Indiana Tribüne, Volume 18, Number 267, Indianapolis, Marion County, 16 June 1895 — Page 3

ie tolle Komteß.

Roman von Krng von ZVohsgzn. (13. Fortsetzung.) ' Sollte sich mein Verdacht bestät!3en," fuhr die Komteß fort, .so wür den Sie ja eine neue Waffe gegen sie in die Hand bekommen. Sie würden dann doch kaum mehr zögern, dieScheidungsklage wieder aufzunehmen." Ich fürchte, ich würde damit wieder nicht durchdringen," seufzte Norwig. Denn nach den Erklärungen, die mir öraf Bencken heute Morgen gegeben hat, fällt der entscheidende Punkt der Klage fort." Er theilte ihr in Kürze den Inhalt des Gespräches mit ihrem Wetter mit..Und an Urkundenfälschung oder dergleichen glaube ich auch nicht recht. Sie muß doch irgend welche BeZiehungen zu dieser Frau Bandemer haben wie würde sie sonst wagen, ihr zu schreiben?" Act), was fällt mir da ein!" rief die Komteß, wieder st5hen bleibend; Fink ließ ja Andeutungen fallen, nach welchen Fräulein Sophie mit dem Sohne des Haufes, in dem sie in Hamburg in Stellung war, sehr intime Beziehungen angeknüpft habe, und ich erinnere mich, daß in dem Empfehlungsschreiben der Frau Konsul Wuvermann diese Beziehungen als Grund der Entlassung angedeutet wurden." Herr Fink würde mir allerdings eiim wichtigen Dienst erweisen, wenn e? über diesen Punkt sichere Thatsachen mittheilen könnte; aber Sie begreifen, da ich es um jeden Preis verhindern möchte, daß irgend jemand außer Jhr.en meine wahren Beziehungen zu diesem angeblichen Fräulein auch nur ahne, so kann ich natürlich Herrn Fink nicht selbst um eine derartig? Auskunft angehen." Verlassen Sie sich ganz auf meine Diplomatie," fagte die Komteß, indem sie sich fester an seine Seite schmiegte und ein zartes Roth der Begeisterung ihre Züge verschönte: Ich will thun, !was menschenmöglich ist, um Sie von Ihren unwürdigen Fesseln zu befreien!" Er küßte ihr bewegt die Hand und sagte leise: O, theuerste Komteß, ich fürchte, das wird eine Aufgabe sein, die selbst Ihre Liebe nicht zu lösen imslnde sein wird. Ich habe kaum noch ine Hoffnung, als die eine, daß Sie mich nicht verachten möchten, wenn Sie erst mein Manuskript gelesen haben werden." Mein Gott, was werde ich ersahr?n!?" Lassen Sie mich die wenigen Stunden meiner Henkersfrist genießen. Sie winen nicht, wie unendlich kostbar sie mir sind!" flüsterte Norwig, ihrenArm Zärtlich an seine Seite preijeno. Das Lewußtsein, daß Sie mich geliebt hafcen, wird mir den Glauben an mich selbst erhalten, auch wenn vielleicht -chande und Verbannung meiner warreu sollten." Längere Zeit vermochte kein von beid:n ein Wort zu finden, um sich der Stimmung ängstlicher Spannung zu entreißen. Er fühlte 'ihr Herz gegen seinen Arm schlagen und ihre ruhelos beweglichen Nasenflügel verriethen ihre heftige Erregung. Lassen Sie mich hier niederschen ich bin erschöpft!" sagte sie endlich, als sie sich einer Bank näherten, von welcher aus sich ein prächtiger Ausblick auf die sanfte Hügellandschast darbot. Die andern Herren kehrten sich auch gerade uni und beeilten sich, der leidenden jungen Gräfin Gesellschaft zu leisten. Dort fanden auch die Hausfrau und Meister Fink die Herrschaften noch dersammelt, als sie bald darauf in dn Park hinauskamen. Natürlich erkundigi; man sich angelegentlichst, wie Komteß Vicki das unfreiwillige Bad bekomnen sei. O, ich danke, ganz gut" versetzte die Gräfin. Ich habe ihr Zogar den Kopf noch einmal nachträglich gewaschen." Nun, das nenne ich mir ein Komtcßchen, das sich gewaschen hat!" rief Herr von der Maltitz lachend. Entschuldigen Sie, gnädigste Gräfin, daß ich den Scherz auf Ihr Fräulein Tochter anzuwenden wagte. Ich muß gestehen, ich habe nie etwas Entzückenderes erlebt als diese Szene, die mir die Bekanntschaft der Komteß verschaffte. Meinen Sie nicht, Herr Fink, daß das ein reizendes Genrebild abgeben müßte?" Hanswurst'fink pflichtete trübselig lächelnd bei, und der Senthiner wandte sich wieder an die Gräfin mit der erneuten Versicherung, daß er durch Komteß Vickis Erscheinung auf das ange r.ehmste überrascht worden sei. Er habe ein Kind erwartet, und eine vollkommene junge Dame in ihr gesunden. Kurz vor Sonnenuntergang verabschiedete sich der Gast, freilich ohne Vicki in Zivil" gesehen zu haben. Als die Gräfin mit ihrem Gemahl allein war, machte sie ihm pflichtgemäß Mittheilung von dem ebenso kurzen als pikanten Roman, der sich im Laufe die ses Tages im Schooße ihrer Familie abgespielt