Indiana Tribüne, Volume 18, Number 338, Indianapolis, Marion County, 25 August 1895 — Page 7
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Der kluge Mann. Manch einer, der die 2Mt ate jung Ein Paradies geheißen. Und sie mit der Begeist'rung Schwung Besang in allen Weifen, Hat jetzt Verachtung mre für sie Und ihre Herrlichkeiten, Die einem einzig Apathie Und Ueberdruß bereiten. De? kluge Mann und weise Manir Der klopft an seinen Magen Und spricht: Jst der wie früher dran, Ist's stets noch zu ertragen! Ja ist der rösch und ist der frisch Mgt er hinzu mit Lachen, Jhr Grämler, fort vor meinem Tisch, Hier gilt kein Bangemachen!" Der braune Ueberzleher. Humoreske von Eduard Münz. Die beiden Gleichen" hatte man scherzweise die Inhaber der protocollir tcn Handelsfirma Schellfisch & Ziffer, Colonialwaaren, Engros und Export, getauft. Die gute, sich im Äuhme ihrer Glanz wichse sonnende Stadt Perlebcrg war beider Heimath. Ihre Eltern hatten in demselben Hause gewohnt, von demselben Lehrer wurden sie in die GeHeimnisse des Alphabetes, des kleinen Einmaleins und ihrer Folgeübel eingeweiht, in demselben Geschäfte, bei Gott lieb Heinrich Salzwedel 's sel. Wittwe, absolvirten sie ihre Lehrzeit. ri& Ziffer besaß unter anderen gutcn Eigenschaften auch eine mit wun derlichen Marotten und irdischen Besitz thümcrn reichgesegncte Tante, die der Schelm Amor'hatte links liegen lassen. Ter in solchen Fällen obl:gate Mops, ein heiserer Papagei und der flotte, lebenslustige Neffe waren ihre Tröster. Letzterer wurde ihr Universalerbe und entschloß sich aus tiefgefühlter Dankbarkeit für die komische Alte, die sich einen so guten Abgang zu sichern gewußt hatte, ihre beiden andern, im Testamente nicht bedachten Lieblinge bis an deren seliges Ende,. das glück licherweise nicht allzu lange auf sich warten ließ, zu verpflegen. Bald darauf associirtc sich Fritz mit seinem Jugendfreunde Mar Schellfisch, der als Sohn eines Wollhändlers schon don HauS aus in der Wolle saß, und die beiden Glanzwichsinsulaner begrün deten die stolze, für Personen mit lücken haftem Gebiß leider nur schwer auszu sprechende Firma Schellfisch & Ziffer. In Kurzem sahen sich unsere Helden euch nach einer Squaw für ihren Wig wam um und hciratheten, zum nicht geringen Aergcr aller noch nicht an den Mann gebrachten Exemplare auö den älteren Jahrgängen ihrer weiblichen Verwandtschaft, zroei blutarme aber reizende Perlcbergerinnen, Martha und Elara mit Namen. Amor und Mer !ur waren den Inhabern der Firma Schellfisch und Ziffer gleich hold und ihr Lebensschifflein wiegt sich behaglich auf den vollen Wogen des Gückes. Eines Tages, als Mar sich des Morgens nach dem Eomptoir begab, trat ein Ticnstmanauf ihn zu und sprach mit raschen Worten und bierhei serer Stimme: (Einen schönen Gruß von dem Fräulein, sie schickt Ihnen diesen Brief." Tabei überreichte er ihm ein geschlossenes Couvert. Unser rugendfester Eolonialwaaren Engrosund Ervortgeschäfts Mitinhaber war wie aus den Wolken gefallen. Ein Fräulein? Ihm? Noch hielt er das räthselhafte Schrei den uneröffnct in der Hand, als ihn ein vorwurfsvoller Blick des Ueberbrin gers traf. Man brauchte gerade kein Eumberland zu sein um zu errathen, worauf der Mann wartete. Max gab ihm ein Trinkgeld: der RothbemüZite beeilte sich.' es wörtlich zu nehmen und verschwand in der nächsten Testille. In dem Eouvert fand der verdutzte Schellfisch nicht weniger als fünf im schönsten Ziegclroth erstrahlende Eintrittskarten zu einer morgen Abend im Spezialitäten-Etablissement zum Mikado stattfindenden großen Galavor stellung zum Benefiz für die allbeliebte Lieder- und Walzersängerin Frl. Florette unter gütiger Mitwirkung nam hafter Kunstkräfte." Ten Schluß machte ein kleines goldgerändertcs Bil let, in welchem Frl. Florette ihren lie den, alten Freund und Gönner" ersuchte, die beiliegenden Einlaßkarten unter guten Bekannten anzubringen und, wenn es ihm seine Zeit nicht er laube. der Borstelluug beizuwobnen, wenigstens nach Schluß derselben sich zu dem gemüthlichen Beisammensein ei iiu finden. Einige Augenblicke starrte Max Schcllsisch unverwandt auf. diqEinla dung der Bcnefiziantin. Florette?-.. Wo', hatte er den Namen schon gehört?. .'.'