Indiana Tribüne, Volume 18, Number 309, Indianapolis, Marion County, 28 July 1895 — Page 2

Q'-. 11 dron srlrgen? Von Richard Zvozm..un.

et) nicht m'den 55a 'b, mein Ki'., 'Schlüpfrig Weq vnb Sien f.nb Nach txm SRegt,:.'5 t Nur ein Stückchen laß mich gehn, ;Wo die rr-hen Beeren stehn; Naß wnd Schah und Kleidchen Llvß. . Ist M Unglück denn so groß? Was ist draa .:.gen?.Und da? .Mdchen geht zum Wald, Trifft den Zungen Jäger bald Nach Ixm Rege.?. ? Jäger :?nd spricht zu !h?: Heut Dom rochen Munde mir ? Pflück' ick tei'Ttn i':nd und süß, :ÄIt Zioßes Unglück dusV -WaZ 'ist dran gelegen 'MllttN frc?. daheM geschwind: .-ufattd'st Du Bee.n denn, mein Kind, Mach dem Rege-' '.Fund hut nur den Jäger dort. Nahm mir mtüz Be'ren fort Morgen hol' ichimdr: nach. . . Ist kein großes Ungemach Was ist dran .gelegen?" All:rl Deirathsbräuche. ?ön.K. .Mittelstadt. Heutzutage '.ist alles Schadlos. W .die Nationalcostüme immer m$x üix -.'schwinden und einer allgemeinen Mode Platz machen müssen, so streife auch :xnii der fortschreitenden Cultui Me -Völker nach und nach ihre eigena'n : Sitten und Gebräuche ab, um sich den -WeltsiUencodex anzueignen. Hub dns ist recht schade; denn, wie viele 'Nationalcostüme kleidsamer And iri gineller sind als die herrschende Mode, so haben die verschiedenen Sitten, wenn auch in manchen recht Derultetcr Aberglaube steckt, über den umfre Zeit längst hinaus ist, oft eine tiee, symbvlische Bedeutung. So war .es z. -23. Sitte im Alterthum, daß dem Bewber eine angebissene frucht Stirn Mahle überreicht wurd, .wenn -die Dame' seines Herzens seine Liebe '.erwiderte. Und bei den alten Pvlm herrschte der Brauch, dem Verehrer, dessen Bewerbung von Zeinn Außerwählten ausgeschlagen wurde, 'ckeim Mahl eine schwarze, aus Blüt gekochte Suppe oder eine Wassermelone vorzusetzen. Heute sagt rnrni deshalb uc.h -in Polen: er hat schwarze -Eüppe" oder eine Wassermelone" be- ' kommen, was so viel bedeutet wie -.im 'Deutschen einen Korb".. Eine Braut mußte ehemals in Ve- . genwart ihres Verlobten eine -recht '.verworrene Strähne Seke nüfwickeln, -um dadurch einen Beweis ihrer Ge'duld zu geben. In Uruguay Herrscht noch heut die Sitte, daß ver Herr der Dame eine geschälte 'Frucht 'ülerreicht; nimmt sie seine Werbung rm, 'so ißt sie ein Stück davun und läßt ihn den andern Theil verzehren. Bei 'den Bewohnern von MönchgUt auf Rügen herrschte bis in Äre neueste . Zeit hinein die sogenannte Freijagd". 