire mich einer großen Katze. Namens Astulla, die mir das Gesicht zerfetzte. Am nächsten Morgen wachte ich gegen 10 Uhr, . in Schweift gebadet, auf. Am Abend schöpfte ich eben auf der Terrasse frische Luft, als eine furchtbar häftlickie Alte durch die niedrige Thür des Hauses huschte. Sie wollte mit mir sprechen. Bist Du tapser?" sprach sie leise in gebrochenem Englisch, das ich kaum verstand. Ich lächelte über diese merkwürdige Anrede und sie fuhr fort: Es ist Nacht; Niemand wird uns sehen. Folge in!r. Ich werde Dir ein Band über die Augen binden und Du wirst mir schwören, daft Du nie ersah ren willst, wohin ich Dich bringe." Ich Versprechens Dir!" Damit ging ich schnell in mein Zim mer und steckte einen Revolver zu mir. Fünf Minuten später waren wir unterwegs. Wir gingen bis zur Djulffabrücke, dann blieb die Alte stehen.nahm ein Tuch, aus der Tasche und band es mir geschickt über die Augen. Ich konnte nichts mehr sehen und nun ergris? sie meine Hand und ich lieft mich fübren. An dem frischen Luftzuge errieth ich. daft wir über den Fluft gingen. Nach einigen Augenblicken wandte sich die Alte nach rechts; aber wir verlieften die Ufer des Zend-Dhe-rud nicht. Endlich machte meine Fllhrerin Halt, ein Schlüssel knirfchte.und die Alte sagte in leisem Tone: Geh' hinauf!" Nur fünf Stufen, dann fühlte ich. daft meine Füfte auf einen dichten, weichen Teppich traten, und gleichzeitig rift sie mir die Binde ab. Ich befand mich in einem ziemlich kleinen Zimmer, das nur mäftig durch eine Kuvferlampe erhellt wurde. An den mit gelbem Cachemir ausgeschlagenen Wänden hingen Musikinstrumente. Von draußen vernahm man das dumpfe. regelmäftige Murmeln des Flusses. Da plötzlich hörte ich hinter mir ein leichtes Geräusch auf dem Tevich. fi wandte mich um; es war Nissa. Ich blieb geblendet. Sie mochte etwa 17 bis 18 Jahre alt sein. Lange, schwarze Haare umrahmten den kleinen. feingeschnittenen Kopf, in welchem zwei dunkle Augen wahre Feuergarben sprühten. Wie alle Orientalinnen hatte auch sie sich . Wimpern und Brauen geschminkt. Sie lächelte und sah mich mit ihren leuchtenden Auoen ruhig an. Ich erinnerte mich an die Worte des Sertip" und dachte an ihren eifersüchtigen Gemahl. Indessen ergriff, sie meine Hand und zog mich auf ein Sopha, wobei sie in ruhigem Tone sagte: .Mein Mann ist nach Teheran ge

