Indiana Tribüne, Volume 18, Number 331, Indianapolis, Marion County, 18 August 1895 — Page 2
Tie Lilie und der Mondstraht. Von Carl Egon v. Eb.-rt. 9 ; DerMond hängt in die düstre Nach Recht stlberklar herein. Und sendet seiner Strahlen Pracht .Dem Strome und dem Hain.
Und. flugs in die erschlossene Brust schwingt sich der leichte Strahl, Und schmiegt sich an in sel'ger Lust, Und küßt sie tausendmal. Da richtet sich aus süßem Traum iDit xitut still empor. Und öffnet ihres Kelches Naum, Und läßt den Duft hervor. Sie aber schließt erfreut sich schnell, uns yalt den Buhlen fest, Der, in der hellen zwiefach hell, Von ihr sich wiegen läßt. Und morgens, wenn die Schäferin xit tyau'ge Lilie pflückt, Und sie mit frommem Kindersinn An ihren Busen drückt: Da wird, wenn sich der Kelch erschließt. Jr wunderbar zu Muth, Und unbekannte Sehnsucht fließt Durch ihr erglühteZ Blut. Und seufzend wallt sie durch das Thal In jede? lauen Nacht "Sagt, hat das wohl der Mondenstrahl Im Lilienkelch gemacht? Zchwesterliebe. Von M. Schoepp. ' Endlich! Endlich! Mit zitternden Händen hatte sie die Depesche geöffnet, und als sie die freudige Botschaft begriffen, war sie aufschluchzend -auf den Küchenschemel gesunken und wischte wieder und wieder mit der blauen schürze die Thränen von den bleichen, eingefallenen Wangen. Endlich! Also nicht umsonst gearbeitet und entbehrt! Nicht umsonst gedarbt und geopfert! In knappen Worten stand da, daß das groß: Ziel erreicht war, daß er. mit gut" aus dem Examen hervorgegangen, daß aus dem cand. jin ein. Referendar geworden. Ach, das Glück! Die Freude! Ihr Junge, ihr Liebling, ihr Abgott Referendar! Ahnte er. welche Freude er ihr bereitet? Gab es etwas, womit sie ihm ihre Dankbarkeit dafür beweisen konnte. Noch einmal las sie die wenigen Worte und fuhr dann, leise vor sich hinweinend, fort, 'die kleine Küche aufzuräumen. Der. gute Junge sagte h dabei, der liebe, gute Junge. Wann er wohl kommt? Gewiß bald, sehr bald." Die Schwester wird, die erste sein, der er sein Glück anvertraut; zusammen haben sie ihre Sorgen getragen, nun werden sie auch ihre Freuden theilen. Und sie beeilte sich, um ihm im Sonntagsstaat entgegentreten zu Zönnen, und kaufte Blumen und einen ltdeutschenNapfkuchen, sein Lieblings, gebäck. Es ging zwar schlecht, sie hätt, dafür ein Mittagessen Erstellen können. Aber es war heute ein Festtag, da wollte sie nicht rechnen. Und sie wartete. Wie glücklich traf es sich doch, daß gerade heute die beiden Stunden ausfielen! Lenchen Krause hatte sich den Finger verrenkt und konnte deshalb nicht spielen, und bei Wends war Ge sellschaft, da war die kleine, altmodische Klavierlehrerin erst recht nicht zu brauchen. Wie gut meint es doch oft das Schicksal! Hätte sie ein elegantes Kleid gehabt und ein wenig lebhafteres Temperament, würde man sie eingeladen haben. So aber hatte man sie dispensirt und zog auch nicht die fünfundsiebzig Pfennig von ihrem Honorar ab. Welch' einen herrlichen Nachmittag wird sie nun mit ihm verleden! Wenn er doch bald käme! Das Wasser kocht und sprudelt bereits im Kessel, der Kaffee ist schon? gemahlen, em Lot mehr als gewöhnlich. Er trinkt so gern starken Kaffee. Und so gemüthlich sieht es aus in dem kleinen Raume, gar nicht, als wäre er im vierten Stock; alles so lieb; so traulich, so bekannt die Familienbilder in den schwarzen Rahmen, das grüne Ripssopha, übe? dessen verschabte StelZen sie gehäkelte Decken gelegt, der urllte Secretär, dessen Holz so wurmstichig ist. von dem sie trotzdem nichts in der Welt hätte nennen können. Neu ' ist eigentlich nur das schwarz polirte Bücherregal, in dem Walthers Rechts, gelehrtheit so enz zusammengedrängt Iteht. Und Minchen kann sich auch durchaus nicht daran gewöhnen. Es paßt nicht", sagt sie, es paßt durch--us nicht hinein." Und si: hat recht; es sieht so prahlerisch aus inmitten Utftx bescheidenen, altmodischen Einrichtung. Wenn er doch käme! Wie unrecht, daß man ihn so lsng: zurückhält. Die HerrenBorgesetzten sind wirklich schreck, lich rücksichtslos. Oft genug hat er üsc ja davon erzählt. Aber Geduld! Cfcduld! Der Arme muß ja noch mehr darunter leiden als sie. Und um nicht unthätig dazusitzen, holt sie ihre Hand arbeit; sie stickt Knopflöcher in Herrentragen für ein großes Weißwaarengeschaft. Natürlich darf er nichts davon wissen; sie sieht es auch ein. daß sich das für ihren Stand ihr Vater war Dozent an der Universität Dicht schickt. Aber, mein Gott, es Sringt Geld. Wie sollte sie ihm sonst die Biergroschen geben oder seine Wasche zahlen und was soll sie auch Mit der vielen freien Zeit beginnen, die 4hr neben ihren Unterrichtsstunden bkibt! . Und isie stickte und stickte, und ton. tt auf Stunde verrann in vergeblichem Warten. Da verzehrte sie im Däm.