. Plötzlich flog ein Strahl des Begreifcns durch sein Hirn. Florette? War das nicht der Künstlername der schönen Hcttriette, die, 'als er und sein jetziger Eompagnon noch bei Gottlicb Heinrich Salzwcdel's sel. Wittwe Tüten drehten, gleich ihrer Namensschwester im Heine' schen Gedichte, trällernd jeden Monat kam, um die Wäsche abzuholen? Da Fritz ein unverbesserlicher Langschläfer war. Henriettens Besuche aber in die frühen Morgenstunden fielen, hatte Max Generalvollmacht erhalten, auch in seines Freundes Namen mit ihr zu verhandeln. Bei dem fröhlichen Wesen des hübschen Mädchens darf es nicht Wunder nehmen, daß sich Schellfisch's Verhandlungen mit ihr nicht aus die geschäftlichen TranSactionen beschränk ten und sich oft bedenklich in die Länge zogen. ES war ihm daher auch, nichts weniger als angenehm, als ihn Hen riette eines Tages mit der Nachricht überraschte, er werde sich nach einer an deren Wäscherin umsehen mögend denn
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i wti iiiiiitt v: iwvitt ifivtvv itttiw größeren Chantants entdeckt" worden und gehe zur Bühne. Der Pianist kannte den Zauber, welchen exotisch klingende Namen auf ein naives Publikum ausüben und, wie er sich selbst aus einem simplen Frosch in einen Signor Ranelli gemausert, so machte er auch flugs aus Henriette BlMnel eine Mlle. Florette, und der erste Schritt zur Un sterblichkeit war gethan. War auch das flotte Wäschermädel, um mit Paul Heyse zu sprechen, dem verhangnißvol len Geheimnisse der Dative und Accusative noch nicht auf die Spur gekommen, so besaß sie dennoch eine leidlich gute Stimme und eine ziemliche Portion angeborener Grazie. Tie Unschuld hat bekanntlich, selbst in unserer ob Selbstsucht verschrieenen Zeit, nicht nur im Himmel einen Freund. Wir wer den cS daher begreifen, daß Mlle. Flo rette Carriere machte. Max hatte die neugebackene Künstlerin seit ihrem Saltomortale vom Waschfaß auf 's Brettl nur einige Male flüchtig gesehen und dachte, da er bald darauf in den Hafen der Ehe einlief, kaum mehr an die Zeit, wo er sich seine Wäsche selbst besorgen mußte. Ter vertrauliche Ton dieser Einladung ärgerte ihn. Was bildete sich denn diese Florette eigentlich ein? Er. der glückliche Gatte eines reizenden Frau cycns. sollte zu einer Benefizvorstcllung in einem Tingeltangel gehen? Nein, so was! In einer moralischen Anwandlung zerriß er das Eouvert in kleine Stücke und streute sie auf den Straßcndamm. Auch die zicgelrothen Einlaßkarten sie len. eine nach der anderen, seiner Tugcndboldigkeit zum Opfer. Erst bei der Letzten hielt e? in seiner Zer störungsmuth inne und schob sie mitsammt dem Billet-clou , in die Tasche seines nußfarbencn Ucbcrzichers. Viel. :eicht ging er doch noch hin, natürlich nur um ihr den Ausdruck seiner tiefsten Entrüstung auszusprcchen. Im Eomptoir traf er Fritz über Hals und Kovf beicküftiat. so dar. er keim Zeit fand, sich bei idm Ratli zu polen. Die Erlcdf ung der Eorrespondenz dauerte heule dei l'iar ungcwöonlich lange Weiß der Himmel, er dachte weniger an die Bestellungen sei ner Geschäftsfreunde, als an Florette's Benefiz. Er fühlte nur zu wohl, daß er der Einladung nicht folgen durfte und doch wie hübsch mußte sich das ehemali ge Wäfchcrmädel auf der Bühne ma chen! WaS war denn schließlich Schlimmes dabei, wenn er hinging? That cr seiner Frau denn ein gar so großes Unrecht, wenn cr einmal einen Abend in lustiger Gesellschaft zu brachte? Länger konnt' er ihn nicht kämpfen, den' Nicsenkampf der Pflicht, es schlug sieben Uhr rasch nahm er Hut und Uebcrzicher doch, was war das? Er stak ja wie in einem Futteral.... Jriz, der gleichfalls glücklicher Besitzer cincs mißfarbenen Ueberzichcrs war, hatte in der Eile die beiden Kleidungsstücke ver tauscht. Fatale Geschichte! Wenn ftritz seinen Irrthum nicht allein bemerkte,' mußte cr bis morgen warten, denn sein Eompagnon wohnte recht weit und cr konnte seine Martha nicht so lange warten lassen. Tie letztere Bcsorgn'iß erwies sich als überflüssig. Max traf seine Gattin nicht zu Hause. Sie war zu Clara gegangen. Er warf sich auf's Sopha, steckte sich eine Eigarre an und dachte wieder an die Ein laduna. Wie sollte er sich Martha l gegenüber verhalten? Sclbstver ständlich dürfte sie kein Sterbenswort chen von der ganzen Geschichte erfahren .. ..Aber sollte er denn wirklich hin gehen? Und unter welchem Bor wände sollte cr sich morgen Abend von Hause entfernen?.. .. Unschlüssig erwog er, das Für und Wider, als Martha zurückkehrte. ,,Gu ten Abend. Schatz!" rief er ihr cntgegen, in seinem Schuldbewußtsein