Indiana Tribüne, Volume 18, Number 260, Indianapolis, Marion County, 9 June 1895 — Page 7

ZwetSed.nölSuft. Teutsch-Amerikanische Skizze voa W. öo Schierbrand.

Sie kamen beide an demselben Tage und auf demselben Schiffe in New Fzrk an, aber der eine landete in Castle Garden, denn er kam im Zwiischendcck, der andere imr in der ersten Cajüte gefahren unv wurde daher in Hoboken gleich am Pier mit großer Höflichkeit empfangen und in's Land hereingelassen, während Jener erst die unangenehme Procedur der Prüfung durchzumachen hatte. Dabei wurde er lom Arzte wie ein Stück Vieh betastet und untersucht und von den Zollanf schern wie ein verdächtiger Mensch oe handelt. Wie gesagt, so landeten dieft. Zwei u-.d ein so crasser Unterschied hatte auch bei der ganzen Ueberfahrt obgewaltet. Sie kamen Beide aus derselben Stadt. Binzen am Rhein, ja aus demselben Haufe sogar. Der Eine, Fritz Heimburg, war ein verzogenes Muttersöhnchen, aus einer höheren Beamtenfamilie, und seit dem friU h?n Tode des Vaters war er von der Mutter, als einziges Kind, schrecklich verzogen worden. In der Schule hatte er nicht gut gethan, auf der Universität hatte er sich "zwar einem feinen Corps angeschlossen, hatte Couleur getragen And war stets forsch" darauf folge gangen, hatte auch die Kunst, unzählig: Ganze herunterzugießen, gründlieh gelernt, aber sonst Nichts. Als ei schließlich, weil seine Mutter die Schul. en des Herrn Corpsswdenten nicht länger zahlen konnte, von. der hohen Schule abging, da hatte er das Grsieht voll halbvernarbter Schmisse, aber sonst konnte er nicht viel aufweisen,. namentlich sah's im Schädel bedenklich leer aus, wenn man, von einem maßlosen Dünkel betreffs Geburt, Standesehre" etc. absehen will. Nachdem die arme Mutter, deren kleines Cap!ral zur guten Hälfte durck die ausgiebigen Studien" ihres Sohne- daraufgegangen war, vergeblich versucht Ijatte, Fritz in diesem oder jenem Beruf unterzubringen, nachdem auch alle Bemühungen, ihn in der kaufmannischen Carriere heimisch zu machen, gänzlich fehlgeschlagen waren, hatte Fritz selbst seine Auswanderung nach Amerika vorgeschlagen, und die arme Mutter, die mit ihrem Sprößling weder ein noch aus wußte.hatte schließlich ihre Einwilligung zu diesem Schritte geben müjjen, da Fritz in Deutschland eben gründlich abgewirthschaftet hatte. Fritz erträumte goldene Berge wußte er doch aus den Briefen zweier ehemaligen Schulkameraden, die schon einige Jahre vorher nach Amerika gegangen waren, daß es ihnen gut gehe dort drüben. Und was denen gelungen war. das mußte doch ihm, 'dem Schneidigen", erst recht gelingen. So calculirte er. Der Andere von den Zweien. WilHelm Schultz,' war der Sohn eines Flickschusters, der sich mit seiner großen Familie schlecht und recht durch's Leben schlug und im Hause, w die Frau Heimburg, die verwittwete Geheimrathin. ein kleines aber elegantes Quartier bewohnte, versah Meister Schultz auch nebenbei das Thürhüteramt, was er von seiner Kellerwohnung us leicht thun konnte. Wilhelm hatte nur die Bürgerschule besucht und war dann, nachdem er zwei Jahre bei seinem Vater in die Lehre gegangen war, in einem großen Geschäft in Köln g: wesen. wo er sich als Schuster weiter vervollkommnet hatte, und nun. noch nicht 19 Jahre alt, wanderte auch er nach Amerika aus. in der Erwartung, daß der Verdienst drüben nicht so karz bemessen, und eine aufwärts steigende Laufbahn eher zu erreichen sein werde, als innerhalb der engen Grenzen des von Standes- und Rangvorurtheilen beherrschten Vaterlandes. Er aber ging nicht mit hochgespannten Erwartungen hinüber. Im Gegentheil; wohl war seine Jugend recht freudenleer gewesen und Schmalhans war Zeit seines jungen Lebens Küchenmeil'ter gewesen, und doch bangte ihm vor dem neuen Lande, dessen Sprache und Sitten er ja auch gar nicht kannte. Was er hie und da von Amerika in Deutschland gehört und gelesen hatte, das hatte ihm eher den Begriff beigebracht, daß er in ein Land komme, wb man seines-Lebens und seines Bischen Habe nicht sicher sei und die Räuber mit geladenen Revolvern schaarenweise in den Straßen der Städte umhergreiften. Doch Wilhelm hatte sich vor. genommen, recht vorsichtig und höflich zu sein, und sich nach Kräften in die neuen Verhältnisse zu schicken dann hoffte er. schon seinen bescheidenen Weg selbst in Amerila zu machen. Fritz und Wilhelm sahen sich nach der Ankunft in New Iork nicht wieder. Fritz hatte sich nach dem Albemarle House fahren lassen, dessen feine Küche ihm auf der Universität einst von eirern Vielgereisten empfohlen worden war, während Wilhelm sich mit seinem kleinen Lündel zu Fuß auf