Indiana Tribüne, Volume 18, Number 274, Indianapolis, Marion County, 23 June 1895 — Page 7

Crowley und das Erdbeben

Elizzc aus dem wilden Westen von. W.V. Schierbrand. Es war schon sehr spät um Abend, lls wir in Doces Nuces ankamen Der Ort zwar einen Namen, aber sonst nicht viel, außer einem Flüßchen. das 9 Monate im Jahre sast nur halbsaljiges Gerinnsel in seinem schluchtenarfigen Bett zeigt, und einige -elende Adobehütten, von denen die Poststation noch am mindesten baufällig erscheint. In jenem Theile von Neu-Mexico indeß verlernt man, wählerisch zu sein, und einObdach für die Nacht ist schließlich ein Obdach. Ein bissiger, kläffender Köter sprang unseren Maulthieren sofort an die Füße, verkroch sich indeß heulend, als ihm das eine Thier einen sanften Schlag auf die Querseite verjetzt hatte. Aus der niedrigen Thüre trat Crowley. der alte Postmeister, der lv:gen seines sicheren Schusses und seir.er außerordentlichen Geschicklichkcit im Erfinden neuer spanisch - englischen fluche im ganzen County berühmt ist. Crowley sah grießgrämig aus eines seiner besten Maulthiere war ihm auf rcr Weide crepirt. So war unser Will kommen auch kein besonders herzliches. E3ir gruppirten uns indeß nach der kärglichenMahlzeit, kie aus gebratenem Speck, frischen, Maismehlfladen und LZHisky bestand, um den breiten. Herd, in dem ein Neisigfeuer recht lustig prasselte, und strebten uns, der Si tllation etwas Erfreuliches abzugewinneu. Bald war auch ein Gespräch im Gange, bei welchem Herr Thurlow, frisch aus Boston, wo er gerade die technologische Hochschule, absoloirt hatte, und der just auf d?m Wege war, ine ktwas heruntergekommene Silbermme kn Las Cruces County zu übernehmen, und sie vermöge seiner höheren Wissenschaften wieder auf zahlende Basis zu bringen, den Haupttheil übernahm. Der alte Crowley schwieg beharrlich. Nur seine blienden, finsteren Augen, die von zottigen Augenbrauen überschattet waren, warfen hier und da eir.en mißtrauischen, fast feindseligen Seitenblick auf uns, vor Allem auf Herrn Thurlow. der in der That für einen Tenderfoot" merkwürdig viel zu sagen hatte. Das Gespräch hatte sich euf das Minenwesen im fernen Westen, besonders aber in jenem Theile von Neu-Mexico gewandt, und Herr Thurlow hatte gerade den Ausspruch gethan, daß es mit den SilberberAwerken daselbst weit besser stehen würde, wenn mehr winenschaftlich gebildete Männer und nicht blos unwissende, wenn auch praktisch geschulte Miners" mit deren Ausbeutunz beschäftigt wären. CrowUt) warf einen finsteren Blick auf ihn und strich seinen langen, graugesprenZelten Bart, sagte aber noch immer nichts. Als jedoch Thurlow abermals einen ähnlichen, nur noch schärferen Ausdruck gebrauchte, da flammte das Auge des alten Mannes in düsterem Feuer auf. Wie um sich für das Sprechen besser vorzubereiten, nahm Crowl:y seinen mächtigen Navy - Revolver aus dem Gürtel, legte ihn vor sich hin auf die Tischplatte und bemerkte dann, sich halb zur Gesellschaft, halb zu Thurlow wendend: Es gibt viele Dinge. dieSZe noch nicht wissen, junger Mann, oder Sie würden nicht so reden. Manches wird überhaupt nicht in den Schulen gelehrt. Auf alle Fälle ist es besser, die Dinge selbst zu lernen, als die Gründe für diese Dinge. Wer weiß z. B., warum Freitag ein unglücklicher Tag ist, um einen Claim" anzufangen, dagegen nicht für einen Querschnitt? Warum muß man keine Maus todten in der Mine, wenn man nicht will, daß das Dach einfällt? Können Sie mir das sagen?" JRiin, das kann ich allerdings nicht," sagte lächelnd und den allen Crowley mit einer überlegenen Miene ansehend, Herr Thurlow. Sie glauben äugenscheinlich an Zeichen und Vorbedeutungen, Herr Crowley?" Das würden Sie auch thun, junger Mann, wenn Sie schon länger hier wären, und ich kann Ihnen nur rathen, in der Beziehung Ihre Ansichten zu andern, wenn Sie nicht in Unannehm lichkeiten gerathen wollen!" Wie spielend legte sich die RevolverHand" des Alten um die mächtige Waffe, als wolle er damit seinen Argutnentcn noch etwas mehr Gewrckt verleihen. Die Stimmung war etwas ungemüthlich geworden, und um sie gewissermaßen wieder auf ihr gewöhnliches Niveau zurückzubringen, bestellte Thurlow drinks for the crowd". In der That hatte dies die.gewünschteWirkung. und nachdem Crowley die Reste des Demijohns auf den Tisch gepflanzt, begann er in etwas mehr versöhnlicher Stimmung eine Erzählung, die seine Lorige Behauptung gewissermaßen illustriren sollte. Es war damals, als an der Kante der Jnyo Wüste, im alten Perro Negro - Camp, noch viel gutes, reiches Erz lag, aber das Wasser war noch seliener, als es jetzt ist. Man wußte noch nichts vorn den großen Jrrigationsfelbtzrt, die man jetzt in Neu-Mexico hat, nd ein Mann, der eine Quelle oder sonst ein bischen Wasser das ganze Jahr besaß, der besaß ein Vermögen. Ich war damals noch bedeutend jünger, und meine Ansichten waren in manchen Punkten auch so falsch wie die unseres Freundes hier" dabei bewegte er den dicken Daumen in der Richtung nach Herrn Thurlow hin und ich habe sie erst im Zwange der Verhältnisse geLndert. Wissen Sie. was mir die erste Einsicht gegeben hat, daß Zeichen und Vorbedeutungen etwas meinen? Nun, es war daZ große Erdbeben hom Jahre '77. Wie gesagt, ich hatte damals jjritn

