Indiana Tribüne, Volume 18, Number 338, Indianapolis, Marion County, 25 August 1895 — Page 2

Das tt'Nd.

en 3ttUtftl. Tch schau' dich an so wehmüthig, 'Du blondgelocktes Kind, Und fühl' es tief, wie selig Wohl deine Eltern sind. WaS ist das Gold der Reichen, WaS auf der Stirn ein Kranz. Kind! gegen deine Locken Und deiner Augen Glanz? Und was sind alle Stimmen vereint zu Ruhm und Preis Gegen dein süßes Lallen - Und meine Thräne heiß? O Kind! mir sagt dein Lallen: Hast Lieb' und Lenz versäumt. Und hast dein Leben einsam In Liedern hingeträumt. In Baskcrville's Ucbers.'tzung? THE CIIILD. Frorn STOLTF.RroTi. I loolc on thee wliit sadness, Tfaou flaxen-headed boj, And Ob! I seel it deeply, -Uow great thy parent'a joj! JVhat are tbe rieh man 's treasures, Farne's garlands that ve twine, My child, to thy fair tresses, To those bright ejres of tbine? ; And -what ero all the voices "Which but in praise combine? Compared whit thy sweet lispings. And these hot tears of raine? O bild, thus speak thy lispings, Neglecting Love and May, ,,Hast dreamt thy lone existence In soDg and verse away." Cljff jiutf bad: der Kaiserin. öon Alex de Neve. I. Wer sollte sich nicht des berüchtigten Continental - Systems", jener derzweifelten politischen Zwangsmaßregel Napoleons I. erinnern, welche auf die Lernichtung der englischen Manufactun, vermittels Absperrung des Exporthandels, berechnet war? Mit wie unerbittlicher Srrenge der französische Gewalthaber die Ausführung dieser Maßregel überwachen ließ, davon Laben die zahllosen Confiscationen, die vielen Scheiterhaufen werthvoller Producte aller Zweige de? englischen Jndufirie auf fast allen- europäischen Handelplätzen die traurigsten Zeugnisse. Nicht blos die Steuerbehörden Handhabten schonungslos diesen den Handel bt ganzen Continents schädigenden Barbarismus des, insbesondere gegen England wüthenden Welteroberers; auch die weithin verbreitete geheime Polizei desselben war angewiesen, gegen hohe Belohnung in Derselben Richtung zu wirken. Und man kann sich senken, mit welchem Eifer, mit welcher Gewissenlosigkeit die edlen Genossen dieses würdigen Institut napoleonischer Spionage sich ihrer Aufgabe unterzogen, wenn wir nur erwähnen, daß ihnen im Voraus die Hälfte desBcutewerthes zugesprochen war für jeden Contraventionsfall, den ihre Späherblicke entdeckten. Glücklicherweise trug auch hier, wie fast immer, die böse That ihre Strafe in sich selbst. Die geringe WillfährigZeit, welche Rußland den Gesetzen des Continental - Systems bewies, verleitete Napoleon zunächst zu jenen feindseligen diplomatischen Kundgebungen gegen diese Macht, aus welchen sich slsbald der Krieg gegen dieselbe entwickelte derjenige Krieg, den man mit Recht als den Anfang des Endes" der 'damaligen napoleoniscken Her?schast bezeichnet hat. Als der General Savary PolizeiMinister war, unterrichtete er eines Tages den Kaiser von den in der letzteren Zeit entdeckten Fällen, welche die verpönte Einführung, englischer Waanu in Frankreich selbst zum Gegenstände hatten. Napoleon bemerkte dem Minister in etwas ungehaltenem Tone, daß die Polizei es an Wachsamkeit fchlcn lasse. Denn er wisse genau, daß don vielen hochgestellten Personen Contrebande in Paris eingeschmuggelt werde, die unentdeckt bleibe. Savary. welche? Ursache hatte, die Wahrheit dieser Bemerkung zu fühlen, entgegnete, daß die Entdeckung mancher Contraventionen durch die Rücksichten erschwert werde, die sich gegen eben jene Personen nicht aus den Augen setzen ließen. Auf diese Antwort schien der Kaiser gewartet zu haben. Rücksichten?" herrschte er den Polizeichef an. Gesetz und Rücksichten, Savary. lassen sich nicht vereinigen. Nichts in der Welt darf Rücksichten zulassen, wenn es sich umPflichterfüllung handelt. Am allerwenigsten darf es tas Ansehen der Person!" , . Die Person. Sire." entgegnete zöyernd der Minister, ist bisweilen so hoch gestellt " Hoffentlich nicht höbe? als das Gesetz!" Dennoch, Sire " Nun. wenn dem so wäre sagen "Sie es frei heraus. Wenn solch? Rücksichten die Erfüllung Ihrer Pflichten schweren, werde ich Ihnen zu Hilfe Zommen. Von wem ist die Rede?" Von Ihrer Majestät der Kaiserin." Napoleon stutzte. Iofepbine?" fragte er aufhorchend. .Ja. -Sire." Sind Sie Ihrer Sache gewiß, Savary?" Zuverlässig Es sollte mir leid thun, Iosephinen emeFreude verderben zu müssen," sagte Idoles, während er einige Male mit