den Weg machte, um eine wohlfeile Herberge aufzusuchen. Auch auf dem LloydDampfer selbst hatte er den jungen Reisegefährten als einen nicht Ebenbürtigen abgeschüttelt, und so trennten sich denn ihre Wege definitiv. Zehn Jahre sind seitdem vergangen. Der neue prächtige Schnelldampfer der LIsyd-Linie fängt eben an zu fauchen und zu pfeifen, und kleine Wölkchen feinsten weißen Wasserdampfes steigen auf. Alles ist zu? Abfahrt nach Teutschland bereit,' und am langen Pier steht Kops an Kopf die nach Tausenden zählende Menge, die Freunden oder Verwandten an Bord des Colosses das Geleite gegeben und nun Abschiedsgrüße zuwinken und zuschreien will. Langsam setzt sich der mächtige Bau in Bewegung, eine Schwenkung vorerst in dem trüben, graugelblichen Wasser des Rortß River. daß der

Öif$t hoch aufschäumt, und einen Moment kehrt das Schiff seinen spitzen Kiel der Menge zu. die mit Hurrah und Tücherschwenken antwortet. Oben auf dem Hurricane-Deck steht, in einfachem aber elegantem Anzug ein junger Mann an der Seite eines rosigen Weibchens und schaut scharf auf die Menge herab, bis er eine Gruppe von Freunden darin erkannt hat und ihnen nun Abschied winkend sich bemerkbar macht. Aber alles das dauert nur wenige Minuten, da ist der Dampfer schon inmitten des breiten Stromes und fliegt schnell und sicher der Einfahrt in" die Bai zu. Der Pier mit seiner bunten Schaar entschwindet dem Blick, und die Passagiere bereiten sich jetzt in vollem Ernst auf ihre achttägige Fahrt vor. indem sie hinabgehen, um sich bequem anzukleiden. Nimm mich mit. Wilheli??." sagt die junge Frau, denn ihr. als Amerikanerin. die noch nie auf einem großen Dampfer auf See war, graut es etwas an Bord, und sie sucht d:e gewohnte Stütze an ihrem

Mann Und von ihm sorglich geführt, tastet sie sich vorsichtig die Treppe zur ersten Kajüte hinab. Es war prachtvolles Wetter, tiefblauer Himmel, blitzende Sonne, das Wasser von jenem metallenen, tiefen, gesättigten Blau, wie man's nur bei schönstem Wette? trifft. Aber heiß war's. Grimmig heiß war's. Es war ja im Juli, und dann ist es auf See manchmal noch heißer als am Lande, denn zu dem Sonnenbrand gesellt sich das scharfe Reflex der Wellen. Schon zwei Tage in See. Trotz des nur unbedeutenderrSchwankens und Schaukelns des mächtigen Fahrzeugs war doch, wie üblich, die holde Weiblichkeit unter den Passagieren fast sammt und sonders an Seekrankheit leidend, und auch Wil Helms junge Frau war unter den Patienten. Er selbst natürlich nicht. Vielmehr machte er strammen Schrittes seine mehrstündige Promenade auf dem Hurricane-Deck. wo die kühlste Brise wehte, ab und zu sterzen bleibend und ein paar Worte mit anderen Passagieren austauschend. Nach einiger Zeit aber trieb ihn sein Gewissen als guter Ehemann denn er war erst vor Kurzem in den Hafen der Ehe eingelaufen und diese Besuchsfahrt zu seinen alten Eltern und seinen Geschwistern nach Deutschland war zugleich die Hochzeitsreise des jungen Paares hinunter in die unteren Regionen, um nach dem Befinden seines Weibchens zu schauen. Da. als er gerade auf der Brücke über dem Zwischendeck schritt, um den nächsten Weg zu wählen, trugen zwei Heizer, denen der Schweiß von den roihglühenden Gesichtern lief, einen Leidensgefährten auf's Verdeck und betteten ihn in den Schatten. Un willkürlich theilnahmvoll blieb WilHelm stehen und beobachtete diese armen Menschen. Er war gestern, als er den mächtigen Bauch dieses Leviathans besichtigte, auch im Maschinenraum gewesen, allerdings nur wenige Minuten, denn länger konnte er's nicht aushalten in der wahrhaft höllischen Temperatur, aber lange genug, um die armen, lechzenden Heizer und Kohlenschaufler zu bemitleiden, deren schwere Pflicht sie da unten auf nach Stunden bemessener Schicht festhielt. Und hier also war einer dieser Bedauernswerthen augenscheinlich erkrankt, vielleicht sterbend. Der OberMaschinist hatte ihm erzählt, daß fast alle diese Kohlenschaufler sich durch ihre harte Arbeit eine Freifahrt über das Meer eroberten, da sie mittellos und sonst nicht im Stande gewesen wären, nach Europa zurückzugelangen. Die meisten von ihnen s:nd verlumpte, verkommene Burschen, die es weder in Amerika noch in Europa auf einen grünen Zweig bringen kön nen, aber hie und da ist doch ein anständiger Kerl darunter. Ja. hart ist ihre Arbeit, sehr hart, so daß mancher von ihnen schon auf der Fahrt gestorben ist. Aber was .soll man thun? Nöthig ist die Arbeit ja.. und es ist besser, solche Menschen besorgen sie, als daß es brave, tüchtige Mannschaft thut." so hatte der Obermaschinist gesprochen, und Wilhelm hatte dabei