reis wir können in aller Ruhe plaudern." Sie sprach engl'rsch mit etwas scharfen Gaumenlauten. Dann schlug sie mit einem Kupferring auf ein Tam burin. und man brachte Kaffee. Da rauf begann sie lebhaft zu plaudern und erzählte mir. .sie langweile sich schrecklich. Wir wareni in eifrigste? Unterhaltung begriffen, als sich im Nebenzimmer plötzlich ein Geräusch vernehmen lieft. Mit todtenblassem Gesicht sprang sie empor, huschte mit katzenartiger Gewandtheit zur Wand, rift ein dort hängendes Messer herunter und lieft es in dem Aerme! ihres Gewandes verschwinden.. Dann wandte sie sich nach mir um. raunte mir mit energische? Geste 'ein gebieterischek Warte!" zu und verschwand hinter der schweren Vortiere!" Eine dumpfe Unruhe bemächtigte sich meiner. Ich erinnerte mich der Warnung des Sertip". Plötzlich vernahm ich wieder Geräusch in dem Nebenzimmer; heftige Stimmen; dann ein kurzer Kampf und endlich tiefes Schweigen. Plötzlich hob sich die Portiere wieder und Nissa erschien. Sie war todtenblaft und hielt sich an der Mauer fest. Aber sie lächelte noch immer und zeigte dabei ihre schönen weiften Zähne. Langsam trat sie auf mich zu; das Messer und ihre Hände waren roth. .großer Gott, ws qibt's denn?" Nichts!" erwiderte sie. Dann warf sie das Messer in eine Ecke und sagte mit gröftter Ruhe: Es war mein Gatte. Er hätte uns getödtet. Ich habe es vorgezogen, ihn zu. tödten. Komm, hilf mir, den Leichnam in's Wasser werfen." Ich blieb unbeweglich und starrte sie an. Auch sie blickte mich an und ihre Augen drückten die tiefste Verachtung aus. Dann sagte sie in einem Tone, den ich nie vergessen werde: These Frenchrneii .... What nervousness!" Lächelnd zuckte sie die Achseln und rief eine Dienerin, der sie das Fenster zu öffnen befahl. Dann hoben beide mit gröftter Gemächlichkeit den Körper auf und warfen ihn in den Fluft. Ich muft gestehen, die Sache wurde mir doch etwas zu orientalisch. Eine mahnsinnige Furcht hatte mich gepackt und wie ein Verrückter stürzte ich von dannen. Nach zehn Minuten befand ich mich wieder in der Stadt, die ich eiligst durchlief, als wenn mich eine Legion von Teufeln verfolgte. In meiner Wohnung angelangt, schloß ich mich dovvelt ein und verfluchte Nissa und alle Huris des Orients. Ich verbrachte eine schreckliche Nacht. Erst gegen Moraen schlief ich ein. Als ich erwachte, stand die Sonne schon hoch am Himmel. Was würde nun geschehen? Ein Mensch verschwindet doch nicht so ohne Weiteres! Den ganzen Tag blieb ich angsterfüllt in meiner Wohnung, denn ich wagte nicht, auszugehen. Der Abend brach berein, ohne daft ich irgend wel che Nachricht von Nissa erhielt. Hatte man sie verhaftet? Was war aus ihr geworden? Ich legte mich frühzeitig nieder, konnte aber nicht einschlafen. Endlich am zweiten Tage konnte ich es nicht mehr aushalten und beschloft. meinen Freund, den Sertip", aufzusuchen. ?trf) ging gegen Mittag in sein Palais; man sagte mir, er wäre wie gewöhnlich in seinem Arbeitszimmer. Ich lieft mich melden und trat ein. Der Sertip rauchte, auf dem Sopha liegend, seinen Tschibuk und sagte, als er mich bemerkte: Ach! Sie sind's? Sie befinden sich wohl?" Sehr wohl! Danke!" Uebrigens," fuhr er fort, wissen Sie schon?" Was denn? Nein, ich weift nichts." Sie erinnern tf doch an Aftulla, den reichen Kaufmann aus dem alten Viertel?" Ob ich mich...." Nun ja. der Gatte Nissa's. von dem ich fhntn erzählt habe." Ich fühlte, wie ich bis in die Haarwurzeln roth wurde. Es war aus, das Verbrechen war bekannt. Leise stammelte ich ein undeutliches Ja!" Der arme Teusel!" fuhr der Sertip fort; er ist plötzlich verschwunden!" Mir war die Kehle wie zugeschnürt; dennoch konnte ich noch antworten: Wie! er ist ... er ist .... verschwunden?.... Ah! - das ist ja merkwürdig!" Der Sertip sah mich fest an. Ich wollte ihm schon Alles gestehen, als er plöklich sagte: Er wollte nach Teheran reisen. Und plötzlich .... wie weggeflogen ! Man hat nichts mehr von ihm gehört!" Zum zweiten Mal sah mich der Sertip starr an. Eine kurze Pause trat ein. Dann stieft er eine lange Rauchwolke aus und fügte mit größter Seelenruhe hinzu: Allah ist groß!" Eine neue Erfindung. A.: Wissen Sie. da hat neulich Je mand ein Hemd erfunden, das sei nen Knopf hat." B. (mit einem Seitenblick auf seine Frau): O. lieber Freund, solche trage ich schon längst!" Studentenlogik. Warum nennt Ihr Euch untereinander eigentlich immer altes Haus?" Bemoostes Haupt: Weil wir uns oft restauriren" müssen!" Im Bade. Aber Gretchen, Du hast vorhin mit dem Lieutenant ein Rendezvous am Strande gehabt!?" Backfisch: Ja. wie soll ich denn sonst meinen Aufsatz: Reiseerlebnisse" machen!?"