de strebt, einen möglichst freundlichen Ton in die Begrüßung zu legen. Schau her!" rief Martha in höch ster Erregung und hielt ihm Florette's Einladung vor die Nase. Ist es nicht empörend?" Max war wie vom Ton ner gerührt. Es ist schrecklich!" fuhr Martha fort, während ihr Gatte vergeblich nach Worten rang. Schrecklich!" cchoctc Herr Schell fisch wie geistesabwesend. Er befand sich in einer Situation, die einen halbwegs gefühlvollen Köter jammern mußte. Nach einer peinlichen Pause unterbrach Martha da Schweigen. Arme Clara!" seufzte sie. Max sprang auf. Hatte cr recht gcbört? Clara? Wie denn?" Wie? Ta sieht man. wie Ihr Münner seid! Ihr Mann corrcspondirt mit einer Mademoiselle Florette, einer Sängerin. . . . läßt sich von dieser Tame zu einem gemüthlichen Beisammensein einladen Und da fragst Tu noch, weshalb ich Clara bedaure. ?'.' Mar traute seinen Ohren nicht. Was? Fritz?" rief er unwillkür lich. Jawohl Fritz! Tein Freund Fritz! Ich hätte es ihm wahrlich nicht zuge traut, aber ich war es ja gerade, die seinen abscheulichen Schlichen aufdie Spur kam." Tu?" Ich war mit Clara ausgegangen, um Stoff zu einem Frühjahrskieide zu besorgen. Wir begegneten Fritz auf dem Heimwege, er sagte mir. Du wä rest noch mit der Eorrespondenz nicht sertig. Auf Clara's Wunsch begleitete , er uns in eine Conditorei, traf aber hier einen Reisenden' der ihn in's Gespräch zog. ES handelte sich um eine drin gende Bestellung; sie gingen auf 'S Telegraphenamt und ließen unS eine Weile allein. Da pafsirte Clara ein kleine? Malheur. Sie wollte ihr Spikentuch nicht blutig machen wollte. ! ersuchte ge y....ijr 2iffet'SIu.ch auß
der Tasche seines .Uelrzichers, den cr zurückgelassen hatte, zu reichen. Ich trete zu dem Uebcrzicher, lasse meine Hand in dessen Taschen gleiten uud finde statt eines Taschentuches die Billet. Fast ohne zu wollen, lese ich diese empörenden Bertraulichkciten. Clara eilte hinzu und erblickt de.r Brief, da durchzuckt mich ein rettender Gedanke. Ich erinnere mich rechtzeitig, daß auch Du einen nußfarbenen Ueber ziehcr hast Berzcih lieber guter Max! Tie unglückliche Frau that mir so leid! Ter Ueberzieher gehört meinem Manne!" rufe ich Fritz wird ihn wohl vertauscht haben!" Und?" fragte hastig' Florette'S lieber Freund und Gönner. Und Clara glaubte meinen Wor tcn, als hätte ich ganz was Selbstver ständliches gesagt. Auf ihren braven, treuen Fritz fiel auch nicht der Schatten eines, Berdachtes. So sind manche Frauen!" (Martha lächelte überlegen.) Sie hegen ein gar zu unvernünftiges Vertrauen zu ihren Ehemännern und denken immer, so Etwas könnte wohl anderen Passiren, aber beileibe nicht ihnen selbst." Auch der schuldbewußte Schellfisch zwang sich zu einem Lächeln. Seine Gattin beugte sich über ihn und flü sterte zärtlich: Tu verzeihst mir doch die Nothlüqe, lieber Max?" Aber selbstverständlich, liebes Kiud! Tu hast ebenso brav als klug gehan delt! Uebrigens war die Lüge nicht gar so groß.. .." Glaubst Tu, daß dieser abscheuliche Ton Juan zu dem Benefiz hingeht?" Er wird sich hüten", versicherte Max, selbst wenn er einen Augenblick daran gedacht haben sollte. Was geht ihn diese Florette und ihr Benefiz an " Tiefe im Brustton tiefster Ucberzeugung' gesprochenen Worte beruhigten Martl-a vollends, sie seufzte erleichtert auf. So hat denn meine Nothlüge auf Tcine Kosten ihren Zweck nicht verfehlt. Falls Fritz nicht hingeht, kann ja noch Alles gut werden. Aber Clara's Ber trauensseligkeit ist kaum zu verstehen Ach, wenn die Arme nur eine Ah nung hatte Sie ward elegisch und ließ die Gemüthsleite vibrircn." Vielleicht nähme sie die Geschichte nicht so traglsa,) u.,o uu id.-verzeihen... wagte Mar einuwe fen. Was? Nicht tragischnehmen! Ver zeihen? So Ctwas verzeiht man nicht!" Und wenn nehmen wir an Tu z. B. in Clara's Lage kämest, würdest Tu mir verzeihen?" fragte Herr Schellfisch zögernd. Niemals!" erwiederte Martha mit Nachdruck, setzte . aber . . schmeichelnd hinzu: Ich bin aber ganz sicher, Mäxchen, daß bei Dir so Etwas nicht vorkommen kann!" Es ist doch wirklich ein glücklicher Zufall," fuhr sie nach einer Weile fort, daß Ihr Beide nußfarbene Ucdazieher habt, die von einander so schwer zu unterscheiden sind!" Du hast Recht! In der That ein glücklicher Zufall!" erwiederte der druoe Gatte mit ungcheuchelter Aufrich tigkcit und drückte ein Kuß aus Mar. tha's Lippen Die Würste der Gnädigen.
