Indiana Tribüne, Volume 18, Number 295, Indianapolis, Marion County, 14 July 1895 — Page 7
Briefe auS Deutschland. Bon Wilh. Kaufmann. Berlin, Mitte JiraL Gibt t e.!was Schöneres in der Na ixn, als den deutschen Frühling? Nachdem ich das Glück gchzbt habe, soeben zweimal innerhalb eines Monats den deutschen Lmz kennen zu lernen und gründlich durchzukosten, möchte ich die Frage verneinen. Zwar das Erwachen der Erde ist überall schön und nicht zum Wenigsten in den Ver. Staaten, aber wohl nur der Landbetvohner hat den rechten Genuß davon. Der Bewohuer der westlichen Riesen fftädt kommt nie in die rechte Stirn mung. um d:e Pracht der Töne, Düfte und Farben, welche ter Lenz mit sich bringt, nr sich aufzunehmen. Es ist so weit bis in die Parks und noch viel weiter b& an's blühende Ende dkser Riesenstädte. Und dann ist der Robin noch lange keine Nachtigall. Selbst in dem Häusermeer Berlins siolpert man förmlich über den Frühling. Ileberall grünePlätze, wenn man etwas seitlich der Hauptverkehrsadern sich bewegte. Kastanien- und LindenAlleen in herrlichster Blüthenpracht. Wo nur ein Baum oder ein Strauch fortzukommen vermag, da hat eine weise Stadtverwaltung auch dafür ge sorgt, daß er vorhanden ist, blühen, grünen und gedeihen und Äuge und Herz erfreuen kann. Und dort, wo man nichts Grünes dem Boden entlocken taun, mitten im Lärmen, Stampfen und Tosen des Weltstadtverkehrs., drängte sich der Frühling ebenfalls vor. Ueberall Blumen an den Fenstern, auch in solchen Häusern, welche Geschäftszwecken dienen. Offenbar freut sich die Berliner Bevölkerung Frühlings -und öffnet ihm die Pforten, wo es nur irgend angeht. Ich weiß nicht, wie sie es nur machen, daß sie hier alle die herrlichen Bäume in den Siraßen er'halten, z?bschon der Regen durch das Asphaltpslaster noch weniger in den Erdboden einzudringen vermag, als drüben bei noch theilweise ungepflasterten Straßen. Sollte es der Rauchschalen allein sein, welcher die Bäume in den amerikanischen Straßen so rasch welken laßt? Oder trägt die sorgsame Entfernung des todten Holzes so überaus viel dazu bei. um die Bäume in ixn öfsentlichen: Straßen Berlins zu f solcher Blüthenpracht und Schattendecke zu bringen? Man braucht nämlich gar nicht in den herrlichen Thiergarten zu Hehen. -ein der aufquellenden FrühIingspracht kund zu werden. So viele der Straßen in den neuen Stadttheilen Berlins sind mit dem prächtigsten Raumschmuck ausgestattet. Von einem fcer Hauptcentren des Berliner VerZehrs, von der Potsdamer Brücke aus. kann man in den Straßen stundenlang im Schatten gehen, ohne auf einen einzigen kranken oder verkrüppelten Baum zu stoßen. Das Recept für einen solchen Sttaßenschmuck möchte ich gerne für die amerikanischen Städte borgen, doch fürchte ich. dsj dessen Anwendung -an dem schlimmsten Feinde der westlichen Großstädte, an dem Kohlenruß nämlich, einen unbesiegbaien Gegner finden wird. Uebrigens bemerkt -man den Berliner Frühling auch, wenn man die Rase gar nicht aus dem Fenster hinaus steckt. Kein Morgen im Mai Derging, ohne daß singende Kinderschaaren .nicht an meinem Quartier vorübergezogen wä?en. Alle Schulen Dernnstalten hier Ausflüge a den schönen Maimorgen. Knaben niri? Mädchen, selbstverständlich in Klassen getrennt (und nicht bunt -durcheinander wie ?s die unbegreifliche Thorheit der die amerikanische Volksschule beherrschenden School--ma'm" huden will), durchziehen singend die Strafen, die Mützen bekränzt mit grünem Laub, das sich die .Kinder in den Vorarten geholt haben. So mar--schiren sie dem Thiergarten -zu, welcher itto Stelldichein oJkx dieser Klassen -bildet. Wohl kein Park der Wett Ist so in vollem Sinn? des Wortes ein Volksgarten, ein 'Erholungsplatz sür die Massen, wie es der Berliner Thiergarüen ist. Er verdankt seine Exfftenz dem Vrandenburger Chnrsürsten Joachim II., der ein großer Jäger nox dem Herrn war und als solcher dn' Laune -hatte, in nächster Nähe seines Hoslagers Äen? Freuden der Jagd ' zu stöhnen. Er hat sich dirmals um 1527 den großen Forst abtreten lassen und dort Hauptsächlich Hetzen auf Bären und Auerochsen tiranstalttt Aber der Laune eines anderen Brandenburgers, deö Soldatenkonigs Friedrich Wilhelm wäre der herrliche Forst zweihundert Jare später beinahe zum Opfer gefallen. Der Schöpfer der Riesengarde brauchte Geld, und so wollte er den Forst, niederschlagen lassen und tos r.-f- , i 7 . rui:: n: jl . :r. .