'Die Mädchen und Wittwen von 'Mönchgut waren nämlich 'in der -glück-lichenLage. ihren Zukünftigen sl'b st wählen zu dürfen! Die Hziraths'lustige brauchte bloß zu ewer 'bestimmten Zeit eine blaue Schürze 3rjr das Haus zu hängen, hinter der "sie sich verbarg und wartete, bis die 'Bürsten des Ortes, die sich von ihr heirnhen lassen wollten, an der Schürze vurbelkamen, dann sprang die Versteckte vor. umarmte und küßte den aus der .Zahl der Bewerber von ihr GewäP--ten. und damit war die Verlobung erklärt. 'Der Sinn so mancher heutigen Sitte ist noch derselbe wie in der gu--ten. -alten Zeit, nur tritt er m verfeinerter Form auf. Daß die pecuniäi?n Verhältnisse bei den meisten heu--tigen Eheschließungen eine große 'Rolle 'spielen, ist ja nicht zu leugnen, 'ebensowenig daß es noch heute bis in 2ie höchsten Schichten der Gesellschaft Ijinrnif 'sogenannte Vermittler gibt. ?ast in ganz Rußland werden die Ehen noch heut beim Volk durch ganz sofficielle Heiratsvermittler geschlossen. Der Swat" oder die Swaka" ziehen iihre besten Kleidungsstücke an und begeben sich nach dem Hause der Äluserwählten. Obgleich alle Personen um den Zweck des Besuches Bescheid wissen, so spielen sie doch die Unbefangenen und sprechen von ganz sndern Dingen, bis die Heirathsverznrtikr ihr Anliegen in verschiedenen slleoiischen Bildern zart durch die Vlume" vorbringen. So z. B. sie seien gekommen, eine Gans" zu kausen, rb .eine verkäuflich sei? Oder: ein Schaf" aus jenem Hause hibe sich verirrt, ob es vielleicht hierhergekomMen sei u. s. w. Natürlich unterläßt der Heirathvermittler nicht, den BeWerber hinterher im günstigsten Lichte zu schildern Der Brauch 5er Ehevermittelung besteht heute mehr denn je bei allen Culturvöllern. Man gibt den jungen Leuten wie von ungefähr Gelegenheit in einem Concert die DonnerstagQbende im Berliner Concerthaus sind ja berühmt) oder Thezter Gelegenheit, sich kennen zu lernen, sobald die Verwandten oder Bekannt? von beiden Seiten ihr Möglichstes gethan haben, die jungen Leute einander nach materieller, sowie ideeller Seite recht günstig zu schildern. Gar zu häusig ' ist denn auch jetzt, zumal in den besitzenden Klassen, die Eheschließung leider nichts andres als em reines , Kauf- und Verkaufgeschäft. Bei , -manchen uncivilisirten Volksstämmen ' .wird die Ehe als rem formeller Kauf- , vertrag betrachtet. Z. B. die Wogu,len, Samojeden, Burjäten (in Sibi ?ien) kaufen ihre Frauen den Eltern ib, wobei die Schönheit und der phy

