Indiana Tribüne, Volume 18, Number 309, Indianapolis, Marion County, 28 July 1895 — Page 6

I

Blücher am Rhein. T, (iit4. dlUlUy. :it Hrere blieben am Rheine steh'n; 'Soll man hinein nach Frankreich geh'n? Man dachte hin und wieder nach. Allein der alte Blücher sprach: Generalkarte her! Nach Frankreich geh'n ist nicht so schwer. Wo steht der Feind?" Der Feind? Dahier!"" Den Finqcr d'rauf, den schlagen wir! Wo liegt Paris?" Paris? Da. . hier!"" 'Ten Finger d'rauf! das nehmen wir! Nun schlagt die Brücken über'n Rhein, Ich denke der Champagnerwein Wird, wo er wächst, am besten sein!" In Baskerville'S Uebersetzung: BLUCHEtt ON THE K II IXE. Frora Kopisch. Twas on the Rhine the armies lay: To France ornot? is't yea, or nay? They pondered long, and pondered well, At length old Blücher brake tbe spell, Bring here the map to rae! Tlie road to France is straight and free. Where is the tos?" The foe? why here !" "We'll beat Lira ! forwards! never t fear! Say vhere lies Paris? Paris? here!" "We'll take it! forwards! never Lear! So th.ro w the bridge across the Rhine, Methinka the Frenchman's sparkling wiue "Will taste the best where jjrows the vine." Curiosa aus dem Ersinderleben. Mitgetheilt von 23. v. Schierbrand. Im Deutschen sowohl wie im Englischen gibt eS verschiedene Sprüchwor. ie, deren Sinn dahin geht, daß Glück die schönste Gabe sür's Leben sei. Better to be born lneky thun rieh"; .ein Quentchen Glück, ist mehr t?::th als ein Centner Verstand" to be born with a silver spoon in one's inouth" so und ähnlich lauten einige dieser Sprüche im Volksmund. Und ein sinniges Märchen gar erzählt von einer Machtprobe, die Herr Geld und Frau Glück an einem armen Wandersmann vornahmen. Nachdem ihm Geld in Hülle und Fülle verliehen, aber ihm dasselbe ohne die gehörige Dosis Glück immer wieder adgenommen worden war, und der arrot Kerl schließlich nicht nur ausgeplün idert, sondern sogar beinahe.todtgeschlagen worden war, kam die Reihe an Fortuna, und diese ließ den Wanderet lim Handumdrehen wieder das Gerauoie erlangen und ihn schnei zum glückli chen Mann werden. Wodurch eben die größere Macht des Glückes im Veraleich zum bloßen Besitz des Geldes be-. wiesen war.An dieses Märchen chabe ich schon eft denken müssen, denn es ist ein ge treues Spiegelbild des Lebens wenigstens des Lebens gar Vieler. Und nirgendswo, so kann man sagen, spielt kas Glück eine so entscheidende Rolle wie im Leben des Erfinders. Es ist überhaupt noch gar nicht so sehr langt her, daß Erfindungen gesetzlich geschützt lsind; in einigenHauptculturländern daiirt dieser Zeitpunkt erst wenige Jahrzehnte zurück, in denVereinigten Staa ten allerdings schon länger. Und wie verhängnißvoll der Mangel an Glück, auch bei größter Klugheit und ausdauerndstem Fleiße, oft war und noch ist. das will ich eben durch diese zwang, lose Skizze an einigen Beispielen belegen. Anfang der Siebziger Jahre lebte in New Aork ein Uhrmacher. Feilitzsch mit Namen und ein Rheinländer von Geburt. Er war ein sehr anschlägizer Kopf, und da er Junggeselle war und als geschickter Mann in seinem Fach in einem Engroszeschäft der Maiden Lane zwischen $40 und $50 per Woche verdiente, so lag er mit. Leidenschaft seiner Liebhaberei, in seinen Ruhestun. teil allerhcnd Erfindungen auszuhe cken. mehrere Jahre lang ob. wofür er 'dann seine Ersparnisse opferte. Wie viele Patente auf eigene Erfindungen er schon erworben hatte, das kann ich gar nicht sagen, aber es müssen minde stens 20 gewesen sein. Einige dersel i:n waren sehr sinnreich erdacht und hatten viel Nachdenken. Kunstfertigkeit und große Geduld erfordert, ehe das Modell dafür richtig hergestellt worden war. Ich entsinne mich, daß Feilitzsch bei der Conftruction der auf dem New Aorker Hauptvostamt damals angebrachtenThurmuhr ebenfalls eine seiner Erfindungen, anbrachte, wodurch die automatische Regulirung derselben sich täglich zweimal vollzog und dieses Kunststück von ihm sollte ihn. wie er und seine Freunde damals wähnten, viel Geld und Ruhm einbringen. Aber das Verhängniß schien über ihm und allen seinen Erfindungen zu walten. Selbst die besten und sinnreichsten war fen ihm nicht viel ab. Thatsächlich hatte er zehn Jahre lang sein sämmtliches, mühsam erspartes Geld und seine gesammte Freizeit auf seine Erfindungen verwandt, ohne daß es ihm 'auch nur rit einer der letzteren geglückt hätte. Von seinen amerikanischen Arbeitgebern wurde er deshalb auch für eine Art ungefährlicher Crank" angesehen. Im Herbst 1875 aber drehte sich das 3!att bei ihm, und auf ganz merkwür, d'.ge Weise. Eine seiner Erfindungen .?ar ein hölzerner Citronenquetscher. Die Idee war eine sehr einfache, und die AuZführung derselben beinahe noch

