Indiana Tribüne, Volume 18, Number 316, Indianapolis, Marion County, 4 August 1895 — Page 7
Der schlaue Mulay. Mulay Hassan war ein reicher, Angeseh'ner Orientale Und bekannt durch seine Klugheit. Selt'ne Schätze bargen seine Goldverzierten eich'nen Schränke, Und in seinem Keller lagen Tausend Eimer edlen WeineZ Aufbewahrt in festen Schläuchen. Von dem Weine trank nun Hasjan, Trotz des Koran und Propheten, Und er trank vom frühen Morgen BiZ zum späten Abend trank er, Unermüdlich, immer durstig Eines Tages kam zu Haffan Abdullah, der Weise Bagdads. Haffan war gerad' beim Weine. Uine ganze Reihe Krüge Hatte heut' er schon geleeret. Und sein Diener Muphta mußte Immer wieder neu sie füllen Mit dem rothen Rebensäfte. Atdullah that sehr verwundert Zu dem Treiben Mulay HaffanS Und mit staunender Gebärde Fing er also an zu sprechen : Mulan Hassan! Kennst Du nicht mehr Die Gebote des Propheten? Tu, der Klügsten einer, frevelst Und vergissest, daß Du zehnfach Wirft die Sünde büßen müssen! -Sprich! Wie deut' ich mir Dem Trei Jen?" Einen frischen Krug ließ Hassan Reichen sich von seinem Diener, Leerte ihn in einem Zuge, Äwinkerte mit seinen kleinen. Klugen Aeuglein, darauf begann er: KernT den Koran, kenn' ihn Utx. In der zweiten Sure steht es: Nicht verboten ist der Wein, nur Sündhaft ist es, ihn zu trinken. Ihn zu trinken! Doch ich denke: Meine Art den Durst zu stillen Kann man nicht mehr Trinken nennen !"
Tltlchttt. Von Elsbeth Meyer. Muthl", sagte die Tielchen, indem sie in die Küche trat, wo die Bauerngutsbesitzcrin den Teig für die ErnteZuchen einrührte, es is mir asu lang eilig zu Mutte! Der Poppa Z uff's Vorwerk geritten, die Großmutter schläft, und Du thust da ganzen, lieitn Sonntag nischt wie Kuchen backen. Kenn eenz'ger Mensch spricht a Wörtel mit mir. Das is doch keene Oart. Ich möcht ooch zum 'Sonntag a bissel was Vergnügen haben". Die Mutter hatte nur flüchtig zugeijoit, ihr ganzes Interesse war von der Schönheit des Teiges in Anspruch gerammen, der eben Blasen zu schlagen begann, so datz ihre Arme beim Aufund Niederdrücken lange, honiggelbe Fladen hin- und Herzogen. Du, Pine". sagte sie indem sie mit bti jyn Teigschwimm häuten verschönten Hand dem Küchenmädchen winkte, komm, schütt amal die Rosinen zu." Tielchen stand tioch immer und verzog beleidigt den rothen Mund. Wenn ich ock wüßte, was ich machen füll," rief sie fast weinend, ich kann doch nich immerfurt sitzen und Sterne häkeln. Ich ha nus fünfte Dutzend voll. Hiev uffm Lande könnt eens sterben, asu wenig is hier los." Jetzt wandte sich die Mutter um. Geh", sagte sie, und mach ock, daß de weiter kummst. Du siehst doch, daß mir hier die Hände vuller Arbeet haben. For waswegen halt ich Dir denn die Gartenlaube", wennste nicht drin liest?" Ach in der Gartenlaube"," sagte Tielchen verdrießlich. Da is ock immer von Bräutgam und Liebe drin, und da ärger ich mich erscht recht, daß bei uns so was niemals vorkummt."' . Jetzt aber fuhr die Mutter auf. Du Heer ock, Madel, daß ich mich ich amal vergreife," rief sie echauffirt. Du wecßt wull goar nich recht mehr was de sprichst? Geh, nimm Dir amal was Geistiges vur. Kuck ei a Kuhstoll oder spiel Klovier. Der Mensch, derbe sucht, findt immer was, womit a sich " anne Unterhaltung .schasst." Tielchen ging langsam hinaus. Sie spazierte in den Hof, und blieb unschlüssig in der Nähe der Dunggrube stehen. Der. Hof lag in schönster Sonntagsruhe. Durch die offenen Thore des Kuhstalls konnte man zur Hälfte die lange Reihe der Rinder überblicken, die glatt mit ihren dicken Bäuchen auf der Etreu lagen, und langsam, Hegen die unzähligen Fliegen blinzelnd, an den aus den Mäulern hängenden Halmen kauten. Im Brunnen, in der leeren Röhre des Troges, saß eine Anzahl Tauben, die ihr Gefieder cm dem kal ten Steine kühlten, wobei sie sich, gleich den Kühen im Stall, mit den Leibern geg-n den Boden drückten Ihre rothgeränderten Augen gingen bald aufmerksam im Kreise umher, bald zogen sich schläfrig die winzigen Lider dar über. Den Tauben in liebevoller Nähe saß unbeweglich die Katze, hielt ihren grünschimmernden Blick, in dem die Sonne glitzerte, auf das weiße Gefe'der in dem ausgetrockneten Trog gelichtet, und lüsterne, jammernde Töne, die sie von Zeit zu Zeit mit einem schmerzlichen Verziehen des Maules aus stieß, waren die einzigen Laute, die auf dem stillen Hof zu .hören waren. Tielchen wandte sich seufzend ab und ging ,der Gartenpforte zu. Im Schat ten veSGartenzauns lagen, die Kleiderrocke über den Kopf gezogen, die Mägde des Hofes und schliefen mit mit ausgejtrecktenGliedern einen geradezu schwermüthig tiefen Schlaf. Nirgends eine Spur .von Leben! Alles schlafend, müde, starr, wie im Dornröschenschloß, und nur Tielchen 'der wandernde, lebende Geist unter versteinerten Menschen und Dingen. . Sie schritt .durch den langen, von