fisch Zustand des Mädchens seh? in Rechnung kommt; die Preise schwane fe zwischen 25 und 100 Rubeln und darüber. Bei den reichen Tataren kann die Braut sogar einen Preis von

1000 Rubeln erreichen. Wieder bei einem andern asiatischen Volksstamm, den Tschuktschen, muß der Mann, um ein Mädchen 'zu bekommen wie Jaiob bei Laban eine mehrjährige Diensk'it bei ihrem Vater bestehen. Etwas unsanft hingegen ist dieBraut Werbung auf den Freundschaftsin seln. Wenn der Mann das von ihm zum Weibr begehrte Mädchen fern von den Ihren weiß, fotaubt er es durch einen Schlag und eilt mit der Beute seinem Wigwam zu. Wird das Herz eines Virmanen vom Gott der Liebe getroffen, so bleibt er in einer gewissen Entfernung von seiner Angebeteten. Begünstigt sie ihn, dann hat sie bloß an den ersten beiden Tagen nach ihm binzublicken; lächelt sie ihm aber am dritten Tage zu, dann hat er Gnade vor 'ihrenAugen gefunden und braucht nur noch mit ihrer Mutter zu sprechen." Daß in den Ländern der heißen Zonen die Ehe fast immer schon unter Kindern geschlossen wird, ist berannt. In China und Indien werden vst schon zehniähriae Kinde? verheiraihet. Im Vergleich zu den Frauen der nördlicher gelegenen Lanverstriche heirathen alle Südländerinran (Spanierinnen, Italienerinnen, Griechinnen, Türkinnen) sehr jung. Tyan Ui allen civilisirten Volkern ?st es Sitte, daß der BräntrgaM nach gegebenem Eheversprechen em Pfand für das gegebene Wort überreicht. Bei den Türken z. B. erhält tie Braut, machdem ihre Eltern dem Bräutigam ine zusagende Antwort negeben haben (denn die jungen Leute selbst dürfen .sich vor der Hochzeit nicht sehen), ein 'gvldenes Amulett, das die Braut um den Hals trägt. Bei den 'Chinesen iwerden rothe Karten als Beweis des Eheversprechens gegenseitig ausgetauscht. Bei den modernen CulturVölkern gilt der Ring als Psand des öheversprechens. Die Sitte des .Ringwechselns ist von den alten Römern bis aus unsre Zeit üibergegan'gen. Eine wichtige Frage bildet das Heirathsgut der Braut, tffc .Mitgift", die mehr oder minder osfen bei allen Völkern vor dem Verlöbn'iß discutir! wird, .ebenso wie die materiellen VerHältnisse und Aussichten "des Bräutigams rechtzeitig dabei zur VerHandlung kommen. Die Sitte, daß sich ias Brautpaar vor der Hochzeit osficiell nicht sehen darf, herrscht noch bei sehr vielen Völkerstämmen, namentlich im Orient. Ein äußeres Wahrzeichen jener morgenländischen Sitte, nach welcher der Verlobte die Braut vor der Hochzeit nicht sehen durfte, ist uns heute noch in Gestalt des Brautschleiers geblieben. Freilich mögen die Schleier im Alterthum viel dichter und weit weniger kleidsam gewesen sein, denn sonst hätte sich Jakob schwerlich xurn seinem Onkel und Schwiegervater derart täuschen lassen. Bei den Baschkiren (einem russischen Volksstamm), sowie bei den strenggläubigen Türken darf cheuie noch der Bräutigam seine Braut vor der Hochzeit nicht sehen? die Türkin wird sogar während der Trauungsfeierlichkeiten in der Moschee von einem Bevollmächtigten vertreten. Aus demselben Grunde ist es bei den Moldawanen, sowie bei den Esthen noch Sitte. daß sich das Brautpaar auf zwei verschiedenen Wegen in die Kirche begibt, als Symbol, daß sie sich erst hier für's Leben zusammenfinden. In den meisten Gegenden Ruß!kands wird die Braut zum Altar von zwei ledigen jungen Minnern, in der Regel von ihrem und des Bräutigams Bruder, geführt, während den Bräu--tigam zwei Brautjungfern, ebenfalls nächste Verwandte beiderseits, zur Kirche geleiten. Nach erfolgter Trauung wird die Braut von verheiratheten Verwandten, der Bräutigam von zwei nahverwandten Frauen aus der .Kirche geführt, in der Regel von den .Eltern des Brautpaares. Bei andern slawischen Volksstäminen herrscht der Brauch, daß die Frau .am Tage nach der Hochzeit in Gegenwart der Gäste den Herd kehren muß, nm zu zeigen, daß sie die Pflichten der Hausfrau nunmehr übernommen hat. Beim Hochzeitsmahl pflegen die Gäste dort zu-rufen: Der Wein ist sauer", worauf das Brautpaar die Pflicht hat. sich zu küssen, um en Versammelten damit den Genuß eines süßen" Anblicks zu gewähren. Bei manchen Völkern des Orients pflegt die Frau als Zeichen ihrer Unterthänigkeit sich das Haar abzuschneiden. In Rußland muß die Frau dem Mc.nne aus demselben Grunde die Stiefel ausziehen, wobei ihr der Gatte einen leichten Schlag mit der Peitsche gibt. Bei den Tataren schwenkt die HochzeitZmutter einen . Schöpflöffel über dem jungen Paar, als Symbol des Wunsches, daß sie immer aus dem Vollen möchten schöpfen können. Es ist noch nicht lange her. daß in Deutschland allgemein der Brauch des sogenannten Polterns" herrschte, d. h. daß allerlei zerschlagene Schüsseln und Töpfe an die Thür des Hochzeitshauses geworfen wurden, damit durch das Gepolter alle Zankgeister aus dem Hause getrieben würden. Diese Polterabend" - Sitte besteht noch heut auf dem Lande und in kleinen Städten. Merkwürdigerweise auch auf Sardinien, wo übrigens jeder Hochzeitsgast beim Verlassen des Hochzeitshauses ein Kuchenherz erhält. Acht Tage nach der Hochzeit ist das junge Paar dort verpflichtet, ein Gastmahl zu geben, bei welchem als Symbol der Gemeinschaft die Neu vermählten aus einem Glase trinken und vi einem Teller ellen müssen.