Humoreske von 23. Lynn. Tie Gnädige" war in heller Ver wciflung. Es gab entweder einen Tieb im Hause, oder Ratten. Zwar hatten weder Tieb noch Ratten inzwischen andere Spuren hinterlassen, als in dem Verschwinden eines Theiles Lcr köstlichen Würste bestand, die von den Eltern der Gnädigen, dem Gutsbe sihersehepaar auf Tromholm, nach jedem dort stattgehabten Schlachtfeste" in reichlichster Anzahl in die Stadt und in das Heim der Tochter gesandt wur den. Die Würste waren in einer Raucher kammer untergebracht und hingen dort in schön geordneten Reihen. Wenn die Gnädige, was übrigens nicht allzu häufig passirtc, dort hinauf kam, dann freute sie sich darüber. War sie doch ein andkind und in dem wirthschaft!! chen betriebe eines großen Gutes auf gewachsen. Und nun. bei ihrem letzten Besuche da oben, hatte sie die Entdeckung ge macht, daß mindestens ein Drittel der Würste fehle. Und dabei waren kaum eine oder zwei in diesen Wochen zu Auf lagc"Zwcckcn verbraucht worden. Tie junge Gnädige erschrack. Also ein Dieb oder Ratten!" Eine andere Frau hätte zweifellos so fort Lärm geschlagen und damit sicher ' nichts entdeckt. Unsere junge Gna digc schwieg und harrte. Und bei den nun häufig und insge heim vorgenommenen Revisionen stellte sie fest, daß allwöchentlich eine große Wurst verschwand. TaS war für einen Tieb zu wenig und das war auch nichk Rattcn.Art. fein säuberlich eine Wurst loszutnabbern. mit i!?r abzuziehen und nicht einmal die gierigen Zähnchen hie und da in die anderen Würste einzu schlag?,,. Tie Gnädige überdachte ihr Haus personal. Ta war der Kutscher, aber der war von Papas Gute und seit zwei Tugend Jahren in der Familie. Und dann bekamen die Mitglieder des Haus gesindcS so gut und reichlich zu essen nein. nein, daran war kein Gedauke. ' Und Minna die Köchin? Unsinn! Tie hätte ja jeden Augenblick ihren Slppetit'mit bessercN'Tingen. als Würste eS gemeinhin sind, stillen können. Tie Speisekammer, die unter ihrer Obhut stand, war auf baZ reichlichste aus. gestattet und somit siel auch dieser Ber dacht in's Wasser. Wer nimmt mir meine Würste?" überlegte die Gnädige und Paßte weiter auf. Aber in dem Leben einer Tame von Welt giebt es zu viele Augenblicke, in denen sie dem Hause fern ist, und aus diesem Wege kam sie zum Ziele nie und nimmer, das sah sie wohl ein. Ta kam ihr ein Gedanke. . .
Draußen auf dem Gute war ein al ter Schäfer. Ter konnte Alles. Man hatte Proben davon. Ten würde sie fragen, wenn sie nächstens wieder zu den Eltern hinausfuhr. Ter mußte Nath schaffen, wie man dem ferneren Verschwinden der Würste vorbeugen könne. Inzwischen verschwand allwöchentlich auf's neue eine Wurst. Und die Men schenratte. die sie sich hclte. mußte wirk lich geschickt opcriren. Tenn nie ver schwanden die beiden Eckwürste der lan gen Reihe, die die Gnädige mit einem geheimen Merkzeichen versehen hatte, sondern immer aus der Mitte, bald hier bald dort aber es waren sicher die schönsten, dicksten und rundesten, die verschwanden. Ja, wenn die Gnädige an einem ge wiffcn Wochenabend so gegen neun Uhr in die Küche gekommen wäre! Ihr wäre dann ein Licht aufgegangen. Und doch war's ziemlich finster in der Küche und Minna, die sonst es nicht hell ge nug kriegen konnte, brannte nicht ein mal die Küchenlampe an. Aber wenn draußen der Mond hincinschien. so sah man doch etwas glänzendes. Tas wa ren Knöpfe. Und an den blanken Knö pscn hing ein Füsilier, mit Namen Jochen Trills, und besagter Jochen war Minna's Herzallerliebster. Ja, wie gesagt, wenn die Gnädige all das gewußt hätte, so hätte sie sich auch nicht weiter den Kopf über das Verschwinden ihrer Würste zerbrochen und sie wäre gewiß nicht an einem Sonntag draußen auf dem Rittergut an ihren Papa mit der Bitte herange treten : Du, Papachen laß mir doch 'mal den Schäfer holen, ich muß ihn sprechen ?" Wa eS ? Der Schäfer ? Ist was nicht in Ordnung bei Euch ? Aber zum Henker, Ihr habt doch keine Kühe, die er besprechen soll, damit sie mehr Milch geben, oder Rein, nein. Papa ! Aber sprechen muß ich den Alten doch !" Na, meinetwegen. Aber sagen könn frst Tu mir's, weshalb Du ihn sprechen willst !" ..Das ist mein Geheimniß !" Knurrend wandte sich der Alte ab, aber nach einer Stunde stand Thomas, der Schäfer, vor der jungen Gnädigen. Tat wöllen wi bald hebben." sagte der, als die Gnädige ihm alles erzählt hatte. Seggen's man der ull