? ralcken Stritten tos flirnm durck-

1 maß- Dann, fuhr er, gegen Savary gewendet, fort: WaS wissen Sie da von? Lassen Sie hören!" Sichere Agenten, Sire, benachrich iigten mich, daß Ihre Majestät regelmäßig jeden Monat eine Kiste englischer Stoffe empfangen, die mit der Bezeichnung: Theezwieback für Ihre Majestät die Kaiserin" versehen, aus schuldigem Respect weder an der Grenze, noch von den hiesigen Beamten vorschriftsmäßig geöffnet wird. Ich war einmal so indiscret, mich durch den Augenschein von dem Inhalte einer solchen Kiste zu überzeugen. Indeß wagte ich es nicht " Mir davon zu sagen? Darin thaten Sie Unrecht," sagte Napoleon mit verweisendem, doch lucht strengem Tone. Gestern, Sire." bemerkte der Mimster. ist wieder eine solche Kiste angekommen. Ich habe sie. bis auf wei tere Ordre, im Revisions-Bureau zurückbehalten lassen." Das ist gut, Savary, sehr gut. Senden Sie mir sogleich den General Steuerdirector. Ich werde die Sache machen." II. Mußten Millionen Menschen den Druck deS Continental Systems- sehr schwer empfinden, so vermochte doch die Kaiserin Josephine nicht, sich demselben zu fügen, Sie hatte fast immer nur englische Stoffe getragen und dieselben nebst anderen Luxusartikeln aus London bezogen. Dieser Gewohnheit wollte sie um keinen Preis entsagen, und doch durften diese Gegenstände nicht mehr den Canal passiren. Eine List mußte aushelfen. Und diese gelang anfänglich so vortrefflich, daß die drakonische Strenge, mit weZcher das Einfuhr - Verbot ihres Gemahls gehandhabt wurde, der Kaiserin durchaus keine Sorae mehr machte. Sie hatte nämlich einen Pariser Spediteur, Agenten eines Londoner Handlungshauseö, in'S Vertrauen gezogen, und dieser vermittelte nun die Sache genau in der Weise, wie Savary dem Kaiser benchtet hatte. Wie sehr mußte eS barr die Werwunderung Josephinens erregen, als ihr eines TageS gemeldet wurde, daß eine soeben für sie angel.ng?e Kiste englischer Seidenzeuge, zum Betrage von 40.000 Francs, in Wirklichkeit weiter nichts enthalte, als Theezwieback! Der Agent, de? diese Lieferungen, auf Gefahr der Kaiserin, immer besorgte, vermuthete eine Verwechslung bei der Bezeichnung der Kiste am Abgangsorte. Er stellte daher Nachfragen an, aber vergebens. Das Londoner Handlungshaus versicherte, daß Alles in der besten Ordnung zugegangen sei. Josephine zahlte dem Agenten den Rechnungsbetraa mit 40.000 Francs und empfahl ihm, dafür Sorge zu tragen, daß man in London bei Äbfendung der nächsten Kiste mit der größten Aufmerksamkeit verfahre. Räch Verlauf von vierzehn Tagen ging bereits die neue Sendung ein. Diesmal wurde die Kiste in Gegenwart eines vertrauten Hausbeamten der Kaiserin sowie deS Agenten geöffnet, nachdem der Verschluß derselben sorgfältig untersucht und in Ordnung befunden worden war. Aber dasselbe Spiel wiederholte sich. Statt kostbarer' Seidenstoffe fand man nichts als Zwieback! Die Kaiserin zahlte abermals, vermuthet: indeß,-dasOpser eines in London vollführten Betruges zu sein. Auch der Agent, dessen Rechtlichkeit notorisch war, neigte sich dieser Vermuthung zu. Man beschloß daher, die verpönten Artikel nicht mehr aus London, sondern von einem Glasgow Handlungshause zu beziehen. Der Agent traf hierzu die nöthigen Einleitungen, und mit gespannter ErWartung sah man de? ersten Lieferung entgegen. Es mußte sich nun zeigen, ob der Verdacht, den man gegen das Londoner Haus gefaßt