geseufzt. Hier war nun einer dieser Unglücklichen. und er schien bewußtlos zu sein. Wie sein dunkles, lockiges Haar vom Schweiß an die Wange geklebt war! Narben sogar auf der Stirn, und sogar auf der Wange zwei, drei quer über's Gesicht, beinahe wie die Narben auf dem Antlitz eines alten Corpsstudcnten. An wen erinnerte ihn nur gleich dieses Gesicht, diese markirten, beinahe aristokratischen Züge, dieser kecke Schnurrbart? Er wußte nicht, wohin er dieses Gesicht stecken sollte, und doch hatte er das dunkle Bewußtsein, es schon früher gesehen und gekannt zu haben. Wilhelm stieg die Treppe hinab und näherte sich dem noch immer Schwerathmenden, scheinbar Bewußtlosen. Als er näher und näher an ihn herantrat, verstärkte sich der .Eindruck, daß er dieses Gesicht kenne. Plötzlich l c v i t - . . i T ourazzuaie es ion es war ng Heimburg! Er. der Verzärtelte, nur die Annehmlichkeiten des Lebens Kesnende. und in solcher Lage, in solchem bejammernswerthen Zustande! Wilhelm Schultz trat an Fritz 'heran, beugte sich über ihn und sah aufmerksam in das vom Schmerz verzerrte Antlitz. Ja, kein Zweifel, es war Fritz. Aber wie kam er hierher? Gleichviel, hier that schnelle Hilfe Noth, und Wilhelm suchte sofort den Zungen, liebenswürdigen Schiffsarzt ans. mit dem er gestern eine Parthie Skat nach allen 'Regeln der Kunst gespielt hatte, und bat ihn. sich des armen' Menschen anzunehmen. Der Ant sah ihn erst erstaunt an. als Wilhelm. aber hinzufügte, es fei ein

alter Bekannter, da verwandelten iq die Mienen des Aesculapjüngers. und schleunigst folgte er dem barmherzigen Samariter. Schnell auch wandte er alle Mittel seiner Kunst an. und !ieß den noch immer Bewußtlosen in eine kühle Koje im Zwischendeck bringen, aber er schüttelte bedenklich den Kopf dabei. Die ganze Nacht verbrachte WilHelm am Schmerzenslager desSchwerkranken, dessen durch Jahre lange Ausschweifungen geschwächter Körpeu diesem plötzlichen Zusammenbruch aller Kräfte wenig Widerstand enigegenzusenen hatte. In seinen FieberPhantasien verrieth Fritz einiges von seinen Erlebnissen während seiner 10 Jahre in Amerika als Kellner, als Cowboy, als Barkeeper und als professioneller Spieler gerirte er sich in seinen Ausrufungen, und die ganze Oede und Leere, der ganze verzweiflungsoolle Schiffbruch eines Lebens, ohne jeden Halt im Innern und 2lcußern trat aus diesen unfreiwilliyen Bekenntnissen hervor. Wie so Viele, die von Europa an die Gestade Amerikas o.esplllt werden, war es auch dem alten Corpsstudenten erganAen. Für jede geregelte, angestrengte Thätigkeit zu träge und verdorben, batte er sein gründlich verpfuschtes Dasein mit allerhand Schwindeleien, hie und da in der Noth durch kurze Arbeitsleistung in untergeordneten Stellungen, gefristet, bis er brieflich vor wenigen Wocbn vom erfolgten Ableben seiner Mutter gehört hatte, deren kleines Erbtheil w erheben er gerade jetzt nach Deutschland gereist war. Wegen völligem Mangel an Mitteln war er gezwungen gewesen. sich als Kohlenschaufler zu verdingen filr die Fahrt, indem er glaubte, daß er, der sich fchon im wilden Westen in allerhand verfänglichen Lagen befunden und immer noch so ziemlich mil heiler Haut davon gekommen war. auch diese acht Tage im feurigen Ofen aushalten werde. Leider hatte er sich getäuscht. Wilhelm leistete ibm freilich seine Dienste, und sorgte auch dafür, daß ihm jede Erleichteruna zu Theil wurde, die die ärzt' liche Wissenschaft kennt, aber Ichsu am nächsten Morgen war Fritz Heimbürg eine Leiche. Verdorben, gestorben! AIs der Dampscr pünktlich zur festgesetzten Zeit in Bremerhaven landete. bestieg Wilhelm am Arme seines blühenden jungen Weibes mit 'dem Hochgefühl wieder den heimischen Boden der mütterlichen Erde, daß er. wie er gegangen, als ehrlicher Mensch zurückkehre. Wohl war's ihm drüben über Erwarten geglückt. Aus dem Arbeiter in einer großen Schuhfabrik in New Jork war der Vormann einer Abtheilung, dann nach drei Jahren der Superintendent der Fabrik geworden, als welcher er einen Antheil am Gewinn des Geschäfts bezog und schon jetzt für deutsche Begriffe ein reicher Mann geworden 'war alles innerhalb 10 Jahren. Als junger, thatkräftiger, völlig mit dem Wohl und Wehe seines Adoptiovaterlandes verwachsener Mann, demselben auch noch durch seine Heirath mit einer Tochter des Landes aus's Neue verbunden, so kehrte Wilhelm Schultz, der arme Plebejer, besuchsweise zurück in das Land, das ihn gebar. Als lebender Beweis dafür, daß das Handwerk, richtig verstanden und geübt, bei aufgewecktem Sinn auch heute noch goldenen Boden in Amerika hat. wurde er im schönen Binge am Rhetn begrüßt.