jjaij Tcciaujn . iuaiiaiiociC irurcc dieser Beschluß nar zu einem keinen . Theile ausgeführt und Berlin hat sein schönste Schmuckstück behalten. Dann kam der alte Fritz, und zu dessen wenig .bekannten Friedensthaten - grho'rt 'es such, daß er den Thiergarten in einen Park v?rnndelte und seinen, getreuen Berlinern zur Benutzung überließ. Jetzt hat die Stadt den herrlichen Forst vollständig -umklammert, derart, daß derselbe für die Masse der Bevölkerung -rech zugänglicher geworden ist, als der Central Park für d New Yorker. Berlin hat sich während der letzten 25 Jahre fast in ganz ähnlicher Weise eniwickelt, wie Chicago, aber der Thiergarten ist geblieben, wie er vor hundert .Jabren war. derselbe dichte Wald, ins welchem die At des Holzfällers nu? dann angewendet wird, wenn es sich -um die Entfernung eines hoffnungslos v:rlruppelten Baumes handelt. Die 'ehemalige Umzäunung ist längst derschwunden, von den Thieren", welchen der Park seinen? Namen verdankt, sind rtl Vierfüßles nur die schmucken Eich.' V
kätzchen geblieben, desto bequemer haben e5 sich aber die Gefiederten" hier gemacht. Amsel. Drossel, Fink und Staar, dazu Nachtigall und Kuckuck und natürlich auch der Proletarier Spatz, haben ihr Hauptquartier hier aufgeschlaaen. - Hier sind sie sicher vor allen Nachstellungen, werden ganz zahm und walten ihres Amtes als freiwillige Concertqeber nach besten Kräften. Im Interesse des Verkehrs, hat man in den Hauptalleen Straßenbahnen angelegt, einige der schönsten Denkmäler der Residenz. das der Königin Louise. Göthes und Lessings (sämmtlich in weißem Marmor ausgeführt), beleben jent den Wald, auch bat man od-ere Stellen durch kleine Seen und Wasserläufe. durch Waldwiesen und Blumenrabatten erfetzt und so das Gesammtbild dieses Parks zu einem ungemein löblichen nd abwechslungsreichen gestaltet. Es oibt Reitvfade und FahriraKen in aröerer Anzahl, aber man braucht noch keine zen Schritte, in s?n Park gethan zu b.iben. ohne den Eindruck zu gewinnen, daß der Ibur warten in erster Beziehung für den erholungs bedürftigen Fußgänger vorHanden ist. Zahllos sind die buschigen Pfade, welche, sich untereinander verschlingend, den Thiergarten nach allen Richtungen hin durchziehen. Die Orientirung auf diesen Pfaden ist ungemein schwierig, und es ist mir noch nicht gelungen, mich darin zurecht zu finden obschon ich zu den täglichen Gästen dort gehöre. Das Verirren ist natürlich ganz harmlos. Hält man sich zehn oder zwölf Minuten in einer bestimmten Richtung, so kommt man 'an einer belebten Straße leicht aus dem Wirrsal heraus. Der Thiergarten ist das Paradies der Berliner Kinder. Vom frühen Morgen bis zum Dunkelwerden trifft man hier den jungen Nachwuchs in hel len Schaaren an. Es sind ihnen bestimmte Plätze angewiesen, wo sie sich im Schatten der dicken Baume gründlich austoben und sich genau so benehmen können, als wären sie auf dem Lande. Für die GesundbkitsverhältNisse der Weltstadt ist diese Einrichtung von höchster Bedeutung. Würden sich doch die amerikanischen Parkbehörden den Berliner Thiergarten als Muster sü? ihre Anlagen nehmen. Freilich laßt sich die unvergleichliche Lage des Berliner Parks, im Herzen der Großstadt, cn anderen Orten nicht wiederholen und die hundertjährigen, Bäume sind rst recht, nicht zu. beschaffen, trotzdem glaub: ich, daß die amerikanischen Parkbehorden von der Thierzartenverwaltung viel Nützliches und Praktisches lernen könnten. Vor allen Dingen das Grundprincip: daß ein Park nicht nur für die Reichen da ist, sondern ein Erholungsplatz für alle Schichten der Bevölkerung sein soll. Nirgends bedarf man der Parks mehr, als in den Riesenstädten Amerikas und nirgends geschieht weniger, um die vorhandenen Parks je auszugestalten, daß sie dem eigentlichen Zwecke der Volks gärten entsprechen. Die ParkS werden in Amerika viel zu einseitig den Wünschen und Bequemlichkeiten der begüterten Klassen angepaßt. Sie bieten Herrliche Boulevards und prächtige, wenn auch meistens sehr sonnige Fahrftraßen. aber es wird zu wenig in Betracht gezogen, daß die Parks doch in erste? Linie für DieZenigen angelegt .werden sollten, welche aus Schusters Rappen angewiesen sind. Sie dürfen erstens nicht zu. klein sein, denn dann bilden sie nur Durchgangsplätze für den Verkehr und Gelegenheiten zum Stelldichein für anrüchige Elemente. Die vielen