einfacher. Heutzutage gibt es ja Ci

tronenquetscher jeder Art. aber damals war bie Sache nämlich noch neu. Feilitzsch hatte gerade dieser Erfindung, eben weil sie so einfach und unöedeu tend aussay, gar keinen Werth beigemessen, und er war deshalb höchlichst erstaunt, als ihn eines Tages ein Patentanwalt aus Washington im Auftrage eines St. Louiser Capitalisien in. seiner Werkstatt aufsuchte und ihn frug, was er für das Patent haben wolle. Feilitzsch kam die Idee, daß Je mand gerade dieses Patent aus allen seinen complicirten und fein erklügelten übrigen Patenten wünsche, so komisch vor, daß er laut auflachte und dem Anwalt das Patent beinahe für ein Butterbrod" verkauft hätte. Zum Glück mischte sich einer seiner Freunde in den Handel, und sobald Feilitzsch um Aufklärung gebeten und solche erhalten 'hatte, merkte er doch, daß met)i an der Sache war. als er sich hatte Träumen lassen. Schließlich verkaufte er sein Patent für $20,000 und glaubte, einen vorzüglichen Handel gemacht zu haben. Ich will gleich hinzufügen, daß die Compagnie, die sich nun mit AnferiTgung des'patentirten Citronenquetschers befaßte, innerhalb der nächsten 7 Jahre circa$450,000 Reinprofit erzielte, denn das Ding kostete nur un gefähr 3 Cents herzustellen und vertaufte sich zu 25 Cents, und später setzten sie an Stelle der hölzernen metallene Quetscher, vernickelt, oder mit einer Glashülse versehen, und verkauften sie zu 50 C??.ts bis $1.25. Feilitzsch aber, der sich nach Empfang jener $20.000 ein Crösus dünkte, gab seine Stelle in dem Geschäft an Maiden Lane auf, und wurde professioneller Erfinder, sowie AusDeuter seiner eigenen Patente. Vor allem lag ihm eines dieser Patente am Herzen " eine Brütmaschine. Er kaufte ein Stück Land in New Jersey, unweit Newark, und legte dort eine Brüiefarm für Hühner im großen Maßstabe an. Wenn man ihn dann einmal in New Fork auf der Straße traf, so strahlte sein feistes Antlitz vor Wonne, und auf Befragen erzählte er, wie er an seinen Apparaten jeden Tag neue Verbesserungen anbringe, und wie sie nächstens" in perfectem Zustande sein sollten. Dann könne er ungefähr 2.500 Eier per Tag damit ausbrüten und ganz New Z)ork das Jahr hindurch mit spring cliickena" versehen. Wie Col. Sellers schloß er seinn Monolog jedesmal mit: There are Million in it." Um die Sache jedoch kurz zu machen, will ich nur noch erzählen, daß der arme Feilitzsch inner, halb 6 Monate seine $20.000 verplempert" hatte, bald darauf den Verstand verlor, im Bloomingdale Asylum eingesperrt wurde und dort 1884 gestorben ist. Ein ähnlicher Fall war der eines ge wissen Loiseau, eines Franzosen, der in Philadelphia zuerst