guten Claim' nahe dem Per NegroCamp. Geld hatte ich nur wenig, aber das Erz war so reich, daß es sich doch reichlich verlohnte für mich, es zu schmelzen auf meine primitive Art und Weise, und hier und da brachte ;ch eine Wagenladung voll nach Santa Calaveras. wo es nur zum Marktpreis bezahlt wurde. Was aber meinen Claim" so werthvoll machte, das war die Cienaga die Bergquelle die in Stärke von zehn Zoll aus dem Felsen herausquoll. Meine Nachbarn, die Los Mejores Smelting Company", waren auch hollisch neidisch auf mich wegen der Cienaga, und ich wußte, sie würden mir sofort einen guten Preis zahlen, wenn ich ihnes meinen Claim" verkaufen wollte. GSo wunderte es mich nicht, als eines Tages Cusick, der Superintendent der Compagnie, zu mir herüber geritten kam und mich zu sondiren anfing. Nun war ich seit 14 Tagen mehr oder minder vom Fieber mitgenommen worden und ich war wirkluh froh, als er mit mir zu handeln anfing wegen des Verkaufs. Als ich ihn schließlich nach der Cienaaa führte und er das klare Wasser beinahe sußdick aus dem Felgen schießen sah. da hielt er sich nicht länver auf seiner Seite hatten sie nur halbe Zeit arbeiten können wegen) ungenügenden Wassers und machte mir da und dort eine Offerte. Diefe war ungefähr halb so hoch, wieich mir vorgenommen hatte, meinen Claim zu verkaufen, und so forderte ich das Doppelte. Es nahm meinen Athem weg. als Cusick sofort Zugriff, einen Handschlag auf das Geschäft gab und mir sofort 51000 in zehn nagelneuenScheinen als Abschlagszahlung leistete. Im Innern freute ich mich wie närrisch war ich doch jetzt im Stande, für den Rest meiner Tage es leicht zu nehmen und zu meinen alten Eltern nach Kentucky zurückzukehrend Aeußerlich that ich aber, als ob mir der Handel eizentlich leid sei und ich nur, um Wort -zu halten, ihn nicht rückgängig mache. Nachmittags, ritt ich hinunter nach tem Camp, wo ich eine lustige Gesellschaft fand. Ich verlor einige gute Hände in Monte, und dann hörte ich. tvie das Gespräch war von Jim Col lins, der am Tage vorher erschossen worden sei, gerade nachdem er den alten Ouien Sabe gesehen hatte. Das sei stets sicheres Unglück, den alten Quien Sabe zu sehen, sagte Einer. Ich lachte darüber damals glaubte ich an so etwas noch nicht und darauf erzählte erst Dieser, dann Jener etwas von früherenZusammentrefsen mit dem plten Quien Sabe, stets verhängnißboll. Der alte QuicnSabe. müssen Sie wissen, war eine räthselhafte Erfchei.nung in jenen Niederlassungen tin kleiner alter Mann mit schneeweißem Haar, in altmexikanischemCostüm, mit spitzem Sombrero und langen Sporen, auf einem Maulthier, das von, silbernen, Schellen förmlich wimmelte. Niemand hatte ihn je gesprochen, nur gesehen, und im nächstenAu genblick wa? kr wieder verschwunden, gerade als ob der Erdboden ihn und sein Maulthier verschlungen habe. So wurde allgemein behauptet. Ich aber lächelte nur, schwang mich wieder auf mein, Pferd und trabte heimwärts. Beim Ritte wurde es unheimlich schwül, gerade als ob ein furchtbares Gewitter komme, aber es war keine Wolke zu sehen, und die Sterne funkelten ganz hell. Trotzdem wurde es so heiß und drückend, daß der Schweiß nur so von, mir troff, und die Flanken meines Gauls waren auch ganz mit Schaum bedeckt. Als ich durch jenen Engpaß kam, der zwischen dem verlassenen Camp Los Blancos und dem Hochplateau lag, zu dem mein Claim und die Minen der Compagnie gehörten, da wurde es unheimlich heiß, und dabei ging es wie ein Zittern durch die Lalft. Aber ich kam glücklich durch, ohne daß sich etwas Ungewöhnliches ereignet hätte. Und NUN endlich war ich auf dem Hochpla teau angelangt, das im weißen Mondlicht meilenweit vor mir lag. Da ganz plötzlich erblickte ich den alten Quien Sabe auf seinem Maulthier, gerade auf mich zu reitend. Sein weites Haar und das knochige Gesicht waren deutlich zu erkennen, und das Geklingel der Schellen am Zügel seines Maulthieres schlug vernehmbar an meinOhr. Die Glieder schlotterten mir bei dem unerwarteten Anblick, und mein Gaul wollte nicht mehr vorwärts. Aber ich stieß ihm die Sporen in die Weichen und ritt auf die Erscheinung los. Plötzlich stolperte das Maulthier des Alten, und ich sah es in die Knie sinken, wobei indeß Quien Sabe ganz unverrückt im Sattel sitzen blieb. Und dann ohne daß cu:ch nur ein Moment verstrichen wäre waren Roß und Reiter verschwunden, von dem weiten Plateau. Spurlos weg. Sie dürfen mir glauben, daß ich froh war, als ich schließlich an meiner Hütte anlangte, und nachdem ich noch einen tüchtigen Schluck Whisky und Chinin gegen das Fieber genommen, legte ich mich schlafen. Mitten in der Nacht wachte ich auf. Noch h 'b betäubt hörte ich ein Pfeifen und Saufen, ein, Klingen und Rollen an mein schlaftrunkenes Ohr schlagen Schnell erhob ich mich und trat vor meine Hütte. Keinen Augenblick zu früh, denn im nächsten Moment stürzte das Dach ein und die Wände krachten berstend auseinander. Das Erdbeben! Jetzt wußte ich, was Old Quien Sabe gewollt hatte. Doch ich war so erschöpft, daß ich bald wieder im Freien auf die Erde sank und einschlief. Als ich am Morgen erwachte und um mich blickte, sah ich die Verwüstungk Nichts stand mehr am alten Fleck. Ich zog meinen Gaul her an, der zitterte und bebte, und band ihn an einem Baum fest. Dann machte ich einen Rundgang um meinen Claim. Wer beschreibt mein Entsetzen, als ich kein: 5puc von meiner Cienaga.mehr

