Indiana Tribüne, Volume 18, Number 302, Indianapolis, Marion County, 21 July 1895 — Page 7

Ärtese au Teurskyianv.

Von Wilh. Kaufmann. Berlin, 23. JunZ. In der kurzen Rede, welche Kaiser Wilhelm auf htm Hamburger Bankett gehalten hat, kommt das Wort Friede" achtmal vor und in der zweiten kaiserlichen Ansprache, welche in Kiel vor mehreren tausend Menschen gehalten wurde, hat der junge Moaich wiederholt erklärt, dah der Nordostsee-Canal nur als ein friedliches Unternehmen anzusehen ist, als eine große Verkehrsstraße, welche allen seefahrenden Nationen unter den gleichen Bedingungen freigegeben wird. Beide Reden unterscheiden sich von den früheren öffentlichen 'Kundgebungen des selbstbewußten und ehrgeizigen Herrschers durch Vermeidung alles dessen, was irgendwo verletzen könnte, es sind würdevolle und wohlüberlegte Reden, welche ihrem Autor Ehre machen. Auch hat man nicht den gering fien Grund zu der Annahme, daß es dem Kaiser nicht ernst gewesen sei mit seinen Friedensversicherungen. Aber trotzdem kann man wohl behaupten.daß der Canal nicht gebaut worden wäre, wenn er nur dem friedlichen Werke des Äölkerverkehrs gewidmet sein sollte. Ausschließlich maßgebend für seine Durchführung waren strategische Gründe. Der Canal soll eine Spaltung der deutschen Flotte in zwei sich gleichmäßig auf Nordsee und Ostsee verteilende Geschwader verhindern. Er bietet den deutschen Schiffen eine bequeme Ausfallspforte nach beiden Meeren hin, gestattet im Falle einer Niederlage den Rückzug in das geschützte Inland und erleichtert den 'Schiffen wesentlich die Wiederaufnähme des Kampfes. Es hat den Anschein, daß Frankreich diese Bedeutung des Nordostsee-Canals erst in allerjüngster Zeil gebührend erkannt hat, daß es gewissermaßen überrumpelt worden ist, denn erst seit einigen Monaten fordert die französische Marine Verwaltung entsprechende Verstärkungen mit dem Hinweis- auf die Existenz des Nordostsee-Canals 'und die dadurch bewerkstelligte verdoppelte Schlagferiigkeit der deutschen Flotte. Zur Folge hat dir Eröffnung des Canals zunächst dieVerstärkung der französischen -Seemacht um ein weiteres Dutzend scyneller Kreuzer und Schlachtschiffe, worauf dann wiederum !n Deutschland eine Vermehrung der schwimmenden Panzer gefordert werden wird. Und das ist der Friede! Es ist der beständige Wettkampf benachbarter Nationen um die Erfindung und Einsührung der schlimmsten Mordwaffen, -die Aufstellung der zahlreichsten und schlagfertigsten Heere, den Bau der gewaltigsten Festungen und Kriegsyäfen, der stärksten Zerstörungsmittel. Um in zeitgemäßes Beispiel anzuführen: Deutschland gibt in einem Jahre tatmäßig so viel für sein Heer aus, . ls der Bau des Nordostsee-Canals gekostet hat. Und daran hat man acht Jahre gebaut. Oder, acht solche Canäle hätten in Deutschland gebaut wer"den können, falls die Nothwendigkeit und die Gelegenheiten dazu vorhanden gewesen wären für dasselbe Geld, welches der Staat in acht Jahren dem ÜJtofoj Mlitarisinus opsert. Und dabei sind als Heeresausgabrn nur die im regelmäßigen Budget bewilligten Summen berechnet; die Eztras, welche sich im rasten Anwachsen der Reichsschuld darstellen und die Extras, welche die Privatleute in Gestalt von Zuschuß für die Soldaten, für die Officiere und die Einjährig-Freiwilligen opfern, namentlich aber die Verschwendung an Volkskraft, sind dabei nicht in Betracht gezogen. Allerdings geben die Ver. Staaten fast so viel für Pensionen aus, als die Aufrechterhaltung des deutschen Heeres kostet. Aber die Vereinigten Staaten sind ein reiches und dünn besiedeltes Land und schließlich müssen die viel zu verschwenderisch belohnten Pensionäre doch einmal sämmtlich zur großen Armee" abgehen. Deutschland aber ist ein dichtbevölkertes armes Land, das jedes Jahr um eine halbe Million Brodesser zunimmt, und der einmal hier eingeführte Militarismus, namentlich aber der so tief eingewurzelte Haß und Neid benachbarter Nationen auf einander, haben ein viel längeres Leben, als den Veteranen von Gettysbürg und Nichmond noch bevorsteht. Der Pensionsfond in den Ver. Staaten wird verschwinden in absehbarer Zeit, oder wird sich doch in eine Unscheinbarkeit verwandeln müssen, aber der europäische Militarismus wird bleiben, bis die Menschen endlich ein sehen, daß es nicht in allererster Beziehung darauf ankommt, daß man Deut scher, oder Franzose, oder Engländer, sondern daß man ein auf der Höhe seiner Zeit stehender Mensch ist. Aber wie lange wird es noch dauern, bis diese goldene Zeit hereinbricht. Aber trotzdem meinte es der Kaiser offenbar eh-rlich, als er den NordostseeCanal in so oft wiederholter Weise als Friedenswerk pries. Er wollte damit wohl nur sagen, daß Deutschland den Frieden ehrlich bewahren will, daß es satt ist und an keine Eroberungen mehr denkt, jedoch das vertheidigen wkll was es besitzt. Der Friede, dieser dem Kriege so ähnlich erscheinende Friede, läuft in deutscher Anschauung daraus hinaus, daß Deutschland militärisch so stark gemacht und erhalten werden muß, daß seinen Feinden die Lust zum Angriff nicht beikommt. In diesem Sinne hat man wohl die ganze großartige Demonstration in Kiel zu deuten. Die Gelegenheit, den übrigen seefahrenden Nationn und damit indirekt der ganzen Welt, zu zeigen, was D:utschland auf dem Gebiete des Küsierschutzes und der großartigen EntWickelung seiner jungen Flotte geleistet