den Gedanken, aus Kohlenstaub und Thon künstliches Feuerungsmaterial herzustellen, praktisch ausführen wollte. Er fand auch einige Capitalisien, und es wurde eine Fabrik gegründet, aber die Sache ging nicht und die ersten Capitalien zogen sich zurück. Er fand neues Capital, und später wieder neues, aber schließlich mußte die Fabrik doch ihre Thüren schließen. Loiseau machte damals einen Selbstmordversuch, wurde aber hergestellt, und bald darauf fing auch das Unternehmen an zu floriren. Doch erblindete Loiseau, und zur selben Zeit brannte die Fabrik nieder mit allen Maschinen, die er nun nicht mehr her stellen konnte. Der arme Erfinder kehrte nach Europa zurück und starb vor einigen Jahren in Brüssel, völlig verarmt. Das waren ein paar eclatante BeU spiele von mangelndem Glück bei zwei Erfindern, die ich persönlich gekannt. Im Jahre 1882 wurde ich in Chicago zufällig bekannt mit einem Manne Namens McSwenie, Canadier von Geburt und Schuster seines Zeichens. Der Mann war damals schon immens reich, und ist es seitdem in noch viel höherem Maße geworden. Und wodurch? Durch eine Erfindung, die er, wie er mir selbst lachend mittheilte, eigentlich gar nicht einmal selbst qemacht. Es war in Fall River. Massachusetts." sagte er, als ich eines Tages im Ge spräch mit meinem Mitarbeiter, einem französischen Canadier Namens Langerin. bemerkte, wie viel leichter doch ein Schnürschuh befestigt werden könne und wie viel besser er passen würde, wenn man die dummen Oesen an den Schäften durch etwas Praktischeres ersetzen könne. Am näckiten Taae hait Langerin zu mir, er habe etwas gefunden, was die Oesen ersetzen würden, nämlich eingehakte Knöpfe, um welche dann die Schnürsenkel kreuzüber geschlungen werden könnten. Während der Mittagspause stellten wir zwn an einem alten Paar Schuhe Versuche an. die ziemlich gelangen. Zu Hause setzte ich diese Versuche am selben Abend fort, und gebrauchte schließlich kleine Klampen anstatt der Knöpfe, was viel besser paßte. Noch in derselben Nacht fertigte ich ein Modell an, ging am nächsten Morgen zu einem Paientanwalt, und binnen 3 Wochen hatte ich mein Patent." Sagten Sie Langerin etwas da von?" frug ich. Natürlich nicht," lächelte Mo S'.oenie, aber zwei Jahre später, als ich einen neuen Contrakt mit zwei gro ßen Firmen in Fall River abschloß, der mir $80.000 das Jahr abwarf, machte ich ihm ein hübsches Geschenk, wovon er sich, glaube ich. eine Cottage hat bauen lassen. Er ist seitdem Vor mann in derselben Fabrik geworden. und arbeitet noch immer dort." Und Sie?" Nun, ich. wie Sie sehen, verbringe jetzt mrtnc Zeit auf angenehmere Weise namentlich mit dem Abschneiden von