Meister Petz in Alaska. Der braune Bär Alaska'S ist allgenein weniger bekannt, als sein oft genannter Vetter, der Grizzly, obwohl er demselben weder an Muth und FurchtIossgkeit. noch an Wildheit nachsteht. Er ist wie dieser ein gewaltiges rauhaariges Ungethüm. mißt in derLänge von 6 bis 12 Fuß. und erreicht ein Gewicht von 800 bis 1200 Pfund. In sehr gewandter Weise versteht er das Fischerhandwerk zu betreiben, und während der Lachszeit findet man ihn an allen Flüssen, die sich in das Behringsmeer und den nördlichen Pacific ergießen, soweit er Fische in denselben antrifft. Nach dieser Zeit zieht er sich in die entlegensten Schlupfwinkel der Berge zurück, wo er sein Leben von Beeren und kleinem Wilde fristet. Auf der Nordseite der Kanai Halbinsel, auf der Insel Kadiak und auf der Halbinsel Alaska's bis hinauf an die Insel Unimak befindet sich der Haupttummelplatz dieses Bruder Petz. Die von den Jägern und Händlern am meisten benutzten Wege hat man vor allem ihm zu verdanken; nicht nur an den Ufern der Ströme trifft man Pfade, die von seinen breiten Tatzen festgetreten sind, auch durch Sümpfe und morastige Geeenden hat er nach allen Richtungen Wege, die nach den Bergen führen, im Laufe der Zeit festgestampst und dadurch eine sichere Passage durch dieselden ermöglicht. Alle Reisende verfolgen diese Wege mit Vorliebe, denn s wissen, daß dieselben stets zu den besten Futter- und Trinkplätzen.und andererseits am ehesten zu dem höher gelegenen Lande führen. Man hat den braunen Bär bis zum 67. Grad n. B. gefunden; die größten und kräftigsten Exemplare werden an der Westseite von Cook's Inlet angetroffen, während die um Unga Strait hausenden die kleinsten ihrer Art sind; an Wildheit und Muth stehen sich aber alle gleiche Der Jäger, der um den braunen Bär zu jagen auszieht, darf nie allein hierzu ausziehen; ein Begleiter ist ebenso unbedingt nöthig wie die Flinte. Außeidem sollte er nie versäumen.einen Führer, der zugleich mit den Gewöhnh:iten .dieses gefährlichen ThierS ver-

traxt ist. zu miethen. Gute Hetz- und Bärhunde sind von großem Werth und Bedeutung be! ditfem Sport, aber diese müssen vom Jäger mitgebracht werden, da jene Gegend sehr arm an, für diesen Zweck brauchbaren Hunden ist. Westlich bis zur Portage Bai ist dies Land fast ganz unbewaldet, und nur in dem Flußtieflande trifft man 'auf große und schwer durchdringliche Dickichte, die stets von Bären wimmein. Deshalb ist es für den Jägersmann geboten, mit der, größten Vorsicht diese Dickichte zu betreten, da ein verwundeter oder aufgescheuchter Bär sofort zum Angriff vorgeht. Im vergangenen Sommer begaben sich mehrere Officiere von der Beh ringsmeer-Flotte in der HerendeenBucht an Land, um Hirsche zu jagen. Einer von ihnen erblickte beim Herumstreifen, etwa 100 Jards vor sich einen gewaltigen braunen Bären, der sich in aller Ruhe an Beeren gütlich that. Ohne die weiteren Folgen zu erwägen, legte der Jäger die Flinte an die Backe und feuerte auf das Thier. DerSchuß ging über das Ziel hinaus, aber der Widerhall des Flintenknalles hatte den Bären aus seiner Ruhe aufgescheucht, und ohne sich auch nur einen Augenblick zu besinnen, stürzte er sich in vollem Laufe auf seinen Angreifer los. Trotzdem dieser aus seinem RepetirRifle Kugel auf Kugel dem wüthenden Thiere in den Leib jagte, ließ dieses sich doch nicht, obwohl schon schwer verwundet, auch eine Secunde lang in seinem Laufe aufhalten, sondern rannte ieradenwegs seinem Feinde entgegen. Ungefähr 10 Schritt vor dem Jäger richtete sich dar Bär auf seinen Hintertatzen auf und machte sich bereit, den Schützen zu umfassen. Das Blut lief dem Ungethüm in Strömen am Leibe hinunter, seine obere Kinnlade 'war durch eine Kugel zerschmettert, trotzdem hätte der Kampf für den Jäger einen schlimmen Ausgang genommen, wäre nicht zur rechten Zeit und im letzten Augenblick einer seiner Kameraden auf dem Platze erschienen und hätte mit einem wohlgezielten Schuß durch das Gehirn dem Bären den Garaus gemacht. Als man das todte Thier näher untersuchte, fand man, daß sechs Kugeln es getroffen hatten. Von diesen waren drei allein todtbringend geWesen, und hätten auch den sofortigen Tod des Thieres zur Folge gehabt, wenn nicht die Zähigkeit und die Lebenskraft dieser Bären eine so erstaunlich große wäre. Man hat Fälle gehabt, in denen durch das Herz getroffene braune Bären noch über 100 Jards vorwärts gelaufen sind, ehe sie zu Boden