gelben Kürbissen üdersäeten Gatten. hier summten auf den Fingerhutbliithen die großen, schwarzen Hummeln und stießen manchmal mit dem Rüssel wie rasend in einen geöffneten Kelch, um mit schwülemBrummen wie der weiter zu schwirren. Tielchen fühlte sich heiß und matt. Sie ging ganz langsam, wie mit Eisengewichten an den Füßen. Vom Garten führte ein offener Weg in die Wiesen hinaus, und unschlüssig, ohne zu wissen was anfangen mit dem lan gen Sommertage, schlug sie den kleinen Fußpfad ein. Bald bog sie jedoch von dem Wege ab und schritt über die halb feuchten Wiesen dem schattigen Gehölze zu. Es war ihr eigen zu Muth, ihr frt scher Mund war von Trotz und einem Schatte von unbewußtem Kummer gefchürzt. Die Art der Mutter, sie abzuwe! sen, kam ihr zum ersten Male kränkend vor. Na wart ock"" murmelte sie kindisch vor sich hin. Wennt Ihr mich mal nich mehr haben werbt!"... Plötzlich riß sie beide Augen auf. Vor ihr im Gras tauchte eine Gestalt auf, ein junger Mann faß, mit dem Kopf an eine Birke gelehnt, mitten zwischen Bü schein von Unkraut und schnitzte aufmerksam an einer Gerte. Herrjeeh!" schrie sie erstaunt und erfreut zugleich, sind Sie's denn wirklich, Herr Tschind?" Eine lebhafte Begrüßung fand statt. Wollen Sie nicht Platz nehm'. Fräulein Tielchen", bai artig Herr Tschind. Es war ein junger Verwalter aus der Nachbarschaft. Tielchen hatte ihn manchmal flüchtig getroffen, wenn sie in der klappernden Britschka mit ihrem Vater über Feld fuhr. Wenn Sie erlauben, Herr Verwalter", sagte Tielchen deshalb, indem sie ihr karrirtes. Kleid hob und sich auf den gestärkten Unterrock fetzte. Eine kleine Pause trat ein. Der Verwalter hatte sich gleichfalls wieder gesetzt und zog sein Taschentuch, mit dem er sich den Schweiß von der Stirn trocknete. Wirklich, mein Fräulein", sagte er, indem er sein reinstes Hochdeutsch gebrauchte, es is reizend von Ihnen, daßSie bei dieser luderment'schen Hitze gleich mir den Wald auffucben. In dem Walde, nich war, da sühlt der Mensch erst, daß er Mensch is. während er zur Erntezeit sonst meist schon mehi zum Vieh wird." Tielchen. die diesen gewählten Vergleich vollkommen in der Ordnung und zutreffend fand, blickte lebhaft auf. Ja sagte sie. und die Erleichterung. einen Menschen zur Aussprache gefunden zu haben, rief ein strahlendes Lächeln auf ihrem Gesicht hervor, bei dar Ernte fein die Pauern schlimmer dran, as wie bie Uchsen. Ich seh's ja an unsem Poppa. Asu schrecklich wild, wie jetzt, wo dai Weezen eingefoahren werden soll, is der das ganze Jahr sunst nich. Dan ganzen Tag fuchelt a mit mit der Reitpeitsche rüm. ich mach ock immer, daß ich aus'm Wege Zumme." Der Verwalter blickte auf, feine klugen ruhten erstaunt auf dem offenherzigen Mädchen. Er empfand sonst k!lbneigung gegen die GroßbauerntöchZer, er kannte sie als hochmüthig. und Denen gegenüber, die ihnen an Rang pnd Besitz unterlegen schienen, von einer schnippischen Herablassung. Tielchen's freundliches Geplauder, durch das ein naiver Ton von Gekränktheit klang, berührte ihn wohlthuend, und er fagte, indem er sie treuherzig ansah: Da sehen Sie wull am Ende zu schwarz, mein Fräulein. Ich kann mir Nich recht denken, daß Ihr Herr Poppa auch uff Sie feinen Zorn übertragen sollte. Das Herz muß ihm doch lachen, -wenn er sein reizendes Töchterchen oan sieht." Tielchen, die in ihrem Leben wenig Schmeicheleien vernommen hatte, die wohl täglich zu Hause erfuhr, daß sie eine Laatsche", eine olberne Gans", ein Nischtegutt" ser, aber von ihrer Eigenschaft als reizendes Töchterchen noch nie etwas gehört hatte, erröthete bis über beide Ohren. Sie wull'n mich doch nich ärndt (etwa) zur Eule machen," stotterte sie ganz hilflos hervor. Allein der Verwalter, den ihr mit tiefem Roth, übergossenes Gesichtchen begeisterte,, sprang auf und. langte nach ihrer Hand. Woarhaftig n?ch, Fräulein; Tiel'chen," rief er aus, wobei er sein Hochdeutsch beinahe