Indiana Tribüne, Volume 18, Number 331, Indianapolis, Marion County, 18 August 1895 — Page 6
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Vaum ;:nd Mensch. AhnungZlos! Pflanzt das K'md QintR Baum Ein geschwind. Und 'der Kein? Wurzeln! treibt. Ach. wie schnell Flieht doch die Zeit! Ueberragend Niedern -Strauch, Bäume wachsen, Menschen auch. Unterm Laubdach, . Säuselnd leis'. Junge Herzen Werden hei. Und der Baum Strahlt zurück Menschenfreude, lternglück! Regen kommt. Nach Sonnenschein. Bitter stellt die Thrän' sich ein! Blätter wetten Nach altem Brauch, Ach, es welken Die Menschen auch! Baum, der blüht Jahrauf, jahrab, Schau! hernieder Aus stilles Grab! . Gedenke mein! Vou H. Quadt. Gedenke mein!" Eine Welt voll der edelsten Empfindungen liegt in diesem Ausrufe! Unsere ganze' Sprache bat kein anderes Wort, welches wie dieses mit der Innigkeit seines Klanges alles, was die Seele Theuerstes hat, zurückriefe! Gedenke mein!" mit diesen Worten flehen wir um etwas, was uns beglückt. Was ist es? Ein Andenken, ein letzter, leiser Klang in dem Herzen eines geliebten Wesens, die Inschrift auf unserem Grabsteine, das Paradies, aus dem wir nicht vertrieben werden können. ,ßs it schön und beglückend, während wir leben, in der Erinnerung uns theurer Menschen gegenwärtig zu sein, Zeichc ihres treuen Gedenkens zu empfangen, zu fühlen, daß von der Wieg: b:s zum Grabe liebendes Gedenken uns umgibt. Der Glückwunschbrief zum Geburtstage eines Kindes, von den kleinen Händen mit zitternder Hast geösfnet und immer wieder mit Stolz gelesen, ist eine Quell: seligsten Entzückens für das jung: Herz. Ein Kistchen mit allerlei Gutem ruft oft einen Jubelsturm hervor, nicht allein des schönen Inhalts willen, sondern als ein Zeichen des Gedenkens von zu Hause". Die Erinnerung an die Wonne der Kinderzeit vermag noch ost das kälter werdende Herz der Alten zu erfüllen. Aber es gibt Viele unter uns, deren Leben sehr einsam ist. Schweres Schicksal trifft sie so oft, daß es scheint, als könne ihr Herz nie von neuemWurzel fassen. Fern von der lieben Heimath finden Jünglinge und Mädchen, verwöhnt durch Lieb: daheim, ein Unterkommen aber keine Heimath, keine Familie. Wer solchen Einsamen im Leben bqea.net, versäume nicht, ihnen zuweilen einen Beweis freundlichen Gedenkens auf den freudelosen Psad zu legen. Sie, die zu Hause- bleiben im Kreise ihrer Lieben, wissen nicht, wie das Herz eines in der Ferne Verschlagenen nach einem Zeichen aus der Heimath schmachtet. Es wäre daher grausam. der Abwesenden zu vergessen, und jede Entschuldigung, mit der ein zu spät abgehender Brief begonnen wird, ist eine Selbstanklage. Wie würde mancher in Reue zusammenzucken.wenn er sehen könnte, wie die Thränen fliefceir, weil kein Zeichen des Gedenkens von Daheim eintrifft. Morgen vielleicht willst Du es gut machen; weißt Du. ob Dir dies Morgen noch gehört? 'Vergiß nicht, daß ein Beweis des Gedenkens oft nur zur rechten Stunde wahren Werth hat. Du kannst es nicht gut machen, wenn erst Heike Thränen um einen aus Nachlässigkeit verschöbenen Brief vergossen sind. Es sind nicht so sehr die heroischen Opfer, welche das Leben fordert, es sind diese kleinen, sich wiederholenden Rücksichten, in denen die waltende Liebe sich offenbart, diese s'füinbaren Kleinigkeiten, welche daZ Dasein unsererLieben so sehr beglücken. Das ist es. was wir uns nicht oft cer.ua, wiederbolen können: daß es die Mission unseres Herzens sei, zu beglücken, So lang ihm noch ein anderes Herz In L'ebe warm entgegenschlägt." Wohl ist es eine freundlich schöne Sitte, die Ruhestätte unserer theuren Verstorbenen in liebendem Gedenken zu schmücken, und wohl uns, wenn wir uns dabei sagen können, daß wir nie versäumten, den Geliebten Blumen gereicht zu haben, als sie noch bei uns waren. Deshalb lasset uns das Dasein unserer theurenLebenden schmücken und stets der Liebe eingedenk sein, die wir ihnen schuldig sind. Seufzer eines Familienvaters. Der Garten prangt in voller Blüthe, Der Frühling hat ihn schön- gemacht. Warum Hai er nicht auch die Hüte Bon Frau und Tochter gleich bedacht?! Sein Beruf. Na, Line, Du hast ja 'wohl den Baßzeiger vom Stadtorchster gehnrathet?" Ja, leider! Den ganzen Tag biuairci er!"