Imrstcfit r6r kärlesAb?ndbrt ? wenn
er nicht da war, konnte ja das Petroleum gespart werden. Kurz vor Mit ternacht suchte sie ihr Lager in den: schmalen Raum neben der Küche auf und schluckte tapfer die Thränen hin unter, die sich wieder und wieder in ihre Augen stahlen. Sieh 'mal. Minchen, es ging nicht", gestand Walther, als er am nächsten Mittag nach vielem Recken Hirt Gähnen ihr den Gefallen that, im Bett den Kaffee einzunehmen. Hillmann hatte mich eingeladen,- seine Eltern gaben ein Soup:r großartig, sag' ich dir, zweiunddreißig Gedecke. Prachtvolle Cigarren Stück 'ne Mark, taxire ich; famose Weine, entzückende Toiletten, mit einem Wort, Minchen: superb! Aber, wie siehst du denn aus? Du hast schon zwei Stunden gegeben? Und bist abgespannt? Hm aber ich dächte doch, ein bißchen könntest du dich schon freuen. Nach deinem Aussehen scheinst du wenig Theilnahme zu tm pf'mden." Sie wurde dunkelroth. Der VorWurf that ihr weh. Ich hatte dich so bestimmt gestern erwartet." Nun ja , rief er ungeduldig, und ich habe mich entschuldigt, und nach i vielen schlaflosen Nächten und ange strengtem Studium könntest du mir die kleine Zerstreuung schon gönnen. Odn glaubst du, ich fände sie in dieser Man sarde? Armsein rst ja em sehr chnstlicher Standpunkt. Aber die Predig ten von der göttlichen Zufriedenheit sind Unsinn, sag' ich dir. Sehr weit würde ich nicht damit kommen; vielleicht könnten wir damit bis an un ser Lebensende in diesen vier Wänden sitzen." Ich mnnte nur, Walther Mein Gott, du machst mich nervös! Also du hast wirklich einmal umsonst Kaffee gekocht. Sei doch nur nicht so entsetzlich kleinlich! Ich meinte einen Dank wegen des Telegramms zu erhalten und höre statt dessen Vorwürfe. Willst du mir denn 'durchaus den Tag verderben?" Schweigend ging isie hinaus.' Das Mittagbrot mußte bereitet werden. Aber so bescheiden es auch war, so viel Zeit nahm es doch in Anspruch. Und als sie aus der Küche zurückkam, hatte ie arg entzündete Augen. Sie hatte wohl Zwiebeln geschnitten. Mißvergnügt wie wohnlich' lag Walther auf dem Sopha und ließ den angen Schnurrbart durch die Finger gleiten.' Seine Augen ruhten nicht ehr freundlich auf emem der Möbelstücke, frie gestern seine Schwester Wohlgefallen in so hohem Maße erweckt. Der abgetretene Teppich, die gestopften Gardinen, die beiden Sessel mit den Bezügen von unbestimmter Farbe und überall die abscheulichen, terfgestanten Häkeleien und dane ben seiner Freunde elegante GaronWohnungen mit persischer oder altdeutcher oder japanischer Einrichtung mit chwellen.den Polstern, kostbaren, unnützen, Stickereien und theuren Bron zen na, ein Glück, daß er bisher ihm zugedachte Besuche immer mit glaub würdigem Grund abgelehnt hatte. Hin er der eleganten Erscheinung des Dr. jur. Walthn Düren vermuthete wohl niemand einen armen Teufel. Schlimm genug, daß die Welt soviel auf den Schein gibt! Da es nun aber mal so ist, muß man sich danach richen. Himmel, wenn Assessor Werner oder Lieutenant Karl ibren lieben Freund zu einem ihrer reizenden Sou. pers mit Damen oder zu einer Sva zierfahrt oder zur Oper (ersten Rang Loge) abholen und der Gedanke ann einen toll machen! von Min chen durch die Küche hierhinein compli mentirt würden, wie sie es neulich in hrer Aerwirrung mit dem Diener des As'sistenzarztes gemacht. . . Walther hustete nervös und schloß die Augen. Die Vorstellung war gräßlich. Und m diesem Augenblick war er sicher, lieber sterben zu wollen, als sich mit dem Fluch der Lächerlichkeit beladen. Schweigend deckte Minch:n den Tisch, schweigend legte sie ihm vor. Das Beste für ihn. Sie hatte ja fo rw . . i i , . wenig Appem. und wieoer schalt er ärgerlich. Was ist denn das für ein abscheuicher Geschmack? Du merkst es nicht? Na, hör' mal das wundert mich aber. Die Butter ist schuld? Warum. kaufst du. 