ganz vergaß, bei mtU ner Seele, was ich gesoagt hab', mein ich uffrichtig. Sie haben asu gutte, helle Augen, ich kann mirsch nich ondersch denken als doß Sie alle Menschen bodermit bezwingen." Er drückte ihre Hand und hielt sie fest. Verwirrt sah Tielchen zu ihm auf. Ich ich weeß nich, wie mir is", stieß sie hervor. Es is mir asu heiß. Es brennt mir urdentlich a Rücken runder. Bir wulln a Stickel gehn." Sie gingen langsam den Waldweg entlang. . Beide schwiegen. Sind Sie mir böse?" fragte de? Verwalter leise, indem er abermals nach ihrer Hand haschte. Sie schüttelte nur den Kopf und entzog ihm langsam iie Hand. So waren sie an einem Scheideweg angekommen. Links führte der Pfad nach dem Vorwerk hinunter, das der Verwalter bewirthschaftete, rechts rn etNiger Entfernung lag Tielchen's Eliernhaus. Noch immer lag Todtenstille über de? Landschaft. Kein Strauch bewegte sich, kein Ton
war zu hören. Die' sengende Gluth der Julisonne lagerte drückend über Allem wie bleierner Schlaf. Da sind wir", sagte der Verwalter und blieb stehen. Tielchen hob den Blick und erschrak. Sie war wie im Traum gegangen. Schon?" stotterte sie hervor. Auch sie blieb stehen und blickte den Weg entlang. Dort lag ihr ElternHaus. Das finstere, hochgiebelige Dach mit der Wetterfahne ragte über die Bäume desObstgartens hinaus. Gleichmäßiger, grauer Rauch stieg auS dem Schornstein in die Luft. Kein anderes Haus im Dorfe rauchte. In jedem einzelnen war Feiertag. Nur bei ihr, in ihrem Elternhaus, war niemals Feiertag. Leben Sie wohl, Fräulein Tielchen!" sagte der Verwalter nach einer Weile. Er hatte seine beiden großen Hände ausgestreckt, wie bittend Tielchen stand zögernd, ihre Augen waren aufgerissen. Ihr war, als müsse sie schreien, wenn er sie jetzt verließe. Und plötzlich, mit einem Schluchzen, warf sie sich ihm an die Brust. Tielchen", stammelte er, indem seine zitternden Lippen die ihren suchten, Tielchen." Sie antwortete nicht. Willenlos lag sie an seinem Halse, bittre glückliche Thränen weinend. Als Tielchen kurze Zeit darauf nach Hause kam, stand 'die Mutter noch immer in der Küche und war mit Backen beschäftigt. Na," rief sie, indem sie sich kaum umwandte, wie s es, hast de Dir nu die Motten aus dem Kopp geschla gen und Dir a bissel was zu thun gemacht?" Welchen stand gerade aufgerichtet, wie eine Bildsäule. Ich ha mich mit dam Verwalter verlobt," sagte sie emfach. Was?" schrie die Bäuerin, indem sie wie von der Tarantel gestochen emporfuhr. Du, huste da Verstand verluren?" Ne, Mutter," entgegnete Tielchen fest und kampfbereit, und ihre Züge wurden starr in unbeweglichem Trotz. Du hast ja selbst gesoagt zum heil'gen Sunntag sollt' ich mir was suchen gehen. Da h ich mir hoalt a Herze gebucht." ;
Schneiderei und dramatische Kunst. Welchen Einfluß hat die Schneiderei auf die dramatische Dichtkunst? Wenn sich irgend Jemand hierüber nicht vollständig klar sein sollte, so verweisen wir ihn an Herrn Charles Drecoll. Doch halt! Am Ende finden sich unter unseren Lesern welche, die gar nicht wissen, wer Herr Charles Drecoll eigentlich ist. Wir müssen ihn daher in aller Form vorstellen. Herr Charles Drecoll ist ein ehrsamer Schneider, Damenschneider in Wien, aber beileibe kein gewöhnlicher. Er hört sich gern den Wiener Worth" nennen. Er stammt aus Deutschland, kam von dort als einfacher Schneidergeselle nach Wien und machte dort seine Carriere". Er französirte seinen ehrlichen deutschen Namen Karl und nahm in der Schreibung seines Familiennamens ebenfalls eine solche kleine Aenderung vor, daß alles hübsch französisch klang. Jetzt ist er Besitzer eines Modesalons, eines vielgesuchten, des ersten, beliebtesten und vornehmsten in Oesterreich", wie er versichert. Und mit der Zeit wurde er ein reicher Mann, der im Stande ist, die Arbeit an den Nagel zu hängen und sich in's Privatleben zurückzuziehen. Kürzlich verkaufte er seinen Modesalon an ein französisches Confortium, und nun fängt er an, seine Memoiren zu schreiben. Er weiß sicherlich viel zu erzählen, viel Pikantes und viel Interessantes, was Alles in einer Damenscbneiderei vorkommen kann, unö aber beschäftigen hier seine Pikanterien nicht, zumal er selbst sagt, daß er mt dem Allerpikantesten jetzt noaz nicht herausrücken könne. Wir wollen an dieser Stelle lediglich von den Enthüllungen des Herrn Charles Drecoll über den intimen Zusammen hang der