Indiana Tribüne, Volume 18, Number 281, Indianapolis, Marion County, 30 June 1895 — Page 7

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Mein Freund Vingham. Mie er dl, KeeleuKur nahm

Bon W. v. Schicrbrand. Damals, als der Stern des Dr. Keeley gerade am Hellsten strahlte, ent stand unier Denen im ganzen Westen der Vereiniqten Staaten, die seit Iahren be! ihren freunden und Verwandten diel Kopfschütteln verursacht hatten. eine milde Bewegung. Die Be richte lauteten ja so günstig, sowohl in den Zeitungen wie auch die. welche von Guritien" mündlich erstattet wurden. Was hieß es da im Chor, so leicht sind wir von unserer Trunksucht zu heilen? Auf nach seiner Anstalt!'' Und wenn sie noch irgendwie das Geld auftreiben konnten, wenn ihr Credit noch nicht gänzlich vernicktet war. wenn sie durch Bitten und Versprechungen die circa 5100 sich verschaffen konnten, die eine solche Kur kostete, so brachten sie auch die Summe zusammen. Wer durch eigene Anschauung weiß, welch' namenloses Elend die Säuferkrankheii gerade in reinan:erikanischen Kreisen engerichtet hat und noch anrichtet, dem war jene Maenpilgerfahrt nach dem kleinen Städtchen in Illinois, wo Dr. Keeley und seine Geschäftstheilhaber damals .Tausende in Behandlung nahnen. wohl verständlich. Die unselige Angewohnheit, .an die Spree zu gefyn", ist ja eine Erscheinung im amerikanisch Leben, die Jeder kennt, und es verlohnt sich kaum, darüber viele Worte zu verlieren. Aber man mutz, wie ich, es personlich gesehen haben, loie dieser zeitweise auftretende unersättliche Whiskeydurst gerade unter den Begabtesten, den Besten der AmeTikaner.' sich seine Lieblingsopfer aussucht, um die ganze Tragweite und Bedeutuna des ersten Keeley-Fiebers zu begreifen. Keeley erschien Tausenden damals als der letzte Retter in der Noth, als ein Anker, -an dem sie ihr bischen ' verbliebene Menschenwürde nock zu befestigen erhofften, und sein Institut war ihnen das neue Mekka. Keeley Clubs wurden gegründet, deren alleiniges Ziel es war. Unbemittelten die Kur zu ermöglichen und ihnen später Arbeit zu verschaffen. Einer der bedeutendsten und erfolgreichsten SchriftstellerAmerikas wurde der Präsident des größten dieser Keeley Clubs, und der pflanz Keeley war in Jedermanns Munde. Es war eben eine regelrechte Keeley Eraze", und sie dauerte länger als ein Jahr. Damals also war's, als meinFreund Wingham ebenfalls den Entschluß faßte, sich von seinem Gebrechen, dem übermäßigen Schnapsgenuß, heilen zu lassen. Joe. wie er allgemein von seinen freunden genannt wurde, war eine Seele von einem Menschen liebenswürdig, gefällig bis zum Exceß, treu wie Gold, ein guter. Freund und ein zärtlicher Gatie und Vater, dabei sehr rüchtig in seinem Fach. Wenn der leidig Schnaps nur nicht gewesen trnrd Aber der hatte ihn schon bei)t ruiniri. Seine Frau, die wie er. Jndiana und aus vortrefflicher milie war.- hatte vor zwei Jahren, etwas Vermögen geerbt, und Jye hatte damit eine eigene Wochenzeitung in 5icago anfangen, wollen. Er lief von früh bis spät herum, und traf alle Vorbereitungen so schnell und geschickt, deß das Erscheinen der ersten Nummer -seines Blattes schon für die Woche daraus ankündigt worden war, und es Kg aller Anlaß vor zu hoffen, daß er mit der Zeitung einen finanziellen wie literarischen Erfolg haben werde. Am Abend vordem er die Pressen und die Ausstattung seines neuen Geschäftslokals zu bezahlen hatte, traf aber Joe Bingham einige gute Freunde an der Ecke der Clark- und MadisonStraße in Chicago alte Cumpane. Joe hatte damals allerdings gerade ieder rvamal .abgeschworen", aber die Freunde Pußten ihm so schön zuzureden. daß er sich verleiten ließ, wie es in dem alten Bänkelsäsgerlied so rührend heißt: s Daß er in sich kehrt und denkt, . Wo Man einen Guten schänkt. Und so ging's denn hinein zu Charley Hawkins'. wo damals der beste RumPunsch im ganzen Westen gebraut wurde. Als Joe Qm nächsten Mittag mit dem Cab nach Hause gebracht wurde, da war er nicht allein sinnlos betrun!en, sondern er hatte auch im Rausche a ganze Geld seiner Frau im Shid Poker" verspielt. Und so ging's ihm regelmäßig. Wenn es wahr ist. daß der Weg zur Hölle, mit guten Vorsätzen gepflastert ist. so war Joe unzweifel haft auf dem direkten Wege nach jenem heilen Orte denn gute Vorsätze hatte ei schon genug gesaßt, aber er war eben immer bei den