Gibt es ZkeschlaugenZ Sie soll wieder gesehen worden sein, die Seeschlange." Diese Meldung, durchlief vor kurzem sämmtliche Zeitungen. Im Sunde von New York in der Nähe von Falkner's Island" ist sie zuerst dem Eapitän des Dampfers New Hampshire" erschienen, hat aber auch noch andere Schiffsführer mit ihrer Erscheinung erfreut. Ersterer bemerkte eine lebhafte Bewegung des Wassers, das in Schaum geschlagen wurde, und aus dem sich ein Ungethüm mit einem langen Schlangenhalse und einem unförmlichen Kopfe erhob, das mit seinem Schweife das Wasser hoch aufpeitschte. Die Schuppen des Leibes hatten einen metallischen Glanz in dem Suchlicht, welches man auf das Thier richtete, und schillerten in den verschiedensten Farben; die Größe der Schlange betrug unzefähr 150 Fuß. Meistentheils fügen die Zeitungen, die derartige Berichte in ihren Spalten erscheinen lassen, die Bemerkung ein: der Leser wisse wohl, was davon zu halten sei oder ähnliches. Also auch bei dem mindestüugen' Leser soll der Verdacht vermieden werden, der Zeitungsschreiber könnte das 'Dasein eines solchen märchenhaften Unzethüms für möglich halten; so werden denn diese zeitweise auftauchenden Kunden von der Seeschlange meist mit einem mitleidigem Lächeln von der Leserwelt aufgenommen. Trotzdem haben sich mehrere der namhaftesten Gelehrten und Forscher mit der Existenzfrage dieses Ungeheuers befaßt und sind zu dem Schluß gekommen, daß es vorläufig durchaus noch sehr verfrüht ist, ein absprechendes Urtheil über dieselbe zu fällen; es sei immer unklug, ein Phänomen unbedingt zu leuanen, das
noch ganz oder theilweise unerklärlich ist. Vor drei Jahren veröffentlicht: der berühmte Professor der Zoologie im Haag. A. C. Oudemans, ein umfangreiches und reich illustriries Werk, betitelt The Great Sea-Serpent", in dem er 187 Berichte von wirklichen Beobachtungen der Seeschlange behandelt. Nach deneloen i das Seethier in fast allen Meeren gesehen worden, und natürlich dort am m:isten, wo der Schiffsverkehr am großten ist. Von den Küsten nn) besonders die Ostküste von Nordamerika (mit 65 Beobachtungen), die norwegi sche Nordwestküste (mit 46) un) die schottische (mit 15) von ihm bevorzugt worden. Ueber das eigentliche Wesen dieses Seethieres sino sich zur Zeit noch die Gelehrten uneinig. Die einen nehmen an, die sogenannte Seeschlange sei ein 'großer Meeraal, ein großer Thunfisch, ein großer Hai. eine wirkliche Schlange, ein Seeelephant; andere halten das Thier für einen Rest aus der Saurierzeit, und zwar für einen Jchthyosaurus oder einen Plesioraus. Plesiosaurus. Es würde' zu weit führen, auf nähere Einzelheiten einzugehen, uno wir wollen uns darauf beschranken, einiger der wichtigsten Beobachtungen, die in verschiedenenZeitläuften gemacht wurden, hier Zrwähnung zu thun. , Die erste gut verbürgte Kunde von großen Seeschlangen stammt von dem Erzbischof von Upsala, Olaus Magnus; er erzählt von einer im Jahre 1522 gesehenen Schlange von etwa 50 Fuß Länge, die sich hoch über dem Wasser erhob; spater. 