'denn solche Butter? Thu mir den einzigen Gefallen und fang' nicht wieder an zu weinen. Hab ich dich beleidigt? Nein? Das freut mich. Dann mach' auch nicht dieses entsetziche Martyrergesicht. Man konnte wirklich glauben, ich hätte ein Verbrechen begangen." Su wagte nichts zu erwidern. Viel leicht hatte er auch recht. Er war ja verwohnt, der arme 5Zunae. Und wenn er an seine reichen Freunde dach. e, d:e es alle, alle so viel besser hatten als er, mußte ihm der Unterschied zwk chen hier und dsrt nur um 10 mehr n's Auge fallen. Er that ihr herzlich fcid; sie hätte ihm so g:rn ein wenig von ihrer Zufriedenheit gegeben. Er klagte über Kopsweh, und sogleich schlug sie ihm die verschiedensten Linderungsmittel vor. Nichts gefiel ihm davon. Dann geh hinaus in die frische Luft, 'das hilft immer." Ein guter Rath, wenn man Geld hat! Ich aber habe keins. Und in den Straßen herumzulaufen mit diesem rührend kindlichen Bewußtsein, paßt j mir nicht. Das können Schuster und Schneider thun. Ein Referendar kann sich jedoch eine derartige Freiheit nicht nehmen. Laß nur, es wird schon vor überoben." Nichts that ihr so leid, als wenn er ' m so bitterer Resignation sprach. Der Arme! New. sie konnte es nicht überö Herz bringen, von der kleinen Summ zu schweigen, die sie ja doch für ihn a spart für unvorhergesehene Zufälle
wie Handschuhe. Schlipse, Stieselbe
sohlen und dergleichen. Und in fünf Tagen ist ja auch der Erste, dann werden die Honorare gezahlt und imWeißwaarengescbast abaerechnet. Mit einem stillen Lächeln ging sie zu oem. eyrwuröigen secretär, schloß das Fach auf, in dem sie ihre Hkiligthümer, vertroanele Blumen, Briefe ihrer &l tern, einen altmodischen Fächer und orr 1 r-t J . ailyers P Holographien aus den ctin isiiuyicu vlu uill üZWaülli, lllivl IlllUIll T X MaT m. CmIi u V u a. M. uu tmci iicurea jyoijguae eine uiV - if-l .r . r " fr fr zahl Münzen, Fünf- und Zehnpfcn Nlgjtucle großtenthells. Es war leickt zu erkennen, daß 1 Sparpfennige waren. Du, Walther" sagte sie. und ihr sorgenvolles, mageres Gesichtchen war wie verklärt, so schrecklich steht es noch Nicyt bei uns. Es sind fünf Mark und acht Groschen. Nun thu' mir den G fallen und geh, du siehst wirklich recht angegriffen aus." ' Sie legte das Geld vor ihm auf den Tisch und trippelte eiligst in ihre X'uOtt. und Waltber sah mit aufae stützten Ellenbogen da. blickte von dem öelve zurück auf das Geld, und es ward ihm ganz weich ums Herz, ganz sonderbar. Etwas, das Gewissensbissen sehr ähnlich war, empfand er auf -I Xj . r , ciirmal. n vieler Stimmung eil tx ihr nach, und ganz gewiß hätte er ihr einen utt gegeven. wenn nicht das Fenster offen gewesen. Es hätte also jemand sehen können, und das wäre doch peinlich. Verlegen lachend blickte sie zu ihm auf und strich verwirrt über ihr glatt anliegendes, schlicht 'gescheiteltes Haar. Und ein aroßmütbiaes Mltlerd mit brer Dürftiake t. mit ihrer Schüchternheit beschlich ihn: er nahm ihren Arm und führte sie in die ?tuoe zurück. Dann sollst 'du wenigstens mitkom men. Minchen, willst du? Wir aehen in den Park und trinken dort Kaffee . IfTTL C0 CY1 r r e will,: vui -jia, nun wem! ne sazon wieder. Du bist fcoch eine komische Person. Hole deinen Hut, :n zehn Ml I 5 ? I 41 lillien oin IM serlia. imchen meinte nicht recht aebört au haben. Der Walther mit ihr in den Park? Der Walther! Seit langen, langen Jahren hatte sich das nicht mehr zugetragen. Ach, wie lieb war er doch, wie gut! Weinte sie denn? Ei bewahr re, das waren doch keine Thränen? Sie war ja so überglücklich, so üderselig! Ja, nun fingen die guten Tage an; nun würde sie nicht stets so allein sein; nun gehörte er ihr wieder. Sie hatte es ja gewußt, wie herzensgut er war. Rasch kleidete sie sich an und stand erwartungsvoll hochklopfenden Herzens am Fenster. Mit keinem Menschen hätte sie jetzt getauscht und wenn's der König wäre. Und erst als si: nebeneinander herschritten sie. schielte immer zu ihm hinauf: wie hübsch war er doch, wie vornehm. Wie ein Prinz, und wie viele ihm nachblickten! Sie ärgerte sich ordentlich, wenn ihm die Leute keine Aufmerksamkit schenkten. Sie war ja so stolz auf ihren Jungen", wie sie ihn h-eimlich nannte. Nie war ihr der Park so schön vorgekommen, nie hatte sie das Gras, die Bäume und den Springbrunnen so-bewundert, und erst der Himmel, der wolkenlose, blaue Himmel! Sie hatte ihn eigentlich niemals so recht beachtet. Von ihrer Woh nung aus schien er immer bewölkt, und auf ihren Geschäftswegen hatte sie feint Zeit, ihn anzugucken. Und Walther lachte. Wie naiv du b:st, Minchen!" sagte er. Sie kamen in das hübsch gelegene Restaurant; etwas ängstlich überflog sein Blick die Anwesenden. Es wäre doch peinlich. Brannte hier zu treffen. Dann wählte er einen