hat, war eine zu verlockende, als daß ein Herrscher vom Schlage Wilhelms IL sie unbenutzt hätte vorüber gehen lassen können. Uebrkgens ist ihm das nicht zu verdenken. Deutschland kann stolz sein auf ein Werk wie der Nord-ostsee-Canal und hatte ein gutes Recht, diese Errungenschaft den übrigen Nationen vorzuführen. Für den Kaiser selbst und für seine militärische Umgebung ist es aber vielleicht eben so wichtig gewesen, den Vertretern der übr! gen Mächte den festen Platz Kiel mit seiner herrlichen Rhede zeigen zu kön nen. Denn Kiel ist ein Wegshafen, wie ihn, nach dem gewiß unverdächti gen Zeugnisse französischer Fachblätter, Frankreich nicht aufzuweisen hat und auch niemals erlangen wird, denn die Kieler Rhede ist eben nirgends zu ersetzen. Kein anderer europäischer Kriegshafen, selbst kein englischer, bätte eine derartige Anzahl von prächtiaen Kriegsschiffen bequem und gesabrlos beherbergen können, wie es in Kiel geschehen ist. Mit dem Kieler Krieasbafen und seinen Befestiaunsen läßt sich vor einer internationalen Versammlung von Marineofsicieren womöglich noch mehr Staat machen, als mit dem ganzen Nordostsee-Canal und wenn es des Kaisers Absicht gewesen fein sollte, seinen Gästen imponiren zu wollen, so ist ihm das sicher gelungen. Die von Sachverständigen geschriebenen Berichte der großen englischen und auch einiger Pariser Zeitungen lassen darüber keinen Zweifel. Die Landmacht Deutschland hat seit 1870 die ganze Welt angestaunt, jetzt hat sich auch die S e e macht Deutschland eine höchst achtunggebietende Stellung erobert. Und so lange der Frieden Europas wie man in Deutschland allgemein caubt nur dadurch aufrecht erhalten werden kann, daß das beständigen Bedrohungen ausgesetzte und zwischen Frankreich und Rußland einkeilte Deutschland seinen Gegnern

Furcht einjagt, sind' solche Demonstrationen. wie die von Klei, gewiß berecy tigt und von beträchtlichem Nutzen.ganz abgesehen davon.daß die Durchstechung des Holstein'schen Tieflandes im Interesse des Handelsverkehrs eine gebieterische Nothwendigkeit war. Der Bau des Nordostsee-Canals wird gewiß fördernd auf ähnliche Projekte in anderen Ländern wirken. So werden die Franzosen jetzt wohl nicht zögern mit dem schon seit so vielenJahren geplanten Durchstich in SüdFrankreich zur Verbindung des Mittelmeeres mit dem Biskaischen Busen. Auch die schon so lange besprochenen Verbindungen der großen deutschen Ströme unter einander werden nun mächtig gefördert werden. Vielleicht erfahren auch die schon feit vielen Iahren projektirten großen Wasserbauten in den Ver. Staaten durch die Vollendung ds Nordostsee-Canals eine befruchtende. Anregung, so der Nicara-gua-Canal, dessen .Durchführbarkeit jetzt wohl keinem Zweifel mehr unterliegt, ferner die ebenfalls durchführbare Umgehung der Niagara-Fälle auf amerikanischer Seite und die dadurch zu erzielende Verbindung der großen Binnenseen mit dem Atlantischen Ocean. Seitdem die Ingenieure der Ver. Staaten, bei der Schaffung des Sault St. Marie-Canals gezeigt haden, was sie zu leisten vermögen und seitdem bei jenem großen, noch längst nicht genug gewürdigten Werke bewiesen worden ist, daß man so gewaltige Wasserbauten in den Ver. Staaten durchführen kann, ohne daß die dazu bewilligten Gelder verzettelt oder ver untreut werden, sollte man solchen Plänen weit mehr Interesse entgegendringen als leider bisher geschehen ist. Ein für größere Frachtschiffe passirbarer Canal zwischen Albany und Busfalo ist für die Ver. Staaten fo noth wendig, wie es der Nordostsee-Canal für Deutschland und der Suez-Canal für den Weltverkehr war. Tausende von Meilen Küstenstrecken, welche mit dem Atlantischen pcean in direkter Verbindung ständen, würden dadurch geschaffen. Wie befruchtend ein solcher Wasserweg nicht nur auf die davon durchkreuzten Gegenden, sondern auch auf das Hinterland wirken würde, bedarf gar keiner Erläuterung. Und außerdem ist ein solches Unternehmen das einzige Mittel, um der Ausbeutung der Eisenbahnen erfolgreich entgegenzutreten. Doch kehren wir noch zu einigen bemerkenswerthen Ergebnissen der Kieler Feier zurück, welche das geschästige Kabel vielleicht noch nicht berichtet hat. Besonders bemerlenswerth ist, daß die Regierung bei dieser Feier zum ersten Male die siebente Großmacht, die Presse, einigermaßen anerkannt und ihr Facilitäten gewährt hat, wie sie bisber in, Deutschland unerhört waren. Ja, es ist das Unglaubliche geschehen, daß der Minister von Köller. bekanntlich gegenwärtig die leitende Persönlichkeit in Deutschland denn sein Vorgesetzter, der Reichskanzler von Hohenlohe, füllt dieses Amt ja nur dem Namen nach aus vor der versammelten Presse eine Rede gehalten hat, in welcher er zu den Herren sprach, , die berufen feien, die Handlungen der Regierung zu kritisiren". Es ist das derselbe Herr von Koller, der vor wenigen Monaten vom Ministertische weg über die Presse in Ausdrücken der tiefsten Verachtung redete, und seit dessen Amtsantritt die 1 Preßprocesse wieder so stramm betrieden werden, als jemals m der Glanzzeit des Fürsten Bismarck. Offenbar wollte man sich vor der zahlreich vertretenen Presse des Auslandes nicht blamiren und so wurden der deutschen Presse diesesmal Facilitäten gewährt, welche allgemeines Erstaunen erregen. Hoffentlich tritt in diesem Punkte keine Reaktion ein. In den Tadel über den bei der Feier entfalteten Vrunk möcklte ick dock