15oo, verich.et er, daß norwegische Fischer eine sehr große Seeschlang: von über 200 uß Länge und etwa 20 Fuß Durchmesser in der Nähe der Küste von Bergen sahen; sie soll eine Mahne, glanzende Augen und scharfe dunkle Ringe gehabt haben; sie habe dann die Boote verfolgt und sich Leute aus denselben herausgeholt. Die nächstälteste Beobachtung ging von einem anderen ,, ' y i cm go::essura;-llaen mannt, uzn groiiländischen Bischof Paul Ezede aus. der das Thier auf einer Seefahrt Egede'ö Schlange. 1734 zu Gesicht bekam. In seinem Tagebuch schildert er daMbe als e:n ungewöhnlich großes Ungethüm, das aus dem Wasser bis zur Höbe des Mastkorbes hervorragte. Der Kopf war schmaler als der Körper, der weich und runzlich erschien; es hatte :e:t: Tatzen. Halten wir Umschau nach ähnlichen Berichten in der Zeit, die uns .näher liegt, in unserem Jahrhundert, so stoßen wir zuerst auf den des Eapitän McQuhae. Commandant des englirc.. a,:.?.7:?k.s T.v-,fo,2" V., Uj(u jvmy3jyun ufcuu , vt. seine Beobachtungen über das Phänomen in einem einaebenden Schreiben an die britische Admiralität niederlegte. Demselben ist zu entnehmen, daß das Thier im Jahre 1848 in 24 Grad südlicher Breite und 9 Grad östlicher Läng: von dem Eapitän
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selbst, -mehreren seiner. Qfsiciere und einem großen Theil der Mannschaft
WlÄA rjr-: Dädalus" - Schlange. deutlich gesehen wurde. Die Schlange, von ungeheuerer Gestalt, hielt ihren Kopf und die Schultern beständig über Wasser. Der Durchmesser derselben betrug etwa 15 Zoll hinter dem Kopfe; dieser war ohne Zweifel der Kopf einer Schlange. Der Leib zeigte ein dunkles Braun, mit einem gelblichen Weiß bei der Kehle. Sie "hatte keine Flossen, aber etwas, das der Mähne eines Pferdes oder noch mehr einem Bündel Seegras ähnelte, spülte Kopf der D äd a l u s". Schlange. um ihren Rücken. Ungefähr in derselben Zeit 'wurden mehrere Fischer unweit Bergen von einem Unwetter überrascht, und während sie dem Lande zuruderten, von einer Seeschlänge verfolgt. Später ward dieses Thier an's Land geworfen und bei einem furchtbaren Sturme fiel ihm ein Baum auf den Kopf und erschlug es. Dorfbewohner zerschlugen den Eadaver. der Schmied des Dorfes nahm sich einen, von den Nückenwirbeln und benutzte ihn als Amboßklotz. Dieser Rückenwirbel fand später Aufnahme in dem Museum zu Christiania. Seeschlange und Pottwal. Abbildunq 5 zeigt einen Kampf zwischen Seeschlange und Pottwal, dessen 'Eapitän und Mannschaften der Bark Pauline" Zeugen waren. Am 8. Juli 1875 trafen dieselben in 5 Grao südlicher Breite und 33 Grad westlicher Länge drei große Pottwale; einem von ihnen hatte sich ein einer Seeschlange ähnelndes Ungethüm zweimal um den Leib geschlungen. Kopf und Schwanz schienen außerhalb der Windungen noch etwa 30 Fuß lang zu sein, der Umfang der Schlange war etwa 8 Fuß. Die Schlange umwirblte ihr Opfer beinahe 25 Minuten lang und zog dann den Walfisch, mit dem Kopfe voran, in die Tiefe. Ein anderes dieser Ungeheuer wurde von einem Mr. Armit im Jahre 1876 auf der Fahrt von Panama nach Callao in der Nähe von Guayaquil beobachtet. Bei ruhiger See erhob sich plötzlich in der Nähe des Schiffes langsam eine schlangenartige Creatur. bis sie beinahe 30 Fuß den Wasserspiegel überragte. Der Hals maß etwa 4 Fuß im Durchmesser und nahm nach unten hin an Dicke zu. Maul und Gebiß konnte nicht gesehen werden. Nach etwa 10 Minuten tauchte die Schlange wieder unter. Armit's