Schneiderei mit der dramatischen Dichtkunst Notiz nehmen. Herr Charles Drecoll erzählt in einem Wiener Blatte, wie er für die bekannte Operettendiva Frau Jlka Palmay die Toiletten zu einer neuen Operette machen sollte. Lassen wir den Herrn selber sprechen: Da hab' ich fieberhaft rasch eine Anzahl Stoffmärchen" an die Diva abgeliefert. Natürlich hat man sich ganz auf Drecoll verlassen, der ebenso Natürlich wieder einmal keine Ahnung hatte, zu welcher Zeit die Handlung spielt, kurzum, ohne daß man ihn in den Sinn der Operette eingeweiht hätte. Ich arbeite selbstverständlich drauf los, die Toiletten sind zur Generalprobe fertig, aber o weh! Sie sind nicht stilgerecht ausgefallen, den Situationen nicht angepaßt. Die Damen im Auditorium, welche der Probe beiwohnten, hatten die Disharmonie gleich heraus, man fiel' aus der Stimmung, und weder Text- noch Musik waren im Stande, den schlechien Eindruck ganz wettzumachen. Die Direction ist natürlich ganz außer sich nd macht der Künstlerin Vorwürfe: der Erfolg sei in Frage gestellt, die Blamage werde unerhört sein, und so fort mit Grazie. Was war zu thun? Natürlich Drecoll.-Man läuft Sturm tti mir, ich werfe mich in den Wagen und fahre zur Palmay, ein kurzes Hin und Her. und noch stand die (sonne des zweiten Tages nicht im Mittag, als die Diva lauter neue yrachtwerke hatte, alle im Sinne und Geiste der Operette. Die Vorstellung war gerettet, das Werk erzielte einen durchschlagenden Erfolg, an dem ich
unter solchen Umständen emen ganz kleinen, bescheidenen Antheil mir- vindiciren darf. Ja, die Schneiderei und die Buhnenkunst müssen heute Hand in Hand gehen. Der Autor rechnet schon von vornherein mit diesem wichtigsten Factor, und wer wollte leugnen, daß die Toiletten oft über das Schicksal eines Stückes entschieden haben? Blicken Sie auf die Sarah Bernhardt, auf die Sandrock und alle die großen und kleineren Bühnensterne brauchen die nicht die Toilette gewissermaßen als Folie ihrer Kunst? Es geht nun einmal jetzt nicht anders. Es gibt kein Ehebruchsdrama, in dem nicht die zartesten oder wildesten Aeußerungen der Eifersucht, des Schmerzes. der Liebe von der Heldin in einer Spitzenrobe von' mindestens tausend Gulden geschrien, gewimmert vder gehaucht werden, keine pikante Scene, die nicht auch ein Neglig6e zeigt, dessen feines Gewebe kostbares jüdisches Material forderte. Fällt Bühnenschnee. dann müssen Mäntel aus feinstem Zobelpelz die unter der Kälte" erschauernde Künstlerin kleiden. und. nächstens wird sogar Lenbach seinen Pinsel leihen müssen, um Dessins auf jene Stoffe zu zaubern, welche bestimmt sind. Sensationstoileiten im vollsten Wortsinn zu ermöglichen! Man wird mir's also glauben. wenn man's nicht ohnebin schon weiß, daß der halbe Erfolg eineS Bühnenwerkes dem t Schneider zu danken ist. Fast könnte ich eitel werden, denn die Autoren haben, mit der Thatsache rechnend, sich mir sehr dankbar erwiesen. .Mündlich und schriftlich stellten sie sich bei mir ein. und ich habe ein kleines, zierliches Geheimcabinet. in welchem die Wände bedeckt sind mit den Dankschreiben sehr hervorragender Theaterdichter, großer und kleiner Künstlerinnen und natürlich" nicht zuletzt mit den duftigsten Billeten von schönen Damenhänden aus der besten Gesellschaft..." Diese Stichprobe" mag genügen. Was Herr Charles Drecoll von den fmitVtvntrfitrtnn Ttrr kannst YDlls
itx berichtet, wie er einen Fall" erzählt, wo ein berühmter Professor nach einer schweren Operation an tU ner Dame auch das gedrückte Gemüth i seiner Patientin ausrichten, ivre x.t bensgeister aufrütteln wollte; rote aue seine bezüglichen Versuche - fruchtlos blieben, bis er endlich den glücklichen Einfall hatte, der Kranken von Dreroll und dessen Roben zu sprechen, 'worauf die seelische Depression der Dame sofort der yettersten Stimmung wich auf diese weiteren Wunderleistungen des Herrn Charles Drecoll wollen wir hier nicht eingehen. Unser Zweck ist erreicht mit der Vermittelung der Drecoll'schen Lehre von dem ungeheuren Werth der Schneiderei für die dramatischen Producte und für TOi'tfvnTfrtTrt Srfimslfifrfipr vjjv ( 7-w I Schöpfungen. Eine nähere Prüfung. -Würdigung und Verwerthung dieser 'anscheinend von Autoren noch nicht hinreichend beachteten Lehre müssen wir diesen Autoren überladen. cyave nur, daß Herr Charles Drecoll. der nebenbei selber ein halber Dichter zu sein scheint