Wirth, schaftern. dat sei mir to'S Hand gciht mit de MaterialjcnS nachher bün ick bis to'n Abend fahrig (fertig)." Und am Abend überreichte der Schä fer der jungen Gnädigen, als sie schon im Wagen saß. ein rundes Packet. So de Wost (Wurst) hangen Se mang de annern und wenn se weg is, is't de letzte nachher verswind 't kcene mehr, dat scg' ick, de oll Schaper Thomas !" Die Gnädige that so.' Und sie gab wohl Acht; ob die Wurst, die der alte Schäfer ihr eingehändigt hatte, auch verschwand. Und wahrhaftig! Sie war schon die nächste. Das war übri gcns begreiflich, denn die Wurst sah von außen so schon fett und rund und appe titlich aus. daß sie vor allen den Blick reizen mußte. Eine Woche verging, und wirk lich. keine Wurst fehlle. Und wieder eine Woche dasselbe Resultat. Und der alte kluge Schäfer hatte wirklich Recht behalten die ihr von ihm ein gchändigte Wurst war die letzte gcwe sen. Dafür aber ging Minna, die Köchin, mit arg verheulten Augen herum und wenn ein gewisser Wochentag heran kam, dann saß sie allein in der finsteren Küche und schluchzte zum Herzbrechen. Wo war und blieb Jochen Trills?! Ach, der war seit dem Empfange der letzten Wurst nicht wiedergekommen. Aber statt feiner kam ein Brief. Und den müssen wir wörtlich hierhersetzen : Unjedreie Vcrräderin! Nemblich das mit die letzte Wurst brr. pfui Sbinne das war eine Boshaftigkcit un wo eine Boshaf tigkeit ist, da ist keine Liebe nich. un überhaupt eine Liebe bei solche Wurst, da muß ich sor danken. Eine Tracht Keile, und dann hat er mir je meldet, wegen Jnpropertät und drei Tage Mittel un alles das für die Liebe und die Wurst. Ich hatte sie ncmdlicu diesmal meinem Unteroffizier versprochen und wie der 'neinbeißt, spuckt' cr und flucht und spuckt cene halbe Stunde und dann haut'r mich die Wurst um die Ohren un schreit mir an. Tas war keine Wurst, das war Klcie un Stein? und Sand pfui Sbinne! Womit ich verbleibe dein je wcsener Jeliebter Jochen TrillS." , Die Gnädige aber hat heute noch keine Ahnung, welchen Zaubermittels der alte Schäfer sich bedient hat und der wahrt sein Geheimniß . Kurz und bündig. Sol dat (der die Bekanntschaft einer Köchin gemacht hat): Sehen S. Fräulein Anna, ich bin kein Freund, vieler Worte; wenn ich Ihnen, gefalle, Ion nen wir's ja mal miteinander versuan. .. meine Lieblingsspeise ist Leberknödel mit Sauerkraut!" Gemüth! ich. Wegelagerer (der mit seinem College, einen Reisenden ausgeplündert hat): Wissen Sie was. wir sind gerade so schön beisammen Hier haben Sie einen Tha ler wieder, dann spielen wir eine Stunde Skat! Gist und Geqengist. ..Sie glauben gar nicht, wie giftig zuweilen mein Bräutigam werden sann." Dann werden Sie mal recht mitgiftig das ist das sicherste Gegengift!" Pech. Lieutenant: Das nennt man Pech! Da träumt mir heute Nacht, ein unbekannter Gönner Hütte meine Schulden bei Banquier Meier bezahlt. und wie ich aufwache, erinnere ich mich, daß ich beim Banquier Meier ja gar keine Schulden habe. , '
ZIcacon" Zjask'ms. Slizze aus dem südlichen Calisornicn von W. v. Schierbrand. Die alten 49er stehen auch in Califormen auf dem Aussterbe - Etat, aber es gibt doch noch eine recht ansehnliche Schaar dieser altenBurschen, die rüstig und noch kaum im Greisenalter sind. Denn damals.. als das Goldfieber die abenteuerlustigsten Söhne aller Herren Lander nach den Gefilden des nunmehr zu voller Blüthe gelangten Staates lockte, da gab es viele darunter, die noch recht junge Bürschchen waren, noch nicht einmal trocken hinter den Ohren. Einer der stattlichsten BrauHerren der Ber. Staaten, auf dessen Haupte die Locken kaum zu ergrauen b:ginnen, ist z. B. ein solcher moderner Auszügler nach dem goldenen Vließ, und es existiren. wohl noch Tausende im weiten -Gebiete der Union, die noch in voller Schaffensfreude und Körperkraft sind, obwohl seit jener Sturmund Drangperiode Californiens doch immerhin schon 46 Jahre verflossen sind. Vor Allem findet man diese wettrrharten, erprobten Männer, knorrig wie die Eichbäume des Nordens, in Californien selbst noch. Und von einem solchen handelt auch, das nachfolgende Geschichten. Den alten Deacon" Haskins traf ich zuerst, rein zufällig, in dem 7 Meilen nördlich von Bo:'mopolis gelegenen Hot Springs. einem Orte, der wegen seiner gegen Gicht und Rheumatismus äußerst heilkräftigen Schlammquellen eine locale Berühmtheit genießt. Der alte Herr ließ sich