fielen. Schlimmer als diesem Jäger erging es zwei Prospectoren", die in der Nähe von Port Moller nach Kohlen suchten. Eine Meile von der Küste trafen sie unvermuthet auf einen braunen Bären, den sie dabei überraschten, wie er in einem kleinen Flusse nach Lachsen fischte. Einer der Männer schoß sofort auf das Thier und vermundete es augenscheinlich sehr schwer, man verlor das Thier aber sogleich in dem dichten Buschwerk aus den Augen. Begierig, das kostbare Fell desselben zu erhalten, machten sich die beiden Jäger auf die Verfolgung. Sie waren kaum einige Dutzend Schritte gegangen, als sich das zur äußersten Wuth entfachte Thier gegen sie wandte und, ehe einer von ihnen zur Flinte, greifen konnte, den einen Mann beim Beine erfaßt und es beinahe durchgebissen . hätte. Dann sprang es auf dessen Gefährten los und schlug diesen mit seinen mächtlgen Tatzen nieder, daß er köesinnungslos liegen blieb. In dem Glauben.daß es mit seinen Feinden zu Ende sei, zog der Bär ruhig seines Weges und ward später etwa 300 Fards von dem Kampfplatze verendet aufgefunden. Glücklicher in ihrem Jagderfolge waren zwei andere und mit der Bärenfagd vertraute Männer gewesen. Innerhalb eines Monates hatten sie 33 dieser Bären erlegt, davon 9 an einem einzigen Tage. Zum Beweise ihres Jagdglückes brachten sie die Felle der erjagten Bären nach dem Handelsposte bei Sand Point, wo sie reißenden Absatz für ihre Waare fanden.

Kampf mit einem Nehbock. In der Nähe des Torfes Scitwann bei Guben geht kürzlich ein Bauer auf sein Feld, das dicht an der Haide liegt, und bemerkt aus einem Nachbaracker einen Nehbock. der sich die junge Nog gcnsaat wohlschmcckcn läßt. Zur Bc'rwundcrung des Mannes denkt das sonst so scheue Thier nicht an Flucht, obwohl es kaum dreißig Schritte entfernt ist, sondern äst ruhig weiter. Auch der Bauer will den Bock nicht stören, sondern ruhig seines Weges gehen. Doch da trabt dieser hinter ihm drein. Staunend bemerkt das der Mann und läßt den dreisten Burschen noch näher herankommen. Als der Bock aber bloß noch sechs Schritt von ihm entfernt ist, springt er plötzlich mit einem Satz auf den Verdutzten los und hätte diesen beinahe auf Den Rücken geworfen. Mit knapper Noth bewahrt der Bauer das Gleichgewicht, nimmt aber nunmehr entschlossen den Kampf mit dem frechen Rehbocke auf, indem er ihn an den Hörnern packt. Es gelingt ibm auch, das verwegene Thier mehrere Male an die Erde zu werfen und schließlich so mürbe zu machen, daß es den Kampf aufgibt und sein Heil in der Flucht sucht. Toch nicht ohne Opfer hat dc? Bauer den Sieg erfochten. Blutende Hände und zerrissene Beinkleider nimmt er als Andenken an seit Abenteuer mit nach Hause. Gut erfunden, wird Mancher sagen. Allein der Borfall ist sogar amtlich" dem Kreisausschuß in obiger Weise berichtet worden, so daß an der Richtigkeit der gegebenen Tarstellung nicht zu zweifeln ist.

Zlell Vwqn. Lon C. Ärug. Die oft und gern vom Briten für seine Heimath angewendete Bezeichnung des lustigen Alt-Engknds-stammt nachweislich aus der Regierungszeir Karl's II. (1660 bis 1685). Der lustige König ließ es gern gelten obwohl Anzeichen seines besseren Wissens von den wahren Zuständen nicht fehlen, daß er ein gleichgestimmtes Land beherrschte. Obschon das herbe Urtheil über diesen Stuari als Regenten nicht mehr zu erschüttern ist. mischt sich doch stets in die Betrach. iung seiner Persönlichkeit eine gewisse menschliche Sympathie, während man gleichwohl gestchen muß. sich hier blos für einen leichtsinnigen, energielosen Halunken ohne jede edlere Manneseigenschaft zu erwärmen. Und dennoch besaß Kar! II. nicht nur Verstand und Esprit, sondern auch die bei Monarchen äußerst seltene Neigung zu gutmüthiger Selbstverspottung; ferner konnte er gelegentliche Zurechtweisungen ohne Rachegelüste und in vortrefflicher Manier hinnehmen. UeberHaupt zeichnete sich seinBenehmen durch Sanftmuth aus; es hieß, er sei nicht im Stande, eine abschlägige Antwort zu ertheilen, worin denn freilich auch die Ursache gegeben ist. daß er als doppclzüngig und unzuverlässig in der Ge. schichte dasteht. Bekannt ist die satiri. Zche Grabschrift, von welcher behauptet wird, er selbst habe sie ausgewählt: Hier liegt ein Fürst, der tüchtig aß; Uft) auf sein Wort war kein Verlaß. Nie sagt' er etwas Dummes hin. Nur was er that, war ohne Sinn. Als Kommentar dazu wird dem Könige noch das Bonmot zugeschrieben: Sehr einfach seine Reden stammen