nicht einstimmen. Lcbstens könnte kick

dieser Tadel gegen die Hamburger Stadtverwaltung richten, welche aus den Geldern der Hamburger Steuerzahler die Alsterinsel errichtet ha?. Dieses Riesenspielzeug kostete eine halbe Million Mark und sie ist nur eine einzige Stunde wirklich benutzt worden. Sie wird sofort wieder abgetragen werden, was sich übrigens aus ästhetischen Gründen durchaus empfiehlt, denn nach ziemlich allgemeinem Urtheil beleidigt sie das Schönheitsgefühl in hohem Maße und nur bei der allerdings feenhaften elektrisehen Beleuchtung, 'welche man für die Kaffeestunde des Kaisers improvisirt hatte,' dient sie ihrem Zwecke als prachtvolles Decorationsstück. Die Hamburger sind gute Geschäftsleute und ihr hoher Senat" wollte bei diefem Festrummel für die alte Hansastadt so viel Reklame herausschlagen, als irgendwie dabei herausgeschlagen werden konnte. Stadtverwaltungen, welche etwas thun zu müssen- glauben, sind selten sehr wählerisch in Bezug auf die angewendeten Mittel, das wissen wir Amerikaner aus zahlreichen sehr naheliegenden Beispielen wohl zur Genüge; und außerdem ist der hanseatische Patricier ein geborener Protz. Also für die Alsterinsel und die übrigen starken Verschwendüngen beim Hamburger Festrummel war das Reich und der Kaiser nicht verantwortlich. Jedoch läßt sich wohl sagen, daß bei der eigentlichen Canalfeier, d. h. bei den vom Reich veranstalteten 'Festen und Repräsentationen kaum mehr aufgeboten wurde, als sich mit einer anständigen Festlichkeit verträgt. Wie schlimm wäre erst eine Knauserei, oder auch eine nur daran erinnernde Bewirthung getadelt worden. Es gibt Gelegenheiten, wo sich eine große Nation absolut nicht lumpen lassen darf. Gelegenheiten, wie z. V. die große internationale Flotten Parade im New Yorker Hafen, gelegentlich der Eröffnung der Chicagoer Weltausstellung. Ob jene Demonstration nicht weit mehr gekostet hat, als die jedenfalls viel imposanteren Fest jichkeiten bei der Eröffnung vieles aals? Zuviel ist hier jedenfalls geschehen in Bezug auf Absperrung durch Militär und Polizei. Allgemein ertönt die Klage, daß die aus allen Weltgegenden herbeigeströmten Fremden. für ihr theures Geld Verhältnißmäßig wenig gesehen haben und zwar, weil man in Bezug auf Schutz der vielen Fürstlichkeiten und besonders hoch im Range stehenden Ehrengäste viel zu viel gethan .hatte. Für die meisten nicht besonders bevorzugten Fremden war die Feier eigentlich weiter nichts, als eine ununterbrochene Reihe von Strapazen, des Körpers sowohl als der Börse. Die Vorsichtsmaßregeln, welche besonders in Hambürg gegen Ueberraschungen" getroffen wurden, waren in Deutschland wohl noch niemals in so ausgedehntem Maßstabe in .Anwendung gebracht. So wurden z. B. sämmtliche Lohndiener. denen die Aufwartung beim Bankett übertragen war, auf das Allersorgfältigste ausgewählt, zum Ueberfluß wurde jeder Einzelne derselben photographirt und nur gegen Vorzeigung der mit der Photographie versehenen Karte konnten sie Einlaß bekommen. Die Hamburger Senatoren waren sehr vorsichtig. Hätle sich doch ein Unbefugter, vielleicht gar ein Attentäter. in der Livree eines Kellners :n die hohe Versammlung einschleichen können. Die Arrangements für die großartigen Feste haben sich vorzüglich bewährt und die deutsche Bureaukratie, welche alles bis in die kleinsten Details vorbereitete, hat wirklich einen großen Erfolg zu verzeichnen. AlleS ging programmmäßig, wie amSchnürchen. es haben keine Reibereien zwischen den Matrosen der verschiedenen Schiffe stattgefunden, die nach Hunderttausenden zählenden Festtheilnehmer wurden vor Faßlichkeiten bewahrt, ausgenommen vor den Attentaten der Taschendiebe, und die ganze Feier, welche in Betreff auf Zeitdauer und Betheiligung ihres Gleichen nicht hat, ist glatt und ohne jeden Zwischenfall verlaufen. ömg Geld. Von Otto Neumann Hofer. Hunger und Liebe halten den Bau der Welt zusammen, aber was die einzelnen Handlungen der Menschen bestimmt, sind die Geschäfte und ws Geld. Geschäft und Geld sind hente die souveränen Herren der civilisirten Welt, und sie üben ihre Herrschaft in despotischer Weise aus. Was anderes lehren die Wucherprocesse, die heute an der Tagesordnung sind, der Hannoversche Spielerproceß, der Proceß Labaschin und Genossen, als diese unbedingte Herrschast des Geldes über das Denken und Trachten der Zeitgenossen? Alle Stände fallen diesen skrupellosen Geschäftsmännern zum Opfer, Officiere und Beamte, Künstler und Schauspielerinnen, und ganz besonders kleine Geschäftsleute, die begierig nach Vermehrung ihrer , Einkünfte trachten. Regelmäßig erlebt man im Gerichtssaal das Schauspiel ein ebenso interessantes wie cynisches Schauspiel , daß die Heerde der Betrogenen nichts sehnlicher wünscht, als ihre Klageanträge zurückziehen zu ton nen und ihre Ausplünderer in Freiheit gesetzt zu sehen. Im Grunde genommen haben die braven Bürger und Geschäftsleute, diese Politikaster und Streber, diese Verschwender und Leichtsinnigen, diese vornehmen Herren Söhne und berühmten Damen eine geHeime Achtung vor diesen geschickten Leuten, die ihnen mit so viel Grazie das Geld aus der Tasche zu ziehen verstanden haben. .In einer .Ecke jojej

