Indiana Tribüne, Volume 18, Number 295, Indianapolis, Marion County, 14 July 1895 — Page 9

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JnSwna Tribüne. 7k ?nrtrtitst wg vv Humoreske von Rudolph Braune. DaS Landschafteraielier war WÜihend auf Schulze! Alle hatten ihm blutige Rache geschworen. War da Schulze erst vor vier Wochen aus im. . . (. . 1 1 - üJUüizuoüig geiomnicn Ulii, yui bc wagt, über die OualmtuU" zu witzeln das verdient Strafe. Man erwog alle Gründe, die etwa strafmildernd fein konnten, alle wurden als nicht stichhaltig verworfen. Schulze hatte absolut keine Ursache gehabt, über den Künstlerverein Qualmtute" Witze zu reißen, denn die .Qualmtute" war schneidig wie immer an einem wunderschönen Nachmittag von der Koburger Vierhalle im Gänsemarsch durch die Schillerstraße nach dem Markte gezoge.i. hatte auf dem Marktplatz aus dem Fäßchen Tabak, das dem Zuge vorausg'tragen worden, die Pfeifen gestopft, dieselben angezündet und war im Gänsemarsch zurück nach der Koburger gezogen. Das war Alles. War das nicht schneidiq? UndSchulze ii t p ri r r . v:rj.tf yalie oiezen anzemarcy iinoiiuj genannt. Aber man wollte ihm ze! gen. dem Schulze, was kindisch war. Fast alle Landschafter gehörten der rh,mh,f," nT2 fTTKf.lTtfhfr an und pX4444t " " " wollten die Beleidigte rächen; und die ihr nicht angehörten, fanden gleichfalls Vergnügen daran, den Allen unsympathischen Mecklenburger zu schurigeln. ' t So wurde denn eine originelle Rache ausgebrütet und Kopmann mit der Ausführung derselben beauftragt. Kopmann schrieb zwanzig Postkarten, die er mit .Schulze. Landschaftsmal" unterzeichnete und mit feierlichem Ernst in den Briefkasten der Kaiserlichen Post stopfte. Dann wartete man der Dinge, die da kommen sollten. Und siehe, sie kamen. Am nächsten Morgen bummelte Kopmann im Atelier herum und trat alle Blitzminuten an's Fenster. .Kopmann, was hast Du denn." wurde er gefragt, willst Du heute nicht arbeiten?" .Ich erwarte einen Brief von meinem Alten. Ah, da kommt der Briefträger." 0r r ms Vin ftnmhnr fitnrm?. V fr VII Vr wf wmwwm-ww-w .Haben Sie einen Brief für mich?" .Nein. Herr Kopmann." antworiete der Briefträger und steckte die an Maler adressirten Briefe in dem im Korridor hängenden, vergitterten Briefkasten. Am nächsten Morgen wiederholte sich derselbe Auftritt. Der Brieftrager antwortete auf Kopmann's Frage nach einem Briefe wiederum mit Nem, Herr Kopmann." fügte aber fciiuii: Aber für fienn Schulze babe ' ij ww I Os I l i ich einen." .Herr Schulze." rief Kopmann, .'s ist ein Brief für Sie da." .Jawohl." fagte der Briefträger, .eine Drucksache, kostet siebzehn Psennige Strafporto." .Siebzehn Pfennige?" knurrte Schulze, .Eselei." Er bezahlte die siebzehn Pfennige und trat in's Atelier zurück. Vor feiner Staffelei stehend, zog er die Drucksache aus dem Couvert. Kopmann gab seinen Colleqen einen Wink. Alle ließen ihre Arbeit stehen, schaarten sich um Schulze und äußerten ihre Vermuthungen über Schulzes Brief. .Siebzehn Pfennige Strafporto? Das muß 'was Wichtiqes sein." .Vielleicht eine Erbschaft!" ! .Von oder für siebzehn Pfenniqe?" .Vielleicht die Berufung