hatte,, begründet sei. Denn der völlig unverletzt befundene Verschluß der letzten Kiste ließ nicht den geringsten Argwohn aufkommen, daß dieselbe auf -dem Wege von London nachParis könnte geöffnet und beraubt motten sein. Endlich langte die Sendung m. Die Siegel, die Schnüre der Kiste werden besichtigt und man findet AlleS in de? besten Ordnung. Als man aber öffnet, erblickt man nichts als Theezwieback! Josephine war von sanfterGemüthsart. Jetzt aber ging ihr die Geduld zu Ende. Sie zahlte zum letzten Male und beschloß, dieses kostspielige Contrebandiien aufzugeben, dagegen aber Alles aufzubieten, um hinter das Geb?imniß zu kommen, welches ihre Schatulle bereits um 120.000 Francs geprellt hatte. Dieses Verlangen Josephinens ging bald in Erfüllung. Ein in die Sache eingeweihter kaiserlicher Beamter klärte sie auf. Napoleon selbst hatte die mit der Bezeichnung: Theezwieback für Ihre Majestät die Kaiserin" ankommenden Kisten öffnen und die kostbaren Stoffe durch Theezwieback ersetzen lassen. Darauf waren die Kisten mit eigenS zu diesem Zwecke angefertigten Siegeln wieder verschlossen und dem Agenten Josephinens ohne Weiteres verabfolgt worden. III. Josephine. beschloß, sich wegen der gespielten Intrigue, wenn auch nicht zu rächen, doch aber sich zu entschädigen. Und die Gelegenheit' hierzu hatte sich bald gesunden. Einige Tage nach der gemachten Entdeckung jenes Geheimnisses speiste der Kaiser W ihr zu Mkg.: Seiner

Gewohnheit nach trank er nach Tische eine kleine Tasse Kaffee, plaudern ein halbes Stündchen mit Jofephine und schickte sich dann zum Fortgehen an. Diesen Augenblick hatte die Kaiserin abgewartet. Apropos, Sire," wandte sie sich mit der ihr eigenthümlichen Liebenswürdigkeit an Ropoleon, ich habe ein kleines Anliegen, das keinen Aufschub leidet." Lassen Sie hören." Meine Kasse, Sire, ist etwas erschöpft, und Sie haben eine kleine Rechnung bei mir, die Ihr Schatzmeister nicht bezahlen will." Weshalb nicht?" Er beruft sich auf Ihren Befehl." Dann, freilich, ist der Mann entschuldigt," sagte der Kaiser mit unterdrücktem Lächeln. Aber ich komme damit nicht zu meinem Gelde. Ich bitte also, Sire, zu befehlen, daß man mich bezahle. Es ist ein Gegenstand, der Ihre Haushaltung betrifft." Also nicht von Bedeutung?" Nur für einige Kisten englischen Theezwieback. Ich weiß ja, Sie lieben ihn, obgleich Sie die Einfuhr verboten haben. Ich habe ihn daher für mewe Rechnung bezogen." Daran thaten Sie Unrecht, meine Liebe; doch will ich. Ihrer guten Absicht wegen, eine Ausnahme gelten lassen. Wieviel beträgt die Rechnung?" 400,000 Francs. Sire," sagte Josephine. dem Kaiser eine Rechnung über zehn Kisten Theezwieback präsen tirend. Mit einem Gemijch von Ueberraschung und verbissenem Lachen sah Napoleon bald Josephinen, bald die Rechnung an. Das ist ja entsetzlich theuer!" Der Zwieback an sich, Sire, ist wohlfeil. Aber Ihre Steuerbeamten haben ihn so vettheuert."' erwiderte die Kaiserin ein wenig ironisch. Für 400.000 Francs, erhielte man ja zehn Kisten der kostbarsten Seidenzeuge!" Das glauben Sie nicht, Sire. Die englischen Zeuge sind jetzt um keinen Preis mehr zu haben. Schon mit dem Zwieback hatte ich meine Noth, ihn zu erhalten." Wohlan, der Noth wegen, die Sie damit nehabt haben." sagte der Kaiser, sollen Sie bezahlt werden. Aber, Liebe, lassen Sie mir keinen Zwieback mehr kommen." Ohne Sorge, Sire Sie sind noch auf lange Zeit verseben," antwortete Josephine mit schalkhaftem Lächeln, als ihr Napoleon die Rechnung übergab, nachdem er dieselbe mit seiner ZahlungS - Anweisung versehen hatte. Als Savary, dem der Kaiser von der Contribution erzählte, in' welche Josephine ihn genommen hatte, einige Zeit darauf gegen denselben bemerkte, daß Ihre Majestät keinen Thcezwieback mehr kommen lasse, erwiderte er lächelnd: Das glaube ich, Savary; es wird wohl keiner mehr zu haben sein, den ich nicht schon bezahlt hätte!"