und jedenfalls über eine üppige Phantasie verfügt, die Namen jener hervorragenden Bühnenschriftsteller verschweigt, die ihm so viel verdanken und die ihm mündlich und schriftlich ihren Dank für. seine Unterstützung und seinen Beitrag zu den Erfolgen ihrer Werke ausgedrückt haben. Bestrafung der Falschspieler. DaZ erste Verbot aeaen das Würfel. spiel, das schon lange vor Christi Geburt bekannt gewesen, wurde im dreizehnten Jahrhundert erlassen, zu einer Zeit, in welcher es in Frankreich Anstalten gab, indcnen Unterricht in die. fern Spiel ertheilt wurde. Falscde Spieler wurden in der folgenden Zeit streng bestraft. In Bologna hieb man dem Spieler mit falschen Würfeln den Daumen der rechten Hand ab, in Zürich band man ihn an einen Kahn und zog ihn eine Strecke weit durch das Wasser. Auch den. verderblichen Folgen des Spieles suchte die Gesetzgebung zu steuern. Der Rath von Regensburg verordnete im vierzehnten Jahrhundert u. A., daß kein Spieler, wenn er seine Baarschaft verloren habe, mehr Geld leihen dürfe, als seine Kleidung werth sei, und der Rath von Florenz bestimmte im Jahre 1376, daß Jeder, der im Würfelspiel verloren hatte, drei. Jahre lang berechtigt sein fällte, seine Verlust zurückzufordern, was auch seine Verwandten thun konnten, wenn er selbst binnen zwei Monaten sein Recht nicht geltend gemacht hatte. Späte? , wurden Spielhäuser allerdings gestati r? n w. v .x. . .. , . er, ne nanoen zeoocy unter AuNicy:. Druckfehler. Hocherfreilt zeigen an, daß uns heute ein gesundes Cöhnchen geboren wurde. Laura setzte sich zum Klavier und spielte ln allen Honarten. ' Ueberaus herzlich war die gegenseitige Begrüßung der beiden Bürsten. Herr Gutsbesitzer Wahrlich dem sein Bezirk schon die Einführung mancher nützlichen Neuerung verdankt, hat kürz lich wieder erfolgreicher Versuche mit Darnpflügen. angestellt. Spruch. Ein Druck der Had, -Ein bischen Esprit", Von rothem Munde Em fröhliches Lachen Kann ganze Bände Won Philosophie In einer Stunde Zu Schanden machen!
voruttycil unö Sitte. Plauderei von L. Tankwardt.
Man merkt nicht, wie man einschläft, und es sieht Niemand, wie es Frühling wird. Die Gedanken verwandeln sich in Träume; es vermag Nieman zu sagen, was der erste unklare Traum, was die letzte bewußte Empfindung war. Der Gedanke wird zum Traum, der Traum zum Schlaf. Ds Wie und Wann läßt sich nicht ftststellen: wir schlafen. . Die Rinde der Birkenstämme schimmert weißer heute, glänzender als vor vierzehn Tagen. In tiefes Rothbraun getaucht, recken ihre schlanken Kronen Zweig neben Zweig gegen den mattblauen Himmel. Saft und Leben scheinen jede feinste Linie zu dehnen, und wenn wir eines Morgens erwachen, haben sich winzige, jugendfrische Blättchen aus den schwellenden Knospen geschält: über Nacht ist es Frühling geworden. Ueber Nacht? Die' schwarzen Eithen stehen noch mürrisch und schmucklos da. Wie die vornehmen Damen halten sie es nicht für standesgemäß, die Frühjahrstoilette allzu zeitig zu beschaffen; wie die Langschläfer erklären k: Es ist ja noch garnicht Frühling! Auch die Rehe tragen ja noch auf dem Rücken einen Sattel von grauem Winterpelz, die schlanken Füße freilich erscheinen um so leichter und beweglicher in der, hellen Sommertracht, die in kurzem den Sattel da oben verdrängen wird.. Wer achtet darauf, wann das letzte Winterhaar fällt? Wer weiß zu fagen, wo der Winter aufhört, wo der Frühling vom Sommer abgesist wird? Das Wachsen und Werben. das Kommen und Gehen ist so stekig, von so festgeregelter Bewegung, daß wir den Fortschritt nur messen, nicht sehen können. , Die Menschen schaffen die Sitte nicht. Sie entsteht und ist da. wie der Schlaf, das Erwachen, der Frühling, der Winter. Eine hochgestellte, reiche Dame wünschte ein Kleid zu haben, wie kein anderes bereits bestand: dieMobe des Pelzbesatzes für Ballkleider war geschaffen. Eine Fürstin hatte den berauschenden Zauber des Nikotins schätzen gelernt: die gute Sitte gestattete fortan den Damen den Genuß der Cigarette. Auf der Straße war einem jungen Mädchen aus gutem Hause eine Ungezogenheit gesagt worden: Man muß die jungen Mädchen nicht allein auf die Straße gehen lassen, damit sie unangenehmen Zwischenfällen nicht ausgesetzt sind!" Das junge Mädchen war sehr erschrocken; sie litt nicht nur körperlich, ihre Seele, ihr Gemüth war gequält von dem widerwärtigen Eindruck, den sie empfangen