Vorsätzen geblieben. Jetzt hatte er aber seit einiger Zeit seine gute Stellung als Localredatteur des Daily Roaster" verleren und nährte sich und seine FamiIie ziemlich kümmerlich als Reporter. Pool Joe!" sagte Jeder, der ihn kannte, denn allegemein fürchtete man. er werde es nicht lange mehr treiben. Er besaß allerdings eine wahre Pferdenatur, sodoß er noch nie im Hospital gewesen und nach einer durchzechten Nacht vollkommen im Stande war, auf der Redaction zu erscheinen us& einen Artikel zu schreiben, den ein Anderer bei vollem Verstände nicht fertig brachte. Aber das mußte doch auch einmal ein Ende nehmen. Ein Freund von ihm. Dr. Massen, hatte ihn schon gewarnt, wenn er nicht das Trinken aufgebe, so werde er eines Tages ganz plötzlich am Gehirnschlag sterben; aber Joe hatte ihn lächelnd angeblickt und gemeint: Gar kein so schlechter Tod. das!" ; Jetzt, als die ersten Kuren durch Dr. Keeley's Geheimmittel in Joe's BelanntenkrciZ erörtert würd, waren

wn uns Alle darüber einig: Joe muß hin. Und so wurde denn eine Collekte eröffnet, die auch binnen 48 Stunden genug ergab, um unsern alten Freund nach Dwight zur Kur zu schicken. Nun entstand aber die Frage: Sollen wir Joe das Geld mitgeben auf den Weg, oder soll ihn Einer von uns dabei begleiten? Dieser Punkt wurde einige Stunden lang im Club, dessen Mitglieder wir alle waren, reiflich erörtert, und schließlich gewann die Ueberzeugung die Oberhand, es sei gerathener, Joe einen Reisegefährten mitzugeben, der auch zugleich das Geld in Verwahrung nehmen solle. Sobald Joe in Dwight war das wußten wir so war er auch geborgen vor weiterer Versuchung, denn die erste Einspritzung unter die Armhaut hatte schon die Wirkung, allen Appetit auf weiteren Whiskey zu vertreiben. Außerdem war auch in ganz Dwight ke?n Whiskey zu haben. So entschloß sich denn Colone! Weed. der selbst ein E?", d. h. ein eh: maliae? Trunkenb7d. war. auf unfcre .'mein'chaftliche V'ite hin, Joe zu be aleiten. und mittlerweile kriegte er sein 0eld in die Finger. Mit dem Redakteur seiner Zeitung hatten wir uns schon vereinbart, daß Joe nach seiner Rückkehr wieder in seine alte Stellung eintreten solle. Am Morgen der Abfahrt der Zug ging schon um 6 Uhr ab hatte sich ein Dutzend seiner intimen Freunde am Bahnhof eingefunden, um Joe noch einmal vor seiner Regenerirung zu begrüßen. Joe war auch da; der Colonel ditto. Die Locomotive pfiff. Einen Augenblick vorher hatte Joe noch lachend unter uns gesprochen. Jetzt war er verschwunden. Er wird wohl schon in den Zug gestiegen sein," meinte der Eine. Aber da war er nicht. Wir suchten überall nach. Weder im Zuge noch im ganzen BahnHofsgebäude war er zu finden. Joe war weg. Uns schwante Uebles. Colonel Weed mußte nothgedrungen in Chicago bleiben, und eine Razzia auf Joe wurde in's Werk gesetzt. Ueberall wo man eben nur vermuthen konnte, wurde nach Joe gesucht. Alle Locale, die er zu besuchen gewohnt war, wurden durchforscht, und jeder Barkeeper nach ihm gefragt. Joe war und blieb verschwunden. Auch, während der nächsten drei Tage wurde die Suche nach ihm fortgesetzt, und mittlerweile wurde seine arme Frau, deren letzte Hoffnung, wie wir Alle 'wußten, auf diese Reise Joe's nach Dwight gesetzt war. in Unkenntniß von dem räthselhaften Verschwinden ihres Mannes gelassen. Auch die Polizei wurde schleunigst in diskreter Weise zu Hilfe genommen, und auch diese bemühte sich, Joe zu finden, aber auch der Spürsinn der gewiegtesten Detectivs ließ sie dieses Mal im Stich. Keine Spur war von Joe zu ermitteln. Mittlerweile war in Dwight am Mittag desselben Tages, an dem Joe Bingham auf so merkwürdige Weise unsichtbar wurde, ein Mann angelangt, der sich Bill Floyd nannte und ein Correspondent des JUtto York Busters" zu sein behauptete. Er wies sich auch als solcher aus, und machte dann den Dr. Keeley in einer PrivatUnterredung mit seinen Absichten bekannt. Diese gingen dahin, die Kur im Interesse seines Blattes und der