Was heute bei den Gebildeten und Feinfühlenden aller Culturvölker schonend vermieden wird, die Anspie jung auf Nachkommenschaft, bildete früher die Hauptbedeutung bei fast allen Hochzeitsbräuchen und das Grundthema aller Hochzeiislieder. Die symbolische Sitte des Beschüttens des Brautpaares mit Fruchtkörnern besteht z. B. bei den Moldawanen in Beßarabien, ebenso bei vielen slawischen Volksstämmen noch jetzt. Allenthalben endete früher eine Hochzeit damit, daß das Brautpaar von den Gästen unter den Klängen der Musik und dem Absingen von Liedern, die heute jedes zartere Ohr entsetzen würden, zum Brautgemach geführt wurde. Vielfach war es üblich, der Braut an ihrem Hochzeitstage eine Wiege zu schenken. Eine Sitte herrscht aber bei allen Völkern, ob civilisirten oder wilden, in gleichem Maße: es gibt keine Hochzeit ohne Hochzeitsschmaus und Festgelage! Verschieden ist nur die Dauer dieses Festmahles; in den Städten pflegt es einige Stunden zu dauern, auf dem Lande meist etliche Tage, -in gewissen Gegenden sogar eine ganze Woche! Die ostpreußischen BauernHochzeiten z. B. Pflegen nicht eher ein Ende zu nehmen, als bis die Hochzeitsmutter den Gästen Krnst" (Sauerkohl) vorsetzt und durch diesen zarten Wink mit dem Zaunpfahl" die Dauergaste hinausbittet". Einfluß des WnsserS auf die Zahne. Will man der Zahnverderbniß. die Zn der jüngsten Zeit die weitesten Schichten des Volkes, ergriffen hat, Einhalt gebieten, so muß man von allem über deren Ursachen im Klaren sein. Wie sorgfältige Untersuchungen ergeben haben, sind diese Ursachen sehr verschiedenartig. Zunächst kemmt unsere Ernährungsweise in Betracht. Pflanzliche -Nahrung, deren Ueberreste tm Munde Säuern bilden, erweist sich als die Hauptfeindin der Zähne, und sie wird um so verderblicher, je weicher und zuckerreicher sie ist. Mit der Ver drängnng des groben schwarzen Brotes 'durch das weiche Weißgebäck und durch Kuchengenuß gewinnt die Zahn" fäuluiß an Ausdehnung. Für die Ausbildung und Erhaltung eines guten Gebisses ist auch die Zusammensetzung der Nahrung, vor allem ihr Kalkgehalt, maßgebend. In überzeugender Weise hat dies jüngst Dr. Karl Röse nachg wiesen. Er untersuchte eine große Anzahl von Kindern in den Volksschulen Badens und Thüringens und fand, daß die Bewohner von Orten, welche über kalkreiches hartes Waffe? verfügen, bedeutend bessere Zähne haben als die Bewohner von Gegenden, in wel-

chen nur kalkkarmes weiches Wasser. vorkommt. In kalkarmen Orten gibt es doppelt so viel schlechte Zähne wie in kalkhaltigen; in' den ersteren waren nach Rose's Ermittelung 35 Procent aller Zähne erkrankt, in den letzteren dagegen nur 16 Procent. In den kalkarmen Landorten besaßen nur 1 bis 2 Procent Kinde? ein tadelloses Gebiß, wäh?end in kalkreichen dies noch bei 17 bis 20 Procent der Schulkinder der Fall war. Die Ursache diese? Erscheinung kann nur darin liegen, daß in Gegenden mit weichem Wasser de? Boden überHaupt arm an Kalk ist. Infolgedessen sind auch die auf ihm gewachsenen Pflanzen verhältnißmäßig kalkarm, und auch durch das Trinkwasser wird nur wenig Kalk dem Körper zugeführt. Daraus folgt aber, daß bei der gerin gen Kalkaufnahme des Körpers die Zähne schon in der Jugend weniger gut verkalkt sind und den schädlichen Einflüssen rascher erliegen. Den endgültigen Beweis für die Richtigkeit dieser Annahme bietet die in Thüringen von Dr. Röse durchgeführte Bestimmung der Zahnsarbe. Es überwiegen nämlich in den kalkhaltigen Orten bei wei. tem die gut gebauten glänzend gelben, in den kalkarmen Orten dagegen die schlechten weißgelben und blat.grauen Zähne. Aus diesen Ermittlungen sinv für die Bewohner kalkarmer Gegenden einige hygienische Lebenregeln abzuleiten. Es empfiehlt sich, daß dieselben viel von denjenigen Nahrungsmitteln genießen, welche bekannterweise einen großen Kalkgehalt besitzen. Das sind aber unter den pflanzlichen Nahrungs. Mitteln die grünen Gemüse, Kohl, Kraut, Salat. Möhren. Zwiebeln etc., fernes alle Hülsenfrüchte wie Erbsen, Bohnen und Linsen, unter den thierischen Nahrungsmitteln sind dagegen Milch und Eier besonders reich anKalk. Dadurch wird jedoch nicht nur die Er Haltung der Zähne, sondern auch der Knochenbau gefördert. Man trifft ja gerade eine Bevölkerung mit zartem Knochenbau, 'krummen Beinen und sonstigen Verkrüppelungen. Hygiei nisch ist darum für solche Gegenden eine reichliche Kalkdüngung der Gärten un. Gemüseäcker sehr zu empfehlen; ja. es w'rd gerathen, daß kalkarme Orte wenigstens das Brotmehl aus kalkreichen Gegenden beziehen sollten. Ein Zweifler. Lehrer: Schmidt, sag' mir mal. wie viel Eier bleiben übrig, wenn ich fünf auf den Tisch hier lege und dann drei davon wegnehme? Sb,midt schüttelt mit dem Kcpfe und Zweigt. Lehrer: Nun, was schüttelst Du denn, so gieb doch Antwort auf meine Frage! Schmidt: Ich kann's halt nicht glauben. daß der Herr Lehrer Eier legen kgnn! Beim Theater-Agenten. Agent: Zwei Engagements wären da, eines in Essen und eines in Baden. Komödiant: Am liebsten möchte ich zuerst essen und dann ba-den.