als Professor an die Münchener Akademie?" .Oder will Ihnen die Nationalaalerie ein Bild abkaufen, Herr Schulze?". .Für siebzehn Pfenniqe. doch nicht?" Schulze ballte die Drucksache vi sammen und schleuderte sie unwillig in eine Ecke, wobei er lästerlich fluchte. Einer der Maler holte das Papier, strich es glatt und las laut vor: .Möbelhallen für Ausstattungen von Schmid & Co. in Leipzig." .Ah, Sie, Herr Schulze, wollen Sie beirathen?" .Eine von hier, aus Weimar?" .Aber, da muß doch . Ihr Schwiegeralter die Ausstattung kaufen. Wie kämen Sie denn dazu?" .Hat sie Asche?" .Moos?" - .Knöppe?" .I wo. wenn Herr Schulze selbst die Ausstattung kaufen soll,- kann sie nichts haben." .Es ist in die Preisliste hineinge. schrieben, hier, seht Ihr. deshalb die siebzehn Pfennige Strafporto." .Wen heirathen Sie .denn nun eigentlich?" .Wie heißt sie denn?" Jung?- ' hübsch?" .Lassen Sie mich unqeschoren." schrie Schulze, durch das Hin- und Herreden und die diabolisch lächeln den Mienen seiner Collegen gereizt ergriff seinen Hut und stünde da von. Auf dem Korridor angekommen. hörte er hinter sich her ein furchtbares Gelächter brausen. Da ward es ihm klar, daß ihm einer seiner Collegen diesen Streich gespielt hatte. Am Nachmittag hieß es: .Herr Schulze, es sind Briefe für Sie draußen." Schulze warf dem Sprecher einen wüthenden Seitenblick zu, holte aber

doch seine Briefe. Es waren Preis-1 listen über Sprinafedermatratzen und

Rattengifte. Schulze wurde bleich vor Wuth; seine Collegen lachten, indem sie ihm über die Schulter sahen und in den Preislisten lesen wollten. Am schlimmsten aber lachte Stop mann. .Wissen Sie waS," sagte er, stiften Sie doch der Kunstschule ein paar Matratzen, damit die Modelle weich liegen. Und Nattengist können wir in Compagnie sausen, das geben wir denjenigen ein, die unsere Bilder 'runterreißen." In den nächsten Tagen kamen noch mehr Briefe für Schulze an, alle .5kunstschule zu Weimar" adressirt: Preislisten und Kataloge über BlasInstrumente, Bartwuchsmittel.Dampfdreschmaschinen, Kinderwagen. Kanarienvögelfutter, heizbare Badestühle, Gardinen, Erstlingswäsche und andere ebenso schöne wie nützliche Dinge. Schulze wurde beim Lesen dieser Briefe grün und gelb vor Wuth, feine Collegen dagegen wollten sich ausschütten vor Lachen. Er ging nur noch mit Zittern und Beben zum Briefkasten, wenn ihm mitgetheilt wurde, es seien Briefe für ihn angekommen. Er ging aber doch, denn es konnten ja Briefe von seinen Eltern oder den Kunsthändlern, die feine Bilder im Vertriebe hatten, eingelaufen fein. Daß er keine der erwähnten Drucksachen um nur eine halbe Stunde später in die Hand bekam, als angänglich war, dafür sorgte Kopmann. der in diesen Tagen in jeder Stunde vier Mal zum Briefkästen lief. Schulze wußte es längst, daß seine Collegen vom Landschafteratelier ihm alle diese blödsinnigen Kataloge schicken ließen und ihn auf diese Weise lächerlich zu machen suchten. Er wußte nur nicht, wodurch er sich ihre Unzufriedenheit zugezogen hatte an seine mißbilligende Aeußerung über die .Qualmtute" dachte er schon längst nicht mehr und er nahm sich vor, bei der ersten besten