Coupons und dem Einziehen von Royalty" für meine Erfindung." Angenehme Beschäftigung", warf ich so leicht hin. Danke, es geht", lachte Mc Sl?cnie. Eines Tages, es mögen so ungefähr 10 Jahre her fein, wurde ein Mann im County-Jrrenasyl in Jefferson ein, geliefert, der den Richter und die Jury vergeblich davon zu überzeugen versucht hatte, daß seine Erfindung eine praktt. sche sei. Der Mann fcUß Ronald Curric und war ein alter, sehr herabgekommener Erfinder, der früher viel Geld verdient hatte mit einigen seiner klugen Einfälle, dann aber sich dem Trunke und der Ausschweifung ergeden hatte, und so um seinen Verstand gekommen war. .Seine letzte Erfindung" war folgende gewesen: Ein Glasdach über die ganze Stadt Chicago -zu spannen, welches durch einen Wald von schlanken Säulen gehalten werden solle. Wie er dies nun eigent lich anfangen wolle, das erklärte er nicht, aber das Unternehmen selbst hielt er für?Lllig ausführbar, und im Jrrengerichhatte er einen langen, begeisterten Vortrag gehalten, wie viele Uebelstände mit einem Male durch seine Erfindung aufgehoben seien kein Recn, kein Schnee, kein Gewitter, kein Sturm mehr zu fürchten; große Rein lichkeit der Straßen und Häuser, und hierdurch eine riesige Ersparnis im städtischen Budget, u. s. w. Er hatte noch viele Punkte angeführt, die ihm richtig erschienen, aber die Jury war nicht zu überzeugen gewesen, und das Resultat war eben seine Ueberführung in's Irrenhaus. Dort nun erfand" er ruhig weiter, jeden Tag etwas Neues, und um ihn bei guter Laune zu erhalten lieferte ihm der Anstaltsdirektor die Rohmaterialien für seine Experimente bis kurz vor seinem 'Tode, der einige Jahre später erfolgte. Sonderbar mag's erscheinen, daß die Patente aufSpielsachen zu den einträg. lichsten zählen, und gerade solcher Patente gibt's in Amerika die schwere Menge. Freilich ist in den meisten Fällen die Einträglichkeitsdauer dieser Erfindungen nur eine kurze, aber sie genügt für alle praktische Zwecke." So hat ein Methodistengeistlicher in Bincennes, Ind., vor einer Reihe von Jahren ein neues Spielzeug, einen Zurückkehrenden Ball", erfunden, und dieser warf ihm, so lange eine rege Nachfrage danach war, etwa $2,000 die Woche ab. Die Erfinder des Pig in a corner" und ähnlichen Puzzles" sind sämmtlich schwerreiche Leute geworden. Dasselbe gilt von jenem Teusel in Menschengestalt, der vor einige Jahren jenes infernalischeBlas. instrument ' erfand, welches eine kurze Zeit in jeder Straße, jedem Hause, je der Hütte der ganzen Ver. Staaten zu hören war, dann aber zum Glück auf Nimmerwiedersehen verschwand. Daß in den Temperenzstaaten auch ein besonderer Zweig der Erfinderthätigkeit blüht, das versteht sich ja eigent lich von selbst. Zu den erfolgreichsten Patenten dieser Art gehört das auf die bekannte Taschenbibel, welche ein Quart Whiskey faßte, sowie auf den Spazierstock, welcher ein Pint des stärkenden Nasses birgt. Auch die Operngläser für junge Damen, die durch den Halter ein kleines Saugrohr haben und so rhren Trägerinnen außer den auf der Bübne auch noch andere geistige Gtnüsse" bieten, haben noch immer recht hübsche Erfolge zu verzeichnen. Am ausgiebigsten in diesem Fache hat allerdings jener Erfinder gesorgt, der einen Cylinderhut ersann, worin außer 2 Quart Schnaps auch noch die dazu gehörigen Gläser, 2 silberne Löffel, eine Citrone, und ein 1 Pfund Zucker Platz hat. In Des Moines,Jowa, wurden einmal von den eigens dazu bestellten Staatsconstablern während einer einzigen TheaterVorstellung 118 solcher Hüte, sämmtlich geladen", confiscirt, ein Beweis, daß sich das Patent für seinen Besitzer gelohnt haben muß. Es sind oft gerade die unscheinbarsten Dinge gewesen, die ihren Erfindern die größten Reichthümer einge bracht haben. So hat der Erfinder der kupfernen Tips" an den Sohlen und Hacken der Knabenschuhe und Stiefel seit 1887 nicht weniger als 143 Millionen dieser unscheinbaren Dinger verkauft, aber natürlich ein riesiges Vermögen sich dadurch erworben. Aehnlich stet's mit dem Mann, der den patentirten Nadeleinfädler erfand.denn er bringt ihm jährlich circa $25.000 ein. und der Drillbohrer hat seinem Erfinder mehr eingebracht als ob er der Besitzer eines großen SilberbergWerks wäre. Dagegen verlor die Com pagnie. welche das deutsche Patent für wohlfeile Herstellung von Schaumweikien in Amerika verwerthen wollte.gleich im ersten Irhre ihrer. Thätigkeit nahezu eine Viertelmillion, und erst ihre Nachfolger schlugen Geld daraus. Patente sind eben immer unberechenbar es ist die reine Lotterie, und im Allgemeinen kann man sagen, daß gerade die Patente, die am lohnendsten aussehen, gewöhnlich, am wenigsten einbringen, während scheinbare Lappe, leien ihren Eigenthümern schweres Geld abwerfen.