fand! Schnell ritt ich hinüber nach dem Eigenthum der Compagnie. Dort, wo sonst nur ein dürftiger Wasserstrahl die Räder des Stampfwerkes, getrieben hatte, fand ich Cusick, heiter plaudernd und mich lächelnden Mundes erwariend. Das Wasser sprang armdick aus der Felsspalte hervor, und an eine? anderen Stelle, tiefer unten, sah ich einen zweiten Quell sprudeln. Das Erdbeben hatte, wie dies häufig zu geschehen Pflegt, den Lauf der Quelle im Innern der Erde verändert, und mein Wasserreichthum wurde jetzt der Compagnie gespendet. Kaltblütig jedoch, als ob nichts vorgefallen, näherte ich mich Cusick und erinnerte ihn an unseren Handel vom Tage vorher. Er hatte ja mit mir ausgemacht, daß ich am Mittag desselben Tages in dem , Generalbureau der Compagnie in Perro Negro das Verkaufspapicr ausfertigen und den Rest des Geldes $49,000 in Empfang nehmen sollte. Cusick indeß lächelte nur s:hr freundlich. Er wisse nicht, sagte er, was ich mit meinem Reden wolle. Von einem Handel mit mir sei ihm nichts bekannt. Wüthend ritt ich nach Perro Negro und sah dort den alten Colonel McDowd, den geschworenen Feind der Compagnie und den besten Advocaten der ganzen Gegend. Der hörte mir mit Theilnahme zu, sagte sodann, er wolle sich eine Ehre daraus machen, meinen Proceß gegen die Compagnie zu führen, ohne nur einen Cent für seine eigenen Dienste zu berechnen. Abtt," fügte er hinzu, mein lieber Crowley, vor Gericht wird Ihr Fall nickt zu Ihren Gunsten entschieden werden soviel kann ich Ihnen jetzt schon sagen." Kurzum, ich habe ein vermögen durch den alten Quien Sabe verloren. Das war mir so klar wie der Sonnenschein. Und ich glaube, junger Mann, daß es Ihnen gerade so kla? gewesen Ware, wenn Sie in meinen Stiefeln gesteckt hätten. Was meinen. Sie dazu?" Und wiederum blickte der alte Crowlcy den jungen Theoretiker aus Boston mit seinen finsteren, funkelnden Augen an, und wiederum spielte sein Zeigefinaer mit dem Drücker des mächtigen Revvlvers. Herr Thurlow beeilte sich denn auch, dem auf so überzeugende Weise Fragenden eine schnelle, bejahende Antwort zu geben. Und bald darauf begaben wir uns Alle zur Ruhe. Als wir uns am nächsten Morgen früh vom alten Crowley verabschiedeten, da blinzelte er so ganz eigen mit seinen düsteren, tiefliegenden Augen, und dann bemerkte er nochmals kurz, zu Herrn Thurlow gewendet: Ich wünsche Ihnen nicht auch ein solches Erdbeben in Las Cruces, junger Mann! Aber ich glaube, Sie werden's kriegen. Ich kenne die Leute dort. Jeder von ihnen will nichts von Bücherweisheit wisserc. Sie glauben an Facts" sonst Nichts. Nehmen Sie sich in Acht, das ist mein Rath." ' Und wir konnten bemerken, daß Herr Thurlow während des Restes der Reise nicht mehr halb so gesprächig war.