dort, wie alljährlich, auskochen so nannte er die Pferdecur, die er dort regelmäßig im Frühjahr durchmacht. Ungefähr 110 Grad, jedesmal drei Viertel Stunden drin bleiben bis an's Kinn das treibt jede Spur des vcrfl Rheumatismus aus schrie er mir xu. Er gewährte einen höchst malerischen Anblick, wie er in seiner Vertiefung so d'rinlag ei zolldicke Schicht des stark nach Schwefel duftendcn schwärzlichen Schlammes auf dem ganzen Leibe ausgebreitet, so daß nur das rothglühende Haupt hervorsah. und an diesem floß der Schweiß in Strömen herab. Aber der Deaeon" schien sich unter diesen erschwerenden Umstanden ganz wohl zu befinden, denn er grinste mich behaglich an. Ein komischer Kerl!- dachte ich bei mir. Und als ich ihn einige Stunden später wiedersah, im Schaukelstuhl aus dcr Veranda des Hotels, bei einem kühlen Mint Julep", und als der alte Herr dann die Schleusen seiner Beredtsamkeit öffnete, da kam er mir noch koMischer vor. Den Spitznamen Deacon" hatte er nämlich vor vielen Jahren erhalten wegen seines würdevollen, halb geistlichen Aussehens. In Wirklichkeit war der alte Haskins aber nicht fromm eher das Gegentheil. Das Fluchen war ihm z. V. eine durch langZahrigeAngewohnheit liebe Beschäftigung geworden. Aber auch im Fluchen war er originell keine jener landläufigen, gewöhnlichen Kraftphrasen, sondern alles 'Ausdrücke, die von Phantasie und Bilderreichthum zeugten. Er war ein alter Junggeselle, war als halbreifes Jüngelchen nach Californien gekommen und nie wieder hinaus über die Grenzen semer neuen Heimath; er hatte Allcs probirt, Göldsuchen, den GastWirth, den Schankkellner, den Postkutscher spielen etc. etc. und sei! einer Reihe von Jahren war er Grundcigenthums - Agent, der unter Aufgebot seiner ganzen Suada die dürren, nur von Cactus und Chapparel bestandenen Ländereien d-:r Umgegend von Boomopolis und deö ganzen Boom County an die Tenderfeet" a8 dem Osten, die dumm genug waren, ihm zu glauben, loszuschlagen verstand. Von Geburt stammte .Deacon" Haskins aus Maine und das Aussehen und die drollige, langsame, witzige Sprechweise seincs Heimathsstaates war ihm auch geblieben. Alles, was er sagte, brachte er mit einem unnachahmlichen Pathos und einer scheinbaren Wahrheitsliebe vor. die allerdings geeignet waren, den Uneingeweihten gründlich zu bethören. So lernte ich dieses merkwürdige Original jenen Nachmittag kennen und während der nächsten zwei Wochen bildete sich unsereBekanntschaft noch mehr heraus. Doch die Curzeit ging für den alten Knaben endlich vorüba, und gründlich verjüngt und gekräftigt widmcte sich der Deacon" wieder seinen tagtäglichen Pflichten dem Verkauf völlig oder nahezu werthloser Grundstücke in Boom County. 4c Eines Nachmittags hatte er. um die Nachbarschaft eines ihm zum Verkauf übertragenen Grundstües etwa halbwegs zwischen den beiden erwähntcn Städten, aber etwas seitwärts gelegen kennen zu lernen, sich mit einem leichten Buggy in jener Gegend selbst herumkutschirt. Es war heiß, und der Deacon" trocknete sich gerade das Gesicht ab, als er bei einer plötzlichen Biegung des Weges eine ruhige, aber sehr resolute Stimme an sein Ohr schallen hörte: Hatt! Haben Sie die Güte, mir jene schwarze Tasche und Ihre Baarschaft und Uhr zu überreichen!- sagte die Stimme. Der verdutzte Deacon" blickte auf und zwar gerade in die Mündung eines auf ihn gerichteten Navy - Revolvers hinein. An der Waffe saß eine schlanke, gebraunte Hand, die den Zeigefinger auf dem Drücker spielen ließ. Als alter 49er wußte der Deacon" ganz genau, was die Glocke geschlagen Katte unter solchen Umständen, denn der Fremde hatte the drop on him," wie die Phrase lautet. Aber der ..Deacon" war nicht'der Mann, um sich die
ses Umstandes wegen zu ergeben, wenn er nur nicht merkwürdiger Weise an jenem Tage gerade seinen eiguun old reliable" einen ausgezeichneten Eoltschen Revolver von. -unscheinbarem Aeußeren. aber größter Handlichkeit und Treffsicherheit zu Huse gelas sen hätte. So blieb ihm nichts übrig, als sich dem Schicksal zu fügen, und eben schickte er sich an, dem Straßenräuber dasGewünschte auszuhändigen, als das Knallen einer Peitsche und das Rollen eines Fuhrwerks in nachster Nähe an sein Ohr schlug. 