Künstliche Wohlgerüche. Die Zahl der Parfüms, die der Chemiker, unabhängig von derBlumenwelt, in seinem Laboratorium erzeugt, wird immer größer. Es ist zumeist der Steinkohlentheer und seine Abkömmlinge, auS denen die Parfüms bereitet werden Erwägt man, daß Steinkohle der Rest einer üppig entwickelten Flora der Urzeit ist, so kann eigentlich von einer Neuerzeugung, einerAuferstehung sowohl der farbigen Blüthenpracht als der Düfte dieser 'Flora aus ihren Ueberresten gesprochen werden. BesonderS deutsche Gelehrte haben die Ehemie und die damit verbundene Jndustrie der künstlichen Riechstoffe durch eine Anzahl neuer Entdeckungen gefördert. Professor Tiemann und Dr. Krüger verdanken wir den künstlich erzeugten Veilchenriechstoff, der badischen Anilin- und Sodafabrik den künstlichen Moschus und in einer Holzminde ner Fabrik wird das! künstliche Vanillin fabrikmäßig dargestellt. Auch ein Rosenparfüm hat man aus Steinkohlentheer dargestellt. daS im Duft große Ähnlichkeit mit Rosenöl hat, ohne es jedoch an Stärke und Feinheit zu er reichen. Zur Bestimmung der Par fümriechkraft der einzelnen Duftstoffe wird auöFrankreich eine sinnreiche Methode empfohlen, welche auf der Ei genschast des Terpentinöls beruht, Wohlgerüche vollständig zu absorbiren. so daß eine geruchlose Mischung entsteht. Man ermittelt die Menge Ter. pentinöl, welche nöthig ist, bestimmte Mengen der Geruch-stoffc zu neutrallsiren, und folgert, daß je größere Men gen Terpentinöl nöthig sind, um so stärker die Parfümirungs kraft ist. Auf diese Art hat man eine interessante Skala aufgestellt und, will daraus auf ähnliche mathematische Beziehungen, wie sie zwischen den Schwingungszahlen derTöne bestehen, auch zwischen den Gerüchen, die sich vertragen oder nicht vertragen, schließen. Der rechte Mann. A: Wie kam es, daß der Mörder Anderson freigelassen wurde?" B.: Sie fanden ein für seine Fähigkeiten sehr geeignetes Arbeitsfeld." A.: Was ist daS?" B.: Motorman auf einer Trol-ley-Car." Der S6?werenöther. May: Ich habe gestern Abend Arthur einen Korb gegeben." Maud: Nun, er war ja darauf vorbereitet." May: .Woher glaubst Du das?" Maud : Är hat sich ja vorgestern Abend mit Ethel verlobt." Die rechte Sorte. Freund: Waren Sie mit Ihrem ersten Krankheitsfalle erfolgreich?" Doktor: Ja, feine Wittwe'zahlte die Rechnung."

Eine wohtth'ätlgc Schwesterschaft In Frankreich besteht eine weibliche Congregation, die kaum dem Namen nach" bekannt ist, und die es doch verdient, wegen ihrer menschenfreundlichen Tendenz von allen Seiten unterstützt zu werden: es ist die Congregation der Dienerinnen der Armen". Das Mutterhaus befindet sich in Angers. Zweiganstalten sind in Paris, Joinville und Perthenay errichtet worden. Die leitendc Bestimmung der Congregation ist. in den Häusern Dürftiger, wo Mann und Frau außerhalb ihres Heims in schwerer Arbeit beschäftigt sind, die Kranken zu pflegen und . alle häuslichen Geschäfte, wie Kochen, Zimmerreinigen u. s. w. ohne Entgelt zu verrichten, ihnen in Allem und Jedem die Dicnstmägde zu ersetzen. Dafür dürfen sie nicht einmal Speise oder Trank annehmen; sie bringen sich Schwarzbrod und gekochte, kalte Eier mit. die sie als Mahlzeit verzehren; so weit ihre Mittel es gestatten, versehen sie die Kranken mit Ekwaaren, allerdinas nicht in großem Make, denn die Congregation ist so arm, daß im Jahre 1894 die Mutteranstalt sich nur 1630 Francs absparen konnte, i sie für ihre armen Schützlinge zu verwenden. Wie nüklich diese ganze Einrichtunq ist. wird Einem erst klar, wenn man fi vor Auaen hält, daß gerade in den ärmsten Klassen eine unüberwindlickeScheu vor dem Aufenthalt in einem Spital herrscht, und daß Viele aus diesen Gesellschaftsschichten lieber veremsamt und verlassen zu Hause das Bett hüten, als daß sie sich in ein