Aphorismen. Die glücklichste Liebe ist die Selbst. liebe. Denn die findet immer volle Gegen liebe. Warum hassen wir die Egoisten? Antwort: Aus Egoismus. . Bloomers." Die Mutter hörte ihr Söhnchen von Bloomers" sprechen. Was weißt Du von Bloomers?" fragte sie ganz erstaunt. Oh. ich weiß ganz gut, was das ist. ES sind aufgebauschte .Aermel. die an i den Beinen getragen werden." L

Mlder aus Bosnien und Scr Herzegowina. In dem Aufstande, welcher im Herbst des Wahres 1831 in Bosnien und der

Herzegowina gegen die österreichischen Occupaiionstruppen ausbrach, erwies sich der Bau von Eisrnbahnen als eine gebieterische Forderung der Strategie, wollte man das Land auf die Dauer behaupten. Trok der immensen Schwierigkeiten, welche daS Gebirge bot, ging man nach Niederwerfung 'des Aufstandes energisch an'S Werk und zwar wurde mit der Erbauung einer schmalspurigen Eisenbahn im Thal der Bosna und der Narenta der Anfang gemacht, nachdem früher bereits von Bosnisch Brod bis nach Serajewo und von Serajewo bis nach Mostar von den österreichischen Truppen Straßen gebaut waren, welche die Bezeichnung Kunflstraken m vollstem Ma& verdienen. Felsensprengungen, Durchtunnelunaen. Ueberbrückuna der ftlüfic. Aufmauerung des Ufers, Errichtung von gewaltigen Futtermauern, die das Nachrutschen von Gestern verhindern, waren nothwendig, um diese Wege 'hery wrvs Bosnisches Pferd mit Reiter zustellen Mit welcher Energie man dabei vorging, zeigt das Stück der Kunststraße. dicht bei der altest tllrkischen Feste Vranduk. Dort wurde ver ganze Ort mitsammt dem Castell untertunnelt, um die Kunststraße weiter zu führen. . Zuerst waren es Lsterreichisch ungarische Ingenieure mit Unterstützung deutscher und französischer Techniker, welche die beiden Bahnlinien in Abschnitten erbauten und damit ein Werk schufen, welches sich mindestens der Semmeringbahn an die Seite stellen kann. Die Spurweite dieser Bahn beträgt nur etwas über eine Aard und es gibt Curven von kaum 30 Dards Radius, die wie di& Ringelung einer Schlange dicht auf einander folgen. War die Erbauung der Kunststraße eine großartige Leistung, -so war der Bau dieser Eisenbahn geradezu ein Meisterstück, der Technik.' Bald hinter Serajewo in der Richtung auf Mostar bei Station Rastelica beginnt die Zahnstangenbahn System Roman Abt und fast acht englische Meilen weit fährt die Bahn immerfort mit der Zahnstange bergauf bis zum Hohen Iwan. Dieser Berg bildet die Wasserscheide und die Grenze zwischen Bosnien und der Herzegowina. Vom Hohen Iwan auö geht es durch Tunml steil bergab über Schluchten, die auf kühnen Brücken überschritten werden, und die Passage ist hier so schwierig, daß Eisenbahnzüge hier nur am Tage verkehren können. Will man Nachtbetrieb einrichten, so wird man die ganze Strecke auf Meilen weit elekirisch beleuchten müssen. An dieser Strecke findet man auch überall stehende Patrouillen der Jägertruppe. Würde doch ein in die Zahnstange geklemmter Stern eventuell genügen, um eine Ka tastrophe für den Zug herbeizuführen. M a g a r a z m : t R e i t e r. Grandioser noch ist die Auffahrt, wenn man von Mostar kommt, nach dem Hohen Iwan zu. Dort bekommt man erst einen Begriff von der Schwierigkeit, die nicht nur beim Bahnbau zu besiegen war, sondern die jedesmal auch der Zug zu überwinden hat. bevor er nach der Station Iwan kommt. Man denke sich einen Reifen, schräg an die Wand gestellt! Dann denke man sich diesen Reifen senkrecht halbirt, und der zur Rechten des Beschauers liegende Halbkreis gibt ihm dann gewisserma ßen eine Darstellung der Eisenbahnstrecke, die den Hohen Iwan hinaufführt, im kleinen Modell. Betrachtet man die Strecke, die man durchfahren hat, von der Brücke über die LukasSchlucht aus, so scheint es Einem un möglich, daß man die ungeheuerliche Steigung, die noch durch Curven und Tunnels erschwert wird, wirklich überwunden hat. Auch die kleinen Locomotiven. welche auf dieser Strecke verwendet werden, sind Meisterwerke der Technik. Sechsunddreißig Hebel hat der Locomotioführe? während der Bergfahrt beständig zu bedienen, und die letzte Stunde des Dienstes .pumpt" ihn gewöhnlich so aus, daß er kaum von der Locomotioe steigen kann, um der Ablösung Platz zu machen. Einer der interessantesten und wichtigsten Plätze ist daS Rama . Wacht.

' ß ' lll yf i . -N hl,.

fi - Ä1 -;'"! MM

: yri iv . ' w-mC-m?t ÄJfelr -

hauS" an der Einmündung der Rama !n die Narenta. Die Rama kommt von ' rechts unter der Eisenbahnbrücke hin kurch. LinkS überquert die Chaussee vie Narenta und rechts ist die Eisen iahn, welche über die Rama und dann unter der Chausseebrücke hindurchgeht.