'Ehe er Zeit hatte, etwas Weiteres zu thun, war der Straßenräuber schon in das dichte Unterholz am Wege gesprungen und polternd, mehr stürzend als lausend, hörte man ihn weiter unten in demselben verschwinden. Mit der Postkutsche, die inen Moment später an jener Stelle anlangte, fuhr der Alte nach Hot Springs und mit einigen höchst pittoresken FluchWorten brach er eine, halbe Stunde darauf in mein Zimmer im Hotel ein, mir den Vorgang erzählend. Der Deacon" weinte fast vor Wuth. So was war dem alten PracticuS noch nie passirt, sagte er. Ohne meinen Colt auszugehen die Idee und dann einem solchen Tenderfoot in die Hände zu fallen denn das ist's ja gerade, was mich rasend macht der Kerl war nicht einmal ein alter Californier no, sirrak! er war ein ganz gemeiner, gewöhnlicher, ekelhafter Tenderfoot! Die Schande überlebe ich nicht!" Und er wischte sich thatsächlich eine Thräne aus dem Auge mit seinem großen, rothbaumwollenen Taschentuche. Das fuchste ihn, erboste ihn ganz speciell, der Gedanke, daß ihn, unen 49er, ein junger Mensch, ein Tenderfoot, dermaßen zum Besten haben konnte. Er war wüthend, und es bedürfte einer ganzen Batterie von Drinks", ehe sich der alte Knabe wieder in leidlicher Gemüthsverfassung befand. Aber Einö schwur er mit einem furchtbaren Eide: Nie wieder ohne seinen Revolver auszugehen und mit dem jungen Mann abzurechnen das erste Mal, das er ihn wiedcrtreffen möge. Er beschrieb mir ihn denn der Straßenräuber hatte es nicht einmal der Mühe werth gehalten, eine Maske zu tragen es sei ein mittelgroßer, ganz junger Mensch geWesen, mit schwarzem Haar, einer breiten, rothen Narbe quer über die Stirn, augenscheinlich von einem Messer herrührend, und noch ganz bartlos. Die Schande, die Schande für mich!" stöhnte -der Alte einmal über das andere. Wie gesagt, ein komischer alterKauz, dieser Deacon" Haskins, sagte ich mir nochmals. Es vergingen einige Wochen. Der Deacon" konnte sich noch immer nicht beruhigen. Jedesmal, wenn ich ihn sah, brachte er das Gespräch auf jenen Ueberfall und erfand st?ts einige neue höchst originelle Flüche, um seinem Aerger Luft zu machen. Eines Abends forderte mich der Alte auf. mit ihm ein wenig nach Boomopolis zu fahren und die Stadt zu durchstreifen. Ich gehorchte, und bis Mitternacht hatten wir jeden Saloon", jede Bank", d. h. Spielhölle, jedes Tanzlocal durchforscht und alle Sehenswürdigkeiten des Städtchens in Augenschein genommen. Es war ur ein mäßiger Genuß, und ich hatte dem Alten schon mehrmals vorgeschlagen, heimzukehren. Wir waren, gerade in dem an dem äußersten Ende der Main Street gelegenen Local vorn tin Cigarrenladen nebst Bar", hinten eine Farobank. Es wurde noch lebhaft gesetzt, und vor dem Bankhalter lagen einige ziemlich hohe Häufchen blinkender Doppeladler. Plötzlich erscholl eine Stimme von der Thür her, die zum Cigarrenladen führte, ganz ruhig und geschäftsmäßig, aber doch sehr eindringlich: Hände hoch, meine Herren, wenn ich bitten darf!" Und im Eingange stand ein junger Mann, der in jeder seiner zwei ausgestreckten Hände einen mächtigen Revolver hielt, während an der anderen Ausgangsthür auf einmal ein anderer Kerl stand, augenscheinlich ein Spießgeselle des Ersten, auch mit gespanntem Revolver. Der junge Mann an der Vorderthür, der eben so ruhig commandirt hatte, war der Straßenräuber des Deacon" ich sah deutlich die. breite rothe Narbe quer über die Stirn, das Zunge, weiche Gesicht, die bartlosen Lippen. Der junge Mann sah in jenem Augenblicke . aber gar, nicht gemüthlich aus im Gegentheil, ganz als ob er dusiness" meinte. Jeder der Spieler sprang auf und hielt seine Hände hoch. Es wa? unter den Umständen das Beste. Ich blickte den Deacon" an er war ganz weiß im Gesicht und um seinen Mund war ein Zug, der mir gar nicht gesiel die Mundwinkel fest auf einander gepreßt, wie eine Rattenfalle, die gerade zuklappt. Ehe ich aber noch weitere Beobachtungen anstellen konnte, erscholl abermals die ruhige Stimme von der Thür her: Alle umgekehrt! Gesicht der Wand zu! Ich hab: keine Zeit zu verlieren!" Und Jeder gehorchte. Der HelfersHelfer des jungen Mannes trat nun rasch an den grünen Tisch heran, wo das Gold im Scheine der an der Decke aufgehängkn mächtigen Lampe gleißte und funkelte." und ebenso schnell hatte er die großen Goldstückchen in ein Säckchen gestrichen und eingesteckt. Im selben Momente aber erdröhnte ein Schuß wieder einer zwei, drei! Zugleich erlöschte die Lampe und es herrschte greisbares Dunkel in dem Zimmer. Schnelle Schritte, die. zur Auegangsthür drängten, ein Hasten