Gelegenheit Kopmann, den er für den Anführe? seiner Feinde hielt, um Auskunft anzugehen. Die erste beste Gelegenheit fand sich an dem Nachmittage, an dem er die Preisliste über Bruchbänder erhielt und per Postkarte gebeten wurde, bei seiner gefälligen Bestellung den Umfang seines Leibes anzugeben. Er war mit Kopmann allein im Atelier, die Uebrigen waren nach Dennstedt zum Apfelwein gegangen. Kopmann arbeitete an einem Bilde, das er an den Bremer Kunstverein schicken wollte, und quälte sich mit dem Baumschlage ab. Er pfiff und fluchte abwechselnd und beachtete den Mecklenburger nicht im Geringsten. Schulze redete ihn an: .Verzeihen Sie Herr Kopmann. daß ich eine Frage an Sie richte." Kopmann steckte eine verbindliche Miene auf. .Bitte sehr." Wissen Sie, wer mir alle diese schauderhaften Preislisten zuschicken läßt?" .Aber kein Bein." .Nun, es ist einer von den Land schaftern. das fühle ich. Was habe ich dem Betreffenden nur gethan?" .Das sri einfach." meinte Kopmann. .Schulze hätte sich so und so über die .Qualmtute" geäußert und die .Qualmtute" habe ihm Nache geschworen." .Mein Gott, das habe ich nicht so gemeint. Das darf mir nicht übel genommen werden. Ihr Thüringer seid leichtlebiger als wir Norodeutschen. Der Auszug kam mir komisch vor aber ich habe Niemand UHU digen wollen. Wie kann ich mein Vergehen wieder gut machen?" .Treten Sie der .Qualmtute" als Mitglied bei und nehmen Sie auf unserm nächsten Vereinsabend die beleidigende Aeußerung zurück." .Gut. ich werde Mitglied Schulze trat der .Qualmtute" wirklich bei, und der Friede schien wieder hergestellt zu sein. Aber nur scheinbar unter der Asche schlummerte das Feuer, bereit, bei einem passenden Anlasse frisch aufzulohen. Den Radikalen in der .Qualmtute" war die Strafe, die dem Mecklenburger auferlegt worden, nicht hart genug, und sie beschlossen, nach Ar: der mittelalterlichen Fehmgerichte, den Delinquenten nach ihrem Gusto zu strafen ohne vorhergegang:nes Verhör .natürlich. Es war eine Clique von sechs Mann, deren Feld geschrei: Krieg dem Mecklenburger bis auf's Messer" lautete. Es waren seit Schulzes Eintritt in die .Qualmtute" vierzehn' Tage der strichen, als es im Landschafteratelier 'mal wieder hieß: .Herr Schule, 'S ist ein Brief für Sie da." Schulze erfchrak, faßte sich ober schnell er hatte Za Frieden mit der .Qualmtute" geschlossen und bolte den Brief. Der war verschlossen'und mit einer Zehnpfenniqmarke versehen also keine Preisliste wieder. Er öffnete und las. Der blonde, schmächtige Ehrhard schlich sich auf den Fußspitzen hinter Schulze und versuchte, ihm über die Schulter u blicken. Aber Schulze drehte sich heftig um und schnauzte ihn an: .Herr ich verbitte mir das!" .Ach Sie, mit Ihren Geheimn-'ssen! 's ist doch wieder ein Katalog!" . .Kataloa. Kataloa! Ein . Nrief ist's. Das müssen Sie doch sehen. Katalog, Katalog!" Er las, am Fenster stehend, den Brief, faltete ihn säuberlich zusammen, steckte ihn in die Brusttafche und sah glücklich lächelnd zu Boden. .Nanu," rief Ehrhard, .Sie lächeln ja so glücklich. Haben Sie geerbt?" .Weshalb soll ich nicht lächeln! Mablzeit. ick aebe nack üause."