HerzenS lebt .vielleicht gar v:e geheime Hoffnung, daß eitt solcher Helb ein Held im homerischen Sinne, nur auf den schrecklichen Kampf um das Geld übertragen, der unser Jahrhundert kennzeichnet Andere noch gründlicher als sie hineinlege und ihnen unter der Maske des Biedermannes etwas von ihrem künftigen Raube abgebe. Es ist sicher, daß dieser Spitzbube, der jetzt vor dem Richter steht, das Gefängniß als Mann mit leeren Taschen verlassen wird. Es ist aber ebenso sicher, daß er nach einiger Zeit über Tausende verfügen wird. Welches andere Mittel hat er. der nichts besitzt und nichts producirt, wieder zu Gelde zu kommen, als den mehr oder weniger verschleierten Dicbstahl? Der Mann kommt schon wieder obenauf, sagen sich die alten Opfer, und in manches braven Familienvaters und Biedermannes Herzen regt sich die geheime Hoffnung, an feinen späteren Geschäften zurückzuverdienen, was sie eingebüßt.. .Ist es nicht mehr als einmal vorgekommen, daß die modernen geschäftlichen Raubritter' ihre willigsten Helfer bei ihren betrügerischen Bankerotten und Bewucherungen unter ihren ehemaligen Opfern gefunden haben? Bah. ein Jahr Gefängniß wie schnell ist das vorbei! Dieses Finanzgenie, das heute verachtet und gemieden wird, weil es nicht reussirt hat. es wohnt bald vielleicht wieder in einer Villa; es hängt dann wieder einen Theil deö erbeuteten Raubes als Köder an seine Klingelschnur, und alle Welt drängt sich, dazu die vornehme und geistreiche keineswegs immer ausgeschlossen , einen Bissen davon mit den Zähnen zu erHaschen. Das Geld ist König; es beherrscht Alles: die öffentliche Meinung und die Geschäfte. Du Denker willst für Deine Ideen Propaganda machen? Geh. suche das Geld, das dir ein Organ schafft; und hat's dir es geschaffen, fo wird es dir daS Organ nehmen und wird deine Ideen nehmen und daraus machen, was ihm beliebt. Du erfinderischer Kopf, der d in der unfreiwilligen Muße der Dürftigkeit und Arbeitslosigkeit einen industriellen Gedanken hast reifen lassen, du willst ihn zur Wirklichkeit machen? Geh, suche das Geld, das dir eine Werkstatt, baut; und hat's dir eine gebaut, so wird es dir die Werkstatt nehmen und wird deinen industriellen Gedanken nehmen und daraus machen, waS ihm beliebt. Talent und Genie werden heute nicht mehr von Mäcenen und Fürsten unterhalten; sie müssen sich ebenso gut auf die Kunst wie auf's Geldmachen verstehen. Welch ein verkümmertes Dasein und man kann es dreist beHäupten lange nicht zur Vollendung gediehenes Schassen lasteten auf Anzengruber, der die Kunst des Geldmachens nicht verstand. Und welch volles Dasein und welch ein über die angebo renen Fähigkeiten schier hinausquellendes Schaffen durchlebte ein Makart, der, heute schon in Vergessenheit gerathend, die österreichische' Finanz und Aristokratie in seiner Weise zu brand-, schätzen verstand! Das Geld ist König. Im vorigen Jahrhundert war es etwas, aber nicht Alles; in diesem Jahrhundert der Gleichheit ist es MeS geworden; es charakterisirt. die Epoche. Nur eine Art Scham ist übrig geblieben und in ihrem Gefolge eine Art Heuchelei. Man spricht mit strenger sittenrichterischer Miene von denen, die das Geld über Alles lieben und keine Beschäftigung für wichtiger erachten, als es zu ae-