nämlich von ihm selbst, seine Handlungen aber aus den Ministerien." Karl's Hofhalt in Schloß Whitehall hat freilich zu allen Zeiten dem Engländer als ein sittlich verwahrlostergegolten, um diesen Ausdruck modcrner Beredtsamkeit anzuwenden. Der gesammte Hof bestand nur aus einer prunkenden Masse ausschweifender Männer und schamloser Weiber." sagt Freund Dickens, der im Lob wie im Tadel immer gern den Mund recht voll nimmt. Die Königin Katharina, eine portugiesische Prinzessin, wurde von ihrem lustigen Gemahl , auf jede Weise beleidigt und gekränkt, bis sie sich drein ergab, die unwürdigen Geschöpfe als gute Freunde zu empfan gen. Eine gewisse Frau Palmer. vom Könige zuerst zur Lady Castlemaine und später noch zur Herzogin von Cleveland-erhoben, war wohl die mächtigste unter dem Weibsvolke jenes Hoses, und 'übte fast während seiner ganzen Regierung ihren Einfluß auf den König aus. Eine zweite lustige Dame und frühere Ballettänzerin, Moll Dadies, rivalisirte kurze Zeit mit ihr. Dann kam Nell Gwyn, einst OrangenVerkäuferin und nachher 'Schauspielerin. die in der That gute Eigenschaften besaß, von denen aber die am wenigsten zu lobende mir zu sein scheint, daß sie wirklich den König gern hatte. Der erste Herzog von St. Albans ist ein Sohn dieses Orangenmädchens geWesen." Ueber den hier flüchtig skizzirten Lebenslauf der interessanten Favoritin fehlt es nicht an genaueren Daten. Sie wurde am 2. Februar 1650 in London geboren, wie aus dem Horoskop ihrer Geburtsstunde, das sich erhalten hat, hervorgeht. Von ihrem Vater weiß kaum die Legende etwas, vermuthlich aus sehr einfachem Grunde; ihre MtfU ter war Fisch- und Gemüsehändlerin in der Nähe von Drury-Lane und führte denselben Vornamen, Eleonore, wovon Nell" eine der dem Englischen so eigenthümlichen Verkürzungen darstellt. Die alte Dame erlebtenoch die erste Glanzzeit der Tochter bei Hofe, und scheint auch einigen Nutzen für sich selbst daraus gezogen zu haben, denn wir finden .sie als Besitzerin von NeatHouse bei Chelsea. Dort ertrank sie 1679 in ihrem Fischweiher, wahrscheinlich, indem sie am Rande Unglück lich ausglitt; aber es fehlte nicht an boshaften Epigrammen, darüber, in denen die Schnapsflasche eine gewisse Rolle spielte. Mit der Lebensgeschichte unserer Nell Gwyn ist die des Londoner Theaterwesens eng verbunden. Nicht zum Wenigsten begrüßt wurde die WiederZulassung der ösfentlichen Schauspiele seit der Restauration des Königthums. Dreiundzwanzig Jahre hindurch hatte die puritanische Republik die Künste einfach unterdrückt. Ferner waren bis dahin niemals weibliche Acteurs auf der englischen Bühne gesehen worden; jetzt ließ man auch Schauspielerinnen zu, welche binnen ganz kurzer Zeit schon Hosenrollen creirtcn. Am 8. April 1663 wurde das Drury-Lane-Theater unter dem Protectorate des Königs eröffnet, ihm folgte die Oper in Lancoln's Jnn Ficlds, unter dem Schutze seines Bruders Jacob, des Herzogs von Fork und nachmalig: Königs. Das Interesse des Londoner Publikums für Schauspielkunst und Bühnenwesen stieg schnell zu eine: Höhe, von der man sich heute kaum dic richtige Vorstellung machen kann. In Drury-Lane debütirte Nell Gwyn am genannten Tage, und zwar zuerst als Orangenhändlerin. Diese Mädchen hatten ihren festen Stand im Parterre, mit dem Rücken nach der Bühne, durften im Zwischenakt ihre Waare laut ausrufen und wurden von den Stutzern vielfach geneckt; ihre'ge würzten Antworten waren beliebt. Das Geschäft war übrigens einträglich, weil man es ihnen überlassen zu haben scheint, die Preise festzusetzen. Ein Gentleman darf nicht wie ein Schusterweib feilschen," sagt ein zeitzenösst-

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scheö Vademnum mit Bezug herauf. Die muntere junge Nelly fand bald Verehrer, und einer von ihnen brachte sie schließlich vom Parterre auf die Bühne. Hier glänzte sie besonders in komischen Rollen und wurde bald zum Stern des Theaters. So zog sie des Königs Aufmerksamkeit auf ihre Person, bis eines Abends die sashionable Welt sich zuflüsterte, das Schnupftuch sei ihr zugeworfen. Mit der Geburt des ersten Sohnes aus die ser Liaison fand Nell Gwyn's schauspielerische Laufbahn ein Ende. Das englische Volk ha: stets ein? be. sondere Vorliebe für Nell. Gwyn, be wahrt, wie man sie dort sonst für Lcut ihres Schlages nicht kennt. Noch heuti. wohnt ihrem Namen eine Anziehungs-. kraft' inne. die 'sich nur aus dem Eindrucke herleiten