. Er verließ die Kunstschule, bmn. melte die Marienstraße hinunter und blickte aufmerksam bald rechts, bald links nach den Fenstern. Er schien aber das nicht zu finden, was er suchte, denn seine Miene verdüsterte sich mehr und mehr. Im Hotel Chemnitius siel er ein, ließ sich einen Schnitt Bayrisch geben und zog den Brief hervor. Bei der Lektüre erhellte sich sein Gesicht und erstrahlte in eitel Herzensfreude. Der Brief lautete: Werther Herr! .Verzeihen Sie, daß ich an Sie zu schreiben wage. Ich weiß wohl, daß es nicht passend ist, und mein Herz pocht stürmisch, denn ich schreibe hinter dem Rücken meiner Mutter. Aber ich kann nicht anders. Wenn ich Sie Tag für Tag die Marienstraße hinauf nach der Kunstschule gehen sehe, fühle ich, daß Ihnen mein jungfräuliches Herz in heißer Liebe entgegenschlägt. Ach. Sie haben wohl schon längst eine Braut, Sie sehen ja nie zu meinem Fenster herauf. Ist Ihr Herz aber noch frei, o, so kommen Sie heute Aberrd um neun Uhr in den Park zu der Bank, die dicht an der Ruine steht und machen Sie glücklich Jda." Jda, welch' süßer Name! Sie schien riesig in ihm verschossen zu sein er warf einen zufriedenen Älick in den Spiegel. Natürlich würde er zum Rendez-vous gehen. Wahrfcheinlich eine Dame aus reicher, vornehmer Familie! Wer weiß, wie glücklich sich seine Zukunft gestalten würde! Allerdings, die Handschrist war ziemlich ungelenk, aber deshalb konnte die Dame doch einer feinen Familie angehören. Denn, hatte sie nicht hinter dem Rücken ihrer Mutter, mit wildpochendem Herz und vor Erregung zitternder Hand geschrieben? Bon, wir gehen zum Rendez-vous. .Also. Ehrhard. Euer Dienstmädichen," hieß es auf der Straße, als man zum Mittagessen ging. .Nee, nee, es ist genug, daß sie den Brief geschrieben, das heißt: von meinem Concept abgeschrieben hat. Ich komme selbst. Das gibt einen Hauptulk." .Aber pünktlich sein!" .Selbstverständlich. Ich hole Dich um Acht ab. Mahlzeit!" Abends um acht Uhr. als es dunkelte, schritt durch die Wielandstraße eine dicht verschleierte Dame die Hände auf den Rücken gelegt mit großen Männerschritten. Vor einem Hause blieb sie stehen, blickte in die Höhe und stieß einen lauten Pfiff aus. Als sich oben nichts rührte, klatschte sie einige Male rn die Hände. Oben wurde ein Fenster geöffnet. .Ach, Du bist's! Einen Augenblick! Ich komme gleich!" Das Fenster ward geschlossen, und das Licht erlosch. Auf die rechte Schulter der Dame legte sich eine schwere Hand. Die Dame fuhr herum hinter ihr stand ein Schutzmann. .Folgen Sie mir zur Wache! Was fällt Ihnen ein. solchen Unsug zu treiben! Ihr Frauenzimmer werdet immer frecher." .Aber ich bin ja gar nicht, was Sie denken. Ich bin ja ein Mann!" .Machen Sie keine faulen Witze." .Ich bin der Maler Ehrhard." .Ich will Ihnen schon 'was malen." .Auf Ehre!" Quatsch! Folgen Sie mir zur Wache!" Der Schutzmann faßte sie fest am Arme, da trat aus dem Hause ein junger Maler. .Du. schnell." rief die Dame, .wer bin ich?' .Dev Landschaftsmaler E.zrhard." .Na, da hören Sie's, Herr Wachtmeiste?." .Wozu aber diese Verkleidung, he?" .Ein Witz." .Schöner Witz das!" .Eine Wette." .Machen Sie, daß Sie nach Hause kommen, sonst muß ich Sie arretiren." Ehrhard seufzte. .Dann bleibt uns nichts Anderes übrig, als Ihrem Befehle zu gehorchen. Aber hart sind Sie, Herr Wachtmeister, sehr hart." .Ach was.. ." .Einer so hübschen Dame gegenüber." flötete Ehrhard. .Verulken wollen Sie mich auch noch?" donnerte der Schutzmann. .Nee, nee, ich gehe ja schon. Komm. Heinz, reiche mir den Arm, wie Du es einer Dame von meiner Distinction schuldig bist." Arm in Arm und die Arie: .Reich mir. die Hand, mein Leben", pfeifend, trollte das Pärchen ab. Es war selbstverständlich, daß die Beiden, nachdem sie hinter der nächsten Straßenecke verschwunden waren, nicht nach Hause gingen, sondern auf ei nem anderen Wege dem Park zustrebten. Mitten im Park liegt eine alte, verfallene Burg. Im Schatten dieser Ruine befindet sich eine Bank, zum Minnen und Renoez-vouS-Abhalten dorfrefflich geeignet. Zu beiden Setten der Bank ziehen sich bis an die verwitterte Burgmauer dichte Gebüsche hin. Hinter diesen Gebüschen kauerten vier Jünglinge. Die Rockkragen hochgeschlagen, die Hüte tief in die Stirn gezogen, so warteten sie der Dinge, die da kommen sollten wie Schauspieler, die ihres StichWortes harren, um auf die Bühne zu stürzen. Einige hundert Schritte von der Ruine entfernt machte das Pärchen Halt. ' .'s ist besser. Heinz." flüsterte Ehrhard, .