Seeschlange. Zum Schlüsse sei noch der Seesckanae Erwäbnuna aethan. die im Jahre 1883 von Bord der deutschen Corvete Elisabeth" aus bei Gabun gesehen ward. In dem Schiffstagebuch smdet ich nur oie laiomjaje ein tragung: 5 Uhr Abends einen schwärm größerer und kleinerer Wale bemerkt un) bei denselben ein Thier. welches in Form und Bewegung eincr großen Schlange avnucy iay; dasselbe batte eine weinliche Farbe und erhob das Vordertheil oftmals 10 bis 18 Fuß über das Wajjer, wäbrend der übrige Theil in mehrfa chen Windungen das Wasser durchwühlte. Dem elngeforöerten Berichte des damals die Wache habenden Officiers ist Folgendes zu entnehmen: Der Betreffende hatte Die Gelegenheit, das Thier mindestens 20 Minuten zu beobachten. Das SeeungeHeuer bewegte sich nur langsam vorw'ärts. Der Kopf hatte eine lanzettenförniige Gestalt; die ab und zu sichtbar werdenden Nückentheile waren gekrümmt; der größte Theil des Rückens befand sich stets unter Wasser, meist war nur eine, manchmal Von der Elisabeth" gesehen, zwei und auch drei Krümmungen über dem Wasser zu sehen. Der Schwanz machte fast dieselbe hoch klappende und fallende Bewegung wie der Kopf; die obere Schwanzhälfte war zweitheilig.
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' Wenn nun auch nichts gewisses über das Wesen der Seeschlange bekannt ist, so wäre es doch falsch, zum mindestens verfrüht, das Dasein eines solchen Thieres vollständig abstreiten zu wollen, und es muß dem nimmer rastenden Forschergeist der Gelehrten überlassen bleiben, mit der Zeit Licht in dies Dunkel zu bringen. ZZiltmore. Mit goldenem Zauberstabe hat der Krösus George W. Vanderbili in der prächtigen, Berglandschast der Blue Ridge in Nord - Carolina einen Landsitz geschaffen, der in unserem Lande nicht seines Gleichen hat und den nur wenige Fürstensitze der alten Welt an großartiger - Schönheit übertreffen dürften. Derselbe umfaßt ungefähr 30.000 Acres, die von der kundigen Hand des Landschaftsgärtners Frederick Law Olmstead in ein veritables Paradies verwandelt sind. Mit dem Bau eines schloßähnlichen Palastes wurde der New Yorker Architekt Ni-
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M3 tstf 'fWTOv-ri 55 fiMWMMU Vanderbilt's Palast. chard Morgaw Hunt betraut. Beiden standen unerschöpfliche Geldmittel zur Verfügung und von diesen machten sie bei der Ausführung ihrer großartig angelegten Pläne den ausaiebiauen PCL? Gebrauch. Der Palast, welcher bei einer Tiefe von 190 Fuß eine Breite von 300 Fuß hat. zeiat einen fabelbaften Luxus, und nach seiner Vollendung dürfte der Bau mit der Einrichtung die Summe von 52,500,000 derschlungen haben. Mit den Kosten für den Grunderwerb,, die Neuanlagen und Verschönerungen in dem Terrain wird Moore's Hütte. Biltmore Herrn Vanderbilt auf mindestens 55.000,000 zu stehen kommen. Und trotz seiner ungeheuren Reichthümer war der Krösus nicht im Stande, aus seinem Paradies einen Neger. Josh Moore mit Namen, zu verdrängen, der dort e:ne ärmliche Hütte nebst neun Acres Land besitzt, dasselbe aber um keinen Preis verkaufen will. Vanderbilt hat dem Manne 59000 dafür geboten, aber der alte Neger weicht nicht vom Flecke. Das Betreten von Biltmore ist Fremden nur aus Grund besonderer Erlaubnißscheine