Spital begeben. Die Dienerinnen der Armen", unter denen sich Frauen und Mädchen aus den vornehmsten Familien befinden, verrichten jede Art häuslicher Arbeit, beschränken sich also keineswegs auf die bloße Krankenpflege. Sie waschen Morgens die Kinder und kleiden sie an, bessern Kleider und Wäsche aus, bereiten das Abendessen für Mann und Frau vor, die dann aus der Arbeit heimkehren, und ist es nöthig, so bleiben sie während der Nacht. . In vielen Fällen stiften sie auch moralisch Gutes, sie bessern Trunkenbolde, schlichten ehelichen Streit und bringen legitime Heirathen anstatt der 'in Frankreich grassirenden wilden Ehen zu Stande. Ueber einen Kohlenbrenner, Namens Jean Moreau. an dem sich der gute Einfluß der Dienerinnen der Armen" besonders eclatant erwiesen hatte, wird von einer Schwester das Folgende berichtet: Als ich zu ihm kam." berichtete sie, lag er an einer Lungenentzündung darnieder. . Bei meinem Eintritt wurde er zornig und schrie: Sie hat gewiß mein Weib geschickt, ich will aber keine Schnsester und keinen Geistlichen ich brauch Euch Alle nicht!" Lieber Herr." antwortete ich, sehen Sie in mir keine Ordensschwester, sondern eine Magd. Da Ihre Frau im Gewerke arbeitet, werde icff das Haus besorgen. Sind Sie mit mir nicht zufrieden, so weisen Sie mir die Thüre." Nach einer Woche ging es ihm besser. Bis dahin hatte er mein Thun und Lassen nicht eben mit freundlichen Augen verfolgt. Dann richtete er plötzlich das Wort an mich und erzählte mir seine Lebensgeschichte. Noch hatte er ein gewisses Mißtrauen gegen mich, als dieses aber gewichen war. rückte ich ihm mit der Bitte auf den Leib, er möge die Mutter seiner drei Kinder heirathen. Nach einigem Sträuben willigte er ein. Nun hatte ich viele Mühe, zuerst mit der Beschaffung der Documente, dann der Hochzeitskleider. Aber das Alles fand sich. Am Morgen vor der Trauung ging ich hin, um die Kinder anzukleiden. Moreau bat mich, der Hochzeit beizuwohnen. Ich mußte ablehnen, weil die Ordensregel mir das verbiete. So lassen Sie mich Ihnen wenigstens," bat er. .ein Zweiglein von unserem Resedastock geben, heften Sie es sich an die Brust und gehen Sie ein Stück hinter dem Hochzeitszuge her, damit man sieht, daß Sie daran theilnehmen." Das that ich und Moreau war außer sich vor Freude."

Der Näyrwerth der Austern. Der durch eine frühere Untersuchung festgestellte große Gehalt der Austernschalen an Phosphor gab Veranlassung, nunmehr zu untersuchen, wieviel Phosphor im Fleisch der Austern enthalten ist. Es wurde dabei festgestellt, daß 100 Theile Trockensubstanz, der französischen Austern 1.836 Theile und 100 Theile Trockensubstanz der portugiesische Austern 2.082 Theile Phosphorsäure enthalten. Danach enthält eine französische Auster mittlerer Größe 0.020 Gramm Phosphor, eine portugicsisci: gar 0.032 Gramm. Der Phosphor ist im Austernfleisch in organischen, leicht lösliche Verbindungen enthalten, so daß er der Aufnahme in den menschlichen Körper keine großen Schwierigkeiten bereitet. Daß die Auster einen verhältnißmäßig großen Eisengehalt besitzt, haben schon frühere Analysen gelehrt, und wegen dieses großen Eisengehaltes und des neu constatirten bedeutenden Reichthums an Phospbor emvfiehlt sich die Auster als eine sehr stärkende Nahrung. , Verdacht. Sergeant: Jette, ich globe,. Du bist mich nicht mehr treu?" Jette: Aber warum, mein Schatz?" Sergeant: Du kochst seit einiger Zeit so zerstreut!" Er fühlt sich getroffen. Redender: Kann ich ohne Führer auf den Kramer gehen?". Bauer: Das würde ich Ihnen nicht rathen, dazu muß' man ganz schwindelfrei sein!" Reisender: Woher kennen Sie mich?-