hatte, und unterbreitete ihm das Urtheil, das sie gegen Vicki gefällt hatte, zur väterlichen Bestätigung. Es wurde dem guten Grasen recht schwer, der Verbannung seines Lieblings zuzustimmen. Das drollige Mädchen hatte so viel Sonnenschein im Hause verbreitet es würde nun Winter werden. so lange es ihm fern blieb! Doch gegen die Entschlüsse seiner Gemahlin richtete er erfahrungsmäßig wenig aus. Da die Gräfin ihres Bildes wegen an Räsen? dorf gefesselt war, so fiel ihm selbst da? Amt zu, die Verbannte zu geleiten, llebrigens bot ihm die Aussicht, einige 2age der Freiheit in der Reichshauptstadt genießen zu dürfen, in seinem Vaterschmerze einigen Trost. Die Tante Auguste, welche fortan Vicki zu Werken ie: christlichenLiebe anleiten sollte, war tine Schwester der Gräfin. Oberin eiues bekannten Berliner Krankenhau

ses im Westen der Stadt, und gleich ihrer jüngeren Schwester keine sauertöpfische Frömmlerin, sondern vielmehr eine heitere und sehr thatkräftige alte Dame. Zum Schluß ihrer Unterredung bemerkte die Gräfin noch, daß Vicki ihr einen entschiedenen Eindruck auf Herrn von der Maltitz gemacht zu haben scheine. Das ist Dir alfo auch aufgefallen?" versetzte der Graf. Ein sehr angenehmer Manan, unser Herr Nachbar sehr thätig und solide gute Gesinnungen allerdings nur kleiner Adel; aber alt und sehr respektabel eine Maltitz war, glaube ich, sogar einem Kurfürsten von ja, wo war's doch gleich? morganakisch angetraut; ihre Kinder wurden ja bekanntlich gefürstete Grafen von Dings da mein Gedächtniß ist zu schlecht für solche Sachen!" Ist mir auch sehr gleichgiltig," sagte die Gräfin. Jedenfalls sind die VerHältnisse recht dürftig und dann die Verwandtschaft! Denke doch nur, einer von den Brüdern ist ja Schriftsteller und hat natürlich eine skandalöse Heirath gemacht, wie man munkelt! Mit solchen Leuten kann man sich doch nicht Iiiren!" Damit war dieser Gegenstand vorläufig erschöpft. Die Gräfin begab sich in ihr Zimmer hinüber, um nunmehr das Fräulein Sophie vor ihren Nichterstuhl zu ziehen. Das Verhör gestaltete sich wesentlich anders, als die Gräfin erwartet hatte. Denn nicht schuldbewußt und ängstlich, sondern voll edlen Stolzes trat Fräulein Sophie vor ihre gestrenge Herrin hin und erklärte den Umstand, daß sie ihre Mutter verleugnet habe, ungefähr mit denselben Worten, welche sie erst heute früh dem Vetter Fink gegenüber gebraucht hatte. Was ihre abscheuliche Verleumdung betraf, so gab sie zu, daß die Wahl des Mittels eine unglückliche gewesen sei, betonte jedoch, daß dieVerirrung der Komteß ja nur zu deutlich bewiesen habe, wie sehr bei der Unerfahrenheit des jungen Mädchens eine eindringliche Warnung am Platze geWesen sei. Die Gräfin mußte zugestehen, daß die Handlungsweise des Fräuleins erklärlich und ihre Absicht eine gute zu nennen sei. Aber wissen Sie," fuhr sie fort, mag Ihre Absicht auch noch so löblich gewesen sein, die Jesuiterei ist mir in den Tod zuwider! Gelogen ist gelogen und wenn Sie dadurch einem das Leben retten können! Das heißt: jeder Mensch lügt ja bei Gelegenheit mal ein bischen, aber es ist doch ein großer Unterschied, ob ich damit einem andern die Ehre abschneide oder bloß eine eigne kleine Dummheit damit vertuschen will. Und was die Geschichte mit Ihrer Mutter anbetrifft, so hatten Sie es wahrhaftig nicht nöthig, erst unsern Herrn Vahnhofsinspektor mit Ihren parfümirten Uilletsdoux zu Heimlichkeiten zu verleiten. Habe ich Ihnen vielleicht den Eindruck gemacht, als ob ich Sie entgelten lassen könnte, was etwa Ihre Eltern verbrochen haben mögen? Wir wollen uns ja nicht derheirathen! Was geht mich also Ihre Familie an wenn ich nur weiß, daß ich mich auf Sie selbst verlassen kann! Aber nach dem, was mir Herr Fink eben erzählt hat, scheint es mir doch recht zweifelhaft, ob Sie überhaupt die sind, für die Sie sich ausgeben." Ich muß gestehen." erwiderte Sophie. daß Herr Fink mit Erfolg bemüht gewesen ist, sich für die Kränkung seines Vaters an mir zu rächen. Wenn Frau Gräfin in mir eine gemeine Betrügerin sehen wollen, so bleibt mir nichts übrig, als um meine Entlassung zu bitten." Und was wäre damit bewiesen?" frug die Gräfin ruhig. Mögen Sie mit Ihrer Mutter stehen wie Sie wollen, das können Sie doch wenigstens von ihr verlangen, daß sie Ihnen schriftlich ihre Echtheit bestätigt.