gestattet. Vom Kasernenhofe. Unteroffizier (auf der Mütze eines Soldaten einen Strohhalm bemerkend): Ach. Du lieber Gott, etzt wächst es dem schon am Kopfe heraus!" Bescheiden. IfM Sie haben Zetzt schon den achten Hasen gefehlt!" Ja! Und da man kein Vergnügen übertreiben soll, so gehe ich jetzt nach Hause!" Löwenmuts. Galtin : Denke Dir. August, als ich an dem. Löwen vorüber kam. scblua das Wer mit seiner Tatze nach mir. Gatte (Pantoffelheld): Wirklich ? Ja. ja, diese Vowen haben doch Courage: Mitunter. A .: .Guten Taa. Frau Müller! Was macht Ihr Gatte ist er ein recht folasamer Patient?" Frau Müller: Mitunter lazon: Kettern bat ihm her A?,t ein Glas Bier erlaub! das hat er gleich getrunken!" Racke. 55unae Dame: Ihr letzter Roman gefällt mir sehr gut; nur hätte ich gewünscht, daß die Heldm ihren Oskar gekriegt hatte! Schriftstellerin verbitterte .Ach was. mein Bräutigam ist mir auch untMu geworden! DieVereinsmeierin. . . . .Und glauben Sie wirklich. Herr Professor, daß es jemals gelingen wird, uns mit den Mars-Bewohnern in Verbindung zu setzen?" Warum nickt?" Ach. da sollte man aber jetzt schon nun Verein gründen, um für die dortigen armen Kinder Socken zu stricken!"
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. Ein zverk deutschen Geistes.
Wer vor einem Jahrzehnt den indolenten Venezolanern gesagt hätte, daß eine deutsche Bahn binnen Kurzem die beiden Hauptstädte dieses Landes Caracas und Valencia verbinden würde, trotz all der Terrainschwierig, leiten, welche lange Zeit für beinahe unüberwindlich gehalten wurden, der würde von ihnen zweifelsohne für einen Phantasten gehalten worden sein. Diese Bahn ist jetzt eine Thatsache, und mit ihr ist nicht nur das fruchtbare und kaffeereiche Araguathal dem deutschen Handel erschlossen, sondern auch das deutsche Ansehen in dem Lande um ein Bedeutendes größer geworden. Bisher waren die Deutschen in den spanisch-amerikanischen Ländern fast nur als solides Handelsvolk bekannt, während sie in industriellen Unternehmungen hinter den kühneren Engländern und Nord-Amerikanern zurückstehen mußten. Nun ist dies mit einem Schlage anders geworden. Die große VenezuelaEisenbahn, von deutschen Ingenieuren und durchaus mit deutschem Materiale erbaut, ist der glänzendste Beweis dafür, daß die Deutschen auch auf industriellem Gebiete den übrigen Nationen zum mindesten ebenbürtig sind. Vorurtheilssreie Engländer und Amerikaner gestehen neidlos ein, daß diese neue Putsche Bahn nach jeder Richtung hin vorzüglich ist und besonders mit einer Solidität gebaut, die in diesen Ländern beinahe unbekannt ist. Station Los Teques. Der Landstrich, welchen die Bahn durchschneidet, producirt bereits jetzt 350.000 bis 400.000 Sack Kaffee pro Jahr, und dieses Ertrazniß kann und wird sich in den nächsten zehn Jahren verdreifachen. Desgleichen wird die schon jetzt sehr bedeutende Viehzucht, für welche die prachtvollen Ebenen am großen Valenciasee wie geschaffen sind, von Jahr zu Jahr einen größerenAufschwung nehmen. Die Ländereien, durch welche die Bahn führt und welcke meilenweit brach und wüst daliegen, werden nach und nach vollstänbig bebaut sein (ein Anfang hierzu ist bereits geschehen), und damit wird auch der noch ziemlich unbedeutende Personenverkehr