j Öffentlichkeit durchzumachen, und I V . .1 C C ) rr f r m r vuiui uocc oas rgeonin Referenzen zu bringen. Dr. Keeley. der sofort darüber im Klaren war, daß in diesem Projekt eine ungeheure Reclame für sich und sein Institut stecke, erklärte sich auch nach kurzer Rücksprache mit seinen Assistenten und Geschäftstheilhabern bereit. Herrn Floyd alle Wohlthaten seiner Anstalt zu Theil werden zu lassen selbstverständlich ohne irgend welche Kosten , wenn sich der Patat verpflichten wolle, so günstig wie es ihm sein Gewissen nur erlaube, zu berichten. Bill Floyd sagte dies zu, und machte auf diese Weise drei Wocheu lang die Kur durch, und nahm dann, völlig durchtränkt mit dem IJichloride of Gold", der dunklen Flüssigkeit, welche aus einer spitzen, kleinen Spritze dreimal täglich ihm unter die Haut applicirt worden war, Abschied von Dwight. Wie erstaunten wir. als unser alter Freund Joe Bingham eines Rachmittags wieder frisch und munter sich im Club sehen ließ. War das aber überHaupt Joe Bingham? Die Ersckeinung sah aus wie er. das war richtig, und seine Stimme war's auch! Aber sonst! Er kam uns ganz anders vor. Wo war z. B. sein Humor geblieben, der ihn sonst nie verließ. Gleichviel jedoch, Joe mußte erzähIen, wo er herkam, und that dies auch. Kein anderer als er selbst war Bill Floyd gewesen, der Versuchspatient-. Warum er uns diesen Streich gespielt hatte? Ja, das wubte er selbst nickt ! mehr. Was jenseits der Zeit liege, wo er in Dwight ankam, das erstreckte sich in nebelhafter Ferne hinter ihm. Es käme ihm vor, als sei das damals ein Anderer gewesen als er selbst. Das war ungefähr Alles, was wir von Joe Bingham über dieses sonderbare Abenteuer erfahren konnten. Ob er denn nun gründlich geheilt sei? Natürlich, sagte er. vollständig. Mit der Kur sei auch aller Reiz zum Trinken für ihn fort, uns da er nun genau wisse, wie thöricht er mit feinem Whiskytrinken früher gewesen, so würde es ihm ja nicht einfallen, das Experiment zu wiederholen. Nun. wir glaubten ihm das ja sehr gern., Joe beutete seine Reise nach Dwight journalistisch ganz famos aus. Er schrieb nicht allein eine Serie von .recht lesenswerthen . Artikeln darüber für seine alte Zeitung, sondern auch für den Tltrv Fork .Buste". zu dessen

Correspondenten er sich für jene Gelegenheit wirklich hatte ernennen lassen. Aber merkwürdig es war keine Spur von Witz, von jenem schalkhaft ten. natürlichen Humor mehr in seinen Artikeln, auch nicht in denen, die er später schrieb. Damit war auch der Hauptreiz seiner Schreibweise verschwunden. Und auch sonst war Joe Bingham nicht mehr derselbe Mensch wie früher er war so kalt, so berechnend, so alltäglich geworden. Wir sprachen mehrmals darüber und Jeder wunderte sich. Zuletzt merkte auch Joe selbst, daß er nicht mehr der Alte war, und seine Frau und seine Kinder merkten es. Das Publikum merkte es auch, denn während früher seine Artikel stets gern gelesen worden waren, und der Redacteur von Zeit zu Zeit auch Stimmen aus dem Volke" gehört hatte, die sich in diesem Sinne aussprachen, herrschte jetzt bei Allen die Ansicht, daß Joe's Schreibweise ledern, langweilig geworden sei. Es war der' Whisky drin der fehlte jetzt. Wie jener stotternde Apothekergehilfe einst sang: Zum Teufel ist der Spiritus, Das Phlegma ist geblieben. Es war ganz sonderbar, aber es war wirklich so. Joe Bingham war eben einer jener impulsiven, etwas schwachen Charaktere, die immer etwas Geistiges" erst brauchen, ehe sie ihren vollen Werth erlangen. Nun hatte Joe Bingham allerdings keinen Appetit zum Genusse irgend einer animirenden Flüssigkeit mehr, wie er uns ganz richtig erzahlt hatte, aber sein Bedürfniß, ein Bedürfniß, das in seiner eigensten Natur begründet war, seine schläfrigen Lebensgeister etwas aufzufrischen dieses Bedürfniß blieb. Und so griff denn Joe in heller Verzweiflung und obne einem Menschen etwas davon zu sagen zum Opium. Niemand als er selbst wußte 'es eine Zeitlang, aber an seinen Artikeln konnte man merken, daß er wieder Anregung durch irgend ein Mittel gefunden haben mußte, denn seine Schreibweise wurde wieder pikant, anziehend, witzig, nur stellenweise etwas unzusammenhän gend und etwas zu blühend. Das war das Opium. Als seine FamiUe hinter daö von ihm ängstlich gehütete Geheimniß kam. da gab's schmerzliche Scenen. Die kurirten ihn aber nicht von dem neuen Laster, das jetzt schon gebieterisch Befriedigung he'chte. Und als wir's merkten, seine Freunde, da war Joe schon ein völliger Sclave des Opiums geworden. Nicht lange dauerte es, da fing die Gesundheit Joe's an, unter dem beständigen Genusse des Mittels. daS er in immer stärkeren Dosen zu sich nehmen mußte, um die gewünschte Wirkung zu erzielen, zu leiden. Ein Jahr darauf war er nur noch