üb Schieben um mich herum, un5 über alles Geräusch hinaus hörte man 4.s schauerliche Aechzw und Röcheln eines Schwerverwundeten. Daß mein Freund, der Deacon", bei diesem raschen Scenenwechsel seine Hand mit im Spiele gehabt, das wußte ich mit instinktiver Gewißheit. Er hatte ausgesehen wie das eherne Schicksal selbst, als ich ihn vor wenigen Augenblicken angesehen, und ich erinnerte mich des gräßlichen Eides, den er geschworen. Hatte er wirklich eine Abrechnung mit dem jungen Manne gehalten? C5chon kamen Leute herein mit Laternen und Lampen, und nun blickte ich um mich. Mitten im Zimmer stand der Deacon", jetzt gar nicht mehr komisch zu seinen Füßen, lang ausgestreckt, lag der junge Mann mit der rothen Narbe über der Stirn, nur noch röchelnd. Der Deacon". als er sah, der Andere habe sein Theil, verwandelte sich sofort wieder in den alten gemüthlichen Knaben.. Er legte den rauchenden Revolver auf den Tisch, bückte sich über denSterbenden und sagte: Es thut mir Leid, junger Mann, aber in Californien muß man besser schießen können, um auf die Dauer Recht zu behalten. Was kann ich noch für Sie thun? Sagen Sie's mir!" Der Sterbende murmelte etwas. Der Deacon" hielt sein Ohr dicht an den Mund seines Opfers. Gut," sagte er dann, ich werde es thun so wahr mir Gott helfe!" Am nächsten Nachmittag saß er wieder mit mir auf der Veranda neben sich ein großes Glas Mint Julep, und sah wieder aus wie die Unschuld und Frömmigkeit selber. Der junge Desperado war noch während der Nacht gestvrben, und auf Anordnung deS do' roners, der zugleich die Bank" hielt, wo sich die beschriebene Episode zugetragen, sollte er schon morgen begraben werden. Was sagte Ihnen der junge Mann?" frug ich den Deacon", indem ich ihm Feuer für seine Cigarre bot. Er nannte mir den Namen seiner Familie im Osten gute Leute, und bat mich, sie von seinem Tode zu benachrichtigen. Schade um den. jungen Menschen; hätte er Vertrauen zu mir aebabt und mir erzählt, wie er in's
Pech gerathen ist, ich hätte ihm gern mit $100 aus der Klemme geholfen Aber so geht's im Leben merkwürdig! Halt sehen- Sie jenen Geier da oben über uns, schweben? Das Viehzeug riecht das frisch vergossene Blut!" Ich konnte nichts von dem Raubvogel sehen nur tiefblaue, reine Luft erblickte ich über uns. so weit ich mit meinen Augen dringen konnte, und ich sagte das dem Deacon". Ja. ja." bemerkte der auf seine langsame, phlegmatische Weise, da5 machen die Schlammbäder jedes Frühjähr ungefähr bei 110 Grad und jedesmal drei Viertel Stunden darin bleiben dann wird man 100 Jahre alt!" Und ich alaube. er wird's auch werden. der alte Deacon" Haskins von Boom County. Gedankensplitter. Die einzige Liebe, die immer Erwiderung findet, ist die Eigenliebe. Es steht jetzt übel um den Wein. Weit mehr als viele Leute meinen; Der Wirth schenkt selten echten ein Und mancher Sprecher keinen reinen! Der Große zweifelt an seiner Vedeutung, der Kleine niemals. Am höchsten schätzt man stets das Glück der Vergangenheit und Zukunft, am geringsten jenes der Gegenwart. Den Frauen muh man originelle Lügen sagen und nicht alltägliche Währheiten. Ich schaute ost zu tief in's Glas, Sagt man mir nach; o Lügen! An Eides Statt erklär' ich das: Ich trinke nur aus Krügen! Ob der Vorgesetzte verschnupft ist, merkt der Untergebene an der Nase die er erhält! Wenn eine Frau zu Dir sagt: abscheulicher Mensch, so kannst Du ungestraft zu ihr sagen: süßer Engel! Wer seine Liebe gesteht", kann sich nicht wundern, wenn er zu lebenslänglicher Freiheitsstrafe verurtheili wird. , Mancher Esel rennt mit dem Kops durch die Wand, aber bleibt mit seinen Ohren hängen. Die Sonne ist des Lebens Licht, Doch in dem Keller taugt sie nicht. Höchste Zerstreutheit. Professor Hartwig, ebenso berübmt durch seine geistvollen Forschungen wie durch seine Geistesabwesenheit im gewohnlichen Leben, geht in tiefe Gedanken versunken die Promenade entlang, als er plötzlich eine fremde Hand in seiner Paletottasche fühlt: Ach, verzeihen Sie." sagt da der gelehrte Professor zu dem verdutzten Langsinger, ich bin gewih in einen fremden Ueberzieber gerathen!" Sosort zieht er seinen eigenen Paletot aus und überreicht ihn dem sich eiligst entfernenden Gauner. AuseinemRoman. . .Die Gräfin ließ sich drei Eier bringen und saß dann eine volle Stunde in stillun QlÜWk -
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