Das gestohlene Kaninchen. Vor dem Berliner Schöffengericht erscheint ein Repräsentant jene? Menschenklasse, welcher der Volksmund den Namen Lude- beigelegt hat; der Bursche ist angeklagt, ein Kaninchen ge stöhlen zu haben. Vors.: Angeklagter, sind Sie Arbeite'?? Angekl.: Een sehr tüchtige: sojar! Vors.: Was arbeiten Sie denn? Angekl.: Allerlei, ich scharniere mir vor jarnischt. Wenn ick heite nich Termin hätte,würoe ick wieder feste mang sind, denn wer die Arbeit kennt, und übet ihr nicht, der is fürwahr een erbärmlicher Wicht." Vors.: Wie kommt es denn ahtx, das Sie schon im ZwangsArbeiishause waren? Angekl.: Mil ick ihr damals noch nich kannte. Von die Zeit an bin ick aber wie umjekrempelt. Vors.: Sie sollen am 19. März dem Schneider B. einen Kaninchenbvck gestohlen haben. Angell.: Wenn der Schneider meent, det ick mir an so'n armselige! Karnickel bereicher will, denn kann er mir leed dhun. Der Mann muß ieberhaupt uf seinen Jeist untersucht wer'n, er r:det zu ville Marjarine. Vors.: Wenn Sie nicht einen anständigen Ton annehmen, lasse ich Sie sofort auf drei Tage einsperren. Sind Sie an dem fraglichen Tage in seiner Wohnung gewesen? Angekl.: Jewiß. aber bloß jesch'ästlich. Ick hatte zwee Dage später eene Leiche un wollte mir von ihm meinen schwarzen Jehrock uffbügeln lassen. Vors.: Wo hatten Sie denn den Rock? Anaekl.: Zu Hause. Ick wollte mir erst mal erkundigen, ob er ooch Zeit hatte. Vors.: Wo wohnen Sie? Angekl.: In der Pankstraße." Vors.: Und dann wollen Sie mir vorreden, daß Sie den weiten Weg nach der Torfstraße machten, bloß um zu fragen? Angekl.: An den Dag hatte ick jerade keene Arbeit, un da ick nich jerne müßig jehe, fo machte ick. mir den Jeschäft'sweg. Vors.: Nun, wie war es denn, als Sie zu dem Schneider kamen? Angekl.: Det war so. Er wohnt uf'n Hof, indem er seine Kundschast nich jerade unter die Linden hat. Als ick in seine Stube komme, is keen Mensch drin. Uf'n Disch. der an 'n Fenster steht, liejt sein Handwerkszeug un eene englisch Lederne. Ick fühlte mit die Hand uf'n Disch un finde noch die warme Stelle, wo er eben jesessen hat. Nu bitte ick Ihnen, Herr JerichtsHof, ick wußte also, det er zu Hause war, un denn sollte ick so dumm sind, wat mitzunehmen? Vors.: Nur weiter! Angekl.: Also ick stehe da eene Weile un warte. Nichtig kommt ooch Keener. Na, denke ick, sollst man een bisken uf'n Hof gehen un dir umZielen. Uf'n Hof is ooch Keener Da sehe ick, det zwee Karnickel aus 'n Stall

kommen un us mir zuyuppen. xtt eene machte so sonderbare Vewejungen mit die Hinterpoten, indem et mit de linke bei jedem Sprung so zitterte, det ick ihm bei die Ohren krieje un ihn hoch hebe. Da sehe ick denn zu meinen Entsetzen, det ihm det linke Hinterbeen völlig jequetscht is. det war voll Blut, det sah aus, als wenn ihm een Wagen darieber gegangen wäre. Det mußte mein Menschlichkeitsgefiehl uf's Höchste empören. Een Mensch, der sein Vieh so behandelt, soll von mir nich in Nah rung jesetzt wer'n, denke ick, det arme Thier nimmst du aber mit nach't Asyl in die Schulstraße, wo der Thierschutzverein seine Klinik hat. "jfck nehme det bejammernswerthe Vieh denn unner'n Arm un decke et mit'n Rock zu, det et nich friert un jehe durch'n Dhorweg uf die Straße. Vors.: Sie haben sich da eine ganz hübsche Geschichte zurechtgelegt; nur schade, daß der Zeuge Sie ungesehen beobachtet hat. Sie haben das Kaninchen aus einem Kasten genommen. dessen Deckel Sie aufgehoben haben. Auch beschränkte sich die geschilderte Verwundung auf eine ganz unerhebliche Verletzung. Angekl.: Wenn er det beschwört, mache ick ihn meineidig. Vors.: Warum eilten Sie denn nur um so schneller davon, als der Zeuge Sie anrief und Ihnen nackliek? Angekl.: Aus Mitleid für den Karnickel, damit er bald in die Kur jenommen werden konnte. Vors.: Was haben Sie denn dem Schutzmann gesagt, als derselbe sich Ihnen entgeaenstellte. weil der Sie verfolgende Jeuge Haltet den Dieb" rief? Angekl.: Ick habe jesagt, er sollte mir ich ufhalten, indem wir eene Wette jemacht hätten, wer von uns zuerst nach die Schulstraße käme. Die Beweisausnahme stellte die Schuld des Angeklagten. außer jeden Zweifel. Wegen der Frechheit seines Leugnens traf ihn eine Gefängnißstrafe von 14 Tagen.