eine Ruine. Er machte jetzt krampfhafte Versuche, sich von seinem neuen und viel schlimmeren Tyrannen, dem Opium, zu be freien, aber vergebens. Vor einem abermaligen Besuche in Dwight, wo man sich ja auch mit der Kur von Opiumsüchtigen befaßte, hatte unser Freund eine unüberwindliche Scheu, und so siechte er denn langsam dahin. Als er darüber im Klaren char, daß es über seine Kräfte gehe, dem Opium zu entsagen, da nahm er eines TageS ob absichtlich oder in Folge eines Versehens ist nie festgestellt worden eine übermäßige Gabe des Mittels, und einige Stunden später war er tine Leiche. Wir alle standen schmerzerfüllt an seinem Grabe, und wir betrauerten aufrichtig seinen Verlust. Aber später, als die obigen Ereignisse schon zu verblassen begannen in derErinnerung. da nahm die Ueberzeugung zu, daß Joe Bingham's Tod vielleicht für ihn. für seine Familie und für seine wahcen Freunde noch leichter zu ertragen war, als es sein langsames Hinsterben in Opiumgift gewesen wäre. Jedenfalls beweist sein Fall den ich im Vorstehenden ganz wahrheitszetreu berichtet habe einige Dinge, lbcr nichts zu Gunsten von Dr. Keeley's so vielgepriesenem Mittel. Eine Geschichte vom alten Frty. Allgemein bekannt ist doch die Geschichte: Der alte Fritz und der Müller von Sanssouci", aber gänzlich unbekannt dürfte die von W. Bruch müller im Daheim" mitgetheilte Geschichte sein, die seinem Ururgroßvater, dem Oderbruchmüller, mit dem alten Fritz passirt ist. Unter den vielen Colonisten, die aus dem außerpreußischen Deutschland dem Ruf des KLnigs Friedrich in das von ihm urbar gemachte Oderbruch folgten, befand sich auch, schreibt der Genannte, mein UrUrgroßvater. Er muß ein lebhafter, energischer und unternehmender Mann gewesen sein, den eine gewisse unruhige Thatenlust zu immer neuen Unternehmungen anreizte. Zunächst ließ er sich im Ober-Oderbruch im Dorfe Manschnow bei Frankfurt an der Oder nieder, wo er auf einem Sandberge die ersten drei Windmühlen, die 'das Oderbruch sah, erbaute. Von diesen Windmühlen erhielt er. den Namen Bruchmüller, so daß sein alter Name über diesem neuen vollkommen in Vergessenheit gerathen ist. Nur einige Jahre jedoch hielt er es in Manschnow aus. Als auch das Mittel-Oderbruch durch Dämme trocken gelegt worden war. ging er nach seiner alten Heimath, in's Anhaltische, zurück, führte von dort eine Schaar Kolonisten in's MittelOderbruch und begründete dort mit ihnen in der Nähe von Wriezen das Dorf Neurüdnitz, wofür er das erblicheLehnschulzenamt daselbst erhielt. Kaum, daß die Kolonisten angefangen hatten, in der neuen Heimath etwas warm zu werden, da erschienen russische Agenten im Oderbnzch.um im geheimen Auf

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trag ibrer Kaiserin, die ja bekanntlich

eine anhaltische Prinzessin war, deutsche Auswanderer nach Rußland m mc Wolganiederungen zu locken. Auch der Lehnschulz von Neurüdnitz ließ sich gewinnen er soll, so erzählt man sich bei uns. die Kaiserin in ihrer Jugend persönlich gekannt haben, da sie als Prinzessin bei ihren Ausfahrten öfters in dem Gehöft seines Aaters iif ein Glas Milch hatte reichen lassen, und weaen dieser ?!uaendbekanntschaft soll er sich' goldene Berge und hohe Ehren in Rußland versprochen haben. Sei dem. wie es wolle, der Lehnschulze wollte wandern, und dem bewahrten Fuhrer schloß sich das ganze Dorf an. Ueberall wurde in der Stille gepackt und das Bündel geschnürt, und die eben erst eingenommene neue Heimath sollte wieder verlassen werden. Da kam plotzuch. wenige Taae vor dem zum Aufbruch festgesetzten Termin, ein Kommando Husaren ms Dorf gesprengt, umstellte den Schulzenhof, hob meinen Ururgroßvater auf und schleppte' ihn nach der Festung Spandau. Die BeHorden batten nämlick von den möalickst aebeim betriebenen Wanderzurichtungen doch Wind bekommen und beschlossen. ohne viel Larm zu machen, nur den als Führer bekannten Bruchmüller aufheden zu lassen. Der Zweck war erreicht, die Neurüdnitzer sahen sich führerlos und packten wieder aus, froh, obne weitere Strafe davonzukommen. Nur in das Haus des Lehnschulzen war die Trauer eingekehrt. Der Vater war der Familie entfuhrt worden, und Tage um Tage vergingen und wurden zu Wochen, ohne daß von seiner Freilassung irgend etwas verlautet wäre; ja. die junge, verlassene Frau hörte, daß der gefangene Bruchmüller eier strengen