T ra g th ie r C o l o n n e. Oben liegt das fortificirte RamaWachthaus. Zwischen den beiden Brücken unten sieht man dieCasematten mit den Schießscharten. Auch der Laie lvird begreifen, daß es sich hier bei den beiden. Brücken um einen strategisch wichtigen Punkt handelt, und dii Besatzung des Rama - Wachtluluses hat iie Bestimmung, die beiden Brücken zu schützen. Ein Ober - Lieutenant mit zwei Dutzend Jägern liegt immer drei Monate lang, abgeschnitten von aller Welt, in diesem Wachthause, das ebenfalls zur Vertheidigung eingerichtet ist und Vorräthe von Munition und Patronen selbst für eine längere Belagerung besitzt. Patrouillen gehen beständig von diesem Wachthause aus auf der Chaussee und an derEisenbahn entlang; der Wachtofficier selbst darf das Haus e i: verlassen. Außer diesen Hauptsrrecken der Eisenbahn und derKunststraße im Bosnaund Narentathal werden aber ununterkrochen Straßen und Eisenbahnen weiter in Bosnien und der Herzegowina gebaut. Fast jedes Jahr bringt die Eröffnung neuer Anschlußlinien. Das Rama-Wachthaus. Ueberaus attractio sind die Bilder, welche die Bahnhöfe bieten. Man sieht dort serbische, das heißt griechisch-ka-tholische, und mohamedanische Bosniaken in ihren bunten Costümen; verschleierte Mohammedanerinnen, Katholikinnen und Serbinnen in ihren bunten und vollständig verschiedenenTrachten; Radfahrer in halb türkischen Cosiümen; Türken in rothen Pluderhosen und safrangelben Röcken; schnurrbärtige Franziskaner, Officiere aller Wassengattungen, Eisenbahn- und Postbeamte; Damen in feschen Toiletten, wie man sie nur in Wien und Budapest sieht; Derwische. Händler mit Obst, Wein, und Wasser. Und neben dem Perron fehlen nicht die Fiaker nach Wiener Muster, bosnische Tragthiere, schreiende Esel, die Militärdiligence mit Militärbedeckung fertig zur Abfahrt. Es gibt in Bosnien Militärdiligencen", das heißt Postwagen, mit denen man noch eine romantische Fahrt machen kann. Es sind dies primitive Wagen, auf dem höchstens zwei Passagiere mit etwas Gepäck Platz finden. Auf dem Vordersitz befindet sich der bosnische Trainkutscher und neben ihm ein Feldwebel als Conducteur. Hinten hocken drei Soldaten mit geladenem Gewehr als Bedeckung. Der Bosniake selbst benutzt für alle Transporte das klein: Berapferd, das aroße Lasten schleppt und auf den schwierigsten Lergpsaden so sicher wie eine Ziege klettert. Bei arökeren WaarentransPorten werden die Pferde hinter einan der mit Seilen verbunden. Die Occuvaiionstruvpen nennen eine solcke Colonne eine Telephonleitung" wegen der verbindenden, Stricke. Das SpitzenPferds bei längeren Colonnen auch noch Station Rastelica. ein Pferd in der Mitte, trägt Kuhglo cken wie das Alpenoieh. Diese Glocke zeigt ihre Ankunft in Hohlwegen oder beim Passiren von Bergstraßen, wo das Ausweichen schwierig ist, schon im Voraus an. Ein vielgeplagtcs Thier in Bosnien und der Herzegowina ist der kleine Esel, der Magaraz. Man packt ihm Lasten aus, und riesengroße Bosniaken reiten auf dem Halse dieses kleinen, geduldigenThieres, das auch ein Selbstbeköstign" ist, das heißt, welches sich seine Nahrung selbst zusammensucht, ,hne 'daß sich sein Herr um dasselbe weiter kümmert. K e l l n e r w i tz. Sie, Kellner, ich möchte zum Braten was Sau-ns!-Bitte sehr hier ist die Weinkarte!" Uebertrieben. Geselle: .Was. Ihre Tochter soll ich heirathen? Die ist ja ganz schief!" Buchbindermeister: A was schief! Virzogen hat sie sich a' bisl!"

.jr.', ,

Die Militär.Akademie in Zvestpoint. . Der erste Gedanke, durch Gründung einer Militärbildungsanstalt das Officiermaterial der Union zu verbessern, ging von General George Washington in eigener Person aus. Schon bei Beginn des Revolutionskrieges hatte er zu seinem Leidwesen einsehen müssen, wie mangelhaft es in den meisten F'allen stand mit dem Wissen und dem Führen seiner Officiere; nicht daß es denselben an gutem Willen gefehlt hätte, im Gegentheil, rn ihrem Eifer, der ihnen die Erfahrung ersetzen sollte, ließen sie sich oft zu Thaten hinreißen, die durch ihren Mißerfolg nur der Sache des Ganzen schadeten, - was ihnen abging, war der für ihren Beruf unumgänglich nothwendige mi lita'rische Blick und die Kunst des Be-sehlens.