kleinen Parks, welche z. B. Philadelphia aufzuweisen hat, und von de nen die meisten kaum mehr als zwei Blocks bedecken, könnten ebenso gut bebant werden, wenn das durch den. Ver!aus des Terrains erlangte Geld zum Erwerb größerer Parkanlagen verwendet würde. Was man in den amerikaNischen Großstädten braucht, sind schattige. größere Volksparks mit mög lichst wenigen Fahrstraßen, aber desto mehr Ruhebänken und Kindersp!Plätzen. Die Beschaffung solcher Parks bedarf bei denFortschritten. welche man in der Verpflanzung größerer Baume gemacht hat. durchaus nicht einer so außerordentlich langen Zeit. Innerhalb zehn Jahren läßt sich auf diesem Gebiete schon recht Tüchtiges leisten, und mit jedem Jahre wird der Schatz köstlicher, welchen wir derNachwelt hinterlassen. Aber freilich, so lange bei den amerikanischen Parkbehörden der Mensch erst bei dem Buggybesitzer anfängt und so lange die gegenwärtig drüben grassinmde Boulevardsucht anhält, rft wenig für die Zukunft zu hoffen. In der Einleitung erwähnte ich, daß ich in diesem Jahre das Glück gehabt hätte, zweimal den deutschen Lenz zu genießen. Das kam so. Ich wurde in in hochgelegenes Gebirgsthal des südlichen Schlesiens verschlagen, dort wo 'die Wölfel am Fuße des großenSchneebergs entspringt. Js jener Gegend sehrt der Frühling is seiner vollen Pracht drei bis vier Wochen später ein, als auf dem flachen Lande, und als ich gegen Ende des Maimons einen kranken Freund dort oben besuchte, da umlachte mich zum zweiten Male das süße Geheimniß d-e? wiedererstandenen' Natur. Die ersten rothen Tupfen der Apfelblüthen leuchteten aus dein zarten Grün hervor, die Eichen hatten soeben ihr erstes hcllschimmerndes Gewand angelegt und an den düsteren Tannen, die den Hauptschmuck der schroffen Iebirgsabhange bilden, sproßten die saftigen Ketme hervor. Im Thale blühender Flieder und das weißschimmernde Meer der Kirschengärten. dazwischen die terrassenförmig aufgebauten Bouqueimassen, mit welchen die Kastanie um diese Zeit sich schmückt. Schaudernd las ich dort, inmitten die-
ser' späten Frühlings Pracht, daß in New Fork in jenen 'Tagen das Thermometer über 100 Grad Fahrenheit gezeigt hatte und daß dort an hundert arme Menschen dem Sonnenstich zum Opfer gefallen waren. Dort oben im Gebirge, in Wölfelsgründ, lernte ich eine merkwürdigeHeilanstalt kennen, in welcher sich übrigens auch kerngesunden. Menschen ein angenehmer Aufenthalt bot. Es war eine Anstalt, welche den allerdings verdachtigen Namen Sanatorium führte und welche bis auf den letzten Platz von Gästen gefüllt war. Das Sanatorium entpuppte sich als ein Ding halb Hotel und halb Lazareth. aber ohne die Schrecken beider Bezeichnungen. Weder die öde Langeweile des Hotellebens. noch der traurig stimmende Anblick des Krankenhauses bot sich hier dar. Im Gegentheil, die Gäste schienen dort ein trauliches, gemüthliches Heim zu finden, bildeten bald eine große Familie, und in den Abendstunden wurde flott musicirt. Dic meisten Gäste wollten die letzten Reste der tückischen Influenza hier verjagen, dann waren einige steinalte Herren dort, welche vom Jungbrunnen Natur zu profitiren gedachten, und eine größere Anzahl schwächlicher junger Damen. Die eine derselben hatte sich die Gesundheit am Klavier verdorben, die zweite hatte zu viel getanzt, die dritte war bleichsüchtig, die vierte brustkrank u. f. w. Die Kur. welche alle diese Patienten durchzumachen hatten, , war eine höchst einfache. Vor Allem bestand sie aus Milchtrinken, fünf bis sechs , Glas frische Kuhmilch per Tag. dazu kalte oder warme Bäder, Massage und Abreibungen, Schlafen. Spazierengehen in den Herrlichen Tannenwäldern und sehr viel, oder vielmehr sehr oft essen. Fünf mal während des Tages läutete die Glocke, welche die Gaste zur Tafel rief. Den Speisen merkte man es an, daß der Vorsteher, welcher selbstverständlich ein erfahrener Arzt ist, 'hauptsächlich durch die Küche be! seinen Kranken zu wirken sucht. Die Kost war mehr als überreichlich, dabei einfach und äußerst schmackhaft. Und der Kostenpunkt: Vier Mark, also einen Dollar per Tag. für die Kost, einschließlich ärztlicher VeHandlung, dazu 20 Mark. sünsDollars. per Woche Zimmermiethe. Nebenausgaben waren unbedeutend, da man in diesem weltverlassenen Thale so gut wie vollständig auf das Sanatorium angewiesen ist. Jeden Freitag war Wiegetag, um die Zunahme des GeWichts derPatienten genau festzustellen; eine Abnahme des Gewichts kam bei einer derartigen Lebensweise so gut wie gar nicht vor. Zu den Accomodationen des Sanatoriums gehörten die nur für die Gäste eingerichteten SpazierPfade, welche mit ganz geringer Steigung in die umliegenden Berge führen. Durch diese ohne jede Anstrengung zu bewerkstelligende Bewegung, bei guter, zweckentsprechende? Kost, verbunden mit einer nach vernünftigen Grundsätzen betriebenen Wasserkur, erzielt der Wölfelsgrunder Arzt wirklich schone Erfolge bei seinen Patienten. Der Tannenwald spielt bei seinen Recepten die