größere Verhältnisse annehmen. Wenn also die bis jetzt erzielten Resultate recht traurig sind, so steht der Bahn eine um so glänzendere Zukunft bevor An landschaftlichen Reizen sieht sie einzig in ihrer Art da: die Großartigkeit der stes wechselnden Scenerie spottet jeder Beschreibung. Für den Touristen gesellt sich noch das Fremdartige der tropischen Natur hinzu und sein' Auge schweift entzückt über die endlosen Bergketten und die urgründlichen Schluchten des jungfräulichen Landes. Doch greifen wir nicht vor! Eines' sonnigen Morgens machten wir es uns in einem der comfortablen, nach amerikanischem Muster gebauten Waggons bequem, um von Caracas aus die Fahrt nach Valencia, der zweiten Stadt des Landes, zu unternehmen. Da die Fahrt aus Ersparnikrücksichten und der Steigung wegen nur äußerst langsam vor sich geht (die etwa 110 engl. Meilen der Strecke werden in neun Stunden zurückgelegt), richtet man sich so häuslich wie möglich ein. und meist findet man auch Wi xtU senden Landsleuten oder Beamten der Bahn Anknüpfungspunkte zu angenehmer Unterhaltung. Bald fesselt jedoch der prachtvolle Fernblick die ganze Aufmertsamkeit. M o st a z a s. Zuerst gelangen wir an den Villenort WntimaTtg. wo die meisten wohlhabenden Familien von Caracas' alljährlich . n. c . .lt.l .t einen längeren anoauseniyalr neumen. und' dessen Stationsgebäude infolge dessen ziemlich belebt asssieht. Bereits hier beginnt jene endlose Serie von Tunnels, welche der Bahn ein so eigenthümliches Gepräge verleiht, den Reisenden aber auf die Dauer ganz nervös macht. ' Auf der Strecke befinden sich im Ganzen sechsundachtzig Tunnels, darunter manche von respektabler Länge, und hundertundfünf größere Brücken und Viadukte, welch' letztere sämmtlich aus Eisen construirt . i v -..ri! ! UND. okne vag !yre grazlo,e Usligleil 1 .... , , WS I I t I . der c Solidität Av:rag lyaie. Wohl selten sind bei einem Bahnbau die Terralnschwlerlglelien o geoausi - i 1 e gewesen, als aerade hier, .zumal auf der ersten Hälfte der Strecke, wo sich steile Bergabhänge an endlose Schluchs,Z5?n. Auf den ersten Blick hielte I i i mnn ,s Nkradezu für unmöalioz. durch I dieses Chaos eine Bahn zu leen, und
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die Thatsache, daß .dies doch geschehen konnte, gereicht den deutschen Jngenieuren, welche sie bauten, zur größten Ehre. ' Viaduet Galer a. Wir kommen zur Station Los Teques. einer der schönsten und interessantesten der ganzen Linie. Der Ausblick in die weiten.tief einschneidenden Flußthäler ist großartig. Fünf verschiedene Bergzüge von verschiedener Höh: und verschiedener. Färbung thürmen sich coulissenartig hinter einander auf. Der erste prangt in frischem Grün, während die Hinteren sich in mannigfachen Schattirungen abtönen und der letzt: in grau-blauer Färbung beinahe mit dem Horizonte verschwimmt.' Die tropiscöe Sonne und der tiefblau: Himmel verleihen dem ganzen Bilde eine eigenartige Stimmung. Einen ähnlichen reizvollen Fernblick hat man auch hinter der kleinen Station Mostazas, wobei zumal die malerisch in einander laufenden Thäler oder Quebrados" mit ihre: frischen Vegetation zur Geltung kommen, während die unzähligen größeren und kleineren Berggipfel im Hintergrunde