In der guten, alten Jett. Ein Lobredner vergangener Zeiten stand neulich in München der Beleidigung eine? Kellnerin angeklagt, vor den Schranken des Gerichts. Seine Vertheidigungsrede begann er mit fol-. gender allgemeinen Betrachtung : .Glaub'n 's. daß d' Welt no' lang isteht. Herr Stadtrichter? I' glaub's net! Voriges Jahr hamer den großen Sturm g'habt ans der Erdinger. seifn, neulino.? hat's in Oestreich g'wackelt bnd" bebt, bei die Chinese? wasch'n d'Flüss' alle Jahr a paar Städt' z'samma; von die Amerikaner will i gar net red'n, da wenn drei Viert'l net tvahr is' von die Unglücker, die ma' alle Tag hört, na' san's no gaa. Bei uns gibt's um Weihnacht' Veigerl und um Johann! schneibt's; die ganze Welt is' verdraht. Was mer vor Zeit'n g'lobt fyrt, gilt jetz'n n!x mehrer. Schaugen's. in frühern? Ze! ten is mev zu sein Hirschbräu, Eberl oder Faber ganga, da war's zünftig, lauter lederpolsterte Bänk und Sessel, d'Marie hat net g'sragt. was i will, dös war selbstredend: A Maß und wieder oane! Da hat's g'hoaß'n: segn's Gott! Herr Schnauferl, frisch anzapft! Na, Marie, wie gchts denn alleweil?- Dank Eahna. recht sakrisch, so so la la a bisserl unterwachs'n, 's mueß scho' thuan! Kriegen'K a Lün gerl, oder a Paar G'schwollene?- Na! hab an Radi und um vier Kreuzer a Ripperl dabei! Kannst mitessen, für uns Zwoa g'langts!" Moans, da habens vielleicht amal 's Letzte vom Faß oder was Eintheiltes kriegt? Net a Spur davon und d'Kellnerin hat für die ung'raden Pfennig, oder Wenns hoch ganga ist. für a Kreuzel sich recht saube? bedankt. Gegens jetzen in a neugebackene Wirthschaft! Altdeutsche Tisch und Stuhl hoaßens m Grasfl mit lauter Ecken, wo's Eahna überall anstöß'n und 's Iwand zerreiß'; wenn V Kellnerin net grad mit an Studenten spricht, na' kriegens in aner Stund'S drei Quartl hmg'stellt, a Prosit oder zum Wohl könnens Eahna selber wünschen und wenn's auf a Fufzgerl 'no was rauS ham woll'n, no sagt's a nimmer Pfüet Gott", ßchaugens nur die Lokaler überhaupt an, wie's ausg'mal'n san! Das is a Adler mit Federn, als wär er alle Re gentäg auf's Wedlstoa 'g'wasch'n und kampelt word'n, die Löwen ham lauter Rach'n. Züngl und Hax'n. koan Leib und zehn g'ringelte Schweif', aber koane Zähn', die Oefen san drei Stockwerk hoch und so dick wie d' Frauenthürm', dazua steht a eisern's Wärmhaferl da neben, in dem eing'feuert wird, d' Fen-. ster ham Butznscheib'n, daß Nzambt außascha-ug'n kann, und wenn's riet 'n Bauplan z'erscht g'sehgn ham, nachher sinden's d' Thür nimmer, wo's außageht, wenn's hoam woll'n, vo' lauter Verschläg' und Winker! und Kammerln. Soll denn dös a was sein? Da lassen's mi' in Ruah mit dene neu modisch' Sach'n!. . Verständnißinnig. Leh rer: Mlchel, nenne mix einige öäiige thiere. Michel (schweigt). Lehrer (zu dem daneben Sitzenden): Na, Peter. zähle Tu dem Michel schnell ein paar auf. Im nächsten Augenblick hat Michel einige Backpfeifen von Peter, daß ihm der Kopf dröhnt. Schmeichelhaft. Gast: Kellner, da schwimmt a ein Haar in der Suppe! Kellner: Sie haben aber Glück, mein Herr, an der Farbe sehe Ich, daß es von unserer hübschen Wirthstochtcr ist. da würde sich mancher zunge zcann orum reißen: GlücklicheEhe. Sie prei sen Ihre tzhe als eine so glückliche, und gestern erzählten Sie mir noch, wie Ihre Gattin Ihnen fast täglich neue Puk-Rcchnungen vorlegt." Nun eben! Denken Sie, wie zärtlich sie jedes Mal sein muß, um mich zum Be zahlen zu bewegen!"

Zwei Schelme.