ZZilöcr aus Madagaskar. Der von den Franzosen gegen die Howas unternommene Feldzug lenkt die allgemeine Aufmerksamkeit neuerdings in erhöhtem Grade auf die Insel Madagaskar. Inmitten derselben liegt die schwer zu erreichende Hauptstadt Tananarivo oder Antananarivo, das heißt die Tausendstätte, welche sich auf hügeligem Gelände terrassenförmig erhebt. Mit ihren vielen Hütten, zahlreichen größeren Giebelhäusern und Kirchen gewährt die Stadt einen ganz stattlichen Anblick; bezeichnend ist die Menge von Blitzableitern, da es während der Regenzeit fast täglich

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MWW D e r Königspalast.' ein Gewitter gibt. D!: Straßen sind regellos gsührt. steil, holperig und bei schlechtem Wetter kaum zu passtren. Auf der höchsten Bodenerhebung der Stadt ist der königliche oder Ranavalopalast erbaut. Sein Bau, der von dem Franzosen Laborde geleitet wurde, war ein Riesenwerk, da daS Holz dazu 50 bis 60 Meilen weit herangeschafft werden mußte. Es gefchah durch Frohnarbeiren der Be völkerung. für die weder Lohn noch Nahrung gegeben wurde; an 15.000 Madegassen sollen dabei den Entbehrungen und Anstrengungen erlegen sein. 1868 hat der Engländer Cameton die alten, den Palast umgebenden Holzgallerien und den alten Königsbalkon niederreißen und neue Gallerien in Stein ausführen lassen. Die In Aiforna. Bewohner der Hauptstadt haben, wie die Howas überhaupt, wenig .Kunstgewerbe; als Musikinstrument dient das Sesando. Alle Arten von Schmiebearbeit in Eisen, Kupser und Messing werden dagegen in wahrhaft vollendeter Weise hergestellt. Die EdelMetallarbeiter fertigen zierliche Schmucksachen - und feine Filigranarbeit, auch hübsche Holzschnitzereien werden ausgeführt. Originell sind ihre aus einem Ravenalablatt gebildete Trinkbecher. Die Ravenala, auch Baum der Reisenden genannt, ist eine pisangähnliche. bis 20 Fuß hohe Pflanze mit langgestielten, großzn Schaufelblättern, die sich sichelartig auf der Spitze des Stammes erheben. In den Blattstielscheiden sammelt sich Sesando. reines frisches Wasser, das nach dem Durchstechen der Hülle dem Reisenden jederzeit ein gutes Trinkwasser liesert. Die sehr langen Blatter dienen zum Dachdecken, als Teppiche, zum Verpacken, als Tischtuch. Teller, als Theil von Musikinstrumenten, zusammengelegt als Löffel und als Trinkgeschirr, besonders wenn man sich des Wassers in den Blattstielhüllen bedienen will. Um unseren Lesern auch eine Vorstellung von den Dörfern der Howas zu geben,-fügen wir noch eine Ansicht bei, die uns in das Dorf Biforana versetzt. Es besteht aus einer einzigen Straße von BambusHütten und liegt ungefähr auf halbem Wege zwischen Tananarivo und der Ostküste. Verkürztes Vergnügen. Mama: Warum weinst Du denn, Karl?" Karl: Der Fritz krie kriegt vom Papa Schlä schlägt" Mama: Das ist schön von Dir, daß Dir Dein Bruder so leid thut." Karl: Lei leid tbut er mir nicht, aber der Papa läßt mich nicht zuschauen!" Verschiedene Empfindung. Dienstmädchen: Sie' sind ja in der letzten Zeit auffällig mißgestimmt!" Commis: Weil ich zu den Soldaten komme!" Dienstmädchen: Sonderbar! Wenn ich zu den Soldaten komme, bin ich immer sehr scrPlugt!" . :

Ein WasserJwekra. Wiederholt ist der Versuch gemacht worden, das Tretsystem des Fahrrades auf ein Wasserfahrzeug zu übertragen. Während man jedoch biöher die Bootform noch beibehielt und den oder die Insassen darin unterbrachte, zeigt die Construction, welche in unserer Jllustration dargestellt ist. in dieser Hin. sicht völlig neue Züge. Die Fahrmaschine ist ganz über die Oberfläche deS Wassers versetzt, und der Fahrende nimmt auf ihr die Stellung wie auf einem gewöhnlichen Zweirad ein. Getragen wird die Maschine von zwei langgestreckten, spitz zulaufendenStahlkästen, die in ihrer Form an die schmalen Grönländerkähne erinnern und durch zwei . Querstangcn verbunden