Hauptroll le.' Der verschluckte Römer. Das Hauö des. dänischen KünstlerPaares Jerichau war in den-sechziger und Anfangs der siebziger Jahre ein geradezu einziger Sammelplatz für Alles, was Kopenhagen an Geist und Talent einschloß.' Trotzdem der geniale Bildhauer und die ebenso geniale Malerin !n verschiedenen Hinsichten als Eheleute weniger gut für einander paß ten in einem Punkte waren sie jedoch Beide einig, nämlich: Ein herzliches Willkommen unseren Gästen! Eines Abends, bevor das Künstlerpaar nach Italien reisen wollte, hatte Frau Jerichau Einladungen zu einer Soiree in großartigem Maßstabe auSgesandt. Sowohl die ganze geräumige Wohnung wie auch das Atelier waren geftopst voll Menschen, Herren und Damen in buntem Durcheinander. Die Zeit verstrich und die Conversation floß dahin, nur Eines verwunderte die Gäste, nämlich: daß der Wirth sich nicht blicken ließ. Endlich, gerade als man zu Tisch gehen wollte, kam Herr Jerichau. Er trat herein in seiner Arbeitsbloufe. die Mütze auf dem Kopfe, blieb aber plötzlich mit einem unbeschreiblichen Ausdruck des Staunens im Gesicht mitten in der Thür stehen. Was in aller Welt geht doch hie? vor?" frug er die ihm zunächst Stehenden. Eine kleine Abschieds feier." antwortete der Romanschriftsteller Thomas Lange. Was für eine Abschiedsfeier?" Eine Abschiedsfeier, die Sie und Frau Gemahlin doch Jhren Freunden und Bekannten veranstaltet haben, bevor Sie reisen!" Der Wirth- hatte nicht das Geringste von der ganzen Gesellschaft gewußt und zog sich brummend zurück, um sich entsprechend umzukleiden. Sie hatte mir doch eine Silbe davon sagen sollen!" . murmelte er im .Davongehen. Kurz nachher, wurde zu Tisch gerufen. Doch darf man .ja nicht glauben, daß es emen Sitzplatz gegeben hätte? Frau Jerichau's Haus war gewiß groß, aber ihr Herz war noo) größer und sie machte keinen Unterschied zwischen ihren Gästen, keiner sollte einen Vorzug vor den anderen haben. Rings umher standen Tische mit Eßwaaren im Ueberfluß und einer Unzahl Flaschen der edelsten Weine, doch jeder sollte einen Teller nehmen und stehend für die Befriedigung seines Gaumens sorgen. So vereinigte man sich denn zu kleinen Gruppen, lachte und unterhielt sich mireinander, kurz, AlleS war Leben, und frohe Laune. Speisen in Hülle und Fülle, Wein in Menge, aber o weh! es fehlten die Gläser, woraus man das Loldige Naß hätte schlürfen
können. In dem Zimmer wenigstens.
wo ich mich befand, gav es lern ernztgks. Wir standen rathlos. sahen einander an und die Maschen. Da sagte der satirische Dichter Kaalund: Ich habe es gesunden: Damit nahm er eine antlke ltalienische Graburne, die aus einem Eonsol stand, wischte sie ab und schenkte Wein darein. Mit einem triumphirenden Prosit!" trank er vor und wir beeilten uns, seinem Beispiel zu folgen. - . Kurze Zeit darnach kam Anoerjen, mit seinem aewöbnlichen. schwankenden Ganz, der viel an den eines halberwachsenen Pudels erinnerte, gerade aus uns zugesteuert. Man kann ja hier gar nichts zu trinken bekommen, es ist nirgends auch nur eine Spur von Glas." sagte er mit dem verhätschelt - irritirten Tonfall seiner Stimme, den er immer anzuschlagen pflegte, wenn ihm etwas quer ging und er sich vernachlässigt glaubte. Wollen der Herr Geheimrath nicht hiervon trinken?" frug Thomas Lange und reichte ihm die Urne. Kann man denn das?" replicirte verwundert Andersen. Gewiß! Das geht brillant! Man braucht ja nicht gerade bis zum Rande zu füllen." - Andersen bediente sich mit etwas leichtem Landwein und leerte den Inhalt der Urne mit einem einzigen, langen Zuge. Da stieg der Uebermuih in Kaalund auf; er hätte sich nicht halten können, und wenn es sein Leben gekostet hatte. Aber Gott behüte. Herr Geheimrath, Sie haben doch den