der Hinteren Zu sehe und bestellte Kaffee und Kuchen. Langsam streifte er die Handschuhe von den Händen, klemmte sein Monocle eii und sah zu der Veranda hinüber, von wo lautes Lachen und lustig: Stimmen erklangen. Donnerwett, das sind ja noch ein rascher, scharfer Blick wahrhaftig, die Klottews! Sie haben ihn längst bemerkt. Sie lachen und winken ihm zu, und die schöne, vornehme Littie lorgnettirt ihn und seine Begleiterin in, geradezu herausfordernder Art. Das Blut stieg ihm heiß in die Schläfen. Nu? einen Augenblick dachter daran, nicht zu grüßen und dainit allen Consequenzen aus dem Wege zu gehen. Damit bätte auch gleichzeitig jeder Verkehr aufgehört und Littie Himmel, wie schön sie h:ute ist. und jetzt beugt sich Kurt zu ihr, und sie lacht. Verzeih', Minchen, ich bin sogleich wieder hier. Ich muß die Klottews begrüßen ich habe dir von ihnen erzählt sehr einflußreich, reich, tonang:bcnd du entschuldigst doch?" Und fort ist er. Wie freudig si: ihn auf der Veranda begrüßen! Nur Littie behandelt ihn seh? von oben herab, und ihre Worte klingen sehr kühl und spitz: Wie unrecht, daß Sie Ihre Dame verlassen! Wie wollen Sie sich denn vor ihr rechtfertigen? So ghen Sie doch! Sie können sie doch nicht allein lassen!" Wer ist sie denn?" Aeh. Geheimniß?" Gestörtes Tete-a-tete!" Ach, liebster Doctor, wie schade. daß Sie Nicht bleiben wollen! Rede ihm doch zu, Littie! Ein Herr fehlt uns gerade!" so schwirrte es um ihn h:r und dazu seiner Angebeteten gereizte Worte konnte er die Wahrheit sagen? Wie unvorsichtig von Ihnen," flüsierte der Assessor neben ihm, ich begreife Sie nicht. Wer ist sie denn?" Ein halb verzweifelter Blick über dit vornehme Tafelrunde, ein qualvoller Augenblick und Walther' ist entschlössen, weiter zu lügen, den Schein zu wahren, um sewe schwer erkämpfte Stellung jrf "derGeselljchaft nicht einzubüßen. Er ha! ja keine Wahl. Er weiß. '
daß in diesen Kreiscn Armuth als Ver
brechen gilt. Und mit einer nie gekannten Wuth im Herzen und einem I Lächeln auf den Lippen meint er achfel zuckend: Ich begreife Sie nicht. Sagte ich Ihnen nicht, daß' ich e:n: entfernte Verwandte erwartete?" Ah ja hm erinnere Mich. Da ist es doch erklärlich, daß ich mrch für mt kurz: Zeit ihres Hierseins ihr widme. vrioiojrianor.o7. noer in vtm Interesse sage ich Ihnen, bleiben Sie. ".tf n. n"..Lf! vr. o, f Die Weiber sind launenhaft. Und un sere schone Littie suhlt sich vernachläs sigt. Entschuldigen Sie sich lieber bei Ihrer Tante, wenn Sie sie nicht hierher brmqen wollen. Es geht nicht anders", saate Wal ther nach einer Weile zu Minchen, p . M 011 maul auein zuruasaqren. ic ha ben mich dringend eingeladen ich kann derartige Beziehungen nicht aus aeben " Er sprach noch viel: si: achtete nicht darauf. Sie sah in sein gerathetes, verlegenes Gesicht. 0. sie hatte ihn'lcvhl beobachtet, auch all' die spöttischen. neuaienaen Blicke eschen, die sich auf ihn und sie richteten. Und sie wuhte. daß er sia) ihrer schämte, daß er die Unwahrheit gesagt. Leb: wohl," sagte sie und stand auf. . .So ema ist eS doci) nicht! Laß mich nur. Ich will dir nicht im Wege sein. Er begleitete sie hinaus und zwana sie. eine Droschke zu besteigen, kukte ihr ehrfurchtsvoll 'die Hand und fühlte, wk sie ber dieser Eomodie zusammenzuckte. Dann khrte er zu seinen Freunden zurück. Wie sie die Treppen hinaufgekom men? Sie wußte es nicht. Sie lag auf den Knieen vor dem alten Sopha und weinte, wie si: niemals geweint in ihrem Leben, und ihr Körper zuckte und krümmte sich wie unter Schmer zen. Das war fce? Dank für em geopsertes Leben! Deshalb hatte sie ihren Mädchenträumen entsagt, um an dem zarten Kinde Batet und Mutter zu vertreten! Deshalb hatte sie ihr kleines Vermögen ihm gegeben, das sie vor Sorgen schützen sollte, hatte ihn erzo gen, wie es nur eine Mutter hätte thun können; hatte entbehrt für ihn, war vor der Zeit alt geworden in der Sorge und Arbeit für .ihn! Uno nun nun swamle er sill) , rir ihrer, der einzigen, die rhm eine große. selbstlose Lieb: entgegengebracht! In grausamer Weise waren ihr die Augen aeöffnet worden und das Glück ihres LebenS, ihre Traume für die Zu kunft zerstört, vern:chtet. Du nimmst es wirklich zu ernst. sagte Walther am nächsten Morgen, wie oft habe ich dir gesagt, daß heut zutage Gefühle und