wmnen, und dennoch zwingt das moderne Leben diejenigen, welche, ich will nicht sagen glänzen, sondern nur ihre gesellschaftliche Stellung aufrecht erhalten wollen.dazu, möglichst viel Geld zu verdienen. Wollt ihr die alte fchöne Tugend unserer Väter wiedererwecken: die stolze Dürftigkeit, die Verachtung des Geldes? So stellt die alten Sitten und Lebensgewohnheiten wieder her, das ruhige Dasein in den traulichen Häusern, in den engen Straßen schlummernder Städte, die Gesellschaften, in denen man die Gäste mit Zuckerwasser, dünnem Thee und Vutterschnitten erfreute, setzt die Miethen herunter, den Preis der Lebensmittel, schließt die glänzenden Läden und Cases, jagt die Schneider davon und hängt die Putzmacherinnen auf. wenn ihr das Alles gethan habt, dann werden wir wieder stolz uns unserer Dürftigkeit rühmen, das Geld verachten, es von seinem usurpirten Throne stoßen und wieder jene Macht einsetzen, die früher die Handlungen der Menschen bestimmte und die tragischen Loose wie die heiteren warf: die Liebe, Eros, den depossedirten Herrscher der Welt und Meister aller Dinge. Man spricht vom Kriege nd seinen Schrecken; er ist lange nich! so grau. sam wie der Friede, ein Euphemismus für den Krieg der materiellen Jnteressen. Im Kriege schont man die Vermundeten, liest man sie sorgfältig auf und die Feldlazarethe tragen mit ihrem rothen Kreuz das Zeichen an sich, daß sie unter dem Schutze des Völkerrechts stehen. Aber der Friede, der liebliche Knabe-, mordet die in dem heißen Kampf um's Geld Gefallenen; er mordet sie moralisch, er mordet sie gesellschaftlich, er morde! sie bürgerlick, und zwingt sie dadurch ost, sich selber vbvsiscb au morden. Und vorher mordet dieser Kampf die feineren und edleren Gefühle. Er erzeugt eine Stimmung von Neid, Haß und Verachtung; die Luft schwimmt voll Feindseligkeiten: man hat immer die Witterung von Concurrenten in der Nase. Wüthender Neid beseelt die, die gewinnen; das Gefühl der Noblesse, der Großmuth veraltet.- Für Dinge, über die unsere Väter errötheten, wird eine Entschuldigung erfunden; man sagt: Das ist Geschäft! Das ist Geschäft, und damit kann man eine stinsende . Sinnesart entschuldigen, die

ehemals das gescheute Privilegium der Sklaven und Unehrlichen war; das ist Geschäft, und damit heftet man der