(Von Joseph Hatton.) Kennen Sie Toole? Nicht? Schade: denn dann kennt Ihr den famosesten Menschen nicht, der auf Gottes Erdenrund herumbummelt: dann kennt Ihr den flottesten Bühnenkünstler nicht. dann kennt Ihr den lustigsten Kops nicht, den je eines Menschen Schulter getragen. Eines Taaes , trat ich mit wichtiger Miene bei ihm ein. Halloh, Toole," rief ich, weißt Du. was ich Dir heute besonderes bringe?" .Na, was wirds sein?" Einen Besuch! Aber was für einen rath mal! Harte kommt, verstehst Du wohl? Harte!" Kenn ich nicht, kümmert mich auch nicht so viel," und er knipste mit dem Daumen gegen den Nagel des Mittelsinaers. So? Na meinetwegen, wenn Dir an Bret Harte nichts liegt, braucht er ja nicht zu kommen! Adieu." Toole aber war mit einem Sprunge bei mir. Mensch," sagte er und hielt mich fest, kannst Du denn ein einziges Mal vernünftig sein, kannst Du nicht ein einziges Mal die Wahrheit sagen: kommt Harte wirklich?" Wirklich!" iDer 'echte, wirkliche, ' leibhaftige Bret Harte?" D echte, wirkliche, leibhaftige Bret Harte!Hurrah! Dann frisch an's Werk! Den müssen wir empfangen, wie noch nie einer in meiner Villa empfangen worden ist. Bret Harte! O natürlich, das wollen wir schon machen, und weißt Du was, wir fahren gleich in die Stadt." Wozu?" Wirst Du schon sehen." Und eins, zwei, war der Wagen angespannt und wir fuhren nach der Stadt. Vor der Markthalle hielt der Wagen an. So." sagte Toole. da sind wir." Hier?" fragte ich ganz erstaunt. Was sollen wir hier?" Was wir sollen? Nichts sollen wir. nichts anderes, als dem Menschen, dem Harte, Neivect vor England einflößen, denn der ist bei den verteufelten Amerikanern ja nicht weit ber. Also komm nur." Natürlich ging ich mit, denn wie Toole das nfangen wollte, das war mir ein Räthsel. Was also that er? Tomaten? was? prächtig, nicht?" und er kaufte einen Korb voll der schönsten, röthesten Tomaten. Halloh und Bananen? das wird sich machen! Zitronen. Orangen, natürlich. Datteln? die dürfen auch nicht fehlen.... Ein Paar KokosNüsse? Auch nicht schlecht." Und so kaufte er zusammen, was nur zu kaufen war, Blumen, Früchte, alles, und alles ließ er in den Wagen schleppen. So." sagte er dann schmunzelnd, und jetzt komm! nach Haus, an die Arbeit." Im Handumdrehen waren wir bei ihm zu Hause. So." sagte Toole schmunzelnd, iebt soll dieser Harte, dieser smarte Amerikaner, die Augen aufreißen über die Vegetation in unserem glorreichen England." Du willst doch nicht...?" fragte ich lächelnd und seine Absichi durchschauend. ' Gewiß will ich. Alle die Früchte da kommen in den Garten. Aber schnell. Du hilfst mit." Und nun ging es an die Arbeit, üier wurden Zitronen an einen Baum aebundcn. dort Tomaten an einen Strauch, zwischenhinein eine Rose, an den qroken Baum dort drei mächtige Kokosnüsse, da wieder Weintrauben, Datteln, frische Mandeln, kurz es war wundervoll anzusehen und Toole betrachtete sein Werk mit unverhohlenem Entzücken. So," sagte er, jetzt mag er kommen und über England schimpfen, wenn er kann!" Und er kam. Die Begrüßung war kerzlich wie unter Männern, die sich kennen, ohne sich je gesehen zu haben. Das Gespräch drohte keinen Augen blick lang zu stocken und kam schließlich auf die Vegetation. Bret Harte entwarf ein hinreißendes Bild der Vegetation in Califormen. Toole hörte mit seinem behaglichen Lächeln zu. Na." meinte er schließlich, llppiaer als in England kann die Veqetation doch sicher wo anders nicht sein.Sarte lachte. Nein. nein, da giebt's gar nichts zu lachen. Mein Garten ist freilich nicht maßgebend, da gibt's ganz andere Gärten zu sehen, aber sehen lassen kann er sich doch, trotz Californien." Na. das möcht' ich sehen.- sagte Harte und stand auf. um mi! uns -in den Garten zu gehen. Maßloses, unverhohfenes Staunen malte sich auf des großen Schriftstellers Antlitz. Nein, das hatte er nicht erwartet. Und dabei ist die Vegetation in diesem Jahre sogar noch zurück." meinte Toole so ernsthaft.-daß ich kaum an mich halten kannte, um nicht herauszuplatzen. Diese Orangen z. B. sind die nicht vrachtvoll? Diese Trauben? und er pflückte ihm von den Früchten ab. Wundervoll." pflichtete Harte bei. Wenn Sie vielleicht ein: friscke Kokosnuß wollen." meinte Toole. und schüttelte an dem Baume. Sitzen aber zu fest. Ich werde dann eine herunterholen lassen." Bei jedem Schritte wurde Toolcs Triumph größer, bis sich endlich Bret arte aeschlaaen erklärte. Nein, so