Staub ausgeschüttet, bevor Sie tranken?" brach er aus. Was für Staub?" frug Andersen verwirrt. Nun, den Staub da aus der römischen Graburne!" Ich weiß nicht warum sollte Staub darin sein? Ich habe nichts ausgeschüttet!" ' Aber das ist ja rein zum Schaudern," fuhr Kaalund fort, es ist jaeine echte Graburne mit der Asche eines Menschen! Jetzt hat der Herr Geheimrath einen veritablen alten Römer ganz und gar verschluckt!." Andersen wurde leichenblaß und fiel in Ohnmacht. Ich als der Jüngste lief nach Wasser, als ich wieder zurückkam, saß der Dichter mit geschlossenen Augen in einem Stuhl. Hinter ihm standen die Anderen und wollten beinahe bersten vor Lachen. Instinkt oder Verstand 7 Ein Abenteuer in meiner Eigenschaft als Zauberkünstler, wie ich selbst weder vorher noch nachher eines erlebt?, will ich Ihnen doch zum Besten geben. Auf einem Jahrmarkt stand meine Bude direct neben einer Menagerie nur durch gespannte Tücher von einander getrennt. Ein Gitterkäfig mit einer Riesen - Boa Constrictor stand in nächster Nähe meines Arbeitstisches, auf welchem ich meine Produktionen ausübte. Gab ich nun eines meiner Hauptkunststiicke zum Besten, welches darin bestand, daß ich ein paar Lapins aus meinem Cylinder hervorzauberte, so sah ich oft zwischen einer zurückgeschobenen Zwischenwand die Augen der Schlange mit lüsternerBegierde stechend auf mich gerichtet. Eines Äbends wer beschreibt mein Entsetzen! sehe ich nach Geschäftsschluß, wie die Boa ihrem Käsig entrönnen war und, vor mir liegend, sich anschickte, sich an mir aufzurichten. Hilfe war keine in der Nähe so galt es. sich selbst zu retten. Rasch griff ich nach meinen Lapins und bot sie der entsetzlichen Schlange an doch, oh weh, vergebens! Mit einem Ruck ihreK Oberkörpers schleudert te die Thiere von sich und umschlingt mich mit ihren Windungen höher und höher. Ich glaubte an mein Ende. Schon überragt sie mich da suhle ich mit einem Male, wie mir der Cylinder ganz sanft vom Kopfe genom men, wird und wie sich die Windungen der Schlange von meinem Körper lösen. Und was sehe ich nun? Meinen Cylinder im Rachen, schlüpft sie selbst wieder in ihren Kasten, sich und ihren Raub in Sicherheit bringend. Das kluge Thier hatte die Hasen verschmäht und sich in den Besitz der Quelle gesetzt, die . sie nach ihrer Anschauung für unerschöpflich halten mußte. DurchdieBlume. Sagen Sie, haben Sie besondere Zeiten, in denen Sie besser schreiben können alö zu ' andern?" Redacteur: O ja!" Freund: , Da dachte ich mir, sagen Sie wann, können Sie am besten schreiben?- ' Redacteur: Wenn ; ich allein bin!" ' ' E ntgege kommend. Fremder (in einer kleinen Universitätsstadt): Sie vertilgen aber täglich ganz unheimliche Quantitäten Bier." Stu. dent: Das ist Tradition." Fremder: Dann 'sollten Sie doch mit ihre bre chen!" Student: Zuweilen kommt da euck vor!Wie er's kennt. Lehrer: Getreide ist eins der Hauptnahrungs Mittel der Menschen; Müller, kannst Du mir einige Getreidearten nennen, die. in irgend einer Form, täglich vierbis. fünfmal genossen werden ?"-.'Müller:. Ja, Nordhäuser Korn und Getreidekümmel! " . Unter Schauspielern. Liebhaber (die Erfolge seiner Gastspiele erzählend): . auf den Händen haben sie mich getragen!'? Tragöde : Aber nur bis zur, Thür!". . , . Neue Bezeichnung. . Herr (der einer jungenFrau vorgestellt ist): Sind Sie schon lange verheirathet. gnädige Frau?- Nein wir befinden uns eben auf der Hochzeitsreise." Ah. also noch Flitterwöchnerin!"
Verdachtsmomente. .
-mmmm . Von Jak. Lippmann. Frau Toni Werner weilte seit 14 Tagen zu? Stärkung ihrer Nerven in dem Gebirgsdorfe St. Wendel. Ueber ihr Befinden und dic spärlichen Neuig leiten, die sich in dieser weltabgelegenen . Sommerfrische" ereigneten,, berichtete sie gewissenhast wöchentlich zweimal ihrem Gatten, dem )fessor der Philologie, Gottli'b Werner. Die Briefe der jungen Frau waren in innigem Tone gehalten; ungesuchte Worte künbeten ihre Sehnsucht. Trotz aller Liebesversicherungen hatten die drei letzten Briefe Toni's den Professor mit Mißtrauen erfüllt. Grüblerisch studirte er die Schriftstücke, verglich sie mit älteren; suchte die Briefe aus der Brautzeit herbei, aber auch diese bewiesen, daß seine Vermuthung, Toni habe in ihren drei letzten Brieftn einige -charakteristische sprachliche Fehler geschickt vermieden, begründet sei. Diese Thatsache