Bestrafung entgegensehe, die ihm eine lange Reihe von Jahren hinter den Spandauer Festungswällen einbringen würde. Endlich nach einigen Wochen des Hangens und Bangens faßte die Frau sich ein Herz und machte sich mit ihrem vierjährigen Jungen, meinem Urgroßvater, nach Potsdam auf, um den alten Fritz selbst um Gnade anzuflehen. Es gelang ihr auch wirklich, König Friedrich auf einem seiner einsamen Spaziergänge allein anzutrefseit. Der König machte, als er sah, daß die Frau mit dem Jungen an der Hand ihn anreden wollte, etn ermutigendes Zeichen, daß sie reden solle. Hoher Herr König, ick bün de Brockmöller'sche und wull Sei schön bidden Weiter kam sie nicht. Friedrich, der mit seinem umfassenden Geiste große und kleine Regierungsangelegenheiten mit gleichem Interesse umspannte, war der Name Bruchmüller nur zu gut bekannt. Und dieser Name hatte jetzt in seinem Ohr keinen allzu guten Klang; denn so gern er es sah, daß Fremde in sein Land kamen, so sehr erregte es seinen Zorn, wenn preußische Unterthanen auswandern wollten. Unwirsch stampfte er deshalb mit dem Fuß und erhob drohend den berühmten und berüchtigten Krückstock. Die arme, heftig erschrockene Frau stand wie versteinert vor dem zürnenden König. Die Sache meines Ururgroßvaters schien verloren, da grisf der kleine Bruchmüller als rettender Engel ein. Aengstlich seine Mutter am Rock zupfend, rief der Bursche: Modder, kumm weg, de Kerl will di siechn!" Der Zorn des Königs war augenblicklich erstickt in einem lauten Lachen über den komischen Ausdruck des Kleinen, und die Frau wurde mit freundlichen und ermuthigenden Worten entlassen. Schon nach wenigen Tagen kehrte der gefangene Bruchmüller ohne jede Strafe zu seiner Frau zurück. Er hatte nur Urfehde schwören müssen, nie wieder auswandern zu wollen. Und er hat das Wort gehalten, die Wanderlust war ihm gänzlich vergangen. Sein Sohn und Enkel folgten ihm auf dem Lehnschulzenhofe, und noch jetzt baut der größte Theil ihrer zahlreichen Nachkommenschast in Neurüdnitz und den umliegenden Dörfern als kernhafte Bauern ihre Scholle. Die Nache des Publikums. Bei der Aufführung eines neuen Stückes, daS außerordentlich mißfällt, wird so laut gezischt, gepfiffen und mit Füßen gescharrt, daß der überwachende Polizeibeamte sich veranlaßt siebt, für die Ordnung einzutreten. Er begiebt sich zu diesem Zweck auf die Bühne und ruft mit dröhnender Stimme in das Haus: Ich möchte nur wissen, wer diesen störenden Lärm verursacht?" Da zeigen mehrere Hände auf einen Herrn, der bleich und verstört in einer Loge sitzt. Ter Polizeibeamte begiebt sich sofort in die Loge und erklärt den betreffenden Herrn für arretirt. Alle Versuche desselben, sich zu rechtfertigen, schneidet er mit dem Bemerken ab: Schweigen Sie! Sie sinds gewesen!" Der Arrestant wird auf die Wache ge. führt und muß. da eineFeststellung sei ner Persönlichkeit im Augenblick im möglich ist, dort die Nacht zubringen. Am nächsten Tage endlich stellt eS sich bei der Vernehmung heraus, daß man den Unrechten gefaßt hat. Aber, rreine Herren," jammert daS arme Ovser dieses Irrthums, wie können Sie glauben, daß ich die Vor stellung durch Pfeifen und Zischen ge stört hätte ich bin ja der Dichter des StückestAuöderKaserne. Un terofficier: Haben Sie Feuer bei sich Einjähriger?" Einiübriaer: ..Be daure sehr, Herr Untospeier!'' Unterofficier: Na, dann geben Sie mal eine Cigarre her, ich muß dann schen, daß ich in der Eantine Feuer Mege!" Die ricktiae Adresse Hauswirthin: Herr Bummel, mein Mann ist krank, kommen Sie doch diese Nacyt etwas leite nach HauS!" Stu dent: ,,Jch werde mit dem Nachtwäch l t sprechen!"

Ein Pries Von Jda Fwzi.

Ich habe Unrecht gehabt; vergessen Sie meine bösen Worte, ich bitte Sie ich bin schlecht und launenhaft getvefen, aber ich bin Ihnen gut. . ." Kaum hatte Olga Verrieri 'diese wenigen Zeilen in Eile auf ein rosafarbene Blatt geworfen und in ein eleganteS Couvert gesteckt, als sie das anmuthige, noch thränenfeuchte, aber von einem lebhaften Lächeln erhellte Gesicht erhob. Dann übergab sie dem Kammermädchen, das unbeweglich.ehrerbietig dastand, mit einer entschlossknen Bewegung den Brief: Geben Sie ihn rasch auf.' sputen Sie sich! Rasch, rasch!" , Das rosige Briefchen zitterte in den Fingern, die es hielten, wie die Flügel eines Schmetterlings; es ist ungeduldig, möchte bald