ganz und gar den Eindruck einer Schweizerlandschaft machen, wenn auch die schneeöedeckten Firnen in diesem Erdstriche begreiflicherweise fehlen. Zahlreiche Flüsse, wie der Tuy und Guayas, welche in der Regenzeit bedenklich anschwellen, bewässern diese pittoresken Thäler, die man von der Höbe der Bahnstrecke herab beinah: wie aus der Vogelperspektive betrachten kann. Auf dem ersten Theile d:r Fahrt sah man noch zu beiden Seiten der Strecke häusig Kaffee- und Zuckerrohrplantagen, hin und wieder auch ein kleines Bananenwäldchen. All dies allerdings in recht verwahrlostem Zustande, wie eben alles hier zu Lande, aber es war dies doch ein Zeichen menschlicher Kultur. Dies hört nun auf. Die Strecke mit ihren Felspartien und den zahllosen Schluchten, über welche ein Viadukt nach dem andern führt, wird immer wildromantischer. Die Linie muß endlose Curven beschreiben, und gleich einer Schlingpflanze die Felsen hinauf und herunter klettern, wobei die Steigung im Durchschnitt 2 Procent beträgt. Viaduct El Emanto. Zwischen den Stationen Begonia und Fejerias habe:i wir abermals einen überwältigenden Ausblick in das reizende Tuythal. welches sich zu unseren Füßen hinzieht. Nach und nach wird der höchste Punkt der ganzen Streck: (etwa 1350 Fuß über dem Meeresspiegel) erreicht. Die Hitze wird immer drückender: aber nun geht es zum Glück etwas rascher mit der Fahrt. In den Tunnels wird man von dem zurückgetri:benen heißen Rauche der Maschine beinahe erstickt, obgleich die Wölbung eine ziemlich große ist. . In der Station Victoria wird Mittagspause gemacht und ein ganz eßbares Frühstück servirt. Die Stadt, eine anmuthige Niederlassung von fünf- bis sechstausend Seelen, liegt etwas abseits von der Station und ist MittelPunkt ertragsfähiger Plantagen. Wir sind nun in der großen, schönen Ebene des Araguathales. Der Horizont wird monotoner.dafür nimmt aber die Vegetation an üppiger Pracht zu. Zabllose Rinderheerden weiden auf den weiten Savannen und bald erblicken wir auch zwischen den Stationen Maracarz und Cabrera den großen malenschen Valenciasee mit feinen reizenden Ufern und den endlosen Bergketten im Hintergrunde. Die Bahn geht über eine schmale Landzunge sozusagen mitten durch den See. Die Ufer sind mit Schilf bestan den. in welchem zahllose Wildenten flattern. Der See, von welchem berichtet wird, daß er zweiundzwanzig Meilen im Umfang mißt, zweiundzwanzig Inseln hat und zweiundzwanzig größere und kleinere Flüsse aufnimmt, ist insofern ein wissenschaftliches Phänomen. als er von Jahr zu Jahr kleiner wird und sein Wasser einen eigenthümliehen salzigen Geschmack hat. Ein Bad in seinen Fluthen soll unausbleiblich einen heftigen Fieberanfall nach sich ziehen. Von der Station Gonzalito an ist alles Land, welches dem Auge sichtbar ist, Eigenthum des Präsidenten Crespo, welcher auf diesen saftigen Weiden colossale Viehherden besitzt. Die Scenerie bleibt sich nun so ziemlich gleich. Der pittoreske See, an welchem sich das Auge nicht satt sehen kann, verschwindet in der Ferne und der Zug fährt endlich gegen Abend in die Endstation Valencia ein. Ein prachtvoller Garten mit färbenreichen Gewächsen, der sich sacht nach einem Flusse zu abdacht, umgibt das croße Stationsgebäude. . ...