- ' Ich bin für meine Mutter seit einem Jahrzehnt beinahe verschollen geWesen," wandte Sophie ein. sie wird mich kaum aus meiner Handschrist erkennen können, denn die war damals noch recht kindisch. Einzelheiten über ihre Familie und das Leben ihrerTochter könnte ich ja auch auf anderem Wege erfahren haben wie sollte sie mich also erkennen, ehe sie mich mit eigenen Augen gesehen hat?" Da haben Sie allerdings recht," besiätigte die Gräfin. Es bleibt alfo nichts andres übrig, als daß Sie Ihre Mutter hierher kommen lassen. Die Reisekosten will ich gern tragen." Frau Gräfin werden, nach den Andeutungen, die ich machte ermessen können, wie peinlich es mir sein muß, diese 5srau hier im Hause als meine Mutter anzuerkennen ganz besonders während der Anwesenheit des Herrn Fink. Vielleicht gewähren mir gnädige Frau einige Tage Urlaub, da mit ich mich ihr selbst in Lüneburg vorstellen kann. Ich bringe Ihnen dann die schriftliche Bestätigung zurück...." Die können Sie sich ja auch selbst schreiben." warf die Gräfin 'kühl ein. Und wenn ich die Handschrift meiner Mutter amtlich beglaubigen lasse. würde das Frau Gräfin genügen?" rief das Fräulein tiefgekränkt mit herausfordernd erhobenem Haupte. Die Gräfin gab zu, daß dies genügen dürfte, doch wolle sie erst das Urtheil des Grafen einholen, ehe sie den Urlaub gewähren könne. Mit diesem

Bescheide entließ sie das Fräulein. Ungeachtet der vielfachen Kränkungen. die Fräulein Bandenier im Laufe res Tages über sich hatte ergeben lassen müssen, saß sie doch bei der Abendandacht wieder in jener demüthig frommen Haltung da. die ihr so gut stand.' Das Köpfchen gottergeben zur Seite geneigt, die Hände im Schooße gefaltet und die zierlichen Füße gerade vorgestreckt und übereinander gelegt. Graf Bencken, das edle Biest, von Büsterloh, ' wähnte nicht anders, als daß das wohl-

gezielte Feuer seiner blauen Augen bereits eine erkleckliche Anzahl von Kernschüssen in das Herz der schönen Sophie entsendet, und daß sie jene Verführer!sche Haltung lediglich ihm zu Gefallen eingenommen habe. Wenn sie nur einmal den Blick zu ihm erhoben hätte seine Augen sollten dann schon eine Sprache reden, welche sie verstehen mußte! Ihre Füße kamen ihm heute womöglich noch kleiner vor als gestern, und er nahm sich im stillen selber das feste Versprechen ab, daß er ihr heute noch eine Schmeichelei darüber sagen wollte. Wenn nur seine verwünschte Schüchternheit ihm nicht wieder einen Streich spielte! Wie oft hatten sich Seiner Erlaucht schon die entzückendsten Abenteuer förmlich aufgedrängt, und doch hatte ihn stets im richtigenAugenblick der nöthige Schneid verlassen. Da sein Oheim morgen früh mit Kousine Vicki nach Berlin reiste, konnte er nicht gut anders als sich ihnen anschließen. Wenn er also noch einen kleinen Sieg erringen wollte, so war keine Zeit zu verlieren. Um seinen Muth zu befeuer, schwur er sich, daß er sich selber, und zwar schriftlich, für ciu Nilpferd erklären wolle, falls er nicht heute noch einen Ausfall auf seinen schönen Feind wagte. Indem er über solchen Plänen brütete, bedeckte eine verrätherische Gluth seine sorgfältig rasirten Wangen, und unter dem auf russisch in die Stirn frisirten, schon etwas dünnen Blondbaar perlten verstohlen einige kühle Tröpfchen hervor. Komteß Vicki hatte nicht beim Thee erscheinen dürfen, obowhl ihr, abgeseen von ihrem Liebesschmerz, nichts Besondres fehlte. Selbst ihr inständiges Flehen, daß Mama doch wenigstens noch eine einzige, erste und letzte Tanzstunde erlauben möge, war vergebens gewesen. SchwösterMarie, die sich gleich nach dem Thee zurückgezogen hatte, leistete ihr Gesellschaft. Als die Abendandacht vorüber war, nahm Graf Bencken einen . kräftigen Anlauf, seinen Schwur zu erfüllen. Unter dem Vorwande, daß er dem Diener einen Auftrag zu geben habe, blieb er zurück und folgte dem Fräulein Sophie in den Hausflur. Aber wie fatal das Fräulein stand am Fuße der Treppe in angelegentlicher Unterhaltung mit dem Inspektor Reusche! Er konnte doch unmöglich, ohne seiner Würde etwas zu vergeben, das Ende dieser Unterhaltung .abwarten und dann dem Fräulein auf der Treppe nachlaufen! Still seufzend über sein Mißgeschick begab er sich zu seinem Oheim. ' O mein lieber Her? Inspektor." sagte das Fräulein, ihre schönen Augen verheißungsvoll zu dem verwirrten Ludolf aufschlagend: Sie wissen nicht, wie sehr ich mich gerade heute nach einer Aussprache sehne. Ich habe namenlose Kränkungen erdulden mü)cn da thut es so wohl, sich einer mitfühlenden Seele mitzutheilen. Aber