erschien dem Professor um so räthselhafter, als er sich früher sehr ost vergebens bemüht hatte, seine junge Frau auf gewisse feine sprachliche Unterschiede aufmerksam zu machen. Toni hatte zwar immer mit großem Interesse seinen Erklärungen zugehört, doch, sobald sie die Lehren praktisch anwenden wollte, irrte sie im mer wieder. Eines Tags, nach einer sehr ausführlichen Auseinandersetzung, in welchen Fällen die Conjunction als" und in welchen Fällen wie zur Anwendung kommen müsse, welche die junge Frau nicht recht begriff, sagte sie schelmisch: Ach was, du verstehst doch was ich sage, wenn ich auch kein kassisches Deutsch rede , und das ist doch die Hauptsache." 1 Dieses Argument von; einem Kuß begleitet war für den Professor überzeugend; von nun an unterließ er alle grammatikalische Belehrung... Nach und nach war er ohnedies zu der Ueberzeugung gelangt, daß das Weib überhaupt sprachliche Feinheiten nicht meistern könne... Und jetzt lagen die drei letzten Briefe seiner Frau vor ihm, jeder ein Muster correcter Satzbildung. Wortanwendung und Jnterpunciion. Die Wörtchen als" und wie" waren nicht einmal falsch gebraucht, gas unbestimmte Zahlwort kein", daö sie früher häufig für das adverbiale nicht" angewendet hatte, war vermieden, das hypothetische ich würde"schrt?b sie nu: vor einer Begründung u. s. w. So oft er die Schriftstücke prüfte, eine spracht liche oder logische Unrichtigkeit vermochte er nicht zu entdecken; alle Fehler, die noch so tief eingewurzelt schienen, waren geschickt vermied.'. Der Professor, von jeher gewohnt, allen Dingen auf den Grund zu gehen, legte sich dieFrage vor: Woher stammt so plötzlich dieser fehlerfreie Gebrauch der Sprache?" Nachdem sein logisches Denken die Erscheinung von allen Seiten geprüft, kam er zu 'dem zwingenden Schluß: Ein Zufall l'nn das unmöglich sein."... In seinen Gedankengang mischte sich die Erinnerung an einen französischen Roman, den er vor einigen Tagen gelesen hatte. In jener Erzählung ward ein Weib geschildert, das von einem Badeorte ihrem Gatten nach Paris die zärtlichsten Liebesbriefe schrieb, die ihr Liebhabe? ihr dictirte. Der Professor dachte und grübelte so lange, bis in seiner Phantasie jene Romanfigur nach und nach Gestalt und Wesen seiner Frau angenommen hatte. Unwillkürlich ballte er die Faust.... Sollte seine Toni sich so weit vergessen ? Unmöglich! Gewaltsam suchte er den Verdacht zu bannen... Seine düsteren Gedanken zu verscheuchen, ging er in's Casino Doch schon sehr bald kam er wieder nach Hause. Seine Stimmung war noch mürrischer geworden. Waren ihm doch alle Bekannte heute so sonderbar vorgekommen.... Weshalb hatten- sie gerade bei seiner Anwesenheit von nichts als Ehebruchsgeschichten gesprochen? Waren nicht alle Blicke mit einem vielsagenden Mitleid auf ihn gerichtet gewesen?. Sollte es ganz absichtlos geschehek sein, daß ein junger Maler, ohne . Widerspruch zu erfahren, beHäupten durfte: Ja, trau' einer den Weibern, sie taugen alle nicht viel!" Nachdem er die Briefe nochmals einer resultatlosen Kritik unterzogen ha-tte, suchte er sein Lager auf. Nicht lange dauerte es und die Phantasien des Tages umgaukelten ihn auch im Traume. . Er erblickte einen hübschen Mann, der Toni küßte, mit ihr scherzte, dann einen an den Professor gerichteten Brief vom Tische nahm und lächelnd sagte: aber wie darf die Gemahlin eines so bedeutenden Philologen solche sprachliche Schnitzer machen?" Toni klatschte vergnügt in die. Hände und bat: Du corrigirst mir den Brief, ich schreibe ihn dann ab. Wie wird sich mein Männchen freuen, wenn er von mir einen Brief ohne Fehler empfängt Als er am frühen Morgen aus seU nen peinigenden Träumen erwachte, flüsterte er: ja. so verhält sich die Sache, eine andere Erklärung ist nicht zu finden.". Die Untreue seiner Frau schien ihm so gut wie emiesen. . . : . Hatte die' Entdeckung der Schuld ihm manchen logischen Schluß gekostet, so gestaltete sich das . Errathen des Schuldigen umso einfacher:' ein gewöhnlicher Lebemann konnie sein Ne.benbuhler nicht sein, denn nur. ein Philologe. nur ein .Mann von Fach beachtete derartige Sprachfeinheiten." -. So sehr auch die Täuschung ihn betrübte, ein wenig gelindert wurde doch sein Schmerz durch den Triumph seiner Wissenschaft, die so rasch und prompt daS verbrecherische Geheimniß gelüftet und durchschaut hatte.