-Du verkrümelst Dich hier, für den Fall, daß mein liebegirrender Ritter schon anwesend ist. Nun scj

bedankt, mein lieber Schwan. My Gott, wie pocht mein jungfräuliches Herzchen!" Heinz tauchte in die Büsche, und Ehrhard schritt bis an die Bank. Er zog den Schleier fester, ließ sich nieder und hustete leife. Aus den Büschen antwortete ein Hüsteln. .Na, meine Knappen sind zur Stelle. Dann man zu. Samiel erscheine!" Als hätte dieser Zauberspruch gewirkt, näherte sich der Bank ein Herr der Maler Schulze. Eilig trippelten feine kurzen Beine über den knirschenden Kies. .Mein gnädiges Fräulein" er zog tief den Hut .mein hochverehrtes Fräulein, gestatten Sie, daß ich neben Ihnen Platz nehme?" .Bitte." flüsterte die Dame hinter ihrem Schleier hervor. ?0a ... Fräulein Jda, Sie haben mich durch Ihren Brief zum Glücklichsten der Sterblichen gemacht." Er rückte näher an die Dame heran, bekam aber einen Rippenstoß, so daß er bis an das Ende der Bank zurückrutschte. Er sah die Dame verwundert an und meinte: .Aber Jda, warum spielen Sie die Schüchterne?" .Ich spiele nicht," ertönte es im Flüsterlaut. .Sie lieben mich, nicht wahr, Sie lieben mich?" .Ach ja." .Ich liebe Sie auch, Jda... ich liebe Sie mit der vollen Gluth mei nes unentweihten Herzens... ich liebe Sie. bevor ich Ihr süßes Gesicht gesehen habe. Ach, enthüllen Sie mir Ihr süßes Gesicht, ziehen Sie den garstigen Schleier weg." Er rückte wieder näher und bekam wieder einen Rippenstoß. Doch diefes Mal ließ er sich nicht abschrecken und faßte die Hand seiner Jda. Es fiel ihm auf, daß es eine große, kräftige Hand war. Aber er dachte nichts Arges. .Sie sehen mich jeden Tag, Jda, wenn ich nach der Kunstschule gehe?" Ja." iDarf ich Sie 'mal besuchen?" .Ach nein." .Aber warum nicht?" .Meine Mutter..." .Ach. hegt sie auch gegen die Ma' ein ungünstiges Vorurtheil?" .Ach ja." .Aber Sie nicht, Jda?" .Nein." .Sie lieben mich, Jda?" .Ja." Schulze wurde dreister und legte einen Arm um die Schulter seiner Jda. Die empfindsame Dame sprang mit einem leisen Schrei des Schreckes auf. Auch Schulze erhob sich. .Jda." . bat ..- '.meine Geliebte, mein holdes Mädchen, gib mir einen Kuß." .Ach nein."Aber Schulze wurde stürmisch und wollte Jda umarmen. Da bekam er einen Nippenstoß, daß er rücklings zu Boden fiel, und .Hilfe, Hilfe" schrie die Dame, die bisher nur geflüstert hatte, mit einer seltsam kräftigen und männlichen Stimme. .Aber Jda," bat Schulze, da sprangen aus dem Gebüsch fünf Männer hervor, umtollten ihn, indem sie ein schauriges Geheul ausstießen, wie Indianer auf dem Kriegspfad einer trieb ihm den Hut ein. und wie die wilde Jagd eilten sie von dannen. Auch Jda schloß sich ihnen an. am Laufen allerdings gehemmt durch das lange schleppende Kleid. Schulze, der noch immer auf dem Kieswege saß und erschrocken und verdutzt der wilden Jagd nachschaute, hörte feine Jda rufen: .Der verdammte Kittel" und f die Stimme, eine rauhe mannlicheStimme kam ihm bekannt vor. Er sah. wie Jda das Kleid emporraffte und in großen Sätzen, die er nun und nimmermehr einer Dame zugetraut hätte, davon sprang. An der Biegung des Weges blieb einer der fünf Männer stehen und rief zurück: .Guten Abend, Herr Schulze, das war für die .Qualmtute". Viel Vergnügen!" Acht Tage lang kam Schulze nicht in's Atelier. Als er wiederkam, knurrte er 'N Morgens sprach aber sonst kein Wort mit seinen Collegen. Das ist der traurige Schluß der lustigen Geschichte.