ehemaligen Tugend der Großherzigkeit, der Freigebigkeit, der Noblesse den Stich in's Lächerliche an. Dieser Kampf ohne Gnade wird nicht mit groben Kanonenkugeln geführt; aber Nadelstich um Nadelstich zapft er uns das Herzblut tropfenweise ab: Stoß um Stoß erschüttert er unsere Nerven; Gram auf Gram nagt an unserer Seele; und das Gesicht lächelt derwellen, es lächelt immer und es darf ja nicht damit aufhören! Der Lärm der Schlacht schreckt unsere Sinne, solange die Schlacht dauert, nachher tritt Ruhe für die Ermüdeten ein; aber- das Toben des Kampfes, der unsere Städte füllt, zittert vom frühen Morgen bis zum späten Abend durch unsere Nerven, vom frühen Morgen bis zum späten Abend trommelt aus unser Trommelfell jenes unaufhörliche Donnern der modernen Stadt, !das dem Gerausch der Schlacht so täuschend äbnlich ist. ' Dieser Kampf um's Geld erobert sich immer mehr und mehr das Terrain auch in den schönen Künsten. Die Liebe hört auf, der bevorzugte Gegenstand für unsere Dichter und Maler zu sein. Das Theater ging voran; und auf dem Gebiete des Theaters machten zuerst diesen neuen Fortschritt", wie immer, die Franzosen. Die Dramatiker des zweiten Kaiserreiches waren die ersten, die ihre Stücke mit langen Zahlenreihen anfüllten, Rentenberechnungen machten und an Stelle des Fatums, das die Geschicke der Menschen lenkt, das Einmaleins setzten. Die Engländer folgten und dann wir, wir idealistischen Deutschen. Unsere Don Juans".dle wir heute auf unserer Bühne sehen, führen in ihrer Tafche nicht die Liste ihrer Eroberungen, sondern den Kurszettel, und die Zahl ihrer Erfolge ist direkt proportional der Zahl der Bankbillets, die sie zur Verfügung haben; sind sie.arm, so suchen sie vor Allem auf Grund ihrer körperlichen Eigenschaften eine gute Partie zu machen; haben sie Geist, so werden sie zu den Diners eingeladen, aber nur als Amuseure, und manchmal behandelt man sie ganz leise als Parasiten. Das Geld ist König. Es Lft ein ty. rannischer Herrscher. Es erniedrigt die, die ihm Unterthan sind. Die Menschheit fühlt ein furchtbaren Druck und ihr ganzes Sehnen geht dahin, sich von diesem schrecklichen Alp zu befreien; aber sie kennt noch nicht die rechten Wege: sie macht einige krampfhafte und fruchtlose Abwehroersuche und nennt das, sich am Worte berauschend, sociale Reformen. Doch inzwischen gährt's unten in tieferen Schichten weiter, wie in einem Vulkan, in dem die Dämpfe sich spannen und spannen, während den Gipfel noch tiefer Friede umwittert, und die Unwissenden, die Nichtsahnenden vermeinen, ruhig noch ihre Hütte bauen zu können auf der alten historischen Lava; es' gährt und gährt, bis eines Tages die Feuersäulen emporsteigen: der Vulkan speit Flammen! Dann wird der König und sein Reich begraben und eine neue Menschheit siedelt sich auf der Trümmerstätte an. Ob eine bessere? ob eine glücklichere? Wurst wider Wurst. Wat heitzudage Allens als Vedrug ausgelegt wird, da is 't Ende von weg! Wenn Eener een blstimmtei Jeschäftsprincip hat un Eener handelt darnach un Eener trifft Eenen, der ich mit inverstanden is, oder det Jeschäft haut anders aus, als er jedacht hat, det er denn ooch man wejen Bedrug bei'n Kanthaken genommen wird! Mir soll't blos wundern, ob sie Falb'n nich ooch wejen falsche thatsächliche Vorspiegelungen belangen wer'n. indem er zut Canalfest schlechte! Wetter prophezeit hat, wo et idoch der schönste Sonnenschein is." Und nun fuhr der Handlanger Lehmann, der sich vor dem Berliner Schöffengericht auf die Anklage, den Barbier Müller geprellt zu haben, verantworten sollte, mit dem Taschentuch über die schweißtriefende Stirn und blickte, augenscheinlich mit seiner Rede sehr zufrieden, erwartungsvoll nach dem Richtertische. Vors.: Alle diese überflüssigen Betrachtungen hätten Sie sich sparen können. Sie sind Handlanger? Angekl.: Jawohl, bei die Maurer. Aber det Abends lese ick. Vors.: Das kann uns gleichgiltig sein. Sie sind hier, um sich wegen Veirugs zu derantworten. Ist es wahr, daß Sie stch beim Barbier Müller rasiren, die Haare schneiden und wer weiß was sonst noch machen ließen und nachher ohne Bezahlung fortgegangen stnd? Angekl.: Det werde ick nu un nimmer streiten, aber ick bin een praktischer Philosoph un Wurst wider Wurst" is mein Geschäftsprincip. Det thut mir beinahe noch leid, det ick mir nich noch uf mein Eonto ein paar Zähne habe von ihm reißen lassen. Vors.: Behaupten Sie denn, eine Gegenforderung an ihn zu haben? Angekl.: Allemal! Lassen Sie sich blos erzählen. ' Vors.: Machen Sie es aber wenigstens kurz. Angekl.: An eenen Sonndag Mittag- stehe ick wie jewöhnlich in der Putzijen Kruke" rnn nehme an'n Schenkdisch meinen üblichen Himmelbeer mit Morjenroth zu mir. Det Nachmittags jehe ick principiell nich aus, indem ick denn in die Bücher lest. Also mit eenmal kommt mein Barbier rin, kiekt uns Alle die Reihe nach an un winkt mir denn ran. Lehmann," meent er, .sind Sie schon balbirt?" Ick fasse mir an mein Profil un sage Nee, wie Sie sehen, kann ick an meine Stoppeln eene Muskatnuß zu Pulver reiben Is jerade iut." saat er. wollen Sie vor umsonst

balbie'rt' sind un fünf Jrojchen ver dienen?" Ja," sage ick, da hätte ick ja principiell nischt jejen, ick soll am Ende eenen Concert-Balbier als corpus delicti dienen?" Ne, det nich," sagt er; aber," sagt er, ick habe hier eenen Eollejen als Concurrenten in 'n Keller nebenan, der richtet sich nich nach die Sonntagsruhe, sondem rasirt noch nach zwee Uhr feste druf los; den Racker will ick überführen un ick jebe Ihnen fünf Jroschen ertra wenn Sie ileicd nach zwee runterjeh'n un lassen sich rasiren." ck sehe ihn denn so'n bisken indringlich an un sage: Herr Müller," sage ick, schön is det ja eijentlich nich, un ooch jejen mein Princip, aber um die fünf Jroschen will ick Ihnen mal den Jefallen dhun! Ick denn ooch rin in den ollen Valbierkeller un komme kurz vor halb drei ooch fein, rasirt wieder raus. Mein Müller steht an- die Straßeneckeun freut sich, un meent: Den Eenen hätten wir, nächsten Sonntag jreifen wir uns wieder eenen." Is jut, sage ick. Den nächsten Sonndag zeigt er mir eenen andern Balbierladen. Diesmal jing et schon nich so jlatt. Geradk als et zwee Uhr war, fängt er an, mir inzuseefen. Er schmiert mir fürchterlich viel Schaum in't Jesichte un bleibt denn dabei, mit seine Hand rumzuwischen, det ick zuletzt sage: Is jut, is jut!" Ih wo. sagt er. inseefen is die Seele vont Balbierjesch'äft, jut injeseeft is halb Halbiert. Un denn fängt er wieder an, uf meine Backen Zither zu spielen, det mir der Kopp an fängt zu brummen. Endlich hört er uf, wischt sich die Hände ab un fängt an, sein Messer uf'n Riemen scharf zu machen. Det dauert wieder eene janze Weile, endlich kriejt er mir mit die linke Hand an die Näse un will mit die andere loslejen. Mit een Mal kiekt er nach die Uhr un lejt det Messer wieder hin un sagt: Det thut mir leid, wischen Sie Ihnen man wieder ab, ick sehe, det is schon nach zwee un