Seinen Entschluß, zwei Wochen der
Ferien am Meeresstrande zu verbringen und dann seine Frau in St. Wen. del zu besuchen, gab er zetzt auf. So fort wollte er das sündige Paar auf frischer That ertappen und dann Trennung für immer... Kalt wollte er die Ungetreue von sich stoßen, wenn sie vor ihm auf den Knieen lag und um Mitleid bettelte! Sein Nebenbuhler mußte vor ihren Augen von ihm ge tödtet werden. Die Phantasie des sonst so sanften Gelehrten, dessen Ner. den schmerzlich fibrirten, wenn er ein Thier mißhandeln sah. schwelgts in Bildern grausamer Qual,-die er über die Zerstörer seines Glückes verhängte. Nach einer zwanzigstündigen Eisenbahnfahrt, die zur Aufheiterung seinem Stimmung nichts beigetragen hatte, schritt er auf einem schmalen Wald pfade nach St. Wendel. t Den Vorsatz, sich in einem dem Gasthaus zum Engel", das Toni U wohnte, gegenüberliegenden Hause einzuquartieren, um zu beobachten, gab er auf; spionieren schien ihm nicht ehrenvoll. Müde und erhitzt trat er in den geräumigen Hausflur. Links war die Küche, rechts das Wirthszimmer. Gerade wollte er die am Herde beschäftigte Wirthin fragen, ob die Frau Professor zu Hause sei", als sein Frauchen aus dem Garten eilte, ihm Hanv und Kuß zum Gruß bot. Toni führte ihren Gemahl nach ihrem gegen den Garten gelegenen Zim. mer. Wiederholt gab sie der Freude über den , überraschenden Besuch Ausdruck... Allein sei es hier so langweilig, jetzt wollten sie gemeinsam Spaziergänge machen, über Berge und durch Wälder streifen. Die Schlange, wie sie Freude heuchelt", dachte der Philologie; doch, um seinen Verdacht nicht zu verrathen, zwang auch er sich herzlich und heiter zu erscheinen. An seiner Seite sitzend stellte sie mancherlei Fragen nach Bekannten zu Hause, nach Neuigkeiten. Nach einer Pause strich sie ihm die Haare aus der Stirne, blickte ihm schelmisch in die Augen und fragte: Hast du mir nicht eine besondere Bemerkung zu machen? Ist dir nichts ausge fallen?" Er schwieg einige Sekunden, die Erregung zu bekämpfen, welche diese Fragen geweckt, dann erwiderte er mechanisch, mit gesuchte? Ruhe : Nein." . Fast schmollend sagte sie: Dann hast du meine Briefe nicht aufmerksam ' gelesen." Unwillkürlich saßt der Pro. fessor jetzt an seine Brusttasche, sich zu überzeugen, ob sein sechsläufiger Revolver, den er zu sich gesteckt hatte, oriffbereit fei. Des Weibes Keckheit, , das Gespräch auf die verdächtigenBriefe zu bringen, war ihm unbegreiflich. Schweigend faß er da, ein Heer von Gedanken strömte wirr durch seinen Kopf. Toni beobachtete eine Weile ihren Gatten, dann sagte sie mit wehmüthigerStimme: Haben meine Briefe dich nicht oefonders gefreut?" Er starrte sie an. Er wußte nichts zu erwidern, da er aber fühlte, irgend etwas reden zu müssen, um sich nicht I zu verrathen, stieß er die Worte hervor: Deine Briefe, allerdings. ' Und du hast kein Won des Lobes für mich? Meine letzten Briefe müssen doch vollständig fehlerfrei gewe sen sein." Der Professor fürchtete seinen Verstand verloren zu haben, denn, daß sein Weib es so mit ihm treiben könne, für die Briefe, die ihre Correctheit nur tU nem. schändlichen Treuebruch danken konnten, noch Lob zu ernten, dieser Hohn schien ihm unfaßbar. Toni war an den Tisch getreten, nahn: von demselben ein Buch und hob es empor. Der Titel lautete: Die deutsche Sprache und ihr Geist von Professor Werner". Den Unterhaltungsschriften, die ich mit hierher genommen, hatte ich auch dieses Werk beigepackt.... Anfangs kostete es mich einige Ueberwindung, doch bald interessirte mich der Inhalt so sehr, daß ich deine Grammatik eifrig studirte und jetzt sage mir aufrichtig, hast du in meinen Briefen noch Fehler entdeckt?" Es dauerte einige Sekun. den, bis der Professor die befchämende, einfache Lösung des Räthsels begriffen, dann küßte er sein Weibchen und fagtd galant: Du und Deine Briefe, Ihr seid beide fehlerfrei." V o r w u r f. Frau: Was, um zwei Uhr kommst Du nach Hause?" Mann: Aber es ist erst Eins!" Frau: Das jst nicht wahr!" Mann: Du wirst doch nicht der dummen Uhr eher glauben, als mir!" Hinderungsgrund. Richter: Hat Sie der Angeklagte ein oder mehrere Male im Tunnel geküßt?" Klägerin: Das konnte ich be! dem Rollen des Zuges nicht unterscheiden!" E r m ie se ne r m ä ß en. Doc tor Wutzler sagte, er sei ein fleißiger Kirchenbesucher. Ist das wahr?" Gemiß: Jedesmal, wenn er Kindtause hält, fährt er zu dem feierlichen Akt mit zur Kirche." Ah so ! Schulinspector: Wer kann mir einen milden Winter nennen? (Alle schweigen.) Nun, weiß es Niemand?" Karlchen (sich erhebend): Der vorige!" . Schulinspector: Weshalb denn?"' Karlchen: 'Da da war unser Lehrer krank!" . Noch Hoffnung. Junge Mutter: Denkst Du nicht auch, das Vaby sieht wie sein Vater aus?" Besucherin: Ja, aber mach' Dir darum keine Sorge, das verwächst sich noch mit der Zeit!" ' Klar. Du, Lude, wat iö denn det. 'ne 5kntervellation?" .Na. det is, wenn Eencr Eenem uff die PeLe zUiV