'"'Im Fränkischen Zlczatthal. Wer als Tourist das alte Nürnberg besucht und seine Straßen durchwan dert bat. wer die dortigen einzig sch'önen Kirchen gesehen und dabei die vielen daselbst noch befindlichen Kunstschätze zu bewundern Gelegenheit fand, wird wohl thun, eir.en Erholungsausflug in das nahe, landschaftlich schöne und an geschichtlichen Erinnerungen so reiche fränkische Rezatthal hierauf zu machen.

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OMtWM Stadt Aöenverg. Wir benutzen dabei die Eisenbahn, fahren an der mittelalterlichen Stadt Schwabach vorüber und machen an dem industriell hervorragenden Orte Roth Halt. Von dort aus betreten wir die Landstraße und nehmen' den Weg. an fruchtbaren Gefilden und einzelnen Waldstrecken vorüberkommend. nach Stadt und Schloß Abenberg. In einer guten Stunde ist der äufterst malerisch gelegene Ort erreicht und schon von ferne können wir uns an dem Anblick de? alten Burg mit ihren mächtigen Thürmen und Zinnen erfreuen. Die Stavt mit ihren reinlichen Straften durchwandernd, kommen wir. nachdem uns in der am Fuße des Schlosses gelegenen Schenke ein köstlicher Trunk bayerischen Vieres kredenzt wurde, zum östlichen, von einem weit stch ausdehnenden Wiesenplan begrenzten Eingange der Burg Abenberg. Der luftige Burghof, den wir betreten, bot vor Jahrhunderten genügend Raum für alle jene Ritteri tr . -2r Burg Abenberg. spiele und glänzenden Feste, welche in ihm abgehalten wurden. Lebte doch daselbst das mächtige und edle Geschlecht der Grafen von Abenberg, von denen verschiedene Geschichtsforscher die Herkunft der Burggrafen von Nürnberg, den Ahnherren des jetzigen deutschen Kaiserhauses, herleiten. Aon den Thürmen der Burg schaut man weit in das Land, und zu unsern Füften liegt jener Anger, auf welchem die Turniere stattfanden, welche der größte epische Dichter des deutschen Mittelalters. Wolfram von Eschenbach, dessen Schloft nur wenige Stunden von Abenberg entfernt lag, in seinem Heldengedicht Parzival besingt. Und Tannhäuser nennt den Grafen Friedrich II. von Abenberg einen Beschütz der Dicht- und Sangeskunst und stellt ihn in eine Reihe mit Herzog Berthold IV. von Meran, Welf VI. von Schwaben, Graf Hugo III. von Tübingen und dem besonders hoch gefeierten Landgrafen Hermann von Thüringen. Und dieses Abenbero. in welchem die berühmtesten deutschen Dichter und Minnesänger vor mehr als einem halben Jahrtausend ihre Weisen erklingen ließen, ist jetzt das Heim eines der gefeiertsten Sänger der Jetztzeit, Anton Schotts, geworden, der als Officier im deutschfranzösischen Kriege stch hohe AusZeichnungen erkämpft und auf den Brettern, welche die Welt bedeuten.den Lorbeer durch die Macht des Gesanges errungen hat. Strafte in Spalt. Nehmen wir, noch einen Blick auf die schöne westliche Partie der Burg Abenberg werfend, Abschied von der. selben und lenken unsere Schritte dem nahen Wald zu, dessen Straße uns nach einer kurzen Strecke mitten durch duftige Hopfengärten zur Stadt Spalt führt. Dieselbe wird bereits 1037 urkundlich genannt und kam im Jahre 1296 aus dem Besitz der Burggrasen von Nürnberg in jenen des Bischofs von Eichstätt. Spalt hat neben einer interessanten, durch Doppelthüren gezierten .Stiftskircke eine noch aus früher Zeit stammende Vefestigung, wie eines unserer Bilder zeigt, und neben dem Ruf, den besten Hopfen des europäischen Festlandes zu bauen, auch den Ruhm, der Geburtsort Georg Spalatins zu sein. Von Spalt aus statten wir der malerisch gelegenen Burg Wernfels einen Besuch ab. deren innere, mit Waffen und allerlei Kunstjeräthen ausgestatteten Räume Zeugnift geben von der feinen Geschmacksrichtung ihres derzeitigen Besitzers, deZ berühmten Schlachtenmalers

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Louis Braun. Das nächste Zi?l unserer Wanderung ist das altcrthümlich Gefestigte Sdtchen, Eschenbach.