Der Adel ihrer Natur lehnt sich auf gegen die Berührung mit dem Gemeinen; in ihr lebt ein Hochentwickeltes, sittliches Gefühl. Reinheit der Seele und Schönheit der Erscheinung sind für sie unzertrennlich, das Unschöne. Niedrige wird ihr zur Pein. Nicht alle Naturen sind auf einen so feinen Empfindungston gestimmt. Das Rauhe verletzt sie nicht, sie sind weniger empfänglich für die Zwischenstufen von Rauheit zur Rohheit j kräftiger gebaut vielleicht. Sie ver- j tragen einen Stoß, ohne davon verletzt i zu werden. Die Erfahrung lehrt, daß j man nicht jedes junge Madchen solchen Stößen aussetzen kann. Die einen werden allzu sehr davon gequält, den andern kommt Maß und Grenze abHanden; sie verlieren das sittliche Empfinden. So nimmt denn ein stillschweigendes Uebereinkommen das höhere sittliche' Eirpfinden zum Maßstab des Handelns. Die Sittlichkeit, in der die gemeinsamen Interessen sich mit dem höchsten ästhetischen Empfinden der Menschheit decken, krystallisirt sich zur Sitte. Wo die Sitte den sittlich schwächeren Naturen aufgezwungen wird, wirkt sie als Gesittung. Das Gefühl der Beschämung tritt an die Stelle der freien, sittlichen Entscheidung, das Interesse der Gesammtheit wird gewahrt durch den Panzer der Gewohnheit, durch die Allgewalt des: Es schickt sich nicht." Alle Erfahrung hat die Tendenz zu verallgemeinern. An jedem einzelnen Menschen ist ein Dichter und ein Philosoph verdorben. Ihm fehlt die Gelegenheit, die BegakAng. volle dichterische Höhe, volle philosophische Größe zu erreichen. Auf irgend, einer Zwischenstufe bleibt er stehen. Auf der untersten Stufe steht die größte Anzahl. Sie vergleichen ihre Erfahrunoen miteinander. Ihr StandPunkt ist nicht hoch genug, um einen weiten Ueberblick über die große Schaubühne des Lebens zu gewähren. Sie denken trotzdem, sie dichten trotzdem. Auf ihre Art natürlich. So entsteht das Vorurtheil. Was kann aus Nazareth Gutes kommen?" Dieser Grundtypus des Vorurtheils hielt seiner Zeit seine Nachbeter von dem Anschluß 'an die größte, die ausschlaggebendste Bewegung eben jener Zeit sern. Und so ist es jederzeit bis heute geblieben. Wer, wollte leugnen, daß ein Körnchen Wahrheit jedem Vorurtheil inne wohnt? Nur, daß die kleine Wahrheit, hartnäckig erfaßt und vertheidigt, bisweilen zur Feindin der größeren, höheren Wahrheit wird! Die Tochter der vornehmen Mutter sieht, daß' zu Hause Mangel herrscht. Mangel am Nöthigen. Mangel am berechtigten Luxus. Da ist ihre ungebrochene Arbeitskraft, ihre Vorzug.liche Begabung und kein Mangel an -Gelegenheit, beides in der großen Stadt ausgiebig zu verwerthen. Sie spannt sich wohlgemuth in's Joch, pflichttreu, vom frühen Morgen 6:2 in die späte Abendstunde, so oft die Geschäfte sich häufen. Wer wird sie nach Hause begleiten? Wollte sie es
einem Herrn vom Kontor gestatten, so hieße das, ihm das Recht geben, eine gesellschaftliche Gleichstellung zu beanspruchen, einen Platz an ihrer Seite einzunehmen, den sie ihm im Herzen niemals würde gewähren können. Hoffnungen und Gefühle erwecken, mit denen 1 nur die leichtfertige Kokette zu tändeln vermag. Dem gewissenhaften Mädchen ist das Empfinden jedes Mannes heilig; sie w:rd nicht die Hand dazu bieten, daß er sein Bestes in lockerem Spiel zerbröckelt. So schreitet sie muthig allein durch die nächtlich beleuchteten Straßen, die Schützerin 'ihrer eigenen Ehre. Ihre feste Haltung, ihr sicherer, zielbewußter Gang sagt den Zudringlichen genug sie bleiben instinktiv fern. Deine Schwester," sagen die Freunde ihres Bruders, wird jetzt allzuoft Abends allein auf der Straße gesehen." Ja, was kümmern die Gedankenlosen die Kämpfe und Thränen, die ihre nachlässige Bemerkung der muthigen Dame kostet? Nicht einmal der Mutter darf sie es sagen, der Mutter, die ihr Leben lang geschützt und eingehegt wurde, sodaß sie kaum eine Ahnung hat von den Gefahren, dem Elend, gegen das die Tochter die Augen nicht zu schließen vermag. So weint sie sich still aus im einsamen Mädchenstübchen, um am nächsten Morgen unentwegt das Kleid hoch zu schürzen, damit es sauder bleibt", wie Ossip Schubin einmal gesagt hat. Die Bekannten sind entsetzt, daß Else X. in ihrer eigenen Wohnung einem Herrn Singestunde ertheilt. Else ist freilich schon seit reichlich zehn Jahren durchaus kein Backfisch mehr, aber es gibt nun einmal Menschen, die nicht leben können, ohne täglich mindestens ein