läßt, den ihr Wesen hinterließ. Die hübsche spaßhafte Nell", aus tiefer Armuth emporgestiegen zum glänzenden Hofe von Whitehall, großmüthig und gutherzig, ihren Einfluß nie mißbrauchend und dabei schlagfertig in Angriff wie Antwort sie hat zeitig angefangen, für die eng lische Maitresse- Karl's und eine Art irregulären Genius ihres Volkes in der Umgebung des gekrönten Pensionärs Ludwig's XIV, zu gelten, der sonst sogar unter seinen Geliebten das kaiholische Element bevorzugte. Charakteuflisch ist die Anekdote, wie Nell Gwyn. in einer königlichen Kutsche Oxford berührend, dort vom Mob aufgehalten wird, iveil er eine der kathollschen Maitressen im Wagen vermuthet. Kurz entschlossen ruft sie zum Fenster hinaus: Bitte, liebe Leute, seid ar tig; ich bin ja die protestantische!" Sehr zahlreich sind die theils derben, theils geistreichen Stiche, vermittels de. ren sich Nell Gwyn ihrer Rivalinnen in der sultanischen Gunst Karl's erwehrte. Ludwig XIV. hatte das schöne Fräulein von Qu6rouaille als Begleitung seiner Subsidien nach London gesandt; in der That erhob Karl die Französin gleichfalls zu seiner Favoritin und ver lieh ihr die Würde und Einkünfte einer Herzogin von Portsmouth. Jetzt rühmte sie sich flugs ihrer Verwandtschaft mit den, Bourbonen, und legte einst, als ein Prinz dieses Hauses gestorben war, feierliche Trauer an. Gleich hernach kam die Nachricht vom Ableben des Chans der Krim, da erschien Nell Gwyn in Schwarz und beklagte lebhaft den Tod dieses theuren Verwandten. In wie fern war das?" fragte der König erstaunt. Ach," sagte Nelly, genau im gleichen Grade, wie es zwischen dem Prinzen und Fräulein Qu6rouaille der Fall war," und weinte so natürlich, daß die Gesellschaft laut auflachte. Nell Gwyn und ihr Sohn standen hinter den übrigen Begünstigten stets zurück. Wirklich starb Karl II. an Schlagfluß, ehe er seine Absicht ausführen konnte. Nelly zur Gräfin von Greenwich zu erheben, was In den näch sien Tagen hätte geschehen sollen. Daß ihr Knabe noch rechtzeitig zu Rang und Würden kam. verdankt das edle Geschlecht der Herzöge von St. Albans ebenfalls nur einem humorvollen Streiche ihrer Ahnmutter. Einst, als wieder eine Anzahl Beförderungen erfolgt war, welche drei illegitime Kindn Karl's mit Grasschaften und Herzogthümern versahen, rief Nell Gwyn in des Königs Gegenwart dem kleinen Charles zu: Hierher, Du junger Bastard Du!" Ich habe doch keinen vernünftigen Rufnamen für ihn." erklärte sie dem etwas betretenen Vater lachend. Jetzt wurde das sechsjährige Kind sofort ein Baron von Headington und Carl von Vurford. bald nachher erfolgte auch die Verleihung des Herzogtitels. Laß die arme Nelly aber nicht hun gern," war eins der letzten Worte Karl's auf dem Sterbebette, an seinen Bruder Jacob gerichtet. Indessen 'Nahm sich der neue König ihrer erst an. nachdem die Gläubiger bereits Arrest auf ihre Habseligkeiten gelegt hatten. Dann allerdings ließ er.es an königlicher Freigebigkeit nicht fehlen, bezahlte ihre Schulden im Betrage von anscheinend etwa 5000 Pfund Sterl. oder noch mehr, scherte ihr einen Landsitz und setzte eine regelmäßige Revenue sür sie aus.. Doch starb sie schon im November 1687 im Alter von 37 Jah ren, wenige Monate vor dem abermaliaen Zusammenbruche des Stuartschen Thrones. Nach Bildnissen, unter denen sich em werthvolles Porträt von Peter Lely be findet, war sie von kleiner Figur und rundlichen Formen. Das anziehende Gesichtchen ist von losen dunkelbraunen Locken umrahmt; beim Lachen verschwanden ihre kleinen schelmischen Augen beinahe ganz. Des Lesens und Schreibens ist sie stets unkundig geblie ben; es existut noch etwa ein halbes Dutzend von ihr mit E. G. signirter Briefe. Man hat die Umvsse der Jnitialen erst vorpunktirt, woraus die Punkte unsicher verbunden sind, i ii Nasche Diagnose. Doctor (eine: jungen Dame den Puls fühlend): Hatten Sie in der letzten Zeit besondere seelische Erregungen. mein Fräulein?" Dame: Bei dem letzten Garnisonwechsel wurde mein Cousin versetzt." Doctor: Na. da haben wir's ja Wcchselfieber!" Verlegenheit. Professor: Frau, ich will die Manschetten an?egen." Frau: Sie liegen doch schon auf der Comodc!" Professor: Ja. aber ich kann nicht darauf kommen, welche die rechte und welche die linke ist!" Mißverstanden oder boshaft. Er: Aber Kind, ich wollte, doch mit Dir unter vier Augen sprechen, und nun sehen Papa und Mama vom ersten Stock herunter?" Sie: Nun, das sind eben die vier Äugend ,