Sie ZUot'c! p'.ace. Drei Arten von Motten kommen in unseren Wohnungen am häufigsten vor, die Kleidermotte, die Pelzmotte und die Tapetenmotte. - Ihre Larven sind die schlimmsten Feinde des Pelzwerks, der wollenen Stoffe, der Federn, der Polsterungen und der Tapeten, welche Gegenstände sie zernagen, während die kleinen Schmetterlinge nur die Eier in Pelz. Kleider u. s. w. legen. Die MoU ten schwärmen von der Mitte des Herb stes in den Wohnungen umher. Aus den Eiern, welche sie legen, kriechen nach 3 4 Wochen kleine nackte Larven oder ' Würmer hervor, die sich zuerst eine dünne Seidenhülle spinnen, dann Wolle und Haare zernagen, etwas von ihrem klebrigen Safte darunter mischen und sich auf diese Weise eine an beiden Seiten offene Röhre oder Scheide bilden. groß genug, damit das kleine Gethier sich darin umwenden kann. Wächst das Thier, so schneidet es seine Hülse oder Röhre, erst an einer Seite mit seinem scharfen Gebisse auf und setzt ein Stück ein, mit der andern Seite wird ebenso verfahren und auf gleiche Weise, zur Verlängerung der Röhre, vorn oder hinten etwas angesetzt, was dann, je
i nachdem das Zeug gefärbt war, aus 5 welchem das kleine Thier den Stoff nahm, sehr verschiedenfarbig ist. Im Winter liegen die kleinen Geschöpfe in einer Art Erstarrung; im Frühjahr verpuppen sie sich und nach etlichen Wochen kommen die Schmetterlinge zum Vorschein. Am liebsten gehen die Motten nach den locker gewebten Zeuaen: je dichter daher die Fäden gedreht sind und je dichter das Zeug gewebt ist. um so weniger wird es von den Mot ten angegrisfen. Die zur Verhütung und Vertilgung der Motten angerühmken Mittel sind fast unzählig; die ein fachsten oder vorzüglich angeruhmten sind folgende: Man setzt die Kleider und vorzüglich das Pelzwerk oft, etwa einmal monatlich, der Zuglust aus. wo bei dieselben zugleich, namentlich bei Hellem, trockenem Wetter, tüchtig ausgeklopft werden, auch schlägt man das Pelzwerk in ein Tuch ein und legt es m einen reinen Ofen, oder an einen andern Ort, wo beständiger Luftzug ist; die Motte kann den Luftzug absolut. nicht vertragen. Man näht den eufzubewahrendenj Gegenstand in ein gutes, leinenes Tuch, am besten in ganz rohe, noch mit der Schlichte behaftete Leinwand, wie sie vom Weber kommt, dergestalt ein, daß nicht die geringste Oefsnung bleibt und verwahrt das Stück dann in einem Kasten oder Kosfer, an einem kühlen, finstern trockenen Orte. Man nimmt Wermuth oder La vendel, auch spanischen Pfeffer. Kampher und legt davon zwischen das Pelzwerk, oder dahin, wo man Motten sürcktet. Man leat mit Terventinöl u -r mt t CY . s . a C de msene luae lavier, aooen ooer dergleichen mit an die Ausbewahrungs orte oder noch besser zwischen die Falten der Stosse; oder auch, man schlägt die letzteren in Zeug ein, welches mit t i n f . . erpennnoi genenl in a man rann dasselbe sogar auf die Stoffe selbst bringen, da es sich ohne Hinterlassung von Flecken wieder verflüchtigt. DerGeruch, den die Kleider dadurch annehmen, verfliegt bald wieder in der Luft. Anisöl und Wermuthöl wirkt ähnlich. Bettfedern schützt man namentlich da durch, daß man pulverisirte Coloquinten darunter mischt, die überhaupt we gen ihrer Bitterkeit eines der kräftigsten Gegenmittel gegen Ungeziefer allerlei Art sind, aber vorsichtig und nur in geringer Menge angewendet werden müssen. Um die Motten von Kissen und Matratzen abzuhalten ist es das Sicherste, die Ueberzllge aus enggewebter, dichter Leinwand zu machen, und zu sorgen, daß der Ueberzug über-, all fest anliege. Auch häufig Schla. gen und Ausklopfen hilft zum Theil. Sind die Polster stark angegriffen, sv muß man die Polsterung herausnehmen. gut ausklopsen, kämmen, in siedendes Wasser tauchen und wieder an der Sonne trocknen. AuS der Hütte auf den Thron. Der Lebensroman der jetzt hochbetagten Kaiserin-Wittwe von China klingt fast wie ein Märchen' aus Tausend und eine Nacht. Sie war das Kind armer Eltern, welche in einer der Vorstädte Cantöns wohnten. Allerdings war sie von seltener Schönheit. Als die Eltern nicht mehr wußten, woher sie das tägliche Brod hernehmen sollten, meinte die Tochter, das beste sei. sie als Sklavin zu verkaufen. Das geschah. So kam sie zu einem berühmten chinesischen General. Dieser war so entzückt von ihrer Schönheit, ihrer Gemüthsart und ihrem Talent, daß er sie als Tochter adoptirte. Als der General später nach Peking kam. wußte er seinem Herrscher kein besseres Geschenk zu machen, als ihm seine Tochter darzubieten. Das Mädchen wußte auch den Kaiser so für sich zu entflammen, daß er sie zu seiner Gemahlin erhob. Als der Kaiser im Jahre 1861 starb, wurde die einstmalige Sklavin Regentin des großten Reiches. Der jetzige Kaiser wr damals erst sieben Jahre alt. Es herrschten schlimme Zustände in China, als die Regentin die Verwaltung antrat. Daö Reich war tief verschuldet und von inneren Aufständen zerrissen. Wenn das jetzt anders ist. so gebührt der Dank dafür der Kaiserin-Regentin. O Eitelkeit! Erste Mama: Gestern hatte meir? Hans Geburtstag, da bekam er. was s?in Herz begehrte: Kuchen, Torten, Bonbons Zweite Mama: .Merkwürdig, mtln Fritz ist doch auch erst drei Jahre, aber er wünscht sich nur mehr Wissenschaftliche Dinge: einen Grassel, eme schleluurnl. erneu vsu,iviimui .