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Valencia ist eine hübsche große Sliä mit all dem 'modernen Luxus von Tlepbon, Tramway und elektrischer Be leuchtung. Die wohlhabendere Beo'ölkerunq. unter welcher sich sehr viele Deutsche befinden, lebt im Stadttheile Camoruco. wo sich Villa an Villa reiht; die schönen Gärten, welche diese Villen umgeben, strömen des Abends einen be täubenden Wohlgeruch aus.
Der Historiker Sybel. Der unerbittliche Sensenmann hält unter den deutschen Geistesheroen große Ernte. Nun ist auch der berühmte Historiker Heinrich von Sybel heimgegangen. Am 2. December 1817 in Düsseldorf geboren, hat der Verstorbene als Forscher und Darsteller so tmsx äw WM Heinrich von S Y b e l. Hervorragendes geleistet, daß er von gelehrten Zeitgenossen der Altmeister" der Historiker genannt wurde, wiewohl nicht zu leugnen ist, daß Sybel's Geist in seiner Geschichtsschreibung stets politisch war. Auck in seinem Lebensgange hat der politische Historiker stets über den eigentlichen Politiker den Sieg davongetragen. In der deutschen Geschichte seit 1840 wird Sybel's Name stets einen hervorragenden Platz behaupten. Eine Propellerboje. Der Franzose F. Barathon hat eine Lebensrettungs - Boje erfunden, welche, mit einem sinnreichen Steuerungs- und Fortbewegungsapparat versehen ist. Die Boje ist aus einem Gummisack hergestellt, welcherz aufgeblasen wird und einen Sitz enthält. Am Vordertheil befindet sich ein mit Metall ausgefütterter Aermel, der eine Welle mit Schraube oder Ruder aufnimmt. Eine Barathon's Boje. luftdichte Kammer dient dazu, dem Apparat . größere Schwimmfähigkeit und dem Benutzenden einen sicheren Halt zu gewähren. Die Schraube wird mittels Kurbeln getrieben, die von den Händen und Füßen in Bewegung gesetzt werden. Ein kleiner Mast nebst Segel vervollständigen den Rettungsapparat, der zusammengefaltet werden kann und sich in einem sehr kleine Raume unterbringen läßt. Zarte? Wink. - "" Richter: Ihr Alter, Fräulein?" Fräulein: (Schweigt). Richter: Bitte, nur nicht lange zö gern, sonst werden Sie noch älter." Resignation. Dramatischer Dichter (bei der Geburt seines zehnten Kindes): Nun hab' ich doch wenigstens daheim ein volles Haus!" Zarte Anspielung. .Sie, Führer, an was soll denn dieser Denkstein gemahnen?" Den hab' ich g'setzt! Da hat mir amal a' Reisender fünf Mark Trinkgeld 'geben!" AufderHochzeitsreise. Du, Arthur, ich hätte eigentlich große Lust, nächstes Jahr wieder eine so herrliche Hochzeitsreise zu machen!" So! Mit wem denn?" Vom Pferdemarkt. Na. Bauer, such' Der aus e feines Ferd, was willste 's Dich lassen kosten?" Wenn's hoch kommt, vier Dahler!" Was kannste verlangen vor vier Dahler leg' noch einen Dahler zu. dann krtegste ganz was Feines!" Die telephonirende Gattin. Principal (zum Eom mis): Herr Maier, gehen Sie mal an's Telephon! Nun, was wird telephonirt?" Commis (horcht): Louis, komm ja um stchs Uhr, ehe Du auf den Club gehst, nach Hause! Deinen Schafskopf von Corn-. rniö bringe autl" ,
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