die Frist ist zu kurz, bis Friedrich dieHausthür schließt!" Der Inspektor wurde kühn. Könnten wir nicht nachher?..." stotterte er: Der Schlüssel der Hausthür bleibt ja innen stecken. Wenn Sie vielleicht..." Das Fräulein schien mit einem Entschluß zu kämpfen. Nach kurzer Ueberlegung flüsterte sie erröthend: Ich will es versuchen. Wenn alles im Hause schläft es ist ja wahrscheinlich das letzte Mal denken Sie darum nicht schlecht von mir!" Wollen Sie fort von hier?" rief Ldolf überrascht. Und dann fügte er fturig hinzu: Ich gehe mit Ihnen. Fräulein, ich folge Ihnen bis an's Ende der Welt." Wirklich, Sie wären imstande?! Edler Mann!" Sie drückte ihm warm die Hand. Ja, lassen Sie uns in stiller, verschwiegener Nacht alles überlegen. Erwarten Sie mich zwischen Elf und Zwölf an der Statue des kleinen Amor in der Zasminlaube. Hoffentlich gehen die Herrschaften nicht so spät schlafen! Sie können doch ungehindert aus dem Hause?" Ja, gewiß. Der Herr Verwalter kommt glücklicherweise heute früh herüber. Er hat mir schon gesagt, daß er heute Nacht noch viel zu schreiben hätte. Er läßt auch den Schlüssel innen stecken." Nun, dann ist ja alles gut. Mag jetzt kommen, was da will, da ich'JHrer Liebe gewiß bin! Auf Wiedersehen also!" Auf Wiedersehen!" gab Ludolf innig zurück. Und dann entfernte er sich, während das Fräulein die Treppe hinaufhuschte. Kaum aber hatte er die Hausthür hinter sich geschlossen, da kehrte sie wieder um. als habe sie etwas vergessen. Sie eilte noch einmal in die Küche hinunter und fand dort das anmuthig: Lining allein, noch mit demAuflvaschen des Geschirres vom Abendessen her beschäftigt. 13. Kapitel. Ja wklchkm ti zuzkd! wie i einem r:4t:z?n Rz man un d.r gknkizlr L.s.'r aüti iaoen io.:d,:pj1 idm u wiff.'n wünsch. nzm.td crjchi.'NkN i:ia mij. cv''-tit bti Aachl unD v.'rdrkiltt Uicht. Da man den andern Morgen früh reisen wollte, gingen die Herrschaften nach der Andacht auch bald auf ihre Schlafzimmer; die beiden Grafen, um ihre leichten Koffer selbst zu packen, Herr von Norwig. um die versprochene Denkschrift auszuarbeiten, und die Gräfin, um in einem längeren Schreiben ihr Töchterchen der Tante Auguste warm an's Herz zu legen. Meister Fink kam der frühe Aufbruch auch gelegen, weil er noch aus der frischen Erinnerung heraus eine Kopie der Zeichnung von Vicki in Wasserfarben ausführet wollte. Im Schlafzimmer der Zungen Do men herrschte noch rege Geschäftigkeit, da die Komtessen noch dabei waren, mit Hilfe von Anna und Louise Vickis großen Reiskorb zu packen. Bei dem Gedanken, daß sie fast nichts von ihren schönen Kleidern, mitnehmen durf-

te, weil sie ja nun bald in die Uniform.

I der christlichen Nächstenliebe gesteckt werden sollte, flössen immer neue ThräninrUrvrni ntiK ti I f

iiuiivrnt, unu dwuutß iuiifc yutib dem Abschieds schmerz und der Unver nunft der Schwester gegenüber, die am liebsten ihre ganzen Habseligkeiten mitgeschleppt hätte, eine schweren Stand. Es war nahezu elf Uhr geworden, ehe sie die beiden Mädchen entlassen und Vicki bewegen tonnte, sich niederzulegen. Als Graf Bencken sein Zimmer betrat, kam ihm die Luft darin so schwül vor, daß er Thüre und Fenster öffnete, um den frischen Nachthauch hindurchstreichen zu lassen. Man hatte ihn zwischen Fink und Fräulein Sophie einquartirt. Er legte sein altes Lieutenantsköfferchen offen über zwei Stühle und begann seine Siebensachen einzupacken. Da kamen auch, sauber in Seidenpapier gewickelt, jene berühmten Vallschuhe der schönen Frau von Norwig zum Vorschein. Er löste die rothe Atlasschleife, mit welcher das Paket zierlich umschnürt war und wickelte die kostbaren Pfänder seiner schönsten Erinnerung aus ihrer Umhüllung. Da standen sie nun, hübsch auswärts gestellt auf dem Tische, und der Graf betrachtete sie durch seinen goldenen Klemmer mit zärtlichster Aufmerksamkeit. Würde er noch imstande sein, seinen Schwur einzulösen? Er horchte aufmerksam, ob sich aus dem Nebenzimmer, wo die Holde schlief, kein Laut vernehmen ließe, der ihm Gewißheit brächte, ob sie schon zur Nuhe gegangen sei. Er vermochte jedoch nicht das leifeste Geräusch wahrzunehmen, und schloß daraus, daß Sophie ihr Zimmer noch nicht aufgesucht habe. Er nahm sich fest vor. den Augenblick, wo die Reizende an seiner offenen Thür vorbeikommen würde, zu einer Anrede zu benutzen, und dann mochte ihm Amor gnädig sein! Die Erwartung regte ihn dermaßen auf. daß seine Hände zitterten