Empfindungen und alles, was damit zusammenhangt. schweigen müssen, wenn man Earriere machen will, besonders, wenn man arm ist. Hätte ich ahnen können, daß du die Sache so tragisch aunähmest, wäre ich natürlich Nicht aeblieben. Hebn gens werde ich morgen Abend mit Li:u tenant Kurt zu snnen Eltern fahren; sie haben ern großes Rittergut rnchle sien. Und kostet mich garnichts. Trink aelder höchstens die Leute können mir mal viel nützen." Und er fahrt, und Mlnchen bleibt allein. Er hat recht; gewiß er hat recht. Und vielleicht ahnt er garnicht, wie weh er ihr gethan. Ms er zurückkehrt, empfangt sie ihn freundlich und sorg! und schafft weiter für ihn und Hort geduldig feinen Er zählungen zu, von Glanz und Pracht und Schein und den stolzen Planen für die Zukunft. Wie langwellig si: geworden ist, denkt Walther seufzend, so recht altsüngftrlich mit ihren achtunddreißig Jahren. Man sieht's, sie gehört zu den Frauen, die ihren B:5uf verfehlt haben. Ich taxire, si: hat nie geliebt in ihrem Leben," Und fast bedauernd sieht er sie an, wie sie an ihrem Nähtisch sitzt und näht und näht gottlob, sie hat einen großen Auftrag. Und während er sich in dem nagelneuen Frackanzug bewun dert, rechnet sie sorgenvoll aus, ob sie sich wohl die Brille kaufen dürfe, deren sie jetz4 so nöthig bedarf. Walter muß ja nun an fernen Assessor denken. Und sie hosft weiter. Er verdient eS ja nicht. Aber er hat niemanden als sie, der Arme! Umschrieben. Brautvater (sehr häßlich): Welche von meinen Töchtern wollen Sie denn he:raihen. junger Mann, ich habe sechs, und die Mitgist ist nach ihrer äußeren Erschei nung norrnin, die haßlichste bekommt oie Qioit umme. Bewerber: Ja. ich mochte gern die haben, die Ihnen am ähnlichsten sieht! In München. Fremder: Fahren Sie mich also zwei Stunden in oer K?tadt umher, zeigen Sie mir alle Sehenswürdigkeiten, und dann fahren Sie zuletzt zum Droschkenkutscher: No, dös brauchens gar nicht erst zu sagen, i wois schon. k. -rr. zum osorauyaus: Der Unterschied. Was für ein Unterschied ist zwischen einem Lieukenani. einem Büraer. und einem Studenten in der Kneipe? Der Lieutenant zahlt, der Büraer bezahlt. der Student bezahlt nicht. Bestrafte Großspreche4. & i. tftivi. , iivvut, legt iiiui cii :uu ; C'A ." rr. aber geh'n ...das Souper wartet auf uns!" Aber Weiberl. ich hab' ja i. cm "i c: t.i in oie xuvcii qier oei mir: Im zoologischen Gar1 c n. Soldat (vor einem Rhinoceros): ...Das also ist das Thier, von dem uns der Feldwebel schon so viel erzahtt hat!"
pom HSYeren SuXus.
Lwei große Perioden des höheren Luxus hat die Kulturgeschichte aufzuweisen: die römische Kaiserzeit und das Zeitalter Ludivig's XIV. Erstere möchten wir toie vurvurne. die zweite die diamantene nennen, weil einerseits der Purpur, andererseits der Diamant deren charalterlstisches Merk mal bildeten, wobei freilich noch an dere Gegenstände mit in Betracht kom men. Der Purpur war zwar seit uralten Zeiten bekannt. Seine Entdeckung verliert sich im Dunkel der Sagenzeit. Der Hund des syrischen Herakles soll am Meeresstrand eine Purpurschnecke gefressen haben, wovon seine Schnauze purpurroih gefärbt wurde. - Die Farbe wurde aoe? wahrend 'des früheren m terthums theils wegen der Kostspielig keit ihrer Herstellung, theils, weil ei s so Brauch war. nur zur Färbung von Stoffen für Kultuszwecke und Herrschergewänder angewendet. So kostete noch zur Zeit des Cornelius Nepos, der um Christi Geburt lebte. einPfund Purpurwolle nach unseremGelde 5200 ein Vwnd Burvurseide zur Zeit DiocletianS (284313) nicht weniger als 8935. Die Purpurseide wurde zu leiten mit Gold aufgewoaen Dabei war aber die Farbe von einer unvergänzlichen Dauerhaftigkeit. Während namlicb andere Farben in der onn verschossen (was ia ickt auch noch zu meist der Fall ist), gewann diese durch die Einwirkung 'des Sonnenlichtes erst ibre eiaentliche Entwicklung, nämlich jene tiefe Gluth, welche bel keiner an deren axht gefunden wurde. Hebn aens aav es eine Menae von Abstufunacn lAbtönunam) tes Purpurs, von denen die rothe aber stets die beliebteste blieb. Die Vraterta (Oberaewand) des Könias Servius Tullius soll nach 560 Jahren noch den alten Glanz dewahrt haben. Mexande der Grofee fand in Susa zweihundertjährige Purpurgewänder und dessen Purpurner Königsmantel