denn verstoße ick jcjcn die Sonntagsruhe un det is jejen mein, Princip." Na, det mußte ick ja jelten lassen., ick wische mir so jut et jeht die Seefe aus't Jesichte, wobei er noch sehr drängeln dhat, un denn jehe ick ab. Als ick det meinen Ufdragjeber draußen sage, meent er: Die Earnallje hat Lunte jerochen. aber det hilft nich. nächsten Sonndag muß een Andrer ran." Vorsitzender: Ist denn die Geschichte noch nicht bald zu Ende? Angeklagter: Eenen Oojenblick noch. Herr Jerichtshof. Also den folgenden Sonndag zeigt er mir eenen andern Laden, wo ick rin muß. Ick hatte von außen jesehen. det da ziemlich ville Leite warteten, un deshalb jing ick schon etwas vor zwee Uhr rin. Ick hatte mir noch nich hinjesetzt, da kömmt mir der Barbierherr schön sehre freindlich entgegen un komplimentirt mir in eenen Stuhl vor'n Spiejel un sagt: Bitte, mein Herr, Sie sollen gleich rasirt sein, die andern Herren warten ein Weilchen." Un die sagen ooch alle Jawoll" un Jerne", wat mir eijentlich uffiel, in dem sie doch früher gekommen waren. Aber ehe ick mir recht besinnen konnte, hatte er mir den Hals mit ne Salfiette zujeschniert un fing '. r r i an, mir rnzuieesen. er macyie nu i -- 1t " . . wenig umnanoe mii: yier eenen Klack. un fertig war er. Denn ruft er seinen jüngsten Lehrling, so'n kleenen rothhaarigen Vengel mit so'n recht politisches Jesichte ran un sagt: Aujust. Du kannst mal diesen Herrn balbiren, aber aus'n ff, verstehst Du? Jawoll. sagt der Bergel un grient dazu, un mir war, als wenn ick ooch hinter mir so'n leiset Lachen hörte. Un denn fing Aujust an, mir zu balbiren. Herr, lassen Sie mir davon schweijen, wat ick in die nächsten Minuten ausjestanden habe! Det Messer muß wie'ne Laubsäje jewesen sind, bei jeden Strich mußte ick die Zähne zusammenbeißen, um nich laut ufzuschreien, ick bezwäng mir aber, weil ick den Braten merkte un die hinter mir die Freide nich jönnen wollte. Un als der Bengel fertig war, macht er ordentlich noch eenen Diener un sagt: Ich danke, mein . Herr". Ick schmeiße meinen Nickel auf's Disch, un raus aus die Dhüre, ohne mir erst abzuwaschen. Ick hörte hinter mir een unbändijet Jelächter. Natürlich war ick sehre falsch, als ick meinen Prinzipal an die nächste Straßenecke traf. Mein Jott, wie sehen Sie denn aus," rief er, det janze Jesicht is ja blutig!" Ick erzählte ihm denn, wie et mir jejangen hat. Sehen Sie woll," sagte er. der hat ooch wat jemerkt.. Ru müssen wir 't ufjeben, da haben Sie Ihre fünf Jroschen!" Halt stopp! sage ick, denken Sie denn, det ick meine Haut for-Ihnen for fünf Jroschen zu Markte drage? Ick muß wenigstens eene Mark haben, denn ick habe Auslagen an Kühlwasser unHeftPflaster un Salbe! Ach wat," meent er. fällt mir jarni'ch ein. dann kriejen Sie jarnischt." Na, so 'ne Undankbarkeit is nu jeien mein Princip un ick wollte doch zu mein Jeld kommen.. Ick passe also eenen Nachmittag ab, wo er nich zu Hause war un jehe rin in seinen Laden un lasse mir erst balbiren un denn mit die Maschine die Kugel vollständig abrunden. Vors.: Was ist das? Angekl.: Nu, die Haare so kurz schneiden als et jeht. Un als der Jehilfe so 'ne Stund: an mir rumZewirkt hat un denkt ick werde bezah-len,-da sage ick bloß: Jrüßen Sie Ihren Principal von Lehmannen, denn 'weeß er Bescheed." Un denn bin ick rausjejangen. Da der vom AngeNagten vorgetragene Sachverhalt durch die Beweisaufnahme im Wesentlichen bestätigt wird, erfolgt ein freisprechendes Urtheils " In der Gesellschaft. Maud: Ich liebe und werde geliebt." Frances: Dann mußt Du vollkommen glücklich sein." Maud: .Aber es ist nicht derselbe Masul" . . ,