Das Plaidoyer d,r Mutter. Vor dem Strafrichter des Hernalser Bezirksgerichtes tritt eine behäbige ältere Frau, an der Hand ihren Sohn, einen jungen Burschen, führend. Richter : Was wünschen Sie. liebe Frau? Frau: I bin d' Muatta von mein' Buam' da. Richter : Ihr Bub' hat aber da schöne Dummheiten gemacht. Frau : Seg'n S', kaiserlicher Herr Rath, der Bua is a no jung und dumm, aber schlecht iS er nöt. Richter: Er hat mit mehreren Jungen auf der Straße um Geld gespielt und als ein Wachtmann um seinen Namen fragte, da gab er einen falschen an. Frau: Wissen S', Herr Rath, der Bua i5 halt verleg 'n word'n. hat g 'stottert und da hat er.si' beim Reden verhaspelt. Richter: Meinen Sie ? grau: Na türli'! Und dann is ja der Unterschied wischen Baer und Rottenmayer a nöt so groß, daß m'r da Nam' nit verhör' kunnt. Richter: Ter Unterschied ist wirklich .nicht so bedeutend!" Warum bat er daö gethan? Frau: I kann 'S Jhner ja sag'n. Ter Bua hat a so an ttrenaen Vätern un wia der nur das Geringste von dera Dummheit g'hört hatt', war .'s um den Buam g jcheg'n g'wesen ! Richter : So arg wird'S denn doch nicht sein. Frau: A ja! Sö kennan balt mein' Mann nöt ! Und

auS lauter Angst, daß sein Vater nlx crfayrt, hat er an falschen Namen g'sagt. Und dann no was! Ter Bua hat die richtige Adres' angeb'n da seg'n S' do, daß er a dummer Buais! Richter : Erziehen Sie nur Ihren Buben gut und gehen Sie nun mit ihm nach Hause. Frau: I küss' d' Hand! Und ihren Buben an der Hand nch' mend, verließ die über den Erfolg ihres PlaidoyerZ überglückliche Mutter den Gerichtssaal. - Sie Nacht des Polizeilommissarö.

Eine Skandalgeschichte unsauberster Art, die in ganz Belgien das größte Aufsehen erregt, spielt stch gegenwärtig in Antwerpen in ihrem letzten Theile vor dem Zuchtpolizeigerichte ab. Der Hauptheld dieser Geschichte ist der Polizeicommissar Voets, ein verheiratheter Mann, der stch durch die schönen Augen der 35jährigen Näherin. Emilie Bommels so sehr bethören ließ, daß er sie zu seiner Geliebten erkor und ihr ein wöchentlicbes Gehalt von 20Francs aussetzte. Nun hatte aber Fräulein Bommels neben ihren vielen Tugenden oder Vorzügen auch einen Fehler, und zwar einen sehr bedenklichen: ste wußte nicht, was Treue ist. Nicht allein von Herrn Voets empfing sie regelmäßig Besuche, sondern auch von zahlreichen anderen Herren, und unter diesen anderen erfreute stch vor Allem ein junger Nüsse Namens Gurewiisch. ein Kommis seines Zeichens, einer besonderen Auszeichnung von Seiten des vielgeliebten Mädchens. - Das wurde eines Tages Herrn VoetS überbracht, und da entstand in ihm ein grimmiger Haß gegen den glücklichen Nebenbuhler, ein Haß. dem der Herr Kommissär schließlich auf folgende Weise Luft machte: In einem Rapporte, den r an seine vorgesetzte Behörde über Gurewitsch absandte, bezeichnete er den Letzteren als kinen gewerbsmäßigen Glücksspieler und als einen Zuhälter, und die Folge hiervon war die, daß Gurewitsch einen Ausweisungsbefehl erhielt, der jedoch. Wie es scheint, auf Betreiben des rufstschen Konsuls wieder rückgängig gemacht wurde. Herr Gurewitsch. der von einer wohlhabenden russischen Familie stammt und außerdem