tinen Reichthum habe er noch nirgends

gesehen, da sei allerdings Altengland der neuen Welt über. Toole aber warf mir einen Blick ZiU. einen tick , icy oegreise noq jetzt nicht, wie ich ernst zu bleiben vermochte. Bei Tisch wir saßen bei Tisch. obwohl sich Harte scheinbar nur schwer von dem Garten hatte lostrennen konnen waren wir in heiterster Laune. Irving, Oskar Wilde, der jetzt Lebendigtodte, Großmlth und andere waren mit dazugekommen und allen hatte Toole natürlich unter dem Siegel der Verschwiegenheit den Streich erzahlt, den er dem großen Humoristen da qespielt hatte, ein Streich, der übrigens nicht vereinzelt blieb, denn Toole hatte seine Freunde alle dem Gaste unter falscher Flagge, Stx zog von Gloster, Marquis Bedsord. Carl von Lonsdale etc. etc. vorgestellt und als solche wurden sie auch behandelt . Trotzdem oder gerade deshalb war die Laune die denkbar tollste. Da plötzlich zog Harte einen ??aden aus seiner Tasche. Einen Faden. der immer länger und länger wurde, schier endlos . . . Was ist denn das?" fragte Toole lachend. Ein Geschenk für Sie," entgegnete Harte mit dem ernstesten Gesichte von der Welt. Von diesem Faden muisen Sie jedem Ihrer Bäume einStückchen aufpfropfen." Wieso?" fragte Toole, dem es unlehaalich wurde. Weil Ihre Früchte mit weißem Zwirn wachsen, den schwarzen aber sieht man weniger..." Das unauslöschliche Gelächter, das diesen Worten folgte, läßt sich nicht beschreiben. Die gute Laune aber war nun erst recht über die Gesellschaft gekommen, so daß Bret Harte sich für den nächsten Tag wieder einlud und bat, drei Freunde mitbringen u dürfen. Der Tag kam. Harte und die drei Freunde auch. Mr. Toole. erlauben Sie. daß ich ?!hnen den Herzog von St. Albans. Sir George Trevelyan und Casi-mir-Perier vorstelle." Toole prustete vor Lachen heraus. Bravo." saate er. Bret Harte auf die Schulter schlagend, das haben Sie gut gemacht, jetzt sind wir quitt. Meine Herren," wandte er sich dann an die anderen, wenn ich hier die Ehre habe, den Herzog von St. Albans, seine Ehren Sir George Trevelya?. und hier gar Herrn CasimirPerier vorzustellen, dann habe ich auch hier die Ehre, den Herzog von Gloster. den Carl von Lonsdale und den Marquis von Bedsord vorzustellen. That sächlich aber sind es: Henry Jrving, unser Oskar" und CharlesGroßmith. Und wer sind Sie?" Der Herzog von St. Albans." Sir George Trevelyan." Casimir-Perier." O weh, reingefallen!" rief Toole und entschuldigte sich, so gut es ging, in komischstem Schreck. Eins aber schwöre ich nie wieder nehme ich's mit einem Amerikaner im Schwindeln auf..." Namentlich nicht, wenn er Bret Harte h-ißt," setzte Casimir-Perier hinzu, und lackend, in heiterster Laune ging man zu Tische. Gedankensplitter. Das .ln geh euer! ich sie selbst Wünscht mancher, daß geschehe. Damit ein kleiner Wunsch dabei Ihm in Erfüllung gehe. Schönheit vergeht, Tugend besteht Heißt es nach altem Brauch! Doch wie spricht der moderne Prophet? Schönheit vergeht, Tugend auch. Ein Lob. Dir i n's Gesicht gesagt, Wird niemals von Bedeutung sein. Doch lobt man hinter'm Rücken Dich. Darfst Du mit Recht Dich drüber freu'n. Mit Recht verlachst du Jemand, der stritt. Daß er die Orgel spielt, weil er die Bälge tritt; Doch Eines mag dein Spotten etwas kühlen: ' Wenn er nicht weiter tritt, kannst du nicht weiter spielen. Zwa Mörteln. Der Seppl geht just von der Felarbai ham, Da trifft 'n der Pfarra und packt 'n glei z'samm: No lebt? Hörst Seppl, dös is fe! a Schand, Wie stehst mit 'n Schatz, seid's no weit ausanand?" Net weit g'rad, Herr Pfarra. um Wörteln no zwa, I sag' scho ja. aber 's Diand! sagt na!" Eheliches Idyll. Wie hatten sich die Beiden So lieb vor Jahr und Tag, Kein Zufall konnt' sie scheiden,. Zwei Herzen und c?n Schlag! Verblichen ist der Schimmer Des Glücks von dazumal; Zwei Herzen sind's noch immer Doch Schläge ohne Zahl! Im Dusel. Student (Nachts vom Trottoir in die Straßenrinne rollend): Donnerwetter, ist das kalt; meine Wirthin hat jedenfalls das Bett wieder frisch überzogen!" Die Hauptsache. Jtzig Sohn (im Concert): Vaterleben, die Sängerin ist nicht brillant." . Jtzig Vater: Ab.se Hot Bii-I-lante!" .. .. " -

Kindermilch im Haust.