eintreffen, denn es bringt eine gute Kunde; es ist ungebuldig, zu sehen, wie sich ein darüber gebeugtes Gesicht erheitert, ungeduldig, Licht in eine Seele zu bringen. Glücklicherweise ist der Weg, den das Briefchen zurückzulegen Hai, sehr kurz; we nige Schritte vom Postamt nur bestndet sich das Haus, in welchem Jemand zitternd sich fragt, ob die so sehnlich erwartete Nachricht auch ankommen wird. Mit einem Sprung befreit sich das Brieflein aus der Hand des Kammermädchens und hüpft fröhlich, in den Briefkasten. Ach der Arme! Er weiß nicht, was ihn dort in der tiefen Finsterniß erwartet eine dicke Zeitung aus gewöhnlichem Papier liegt halb offen,der kleine Brief fällt hinein und. was er auch thut, es gelingt ihm nicht, sich zu befreien. . . . Q mein Gott, wenn inan bedenkt, tah zwei Minuten darauf in den Briefkasten! ein schwarz geränderte? Brief, eine Todesanzeige, fiel; wenn man bedenkt, daß diese dort hätte hineingerathen und so eint Trauerkunde um einige Tage hätte verschieben können, daß diese in den Falten der abscheuiichen Zeitung nach Wien hätte gehen können.... statt deS artigen Briefchens, das den armen Enrico Maren! so zufrieden gemacht haben würde. . . .' Doch der ist dort oben in seiner Stube, bleich, bebend noch vor Zorn und Schmerz über die. am Morgen vernommenen Warte, immer noch im Zweifel, ob sie sich ihrer auch genau entsinne. Endlich entschließt er sich, zu ihr zurückzukehren; er wird sie spre'chen, rühren. Und wenn nichts anderes, so wird er wenigstens nicht mchr im Ungewissen sein, er - wird wissen, was sie will. Nun möchte sie ihn aber ein bischen necken; sie ist em wenig durch die Ermedngung. die er sich . auferlegt, gereizt und. will durch Zärtlichkeit und Bitten entschädigt sein. Inmitten eines Kreises, von Anbetern lacht und scherzt sie und beachtet nicht den armen Mareni. der einsam in einer Ecke des Saales sitzt. Aber, mit Seitenblicken gewahrt sie ihn doch und bemerkt an seinem trostlosen Gesicht, daß er den Brief noch nicht erhalten haben müsse. Mitleid erfaßt sie d& . . . nun, schließ lich, was liegt daran? Er wird ihn schon bekommen. . . . Und Olga Verrieri zuckt nnit den schultern und fahrt fort, kokett Mit dem Graflem Sarchl zu plaudern. Leichenblaß erhebt sich plötzlich En rico Mareni. der die Geduld verloren hat, und Olga fest ansehend, drückt er ihr mit zuckender Bewegung die Hand und sagt leise: Addio!" Addio! antwortet, einen Lachan fall unterdrückend, die Srgnorina in demselben tragischen Tone. Und während er weggeht, wahrend er, die Verzweffluna in der Seele, die Treppe hinabschreitet, . malt sie sich, malitiös xmv sich hinlachelnd. sein Erstaunen aus, wenn er das rosige Briefchen finden Wird. Aber ach. der kleine Brief reist inzwischen nach Wien; ja, er ist dort bereits angelangt, immer in den Falten des Jeitungspackchens verborgen. , Wohin wird er sich jetzt wenden, de? kleine Brief? Wird er in die breite und herrliche Praterstraße. ziehen oder in die schattige und fröhliche Ringstraße oder längs der Donau, des schö nen Flusses, dessen blaue Wellen, schallend und lachend, wie eine Aufforderung zur Freude, zwischen den Ufern kanzeln? Nein, nichts von alledem; er macht in einem Haus der unendlich langen Mariahilferstraße Halt, stürzt die vier Stockwerke hinan und aus den Handen des Briefträgers geht er in die des Fräulein Marie über des Töchterchen des Regierunqsbeamten, an den die Zeitung adressirt ist; sie eilt, sie dem Vater zu übergeben, aber plötzlich fliegt der Brief hervor und sallt auf den Boden. . . . .Wenn man schöne blonde Haare und ein. lächelndes, reizendes Gesicht hat, wie Fräulein Marie, dann muß ein rosafarbener Brief, der ln so seitsamer Weise ankommt. Einen aufregen.... Sie zögert einen Augenblick, ehe sie ihn aufhebt; dann nimmt sie ihn.... Nichts, nichts, ein. Irrthum in der Adresse. . Herr Müller, der Vater des Fräuseins. soll den Brief zurücktragen, un glücklicherweise ist'ö so weit und der würdige Beamte hcrt sich stark erkaltet; darüber vergehen zwei Tage. Endlich nimmt das Briefchen den Weg heimwärts; )urch Steiermark KamMn. das Küstenland, eS übersetz die Adria, eilt nach der Lombardei; schließlich kommt es in das Hans das es erreichen sollte. Allein der, für den das Bnefleln bestimmt war, ist nicht mchr dort; er ist plötzlich wie ein Tol

ler weggereist, um den Versuch zu ma.