Vierteldutzend Anfälle von sittlicher Entrüstung über die Schlechtigkeit andere? zu bekommen. Fünf Mark in der Tasche und ein gutes Gewissen obendrein sind aber realere Werthe als ein Martyrium der guten Sitte mit anständigem" Hungerleiden. Zu einer Malerin kommen doch auch Käufer und Kritiker, Modelle und Herren, die sich porträtiren lassen. Und die Kunst ist ihren Jüngerinnen eine besonders eifersüchtige Göttin. Sie verlangt von der Frau' völlig unzerfplitterte Kraft, unbedingteste Hingabe sie gewährt keine Frist für gesellschaftliche Tändelei. ' Guter Ton, ist nicht immer da zu finden, wo nur Männer bei einander sind; er gedeiht auch nicht unbedingt, wo Frauen unter sich" weilen. Es ist nicht gut, daß der Mensch allein sei. weder für den Mann, noch für die Frau. Ein zwangloser, geselliger Verkehr unter Männern und Frauen wirkt in jeder Richtung anregend und bildend. Diese Erfahrung gab z. B. Damen vom Berliner Fleischbeschauamte den Muth, kleine Gesellschaften unter sich zu veranstalten, zu denen Herren Zutritt haben. Als muthige Vorkämpferinnen der guten Sitte einer neuanbrechenden Zeit nöthigen sie der guten Gesellschaft das Vertrauen ab. daß eine Geselligkeit unverheiratheter Menschen auch ohne Ballmutterthum und Männerfang denkbar ist. In jener guten Gesellschaft freilich, wo eine Frau noch einen faux pas begeht, wenn sie sich nach dem Diner in das Herrenzimmer verirrt und in ein geistreiches Gespräch verwickelt wird, ist für die Ansichten jener liebenswürdigen, jungen Fleischbeschauerinnen einstweilen noch kein Raum. Größer und größer aber wird die Zahl der Mädchen aus den besten Familien", deren selbstständiger Beruf sie zu einem gänzlich unbefangenen Verkehr mit der Herrenwelt zwingt. Der sichere, gute Ton, der allein im Stande ist. si: gegen Zudringliche zu schützen, wird allmählich der Gesammtheit ein weitgehendes Vertrauen zum unlemutterten Mädchen einflößen! Das letzte Vorurtheil gegen sie wird fallen, wie das .letzte Haar vom Winterkkeide des Rehes unbemerkt, ungesehen wie der Gang des Zeigers an der Uhr.
Etwas vom Aberglauben. Es hat mich gewundert, unlängst in einer Gesellschaft aus dem Munde einer sonst gescheidten Person die Worte zu hören: Ich habe heute Zahnschmerzen, weil ich mir statt Freitag. Samstag die Nägel schnitt." Auf. mein Befragen erhielt ich den ganz wohlgemeinten Bescheid, daß Jeder, der am Freitag das Stutzen seiner Fingernägel besorgt, vom Zahnschmerz verschont bleibt. Ich dachte mir mein Theil. Aber was hilft's, ein Hauch aus alten Zeiten weht uns wieder an, und leisen Schrittes kommen, unglaublich, aber wahr. auch in die Kreise der Gebildeten die Vorboten eines ausgiebigeren Aberglaubens gezog?n und da setze ich mich her. um aus alten Scharteken Einiges herauszulesen. mit dessen Kenntniß man vielleicht .gar bald wieder den Zulauf von Groß st f.! to.a 411 'S?! ff rtTlrtsf rrt'2 uuy jiciu ivit gut vujjuvv haben wird. Ja, wer da die Dinge all: wußte, die auf uns einen günstigen oder ungünstigen Einfluß haben, der wurde bish:r ein albernes altesWeib genannt. Aber die Zeit wird anders, und die Gevatterinnen erzählen heute lauter und häufiger als bisher, daß es eine günstige Vorbedeutung in sich, schließt, wenn man Morgens drei Heuwagen begegnet, wenn man Türkisen trägt (Opale bringen Unglück), wenn man bei einem Spaziergange sechzig Schimmel zählt, oder einen leeren Leichenwagen trifft, oder sieben Armreifen tragt, von denep. jeder einzelne von jemand Anderen .stammt. An einen-
Rauchfangkehrer soll man rechts vorübergehen, an einer Nonne links, den zur Erde gefallenen Penny soll man treten; ebenso soll man bei Vollmond auf die Tasche klopfen dies hat auch guten Erfolg. Bekannt ist der Aberglaube, daß eine schwarze-Katze, die quer über den Weg läuft, Glück bringt, ein Hase aber bedeutet Unglück und drei Rauchfangkehrer mit Leitern bedeuten, großes Glück besonders, wenn sie hintereinander gehen. Im Portemonnaie soll man, wenn man Glück haben will, eine Schuppe vom Weihnachtsfisch, ein gestohlenes Ruthenstückchen vom Besen eines Kaminsegers und ein Stückchen Heu, das man dem ersten Wagen entnimmt, dem man begegnet, tragen. Vierblättrigen Klee soll man, wenn seine glückbringende Wirkung unfehlbar sein soll, nicht mit bloßer Hand, sondern mit der Schürze abreißen; ein Stückchen des Strickes eines Gehängten bringt ebenfalls