und jedes Geräusch draußen oder im Hause ihn zusammenfahren machte. Er schloß das Fenster, ließ den Vorhang herab und stellte sich dann laut klopfenden Herzens dicht an der Thür auf die Lauer. Jetzt hatte er sich nicht getäuscht! Die Treppe knarrte unter einem leichten Tritt, und nun näherte sich dieser unverkennbare Tritt seiner Thür. Sie war es! Wie zufällig überschritt Karl Egon Emich seine Schwelle und stammelte hastig. Ah, Fräulein Bandemer! Noch nicht zu Bett?" Wie Sie sehen, Herr Graf," versetzte sie lächelnd und wollte mit einer kleinen Verbeugung an ihm vorbei. Es ist. heute so warm in den Zimmern!" stieß er überstürzt heraus. Ich habe mir noch etwas Luft gemacht." Sie neigte abermals das Haupt und sagte nur, da seine Bemerkung wohl kaum eine Antwort erheischte: Ich wünsche wohl zu schlafen, Herr Graf." Mit dem Muthe der Verzweiflung wagte er ihr zwei Schritte nachzuthun und sagte: Ich fürchte, aus dem Schlafen wird wenig werden!" Wieso?" Nun weil.... ich meine.. äh! Ich werde zuviel an eine gewisse äh! reizende Dame...." Er schielte hilflos zu ihr hinüber. Sie drohte ihm schelmisch mit dem Finger: Ach Herr Graf sind verliebt?" In der That, das ist das rechte Wort ich kann unmöglich von hier abreisen, ohne Ihnen gesagt zu haben, daß...." Aber Herr Graf, ich bitte Sie wenn uns jemand hörte!" Sie haben recht, ja.... wollen Sie nicht einen Augenblick in mein Zimmer treten?" Nein. nein, das geht nicht, um keinen Preis!" flüsterte sie ängstlich und wandte sich zum Gehen. Da ergriff er sie bei der Hand und sagte leise: Fürchten Sie nichts. Sie sind im Schutze eines Kavaliers. Ich wollte Sie nur um eine kleine Gefäl ligkeit bitten." O, Herr Graf, ich weiß nicht Sie ließ sich, nur leicht widerstrebend, als sei sie von seinen Worten wie bezaubert, in das Zimmer führen. Doch blieb sie dicht an der Thür stehen und heftete in reizender Verwirrung ihren Blick auf den Boden. Er zog die Thür hinter sich zu, ergriff zaghaft ihre beiden Hände und begann dann stockend: Ich kann es immer noch nicht fassen, daß Sie nicht Frau von Norwig sein sollen: die Aehnlickkeit ist effektiv lächerlich sogar die Sprache! Und die wunderbarste Ähnlichkeit liegt im Fuß.... Pardon mein Fräulein!..... Außer bei Frau von Norwig 'habe ich nie etwas Aehnliches von Grazie und Finesse bei einer Dame gesehen! Der Fuß ist für mich das Entscheidende.. äh! Ich möchte behaupten...." Sie haben diese Frr i von Norwig wohl geliebt, Herr Graf -;" Und wie!" versicherte er treuherzig. ??ch bin bis heute noch Junggeselle geblieben, weil ich die Erinnerung an diese Frau nicht loswerden kann. Als ich aber Sie hier sah.. Sie begreifen, mein Fräulein!" Sie zog ;f:e Hände aus den seinen, zupfte verlegen an ihrer Schürze und flüsterte: O. Herr Graf Sie beschämen mich! Ich weiß wohl, daß ich keinen Anspruch auf Schönheit machen dass. Ich bin ein armes, einfaches Mädchen...." Nein. Pardon!" unterbrach Gras Emich fast feurig. Ihre entzückenden Füße sind für mich so gut wie ein Adelsbries. Das ist ein untrüaliches Merkmal guier Nasse ich möchte pariren so hoch Sie wollen, daß Sie blaues Blut in der Familie haben." Sophie lächelte schamhaft und ließ ihr Köpfchen noch tiefer hängen. Ich will es nicht leugnen. Herr Graf, da Sie es doch einmal errathen haben Tittn Vater war allerdings sein fffnrtn rTmtht thrn mrvt muntr 5ll,,l yuil My. ub.. I ter die Hand zu reichert.

Ah. ich versiehe!" rief der Graf mit triumphirendem Lächeln. Es konnte nicht anders fein!" Und dann nahm er die zierlichen Aklasschuhe vom Tische und sagte: Sehen Sie diele Ehaussüre kann man sich etwas Feenhafteres vorstellen!" Ach wie entzückend!" rief sie, näher tretend und klatschte kindlich in die Hände. Ja, die vornehmen Damen haben es freilich leicht, sich hübsch zu machen!" Wie sich wohl Ihr Füßchen darin ausnähme? sagte der Graf zögernd. Würden Sie mir es sehr übel nehmen, wenn ich Sie bäte, sie einmal anzuprobiren?" Der Graf hatte nie in seinem Leben Goethes Faust aufführen sehen, da er grundsätzlich nicht in klassische- Stücke ging, sonst würde er wohl durch die allerliebste Komödie, welche Fräulew Sophie vor diesen Schuhen aufführte, an die Szene erinnert worden sein, wo Gretchen das Schmuckkästchen fiirdet. Nachdem sie eine schickliche Weile zwischen Eitelkeit und Befangenheit gekämpft hatte, ließ sie sich endlich herbei, seinem Wunsche zu entsprechen, streifte im Stehen ihre Lederschuhe ab und schlüpfte dann, ihm den Rücken kehrend, ohne Schwierigst in die Atlasschuhe, welche sie vor langen Jahren aus jenem Kasinoballe getragen hatten