etevenltnge. Ein Zeugniß für eine Geburt von Siebenlingen beim Menschen, die aller, dings sämmtlich 11 Tage nach der Geburt gestorben find, erbringt Varfurth im Anatomischen Anzeiger" durch Abbildung eines in Hameln an der Weser befindlichen Denksteines aus dem Jahre 1000, der folgende Inschrift tragt: Anhier ein Bürger Thielo Römer ge nannt. Seine Hausfrau Anna Breyers wohl bekannt. Als man zählte 1600 Jahr Den 9. Januarius de Morgens 3 Uhr war. Von ihr zwei Knäblcin und fünf Magdelein Auf eine Zeit geboren sein. Haben auch die heiligen Tauf erwor ben, Folgends den 20ten 12 Uhr selig gestorben. Gott wolle ihn geben die Seligkeit, Die allen Gläubigen ist bereit." Die Diamanten der ModjeSka. Eine bezeichnende Geschichte erzählt Mr. H. I. Sargcnt, der frühere Manager" der berühmten polnischen Tragödin Modjeska, von den Diamanten dieser Schauspielerin. Diaman ten? Ja, wie wir im Fisth Avenue Theater spielten, da war wahrhaftig nicht an Diamanten zu denken. Da waren wir froh, daß wir satt zu essen hatten. Schließlich aber, als wir in Montreal ankamen, gings uns doch so gut, daß ich einen Ueberschuß von 50 Tollars hatte. 50 Dollars ein 93ermögen! Wir bummelten also eines schönen TageS. es war der Tag unse rer Ankunft, in den Straßen von Montreal. In der King Str. bleibe ich mit einem Ausruf stehen: Teufel, sind das Brillanten! Die möchten Sie wohl haben? was?" Das will ich meinen", sagt die Modjeska, aber dazu werd' ich wohl im Leben nicht kommen." Ach", sag' ich, wir wol len hinein und fragen, was das Ding kostet. , Wenigstens siehts so aus, als könnten wirs kaufen." Wir also 'rein. Was kostet das Kollier drau ßen!" srage ich mit einer Miene, als

gehöre die ganze Welt mir und als seien die Brillanten nur ein Pappen stiel. Die?" fragt der Juwelier. O, eine Kleinigkeit. Sechzig Dollars." Wie?" frage ich, denn ich glaube falsch gehört zu haben. Sechzig Tol lars", entgegnet der wieder, denn eö ist Imitation." Hm, wenn Sie sie für fünfzig geben, nehme ich sie." Topp!" und die Brillanten gehörten mir, das heißt ihr. Nein, diese Ver schwendung", sagte die Modjeska, nahm aber das Kollier dennoch glück strahlend an. Verschwendung?" rief ich aber. Im Gegentheil, unser Glück ist gemacht." Und es war gemacht. Der Schmuck wurde in eine eiserne Kassette gethan und ich eilte auf 's Polizeibureau. Bitte, kann man mir zwei Mann geben, um das Bril lantkollier zu bewachen, das der Kaiser von Rußland der Madame Modjeska geschenkt hat? Allgemeines Staunen. Der Schmuck erregte bei der Polizei Aufsehen. Die zwei Mann werden gegen je einen Dollar für den Tag bewilligt, die Geschichte kommt in alle Zci tungen und die Modjeska ist mit einem Schlage berühmt. Jett erst wird ihre Kunst, ihr Talent anerkannt und ihr Glück, unser Glück ist für alle Zeiten mit einem Kostenaufwande von 50 Dollars gemacht." Der Degen der Akademie. In geradezu drastischer Weise tritt Jules Simon für den Staatsdegen ein, der zu der Palmenuniform der Unsterb" lichen der französischen Akademie gehört. Was?" äußerte er neulich einem Interviewer gegenüber, man spottet über unseren Degen. Nun. da will ich Ihnen eine Geschichte erzählen, die Ihnen beweisen soll, wie mächtig und nothwendig dieser Degen ist. Es ist schon lange hcr. Ich war damals ein junger Mensch, und Cousin (der berühmte Philosoph und Lehrer an der Sorbonne) protegirte mich aus nehmend. Eines Tages hatte ich kein Geld, dafür aber einen Appetit, der nicht mehr einzudämmen war, Kredit hatte ich um nicht einen Heller. Was thun? Zu Cousin gehen. Vielleicht lud er mich ein. Ich ging und roch sofort den Braten. ' Augenblicklich kam ich Cousin ungelegen. Cr sprach und sprach, aber cr lud mich nicht ein. Dagegen wurde er immer nervöser, je näher die Essenszeit kam. Endlich gab er mir einen deutlichen Wink, ich möchte gehen. Ich ging. Mit welchen Gefühlen, das läßt sich denken. Ich össne die Thür, da schlägt mir der Bratenduft wieder entgegen. Dieser Tust ist stärker als ich: 'Geben Sie mir zu essen," sonst sterbe ich, ich habe seit gestern nichts gegessen." Um Gotteswillen. warum sagen Sie. das nicht gleich," ruft Cousin, kommen Sie, kommen Sie", saßt mich am Arm und zieht mich wohin? In die Küche, in wclchcr auf glimmendem Feuer ein Herrlicher Braten sich am Bratspieß dreht. Am Bratspieße? Nein, am Degen der Akademie, an jenem Degen, dem man jedcn Sinn und jcoe Berechtigung absprechen will." . Vor dem Wirth,shause. Herr: Na, Kinder, was macht ihr denr. hier?" Knabe. Wir warten nur auf den Vater, um ihn heimzubringen, wenn er aus diesem Wirths Hause herausgeworfen wird!" Vorsichtig. Weshalb halten Sie eigentlich so sehr darauf, daß Ihre Frau Sie jeden Morgen auf dem ; liornpwtr veiucyen kommt?' Damit sie zu Haus nicht in der Küche helj fm kann!"

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