Glück. Zieht man in eine neue Wohnung ein, so gibt man, bevor die Möbel aufgestellt werden, in jedes Zimmer einen Penny, ein Stückchen Brot und Salz. Eine freudige Nachricht oder ein Geschenk erhält man, wenn man vor dem Frühstück dreimal meßt; zieht man Morgens irgend ein Kleidungsstück, z. V. einen Strumpf oder Unterrock, verkehrt an und merkt den Irrthum erst des Abends, so bedeutet das ein großes, unverhofftes Glück. Das Unglück beschwört man herauf, wenn man einen Spiegel zerbricht, und besonders die Mädchen mögen sich davor hüten, sonst bekommen sie sieben Jahre lang keinen Mann. Freitags soll man nichts beginnen, weil Alles uhel ausgeht. Unglück bei Tische bringt ferner ein auf dem Rücken liegendes Messer, das. wie es im Volkmunde heißt, der Teufel reitet. Dem Jäger darf kein altes Weib begegnen, sonst schießt er unfehlbar nichts. Bei Tisch soll das Brot nicht auf der runden Seite liegen, sonst verarmt man; am Leibe eines Menschen soll nichts genäht werden, weil man ihm das Glück zunäht, muß es aber sein, dann soll man dabei den Zwirn abbeißen oder etwas essen Zerbricht man am Montag etwas. so folgen andere Sachen während der Woche nach. ' Unglück bringt das Schlafen, unter' einem Spiegel, den man. wcnn nicht auszuweichen ist, zu verhängen hat. Die Eule auf dem Dache, das Krachen der Möbel, das Stehenbleiben der aufgezogenen Uhr, das Messen eines Kindes, dasTräumen von Zahnschmerzen und der Traum vom Anziehen eines intimen Kleidungsstückes das Alles ist schlimm, und wenn ein Kranker die Decke kratzt, sagt man. er gräbt sich ein, und heult der Wind, dann hat sich Jemand erhängt. Ich übergehe die bekannteren Zeichen, die Stiesel auf dem Tische, die verstreuten Stecknadeln, das Jucken von Aug' und Ohr. Ras und Hand wollen wir hier nicht erwähnen. Die Freundschaft zerstören Geschenke, wie? Gebetbuch, Parfüm, Kreuze, Spiegel und Spitziges und Schneidiges. Beim Geben einer Nadel soll man lachen, beim Abschiednehmen mehrerer Personen sollen sich die Hände nicht kreuzen. Bei Hochzeiten soll die Braut nicht mit dem linken Fuß zuerst in die Kirche treten und sich nicht umsehen, ferner soll sie die Altarkerzen beobachten, um zu sehen, ob die zu ihrer Seite mit der anderen gleich tief brennt. Regnet es bei einer Hochzeit, fo hat das EhepaarGlück zu erwarten, stolpert die Braute fo gibt's ein Malheur; sie soll weder Kranz noch Schleier zerstückeln, weil sie ihr Glück ruin-rt; auch beim Probiren des Brautkleides außer der unvermeidlichen Schneiderin Niemand Fremden Zeuge sein lassen, damit sie sich keine Neider schafft. Wo em Pferd wiehert, ist eineBrout im Hause; junge Mädchen, die Bräute werden wollen, sollen sich auf keinen Divan setzen,' der unter einem Spiegel steht, und trachten, zwischen zwei Brüder zu sitzen zu kommen und vor der Hochzeit keinen Brautkranz und Schleier probiren. . Will man die Erfüllung eines Wunsches erbitten, so gehe man in eine Kirche, die man vorher nie gesehen. In Erfüllung gehen auch Gedanken, die man bei einem Sternschnuppenfall hat. Das Herausstehen von Haarnadeln bedeutet Sehnsucht des Geliebten, das Verlieren dessen Untreue, ebenso das Fallen einer Schürze. Wenn man von einem Todten spricht und es nießt Jemand, so muß man ihm beim linken Ohr ziehen, sonst hat der Todte keine Ruhe im Grabe. Haare soll man nur bei Vollmond oder beim Läuten der Auferstehungsglocken stutzen; am 1. März soll man um den linken Zeigefinoer einen rothen Seidenfaden wickeln. der den ganzen Monat am Fii,ger bleibt und das Erscheinen von Sommersprossen hindert; gegen das Alpdrücken soll ein verkehrt zum Bett gestellter Ruthenbesen wirkiam sein, jedem scheckigen Pserd soll man guten Tag sagen, damit man keine Kopfschmerzen bekommt; auf Eierschalen svll man nicht treten, um nicht bleich-
süchtig zu werden. ! Das sogenannte Verschreien 7v'elt . im Aberglauben eine große Rolle. So , soll man. wenn- man Jemanden versichert, er sehe gnt aus, dreimal ausspucken oder dreimal auf den Tisch, ud zwar unter der Decke, klopfen; wenn mat Jemandem Glück wünscht, soll man die Daumen einziehen, dasselbe gilt beim Bewundern kleiner Kinder. denen man übrigens, um sie vor dem Verschreien zu schützen, Salz in den Nacken streut. Wer mit einer Haselruthe gezüchtigt wird, bleibt klein. Birkenruthen schaden nicht dem Wachsthum. Und wer daö Alles nicht glaubte, der wurde ti&J verbrannt.