chen. den schrecklichen Schmerz, der ihm die Seele zerreißt, zu vergessen. ' Dort unten hat inzwischen Signo rina Verrieri, ob seiner plötzlichen Ab xtt erstaunt und veielvigt, tn lyren Frauengefühlen verletzt nachdem sie emen ganzen )iaq geweint aus Aerger die süßen Worte des Gräflein Sarchi anzuhören begonnen. Das rosige Briefchen geht von Neuem auf Reisen Enrico Mareni hat auf der Post seine Adresse hinterlcrssen aber er ist um fünf Tage in. Verspätung. Mareni hält sich an keinem Orte lange aus, er versucht es vergeblich, zu vergessen und tollt zweckund ununterbrochen von Stadt zu Stadt. Und so erhält der Brief immer neue Adressen; manchmal macht er unentschlossen Halt: man weiß nicht, wohin Mareni gereist ist; dann nimmt der Brief den Weg wieder auf. Aber er hat kein Vertrauen mehr, er hofft und glaubt nicht mehr. Sieh', er bekommt Falten, er ist ganz zerknittert, an den Ecken stellen sich Risse ein; die italienischen, französischen, deutschen Poststempel, die überall aufgedruckt sind, haben sein vornehmes und zartes Rosakleid' in ein düsteres, graues Retsegewand verwandelt. O. wenn er sich dem Winde andertrauen könnte, dem raschen Winde, der in berauschendem, schwindligem Fluge hoch und weit trägt! Aber nem, er muß von Amt zu Amt wandern, von einem Beamten zum andern, von Zug zu Zug. Wochen und Monate hindurch und immer mü Ver spätung. . . . Das arme Briefchen beginnt zu reißen; ach! es wird wohl nie sein Ziel erreichen. . . . Mit den anderen Briefen, die dem bedauernswerthen Reisenden, der seinen Schmerz nicht aus der Seele zu reißen vermag, nachgeschickt wurden, empfängt er auch Zeitungen und auch das Blatt, in dem die Verehelichung des Fräulein Verrieri mit dem Grafen Sarchi angekündigt ist. ' 'In dem holländischen Städtchen, wo ihm diese Nachricht wurde, besteigt er den Zug und fährt nach Italien, nach Hause. Fünf Tage später folgt ihm das rosige Brieschen. Wieder Beamte, wieder Poststempel das rosige Briefchen ist schwarz geworden, traurig wie eine Todesanzeige. Endlich trifft es an dem Orte ein. von dem es frtgereist war, es kommt in sein Haus und erreicht das zweite Stockwerk. Alle Thüren stehen offen, die Fenster sind weit geöffnet und dort im Hintergrunde der Stube brennen Wachskerzen. Als der junge Reisende eintraf, war Fräulein Verrieri bereits Gräfin Sarchi geworden. Verzweiflung erfaßte ihn und.... Enrico Mareni hat sich getödtet. . . . Der Liebesbrief ist eingetroffen. . . . Eine kluge Antwort. Hochzeit ist, eine große, reiche Hochzeit. Ganze Wagenreihen stehen vor der Kirche aufgefahren, in den Nebenstraßen halt Equipage bei Equipage, eine jede hat ein paar hochzeitlich geschmückte Gäste gebracht, welche Zeugen der Trauung sein wollen, die nun in der Kirche vor sich gehen soll. Dort sitzen auf Stühlen und in Bänken lange Reihen festlich geputzter Herrea und Damen, junge und alte, Uniformen und Ordensstcrne sieht man mit den Juwelen der Damen und mit den lachenden Augen der Kinder um die Wette blitzen. Vor dem Altare aber steht, hoch und schlank, in tadellosem Frack, der stattliche junge Bräutigam, eine imposante Gestalt, und neben ihm, nicht minder schlank und hoch, die liebliche Braut, ein entzückendes Bild holder bräutlicher Jungfräulichkeit. in schlichtem Weiß, ein Myrthenreis im Haar, als einzigen, alleremzigsten Schmuck. Es ist ein beroorragend schönes Paar, das sieht ;nan, es ist aber auch hervorragender Seelenadel, der sich in diesem Paare derkörpert. das fühlt ein Jeder, dem es vergönnt ist. es zu sehen. Das fühlt auch jener Herr, der obwohl kein Hochzeitsgast, sich doch wahrscheinlich angezogen durch die Mane der Equipagen, welche draußen halten gemüßigt gefunden hat, die Kirche zu betreten, um der Trauung beizuwohnen. Er richtet deshalb an einen andern Zuschauer, der aus demselben Grunde in die Kirche gerathen ist, die flüsternde Frage: Können Sie mir nicht sagen, wer hier getraut rord?" Doch." entgegnet ebenso flüsternd der Gefragte, das kann !ch Jhaen ganz genau sagen, die Beiden d?rt vor dem Altare!" M i v e r standen. Herr Borgleicht: Lieber Meister, ich brauche einen hübschen Anzua. aber das sage ich gleich, jetzt habe ich kein Geld.Schneider: Bitte, das macht nichts, ich kann ja warten." Herr Borgleicht: Ah, sehr charmant! Also nehmen Sie mir Maatz!" Scknnder: Maaßnehmen? Wozu jetzt? Ich meinte, ich kann ja warten, bis Sie Geld heben!" Ferne Lesart. A.:-'Also die Müllern ist mit ihren, fünf gesunden Töchtern wieder in's Bad gereist na. was sie dort will, das weiß, man ja." V.: Freilich. Frau Müller hat ja rr. i . . aum rein eyl oaraus aemaaz:: mir sagte sie ausdrücklich, sie ginge mit ihren fünf Mädeln auf die Er"holungsrcise." In der K u n st a u s st e l -lu n g. Vor dem Bilde Adam und Eoa".) Ein Ehemann: O paradiesisches Zeitalter, da die Kleider der Frau noch auf dem Feigenbaum wuchzsen!' i

?as Zählen im Abcrglanbcn.