Nein, wirklich sehen Sie nur! Sie sitzen wie angegossen," rief sie glückstrahlend, indem sie sich auf dem Haken herumdrehte und dann kokett den. Saum ihres Kleides zurückschob. In diesem Augenblicke hallte ein lauier Schlag durch den Korridor. Die Beiden fuhren erschrocken zusammen und lauschten erbleichend nach der Richtung, aus welcher der Schall gekommen war, hin. (Hanswurstsink hatte nämlich seine Stiefel etwas unsanft vor die Thür gesetzt.) Ach Gott, ich armes Geschöpf.- begann Sophie händeringend. Es kam von Herrn Finks Zimmer her. Er hat ns gewiß belauscht. Nein, nein, ich weiß es bestimmt! Er spürt mir überall nach, der abscheuliche Mensch! Er wurde so dreist gegen mich neulich Abend, und da habe ich ihn gehörig abfallen lassen, darum sein Haß auf mich. O Herr Graf, was haben Sie gethan! Man wird mich aus dem Hause weisen.... wie soll ich mich rechtsertigen? Sie haben mein Leüensglück zerstört! Man wird mich in keinem anständigen Hause mehr ausnehmen wollend So hasteten beinahe schluchzend die abgebrochenen Sätze hervor, und der gute Karl Egon Emich fühlte sich schier erdrückt von der schweren Schuld, die er auf sich geladen hatte. Mein theures Fräulein, ich bedaure unendlich ich hoffe, Sie haben sich getäuscht! Aber wenn wirklich fatale Folgen für Sie entstehen sollten, ein Bencken hat niemals eine Dame kompromittirt, ohne nachher seine Schuldigkeit zu thun! Hier ist meine Karte. Fräulein: Fried:nau bn Verlin ich stehe jederzt?! zu Ihrer Verfügung." Er verbeugte sich militärisch vor ihr und spähte dann zur Thür hinaus. Die Luft ist rein." flüsterte er. Sie zog hastig die Atlassch2ihe ab, nahm ihre eigenen in die Hand und huschte auf Strümpfen an ihm vorbei z und in ihr Zimmer. Noch einmal steckte sie den dunklen Kopf heraus, drohte ! (im f rfsm r fYar. W rn V r I itiit uuivucui uii iuu 4 1 iiyrn isauii eine Kußhand zu, welche er mit dem Bestreben zurückgab, bei dieser Handbewegung die Grazie eines alten Marquis zu entwickeln. Dann zog sie ge7äuschlos die Thür hinter sich zu und er hörte sie den Riegel vorschieben. Der Graf drückte die fortgeworsenen Schuhe, welche die kleinsten Füße der Welt soeben erst zu erwärmen begonnen hatten, mit Inbrunst und zu-wie-verholten Malen an seine Lippen, bevor tr sie wieder mit dem Seidenpapier und dem rosa Bändchen umwickelte. Dann setzte er das Licht vor den Spiegel und betrachtete sich lange Zeit darm, ehe er daran dachte, sich zur Ruhe zu begeben. Etwa eine halbe Stunde nachdem Komteß Marie die beiden Zofen entlassen hatte, öffnete Sophie geräuschlos ihre Zimmerthür und tappte im Dunkeln vorsichtig den Korridor entlang und dann die Treppe hinunter. Obwohl sie auf Strümpfen ging und möglichst leise auftrat, konnte sie doch nicht verhindern, da& die hölzerne Treppe bei der tiefen Stille der Nacht vernehmlich knarrte. Es war nicht das erste Mal in ihrem Leben, daß sie ein abenteuerliches Wagniß unternahm, aber doch klopfte ihr das Herz so arg. daß sie öfters stehen bleiben und nach Athem ringen mußte. Unten im HauZflur angekommen, machte sie noch einmal Hatt, ja sie mußte sich sogar für einen Augenblick auf der dort aufgestellten Bank niederlegen, bis ein, leichter Schwindelanfall vorüber ging. Die große alte Wanduhr aus dem varigen Jahrhundert, welche der Hausthür gegenüber in einer Nische aufgestellt war. tickte so vordringlich laut, daß die ängstlich ringsum Lauschende leine Gewißheit erlangen konnte, ob sonst, im Hause alles still sei. Der plumpe langsame Pendelschlag hallte in dem leeren weiten Steingewölbe des Vorplatzes unheimlich wieder, und einer der hellen Mondstrahlen. die durch die. schmalen hohen Bogenfenster über den Estrich bis nach der gegenüberiiegenden Wand hinliefen, beleuchtete zespenstisö den unteren Theil des Uhrgehäuses, in dessen dunkles Mahagoni-Fournier die Gestatt des Todes mit Stundenglas und Hippe aus Elsttbein eingelegt war. Sopdi- zog da schwärze Wollentuch fester um ihre Schultern, erhob sich rief aufatbmend und lich dann rasch durch den hint:?en Korridor nach de Gesindestuben. Sie ossnete vorsichtig Lines Kammertbur und trat gerausch los ein. Dö- Mädchen lag angeUeidet auf seinem Bett und scbnrchte furchterlich. Sophie munte ste erzt eme lan gere Zeit lrästiz Arm: schütt;l.i.