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sind. Zwischen ihnen liegt im Hintertheil ein Paddelrad, das durch das Fußgestell der Fahrmaschine in Bewegung gesetzt wird. Gesteuert wird das Fahrzeug mittels eines kleinen Steuerruders am Heck, auf das die Lenkstange wirkt. Das Gewicht des ganzen Apparats beträgt etwa 110 Pfund. Als Erfinder des eigenartigen, für Seen und Flüsse bestimmten Fahrzeuges wird ein Spanier, Don Ramon Varea in Madrid, genannt, und es wird zugleich versichert, daß dieser darin leicht und schnell über das Wasser gleite. Auf spiegelglatter Wasserfläche mag dies wohl möglich sein, aber bei Wellende wegungen, wie sie selbst auf jedem Binnensee im Augenblick auftreten können, dürfte es dem Fahrer auf seinem hohen Cch denn doch einige Schwierigkeit machen, dasGleichgewicht zu halten. Friedrich ngelS. Im Alter von nahezu 75 Jahren ist in London Friedrich Engels aus dem Leben geschieden. Als der Sohn eines wohlhabenden Fabrikanten geboren, trat der Dahingeschiedene schon in jungen Jahren in Wort wie That für eine Besserung der Lage der arbeitenden Klassen in die Schranken und hat er bis zu seinem Tode eine sehr hervorragende Stellung in der Friedrich Engels. Arbeiterbewegung eingenommen. Ist Carl Marx als der eigentliche wissenschaftliche Begründer des heutigen Socialismus zu betrachten, so war Engels sein durchaus ebenbürtiger Mitarbeiter. Engels war ein ebenso fleißiger wie fruchtbarer Schriftsteller, dessen Arbeiten auch von seinen Gegner ein unbestreitbarer wissenschaftlicher Werth zuerkannt wird. Das Vürger-Tenkmal. An der Stätte, wo vor hundert Iahren der unglückliche Dichter Gottfried August Bürger in Göttingen zur ewigen Ruhe gebettet wurde, ist ihm jetzt auf dem Friedhofe vor dem Weender Thor ein Denkmal errichtet worden. Das einfache, von eine: Bronzebllste gekrönte Monument wurde unter arößer Bthciliaung der Einwohner Göttinqens enthüllt. Die Büste ist von Prof. Gustav Eberlein in Berlin modellirt und gibt die Zibe des Dichters nach dem besten Bildniß, das vorhanden ist, getreu wieder. Die Wahrheit über all e s. Bürqer (mit dem Herrn Pfarrtr , die Gasthausstube verlassend): Hochwürden, lassen Sie mi gefälligst vorausgehen, daß ich meiner Frau ' sagen kann, uy ti tqtt aus oem Bauhaus fortgegangen, als der Herr Pfarrer; dann hab' ich Ruh' vor ihr!"

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Gemüthlich. Richter: Nun ! erzäykn Sie mir einmal den ganzen ?' Vorgang, wie Sie es anstellen, wenn ; Sie eine Kasse erbrechen?" Ein- ! brecher: Aber i' bitt' Sie,' Herr Rich- ! ter, vom Erzählen könnenö nichts pro-1 fitiren, da müßten'S amal 'praktisch mit thätig sein."

Convcntionelle Lügen. Verstellung und Heuchelei werden im Allgemeinen auf das Tiefste verachtet, auf das Schärfste verurtheilt. Es ist auch nicht zu leugnen, daß Verstellung und Heuchelei schon viel Herzeleid verursacht, viel Unglück angerichtet haben. Allein wohin wir auch schauen, ob in die Königsschlösser oder in der Armuth Hütten, überall begegnen wir auf Schritt und Tritt der Verstellung und der Heuchelei. Macht einmal ein echter Menschenfreund, welcher die Wahrheit über Alles liebt, den Versuch, diesem häßlichen, verderbenöringenden Unwesen energisch entgegenzutreten, dann entgegnet man ihm wohl mit mitleidiaem Lächeln: Die Welt will betrogen sein, und daher mag sie denn auch betrogen werden! Ja, wer nicht mitmacht, der wird ausgelacht. Was hilft alles Reden, alles Mahnen und Warnen Verstellung und Heuchelei existiren, so lange die Welt steht, und sie werden erst schwinden mit dem Ende der Tage. Wie oft kommen wir doch, in die Lage. Freundlichkeit" und Liebenswürdigkeit zu heucheln, während unsere Seele von den entgegengesetzten Gefühlen erfüllt ist! Ich will mir erlauben, hier einige Beispiele anzuführen. Zwei angesehene Bürger der Stadt, nebenbei auch Concurrenten, bewerben sich um ein einträgliches Amt. Die Wahl fällt auf den jüngeren der beiden Bewerber. Nach der Wahl treffen die Herren einander auf der Straße; der .