schmückte noch die Schultern 'des Pompejus, Dieser Mantel hatte also das Alter von beinahe 300 Jahren. Die Heimath der Purpurfarbe? war der Orient. Je mehr die Römer in dieseLänder eindranaen. verpflanzte sie sich auch nach Rom. Anfangs beanüate man sich dort mit schmalen Purpureinfassunzen .der Gewänder, bald aber ging man zu ganz purpurnen Gewändern über und als feit der Cäsarischen Äelt alle Schake des Orients, als Opfer des herrschenden Raubsystems, nach Rom flössen, da kannte der purpurne uxus lerne Grenzen mehr. Die Reichen ruhten nur noch auf purpurnen Pfühlen und schließlich erreichte der Aufwand einen solchen Grad, daß die Imperatoren, einaedenk ibres Vorrechtes auf den Purpur. Verbote dagegen erließen und diese mit solcher Strenge durchführten. dak der ?lndusttlezweia zu Grunde ging und die Kunst der Purpurfärberei sich schließlich ganz verlor. Ein nicht minder verschwenderischer Lurus wurde mit den Tofelaenüsscn getrieben. Von der Königin Kleopatra ist es bekannt, daß sie bei einem Gastmabl ibre kostbarste Perle, die einen Werth von Millionen hatte, in Essig auflöste und verschluckte. Die Gastmähler des Lucullus sind durcy ibren versckwen'derischen Aufwand sprichwörtlich geworden. Man suchte sich durch die Seltsamkeit und Kostspieligkcit der einzelnen Gerichte förmlick zu überbieten. Man bewirthete sich mit Gerichten aus Straußengehirnen, Nachtigallenzungen und i,o weiter. Die Weine, an sich schon von ausgesuchtester Feinheit, wurden mit den kostbarsten Esscmen pariumlrt. Es war ein: Art des wahnwitzigsten Svortes. Ein reicher Schlemmer, der eines Tages die Wahrnehmung machte, daß er nur noch eine Million im Besitz batte. bielt sich für ruimrt und nahm sich das Leben. Wenigstens scheint ' . 1 t i. c : man damals das cyuioenniacycn im großen Stile noch nicht gekannt zu haben. Was nun die diamantene Periode des Lurus betrifft, so begann sie eiaentlick schon unter Ludwig XIII., erreichte aber ihren Gipfel unter Ludwig XIV.. den die Franzosen so oerne kcrnis lc Grand nennen, ohne zu bedenken, 'daß er es hauptsächlich gewesen. der das Land durch seine überaus verschwenderische Wirthschaft, an den Rand des Verderbens brachte. Er nöthigte seine Zeitgenossen förmlich zu Aufwand und Verschwendung und gab auck in eigener Person das Beispiel dazu. Als bei einer Theatervorstellung die Toiletten nicht die gewohnte Pracht zeigten, vermerkte er dies in mißbilligender Weise. Dies genügte, um fest der nächsten Keleaenbeit die Herrlichkeit des ganzen Dwmantenund Pretiosenapparates zur En:zaituna zu brinaen. Er selbst erschien 1698 bei einem Feste, das er zu Ehren des persischen Gesandten veranstaltete. in einem aoldaettickten lttock. der mit Diamanten im Werthe von 12j Millionen Francs eingesäumt! war. Der Rock war so schwer, daß der König frob war. das Kleidungsstück nach der Ceremonie ablegen zu können. Er ließ eine besonders kostbare Cassette bernellen und mit Juwelen ' aller Art anfüllen., um daraus bei Geleaenbeit nach Belieben schöpfen zu können. Der größte Theil dieses Cassetteninhaltes fiel der Madame de Montespan zu. Die Verschwendung des Königs ging so weit, daß er das Mobiliar dieser Dame" in dem ihr zu Ehren erbauten Schlosse zu Oiron zum Theil-mit Diamanten besetzm ließ. Die reichen Bürgersfrauen wetteiferten mit den Damen des boben Adels in verschwenderiscbem Aufwand. Eine reich ae- ! wordene und geadelte Wäscherin besaß '
D!amaten, d an Schönheit und
Werth denen der Königin kaum nach standen. Die Damen trugen so breite Colliers, daß sast die ganze Brust da von bedeckt wurde. Ein ganz erschrecklicher Luxus wurde auch mit den Ohrgehängen getrieben. Uebrigens scheint man in Spanien, das damals noch an semen amerikanischen Reich thümern zehren konnte, den Aufwand noch mehr übertrieben zu. haben. Die Roben der reichen Spanierinnen-waren mit Garnirungen versehen, die in rei cher Abwechslung mit Diamanten, Rubinen, Smaragden, Perlen und so weiter besetzt waren. Man hatte Ohr gehänge, welche bis zu den Hüften, ja nicht selten bis zu den Knieen reichten und so schweö waren, daß man nich begreift, wie die Ohrläppchen sie tragen konnten, ohne abgerissen zu werden. Selbst Uhren und Gldckchen, die selbstverständlich auf's reichste mit Edelsteinen, m erster Linie mit Dia manten, besetzt waren, hing man in die yren. Unter Ludwig XV. dauerte dieses System der Verschwendung fort. War unter seinem Vorganger die Montes van die große Diamantenkonsumentin gewesen, so ließ ihr jetzt die Dubarry kaum etwas nach. In ihrem Schlosse zu Luciennes häufte sie in einem Schrank, der allein 80.000 Francs gekostet hatte, ihre Kostbarkeiten an. Einige ihrer Bedienten stahlen diesen Schatz, wurden aber m London festgenommen. Man fand bei ihnen 140 große Diamanten, 700 Brillanten, 300 große Perlen, 3 RiesenrubZne. 