öevor sie unwillig grunzend di. Augen aufschlug. Qmi . ? .ri O.tlt

Uit, (3 l )Uli Jl CIUIV tyUlVlU Stunde machst Du Dich auf ver- ' sdanden?" Sie mußte ihre ?orte mehrmals wiederholen, ehe das schlaftrunkene Mädchen deren Sinn erfaßt hatte. Thu mir nur den Gefallen und schlaf nicht wieder ein, Mädel! Warte noch bis die Uhr Mitternacht geschlagen hat. Setze Dich lieber im Vorplatz auf die Bank hier schläfst Du doch wieder ein. Die Hausthür findest Du offen." Line versicherte nun alles begriffen zu haben, und Sophie entfernte sich auf demselben Wege, auf welchem sie gekommen war. Noch einmal trat sie an den Fuß der Treppe und horchte mit borgehaltener Hand hinauf. Dann huschte sie, da sie nichts Verdächtiges wahrnehmen konnte, nach der Hausthütt, drehte mit einem entschlossenen Griff den großen Schlüssel herum und war im nächsten Augenblick rm Freien. Zunächst zog sie nun ihre Schuhe an, dann klinkte sie behutsam die schwere Thür hinter sich zu und lief endlich, den knirschenden Kies vermeidend, und sich fortwährend nach allen Seiten hin umschauend, den Fahrweg entlang nach dem Parkthor. Unbemerkt erreichte sie den Hof und das Wirthschaftshaus. Hinter dem Fenster des ersten Stockmerks, rechts über derHausthür, brannte Licht; dort saß also der Oberverwalter noch über seiner Schreiberei., Sophie drückte rasch die Klinke nieder ah! die Thür gab nach der Inspektor wartete also' bereits irr der Ja-sminlaube. Wieder zog sie die.' Schuhe von den Füßen, und dann flog sie mehr als sie ging die Treppe hinauf, und befand sich nach wenigen weiteren. Schritten vor dem Zimmer ihres Gatten. Sie näherte ein Auge dem Schlüsselloch und sah ihn an seinem Schreibtisch sitzeir.. Die Lampe beleuchtete hell sein edles, scharf geschnittenes Gesicht und die weiße schlanke Hand, welche, die Feder so rasch über das Papier hingleiten ließ. Eine ganze Weile beoblichtete sie ihw und suchte aus. dem Spiel seiner Mienen zu errathen, was sein Inneres bewegte, was seine Feder schrieb. Dann rkte sie sich langsam in die Höhe, lehnte sich gegen den ThürPfosten und strich mit beiderr Händen ihr dunkles, schon für die Nachtruheaufgelöstes Haar von den Schläfen zurück. Ihr Busen flog, in allen Schlagädern drängte und zerrte das Blut, und ängstlich keuchend, fast pfeifend, ging ihr Athem aus und ein. Noch einmal preßte sie die Rechte fest gegen, ihr Herz dann trat sie ein. Nachdem sie die beiden Mädchen- ent" lassen hatte und Vicki' eingeschlafen war, streckte sich Komteß Marie noch einmal auf dem Sofa in ihrem Wohnzimmer aus,, um ihreGedanken zu, samrneln und aus den Vorgängen dieses ereignißreichen Tages für ihr ferneres Verhalten den Schluß, zu ziehen. Sie hatte eben die Lampe gelöscht, um sich zur Ruhe zu begeben, als sie durch das Knarren der Treppe aus ihrem einsam men Sinnen aufgeschreckt wure. Sietrat rasch in die Thür und lauschte aufmerksam auf das verdächtige Gerausch. Als alles wieder still, zu sein schien, öffnete sie leifc ihre Thür, trat ohne das Licht an die Treppe und beugte sich gespannt horchend, über das Geländer. Doch außer dem schwerfälligen Ticken der Hausuhr war kein Laut zu vernehmen. Trotzdenr. verharrte sie unbeweglich Wohl länger als fünf Minuten iuid kehrte 'dann, erst langsam nach ihremZimmer zurück. Aber in dem Augenblicke, als sie die Thür hinter sich zuziehen wollte, Härte sie deutlich das Knacken,, welches die Umdrehung des Hausschlüssels verursachte. Nun war sie nicht mehr, im Zweifel, das; hier irgend ttwas Unrechtes vorgehe. Sie . becute: sich, einen wärmeren Schlafrock anzuziehen, und begab sich dann, so rasch die Schwäche in ihrrn Gliedern es erlaubte. in 'den Speisesaal bxnüber, dessenFenster nach vorn bincrus sahen. Sie: spähte eifrig in die monderhellte Nacht,, und glaubte eine dunkle- Gestalt vom der Parkthür aus nach demVerwalters hause eilen sehen. Doch war die Ent-' fernung zu groß, als daß sie hätte er-. kennen können, ob dieselbe einem Manne oder einem Werbe- angehöre. Sie: fetzte sich am Fenster meder und wartete, ob etwas Verdächtiges sich zeigen würde. Aber länger als eine Viertelstunde starrte sie vergebens nach denr Hof hinüber. Die Gestalt zeigte sich nicht wieder und auch im Hause rührte sich nichts.. Die. Augen begannen ihr schließlich, vondem angestrengWr Sehen weh 311 thun, sie wandte sich w's Zimmer zurück und ließ den Blick ausruhend über die Wände des weiten Saales schweisen. Da schaute aus dem dunklen Getäfel die Bilder rhrer Ahnen auf sie hernieder urtd das unsichere graublaue. Mondlicht verLeh allen diesen, starren öülgen etwas seltsam Lebendiges, als suchten sie gleich ihr die Dämmerung zu durchdringen uzrd die Spur des Frevlers auf den bethauten Wegen zu ent decken, welcher durch - sein LchtscheueK Beginnen hm Burgfrieden der ehrlichen Pfungks. verletzt hatte.. Die Ritter im stählernen Harnisch. Äie Hofleutk mit den schweren GnadeÄketten uvb wallenden. Locken, die bezopften Herren im gesticktm Frack und nicht minder die ehrwürdigen Damen mit den. wdel losen Spitzenkrausen, selbstbewußt dreinschcrueuden tief enÄlößten Schönheiten im steifen Mied des stlözehnten Jahrhunderts, die 'geziert lächelnden des achtzehnten mit iÄien großen Mandelaugen und endlich die freundlichen Hcrrschaften der ji-ngeren Vergangenfcit alle, alle schienen sie ihre En5elin zu mahnen: es ist gut. daß Du machst! In unserm Hause soll nicht die Lüge nächtlich umgehen und mit ihrer Brüt unter unserm stolzen Dache sich '.innisien, um Ratten gleich die Wände unserer Kraft zu benagen. Mache Dich zuf zur That Du siehst :: u?:se.?m Schutze, Tu kühne, tolle Komteß! (FoUsetzunz folzt.) '