Aussteuer der Prinzessin Delene. Die Trauung der Prinzessin Helene vonOrleans mit dem Herzog von Aosta ist vom Cabel gemeldet worden., ohne dessen, was für die Damen von Wichtigkeit ist, Erwähnung- zu thun, der Aussteuer. Diese Unterlassungssünde soll hiermit gut gemacht werden. Die Ausstattung der Prinzessin ist natürlich in der Hauptstadt der Mode, in Paris angefertigt worden. Der Trousseauder Prinzessin zeichnet sich durch seine Einfachheit aus. die Stoffe sind natürlich prachtvoll, aber das Arrangement. der Kleider in Bezug auf Stil und Besatz weist nichts Uebertriebenes auf und sticht in dieser Beziehung, ge gen die meisten der jetzigen Toiletten recht vortheilhaft ab. Die Brauttoilette hat eine Schneiderin aus der Rue de la Pai? hergestellt, welche auch für die Prinzessin von Wales häufig Coftüme anfertigt. Der Anzug. - ganz glatt, besteht aus 27 Meter Atlas zu 22 Frs. per Meter. Da die Prinzessin außergewöhnlich groß, die Schleppe 3z Meter lang und ver Rock 7 Meter weit ist. so erklärt sich die Menge des Stoffes. Die Jupe, ein Fourreau. hat am Saum eine Garnirung von Oran. geblllthen mit seh? festen Knöpfen; in gleicher Weise, abe? mit feineren Blumen. sogenannten kaiserlichen Orangeblüthen. ist das Corsage geschmückt. In breiten Falten sällt die auf weißem Moirö gefütterte Schleppe herab, ein Gürtel aus weißem Atlas hält' die vorne glätte, h'mte etwas gefaltete Taille, an deren Schluß ein Straußchen von Orangeblüthen befestigt ist, ein gleiches ziert auch die drei Atlaskrausen, welche den Halsausschnitt um geben. Die Aermel sind gebauscht, ber mäßig und gehen sehr lang auf die Hand herab. All dies ist. wie er sichtliche recht einfach und . auch der Schleier nicht von der Kostbarkeit, wie sie sich manchen amerikanische Petro-leum-oder Eisenbahnprinzessin erlaubt; Miß Gould z. B.. die alleriings ein Vermögen von Z1o.000.(XX) besitzen soll, trug bei ihrer Trauung mit ewem Grafen Roger de Castellane einen Schleier aus Alenon-Spitze, der dreimal so theuer war. als der der Prinzessin. Der Brautschleier der letzteren ist aus Chantilly-Spitzen. ca 3 Meter lang und mit einer eingestickten Blumenguirlande umgeben, die sich nach dem Theil zu, der auf dem Kopfe drapirt wird, verkleinert; ein Orangeblüthenkranz in Diademsorm hält ihn 'dort. Der Theil, welcher die Schleppt bedeckt, zeigt zwei sich kreuzende Palm ilätter und zwischen diesen die Mappen Frankreich und Savoyen. Ein an. derer Anzug, von derselben Schneiderin hergestellt, ist aus schwarzem Moriö Miroir, mit Stahlflittern auf jeder Seite des Rockes bestickt' das gezogene Corsage mit gleichem Besatz, bei dichte Streifen vorn bildet, garnirt. Weiße Taille mit Ausputz aus mauvefarbenem Sammt ergibt ein anderes Costüm. ein drittes aus rothem Atlas hat ein Corsage. das fast nur aus einer Caskade aus Mousseline de Soie und gleichfarbigen Rüschen besteht, ein vier tes aus mauvefarbenem Pskin, im