in seiner Stellung als Kommiß ein jährliches Gehalt von 3000 Francs bezog, war natürlich auf's höchste entrüstet, als er hörte, wessen der Kommissär ihn beschuldigt hatte, und er drehte nunmehr den Spieß um und verklagte Herrn Voets wegenl des wissentlich falschen RapPortes, was denn des Weiteren zur Folge hatte, daß die ganze saubereAngelegenheit mit all ihren widerlichen, mitunter kaum glaublichen Details vor das Gericht und damit in die Oeffentlichkeit gelangte. So stellte es sich z. B. während des Processes heraus, daß HerrVoets seine Untergebenen damit beauftragte, an seine Geliebte Bommels Liebesbriefe zu bringen, was den betreffenden Polizeiagenten in der Sitzung einen scharfen Rüffel von Seiten des Staatsanwalts eintrug. Ferner wurde constatirt, daß an einem Morgen zuweilen sechs und noch mehr Herren Fräulein Bommels besuchten, was indessen den verheirathetel Polizeicommissär nicht abhielt, das zärtliche Verhältniß zwischen ihm und jener auch weiterhin fortbestehen zu lassen. 5&m Zeugen, in dessen Hause die Bommels wohnte, sagte der Staatsanwalt in's Gesicht, er sei eine traurige Persönlichkeit, daß er eine solche Person, eine Prostituirte, in seinem Hause geduldet hätte, und einem anderen Zeugen, einem Untergedenen des Herrn Voets. mußte der Erstere vorhalten, daß stire Aussage nit derjenigen eines seiner Collegen in direktem Widerspruch stände, so daß also einer der beiden Beamten unbedingt gelogen haben müsse. Die Verhandlung endete mit der Verurtheilung deS Angeklagten zu sechs Monaten Gefängniß und 2000 Francs Strafe. t5in, Urenkelin Gluck'S alö Diebin. Nichts, in einer Gerichtssitzung hinterläßt einen seltsameren Nachgeschmack, als wenn man plötzlich berühmte Namen aufrufen hört, die durch entartete Abkömmlinge herabgewürdigt worden. Vor einigen Tagen konnte man hier vor dem Correctionstribunal in Paris von der schrillCi Stimme des diensthabenden Beamten Folgendes aufrufen hören: Zur Sache der Marie Cecile Gluck!" Es handelt sich wirklich um Niemand Geringeren, als die Urenkelin des unsterblichen Componisien der Zphigenieß der Armida- und des pheus". Die Aermfle ist 26 Jahre alt. Aus Luxemburg stammend, hat sie in Frankreich das LehrerinnenDiplom erworben und solange dies anging, den Beruf einer Lehrerin ausgeübt. Dann, als es ihr an Schülerinnen fehlte, verfiel sie in tiefste Noth. Die Frau eines Concierge von der Avenue Thorigny war es die Conciergcs hatten von jeher Verständniß für Musik, da das Conservatorium zumeist die Versorgung für ihre Töchter bildet die die unglückliche Descendentin des berühmten Meisters bei sich aufnahm. Madame Porte wurde für ihren gastlichen Sinn ein schlechter Lohn zutheu: die junge Dame stahl ihr ein Jaquet. Dies die Ursachen des Processes. Aber es gibt Umstände, bei denen selbst eine Conciergeseele über das gewöhnliche Niveau hinauswächst: Mme. Porte war, sehr nobler Weise, nur deswegen zum Termin gekommen, um zu erklären, daß sie ihre Klage Jn Anbetracht der Familie drs großen Musikers" zurückzöge. Das Gericht verurtheilte nichtsdestowenlger die Cecile Gluck zu zwei Monaten Gefängniß.

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