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StadtmauervonSpalt. das wir. ein wiesenfrisches Tbälchen durchwandernd, in ' nicht gar langer Zeit erreichen. D:r malerisch schön gelegene Ort war in der zweiten Hälfte des dreizehnten Jahrhunderts eine Eommende des Deutschordens. Während des dreißigjährigen Krieges wurde die Stadt durch die Schweden gestürmt und geplündert. Im Jahre 1796 kam Eschenbach mit den Ansbachschen Landen an Vreußen und 1806 durch Decret Napoleons an Banern. Aus dem schon im elften Jahrhundert in genannter Stadt ölü. Thor von Eschenbach. henden Geschlechte der Ritter von Eschenbach stammt, wie neuere Forschungen nachgewiesen haben, der größte Dichter des Mittelalters, Wolfram von Eschenbach, der zwischen dem Ende des zwölften und dem Anfang des dreizehnten Jahrhunderts lebte. Im fünfzehnten Jahrhundert machte der bayerische Ritter PNttrich von Reicherzhausen eine Fahrt nach Eschenbach, um das Grab Wolframs aufzufinden. In so mancher Kirche der dortigen Gegend suchte er den edThor von Merkendorf. len Sänaer und zwanzig Meilen ritt er in's Land, bis er sein Ziel fand. Er sagt hierüber in seinem Bericht: Begraben und besarckht Ist sein gebein, das edel, In Eschenbach, dem Markt; In unser Frawen Münster hat er sedl." Auf dem schönen Marktplatz seben wir die in ihrer jetzigen äußern Gestalt aus dem Jahre 1429 stammende Pfarrkirche und das 1471 erbaute Rathhaus. Daselbst ist auch das mit einem Brunnen verbundene, im Jahre 1860 durch König Maximilian II. von Bayern errichtete und von dem Münchener Bildhauer Knoll hergestellte Denkmal Wol'rams von Eschenbach, der. lorbeergekrönt, in der Linken das Schwert und in der Rechten die Leier haltend. Ritter und Dichter zugleich, auf dem Piedestal sich erhebt. Eschenbach verlassend, erreichen wir nach kur zem Weg das Endziel unserer Wanderung, das schon im 12. Jahrhundert .tWi . V,!?- a - . w,- 1 wt a. iiRinrj - - MSppm-rntcm-.Ti m -ii t-u.J?i? -Ärfir. jr. ,v-ffrjeX Stadtmauer von Merkendorf. gegründete Merkendormit seinen malerischen Stadtmauerpartien. Nach kurzem Aufenthalt daselbst wenden wir uns. in jeder Weife durch unsere Wanderung, befriedigt, nach Ansbach. um von dort aus mit dem Dampfroß dem alten Nürnberg, dem AusgangsPunkt dieser Lenzfahrt, zuzueilen. W enn ich längere Zeit mit dem Dichter B. .. verkehre, kommt mir der schreckliche Verdacht, daß er sich selbst verfaßt hat. Zweifel. Spitzbube (der in seiner Westentasche einen Verlobungsring entdeckt): Jetzt weeß ich nich hab' ich den Ring gestohlen oder bin rch verlobt? Im Eifer. Backfisch: Gestern hat mich der Lieutenant X wider meinenWillen auf die Schulter geküßt, dem werd' ich das nächste Mal zeigen, daß mein Mund auf dem richtigen Fleck itti"