Stil Louis XVI. gearbeitet, mit einem Fichu, ist mit prachtvollen Spitzen befetzt und wird von einer Schnalle, aus der gleichen Periode stammend, gehalten. Einige Soireetoilletten gingen aus der Hand oder doch dem Atelier des Schneiderkünstlers Doucet hervor. Auch sie sind durchweg einfach, aber elegant, wie eine solche aus glattem blaßblauen Atlas, ausgeschnitten und nur mit einem Fichu Marie Antoinette verziert, eine andere, strohfarbene, schmücken Spitzen, noch andere bestehen aus weißem Cröpe mit Stickerei. Das Costüm und der Mantel, welche die nunmehriae Herzogin von Aosta bei ihrer Vorstellung als solche am engli-' schen und spater am italienischen Hose, tragen wir, sind in der Werkstatt von Worth angefertigt. Der Anzug ist aus 20 Meter feinstem Silberstoff, der aus Rußland stammt und 150 Frcs. per Meter kostet. Die Robe, ein Fourreau, hat eine ZMeter lange Schleppe, die ausgeschnittene Taille ist im Stil Diana" drapirt und wird mit Diamanten und Rubinen verziert werden. Künstliche Wimpern und Brauen. , Die Koketterie der englischen Frauen hat ein neues Gebiet gefunden, auf welchem, was die Natur unterlassen, die Kunst zu bessern und zu ersetzen vermag. Seit einige? Zeit gibt es in London einen Erzeuger von künstlichen Wimpern und Brauen. Wie sehr lange Wimpern den Blick sanft und schwärmerisch zu machen vermögen, wissen nicht nur die Poeten, und daß dichte, schöngeschwungene Brauen zur Vollendung des Gesichts beitragen, ist jeder Evastochter, bekannt. Die Operation nun, der sich die englischen Damen unterziehen, um sich künstliche Wimpern und Brauen zu verschaffen, ist keineswegs einfach und schmerzlos. Mit Hilfe einer feinen Nadel werden die Härchen, von derselben Farbe natürlich wie das Kopfhaar, in den Rand der .Augenlider eingezogen, was ebenso langwierig ist,, als es Standhaftigkeit seitens der so Behandelten erfordert. Während eines . halben Tages muß dann die Patientin" eine geölte Binde über den Augen tragen; am nächsten Tage aber ist schon keine Spur der Operation mehr zu entdecken und das Auge leuchtet in schwärmerischem Glänze, der die Männerherzen berückt. Die Fabrikation- der Brauen ist noch langwieriger, aber weniger schmerzhaft. Ein feinsinniger Dichter hat den Aus. spruch gethan: Gölt habe dem Weibe den Mund gegeben, um zu vrechen, und die Augen, um zu antworien. Von nun an werden die Männer Englands der Echtheit solcher Antworten nicht mehr trauen dürfen.

Wirkung des Blitzes.

Die Kirche deS Dorfes Wenzlow in jer Provinz Sachsen ist kürzlich von pnem Blitzstrahl ungemein schwer bechädigt worden. Der Kirchthurm vurde fast vollständig zerstört, und luch im Uebrigen sind die Verheerun;en bedeutend. Unsere Abblldung Lßt die ungeheure Wirkung des lLetterschlags deutlich erkennen. Der Llitz traf den Thurm an der Spitze. Ohne Kreuz und Kugel zu beschädizen, fuhr er in'3 Schieferdach, riß es Vom Blitz getroffen. jerab, zertrümmerte den Dachstuhl Und schlug in das Mauerwerk, daß vie Wände von oben bis unten barsien; die Nordwand zeigt eine meterbreite Lücke. Dann fuhr der Blitz ia vas Kirchenschiff, den Putz von der Decke reißend, sämmtliche Fenster zertrümmernd und die Thüren zerschmetternd. Merkwürdigerweise hat dieser gewaltige Blitzschlag nicht gezündet; nur einige Kränze, die in der Kirche an der Wand hingen, sind verbrannt. Er war die einzige elektrische Entladung, welche das betreffende Gewitter begleitete. Kalt gestellt Der Führer der preußischen Junkeroartei, Frecher v. Hammerstein, der so. toohl im Reichstag wie Landtag und ilsRedacteur der feudalen Kreu,-5Zel-lung", das Seinige zur Unterdrückung zever srelyettllcyen Regung beigetragen hat, ist endlich kalt gestellt. Im AufFr Hr. v. Hammerstein. trage des Directorenraths des genann ten Blattes hat Graf Finck v. Finckenstein, der kürzlich den Verlag der Zeihing übernommen Hat. . bekannt gegeben, daß FrHr. v. Hammerstein suspendirt worden ist. Das Wappenschild des edlen Freiherrn soll durch allerlei Transactionen arg befleckt worden sein. Doppelte Bosheit. A. : Wie. Sie nannten mich ein Rhinoceros? Wissen Sie auch, daß dies eine Beleidigung ist?" B. : ' Für das Rhinoceros, oder für Sie?" Poesie und Prosa. Finden Sie .nicht auch, daß das Mädchen etwas Berauschendes hat?" Gewiß wenigstens in der Hand." AufUmwegen. Gattin (die in ein Seebad will): Ach, Alfred, ich möchte mich diesen Sommer zu gerne nach Dir aus der Ferne sehnen!" Jung - Amerika. Kleiner Tommy: Mama, Mama, Papa ist betrunken!" Mutter: Woher glaubst Du das?" Tommy: Er sagte, Du seist ein Engel Kindermund. Reiche Tante: Wozu bringst Du mir das Gras lieber Tommy?" Tommy: Weib'Du dasselbe kosten sollst." Tante: Warum soll ich denn das thun?" Tommy: Weil ich Papa sagen hörte, daß. wenn' Du einmal in's Gras beißest, würden wir $40,000 bekommen."

ffiw' fc

'S y? , r3?t

Um Amcnra's Vccner.