-urchZefallene" begrüßt und beglückwünscht den Sieger" auf das Herzlichste, während er im Innern fast vor Neid vergeht. Allein der Concurrent bekleidet jetzt ein wichtiges Amt. und da heißt es, gute Miene zum bösen Spiel machen! Gehen wir zu einem zweiten Beispiele über. Eine Familie sitzt gemüthlich am Kasseetisch. Da tritt das Dienstmädchen in's Zimmer und überreicht der Hausfrau eine Visitenkarte. Die Dame wirft einen Blick auf die Karte und ruft dann ärgerlich aus: Es ist doch zum Tollwerden, daß diese schreckliche Personen gerade jetzt uns stören muß! Wird der Besuch etwa abgewiesen? O nein, die Dame be sitzt großen Einfluß, sie kann viel nützen, aber auch viel schaden! Sie darf deshalb nicht abgewiesen werden, nein, sie muß auf das Freundlichste und Liebenswürdigste empfangen werden. während man sie im Stillen dorthin wünscht, wo der Pfeffer wächst. Und die Dame des Hauses eilt mit freudestrahlendem Gesicht auf ihren Besuch zu und sagt mit einschmeichelnder Stimme: O wie sckön von Ihnen, wie liebenswürdig, daß Sie wieder einmal an mich denken! Ich kann Ihnen gar nicht sagen. wie sehr mich Ihr Besuch erfreut und beglückt." Doch kaum hat sich der Besuch wieder entfernt, da athmet die Hausfrau, wie von einem fchweren Alp befreit, erleichtert auf und ruft vergnügt: Gott sei Dank, daß dies überstanden ist! Nun habe ich ja wieder einige Wochen vor ihr Ruhe. Nein. nein, ich kann gar nicht sagen, wie dieser Besuch mich gelangweilt und aufgeregt hat!" Die angeführten Beisviele bedürfen keines Commentars. Wir leben in einer Welt der Falschheit und der Heuchelei. Und w-arum ist die Welt so falsch und so voll Heuchelei? Weil die Menschen heuchlerisch und falsch sind. Was hilft alles Klagen, alles Kammern über die schlechten Zeiten, über die v:rderbte Welt? Erst wenn die Menschen besser werden, dann wird auch die Welt, dann werden auch die Zeiten besser sein. Aber wer soll den Anfang machen? Ein Jeder mit sich selbst und in seinem Hause; er k:hre nicht erst vor des' Nachbars Thüre, sondern vor Allem vor der eiq:n:n. er i'ebe nicht den Splitter im Auae d-:s Nächsten, sondern in erster Linie den Balken im eigenen Auge! Allein wann wird diese neue Aera anheben? Das mögen die Götter wissen! 5xed-nfalls dauert es noch geraume Zeit. Ein gut Dinq will Weile haSen, sagt das Sprichwort. Tbeorie unv Praxis. Herr Vrahlm:i:r (sich in seinem Heim eine Rede sür eineMassenversammlung cinlwdirend): Gebt uns Arbeit! Ja! Arbeit müssen wir haben, und Arbeit werden wir haben, und falls si: uns nic5.t gutwillig zutheil wird, werden wir uns Arbeit ergingen! Frau Prahlmeier (zur Tbür hereinrufend): Du. Wilhelm, im Keller sind so viel alt? Kisten und Fässer. Willst Du nicbt Hinsehen und mir für die nächsten Tage ein bischen Holz klein machen? Er: I. fällt mir gar n:5t ein. laß doch ander: sich schinden! Ich will meine Ruh' haben! S e l b st b e w u ß t. Käuferin: Dieser Stoff ist zwar dauerhaft, aber er zeigt nicht das richtige Himmelblau." Verkäufer: Aber iÄ bitt' Sie, meine Dame, wer sagt Ihnen denn, daß der Himmel das richt:ge Blau hat?" Schulweisheit. Lehrer: Wer kann mir einen verwandtenAusdruck für Freund" sagen? (Die Schüler-schweigen.) Nun, wie heißt ein Mensch, der alles für einen thut, ohne eine - Bezahlung anzunehmen? Ein Kam... nun?" Der kleine Mar (die Hand in die Höhe streckend): Ein Kameel!" , Gipfel deS Concurrenzneides. Der Kunstbutterfabrikant Talg muß ein recht brotneidiger Mensch sein." Und ob, der sieht jede Kuh als Cöncurenten an." Gleich geholfen. .Sie haben mir ja zu meiner Verlobung gar nicht gratulirt.-. N, ich werde ti bei der nächsten nachholen.".