Die Zrau und öas ZnyrraS. Wohl noch nie hat das Fahrrad ei r.en begeisterteren Vertheidiger gefuw den, als den Dr. Just Champonnire, der eines der jüngsten Mitglieder der Akademie der Medicin zu PariH ist.' Er hat in der Nouvelle Revue' Frau Adam eine längere Abhandlung über Die Frau und das Fahrrad" erscheinen lassen, worin er ias Fahrrad geradezu als das beste Mittel zur Regenerirung der Frau und dadurch euch der Männer preist. Der Arzt führt aus, daß kein anderer Sport, weder das Turnen, noch das TennisSpiel, noch die Fußwanderung, noch das Reiten, noch das Schlittschuhlaufen dem weiblichen Körper mehr zusage, als das Fahrrad. Die Jnvasion des Radfahrerthums in die nuderne Gesellschaft," sagt er, scheint uns bestimmt zu &z, eine große Rolle zu spielen, wie' sie noch kein System körperlicher Ausbildung je gespielt hat, wie sie noch nie eine sociale Gewohnheit hervorgerufen hat." In vier Jahren habe sich in Paris die Zahl der Radfahrerinnen von einigen seltenen Ausnahmen auf mehrere Tausend vermehrt, und das sei nicht eine Modefache, die wieder verschwinden werde. Diese Mode ist um so natürlicher," führt Dr.. Champonnire aus, als bic- Frauen besser radfahren, als die Männer. Sie werden zwar den Mannern nachstehen, wenn es sich um außerordentliche Leistungen an Geschwindigkeit und Ausdauer handelt, zu- denen eine Kraft geHort, die nur dem Manne eigen ist.. Aber für die Anmuth, für die Leichtigkeit in den Bewegungen, für die Anpassung und die Regelmäßigkeit derselben ist die Frau auf dem Fahrrad befähigter alZder Mann. Die nothwendige Harmonie in. den Bewegungen- macht den Tri umph der Frau auf dem Fahrrad aus. Die- Frau radfahrt gut, wie sie gut tanzt. Indem- sie radsahrt. trifft sie die gleichen Bedingungen an, wie die sind, welche- ihre Ueberlegenheit im Tanze machen."' Nach der Ansicht Champon nitzres ist das Fahrrad ein Sport, dem die Frau mit Nutzen und Annehmlichkeit bis in's Alter obliegen kann. Eine Mutter kann gar nichts Besseres thun, als Mann und Kinder auf dem Fahrrad begleiten-. Gegen die Bleichsucht, gegen die- dew Französinnen so gefährliche Leibesfülle gibt es kein besseres und kein müheloseres Mittel als das Fahrrad. In geistiger Beziehung soll das Fahrrad den Muth, die Geistesgegenwart, das Selbstvertrauen und den Verstand der Frauen zu stärken inr Stande sein. Eine Radfahrerin wird bald eine gewiegte Geographin und Kartenleserin. Kurz, das Fahrrad hat nach Dr.'' Champonnire für die Frau alle Vortheile und keinen einzi gen Nachtbeil, außer daß sie bei den ersten Studien einige unangenehme Augenblicke zu überwinden hat. Japanisches Märchen. Einst lebte m einem Dörfchen Japans ein junges Ehepaar. Sie besaßen nur ehr. Kind, ein schönes, kleines Mädchen, welches beide sehr liebten. Nun mußte der Vater einmal eine lange Reise' nach der weit entfernten Stadt antreten, und da er- Frau und Kind nicht mitnehmen konnte, so ließ er- sie daheim. In jener großen Stadt sah er viele neue Dinge, die ihm, da er sein Lebtag rn. dem ruhigen, kleinen Gebirgsdorf gewohnt hatte, gänzlich unbekannt waren Etwas- von diesen unbekannten Dingm wollte er seiner Gattin mit nach Hause, bringsn, und als das Wunderbarste.' von allen erschien ihm ein Spieael auch seine Frau sollte daS Veranügrn- und die Ueberraschung haben.'. die: erc beim ersten Hineinschauen nr denselben- gehabt harte. Als er wieder in der Heimath eintraf fchenttr er ihr den Spiegel, und

zum steir Male blickte ste in emen solchen Was siehst Du?" fragte der Mann. Eine sehr hübsch: Frau erwiderte sie, das Haar trägt sie geradc wi ich. und sie lächelt und bewegt di'e Lippen, als ob sie zu mir sprächet Er hosstr. sie würde den Spiegel jeden Tag benutzen, aber sie hielt ihn für eine zu mre. seltene und kostbare Gabe, bewahrte ihn sorgfaüiz auf und sprach nienralZ zu ihrem Tochterchen davon, das mit jedem Tage lHöner und der Mutter immer ähnücher wurde. Inr Laufe der Jahre ward das kleinr Hauswesen von großem Unglück betroffen. Die Mutter erkrankte schwer, und bald zeigte sich, 'daß sie sterben müsse. W sie auf demSterbebette lag. rief sie ihre Tochter zu sich und erklärte ihr. daß sie jetzt die Mutter auf immer verlieren werde. Dann erzählte sie ihr von dem wunderbaren Spiegel. Wenn ich todt sein werde." sagte sie, so nimm den Kasten dort herab und schra in den Spiegel, welchen er enthält. Darin wirst Du metn Antlitz sehen. Und ich wünsche, daß Du jeden Tag hineinsiehst, damit Du Deine Mutöer niemals vergissest und mit iedem Tage ihr ähnlicher wirst." Die Mutter starb, und die Tochter 'that, wie ihr geheißen war. Sie glaubte in dem wunderbaren Spiegel das Antlitz ihrer Mutter zu sehen, jung und schön, nicht so bleich und krank wie auf dem Sterbelager, sondern frisch und rosig, wie sie vor der Krankheit gewesen war. Und jeden Tag sah daZ. Madchen in den Spiegel und gedachte? iör-Mutter und ihrer dielen Reize und Tugenden, und während dieJahre verflossen, wurde sie der lieben Versto? öenen immer ähnlicher. ; Die Gewohnheit erstickt mehr Revolutionen, als alle bewaffne, fei Heere zusammengenommen. . . .. t