Nicht nur alle Freunde des Segelsports, auch Schiffsbauer und Schiffer von Beruf beobachteten mit gespannter Aufmerksamkeit die Leistungen der Facht Defender". welche in dem bevorstehenden, Jachtwettfahren den BecherAmerikas gegen die Engländer ver theidigen soll. Es handelt sich in diesem Wettstreite um mehr, als um ein ephemeres Sportereigniß, das nur die direct betheiligten Kreise angeht; der Ausgang des Wettfahrens wird entscheiden, ob in der Schiffsbaukunst die Defender". Amerikaner ihren Vettern jenseits deS Oceans nachstehen. Der Defender" ist auf der Werft der berühmten Schiffsbaues Gebrüder Herreshoff in Bristol, R. I., gebaut; er hat eine Länge von 123 Fuß 10 Zoll bei einer größten Breite von 24 Fuß; sein Hauptmast mißt 102 Fuß. Seit seinem Stapellauf hat der Defender" auf mehreren Probefahrten bewiesen, daß er nicht nur unter einem leichten Winde gut segelt, fondern auch bei einer steifen Brise sich vorzüglich nianöViren läßt. Dem Defender" wird von Seiten der Engländer die Aacht Valkyrie" entgegengestellt werden. Puig'S Propeller. Von dem spanischen Schiffscapitän Lorenzo Julia y Puig in Barcelona sind Patente für einen neuen Propeller herausgenommen worden, welcher, seinem Dafürhalten nach, sich zur Fortbewegung von Schiffen besser, alö die Schraube eignet. Der Propeller, der sich in einem Hohlcylinder bewegt, wird in zwei gleich großen Exemplaren am Hintertheil des Schiffes zu beiden Seiten des Kiels angebracht, so daß die freie Bewegung des Steuers nicht gehindert wird. Vor dem HohlcylinPuig's Propeller. der befindet sich ein Dampfcylinder, der so construirt ist, daß der Dampf nur auf das Piston gelassen wird, um die Auswärtsbewegung hervorzubringen; die Jnnenbewegung wird durch den Druck des Wassers bewirkt. Capt. Puig glaubt, durch diesen Propeller bedeutende Kraft entwickeln zu können, da das Piston sich weder hebt, noch senkt und deshalb die Reibung auf ein Minimum reducirt wird. Im Großen sind praktische Versuche mit dieser Art der Fortbewegung von Schiffen noch nicht angestellt worden. . Gefährlich. Liebhaber: Ich hoffe, daß ich Ihrer Mama gefallen werde. Tochter einer Wittwe: Das hoffe ich eben nicht, Mama will auch noch mal heirathen! Verschnappt. Saron: O meine .einzige Else!" Schauspielerin: Na, na, Herr Baron, einzige?" Baron: Else hat wirklich noch keine geheißen!" Burschikos. Darf ich fragen, wie viel Sie auf Ihrer Uhr haben, mein Herr?" Sechs Gulden fünfzig wollen Sie mir's vielleicht aus-lösen?".

MG -1 gfi R? I

Ss ffiNvrß vr; M SS

Z!ie Zvissenschast des Mudcs.