7 Riesenfmaragde, ußerdem eine Menge mit Edelsteinen besetzter Schmuckia chen. Der Schatz war aber noch größer gewesen, denn die Dubarry hatte schon für 2 Millionen Kostbarkeiten im Auslande versilbern lassen, um drängende Gläubiger zu befriedigen. Die Königin Maria Antoirctte, die bekanntlich als Opfer der Revolution unter dem Fallbeil ihr Leben lassen mußte, hatte eine so große Vorliebe für Diamanten, daß sie noch zur Zeit, als die öffentliche Unzufriedenheit be reits einen drohenden Charakter ange nommen hatte, und trotzdem daß sie vom Finanzminister warnend hierauf aufmerksam gemacht worden war, ein Paars Diamanten - Armbänder um 600.000 Frams kaufte. Leider verpflanzte sich diese Seuche auch nach Deutschland. Die Hose, deren es damals hier die dreifache Zahl gab als heute, wetteiferten unter ein ander in luxuriöser Verschwendung. Selbst der bisher so musterhaft spar same preußische Hos blieb nicht frei von der Ansteckung. Allen aber that es zuvor der fächsische Hof. August der Starke wollte ein zweiter Ludwig XIV. sein. Hätte ihm das nöthige Geld zu Gebote ge standen, so würde er dies Ziel auch erreicht haben, ausgenommen eima im Kriegsruhm, denn er yaue in 1 einen Kriegen nur verlorene Schlachten zu verzeichnen. Um so mehr suchte er sich . m 1 tj si Jt i durch rauscyenoe tfcitnajieuen, naaziliche Gelage, überhauvt durch verschwenderischen Glanz zu entschädigen. Das Land .wurde dadurch um so mehr ausaesoaen, als auch die Großen des Sofes in luxuriöser Verschwendung wetteiferten. Der einer mittellosen thüringischen Adelsfamilie entsprossene Premierminister Vruhl, der nament lich der Günstling des Sohnes und Nachfolgers August des Starken war, hinterließ ein Vermögen von annähernd dreißig Millionen Mark nach heutigem Geldeswerth. Die Hälfte f, l ' m .HL VI. davon oeuano in vsrunooen, cic andere in Staatspapieren. Baargeld. Außenständen. Kleidern. Mobilien-und Kostbarkeiten. Unter letzteren befanden sich unter anderem: 7 Ninge, 835 Schnupftabaksdosen, 55 Etuis. 102 Taschenuhren und so weiter. De? T .J. r Yi .e Gesammtwerty der ttozivarlelien oeiier sich auf 376,843 Thaler, was aber heute ungefähr den etwa fünffachen Geldwerth ausmachte. Autzerdeml an Silberwerk für 62.000 Thaler, an Porzellan für 27.214 Thaler, an Garderobe für 53.905 Thaler, darunter 198 gestickte Anzüge. 43 Schlaf. röcke. 30 Hüte. 47 Pelze. 17 Zobelmüsfe und so weiter. An Wäsche und Spitzen für 21,445 Thaler, an Mobiliar für 28,102 Thaler; die Gewehrkammer fiaurirte Mit 13.936 Thaler. die Bildergalerie mit 105.329 'Ähaler, die Bibliothek mit 65.000 Thaler, die Kellerei mit 55.644 Thaler und so weiter. Nicht zu verkennen ist. daß die Prachtliebe und der Aufwand eller diese? Fürsten und Großen vielfach zur Aufmunterung und wirksamen Unterstützuna der Künste und Wissenschasten Veranlassung gaben. Brühl's 62.000 Bände zählende Bibliothek, die der Staat für 60.000 Thaler ankaufte, ist zum Beispiel noch jetzt der Hauptbestandtheil der königlichen öffentlichen Bibliothek in Dresden. Sanguinisch. Tante: Und wer sind die beiden jungen Leute, mit welchen Du Dich so angelegentlich unterhieltesi? Nichte: Darüber sorge Dich nicht. So viel ich aus ihren Gesprächen entnehmen konnte, ist der Eine steinreich und der andere ein phänomenaler Dichter! Tante: So das wäre! Was haben sie denn gesagt, wenn man fragen darf? - Nichte: O. der Eine nannte den Andern einen kapitalen Mensch, und jener nannte ihn darauf einen classischen Kerl! Au! A.: Du. mein Doctor hat meinen Arm brillant kurirt. B.: Kein Wunder der ist ja auch Armenarzt! Die Hauptsache. Mama, Du willst also nicht, daß ich mich mit Vetter Hans verlobe? Nein, mein Kind. Mein Gott, aber was sollen wir denn da mit den Verlobungskarten anfange?