Man sagt, daß die-K:nntn.iß der Zahl dieselbe Macht in Bezug auf das Gezählte verleiht, wie die Kenntniß des Namens in Bezug auf das Benannte. In der Vorstellung deZAbergläubischen besteh: zwischen, dem Namen und der benannten Person oder Sache ein innerer Zusammenhang. Der Name gewährt einen Einblick in da5 Wesen, des Benannten und gibt so das Benannte in die Macht Desjenigen, der den Namen kennt. Daher läßt sich durch die Kenntniß des Namens allerlei Zauber an seinem Träger verüben. Dieselbe Kraft wohnt nun angeblich auch der Zahl inne. Die Zahl ist ja auch nichts Anderes, als der Name für die Summe. Die Kenntniß der Zahl macht somit zum Herrn über das Gezählte; darum soll man vor böser Zauberei, die durch Zählen verübt werden könnte, auf der Hut sein. In Mecklenbürg wissen. Diejenigen, in denn, Köpfen noch die Hexen umherspuken, ganz genau, warum manchmal der Rahm keine Butter gibt. Eine Hexe hat das Butterfaß behext, indem sie die Reifen von unten nach oben zählte. In 'der Hildesheimer Gegend hat man dafür ein Geoenmittel. Will man den auber wieder lösen, so zäblt man die Reifen von oben nack unten. Auf den Faröerinseln (im Atlantischen Ocean) gilt das Schlafen mit offenem Munde als gefährlich. Der Mahr ein Un hold, der Nachts die Menschen überfällt und etwa dem Alpdruck zu vergleichen ist fährt nämlich solchen, Schlafern gern mit den Fingern in den Mund, um die Zahne zu zahlen. Wird ihm Zeit gelassen, damit fertig zu werden, so stirbt man. Einer Kuhheerde wird rn Mecklenburg Blindheit angezaubert, wenn eine Heze die Augen der Kühe zählt. Das Zählen und die Kenntniß der Zahl verleiht aber nicht nur dem Zählenden Macht über das Gezählte, sondern zuweilen auch umgekehrt dem Gezahlten Macht über den Zählenden. Der Glaube, daß man die Warzen, eines Anderen bekommt, wenn man so unvorsichtig ist. sie zu zahlen, ist durch ganz Deutschland verbreitet. Es zeigt sich hierin wieder das Wesen der Zahl als eines Namens des Gezählten; denn auch das Aussprechen des Namens vermag oft den Träger herbeizurufen und ihm Macht über den Rufer zu geben. Man darf daher gewisse Thiere und böse Geister nicht nenncn. Wenn man vom Teusel spncht, dann kommt er. das weiß jedes kleine und große Kind; -und auch der Wolf kriegt, wie man sagt, sehr bald den Verwegenen beim Wickel, der seinen Namen in den Mund nimmt. Das Zählen gibt manchmal auch den bösen, Mächten" Grwalt, wenn nicht über den Zählenden, so doch über das Gezählte. Seine Heerde zahlt m den Cevennen (Süd-Frankreich) kein kluger Hirt; er weiß, daß sie ihm sonst der Wolf verspeist. ' In West-Preußen darf man die Früchte eines Baumes nia't zählen, sie fallen, sonst ab oder verderben. Ein rechter Spieler zählt auch während des Spieles niemals seinen Gewinn und läßt ihn ebenso wenig von rinem Anderen zählen, es wäre sonst vorbei mit seinem Glück. In Mecklenburg lassen die Angler aus demselben Grunde Niemanden ihre Fische zählen, ja, mancher Fischer läßt überhaupt Niemanden zusehen, aus Furcht, daß ihm seine Beute achgezählt werden ginnte. Die Schwaben wissen, daß man beim Kochen oder Essen, die Spätzlein" und Knöpflein" nicht in die Pfanne oder Schüssel zählen darf; man vergönnt" sonst dem Essenden das Mahl, und er wird nicht satt. Auch die allgemein verbreitete Abneigung dagegen, sich von einem Zuschauer die Bissen in den Mund zählen zu lassen, dürfte so zu erklären sein. In Schwaben darf man auch die Sterne nicht zählen. Dasselbe Verbot besteht in West-Preußen und hier kennt man auch den Grund. Jeder Mensch hat nämllch seinen eigenen Stern; zählt er den mit. so ist'S aus mit ihm. Gefährlich ist weiter das Zählen der Jahre. Manche Neger halten das geradczu für gottlos; es verrathe Mißtrauen gegen die göttliche Weisheit, die das Schicksal der Menschen lenke, also auch die Dauer seines Lebens bestimme. Der Hauptgrund ist wohl der, daß sie fürchten, das Zählen der Jahre könnte bösen Geistern Macht über ihr Leben geben. In Oldenburg darf man nicht einmal sagen, wie alt man ist, gew'.ß aus demselben Grunde. Die Scheu manche? Mädchen und Frauen, ihr Alter anzugeben, soll andere Gründe haben sagt man. Viele Völker wollen auch von einer Festste!lung der Vevölkerungszahl nichts wissen. Bei den Arabern halten das Manche für gottlos. In Kurdistan sollte eine solche Zählung einmal mit Hilfe des MilitärZ durchaesührt Mrden, aber die kurdischen Weiber rotteten sich zufammeK und jagten die Soldzten in die Flucht. .Im Alten Tcstame.it wird die Zählung der Juden durch -David als schwere Missethat durch eine Pestilenz bestraft. Wie weit d:e AbneiaunF gegen statistische Aufnahmen, die auch in Deutschland heute n?ch in manchen VolkZkreisen besteht, auf Reste von abergläubischen Vorfiellunn zurückzuführen ist, das . ist schwer zu entscheiden. K a s c r n h o f b l ü t h e. Korporal: Schämen Sie sich nicht. Einjähriger Huber. so miserable Griffe zu machen und dadurch Ihrer Familie solche Schande zu bereiten?! Ihrem Herrn Vater muß ja im Grabe von dem vielen Umdrehen ganz schwindlig werden!" ' ' , Reservirt. Otto, ich will rtlfrtS. mehr hntt 7tr tTvIfTnl" Ms IHfiiJ 41114 Wll r... schau', Papa, übermorgen begum,' h ein eueS Leben!"