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Lurenbläser Das National-Museum in Kopen Hagen besitzt eine Sammlung vorgeschichtlicher Blasinstrumente, die ein besonderes Interesse für die -Geschichte der Mustk darbietet. Es sind große Blashörner aus Bronze von charakteristischem Aeußeren. von Form lang und schlank, mit einem in verschiedenen Windungen geschmeidig gebogenen Rohre, in einer großen, reich ornamentirien Platte endend, überdies aus manche Art, mit Hängezierrathen, mit Ketten und Gravirungen geschmückt. Das Ganze ist von einer ganz eigenen, malerischen Wirkung, macht in seiner Verbindung von solider Kraft und schöner Anmuth einen eigenthümlichen phantastevollen Eindruck. Es sind die sogenannten Luren", altnordische Blasinstrumente aus der jüngeren Bronzezeit; ihr Alter müßte also auf ungefähr 2500 Jahre geschätzt werden. Der Niesentopf zn Bunzlau Es gibt wohl keine Stadt der Welt, die nicht irgend ein Wahrzeichen, ein sehenswcrthes Erinnerungsstück an einen interessanten historischen Vorgang aufzuweisen hätte, aber nicht immer entsprechen solche Denkmäler dem Charakter der Stadt, der Eigenart oder dem Gewerbe seiner Einwohner; zumeist sind es jedoch politische Erinnerungszeichen, Siegestrophäen oder Andenken an vergangene traurige Zeiten. Eine Sehenswürdigkeit, wie sie die schlesische Kreisstadt Bunzlau auszuweisen hat. ein Wahrzeichen seiner Industrie, ist schon seltener. Bunz lau hat einen bedeutenden Gewerbebetrieb, der sich auf Glasfabrikation, Eisengießerei, Holzwaaren und großartige Sandsteinarbeiten erstreckt, sek nen höchsten Ruhm aber in TöpferWaaren, Oefen, Thonröhren etc. erreicht. Das sog. Bunzlauer Gut, braun und weiß glasirtes Kaffeegeschirr, ist seit dem 17. Jahrhundert in aller Welt bekannt und geschätzt, und ein Wahrzeichen der Stadt im vollen Sinn: des Wortes ist deshalb nach ihrer Hauptindustrie die Sehenswürdigkeit. die unser Bild wiedergibt, ein Riesentopf von fast doppelter Manneshöhe. Er wird von der Stadt sorgfältig gehütet, auch wo er kürzlich den alten Platz hat räumen und neu aufgestellt werden müssen. Das Riesenstück der edlen Töpferkunst bleibt hoffentlich noch lange das Wahrzeichen einer blühenden Industrie. Sie kennt seine Reiterei. Mein Mann zu Hause? Nein, gnädige Frau! Der gnädige Herr ist vor zwei Stunden ausgeritten' .Und er ist noch nicht zurückgekommen?" ,Nein, gnädige Frau!" .Auch sein Pferd noch nicht?" ' m 1 mau; Ach, dann ist er überhaupt nicht geritten!" Er gennt se. Vühnenmitglicd: Herr Derekter, mer gcnn' Sie geene Vorsschtellung nich "gärn, dc ärschte Liebhaberin is Sie mit'n Naturborschen durchgebrannt!" Direktor: Na, die w?rn mer gleich wieder ham; loofen Se 'mal nieber in's nächste Nest und'seh'n Se im Werthshaus nach, ich will nich Schwammchen heeen,' wenn se nich da sitz iebe? zier Gilometer hat se noch Geener mit-a.;nomm'n!-

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Zlie Zverbung. Eine Familientragödie.

erVor seines Liebchens Eltern tritt Der Jüngling yier mit zagem Schritt Nur sta.Mlno wagt er es, beim Alte.1 Um ihre Hand nun anzuhalten. Was, unser einzig' Töchterlein?" Zürnr der Papa; nein, dreimal nein!" Die Tochter sieht auf ihren Knien: Ich kann nicht le bere ohn5 -c ihn!" Dann weinen Frau und Kind zugleich Da endlich wird der Papa weich. Schluchzt: Nimm sie Du sie den?, sie Dir' sie! Doch mache ja recht glücklich mir sie!" Dieweil hinaus das Brautpaar eilt. Das Elternpaar vor Wehmuth heult. Doch kaum allein, da hüpft's und lacht. Daß Lottchen an den Mann gebracht. Heldenhafte, Stellung. ' Ein, Metzgermerfier,' der gerne über den Durst trinkt, gibt einem Künstler den Auftrag, ihn zu malen und ihn in einer möglichst heldenhaften Stellung wiederzugeben.,. - n : . ' . Wie der Maler sich' dieser Aufgabe entledigt hat. ' J ;- " j: " ii cr 4 Yd Si : . Vom Kasernenhof.. Un terofficier: Schwindelig werden Sie auf dem Pferde, x'injähriger. Krause? Herr, was -soll aus -Ihnen: denn werden, wenn da lenkbare Luftschiff erst erfunden. ist? Erster Gedanke. Lebe, mann: Zum Kuckuck,- waZ für ein schönes lockeres . Junggesellenlebert konnte ich doch mrt dem Gelde sühren. i das man mir anbietet -r wenn ich hei. rathe! . p

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