?äs Leder in der Confcction. In dem Schaufenster eines der ersten Berliner Damenconfections-Geschäfte-war jüngst ein Damen-Jacket ausgestellt, das die Aufmerksamkeit der Passanien, auch der männlichen, in besonderem Maße in Anspruch nahm. In Form und Schnitt unterschied es sia nicht wesentlich von den für die Modedes nächsten Herbstes und Winters festgesetzten Modellen, aber es wies eine ganz neue Eigenart auf, die ihm die Beachtung weitester Kreise" sicherte Das neue Damen-Jacket trug nämlich einen veritablen Lederbesatz, und dieVerzierungen, mit denen Brust und Hals reichlich geschmückt sind, bestanden ebenfalls aus zartem, weichen Leder. Welch einen Blick in die Zukunft eröffnet diese Verwendung des Leders, bei der Toilette! In der That ist die Einführung des Leders in die Confection ein Schritt von so außerordentlicher Bedeutung daß sich die Folgen noch gar nicht absehen lassen. Schon im letzten Jahren kam es zu kleinen, schüchternen Anfängen: man versah die Hüte mit ledernen Einfassungen. Daß die Idee Anklang fand, ergibt sich aus dem lederbesetzten Modell-Jacket, und wenn, die kühnen Neuerer nicht auf halbem Wege stehen bleiben, so dürfte uns die kommende Saison noch manche Ueberraschung bringen. Hat dann erst einmal das Leder in der Damenconfection festen faß gefaßt, so kann sich die HerrenSckneiderei der neuen Richtung nicht lange verschließen, zumal die männliche Gewandung für die Verwendung des Leders noch weit geeigneter erscheint als die weibliche. Auch die Literatur wird sich rechtzeitig mit der neuen Moderichtung vertraut machen müssen. Fräulein Ludmilla sah in ihrem knapp anschließenden Jäckchen von echtem Saffianleder allerliebst aus." Oder: Der blinde Geiger errieth die Nähe der Gräfin aus dem eigenartigen Parfüm, das ihr Juchtenjacket ausströmte." Wie lange hatte die arme Näherin darben und sparen müssen, um die zwei Ziegenfelle anschaffen zu können, dis'ihre kunstfertige Hand nun zu einem Wintermäntelchen verarbeitete." Solchen und ähnlichen Stellen wird man in den neuen belletristischen Erscheinungen des nächsten Jahres beaegnen, und noch überraschender wird die Ausbeute sein, die uns die Lyrik darbietet. Wie gefühlvoll kann in Zukunft der verliebte Poet vom Leder ziehn": Zwar ein Jacket mit Lcdertheilen Umspannet Deinen zarten Leib; Doch nicht vor Amors kleinen Pfeilen Schützt solch ein Panzer, holdes Weib. Ich weiß zu gut, daß dieses strasfe Kalbfell ein weiches Herz umschlingt. In das Gott Amors kleine Waffe Mit starkem Widerhaken dringt! Und welch neues Feld bietet sich denjeniqen Schriftstellern dar. die .auf einen packenden Titel Werth legen! Die Dame in Kalbleder" zum Beispiel ist ein Titel, der sich gewiß hören läßt. Was aber sagen die Klelderstoff-Fa-brikanten zu der neuesten Laune der Göttin Mode? Haben Sie schon daran gedacht, daß ihre Existenz geradezu bedroht ist? Werden sie die Sache ruhig ihren Gang gehen lassen oder die Hilfe des Staates anrufen, damit er hemmend und ordnend in die Jrrgänge der Mode eingreife? . Schielende lugen.
. Ein entstellendes Leiden, das weder die regelmäßigste Körperentwicklung, noch die schönste Gcsichtsbildung' ganz übersehen macht! Wie manche Thräne weint die Mutter über das Unglück des hübschen, blühenden Kindes, das schielt! Und doch hat sie in vielen Fällen das Leiden selbst verschuldet, indem sie, unbelehrt 'und ungewarnt, versäumte, was zur richtigen Entwicklung der AugenstellunA nöthig war: es ist die richtige Stellung des Kinderbettchens zum Lichte. Im ersten kindlichen Alter sind die Augen noch nicht geübt zusammenzuarbeiten, d. h. sich stets zugleich nach rechts und . links, oben und unten, innen und außen zu drehen Vielmehr macht jedes Auge im Anfange seine Drehung ziemlich unabhängig vom anderen Auge. Wenn nun die Wiege des Kindes so steht, daß sie nur von einer Seite Licht erhält, und meistens noch recht Helles Licht, so hat das Kind nach dem Lichte mit dem einen Auge nur eine geringe Drehung zu machen, mit dem anderen dagegen eine um so größere. Da nun alle Kinder gerne nach dem Lichte schauen. so bildet sich, wenn die Wiege den un geeigneten, von einer Seite beleuchteten Platz längere Zeit behält, dauernd eine ungleiche Stellung der Augenaxe aus: das Kind schielt. In vielen Fällen verwäckzst" der Fehler bei rechtzeitig eingeholtem Nathe und dessen Befolgung; oft bringt eine Operation in spateren Iahren Hilfe; oft aber bleibt de? Fehler in mehr oder wenige? hodem Vrade unabztellbar. Darum sollen alle Mütter des Kindes Bettchen so stellen, daß es das Licht von beiden Seiten in gerechte? Weise bekommt also am besten mit dem Kopsende ach dem Fenster zu. Neugierig. Amme lmit dem Neugeborenen in's Zimmer tretend): Hier, Herr Professor! Professor ldem schon zwei Mal Äwillinae beschcert worden sind): Na, wieviel sind's denn diesmal, Frau Muller? R e v a n b e. Sr? M?,Z Fräulein, darf ich Ihnen meinen Arm anbieten?" Fräulein: Gerne, unnn ich mich mit' meiner Qand re. danchiren darf."