ZZte alte GesaMie. Von Catdlle MendcS. '

Nein. nein", saate fa. Du liebst mich nicht mehr! Oh. ich bitte Dich um alles in der Welt, nur keine Betyeuerunaen. nur keine Versicherunaen! Ich sehe es. ich fühle es. ich merke eS aus allem und xbem, daß es so ist. eme Worte sind mcbt mehr so zartlich. Deine Küsse nicht mehr so feurig, Ä)em Auge leuchtet nicht mehr wie on t mit einem Worte, saae was Du willst. Du liebst mich nlcbt mehr!" Weißt Du das bestimmt?" fragte er. Ganz bestimmt!" Und Du weinst nicht? Du raufst Dir nicht die Haare aus. Du bist nicht verzweifelt. Du bekommst nickt Deine Nervenzufälle?" Sie machte em Mäulchen und sah ihn mit einem komischen Blicke, halb Spott, halb Aerger und Verlegen heit an. Nein." sagte sie dann. Ich wollte es anfangs wohl versuchen, aber. . ." Aber. . ." Es ging nicht. Liebster; es ginz beim besten Willen nicht." Und warum...?" Warum? Ich weiß selbst nickt." So will ich's Dir erzählen." sagte er und zog sie zu sich nieder. Es ist eine alte Geschichte..." Ein Märchen aoV Nein, kein Märchen. Eine wahr: Geschichte, so wahr... wie unsere Liebe." ..Ah," sagte sie gespannt. Also, ich höre." Und er erzählte. Es ist eine alte Geschichte, so alt-, daß damals noch die Götter auf Erden. wandelten, während jetzt" Nur die Göttinnen, darauf wan deln", unterbrach sie ihn. Weiter." Ein mächtiger Strom durchfloß da mals die Erde und die Menschen nann ten ihn den Strom des Lebens." Ach." sagte sie enttäuscht und wollte aufstehen. Eine Parabel. . ." Er aber zog sie an sich und ließ sie nicht von sich. Auf diesem Strome schaukelte ein Schiff. Die Segel flatterten im Winde und lose hielt ein Greis nüt wallendem Barte die Segelleine in den harten, knochigen Händen. Es war der Gott der Zeit." Darf man mit?" fragte da plötzlich ein zartes süßes, mädchenhaftes Stimmchen. Und der Schiffer sah auf und sah ein kleines zierliches. pausbackiges Kcrlchen mit Schmetterlingsflügeln vor sich, einen , goldenenKöcher mit goldenen Pfeilen über .dem Rücken. Ah, der kleine Amor!" Ja. der kleine Amor." Der Schiffer erkannte ihn auch. Wenn Du willst." sagte er und ließ den Lte besgott in das Schiffchen ein. O." 'sagte der Kleine, laß doch mich, bitte, das Schiffchen lenken, willst Du?" Da sah der Fährmann erstaunt auf. Dich?" fragte er verwundert: wie willst Du kleiner Knirps denn damit sertig werden?" O, leicht. Geh' nur weg," und der kleine Gott schob den Alten bei Seite, nahm ihm die Segelleine aus der Hand, frisch setzte der Wind in die Segel ein und fröhlich glitt das kleine Fahrzeug durch die Fluth. Der alte Schiffer aber sah verwundert zu und lächelte. Plötzlich wurde der Wind matter und matter, die Segel flauten und schlappten und schwappten, so daß sie gerefft werden mußten, wollte das Schiffchen nicht kentern. Gott Amor aber sah verdrießlich drein. Was nun?" fragte er. Du mußt nach den Nudern greifern," Da lächelte der kleine'Gott vergnügt und griff nach den Rudern. Schwer und mühsam genug ging es, aber es ging, doch immer langsame? und langsamer; keuchend ging der Athem des losen Gottes und seine Hände erlahmten, bis er kraftlos, die Ruder .sinken ließ und einen flehenden Blick auf den Alken warf. Mach' Platz." sagte dieser, schob den Liebesgott sachte bei Seite, setzte die Ruder kräftig an, und ruhig glitt das Schifflein auf dem Strome deZ Lebens weiter. .Nun und?" fragte Lolotte. Das ist die ganze Geschichte." Sonst nichts?" Sonst nichts. Von jenem Tage an aber blieb der Pakt zwischen den Beiden aufrecht. Erst wird die Liebe die Zeit vertreiben, und dann. . ." Vertreibt die Zeit die Liebe, meinst Du nicht so?" Er aber seufzte auf. schrb die Geliebte sanft von sich, stand auf, gab ihr einen Kuß und ging. Sie aber. Lolotte. stand da und sah ihm nach. Auch ihre Brust hob ein le ser Seuszer. Wie schade, dachte sie, es war doch viel schöner, als noch die Liebe auf der Ruderbank saß. Aber.... wenn der Vertrag einmal besteht, wer kann dafür? Ich doch gewiß nicht!" Und getröstet schellte sie ihrem Kammermädchen, ließ sich frisiren und parfümiren und fuhr zur Oper. Gauner st olz. Erster Dieb: Warum bist denn so stolz. JaquerlZ" Zweiter Dieb: Na, weißt, seit mcinem legten schönen Diebstahl reißen sich die ersten Vertheidiger um mich." Moderner H e i ra t h sa n t r a g. Junger Mann: Bitte. Herr Baron, können Sie mir nicht in meiner momentanen Geldverlegenöcit mit einer Ihrer Töchter aushel5c.:'