Cadettenofficiere. Gerade zu der Zeit betrat ein junger freiheitsliebender Pole, Thaddäus Kosciußo, der auf der Warschauer Militärschule eine gründliche Bildung genossen, den Boden 'Amerikas, um unserem, um die Freiheit ringenden Volke sein Schwert und seine militärischen Erfahrungen zur Verfügung zu stellen. Ihm fiel es sofort auf, wie schlecht die Unterführer ausgebildet waren, und gab er Washington, mit dem er eng befreundet war, und der ihm das höchst wichtige Commando über die bei WestPoint errichteten Befestigungen ertheilt hatte, den Rath, daselbst die geplante Militärschule zu errichten. Das Jahr 1801 sah jedoch erst die Ausführung dieses Planes; die ganze Anlage erwies sich leider in ihrer Art als ein Fehlgriff; einerseits begnügte man sich damit, die jungen Leute nur so weit auszubilden, daß sie im Stande waren, die Miliztruppen ihres Staates ein wenig zu drillen, andererseits fehlte es an den richtigen Lehrkräften, idie es verstanden hätten, den Schülern den Begriff strammer Disciplin beizubringen. Die Mehrzahl der nach Westpoint gehenden jungen Leute sah foie dort zuzubringende Zeit als eine Gelegenheit an, sich unter gleichaltrigen Genossen einmal ordentlich austoben zu können; es ' wurden Pferde und Hunde mitgebracht, Rennen und Jagden veranstaltet, und gar mancher' der angehenden Marssöhne kam sogar mit Weib und Kind angezogen. Daß unter solchen Umständen von einem ernsten Studium nicht viel die Rede sein konnte, ist nicht schwer einzusehen. Mehr und mehr verschlechterte sich der Ruf der Schule und die Folge davon war, daß die besseren Elemente sich von einem Besuche derselben fernhielten. Erst dem Obersten Thayer, der in Frankreich mehrere Jahre hindurch sich dem militärischen Studium gewidmet hatte, war es vergönnt, die Grundlage zu schaffen, auf der ias heute sich des besten Rufes erfreuende Institut errichtet worden ist. Nicht mit Unrecht heißt er in den militärischen Kreisen .der Vater der Akademie". Gymnasium. Er unterwarf das ganze Lehr und Ausbildunzswesen einer gründlichen Umänderirnz. vor allem sorgte er dafür, daß an Stelle der ehemaligen Ungebundenheit und Freiheit eine sirenge militärische Disciplin Platz ergriff. Um ungeeignete Elemente von der Aiistatt möglichst fernzuhalten, fetzte er es durch, daß es jedsm Congreßistrikt zustand, einen Cadetten nach Wcstsicnt zu schicken. Die Bewerber müssen nnndestens sechzehn Jahre und dürfen nicht über zwanzig Jahre all sein, das Körper-1 maß hat über smif Fuß zu betragen, fern werden kernige Gesundheit und gute Charakterazlagen verlangt. In den letzten Jahun sind siele der Candidaten' zurückgewiesen worden, weil sie in Folge üZermäßigen Cizarettenrauchens ihre Gesundheit vollständig untergraben hatten. Die Zulassung zur Anstalt bedingt das Bestehen einer Prüfung, in der man sich von den Elementarkennwissen des Candidaten überzeugen will; es wird hierbei we, .Niger auf die Vielseitigkeit des Wis. sens, als auf die Gründlichkeit dessek ben Werth gelegt. Wird das Examen bestanden, so wird der Bewerber als Cadet! auf die Liste gesetzt und in die Anstalt, mit einer monatlichen Löhr.rnt$ von 45 Dollars aufgenommen. Von dieser Summe hat der Cadett alle seine Ausgaben zu bestreiten, sich seine l Uniform anzuschaffen, und auch die l nftn s,Z,S 1Inkrf(iH8 tasl&rrnb m W (fr Vltv wmvm w

Ihm alljährlich zustehenden Urlaubs von drei Monaten zu zahlen.