Vhysioanomiker Chiromanten,'S!r - nenqucker. Kraniologen. Graphologen, Phrenologen und fonstlge-logen haben fchon Irdisches und Himmlisches, E?habenes und Lächerliches aufgeboten, um aus allerlei Zeichen die Charaktere der Menschen herauszulesen. Der Eine meint, sie stünden in den Sternen geschrieben, der Andere, es trage Jedermann sein Herz in den Händen, und ein speculativer Schweizer Schuster gar hat ein System erfunden, um die See len nach der verschiedenartigen Abnützung der Schuhsohle zu classificiren. Die. wie man sieht, oft gar abenteuer--lichen Gall's und Lavater's erhalten nun eine bedrohliche Concurrenz in der Stomatologie. Stoma bedeutet iin, Griechischen der Mund, die Stomatologie also, ist wörtlich die Wissenschaft des Mundes und die Stomatologen hängen aufmerksamst an ihrer Nächsten Lippen, nicht um zu hören, sondern um aus der Bildung des Mundes den Cha--rakter zu erkennen. Aus der Größe und Form der Kinnladen, aus dem Schwünge der Lippenlinien, aus der Bildunq der Zähne werden moralische Schlüsse gezogen. Man wird sagen, daß diese Entdeckung eigentlich nicht Neues biete, denn bei der Schilderung ihren Helden und Heldinnen vergessen die Dichter ja ebenfalls nie, die Aufmerksamkeit auf die edelgeschürzten Lippen des braven Mannes", von dem sie erzählen, ode? auf den hämischen Mund des Intriganten zu lenken. Jetzt ist aber ein vernünftig System" daraus gemacht, welches, mit 'pittoresken Illustrationen und historischen Beispielen belegt, dem Publikum servirt wird. Der Mund der George Sand und der Sarah Bernhardt, der Mund Gladstone'ö zeigt, daß dieSand eine große Romanschriftstellerin, die Sarah eine 'bedeutende Schauspielerin, Gladstone ein eminenter Staatsmann, werden mußten. Ihr Mund war ihre Prädestination, sie konnten nicht anders als dem Berufe ihres Mundes fol-. gen. George Eliot besaß einen Pferde-' mund" Zeichen von Intelligenz, Kraft und Muth. Adelina Patti zehnct sich aus durch einen hübschen, graciösen Mund, weder zu groß, noch zu klein, sehr angenehm und sehr weiblich". Diese Psychologie liest u. A. auch einer englischenOperettendiva von den Lipven ab, daß sie viele Schwierigkeiten überwinden mußte, um trotz ihrer Geburt, so viel Schmuck zu erwerben wie eine Prinzessin von Geblüt". Diese Stomatologie enthüllt aber auch Weisheit, die zu beachten Verliebte von nun an sehr wohl thun werden. Sie erzählt nämlich von jenem kleinen Frauenmund, dessen Lippen leicht vorspringen und aussehen wie eine Rosenknospe". Frauen, 'die einen solchen Mund besitzen, zeichnen sich durch die exquisite Fcinheit der Glieder, durch vollkommene Eleganz des Fußknöchels aus. Aber: IZewäre of the rosebud!" Hütet Euch vor der Rosenknospe! Lucrezia Borgia hatte einen solchen Mund und nun sind wir überzeugt, daß Heine's Verse: Sie küßten mich mit ihren falschen Lippen, Und haben mich dabei mit Gift vergeben. .' sich auf einen Rosenknospenmund n la Lucrezia Borgia beziehen. Die Lippenpsychologie wirft den schönen Besitzerinnen solcher Lippen perverse und perfide Jnstincte, ähnlich der Grausamkeit einer Katze vor, welche gerne die Mäuse martert. Sollte dem Erfinder der Stomatologie selbst einmal die wenig beneidenswerthe Rolle der Maus zu Theil geworden sein? Es scheint fast so, denn hören wir einmal, was er von der Liebesgöttin selbst fagt: De? Rosenknospenmund, gehört der medicäischen Venus an; sie ist der Mundtypus, von dem man sich mit der größten Besorgniß fernzuhalten hat. Der Typus von Milo aber, fchön, ruhig, edel, scheint die absolute Verwirkli chuna aller weiblichen Eigenschaften. Glücklich der Mann ruft in lyrischer Extase der Stomatologe der sein Herz einer Frau geschenkt, welche den Mund der Venus von Milo besitzt! Weh? dem Sterblichen, der je in Leben einer Frau seine Ruhe vertraute, bei welcher man die Lippen der medicäischen Aphrooite wiederfindet! Nun. was den ersten Theil dieser Lehre betrifft, wer wagte da, und sei er noch so ungläubig, der Swmatologie zu widersprechen? Was aber die Warnunz vor dem Rosenknospenmund betrifft, so ist zu besorgen, daß Wenige sich mit der größten Ä'sorgniß ferne halte.i" werden, wenn die Göttin Gelegenheit einmal roroeiaeht. Das mag ein Un--glück werden sür den Stomatologe.-', ist aber c:n Glück für Dichter und Romancier, und gar oft, aller lippenverqällendcn Weisheit zum Trotz, ein Glück für den, den's trifft. Eine Unterstützung. Gast: Ich habe Ihnen einen armen hungrigen Burschen geschickt, er soll auf meine Rechnung sich satt essen. Was macht die Rechnung? Kellnerin: An Gulden 26 Kreuzer. Gast: Was hat er denn gehabt? Kellnekin: .eun Krügel Bier und drei Cigarren. I n der Geflügelausstellung. Höhere Tochter (in einem Käfig eine schwarze Henne erblickend): Nicht wahr, Mama, der ist gewiß der Hahn gestorben V Guter Rath. Frau A.: Unsere Küchenthür knarrt so furchtbar was kann man blos dagegen thun? Frau B.: Da werde ich Ihnen einen sehr guten Rath geben; schaffen Sie sich ein Dienstmädchen an,das einen Bräutigam hat.