Lange bevor man Bakterien kannte, wußte man, daß die unschuldige Kuhmilch mitunter recht gefährlich werden kann. Man gab darum den Rath, die Milch niemals roh, sondern nur in abgekochtem Zustande zu genießen, und in der That sichert diese einfache Vorsichtsmaßregel die Erwachsenen völlig vor jenen Gefahren, welche durch den Milchgenu heraufbeschworen werden können. Eine besondere Behandlung erheischte jedoch, wie man sich bald überzeugte, die Kuhmilch, welche zur künstlichen Ernährung der Säuglinge dienen sollte. Der Säugling vermag dieKuhmilch nicht so leicht zu verdauen; außerdem wird sie selbst in dem reinlichsten Stalle beim Melken, Zusammengießen, Durchseihen etc. mit zahllosen unsichtbaren Keimen verunreimgt, wodurch sie leicht zersetzoar wird. Diese Keime sind in der Regel an sich Ileine Krankheitserreger, sie schaden wenigstens den Erwachsenen nicht; wohl aber vermögen sie die Milch derart zu verändern, daß sie sür die überaus zarten Säuglinge schädlich, ja lebensgesährlich wird. Man empfahl darum, auch die Säuglingsmilch durch Abkochen vor dem Verderben zu schützen, erfuhr aber bald, daß viele der gewöhnlich in :der MNch vorkommenden Bakterien sich durch Siedehitze nicht so leicht abtödten, lassm, sie bilden Keime oder Sporen, die gegen Hitze ungemein widerstandsfähig sind. Kocht man z. B. die Kuhmilch eine halbe Stunde lang und läßt sie in einem wohlverschlossenen Gesäße stehen, so bemerkt man, daß sie nach längerer oder kürzerer Zeit doch verdirbt. Ein Theil der Bakteriensporen hat der Hitze zu trotzen vermocht, er keimte später aus, vermehrte sich und verdarb die Milch. 'Es ist darum ungemein schwierig, die Milch völlig keimfrei zu machen. Wollte man dieses Ziel durch die einfache Siedehitze von 212 Grad Fah-rcnhe-t erreichen, so müßte man die Milch sechs bis sieben Stunden lang kochen. Dabei wird aber iie Milch dunkelbraun von Farbe, unangenehm

im Geschmack, die Elwerßstoffe werden zum Theil ausgefchieden, kurz, die Milch wird so verändert, daß sie nicht mehr verkaufsfähig ist und sich auch als Nahrungsmittel für Säuglinge nicht mehr eignet. Völlig keimfrei kann die Milch ferner gemacht werdcn, wenn man sie in gespanntem Dampfe auf 248 Grad erhitzt, wozu besondere Apparate nöthig sind. Ein dritter Weg. der gleichfalls zum Ziele führt, istl. die discontinuirlicheSterilisirung", ein höchst umständliches Verfahren, bei dem die Milch fünf bis sechs mal erhitzt und dann wieder an mäßig warmem Orte stehen gelassen wird. Man hat ferner einen M ittelweg eingeschlagen, indem man die Milch nur eine verhältnißmäßig kurze Zeit, etwa drei Viertel Stunden lang erhitzt; die so behandelte Milch nannte man gleichfalls sterilisirte" Milch und empfähl sie für Säuglinge in der An--nähme, daß die in der Milch noch am Leben gebliebenen Bakterienarten der Gesundheit nicht schädlich seien. Die praktische Erfahrung schien auch für die Richtigkeit dieser Annahme zu sprechen und Aerzte und Mütter waren des Lobes der sterilisirten Milch voll. Erst in der neuesten Zeit wurden gegentheilige Ansichten laut. Professor C. Flügge untersuchte diejenigen Milchbakterien, welche der Hitze trotzen, und fand, daß viele von ihnen durchaus nicht harmlos waren, sondern bei der Zersetzung der Kuhmilch Stoffe erzeugten, welche auf Versuchsthiere giftig einwirkten und wohl geeignet warcn, auch Säuglinge krank zu machen. Diese Stoffe bildeten sich namentlich dann, wenn bt sogenannte stenlisirle Milch, auch in wohlverschlossenen Ge faßen oder Flaschen, längere Zeit an einem warmen Orte aufbewahrt wurde. Prof.Flügge hält die nur unvollständig sterilisirte Flaschenmilch deK Handel für ein völlig unsicheres und gefährl5ches Präparat, gefährlich namentlich dann, wenn die Flaschen längere Zeit hindurch an einem warmen Orte auficwahrt wurden. Aus diefen Gründen, befürwortet Flügge die Sterilisirunz der frisch bezogenen Milch im Haushalt selbst. Natürlich kann diese. Sterilisirung n'cht vollständig sein, durch eine Reihe von Vorsichtsmaßregeln läßt sich aber die Gefahr beseitigen, welche die übrig bleibenden Keime verursachen könnten. Die Grundsätze, nach welchen man verfahren soll, sind folgende: es genügt, die Milch von dem Augenblick an, in dem sie in's Wallen geräth, zehn Minuten lang zu kochen. Die abgekochte Milch muß hierauf möglichst rasch abgekühlt werden, indem man sie sammt dem Kochtopf in ein Gefäß mit kaltem Wasser setzt, an besonders heißen Tagen das Kühlwasser auch wohl noch einmal erneuert. Die abgekühlte Milch soll darauf in einem Raume aufbewahrt werden, dessen Temperatur weniger als 72 Grad Fahrenheit b:trägt; unter diesen Umständen bleibt die Milch 24 Stunden lang zur Ernährung der Säuglinge tauglich. Steht ein entsprechend kühler Raum nicht zur Verfügung, und dies ist iir den Wohnungen der Städter und de? weniger Bemittelten im Hochsommer gar ost der Fall, dann ist die Milch nur 12 Stunden lang brauchbar und soll nach dieser Zeit für Säuglinge nicht mehr verwendet oder vorher noch einmal abgekocht werden. Bei S'paziergängen darf die vorher gewärmte Milch höchstens eine bis zwei Shinden durch Umhüllen mit wollenen Tüchern auf höherer Temperatur gehalten wer yn klU . 1 .1.- .........

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