92

Küstenbatterie. In vergangenen Tagen war es den Zöglingen gestattet, die von ihnen bewohnten Zimmer nach eigenem Geschmack einzurichten; die Gegensätze verschärften sich in dieser Hinsicht mit der Zeit zusehends, daß diese Bergünstigung wieder zurückgezogen wurde; denn während sich z. B. der Sohn eines reichen Pflanzers, der von seinem Vater bedeutenden Zuschuß erhielt, mit allem möglichen Luxus umgab, war der Sohn armer Eltern nur auf das von der Anstalt gelieferte Mobiliar angewiesen. Da hierdurch Neio und Mißgunst einriß, so mußte sich dann ein Jeder mit dem begnügen, was er vom Staate empfing. So herrscht nun in allen Räumen eine gleichmäßige, fast puritanische Einfackheit, selbst Familienbilder dürfen die Wände nicht schmücken. Das ganze Cadettencorps ist in vier Compagnien eingetheilt, von denen eine jede ihre eigene Barracke inne hat, und von Angehörigen der Graduirten Classe beaufsichtigt und geleitet wird. Wenn die Zöglinge nach einem vierjährigen Cursus ihr Examen bestan den haben, werden sie je nach ihren Anlagen auf die verschiedenen Waffengatiungen vertheilt; diejenigen, welche mit ttn besten Zeugnissen die Anstalt verlassen, werden bei eintretenden Vakanzen zuerst berücksichtigt und können ge wohnlich auch ihren Wunsch ausspr:V W.. 5- - . . Trophy Point. chen, welcher Waffe sie zugetheilt weren möchten. Selbstverständlich ist das Examen nicht maßgebend für die spätat Carriere, in derselben hangt es lediglich von des Einzelnen Leistung ab; so standen sowohl Grant wie Sheridan ziemlich am Ende der Lifte der Graduirten. Westpoint und seine Umgebung ist reich an Erinnerungszeichen ruhmvoller Vergangenheit. Noch erheben sich die Forts aus der Revolutionszeit, in denen einst Kosciußo den Befehl führte, wenn auch ibre Wälle zerfallen und überwachsen sind. An Kosciußi? selbst und seine unserem Lande geleisteten Verdienste erinnert ein Denkmal, das im Jahre 1823 von den Cadetten errichtet ward, und das die Forts, die ehemalige Wirkungsstätte des Freiheitskämpfers. überblickt. Vor dem Gymnasium steht lebensgroß inMarmor gehauen die Statue des VaterS der Akademie. Auf einer steil zum Wasser herabfallenden Landspitze, oberhalb der malerischen Küstnzbatterie, befindet sich der sog. Trophy -Point", von dem sich eine prachtvolle Aussicht dem Auge bieter. - Hier lagern die alten Geschütze, die in den von den Ver. Staaten geführten Kriegen erbeutet wurden. Der größte Theil derselben zeigt das Wappen Alt-Englands, andere aus Bronzr gegossen, jetzt aber grün und verwittert, tragen die Schlachtennamen au dem mexicanischen Feldzuae; 83 wurden in demselben den Mexicanern ab--gerungen. Mit einer gewaltigen Kette: ist ebendaselbst ein Kreis gezogen; mit derselben wurde 1776' dre Flußsperrc ausgeführt. Hier hat cnrcfr ein kürzlich errichtetes Denkmal seinen Platz gefuirden, welches das Andenken an die in: den verschiedenen Kriegen gefallen Soldaten- und Seeleute ehren soll. Ebenso ist die Eapelle. in der ffch allsonntäglich die Cadetten zur Andacht versammeln,' mit einer Anzachl von schwarzen Marmortafeln ge schmückt, die die Namen sämmtlicher Officiere trägen, bür für die Unabhängigkeit snseres Landes stritten und ist Kriege gegen Messn? gekämpft hc&ru Sa werden die Zöglinge der Militärakademie zu Westpornt auf Schritt und Tritt daran gemahnt, jenen Man nerr. die so tapfer für die Eh des StcrnenbannerZ stritten, so opferwillig ihr Blut für dieselbe vergossen, nach beem Thun nd Können nachzueifern. Gute Vertheidkgung. Ew. Ehren. Herr Richter sagte Tim der Tramps ich habe diese Einbruch nicht, begangen. Die Beweise sind, zwar geges mich, aber ich im einAlib! nachweisen.- Haben Sie Zeu a?" Nur mich. Doch das ge nügt. Es wurde hier gesagt, daß der Einbrecher, ehe er in'.s Haus gelangte, mit einer Axt erst die äußere Thüre, dann die Thüre zum Bibliothekzimmer in Kleinholz verwandelte. Das ist mein Alibi. Herr Richter. Sehe ich etwa wie ein Mann aus, der durch Zr gend eine Summe dazu veranlaßt wer den könnte, sosiel Arbeit, zu stiitö. ten?" .